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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Ittlingen (Landkreis Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem reichsritterschaftlichen Ort Ittlingen bestand eine
jüdische Gemeinde bis 1937. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17.
Jahrhunderts zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden durch die Herren
von Gemmingen und die Familie Greck von Kochendorf Juden aufgenommen. Erstmals
wird 1663/64 Jud Marx am Ort genannt. 1697 gab es acht jüdische Haushaltungen
am Ort. Die jüdischen
Familien lebten zunächst vor allem vom Handel mit Vieh und Waren aller Ort. Im
18. Jahrhundert war im Erdgeschoss des Rathauses (Vorgängerbau des Alten
Rathauses bis 1816) eine "Metz" eingerichtet, die nur Juden zustand,
die damals die einzigen gewerblichen Metzger in Ittlingen waren.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert
wie folgt: 1825 86 jüdische Einwohner (7,4 % von insgesamt 1.157), um 1858 179,
1871 139, 1875 124 (8,6 % von 1.443), 1887 158, 1900 113 (8,1 % von 1.393),
1910 77 (5,6 % von 1.364).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule
(die Kinder besuchten ansonsten die evangelische Schule), ein rituelles Bad und
seit 1887 ein eigener Friedhof. Seit 1827
bestand eine jüdische Speisewirtschaft, die später unter dem Inhaber Max Weil
die Bezeichnung "Zum Deutschen Kaiser" erhielt (Hauptstraße). Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte. In der 2. Hälfte des 19.
Jahrhundert war (vermutlich bis 1894) ein Lehrer Keller in der Gemeinde tätig
(vgl. Bericht über eine Auszeichnung 1886 unten), danach Josef Herz, der
mindestens bis um 1925 in der Gemeinde wirkte. Nach ihm wurde die Stelle auf
Grund der nur noch geringen Zahl der jüdischen Kinder nicht mehr besetzt.
Bereits seit 1827 gehörte die Gemeinde zum Bezirksrabbinat
Bretten.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde sechs Männer:
Ferdinand Ladenburger, Joseph Wimpfheimer, Wilhelm Weil, Julius Karlsruher, O.
Herz.
Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal auf dem kommunalen Friedhof;
zusätzlich ist der Name des aus Berwangen
stammenden, 1914 jedoch in Gernsbach
wohnhaften Julius Falk eingetragen.
Um 1925
(damals noch 50
jüdische Gemeindeglieder, d.h. 3,6 % der Gesamtbevölkerung von etwa 1.400
Personen) bildeten den Vorstand der Synagogengemeinde die Herren Siegmund
Wimpfheimer, Markus Eichtersheimer und Ludwig Ladenburger. Als Lehrer war der
bereits genannte Josef
Herz tätig. Er erteilte auch den zwei schulpflichtigen jüdischen Kindern des
Ortes Religionsunterricht. 1932 waren die Gemeindevorsteher Louis Orbeck (1.
Vorsitzender), Jacob Wimpfheimer (2. Vorsitzender) und Leopold Wimpfheimer (3.
Vorsitzender und Schriftführer). Inzwischen kam als Lehrer und Schochet Lehrer
Leo Aach aus Bretten regelmäßig nach Ittlingen.
Bis in die 1930er-Jahre gab es an Ladengeschäften und Handelsbetrieben,
die jüdischen Familien gehörten: Viehhandlung, Häute, Fell- und Tabakhandlung
Arthur Ladenburger; Öl- und Fetthandlung Leon Orbeck; Textil- und
Manufakturwarengeschäft Julius Wimpfheimer; Landesproduktenhandlung Fa. Isaak
Wimpfheimer OHG, Teilh. Leopold und Max Wimpfheimer; Hausschuhhandel Moritz
Wimpfheimer; Getreide-, Mehl- und Altmaterialiengeschäft Siegmund Wimpfheimer.
1933 gehörten der jüdischen Gemeinde in Ittlingen noch etwa 40 Personen an. Von den in
Ittlingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Adolf Ladenburger (1892), Ferdinand Ladenburger (1877),
Frieda Ladenburger (1886), Josef Ladenburger (1883), Karl Ladenburger (1882),
Sofie Ladenburger geb. Herz (1888), Emilie Maier geb. Ladenburger (182), Louis
Orbeck (1917), Rosa Rosenberg geb. Wimpfheimer (1889), Saly Weil (1885), Johanna
Weinschenk geb. Wimpfheimer (1886), Emma Wimpfheimer geb. Wimpfheimer (1896),
Max Wimpfheimer (1884), Moritz Wimpfheimer (1879), Rudolfine Wimpfheimer (1884),
Therese Wimpfheimer geb. Weil (1855).
Persönlichkeiten: Aus
Ittlingen stammte Dr. Kurt Wimpfheimer (geb. 1915 in Ittlingen, gest.
2005 in New York): 1936-38 Kantor und Lehrer der jüdischen Gemeinde in Worms,
1938 in die USA. Später als Universitätsprofessor in Pennsylvania/USA tätig.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Ausschreibung der Stelle eines Hilfsvorbeters 1891 / 1893
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1891: "Wir suchen für
die ehrfurchtgebietenden Tage
(sc. zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur) einen bewährten Vorbeter.
Ittlingen.
Der Vorstand: Simon Ladenburger." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1893: "Wir suchen einen
ordentlichen Hilfsvorbeter für die ehrfurchtgebietenden
Tage.
Ittlingen. Der Vorstand. S. Ladenburger." |
Berichte zu den Lehrern der Gemeinde
Auszeichnung für Religionslehrer Keller 1886
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1886: (aus
einem längeren Abschnitt mit Meldungen aus Baden): "...So
wurden auch jüngst wieder durch seine Königliche Hoheit ausgezeichnet:
Oberrat Willstätter in Karlsruhe durch Verleihung des Eichenlaubes zum
innehabenden Ritterorden 1. Klasse des Zähringer Löwenordens, Vorstand
Aberle in Mannheim, durch den Ritterorden II. Klasse und der Religionslehrer
Keller in Ittlingen durch die goldene Verdienstmedaille. Durch diese
allerhöchsten Auszeichnungen, sind nicht nur die Betreffenden, sondern
mit ihnen die ganze badische Judenheit geehrt...". |
25jähriges Ortsjubiläum des Lehrers Josef Herz 1919
Artikel
aus der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1919:
"Ittlingen (Baden), 4. Juli. Aus Anlass seiner 25jährigen
Amtstätigkeit als Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde
veranstaltete diese ihrem Lehrer Josef Herz und dessen Ehefrau ein Fest,
das in würdiger Weise gefeiert wurde. Die Synagoge insbesondere das
Betpult des Jubilars, sowie der Platz seiner Ehegattin wurden sinnig
geschmückt. In feierlicher Ansprache gedachte ein früherer Schüler,
Herr Kaufmann Ludwig Ladenburger, der hervorragenden Verdienste des
Jubilars. Auch die gegenwärtigen Schüler ehren den Jubilar durch Vortrag
von passenden Gedichten. Der Vorsitzende des Synagogenrats, Herr Max
Eichtersheimer, überreichte als äußeres Zeichen der Dankbarkeit namens
der hiesigen Gemeinde und der früheren, jetzt auswärts wohnenden
Schüler ein sinniges Geschenk. Der Jubilar dankte gerührt in
gehaltvoller Rede für diese Ovation, mit dem Gelöbnis, auch fernerhin
der israelitischen Gemeinde Ittlingen seine ganze Kraft zu widmen. Auch
die politische Gemeinde nahm Anteil an diesem Ereignis und überbrachte
ihre Glückwünsche." |
Meldungen zu einzelnen Personen
Zum Tod von Hanna Weil 1885
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1885: "Nekrolog.
Ittlingen (Baden). Die fromme Hanna
ist nicht mehr. Montag, 22. Aw
ging die sehr religiöse, fromme Hanna Weil Witwe dahier, in dem hohen und
seltenen Alter von 91 Jahren, in das bessere Jenseits über, nachdem ihr
edler Gatte – er ruhe in Frieden
– vor 45 Jahren und ein Sohn im besten Mannesalter (Familienvater) vor 2
Jahren ihr im Tode vorangegangen. Hanna
Weil war im schönsten Sinne des Wortes eine wackere
Frau. Die Erfüllung der göttlichen Gebote war ihr Herzensfreude; der
Gang zum Gotteshause ihr größtes Vergnügen. Nicht minder war ihre
Freude, wenn sie Gelegenheit fand, ja sie strebte danach, die Pflichten
gegen ihre Nebenmenschen auszuüben. Gerechtigkeit
und Wohltätigkeit hatte sie
sich zur Aufgabe gemacht; mit Recht kann man sagen: ‚es
stirbt ihre Seele den Tod der Aufrechten’. Ihre Kinder, die nach dem
Hinscheiden des Vaters teilweise noch unerzogen waren, erzog sie zur
wahren Gottesfurcht und zu edlen Menschen. Sie hinterließ noch einen
Sohn, 3 Töchter, 24 Enkel und 34 Urenkel, welche um die edle Mutter, Groß-
und Urgrossmutter seufzen und weinen. An ihrer Bahre hielt Herr Eichstädter,
Lehrer von Eppingen, eine geistreiche, herzergreifende Ansprache und
ermahnte die Hinterbliebenen, in den Fußstapfen der Verblichenen zu
wandeln. So wird sie denn im Jenseits den Lohn empfangen für ihre edlen
Taten, die sie auf Erde ausgeübt hat.
Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. E.G." |
Zum Tod von Jendle Eichtersheimer geb. Heinsheimer 1893
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1893: "Ittlingen bei
Eppingen. Am 8. Kislew wurde
Frau Jendle Eichtersheimer geb. Heinsheimer, welche ein Alter von 82
Jahren erreichte, unter überaus zahlreicher Begleitung, wobei auch viele
Christen waren, dem Schoße der Erde übergeben. 62 Jahre lebte sie in glücklicher
Ehe mit ihrem hoch betagten Gatten Feider Eichtersheimer, welcher mit den
beiden Söhnen, 3 Töchtern, Enkel und Urenkel den herben Verlust beweint.
Herr Rabbiner Schlesinger von Bretten hielt am Grabe eine tief empfundene
Trauerrede und betont namentlich, wie sie eine wackere
Frau im wahren Sinne des Wortes, ihre Frömmigkeit, ihr Wohl tun an
Armen ohnegleichen, ihre Leutseligkeit, ihre Bescheidenheit, verbunden mit
hohem Gottvertrauen, mustergültig gewesen.
Alsdann gab Herr Salomon Siegel aus Straßburg, der Schwager der
Verblichenen, seinen schmerzlichen Gefühlen in von Herzen kommenden und
zu Herzen dringenden Worten beredten Ausdruck; sie habe ihre Wohnung zu
einem Tempel Gottes gemacht, ihre Kinder zur Frömmigkeit erzogen, ihr
ganzes Leben wäre eine Kette des Wohltuns gewesen.
Kein Auge blieb tränenleer. Nicht unerwähnt soll hier bleiben, dass die
unvergessliche Heimgegangene einen von eigener Hand geschriebenen letzten
Willen hinterlassen hat, worin sie ihre Kinder zur Frömmigkeit und
Gottesfurcht ermahnt und der Waisenanstalt Bruchsal und der Talmudschule
in Jerusalem je 200 Mark vermachte. Hundert Mark bestimmte sie zur
Verteilung an Ortsarme ohne Unterschied der Konfession. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Feiber Eichtersheimer 1901
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1901: "Ittlingen (Baden),
20. Juni. Einen herben Verlust hat unsere Gemeinde am 2. Tag Schowuaus (2.
Tag des Wochenfestes) erlitten. Herr Feiber Eichtersheimer weilt nicht
mehr unter uns. Er erreichte das seltene Alter von 96 Jahren. Am Grabe
hielten Herr Lehrer Herz und Herr Salomon Siegel aus Straßburg im Elsass,
Schwager des Verstorbenen, tief empfundene Reden, in denen sie mit
beredten Worten die hohen und seltenen Tugenden des teuren Entschlafenen
schilderten, mit welcher Hingabe und Gewissenhaftigkeit er das Amt als
Vorsteher und Bal Thokea verwaltete. Es war ihm vergönnt, das Glück
seiner Kinder zu gründen und Urenkel zu schauen. Die überaus zahlreiche
Leichenbegleitung aus allen Ständen und Konfessionen legte beredtes
Zeugnis davon ab, wie beliebt und hoch geachtet er im Leben war." |
Ernennung vom Max Eichtersheimer zum Bezirksältesten im Synagogenbezirk 1913
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober
1913: "Ittlingen. Max Eichtersheimer ist zum Bezirksältesten für
den Synagogenbezirk Bretten - Eppingen ernannt worden." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Bereits 1686 wird in einer Klage
des Ortspfarrers Johann Jakob Mayer eine "Schul und Synagoge"
genannt, was für den Pfarrer allerdings "gar zu ärgerlich" war. Er beschwerte
sich außerdem darüber, dass Juden vor christlichen Predigten an Buß-, Bet-
und Feiertagen "allerhand Gaukelei und Getümmel" trieben und "fremde Juden in
großer Anzahl zum Pracht und Übermut" in den Ort einluden.
1709 wird mit Moses ein Judenschulmeister genannt. Er wird
später auch als Rabbi bezeichnet. 1759 wurde ein "hoch studierter" Sohn eines
Ittlinger Rabbiners in Heinsheim begraben. Vielleicht war es der Sohn des 1762
genannten Rabbi Abraham, dessen Name unter den damals 16 ortsansässigen jüdischen
Familien genannt wird. Einige Jahre später (1771) berief die Herrschaft
Gemmingen den Richener Rabbiner Marx Aaron als Oberrabbiner für Ittlingen
(zugleich auch für Gemmingen), um "vielfältige Zwistigkeiten, Zank und Streit"
zu beenden und um vor allem eine Autorität zur Schlichtung von Streitigkeiten
aus dem Bereich jüdischer Zeremonien zu haben. Nachfolger von Marx Aaron wurde
1782 Isaac Veit aus Flehingen.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich die Synagoge
(Betsaal) in einem nahe beim Rathaus gelegenen Haus, das Samuel, einem Sohn des
kurz vor 1700 nach Richen gezogenen Gerson, gehörte. Sie war von Samuels Witwe
gestiftet worden. Dieses Haus wurde
1757 von den Erben des Samuel an Marum und seinen Schwiegersohn Joseph verkauft,
die die Synagoge daraufhin als ihr Eigentum ansahen und allein über die Stände
(Plätze) in der Synagoge verfügen wollten. Darüber kam es 1765 zu einem
Streit innerhalb der jüdischen Gemeinde, den die Herrschaft von Gemmingen
zugunsten von Marum und Joseph entschied. Zu einem weiteren Streit um diese
Synagoge kam es 1799, als eine Synagogenerweiterung erörtert wurde. Elf jüdische
Familien befürworteten die Erweiterung. Vier, darunter der Hauseigentümer
Joseph Moses, sprachen sich dagegen aus. Als daraufhin die Mehrzahl der Juden
von Wilhelm Wolf einen Bauplatz für einen Synagogenbau erwarb, erhob die bürgerliche
Gemeinde Protest. Dabei kam es auch zu Drohungen, nach Baubeginn nachts
dasjenige zu zerstören, was tagsüber gebaut werde, worauf die Juden, die ohne "weitläufige
Streitigkeiten" mit den übrigen Ittlinger Bürgern leben wollten, sich um eine
Auflösung des bereits abgeschlossenen Vertrages über den Bauplatzkauf bemühten.
Dies wiederum veranlasste den gemmingischen Amtmann, der im Zuge des
Bauplatzverkaufs einen Hauskauf des Bauplatzverkäufers und damit stattliche
Einnahmen durch eine vorgeschriebene Abgabe erwartete, den Juden "furchtsame Gefälligkeit"
gegenüber der Bürgerschaft und dieser Republikanismus, Egoismus, Prozesslust
sowie Geringschätzung herrschaftlicher Befehle vorzuwerfen. Auf
herrschaftlichen Befehl durften die Juden nicht vom Kauf des Bauplatzes zurücktreten,
auf dem dann 1805 ein Synagogenneubau in der Mühlgasse erstellt
wurde (Untere Mühlgasse; Lagebuch Nr. 519 Ortsetter Hofreite, Grundstück von
0,92 ar).
Die Ittlinger Synagoge blieb bis in die 1930er-Jahre
Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens. Nur wenige Ereignisse sind aus der
Synagogengeschichte überliefert. Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen 12
Jahre dauernden Streit zwischen zwei nichtjüdischen Ittlingern und der jüdischen
Gemeinde. Ludwig Ziegler und Martin Arbeiter beschwerten sich im September 1888
beim Bezirksamt über zwei Treppenstufen der Synagoge, die in den Gehweg
hineinreichten. Dadurch bestünde die Gefahr, dass Personen vor allem des Nachts
stürzen könnten. Das Bezirksamt war der Meinung, dass dieser Zustand schon über
80 Jahre bestehe und in dieser Zeit nie etwas passiert sei. Daher sei kein
Handlungsbedarf gegeben. Ziegler und Arbeiter gab jedoch nicht nach und
versuchten in den folgenden Jahren regelmäßig, sich bei den Behörden über
diese Treppe der Synagoge zu beschweren. Anfang 1900 erreichten sie sogar ein
Einschreiten der örtlichen Polizeibehörde, die der jüdischen Gemeinde bei
Strafandrohung einen Termin zur Zurückverlegung der Treppe setzte. Daraufhin
beschwerte sich auch die jüdische Gemeinde bei den Behörden. Schließlich
beendete das badische Ministerium des Inneren mit einem Brief vom 23. April 1900
den Streit, indem es das Vorgehen der Polizeibehörde, das "sich nicht
rechtfertigen ließe" schwer rügte und auch seinerseits darauf hinwies, dass
kein Handlungsbedarf bestünde, wenn ein baulicher Zustand schon fast 100 Jahre
ohne größere Probleme bestünde.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die
Synagoge zerstört. Nach einem Schreiben der Gemeinde Ittlingen an das
Justizministerium Baden-Württemberg vom 20. Oktober 1967 wurde die Synagoge
noch im November 1938 abgebrochen, wobei der genaue Zeitpunkt des Abbruchs nicht
mehr bekannt ist. Das Grundstück wird seither als Garten genutzt.
Seit
November
1988 erinnert eine Hinweistafel (gegenüber dem Synagogengrundstück in der
Mühlgasse aufgestellt)
an die Geschichte des Gebäudes. Über die Aufstellung durch den Heimatvereines
Kraichgau berichtete am 10. November 1988 die "Heilbronner Stimme"
(siehe links).
Die um 2005 einige Zeit verschwundene Hinweistafel wurde wieder angebracht
(vgl. Fotos unten). |
Fotos
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Historisches Foto |
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Die Synagoge in Ittlingen
nach den Zerstörungen beim Novemberpogrom 1938. Das Gebäude wurde nach Angaben der Gemeinde noch im November
1938 abgebrochen. |
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Synagogenstandort und
Hinweistafel
(Fotos: Joachim Maier, Schriesheim,
April 2007) |
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Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge |
Hinweistafel |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 141f. |
 | Gustav Neuwirth: Geschichte der Gemeinde Ittlingen. 1981. |
 | Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinde in
Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 115-121. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 235-237. |
 | Presseartikel Heilbronner Stimme vom 10. November 1988:
"Synagogen-Stein ist enthüllt. Initiative Ittlinger Mitglieder des
Heimatvereins Kraichgau"
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Ittlingen Baden.
Jews first settled after the Thirty Years War (1618-48) and were present in
small numbers in the 18th century. The community began to develop after the
annexation to Baden in 1806, reaching a population of 158 in 1887 (around 9 % of
the total). In 1933, 37 remained. Under Nazi rule from 1933, Jewish livelihoods
were undermined by the economic boycott. The synagogue was destroyed on Kristallnacht
(9-10 November 1938). In all, 11 Jews emigrated from Germany and 11 moved to
other cities. The last eight were deported to the Gurs concentration camp on 22
October 1940.

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