Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

    
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg  

  
Hohebach (Gemeinde Dörzbach, Hohenlohe-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur    

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Grafschaft Hohenlohe gehörenden Hohebach lebten Juden bereits im Mittelalter (Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49).  
 
Seit dem 17. Jahrhundert werden wieder Juden genannt. Als der Ort im 17. Jahrhundert zeitweise dem Deutschen Orden gehörte, wurden 1637 mit Zustimmung der Bürgerschaft jüdische Familien aufgenommen. Sie hatten im Dreißigjährigen Krieg die Aufgabe, Weikersheim und Umgebung mit notdürftigen Waren zu versorgen. 1740 lebten 40 jüdische Personen in Hohebach.  
 
Anfang des 19. Jahrhunderts war Hohebach eine Filialgemeinde zu Ailringen. 1817 wurde die Gemeinde Hohebach selbständig. 
     
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 62 jüdische Einwohner, 1824 100 (11,4 % von insgesamt 875 Einwohnern), 1843 145, 1854 168; höchste Zahl um 1858 mit 181 Personen, danach Rückgang: 1886 110, 1900 101 (12,6 % von 804), 1910 68 (9,3 % von 733).   
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Elementarschule, in den 1920er-Jahren als freiwillige Konfessionsschule weitergeführt), ein rituelles Bad (1828 am Hohebach erbaut, Gebäude bis in die 1960er-Jahre als Waschküche benutzt, Obere Gasse 11, dann abgebrochen; an seiner Stelle heute eine Garage zum Gebäude Obere Gasse 11) sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung von 1901 unten). Die Gemeinde gehörte im 19. Jahrhundert zum Rabbinatsbezirk Weikersheim, nach dessen Auflösung zum Rabbinatsbezirk Mergentheim.  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Heinrich Rosenthal (geb. 25.8.1893 in Hohebach, gef. 3.6.1916) und Max Stern (geb. 7.3.1895 in Hohebach, gef. 3.3.1916). Der Name von Heinrich Rosenthal steht auf dem Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs in Hohebach.
     
Um 1924, als in Hohebach noch 53 jüdische Einwohner gezählt wurden (7,9 % von 669 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde die Herren Metzger, Adler und Marx. Als Hauptlehrer, Kantor und Schochet war Lehrer Samuel Metzger tätig (s.u.). An der "Freiwilligen Konfessionsschule" (wie auch die Lehrerwohnung im Gebäude der Synagoge, s.u.) hatte er damals noch fünf Kinder zu unterrichten. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (1924 unter Leitung von Herrn Furchheimer, 8 Mitglieder) und den Israelitischen Frauenverein (1924 unter Leitung von Frau Furchheimer, 12 Mitglieder). 1932 wird als Vorsteher David Adler genannt. Lehrer der im Schuljahr 1931/32 vier schulpflichtigen jüdischen Kinder war Lehrer Goldstein aus Künzelsau
   
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Damenschneiderei und Manufakturwaren David Adler (Rathausstraße 1), Getreidehandlung Jakob Bär (Dörzbacher Straße 3-5, eine der bedeutendsten Getreidehandlungen Deutschlands), Lederhandlung Sylvain Bonem (zuvor Leopold Rosenthal, Obere Gasse 9), Viehhandlung Gustav Furchheimer (Dörzbacher Straße, abgebrochen), Manufakturwaren, Stoffe und Bankgeschäft Moritz Furchheimer (Weldingsfelder Straße 6; äußerer Fassadenschmuck des ehemaligen Ladens und gusseiserne Säule im ehemaligen Laden erhalten), Wirtschaft, Geschirr- und Spielwaren Geschwister Gutmann (Weldingsfelder Steige 6), Spezereihandlung Sara Hirsch (Rathausstraße 9, kriegszerstört, wieder aufgebaut), Manufakturwaren und Stoffe Alfred Kahn und Pferde- und Viehhandlung Bernhard Kahn (Weldingsfelder Straße 9), Viehhändler Heimann Marx (Äußere Gasse 2), Vieh- und Pferdehandlung Ferdinand Rosenthal (Obere Gasse 3), Stoffhandel Vais Rosenthal (Obere Gasse 1), Lederhandlung David Stern (Weldingsfelder Straße 7), Viehhandlung Emanuel Stern (Weldingsfelder Straße 2), Mehlhandlung Eugen Stern (Haus unterhalb Weldingsfelder Steige 1, abgebrochen), Bäckerei Levi Stern sowie Metzgerei und Eisenhandel Ludwig Stern (Weldingsfelder Steige 4), Makler/Viehhändler Aron Straßburger (Stachenhäuser Straße 4, abgebrochen), Viehhändler Samuel Strauß (Weldingsfelder Straße  3).     
       
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in Hohebach (4,9 % von insgesamt 647 Einwohnern).
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Unter dem Druck der Partei und den damit verbundenen Drohungen mussten die jüdischen Einwohner ihre Geschäfte verkaufen oder aufgeben. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert (s.u.). 1939 wurden noch 12 jüdische Einwohner gezählt (2,2 % von 551). 1941/42 wurden die letzten acht in Hohebach lebenden jüdischen Personen deportiert. 
    
Von den in Hohebach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Minna Bonem geb. Rosenthal (1894), Mina Bravmann geb. Levy (1864), Emil Crailsheimer (1873), Emanuel Furchheimer (1862), Gustav Furchheimer (1867), Hannchen Furchheimer geb. Adler (1880), Hannchen Gutmann (1893), Betty Herzog geb. Furchheimer (1884), Sara Hirsch (1866), Bernhard Kahn (1881), Lina Kahn (1887), Berta Kaufmann geb. Sahm (1887), Jeru Keller geb. Crailsheimer (1869), Mathilde Landecker geb. Strauß (1875), Mathilde Löwenstein geb. Rosenthal (1887), Heimann Marx (1881), Julie Marx geb. Kahn (1884), Bertha Mayer geb. Rosenfeld (1871), Siegmund Rosenfeld (1874), Gustav Rosenthal (1885), Jetta Strauß (1879), Bella Thalheimer geb. Sahm (1886), Rosa Weil geb. Marx (1884), Isabella Weiss geb. Furchheimer (1878). 
      
  
Spuren der jüdischen Geschichte: An einigen Häusern (z.B. Weldingsfelder Steige 6 und Weldingsfelder Straße 5) ist die Vertiefung einer Mesusa am Türsturz noch deutlich erkennbar. - An die früheren Wege jüdischer Händler erinnert noch ein von Hohebach in Richtung Jagstberg führender "Judenweg" (er passiert u.a. das Feldkreuz, das sich an der Straße vom Heßlachshof nach Eisenhutsrot noch vor dem Wäldchen befindet).      
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer     
Ausschreibung der Lehrerstelle für Stellvertretung (1901)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1901: "Bewerberaufruf. Für den erkrankten Lehrer und Vorsänger dahier wird ein Stellvertreter auf unbestimmte Zeit gesucht
Bewerber mit seminaristischer Bildung, welche eine erste Volksschullehrer-Dienstprüfung bestanden haben, wollen ihre Gesuche unter Beilegung ihrer Zeugnisse bis zum 15. Juni dieses Jahres an das Königliche Evangelische Konsistorium in Stuttgart richten. 
Hohebach, 20. Mai. Oberamt Künzelsau. Israelitisches Kirchenvorsteheramt."  

    
Zum Tod des Lehrers Salomon Löw Falk (nach 1864 Lehrer in Hohebach, gest. 1890 in München) 
Anmerkung: Salomon Löw Falk ist am 29. April 1839 in Braunsbach geboren. Er studierte von 1856-1858 am Lehrerseminar in Esslingen. Nach Angaben bei Joachim Hahn (Jüdisches Leben in Esslingen S. 462) war er bis 1864 Lehrer in Olnhausen, dann in Hohebach.   

Braunsbach Israelit 13121900.jpg (123319 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1890: "München, 10. Dezember (1890). Ein Mann, der sich im Lehrfach durch frühere langjährige Tätigkeit hervorragend verdient machte, Herr Salomon Falk, ist hier am 2. dieses Monats im Alter von 62 Jahren gestorben. Als Sohn sehr religiöser, streng gesetzestreuer Eltern in Braunsbach, Württemberg, geboren, wurde er zum Lehrer ausgebildet; im talmudischen Studium wurde er vom seligen Rabbiner Feuchtwanger in Wallerstein unterwiesen. Von diesem erhielt er für seinen Fleiß und seine scharfe Auffassungsgabe die Chowerwürde. Nachdem er als Lehrer eine Anstellung erhalten, wurde er der Schwiegersohn des seligen Rabbiner Abraham Wechsler, Schwabach. In den württembergischen Gemeinden Braunsbach, Hohebach und Aufhausen wirkte er zusammen 20 Jahre als Lehrer und wurde für seine außerordentlich guten Leistungen von der Königlichen Regierung prämiiert. Die Zeiten brachten es mit sich, dass die Landgemeinden an Mitgliederzahl teils durch Tod, teils durch Wegzug, fort und fort kleiner wurden und dass hierdurch ein Lehrer, hauptsächlich mit zahlreicher Familie, keine ausreichende Existenz mehr fand. So musste der Verstorbene dem ihm so lieb gewordenen berufe entsagen; er zog nach München, um sich dem Versicherungsfache zu widmen. Auch hier zeigte sich sein seltener Fleiß und seine rastlose Energie, sodass er für die von ihm vertretene Gesellschaft überraschend gute Resultate erzielt, wie sich denn die Leitung des Unternehmens auch veranlasst sah, bei der Beerdigung Worte der Dankbarkeit durch den Mund eines ihrer Beamten aussprechen zu lassen. Der Verstorbene hat sich zu allen Zeiten und in allen Lagen seines Lebens als charakterfester, überzeugungstreuer Jehudi bewährt."  

 
Über Lehrer Samuel Metzger (1908 bis 1925 als Lehrer in Hohebach tätig) 

Samuel Metzger ist am 23. November 1879 in Berlichingen als Sohn eines Gastwirtes geboren. Er ließ sich von 1896 bis 1899 am Lehrerseminar in Esslingen ausbilden und war von 1908 bis 1925 in Hohebach als Lehrer tätig. Danach wechselte er nach Ludwigsburg. Über die Geschichte von ihm ihm und seiner Familie (die Kinder sind in Hohebach geboren) nachfolgenden Abschnitt aus 
Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Ludwigsburg 1998 S. 473-474. 
Hohebach Lit 015.jpg (159444 Byte) Hohebach Lit 016.jpg (172105 Byte)    

 

Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Zum Tod von Cidoria Crailsheimer (1884) 

Hohebach Israelit 28081884.jpg (171354 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1884: "Nekrolog! Mit ergriffenem Herzen gebe ich heute den Gefühlen Ausdruck, welche mir durch das so plötzliche Hinscheiden einer wackeren Frau im wahren Sinne des Wortes die Seele bewegen. Frau Cidoria Crailsheimer aus Hohebach, eine der edlen, echt religiösen Frauen Israels starb im kaum vollendeten 49. Lebensjahre am Donnerstag den 23. Aw nach nur kurzem Krankenlager. Umso schmerzlicher und ergreifender ist der Verlust, da der Tod die teure Entschlafene fern vom Hause bei ihren Geschwistern, wohin sie sich zum Besuche begeben, ereilte. Den Freitag Abend verbrachte sie noch am Tische ihrer Verwandten in bestem Wohlsein; in der Nacht jedoch wurde sie unwohl, und trotz aller angewandten Mittel konnte sie nicht dem Leben erhalten werden. Am darauf folgenden Donnerstag entschlief sie sanft und ruhig; ihre Kinder, die an das Krankenlager gerufen wurden, kamen schon zu spät; sie trafen die Mutter nicht mehr am Leben. Die Leiche wurde Freitag den 24. Aw nach Hohebach gebracht, wo die edle Dahingeschiedene an der Seite ihres braven vor 9 Jahren schon verstorbenen Gatten ruht, dessen Verlust sie bis in den letzten Tagen noch tief beklagte. Wie allgemein beliebt und hoch verehrt die Verblichene war, das zeigte die überaus rege Teilnahme an dem Leichenbegängnisse. Ohne Unterschied der Konfession waren alle Bewohner Hohebachs und der umliegenden Ortschaften herbeigeeilt, um ihrem Schmerze für den herben Verlust am Grabe der teuren Toten Ausdruck zu geben. Sie verdiente es auch in vollem Maße; denn sie sorgte nicht nur für das Wohl ihrer eigenen Familie, sondern sie wirkte und strebte für alle, die sie gekannt, ihr Augenmerk war auf die 3 Grundpfeiler der Welt, auf Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit gerichtet. Sie versäumte keinen Gottesdienst und kein Gebet, sie fastete oftmals 2 Tage nacheinander und streute mit vollen Händen Gaben aus, da der Herr sie auch mit irdischen Gütern gesegnet. Sie ruht jetzt in Frieden von den Kämpfen dieser Erde aus und schaut verklärt vom Himmel auf ihre Kinder, denen der Allgütige in der Liebe und Sorgfalt der teuren Verwandten Trost für Vater und Mutter gegeben. Mögen sie im Sinne der Entschlafenen leben und wirken, dann erfüllen sie über das Grab hinaus das Gebot: 'Ehre deinen Vater und deine Mutter'. J.S." 
Anmerkung: Der Grabstein für Cidoria (Cidonia?) Crailsheimer ist im Friedhof Hohebach erhalten (Reihe 3 Nr. 57)  

      
Salomon (Solomon) Hirsch aus Hohebach wird Botschafter der Vereinigten Staaten in Istanbul (damals noch: Konstantinopel, 1889)  

Hohebach Salomon Hirsch 010.jpg (41957 Byte) Anmerkung: Salomon Hirsch ist am 25. März 1839 in Hohebach geboren als Sohn des Händlers Samson Hirsch (1780-1844) und seiner zweiten Frau Ela geb. Bär (1795-1845). 
Zur Seite aus dem Familienregister HStA Stuttgart J 386 Bü. 281 Bild 55
(pdf-Datei
). 
Im Familienregister ist zum weiteren Lebenslauf vermerkt: "im Waisenhaus; ausgewandert 1854 nach Amerika". Nach dem frühen Tod seiner Mutter Ela 1845 kam der junge Salomon in das Waisenhaus nach Esslingen.  
Foto: QuelleWeitere Quelle   
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Juni 1889: "New York, im Mai (1889). Wir haben schon berichtet, dass von der nordamerikanischen Union wiederum ein Glaubensgenosse, Herr Salomon Hirsch, zu ihrem Gesandten in Konstantinopel erwählt worden ist. Über dessen Persönlichkeit wird geschrieben:  
Der von dem Präsidenten Harrison zum Gesandten der Vereinigten Staaten von Amerika in Konstantinopel ernannte Herr Salomon Hirsch ist ein geborener Württemberger. Derselbe, von armen jüdischen Eltern stammend, kam als 15-jähriger Knabe nach Amerika und steht jetzt im 51. Lebensjahre. Er erwarb sich unter großen Mühen und Entbehrungen ein bedeutendes Vermögen und wurde 1864 Mitinhaber des Großhandlungshauses Fleischner, Meyer & Co. in Portland-Oregon. Er wurde wiederholt in der Staats-Senat gewählt, dessen Präsident er auch einmal war. Nähere Nachforschungen dahier haben ergeben, dass Herr Salomon Hirsch aus Hohebach im Hohenlohischen (Württemberg) stammt und seine Erziehung in der Israelitischen Waisenanstalt in Esslingen genossen hat, aus welcher er im Jahre 1854 austrat, um in Amerika sein Glück zu versuchen.
Man erinnere sich, dass die Union nichts von einem diplomatischen Stande mit fachgemäßer Vorbereitung, von diplomatischen Künsten und Listen hält, sondern ihre Gesandten aus der Mitte der Bürger, die ihr dazu würdig und befähigt erscheinen, wählt, auch wenn sie bislang der diplomatischen Karriere nicht angehörten. Sie vermag dies, weil ihre Interessen mit den europäischen Verwicklungen wenig zu schaffen haben und ihre Diplomatie deshalb nur immer gerade aus auf ihr Ziel geht und ihre Motive stets klar liegen."           
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Juli 1889: "Konstantinopel, 21. Juni (1889). Herr Salomon Hirsch, der kürzlich als Vertreter der Vereinigten Staaten beim Sultan ernannte Gesandte, wird morgen mit dem Orientzug hier eintreffen. Sein Vorgänger, Herr Strauß, (bisheriger Gesandter, ebenfalls Israelit) der am Montag das Goldene Horn zu verlassen gedenkt, ist bereits vom Sultan in Abschiedsaudienz empfangen worden. Bei dieser Gelegenheit hat ihm der Großherr T. L. 200 für die Verunglückten in Pennsylvanien überreicht.  
(Bekanntlich findet bei dem Regierungsantritt eines neuen Präsidenten der nordamerikanischen Vereinigten Staaten ein Wechsel der Personen in der diplomatischen Vertretung statt. Deshalb geht Herr Strauß nach Amerika zurück und Herr Hirsch tritt an seine Stelle.)"       

      
Zum Tod des früheren Botschafters der Vereinigten in Konstantinopel Salomon Hirsch (1839-1902)  
Anmerkung: Salomon Hirsch wurde beigesetzt im Beth Israel Cemetery in Portland, Multnomah County, Oregon (Quelle)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. März 1903: "New York. Salomon Hirsch, der gewesene Gesandte der Vereinigten Staaten in Konstantinopel, ist am 15. Dezember in Portland, Oregon, infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Salomon Hirsch wurde am 25. März 1839 in Württemberg in Deutschland geboren. Im Alter von 15 Jahren kam er nach Amerika. Im Jahre 1858 gingen Hirsch und sein Bruder nach dem Staate Oregon, wo sie in Dallas ein Geschäft errichteten. Nach dreijähriger Geschäftstätigkeit in Dallas und nachdem er weitere drei Jahre in Silverton tätig war, wurde er Mitinhaber eines der größten Exporthäuser von Portland und wurde einer der reichsten Männer des Staates. Er nahm an dem politischen Leben des Staates regen Anteil, wurde 1872 als Republikaner in die Staatsgesetzgebung entsendet und zwei Jahre später Senator. Lange Jahre hindurch war der Verstorbene der Führer der Republikaner im Staate. Sein Ansehen stieg nach dem großen Siege der republikanischen Partei im Jahre 1882 auf den höchsten Punkt. Im Jahre 1889 kandidierte er wieder für den Senat, unterlag jedoch mit einer Stimme Minorität gegen J. H. Mitchell und wurde im Mai desselben Jahres zum Gesandten in Konstantinopel ernannt."    
   
Vgl. einige weitere Informationen zu Solomon Hirsch über die Links   
http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~jtenlen/ORBios/shirsch.html  
http://history.state.gov/departmenthistory/people/hirsch-solomon  Solomon Hirsch war vom 28. Dezember 1889 bis 16. Juni 1902 Botschafter in der Türkei.    

 
Zum Tod von Jakob Crailsheimer (1892) 

Hohebach Israelit 31031892.jpg (64863 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1892: "Aus dem Hohenlohischen. Am 13. Schwat starb nach langem Leiden der auch in weiteren Kreisen wohl bekannte Jakob Crailsheimer in Hohebach. Durch den Hingang dieses Ehrenmannes, der durch seinen Biedersinn, seine Friedensliebe, seine Bereitwilligkeit, überall zu helfen und beizustehen, und durch seine Gottesfürchtigkeit bei Israeliten und Andersgläubigen in hohem Ansehen stand, was insbesondere auch die zahlreiche Leichenbegleitung bezeugte, verlor diese Gemeinde eine ihrer Hauptstützen. Der Entschlafene ist seiner Tugenden wegen von seinen Gemeindegenossen durch eine vor mehreren Jahren erfolgte Wahl zum Kirchenamtsvorstandsmitglied geehrt worden."   
Anmerkung: Der Grabstein für Jakob Crailsheimer ist im Friedhof Hohebach erhalten (Reihe 3 Nr. 73).

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge    
   
Seit 1685 war ein Betsaal in einem Privathaus vorhanden. Damals bekamen die im benachbarten Dörzbach lebenden Juden eine Strafe, da sie ohne Erlaubnis die Gottesdienste in Hohebach besuchten. 1752 wird den Juden aus Dörzbach gegen Zahlung von 2 Gulden jährlich gestattet, dass sie die Gottesdienste in Hohebach besuchen. 1784 wird mit Marx Isaac aus Schopfloch ein erster "Judenschulmeister" in Hohebach genannt. Er war als Vorsänger und Lehrer der Gemeinde tätig und wurde auch zum Vorsteher der Gemeinde gewählt. 1806 war er immer noch in diesem Amt und holte damals den Lehrer Veis Löw nach Hohebach, der von nun an das Amt des Vorsängers und des Lehrers der Kinder übernahm. 1814 wurde Veis Crailsheim als Lehrer angestellt (gest. 1848). In dieser Zeit war ein Betsaal in der Wohnung des Jud Grumbel und Mänle Mul eingerichtet. Auch der Bericht des Kreisamtmannes aus Öhringen bestätigt 1807 das Vorhandensein einer "Synagoge" in Hohebach. 
     
Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner in Hohebach zugenommen hatte, wollten die hier lebenden Familien eine von Ailringen selbständige Gemeinde bilden. In diesem Zusammenhang planten sie auch den Bau einer Synagoge. Nach längeren Vorplanungen kam am 13. Mai 1816 die Erlaubnis des württembergischen Ministeriums des Inneren zum Bau einer Synagoge und zur Durchführung eines Kollekte für diesen Zweck bei den jüdischen Gemeinden des Landes. Die damals 16 jüdischen Familien in Hohebach hätten ohne eine solche Kollekte die auf etwa 3000 Gulden berechneten Baukosten nicht bestreiten können. Vorsteher Marx Isaac kaufte 1816 zunächst für sich eine Scheune mit einem dazugehörigen Gartengrundstück. Zwei Jahre später verkaufte er das Grundstück an die jüdische Gemeinde. Alsbald wurde die Scheune abgebrochen und an ihrer Stelle eine einstöckige Synagoge erbaut. Diese war allerdings so schlecht gebaut, dass sie 1838 einzustürzen drohte und kaum mehr betreten werden konnte. Nach Besichtigung durch den Oberamtsbaumeister legte das Oberamt eine sofortige Renovierung nahe. Im Juli 1839 wurde ein Staatsbeitrag in Höhe von 250 Gulden für den Neubau einer Schule und der Synagoge genehmigt. 
    
Staatsbeitrag für Synagoge und Schule in Hohebach 1839, Artikel von 1911)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1911: 
"Die israelitischen Konfessionsschulen (Elementarschulen) in Württemberg. 
Von Rabbiner Dr. Schweizer in Weikersheim (Schluss). 
Vergleicht man die Staatsbeiträge, die auf Grund dieses Artikels des Gesetzes von 1836 den israelitischen Gemeinden zu Schulhausneubauten damals gewährt wurden, mit den heute noch bewilligten Beiträgen zu Schulzwecken, so ergeben sich, besonders wenn man den höheren Wert der damaligen Geldwährung mitberücksichtigt, ungeheure Summen, die mit denen von heute stark kontrastieren. Dabei ist noch zu bemerken, dass die damalige Bevölkerungszahl der Israeliten keine höhere war, und was die Steuerkraft derselben betrifft, viel geringer als heute anzuschlagen ist. 
Nach den Regierungsblättern des betreffenden Jahrganges wurden bewilligt:  
der israelitischen Gemeinde Hohebach zur Erbauung einer Synagoge und eines Schulhauses (beide zusammen bilden 1 Haus) [17. Juli 1839] 250 Gulden   
der israelitischen Gemeinde Dörzbach zur Erbauung einer Synagoge und eines Schulhauses (beide bilden 1 Haus) [17. Juli 1839] (Gemeinde ist nun aufgelöst)  350 Gulden."

1840 wurde die alte Synagoge abgebrochen. Im Neubau der Synagoge wurde im oberen Stock auch Platz für die jüdische Schule, eine Lehrerwohnung sowie für ein Zimmer des Synagogenrates geschaffen. Möglicherweise wurden Teile des alten, einstöckigen Synagogenbaus im Bereich des Erdgeschosses in den Neubau integriert. Es ist bei der Hohebacher Synagoge auffallend, dass die Schule über und nicht unter dem Betsaal eingerichtet wurde, sodass es sich vermutlich um den "Neubau der alten Synagoge" mit einer Erweiterung durch ein oberes Stockwerk gehandelt haben wird. Insgesamt war das mit einem Giebelziegeldach versehene Gebäude von Stein und Fachwerk gebaut, dreistockig, und hatte im Untergeschoss einen gewölbtem Keller. Der hohe Betsaal hatte eine Frauenempore. Zur Finanzierung nahm die israelitische Gemeinde Hohebach ein Darlehen von 2.600 Gulden bei einem Mergentheimer Kaufmann auf. Zwar gehörten zur Hohebacher Gemeinde inzwischen auch die jüdischen Einwohner aus Ailringen, Hollenbach und Mulfingen, dennoch hatten sie nach einem Vertrag zwischen den Judenschaften dieser Orte den Synagogenbau ohne die Filialgemeinden zu finanzieren. Der bürgerliche Gemeinderat half der israelitischen Gemeinde - mit Zustimmung des Bürgerausschusses - durch einen Betrag von 100 Gulden aus der Gemeindekasse.   
 
Nach 1850 wurde durch Umbaumaßnahmen die Synagoge noch einmal vergrößert.   
    
Von der Inneneinrichtung der Synagoge ist aus den Büchern der Feuerversicherung bekannt, dass im Toraschrein acht Torarollen vorhanden waren. In einem Schrank wurden Toramäntel, Gebetsbücher und acht Widderhörner aufbewahrt. In der Mitte des Betsaals stand der Almemor, von dem aus die Tora gelesen wurde. An der Decke hingen vier Leuchter; an der Westwand gab es eine Uhr mit Schlagwerk. An Sitzmöglichkeiten gab es im Betsaal der Männer insgesamt 38 Meter Gestühl und 8 Meter Kindergestühl, auf der Empore 24 Meter Bänke für die Frauen.  
  
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch Dörzbacher und Hohebacher NS-Parteigenossen völlig zerstört. Von einer Inbrandsetzung sah man ab, weil der damalige Rösslewirt, der zugleich Ortsbauernführer war, Sorge um sein eigenes Gebäude hatte. Dafür wurde im Inneren der Synagoge von den Leuchtern bis zu den Bänken und Fenstern alles zerschlagen. Teppiche, Vorhänge, Bücher und Torarollen wurden auf den Wasen (späteres Sportplatzgelände am Jagstufer) getragen und verbrannt.   
  
Während der Kriegszeit wurde die Synagoge als Lager verwendet.  Die politische Gemeinde bemühte sich bei der Jüdischen Kultusbereinigung Württemberg e.V. um den Kauf des Gebäudes. Mit Kaufvertrag vom 25. März 1943 ging die Synagoge (zusammen mit dem jüdischen Friedhof) in den Besitz der Gemeinde Hohebach über. 
 
Nach 1945 wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus (zunächst für Heimatvertriebene) umgebaut. Die hohen rundbogigen Fenster zur Rathausstrasse hin wurden entfernt. Original erhalten blieben nur das steinerne Portal der Eingangstüre und der Aufgang zur Frauenempore (Treppenhaus). Im ehemaligen Betsaal wurde die Gemeindewaschküche eingerichtet, später wurde sie als Abstellraum des Gemeindebauhofs verwendet. Auf Höhe der ehemaligen Frauenempore befindet sich heute ein Jugendzentrum der Gemeinde. Auch sind weiterhin Wohnungen vorhanden. 1986 wurde eine Hinweistafel am Gebäude angebracht (Standort Rathausstrasse 5).  
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Hohebach Synagoge1932.jpg (101462 Byte) Hohebach Synagoge 101.jpg (50853 Byte)
Synagoge um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser 
und Friedhof. 1932 S. 88)
Synagoge um 1900
(Quelle L. Eyth s. Lit.) 

    
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
     
Hohebach Synagoge 003.jpg (59148 Byte) Hohebach Synagoge 001.jpg (72030 Byte) Hohebach Synagoge 002.jpg (65317 Byte)
Ansicht des Gebäudes von Südwest  Blick von Süden  Ansicht der Ostfassade  
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 
22.9.2003; die beiden mit * 
bezeichneten Fotos von 
Eva Maria Kraiss) 
Hohebach Synagoge 150.jpg (52809 Byte) Hohebach Synagoge 151.jpg (44159 Byte)
    Ansicht des Gebäudes 
von Südost 
Straßenseite (Südseite) 
zur Rathausstraße 
     
Hohebach Synagoge 800.jpg (45652 Byte) Hohebach Synagoge 152.jpg (48032 Byte) Hohebach Synagoge 153.jpg (42408 Byte)
 Ansicht des Gebäudes von Süden*  Die Eingänge in das Gebäude auf der Westseite 
    
Hohebach Synagoge 155.jpg (62651 Byte)  Hohebach Synagoge 156.jpg (41148 Byte) Hohebach Synagoge 154.jpg (40323 Byte)
 Hinweisschild  Die Nordseite  Das Treppenhaus, über das u.a. die
 Frauenempore erreicht wurde 
    
     
Erinnerung im Rathaus Hohebach:
 Aktenschrank aus dem Bankgeschäft
 Moritz Furchheimer* 
Hohebach Furchheimer 800.jpg (42003 Byte)     
     
     
Andernorts entdeckt    Frankfurt Friedhof A12246.jpg (243130 Byte)
  Grabstein für Ida Crailsheimer geb. Dornberger (1878-1909) und 
Imanuel Crailsheimer aus Hohebach (1864-1937) im 
jüdischen Friedhof an der Rat-Beil-Straße in Frankfurt am Main    
     

   
   

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Dörzbach  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Hohebach (interner Link)   

Literatur:    

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1968. S. 107-108.
Ludwig Eyth: Chronik von Hohebach. 1904.
Jürgen Hermann Rauser: Ortsgeschichte Hohebach, in: Dörzbacher Heimatbuch. 1980.
Hohebach Buch 01.jpg (61665 Byte)Georg Leiberich: "Ich liebte dieses Dorf und seine Leute". Jüdisches Leben in Hohebach. 1998.    
    
dass. in:  Zeitschrift für Württembergisch Franken 83 1999 S. 223-246.     
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

        
         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hohebach  Wuerttemberg.  The 14th century community was expelled in the Black Death persecutions of 1348-49 and renewed in the 17th under various restrictions and heavy taxation. The first synagogue was built in 1817 and a Jewish elementary school was opened in 1828. the Jewish population reached a peak of 168 in 1854, enjoying economic prosperity as many merchants engaged in the cattle trade. Thereafter the Jewish population declined steadily through emigration, with 32 Jews remaining in 1933 (total 647) together with another three from neighboring Doerzbach attached to the community (the latter having dwindled from 169 Jews in 1843 to 13 in 1900). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized by the SA. By 1941, 20 Jews had emigrated; the others were expelled in 1941 and 1942 to the Riga and Theresienstadt ghettoes where they perished.   
     
      

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge 

        

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. Februar 2014