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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Tiengen mit
Waldshut (Stadt Waldshut-Tiengen, Landkreis
Waldshut)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Tiengen (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Fürsten von
Schwarzenberg gehörenden Tiengen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 15./17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden
1454 Juden am Ort genannt, 1540 waren es fünf Familien. 1559/60
bestand eine hebräische Druckerei von Josef ben Naftali und Elieser ben Josef
Herz (im Gebäude Priestergasse 13).
Nach dem Dreißigjährigen
Krieg wurden 1650 acht jüdische Familien aufgenommen. 1750 wohnten hier neun
Familien, 1810 15. Die jüdischen Familien lebten ursprünglich vom Kramhandel,
Viehhandel und von Geldgeschäften. Die
erste jüdische Metzgerei war (vermutlich
seit 1783) in der Weihergasse 7 (heute Archivraum der Stadtverwaltung). Später
wurde im öffentlichen Schlachthaus bzw. in der örtlichen Metzgerei
geschlachtet. Jüdische Wirtschaften
bestanden im 18. Jahrhundert mit dem Gasthaus "Zum Ochsen" (Hauptstraße
74) und von 1842 bis 1913 mit dem Gasthaus "Zur Blume" der Fam.
Guggenheim (Hauptstraße 93).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1810 15 jüdische Familien, 1825 114 jüdische Einwohner (11,7 % von
insgesamt 974 Einwohnern), 1842 150, 1859 215, 1875 206 (19,54 % von 1.990),
Höchstzahl
um 1880/85 mit 233 jüdischen Einwohnern (10,4 % von 2.247), 1890 170
(8,0 % von 2.123), 1900 106 (4,5 % von 2.333), 1910 87 (3,5 % von 2.461). Zur
jüdischen Gemeinde in Tiengen gehörten auch die in Waldshut, St. Blasien,
Säckingen und Bonndorf lebenden jüdischen Einwohner.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad (1867 erneuert, siehe Bericht unten) und
einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk
Gailingen
zugeteilt.
Am Deutsch-französischen Krieg 1870/71 sowie am Ersten Weltkrieg nahmen
auch Männer aus der jüdischen Gemeinde teil. Auf
dem Kriegerdenkmal 1870/71 in der Stadtmitte (Peter-Zhumb-Straße /Hauptstraße)
und auf dem Kriegerdenkmal 1914/18 auf dem Vitibuck finden sich auch die Namen
der drei beziehungsweise vier jüdischen Gefallenen dieser Kriege aus Tiengen.
Im Ersten Weltkrieg waren es Julius Guggenheim, Ludwig Guggenheim, Milian
Guggenheim und Salomon Maier.
1925 wurden noch 44 jüdische Einwohner gezählt (1,6 % von
2.797).
Bis nach 1933 gehörten jüdischen
Einwohnern mehrere Gewerbebetriebe, die für den Ort von teilweise
großer wirtschaftlicher Bedeutung waren. Dabei handelte es sich im einzelnen
um: Aussteuergeschäft
Berthold und Isak Bernheim (Hauptstraße 55), Aussteuergeschäft Hermann
Bernheim (Hauptstraße 64), Geflügelhandlung Hermann Guggenheim (Hauptstraße
59), Konfektionsgeschäft Jakob Guggenheim (Hauptstraße 90), Schuhgeschäft
Julius Guggenheim (Hauptstraße 48), Metzgerladen Max Guggenheim (Weihergasse
26, bis 1920), Farbengeschäft Heinrich Guggenheim (Hauptstraße 41),
Lederhandlung Paul Guggenheim (Hauptstraße 57), Spezereiengeschäft Rose
Guggenheim und Sofie Schwartz (Priestergasse 4), Viehhandlung Moritz Maier
(Hauptstraße 10), Pferdehandlung Ferdinand Schleßinger (Zubergasse 2).
1933 lebten noch 46 jüdische Personen am Ort. Auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts - der in Tiengen in aller Schärfe durchgeführt wurde
-, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung verzogen alsbald mehrere der
jüdischen Einwohner aus Tiengen in andere Städte oder wanderten aus: 1936 war
die Zahl der jüdischen Einwohner bereits auf 27 zurückgegangen. Mit einer
"Ortssatzung" von 1935 sollte für Juden der Zuzug, der
Grunderwerb, das Besuchen der Märkte und der Gemeindeeinrichtungen verboten
werden. Wegen der Einspruches des deutschen Gemeindetages wurde der Entwurf der
Ortssatzung nicht umgesetzt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde durch
Nationalsozialisten aus Tiengen und der Umgebung die Synagoge geschändet und
ihre Inneneinrichtung zerstört. Die noch vorhandenen jüdischen Geschäfte
wurden demoliert. Der jüdische Friedhof
wurde zerstört. Bis Anfang 1940 konnten etwa 30 der jüdischen Einwohner in die
Schweiz und Frankreich auswandern. Zuletzt waren noch vier jüdische Frauen in
Tiengen, die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden Amalie Bernheim,
Selina Bernheim, Ida Guggenheim und Sophie Schwartz).
Von den in Tiengen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Erny Abraham geb. Stein
(1898), Marion Fritz Abraham (1925), Lilly Baum geb. Bernheim (1900), Frieda
Berliner geb. Guggenheim (1886), Sabine Bernheim geb. Wurmser (1880), Jeanette
Bikart geb. Guggenheim (1892), Erika Theresia Frank geb. Schlesinger (1914),
Fanny Guggenheim (1889), Gustav Guggenheim (1876), Ida Guggenheim (1881),
Jeanette (Jenny) Guggenheim (1883), Josef Guggenheim (1896), Julius Guggenheim
(1879), Ludwig Guggenheim (1892), Marie Anne Guggenheim (1921), Telly Guggenheim
geb. Lichtenberger (1889), Ricka Hirsch (1872), Max Levi (1876), Ernst Maier
(1924), Martha Gertrud Maier geb. Abraham (1904), Jeanette Ilse Meier (1927),
Heimann Rabbinowicz (1869), Tilly Wurmser (1891).
Zur
Geschichte der Juden in Waldshut
Zur
Geschichte jüdischer Bewohner.
In Waldshut waren Juden im Mittelalter (Judenverfolgung 1348), seit dem Ende des
14.Jh. (1388 wieder Nennung eines Juden, 1517 Ausweisung der Juden) und nach
1862 ansässig. Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wird um 1925 mit 30 Personen
erreicht. Im 19./20. Jahrhundert gehörten die Waldshuter Juden der
Synagogengemeinde in Tiengen an.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer
Familien/Personen sind bekannt: Schuhgeschäft Jenny und Klara Aufrichtig
(Kaiserstraße 17), Herrenbekleidungsgeschäft Siegfried Aufrichtig (Kaiserstraße
21), Viehhandlung Levi Bloch (Bismarckstraße 13, Stall in der Wallstraße 64),
Stoffgeschäft Simon Schwarzkopf (Kaiserstraße 66), Manufakturgeschäft Sigmund
Siegbert (Kaiserstraße 14), ferner die Zahnarztpraxis Dr. Michael Dreyfuß
(Bismarckstraße 15).
Von den in Waldshut geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Klara Aufrichtig
(1878), Oskar Ludwig Koch (1900), Heinrich Weis (1885).
Spuren
der jüdischen Geschichte.
Auf Gemarkung Waldshut befand sich bis um 1965 eine kleine Insel, "Judenäule"
genannt, auf der zwischen 1603 und 1750 die Toten der schweizerischen Gemeinden
Lengnau und Endingen beigesetzt wurden, bis diese einen eigenen Friedhof
zwischen ihren Orten anlegen konnten. Durch den Bau des Kraftwerks
Koblenz-Kadelburg war die Überflutung der Insel absehbar; 1954/55 wurden die in
85 Gräbern gefundenen Totengebeine und die Grabsteine auf den Lengnauer
Friedhof umgelegt. Vom Judenäule her erklärt sich die im Volksmund gebräuchliche
Bezeichnung "Judeninsel" für die
Insel Mühlegrien (oberhalb der Rheinbrücke Waldshut-Koblenz).
Auf der Seite zum jüdischen Friedhof
Lengnau - Endingen finden sich weitere Informationen und Artikel zu diesem
Friedhof.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 /
1879 / 1889
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. August 1877:
"Die Israelitengemeinde Thiengen (bei Waldshut) sucht zum 1. Oktober
einen Religionsschullehrer, der den Vorsänger- und Schächterdienst mit
versehen kann. Das feste Einkommen beträgt bei freier Wohnung Mark 800,
das Nebeneinkommen gleichfalls Mark 800. Indem ich die Stelle geeigneten
Bewerbern besonders empfehle, sehe ich portofreien Anmerkungen innerhalb 4
Wochen entgegen.
Gailingen, den 8. August 1877. Dr. Löwenstein,
Bezirksrabbiner." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1879:
"Lehrer gesucht. Die Stelle eines Religionslehrers,
Vorsängers und Schächters in Thiengen (bei Waldshut) ist alsbald zu
besetzen. Neben einer festen Besoldung von 1.000 Mark bringt diese Stelle,
außer schöner freier Dienstwohnung, noch ein Nebeneinkommen von
mindestens 1.000 Mark, das noch erhöht werden kann. Junge tüchtige
Kandidaten mit seminaristischer Bildung wollen unter Einsendung von
Zeugnissen in portofreien Eingaben sich sofort bei uns anmelden.
Gailingen (Baden), 26. November 1879. Dr. Löwenstein,
Bezirksrabbiner." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1889:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters
in der israelitischen Gemeinde Thiengen ist baldigst zu
besetzen.
Das fixe Gehalt beträgt bei freier Wohnung Mark 1.000 und das
Nebeneinkommen Mark 1.000 - 1.100.
Geeignete Bewerber wollen ihre Gesuche mit Zeugnissen innerhalb 14 Tagen
bei der unterzeichneten Bezirks-Synagoge einreichen.
Großherzogliche Bezirks-Synagoge Gailingen (Baden.). Dr. Spitz." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Nennung der beiden jüdischen Vereine der Gemeinde
(1867)
Aus
einem Bericht über die jüdischen Gemeinden im Südbadischen in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1867: "IV. Israelitische
Gemeinde Thiengen. 1) Wohltätigkeitsverein. Vermögen: 346
Gulden. 2) Frauenverein. Vermögen: 170 Gulden." |
Über das neu renovierte rituelle Bad (1867)
Aus
einem Bericht über die jüdischen Gemeinden im Südbadischen in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1867: "Aus dem
Abschnitt über die rituellen Bäder führen wir an. Die Bäder in
Gailingen und Worblingen sind in guter Ordnung. In der Gemeinde Thiengen
wurde im vorigen Jahre ein neues Bad mit einem Aufwande von 1.100 Gulden
hergestellt und sehr zweckmäßig eingerichtet." |
Antijüdisches aus dem Nachbarort Oberlauchringen (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. April 1905:
"Waldshut in Baden. Wenn man sich zu helfen weiß´. Wie
kürzlich mitgeteilt, haben das Ministerium des Innern und der
Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass die an der Bahnhofswirtschaft
in Oberlauchringen angebrachten Inschriften: Judenfreies Haus und
Judenreines Haus unzulässig seien. Der Inhaber der Wirtschaft hat in den
letzten Tagen die beanstandete Inschrift entfernt, und statt ihrer
enthält das Firmenschild jetzt die Worte: Jüdischer Zutritt höflichst
verbeten." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
40jähriges Jubiläum von Heinrich Guggenheim als ehrenamtlicher Vorbeter und
Schofarbläser (1872)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1872:
"Thiengen (Baden). Herr Heinrich Guggenheim, ein achtbares Mitglied
hiesiger Gemeinde, versieht schon seit 40 Jahren an den hohen
Feiertagen die Stelle eines Vorbeters und Baal Tokea (Schofarbläser).
In Anbetracht dessen hat sich die israelitische Gemeinde auf Anregung des
Herrn Vorstehers B. Bernheim dahier dahin geeinigt, demselben ihre
Anerkennung in Form von Darreichung eines silbernen Pokals mit passender
Inschrift und Eingravierung eines Schofars darzubringen. Die Übergabe
fand in feierlicher Weise unter Anwesenheit sämtlicher Gemeindemitglieder
am Simchat Tora (dies war am 25. Oktober 1872) im
Schullokale statt, und nachdem der Herr Vorsteher in warmen, beredten
Worten die Vorzüge des Gefeierten hervorgehoben, im Namen der ganzen
Gemeinde für dessen uneigennützige, nur zu Ehren Gottes geleistete
Dienste seinen Dank abgestattet und namentlich auch das mit Recht zu
betonen wusste, wie der Genannte bei Trauerfällen seine eifrige Teilnahme
und Mitwirkung besonders bei Krankenbesuchen und der Beisetzung
von Toten, überhaupt in Wohltätigkeit bekundet, trennte man
sich, um nachmittags im jüdischen Gasthause die Feierlichkeit in
fröhlicher, heiterer Weise zu beschließen. F." |
Moses Guggenheim erhält das Ehrenzeichen für 25jährige Dienste bei der
Feuerwehr (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1891: "Aus
Baden. Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden hat im Jahre
1879 Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste als Mitglieder der
freiwilligen Feierwehren gestiftet. Wie in früheren Jahren, so können
wir auch diesmal wieder mit freudiger Genugtuung berichten, dass auch
Israeliten ausgezeichnet wurden, ein Beweis, dass dieselben nie
zurückstehen, wenn es gilt, für das öffentliche Interesse wohltuend
mitzuwirken. In dem Verzeichnisse bemerkten wir, als uns bekannt, die
Herren: Kaufmann Josef Oppenheimer und Handelsmann Jakob Wolf in Buchen,
Kaufmann August Bloch, Kaufmann Adolf Darnbacher und Metzger Max Maier in
Bühl und Handelsmann Max Tiefenbronner in Königsbach, Handelsmann A.
Adler in Neckarbischofsheim und Handelsmann Moses Guggenheim in
Tiengen." |
Zum Tod des Gemeinderats/zeitweise
stellvertretenden Bürgermeisters und israelitischen Gemeindevorstehers S.H.
Bernheim (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1908: "Thiengen,
1. April (1908). Am 27. März verschied plötzlich S. H. Bernheim,
Vorsteher der Israelitischen Gemeinde. Auf einem Spaziergang an der Seite
seiner Gemahlin machte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende. Er war das
älteste Mitglied des Gemeinderats und zeitweise stellvertretender
Bürgermeister und hat sich um das Wohl der Stadt und noch mehr um das der
israelitischen Gemeinde sehr verdient gemacht. Bernheim erreichte ein
Alter von 59 Jahren. Die Beerdigung fand Montag, 30. März, unter großer
Beteiligung statt." |
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Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. April 1908:
"Thiengen in Baden. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Stadtrat S.
H. Bernheim, Inhaber des Zähringer Löwenordens 4. Klasse, ist
verschieden." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrlingssuche des Manufakturwarengeschäfts Bernheim
& Wolf (1878)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1878:
"Wir suchen für unser Manufakturwarengeschäft einen mit den
nötigen Vorkenntnissen versehenen jungen Mann als Lehrling. Eintritt per
1. Januar nächsten Jahres. Sabbat und Feiertage geschlossen. Bernheim
& Wolf, Thiengen bei Waldshut." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
In der früheren (älteren)
"Judengasse" (heute Priestergasse) und nach dem Dreißigjährigen
Krieg und im 18. Jahrhundert in der (jüngeren) "Judengasse"
(seit 1935 Turmgasse genannt) befand sich vermutlich jeweils ein Betsaal oder
eine Synagoge (Näheres nicht bekannt). Im Schutzbrief von 1718 hatte Fürst
Adam von Schwarzenberg den Juden die kultische Ausübung des Glaubens erlaubt.
gleichzeitig jedoch verlangt, dass das Beten nicht in einem der Straße
zugewandten Zimmer, sondern in den hinteren Räumen zu erfolgen habe.
Ende des 18. Jahrhunderts, als die Zahl der Gemeindeglieder auf 80 bis 90 angestiegen war (1825: 114), sollte eine neue
Synagoge gebaut werden. Am 20. März 1789 reichte die jüdische Gemeinde
durch ihren Vorsteher Samuel Guggenheim ein Baugesuch ein. Der beigelegte
Bauplan war von Zimmermeister Bartholome Herrmann gezeichnet worden. Die
Schwarzenbergische Regierung und Kammer genehmigten das Vorhaben und legten eine
jährliche Abgabe für das Gotteshaus an das Rentamt (damaliges Finanzamt) fest.
Der Neubau kostete die Gemeinde 800 Gulden, jedenfalls ist dieser Betrag im
Baugesuch genannt, verbunden mit der Bitte an die Hochfürstliche Regierung, in
dieser Höhe ein Darlehen zu gewähren. Nach rund dreijähriger Bauzeit konnte
die Synagoge 1793 eingeweiht werden (Standort: auf dem heutigen Grundstück
Fahrgasse 13).
In den 1860er-Jahren wurde das Synagogengebäude umfassend renoviert und
vergrößert. Dabei wurde das
Lesepult aus der bisherigen Mitte im Betsaal in Richtung des Toraschreines
verschoben und ein neues Gestühl angeschafft, das ein jüdischer Händler aus
Randegg lieferte. Die Umbaukosten betrugen über 3.000 Gulden, die
großenteils über die Versteigerung der Synagogenplätze erbracht wurden. Im
November 1867 war in einem Presseartikel der Zeitschrift "Der
Israelit" zu lesen:
Aus
einem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November
1867: "Gegenwärtig wird an der Renovation der Synagoge in Thiengen
gearbeitet, für welche der Voranschlag über 3.000 Gulden ausmacht. Ein
Fond zur Bestreitung der Kosten ist in der Gemeinde nicht vorhanden. Durch
Vergrößerung der Synagoge werden Plätze gewonnen, welche einer
Versteigerung ausgesetzt werden sollen und durch deren Erlös die Kosten
größtenteils werden gedeckt werden können. Die Gemeindemitglieder
zahlen auch auf diese Weise, wenngleich nicht auf dem Wege der Umlage, die
erforderlichen Mittel, weshalb das Unternehmen alle Anerkennung
verdient." |
Im Mai 1912 fasste der Tiengener Gemeinderat den
Beschluss, dass während der Gottesdienstzeiten in der Synagoge die christlichen
Nachbarn keine geräuschvollen Arbeiten machen durften wie Holz sägen oder
spalten. 1929 wurde die Synagoge nochmals mit einem Kostenaufwand von
3.032 RM renoviert. Die Wiedereinweihung fand am Sonntag, dem 22. September 1929
vormittags statt. Die Predigt hielt der Konstanzer Bezirksrabbiner Dr. Hermann
Chone.
Beim Novemberpogrom 1938 ist das Gebäude von SA-Männern
demoliert worden. Toraschrein und Synagogenleuchter wurden mit einer Axt zertrümmert.
Die Bänke wurden zerschlagen und mit den Büchern und anderem Inventar am
Viehmarktplatz verbrannt. Mit Rücksicht auf die benachbarten Gebäude wurde die
Synagoge nicht angezündet. Im Frühjahr 1939 ist das Gebäude von zwei
benachbarten Handwerkern erworben und später zu einem Gewerbebetrieb umgebaut
worden.
Nach dem Krieg ist das Gebäude um eine Etage erhöht und nach Osten hin
verlängert worden. Auf dem westlichen Synagogenhof wurde ein Wohngebäude mit
Garage errichtet. Der Eingang zum Gebäude wurde zum Platz hin gerichtet. Eine
Hinweistafel für die Synagoge wurde im Frühjahr 1984 an einem ihr gegenüber
befindlichen Baum angebracht. Heute ist das ehemalige Synagogengebäude der Sitz
von drei Firmen (Breyermedia, Promagent und Photo Conrads). Im November 2006 konnte
die Hinweistafel für die Synagoge direkt am ehemaligen Synagogengebäude
angebracht werden. Aus diesem Anlass erschien ein Artikel im
"Südkurier", in dem über den damaligen Stand der Planungen für die
2008 verwirklichte jüdische Abteilung des Klettgauer Heimatmuseums im Tiengener
Schloss (siehe Artikel unten) informiert wurde:
Foto
links: "An der Mauer der ehemaligen Synagoge in Tiengen hängt seit Samstag eine Hinweistafel, wie sie auch an anderen historischen Gebäuden der Stadt angebracht sind. Bislang befand sich das Schild an einem benachbarten Kastanienbaum. Ein Besitzerwechsel im Juli führte nun zu der Zusage, dass die Hinweistafel direkt am Gebäude angebracht werden konnte. Von links: Ruth
Mondello, Dieter Conrads, Manfred Emmerich, Martina Bucher-Nezirovic, Magdalena Bucher und Achim
Bucher. Foto: Hüfner, Tiengen..
Artikel im "Südkurier" vom 9. November 2006: "Erinnerung an jüdische Geschichte.
Das Klettgauer Heimatmuseum im Tiengener Schloss soll 2008 eine neue Abteilung erhalten. Thema wird die Darstellung 500 Jahre jüdischer Geschichte in der Klettgaumetropole sein. Initiator ist ein Freundeskreis, der sich derzeit mit den Vorarbeiten dafür befasst.
Gerade hat der Freundeskreis ein Faltblatt fertig gestellt, in dem einerseits auf das Anliegen aufmerksam gemacht wird. Dazu kommt ein Spendenaufruf, denn für die Aufbereitung der Informationen und Exponate werden beispielsweise Vitrinen sowie Text- und Bildtafeln benötigt. Das Faltblatt wird am 9. November
(2006) in verschiedenen Geschäften und an zentralen Stellen in der Stadt ausgelegt. Gleichzeitig hofft der Freundeskreis, dass die Bevölkerung Ausstellungsstücke für das Museum zur Verfügung stellt. Insbesondere Fotografien, Tagebücher, Briefe, Sterbebilder oder Gegenstände, die im Zusammenhang mit dem jüdischen Leben stehen, sind gefragt. Sie können über die Rathäuser ans Stadtarchiv gegeben werden, in dessen Besitz sie verbleiben, wenn es sich nicht um Leihgaben handelt.
Inhaltlich befasst sich inzwischen eine Historikerkommission mit der Ausstellung. Bei einer ersten Tagung im Oktober bildete sich ein Kreis aus fünf Fachleuten um Dieter Petri. Unterstützung kommt in Form von Kontakten durch den Freundeskreis. Magdalena Bucher vermittelte so zum Beispiel den Zugang zum Archiv des Fürsten von Schwarzenberg. Eine weitere Aufgabe wird sein, eine Kurzpräsentation zur jüdischen Geschichte in Tiengen zu erstellen. Gegen Jahresende soll eine eigene Homepage ins Netz gestellt werden, die sich ebenfalls der Thematik annimmt. Neben Informationen über den Freundeskreis werden hier Bilder und Texte veröffentlicht. Außerdem übernimmt die Homepage die Aufgabe, über das Internet zugängliche Quellen aufzuführen und so eine weitergehende Recherche zu ermöglichen.
Ein Ergebnis der Arbeit des Freundeskreises ist auch, dass sich Theo Fröhlich und Hans Gerd Helling bereit erklärten, die bundesweite Aktion "Stolpersteine" anzugehen. Hierbei erhalten bronzene Pflastersteine die Namen von Bewohnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verhaftet oder deportiert wurden. Die Steine sollen dann vor den Gebäuden, an denen die Menschen ihre letzte Wohnadresse hatten, ins Straßenpflaster eingelassen werden.
Umgesetzt wird derzeit die Erneuerung der Hinweistafeln auf historischen Gebäuden in der Stadt. So befindet sich ein neues Schild an der früheren Synagogenmauer. Das stark verwitterte Schild am jüdischen Friedhof sowie weitere Tafeln sind bereits beim städtischen Bauhof zur Auffrischung." |
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart; die Fotos sind in
verschiedenen Büchern veröffentlicht)
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Die Synagoge in Tiengen |
Plan der ehemaligen Synagoge entlang der Fahrgasse (wie auf
Foto links; Quelle: D. Petri s. Lit. S. 64) |
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| Die Zerstörung der
Inneneinrichtung der Synagoge |
Die Verbrennung des Synagogeninventars am 10. November 1938 in Tiengen |
Der Platz der Verbrennung 2004
(Foto: Hahn, 13.5.2004) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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| Das ehemalige, völlig
umgebaute Synagogengebäude - als Werkstatt genutzt |
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Foto 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 13.6.2004) |
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| Das ehemalige, völlig
umgebaute Synagogengebäude - als Werkstatt genutzt |
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| Hinweisschild für die
ehemalige Synagoge (völlig versteckt am Baum gegenüber) |
Hinweisschild für den Standort
der ehemaligen jüdischen Schule in der Priestergasse (ehemalige
Judengasse) |
Auf dem freien Platz links des
Hauses stand früher die jüdische Schule |
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| Ehemalige
"Judengassen": die Priestergasse und die Turmgasse |
Blick in die (ältere)
Judengasse: hier Priestergasse |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
2008: 1150 Jahre Tiengen und 70 Jahre Pogromnacht - Kulturtage zur Eröffnung
der Dauerausstellung "Fünf Jahrhunderte jüdisches Leben in Tiengen"
mit Film, Theater, Konzerten und Ausstellungen vom 5. bis 15. November 2008
Auszug
aus dem Programm für 2008 "Waldshut-Tiengen feiert 1150 Jahre Tiengen"
mit Veranstaltungen zu Judaica und der Eröffnung der jüdischen
Museumsabteilung als pdf-Datei (bitte anklicken) |
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Links:
Artikel: Dauerausstellung im Heimatmuseum - Jüdisches Leben in
Bildern.
Von Michael Neubert. In: Waldshut-Tiengen feiert 1150 Jahre
Tiengen vom 29. Mai 2008. Mit Programmübersicht. |
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| Anzeigen
aus dem Programmheft und Presseberichte |
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Artikel aus dem "Südkurier" vom
10. November 2008: "Eine Tradition wird lebendig - Klezmergruppe 'Salud
y vida' feiert höchsten jüdischen Festtag Shabbes im Ali-Theater
Tiengen". Bildunterschrift: 'Schabbes soll seyn' der Musikschule
Südschwarzwald: Familienvater (Miguel Heimann) löscht im Beisein seiner
Frau (Tanja Saedler) und seinen Kindern (Ronja Beck, Gesa Breuhaus) die
Schabbatkerzen." Bild: Freudig. |
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Artikel aus dem "Südkurier" vom
10. November 2009: "Erinnerung an Jacob Picard - Stadtführung und
Lesung". Bildunterschrift: "Auf den Spuren des
Schriftstellers Jacob Picard führte Andreas Weiß (links) rund 40
Interessierte durch Tiengen. Er las aus den Erinnerungen des
Schriftstellers, der in seiner Kundheit und Jugend oft zu Besuch bei
seinen Großeltern in Tiengen - hier im Hof ihres Hauses war." Bild:
Freudig. |
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Artikel "Eröffnung der
Dauerausstellung im Heimatmuseum - Einblicke in jüdisches Leben".
Bildunterschrift: "Das neue 'Jüdisce Zimmer' des Heimatmuseums
Tiengen birgt auch Zeugnisse der Judenverfolgung durch die
Nationalsozialisten wie dieses Schild. 'Fünf Jahrhunderte Jüdisches
Leben in Tiengen' heißt die am Sonntag eröffnete Dauerausstellung, zu
der unter anderem die hier versammelten Personen beigetragen haben (von
rechts): Dieter Petri, Martina Bucher-Nezirovic, Ronald Landwehr,
Magdalena Bucher und Norma Teffert. |
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Aus dem "Südkurier" vom 11.
November 2008: "Gedenken an Pogromnacht".
Bildunterschrift: "Ökumenische Feier zum Gedenken an den 70.
Jahrestag der Reichspogromnacht: Rund 100 Menschen kamen auf den Vorplatz
der ehemaligen Synagoge in Tiengen zusammen, um an die Ereignisse am 9.
November 1938 zu erinnern. Eingeladen hatte die katholische und
evangelische Kirchengemeinde Tiengen. Es wurde gemeinsam gebetet und
gesungen, begleitet vom Posaunenchor der evangelischen Gemeinde Tiegen und
Lauchringen. 'Wir sollen ein Zeichen setzen, dass so etwas nie wieder
passiert', so Pfarrer Peter Seibt. Zwei Zeitzeugen, Josef Prost und
Christel Wäldele, kamen zu Wort. Seit Anfang der 80er-Jahre findet die
von Beate Serr und Aische Benim initiierte Gedenkfeier statt." Bild:
Freudig. |
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Artikel von Ursula Freudig im
"Südkurier" vom 11. November 2008: "Sinfoniekonzert am 9.
November in der Pfarrkirche. Minutenlanger Applaus für Musiker und
Sänger". Bildunterschrift: "Sinfoniekonzert der
Chrogemeinschaft Tiengen zum 9. November, dem 70. Jahrestag der
Reichspogromnacht: Über 100 Sänger, Sängerinnen und Musiker wirkten bei
dem Konzert am Sonntag in der Tiengener Pfarrkirche mit. Die Leitung
hatten Markus Süß und Jochen Stitz". Bild: Freudig. |
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Artikel im "Südkurier" vom 11.
November 2008: "Zugfahrt in die Vergangenheit. Theaterstück
behandelt auf sensible Art die Deportation eines jüdischen Ehepaares im
Jahr 1943." Bildunterschrift: Im Ali Theater standen am Sonntag in
dem Stück 'Der Zug' Ulla Ebi (von links), Hermann Tröndle, Anne Weber
und Deniz Özman auf der Bühne." Bild: Freudig. |
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Artikel im "Südkurier" vom 18.
November 2008: "Melodien aus Galizien. Polnische Klezmerband
begeistert im Schlosskeller Tiengen". Bildunterschrift:
"Virtuoser Abschluss der jüdischen Kulturwoche: 'Di Galitzyaner
Klezmorim' aus Krakau begeisterten im Schlosskeller das Publikum mit
Klezmermusik. Von rechts: Mariola Spiewak, Grzegorz Spiewak und Rafael
Seweryntak". |
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Artikel im
"Südkurier" vom 14. November 2008: "Schüler berichten
über Juden in Tiengen. Ausstellung gehört zum Abitur und ist Teil der
'Jüdischen Kulturwoche' - Noch bis zum 5. Dezember im
Rathaus". |
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Mai 2009:
"Jüdischer Kulturweg" im Surbtal -
Weiterführung bis Tiengen wird von Seiten des "Jüdischen
Freundeskreises" in Tiengen gewünscht |
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Artikel
von Uthe Martin im "Südkurier"
vom 28. Mai 2009: "Weg zur jüdischen Kultur.
Ein neuer jüdischer Kulturweg, der die Geschichte der Juden im Schweizer Surbtal sichtbar macht, wurde dieser Tage eröffnet. Der Freundeskreis Jüdisches Leben in Tiengen hofft, ihn eines Tages bis in die Doppelstadt weiterführen zu können.
Waldshut-Tiengen/Endingen - 'Es ist ein Weg in die Zukunft, nicht in die
Vergangenheit', so die ehemalige Schweizer Bundesrätin Ruth Dreifuss bei der Eröffnung des jüdischen Kulturweges im Schweizer Surbtal, zwischen Endingen und
Lengnau. Aus Waldshut-Tiengen waren Vertreter des Jüdischen Freundeskreises und der Stadt angereist, um das Ereignis mit den Nachbarn zu feiern.
Der Freundeskreis, der im Tiengener Schloss einen Raum eingerichtet hat, der an das Leben der Juden in der Stadt erinnert, wünscht sich eine Weiterführung des Schweizer Weges bis in die Doppelstadt.
Allen Schweizern sind die Namen der beiden Dörfer ein Begriff. Nur dort war es Juden bis Mitte des 19. Jahrhunderts erlaubt, sich niederzulassen. Um 1850 war die jüdische Gemeinde im Surbtal stark angewachsen, machte etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. Erst 1866 wurde den Schweizer Juden Niederlassungsfreiheit zugesprochen. Die meisten wanderten daraufhin in andere Schweizer Städte ab oder zogen weiter ins Ausland. Ihre Toten beerdigten sie bis 1750 auf einer Rheininsel zwischen Waldshut und Koblenz, da sie bis dahin in ihren Dörfern kein Land erwerben durften.
Erste jüdische Siedlungen im Surbtal gab es schon vor 400 Jahren. Stationen am jüdischen Kulturweg machen ihre wechselvolle Geschichte jetzt erlebbar. Ausgangspunkt am Eröffnungstag war der Platz vor der Synagoge in
Lengnau. Ruth Dreifuss, die in Lengnau lebt, durchtrennte die Bänder zur Eröffnung des Weges, die beiden Gemeindeammänner waren gekommen. Der Kulturweg führt an 21 Stelen vorbei, unter anderem wird an zwei Synagogen, das jüdische Schul- und Gemeindehaus, das Schlachthaus und das Frauenbad erinnert. Zwei Jahre lang hat eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Franz Bertschi daran gearbeitet. Den Impuls gab vor zweieinhalb Jahren die Lengnauerin Erika Müller.
Roy Oppenheim, in Lengnau zu Hause, begrüßte die Gäste aus Waldshut-Tiengen, darunter Hans Studinger als Vertreter des Oberbürgermeisters, und stellte den Jüdischen Freundeskreis vor. Mitglieder des Freundeskreises nahmen sich vor der Rückfahrt die Zeit, den alten jüdischen Friedhof zu besuchen.
'Eine wunderbare Stimmung', berichtet Maryann Kalt, 'uralte Grabsteine, zum Teil in die alten Bäume
eingewachsen.' Nach jüdischem Glauben ruhen dort die Toten bis zur Auferstehung."
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| Oktober
2009: Besuch und Vortrag von Kurt
Maier, ehemals aus Kippenheim |
Artikel
von Ursula Freudig im "Südkurier" vom 28. Oktober 2009:
"Als Jude emigriert: Kurt Maier erzählt aus seinem Leben. 'Ich
fühle mich immer noch deutsch'.
Kurt Maier war zehn als ein Lastwagen vor seinem Elternhaus hielt und ihn
und seine Familie abholte: Im Oktober 1940 wurde die jüdische Familie
Maier aus Kippenheim (Ortenaukreis) in das französische Lager 'Camp de
Gurs' zwangsdeportiert. Ein halbes Jahr später konnte sie nach New York
auswandern. Heute ist der in den USA lebende Kurt Maier viel in
Deutschland unterwegs, um über die Ereignisse und Erfahrungen jener Jahre
zu berichten. Oft spricht er auch vor Schulklassen. In Tiengen war er auf
Einladung des Freundeskreises Jüdisches Leben zu Gast. Christoph Söffge
hatte das Treffen organisiert...."
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| November
2009: Henry Levi und seine jüdische
Familie besuchen Tiengen |
Artikel
von Ursula Freudig im "Südkurier" vom 4. November
2009:
"Henry Levi und seine jüdische Familie besuchen Tiengen. Es bleiben
nur wenige Erinnerungen.
Henry Levi war fünf Jahre alt, als seine Familie 1936 Tiengen verließ,
um sich in Südafrika in Sicherheit zu bringen. Am Sonntag machte der
78-jährige mit seinen drei Kindern und deren Familie - insgesamt waren
sie zu dreizehnt - Halt in Tiengen. Die Levis waren auf der Rückreise
nach England. Dort ist die jüdische Familie heute zuhause. Ein Kreis von
gut zehn Personen, viele vom Freundeskreis Jüdisches Leben in Tiengen,
nahmen die Familie in Empfang. Über Dieter Petri, Autor des Buches 'Die
Tiengener Juden', sind die Kontakte gelaufen. Im Café Flair saß man
zusammen. Mit dabei auch Ludwig Bercher, der mit seiner Familie im selben
Haus wie die Levis gelegt hatte..."
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Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Tiengen Baden.
Jews were probably present in the 14th century. A Hebrew printing press operated
there in 1559. In 1650 eight Jewish families received a letter of protection
under which they could conduct trade but not open stores. Throughout the 18th
century there was constant friction with the local population and only from the
1870s were Jews welcome in public life. A synagogue was built in 1793 and a
Jewish elementary school was opened in 1830 as the Jewish population grew
steadily to a peak of 233 in 1880 (total 2,247). The population dropped to 106
in 1900 and 46 in 1933. Under the Nazis, local antisemitism again came to the
fore and individual Jews were relentlessly persecuted. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), Jewish stores were looted and Jewish homes were vandalized,
as were the Synagogue and cemetery, while five Jewish men were taken to the
Dachau concentration camp, where two died. Twenty-seven Jews left Tiengen by
November 1938 and another 12 after Kristallnacht, most emigrating. Five
were subsequently deported to the camps from France and four from other German
cities along with five directly from Tiengen to the Gurs concentration camp on
22 October 1940; all but one perished.

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