Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schwäbisch Hall (Kreisstadt) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Schwäbisch Hall     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   
         

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
     
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien Reichsstadt Schwäbisch Hall bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und im 19./20. Jahrhundert.   
Im Mittelalter wird eine jüdische Gemeinde erstmals 1241/42 genannt: nach der damals angelegten Reichssteuerliste hatten die Haller Juden 8 Mark Silber zu entrichten (die Stadt zahlte insgesamt 170 Mark an den König) . Bei der Judenverfolgung während der Pestzeit wurde die Gemeinde 1349 vernichtet. Seit 1373 (bis 1393) und bis 1415 werden wieder Juden in der Stadt genannt. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts lebten nur noch einzelne Juden in der Stadt.
  
Im 16. und 17. Jahrhundert war der Aufenthalt der Juden in Hall sehr erschwert. Zeitweise mussten sie für jede Stunde des Aufenthaltes in de  r Stadt eine Gebühr bezahlen, zeitweise war der Aufenthalt nur an einzelnen Tagen in der Woche erlaubt.   
    
Erst im 19. Jahrhundert wurden Juden wieder in Schwäbisch Hall aufgenommen. Die Gemeinde bestand bis 1939. 
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1824 24 jüdische Einwohner (0,4 % von insgesamt 6,374 Einwohnern), 1843 51 (0,7 % von 6.870), 1871 137 (1,7 % von 7.793), Höchstzahl um 1880 mit 263 Personen (2,9 % von insgesamt 9.222), 1900 186 (2,0 % von 9.225), 1910 156 (1,7 % von 9.321). 
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (beziehungsweise einen Betsaal, siehe unten), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Steinbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Zunächst gehörte die Gemeinde zum Bezirksrabbinat in Braunsbach, bis dessen Sitz 1914 nach Schwäbisch Hall verlegt wurde. Als Rabbiner wirkte von 1915 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1934 Dr. Jakob Berlinger (geb. 29.4.1866 in Braunsbach, 1894 bis 1914 Rabbinatsverweser bzw. Rabbiner in Braunsbach, danach in Schwäbisch Hall, 1939 nach Palästina emigriert, wo er am 17.1.1945 starb). 
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Sanitäts-Unteroffizier Salo Wolff (geb. 31.10.1881 in Schwäbisch Hall, gef. 8.8.1918) und Julius Lehmann (geb. 3.10.1884 in Schwäbisch Hall, vor 1914 in Offenbach, Main wohnhaft, gef. 18.5.1915). Außerdem ist gefallen: Ludwig Hanauer (geb. 15.11.1884 in Schwäbisch Hall, vor 1914 in Heilbronn wohnhaft, gef. 16.7.1918) . Auf dem Kriegerdenkmal der Stadt finden sich auch die Namen von Salo Wolff und Julius Lehmann.
  
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 132 Personen gehörten (1,5 % von 8.978 Einwohnern, dazu zwei in Steinbach lebende jüdische Personen), waren die Gemeindevorsteher Rabbiner Dr. Berlinger, Josua Viktor Schwab, Moses Herz, Leopold Wertheimer und Jos. Heumann. Als Schochet und Synagogendiener war S. Lewkowitz angestellt. 15 Kinder der Gemeinde erhielten Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden insbesondere der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegründet 1882; 1924/32 unter Leitung von Rabbiner Dr. Berlinger mit 42 beziehungsweise 34 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenunterstützung und Bestattungswesen), der Israelitische Armenverein (gegründet 1871; 1924/32 unter Leitung von Moses Herz mit 37 beziehungsweise 30 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Durchreisender) und der Israelitische Frauenverein (1924 unter Leitung der Frau von Rabbiner Dr. Berlinger mit 36 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Frau Schwab, Obere Herzogstraße mit 32 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger). 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Rabbiner Dr. Berlinger (1. Vors.) und Josua Viktor Schwab (2. Vorsitzender). Weiterhin war als Vorbeter und Schochet S. Lekowitz tätig. Im Schuljahr 1931/32 erhielten 11 Kinder der Gemeinde Religionsunterricht.        
    
Die jüdischen Bürger betätigten sich vorwiegend in Handel und Gewerbe. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Personen sind bekannt: Kurzwarenhandel Flegenheimer und Schorsch (Lange Straße 18), Antiquitäten- und Fellhandlung Isaak Frey (Mauerstraße 13), Kurzwaren Heinrich Herz, Inh. Moses Herz (Schwatzbühlgasse 20), Zigarrenfabrik Gebr. Heumann (Heilbronner Straße 25), Konfektionsgeschäft Julius Kapp (Neue Straße 33), Modewaren und Aussteuergeschäft Otto Maute, Inh. Hugo Oettinger (Marktstraße 1-3), Metzgerei und Gastwirtschaft Josef Pfeiffer (Schwarzbühlgasse 11). Lederhandlung Maier Pfeiffer (Klosterstraße 8), Kurzwaren Jakob Rosenberg (Hallstraße 4), Metzgerei und Gastwirtschaft Louis Rothschild (zuvor Raphael Marx, Untere Herrengasse 4), Viehhandlung Abraham Schlachter (Neue Straße 6), Viehhandlung Josua Schwab (Stuttgarter Straße 3), Tabakwaren Simon Schwab (Haalstraße 3), Tabakwaren David Stobezki (Spitalstraße 16), Lederhandlung Leopold Wertheimer (Neue Straße 14), Viehhandlung Nathan Wertheimer (Heilbronner Straße 81), Lebensmittelhandel Geschw. Wolf (Schulgasse 12), Kaufhaus Konfektionsgeschäft Jakob Würzburger (Neue Straße 22).
   
1933 wurden 115 jüdische Einwohner gezählt (1,0 % von insgesamt 11.239 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung verließ ein großer Teil von ihnen in den folgenden Jahren die Stadt beziehungsweise wanderte aus. 1937 wurden die jüdischen Vieh- und Pferdehändler von den Märkten ausgeschlossen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betsaal demoliert (s.u.); durch Angehörige der SS, der SA und andere Nationalsozialisten wurden auch die Geschäfte von Louis Rothschild (Untere Herrengasse 4), des Josef Pfeiffer (Schwatzbühlgasse 11), der Geschwister Wolff (Schulgasse 12) und der Firma Flegenheimer und Schorsch (Lange Straße 18), ebenso die Wohnung des Louis Rothschild, des Josef Pfeiffer, des Kaufmanns Moses Herz und des Viehhändlers Josua Schwab (beide Haalstraße 1), des Rabbiners Dr. Berlinger (Obere Herrengasse 1) und des Lederhändlers Maier Pfeiffer (Klosterstraße  8). Dabei wurden Türen, Fenster, Lampen und Möbel zerschlagen sowie Bilder, Bücher, Radioapparate und Möbelstücke auf die Straße geworfen. 16 von den 1933 in Schwäbisch Hall wohnhaften Personen und sechs, die in der Folgezeit zugezogen waren, wurden 1941 und 1942 deportiert.   
        
Von den in Schwäbisch Hall geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Adolfine Adler (1894), Johanna Adler geb. Weil (1871), Mathilde Adler (1895), Rosa Adler (1880), Jeanette Bacher geb. Frei (1875), Käthe Blömendal geb. Hähnlein (1890), Sofie Falkenstein geb. Hähnlein (1886), Johanna Frey (1872), Julius Hähnlein (1880), Lina Hähnlein (1883), Max Hähnlein (1883), Nanny Hammerschlag geb. Oppenheimer (1883), Fanny Hecht geb. Marx (1884), Max Hessenthaler (1867), Gertrud Kahn (1903), Luzie Kapp (1900), Rosa Kapp geb. Obenheimer (1871), Friederike Kern geb. Reis (1871), Heinrich Kleibömer (1906), Willi Kownator (1908), Berta Levy geb. Hähnlein (1892), Gusta Lewkowicz geb. Rosenberg (1899), Salomon Lewkowicz (1898), Ignatz Lieblich (1898), Frida Lippmann geb. Oppenheimer (1887), Emil Obenheimer (1897), Lina Obenheimer geb. Würzburger (1870), Rosa Oberdorfer geb. Oppenheimer (1872), Jakob Ornstein (1903), Karoline Pfeiffer (1891), Maier Pfeiffer (1888), Max Reis (1874), Berta Reiss (1869), Jakob Rosenthal (1886), Frida Stern geb. Wertheimer (1897), Lydia Stoppelmann geb. Marx (1883), Alfred Weinberg (1881), Hedwig Weitzner (1903), Richard Wertheimer (1906), Salomon (Salo) Wertheimer (1896), Heinrich Wolf (1873), Berthold Wolff (1879), Hedwig Wolff (1876), Karoline Wolff (1878), Maier Max Wolff (1872), Mathilde Wolff (1872).  
    
    
    
Nach 1945:
In Schwäbisch Hall befanden sich von 1945 bis Anfang 1949 drei Lager für "Displaced Persons" ("Warszawa Kriegsopfer Siedlung", "Lwow & Pol. School, Kocherfeld", "Nowa Lodz, Ziegeleiweg"), wo insgesamt über 1.300 jüdische Personen aus verschiedenen Ländern untergebracht waren. Diese Personen blieben nur vorübergehend in Schwäbisch Hall und sind nach 1948 überwiegend nach Israel ausgewandert.  
 
Nach 1990:
In Schwäbisch Hall sind inzwischen wieder jüdische Personen überwiegend aus den GUS-Ländern zugezogen. Sie bilden eine Filialgemeinde der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Stuttgart (IRGW).  
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte des Rabbinates in Schwäbisch Hall 

70. Geburtstag von Bezirksrabbiner Dr. Jakob Berlinger (1936)   

SchwHall Israelit 07051936.jpg (32616 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1936: "Schwäbisch Hall, 3. Mai (1936). Der in weiten Kreisen bekannte und allseitig beliebte Herr Bezirksrabbiner Dr. Jakob Berlinger i.R. feierte am 6. April in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch ungezählte Jahre im Kreise seiner Familie verbringen zu können. (Alles Gute) bis 120 Jahre."       

    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1919 / 1920 / 1923   

SchwHall Israelit 09011919.jpg (40352 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1919: "Schwäbisch Hall (Württemberg). 
Die hiesige Vorbeter- Religionslehrer- und Schächterstelle ist zu besetzen. Gehalt 1.650 Mark. Wohnungsentschädigung 150 Mark. Nebeneinkommen (aus der Schechita allein 5-600 Mark). 
Israelitisches Vorsteheramt Rabbiner Dr. Berliner."         
  
SchwHall Israelit 19081920.jpg (39866 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  19. August 1920
"Schwäbisch Hall (Württemberg). Gesucht, zunächst für 3 Monate eventuell für länger 
Vorbeter und Schochet

Gehalt 500 Mark monatlich und Nebenverdienst. Vorsteheramt Rabbiner Dr. Berlinger."      
   
SchwHall Israelit 02081923.jpg (36967 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1923: "Vorbeter, Schochet und Religionslehrer 
gesucht. Streng religiös, wegen Wohnungsmangels unverheiratet. Einkommen in Anlehnung an Kl. 7 der Reichsbesoldungsordnung. Antritt baldmöglichst. 
Israelitisches Vorsteheramt Schwäbisch Hall.
Rabbiner Dr. Berlinger."        

   
Lehrer Nathan Hähnlein wirbt für sein Pensionat (1876 / 1877)   
Anmerkung: Lehrer Nathan Hähnlein ist am 19. April 1846 in Laudenbach geboren. Er ließ sich von 1862 bis 1864 am Esslinger Lehrerseminar ausbilden und war seit 1869 Lehrer in Schwäbisch Hall, wo er 1918 gestorben ist. 

SchwHall Israelit 08031876.jpg (48828 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1876:  "Hall (Württemberg). 
Pensionat für israelitische Knaben von N. Hähnlein, Lehrer. 
Wiederaufnahme von Zöglingen bei Beginn des Schuljahres am 23. April dieses Jahres. - Nähere Auskunft auf briefliche Anfragen."       
    
SchwHall Israelit 05091877.jpg (53934 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1877: "Hall (Württemberg). 
Pensionat für israelitische Knaben von N. Hähnlein
, Lehrer. 
Wiederaufnahme von Zöglingen, welche die hiesigen Lehranstalten (Gymnasium und Realanstalt) besuchen wollen. Aufnahmeprüfung am 13. Oktober vormittags 8 Uhr. Nähere Auskunft auf briefliche Anfragen."              

    
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Nathan Hähnlein (1894)  

SchwHall Israelit 13091894.jpg (371325 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1894: "Am Tag vor dem 1. Elul 5629 (= 17. August 1869) trat unser geehrter Lehrer, Herr Hähnlein zum ersten Male vor die Tewa (= Almemor, Lesepult für die Torarollen) unserer Synagoge, um das Gebet zum Jom Kippur Katan vorzutragen; seine Anstellung erfolgte unter dem heute noch als Kirchenvorsteher tätigen Herrn Mano Reiß zum Waldhorn, der nun seit 32 Jahren im Kirchenvorstand-Amte sitzt. 
25 Jahre sind seitdem ins Land gegangen und in dieser Zeit hat Herr Hähnlein innig verbunden mit seiner Gemeinde gelebt und Freud' und Leid mit ihr geteilt. 
Die Absicht, anlässlich der 25-jährigen Amtsdauer Herrn Hähnlein eine Ovation darzubringen, wurde den Gemeindemitgliedern unterbreitet und freudig aufgenommen; es wurde ein aus vier Herren bestehendes Komitee gewählt, das die Feier auf Mittwoch, den 5. September abends 9 Uhr festsetzte und durch eine Notiz im redaktionellen Teile der hier erscheinenden Zeitungen von der geplanten Festlichkeit Mitteilung gemacht und bemerkt, dass Freunde und Bekannte des Herrn Hähnlein willkommen sein, von einer förmlichen Einladung jedoch Umgang genommen werde.   
Eine Stunde vor der offiziellen Feier überreichte das Komitee durch sein ältestes Mitglied, Herrn Kirchenrat Weil dem Herrn Jubilar in seinem Familienkreise ein passendes Geschenk mit einer kurzen Ansprache und dankte der Jubilar, sichtlich bewegt für diese Aufmerksamkeit.  
In dem hübsch dekorierten Saale des Gasthofs zum goldenen Ritter versammelte sich nun eine sehr ansehnliche, aus allen Kreisen der Bevölkerung zusammengesetzte Gesellschaft, sodass der Saal die Teilnehmer kaum fassen konnte. Der Vorsitzende, Kirchenvorsteher H. Herz begrüßte die Versammlung und betonte hauptsächlich, dass - gestützt auf das friedliche Zusammenleben der Konfessionen - die jüdische Gemeinde es unternehmen konnte, die Feier zu einer öffentlichen und allgemeinen zu gestalten; dass sie in ihrer Voraussetzung sich nicht getäuscht habe, beweise die überaus zahlreiche Beteiligung. 
Im Anschluss hieran brachte Herr Oberamtspfleger und Gemeinderat Krumrey, als Stellvertreter des abwesenden Herrn Stadtvorstandes dem Herrn Jubilar die Glückwünsche der bürgerlichen Kollegien dar und toastierte - programmgemäß - auf seine Majestät unsern geliebten König Wilhelm, die von sämtlichen Anwesenden stehend gesungene Königs-Hymne schloss sich hieran an.  
Die Festrede war Herrn Dr. med. Heimann übertragen, der in vollendeter Form die Leistungen des Herrn Jubilars anerkennend hervorhebend, das schöne Einvernehmen der Konfessionen in unserer Stadt streifte und mit einem begeistert aufgenommenen 'Hoch' auf den Jubilar schloss.    
Herr Benni Wolff, der beim Amtsantritt des Herrn Hähnlein die hiesige Religionsschule besuchte, sprach im Namen der Schüler dem Herrn Jubilar seinen und seiner Mitschüler Dank aus, für den bei ihm empfangenen Unterricht, betonend, Herr Hähnlein sei in seiner Schule streng, aber gerecht gewesen. Redner verbreitete sich noch über die ungerechten Vorwürfe, die man heute den Juden mache und die sie nicht verdienen und gab gleichfalls seiner Freude über das schöne Verhältnis zwischen den Konfessionen in unserer Stadt Hall Ausdruck. 
Die im Programm vorgesehenen Toaste hatten hiermit ihren Abschluss gefunden; es sprachen nun die Herren: Lehrer Fahr, der in rührender Weise der israelitischen Gemeinde alle Anerkennung zollte, dass sie ihren Lehrer in solch großartiger Weise ehre und könnten sich die anderen Konfessionen daran ein Beispiel nehmen, ebenso Herr Oberlehrer Klingensein, es war eine Heiligung des Gottesnamens im wahren Sinne des Wortes, wie diese Herren in ihren Reden für den konfessionellen Frieden schwärmten und die allerorts herrschende judenfeindliche Strömung verdammten.
Nachdem noch einige in schönen, teilweise mit Humor gewürzten Ansprachen ihren kollegialischen Gefühlen Ausdrucken verliehen hatten, sprach der redegewandte, Herr Redakteur Groh als Schriftführer des Gabelsberger Stenographievereins, dessen Vorstand Herr Hähnlein ist, und hob dessen große Verdienste um Hebung der Stenographie in 10-jähriger Tätigkeit in hiesiger Stadt anerkennend hervor; wollte man die Jünger Gabelsbergers, die Herr Hähnlein in diese Kunst eingeführt hat, zählen, so müsse man schon dreistellige Zahlen nehmen; aber nicht nur in engeren Kreisen unserer Stadt, sondern in ganz Württemberg, ja im ganzen deutschen Vaterland sei der Name Hähnlein bei den Stenografen bekannt; nehme ja Hähnlein als Vorstand der Prüfungs-Kommission für Lehrer eine hervorragende Stellung ein, Redner toastierte nicht auf den Jubilar, sondern auf den Stenographen Hähnlein.   
Endlich kam der Jubilar zum Wort: er wies all' diese Lobeserhebungen als zu weitgehend zurück,        
SchwHall Israelit 13091894a.jpg (127527 Byte)er sei stets bestrebt gewesen, seine Pflicht zu erfüllen, aber der Wille sei eben oft stärker als die Tat; es läge nicht in seinem Sinne, eine solch solenne Feier seiner Person wegen zu veranstalten und hätte er es gewusst, oder etwas zu sagen gehabt, so wäre es lieber unterblieben; nun es einmal so sei, spreche er für die vielseitige Aufmerksamkeit und die vielen Glückwünsche den innigsten Dank aus und werde er sich, wenn ihm Gott die Kraft gebe, aufraffen, um zu tun, was in seinen Kräften stehe, zum Wohle seiner Gemeinde und zum Wohle seiner Heimatstadt. 
Die Zwischenpausen wurden durch ein auserwähltes Programm unter der trefflichen Leitung unseres Herrn Musikdirektors Großmüller zur äußersten Zufriedenheit aller Anwesenden, sowie durch Gesangsvorträge aus dem Kreise der Herren Lehrer in angenehmster Weise ausgefüllt.  
Es durchzog eine weihevolles Stimmung das ganze Fest und von allen Teilnehmern konnte man nur Worte der vollsten Befriedigung hören; sicher zählte dieses Fest mit zu den schönsten, die in Hall je gefeiert wurden. 
Jedem Juden musste das Herz aufgehen, aus dem Munde im Dienste ergrauter Erzieher hören zu dürfen, dass es ihnen unbegreiflich ist, wie es Leute geben kann, deren Bestreben dahin geht, Zwietracht zwischen den verschiedenen Konfessionen heraufzubeschwören; unser heutiges Fest bezeige, dass es nichts schönere gebe, als das gute Einvernehmen zwischen den Konfessionen.  
Mögen solch' edle Gedanken sich von den Erziehern der Jugend auch auf diese selbst übertragen, nicht nur in unserem guten Hall, sondern in allen deutschen Gauen. Amen. So möge es Gottes Wille sein."    


70. Geburtstag von Lehrer Nathan Hähnlein (1916)  

SchwHall FrfIsrFambl 28041916.jpg (15774 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1916: "München. Hauptlehrer Heinrich Frei - München und Lehrer Hähnlein - Schwäbisch Hall begingen den 70. Geburtstag."          

     
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
    
Pfarrer Traub hält einen Vortrag über den "Blutaberglauben" (1900)      

SchwHall Israelit 25101900.jpg (164368 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1900: "Schwäbisch Hall, 21. Oktober (1900). 'Der Blutaberglaube', so lautete das Thema eines Vortrages, den der durch seine Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit, wie auch durch seine edle, menschenfreundliche Gesinnung in den weitesten Kreisen bekannte evangelische Stadtpfarrer Traub dahier vor einigen tagen im Solbadsaale vor einem zahlreichen Publikum hielt. Es war der dritte und letzte der von dem Herrn Stadtpfarrer zu Gunsten des hiesigen Diakonissenhauses in der jüngsten Zeit gehaltenen Vorträge. Ein besonderer Anlass zur öffentlichen Besprechung des genannten, in mancher Beziehung heiklen und delikaten Themas lag eigentlich nicht vor. Denn in unserer schönen, durch ein freisinniges Bürgertum sich auszeichnenden Stadt leben alle Stände und Konfessionen in bürgerlicher Eintracht beisammen, und nichts hat sich noch ereignet, das diesen Frieden im entferntesten hätte gefährden können. Aber dennoch müssen wir es hier dankbar anerkennen und öffentlich aussprechen, dass der Herr Stadtpfarrer durch seinen Vortrag uns und allen Zuhörern - das bewies schon der am Schlusse gespendete reiche Beifall - einen hohen, geistigen Genuss bereitet hat. Abgesehen davon, dass der Vortragende, wie man es von ihm nicht anders erwarten konnte, der Blutbeschuldigung gegen die Juden auf das allerentschiedenste widersprach, den Verbreitern der Blutlüge hart auf den Leib rückte und das ganze, verworrene, weitschichtige Material fest und sicher wie das Einmaleins beherrschte, hat er den Gegenstand in einer solch' schönen, fließenden, fesselnden, überzeugenden und noblen Sprache - mehr als die Hälfte der Zuhörerschaft waren Damen - behandelt, dass uns die fünfviertel Stunden, die der Vortrag in Anspruch nahm, wie einige Minuten vorkam. Einstmals hieß es il y a des juges à Berlin. So gibt es auch Geistliche, die ohne Voreingenommenheit der Sache auf den Grund gehen, die mit der Fackel der Wissenschaft in die dunklen Gänge des Aberglaubens hineinleuchten und gegen Lüge und Hass, gegen Finsternis und Rückschritt mit allen Waffen des Geistes zu Felde ziehen. Zu diesen Männern gehört als der Ersten einer Herr Stadtpfarrer Traub in Schwäbisch Hall, dem wir hiermit - zugleich namens der hiesigen israelitischen Gemeinde - in Anerkennung seines menschenfreundlichen Wirkens, unseren verehrungsvollen Dank, und unsere besten Wünsche darbringen" (übertragen wiedergegeben).          

   
Positive und negative Erfahrungen von Heinrich Herz beim Sammeln für gute Zwecke (1901)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1901: "Mitteilungen aus den jüdischen Armenvereinen und für dieselben (Sämtliche jüdischen Wanderbettelvereine und Kassen für Durchreisende sind gebeten, uns Mitteilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Tätigkeit machen, zukommen zu lassen). 
Hall,
10. Juli. Im Monat Tewet veranstaltete ich in Folge des Aufrufes eine Spezial-Kollekte für die Armen des Heiligen Landes. Eine in meinem Hause wohnende 'nichtjüdische' Dame, Lehrerin an der Höheren Töchterschule, hörte davon und gab mir zehn Mark zu meiner Sammlung, welche auch in der Liste aufgeführt wurden. 
Vor einigen Tagen erhielt nun diese Dame zwei Bettelbriefe aus Galizien von: S. Glaser, Lehrer in Skala, mit angefügtem Zeugnis der israelitischen Kultusgemeinde Skala - um dessen Rücksendung er bittet! und von Leibisch Bergmann aus Skala, dessen Brief mit Schalom und alles Gute. Sela beginnt und herzzerreißende Schilderungen seines Elends enthält. 
Es hat mir sehr leid getan, dass die Dame auf diese Weise belästigt wurde und möchte ich deshalb Jedermann ersuchen, die bekannten Briefe aus Skala unter Verweigerung der Annahme zurückgehen zu lassen; ich halte dies für das einzig wirkende Mittel, um diesem Unfug zu steuern. Ich gebe ganz gern, wenn ich weiß, dass es in richtige Hände kommt, aber dieses gewerbsmäßige, systematische Schnorren möchte ich gerne aus der Welt geschafft wissen. Heinrich Herz."   

   
Gründung eines Beth HaMidrasch durch Heinrich Herz (1902)  

SchwHall Israelit 30011902.jpg (32880 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1902: "In Hall ist durch die Bemühung und Opferwilligkeit des Herrn Heinrich Herz ein Beth-Hamidrasch errichtet worden. An den wöchentlichen Vorträgen des Herrn Rabbiner Dr. J. Berlinger von Braunsbach nehmen auch die Lehrer der Umgegend teil. So nimmt auch in Württemberg Limud Thauroh (Toralernen) in erfreulicher Weise zu."         

   
Bericht von einer Tagung der Agudas Jisroel in Schwäbisch Hall (1924)  
Anmerkung: der Bericht zeigt, wie sich die orthodoxe Bewegung unter der jüdischen Jugend in den 1920er-Jahren auch Württemberg ausgebreitet hat. Bei der Agudas Jisroel handelte (und handelt) es sich um die Organisation des orthodoxen, nicht-zionistischen Judentums.     

SchwHall Israelit 25091924.jpg (333386 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September 1924: "Haller Brief.  Ein sonniger Sonntagmorgen, wie er in diesem mit Regen reichgesegnetem Sommer zu den Seltenheiten zählte, und nach dem altbekannten Sprichwort am Trefftag der jungen Orthodoxie einschließlich einiger Rabbonim besonders verwunderlich war - leuchtet über das schöne Städtchen Schwäbisch Hall. Die Züge bringen von allen Richtungen Jungens und Mädels, zum Teil von Eltern begleitet, ganz nach modernem Schnitt, selbst die Gruppentafeln fehlen nicht, denn so hat es des Frankfurter hochehrwürdigen Dajans Posen - sein Licht leuchte - Sohn angeordnet, wer wollte sich da nicht fügen. Sind's nicht Wandervögel oder dergleichen? Allerdings. Aber ihr Ziel ist nicht die schwäbische Alb, nciht Sport und Tummelplätze, sondern ... sie scharen sich um das Banner der Tora. Es war keine leichte Arbeit, die der stets rührige Sekretär für Württemberg, 'unser Herr Posen' aus Heilbronn, in wenigen Wochen geleistet, in allen größeren Gemeinden des Schwabenlandes Orts- und Jugendgruppen der Aguda zu gründen, die sich heute hier treffen und beweisen sollten, dass auch hier noch Begeisterung für echt jüdische Lebensanschauung lebt. Nahezu 200 Köpfe waren es, die sich zu einer Kenessio Ketanoh, die schon äußerlich wirklich an Wien erinnerte, zusammengetan, und begeisterte und begeisternde Worte des Bezirkssekretärs, des Oberratsmitglieds Moses Herz, und des Ortsrabbiners Dr. Berlinger, der sogar eine geplante Reise aufgeschoben - sollte dem Umstand das schöne Wetter zu danken sein? - begrüßte die Erschienenen und feierten die Bedeutung des Zusammenschlusses unter der Fahne der Aguda. Sodann begannen die offiziellen Referate Als Kohen an erster Stelle Herr Rabbiner Kahn - Mergentheim, der in reif durchdachten Worten uns darlegte: 'Wie man nach der neuen jüdischen Verfassung in Württemberg für die Orthodoxie wirken könne'. Wenn schon die jüngste von 1912 eine Verbesserung gegen das alte System war, indem der einzelnen Gemeinde und somit auch jedem Mitglied mehr Autonomie zugesichert war, so sei die neueste unter der Ära der demokratischen Republik geschaffene ein weiterer Fortschritt, den die Orthodoxie weidlich ausnützen möge. Reicher Beifall von Alt und Jung dankte dem Redner, und bewies, dass alle Anwesenden von dem Willen durchdrungen seien, das toratreue Judentum auch innerhalb der schwarz-roten Grenzpfähle zu fördern.
Das offizielle Agudoh-Referat hielt Herr Rabbiner Dr. Ansbacher - Stuttgart, der unter der Überschrift 'Unsere Jugend am Scheidewege' die Notwendigkeit des Zusammenschlusses unserer Jugend bewies, sodann in sachlicher Form mit den bestehenden Organisationen - der liberalen, neutralen und zionistischen - sich auseinander setzte.  
Alle Anwesenden konnte er überzeugen, dass die Jugend nur in einer toratreuen Organisation uns erhalten bleiben könne, und dies sei Agudas Jisroel. Nicht enden wollender Beifall dürfte wohl gezeigt haben, dass seine Ausführungen auf fruchtbaren Boden gefallen und auch in Württemberg ein segensreiches Arbeitsfeld der Agudoh und damit der Toratreue sich erschließe.  Nach einer Mittagspause mit schönen Toraworten von verschiedenen Seiten setzte die Tagung bald wieder fort - denn das Programm ist noch groß. Der Hausherr - hier Herr Sekretär Posen. Herr Siegfried Stein - Berlin bringt uns in schönen Worten die (vermutlich:) Grüße des Ordens Benei Brith, ebenso Herr Josef Altmann - Karlsruhe die der badischen Agudoh, indem er sich offen als 'Dieb' bekennt, der gekommen sei, um möglichst viel für die demnächst geplante Treffahrt für Baden auszugucken, und gern zugesteht, dass man dort manches von den Schwaben lernen könne. 
Sehr lehrreich und eindrucksvoll ist auch das folgende Referat des Herrn Hauptlehrer Wißmann - Künzelsau über Ludwig Stern, als Vorkämpfer für die Orthodoxie in Württemberg. In der härtesten Zeit untolerantesten jüdischen Kirchenregiments hatte es der jugendliche fromme Stern gewagt, unter dem Pseudonym Gabiah ben Psisa eine Lanze für die Orthodoxie zu brechen, und damit den Anstoß gegeben, die 'Allmacht' der zerstörenden Zwangsorganisation allmählich abzubauen. Da in seiner Zeit von Erfolg noch nicht viel zu merken war, sei ihm das dankbare Arbeitsfeld in Würzburg an der Schule und Lehrerbildungsanstalt wohl zu gönnen gewesen. Nachdem noch Herr Jakob Kohn die Grüße der Nürnberger brachte und die Bedeutung des Keren Hathora beleuchtet, war der offizielle Teil zu Ende. - Herr Posen setzt sich zur Kennzeichnung dieses hochwichtigen Moments den Zylinder aufs Haupt - und man war noch einige Stunden gemütlich beisammen bei wohlgelungenen Aufführungen, unter denen besonders die Heilbronner Gruppe glänzte, die ihre höchste Leistung erreichte, in dem 'von den schönsten Babatim' vom Städtel, dem Schneider Prawalzek (Schmied) und dem Baal Agoloh (Fuhrmann) gefeierten Chason.    
In später Abendstunde nach gemeinsamem Mincho-Gebet ging man auseinander, in der Überzeugung, dass der Tag tatsächlich eine Heiligung des Namens Gottes war, dass auch Württemberg besser ist, und besser werden will, als zeitweise sein Ruf war. Und aus dem romantisch gelegenen Kocher-Städtchen, wo so mancher sich leibliche Kräftigung an den heilsamen Solquellen holt, möge auch die jüdische Jugend - und auch die Älteren können brauchen - an dem Salzbund - dem Bundessalze der Thauro (Tora) geistige Stärkung und Auffrischung mitgenommen haben. Dr. A." (vermutlich Dr. Ansbacher, Stuttgart).           

   
Jüdische Händler sind vom Pferde- und Viehmarkt ausgeschlossen (1937) 
  

SchwHall Israelit 25021937.jpg (29208 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1937: "In Schwäbisch Hall verfügte der Bürgermeister im Einvernehmen mit den Ratsherren, dass künftig jüdische Händler von Pferde- und Viehmärkten ausgeschlossen sind."  

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Wahl von Heinrich Herz in den Bürgerausschuss (1900)
   

SchwHall Israelit 20121900.jpg (173696 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1900: "Schwäbisch Hall. Wohin wir jetzt auch blicken wollen, überall fast macht sich ein feindseliger Geist gegen die Juden geltend, und alles scheint sich vereinigen zu wollen, um die Jehudim auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens immer mehr zurück zu drängen. Umso erfreulicher ist es, wenn wir auch von Städten berichten können, in welchen mit Gottes Hilfe keine Spur dieses feindseligen Geistes zu finden ist. 
Zu diesen Städten können wir auch Schwäbisch Hall zählen, wie dieses aus folgender Tatsache allein schon zu bekunden ist. In den ersten Tagen dieses Monats hat in Schwäbisch Hall die Wahl von acht Mitgliedern des Bürgerausschusses stattgefunden. Fast alle Parteien hatten bei ihrem Wahlvorschlage den allseitig hochverehrten Herrn Heinrich Herz in Vorschlag gebracht und Herr Herz vereinigte bei der Wahl von allen gewählten Kandidaten die höchste Stimmenanzahl auf sich. Diese Wahl gereicht sowohl Herrn Herz, wie auch Schwäbisch Hall zur Ehre. 
Aus einer ganz besonderen Ursache verdient dieses Ereignis aber noch hervorgehoben zu werden. Es ist ja auch in unserer Zeit nicht allzu selten, dass Juden von ihren Mitbürgern in Vertrauensstellungen berufen werden. Fast ausschließlich sind es dann aber Männer, welche dem Namen nach Juden sind, in ihrem praktischen leben sich aber nicht als Jehudim bekunden. Man glaubt ganz allgemein, die Würde eines Stadtverordneten bilde schon einen Freibrief für alle Übertretungen der jüdischen Gebote...
Bei dieser Wahl wird aber bekundet, dass man das vollste Vertrauen seiner Mitbürger auch genießen kann, ohne an ihren Tafeln zu speisen und ohne an ihren Gelagen teilzunehmen. 
Herr Herz ist ein Jehudi mit Leib und Seele, er ist einer, der die Gebote sehr genau beachtet, sein ganzes Haus ist eine leuchtende Stätte für Tora und die Gebote, weit über Württembergs Grenzen hinaus. Er bekundet stets allen gegenüber, Juden wie Nichtjuden, wie ernst es ihm mit der Erfüllung von Tora und Geboten ist, und wenn ihm von allen Seiten so großes Vertrauen entgegengebracht wird, so ist mit die Ursache: 'denn er hatten ihnen gesagt, dass er ein Jehudi sei' (Esther 3,4)! Wir sehen also, dass der alte Spruch heute noch nichts von seiner Wahrheit eingebüßt hat: 'fürchte den Herrn, mein Sohn, und den König' (Sprüche 24,21)."               

       
25-jähriges Amtsjubiläum des Gemeindevorstehers Heinrich Herz (1909)   

SchwHall Israelit 28011909.jpg (207071 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1909: "Schwäbisch Hall, 24. Januar (1909). Zu einem fröhlichen Familienfeste gestaltete sich die Feier, zu der die Mitglieder unserer Gemeinde mit ihren Angehörigen sich am gestrigen Sabbat-Abend vereinigten. Es galt, Herrn Heinrich Herz zur fünfundzwanzigjährigen ununterbrochenen Ausübung des Vorsteheramtes die wohlverdiente Huldigung darzubringen. Der Name Heinrich Herz ist ja weit über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannt und geehrt als der eines unermüdlichen Vorkämpfers des gesetzestreuen Judentums und hätte man nicht, so bemerkte der Festredner, Herr Lehrer Hähnlein, der Bescheidenheit Rechnung tragen müssen, an Kundgebungen freudiger Teilnahme aus allen Himmelsstrichen - einschließlich Polen, Galizien und Palästina! - hätte es sicher nicht gefehlt. Durch die Überreichung eines prächtigen Chanukkaleuchters kamen die dankbaren Gefühle der Gemeinde zum schönen Ausdruck und wurde auch der Geist veranschaulicht, in dem der Gefeierte seit einem Vierteljahrhundert in seinem Kreise und für ganz Israel wirkt. Dass aber, die Betätigung der jüdischen Pflicht in ihrem vollen Umfang der Jubilar nicht verhindert hat, auch in nichtjüdischen Kreisen zu hohem Ansehen zu gelangen, davon zeigte die Beteiligung des Oberamtmanns Herrn Regierungsrat Vogt, der hervorhob, wie Herr Herz sich seit einer Reihe von Jahren, von dem einmütigen Vertrauen seiner Mitbürger getragen, als Mitglied des Stadtrats und der Amtsversammlung um das Gemeindewohl verdient mache. Und mit vollem Recht durfte es Herr Kirchenpfleger Josua B. Schwab sagen, dass dem gesetzestreuen Jehudi Vertrauen und Achtung der nichtjüdischen Welt nicht trotz, sondern gerade dank der durch die Tora bestimmten Lebenshaltung zuteil werden müsse.  
Herr Bezirksrabbiner Dr. Berlinger rühmte in der ihm eigenen schlichten und zu Herzen gehenden Art das innige Einvernehmen, das in unserer Gemeinde zwischen Vorstand und Mitgliedern herrsche und durch die gegenwärtige Feier aufs schönste erwiesen werde. Es sprachen noch einige Herren zu Ehren des Jubilars, und seiner edlen Gattin. Sodann schloss Herr Herz selbst die Reihe der Ansprachen mit humor- und eindrucksvollen, mit Toraworten gewürzten Dankesworte.  
Es war lange nach Mitternacht, als das Fest, durch das die Geschichte unserer Gemeinde um eine echte jüdische Freude bereichert wurde, sein Ende nahm. Und wir gingen auseinander mit dem Wunsch, den wir auch an dieser Stelle dem Jubilar und seiner Gattin zurufen wollen: (Alles Gute) bis 120 Jahre".        

    
Zum Tod von Heinrich Herz (1915)  

SchwHall Israelit 22041915.jpg (67659 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1915: "Schwäbisch Hall, 21. April (1915). Heinrich Herz, der allbekannte hervorragendste Vertreter des gesetzestreuen Judentums in Württemberg, Vorsitzender des gesetzestreuen Landesvereins und Ausschussmitglied der 'Freien Vereinigung', ist nach kurzer Krankheit im Alter von 62 Jahren gestorben und kommt heute Mittag, den 21. April, zur Beisetzung. Der Schmerz ist zu frisch, um für den Moment eine Schilderung des gewaltigen Verlustes für die Schar der Treugebliebenen in Württemberg und die (jüdische) Gesamtheit zu ermöglichen. Das soll in einer eingehenden Würdigung dieses seltenen Mannes in nächster Nummer geschehen."        
    
SchwHall Israelit 29041915.jpg (238029 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1915: "Heinrich Herz - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Schwäbisch Hall, 25. April (1915). Es würde dem jüdisch-schlichten Wesen des Verstorbenen durchaus widersprechen, hier der Worte zu viel zu gebrauchen. Aber es bedarf deren in der Tat kaum. Der Name Heinrich Herz - er ruhe in Frieden - genügt, um die ganze Größe des Verlustes uns furchtbar ins Bewusstsein zu rufen. Am 22. Omertag geleiteten wir den teueren Freund im Alter von 66 Jahren zur letzten Ruhe. Noch niemals sah die jüdische Gemeinde einen Trauerzug von solcher Würde und Bedeutung. Eine unübersehbare Zahl Teilnehmer sämtlicher Konfessionen aus nah und fern, fünf Rabbiner und die Spitzen der Behörden schritten im Zug einher.   
Heinrich Herz - er ruhe in Frieden - war eine tiefreligiöse Natur. Tora- und Talmudstudium betrieb er mit besonderer Vorliebe und brachte es darin zu großer Fertigkeit und tiefgründigem Wissen. Er hatte von früher Jugend auf gelernt und lernte bis die Sonne seines Lebens unterging. Sein Lieblingsaufenthalt war sein Haller Beth-Hamidrasch (sc. Lehrhaus, Lehrstube), dessen Ausgestaltung er besonders gern förderte. Wiewohl er in seinem umfangreichen Geschäfte viel zu tun hatte, widmete er dennoch jede freie Minute den heiligen Folianten. Sein Scharfsinn, seine gute Auffassungsgabe, sein reiches jüdisches und weltliches Wissen, seine vornehme Gesinnung und Charakterstärke stempelten ihn zu einer Persönlichkeit, die infolge ihrer geschlossenen Harmonie jedermann Ächtung abringen musste. Er war Vorsteher der jüdischen Gemeinde, gehörte dem Rate der Israelitischen Oberkirchenbehörde des Königreichs Württemberg an, war Ausschussmitglied der 'Freien Vereinigung', Vorsitzender der Gesetzestreuen Landesorganisation Württembergs, Stadtrat der Stadt Hall und Inhaber vieler anderer Ehrenämter.   
Bekannt, weil über die Grenze des Landes hinaus, war seine Mildtätigkeit. Die Toraanstalten im In- und Auslande, denen er reichste Förderung angedeihen ließ, werden seine Hilfe vermissen. Witwen und Waisen Jerusalems werden an der heiligen Mauer klagen, da ein großer Wohltäter dahingegangen. Sein ganzes Leben war, wie einer der Redner bemerkte, ein dauernder Jom Hakippurim, dessen Toraabschnitt man gerade am dieswöchentlichen Schabbat nach seinem Tod an heiliger Stätte verliest. 
Am Grabe sprachen: Herr Bezirksrabbiner Dr. Berlinger - Hall, Schwiegersohn des Verblichenen; Herr Lehrer Hähnlein - Hall als langjähriger Mitarbeiter und Freund. Ferner gaben den Gefühlen der Trauer Ausdruck Herr Hirsch - Stuttgart namens der Israelitischen Oberkirchenbehörde, Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn aus Ansbach für die 'Freie Vereinigung', Herr Bezirksrabbiner Dr. Kahn - Mergentheim als Vertreter des nachbarlichen Rabbinatsbezirks. Weiter kamen zu Wort. Herr 1. Bürgermeister der Stadt Hall im Namen der städtischen Kollegien; Herr Kreisrabbiner Dr. Isaak Stein - Memel im Namen der Verwandten und Freunde; Herr Rabbiner Dr. Ansbacher - Heilbronn für die dortige israelitische Religionsgesellschaft; Herr D. J. Weil - Frankfurt am Main als langjähriger Hausfreund.   
Der Allgütige spende Trost den Trauernden, insbesondere der gebeugten Gattin und den Kindern, damit sie das Werk ihres Vaters fortsetzen können zum Heile und zur Ehre Israels! Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens".       

  
Zum Tod von Kathinka Herz, der Frau von Moses Herz (1931)      

SchwHall Israelit 19111931.jpg (95507 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1931: "Hall (Württemberg), 18. November (1931). Kathinka Herz, Gattin des weit über unser engeres Vaterland durch Toraliebe und Gottesfurcht rühmlichst bekannten Raw Moscheh Herz in Hall, hat am Heiligen Schabbat Wajikra ihre reine Seele ausgehaucht. In der Blüte ihres Lebens, 50 Jahre alt, ging sie von dannen, zum großen Schmerze ihrer Familie und ihres großen Freundeskreises. Bei der Beisetzung entwarf Herr Rabbiner Dr. Berlinger, Hall, ein Schwager der Verewigten, in einer ergreifenden Trauerrede ein getreues Lebensbild derselben. Er schilderte die herrlichen Tugenden der Verblichenen, ihre große Liebe zur Familie wie zur großen Menschenfamilie und beklagte den schweren Verlust, den das Scheiden der Gerechten verursacht. Was aber den Höhepunkt des Nachrufs darstellte, was das beste Kaddisch für die Selige war, das war die kraftvolle Betonung der Ergebung in den göttlichen Willen. Der nächste Redner, Herr Rabbiner Dr. Kahn, Mergentheim, rühmte in warmen Worten die große Herzensgüte, das Wohlwollen, den freundlichen Blick, mit dem die Verklärte jedermann in ihrem gastfreundlichen Hause aufnahm. 
Möge die Verewigte eine rechte Fürsprecherin für die Ihren und ganz Israel sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."         


60. Geburtstag von Moses Herz (1938)      

SchwHall Israelit 31031938.jpg (99254 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1938: "Schwäbisch Hall, 28. März (1938). Herr Moses Herz, hier, durfte am 19. Adar II seinen 60. Geburtstag begehen. Weit über den Kreis seiner engen Heimat hinaus weiß ein großer Kreis von Freunden diesen von Gottesfurcht erfassten Jehudi zu schätzen und zu lieben. Mit ganzer Hingabe seiner unermüdlichen Arbeitskraft widmet er sich insbesondere in Württemberg den Sorgen und Leiden jüdischer Menschen und versteht es, mit seinem echtjüdischen Herzen und seinem frohen Wesen andere aufzurichten und ihnen von seiner unerschütterlichen Aufrichtigkeit anzugeben. Schon viele Jahre wirkt er, treuer Sachwalter seines unvergesslichen Vaters Heinrich Herz - seligen Andenkens - in seiner Heimatgemeinde als einer, der sich um die Angelegenheiten der Gemeinde in Aufrichtigkeit bemüht; ebenso schätzt man seinen klugen Rat und glühenden Arbeitseifer im Israelitischen Oberrat Württembergs, wo er besonders für die Belange der orthodoxen Judenheit Verständnis zu erringen, versteht. Möge Gott diesem von wahrer Liebe zur Tora erfüllten Manne ungezählte Jahre ebensolcher Schaffenskraft und Gesundheit verleihen, damit er weiterhin wie bisher zum Guten der Gesamtheit rüstig wirkte. (Alles Gute) bis 120 Jahre."       

     
    
Anzeigen und Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben
  

Anzeige der Restauration des Metzgers Raphael Marx (1881) 
     

SchwHall Israelit 01061881.jpg (32313 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1881: "Solbad Schwäbisch Hall. 
Koscher
Restauration Koscher.
 
Raphael Marx, Metzger. Möblierte Zimmer. Billige Preise".       

   
Werbung für das Israelitische Mädchen-Pensionat von Karoline Maier (1884)   

SchwHall Israelit 28011884.jpg (67198 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1884: "Schwäbisch Hall, 
Israelitisches Mädchen-Pensionat.
 
Israelitische Mädchen, welche eine der hiesigen bestrenommierten Lehranstalten (Mädchen-Institut und Frauenarbeitsschule) besuchen wollen, finden bei der Unterzeichneten gegen mäßiges Honorar liebevoll Aufnahme, treue Pflege und Unterweisung in den einschlägigen Fächern. 
Eintritt vom 1. April dieses Jahres an. Karoline Maier Witwe.       

Anzeige der Restauration & Wurstlerei von Joseph Pfeiffer (1900)   

SchwHall Israelit 01021900.jpg (46753 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1900:  "Schwäbisch Hall. 
Streng Koscher - Neu eröffnet - Streng Koscher. Restauration & Wurstlerei. Joseph Pfeiffer. 
Unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Berlinger, Braunsbach. Prompter Versand von Wurstwaren nach auswärts. Preiscourant zu Diensten."       

    
Anzeige von Heinrich Herz (1900)    

SchwHall Israelit 31121900.jpg (38617 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1900:  "Ein streng religiöses 
Mädchen

das sich allen häuslichen Arbeiten unterzieht, wird gegen guten Lohn gesucht. Eintritt sofort. Familienanschluss gesichert. Offerten mit Photographie an 
Heinrich Herz,
Schwäbisch Hall."        

   
Anzeige der Weingroßhandlung von David Reiß (1924)    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 4. September 1924: 
"David Reiß, Weingroßhandlung Schwäbisch Hall (Württemberg). 
Telephon Nr. 46. Beste und billigste Bezugsquelle für Fassweine bis zu den feinsten Falschenweinen. 
Edelbranntweine aus eigener Dampfbrennerei".     

  
Hochzeitsanzeige von Karl Kahn und Rahel geb. Hirschberg - Feier im Hotel Pfeiffer (1922)
   

SchwHall Israelit 16021922.jpg (33254 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1922:  
"Karl Kahn - Rahel Kahn geb. Hirschberg
Vermählte. Trauung: Mittwoch, den 22. Februar 1922 24. Schewat
Hotel Pfeiffer, Schwäbisch Hall."       

  
Hochzeitsanzeige von Leopold Plaut und Bertl geb. Wißmann (1922)  

SchwHall Israelit 11041922.jpg (32063 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922:  
"Leopold Plaut  - Bertl Plaut geb. Wißmann
Vermählte. Gudensberg
Trauung - so Gott will: Dienstag 25. April / 27. Nissan. 
Restauration Pfeiffer, Schwäbisch Hall."         

   
Anzeige des koscheren Wurstversandes von Louis Rothschild (1925)  

SchwHall Israelit 21051925.jpg (38666 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1925: 
"Koscher - Streng - Koscher
Spezielle Kochwürstchen Pfd. Mark 1.40  
Ia Aufschnittwurst  Pfd. Mark 1.75  
Ia Dauerwurst Pfd. Mark 1.80.  
Ia Landwurst Pfd. Mark 1.50. 
Louis Rothschild. Wurstversand.  
Schwäbisch Hall (Württemberg)."        

    
Geburtsanzeige für Sara Pfeiffer (1931)    

SchwHall Israelit 19021931.jpg (30025 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1931: "Sara
Die - Gott sei gepriesen - glückliche Geburt einer gesunden Tochter zeigen in dankbarer Freude an 
Heinrich Pfeiffer und Frau Jeanette geb. Rhein. Schwäbisch Hall."          

   
Verlobungsanzeige von Ilse Katzmann und Esra Stein (1934) 
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1934: "Gott sei gepriesen. 
Ilse Katzmann - Esra Stein
. Verlobte. 
Geroda - 1. Cheschwan (= 10. Oktober 1934) - Schwäbisch Hall."   

  
Dokument zur Fa. Gebr. Flegenheimer, Schwäbisch Hall   
(Aus der Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)

Briefumschlag eines Schreibens der 
Fa. Gebr. Flegenheimer, 
Schwäbisch Hall  (1894)
SchwHall Dok 120.jpg (123894 Byte)
Den Gebr. Flegenheimer gehörte in Schwäbisch Hall ein Manufaktur- und Kurzwarengeschäft; das Schreiben geht an einen Gerichtsvollzieher in Wengen (heute Sulzbach-Laufen), ehem. Oberamt Gaildorf 

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaals /der Synagoge      
    
Das Wohngebiet des Mittelalters lag auf dem südlichen Gelände des zugeschütteten "Blockgassenkochers" zwischen Haal und Steinernem Steg, begrenzt von der Haalstraße im Norden, dem Haalplatz im Westen, der Stadtmauer am Kocher im Süden und der Straße zum Unterwöhrdstor im Osten. In diesem Wohngebiet lag die Synagoge ("Judenschule", 1356 genannt) an der Stelle des späteren Schlachthauses (heutiges Grundstück Haalstraße 8-9). Das ehemalige Judenbad (Mikwe) war wahrscheinlich im Untergeschoss des Gebäudes Steinerner Steg 8 unmittelbar am Kocher beziehungsweise an der mittelalterlichen Stadtmauer.  
      
Die im 19. Jahrhundert zugewanderten jüdischen Personen besuchten zunächst die Gottesdienste in Steinbach. Im Dezember 1892 kaufte die Gemeinde Räume für einen Betsaal in der Oberen Herrngasse 8. Am 22. September 1893 fand die Einweihung des Betsaales statt. An Festtagen wurden bis 1935 weiterhin die Gottesdienste in Steinbach gefeiert. Der Betsaal lag hinter einem erdgeschossigen Laden am westlichen Giebel des Gebäudes, der eigentlich schon zur Unteren Herrngasse gehört. Vor dem Frauenbereich befand sich ein Schulsaal. Auch eine kleine Wohnung für den Vorbeter war eingerichtet. 
      
Beim Novemberpogrom 1938 demolierten unter Anführung der örtlichen Parteifunktionäre Angehörige der SS, SA und des NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps) den Betsaal, zerschlugen dessen Inneneinrichtung und verbrannten Inventar und Kultgegenstände auf dem Marktplatz. 
Das Gebäude blieb erhalten, seit 1985 ist eine Hinweistafel angebracht. Auf dem Marktplatz (Platz unterhalb der St.-Michaels-Kirche) wurde außerdem an der Stelle der Verbrennung ein großer Davidstern mit erklärendem Text angebracht. 
   
   
   
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite  

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos Dezember 1983:
(Fotos: Hahn)
   
SchwHall Synagoge 102.jpg (58722 Byte) SchwHall Synagoge 101.jpg (64149 Byte) SchwHall Synagoge 100.jpg (52482 Byte)
Blick zum Haus des Betsaals in 
der Oberen Herrngasse 
Das Haus des 
Betsaals 
Die Eingangstüre - eine Gedenktafel 
war damals noch nicht angebracht 
     
Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.9.2003; 
untere Zeile am 1.8.2004)
SHA Betsaal 001.jpg (67077 Byte) SHA Betsaal 004.jpg (64970 Byte)
  Das Haus des Betsaals  Andere Blickrichtung 
     
SHA Betsaal 002.jpg (56487 Byte) SHA Betsaal 003.jpg (55922 Byte) SHA Rabbinat 004.jpg (69594 Byte)
Eingangstüre  Gedenktafel  Das ehemalige Rabbinat in 
der Oberen Herrngasse 1
     
     
SHA Rabbinat 003.jpg (43656 Byte) SHA Rabbinat 002.jpg (40928 Byte) SHA Rabbinat 001.jpg (35009 Byte)
Eingang in das Rabbinatsgebäude  Spuren der Mesusa an beiden Türen des ehemaligen Rabbinatsgebäudes 
   
Schwaebisch Hall Synagoge 212.jpg (48097 Byte) Schwaebisch Hall Synagoge 210.jpg (53422 Byte) Schwaebisch Hall Synagoge 211.jpg (60031 Byte)
Gedenkinschrift an der Stelle, wo das Inventar des Betsaales beim Novemberpogrom 1938 verbrannt wurde 
(auf linkem Foto rechts der für die Freilichtspiele aufgestellten Stühle)
     
Historisches Foto eines 
jüdischen Gewerbebetriebes 
(aus der Website 
www.hermannfechenbach.com
SchwHall Flegenheimer und Schorsch.png (906179 Byte)  
  Das Foto zeigt die Kurzwarenhandlung
 Flegenheimer & Schorsch (Lange Straße 18).  
 
     

   
    

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Schwäbisch Hall    

Literatur: 

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 161-164.
Germania Judaica II,2 S. 750-753; III,2 S. 1340-1343.
Gerd Wunder: Die Bürger von Hall. Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802. 1980. S. 94-99.
Ilse Wendnagel: Zur Geschichte der Juden in Schwäbisch Hall vom Mittelalter bis zur Gegenwart (maschinenschriftlich). 
Michael Sylvester Koziol: "Das ist ein politischer Brand!". Die "Reichskristallnacht" in Schwäbisch Hall und Braunsbach. (Hg. Stadt Schwäbisch Hall) Schwäbisch Hall 1988.
Gerhard Taddey: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im Landkreis Schwäbisch Hall. 1992.
Eine Reise in die Vergangenheit. Dokumentation zum Besuch ehemaliger jüdischer Bürger von Schwäbisch Hall. 1985. 
Schw Hall Lit 090.jpg (32630 Byte)Andreas Maisch / Daniel Stihler / unter Mitarbeit von Heike Krause: Schwäbisch Hall. Geschichte einer Stadt. Künzelsau (Swiridoff Verlag) 2006. 
Elke Däuber / Andreas Maisch: Geachtet - Ausgegrenzt - Verfolgt. Jüdische Einwohner in Schwäbisch Hall 1933-1945. Schwäbisch Hall 2008 /Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Hall Nr. 24).   

         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Schwaebisch Hall  Wuerttemberg. A Jewish quarter is known from the 13th century. Jews were victims of the Black Death persecutions of 1348-49 and were expelled in 1379. Although reestablished in 1401 numerous restrictions kept the community down to a handful of Jews until the 19th century. A synagogue decorated with wooden engravings was built in 1738-39. Under Wuerttemberg rule from the early 19th century, the community grew to 263 in 1880 (total 9,222), absorbing Jews from neighboring Unterlimburg and Steinbach. In 1933, there were 115 Jews in Schwaebisch Hall. Jewish businesses included a cigarette factory. Virulent anti-Jewish agitation commenced at the outset of Nazi rule. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the local prayer house along with Jewish stores and residences were vandalized and the Steinbach synagogue was burned. About 90 Jews managed to emigrate; 22 perished after expulsion to the east in late 1941 and 1942. Late in the war 800 mostly Jewish detainees were kept in a labor camp branch of the Dachau concentration camp at the local airfield. After the war a mass grave was discovered in the vicinity. Sixteen hundred Jewish Displaced Persons were held from late 1946 until 1948 in three transit camps on the outskirts of the city and during their stay they organized a community. Most left for Israel in 1948. 
     

   

                   
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Stand: 21. März 2014