Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schmieheim (Gemeinde Kippenheim, Ortenaukreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates 
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Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
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   An dieser Seite wird noch gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton Ortenau gehörenden und dabei unter verschiedenen Herrschaften geteilten Ort Schmieheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Die Dorfordnung von 1624 nennt erstmals Juden am Ort. 1707 werden vier, 1712 neun jüdische Familien in Schmieheim genannt. Die Namen der vier jüdischen Familienväter von 1707 waren: Löb Levi, Isac Schnurmann, Elias Schnurmann und Isac Dreyfuß. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl der jüdischen Einwohner Schmieheims schnell zu. 1758 waren es bereits 28 jüdische Familien, von denen zehn eigene Häuser besaßen. 1747 werden erstmals die Familien Bloch und Baumann genannt. Ein "Judenschultheiß" wird 1769 genannt (Samuel Levie).  
      
Seit etwa 1777 hatte die Gemeinde ständig einen Rabbiner. 1827 wurde Schmieheim Sitz eines Bezirksrabbinates, bis dieses 1893 nach Offenburg verlegt wurde. Das Rabbinat war seit 1867 im damals neu erbauten Schulhaus der Gemeinde (Kirchstraße 6). An Rabbinern waren u.a. tätig: David Günzburger (kam um 1790 auf der Flucht vor der Französischen Revolution von Bollweiler nach Schmieheim) und sein Sohn Josle Günzburger (seit 1817), Kaufmann Roos aus Lichtenau (1847 bis 1875), Dr. Meyer Rawicz (1876 bis 1893).  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809 57 jüdische Familien, 1825 325 jüdische Einwohner (36,4 % von insgesamt 893 Einwohnern), 1852 491, Höchstzahl um 1864 mit 580 Personen (49 %), 1871 537, 1875 486 (45,3 % von 1.074), 1900 258 (29,3 % von 882), 1910 192 (23,7 % von 811).  

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (neben dem Gebäude der jüdischen Schule, heutiges Wohnhaus Kirchstraße 8, das Bad wurde nach 1945 zugeschüttet) und einen Friedhof. Neben dem Rabbiner war zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde ein Lehrer angestellt, der teilweise zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war, doch gab es hierfür in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch eine weitere Person (s.u. Ausschreibung der Stelle des Vorsängers und Schochet von 1885).   

Zur Schule: Bis 1828 besuchten die jüdischen Kinder die evangelische Schule, danach gab es eine jüdische Volksschule. Ein jüdischer Elementarlehrer wurde hierfür seit 1828 angestellt. Die Kinder wurden 1855 bis 1867 in sehr bescheidenen Räumlichkeiten des Schlosses unterrichtet. 1867 wurde ein jüdisches Schulhaus (mit Rabbinat und Lehrerwohnung) erbaut, das als Wohnhaus erhalten ist (Kirchstraße 6). An Lehrern werden genannt: Moses Richter aus Buchen (1828-1830), Gideon Moos aus Tiengen (1830 bis 1932), Isac Löw Ballin aus Merchingen (1832 bis 1842; er unterrichtete 1837 58 Kinder), Michael Gombrich aus Ettenheim (er unterrichtete 1855 120 Kinder). Nach Auflösung der jüdischen Konfessionsschule 1876 unterrichtete der jüdische Lehrer als zweiter Hauptlehrer an der Simultanschule. Da die Zahl der jüdischen Kinder zurückging (1905 noch 36), wurde die Hauptlehrerstelle aufgegeben und ein jüdischer Unterlehrer angestellt. Lehrer Gombrich erhielt die Goldene Verdienstmedaille und ist 1881 gestorben. Seit 1885 war Lehrer Bloch in der Gemeinde tätig (siehe Bericht zu seinem 50. Amtsjubiläum 1930 unten).       
        
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Sigmund Schnurmann, Nathan Grumbacher, Karl Schnurmann und Jakob Wachenheimer. Auf dem Gefallenendenkmal der Ortsgemeinde auf dem Kirchplatz wie auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofs sind auch die vier jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Schmieheim verzeichnet.
         
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 148 Personen gehörten (18,6 % von insgesamt 795 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Sandel Bloch, Leopold Hofmann, Emil Bloch und Isidor Bloch. Damals war Abraham Bloch Kantor, J. Zimmern Lehrer. 1932 war Gemeindevorsteher Emil Bloch. Als Kantor und Schochet kam Lehrer G. Schwab aus Kippenheim regelmäßig in die Gemeinde. An jüdischen Vereinen bestanden ein Kranken- und Frauenverein (1932 unter Leitung von Sara Offenheim, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege).  
  
Noch 1933 gab es am Ort fünf Pferdehändler (in den Häusern Kirchstraße 3 und 14, Dorfstraße 5, 14 und 18) und vier Viehhändler (in den Häusern Dorfstraße 14, Waldstraße 4, Schlossstraße 11 und 27). Dazu waren unter anderem die folgenden Gewerbebetriebe in jüdischem Besitz:  Stoffgeschäft Abraham Baumann (Dorfstraße 2), Bäckerei Isidor Bloch (Kirchstraße 20), Likörfabrik Nathan Bloch (Schlossstraße 9), Zigarrengeschäft Viktor Dreyfuß (Waldstraße 15), Zigarrenfabrikant Jakob Dreyfuß (Schützenstraße 7), Mazzenbäckerei Leopold Hofmann (Schlossstraße 21), Drahtgeflecht- und Siebfabrik Leopold Hofmann (Schlossstraße 28), Manufakturwarengeschäft Offenheimer (Schlossstraße 39), Manufakturwarengeschäft Schnurmann (Dorfstraße 52), Jüdische Gastwirtschaft "Zur Krone", Inh. David Schwab (Dorfstraße 13), Kolonialwarengeschäft Rosa Wachenheimer (Waldstraße 13).      
         
1933 lebten noch 120 jüdische Personen in Schmieheim. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Synagoge und der Friedhof geschändet und verwüstet. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und für einige Wochen ins KZ Dachau verschleppt.  
1939 wurden noch 22 jüdische Einwohner gezählt. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 16 jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert. 
   
Von den in Schmieheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Abraham Baumann (1856), David Baumann (1892), Hanna Baumann (1935), Irma Baumann geb. Bloch (1893), Karl Baumann (1891), Emilie (Emmy) Bergheimer geb. Bloch (1883), Sophie Bergheimer (1885), Rosa Blankenstein geb. Bloch (1891), Abraham Bloch (1861), Alexander Friedrich Bloch (1888), Betty Bloch geb. Baumann (1889), Isidor Bloch (1883), Jakob Bloch (1889), Joseph Bloch (1870), Karl Bloch (1859), Lina Bloch geb. Bloch (1888), Lydia Bloch (1898), Moritz Bloch (1879), Nathan Bloch (1878), Norbert Bloch (1887), Paul Bloch (1907), Pauline Bloch (1888), Siegfried Bloch (1881), Siegmund Bloch (1878), Sigmund Bloch (1867), Sigmund Bloch (1881), Sofie Bloch geb. Wachenheimer (1898), Rosa Bodenheimer geb. Bloch (1862), Alice Dreifuß (1910), Jakob Dreifuß (1882), Max Dreifuß (1859), Emanuel Dreifuß (1882), Leopold Dreifuß (1875), Flora Dreyfuß geb. Bloch (1883), Ida Dreyfuß geb. Bloch (1885), Samuel Sigmund Dreyfuß (1874), Emanuel Dreyfuss (1865), Emanuel Dreyfuss (1877), Johanna Epstein geb. Schwab (1872), Lina Feibelmann geb. Schwab (1884), Berta Fetterer (1880), Ida Fleischhacker geb. Weil (1891), Babette Grumbacher (1856), Rosa Grumbacher (1882), Meier Günzburger (1854), Berta Gutmann geb. Dreifuß (1873), Betha Hauser geb. Dreifuß (1872), Adelheid Hofmann geb. Fetterer (1873), Betty Hofmann (1912), Daniel Hofmann (1886), Deo Hofmann (1907), Leopold Hofmann (1878), Paula (Pauline) Israel geb. Weil (1884), Herbert Karger (1899), Ida Karger geb. Offenheimer (1899), Emil Kassewitz (1867), Emilie Kassewitz (1877), Jakob Kassewitz (1901), Jeanette Kaufmann geb. Dreyfuss (1863), Erna Levi geb. Dreyfuss (1898), Gertrud Levi (1923), Rosa Levi geb. Dreyfuss (1884), Klara Levy geb. Kassewitz (1892), Leopold Levy (1878), Moritz Lichtenauer (1869), Hedwig Maas geb. Weil (1889), Hermann Maas (1880), Siegfried Maier (1897), Bella Meier (1887), Thekla Meier (1890), Selma Oberländer geb. Lehmann (1895), Gustav Offenheimer (1857), Philipp Offenheimer (1853), Sara Offenheimer geb. Dreifuß (1872), Klara Peritz geb. Bernheimer (1873), Grete Präg geb. Schnurmann (1910), Leopold Roederer (1876), Elias Schnurmann (1868), Elias Schnurmann (1880), Johanna Schnurmann (1860), Sophie Schnurmann geb. Vollweiler (1874), Hannchen Schreiber geb. Grumbacher (1887), David Schwab (1879), Hannchen Schwab geb. Dreyfuß (1872), Heinz Josef Schwab (1921), Sara Schwab geb. Kassewitz (1888), Thekla Schwab (1886), Mina Stern geb. Schnurmann (1878), Betty Strauss geb. Weil (1880), Ida Wachenheimer (1897), Max Wachenheimer (1876), Alfred Weil (1880), Berta Weil geb. Kassewitz (1872), Berta Weil geb. Schnurmann (1873), Frieda Weil (1886), Max Weil (1891), Rebekka Weil geb. Weil (1862), Siegfried Weil (1894), Sofie Weil geb. Bloch (1863), Toni Weil (1888), Wilhelm Weil (1870), Lydia Zimmern (1898).          
      
Neben dem ehemaligen Synagogengebäude steht auf dem Gelände abgebrochener jüdischer Häuser seit 1998 ein evangelischer Kindergarten, der nach dem letzten jüdischen Kind Schmieheims "Hanna-Baumann-Kindergarten" genannt wurde (Hanna Baumann, 1935 Schmieheim - 1941 erschossen nach der Deportation in Litauen; im Garten des Kindergartens wurde 2002 eine Friedenslinde zur Erinnerung an Hanna Baumann gepflanzt). 
   
Weitere Spuren der jüdischen Geschichte: Eines der schönsten Häuser Schmieheims ist bis heute das um die Jahrhundertwende vom jüdischen Fabrikanten Weyl errichtete Haus Dorfstraße 40 ("Villa Weyl").  

Hinter der Sparkassen-Filiale in der Dorfstraße findet sich der "Bernheim-Brunnen", der Ende der 1920er-Jahre den Namen des Schmieheimer Ehrenbürgers Isaak Wolf Bernheim erhielt (geb. 1848 in Schmieheim, nach Amerika ausgewandert, spendete in den 1920er Jahren das Geld für die Installation von Wasserleitungen in ganz Schmieheim).   
    
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte des Rabbinates    
Zum Tod von Bezirksrabbiner Roos (1875)      

Schmieheim Israelit 24031875.jpg (133526 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1875:   


Zur Besetzung der Rabbinatsstelle (1876)   

Schmieheim Israelit 21091876.jpg (50422 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  


Fahnenweihe des Militärvereins mit Festrede von Bezirksrabbiner Dr. Rawicz (1885)  

Schmieheim Israelit 06071885.jpg (89951 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom

  
Publikation von Rabbiner Dr. Rawicz zum Traktat Rosch ha-Schanah (1886)  

Schmieheim Israelit 11031886.jpg (56969 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  

  
Predigt für das Wochenfest von Rabbiner Rawicz (1890)  

Schmieheim Israelit 12051890.jpg (33004 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  

  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Ausschreibung der Stelle des Vorsängers und Schächters (1885)  

Schmieheim Israelit 08101885.jpg (67319 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1885: "Zum 1. Januar 1886 ist in hiesiger Gemeinde die mit Schächterdienst verbundene Vorsängerstelle zu besetzen.   
Gehalt 1.000 Mark nebst freier Wohnung, Nebenverdienste 400 Mark. Bewerber, welche befähigt sind, den Religionsunterricht zu erteilen, werden bevorzugt. Meldungen sind bis 15. November dieses Jahres an den Unterzeichneten zu richten. Reisekosten werden nicht vergütet. 
Schmieheim (Baden), im September 1885. Großherzogliche Bezirkssynagoge. Dr. M. Rawicz."    
  
Schmieheim Israelit 03121885.jpg (38117 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1885: "Den Bewerbern um die hiesige Kantorstelle zur Nachricht, dass dieselbe besetzt ist. 
Abschriftliche Zeugnisse werden nicht zurückgesandt. 
Schmieheim (Baden), 29. November 1885. Dr. M. Rawicz, Bezirks-Rabbiner."    

    
50-jähriges Amtsjubiläum von Kantor und Lehrer Bloch (1930)  

Schmieheim Israelit 23011930.jpg (114138 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1930: "Schmieheim (Baden), 14. Januar 1930. Seit 50 Jahren wirkt Herr Kantor und Lehrer Bloch im Dienste seines Berufs. Seit 45 Jahren versieht er in hiesiger Gemeinde sein Amt. Er genießt allgemein großes Vertrauen und Entgegenkommen, sodass ihm seine Gemeinde vor einigen Tagen sein 50-jähriges Amtsjubiläum zu einem wahren Festtag gestaltete. Zahlreich versammelten sich seine Gemeindemitglieder in der Synagoge, wo ein Festgottesdienst abgehalten wurde. Herr Stadtrabbiner Dr. Schiff aus Karlsruhe gab ein herrliches Bild von den Verdiensten, welche der verehrte Jubilar sich im Dienste der Landessynagoge, im Dienste seiner Gemeinde und nicht zuletzt im Dienste der Menschheit erworben hat. Seit 45 Jahren wirkt er in hiesiger Gemeinde mit als Kantor. Er versteht es, wie wenige, in bezaubernder Weise seine Zuhörer zu fesseln, in inniger Weise den Mittler zwischen Gott und seiner Gemeinde zu stellen.   
In Anerkennung seiner Verdienste in der Landessynagoge, ließ ihm der Oberrat der Israelitischen in Karlsruhe durch Herrn Bezirksältesten Weil ein Ehrengeschenk, eine Ehrenurkunde mit einem Diplom überreichen. Seine Kollegen waren ebenfalls zahlreich erschienen und feierten ihn in herrlichen Gesängen. Seine Gemeinde und selbst seine Schüler überreichten unter warmen Worten der Ehrerbietung und Wertschätzung sinnige Geschenke. - Möge Gott dem Jubilar bis 100 Kraft verleihen, um sein heiliges Amt bis 100 weiter ausüben zu können! Sch."   

 

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Josef Weil (1878)   

Schmieheim Israelit 11121878.jpg (165535 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
  
Schmieheim Israelit 15011879.JPG (98272 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom

   
Zum Tod des 106-jährigen Witwe Lichtenauer (1882)   
Anmerkung: es handelte sich um Guta Lichtenauer (Grabstein im jüdischen Friedhof in Reihe 7 Nr. 43, Dokumentation MEMOR-Buch Schmieheim Bd. 1 Seite 114)

Schmieheim Israelit 29031882.jpg (47889 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1882: "Aus dem badischen Oberland. Vor einigen Tagen wurde in Schmieheim eine Witwe Lichtenauer beerdigt, welche das seltene Alter von 106 Jahren erreichte. Dieselbe, welche sich bis wenige Tage vor ihrem Hinscheiden stets einer vortrefflichen Gesundheit erfreute, wurde häufig ihres hohen Alters wegen von vielen Personen der Umgegend, besonders von Lahr aus, aufgesucht." 

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der Weinhandlung von Abraham Hanover (1863)  

Schmieheim Israelit 07101863.jpg (41194 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

       
Anzeige des Gasthauses "Zur Krone" (1893)    

Schmieheim Israelit 20041893.jpg (57966 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  

   
Anzeigen des Bäckermeisters D. Hofmann (1902 / 1903)  

Schmieheim Israelit 21081902.jpg (27121 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  
  
Schmieheim Israelit 02021903.jpg (29791 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  

 


    
    

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge

Um 1715 war die Zahl der in Schmieheim wohnenden Juden so groß, dass an die Einrichtung einer Synagoge bzw. eines Betsaales gedacht werden konnte. In einem Dokument von 1720/21 wird ein "Concessionsbrieff über die daselbsten (sc. in Schmieheim) erbaute Sinagog vom 21. Marty (sc. März) 1720" genannt. Ein 1722 verstorbener Isaac Dreyfuß hatte sich um die Erbauung der Synagoge verdient gemacht. Etwa 90 Jahre diente diese erste Synagoge als Zentrum des Gottesdienstes und des Gebets, dann war sie nach Beschreibungen von 1812 baufällig und für die in diesen Jahrzehnten stark gewachsene Gemeinde zu klein geworden. 

Die Gemeinde entschied sich 1812 zu einem Neubau, was ihr damals auf Grund der verbreiteten Armut unter den jüdischen Familien nicht leicht fiel. Auch war kein Baufonds vorhanden. Man begann Briefe mit der Bitte um Unterstützung an die Behörden zu schreiben, was sich jedoch als sehr mühsames Unternehmen herausstellte. Zahlreiche Briefe schrieb der jüdische Gemeindevorsteher Hirschel Levi Manheimer allein aus dem Grund, um aus dem Staats- und Gemeindewald günstiges oder gar kostenloses Bauholz zu erhalten. Im Nachbarort Kippenheim hatte die jüdische Gemeinde 1793 kostenlos Holz zum Synagogenbau erhalten. Der Leiter des Oberforstamtes in Schuttern meinte, dass aus diesem Grund "der armen Judenschaft zu Schmieheim ein ähnliches Geschenk sehr wohl zu gönnen wäre". Anders entschieden das Kreisdirektorium und das Badische Finanzministerium, die die kostenlose Überlassung ablehnten und darauf bestanden, dass die israelitische Gemeinde das Bauholz zu bezahlen habe. Die Holzschuld belief sich auf 532 Gulden. Bis 1814 konnte die neue Synagoge erbaut werden. Die Finanzierung der Baukosten wurde großenteils durch die Versteigerung der Synagogenplätze vorgenommen. Dies führte allerdings zu Streitigkeiten, da vier jüdische Männer mit ihren neuen Plätzen nicht einverstanden waren und sich über den Gemeindevorsteher und den Rabbiner beim Bezirksamt beklagten. Da freilich die Kläger als "unruhige streitsüchtige Köpfe" bekannt waren, hat sich das Bezirksamt auf den Streit nicht eingelassen, sondern die Neueinteilung für gültig erklärt. Gegenüber der alten Synagoge, in der es bei zuletzt 35 vorhandenen Plätzen im Betsaal der Männer sehr eng zuging, waren nun in der neuen Synagoge 62 Plätze vorhanden, zu denen man leicht weitere dazustellen konnte. 

Pläne über die Sitzverteilung in der alten und neuen Synagoge
(Quelle: Schicksal und Geschichte... (s.Lit.) S. 128)
Schmieheim Synagoge Plan 07.jpg (46007 Byte) Schmieheim Synagoge Plan 06.jpg (37040 Byte)
Plan über die 35 vorhandenen Sitze in der alten Synagoge (bis 1812); vom Grundriss her war sie wesentlich kleiner als die neue Synagoge (rechts). Plan über die 62 Plätze in der Männersynagoge der neuen Synagoge (ab 1814). Im Mittelpunkt stand die "Canzel" (Vorlesetisch), von wo die Tora gelesen wurde

1843 war eine gründliche Renovierung der Synagoge nötig. Nach einer Beschreibung aus diesem Jahr war sie innen und außen in einem "verwahrlosten Zustand". Durch die weiter stark gestiegene Zahl der Gemeindeglieder waren vor allem eine innere Umgestaltung und eine Neueinteilung der Plätze notwendig. Auf einer Gemeindeversammlung wurde beschlossen, im Betsaal der Männer die Ständer (Betpulte) abzuschaffen und Bankreihen zu erstellen. Zur Erweiterung des Frauenbereichs sollten auf beiden Seiten Emporen eingebaut werden. Auch für die Schuljugend der Gemeinde sollte nun Platz in der Synagoge geschaffen werden. Bislang seien die Jugendlichen nach einem Bericht des Synagogenrates vom November 1843 an das Bezirksamt "sozusagen wie Schafe ohne Hirte beim Gottesdienst in der Synagoge herumgeirrt". Die ganze Synagoge sollte innen wie außen wesentlich verschönert werden. Zur Finanzierung war wiederum an eine Versteigerung der Sitzplätze gedacht. Die Pläne für die Baumaßnahmen wurden zwischen dem Bezirksbauinspektor Weber, dem Synagogenrat in Schmieheim und Bezirksrabbiner Roos im Laufe des Jahres 1844 ausgearbeitet. Am 20. Februar 1845 konnten die auf 4.496 Gulden veranschlagten Arbeiten versteigert werden. Schließlich wurden sie sehr günstig zu 3.247 Gulden vergeben. Nachdem schließlich auch der Oberrat der Israeliten in Karlsruhe im April 1845 den Umbau genehmigte, konnte er bis zum Sommer 1846 durchgeführt werden. Die Neueinweihung fand am 7. oder 8. August 1846 statt. 

Wie die erste Synagoge diente auch die zweite der jüdischen Gemeinde in Schmieheim gut 90 Jahre lang als gottesdienstliches Zentrum. Im Laufe dieser Jahrzehnte waren einige kleinere Reparaturen nötig. Von solchen wird 1894 berichtet, als verschiedene Arbeiten zu baulichen Instandsetzung der Synagoge notwendig waren. Auch 1910 war eine umfassende Renovierung notwendig geworden, nach der eine Neueinweihung der Synagoge erfolgt ist:    

Die Synagoge wird nach der Renovierung wieder eingeweiht (1910)   

Schmieheim AZJ 14101910.jpg (36096 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Oktober 1910: "In Schmieheim (Baden) ist die ganz neu renovierte Synagoge unter besonderer Festlichkeit eingeweiht worden. Zwei aus Schmieheim stammende Herren, Isak Wolf und Bernhard Bernheim in Louisville (Amerika), haben in hochherziger Weise die Kosten des Baues hergegeben."  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge am 10. November völlig zerstört. Angehörige der Gebietsführerschule in Lahr unter Anführung des aus Schmieheim stammenden Otto Lerch brachen in die Synagoge ein. Kronleuchter wurden von der Decke gerissen, die Fenster zerschlagen, die Räume verwüstet, die sieben Torarollen wurden wie Teppiche auf dem Boden ausgerollt und hinausgetragen. Einige hängte man als Schaustücke in der Bahnstation Dinglingen auf. Das Torasilber wurde gestohlen. Eine Inbrandsetzung der Synagoge wurde durch den damaligen Bürgermeister Huck verhindert. Am Tag nach der Verwüstung der Synagoge organisierten der damalige Pfarrer Schloer, Bürgermeister Huck und Fabrikant eine Bewachung des Dorfes, um Plünderungen jüdischer Geschäfte zu verhindern. 

Nach der Zerstörung der Synagoge 1938 war bis Oktober 1940 ein Betsaal im Tanzsaal des jüdischen Gasthauses "Zur Krone" eingerichtet (Dorfstraße 13).

Am 23. Juni 1950 wurde die ehemalige Synagoge von der Israelitischen Landesgemeinde Südbaden an einen örtlichen Industriebetrieb verkauft, von dem das Gebäude anschließend zu einer Fabrik umgebaut wurde. An der Südseite wurde eine Bürogebäude angebaut. In den 1990er Jahren wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. 2001 wurden Teile einer Genisa im ehemaligen Synagogengebäude gefunden (siehe Seite Projekte von Uwe Schellinger). 2003/04 wurde es durch ein neues Dach und neuen Verputz wiederum renoviert. Die von der Kirchstraße her zugängliche Westfassade erinnert noch am meisten an die Vergangenheit als Synagoge (Standort: Schlossstraße 41). 
  

Fotos / Darstellungen:
Historische Fotos/Darstellungen: 

Schmieheim Karte01.jpg (101545 Byte) Schmieheim Synagoge101.jpg (40929 Byte) Schmieheim Synagoge 005.jpg (48553 Byte)
Ansichtskarte von Schmieheim 
um 1900
Vergrößerung aus der Ansichtskarte: 
die Synagoge
 Innenaufnahme der Synagoge
      
Schmieheim Synagoge 006.jpg (63089 Byte) Schmieheim Synagoge 008.jpg (28793 Byte) Schmieheim Synagoge 007.jpg (101714 Byte)
Ansichtskarte mit zwei Abbildungen der Synagoge (um 1930?) Vergrößerung: Eingangsbereich Vergrößerung aus der Karte links: Innenaufnahme der Synagoge


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1950 
(Quelle: Gedenkbuch des Hist. Vereins s.Lit. S. 138)
Schmieheim Synagoge 110.jpg (80283 Byte)
  Baumaßnahmen um 1950 am ehemaligen Synagogengebäude; die Baugrube für das Bürogebäude (siehe Foto unten) ist ausgehoben, wodurch sich die Hälfte der südlichen Synagogenmauer gesenkt hat (siehe Stützen auf Foto). Dieser Teil der Mauer musste abgebrochen und neu aufgeführt werden.
   
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
 Schmieheim Synagoge 103.jpg (77125 Byte) Schmieheim Synagoge 102.jpg (59773 Byte)
  Die zu einer Fabrik umgebaute ehemalige Synagoge mit Bürogebäude von ca. 1950 (siehe Foto oben) Bürogebäude von ca. 1950 vor dem Synagogengebäude
     
  Schmieheim Synagoge 101.jpg (80818 Byte) Schmieheim Synagoge 100.jpg (60262 Byte)
  An der Westfassade sind die alten Fenster erhalten
   
   
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.9.2003) 
Schmieheim Synagoge 160.jpg (56801 Byte) Schmieheim Synagoge 161.jpg (59474 Byte)
  Blick auf die ehemalige Synagoge nach Umbau zu einem Wohnhaus Blick auf die ehemalige Synagoge; rechts der Hanna-Baumann-Kindergarten der Evang. Kirchengemeinde
     
Schmieheim Synagoge 165.jpg (53483 Byte) Schmieheim Synagoge 164.jpg (49095 Byte) Schmieheim Synagoge 163.jpg (59598 Byte)
Die mit den alten Fensterbögen erhaltene Westfassade Blick von Nordosten auf die ehemalige Synagoge
   
   
Das ehemalige jüdische Schulhaus (Kirchstraße 6)
Schmieheim Schule 012.jpg (81773 Byte) Schmieheim Schule 011.jpg (52964 Byte) Schmieheim Schule 010.jpg (41469 Byte)
Historische Aufnahme 
(um 1932)
Im Schulhaus befanden sich auch die Lehrerwohnung und (bis 1893) auch das Rabbinat Eingang zur ehemaligen Schule
 
   
   

     
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Kippenheim
Zur Seite über die Genisa der Schmieheimer Synagoge (Projektbetreuung Uwe Schellinger)
Matthias Kreplin: Rundgang durch das jüdische Schmieheim. 1999² (im Internet unter www.evang-kirche-schmieheim.de)
IWBernheim 01.gif (93556 Byte)Lebensgeschichte von Isaak Wolf Bernheim (geb. 1848 in Schmieheim): hier anklicken

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 252-255.
Albert Köbele/Hans Scheer/Emil Ell: Ortssippenbuch Schmieheim, Ortenaukreis/Baden. Grafenhausen bei Lahr/Baden 1979.
Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden Ettenheim, Altdorf, Kippenheim, Schmieheim, Rust, Orschweier. Ein Gedenkbuch. Hg. vom Historischen Verein für Mittelbaden e.V., Mitgliedergruppe Ettenheim. Ettenheim 1988. 1998².
Naftali Bar-Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof Schmieheim. Memor-Buch. Bd.1 und 2. 1999.
Günther Pommerening: Die Juden in Schmieheim. Untersuchung zur Geschichte und Kultur der Judenheit in einer badischen Landgemeinde. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg. Hamburg 1980.
Faltblatt "Hanna-Baumann-Kindergarten", hg. von der Ev. Kirchengemeinde Schmieheim. 1998.
Günter Boll: Die Entstehung der jüdischen Gemeinde in Schmieheim. In: Die Ortenau 79 1999 S. 643-646.
ders.: Die frühesten Bestattungen auf dem jüdischen Friedhof von Schmieheim. In: Geroldsecker Land 39 1997 S. 24-35.
Matthias Kreplin: Rundgang durch das jüdische Schmieheim. 1999² (im Internet unter www.evang-kirche-schmieheim.de)
Renate Kreplin/Uwe Schellinger: Die Schmieheimer Genisa. In: Kippenheimer Chronik 2005. S. 98-99.
Monika Müller: Leben mit zwei verschiedenen Zeiten: Die jüdischen Kalender aus dem Bestand der Schmieheimer Genisa. In: Die Ortenau Bd. 86 2006 S. 269-286.
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Schmieheim  Baden.  Jews are mentioned in 1709 and numbered 80 by 1747. The nearby cemetery, opened in 1703, was one of the most beautiful in south Baden and served many communities. The prosperous 19th century community developed into one of the largest in Baden, with 486 Jews (total 1,074) in 1875. In 1812, a new synagogue was built and in 1827, Schmieheim became the seat of the district rabbinate. Its last district rabbi was the Reform-minded Dr. Viktor Meyer Rawisc, who translated part of the Talmud into German and transferred the district rabbinate to Offenburg in 1893. A Jewish elementary school was opened in the 1830s, numbering 120 students in 1855. At the turn of the century Jews continued to trade in cattle and opened a number of factories (cigarettes, liquor, metal screening). Many of the young acquired a higher education and left the village. In 1933, 121 Jews remained. Most left after the disturbances of Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue and Jewish homes were heavily damaged, the cemetery was desecrated, and 28 men were taken to the Dachau concentration camp. In all, 32 emigrated while 61 moved to other German cities, 20 of them being deported to the Gurs concentration camp along with 14 directly from Schmieheim on 22. Octorber 1940. Half of them perished in Auschwitz. Altogether 44 Jews from Schmieheim died in the camps. 
    

   

                   
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Stand: 20. September 2009