|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Schmieheim (Gemeinde Kippenheim, Ortenaukreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
An dieser Seite wird noch
gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton
Ortenau gehörenden und dabei unter verschiedenen Herrschaften geteilten Ort
Schmieheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die
Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Die Dorfordnung von 1624 nennt
erstmals Juden am Ort. 1707 werden vier, 1712 neun jüdische Familien in
Schmieheim genannt. Die Namen der vier jüdischen Familienväter von 1707 waren:
Löb Levi, Isac Schnurmann, Elias Schnurmann und Isac Dreyfuß. In den folgenden
Jahrzehnten nahm die Zahl der jüdischen Einwohner Schmieheims schnell zu. 1758 waren es bereits 28 jüdische
Familien, von denen zehn eigene Häuser besaßen. 1747 werden erstmals die
Familien Bloch und Baumann genannt. Ein "Judenschultheiß" wird 1769
genannt (Samuel Levie).
Seit etwa 1777 hatte die
Gemeinde ständig einen Rabbiner. 1827 wurde Schmieheim Sitz eines Bezirksrabbinates,
bis dieses 1893 nach Offenburg verlegt wurde. Das Rabbinat war seit 1867 im damals neu erbauten Schulhaus der Gemeinde (Kirchstraße 6).
An Rabbinern waren u.a. tätig: David Günzburger (kam um 1790 auf der
Flucht vor der Französischen Revolution von Bollweiler nach Schmieheim) und
sein Sohn Josle Günzburger (seit 1817), Kaufmann Roos aus Lichtenau (1847 bis
1875), Dr. Meyer Rawicz (1876 bis 1893).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1809 57 jüdische Familien, 1825 325 jüdische Einwohner (36,4 % von
insgesamt 893 Einwohnern), 1852 491, Höchstzahl um 1864 mit 580 Personen (49
%), 1871 537, 1875 486 (45,3 % von 1.074), 1900 258 (29,3 % von 882), 1910 192
(23,7 % von 811).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (neben dem Gebäude der
jüdischen Schule, heutiges Wohnhaus Kirchstraße 8, das Bad wurde nach 1945
zugeschüttet) und einen Friedhof. Neben
dem Rabbiner war zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde ein Lehrer
angestellt, der teilweise zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war, doch
gab es hierfür in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch eine weitere
Person (s.u. Ausschreibung der Stelle des Vorsängers und Schochet von
1885).
Zur Schule: Bis 1828 besuchten die jüdischen Kinder die evangelische
Schule, danach gab es eine jüdische Volksschule. Ein jüdischer Elementarlehrer wurde
hierfür seit 1828 angestellt. Die Kinder wurden 1855 bis 1867 in sehr bescheidenen Räumlichkeiten des
Schlosses unterrichtet. 1867 wurde ein jüdisches Schulhaus (mit
Rabbinat und Lehrerwohnung) erbaut, das als Wohnhaus erhalten ist
(Kirchstraße 6). An Lehrern werden genannt: Moses Richter aus Buchen
(1828-1830), Gideon Moos aus Tiengen (1830
bis 1932), Isac Löw Ballin aus Merchingen
(1832 bis 1842; er unterrichtete 1837 58 Kinder), Michael Gombrich aus Ettenheim
(er unterrichtete 1855 120 Kinder). Nach Auflösung der jüdischen
Konfessionsschule 1876 unterrichtete der jüdische Lehrer als zweiter
Hauptlehrer an der Simultanschule. Da die Zahl der jüdischen Kinder zurückging
(1905 noch 36), wurde die Hauptlehrerstelle aufgegeben und ein jüdischer
Unterlehrer angestellt. Lehrer Gombrich erhielt die Goldene Verdienstmedaille
und ist 1881 gestorben. Seit 1885 war Lehrer Bloch in der Gemeinde tätig (siehe
Bericht zu seinem 50. Amtsjubiläum 1930 unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Sigmund
Schnurmann, Nathan Grumbacher, Karl Schnurmann und Jakob Wachenheimer. Auf dem Gefallenendenkmal der Ortsgemeinde auf dem Kirchplatz wie auf dem Gefallenendenkmal des
jüdischen Friedhofs sind auch die vier jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Schmieheim verzeichnet.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 148 Personen gehörten (18,6 % von
insgesamt 795 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Sandel Bloch, Leopold
Hofmann, Emil Bloch und Isidor Bloch. Damals war Abraham Bloch Kantor, J.
Zimmern Lehrer. 1932 war Gemeindevorsteher Emil Bloch. Als Kantor und Schochet
kam Lehrer G. Schwab aus Kippenheim regelmäßig in die Gemeinde. An jüdischen Vereinen
bestanden ein Kranken- und Frauenverein (1932 unter Leitung von Sara
Offenheim, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Krankenpflege).
Noch 1933 gab es am Ort fünf Pferdehändler (in den Häusern Kirchstraße 3
und 14, Dorfstraße 5, 14 und 18) und vier Viehhändler (in den Häusern
Dorfstraße 14, Waldstraße 4, Schlossstraße 11 und 27). Dazu
waren unter anderem die folgenden Gewerbebetriebe in jüdischem Besitz: Stoffgeschäft Abraham Baumann
(Dorfstraße 2), Bäckerei Isidor Bloch (Kirchstraße 20), Likörfabrik Nathan Bloch (Schlossstraße
9), Zigarrengeschäft Viktor Dreyfuß (Waldstraße 15), Zigarrenfabrikant Jakob Dreyfuß (Schützenstraße
7), Mazzenbäckerei Leopold Hofmann (Schlossstraße 21), Drahtgeflecht- und Siebfabrik Leopold Hofmann (Schlossstraße
28), Manufakturwarengeschäft Offenheimer (Schlossstraße 39), Manufakturwarengeschäft Schnurmann
(Dorfstraße 52), Jüdische Gastwirtschaft "Zur Krone", Inh. David Schwab
(Dorfstraße 13), Kolonialwarengeschäft Rosa Wachenheimer (Waldstraße
13).
1933 lebten noch 120 jüdische Personen in Schmieheim. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938
wurden die Synagoge und der Friedhof geschändet und verwüstet. Die jüdischen
Männer wurden verhaftet und für einige Wochen ins KZ Dachau
verschleppt.
1939 wurden noch 22 jüdische Einwohner gezählt. Am 22. Oktober 1940 wurden die
letzten 16 jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert.
Von den in Schmieheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Abraham Baumann
(1856), David Baumann (1892), Hanna Baumann (1935), Irma Baumann geb. Bloch
(1893), Karl Baumann (1891), Emilie (Emmy) Bergheimer geb. Bloch (1883), Sophie
Bergheimer (1885), Rosa Blankenstein geb. Bloch (1891), Abraham Bloch (1861),
Alexander Friedrich Bloch (1888), Betty Bloch geb. Baumann (1889), Isidor Bloch
(1883), Jakob Bloch (1889), Joseph Bloch (1870), Karl Bloch (1859), Lina Bloch
geb. Bloch (1888), Lydia Bloch (1898), Moritz Bloch (1879), Nathan Bloch (1878),
Norbert Bloch (1887), Paul Bloch (1907), Pauline Bloch (1888), Siegfried Bloch
(1881), Siegmund Bloch (1878), Sigmund Bloch (1867), Sigmund Bloch (1881), Sofie
Bloch geb. Wachenheimer (1898), Rosa Bodenheimer geb. Bloch (1862), Alice
Dreifuß (1910), Jakob Dreifuß (1882), Max Dreifuß (1859), Emanuel Dreifuß
(1882), Leopold Dreifuß (1875), Flora Dreyfuß geb. Bloch (1883), Ida Dreyfuß
geb. Bloch (1885), Samuel Sigmund Dreyfuß (1874), Emanuel Dreyfuss (1865),
Emanuel Dreyfuss (1877), Johanna Epstein geb. Schwab (1872), Lina Feibelmann
geb. Schwab (1884), Berta Fetterer (1880), Ida Fleischhacker geb. Weil (1891),
Babette Grumbacher (1856), Rosa Grumbacher (1882), Meier Günzburger (1854),
Berta Gutmann geb. Dreifuß (1873), Betha Hauser geb. Dreifuß (1872), Adelheid
Hofmann geb. Fetterer (1873), Betty Hofmann (1912), Daniel Hofmann (1886), Deo
Hofmann (1907), Leopold Hofmann (1878), Paula (Pauline) Israel geb. Weil (1884),
Herbert Karger (1899), Ida Karger geb. Offenheimer (1899), Emil Kassewitz
(1867), Emilie Kassewitz (1877), Jakob Kassewitz (1901), Jeanette Kaufmann geb.
Dreyfuss (1863), Erna Levi geb. Dreyfuss (1898), Gertrud Levi (1923), Rosa Levi
geb. Dreyfuss (1884), Klara Levy geb. Kassewitz (1892), Leopold Levy (1878),
Moritz Lichtenauer (1869), Hedwig Maas geb. Weil (1889), Hermann Maas (1880),
Siegfried Maier (1897), Bella Meier (1887), Thekla Meier (1890), Selma
Oberländer geb. Lehmann (1895), Gustav Offenheimer (1857), Philipp Offenheimer
(1853), Sara Offenheimer geb. Dreifuß (1872), Klara Peritz geb. Bernheimer
(1873), Grete Präg geb. Schnurmann (1910), Leopold Roederer (1876), Elias
Schnurmann (1868), Elias Schnurmann (1880), Johanna Schnurmann (1860), Sophie
Schnurmann geb. Vollweiler (1874), Hannchen Schreiber geb. Grumbacher (1887),
David Schwab (1879), Hannchen Schwab geb. Dreyfuß (1872), Heinz Josef Schwab
(1921), Sara Schwab geb. Kassewitz (1888), Thekla Schwab (1886), Mina Stern geb.
Schnurmann (1878), Betty Strauss geb. Weil (1880), Ida Wachenheimer (1897), Max
Wachenheimer (1876), Alfred Weil (1880), Berta Weil geb. Kassewitz (1872), Berta
Weil geb. Schnurmann (1873), Frieda Weil (1886), Max Weil (1891), Rebekka Weil
geb. Weil (1862), Siegfried Weil (1894), Sofie Weil geb. Bloch (1863), Toni Weil
(1888), Wilhelm Weil (1870), Lydia Zimmern
(1898).
Neben dem ehemaligen Synagogengebäude steht auf dem Gelände abgebrochener jüdischer Häuser seit 1998 ein evangelischer Kindergarten, der nach dem letzten jüdischen Kind Schmieheims
"Hanna-Baumann-Kindergarten" genannt wurde (Hanna Baumann, 1935
Schmieheim - 1941 erschossen nach der Deportation in Litauen; im Garten des Kindergartens wurde 2002 eine Friedenslinde zur Erinnerung an Hanna Baumann
gepflanzt).
Weitere Spuren der jüdischen Geschichte: Eines der schönsten Häuser Schmieheims ist bis heute das um die Jahrhundertwende vom jüdischen Fabrikanten Weyl errichtete Haus
Dorfstraße 40 ("Villa Weyl").
Hinter der Sparkassen-Filiale in der Dorfstraße findet sich der "Bernheim-Brunnen", der Ende der 1920er-Jahre den Namen des Schmieheimer Ehrenbürgers Isaak Wolf Bernheim erhielt
(geb. 1848 in Schmieheim, nach Amerika ausgewandert, spendete in den 1920er Jahren das Geld für die Installation von Wasserleitungen in ganz Schmieheim).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
Zum Tod von Bezirksrabbiner Roos
(1875)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1875: |
Zur Besetzung der Rabbinatsstelle (1876)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Fahnenweihe des Militärvereins mit Festrede von
Bezirksrabbiner Dr. Rawicz (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Publikation von Rabbiner Dr. Rawicz zum Traktat Rosch ha-Schanah
(1886)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Predigt für das Wochenfest von Rabbiner Rawicz (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Vorsängers und Schächters (1885)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1885:
"Zum 1. Januar 1886 ist in hiesiger Gemeinde die mit Schächterdienst
verbundene Vorsängerstelle zu besetzen.
Gehalt 1.000 Mark nebst freier Wohnung, Nebenverdienste 400 Mark.
Bewerber, welche befähigt sind, den Religionsunterricht zu erteilen,
werden bevorzugt. Meldungen sind bis 15. November dieses Jahres an den
Unterzeichneten zu richten. Reisekosten werden nicht vergütet.
Schmieheim (Baden), im September 1885. Großherzogliche Bezirkssynagoge. Dr.
M. Rawicz." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1885:
"Den Bewerbern um die hiesige Kantorstelle zur Nachricht, dass
dieselbe besetzt ist.
Abschriftliche Zeugnisse werden nicht zurückgesandt.
Schmieheim (Baden), 29. November 1885. Dr. M. Rawicz,
Bezirks-Rabbiner." |
50-jähriges Amtsjubiläum von Kantor und Lehrer Bloch (1930)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1930: "Schmieheim
(Baden), 14. Januar 1930. Seit 50 Jahren wirkt Herr Kantor und Lehrer
Bloch im Dienste seines Berufs. Seit 45 Jahren versieht er in hiesiger
Gemeinde sein Amt. Er genießt allgemein großes Vertrauen und
Entgegenkommen, sodass ihm seine Gemeinde vor einigen Tagen sein
50-jähriges Amtsjubiläum zu einem wahren Festtag gestaltete. Zahlreich
versammelten sich seine Gemeindemitglieder in der Synagoge, wo ein
Festgottesdienst abgehalten wurde. Herr Stadtrabbiner Dr. Schiff aus
Karlsruhe gab ein herrliches Bild von den Verdiensten, welche der verehrte
Jubilar sich im Dienste der Landessynagoge, im Dienste seiner Gemeinde und
nicht zuletzt im Dienste der Menschheit erworben hat. Seit 45 Jahren wirkt
er in hiesiger Gemeinde mit als Kantor. Er versteht es, wie wenige, in
bezaubernder Weise seine Zuhörer zu fesseln, in inniger Weise den Mittler
zwischen Gott und seiner Gemeinde zu
stellen.
In Anerkennung seiner Verdienste in der Landessynagoge, ließ ihm der
Oberrat der Israelitischen in Karlsruhe durch Herrn Bezirksältesten Weil
ein Ehrengeschenk, eine Ehrenurkunde mit einem Diplom überreichen. Seine
Kollegen waren ebenfalls zahlreich erschienen und feierten ihn in
herrlichen Gesängen. Seine Gemeinde und selbst seine Schüler
überreichten unter warmen Worten der Ehrerbietung und Wertschätzung
sinnige Geschenke. - Möge Gott dem Jubilar bis 100 Kraft
verleihen, um sein heiliges Amt bis 100 weiter ausüben zu können!
Sch." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des langjährigen
Gemeindevorstehers Josef Weil (1878)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum Tod des 106-jährigen Witwe Lichtenauer (1882)
Anmerkung: es handelte sich um Guta Lichtenauer (Grabstein
im jüdischen Friedhof in Reihe 7 Nr. 43, Dokumentation MEMOR-Buch Schmieheim
Bd. 1 Seite 114)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1882: "Aus
dem badischen Oberland. Vor einigen Tagen wurde in Schmieheim eine
Witwe Lichtenauer beerdigt, welche das seltene Alter von 106 Jahren
erreichte. Dieselbe, welche sich bis wenige Tage vor ihrem Hinscheiden
stets einer vortrefflichen Gesundheit erfreute, wurde häufig ihres hohen
Alters wegen von vielen Personen der Umgegend, besonders von Lahr aus,
aufgesucht." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und
Privatpersonen
Anzeige der Weinhandlung von Abraham
Hanover (1863)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Anzeige des Gasthauses "Zur Krone" (1893)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Anzeigen des Bäckermeisters D. Hofmann (1902 / 1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Um 1715 war die Zahl der in
Schmieheim wohnenden Juden so groß, dass an die Einrichtung einer Synagoge bzw.
eines Betsaales gedacht werden konnte. In einem Dokument von 1720/21 wird
ein "Concessionsbrieff über die daselbsten (sc. in Schmieheim) erbaute Sinagog
vom 21. Marty (sc. März) 1720" genannt. Ein 1722 verstorbener Isaac Dreyfuß
hatte sich um die Erbauung der Synagoge verdient gemacht. Etwa 90 Jahre diente
diese erste Synagoge als Zentrum des Gottesdienstes und des Gebets, dann war sie
nach Beschreibungen von 1812 baufällig und für die in diesen Jahrzehnten stark
gewachsene Gemeinde zu klein geworden.
Die Gemeinde entschied sich 1812 zu einem Neubau,
was ihr damals auf Grund der verbreiteten Armut unter den jüdischen Familien
nicht leicht fiel. Auch war kein Baufonds vorhanden. Man begann Briefe mit der
Bitte um Unterstützung an die Behörden zu schreiben, was sich jedoch als sehr
mühsames Unternehmen herausstellte. Zahlreiche Briefe schrieb der jüdische
Gemeindevorsteher Hirschel Levi Manheimer allein aus dem Grund, um aus dem
Staats- und Gemeindewald günstiges oder gar kostenloses Bauholz zu erhalten. Im
Nachbarort Kippenheim hatte die jüdische Gemeinde 1793 kostenlos Holz zum
Synagogenbau erhalten. Der Leiter des Oberforstamtes in Schuttern meinte, dass
aus diesem Grund "der armen Judenschaft zu Schmieheim ein ähnliches Geschenk
sehr wohl zu gönnen wäre". Anders entschieden das Kreisdirektorium und das
Badische Finanzministerium, die die kostenlose Überlassung ablehnten und darauf
bestanden, dass die israelitische Gemeinde das Bauholz zu bezahlen habe. Die
Holzschuld belief sich auf 532 Gulden. Bis 1814 konnte die neue
Synagoge erbaut werden. Die Finanzierung der Baukosten wurde großenteils durch
die Versteigerung der Synagogenplätze vorgenommen. Dies führte allerdings zu
Streitigkeiten, da vier jüdische Männer mit ihren neuen Plätzen nicht
einverstanden waren und sich über den Gemeindevorsteher und den Rabbiner beim
Bezirksamt beklagten. Da freilich die Kläger als "unruhige streitsüchtige Köpfe"
bekannt waren, hat sich das Bezirksamt auf den Streit nicht eingelassen, sondern
die Neueinteilung für gültig erklärt. Gegenüber der alten Synagoge, in der
es bei zuletzt 35 vorhandenen Plätzen im Betsaal der Männer sehr eng zuging,
waren nun in der neuen Synagoge 62 Plätze vorhanden, zu denen man leicht
weitere dazustellen konnte.
Pläne über die
Sitzverteilung in der alten und neuen Synagoge
(Quelle: Schicksal und Geschichte... (s.Lit.) S. 128) |
 |
 |
| Plan über die 35 vorhandenen
Sitze in der alten Synagoge (bis 1812); vom Grundriss her war sie
wesentlich kleiner als die neue Synagoge (rechts). |
Plan über die 62 Plätze in
der Männersynagoge der neuen Synagoge (ab 1814). Im Mittelpunkt stand die
"Canzel" (Vorlesetisch), von wo die Tora gelesen wurde |
1843 war eine gründliche Renovierung der Synagoge nötig.
Nach einer Beschreibung aus diesem Jahr war sie innen und außen in einem
"verwahrlosten Zustand". Durch die weiter stark gestiegene Zahl der
Gemeindeglieder waren vor allem eine innere Umgestaltung und eine Neueinteilung
der Plätze notwendig. Auf einer Gemeindeversammlung wurde beschlossen, im
Betsaal der Männer die Ständer (Betpulte) abzuschaffen und Bankreihen zu
erstellen. Zur Erweiterung des Frauenbereichs sollten auf beiden Seiten Emporen
eingebaut werden. Auch für die Schuljugend der Gemeinde sollte nun Platz in der
Synagoge geschaffen werden. Bislang seien die Jugendlichen nach einem Bericht des
Synagogenrates vom November 1843 an das Bezirksamt "sozusagen wie Schafe ohne
Hirte beim Gottesdienst in der Synagoge herumgeirrt". Die ganze Synagoge sollte
innen wie außen wesentlich verschönert werden. Zur Finanzierung war wiederum
an eine Versteigerung der Sitzplätze gedacht. Die Pläne für die Baumaßnahmen
wurden zwischen dem Bezirksbauinspektor Weber, dem Synagogenrat in Schmieheim
und Bezirksrabbiner Roos im Laufe des Jahres 1844 ausgearbeitet. Am 20. Februar
1845 konnten die auf 4.496 Gulden veranschlagten Arbeiten versteigert werden.
Schließlich wurden sie sehr günstig zu 3.247 Gulden vergeben. Nachdem schließlich
auch der Oberrat der Israeliten in Karlsruhe im April 1845 den Umbau genehmigte,
konnte er bis zum Sommer 1846 durchgeführt werden. Die Neueinweihung fand am 7.
oder 8. August 1846 statt.
Wie die erste Synagoge diente auch die zweite der jüdischen
Gemeinde in Schmieheim gut 90 Jahre lang als gottesdienstliches Zentrum. Im
Laufe dieser Jahrzehnte waren einige kleinere Reparaturen nötig. Von solchen
wird 1894 berichtet, als verschiedene Arbeiten zu baulichen
Instandsetzung der Synagoge notwendig waren. Auch 1910 war eine umfassende
Renovierung notwendig geworden, nach der eine Neueinweihung der Synagoge erfolgt
ist:
Die Synagoge wird nach der Renovierung
wieder eingeweiht (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Oktober 1910:
"In Schmieheim (Baden) ist die ganz neu renovierte Synagoge
unter besonderer Festlichkeit eingeweiht worden. Zwei aus Schmieheim
stammende Herren, Isak Wolf und Bernhard Bernheim in Louisville (Amerika),
haben in hochherziger Weise die Kosten des Baues
hergegeben." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung
der Synagoge am 10. November völlig zerstört. Angehörige der Gebietsführerschule
in Lahr unter Anführung des aus Schmieheim stammenden Otto Lerch brachen in die
Synagoge ein. Kronleuchter wurden von der Decke gerissen, die Fenster
zerschlagen, die Räume verwüstet, die sieben Torarollen wurden wie Teppiche
auf dem Boden ausgerollt und hinausgetragen. Einige hängte man als Schaustücke
in der Bahnstation Dinglingen auf. Das Torasilber wurde gestohlen. Eine
Inbrandsetzung der Synagoge wurde durch den damaligen Bürgermeister Huck
verhindert. Am Tag nach der Verwüstung der Synagoge organisierten der damalige
Pfarrer Schloer, Bürgermeister Huck und Fabrikant eine Bewachung des Dorfes, um
Plünderungen jüdischer Geschäfte zu verhindern.
Nach der Zerstörung der Synagoge 1938 war bis Oktober 1940
ein Betsaal im Tanzsaal des jüdischen
Gasthauses "Zur Krone" eingerichtet (Dorfstraße 13).
Am 23. Juni 1950 wurde die ehemalige Synagoge von
der Israelitischen Landesgemeinde Südbaden an einen örtlichen Industriebetrieb
verkauft, von dem das Gebäude anschließend zu einer Fabrik umgebaut wurde. An
der Südseite wurde eine Bürogebäude angebaut. In den 1990er Jahren wurde das
Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. 2001 wurden Teile einer Genisa im
ehemaligen Synagogengebäude gefunden (siehe Seite Projekte
von Uwe Schellinger). 2003/04 wurde es durch ein neues Dach und
neuen Verputz wiederum renoviert. Die von der Kirchstraße her zugängliche
Westfassade erinnert noch am meisten an die Vergangenheit als Synagoge
(Standort: Schlossstraße 41).
Fotos / Darstellungen:
Historische Fotos/Darstellungen:
 |
 |
 |
Ansichtskarte von Schmieheim
um 1900 |
Vergrößerung aus der Ansichtskarte:
die Synagoge |
Innenaufnahme der Synagoge |
| |
|
|
 |
 |
 |
|
Ansichtskarte mit zwei Abbildungen der Synagoge (um 1930?) |
Vergrößerung: Eingangsbereich |
Vergrößerung aus der Karte links: Innenaufnahme der Synagoge |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1950
(Quelle: Gedenkbuch des Hist. Vereins s.Lit. S.
138) |
 |
| |
Baumaßnahmen um 1950 am ehemaligen Synagogengebäude; die Baugrube für
das Bürogebäude (siehe Foto unten) ist ausgehoben, wodurch sich die
Hälfte der südlichen Synagogenmauer gesenkt hat (siehe Stützen auf
Foto). Dieser Teil der Mauer musste abgebrochen und neu aufgeführt
werden. |
| |
|
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
 |
 |
| |
Die zu einer Fabrik umgebaute ehemalige Synagoge mit Bürogebäude von ca.
1950 (siehe Foto oben) |
Bürogebäude von ca. 1950 vor dem Synagogengebäude
|
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
An der Westfassade sind die alten Fenster erhalten |
| |
|
| |
|
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.9.2003) |
 |
 |
| |
Blick auf die ehemalige
Synagoge nach Umbau zu einem Wohnhaus |
Blick auf die ehemalige Synagoge; rechts der
Hanna-Baumann-Kindergarten der Evang. Kirchengemeinde |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Die mit den alten
Fensterbögen erhaltene Westfassade |
Blick von Nordosten auf die
ehemalige Synagoge |
| |
|
| |
|
| Das ehemalige jüdische
Schulhaus (Kirchstraße 6) |
|
 |
 |
 |
Historische
Aufnahme
(um 1932) |
Im Schulhaus
befanden sich auch die Lehrerwohnung und (bis 1893) auch das Rabbinat |
Eingang zur ehemaligen Schule |
| |
| |
|
| |
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 252-255. |
 | Albert Köbele/Hans Scheer/Emil Ell: Ortssippenbuch
Schmieheim, Ortenaukreis/Baden. Grafenhausen bei Lahr/Baden 1979. |
 | Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden
Ettenheim, Altdorf, Kippenheim, Schmieheim, Rust, Orschweier. Ein
Gedenkbuch. Hg. vom Historischen Verein für Mittelbaden e.V.,
Mitgliedergruppe Ettenheim. Ettenheim 1988. 1998². |
 | Naftali Bar-Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof
Schmieheim. Memor-Buch. Bd.1 und 2. 1999. |
 | Günther Pommerening: Die Juden in Schmieheim.
Untersuchung zur Geschichte und Kultur der Judenheit in einer badischen
Landgemeinde. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der
Philosophie der Universität Hamburg. Hamburg 1980. |
 | Faltblatt "Hanna-Baumann-Kindergarten", hg. von
der Ev. Kirchengemeinde Schmieheim. 1998. |
 | Günter Boll: Die Entstehung der jüdischen Gemeinde in
Schmieheim. In: Die Ortenau 79 1999 S. 643-646. |
 | ders.: Die frühesten Bestattungen auf dem jüdischen
Friedhof von Schmieheim. In: Geroldsecker Land 39 1997 S. 24-35. |
 | Matthias Kreplin: Rundgang durch das jüdische Schmieheim. 1999²
(im Internet unter www.evang-kirche-schmieheim.de) |
 | Renate Kreplin/Uwe Schellinger: Die
Schmieheimer Genisa. In: Kippenheimer Chronik 2005. S. 98-99. |
 | Monika Müller: Leben mit zwei verschiedenen Zeiten:
Die jüdischen Kalender aus dem Bestand der Schmieheimer Genisa. In: Die
Ortenau Bd. 86 2006 S. 269-286. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schmieheim Baden. Jews are
mentioned in 1709 and numbered 80 by 1747. The nearby cemetery, opened in 1703,
was one of the most beautiful in south Baden and served many communities. The
prosperous 19th century community developed into one of the largest in Baden,
with 486 Jews (total 1,074) in 1875. In 1812, a new synagogue was built and in
1827, Schmieheim became the seat of the district rabbinate. Its last district
rabbi was the Reform-minded Dr. Viktor Meyer Rawisc, who translated part of the
Talmud into German and transferred the district rabbinate to Offenburg in 1893.
A Jewish elementary school was opened in the 1830s, numbering 120 students in
1855. At the turn of the century Jews continued to trade in cattle and opened a
number of factories (cigarettes, liquor, metal screening). Many of the young
acquired a higher education and left the village. In 1933, 121 Jews remained.
Most left after the disturbances of Kristallnacht (9-10 November 1938),
when the synagogue and Jewish homes were heavily damaged, the cemetery was
desecrated, and 28 men were taken to the Dachau concentration camp. In all, 32
emigrated while 61 moved to other German cities, 20 of them being deported to
the Gurs concentration camp along with 14 directly from Schmieheim on 22.
Octorber 1940. Half of them perished in Auschwitz. Altogether 44 Jews from
Schmieheim died in the camps.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|