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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Hohebach (Gemeinde Dörzbach, Hohenlohe-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Grafschaft
Hohenlohe gehörenden Hohebach lebten Juden bereits im Mittelalter
(Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49).
Seit dem 17. Jahrhundert werden
wieder Juden genannt. Als der Ort im 17. Jahrhundert zeitweise dem Deutschen Orden
gehörte, wurden 1637 mit Zustimmung der Bürgerschaft jüdische Familien
aufgenommen. Sie hatten im Dreißigjährigen Krieg die Aufgabe, Weikersheim und
Umgebung mit notdürftigen Waren zu versorgen. 1740 lebten 40 jüdische Personen
in Hohebach.
Anfang des 19. Jahrhunderts war Hohebach eine Filialgemeinde zu Ailringen. 1817
wurde die Gemeinde Hohebach selbständig.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1807 62 jüdische Einwohner, 1824 100 (11,4 % von insgesamt 875
Einwohnern), 1843 145, 1854 168; höchste Zahl um
1858 mit 181 Personen, danach Rückgang: 1886 110, 1900 101 (12,6 % von 804),
1910 68 (9,3 % von 733).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Elementarschule, in den 1920er-Jahren als freiwillige Konfessionsschule
weitergeführt), ein rituelles Bad (1828 am Hohebach erbaut, Gebäude bis in die
1960er-Jahre als Waschküche benutzt, Obere Gasse 11, dann abgebrochen; an
seiner Stelle heute eine Garage zum Gebäude Obere Gasse 11) sowie einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung von 1901 unten). Die Gemeinde gehörte im 19. Jahrhundert zum
Rabbinatsbezirk Weikersheim, nach dessen
Auflösung zum Rabbinatsbezirk Mergentheim.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Heinrich Rosenthal
(geb. 25.8.1893 in Hohebach, gef. 3.6.1916) und Max Stern (geb. 7.3.1895 in
Hohebach, gef. 3.3.1916). Der Name von Heinrich Rosenthal steht auf dem Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs in Hohebach.
Um 1924, als in Hohebach noch 53 jüdische Einwohner gezählt wurden
(7,9 % von 669 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde die Herren Metzger,
Adler und Marx. Als Hauptlehrer, Kantor und Schochet war Lehrer Samuel Metzger
tätig (s.u.). An der "Freiwilligen Konfessionsschule" (wie auch die
Lehrerwohnung im Gebäude der Synagoge, s.u.) hatte er damals noch fünf Kinder
zu unterrichten. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewra
Kadischa (1924 unter Leitung von Herrn Furchheimer, 8 Mitglieder) und den Israelitischen
Frauenverein (1924 unter Leitung von Frau Furchheimer, 12 Mitglieder). 1932
wird als Vorsteher David Adler genannt. Lehrer der im Schuljahr 1931/32 vier
schulpflichtigen jüdischen Kinder war Lehrer Goldstein aus Künzelsau.
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
sind bekannt: Damenschneiderei und Manufakturwaren David Adler (Rathausstraße
1), Getreidehandlung Jakob Bär (Dörzbacher Straße 3-5, eine der bedeutendsten Getreidehandlungen Deutschlands), Lederhandlung Sylvain Bonem (zuvor Leopold Rosenthal, Obere Gasse 9), Viehhandlung Gustav Furchheimer (Dörzbacher
Straße, abgebrochen), Manufakturwaren, Stoffe und Bankgeschäft Moritz Furchheimer
(Weldingsfelder Straße 6; äußerer Fassadenschmuck des ehemaligen Ladens und gusseiserne Säule im
ehemaligen Laden erhalten), Wirtschaft, Geschirr- und Spielwaren Geschwister Gutmann
(Weldingsfelder Steige 6), Spezereihandlung Sara Hirsch (Rathausstraße 9, kriegszerstört, wieder aufgebaut), Manufakturwaren und Stoffe Alfred Kahn und Pferde- und Viehhandlung Bernhard Kahn
(Weldingsfelder Straße 9), Viehhändler Heimann Marx (Äußere Gasse 2), Vieh- und Pferdehandlung Ferdinand Rosenthal (Obere Gasse 3), Stoffhandel Vais Rosenthal (Obere Gasse 1), Lederhandlung David Stern
(Weldingsfelder Straße 7), Viehhandlung Emanuel Stern (Weldingsfelder Straße
2), Mehlhandlung Eugen Stern (Haus unterhalb Weldingsfelder Steige 1, abgebrochen), Bäckerei Levi Stern sowie Metzgerei und Eisenhandel Ludwig Stern
(Weldingsfelder Steige 4), Makler/Viehhändler Aron Straßburger (Stachenhäuser
Straße 4, abgebrochen), Viehhändler Samuel Strauß (Weldingsfelder Straße
3).
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in Hohebach (4,9 % von insgesamt
647 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Unter dem Druck der Partei
und den damit verbundenen Drohungen mussten die jüdischen Einwohner ihre
Geschäfte verkaufen oder aufgeben. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge demoliert (s.u.). 1939 wurden noch 12 jüdische
Einwohner gezählt (2,2 % von 551). 1941/42 wurden die letzten acht in Hohebach
lebenden jüdischen Personen deportiert.
Von den in Hohebach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Minna
Bonem geb. Rosenthal (1894), Mina Bravmann geb. Levy (1864), Emil Crailsheimer
(1873), Emanuel Furchheimer (1862), Gustav Furchheimer (1867), Hannchen
Furchheimer geb. Adler (1880), Hannchen Gutmann (1893), Betty Herzog geb.
Furchheimer (1884), Sara Hirsch (1866), Bernhard Kahn (1881), Lina Kahn (1887),
Berta Kaufmann geb. Sahm (1887), Jeru Keller geb. Crailsheimer (1869), Mathilde
Landecker geb. Strauß (1875), Mathilde Löwenstein geb. Rosenthal (1887),
Heimann Marx (1881), Julie Marx geb. Kahn (1884), Bertha Mayer geb. Rosenfeld
(1871), Siegmund Rosenfeld (1874), Gustav Rosenthal (1885), Jetta Strauß
(1879), Bella Thalheimer geb. Sahm (1886), Rosa Weil geb. Marx (1884), Isabella
Weiss geb. Furchheimer (1878).
Spuren der jüdischen Geschichte: An einigen Häusern (z.B. Weldingsfelder Steige 6 und Weldingsfelder
Straße 5) ist die Vertiefung einer Mesusa am Türsturz noch deutlich erkennbar.
- An die früheren Wege jüdischer Händler erinnert noch ein von Hohebach in Richtung Jagstberg
führender "Judenweg" (er passiert u.a. das Feldkreuz, das sich an der Straße vom Heßlachshof nach Eisenhutsrot noch vor dem Wäldchen befindet).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Lehrerstelle für Stellvertretung (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1901: "Bewerberaufruf.
Für den erkrankten Lehrer und Vorsänger dahier wird ein Stellvertreter
auf unbestimmte Zeit gesucht.
Bewerber mit seminaristischer Bildung, welche eine erste
Volksschullehrer-Dienstprüfung bestanden haben, wollen ihre Gesuche unter
Beilegung ihrer Zeugnisse bis zum 15. Juni dieses Jahres an das
Königliche Evangelische Konsistorium in Stuttgart richten.
Hohebach, 20. Mai. Oberamt Künzelsau. Israelitisches
Kirchenvorsteheramt." |
Zum Tod des Lehrers Salomon Löw Falk (nach 1864 Lehrer in Hohebach, gest. 1890
in München)
Anmerkung: Salomon Löw Falk ist am 29. April 1839 in Braunsbach
geboren. Er studierte von 1856-1858 am Lehrerseminar
in Esslingen. Nach Angaben bei Joachim Hahn (Jüdisches Leben in Esslingen S. 462)
war er bis 1864 Lehrer in Olnhausen, dann
in Hohebach.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1890: "München,
10. Dezember (1890). Ein Mann, der sich im Lehrfach durch frühere
langjährige Tätigkeit hervorragend verdient machte, Herr Salomon Falk,
ist hier am 2. dieses Monats im Alter von 62 Jahren gestorben. Als Sohn
sehr religiöser, streng gesetzestreuer Eltern in Braunsbach,
Württemberg, geboren, wurde er zum Lehrer ausgebildet; im talmudischen Studium
wurde er vom seligen Rabbiner Feuchtwanger in Wallerstein
unterwiesen. Von diesem erhielt er für seinen Fleiß und seine scharfe
Auffassungsgabe die Chowerwürde. Nachdem er als Lehrer eine Anstellung
erhalten, wurde er der Schwiegersohn des seligen Rabbiner Abraham
Wechsler, Schwabach. In den
württembergischen Gemeinden Braunsbach,
Hohebach und Aufhausen wirkte
er zusammen 20 Jahre als Lehrer und wurde für seine außerordentlich
guten Leistungen von der Königlichen Regierung prämiiert. Die Zeiten
brachten es mit sich, dass die Landgemeinden an Mitgliederzahl teils durch
Tod, teils durch Wegzug, fort und fort kleiner wurden und dass hierdurch
ein Lehrer, hauptsächlich mit zahlreicher Familie, keine ausreichende
Existenz mehr fand. So musste der Verstorbene dem ihm so lieb gewordenen
berufe entsagen; er zog nach München, um sich dem Versicherungsfache zu
widmen. Auch hier zeigte sich sein seltener Fleiß und seine rastlose
Energie, sodass er für die von ihm vertretene Gesellschaft überraschend
gute Resultate erzielt, wie sich denn die Leitung des Unternehmens auch
veranlasst sah, bei der Beerdigung Worte der Dankbarkeit durch den Mund
eines ihrer Beamten aussprechen zu lassen. Der Verstorbene hat sich zu
allen Zeiten und in allen Lagen seines Lebens als charakterfester,
überzeugungstreuer Jehudi bewährt." |
Über Lehrer Samuel Metzger (1908 bis 1925 als Lehrer in
Hohebach tätig)
Samuel Metzger ist am 23.
November 1879 in Berlichingen als Sohn eines Gastwirtes geboren. Er ließ
sich von 1896 bis 1899 am Lehrerseminar in Esslingen ausbilden und war von
1908 bis 1925 in Hohebach als Lehrer tätig. Danach wechselte er nach Ludwigsburg. Über die Geschichte von ihm ihm und seiner Familie (die
Kinder sind in Hohebach geboren) nachfolgenden Abschnitt aus
Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Ludwigsburg 1998 S. 473-474. |
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Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Cidoria Crailsheimer (1884)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1884: "Nekrolog!
Mit ergriffenem Herzen gebe ich heute den Gefühlen Ausdruck, welche mir
durch das so plötzliche Hinscheiden einer wackeren Frau im wahren
Sinne des Wortes die Seele bewegen. Frau Cidoria Crailsheimer aus Hohebach,
eine der edlen, echt religiösen Frauen Israels starb im kaum vollendeten
49. Lebensjahre am Donnerstag den 23. Aw nach nur kurzem
Krankenlager. Umso schmerzlicher und ergreifender ist der Verlust, da der
Tod die teure Entschlafene fern vom Hause bei ihren Geschwistern, wohin
sie sich zum Besuche begeben, ereilte. Den Freitag Abend verbrachte sie
noch am Tische ihrer Verwandten in bestem Wohlsein; in der Nacht jedoch
wurde sie unwohl, und trotz aller angewandten Mittel konnte sie nicht dem
Leben erhalten werden. Am darauf folgenden Donnerstag entschlief sie sanft
und ruhig; ihre Kinder, die an das Krankenlager gerufen wurden, kamen
schon zu spät; sie trafen die Mutter nicht mehr am Leben. Die Leiche
wurde Freitag den 24. Aw nach Hohebach gebracht, wo die edle
Dahingeschiedene an der Seite ihres braven vor 9 Jahren schon verstorbenen
Gatten ruht, dessen Verlust sie bis in den letzten Tagen noch tief
beklagte. Wie allgemein beliebt und hoch verehrt die Verblichene war, das
zeigte die überaus rege Teilnahme an dem Leichenbegängnisse. Ohne
Unterschied der Konfession waren alle Bewohner Hohebachs und der
umliegenden Ortschaften herbeigeeilt, um ihrem Schmerze für den herben
Verlust am Grabe der teuren Toten Ausdruck zu geben. Sie verdiente es auch
in vollem Maße; denn sie sorgte nicht nur für das Wohl ihrer eigenen
Familie, sondern sie wirkte und strebte für alle, die sie gekannt, ihr
Augenmerk war auf die 3 Grundpfeiler der Welt, auf Tora, Gottesdienst und
Wohltätigkeit gerichtet. Sie versäumte keinen Gottesdienst und kein
Gebet, sie fastete oftmals 2 Tage nacheinander und streute mit vollen
Händen Gaben aus, da der Herr sie auch mit irdischen Gütern gesegnet.
Sie ruht jetzt in Frieden von den Kämpfen dieser Erde aus und schaut
verklärt vom Himmel auf ihre Kinder, denen der Allgütige in der Liebe
und Sorgfalt der teuren Verwandten Trost für Vater und Mutter gegeben.
Mögen sie im Sinne der Entschlafenen leben und wirken, dann erfüllen sie
über das Grab hinaus das Gebot: 'Ehre deinen Vater und deine Mutter'.
J.S." |
| Anmerkung: Der Grabstein für Cidoria (Cidonia?)
Crailsheimer ist im Friedhof Hohebach erhalten (Reihe 3 Nr.
57) |
Zum Tod von Jakob Crailsheimer (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1892: "Aus
dem Hohenlohischen. Am 13. Schwat starb nach langem Leiden der auch in
weiteren Kreisen wohl bekannte Jakob Crailsheimer in Hohebach. Durch den
Hingang dieses Ehrenmannes, der durch seinen Biedersinn, seine
Friedensliebe, seine Bereitwilligkeit, überall zu helfen und beizustehen,
und durch seine Gottesfürchtigkeit bei Israeliten und Andersgläubigen in
hohem Ansehen stand, was insbesondere auch die zahlreiche
Leichenbegleitung bezeugte, verlor diese Gemeinde eine ihrer
Hauptstützen. Der Entschlafene ist seiner Tugenden wegen von seinen
Gemeindegenossen durch eine vor mehreren Jahren erfolgte Wahl zum
Kirchenamtsvorstandsmitglied geehrt worden." |
| Anmerkung: Der Grabstein für Jakob
Crailsheimer ist im Friedhof Hohebach erhalten (Reihe 3 Nr. 73). |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Seit 1685 war ein Betsaal
in einem Privathaus vorhanden. Damals bekamen die im benachbarten Dörzbach
lebenden Juden eine Strafe, da sie ohne Erlaubnis die Gottesdienste in Hohebach
besuchten. 1752 wird den Juden aus Dörzbach gegen Zahlung von 2 Gulden jährlich
gestattet, dass sie die Gottesdienste in Hohebach besuchen. 1784 wird mit Marx
Isaac aus Schopfloch ein erster "Judenschulmeister"
in Hohebach genannt. Er war als Vorsänger und Lehrer der Gemeinde tätig und
wurde auch zum Vorsteher der Gemeinde gewählt. 1806 war er immer noch in diesem
Amt und holte damals den Lehrer Veis Löw nach Hohebach, der von nun an das Amt
des Vorsängers und des Lehrers der Kinder übernahm. 1814 wurde Veis Crailsheim
als Lehrer angestellt (gest. 1848). In dieser Zeit war ein Betsaal in der
Wohnung des Jud Grumbel und Mänle Mul eingerichtet. Auch der Bericht des
Kreisamtmannes aus Öhringen bestätigt 1807 das Vorhandensein einer "Synagoge"
in Hohebach.
Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen
Einwohner in Hohebach zugenommen hatte, wollten die hier lebenden Familien eine
von Ailringen selbständige Gemeinde bilden. In diesem Zusammenhang planten sie
auch den Bau einer Synagoge. Nach längeren Vorplanungen kam am 13. Mai
1816 die Erlaubnis des württembergischen Ministeriums des Inneren zum Bau einer
Synagoge und zur Durchführung eines Kollekte für diesen Zweck bei den jüdischen
Gemeinden des Landes. Die damals 16 jüdischen Familien in Hohebach hätten ohne
eine solche Kollekte die auf etwa 3000 Gulden berechneten Baukosten nicht
bestreiten können. Vorsteher Marx Isaac kaufte 1816 zunächst für sich eine
Scheune mit einem dazugehörigen Gartengrundstück. Zwei Jahre später verkaufte
er das Grundstück an die jüdische Gemeinde. Alsbald wurde die Scheune
abgebrochen und an ihrer Stelle eine einstöckige Synagoge erbaut. Diese war
allerdings so schlecht gebaut, dass sie 1838 einzustürzen drohte und kaum mehr
betreten werden konnte. Nach Besichtigung durch den Oberamtsbaumeister legte das
Oberamt eine sofortige Renovierung nahe. Im
Juli 1839 wurde ein Staatsbeitrag in Höhe von 250 Gulden für den Neubau
einer Schule und der Synagoge genehmigt.
Staatsbeitrag für Synagoge und Schule in Hohebach
1839, Artikel von 1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1911:
"Die israelitischen Konfessionsschulen (Elementarschulen) in
Württemberg.
Von Rabbiner Dr. Schweizer in Weikersheim (Schluss).
Vergleicht man die Staatsbeiträge, die auf Grund dieses Artikels
des Gesetzes von 1836 den israelitischen Gemeinden zu Schulhausneubauten
damals gewährt wurden, mit den heute noch bewilligten Beiträgen zu
Schulzwecken, so ergeben sich, besonders wenn man den höheren Wert der
damaligen Geldwährung mitberücksichtigt, ungeheure Summen, die mit denen
von heute stark kontrastieren. Dabei ist noch zu bemerken, dass die
damalige Bevölkerungszahl der Israeliten keine höhere war, und was die
Steuerkraft derselben betrifft, viel geringer als heute anzuschlagen
ist.
Nach den Regierungsblättern des betreffenden Jahrganges wurden
bewilligt:
der israelitischen Gemeinde Hohebach zur Erbauung einer Synagoge
und eines Schulhauses (beide zusammen bilden 1 Haus) [17. Juli 1839] 250
Gulden
der israelitischen Gemeinde Dörzbach
zur Erbauung einer Synagoge und eines Schulhauses (beide bilden 1 Haus)
[17. Juli 1839] (Gemeinde ist nun aufgelöst) 350 Gulden." |
1840 wurde die alte Synagoge abgebrochen. Im Neubau der
Synagoge wurde im oberen Stock auch Platz für die jüdische Schule, eine
Lehrerwohnung sowie für ein Zimmer des Synagogenrates geschaffen. Möglicherweise
wurden Teile des alten, einstöckigen Synagogenbaus im Bereich des Erdgeschosses
in den Neubau integriert. Es ist bei der Hohebacher Synagoge auffallend, dass
die Schule über und nicht unter dem Betsaal eingerichtet wurde, sodass es sich
vermutlich um den "Neubau der alten Synagoge" mit einer Erweiterung durch ein
oberes Stockwerk gehandelt haben wird. Insgesamt war das mit einem
Giebelziegeldach versehene Gebäude von Stein und Fachwerk gebaut, dreistockig,
und hatte im Untergeschoss einen gewölbtem Keller. Der hohe Betsaal hatte eine
Frauenempore. Zur Finanzierung nahm die israelitische Gemeinde Hohebach ein
Darlehen von 2.600 Gulden bei einem Mergentheimer Kaufmann auf. Zwar gehörten
zur Hohebacher Gemeinde inzwischen auch die jüdischen Einwohner aus Ailringen,
Hollenbach und Mulfingen,
dennoch hatten sie nach einem Vertrag zwischen den Judenschaften dieser Orte den
Synagogenbau ohne die Filialgemeinden zu finanzieren. Der bürgerliche Gemeinderat
half der israelitischen Gemeinde - mit Zustimmung des Bürgerausschusses - durch
einen Betrag von 100 Gulden aus der Gemeindekasse.
Nach 1850 wurde durch
Umbaumaßnahmen die Synagoge noch einmal vergrößert.
Von der Inneneinrichtung der Synagoge ist aus den Büchern
der Feuerversicherung bekannt, dass im Toraschrein acht Torarollen vorhanden
waren. In einem Schrank wurden Toramäntel, Gebetsbücher und acht Widderhörner
aufbewahrt. In der Mitte des Betsaals stand der Almemor, von dem aus die Tora
gelesen wurde. An der Decke hingen vier Leuchter; an der Westwand gab es eine
Uhr mit Schlagwerk. An Sitzmöglichkeiten gab es im Betsaal der Männer
insgesamt 38 Meter Gestühl und 8 Meter Kindergestühl, auf der Empore 24 Meter
Bänke für die Frauen.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge durch Dörzbacher und Hohebacher NS-Parteigenossen
völlig zerstört. Von einer Inbrandsetzung sah man ab, weil der damalige Rösslewirt,
der zugleich Ortsbauernführer war, Sorge um sein eigenes Gebäude hatte. Dafür
wurde im Inneren der Synagoge von den Leuchtern bis zu den Bänken und Fenstern
alles zerschlagen. Teppiche, Vorhänge, Bücher und Torarollen wurden auf den
Wasen (späteres Sportplatzgelände am Jagstufer) getragen und verbrannt.
Während der Kriegszeit wurde die Synagoge als Lager
verwendet. Die politische Gemeinde
bemühte sich bei der Jüdischen Kultusbereinigung Württemberg e.V. um den Kauf
des Gebäudes. Mit Kaufvertrag vom 25. März 1943 ging die Synagoge
(zusammen mit dem jüdischen Friedhof) in den Besitz der Gemeinde Hohebach über.
Nach 1945 wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus (zunächst für
Heimatvertriebene) umgebaut. Die hohen rundbogigen Fenster zur Rathausstrasse
hin wurden entfernt. Original erhalten blieben nur das steinerne Portal der
Eingangstüre und der Aufgang zur Frauenempore (Treppenhaus). Im ehemaligen
Betsaal wurde die Gemeindewaschküche eingerichtet, später wurde sie als
Abstellraum des Gemeindebauhofs verwendet. Auf Höhe der ehemaligen Frauenempore
befindet sich heute ein Jugendzentrum der Gemeinde. Auch sind weiterhin
Wohnungen vorhanden. 1986 wurde eine Hinweistafel am Gebäude angebracht
(Standort Rathausstrasse 5).
Fotos
Historische Fotos:
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Synagoge um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser
und
Friedhof. 1932 S. 88) |
Synagoge um 1900
(Quelle L. Eyth s. Lit.) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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| Ansicht des Gebäudes von
Südwest |
Blick von Süden |
Ansicht der Ostfassade |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum
22.9.2003; die beiden mit *
bezeichneten
Fotos von
Eva Maria Kraiss) |
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Ansicht des Gebäudes
von
Südost |
Straßenseite (Südseite)
zur
Rathausstraße |
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| Ansicht des Gebäudes
von Süden* |
Die Eingänge in
das Gebäude auf der Westseite |
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| Hinweisschild |
Die Nordseite |
Das Treppenhaus, über das
u.a. die
Frauenempore erreicht wurde |
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Erinnerung im Rathaus
Hohebach:
Aktenschrank aus dem Bankgeschäft
Moritz Furchheimer* |
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| Andernorts entdeckt |
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Grabstein für Ida
Crailsheimer geb. Dornberger (1878-1909) und
Imanuel Crailsheimer aus Hohebach (1864-1937) im
jüdischen Friedhof an
der Rat-Beil-Straße in Frankfurt am Main |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern.
1968. S. 107-108. |
 | Ludwig Eyth: Chronik von Hohebach. 1904. |
 | Jürgen Hermann Rauser: Ortsgeschichte Hohebach, in: Dörzbacher Heimatbuch.
1980. |
 | Georg Leiberich: "Ich liebte dieses Dorf und seine Leute". Jüdisches
Leben in Hohebach. 1998.
|
 | dass. in: Zeitschrift für Württembergisch Franken 83 1999 S.
223-246. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hohebach Wuerttemberg.
The 14th century community was expelled in the Black Death persecutions of
1348-49 and renewed in the 17th under various restrictions and heavy taxation.
The first synagogue was built in 1817 and a Jewish elementary school was opened
in 1828. the Jewish population reached a peak of 168 in 1854, enjoying economic
prosperity as many merchants engaged in the cattle trade. Thereafter the Jewish
population declined steadily through emigration, with 32 Jews remaining in 1933
(total 647) together with another three from neighboring Doerzbach
attached to the community (the latter having dwindled from 169 Jews in 1843 to
13 in 1900). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was
vandalized by the SA. By 1941, 20 Jews had emigrated; the others were expelled
in 1941 and 1942 to the Riga and Theresienstadt ghettoes where they perished.

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