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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Künzelsau (Kreisstadt,
Hohenlohekreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts
unterschiedlichen Ortsherrschaften (Ganerbenort) gehörigen Künzelsau lebten
Juden zunächst im Mittelalter. Bei der Judenverfolgung durch die Banden
des Ritters Rindfleisch 1298 wurden auch hier Juden ermordet.
Um 1550 wurden von einem der Ortsherren (Herren von Stetten) Juden
aufgenommen. Die anderen Ortsherrschaften waren damit nicht einverstanden und
versuchten, die Juden möglichst bald wieder fortzuschaffen. Sie hatten Erfolg:
1580/81 wurden die Juden aus Künzelsau vertrieben.
Zu einer neuen Niederlassung kam es erst seit 1853 durch Zuzug aus
umliegenden "Judendörfern", insbesondere aus Nagelsberg,
Hohebach, Braunsbach,
Ernsbach und Berlichingen.
1869 lebten in Künzelsau 30 jüdische Einwohner. Die höchste Zahl wurde
bereits um 1880 mit 119 Personen erreicht (4,2 % der
Gesamteinwohnerschaft von 2.862 Personen), um danach langsam zurückzugehen:
1890 103 jüdische Einwohner (3,6 % von 2.895), 1900 114 (3,7 % von 3.067), 1910
92, 1925 78 (2,5 % von 3.174). Zunächst war Künzelsau (seit 1876) Filialgemeinde zu
Nagelsberg, danach war es umgekehrt ("Jüdische Gemeinde
Künzelsau-Nagelsberg"). Beide Gemeinden gehörten zum Rabbinatsbezirk Braunsbach,
dessen Sitz nach 1900 in Schwäbisch Hall
verlegt wurde.
Im wirtschaftlichen und politischen Leben der Stadt nahmen die zugezogenen jüdischen
Familien alsbald einen wichtigen Platz ein. Mehrmals wurden
jüdische Bürger in den Gemeinderat gewählt (Lazarus Baer, Max Löwenthal,
Selig Wissmann). Am Lehrerseminar in Künzelsau wurden im 19.
Jahrhundert zeitweise auch jüdische Lehramtskandidaten ausgebildet: 1876 waren
es fünf jüdische Seminaristen, die neben den Hauptfächern am Seminar in
Judaica durch den pensionierten Lehrer Veit Kahn Unterricht erhielten.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal, seit 1907
eine Synagoge (s.u.) sowie eine Religionsschule. Die Toten der Gemeinde wurden
im jüdischen Friedhof in Berlichingen
beigesetzt, teilweise auch in der Orten der Herkunft der Familie (z.B. wurde
David Furchheimer 1933 in Hohebach beigesetzt, s.u.). Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: David Neumann,
Eduard und Isaak Stern. Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal des städtischen Friedhofes.
Um 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde
Selig Wissmann, Lazarus Baer und Max Ledermann. Wissmann war Religionslehrer der
Gemeinde und erteilte auch Religionsunterricht an den höheren Schulen der
Stadt. An jüdischen Vereinen
bestanden der Israelitische Frauenverein (1924 Leitung durch Ida
Gottlieb, Sophie Furchheimer und Ida Wissmann), und der Israelitische Männerverein
(Chewra Kadischa, 1924 Leitung durch Seligmann Wißmann). Seit 1928
Lehrer und Vorbeter der Gemeinde Julius Goldstein. Er unterrichtete im Schuljahr
1931/32 neun Kinder; er wohnte in der Burggasse 15, später Schlossplatz 11 (im
Haus des Viehhändlers Alexander Neumann).
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Bäckerei und Wirtschaft
"Zur Kanne", Eugen Adler (Kannengäßle 3 und 9), Getreide- und Mehlgroßhandlung Jakob Baer, Teilh. Sigbert und Siegfried Baer (Lager am Bahngleis; Wohnhäuser Langenburger
Straße 5 und Oberamteistraße 25), Lazarus Baer (Oberamteistraße 16), Handelsmann Siegfried Berney (Oberer Bach 5), Bekleidungshaus David Furchheimer (Keltergasse 54), Handelsmann Jakob Gottlieb (Schnurgasse 3), Viehhandlung Immanuel Hanauer
(Hauptstraße 74, abgebrochen), Viehhandlung Sally Kirchheimer (Hirtengasse 10), Viehhandlung Gustav und Julius Kusiel (Keltergasse 33), Kaufmann Max Ledermann (Keltergasse 47), Großkaufmann Moses gen. Max Löwenthal (Stuttgarter
Straße 17), Viehhandlung Samuel Morgenroth (Scharfengasse 20), Viehhandlung Alexander Neumann (Schlossplatz 11), Aussteuergeschäft Jakob Neumann, Beizen- und Politurengeschäft Leo Neumann und Fam. Salomo Neumann (die Geschäfts- und Wohnhäuser Neumann verteilen sich auf An der Stadtmauer 3,
Oberamteistraße 9/1, Stuttgarter Straße 8), Handelsmann Hermann Neumann (Schnurgasse 6), Stoffe- und Schuhgeschäft Rosa Neumann
(Hauptstraße 60), Metzgerei und Wirtschaft Adolf Stern (Hauptstraße 9, abgebrochen), Fleischer David Stern
(Hauptstraße 23 oder 27), Handelsmann Heinrich Stern (Zollstockweg 4), Handelsmann Emanuel Würzburger (Keltergasse 17).
1933 lebten noch 65 jüdische Personen in der Stadt. Bereits im März
1933 kam es zu antijüdischen Ausschreitungen in der Stadt. Am 20. März 1933
führten SA-Leute unter Führung des SA-Standartenführers Klein aus Heilbronn
und Schutzpolizei eine "Waffensuchaktion" bei jüdischen Personen und
bei Gegner des NS-Regimes durch. Der jüdische
Lehrer Julius Goldstein (1939 mit Frau und den beiden Kindern in die USA
emigriert) wurde von SA-Leuten auf das Rathaus geschleppt und derart
misshandelt, dass der eiserne Synagogenschlüssel, den er in seiner Hosentasche
trug, in zwei Stücke zersprang. Vor Aufregung über diesen Vorfall starb der
Vorsteher der jüdischen Gemeinde Kaufmann Max Ledermann an einem Herzschlag, als er
Lehrer Goldstein besuchte. Ein anderes Gemeindeglied, David Furchheimer nahm
sich auf den Vorfall hin das Leben (siehe Bericht zu ihrem Tod in der
Zeitschrift "Der Israelit" unten). In den Jahren nach 1933
ist auf Grund der Folgen der zunehmenden Entrechtung und der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts ein Teil der jüdischen Einwohner emigriert oder aus
Künzelsau verzogen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
zerstört (s.u.). Die letzten der jüdische Geschäfte wurden in dieser Zeit
aufgelöst beziehungsweise von nichtjüdischen Personen übernommen. Bis zu den
Deportationen 1941/42 mussten die noch in der Stadt lebenden jüdischen Personen
in wenigen "Judenhäusern" zusammenziehen und wurden zur Zwangsarbeit
herangezogen (u.a. im städtischen Steinbruch). Die jüdische Gemeinde wurde am
12. Juli 1939 aufgelöst.
Von den in
Künzelsau geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Gedenkbuch Baden-Württemberg): Hedwig Berney geb. Stern (1887), Siegfried Berney
(1881), David Furchheimer (1882), Berta Hanauer geb. Neumann (1877), Emanuel (Menachem)
Hanauer (1870), Samuel Hanauer (1870), Abraham Hecht (1881), Arthur Sally Hirsch (1908), Gustav Hirsch
(1912), Nanni Holländer geb. Rosenthal (1884), Betty Kirchheimer geb. Stern
(1898), Hans Kirchheimer (1925), Sally Kirchheimer (1884), Gustav Kusiel (1907),
Max Ledermann (1868), Rosa Ledermann geb. Katzenberger (1877), Berta Mayer geb.
Kusiel (1872), Selma Morgenroth
(1903), Jacob Neumann (1869), Klara Neumann (1884), Leopold Neumann (1905),
Malchen Neumann geb. Hahn (1870), Rita Neumann (1910), Salomon Neumann (1900), Adolf Rosenthal
(1888), Karl Rosenthal (1872), Max Rosenthal (1882), Therese Rubel geb. Rosenthal (1881),
Bertha Sahm geb. Neumann (1880), Meta Salomon
geb. Wertheimer (1883), Frieda Schlachter (1880), Meta Schlachter (1885),
Gertrud Sonder (1886), Berta Stern (1881), Irma Stern (), Isaak Stern (1896), Minna
Stern geb. Schlachter (1878), Hedwig Weinmann geb. Stern (1894), Berta
Weinsberger (1874), Alfred Werner (1893), Emanuel Würzburger (1866).
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 /
1891
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1879:
"In hiesiger Gemeinde wird ein seminaristische geprüfter
Religionslehrer, Vorsänger und Schochet gesucht. Einkommen mit
Nebenverdienst ca. Mark 1.400. -
Ledige Bewerber werden bevorzug. Künzelsau und Nagelsberg,
Württemberg.
Israelitisches Kirchen-Vorsteher-Amt: Feist Straus, Henle Neuman." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1891:
"Die Religionslehrer-, Vorsänger und Schächter-Stelle in Künzelsau
ist per 1. Januar 1892 neu zu besetzen. Die Stelle trägt ein: Fixer
Gehalt 810 Mark, Schechita ca. 400 Mark, Nebenverdienste ca. 250 Mark,
zusammen 1460 - 1500 Mark, sowie Wohnungsentschädigung. Bewerber wollen
ihre Zeugnisse, verbunden mit Kabbala-Brief von orthodoxen Rabbinen
ausgestellt, einsenden an Eisig Neumann, Vorsteher in
Künzelsau." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1928: "Durch
die Ernennung des bisherigen Beamten auf eine andere Stelle ist die Religionslehrerstelle
in Künzelsau wieder durch einen lebenslänglich zu ernennenden
Religionslehrer zu besetzen. Bewerber, die die deutsche
Reichsangehörigkeit besitzen und beide Volksschullehrerdienstprüfungen
bestanden haben, wollen sich bis zum 16. Juli 1928 bei der unterzeichneten
Stelle melden. Die Besoldung richtet sich nach Gruppe 8a der
Württembergischen Besoldungsordnung (RBO.4c), zuzüglich Wohnungsgeld,
Ortsklasse C und eventuelle Kinderzuschläge) und wird durch die
Israelitische Zentralkasse ausbezahlt. Sämtlich außerhalb Württemberg
zugebrachten Dienstjahre werden in Anrechnung gebracht. Nebeneinnahmen
durch Ausübung der Schechita und Übernahme der Gemeindepflege stehen in
Aussicht. Die Gemeinde reflektiert auf einen Lehrer der orthodoxen
Richtung. Wohnung ist vorhanden. Umzugs- und Reisekosten werden
vergütet.
Der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs.
Stuttgart. Reinsburgstraße 19/2." |
Zum 1. Jahrzeittag des Lehrers Selig
Wißmann (1892 bis 1927 Lehrer in Künzelsau)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928:
"Künzelsau, 5. Februar (1928). Am 16. Februar jährt sich zum ersten
Male der jüdische Todestag des am 25. Schewat 5687 verschiedenen
Religionslehrers Selig Wißmann - das Andenken an den Gerechten ist zum
Segen - in Künzelsau.
Da im vorigen Jahre an dieser Stelle eine ausführliche Schilderung seiner
Persönlichkeit und seines Wirkens unterblieb, sei dies jetzt
nachgeholt.
Selig Wißmann wurde am 1. Main 1869 als Sohn des Rabbiners Salomon
Wißmann ( das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in Georgensgmünd
(Bayern) geboren. Schon mit dem sechsten Jahre war er Vollwaise geworden,
sodass er bei seinem Onkel, Rabbiner Löb Wißmann - das Andenken an
den Gerechten ist zum Segen - Schwabach, erzogen wurde. Mit großem
Eifer widmete er sich an der dortigen Talmud-Tora-Schule dem Studium
unserer heiligen Schrift und nichts bereitete ihm mehr Freude als Tag und
Nacht forschen zu können. Nach dreijährigem Besuch des Israelitischen
Lehrerseminars Würzburg trat er in noch jugendlichem Alter eine
Hilfslehrerstelle in der Gemeinde Thüngen
an, wo er seine Kenntnisse im Jüdischen bei Hauptlehrer Eschwege - (Alles
Gute) bis 120 Jahre - der jetzt in Frankfurt weilt, erweiterte. Dort
lernte er auch seine künftige Gattin kennen, die ihm auf allen seinen
Wegen in seinem Beruf eine treue Begleiterin war. Drei Jahre war er dann
Lehrer in Alzenau (Unterfranken) und hierauf
wählte ihn die Gemeinde Künzelsau im Jahre 1892 zu ihrem Lehrer
und Führer. Bis zu seinem so plötzlichen und unerwarteten Tode war es
sein Streben, die Gemeinde zu Thauro (Tora), Awaudo (Gottesdienst) und
Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit) zu erziehen, gerade so wie es sein
Streben war, seinen sieben Kindern die gleich innige Liebe zu Gott und
seinen Geboten einzupflanzen, die ihn beherrschte. Sein stetes Streben war
auf Frieden gerichtet. Dadurch verstand er es auch, sich bei Juden und
Nichtjuden gleich große Achtung und bei seiner vorgesetzten Behörde die
allergrößte Wertschätzung zu erwerben. Das zeigte sich bei seiner
Beerdigung, bei welcher nicht weniger als dreizehn Nachrufe gehalten
wurden. Die Gemeinde hatte nach 35 Jahren ihren treuen Führer, das Land
Württemberg einen seiner besten Lehrer, das Judentum einen seiner
treuesten Anhänger, der mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem
Vermögen seinem Gotte diente, verloren. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Am
Tag des 25. Schewat*: Der erste Jahrzeitstag für Lehrer Selig
Wissmann - das Andenken an den Gerechten sei zum Segen und für das
Leben der zukünftigen Welt (Donnerstag 16. Februar 1928). (hebräisch
und deutsch:) Für Kollegen und Freunde, welche einen 'Schiur' lernen
wollen, sei der 'Schem Kaudesch' (religiöse Name des Verstorbenen) angegeben:
Pinchas Sohn des Rabbiners Schlomo und der Name seiner Mutter Beierle." |
| *Hebräisches Datum nach Textangabe 25.
Schewat zu korrigieren! |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Am Schabbat und Feiertag sollte man keine Pferde
ausleihen... (1886)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1886:
"Künzelsau (Württemberg). Am vergangenen Schabbat - Halbfeiertag
von Sukkot (sc. dies war am 16. Oktober 1886) - lieh ein hiesiger
Handelsmann seine Pferde seinem Nachbarn. Kaum 10 Minuten von der Stadt
entfernt, hörte das edle Pferd zu schnaufen auf und verendete. Die
jüdischen Kollegen des Herleihers, welche schon manchmal Ähnliches
verübt, haben sich vorgenommen, nie mehr ein Stück Vieh am Feiertag
und am Schabbat zu geben, was, wenn es sich bewährt, sehr zu loben
wäre." |
Opferbereitschaft der Gemeinde für verfolgte russische
Juden (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1891: "Künzelsau
(Württemberg). Infolge Anregung in Nummer 39 und 40 des 'Israelit und
Jeschurun' haben sich die hiesigen Gemeindemitglieder zusammengefunden, um
wegen des russischen Unterstützungsprojektes zu beraten. Die Anwesenden
haben je einen Beitrag von 2-5 Mark gezeichnet und sich verbindlich
gemacht, diesen Beitrag monatlich, auf die Dauer von 6 Monaten zu spenden.
Die erste Sammlung ergab 72 Mark. Da von einer dem Mittelstande
angehörenden Gemeinde mit etlichen 20 Familien dieses geleistet wurde, so
könnte, wenn diesem Beispiele in der ganzen jüdischen Diaspora
nachgeahmt würde und besonders die Leistungsfähigen nicht zurückstehen,
Großes und Ersprießliches erreicht werden. (Auch von der kleinen
Gemeinde in Aufhausen bei Bopfingen
wird uns von der großen Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder berichtet,
welche auf eine Predigt des Herrn Lehrer Adler 68 Mark spendeten.
Red.)." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Meta Neumann, langjährige Vorsteherin des
Frauenvereins (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1902:
"Künzelsau (Württemberg). Am Erew Schabbat Kodesch (am
Freitag vor Schabbat Hagadol, d.i. letzter Schabbat vor Pessach,
das war am 19. April 1902, damit ist sie am 18. April 1902 gestorben)
wurde die hiesige Gemeinde in tiefe Wehmut versetzt, indem Frau Meta
Neumann, eie durch Frömmigkeit, Lebensklugheit und sonstige guten
Eigenschaften ausgezeichnete Frau, nach schwerer Leidenszeit in ein
besseres Jenseits abberufen wurde. War sie ihrem Gatten eine treu besorgte
Lebensgefährtin, ihren Kindern eine liebe- und hingebungsvolle
Erzieherin, so verstand sie es auch durch ihre Menschenfreundlichkeit und
stetes Entgegenkommen, sich in weiten Kreisen beliebt zu machen, wovon
auch die Beerdigung, die am Sonntag 13. Nissan (20. April
1902) stattfand und an welcher sich auch viele Nichtjuden beteiligten,
beredtes Zeugnis angelegt. Frau Neumann - gepriesen sei ER (Gott) -
war viele Jahre hindurch Vorsteherin des hiesigen Frauenvereins und
bekundete auch eine besondere Liebe für die Armen des Heiligen Landes
dadurch, indem sie selbst gerne hierfür spendete und auch andere durch
regelmäßiges Sammeln des Challo-Geldes (sc. aus der im Haus
aufgestellten Challa-Büchse) für diesen edlen Zweck zu gewinnen wusste. Ihr
Andenken wird stets in unserer Mitte ein gesegnetes sein. Ihre Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1902. Der Artikel
zum Tod von Frau Neumann erschien zweimal in der Zeitschrift "Der
Israelit": am 5. Mai 1902 (oben) innerhalb der Anzeigen des Zeitung,
am 12. Mai unter den Mitteilungen. |
Zum Tod von Pauline Neumann geb. Rosenfeld (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1908: "Künzelsau
(Württemberg), 20. Dezember. Am Sonntag, 19. Kislew (= 13. Dezember
1908), haben wir eine Frau zu Grabe getragen, welcher auch in diesem
Blatte in Ehren gedacht werden soll. Frau Pauline Neumann geb.
Rosenfeld, starb nach kurzem, schwerem Krankenlager im Alter von 53
Jahren. Ihre Religiosität, gepaart mit Bescheidenheit und
Zurückgezogenheit und dem rühmenswerten Streben, stets in Frieden und
Eintracht mit ihren Nebenmenschen zu leben, erwarb ihr allseitige Liebe
und Verehrung, was sich sowohl bei ihrem Kranksein, als auch bei ihrer
Beerdigung zeigte. Auf dem Friedhofe
in Berlichingen schilderte Lehrer Wißmann in tief empfundenen Worten
die Verdienste und Tugenden der Verstorbenen, den Verlust, die die Familie
erlitten und die Lücke, die die Verstorbene in unserer Gemeinde
hinterlässt. Möge ihr tugendhaftes Leben recht viel Nachahmerinnen
finden. Ihre Seele sie eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Max Ledermann und David Furchheimer (1933) - erste Opfer der
NS-Zeit
Kaufmann Max Ledermann - erstes Opfer der NS-Zeit in Künzelsau - starb vor
Aufregung über die durch SA-Leute und die Schutzpolizei durchgeführten
antijüdischen Maßnahmen am 20. März 1933. Jüdische Häuser waren als reine
Schikane nach Waffen durchsucht worden. Der jüdische Lehrer Julius Goldstein wurde auf das Rathaus gebracht und dort
schwer misshandelt. Kaufmann Max Ledermann erlitt beim Anblick des halbtot
geschlagenen Lehrers einen Herzschlag, an dem er starb.
Kaufmann David Furchheimer (geb. 1882, wohnte Keltergasse 54) starb am
28. März 1933 an Suizid.
Im nachfolgenden Bericht wird auf die Ursache der beiden Todesfälle -
vermutlich aus Sorge über mögliche Konsequenzen gegenüber der Zeitschrift
"Der Israelit" - mit keinem Wort eingegangen.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 7. April 1933: "Künzelsau, 1. April (1933). Max
Ledermann wurde uns am Dienstag, den 21. März plötzlich entrissen.
Er war das Herz der Gemeinde. In der Lehrerfamilie zu Oberlauringen,
der er entstammte, war ihm die Liebe zur Väterreligion eingeimpft und sie
verließ ihn nie. Sabbat hielt er streng. Er war der erste beim
Gottesdienst und der erste bei jeglicher guten Sache. Unzählige Tränen
hat er getrocknet, vielen Witwen und Waisen war er ein getreuer und
selbstloser Sachverwalter und Berater. Dass er ein großer Freund und
Vertrauter der Lehrer war, dass er das Lehramt im Judentum schätzte, wie
keiner in der Gemeinde, dafür sei ihm an dieser Stelle nochmals herzlich
gedankt. 17 Jahre gehörte er dem Vorsteheramt an und hatte in dieser Zeit
durch sein abgeklärtes Urteil, seine strenge Gerechtigkeit und seine
seltene Friedensliebe stets großen Einfluss auf dessen Beratungen, sodass
man ihn zum Stellvertreter des Vorsitzenden wählte. Die neu renovierte
Synagoge, ein Schmuck unseres Städtchens, ist sein Werk. Als
Geschäftsmann war er vorbildlich. Die große Beteiligung an seiner
Bestattung brachte zum letzten male die Liebe und die Achtung, welche man
ihm entgegenbrachte, zum Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens.
Noch während der Trauerwoche verschied Herr David Furchheimer,
Kriegsteilnehmer 1914-18 am 28. März und fand am nächsten Tage seine
Ruhestätte unweit seiner Mutter auf dem Bet Olam (Friedhof) zu Hohebach.
Auch er war ein treues, nie versagendes Gemeindemitglied. Seine strenge
Reellität in Verbindung mit seinem ruhigen, vornehmen Wesen ließen ihn
zahlreiche Freunde gewinnen, was auch bei der Bestattung zum Ausdruck kam.
- Bei beiden Trauerfeierlichkeiten sprach in Vertretung des erkrankten
Ortskollegen Oberlehrer Kulb, Öhringen,
tief empfundene Worte des Nachrufes. Sein (bzw. ihr) Verdienst möge
uns schützen. Amen." |
Über
den Unterricht jüdischer Studierender am Königlichen Schullehrerseminar
Unterrichtsstoff für die israelitischen
Seminaristen - Anweisung an der jüdischen Lehrer (1876)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 13. Dezember 1876: "Künzelsau (Württemberg). Das hiesige
Königliche Schullehrer-Seminar wird von fünf israelitischen Jünglingen
besucht. Der Unterricht im Hebräischen, in der Religion und in den dazu
gehörigen Fächern wird denselben von dem pensionierten Schullehrer und
Vorsänger Kahn erteilt. Derselbe hat durch das Königliche Oberamt bei
der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde nachgesucht, man wolle
ihm genau die Fächer bezeichnen, in welchen die israelitischen
Seminaristen und Präparanden zu unterrichten sind, und zugleich das Ziel
angeben, wie weit dieselben in jedem einzelnen Fache zu bringen sind. Dem
Bittsteller wurde durch das Königliche Oberamt folgender hoher Erlass
zugestellt:
Die Königliche Israelitische Oberkirchenbehörde an das Königliche
Oberamt Künzelsau.
Die mit Bericht vom 19. vorigen Monats vorgelegte Eingabe des
pensionierten Lehrers und Vorsängers Veit Kahn in Künzelsau, betreffend
den Unterricht der israelitischen Seminaristen und Präparanden daselbst
in der Religion und den damit zusammenhängenden Fächern hat man
eingesehen und bezeichnet der darin vorgetragenen Bitte entsprechend in
Folgendem die Fächer, in welchen die israelitischen Schul- und
Vorsängeramtszöglinge zu unterrichten, sowie das Ziel, bis zu welchem
sie in jedem einzelnen Fache zu bringen sind. Der für seinen doppelten
Beruf gehörig vorbereitete israelitische Schul- und
Vorsängeramts-Kandidat soll besitzen solche Kenntnisse:
1) der hebräischen Sprache, dass er die 5 Bücher Moses, die sabbatlichen
und festtägigen Haftoroth, das Gebetbuch Seder Hatefila richtig
und geläufig übersetzen kann, und von ihrem geschichtlichen,
dogmatischen und moralischen Inhalt vollkommen Verständnis hat;
2) des Rabbinischen, dass er einen eingeübten Abschnitt der Mischna
und einer in leicht fasslicher Sprache geschriebenen Schrift
religiös-sittlichen Inhalts vortragen kann; und
3) der wichtigsten auf die Liturgie bezüglichen Vorschriften des
Schulchan aruch, dass er die sowohl bei dem öffentlichen Gottesdienst,
als der Hausandacht zu verrichtenden Gebete und Benediktionen genau und
sicher anzugeben vermag. Seine Unterweisung hat sich also in dieser
Richtung zu erstrecken auf: 1) den Pentateuch, 2) die Haftoroth Seder
Haftorot, 3) das Gebetbuch Seder Hatefila,
4) einige Masechot der Mischna (etwa Brachot, Megila),
5) eine leicht fassliche rabbinische Schrift, und
6) einige Abschnitte des Schulchan Aruch, Hilchut Tefila
(Gebetordnungen), Keriat Sch'ma (Rezitieren des Sch'ma), Keriat
HaTora (Vorlesen der Tora), uBrachot (Segensworte).
Neben diese Unterweisung im Hebräischen und in Verbindung mit derselben
ist ihm
7) Unterricht in der mosaischen Glaubens- und Sittenlehre zu erteilen und
er soll darin dahin gebracht werden, dass er dieselbe mit Erfolg zu lehren
und einen populären Vortrag darüber in deutscher Sprache zu halten
imstande ist.
Wo Gelegenheit dazu geboten ist, ist derselbe auch im Vortrage der
Hebräischen Gebet- und Toraabschnitt nach den herkömmlichen Melodien und
Akzenten Chassanut einzuüben. Stuttgart, den 24. Juli 1876." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Verkäufer für das
Konfektionsgeschäft von Leopold Selz gesucht (1872)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1872:
"Für mein Konfektionsgeschäft, Samstag und Feiertage geschlossen,
suche ich zum sofortigen Eintritt oder bis nächste Ostern einen gewandten
Verkäufer, welcher auch öfters kleinere Reisen zu besorgen hat. Leopold
Selz, Künzelsau in Württemberg." |
Neujahrswünsche 1897
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1897:
"Allen Kollegen, Bekannten und Freunden wünschen herzlichst 'Gute
Einschreibung und gute Besiegelung' .... Lehrer S. Wißmann und
Frau, Eisig Neumann & Frau, Frl. Julie Sulzbacher, alle
Künzelsau". |
Verlobungsanzeige für Dr. Hannah Wißmann und Dr. Max Lorch
(1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1922:
"Statt Karten:
Dr. phil. Hannah Wißmann - Dr. jur. Max Lorch.
Verlobte.
Künzelsau - Nürnberg. Tischri 5683." |
Verlobungsanzeige von Klärle Kulb und Julius Wissmann (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1925: "Klärle
Kulb - Julius Wissmann. Verlobte.
Stuttgart Gymnasiumstrasse 23 - Stuttgart / Künzelsau.
14. Oktober 1925. 26. Tischri 5686. |
Lehrlingssuche des
Manufakturwarengeschäftes Gebr. Ledermann (1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1928: "In
meinem Schabbat und Feiertag geschlossenen Manufakturwarengeschäfte ist
die Stelle eines Lehrlings sofort zu besetzen. Kost und
Logis gegen mäßige Vergütung im Hause.
J. Wertheimer, Inh. Gebr. Ledermann, Künzelsau
(Württemberg)." |
Verlobungsanzeige von Judith Wechsler und Leo Wissmann
(1931)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1931: "Gott
sei gepriesen.
Judith Wechsler - Leo Wissmann. Verlobte.
Nürnberg, Zufuhrstraße 25 - Künzelsau. Empfang: 26. und 27.
Dezember." |
Zur Geschichte
der Betsäle / der Synagoge
Über mittelalterliche
Einrichtungen ist nichts bekannt, möglicherweise kam es auch nicht zur Gründung
einer Gemeinde.
Die jüdischen Bewohner des 16. Jahrhundert wohnten
vermutlich alle in der Scharfengasse, wo sich auch eine Synagoge
(Betsaal) befand. Noch um 1700 gab es hier ein Gebäude mit hebräischen
Inschriften (Standort unklar).
Die im 19. Jahrhundert zugezogenen Bewohner
besuchten bis 1907 am Schabbat und an Feiertagen die Synagoge in Nagelsberg.
Mit Erlass vom 27. Mai 1876 gestattete die Israelitische Oberkirchenbehörde,
dass auch in Künzelsau ein Filialgottesdienst abgehalten werden durfte. Ein Betsaal
wurde zunächst in einer Wohnung in der Schnurgasse gegenüber dem Gasthaus zum
Hirsch eingerichtet, danach im Linke’schen Haus am Morsbacher Tor, später im
Hintergebäude des Auerbach’schen Hauses in der Hauptstraße, schließlich im
Haus des S. Weinsberger. Der Sitz des Religionslehrers und Vorsängers blieb
weiterhin in Nagelsberg, den Filialgottesdienst leitete an den Werktagen ein
pensionierter Lehrer, während am Schabbat und an den Feiertagen die Künzelsauer
Juden nach Nagelsberg mussten, um am dortigen Gottesdienst teilzunehmen. Dieser
Zustand dauerte an, obwohl im Laufe der Jahre in Künzelsau bedeutend mehr Juden
wohnten als in Nagelsberg. Erst als 1903 die Zahl der Nagelsberger jüdischen
Gemeindeglieder auf zwei bis drei herabsank, bestand für das
Kirchenvorsteheramt in Künzelsau keine moralische oder rechtliche Verpflichtung
mehr, den Gottesdienst in Nagelsberg für die Zukunft aufrecht zu erhalten.
Spende eines Parochet (Toraschreinvorhang) für die
Synagoge durch Henle Neumann und seiner Frau (1886)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1886: "Künzelsau.
Es ist ein Vorzug der jüdischen Orthodoxie, dass ihre Angehörigen sich
freiwillig und gerne Opfer auferlegen, wenn sie der Religion zur Ehre
gereichen. Wir haben ein sprechendes Zeugnis dafür zu verzeichnen, indem
wir eines freudigen Ereignisses Erwähnung tun, welches am vergangenen ..
in unserer Synagoge stattfand. Herr Henle Neumann nämlich, ein würdiges
und frommes Mitglied unserer Gemeinde, hat uns eine angenehme
Überraschung bereitet, indem er und seine Frau der Gemeinde ein
wundervolles Parochet (Toravorhang) zum Geschenk machten. Dasselbe ist aus
rotem Samt, reich mit Goldstickereien versehen und trägt eine Krone,
sowie eine Inschrift von schwerem Golde. Neben der Dankbarkeit für den
Spender war auch Gelegenheit geboten, die prächtige Ausstattung uns
Kunststickerei zu bewundern, welche Herr A.J. Hofmann in Frankfurt a.M.
dem Parochet gegeben hat." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1886:
"Öffentliche Anerkennung. Das auf meine Bestellung für die
hiesige Synagoge angefertigte Paroches (hebräisch Parochet) hat
nicht allein bei mir, sondern allgemeinen Beifall gefunden. Es veranlasst
mich dieses, dem Lieferanten Herrn A. J. Hofmann in Frankfurt am Main hierdurch
meine vollste Anerkennung und Zufriedenheit öffentlich auszusprechen. Ich
kann Herrn Hofmann nur warm empfehlen.
Künzelsau, 15. November 1886. Henle Neumann." |
Seit 1904 dachte man an den Bau einer Synagoge in Künzelsau.
Der Plan fand rasche Zustimmung unter den Gemeindeglieder. Oberamtsbaumeister
August Ganzenmüller zeichnete die Entwürfe für die neue Synagoge. Im Juni
1906 konnte mit ihrem Bau begonnen werden. Mit der Bauausführung wurde
Baumeister Genk beauftragt, die Holzarbeiten besorgte Schreinermeister Gollwitz.
Am 15. August 1907 meldete der Kocher- und Jagstbote: "Die Synagoge ist
nunmehr im Bau vollendet und wird am 30. August feierlich eingeweiht. Der Bau
macht seinem Schöpfer, Herrn Oberamtsbaumeister Ganzenmüller alle Ehre. Die
Malerei, von Malermeister Rumm hier ausgeführt, ist sehr wirkungsvoll, auch die
von Gipsermeister Laffsa geleistete Gipserarbeit ist als tüchtige Leistung zu
bezeichnen".
Bei der feierlichen Einweihung am Freitag, 30. August um 13.30 Uhr
bewegte sich ein großer Festzug unter Böllersalven und Musik vom seitherigen
Betsaal am Morsbacher Tor zur neuen Synagoge. Die Straßen waren unterwegs
festlich beflaggt. Am Eingang des Gotteshauses wurde der Synagogenschlüssel an
Lehrer Wissmann übergeben. Dieser begrüßte die Behörden und die zahlreichen
Teilnehmer des Festzuges. Stadtschultheiß Röder überbrachte die Glückwünsche
der Stadt, worauf der Einzug in die festlich beleuchtete Synagoge erfolgte. Den
Gottesdienst leitete Bezirksrabbiner Dr. Jakob Berlinger. Der israelitische
Oberkirchenrat Dr. Kroner aus Stuttgart überbrachte die Wünsche der
Oberkirchenbehörde. Am Tag darauf fand ein Festbankett im Rappensaal statt. Von der Architektur her war die Künzelsauer Synagoge in
einfachem maurischem Stil gehalten. Sie bot Platz für etwa 200
Gottesdienstbesucher. Die beiden Kuppeln waren mit Kupferplatten eingedeckt, die
im Ersten Weltkrieg als "Metallspende" heruntergenommen wurden.
Kauf eines Bauplatzes für die neue Synagoge (1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
5. Dezember 1904: "Künzelsau, 28. November (1904). Die israelitische
Gemeinde hier hat vor einigen Tagen am unteren Kelterweg einen Bauplatz um
1.500 Mark für eine zu erbauende Synagoge gekauft." |
Einweihung der Synagoge (1907)
Artikel
aus der Lokalpresse - Ankündigung der Einweihung: "Aus Stadt und
Land. Künzelsau, 28. August (1907). Am nächsten Freitag, nachmittags 1/2
2 Uhr findet die festliche Einweihung der neu erbauten Synagoge statt. Vom
seitherigen Betsaal am Morsbacher Tor bewegt sich der Festzug zum neuen
Gotteshause. Oberkirchenrat Dr. Kroner und Regierungsrat Dr. Schmal aus
Stuttgart werden an der Feier teilnehmen. Die hiesige Einwohnerschaft
freut sich, dass ihre israelitischen Mitbürger nunmehr ein würdiges
Gotteshaus besitzen und werden ihre Teilnahme durch Beflaggen der Gebäude
am festlichen Tage bezeugen." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12.
September 1907: "Künzelsau, 2. September (1907). Die hiesige
israelitische Gemeinde beging am 30. August die Einweihung ihrer neu
erbauten Synagoge. Unter der Leitung von Oberamtsbaumeister Ganzenmüller
wurde diese binnen Jahresfrist an der neu angelegten Kanzleistraße,
umgeben von grünen Gärten, erstellt und bildet mit ihren beiden
Kuppeltürmchen und ihrem geschmackvoll ausgeführten Portal eine Zierde
dieses Stadtteils. An der Feier nahm die ganze Stadt regen Anteil, was
durch die Beflaggung der Straßen, sowie durch die von Stadtschultheiß
Röder bei der Übergabe der Synagoge gesprochenen Worte zum Ausdruck kam.
Unter Böllerschießen und mit Musikbegleitung bewegte sich ein
stattlicher Zug von dem bisherigen Mietlokal zum neuen Gotteshaus, wo nach
einem von Frl. Neumann gesprochenen Prolog an Stelle des durch Krankheit
verhinderten Oberamtsbaumeister Bauführer Böhlein den Schlüssel an den
Kantor Lehrer Wißmann übergab, der dem Dank und der Freude der
israelitischen Gemeinde Ausdruck verlieh. Nun betrat die Versammlung die
festlich beleuchteten Räume, wo die eigentliche Weihe vor sich ging. Die
Festpredigt hielt Bezirksrabbiner Dr. Berlinger. Kirchenrat Dr. Kroner
überbrachte die Wünsche der Oberkirchenbehörde. Im Rappensaal fand ein
gut besuchtes Festbankett statt. Dort sprachen: Lehrer Wißmann, Dr.
Berlinger und Dr. Kroner." |
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Artikel in der Zeitschrift des Centralvereins "Im deutschen
Reich" Heft 10 1907 S. 590: "Künzelsau in Württemberg. Bei der
hier am 30. August vollzogenen feierlichen Einweihung der neu erbauten
Synagoge hat es sich deutlich gezeigt, dass hier der Antisemitismus keinen
Boden gefunden hat. Die Stadt trug reichen Flaggenschmuck; der
Stadtschulheiß Röder, die Stadtverordneten und die sämtlichen hiesigen
Beamten beteiligten sich an dem Festzuge. Vor der Synagoge sprach die
Tochter des Vorstehers, Fräulein Helene Neumann einen Prolog, und nachdem
Herr Lehrer Wißmann die Gäste begrüßt hatte, übermittelte Herr
Stadtschultheiß Röder der israelitischen Gemeinde die Wünsche der
Stadt. In der Synagoge sprach Herr Kirchenrat Dr. Kroner aus Stuttgart als
Vertreter der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde, und dann
hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Berlinger von Braunsbach die Festpredigt.
Samstagabend fand im Rappensaal ein Festmahl statt, bei dem auch
treffliche rednerische, dramatische und musikalische Leistungen die
Teilnehmer erfreuten." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1907:
"Künzelsau (Württemberg), 22. September (1907). Ein
Freudenfest seltener Art konnte die hiesige israelitische Gemeinde begehen
durch die Einweihung ihrer neu erbauten Synagoge. An der Feier nahm die
ganze Stadt regen Anteil, was durch die Beflaggung der Straßen, sowie
durch die von Stadtschultheiß Röder bei der Übergabe der Synagoge
gesprochenen Worte zum Ausdruck kam. Unter Böllerschießen und mit
Musikbegleitung bewegte sich ein stattlicher Zug von dem bisherigen
Mietlokal zum neuen Gotteshaus, wo nach einem von Fr. Neumann gesprochenen
Prolog an Stelle des durch Krankheit verhinderten Oberamtsbaumeister
Bauführer Böhlein den Schlüssel an Vorsänger Lehrer Wißmann übergab,
der dem Dank und der Freude der israelitischen Gemeinde Ausdruck verlieh.
Nun betrat die Versammlung die festlich beleuchteten Räume, wo die
eigentliche Weihe vor sich ging: Chorgesang, dirigiert vom
Seminar-Unterlehrer Pacius, Eingangsgebet und Festpredigt von
Bezirksrabbiner Dr. Berlinger. Kirchenrat Dr. Kroner überreichte die
Wünsche der Oberkirchenbehörde. Im Rappensaal fand ein gut besuchtes
Festbankett statt. Als Redner ließen sich hören: Lehrer Wißmann, Dr.
Berlinger und Dr. Kroner." |
Am 24. September 1932 wurde im
Schabbat-Morgengottesdienst in einer schlichten Feier der 25. Wiederkehr des
Einweihungstages der Synagoge gedacht. Religionslehrer Goldstein erinnerte in
seiner Ansprache an die damaligen Tage der großen Freude über das neue
Gotteshaus. Mit einem Gebet für die Verstorbenen der Gemeinde wurde die
Gedenkfeier beendet.
25jähriges Bestehen der Synagoge (1932)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 6. Oktober 1932: "Künzelsau, 30. September (1932).
Das Israelitische Vorsteheramt beging das 25jährige Jubiläum der
Synagoge. Am Schabbat Nizabim (Schabbat mit der Toralesung Nizabim
= 5. Mose 29,9 - 30,20, das war Schabbat, 24. September 1932) fand eine
schlichte Feier im geschmückten Gotteshause statt. Herr Religionslehrer Goldstein
ließ in seiner Ansprache die Geschichte des Synagogenbaues an dem
geistigen Auge der Zuhörer vorüberziehen und mahnte zum Festhalten am
altüberlieferten Gottesglauben und seiner Stätte, dem Gotteshause.
Selengebet für die verstorbenen Vorsteher und die Toten der Gemeinde
Nagelsberg - Künzelsau, sowie Gebet für Gemeinde und Staat beschlossen
die würdig verlaufene Feier." |
Am späten Abend des
10. November 1938 wurde die
Synagoge von SA-Leuten in Zivil aus Künzelsau und Heilbronn und sonstigen
NSDAP-Parteimitgliedern niedergebrannt. Sie hatten zur Brandstiftung Benzin in
die Synagoge geschüttet. Gegen 22.30 Uhr war die Feuerwehr zur Stelle, die nach
einigen Verzögerungen – ein Saugkorb war vergessen worden – zu löschen
begann. Hierauf wurde dem Feuerwehrmann vom Künzelsauer SA-Standartenführer
der Schlauch entrissen. Als der Feuerwehrkommandant selbst löschen wollte,
wurde er von dem SA-Mann tätlich angegriffen und ins Gesicht geschlagen.
Lokalpresse am 11. November 1938: "Volkszorn gegen die Juden.
Künzelsau, 11. November 1938. Nach Bekannt werden des Ablebens des durch
feige jüdische Mörderhand niedergestreckten deutschen Diplomaten,
Parteigenossen vom Rath, haben sich im ganzen Reich spontane
judenfeindliche Kundgebungen entwickelt. Die tiefe Empörung des deutschen
Volkes machte sich dabei auch vielfach in starken antijüdischen Aktionen
Luft. Der Zorn des Volkes galt in erster Linie den Brutstätten des
jüdischen Verbrechergeistes, den Synagogen. Diese wurden gestern in
Künzelsau, Hohebach, Berlichingen und Braunsbach zerstört." |
Die Synagoge brannte bis auf die Grundmauern
nieder. Die Stadt ließ ab dem 14. November 1938 nicht nur den
Brandschutt, sondern auch die ganze Synagogenruine abräumen. Die Arbeiten
dauerten bis zum Januar 1939. Die Kosten für den Abbruch betrugen 1.910,05 RM
und mussten von der israelitischen Gemeinde übernommen werden. Man verrechnete
damit den Synagogenplatz, den die Stadt bereits am 5. Dezember zum Preis von
3,50 RM pro Quadratmeter gekauft hatte. Die Stadt brauchte das Grundstück
angeblich für die Ober- und Kleinkinderschule. Tatsächlich wurde das Grundstück
hierfür nie verwendet.
Das Anwesen wurde nach 1945 teilweise neu überbaut
(die Synagoge stand etwas nördlich der heutigen Tankstelle). Am 26. Juni 1986 wurde auf
einem südlich des ehemaligen Synagogengrundstückes befindlichen Anwesen ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Synagoge und das Schicksal der Künzelsauer
Juden aufgestellt (Konsul-Uebele-Straße 20).
Fotos / Dokumente
Historische Fotos / Dokumente
(Ansichtskarte zweite Fotozeile aus der Sammlung von Peter Karl
Müller, Kirchheim/Ries; Foto dritte Fotozeile rechts: abgebildet in Nachum T. Gidal: Die Juden in
Deutschland. 1988 S. 251; dritte Fotozeile links: Buch von Frey/Kraut s.Lit.)
| Die neue Synagoge |
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Historische
Ansichtskarte von Künzelsau mit Synagoge (Ausschnittsvergrößerung
rechts) |
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| Die Synagoge kurz vor ihrer Fertigstellung 1907 |
Festzug durch Künzelsau zur Einweihung der Synagoge im August 1907
mit der Überführung von zwei Torarollen in die neue Synagoge. Alle
Häuser der Stadt sind beflaggt. Der Rabbiner und der Gemeindevorsteher
halten die Torarollen in ihren Armen (Foto rechts). |
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Die Synagoge um 1930 |
Postkarte der Synagoge
(Quelle: The Encyclopedia of Jewish Life II,688) |
Oben und unten: Innenaufnahmen mit Blick über Almemor zum Toraschrein |
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Planzeichnung des Architekten August Ganzenmüller 1906: Erdgeschoss der
Synagoge |
dass. Planzeichnung auf Höhe der Frauenempore |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos 1983 (rechts)
und Enthüllung des Gedenksteines am 29. Juni 1986:
(Fotos: Hahn) |
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Synagogenstandort 1983 |
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Bürgermeister Herbert Frenz |
Enthüllung des Gedenksteines |
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Ansprache von Landesrabbiner D. Joel Berger |
Rede von Leo Wissmann s.A., Ehrenbürger Jerusalems
(geb. 1905 in Künzelsau, gest. 1989 in Jerusalem) |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003) |
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| Der Gedenkstein mit nur noch
schwer lesbarer Inschrift |
Ansichten des
Synagogengrundstückes |
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
| Erinnerung an die
antijüdischen Ausschreitungen am 20. März 1933 |
Artikel von Barbara Griesinger in der
"Heilbronner Stimme" vom 20. März 2008 (Artikel):
Hohenloher waren die ersten Opfer
NS-Verbrechen - Bald kommt wieder die Zeit, in der die jüdischen Hohenloher den Kindern in Künzelsau und Öhringen Matzenbrote geschenkt haben. Ungesäuerte Brote, die in jüdischen Familien am Pessachfest gegessen werden. Das ist lange vorbei. Hier leben keine jüdischen Mitbürger mehr. Heute auf den Tag genau vor 75 Jahren begann in Hohenlohe die Judenverfolgung.
Der 20. März war 1933 ein Montag. 65 Künzelsauer jüdischen Glaubens lebten damals in der Kreisstadt. Max Ledermann, Tuchhändler und Synagogenvorstand, war einer von ihnen. An diesem Morgen hat er wohl wie immer seinen Laden im Mainzer Haus gleich beim Alten Rathaus geöffnet. Erst wenige Jahre zuvor hatte er es renoviert und war stolz auf das schöne Haus. Das erzählt der Künzelsauer Schriftsteller Hermann Lenz, der Max Ledermann bei einem Besuch in der Stadt 1932 zum letzten Mal gesehen hat. Er berichtet auch, dass der Kaufmann damals schon Sorge hatte:
'Herr Lenz, die Nazi schwätzen überall herum, die Bauern sollten nichts mehr bei den Juden
kaufen.' Tränen habe der Händler dabei in den Augen gehabt.
Am 20. März war Max Ledermann wohl voller Sorge und Angst. Die Künzelsauer Juden wussten, was am vergangenen Sabbat, am 18. März, am helllichten Tag in Öhringen geschehen war. Stuttgarter Schutz- und Hilfspolizei hatte in Öhringen Häuser nach Waffen und kommunistischer Propaganda durchsucht und Juden, Sozialdemokraten sowie Kommunisten verhaftet. Einige Öhringer jüdischen Glaubens wurden aus dem Gottesdienst in der Synagoge ins Rathaus verschleppt. Dort wurden sie von einem SA-Trupp unter Leitung von Sturmführer Fritz Klein aus Heilbronn verhört – besser gesagt, mit Knüppeln und Stahlruten brutal geschlagen, geprügelt, misshandelt. Am Nachmittag zerrte man die Männer aus den Zellen und trieb sie durch die Stadt – vorneweg eine SA-Kapelle.
Demütigung Siegfried Herz, der am Kopf verletzt war, drückten sie eine Sowjetfahne in die Hand. Anderen Öhringer Juden hängten sie ein Schild um.
'Wir sind die Verbrecher des deutschen Volkes', stand darauf. Begleitet wurde der Zug von knüppelschwingender SA. Sogar ein Foto gibt es von dem demütigenden Akt. 17 Gefangene mussten sich dabei zum Gruppenfoto aufstellen. Drei Juden und zwei kommunistische Führer wurden nach Heilbronn gebracht. Die anderen, darunter auch eine Frau, kamen ins Gefängnis. Die meisten waren in der folgenden Woche wieder frei.
Stahlruten Zwei Tage später, an jenem Montag, kam SA-Führer Klein mit seinen Schergen nach Künzelsau. Auch Künzelsauer SA-Männer, der Kreisleiter Thoma selbst, Landjägerbeamte und Stahlhelm-Mitglieder beteiligten sich. Wie viele Männer im Alten Rathaus zusammengetrieben wurden, weiß heute niemand mehr. Sicher ist, es waren wie in Öhringen Juden und Sozialdemokraten, wohl auch Kommunisten. Unter ihnen der jüdische Lehrer und Vorsänger Julius Goldstein, der Sozialdemokrat Vogelmann aus Niedernhall und der Künzelsauer Gemeinderat Friedrich Brözel. Auch wann die SA auftauchte, ist unbekannt. Bekannt ist indes, dass die Männer im Rathaus halbtot geschlagen wurden. Mit Stahlruten misshandelte die SA Julius Goldstein derart grausam, dass der eiserne Synagogenschlüssel in seiner Hosentasche zerbrach.
'Mehr tot als lebendig wurde er nach Hause getragen, an seinem Rücken kein Flecken Haut, der nicht blau aufgelaufen
war', schreibt Heimatforscher Günther Dürr, der Zeitzeugen befragte. Nachts machte sich Max Ledermann, der Vorsteher der Synagogengemeinschaft, auf ins Haus seines Freundes Goldstein. Rose Levy, geborene Morgenroth aus Künzelsau, die mit ihrer Familie nach Amerika emigrierte, erzählte 1989 bei einem Besuch in Künzelsau:
'Max Ledermann war verraten worden, als er nachts zu Goldstein ging. Ich weiß auch, wer ihn verriet, doch möchte ich den Namen dieser Person, die heute noch in Künzelsau lebt, nicht nennen. Ledermann wurde vor dem Hause Goldsteins zusammengeschlagen und erlitt anschließend in dessen Wohnung einen
Herzinfarkt.' Andere Quellen sagen, der Schlag habe den Synagogenvorstand getroffen, als er Julius Goldstein gesehen habe. Max Ledermann starb am 21. März. Er war der Erste, der dem Rassenwahn und dem Terror der Nazis zum Opfer fiel – nicht nur in Hohenlohe, sondern in ganz Württemberg.
Acht Tage später erschoss sich der jüdische Kaufmann David Furchheimer, der in der Künzelsauer Keltergasse lebte. Mit der Armeepistole, mit der er als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte." |
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Literaturhinweis:
In dem 1968 erstmals erschienen Roman von Hermann Lenz (1913-1998):
Andere Tage (suhrkamp taschenbuch 461. 260 S. ISBN
978-3-518-36961-6) geht Lenz auch auf die Künzelsauer Opfer vom März
1933 - Max Ledermann und David Furchheimer - ein (in der 1. Auflage, Köln
1968 S. 94 und 161). |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S.
111-112. |
 | Günther Dürr:
Das Schicksal der Juden in Stadt und Kreis Künzelsau, in: Feiertagsschrift
Rosch Haschana 5729 (1968) S.22-26. |
 | Jürgen Hermann Rauser: Künzelsauer Heimatbuch.
Erstes Buch: Stadtgeschichte. Heimatbücherei Hohenlohekreis, Bd. 8) 1981.
S.126, 130, 323, 492f, 574f. |
 | ders.: Künzelsauer Heimatbuch. Zweites Buch:
Dörfergeschichte. (Heimatbücherei Hohenlohekreis, Bd. 15). 1984. S. 502,
535. |
 |
Martin Frey/Stefan Kraut: …und lebten unter uns. Juden in
Künzelsau. 1993 (Erweiterter Sonderdruck aus dem Jahrbuch des Historischen
Vereins für Württembergisch Franken. Bd. 77. 1993).
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 | Naftali Bar-Giora
Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe
im Hohenlohekreis. 2002.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Kuenzelsau
Wuerttemberg. Jews fell victim to the Rindfleisch massacres of 1298 and
further disturbances in 1304 and were forced to leave Kuenzelsau in the late
16th century after being allowed to resettle in 1550. The community was
reestablished after 1850 and numbered 114 in 1900 (total 3,067), living off the
cattle trade, moneylending, peddling, and brokerage. In 1907, a synagogue was
dedicated and the Nagelsberg community (dwindling from 167 Jews in 1854 to seven
in 1910) was attached to Kuenzelsau. In 1933, 60 remained, subjected to
increasing persecution. The synagogue was burned on Kristallnacht (9-10 November
1938) and at least ten men were taken to Dachau concentration camp. By 1941, 36
had emigrated while 19 were expelled to their deaths to the Riga, Izbica (Lublin
district of Poland), and Theresienstadt ghettoes in December.

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