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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Neckarbischofsheim (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton
Kraichgau gehörenden Stadt Neckarbischofsheim bestand eine jüdische Gemeinde
bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhundert zurück.
1652
sind bereits acht Familien am Ort. Wie groß die Gemeinde bereits um 1700 war,
wird daran deutlich, dass zwischen 1686 und 1730 der Beschneider R. Seligmann
aus Hüffenhardt in Neckarbischofsheim
68 Beschneidungen vorzunehmen hatte. 1694 gab es sechs jüdische Haushaltungen
in der Stadt.
Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1824
war Neckarbischofsheim Sitz eines Bezirksrabbiners. Danach gehörte
Neckarbischofsheim zum Rabbinatsbezirk Sinsheim.
Die letzten Rabbiner in Neckarbischofsheim waren Moses Bamberger (bis 1820) und
nach dessen Tod sein Sohn Jakob Koppel Bamberger; letzterer folgte 1824 einem
ehrenvollen Ruf nach Worms (siehe Bericht unten).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 123 jüdische Einwohner (9,9 % von insgesamt 1.241 Einwohnern),
1813 140, 1825 187 (10,4 % von 1.798), 1859 189, 1865 160, 1875 117 (6,9 % von
1.684), 1884 122, 1900 109, 1925 40 (2,9 % von 1.395). Im Revolutionsjahr 1848
war es in Neckarbischofsheim zu einem "Judenkrawall" gekommen. Nach
der Emanzipation der Juden im Jahr 1862 gestaltete sich das Zusammenleben von
Juden und Christen in zunehmendem Maße tolerant und freundlich.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (bis zur Auflösung 1876 eine Konfessionsschule im 1848
erbauten jüdischen Schulhaus auf dem Platz der alten Synagoge in der
Rathausgasse; nach 1876 im Gebäude jüdische Religionsschule; die
"Schulgasse" hat ihren Namen von der jüdischen Schule)) und ein
rituelles Bad (1746 im Gebäude der Synagoge in der Rathausgasse, seit 1848
möglicherweise in der neuen Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden im
jüdischen Friedhof in Waibstadt beigesetzt.
An jüdischen
Vereinen bestanden ein Israelitischer Wohltätigkeitsverein (Chewra
Kadischah: Ziele waren die Unterstützung Hilfsbedürftiger und das
Bestattungswesen) und eine Israelitischer Frauenverein.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Adolf Sinn (geb.
25.10.1882 in Neckarbischofsheim, vor 1914 in Rexingen wohnhaft, gef.
30.10.1917).
Um 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Samuel Jeselsohn,
David Jakobsohn und Joseph Faller. Als Religionslehrer und Kantor war Heinrich
Bloch angestellt. Die Religionsschule besuchten damals noch drei Kinder; zwei
Kinder erhielten den Religionsunterricht an höheren Schulen. 1932 waren
die Gemeindevorsteher Samuel Jeselsohn, David Jakobsohn und Ernst Wolff.
Inzwischen war Jakob Bloch Lehrer, Kantor und Schochet.
1933 gehörten jüdischen
Familien noch einige Handels- und Gewerbebetriebe, darunter: Buchbinderei Faller
(Hauptstraße 16), Textilgeschäft Samuel Jeselsohn (Hauptstraße 20),
Reisehandlung Max Katz (Hauptstraße 47), Reisehandlung Markus Reiss (Hauptstraße
30), Landesproduktenhandlung Max Berthold Wolf und Ernst Wolf (M.B. Wolf &
Sohn, Hauptstraße 36). Der jüdische Arzt Dr. Georg Homburger leitete das
Krankenhaus und besaß daneben eine Privatpraxis.
1933 lebten noch 37 jüdische Personen am Ort (2,7 % von insgesamt 1.391
Einwohnern). Ein Teil von ihnen ist in den folgenden Jahren auf Grund der Folgen
des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung
vom Ort verzogen oder ausgewandert (USA, Palästina, Holland, England). 1938
wurden noch 19 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge zerstört; die jüdischen Männer wurden in das KZ Dachau
verschleppt. Die letzten 12 jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober
1940 von Neckarbischofsheim in das Konzentrationslager Gurs/Südfrankreich deportiert.
Von den in Neckarbischofsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jülchen
Andriesse geb. Jakobsohn (1899), Beni (Benny) Bär (1857), Bonna Bloch geb.
Rothschild (1874), Jakob Julius Bloch (1906), Rike Bodenheimer geb. Sinsheimer
(1857), Elsa (Esther) Cohn geb. Jeselsohn (1910), Laura Eschelbacher (1888),
Friederike Frank geb. Ottenheimer (1889), Julchen (Julia) Frank (1884), Moses
Frank (1885), Helene Gavsuk (1883), Lina Goldberger geb. Grünhut (1895), Helmut
Herz (1922), Adolf Hirsch (1879), Friederike Hirsch geb. Wolff (1863), Mathilde
Hirsch (1872), Moritz Hirsch (1884), Otto Hirsch (1902), Betty Iffland geb.
Jakobsohn (1893), Abraham Jakobsohn (1861), Augusta Jakobsohn (1893), Bertha
Jakobsohn geb. Würzburger (1863), David Jakobsohn (1862), Josef Jakobsohn
(1876), Karl Kaufmann Jacobsohn (1870), Else Kahn geb. Jeselsohn (1910), Max
Katz (1870), August Kaufmann geb. Jakobsohn (1864), Leontine Kaufmann geb. Sinn
(1875), Recha Kaufmann geb. Frank (1881), Sophie Kay geb. Jakobsohn (1895),
Berta Levi geb. Frank (1889), Bertha Levi geb. Hirsch (1882), Karoline Mahler
geb. Jeselsohn (1867), Sophie Marx geb. Sinn (1879), Klara May geb. Jakobsohn
(1871), Sigmund Oppenheim (1872), Hermann Oppenheimer (1874), Bertha Ottenheimer
geb. Kahn (1864), Markus Reiss (1866), Helene Salamon geb. Oppenheimer (1897),
Karoline Selz geb. Jakobsohn (1874), Ida Sinn (1876), Jacob Sinn (1886), Selma
Sinn (1889), Erna Frida Erika Stein geb. Wolff (1905), Irma Wolff geb. Stein
(1882), Moses Wolff (1873).
Spuren der Verfolgungszeit 1933 bis 1945. In Neckarbischofsheim bestand von Sept. 1944 bis März 1945 als Unterkommando des Lagers Neckarelz ein Außenkommando des Konzentrationslagers Natzweiler/Elsaß. Das Lager befand sich beim Bahnhof Neckarbischofsheim Nord im Bereich der Neckarbischofsheimer Schwarzbachsiedlung bzw. des Waibstadter Ortsteiles Bernau. Es bestand aus zwei mit einem Zaun umgebenen Baracken. Die Häftlinge arbeiteten in Gipsstollen in Obrigheim, in denen Rüstungsbetriebe eingerichtet waren. Die im Lager umgekommenen Häftlinge wurden auf einer Freifläche des
jüdischen Friedhofes Binau beigesetzt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod von Nathan Niedermann (von 1885 bis 1910 Lehrer in
Neckarbischofsheim)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Mai 1910:
"Neckarbischofsheim. Unser langjähriger Lehrer und Kantor
Nathan Niedermann wurde zum großen Leide der ganzen Gemeinde aus dieser
Welt abberufen. Ein schweres Leiden hatte ihn vor einem halben Jahre
mitten aus seiner Tätigkeit heraus aufs Krankenlager geworfen, und wenn
es manchmal ihm auch wieder zu gelingen schien, seine Tätigkeit wieder
aufzunehmen, so war die Besserung nur eine scheinbare.
Mit ihm ist ein bescheidener, friedliebender Mann, der über 24 Jahre treu
und gewissenhaft seines Amtes in unserer Gemeinde gewaltet hat, ins Grab
gesunken. Erst 48 Jahre alt, ist es heimgegangen, fast seine ganze
Lebensarbeit gehörte der hiesigen Gemeinde, er war nur kurze Zeit vor
seinem Hierherkommen Lehrer in Oberseemen.
Ein Schüler des Würzburger Seminars, hatte er dessen Traditionen nicht
vergessen, in Lehre und Leben war er, das muss heutzutage besonders betont
werden, ein Bekenner des traditionellen Judentums. Nie wird sein
Gedächtnis erlöschen bei allen denen, die ihn gekannt haben." |
Die Lehrerstelle wird mit Religionslehrer Bloch besetzt
(1910)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. August
1910: "Aus Baden. Die mit dem Vorsänger- und Schächterdienst
verbundene Religionsschulstelle in Neckarbischofsheim (mit Filiale Waibstadt)
wurde dem Religionslehrer Bloch in Grünsfeld (Baden) übertragen, jene in
Wollenberg (Baden) dem Lehrer Tuch
in Speyer am Rhein." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Rabbiner Jacob Koppel Bamberger
(1864)
Anmerkung: Rabbiner Jacob (Koppel) Bamberger ist 1785 in Neckarbischofsheim
geboren. Er erhielt seine Ausbildung im Elternhaus seines Vaters Rabbiner Juda Moses Levi
Bamberger und wurde 1820 nach dem Tod des Vater Rabbiner in Neckarbischofsheim.
Er war
auch an den rabbinischen Gerichtshöfen in Mannheim und Karlsruhe tätig, 1824
bis 1864 war er Rabbiner in Worms.
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Artikel
aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1864: "Worms,
Ende März. Wie sich aus der eben noch heitern Luft der vernichtende Blitz
auf die hoffnungsvolle Saat plötzlich herabschwingt, so traf vor wenigen
Tagen, am Schuschan Purim
(= 23. März 1864), viele
Herzen schwer verwundend die Trauerkunde von dem unerwarteten Tod des würdigen,
für die höchste Aufgabe der Menschheit unermüdet tätigen Rabbinen
Jacob Koppel Bamberger. Wenn auch die Silberlocke seinen Scheitel deckt,
wenn er auch das hohe Alter von 79 Jahren erreichte, so sind der Schmerz
und die Wehmut über das Hinscheiden dieses Edlen dennoch gerecht, weil
trotz seines Alters sein heiteres Naturell, sein klarer Verstand, sein
geordnetes Denken noch segensreiche Früchte verhießen. Er glich der
alten Eiche, deren starke Wurzeln fest in der Erde fußen, und die noch
immer dem Wanderer erquickenden Schatten bietet. Gerecht ist der Schmerz,
aber er gehe aus seinem Ungestüm in die stillere Wegmut über und wandle
sich in den einen großen Vorsatz um, den Betrauerten durch ein seiner
Lehre und seinem Willen genehmes Leben fort und fort zu ehren.
Ist es auch seinen Hinterbliebenen ein schöner und sicherer Trost,
sich dereinst mit ihm in dem Himmel wieder vereint zu wissen, so stärkt
sie doch gewiss auch die bleibende Erinnerung an sein segens- und
tatenreiches Leben.
Und so will denn ein treuer Schüler dem Verewigten auch für weitere
Kreise durch einen kurzen Rückblick auf sein Leben ein
Erinnerungs-Denkmal aufrichten.
Rabbi Jacob Koppel Bamberger ward zu Neckarbischofsheim geboren. Sein
Vater war der im hohen Greisenalter verstorbene vielgelehrte Rabbiner
Moses Bamberger, und seine Mutter war eine Tochter des talmudisch berühmten
Rabbiners Simon Flehinger, Rabbiner in Mühringen.
Der väterliche Ernst im schönen Bund mit der mütterlichen Milde hatte
sich die Erziehung des einzigen Sohnes zur besonderen Aufgabe gemacht, und
bestimmte denselben der Tora. Der Vater ließ ihn in allen Wissenschaften
privatim unterrichten, und zum Studium des Talmuds nahm er für ihn die
anerkanntesten jüdischen Lehrer auf, um damit dem Sohne die Jeschiwa
zu ersetzen, da der Vater und die Mutter den einzigen Sohn nicht gerne außer
ihrer Obhut ließen. Es wurde kein Opfer gescheut, um ihn tüchtig den
rabbinischen Disziplinen heranbilden zu lassen. Der strebsame Jüngling krönte
alsbald die Hoffnung seiner teueren Eltern; bald erreichte er das Ziel;
denn noch hatte er das 18. Lebensjahr kaum überschritten, so wurde ihm
von den bedeutendsten Rabbinen der damaligen Zeit, namentlich von Rabbiner
Ascher – das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen -, dem Sohne des Schaagath Arjeh, aus Karlsruhe, die rabbinische Autorisation – morenu – erteilt.
Mit dem ausdauerndsten Fleiß betrieb er nun die Studien der beiden
Talmude. Mit wahrhafter Begeisterung durchforschte er die Werke der Poskim (rabbinische Entscheidungsträger) und Meforsim. Er hatte stets große Neigung für das historische Wissen,
und was sein ganzes Leben beseelte, waren die Werke des großen Maimonides.
Dieser große
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Lehrer
Israels war sein Ideal, dem er stets nachstrebte; es verging kaum ein Tag,
ohne dass er sich begeistert über dessen Werke ausgesprochen hätte.
In seinem 19. Jahre ward er mit der höchst achtbaren Familie des
Mannheimer Rabbiners, Rabbi Getschlik Alsens, bekannt. Die Tochter dieses
Hauses, namens Jitle, gewann und erwiderte seine Zuneigung, und verband
sich ihm auch zur treuen Lebensgefährtin. Ein Mädchen entsprang dieser
Ehe, namens Regine, die der Verewigte besonders liebte; sie verehelichte
sich mit einem Verwandten, Dr. Fraensdorf aus Bamberg.
Kurze Zeit nach seiner Verehelichung wurde er mit dem Rabbineramt
der Stadt Heidelberg und Umgegend betraut, und es wurde da sein geistiges
Talent sogleicht in die Arena gerufen. Der hochgelehrte Rabbiner Ascher
entbot ihn nach Karlsruhe, um mit ihm gemeinschaftlich den neu erstandenen
Tempel zu bekämpfen, dessen Tendenz die Entfernung jüdischer und Einführung
deutscher Gebete mit Orgelbegleitung war.
Ihre Bemühung krönte den Erfolg, und sie hatten um dessentwillen
in einer deutschen theologischen Zeitschrift bittere Angriffe abzuwehren.
Nach dem Tode seines weit berühmten Vaters wurde er zu dessen
Nachfolger (sc. in Neckarbischofsheim) erwählt, als welcher er segensreich wirkte; er wird noch heute
sein Name dort mit Ehrfurcht genannt.
Im Jahre 1824 wurde ihm von der hiesigen Gemeinde (sc. Worms)
das Rabbineramt
übertragen. Gerne folgte er diesem ehrenhaften Rufe. Da Worms von jeher Stadt
und Mutter in Israel war, und das Rabbinat stets nur mit Autoritäten
besetzt wurde. Er folgte gerne diesem Ruf, um hier seine geistige Tätigkeit
zu entwickeln, aber er ahnte nicht die vielen Kämpfe, die er da zu
bestehen hatte. Nicht allein pekuniäre und Familienverhältnisse haben
manche bittere Stunde ihm bereitet, auch der Sturm der unjüdischen
Bestrebungen der neuen Zeit brauste wider ihn heran und hat die ganze
Kraft seines Lebens in Anspruch genommen.
Gleich nach seinem Hierherkommen hat sich eine große Anzahl Jünger aus
allen Gegenden um ihn geschart, um von ihm Worte der Tora zu hören, und
viele Rabbinen sind aus seiner Jeschiwa hervorgegangen (Anmerkung der
Redaktion: Auch der Herausgeber dieser Blätter hat von ihm Hattarat
Horaah erhalten).
Mitten
im Kampfe für Lehre und Leben wurde er durch die Trauerbotschaft von dem
Hinscheiden seiner treuen Gattin, welche in Bamberg zum besuche ihres
Kindes war, tief getroffen. Nun stand er allein als Greis, und keine
teilnehmende Hand hat ihn gepflegt. – Ich, als treue Schüler, hab Alles
aufgeboten, seine traurige Lage einigermaßen zu erleichtern – war so
oft wie möglich um ihn, und habe seine herbe Last ihm tragen helfen. -
Der ehrwürdige Rabbiner Dr. Auerbach, sein Schüler und
Vertrauter, veranlasste ihn zu einer zweiten Ehe, und er verheiratete sich
auch mit Johanna Lehmann aus Darmstadt. Ich bot Alles auf, seinen pekuniären
Verhältnissen eine andere Gestaltung zu geben, was mir unter Gottes
Beistand auch gelang. Sein häusliches Leben wurde nun ein freundliches;
von seiner Frau geliebt, geachtet und treu und sorgsam gepflegt, lebte er
glücklich in dem Kreise der Seinigen, (Anmerkung der Redaktion: Der
Herausgeber dieser Blätter reiste fast alljährlich nach Worms, nur zu
dem Zecke, den ehrwürdigen Greis zu besuchen; die Liebe und sorgsame
Pflege der Angehörigen desselben verfehlte niemals, den erfreulichsten
Eindruck zu machen) und zog, außer seinen amtlichen Verpflichtungen, sich
von der Außenwelt zurück. Dieser Zurückgezogenheit verdankte die
Wissenschaft eine ausgedehnte Bereicherung auf ihrem Gebiete, das der
Selige mit genialer Kraft zu erforschen verstand. Es befindet sich
Folgendes im Manuskript vor: Hebräischer Titel der 4
Bände.
Ein Mann, wie er, der nur mit Gott und sich selbst verkehrt, konnte
nicht viel mit der Gesellschaft verkehren; er lebte in einer selbst
geschaffenen Welt. Seine Liebe zur Einsamkeit stand mit seinem tiefen, großen
und edlen Charakter in Verbindung.
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Der
Besuch des Gotteshauses, morgens und abends, war ihm eine himmlische Beschäftigung
und nichts vermochte ihn davon abzuhalten; selbst dann, wenn die Kanzel
dazu benutzt wurde, um kränkende Äußerungen hören zu lassen, verfehlte
er nicht, dahin zu gehen. Noch am Taanit-Ester-Abend
(= 21. März 1864, sc. zwei Tage vor seinem Tod) ging er in die Synagoge, wohnte dem Gottesdienst bis zuletzt bei – und
eine Stunde später wurde ich zu ihm ans Krankenlager gerufen (Anmerkung:
er ward ohnmächtig, während er damit beschäftigt war, seinem einziger Töchterchen
aus zweiter Ehe das Buch Esther zu erklären. – Redaktion). Er konnte
sich der Ohnmachten nicht erwehren, und die Schwäche nahm, trotz allen ärztlichen
Beistandes zu, und so entschließ er. Purim nachts 11 Uhr ist dieser
herrliche Geist in seine ewige Heimat entschwebt.
Freitag, den 25. März, morgens 11 Uhr, war das Leichenbegängnis
dieses großen Meisters in Israel.
Es war eine ernste erhebende Feierlichkeit, zu der nicht allein die
ganz hiesige Gemeinde, sowie alle Gemeinden des Kreises – nicht allein
die Staats-, Zivil- und Militärbehörden, die Geistlichen aller
Konfessionen, sondern auch viele Rabbinen sich vereinigt hatten, im Gefühl
der Trauer und des tiefsten Schmerzes. Überall begegnete man Männern in
tiefer Trauerkleidung; überall sah man Tränen fließen, sah, dass jeder
sich der traurigen Bedeutung dieses Tages in tiefstem Ernste bewusst
geworden. Ein unübersehbarer Leichenzug begleitete die Bahre. Kein Laut
wurde vom Todeshause bis zum Beit HaChajim (Friedhof) gehört; ein stiller, tiefer Schmerz erfüllte
die ganze Stadt.
Im
Todeshause, bevor der Leichenzug sich in Bewegung setzte, sprach ich Worte
der Trauer und der Klage (Anmerkung der Redaktion. Herr Mannheimer sprach
in ebenso beredter wie ergreifender Weise; es waren Worte, die vom Herzen
kamen und zu Herzen gingen). -
Am Grabe sprachen außer dem hiesigen Prediger noch vier Rabbinen
benachbarter Gemeinden.
Moses Mannheimer."
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Zum Tod von Aaron Kaufmann Bär (1875) - 40 Jahre
Beschneider in Neckarbischofsheim und Umgebung, Bezirksältester
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1875: "Frankfurt
am Main, 30. November (1875). Als sich die Kunde verbreitete, dass Aaron
Kaufmann Bär am Heiligen Schabbat
Paraschat Wajare
(Schabbat mit der Toralesung Wajare = 1. Mose 18,1 - 22,24; das
war am 13. November 1875) das Zeitliche gesegnet, waren es nicht bloß
einzelne, welche den Dahingeschiedenen betrauerten und beweinten, sondern
der ganze Kreis derer, die den Verblichenen gekannt hatten, beklagten tief
den Verlust dieses edlen Mannes, der eine Zierde gewesen war aller
Genossenschaften, denen er im leben angehört und teilweise vorgestanden
und vorangeleuchtet hatte.
Der
Verblichene lebte bis vor ca. 5 Jahren, von welcher Zeit an er hier
wohnte, in seinem Geburtsort Neckarbischofsheim im Großherzogtum Baden,
hatte sich durch Umsicht und Fleiß ein ansehnliches Vermögen, durch
seine Rechtlichkeit, sein kluges benehmen und seine liebreiche Art und
Weise im Umgange, das Zutrauen, die Liebe und Achtung seiner Mitbürger,
sowohl bei Glaubensgenossen aller Schattierungen, als auch bei Nichtjuden
erworben.
Sein Ruf war, zumal er auch als Mohel
(Beschneider) in der ganzen dortigen Gegend eine sehr ausgedehnte Praxis
hatte, weit über die Grenzen seiner Vaterstadt und deren Bezirk hinaus
verbreitet. Dem hohen Berufe, den männlichen
Nachwuchs in den Bund unseres Vaters Abraham einzuführen, hat er sich
seit 40 Jahren mit der größten Hingebung gewidmet, und war es ihm stets
eine außerordentliche Freude, diese heilige religiöse
Weisung (Mizwe) zu erfüllen, die er am verflossenen Tag vor Neujahr
zum letzten Male ausführte und dabei die Zahl
gerade die Perat Katan des beginnenden Jahres erreicht.
Mit gleicher Vorliebe hat er sich als ehrenamtlicher Vorbeter
ausgezeichnet, besaß aber auch all die erforderlichen Eigenschaften eines
Kantors. Er hatte sowohl das Verständnis dessen, was er vortrug, als
auch gründliche Kenntnis aller Nigunim
(Melodien) und was er bezüglich letzterer ein- oder zweimal gehört
hatte, war ihm Eigentum geworden.
Ebenso war er aber auch in seiner Stellung als Bezirksältester in seinem
heimatlichen Sprengel, wozu er im Jahre 1847 von Großherzoglichen
Badischen Oberrat der Israeliten ernannt worden war, pflichttreu und pünktlich,
worüber ihm bei seiner Übersiedlung hierher die höchste Zufriedenheit
seitens Großherzoglicher Behörde vermittelst Anerkennungsschreiben
ausgedrückt wurde. Gleiche Sorgfalt wandte er als Vorstand des
Friedhofverbands seines heimatlichen Bezirkes, zu welchen 28 Gemeinden zählen,
seinen dahingehörigen Obliegenheiten zu.
Er war immer ein regelmäßiger Besucher des Gottesdienstes ... sowohl in seiner
Heimatgemeinde, wie auch hier in Frankfurt am Main, wo er sich gleich bei
seiner Hierherkunft der israelitischen Religionsgesellschaft Adass
Jeschurun anschloss, an deren Bestrebungen, Zielen und Einrichtungen
er großes Vergnügen fand und mit regem Interesse sich beteiligt. Es war
für ihn ein wahres Privileg, seinen Lebensabend an einem Platze zu verbringen, wo es
ihm ermöglicht war, sich als Jehudi
(gemeint: frommer Jude) immer mehr zu vervollkommnen.
So hat er sein Leben nach vollendetem 63. Lebensjahre beschlossen;
er hinterlässt aber ein bleibendes Andenken in den herzen aller, die
seinen tugendhaften Lebenswandel gekannt, und mit denen er in liebreicher
Weise verkehrt hatte. Möge der Allmächtige die würdige Gattin, sowie
den einzigen Sohn, der in die Fußstapfen seines Vater tritt, Trost und
Erhebung finden lassen in dem Bewusstsein, dass wer sein Leben so
beschlossen, wie der Verewigte, nicht umsonst, sondern zum Segen der
Nachwelt gelebt und gewirkt hat.
Zum ewigen Gedenken sei der Gerechte."
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Handelsmann A. Adler erhält das Ehrenzeichen für 25-jährige Dienste in der freiwilligen Feuerwehr (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1891: ""Aus
Baden. Seine Königliche Hoheit der Großherzig von Baden hat im Jahr
1879 Ehrenzeichen für 25-jährige treue Dienste als Mitglieder der
freiwilligen Feuerwehren gestiftet. Wie in früheren Jahren, so können
wir auch diesmal wieder mit freudiger Genugtuung berichten, dass auch
Israeliten ausgezeichnet wurden, ein Beweis, dass dieselben nie zurückstehen,
wenn es gilt für das öffentliche Interesse, wohltuend mitzuwirken. In
dem Verzeichnisse bemerkten wir, als uns bekannt, die Herren: Kaufmann
Josef Oppenheimer und Handelsmann Jakob Wolf in Buchen, Kaufmann August
Bloch, Kaufmann Adolf Darnbacher und Metzger Max Maier in Bühl und
Handelsmann Max Tiefenbronner in Königsbach, Handelsmann A. Adler in
Neckarbischofsheim und Handelsmann Moses Guggenheim in Tiengen". |
Zum Tod von Aron Daniel Bär (1899)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1899:
"Neckarbischofsheim, 18. Juni (1899). Am letzten Dienstag, 5. Tammuz
(= 13. Juni 1899), verschied nach kurzem Kranksein das älteste Mitglied
unserer Gemeinde, Herr Aron Daniel Bär im 92. Jahre seines Lebens. Mit
ihm hat seine Familie ihr teures, treu besorgtes Haupt, seine Gemeinde ihr
treues Mitglied, das Judentum einen überzeugten, von der Wahrheit seiner
Lehren im Sinne der altüberlieferten Tradition tief durchdrungenen Sohn
verloren. Zum Teil aus weiter Ferne waren Verwandte und Freunde des
Entschlafenen herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die
hiesigen Einwohner, ohne Unterschied des Glaubens, folgten in sehr großer
Zahl seinem Sarge, u.a. die beiden evangelischen Ortsgeistlichen, die
Lehrer, der Bürgermeister. Alls schätzten sie an dem Verblichenen, der,
wie selten einer, hervorragende Güter des Geistes und des Gemütes in
sich vereinigte, die Geradheit und Aufrichtigkeit seines Wesens, seinen
Edelsinn und seine Charakterfestigkeit. Bis zum letzten Tage seines
gottbegnadeten Lebens beschäftigte er sich in völliger Frische des
Geistes mit allen Vorgängen im Leben seiner Familie und des Gesamtheit.
Alles, was das Judentum anging, hatte in ihm einen aufmerksamen
Beobachter, dessen klare, verstandscharfe Meinungsäußerungen den Hörer
ungemein fesseln mussten, Als guter Sohn seines Volkes erfüllten ihn alle
Bestrebungen mit tiefem Schmerze, die darauf hinzielten, mit dem echten, unverfälschten
Judentume zu brechen. Unvergesslich werden jedem seiner Bekannten, der das
Glück hatte, ihn erzählen zu hören, die dabei erlebten Stunden bleiben;
leuchtenden Auges berichtete der teuere Greis - er ruhe in Frieden - noch
häufig in den jüngsten Tagen seines Lebens von dem Judentum früherer
Tage, von seinen ihm so teueren Lehrern, unter denen er die hiesigen
Rabbiner, Rabbi Moscheh Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist
zum Segen - und Rabbi Koppel Bamberger - das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen - den nachmaligen Wormser Raw, nannte. Ein
halbes Jahrhundert hatte er das Glück in seiner Gemeinde als Bal Tokeah
(Schofarbläser) zu fungieren, und viele Jahre war er ehrenamtlicher
Vorbeter an Neujahr und Jom Kippur. Jeder, der ihn
hierbei beobachten konnte, war tief ergriffen von der Ehrfurcht und dem
heiligen Eifer, der ihn erfüllte. Verstummt ist für immer der
liederreiche Mund, dem die uralten, anheimelnden Melodien seines Volkes so
geläufig waren. Bei der Beerdigung gab der stellvertretende Rabbiner des
Bezirks, Herr Dr. Eschelbacher, Bruchsal, in schönen Worten dem Verluste
beredten Ausdruck, den alle erlitten, die ihn gekannt haben. Was sterblich
war an ihm, ist nicht mehr, seine Seele aber wird im Garten Eden
des Lohnes teilhaftig werden, die nach der Lehre unseres Volkes allen
Gerechten dort zu Teil wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens. S.F." |
Zum Tod von Baruch Oppenheimer (1901)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1901: "Neckarbischofsheim, 15. Juli (1901). Am Eref Schabbos Paraschat Matos
u. Massoh (Freitag vor dem Schabbat mit der Toralesung Matos und Massoh,
das war Freitag, 12. Juli 1901)
starb hier plötzlich ein religiöses und geachtetes Mitglied unserer
Gemeinde, Herr Baruch Oppenheimer, im 68. Lebensjahre. Vor der überaus
zahlreichen Trauerversammlung, bei welcher alle Konfessionen von hier und
Umgegend vertreten waren, hielt unser verehrter Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß,
Heidelberg, eine schöne, eindrucksvolle Trauerrede, in welcher er u.a. in
sinniger Weise ausführte, dass der Verstorbene nicht nur ein Boruch, als
Glücksgütern Gesegneter, sondern auch in vorbildlicher Weise ein Segen für
seine Familie, für Arme und Dürftige war. Galt es, Wohltätigkeit zu üben,
so war er stets zur Stelle, wie er auch bis zu seinem Tode Verwalter des
Wohltätigkeitsvereines (Gemilus chesed schel Emes) unserer Gemeinde war.
Möge der Allgütige der trauernden Familie Trost spenden ob des
schmerzlichen Verlustes. N."
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Gottlieb Oppenheimer - fast 30 Jahre Gemeindevorsteher
(1904)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1904: "Neckarbischofsheim, 17. August (1904). Herr Gottlieb Oppenheimer, der
seit nahezu 30 Jahren an der Spitze unserer Gemeinde steht, während
dieses Zeitraumes die Angelegenheiten der Gemeinde in musterhafte Weise
verwaltet und sich um die Hebung der Gemeindeinstitutionen sehr verdient
gemacht hat, ist wegen hohen Alters von seinem Amte zurückgetreten.
Unsere oberste Behörde, Großherzoglicher Oberrat in Karlsruhe hat in
Anerkennung der verdienstlichen Wirksamkeit des Herrn Oppenheimer
demselben eine künstlerisch ausgestattete Mappe mit 10 schönen Bildern,
‚Bilder aus der Synagoge’, überreichen lassen. Das in anerkennendsten
Ausdrücken abgefasste Begleitschreiben spricht den Wunsch aus, dass sich
Herr Oppenheimer noch lange der Frucht seiner Arbeit in dem Gedeihen der
israelitischen Gemeinde erfreuen möge. Auch wir schließen uns diesem
Wunsche mit ganzem Herzen an."
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Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Mehl- und Getreidehandlung Gebr.
Oppenheimer (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: "Wir
suchen für unsere
Mehl- & Getreidehandlung
einen tüchtigen jungen Mann für Comptoir und Reise. Eintritt
per sofort oder 1. Juli. Anerbietungen mit Gehaltsansprüche
erbeten.
Gebr. Oppenheimer,
Neckarbischofsheim." |
Verlobungsanzeige von Hilde Jakobsohn und Karl
Darmstädter (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1922: "Statt
Karten - Gott sei gepriesen -
Hilde Jakobsohn und Karl Darmstädter grüßen als Verlobte.
Neckarbischofsheim / Frankfurt am Main - Ladenburg
am Neckar.
2. Halbfeiertag von Sukkot 5683 (= 10. Oktober 1922) |
Anzeigen des Manufaktur- und
Kolonialwaren-Detail-Geschäftes von Max Jeselsohn (1925)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1925: "In meinem
Manufaktur- und Kolonialwaren-Detail-Geschäft ist für sofort eine Lehrstelle
für einen gut erzogenen, aufgeweckten Jungen offen. Kost und Logis im
Hause. Samstags geschlossen.
Max Jeselsohn, Neckarbischofsheim (Baden)."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1929:
"Zwetschen-Wasser (Slivovitz)
- Koscher zu Pessach -
unter Aufsicht des orthodoxen Rabbinats Mosbach.
50 %ig Mark 4.59 - 70 %ig Mark 5.50 - die 1/1 Flasche.
Bei 3 Flaschen franko Nachnahme.
Max Jeselsohn.
Dampfbrennerei.
Neckarbischofsheim / Baden." |
Verlobungsanzeige von Else Jeselsohn und Erich Kahn
(1930)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1930: "Else
Jeselsohn - Erich Kahn. Mit Gottes Hilfe.
Verlobte. Neckarbischofsheim - Neckarbischofsheim /
Bad Mergentheim. Purim 5690." |
Hochzeitsanzeige von Siegfried Jeselsohn und Lore Silberstein (1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1933: "Mit
Gottes Hilfe.
Siegfried Jeselsohn - Lore Silberstein. Neckarbischofsheim (Baden)
- Frankfurt am Main, Zeppelinallee 7 III
zeigen ihre - so Gott will - am Sonntag 11. Adar / 26.
Februar 1933 in Heidelberg, Hotel Blum, Gaisbergstraße, stattfindende
Hochzeit an." |
Anzeige der Familien Samuel und Theodor Jeselsohn zu
den Hohen Feiertagen (1934)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1934:
"Familien Samuel und Theodor Jeselsohn - Neckarbischofsheim -
wünschen herzlichst
'ein gutes Jahr - gute Einschreibung und Besiegelung." |
Anzeige der Familien Samuel und Theodor Jeselsohn
zu den hohen Feiertagen im September 1938 (!)
Familien
Samuel und Theodor Jeselsohn Neckarbischofsheim
wünschen herzliche gute Einschreibung und Besiegelung..." |
Sonstiges
Erzählung "Heimatlos" von Samuel Jeselsohn in
Neckarbischofsheim
(aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Oktober 1891)
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Beitrag wird nicht
ausgeschrieben - bei Interesse bitte anklicken |
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Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Wahrscheinlich war bereits im 17.
Jahrhundert ein Betsaal in einem Privathaus vorhanden (Standort
unbekannt, vielleicht identisch mit dem 1746 genannten Gebäude). 1746 wird eine
Synagoge ("Judenschule") mit rituellem Bad in der Alten Rathausgasse
genannt, die 1769 neu erbaut und bis 1848 genutzt wurde. Ende der 1830er-Jahre
war diese Synagoge nach einem damaligen Bericht des Synagogenrates "in ihrem
inneren Raume für die immer mehr anwachsende Seelenzahl so beschränkt, dass
sie nicht alle Glaubensgenossen aufnimmt, und seit längerer Zeit in
verschiedenen Privathäusern der Gottesdienst gehalten wird". Damals gehörten
zur jüdischen Gemeinde schon fast 200 Personen.
1839/40 beschloss die Gemeinde den Bau einer neuen
Synagoge. Zunächst wollte man hierfür ein Grundstück der Grafen von
Helmstatt erwerben, für das allerdings 1840 noch kein Geld vorhanden war. Im
Januar 1844 hatte man drei mögliche Bauplätze ins Auge gefasst und bat über
das Bezirksamt Bauinspektor Greiff aus Heidelberg um eine Begutachtung. Bei
dessen Besuch wurde ein erster Platz in der damaligen "Oberen Straße" gleich
verworfen, zu den beiden anderen Grundstücken – eines in der Rathausstraße
(heute Alte Rathausgasse), eines in der Wertwiese – meinte Greiff, dass er den
Platz in der Wertwiese vorziehen würde. Er sei ansehnlicher und gesünder als
der Platz in der Mitte der Stadt. Der Synagogenrat war über die Empfehlung
nicht sehr glücklich, da man den Platz in der Rathausstraße lieber gesehen hätte.
Einige Monate lang wurde in der Gemeinde heftig darüber diskutiert, welches
Grundstück am geeignetsten wäre, wobei noch ein weiterer Platz am Seegarten
erwogen wurde. Im August 1844 einigte man sich endlich auf das zum Verkauf
anstehende Anwesen des Johann Junker in der Schulgasse mit Haus und Scheune, das
für 2.850 Gulden gekauft werden konnte (Anm.: der Begriff "Schul"gasse ist
nicht von der späteren Synagoge = "Judenschule", da schon in den damaligen
Kaufakten diese Straßenbezeichnung verwendet wird). Das Grundstück lag im
Bereich der ehemaligen Stadtmühle (Bannmühle), der sogenannten alten Mühlhofstatt,
damals noch außerhalb der Stadt. Baumeister Fritschi aus Rappenau hielt dieses
Grundstück zum Synagogenbau für "tauglich" und erarbeitete in den folgenden
Monaten einen Plan für die Synagoge, der von der Bezirksbauinspektion in
Heidelberg genehmigt wurde. Zum Bau der Synagoge in Neckarbischofsheim wurden im
Januar 1845 vom Oberrat als Richtlinie vorgegeben, dass es in der Synagoge keine
beweglichen Pulte mehr geben dürfe, sondern nur noch Reihen von festen Plätzen
hintereinander. Diese müssten alle von Süden nach Norden verlaufen, sodass "die
darauf Sitzenden das Augenlicht immer nach der Heiligen Lade gerichtet haben".
Auch solle "die Tribüne mit dem Betpult" (Almemor) nicht mehr in der Mitte des
Betsaales stehen, sondern "mehr nach Osten zu, in geringer Entfernung von der
heiligen Lage..., sodass sich die Bänke für die Betenden nur zur Seiten und
hinter derselben befinden". Im März 1845 wurde der Bau versteigert.
Zimmermeister Grassinger von Bargen legte das günstigste Angebot in Höhe von
5593 Gulden vor. Im Mai 1845 wurde zur Finanzierung der Synagoge eine erste
Umlage unter den Gemeindegliedern beschlossen. Da kein Fond oder sonstiges Vermögen
in der Gemeinde vorhanden war, mussten die Kosten über Umlagen zusammenkommen.
Ein Grundbetrag war von allen Gemeindegliedern zu bezahlen, der weitere Betrag
richtete sich nach dem jeweiligen Vermögen. Die erste Umlage erbrachte von den
39 Familien zusammen 1204 Gulden. Da man im Januar 1847 mit den gesammelten Beträgen
jedoch noch nicht einmal den Bauplatz bezahlt hatte, wurde der Bau auf 1848
verschoben und in diesem Jahr auch ausgeführt. Die Synagoge wurde im Blick auf
eine weitere Zunahme der Gemeindegliederzahl großzügig gebaut. Sie hatte 150
bis 200 Sitzplätze für Männer und etwa 100 Plätze für Frauen auf der
Empore. Mit einer Länge von 17,90 m und einer Breite von 11,90 m war es ein
stattliches Gebäude, das auch städtebaulich einen Akzent setzte (die Größe
entsprach fast dem Schiff der Neckarbischofsheimer Stadtkirche). Da das Gebiet
sumpfig war, musste das Gebäude auf einem Pfahlrost errichtet werden. Durch
weitere Umlagen, Versteigern der Sitzplätze unter den Gemeindegliedern und die
Einführung einer Erbschaftssteuer konnte der Bau im Laufe der folgenden Jahre
finanziert werden. 1855 war noch eine Passivschuld von 4000 Gulden vorhanden, zu
deren weiterer Abzahlung auch damals eine Umlage nötig war.
Die
neue Synagoge dürfte im Frühjahr 1849 eingeweiht worden sein. Darüber liegt
zwar kein Bericht vor, jedoch feierte die jüdische Gemeinde in
Neckarbischofsheim am 18. Mai 1899 das fünfzigjährige Bestehen ihrer
Synagoge,
worüber in der Zeitschrift "Der Israelit" am 25. Mai 1899 berichtet
wird:
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1899: "Neckarbischofsheim, 18. Mai. Am ersten Tage des Wochenfestes feierte
die hiesige jüdische Gemeinde das fünfzigjährige Bestehen ihrer
Synagoge. In trefflichen Worten schilderte Herr Lehrer Niedermann die
Bedeutung des Tages als Zeit der
Toragebung, darauf hinweisend, wie dieser Tag am Sinai für ganz
Israel die Errichtung des Glaubenstempels brachte und wie die Festesfreude
für unsere Gemeinde noch erhöht wird in dem Gedanken an die vor 50
Jahren erfolgte Einweihung unserer Synagoge. Vieles lehrt ein Rückblick
auf die vergangenen 50 Jahre. In bewegte Zeitverhältnisse fiel die
Errichtung unseres Gotteshauses. Auch im Judentum haben jene Jahre
schwere, innere Kämpfe und tiefe Gegensätze hervorgerufen, Ereignisse,
die auch an unserer Gemeinde nicht spurlos vorübergingen. Unsere Synagoge
aber, das dürfen wir uns heute mit innigem Danke gegen Gott freuen, ist
unberührt geblieben von allen jenen Modekrankheiten dieser Zeitperiode,
in ihr waltet noch das traditionelle, unverfälschte Judentum. Will’s
Gott, wird es auch für die Folge unserer Gemeinde so bleiben." |
1871 wurde der Hof der Synagoge mit einer Einfriedung
(Mauer) umgeben. 1912 waren in der Synagoge größere Renovierungsarbeiten
erforderlich. Dabei musste das Gebälk des Erdgeschosses erneuert werden. Der
feuchte Baugrund ließ es offensichtlich vorzeitig morsch werden. 675 Mark
wurden für die Arbeiten aufgewendet, eine für die damalige Zeit stattliche
Summe.
Für das bis zur NS-Zeit jahrzehntelang gute Verhältnis
zwischen Christen und Juden in Neckarbischofsheim spricht, dass noch bis 1936
die politische Gemeinde – wie seit wohl über 100 Jahren – unentgeltlich die
Birken lieferte, mit denen zum jüdischen Wochenfest die Synagoge geschmückt
wurde.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die
Synagoge niedergebrannt. Bereits am frühen Morgen des 10. November war von etwa
25 SA-Leuten das Feuer gelegt worden. Das Inventar einschließlich der 14
Torarollen der Gemeinde, die teilweise über 100 Jahre alt waren, wurde auf auf
dem alten Sportplatz verbrannt. Auch die jüdische Schule wurde zerstört und
kurz darauf abgebrochen. Die Grundstücke wurden eingeebnet.
Die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938
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Samuel Jeselsohn, bis 1938 mehr als 25 Jahre letzter Vorstand der
israelitischen Gemeinde Neckarbischofsheim, beschreibt die Vorgänge (in: Das
Ende unserer... s. Lit. S. 237-238): "So kamen die Ereignisse des 10. November 1938. Bis dahin hatten wir noch
regelmäßigen Gottesdienst. Am 10. November morgens kurz nach 6 Uhr wurde ich
aus dem Bett gerufen. Unten stand ein Gendarm, der mich aufforderte, sofort die
Synagogenschlüssel herzubringen. Ich antwortete, sie seien in meinem
Geschäftslokal im Nachbarhause, ich wolle mich sogleich anziehen und sie herbeiholen. Ich hatte keine Ahnung, was man beabsichtigte. Der Gendarm nahm die
Schlüssel und bedeutete mir nach Hause zu gehen. Kurz nachher kam er wieder und
holte mich zur Synagoge, wo auch andere Gendarmen und etwa 25 SA-Leute, die
meisten derselben kannte ich persönlich, mich erwarteten. Der
Gendarmerieälteste eröffnete mir, er hätte den Auftrag, die Synagoge zu
durchsuchen. Ich antwortete, er könne dies tun, es sei nichts
Staatsgefährliches drin. Den SA-Leuten bedeutete er kurz, sie sollen warten,
bis er seinen Auftrag besorgt hätte. Er verlangte die Öffnung des
Toraschreines, ließ die Torarollen herausnehmen und auf den Boden legen. Auch
den Schrank mit den Gemeindeakten ließ er nach dem Vorgarten bringen. Dann kam
der SA-Führer. Ich musste noch mit dem Gendarm zur Religionsschule, und erst
dort entließ er mich. Aber vorher musste ich noch mit ansehen, wie ein
ortsfremder SA-Mann damit begann, mit einer schweren Axt den Toraschrein zu
demolieren.
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Nach 1945: Bei Grabarbeiten für die Kanalisation wurde
in den
1970er-Jahren ein Teil der Grundmauern (Kellermauern) der ehemaligen Synagoge
freigelegt. Sie liegen heute unter der darüber führenden Schulgasse. Die nördlichen
Grundmauern der Umfassungsmauern des Eingangshofes zur Synagoge sind erhalten.
Hier wurde 1981 eine Gedenkstätte
mit Menora und Gedenktafel eingerichtet. An der Ecke des ehemaligen Wohnhauses
des Vorsängers (jetzt Schulgasse 9) steht ein Torpfeiler (linker Pfeiler des
Eingangstores zum Eingang in das Gelände der Synagoge).
Fotos /
Darstellungen
Historisches Foto / Plan / Skizze:
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| Skizze der ehemaligen Synagoge in Neckarbischofsheim
(Quelle: Homepage
der Stadt Neckarbischofsheim)
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Innenraum der zum Wochenfest "Schawuoth"
geschmückten Synagoge
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"Plan zur Einfriedigung der Sinagoge in
Neckarbischofsheim" (Mitte 19.Jh.; Original im GLA Karlsruhe 377/3344); das
darauf eingetragene Wohnhaus des Vorsängers ist heute Schulgasse 9 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Plan der Umfassungsmauern des Eingangshofes der Synagoge.
Die nördlichen Grundmauern (schraffiert) sind erhalten. |
Blick über das Synagogengrundstück / ehemals Gelände der
Bannmühle (daher mit Mühlstein) |
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Menora an der Gedenkstätte |
Gedenkinschrift |
Fotos 2005:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.6.2005) |
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| Das
Synagogengrundstück heute - über den Großteil führt die Straße. Das
kleine Grundstück rechts zeigt die Reste der Umfassungsmauern mit der
Gedenkstätte |
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| Menora |
Gedenkinschrift |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 218-221. |
 | Hans Benz/Hansjörg Bräumer: Die Juden in Neckarbischofsheim, und
Samuel
Jeselsohn, Das Ende unserer Heiligen Gemeinde Neckarbischofsheim, und
Heinz Teichert, Zur Geschichte des Judenfriedhofs im Mühlbergwald, in:
Kraichgau 7 (1981) S. 233-242. |
 | Hans Benz/Manfred Müller: Alt-Bischofsheim. Ein Bildband
vergangener Zeit. Hg. vom Verein für Heimatpflege Neckarbischofsheim e.V.
1981 S. 13f.
|
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 418-419. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Kalender 2008:
| Hinweis
auf einen Kalender 2008
"Spuren jüdischer Kultur" im Kraichgau |
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"Sichtbare
Spuren der Vergangenheit: erkennen - erhalten"
Projekt "Denkmal aktiv" - Kulturerbe macht Schule
Es kooperieren vier Schulen: Realschule Waibstadt - Adolf
Schmitthenner-Gymnasium Neckarbischofsheim - Wilhelmi-Gymnasium Sinsheim -
Harmanni-Gymnasium Eppingen |
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Den Kalender
erhalten Sie auf Anfrage zu einem Preis von 7.50 € (bei Versand
zuzüglich Porto) bei Realschule Waibstadt Tel. 07263/724 Fax:
07263/910538 E-Mail
Konto: Förderverein RSW e.V. Volksbank Schwarzbachtal: Konto Nr.
13412 BLZ 67262402
Der Erlös ist für die Sanierung der ehemaligen Synagoge Steinsfurt
bei Sinsheim bestimmt. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Neckarbischofsheim Baden. Jews were present in the 17th century,
with a synagogue built in 1769 and the community growing to a peak population of
189 in 1859 (total 2,010). In 1848, a new synagogue was built on pillars because
of the marshy ground. The Jewish population declined to 109 in 1900 and 37 in
1933. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized,
with 14 Torah scrolls destroyed or stolen. Twenty-five Jews emigrated; 14 were
deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 and three were
deported to the Sobibor death camp from their refuge in Holland. Seven of those
deported survived the Holocaust.

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