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Baden-Württemberg
Schwäbisch Hall (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien
Reichsstadt Schwäbisch Hall bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und
im 19./20. Jahrhundert.
Im Mittelalter wird eine jüdische Gemeinde erstmals
1241/42 genannt. Bei der Judenverfolgung während der Pestzeit wurde die
Gemeinde 1349 vernichtet. Seit 1373 (bis 1393) und bis 1415 werden wieder Juden
in der Stadt genannt.
Im 19. Jahrhundert wurden erst seit 1864 Juden in
Schwäbisch Hall aufgenommen. Die Gemeinde bestand bis 1939.
Die höchste Zahl jüdischer
Einwohner wurde um 1880 mit 263 Personen erreicht, danach ging sie langsam zurück
(1900: 187, 1910 156 Personen).
Zunächst gehörte die Gemeinde zum
Bezirksrabbinat in Braunsbach, bis dessen Sitz 1914 nach Schwäbisch Hall
verlegt wurde.
Die jüdischen Bürger betätigten sich vorwiegend in Handel und
Gewerbe. Neben einigen Viehhandlungen gehörte ihnen bis nach 1933 eine
Zigarrenfabrik, mehrere Manufaktur- und Kurzwarengeschäfte, ein Tuch- und
Modewarengeschäft, zwei Metzgereien und Gastwirtschaften, eine Lederhandlung
und eine Reißwollfirma.
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den
1933 in Schwäbisch Hall und Steinbach wohnhaften 115 jüdischen Personen
mindestens 20 Personen ums Leben.
Von den in Schwäbisch Hall geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolfine Adler
(1894), Johanna Adler geb. Weil (1871), Mathilde Adler (1895), Rosa Adler
(1880), Jeanette Bacher geb. Frei (1875), Käthe Blömendal geb. Hähnlein
(1890), Sofie Falkenstein geb. Hähnlein (1886), Johanna Frey (1872), Julius
Hähnlein (1880), Lina Hähnlein (1883), Max Hähnlein (1883), Nanny
Hammerschlag geb. Oppenheimer (1883), Fanny Hecht geb. Marx (1884), Max
Hessenthaler (1867), Gertrud Kahn (1903), Luzie Kapp (1900), Rosa Kapp geb.
Obenheimer (1871), Friederike Kern geb. Reis (1871), Heinrich Kleibömer (1906),
Willi Kownator (1908), Berta Levy geb. Hähnlein (1892), Gusta Lewkowicz geb.
Rosenberg (1899), Salomon Lewkowicz (1898), Ignatz Lieblich (1898), Frida
Lippmann geb. Oppenheimer (1887), Emil Obenheimer (1897), Lina Obenheimer geb.
Würzburger (1870), Rosa Oberdorfer geb. Oppenheimer (1872), Jakob Ornstein
(1903), Karoline Pfeiffer (1891), Maier Pfeiffer (1888), Max Reis (1874), Berta
Reiss (1869), Jakob Rosenthal (1886), Frida Stern geb. Wertheimer (1897), Lydia
Stoppelmann geb. Marx (1883), Alfred Weinberg (1881), Hedwig Weitzner (1903),
Richard Wertheimer (1906), Salomon (Salo) Wertheimer (1896), Heinrich Wolf
(1873), Berthold Wolff (1879), Hedwig Wolff (1876), Karoline Wolff (1878), Maier
Max Wolff (1872), Mathilde Wolff (1872).
Nach 1945: In Schwäbisch Hall befanden sich von
1945 bis Anfang 1949 drei Lager für "Displaced Persons" ("Warszawa Kriegsopfer
Siedlung", "Lwow & Pol. School, Kocherfeld", "Nowa Lodz, Ziegeleiweg"), wo
insgesamt über 1.300 jüdische Personen aus verschiedenen Ländern
untergebracht waren. Diese Personen blieben nur vorübergehend in Schwäbisch
Hall und sind nach 1948 überwiegend nach Israel ausgewandert.
Nach 1990: In Schwäbisch Hall sind inzwischen
wieder jüdische Personen überwiegend aus den GUS-Ländern zugezogen. Die
Neugründung einer Gemeinde (zunächst jedoch Filialgemeinde zu
Stuttgart) wird angestrebt (Stand 2009).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte des Rabbinates in Schwäbisch Hall
70.
Geburtstag von Bezirksrabbiner Dr. Jakob Berlinger (1936)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai
1936: |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1919 /
1920 / 1923
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar
1919: |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August
1920: |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August
1923: |
Lehrer
Nathan Hähnlein wirbt für sein Pensionat (1876 / 1877)
Anmerkung: Lehrer Nathan Hähnlein ist am 19. April 1846 in Laudenbach
geboren. Er ließ sich von 1862 bis 1864 am Esslinger Lehrerseminar ausbilden
und war seit 1869 Lehrer in Schwäbisch Hall, wo er 1918 gestorben ist.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März
1876: |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September
1877: |
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Nathan Hähnlein
(1894)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September
1894: |
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70. Geburtstag von Lehrer Nathan Hähnlein (1916)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April
1916: |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Pfarrer Traub hält einen Vortrag über den
"Blutaberglauben" (1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober
1900: |
Gründung eines Beth HaMidrasch durch Heinrich Herz
(1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar
1902: |
Bericht von einer Tagung der Aguda in Schwäbisch Hall
(1924)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September
1924: |
Jüdische Händler sind vom Pferde- und Viehmarkt ausgeschlossen (1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar
1937: |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Wahl von Heinrich Herz in den Bürgerausschuss (1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember
1900: |
25-jähriges Amtsjubiläum des Gemeindevorstehers
Heinrich Herz (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar
1909: |
Zum Tod von Heinrich Herz (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April
1915: |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April
1915: |
Zum Tod von Kathinka Herz, der Frau von Moses Herz
(1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November
1931; |
60. Geburtstag von Moses Herz (1938)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März
1938: |
Anzeigen und Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben
Anzeige der Restauration des Metzgers Raphael Marx (1881)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni
1881: |
Werbung für das Israelitische Mädchen-Pensionat von
Karoline Maier (1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar
1884: |
Anzeige der Restauration
& Wurstlerei von Joseph Pfeiffer (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar
1900: |
Anzeige von Heinrich Herz (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember
1900: |
Hochzeitsanzeige von Karl Kahn und Rahel geb. Hirschberg - Feier im Hotel
Pfeiffer (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar
1922: |
Hochzeitsanzeige von Leopold Plaut und Bertl geb.
Wißmann (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April
1922: |
Anzeige des koscheren Wurstversandes von Louis
Rothschild (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai
1925: |
Geburtsanzeige für Sara Pfeiffer (1931)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar
1931: |
Dokument zur Fa. Gebr. Flegenheimer, Schwäbisch Hall
(Aus der Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
| Briefumschlag eines
Schreibens der Fa. Gebr. Flegenheimer, Schwäbisch Hall (1894) |
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Den Gebr. Flegenheimer
gehörte in Schwäbisch Hall ein Manufaktur- und Kurzwarengeschäft; das
Schreiben geht an einen Gerichtsvollzieher in Wengen (heute
Sulzbach-Laufen), ehem. Oberamt Gaildorf |
Zur Geschichte des Betsaals /der Synagoge
Das Wohngebiet des Mittelalters
lag auf dem südlichen Gelände des zugeschütteten
"Blockgassenkochers" zwischen Haal und Steinernem Steg, begrenzt von
der Haalstraße im Norden, dem Haalplatz im Westen, der Stadtmauer am Kocher im
Süden und der Straße zum Unterwöhrdstor im Osten. In diesem Wohngebiet lag
die Synagoge ("Judenschule", 1356 genannt) an der Stelle des späteren
Schlachthauses (heutiges Grundstück Haalstraße 8-9).
Die im 19. Jahrhundert zugewanderten jüdischen Personen
besuchten zunächst die Gottesdienste in Steinbach. Im Dezember 1892 kaufte die
Gemeinde Räume für einen Betsaal in der Oberen Herrngasse 8. Am 22.
September 1893 fand die Einweihung des Betsaales statt. An Festtagen wurden
bis 1935 weiterhin die Gottesdienste in Steinbach gefeiert. Der Betsaal lag
hinter einem erdgeschossigen Laden am westlichen Giebel des Gebäudes, der
eigentlich schon zur Unteren Herrngasse gehört. Vor dem Frauenbereich befand
sich ein Schulsaal. Auch eine kleine Wohnung für den Vorbeter war eingerichtet.
Beim Novemberpogrom 1938 demolierten unter Anführung
der örtlichen Parteifunktionäre Angehörige der SS, SA und des NSKK
(Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps) den Betsaal, zerschlugen dessen
Inneneinrichtung und verbrannten Inventar und Kultgegenstände auf dem
Marktplatz.
Das Gebäude blieb erhalten, seit 1985 ist eine Hinweistafel angebracht. Auf dem
Marktplatz (Platz unterhalb der St.-Michaels-Kirche) wurde außerdem an der
Stelle der Verbrennung ein großer Davidstern mit erklärendem Text angebracht.
Fotos
Historische Fotos:
Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos Dezember 1983:
(Fotos: Hahn) |
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| Blick zum Haus des Betsaals in
der Oberen Herrngasse |
Das Haus des Betsaals |
Die Eingangstüre - eine
Gedenktafel war damals noch nicht angebracht |
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Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.9.2003; untere Zeile am
1.8.2004) |
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Das Haus des Betsaals |
Andere Blickrichtung |
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| Eingangstüre |
Gedenktafel |
Das ehemalige Rabbinat in der
Oberen Herrngasse 1 |
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| Eingang in das
Rabbinatsgebäude |
Spuren der Mesusa
an beiden Türen des ehemaligen Rabbinatsgebäudes |
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| Gedenkinschrift
an der Stelle, wo das Inventar des Betsaales beim Novemberpogrom 1938
verbrannt wurde (auf linkem Foto rechts der für die Freilichtspiele
aufgestellten Stühle) |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 161ff. |
 | Germania Judaica II,2 S. 750-753; III,2 S. 1340-1343. |
 | Gerd Wunder: Die Bürger von Hall.
Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802. 1980. S. 94-99. |
 | Ilse Wendnagel: Zur Geschichte der Juden in Schwäbisch Hall vom
Mittelalter bis zur Gegenwart (maschinenschriftlich). |
 | Michael
Sylvester Koziol: "Das ist ein politischer Brand!". Die
"Reichskristallnacht" in Schwäbisch Hall und Braunsbach. (Hg.
Stadt Schwäbisch Hall) Schwäbisch Hall 1988. |
 | Gerhard Taddey: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im Landkreis
Schwäbisch Hall. 1992. |
 | Eine Reise
in die Vergangenheit. Dokumentation zum Besuch ehemaliger jüdischer Bürger von
Schwäbisch Hall. 1985. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schwaebisch Hall
Wuerttemberg. A Jewish quarter is known from the 13th century. Jews were victims
of the Black Death persecutions of 1348-49 and were expelled in 1379. Although
reestablished in 1401 numerous restrictions kept the community down to a handful
of Jews until the 19th century. A synagogue
decorated with wooden engravings was built in 1738-39. Under Wuerttemberg
rule from the early 19th century, the community grew to 263 in 1880 (total
9,222), absorbing Jews from neighboring Unterlimburg
and Steinbach. In 1933, there were 115 Jews
in Schwaebisch Hall. Jewish businesses included a cigarette factory. Virulent
anti-Jewish agitation commenced at the outset of Nazi rule. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the local prayer house along with Jewish stores and
residences were vandalized and the Steinbach
synagogue was burned. About 90 Jews managed to emigrate; 22 perished after
expulsion to the east in late 1941 and 1942. Late in the war 800 mostly Jewish
detainees were kept in a labor camp branch of the Dachau concentration camp at
the local airfield. After the war a mass grave was discovered in the vicinity.
Sixteen hundred Jewish Displaced Persons were held from late 1946 until 1948 in
three transit camps on the outskirts of the city and during their stay they
organized a community. Most left for Israel in 1948.

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