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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Braunsbach (Kreis
Schwäbisch Hall)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge / Rabbinat
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version)
In dem
im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Herrschaften, von 1737 bis 1802 dem Würzburger
Domkapitel verpfändeten Braunsbach bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer
Auflösung im Juli 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17.
Jahrhunderts zurück. Um 1600 gab es bereits drei jüdischen
Haushaltungen am Ort.
Nachdem im Dreißigjährigen Krieg zeitweise keine Juden in Braunsbach lebten,
wird 1649 mit Marx wieder ein Jude namentlich genannt. 1673 werden vier jüdische
Familien gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1806/08 165 jüdische Einwohner, 1822 175, 1826 198, 1833 201, 1838
237; die höchste Zahl um 1843 mit 293 Personen in etwa 45 Familien; 1846 234,
1858 186, 1864 175, 1871 167, 1875 152, 1885 143, 1895 159, 1900 120, 1910 88.
Nach einer Beschreibung von 1841 waren die damaligen jüdischen Familien in
Braunsbach "durchaus wenig bemittelt oder ganz arm".
An Einrichtungen waren eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein
rituelles Bad und ein Friedhof
vorhanden.
Zur Schule: 1825 besuchten die Kinder die evangelische Schule, seit 1834
bestand eine eigene jüdische Elementarschule. Das Schulzimmer wurde 1841 im
Erdgeschoss des Rabbinatsgebäudes eingerichtet. Die Lehrerwohnung lag im
zweiten Stock dieses Gebäudes, seit 1870 in einem Privathaus. 1923 wurde die
Schule aufgelöst, danach besuchten die Kinder wieder die evangelische Schule.
Im Frühjahr 1936 wurde eine Bezirksschule eingerichtet (auch im Rabbinatshaus)
für jüdische Kinder aus Schwäbisch
Hall, Braunsbach, Dünsbach
und Künzelsau,
nachdem sie die öffentlichen Schulen nicht mehr besuchen konnten. Sie bestand
bis 1938/39.
Zum Friedhof: Die Toten wurden zunächst in Berlichingen
beigesetzt. 1738 wurde ein eigener Friedhof
angelegt (Flst. 419 in halber Höhe des Schaalberges zwischen der Straße
"Im Schönblick" und dem Waldrand; Hinweistafeln sind vorh.,
Friedhofsfläche 7,92 a).
Seit 1832 war Braunsbach Sitz eines württembergischen Bezirksrabbinates (bereits
zuvor gab es Rabbiner am Ort, u.a. um 1800 Abraham Fahrenbach und Jakob
Kaufmann). Das Gebäude des Rabbinats ist bis heute erhalten (Straße "Im
Rabbinat" 8; zunächst als Wohnhaus verwendet, nach gründlicher
Renovierung seit April 2008 u.a. als Museum zur jüdischen Geschichte
Braunsbachs). 1913 wurde das Rabbinat nach Schwäbisch
Hall verlegt (unter Beibehaltung des Namens "Rabbinat Braunsbach, Sitz:
Schwäbisch Hall"). Folgende Rabbiner waren in der Gemeinde tätig:
- 1805 - 1821 Joseph Mayer Schnaittach(er) (geb. 1774 in Fürth,
gest. 1861 in Freudental): studierte in Fürth; 1805 Rabbiner in Braunsbach,
1821-1834 Oberrabbiner von Württemberg mit Sitz in Freudental, danach auf Grund
nicht bestandener neu geforderter Rabbinatsprüfung zwangspensioniert.
- 1827 - 1835 Seligmann Grünwald (geb. 1800 in Mühringen, gest.
1856 in Freudental): studierte in Fürth, Würzburg und Tübingen; 1827
Rabbinatsverweser in Braunsbach, 1835 Bezirksrabbiner in Lehrensteinsfeld, 1844
Bezirksrabbiner in Freudental.
- 1836 - 1840 Dr. Naphtali Frankfurter (geb. 1810 in Oberdorf,
gest. 1866 in Hamburg): studierte in Heidelberg und Tübingen; 1834
Rabbinatsverweser in Lehrensteinsfeld, 1836 Bezirksrabbiner in Braunsbach, 1840
zweiter Prediger beim Tempelverein in Hamburg (wurde 1848 in die Hamburger
Konstituierende Versammlung gewählt; gab zusammen mit Berthold Auerbach 1838
die "Galerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte"
heraus).
- 1840 Rabbiner Maier Hirsch Landauer (geb. 1808 in Kappel, gest.
1841 in Kappel): studierte in Karlsruhe, München und Tübingen, einer der frühesten
modernen Forscher auf dem Gebiet der Kabbala, war vor seinem Tod drei Monate
Rabbinatsverweser in Braunsbach. .
- 1840-1841 Rabbiner Dr. Abraham Wälder (später Alfred W., geb.
1808 in Rexingen, gest. 1876 in Laupheim): studierte in Hechingen, Karlsruhe, Tübingen,
München: 1836-1840 Rabbinatsverweser in Jebenhausen, 1839 Rabbinatsverweser in
Berlichingen, 1840-1851 Bezirksrabbiner in Berlichingen und von hier aus
zeitweise Rabbinatsverweser in Braunsbach, 1852-1876 Bezirksrabbiner in
Laupheim.
- 1841-1860 Rabbiner Dr. Maier Samuel Hirsch (geb. 1812 in
Mergentheim, gest. 1860 in Braunsbach): studierte in Heidelberg und Tübingen,
1838-1841 Rabbinatsverweser in Freudental, 1841-1860 Bezirksrabbiner in
Braunsbach.
- 1860-1900 Rabbiner Menachem Menko Berlinger (geb. 1831 in
Berlichingen, gest. 1903 Braunsbach): studierte in Würzburg und Oberdorf; 1860
Rabbinatsverweser in Oberdorf; 1860/63-1894/1900 Bezirksrabbiner in Braunsbach.
- 1900-1914(1934) Rabbiner Dr. Jakob Berlinger (geb. 1866 in
Braunsbach, gest. 1945 in Bne Berak/Israel): studierte in Tübingen; war 1894
bis 1900 Rabbinatsverweser neben seinem Vater in Braunsbach, dann Rabbiner ebd.,
seit 1914 mit dem Sitz in Hall, pensioniert seit 1. April 1934; 1939 nach Erez
Jisrael emigriert.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Isak Sahm (geb.
16.2.1893 in Braunsbach, gef. 22.9.1914). Sein Name steht auf dem
Gefallenendenkmal unterhalb des Schlosses.
Am wirtschaftlichen Aufschwung des Dorfes im 19. Jahrhundert hatten jüdische
Ortsbewohner wesentlichen Anteil. Sie waren im Viehhandel, als Krämer und
Kaufleute tätig. 1933 gab es noch mehrere jüdische Viehhandlungen, ein
Liegenschaftsgeschäft, ein Kleider- und Stoffgeschäft sowie ein Kolonial- und
Manufakturwarengeschäft. Im einzelnen gab es: Kolonialwarenhandlung
Nanette Adler (Marktplatz 1-2, abgebrochen), Viehhandlung Abraham Frey (Orlacher
Straße 5), Fellhandlung Elias Frey (Kirchsteige 4-6), Bilderhandlung Isak Frey
(Kirchsteige 4-6), Manufakturwaren Isaak Heumann (Geislinger Straße 35),
Viehhandlung Falk Löb (Döttinger Straße 4), Viehhandlung Julius Pfeiffer
(neben Döttinger Straße 6, abgebrochen), Viehhandlung Abraham Sahm (Schulstraße
4), Vieh- und Lederhandlung Falk Sahm (Marktplatz 3, abgebrochen),
Pferdehandlung Moses Sahm (Geislinger Straße 23), Manufakturwaren
Hermann/Sophie Schiller (Inselstraße 7), Viehhandlung Lazarus Schlachter
(Pfalzgasse 1), Viehhandlung Wolf Schlachter (Inselstraße 2, abgebrochen),
Kurz- und Wollwaren Jette Stern (Raingasse 2), Wollwaren und Reste Sophie
Wertheimer und Viehhandlung Gebr. Wollenberger (Kirchsteige 2).
1933 lebten noch 39 jüdische Personen in Braunsbach. Zunächst
wirkte sich die nationalsozialistische Machtübernahme noch nicht unmittelbar
auf das bis dahin gute Verhältnis zwischen Christen und Juden am Ort aus. Doch
wurden christliche Bürger, die sich gegenüber Juden freundlich verhielten,
zunehmend durch Parteifunktionäre eingeschüchtert (Kennzeichnung ihrer Häuser
als "Judenfreunde" durch Plakate usw.). Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch SA-Leute aus Schwäbisch Hall
zerstört. Bis Ende 1938 mussten die letzten jüdischen Geschäfte aufgegeben
werden. Ein großer Teil der jüdischen Einwohner verließ nun Braunsbach. Die
Zurückgebliebenen mussten 1939 in einem besonderen "Judenhaus"
zusammenziehen.
Von den in Braunsbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Siegbert Adler,
Robert Baumann (1880), Naphtali Berlinger (1876), Ida Falk (1871), Julius Falk
(1882), Amalie Frank geb. Sahm (1862), Abraham Frey (1889), Babette Frey (1888),
Recha Frey (1867), Meta Gutmann geb. Wertheimer (1874), Blanda Heumann geb.
Einstein (1895), Isaak Heumann (1887), Clara Hirsch geb. Stern (1872), Babette
Klein geb. Schlachter (1872), Jette Königsberger geb. Gutmann (1869), Ara
Sophie Levite geb. Heumann (1882), Hanna Pfeiffer geb. Schulmann (1880), Julia
Pfeiffer (1905), Karoline Pfeiffer (1891), Salomon Pfeiffer (1872), Bertha Sahm
geb. Neumann (1880), Falk Sahm (1870), Falk Sahm (1872), Julius Sahm (1884),
Lina Sahm (1876), Abraham Schlachter (1875), Klara Schlachter, Meta Schlachter
geb. Lichtenauer (1878), Abraham Schlachter, Ernestine Stern, Babette Sinsheimer
geb. Schlachter (1909), Ernestine Stern (1899), Jette Stern geb. Schloß (1860),
Lotte Stern (1925), Sofie Wertheimer geb. Neumann (1883), Jeanne Wollenberger
geb. Simon (1899), Julius Wollenberger (1924), Selma Wollenberger (1921), Martha
Zechermann (1882).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte
des Rabbinates
Zu den einzelnen Rabbinern siehe oben.
Rabbiner Dr. Naphtali Frankfurter verlässt Braunsbach
(1840)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Orient" vom 26. September 1840:
"Dr. Frankfurter, bisheriger Bezirksrabbiner zu Braunsbach, ist Anfang
vorigen Monats nach seinem neuen Wirkungskreis, Hamburg, abgereist. Als
Prediger, sagt man, soll er nach Salomon eine Stelle verdienen und in
Bezug auf jüdische Wissenschaft durch seine größere Teilnahme denselben
übertreffen." |
Zum Tod von Rabbiner Dr. Maier Hirsch (1860)
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1860:
"Rabbiner Dr. Hirsch in Braunsbach ist kürzlich einer
langjährigen, schmerzhaften Krankheit erlegen. Die Königliche
israelitische Oberkirchenbehörde wird wieder einen Ausländer berufen
müssen, um das erledigte Rabbinat zu besetzen." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Rabbiner Menko Berlinger (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1885: "Hall
(Württemberg). (Schabbat) Paraschat Noach (Schabbat mit der
Toralesung Noach = 1. Mose 6,1 - 11,32; 1885 war dies am Schabbat,
10. Oktober = 1. Cheschwan 5646; Dienstbeginn war somit 1860 entweder am
1. Cheschwan 5621 = 17. Oktober 1860 oder Schabbat Noach = 20.
Oktober 1860) waren es 25 Jahre, dass unser allverehrter Herr Rabbiner
Berlinger - sein Licht leuchte - Sohn des hoch gelehrten und
weltberühmten Rabbiners Hirsch Berlinger - das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen - aus Berlichingen
das Rabbinat Braunsbach übernahm. Dieser bedeutungsvolle Zeitpunkt
veranlasste die Gemeinde Braunsbach, die 9 Bezirksgemeinden des Rabbinats
auf den 18. Tischri (Sonntag, 27. September 1885) hierher zu einer
Besprechung einzuladen und zu veranlassen, dass dem Herrn Rabbiner ein
Ehrentag bereitet werde. Ein hiezu bestellte Komitee trat alsbald in volle
Aktion. Als Tag zur Abhaltung der Jubelfeier wurde Sonntag, der 1.
Kislew (8. November 1885) bestimmt. So fand denn das Fest am
vergangenen Sonntag in Braunsbach statt und wurde das vom Komitee
festgesetzte Programm, das lautete - vormittags 8 Uhr: Festgottesdienst;
vormittags 10-11 Uhr: Überreichung der Ehrengaben; nachmittags 3 Uhr:
Festbankett im Gasthof zur 'Sonne'; nachmittags 6 Uhr: Konzert des
'Liederkranzes Braunsbach' im Gasthof zum 'Löwen' - in allen seinen
Teilen glänzend durchgeführt. Schon zum Festgottesdienst waren die
Festgenossen aus dem größten Teil der Gemeinden der Gemeinden des
Bezirks eingetroffen. Der liturgische Teil des Gottesdienstes war Herrn
Lehrer Königsberger aus Crailsheim
übertragen, während die Festpredigt von Herrn Lehrer Strauß in
Braunsbach gehalten wurde. Ersterer erbaute die andächtige Versammlung
durch ausgezeichnet schönen Vortrag der Gebete, letzterer durch eine
angemessene, wohl durchdachte Rede.
Bald darauf rüsteten sich die Deputationen zur Überreichung der
Ehrengaben. Es übergab zunächst die israelitische Gemeinde Braunsbach
einen prachtvollen Regulateur, hierauf folgte das sehr wertvolle Geschenk
des Bezirks, überreicht durch eine Deputation der verschiedenen Gemeinden
desselben, und zum Schluss erschienen die bürgerlichen Kollegien mit dem
Ortsvorstand bei dem Herrn Jubilar, ein prachtvolles, altdeutsches Schreibzeug
mit entsprechender Widmung überreichend.
Vor und nach dem Mittagsmahl hatte der Herr Jubilar Privatglückwünsche
entgegenzunehmen.
Präzis 3 Uhr nachmittags vereinigten sich die Festgenossen zum Bankett,
bei welchem die freudig gehobene Stimmung durch zahlreiche Toaste zum
Ausdruck gelangte. Den Vorsitz führte Herr Schultheiß Fuchs. Zunächst
erhielt das Wort Herr Lehrer Königsberger aus Crailsheim, der in
ausführlicher, gediegener Rede die Verdienste des Herrn Jubilars auf
religiösem, politischem und gesellschaftlichem Gebiete hervorhob und mit
einem Hoch auf denselben schloss. Den 2. offiziellen Toast brachte Herr
Lehrer Hähnlein aus Hall, anknüpfend an die Bibelworte 'Wo ist deine
Frau Sara?' (1. Mose 18,9) und an einen Ausspruch unserer Weisen |
in
hübschen Worten auf die geehrte Frau Rabbiner aus. Der 3. Toast,
ausgebracht von Herrn Lehrer Strauß aus Braunsbach, galt dem
konfessionellen Frieden in der Gemeinde Braunsbach, in welcher 3
verschiedene Konfessionen, jede mit eigenem Geistlichen, eigenem Lehrer
und eigenem Gotteshaus in Friede und Eintracht miteinander leben.
Diesen offiziellen Toasten folgte des Herrn Jubilars Erwiderung, die seine
Bescheidenheit klar erkennen ließ; alles Lob wies er als
unverdient zurück, und wenn er etwas seit seinem Antritt der Stelle in
Braunsbach geleistet, so sei dies nur Gottes Werk und stets bleibe das
Können hinter dem Wollen zurück. Die Festteilnehmer folgten seinen
geistreichen Worten mit gespanntester Aufmerksamkeit und spendete
denselben stürmischen Beifall. Nun folgten weitere Toaste, von welchen
ich besonders den des Herrn Schultheißen Fuchs auf den Herrn Jubilar als
eifrigen Förderer der Interessen der israelitischen wie politischen
Gemeinde Braunsbach hervorheben möchte. Nachdem noch mehrere Herren durch
einige Worte ihren Herzen Luft gemacht und ihrer freudigen Erregung
Ausdruck verliehen hatten, kamen die zahlreich eingelaufenen brieflichen
und telegraphischen Glückwünsche zur Verlesung. Hierauf schloss der
Vorsitzende das Bankett, das einen so schönen Verlauf genommen. Alsdann
wurde - wenn auch nicht im Programm vorgesehen - das Abendgebet in
der Synagoge gebetet.
Um 6 Uhr begaben sich die Festgenossen in den 'Löwensaal', wo der
'Liederkranz Braunsbach', der schon am Vorabend durch ein dem Herrn
Jubilar gewidmetes Ständchen die Feier eingeleitet, ein Konzert
veranstaltete, welchem außer sämtlichen Gemeindeangehörigen auch die
Herren Geistlichen Braunsbachs und der umliegenden Pfarrorte anwohnten.
Das Programm, welches 12 Piecen und eine 'komische Zugabe' umfasste, wurde
meisterhaft durchgeführt und gebührt dem Dirigenten, Herrn Lehrer Botsch
in Braunsbach, für seine viele Mühe ein ganz besonderer Dank. Erst um 10
Uhr war das Konzert zu Ende und damit fand auch die schöne, erhabene,
durch keinen Misston gestörte Feier ihren würdigen Abschluss. Sie wird,
dessen sind wir überzeugt, jedem der Teilnehmer unvergesslich und in
steter Erinnerung bleiben.
Wohl hatte sich der Herr Jubilar in seiner großen Bescheidenheit lange
geweigert, alle diese Huldigungen entgegen zu nehmen: allein es ist eine
Genugtuung und eine Ehre für den ganzen Bezirk, dem Manne, der mit seiner
ganzen Kraft einsteht für Gott und Seine heilige Religion, ... |
dem
einzigen orthodoxen Rabbiner in Württemberg, zu seinem 25jährigen
Amtjubiläum lauten und öffentlichen Dank für sein Wirken kundzugeben.
Es ist dies gewiss die wahre Heiligung des Gottesnamens.
Wir wissen, wie gerne Herr Rabbiner Berlinger auf alle diese Ovationen,
Festgeschenke usw. verzichtet hätte, und doch muss derselbe im Herzen
Freunde darüber empfinden, dass Gott seinem Streben und Wirken zur
Verbreitung und Befestigung der göttlichen Lehre Erfolg verlieh, indem
sein Bezirk seit seinem Dienstantritte nicht an Gottesfurcht abgenommen,
sondern im Gegenteil auf dem Wege des traditionellen Judentums bedeutende
Fortschritte gemacht hat.
Und wie könnte auch die Ehrung (?) fehlen bei einem Manne, der den
großen Schach (= Sabbatai ben Meir Hakohen) zu seinen Ahnen
zählte, der der 21. seines Geschlechts, mütterlicher Seite, ist, die in
ununterbrochener Reihe auf dem Stuhl des Lehrens sitzen und in
dessen ganzer Familie seit undenklichen Zeiten die Heilige Tora
eine Pflegestätte gefunden.
Und so schließen wir denn mit dem innigen Wunsche: möge es Gottes Wille
sein, nach abermals 25 Jahren die Feier des 50jährigen Dienstjubiläums
ihm veranstalten zu können, möge er insbesondere erleben, dass
auch seine talentvollen Söhne und deren Nachkommen und die Nachkommen
der Nachkommen wirken, wie er und seine teueren Vorfahren, um zu
lehren die Sohne Israels was sie tun sollen, möge er ferner erleben,
dass seine Töchter sich verbinden mit anständigen und
gottesfürchtigen Männern." |
(Anmerkung: im zweiten Teil des obigen Artikels könnten die hebräische
Wendungen teilweise etwas präziser wiedergegeben werden; Vorschläge
nimmt gerne der Webmaster entgegen, Adresse siehe Eingangsseite) |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 24. November 1885: "Bonn, 15. November
(1885)... Rabbiner M. Berlinger in Braunsbach, zu dessen Bezirk
auch die größeren Gemeinden Crailsheim,
Hall, Ernsbach,
Michelbach und mehrere kleinere
Gemeinden gehören, feierte gestern sein 25-jähriges Dienstjubiläum,
woran sich nicht nur die dortige Gemeinde ohne Unterschied der Konfession,
die bürgerlichen Kollegien und Deputierte aus allen Gemeinden, sondern
auch viele christliche Geistliche und Freunde aus der Umgegend
beteiligten. Am Vorabend brachte der Gesangverein ein Ständchen. Die
Festpredigt beim Gottesdienst hielt Lehrer Strauß in Braunsbach.
Nach demselben fanden die Gratulationen statt mit Überreichung der
Festgeschenke, von den Bezirksgemeinden ein solches im Werte von Mark
1.200, von der jüdischen Gemeinde in Braunsbach einen wertvollen
Regulator; auch die politische Gemeinde übergab ein Ehrengeschenk.
Nachmittags fand ein Bankett und Abends eine gesellige Unterhaltung statt.
Der Jubilar gehört einer alten Rabbinerfamilie an und erfreut sich
allgemeiner Achtung." |
Zum Tod von Rabbiner Menko Berlinger
(1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar
1903: "Braunsbach (Württemberg), 26. Januar (1903). Am 4.
Tewet (3. Januar 1903) verschied dahier der seit zwei Jahren pensionierte
Rabbiner Menko Berlinger, der in ganz Süddeutschland, und besonders in
Württemberg, großes Ansehen genoss. Er entstammte einer berühmten
Rabbinerfamilie, die ihren Stammbaum bis zum Schach (= Sabbataj
ben Meir hakohen, bedeutender Rabbiner, geb. 1621 in Wilna, gest. 1662 in
Holleschau, Mähren) zurückverfolgen kann. Sein Vater war Rabbi
Hirsch Berlinger in Berlichingen. Bei ihm legte er den Grund zu seinem
reichen Wissen in Talmud und Possekim (Talmudgelehrte).
Darauf besuchte er mehrere Jahre die Jeschibah des Würzburger Raw,
Rabbiner S.B. Bamberger, zu dessen Lieblingsschülern er zählte. Daneben
hörte er Vorlesungen an der dortigen Universität. Nachdem er die
württembergischen Staatsexamina mit Erfolg angelegt hatte, kam er als
Rabbinatsverweser nach Oberdorf und im
Jahr darauf hierher, woselbst er 40 Jahre die Bezirksrabbinerstelle
bekleidete. Menko Berlinger war lange Zeit der einzige Rabbiner
Württembergs, der fest auf dem Boden des überlieferten Judentums stand.
Er hatte als solcher harte Kämpfe zu bestehen; denn als er das Rabbinat
übernahm, war seine vorgesetzte Behörde, die israelitische
Oberkirchenbehörde, noch damit bemüht, das gesetzestreue Judentum aus
Württemberg zu verbannen. Aber Rabbiner Berlinger war kein williges
Werkzeug in den Händen derer, die niederreißen wollten. Er ging unbeirrt
den Weg, den Tora und Aboda (Gottesdienst) vorgezeichnet, und es gelang
ihm, in seinen Gemeinden den echtjüdischen Sinn zu wecken und die
Institutionen nach dem Religionsgesetze einzurichten. Als es sich im Jahre
1869 darum handelte, eine Revision des Judengesetzes von 1835 vorzunehmen,
da war Rabbiner Berlinger als Delegierter des Bezirks Braunsbach, der
Wortführer der kleinen Schar Gesetzestreuer. Und wenn man die Berichte
über die damaligen Versammlungen in den ersten Nummern des 'Israelit'
vom Jahre 1870 nachliest, so wird man den Mut bewundern müssen, mit
welchem Berlinger für seine Ideale eintrat.
Die Beerdigung legte Zeugnis ab von der Größe des Mannes. Aus allen
Gemeinden des Bezirks waren Deputationen erschienen, und die gesamte
hiesige Bürgerschaft, ohne Unterschied des Bekenntnisses, folgte der
Bahre. Vom Rabbinatshause aus wurde der Sarg in die Synagoge gebracht.
Dort gab Herr Rabbiner Dr. Sänger - Mergentheim schmerzergriffen ein Lebensbild
des Verstorbenen. 'Wie unser Stammvater Jakob nicht gestorben ist, ist
auch R. M. Berlinger nicht gestorben, denn was er vollbrachte, ist
bleibend, sein Geist lebt weiter in seinen Gemeinden.' Dann sprach der
Sohn und Amtsnachfolger des Verstorbenen, |
Rabbiner
Dr. J. Berlinger, hervorhebend, was der Vater seinen Söhnen war und wie
er als Rabbiner versöhnend und segensreich wirkte, da sein Herz von Liebe
erfüllt war zu seinem Gotte und zu allen Menschen, die er wie seine
eigenen Kinder liebte; wie er kämpfe, nicht weil er den Kampf liebte,
sondern weil er einen ganzen Frieden wollte. Auf dem Friedhof sprachen
dann im Namen der württembergischen Amtsbrüder Bezirksrabbiner Dr.
Stötzel - Stuttgart, Herr Lehrer Oberndörfer hier namens der Gemeinde,
Lehrer Hähnlein - Hall namens der Lehrer des Bezirks, der Ortsvorstand
namens der bürgerlichen Kollegien, der evangelische Geistliche namens der
Ortsschulbehörde.
Rabbiner Menko Berlinger erreichte ein Alter von 72 Jahren. Um ihn trauern
seine Gattin, seine Kinder, seine Gemeinden, um ihn darf trauern das ganze
Haus Israel, denn er zählte zu seinen besten Söhnen. Seine Seele sein
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Das Rabbinat wird Dr. Jakob Berlinger übertragen (1900)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1900:
"Aus Württemberg. Das erledigte Bezirksrabbinat Braunsbach wurde dem
Verweser desselben, Herrn Dr. Jakob Berlinger, Sohn des bisherigen
langjährigen Rabbiners daselbst,
übertragen." |
Zum Tod des aus Braunsbach stammenden Rabbiner-Sohns Abraham Berlinger
(1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1931: "Abraham
Berlinger - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -
Breslau, 27. November (1931). Wie bereits kurz gemeldet, hat am
4. Kislews (= 14. November 1931) Abraham Berlinger im Alter von 59 Jahren
seine Augen geschlossen. Bei der Beisetzung musste auf Wunsch des
Verblichenen jede Trauerrede unterbleiben. Er entstammte einer
angesehenen Rabbinen-Familie, von der er selbst schrieb, sein Bruder Dr.
Jakob Berlinger - sein Licht leuchte - in Schwäbisch
Hall sei 'der 22. Raw aus seiner Familie, deren glänzendster
Vertreter der Sch'ch (= Sabbataj ben Meir HaKohen, 1621 Wilna -
1662 in Holleschau) war.' Als Sohn des Bezirksrabbiners M.
Berlinger in Braunsbach (Württemberg) geboren, genoss er von
Kindheit an gründlichen Tora-Unterricht. Nach Absolvierung der Realschule
der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main - er
schwärmte so häufig von dem Einruck, den noch die Persönlichkeit Samson
Raphael Hirschs - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - auf
ihn machte - und des Jüdischen Lehrerseminars in Köln am Rhein studierte
Berlinger an den Universitäten Bonn und Königsberg Germanistik. Seit
Ende 1893 wirkte er als Lehrer an der damals im Entstehen befindlichen
Adaß Jisroel-Religionsschule in Königsberg und wirkte erfolgreich an
ihrem Aufbau mit. Im Jahre 1901 folgte er einem Ruf an die konservative
Religionsschule der Synagogen-Gemeinde Breslau. Sein pädagogisches
Taktgefühl, sein außerordentlich gewissenhafter und formvollendeter
Unterricht, seine selbstlose Bescheidenheit und herzgewinnende
Freundlichkeit errangen ihm die Liebe und Verehrung aller seiner Schüler
und Schülerinnen. Das, worauf es ankam, war echte Jüdischkeit mit viel
positiver Torakenntnis in die Herzen seiner Schüler einzupflanzen.
Abraham Berlinger war ein Mann voll von Tora und Gottesfurcht und
Wahrheit. Von R. Aron Berlinger in Berlichingen
hatte er im Einverständnis mit Rabbiner Dr. Kahn in Mergentheim
die Hattarat Horaa (rabbinische Lehrbefugnis) erhalten. An jedem
Worte, das aus seinem Munde kam, konnte man seine Gewissenhaftigkeit
erkennen. Darauf mag auch zurückzuführen sein, dass er verfügte, sein
umfangreiches wertvolles Schrifttum, das er nicht mehr revidieren konnte,
solle bald nach seinem Ableben vernichtet werden.
Solange er gesund war, wirkte er auch durch Vorträge, insbesondere im
Machsike-Thora-Verein sowie in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, auf
Verbreitung und Vertiefung echt jüdischen Geistes. An der Entwicklung der
V.J.A. nahm er von der Gründung an regen Anteil. Seit der
Kriegszeit war Berlinger leidend. Er konnte zu seinem großen
Leidwesen erst nur beschwerlich, dann überhaupt nicht mehr seinen
Berufspflichten nachkommen. Trotzdem blieb sein Haus für die Orthodoxie
eine Stelle, von der aus er - ohne dass es in der Öffentlichkeit bekannt
ist - Anregungen gab, auf die so manche Verbesserung der
Interessensphären der Orthodoxie Breslaus zurückzuführen ist. Infolge
seines großen Gottvertrauens rang er sich trotz seines lange schwankenden
Gesundheitszustandes immer wieder zu einer lebenbejahenden Auffassung
durch. In guten Tagen fand diese ihren Ausdruck in einer Reihe von
geistvollen poetischen, sarkastischen Betrachtungen, die leider nur zum
Teil erhalten sind. So prägte er neben vielen anderen köstlichen
Bemerkungen das schöne Wort: 'Willst du wissen, was sich ziemt, frag'
beim Schulchan oruch an!' Seine freie Zeit widmete er hauptsächlich der
Erziehung seiner von ihm heiß geliebten Kinder. Möge sein Verdienst
ihnen sowie seiner edlen Gattin, einer würdigen Tochter Marcus Pinczowers
- das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - beistehen, die mit
inniger Liebe und Aufopferung für seine dauernde Pflege sorgte. - Ein
historischer Betrachter der Entwicklung der Orthodoxie Breslaus wird an
der Gestalt Abraham Berlingers - das Gedenken an den Gerechten ist zum
Segen - nicht vorbeigehen können, ohne seinen Einfluss gebührend zu
würden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1923 /
1924 / 1928
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Januar 1923:
"Zum 1. Mai wird ein Religionslehrer, Chasan und Schochet
(/Reichsdeutscher) streng religiöser Richtung gesucht, der befähigt ist,
durch Nebenbeschäftigung einen Teil seiner Lebensbedürfnisse sich zu
erwerben. Gehalt nach Übereinkunft. Große Wohnung und schöner Garten
vorhanden. Offerten mit Zeugnissen versehen, sind zu richten an Israelitisches
Kirchenvorsteheramt, Braunsbach am Kocher in Württemberg." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1924:
"Gemeinde Braunsbach bei Schwäbisch Hall (Württemberg). Wir
suchen einen streng religiösen Lehrer, der neben Chasanut
(Vorbeterdienst), Schechita Religionsunterricht zu erteilen hat,
zum eventuell sofortigen Eintritt. Schöne Wohnung mit Garten ist
vorhanden. Möglichst verheiratete Bewerber wollen sich mit Zeugnissen und
Gehaltsansprüchen an Herrn Salomon Pfeiffer werden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1928: "Wir
suchen auf 1. September eventuell auch früher einen unverheirateten Religionslehrer,
welcher zugleich den Vorbeterdienst und die Schochetstelle zu übernehmen
hat. Derselbe muss orthodoxer Richtung angehören. Jährliches Gehalt RM
2.500.- sowie RM 600.- Nebeneinkommen. Neben ledigen Bewerbern können
sich auch Verheiratete melden. Anmeldungen mit Zeugnissen erbittet
das
Israelitische Vorsteheramt Braunsbach, Württemberg." |
Zum Tod des aus Braunsbach stammenden Lehrers Salomon Löw Falk (1890)
Anmerkung: Salomon Löw Falk ist am 29. April 1839 in Braunsbach
geboren. Er studierte von 1856-1858 am Lehrerseminar
in Esslingen. Nach Angaben bei Hahn (Jüdisches Leben in Esslingen S. 462)
war er bis 1864 Lehrer in Olnhausen, dann
in Hohebach. Nach dem folgenden Artikel war
er auch Lehrer in Braunsbach und Aufhausen.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1890: "München,
10. Dezember (1890). Ein Mann, der sich im Lehrfach durch frühere
langjährige Tätigkeit hervorragend verdient machte, Herr Salomon Falk,
ist hier am 2. dieses Monats im Alter von 62 Jahren gestorben. Als Sohn
sehr religiöser, streng gesetzestreuer Eltern in Braunsbach,
Württemberg, geboren, wurde er zum Lehrer ausgebildet; im talmudischen Studium
wurde er vom seligen Rabbiner Feuchtwanger in Wallerstein
unterwiesen. Von diesem erhielt er für seinen Fleiß und seine scharfe
Auffassungsgabe die Chowerwürde. Nachdem er als Lehrer eine Anstellung
erhalten, wurde er der Schwiegersohn des seligen Rabbiner Abraham
Wechsler, Schwabach. In den
württembergischen Gemeinden Braunsbach, Hohebach
und Aufhausen wirkte er zusammen 20
Jahre als Lehrer und wurde für seine außerordentlich guten Leistungen
von der Königlichen Regierung prämiiert. Die Zeiten brachten es mit
sich, dass die Landgemeinden an Mitgliederzahl teils durch Tod, teils
durch Wegzug, fort und fort kleiner wurden und dass hierdurch ein Lehrer,
hauptsächlich mit zahlreicher Familie, keine ausreichende Existenz mehr
fand. So musste der Verstorbene dem ihm so lieb gewordenen berufe
entsagen; er zog nach München, um sich dem Versicherungsfache zu widmen.
Auch hier zeigte sich sein seltener Fleiß und seine rastlose Energie,
sodass er für die von ihm vertretene Gesellschaft überraschend gute
Resultate erzielt, wie sich denn die Leitung des Unternehmens auch
veranlasst sah, bei der Beerdigung Worte der Dankbarkeit durch den Mund
eines ihrer Beamten aussprechen zu lassen. Der Verstorbene hat sich zu
allen Zeiten und in allen Lagen seines Lebens als charakterfester,
überzeugungstreuer Jehudi bewährt." |
Neujahrsgrüße von Lehrer Jakob Strauß (1897)
Lehrer Jakob Bär Straus (auch Strauß) ist 1853 in Niederstetten
geboren. Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Esslingen
(1870-1873) war er von 1873 bis 1900 in Braunsbach als Lehrer tätig. Danach
wechselte er nach Crailsheim, wo er bis
1920 an der dortigen Schule unterrichtete. Er starb 1923 in Crailsheim.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1897:
"Allen Kollegen, Bekannten und Freunden wünscht herzlichst 'Einschreibung
und gute Versiegelung'. Lehrer J. Strauß und Frau,
Braunsbach." |
Lehrer Jakob Strauß verlässt nach 27 Jahren Braunsbach
(1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900:
"Braunsbach, 3. Mai (1900). Nach 27jähriger Tätigkeit an der
hiesigen israelitischen Konfessionsschule verlässt uns der hoch verehrte
Lehrer Straus, um seine neue Stelle in Crailsheim
anzutreten. Wie sehr er geachtet war, geht aus der Abschiedsfeier, die die
Gesamtgemeinde veranstaltete, hervor.
Die Reihe der Redner eröffnete Herr Rabbinats-Verweser Dr. Berlinger, der
der vielen Verdienste des Scheidenden gedachte, die er sich während der
27 Jahre hier erworben hat, um Schule und Synagoge und im sonstigen
Verkehr; er betonte das schöne Verhältnis zwischen der Lehrerfamilie und
den Familien seiner Gemeinde und gab, nachdem er den herzlichen Dank der
israelitischen Gemeinde ausgedrückt hatte, der scheidenden Familie die
besten Glückwünsche mit auf den Weg. Herr Schultheiß Fuchs feiert den Scheidenden
als trefflichen Bürger mit den besten Charaktereigenschaften, der es
verstand, die Liebe und Achtung der Gemeinde in hohem Maße zu erwerben,
sodass er von seinen Mitbürgern ins Kollegium gewählt wurde, wo er an
allen, das öffentliche Interesse berührenden Fragen regen Anteil
nahm.
Der Ortsschulinspektor, Herr Pfarrer Hahn, rühmte die Berufstreue des
scheidenden Lehrers, erwähnte lobend seine Tätigkeit als Zeichenlehrer
der sämtlichen drei Konfessionen und betonte, dass derselbe zur Wahrung
des konfessionellen Friedens sein gut Teil beigetragen habe, worauf Herr
Pfarrer Allgayer namens der katholischen Gemeinde für das stete
Wohlwollen und das freundliche Entgegenkommen dankte, das er ihm und
seiner Gemeinde stets entgegenbracht.
Der Vorstand des Liederkranzes, Herr Gemeinderat Heinold, dankt dem treuen
Sänger und früheren Direktor, namens des Darlehenskassenvereins spricht
derselbe Herrn Straus warme Worte der Anerkennung für seine ersprießliche
Tätigkeit in der Vorstandschaft des Vereins aus. Herr Lehrer Trips dankte
namens der Kollegen dem scheidenden Freund für alle Anhänglichkeit und
für das schöne Einvernehmen, das stets mit ihm und seiner Familie
gepflegt werden konnte. Zuletzt richtete der stellvertretende Vorstand des
Militärvereins an den scheidenden Vorstand herzliche Worte des Danke und
des Abschieds und überreichte ihm neben einem schönen Andenken ein
hübsch ausgeführtes Diplom, das Herrn Straus zum Ehrenmitglied der
Vereins ernennt. Für alle diese Zeichen dankbarer Erinnerung dankte Herr Straus
in rührenden Worten." |
Anzeige von Lehrer Max Binheim (1900)
Anmerkung: Über Max Binheim liegen bislang nur wenige
Angaben vor. Er war nur kurze Zeit Lehrer in Braunsbach. 1901 wird er -
allerdings auch nur einige Monate - als Lehrer in Archshofen genannt.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1900: "Stelle-Gesuch.
Für einen jungen Mann, der am 1. November dieses Jahres seine Lehre
beendet hat und im Besitz guter Zeugnisse ist, wird Stellung in einem
Kurzwaren- oder Zigarrengeschäft, Schabbat und Feiertag geschlossen,
gesucht. Gefällige Offerten an Lehrer Max Binheim, Braunsbach
(Württemberg)." |
Geburtsanzeige eines Sohnes von Lehrer Oberndörfer (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1901:
"Durch die Geburt eines kräftigen Jungen wurden
hocherfreut
Lehrer Oberndörfer & Frau. Braunsbach." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Eine neue Torarolle soll geschrieben werden (1865)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1865:
"Braunsbach bei Hall (Württemberg). Ein hiesiger Verein hat sich
entschlossen, eine Gesetzrolle schreiben zu lassen, und wollen daher
Reflektanten gefälligst ihre Offerten nebst Probeschriften binnen 14
Tagen an unterzeichnete Stele einsenden. Moses Mittelberger." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Vermächtnis von M. K. Rosenstein an seine Heimatgemeinde (1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1867: "Aus Württemberg.
In württembergischen Blättern lesen wir, dass unser kürzlich
verstorbener Mitbürger, Herr M. L. Rosenstein (Israelit) seinem
Geburtsorte Braunsbach ein Legat von 20.000 Gulden ausgesetzt hat, indem
er 10.000 Gulden der dortigen israelitischen Gemeinde und 10.000 Gulden
der evangelischen und katholischen Gemeinde behufs der Armenunterstützung
überwiesen hat." |
Zum Tod von Rabbi Levi Löb Schiller (1879)
Anmerkung: bei Rabbi Levi Löb Schiller handelt es sich nicht
um einen Inhaber des Rabbinates in Braunsbach.
Nachruf
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1879: "Braunsbach,
22. Juni (1879). Am 14. Siwan (5. Juni 1879) wurde Rabbi Levi Löb
Schiller unserer Gemeinde durch den Tod entrissen. Er war ein
unbescholtener, frommer und geradsinniger Mann; ein großer Gelehrter in
allen Fächern. Morgens und Abends war er der Erste in der Synagoge, ein
Wohltäter der Armen und Bedrängten. Um ihn trauert eine treue Gattin und
ein geliebter Sohn; um ihn trauern viele, denen er Gutes erwiesen. Sein
Andenken bleibt zum Segen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod von Hindel Gutmann (1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1893: "Nachruf!
Braunsbach, im Tammus 5643 (Juni/Juli 1893).
Eine würdige Matrone ist's, die wir zu Grabe getragen; eine jüdische
Frau, deren Leben als Muster den Frauen vorgeführt zu werden
verdient.
Hindel Gutmann, seit 27 Jahren im Witwenstande lebend, erzog ihre
Kinder unter mannigfachen Entbehrungen an den Annehmlichkeiten des Lebens
zu brauchbaren Menschen und war stets von der Pflicht erfüllt, jüdischen
Geist und jüdisches Leben ihnen einzupflanzen. Stets bestrebt, das Los
der Armen zu mildern, erschien sie auch als eine der ersten am Lager der
Kranken und erwarb sich bleibendes Verdienst durch diese Wohltätigkeit.
Da traf sie der harte Schlag, das Augenlicht zu verlieren. Im Unglück
zeigt sich der wahre Mensch! Gerade hier bewährte sich ihr unbegrenztes
Gottvertrauen! Mit musterhafter Geduld ertrug sie ihr herbes Geschick,
ergeben in den Willen desjenigen, der sehend macht die Blinden, fortfahren
für die leidende Menschheit mit Rat und Tat zu sorgen.
Der Himmel aber begnadigte sie auch wieder mit Freuden des Herzens. Die
Mühen und Sorgen, die ihr die Erziehung ihrer Kinder verursacht, trugen
herrliche und reiche Früchte. Die Mutterliebe haben ihre Kinder, die sich
in Amerika geachtete Stellungen erworben, ihr in treuer Kindesliebe
heimgezahlt. Mit jedem kommenden Jahr kam abwechselnd einer dieser Söhne
herüber, um die greise Mutter zu erfreuen. Mit wahrhaft rührendem
Wetteifer waren die Söhne bestrebt, der Mutter die Tage des Alters und
des Leidens zu versüßen, jedem ihrer Wünsche zuvorzukommen.
Sie erreichte das hohe Alter von 80 Jahren. Ruhig und
ergeben sah sie ihrem Ende entgegen. Innere Befriedigung, das Bewusstsein
wohl erfüllter Pflicht ließ sie sanft hinüberschlummern. Es war das
Ende einer wahrhaft jüdischen Frau. Ihre Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens." |
Zum Tod des aus
Braunsbach stammenden Lehrers und Toraschreibers Moses Falk (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1902:
"Oberdorf, im Ries. Der Anfang
des ernsten Elul hat uns einen Verlust gebracht, dessen Größe nicht nur
für die Kinder und sonstigen Verwandten, nicht bloß für die Gemeinde,
sondern auch für die gesetzestreuen Jehudim umso schmerzlicher ist, als
die Zahl der letzteren in unserem engeren Vaterlande leider eine sehr
kleine ist. Unser Herr, Herr Mosche, Sohn unseres Herrn, Herrn
Jehoschua Moses Falk starb unerwartet schnell in der Frühe des 2.
Elul (= 4. September 1902) an einem Herzleiden, im 61. Lebensjahre. Sowohl
von väterlicher, als mütterlicher Seite entstammte er einer Familie,
deren Haus als Ohel Thauroh (Zelt der Tora) weithin bekannt war. Geboren
zu Braunsbach Oberamt Künzelsau, wuchs er auf gemäß den
Segnungen der Tora und widmete sich dem Stande eines Sofer
(Toraschreibers), zu welchem Zwecke er bei dem bekannten Goldschmidt zu Heidingsfeld
in die Lehre trat. Mit bestem Erfolge verbrachte er seine Lehrzeit; denn
abgesehen von seinen Leistungen als Sofer, war er während derselben
bemüht, seine Kenntnisse in unserer heiligen Tora unablässig zu
erweitern. Später bekleidete er in einigen Gemeinden des
württembergischen Franken die Stelle eines Religionslehrers und Schochet;
daneben betrieb er das Geschäft eines Sofer. Da aber das letztere in
einer merkwürdigen Anspruchslosigkeit befleißigt, keine Familie zu
ernähren vermag, widmete sich der bescheidene (?) Gerechte dem
kaufmännischen Gewerbe. Aber auch dann hörte er nicht auf, Zeiten
für das Torastudium festzusetzen und das Wort: nicht erlosch in der
Nacht sein Licht kann buchstäblich auf ihn angewendet werden. Von
seinem Verdienst in der Erfüllung der Weisungen kann sich nur
derjenige einen Begriff machen, der ihn näher zu kennen Gelegenheit
hatte. Seine Kinder erzog er gleichfalls zu guten Jehudim. Seine Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens. H." |
Lehrer Abraham Adler aus Braunsbach wurde zum Leutnant befördert (1918)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 1. November
1918: "Ulm. Lehrer Abraham Adler, Sohne der Witwe Nanette
Adler in Braunsbach, wurde zum Leutnant befördert." |
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Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1918: "Braunsbach,
7. Oktober (1918). Vizefeldwebel Abraham Adler, Lehrer und Kantor in Ulm,
Sohn der Kaufmannswitwe Nannette Adler dahier, Inhaber des Eisernen
Kreuzes, wurde zum Leutnant befördert." |
Zum Tod von Benzion Schlachter (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1928: "Braunsbach
(Württemberg), 3. Januar. Am letzten Freitag verstarb einer unserer
besten Mitbürger und Gemeindemitglieder, Benzion Schlachter - er ruhe in
Frieden -. Was der Entschlafene seiner Familie war, vermag ein
Fernstehender kaum zu sagen. Schon in früher Jugend war er gezwungen,
für das Wohl und den Bestand seiner Familie zu sorgen. Der Heimgegangene
war sowohl von seinen Kollegen, als auch von allen Leuten, die mit ihm
etwas zu tun hatten, sei es geschäftlich oder in privaten
Angelegenheiten, hoch geachtet und geschätzt. Wollte sich jemand einen
Rat holen, so ging man zu ihm; denn er stand jedermann, Juden oder Nichtjuden,
mit Rat und Tat bei. Schon viele Jahre betrieb er sein Geschäft mit
seinem jüngeren Bruder. Ihr Zusammenleben war eine Verkörperung des
Psalmwortes: '
Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander
wohnen'.
Der Entschlafene war lange Jahre im hiesigen Israelitischen Vorsteheramte
und hat zum Wohle und Gedeihen der hiesigen kleinen Gemeinde vieles
beigetragen. Er war ein gerader, aufrichtiger Charakter, der seine Meinung
jedermann sagte, wie er es dachte. Sein Lebensideal war Wahrheit
und wo es galt, diesen Standpunkt zu vertreten, schreckt er vor nichts
zurück. Wie gerne übte er die Mizwoh Gemilus Chasodim (Gebot der
Wohltätigkeit) aus, wie er es ja in seinem Elternhaus nicht anders vor
sich sag. Wie genau nahm er es mit den Speisegesetzen. Tag für Tag nahm
er seinen Kochapparat mit, um 'draußen' sein warmes Essen selbst zu
bereiten. Als er durch eine tückische Krankheit an sein Haus gebunden
war, konnte man, so oft man ihn besuchte, ihn mit der Tefiloh in der Hand
liegen sehen. Er fand nun die ewige Ruhe. Sein Andenken wird uns zum Segen
gereichen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Hermine Schlachter geb. Schulmann und Lazarus Schlachter (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1929:
"Braunsbach in Württemberg, 25. November (1929): "Unsere
Gemeinde wurde durch das Ableben der Frau Hermine Schlachter in
Trauer versetzt. Die Entschlafene, die ein Alter von 82 Jahren erreicht
hatte, entstammt der frommen jüdischen Familie Schulmann aus Mönchsroth
in Bayern. In glücklicher, 57jähriger Ehe war sie mit ihrem Gatten
vereinigt. Vier Söhne und vier Töchter stehen trauernd an der Bahre der
Mutter. Herr Rabbiner Dr. Berlinger aus Hall brachte am Grabe der
Entschlafenen die Verehrung der Mitbürger zum Ausdruck. Er hob mit
ehrenden Worten das von der Heimgegangenen geführte echt jüdische Haus
hervor.
Nach kaum acht Tagen ist auch Lazarus Schlachter seiner Gattin im
Alter von 84 Jahren gefolgt. Am Freitag vor Schabbat Chaje Sara
(Freitag von dem Schabbat mit der Toralesung Chaje Sara = 1.
Mose 23,1 - 25,18, das war am Freitag, 29. November 1929) kam er zur
letzten Ruhe. Herr Rabbiner Dr. Berlinger - Hall schildert uns den
heimgegangenen Bruder als einen schlichten, fleißigen, religiösen Jehudi,
der Tag und Nacht nichts als Arbeit kannte, und trotzdem Zeit fand, seinen
Schabbat aufs genaueste zu halten. Trotz eines erlittenen
Schlafanfalles hatte er am Jomkippur den ganzen Tag gefastet. Er hielt
treu zur Wahrheit bis zuletzt. Seine/ihre Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens." |
80. Geburtstag von Nanette Adler (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1931: "Braunsbach
(Württemberg), 25. August (1931). Am 7. September begeht Frau Nanette
Adler, Witwe des im Jahre 1916 in Braunsbach verstorbenen Kaufmanns Koppel
Adler, ihren 80. Geburtstag. Sie ist seit vielen Jahrzehnten eine
Wohltäterin der Armen, Bedrängten und Verlassenen ohne Unterschied der
Konfession. Dem Frauenverein, sowie sämtlichen religiösen Einrichtungen
hat sie ihre allseits geschätzte Kraft gerne und oft unter großen
Entsagungen gewidmet. Nicht zuletzt ist es ihr und ihres Hauses Verdienst,
das religiöse Gemeindeleben in jeder Beziehung gefördert zu haben, was
insbesondere durch ihre unermüdliche Führung in der Wohlfahrtspflege zum
Ausdruck kam. Mögen ihr noch viele segensreiche Jahre im Kreise ihrer
Familie in Freude und Gesundheit beschieden sein!" |
60. Geburtstag des Gemeindevorstehers Salomon Pfeiffer (1932)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1932: "Braunsbach
(Württemberg), 30. Mai (1932). Der Vorstand unserer Gemeinde, Herr Salomon
Pfeiffer, begeht am 8. Juni seinen 60. Geburtstag. Das dürfte
Veranlassung sein, die vielseitigen Verdienste dieses tatenfreudigen
Mannes kurz zu würdigen. Nach dem Hillel'schen Grundsatze: 'An dem Orte,
wo es an Männern fehlt, sei bestrebt ein Mann zu sein', hat er seine
ganze Arbeit für das Wohl der Gemeinde und für die Erhaltung sämtlicher
religiösen Einrichtungen eingesetzt. Der lautere Geist echter Jiroh
(Gotesfurcht) und Awodoh (Gottesdienst) ist in ihm verkörpert.
Trotz ausgedehnter beruflicher Betätigung ist ihm die Erledigung von
Gemeindeangelegenheiten jedweder Art stets eine erste Sache. Soziale Fürsorge,
Wohlfahrtshilfe und ganz besonders die Zedokoh haben in ihm einen
ausgezeichneten Förderer. Auch in der politischen Gemeinde weiß man die
ersprießliche Mitarbeit des Jubilars zu schätzen. Mögen ihm noch viele
Jahre segensreichen Wirkens beschieden sein!" |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrlingssuche der Bäckerei Schwibl (1895)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1895: "Für
meine Bäckerei und Mehlhandlung suche einen kräftigen Lehrling aus
religiöser und achtbarer Familie. Eintritt nach Ostern. Bäcker Schwibl,
Braunsbach bei Schwäbisch Hall." |
Bäckerei-Verkauf (1897)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1897: "Braunsbach.
Königreich Württemberg, Amtsgericht Künzelsau. Bäckerei-Verkauf.
Aus der Konkursmasse des Bäckers Jonas Schmidt in Braunsbach bringe ich
am Montag, den 26. Juli 1897 vormittags 11 Uhr auf dem Rathause in
Braunsbach das vorhandene zweistöckige Wohnhaus nebst einer Scheuer,
Remise und Hofraum, sowie ein beim Hause befindliches Gärtchen, im
gemeinderätlichen Anschlage von 5.880 Mark zum zweitenmal im
öffentlichen Aufstreich unter vorteilhaften Zahlungsbedingungen zum
Verkaufe. Auf diesem mitten im Orte gelegenen Anwesen, wurde schon seit
mehr als 30 Jahren eine flott gehende Bäckerei, verbunden mit einem
ausgedehnten Mehlverkauf betrieben. Der hiesige Ort zählt ca. 1.000
Einwohner, worunter ca. 160 Israeliten; es wäre daher hier einem Bäcker
von israelitischer Religion eine günstige Kaufgelegenheit geboten,
auch könnte derselbe die vorhandenen Bäckereiutensilien, worunter 2
Maschinen zur Fabrikation von Mazzen, miterwerben. Durchschnittlich
werden jährlich für ca. 2.500 Mark Mazzen verkauft.
Hierzu lade ich Liebhaber, Unbekannte mit Vermögenszeugnissen neuesten
Datums versehen mit dem Anfügen ein, dass das Geschäft bis zum Verkauf
fortbetrieben wird, dass aber bei annehmbaren Angebot der Zuschlag alsbald
erfolgen wird.
Künzelsau, 16. Juni 1897. Konkursverwalter: Amtsgerichtsschreiber Wagner." |
Verlobungsanzeige von Frida Wissmann und Heinrich Pfeiffer (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1925:
"Mit Gottes Hilfe. Frida Wissmann - Heinrich Pfeiffer.
Verlobte.
Nürnberg Hirtengasse 3 - Nürnberg / Braunsbach (Württemberg).
Tischri 5685." |
Hochzeitsanzeige von Siegfried Fulda und Gertrud geb. Pfeiffer (1928)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1928:
"Gott sei Dank! Siegfried Fulda - Gertrud Fulda geb.
Pfeiffer. Vermählte. Braunsbach in Württemberg - Fulda.
Trauung am 23. Januar 1928, 1. Schewat 5688, 1 1/2 Uhr, Würzburg,
Hotel Schwan. Freundlich zugedachte Telegramme wolle man zu Gunsten des Keren
Hataruo ablösen." |
Viehhändler gesucht (1929)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1929:
"Für Viehhändler. In hiesiger guter Gemeinde waren früher 15
Viehhändler. Durch Todesfälle und Wegzug sind nur noch 4 Viehhändler am
Platze. Ein religiöser Viehhändler, ledig oder verheiratet, bekommt hier
eine sehr gute Existenz. Meine Unterstützung würde ihm zuteil. Wohnung
und Stallung ist vorhanden. Auskunft erteilt: Pfeiffer, Braunsbach
(Württemberg)." |
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Das Wohngebiet
konzentrierte sich ursprünglich auf die ehemalige "Judengasse" unterhalb des
Schlosses (heute Obere und Untere Pfalzgasse). Hier befinden sich bis heute
einige der "typischen" ehemaligen jüdischen Häuser, die an ihrer zwei-,
gelegentlich dreistöckigen Bauweise mit größeren Stallungen und Lagerräumen
erkennbar sind. Im 19. Jahrhundert wurden jüdische Häuser auch um den
Marktplatz, um das Rabbinat und an der Strasse nach Künzelsau erbaut.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts trafen sich die Juden Braunsbachs zum Gottesdienst im
"Haus des alten Marx". Mit den über 13 Jahre alten Söhnen konnte man schon damals die notwendige Zehnzahl von Betern zusammenbringen. Für die Erlaubnis, Gottesdienste zu feiern, mussten an die Ortsherrschaft jährlich 30 Gulden gezahlt werden. 1695 wurde diese Abgabe auf 15 Gulden ermäßigt. Um diese Zeit konnte sich die allmählich wachsende Gemeinde auch einen Judenschulmeister leisten. Ein erster hieß Isaak. Er erwarb 1698 ein Haus am Ort und wurde in den folgenden Jahren auch
"Rabbiner" genannt. 1705 mussten für das "Synagogengeld" nur noch zwölf Gulden gezahlt werden. In den folgenden Jahren gab es eine weitere Ermäßigung auf jährlich sechs Gulden.
Anfang des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der jüdischen Einwohner, 1717 wurden 109 Personen gezählt. Der bisherige Betsaal reichte nicht mehr aus. 1729 bot sich die Gelegenheit, zunächst ein Grundstück für den
Bau einer Synagoge zu erwerben. Der Judenvorsteher Abraham kaufte für 90 Gulden ein Gartengrundstück. Unmittelbar nach dem Abschluss des Kaufvertrags zahlte die Judenschaft ihrem Vorsteher den Kaufpreis, da inzwischen die
"gnädige Erlaubnis" für den Bau einer Synagoge vorlag. Von der Ortsherrschaft wurde für die weitere Genehmigung der Synagoge eine Gebühr von jährlich 15 Gulden festgelegt. Die Juden erklärten sich damit einverstanden. Mit dem Bau der Synagoge wurde noch nicht sofort begonnen. 1731 wurde ein weiteres Grundstück gekauft, um den Zugang zu der für den Synagogenbau erworbenen Parzelle zu sichern. Am 31. März 1732 wurde ein Vertrag mit dem hohenlohe-langenburgischen Untertan Johann Friedrich Weinbrenner, Zimmermann aus Untermünkheim geschlossen. Der von ihm als verantwortlichem Handwerker zu erstellende Bau einer Synagoge sollte nicht mehr als 1.070 Gulden kosten. Eingeschlossen waren alle Zimmer-, Maurer-, Schmiede-, Schreiner-, Glaser-, Schlosser- und Taglöhnerarbeiten. Weinbrenner musste sich zu einer zweijährigen Garantie für sämtliche geleisteten Arbeiten verpflichten.
Noch im Jahr 1732 konnte die Synagoge eingeweiht werden. Charakteristisch für den Bau waren ein hohes Tonnengewölbe und Korbbogenfenster. Über zweihundert Jahre diente dieses Gotteshaus der jüdischen Gemeinde in Braunsbach als Mittelpunkt des religiösen Lebens. Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Synagoge mehrfach renoviert, zuletzt
1928, als die Gemeinde nur noch aus 65 Personen bestand. Die Gemeindezeitung berichtete (GZ 5,11 vom 1.9.1928 S. 136) damals, dass
"die Gemeinde unter größter Opferbereitschaft sämtliche religiösen Einrichtungen aufrecht erhält" und hob dabei das Engagement des Vorsitzenden des Vorsteheramtes Salomo Pfeifer hervor.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Polizeiposten in Braunsbach gegen 4.30 Uhr am Morgen des 10. November vom Kreisleiter der NSDAP darüber informiert, dass in einer halben Stunde die Synagoge brennen würde. Der Ortspolizist wies auf die Gefährdung des eng bebauten Viertels hin, doch konnte er die aus Hall anrückenden NSDAP-Mitglieder nicht aufhalten. Ihm war ausdrücklich befohlen worden, sich nicht einzumischen. Die aus Hall gegen 4 Uhr in Braunsbach angekommenen sechs bis sieben SA-Leute hatten sich bei einem schon in der Backstube arbeitenden örtlichen Bäcker nach dem Standort der Synagoge erkundigt. Sie verschafften sich dort gewaltsam Zutritt und zerschlugen mit Beilen die gesamte Inneneinrichtung der Synagoge. Torarollen wurden zerrissen, Ritualien und anderes Inventar auf die Straße und in den Orlacher Bach geworfen. Am nächsten Morgen berichtete der Gendarmerieposten Braunsbach dem Landrat und der Gestapo in Heilbronn, dass die Inneneinrichtung der Synagoge durch unbekannte Täter beschädigt worden sei. Zu „kirchlichen Zwecken“ könne die Synagoge nicht mehr benutzt werden.
1945 wurde die ehemalige Synagoge von alliiertem Militär
beschlagnahmt und der Jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übergeben. Von ihr
wurde das Gebäude 1952 an die politische Gemeinde verkauft, die es 1952 zu
einer Turn- und Festhalle umbauen ließ. Dazu wurde ein Bühnenraum vorgebaut.
1984 wurde das Synagogengebäude in den Neubau der "Burgenland-Halle"
miteinbezogen, der Bühnenraum der 1950er Jahre wurde wieder abgebrochen. Der
ehemalige Synagogenraum ist seitdem Bühnenraum der Festhalle. Eine – von
einem in der Schweiz lebenden jüdischen Mann – gestiftete Gedenktafel wurde
1978 angebracht. Sie befindet sich seit 1984 am Eingang zum Rosensteinsaal.
Fotos
Historische Fotos:
(Quellen: Außenaufnahmen Gemeinde Braunsbach bzw. SM
Jerusalem, Innenansicht aus: Jüdische
Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg 1932 S. 60, rechts: SM Jerusalem)
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| Außenansichten der
Synagoge Braunsbach |
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| Innenansicht: Blick zum
Toraschrein |
Innenansicht: Blick zur
Frauenempore |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1965:
(Quelle: linkes Foto bei Sauer s. Lit.
Abb. 22; Taddey s. Lit. Abb.
31; rechtes
Foto Hauptstaatsarchiv Stuttgart) |
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Die zu einer Turn-
und Festhalle der Gemeinde Braunsbach umgebaute
ehemalige Synagoge |
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Fotos Ende 1983:
Umbau der Synagoge zu einem Teilbereich
der neuen
"Burgenland-Halle"
(Fotos: Hahn) |
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Die "Burgenland-Halle" auf dem Grundstück
vor der ehemaligen Synagoge |
Die ehemalige Synagoge wird Teil
("Bühnenbereich") der
Burgenland-Halle |
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Außenaufnahme der ehemaligen Synagoge |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn;
Aufnahmedatum 5.9.2003) |
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Die Burgenlandhalle |
Völlig versteckt hinter dem
Gebäude der
Burgenlandhalle: die ehemalige Synagoge |
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Gedenktafel am Eingang der
"Burgenland-Halle" |
Ansicht der
nördlichen
Seitenwand |
Fenster nach Süden |
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Fotos
2010
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 4.7.2010) |
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Die
Burgenlandhalle mit der Gedenktafel |
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| Die
ehemalige Synagoge |
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Das Rabbinatsgebäude -
seit April 2008
u.a. Museum zur jüdischen Geschichte
in Braunsbach (siehe
unten) |
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Zum
Rabbinatsgebäude führt die Straße "Im Rabbinat" (Fotos von
2003) |
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Weitere
Erinnerungen
im Ort |
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Im Ort
stehen noch zahlreiche ehemalige jüdische Wohnhäuser, einzelne mit
hebräischen Inschriften wie das Gebäude oben (Kirchsteige 3) mit den
hebräischen
Namen und der Jahreszahl: "Lippmann, Jetel, (5)533"
(= 1772/73) |
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| Das
Gefallenendenkmal unterhalb des Schlosses mit dem Namen des jüdischen
Gefallenen Isaak Sahm |
Das Museum im Rabbinatsgebäude
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Am 13. April 2008 wurde
ein neues Museum im
renovierten Rabbinatsgebäude in Braunsbach eröffnet:
Informationen siehe
auf der Seite des
Fördervereins Rabbinatsgebäude Braunsbach
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Das Rabbinatsgebäude vor der
Renovierung im September 2003 |
Das Rabbinatsgebäude in
renoviertem Zustand Anfang 2008 |
Straßenschild
"Im Rabbinat" mit Hinweis
zum Rabbinatsmuseum |
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Bericht
zur Einweihung des Rabbinatsmuseums im "Haller Tagblatt" vom 14.
April 2008 von Ernst-Walter Hug: "Zur Eröffnung ein Shalom aus
Haifa - Rabbinatsmuseum Braunsbach offiziell übergeben - Landesrabbiner
Wurmser zu Gast. 'Dieses Rabbinatsmuseum ist etwa
Außergewöhnliches für Braunsbach, für den Landkreis, für das Land -
und für unser Volk', sagte Bürgermeister Frank Harsch. Nach zwei Jahren
Bauzeit wurde es übergeben.
Braunsbach. Dass ein kleines Dorf wie Braunsbach so etwas leisten
kann, wurde allenthalben bewundert. So auch überall dort, wo die
ehrenamtlichen Initiatoren hinkamen und nach Ausstellungswürdigem suchten
- ob bei den Archiven von Hohenlohe bis Stuttgart oder Jerusalem und
Haifa, wo sie auch ein Interview mit einem der letzten Rabbiner von
Braunsbach aufzeichneten: Simon Berlinger, der heute als 95-Jähriger in
einem Altersheim bei Haifa lebt. Von dort wünschte er in einem live in
die Eröffnungsfeier eingespielten Telefongespräch Shalom nach Braunsbach
und nannte das Rabbinatsmuseum eine bedeutende Angelegenheit.
Er wollen 'seine schmerzlichen Empfindungen nicht verhehlen', so
Württembergs Landesrabbiner Netanel Wurmser, 'an einer Stelle zu Ihnen zu
sprechen, die früher Teil der Synagoge war'. Ihre tonnenförmig gewölbte
Innendecke konnte man durch die Vorhänge der Bühne in Braunsbachs direkt
davor errichteter Burgenlandhalle erahnen. Dorthin war die
Eröffnungsfeier wegen plötzlichen Regens verlegt worden. 'Die Heiligkeit
des Ortes bleibe nach jüdischem Glauben erhalten', so habe der Regen doch
sein Gutes, der ihn hier hergebracht habe - nur wenige Schritte vom
Rabbinat entfernt. Es gebe sicher nur wenige Orte, die über so ein
Ensemble von Synagoge, Rabbinat und jüdischem Friedhof verfügten.
Braunsbach war von 1832 bis 1913 Sitz eines der 13 Bezirksrabbinate im
Königreich Württemberg gewesen. 350 Jahre lang hatte die jüdische
Gemeinde in Braunsbach in meist friedlicher Koexistenz mit den beiden
christlichen Konfessionen bestanden.
Doch man wollte keine jüdische Gedenkstätte, wie es sie heute vielfach
an Orten gebe, in denen es jüdische Gemeinden gab, sondern ausgehend von
dem Slogan 'Braunsbach ist anders' ein Rabbinatsmuseum, sagte Elisabeth
Quirbach. Sie ist Initiatorin des Projekts und Ehefrau des
Fördervereinsvorsitzenden Hans K. Schulz. Dieser Förderverein, lobte die
CDU-Europaabgeordnete Dr. Inge Grässle, habe durch ehrenamtliches
Engagement nicht nur ein denkmalgeschütztes Haus vor dem Verfall bewahrt,
sondern Bedeutsames geschaffen: jüdische Geschichte werde als
Heimatgeschichte offiziell.
Rund 430.000 Euro hat die Gemeinde auch mit Hilfe von Zuschüssen, Sponsoren
und Spenden in die Restaurierung des Gebäudes gesteckt, das neben dem
Rabbinatsmuseum schon seit Herbst 2007 eine Kinderbetreuung und künftig
einen Jugendkeller beherbergt.
INFO. Das Rabbinatsmuseum ist fortan zwischen April und Oktober an
jedem 2. und 4. Sonntag im Monat geöffnet außerdem an den Sonntagen des
Pfingst- und des Martinimarktes. Ganzjährig werden nach Anmeldung und
personellen Möglichkeiten Führungen und Lehraufenthalte auch für
Schulklassen angeboten. Jetzt ist das Museum, das Dokumente in Schrift,
Bild und Ton sowie zahlreiche Gegenstände jüdischen Lebens zeigte, auch
am Sonntag, 20. April und am 1. Mai
zugänglich".
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Eindrücke aus
dem Rabbinatsmuseum
(Fotos mit *) erhalten aus Braunsbach; Quelle: hanseli, weitere
Fotos von Hahn, 4.7.2010 |
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Das ehemalige
Rabbinatsgebäude* |
Präsentation
zum
"jüdischen Festjahr"* |
Gegenstände / Ritualien zur
Thematik
"Das jüdische Haus"' |
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Jüdischer Mann mit Tallit und
Tefillin,
rechts Darstellung zum "Landjudentum"* |
Rabbiner / Vorbeter, im
Hintergrund Torarolle* |
Dokumente und Abbildungen zu
den Themen "Christlich-jüdische Nachbarschaft" und
"Abwanderung und Auswanderung"* |
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Karte zum
Rabbinatsbezirk Braunsbach
mit Eintragung dazugehöriger Gemeinden |
Weitere
Vitrine: oben zu den Rabbinern
der Gemeinde, unten zu "Jüdisches Leben" |
Torarolle
und
weitere Ritualien |
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Rechts eine
Estherrolle
(Megillat Esther) |
Installation
/ Dokumente zum
Thema "Israelitische Schule" |
Charakteristische
Sabbatlampe |
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Installation zur Zeit des
Ersten Weltkrieges
und der Ausgrenzung in der NS-Zeit* |
Fotodokument:
evang. Pfarrer Albert Hahn,
Bezirksrabbiner Menko Berlinger, kath.
Pfarrer
Ludwig Heiliger, Braunsbacher Arzt
Dr. Sänger: die vier Herren spielten
jeden
Donnerstag Nachmittag nach Kaffee und
Kuchen im evang. Pfarrhaus
Tarock. |
Fotodokument: Simon Berliner am
Eingang seiner ehemaligen Schule (2000) |
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Am 4. Juli
2010 wurden die "Denksteine" mit den Namen ehemaliger
Braunsbacher Juden der Öffentlichkeit übergeben
Vorbericht im "Haller Tagblatt" vom 30. Juni 2010:
"Stelen werden eingeweiht - Förderverein in Braunsbach macht Schicksale der Juden im Dritten Reich sichtbar.
In Braunsbach werden am Sonntag, 4. Juli, 15 Uhr, Denksteine auf dem Platz vor dem Rabbinatsmuseum eingeweiht. Zeitweise bekannte sich bis zu einem Drittel der Ortsbevölkerung zum jüdischen Glauben.
Braunsbach Das Denkmal, das an die jüdischen Bürger Braunsbachs von 1600 bis 1942 erinnert, wurde auf Initiative von "KiRa - Kultur im Rabbinat - Förderverein des Rabbinatsmuseums Braunsbach" geschaffen. Nachdem der Verein 2008 eine Spende von der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim erhalten hatte, beschloss er, das Geld für ein Denkmal für die jüdischen Bürger Braunsbachs zu verwenden.
Dabei sollte die Idee des Rabbinatsmuseums Braunsbach aufgegriffen werden, die Geschichte des Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Juden und Christen im Ort während mehr als 350 Jahren in Erinnerung zu halten, teilt der Verein mit. Aus mehreren Vorschlägen entschied sich der Verein für den Entwurf von Siegfried Kienle. Die Erstellung führten Steinmetz Georg Stier und Glaskünstler Andreas Weiß aus.
Das Denkmal am Museum mitten im Ort besteht aus drei Stelen aus Muschelkalk, auf denen jeweils eine Glasscheibe mit Namen von ehemaligen jüdischen Bürgern aus Braunsbach stehen. Sie stehen stellvertretend für Juden, die auf Handelswegen in der Region unterwegs waren; die vom Ort aus vornehmlich in die Vereinigten Staaten und nach Palästina emigrierten und die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.
In einer im Rabbinatsmuseum ausgelegten Dokumentation zu dem Denkmal werden die Symbolgehalte von Materialien und Gestaltung erläutert."
Ausführlicher Bericht
auf der Website des Rabbinatsmuseums. |
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Blick auf
das Rabbinat am
Tag der Einweihung |
Die
Stelen aus Muschelkalk mit
den Glasscheiben |
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| Landesrabbiner
Wurmser im Gespräch mit dem Künstler Siegfried Kienle |
Begrüßung durch
Elisabeth M. Quirbach |
Bürgermeister
Frank Harsch |
Landesrabbiner
Nethanel Wurmser |
Vertreter der
jüd. Familie Falk |
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| Weitere
Fotos von der Veranstaltung |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| August 2011:
Auf den Spuren der jüdischen Geschichte in
Braunsbach |
Artikel von Elisabeth Schweikert in der "Südwestpresse"
(Lokalausgabe) vom 13. August 2011 (Artikel):
"Judenstäffele und Siggesle
Braunsbach. Natürlich - der Name verrät's ja: Helena Rubinstein war eine Jüdin. Die amerikanische Kosmetikunternehmerin ist eine von vielen Persönlichkeiten, die im Braunsbacher Rabbinatsmuseum vorgestellt
werden.
Es sind zahlreiche Aha-Erlebnisse, welche die Besucher der kurzweiligen Sonderausstellung "Immer voraus und immer entgegen" im Braunsbacher Rabbinatsmuseum haben werden: Unglaublich viele Produkte wurden von Juden erfunden oder erfolgreich vermarktet, zahlreiche jüdische Geistesgrößen haben in Philosophie, Politik oder Literatur Marksteine gesetzt.
In diesen Tagen sind Elisabeth Quirbach (62) und Hans Schulz (66) dabei, die letzten Gegenstände zu etikettieren, die Textrollos anzubringen. Über Monate haben sich die beiden Wahl-Braunsbacher eingelesen, Exponate gesucht, überlegt, wie sie die Ausstellung aufbauen wollen. "Wir haben in kein Projekt bisher so viel Zeit reingesteckt", erzählt Hans Schulz, "und wir haben auch noch nie so viel dazu gelernt." Wer weiß schon, dass der Gründer der Fußballzeitschrift "Kicker" der Jude Walter Bensemann war? Wer weiß, dass Tempo von einem jüdischen Unternehmer so erfolgreich vermarktet wurde, dass der Markenname inzwischen ein Synonym für Papiertaschentücher ist?
Die bildungsnahe jüdische Kultur hat überdurchschnittlich viele Talente gefördert: Von den 836 Nobelpreisträgern sind 22 Prozent jüdischen Glaubens - und das bei einem Anteil der Weltbevölkerung von 0,2 Prozent, sagt Hans Schulz.
Wer am Wochenende einen Tagesausflug ins Kochertal plant, dem bietet sich ein Gang durch Braunsbach an, um die Spuren der früher dort lebenden Juden zu finden. Im Museum kann eine Beschreibung erworben werden.
Elisabeth Quirbach führt am Dienstagmorgen durch den Ort. Vorbei gehts an der Bushaltestelle "Im Rabbinat" - die laut Landesrabbiner Netanel Wurmser die einzige Bushaltestelle im Land mit diesem Namen ist. Es geht in die Pfalzgasse, die früher Judengasse hieß. Vermutlich wohnten dort viele Juden, weil sie auf diese Weise nahe der Synagoge waren - "das war kein Ghetto", sagt Elisabeth Quirbach. Die räumliche Nähe hatte praktische Gründe: Am Sabbat sollen gläubige Juden nicht mehr als 1000 Schritte gehen. Beim Flanieren durch Braunsbach macht die pensionierte Oberstudienrätin auf eine jüdische Inschrift an der Stirnseite eines Türsturzes aufmerksam, an einem anderen Hauseingang ist eine Einsparung im Sandstein, in der vermutlich eine Mesusa (hebräische Schriftkapsel) angebracht war.
"Überall dort, wo heute Balkone sind, feierten Juden früher vermutlich das Laubhüttenfest", erzählt Quirbach. Darauf deutet zumindest die Braunsbacher Balkon-Bezeichnung "Siggesle" hin. Das dürfte auf das jüdische Wort für die Laubhütten "Sukkot" zurückgehen (im Jiddischen auch "Sikkes"). Weiter geht es über das Judenstäffele (Judentreppe) hinter die Burgenlandhalle - dort soll neben der noch erhaltenen Synagoge die Mikwe gewesen sein, ein Tauchbad zur rituellen Reinigung. Noch einen Tipp hat Elisabeth
Quirbach parat: Unbedingt den jüdischen Friedhof auf dem Schaalberg besuchen. Männliche Besucher sollten samstags aber eine Kopfbedeckung tragen."* |
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Hinweis des Webmasters: hier handelt es sich um ein Missverständnis.
Am Sabbat (Samstag) darf ein jüdischer Friedhof nicht betreten werden und
eine Kopfbedeckung für Männer ist bei jedem Friedhofsbesuch
vorgeschrieben. |
| Januar bis April
2012: Ausstellung |
Berufen und bestellt
Rabbiner - Pfarrer - Imam
Sonderausstellung im Rabbinatsmuseum Braunsbach
15.1.-2.4.2012
Eröffnung am Sonntag, 15.1.2012, 14.00
Uhr
weitere Öffnungszeiten auf Anfrage
Tel. 07906-8512 oder 07906-940940 |
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Einladung des Fördervereins des Rabbinatsmuseums Braunsbach zu
einem
Besuch des Rabbinatsmuseums Braunsbach
Bis Oktober ist das Museum regelmäßig am 2. und 4. Sonntag im Monat, von
14 - 18 Uhr geöffnet.
Im Schreiben auch Informationen zum "Braunsbacher Talmud-Band",
der einst Haium Hähnlein in Braunsbach gehörte.
Das Schreiben
des Fördervereins (als jpg-Datei eingestellt) |
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| Veranstaltung im November
2012:
Vortrag mit Karen Franklin (New York) am 13.
November 2012 |
Pressetext zum Vortrag: "Die Morgenthaus und Lehmans zum Beispiel
Zur Geschichte jüdischer USA-Emigranten aus Schwaben und Franken
Im 19. Jahrhundert sind ein paar Millionen Europäer in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Darunter befanden sich zahlreiche Juden, auch viele Landjuden aus Schwaben und Franken. Am Dienstag, 13. November, 20 Uhr erläutert Karen Franklin die wirtschaftlichen und politischen Hintergründe dieser Auswanderung. Ferner stellt die Referentin einzelne Familien vor, die es zu hohem Ansehen und Wohlstand gebracht haben, wie die Morgenthaus und Lehmans zum Beispiel. Wahrscheinlich wird sie auch über die heutige Situation der Juden in New York erzählen.
Karen Franklin ist weltweit vernetzt mit dem Forschungsbetrieb zur deutsch-jüdischen Geschichte. Viele ihrer Vorfahren stammen aus Schwaben und Franken. So legte sie den Schwerpunkt ihrer Arbeit im Bereich Familienforschung auf diesen Bereich. Jüngst wirkte die langjährige Vorsitzende der amerikanischen jüdischen Museen an Ausstellungen im New Yorker „Museum for Jewish Heritage“ zu diesen beiden Familien mit.
Die Referentin kommt auf Einladung des Rabbinatsmuseums nach Braunsbach.
Info: Die Veranstaltung findet am Dienstag, 13. November, um 20 Uhr in Braunsbach statt. Nähere Informationen telefonisch unter 07906/8512 oder
online unter www.rabbinatsmuseum-braunsbach.de" |
Text
Jewish Villages in Wuerttemberg:
Braunsbach, the Home of My Mother
Aus: Hugo Mandelbaum: Jewish Life in the Village Communities of
Southern Germany.
New York/Jerusalem 1985 S. 20-24.
Anmerkung: Hugo Mandelbaums ist 1901 in Sommerhausen geboren.
Seine Mutter Rachel geb. Berlinger war als Tochter des Bezirksrabbiners Menco
Berlinger (1831-1903) in Braunsbach geboren. Sein
Onkel Dr. Jakob Berlinger (1866-1945) war seit 1894/1900 Nachfolger von Menco
Berlinger als Bezirksrabbiner von Braunsbach.
In Summer, during the school vacation, our family would usually travel to
Braunsbach, where my mother's parents lived. My grandfather had been the rabbi
of a large rural district which encompassed many small Jewish communities
located in villages and small towns. I never knew him. He died before my fourth
birthday. I could, however, gaze at his strong, energetic face looking down at
me from the large, framed photograph hanging in our dining room. He was a
powerful speaker, a great lamdan, and an uncompromising fighter for the
preservation of our tradition. In his time, the Reform movement had made great
inroads among the ranks of Germany Jewry. The drive for emancipation stormed
forward in the large cities, and the defection from loyalty to the Torah had
also spread to the rural communities. In Wuerttemberg, in particular, the
majority had abandoned the old for the new paths. Only two of the rabbis of that
principality had bravely striven to stem the tide, my grandfather in Braunsbach
and the rabbi of Mergentheim.
Only in the villages in these two districts were kehilloth to be found
that remained loyal to Jewish traditions unter the very last days of German
Jewry, where Shabbath and kashruth were observed and a well-organized
Jewish communal life maintained.
Braunsbach, the seat of the district rabbinate, was a typical community. At the
beginning of the century, its population was slightly more than 1,000, with some
25 to 30 Jewish familes. It boasted a Jewish elementary school with a teacher
whose salary was paid by the state. Its old, dignified synagogue was built of
massive stone masonry. It owned its own cemetery, which stood at the edge of the
forest, upon a hillside oberlooking the peaceful Kocher valley. There was also
an imposing tower over the gate to the village, although little was left of the
original wall.
The community had its share of sturdy, hard Jews of the type indigenous to South
German villages. There was, for instance, old Koppel Adler, owner of the little
grocery store at the upper end of the marketplace. His small, bright eyes in his
wrinkled face, framed by the short whiskers of his grayish beard, sparkled as he
talked to you, reflecting the goodness of his soul. How closely he watched the
scales to make sure that he gave correct weight! How proudly he took part in the
daily Talmud shiur held in the rabbi's house, late in the afternoon after
the stores had closed! How much deep-seated frumkeit was manifest in his
search for halachah le-ma'aseh! Jews of his type were deeply content with
their lot, despite their limited livelihood. They lived close to each other,
felt for each other, and gave strength and support to one another.
I spent several summer vacations, together with my mother and sister in this
village. Uncle Jokof, my mother's brother, had succeeded his father as rabbi of
Braunsbach. He lived in the "rabbi's house," a two-story building. On
the lower floor was the single classroom of the Jewish elementary school on one
side, while on the other, the left side, was a large carpentry shop, equipped
with all kinds of fascinating tools: huge planes, contour planes, chisels of all
kinds, saws, braces and bits. Here was the place to fire the imagination of a
little boy. No wonder that one year my resolve was that carpentry would
definitely be my calling.
The rabbi's family lived upstairs. All the rooms were covered with shiny,
wall-to-wall linoleum flooring, to me the ultimate in interior decoration. Added
to this were the impressive library in the rabbi's study, with its old
leather-bound tomes (to be fed years later to the flames by the Nazi barbarians,
with the owner forced to be present), the flowers and green plants in the
corners and on the window sills, the heavy oak furniture in the dining room, the
grave, quiet bearing of the rabbi, and the noble dignity of the rebbetzin.
All these factors contributed to making my vacation especially attractive, a
change from the routine.
In front of the house was a fenced-in-vegetable garden with a variety of bushes:
gooseberries; red, yellow and green berries; and red and black currants. Only
the black currants were forbidden to us. They had become infested with milben
(tiny white insects visible under an magnifying glass). There being no effictive
means of ridding the fuzzy crowns of the berries of these pests, the juicy fruit
was treif.
At right angles and adjacent to the rabbi's house lived a real carpenter. At his
home I could watch all the fascinationg tools being put to work. This carpenter
also had a second vocation; he was a violin teacher. Twice a week, on Sundays
and one other day of the week, after he had closed his shop, a few of the
village boys would come to his home for lessons. If he was particularly
satisfied with the performance of a pupil, especially if the passage was
difficult, he would transfer bis bow to the hand holding the violin and stretch
his fingers toward the boy, who, in turn, would stretch out his hand towards his
master's and receive his award: a gentle touch of his master's finger. Later on,
I thought about this simple ceremony many times as a masterpiece of pedagogy. It
was instant, intimate and deeply gratifying, not only for the student, I am sure,
who was often moved to blush at this honor. I, too, blushed in sympathy with the
student, especially of he happened to be one of my friends, the Schiller boy or
the son of the local Jewish teacher.
No wonder that the Braunsbach vacation provided enough material for me to
reminisce about for the rest of the year. Very few children were privileged to
enjoy so grand a diversion, the spending of some weeks in a totally different
environment. When we returned home, we were expected to intruduce some new games,
some new rhymes by which to count out and determine who is "It" in a
game, and other examples exchanges between Swabian and Bavarian folklore.
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. Denkmale, Geschichte, Schicksale. Hg. von der Archivdirektion
Stuttgart. Stuttgart 1966. S. 52-54. |
 | Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. Stuttgart 1987. S.
86-87. |
 | Gerhard Taddey: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im
Landkreis Schwäbisch Hall. 1992. |
 | Michael Sylvester Koziol: "Das ist ein politischer Brand!".
Die "Reichskristallnacht" in Schwäbisch Hall und Braunsbach. (Hg.
Stadt Schwäbisch Hall) Schwäbisch Hall 1988. |
 | Hugo Mandelbaum: Jewish Life in the Village Communities of Southern
Germany. New York/Jerusalem 1985. (die Erinnerungen an Braunsbach
beschränken sich in diesem Buch auf den oben zitierten Text). |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Braunsbach. Wuerttemberg,
Germany. Jews are first mentioned in 1673. By 1843 they numbered 293 (total
1,091) and were prominent in the town's commerce, dealing in land and cattle,
but as Jews emigrated the towns's fortunes also declined. Good relations
prevailed with the local population in an atmosphere distinctly liberal in
outlook. In 1933, 39 Jews were left, with another eight from neigbouring Duensbach
attached to the community. The population in 1854 was 100. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogues in both Braunsbach and Duensbach were
vandalized by SD gangs. Under increasing economic and social pressure, 17 Jews
emigrated; the others were deported, nearly all to their deaths (to the Riga and
Theresienstadt ghettoes and to Auschwitz).

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