Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Öhringen (Hohenlohekreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge  
 (erstellt unter Mitarbeit von Walter Meister)   

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
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Hinweis: es besteht eine weitere Seite mit einigen Dokumenten zur jüdischen Geschichte in Öhringen 
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
      
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von Hohenlohe gehörenden Öhringen bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Erstmals werden 1253 Juden genannt. Die Judenverfolgungen 1298 und 1349 zerstörten die Gemeinde. Im 15. Jahrhundert waren wenige Juden zeitweise in der Stadt. 1475 wird Jud Moses genannt, dem bis dahin ein Haus in der Stadt gehört hatte. Auch am Anfang des 18. Jahrhunderts waren vermutlich einige Juden in der Stadt.  
     
Eine jüdische Gemeinde entstand erst wieder im 19. Jahrhundert durch Zuzüge von Juden aus Dörfern der näheren und weiteren Umgebung. Das Jahr der Neugründung war 1889. In den Jahren zuvor war Öhringen eine Filialgemeinde zu Eschenau.  
 
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner in Öhringen wie folgt: 1846/58 noch keine jüdischen Einwohner; 1864 2, 1867 8, 1871 57, 1875 102, 1880 158, 1885 höchste Zahl mit 180 Personen, 1890 172, 1895 156, 1900 164 (4,6 % von insgesamt 3.570 Einwohnern), 1905 167, 1910 154. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal, dann eine Synagoge, eine Religionsschule (im Gebäude der Synagoge) und (seit 1911) einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde wurde zunächst dem Bezirksrabbinat Heilbronn zugeteilt, später gehörte sie zum Bezirksrabbinat Schwäbisch Hall
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Josef Rosenfeld (geb. 14.7.1894 in Öhringen, gef. 11.7.1918) und Justin Rosenfeld (geb. 23.3.1895 in Öhringen, gef. 15.10.1915). Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal im Kreuzgang der Stiftskirche. 
 
Um 1925 waren die Vorstehen der jüdischen Gemeinde Lehrer Berthold Levi, Julius Heidenheimer, Isaac Kaufmann, Maier Kocherthaler und Louis Rothschild. Als Lehrer war der genannte Berthold Levi tätig, als Gemeindepfleger Richard Kauders. An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Moritz Friesner), der Israelitische Frauenverein (1924 unter Leitung von Zerline Heidenheimer) und der Israelitische Armenverein (1924 unter Leitung von Jakob Einstein). Es gab mehrere Jahrtagsstiftungen in der Gemeinde. 1932 war Gemeindevorsteher Religionsoberlehrer Moritz Kulb.     
       
Die jüdischen Bürger spielten seit den 1880er-Jahren vor allem im wirtschaftlichen Leben Öhringens eine wichtige Rolle. Mehrere Industrieunternehmen wurden von ihnen gegründet. An ehemaligen, noch nach bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt (die Liste wurde neu bearbeitet von Walter Meister, Öhringen, April 2012): Viehhandlung Gustav Berliner (Wohnung Poststraße 46, Stall im Martersgässle); Landesproduktenhandlung (hauptsächlich Getreide und Mehl) Julius Bloch, Inh. Ferdinand und Siegfried Bloch (Karlsvorstadt 5 und Wirtsmühle in der Büttelbronner Straße 17); Hohenloher Tabakmanufaktur (Zigarrengroß- und –kleinhandel) Max Blum (Wintergasse 20), Teilhaber Jakob Engelbert (Wintergasse 22); Bankagentur Bernhard Dreyfuß (Untere Torstraße); Altmetallhandel Maier Dreyfuß und Söhne (Untere Torstraße 26); Viehhandlung Adolf Ehrlich (Rathausstraße 28); Schuhfabrik Heinrich Einstein und Co. (Haller Straße 12, Wohnung Obere Gartenstraße 3) Teilhaber Karl Gutmann (Haller Straße 51); Textilgeschäft Julius Gutmann (Poststraße 88 am Oberen Tor); Viehhandlung Elias Heidenheimer (Altstadt 57); Viehhandlung Falk Herz, danach Sohn Alfred Herz (Karlsvorstadt 3); Vieh- und Pferdehandlung, Immobilienmakler Siegfried (Sieger) Herz (Wohnung Karlsvorstadt 11, Geschäftsgebäude Schillerstraße 74 und 76); Pferdehandlung Gebr. Hirsch (Leopold im Stiftshof Kirchbrunnengasse 13, Bernhard Poststraße 24, Louis Bismarckstraße 8); Weingroßhandlung (Julius) Israel und (Moritz) Frießner (im 'Gelben Schlössle' Bismarckstraße 13); Holzhandel, später Stuhlindustrie (Handel mit Stühlen) (Sigmund) Israel und (Heinrich) Scheuer (Poststraße 31); Vieh- und Pferdehandlung (Ludwig) Kahn (Untere Torstraße 11) und (Hugo) Levi (Karlsvorstadt 35); Schuhhaus Richard Kauders (Marktstraße 3), bis 1927 Putz- und Modegeschäft (Marktplatz 7, Ecke Marktstraße); Immobilienmakler Isaak Kaufmann (Karlsvorstadt 15); Textilienhandlung Jakob Kaufmann (Bahnhofstraße 25), ab 1930 Handelsvertreter (Wohnung im Haus der Synagoge, Untere Torstraße 23); Bäckerei Louis Kaufmann (Poststraße 51); Textilgeschäft Max Kocherthaler (Untere Torstraße 11); Landesproduktenhandlung Abraham Lämmle (mit Sohn Bernhard) (Poststraße 71); Viehhandlung Arthur Ledermann (Untere Torstraße 22), ab 1929 Handel mit Ölen und Fetten; Viehhandlung Abraham Löw (Schillerstraße 73); Praktischer Arzt Dr. Julius Merzbacher (Büttelbronner Straße 6, bis 1927 Marktstraße 3); Viehhandlung Julius Metzger (Marktstraße 21); Viehhandlung Gebr. Rosenfeld (Louis Schillerstraße 42, Max Schillerstraße 48); Landesproduktenhandlung (Mehlgroßhandlung) Felix Rothschild, Inh. Louis und Samuel Rothschild (Untere Torstraße 18); Kaufhaus S. (Samuel) Schlessinger Söhne, Inh. Josef und Max Schlessinger, später Hugo und Eugen Schlessinger, Söhne von Josef (Poststraße 59); Vieh- und Pferdehandlung Julius und Leopold Stern (Julius Karlsvorstadt 3, Leopold Untere Torstraße 11); Textiliengeschäft August Thalheimer (Poststraße 24), handelt ab 1933/34 mit Ölen und Fetten; Farben- und Lackfabrik Gebr. Thalheimer (im Haagweg) (Berthold Hohenlohestraße 7, Arthur Büttelbronner Straße 8, Julius Hohenlohestraße 5); Metzgerei und Wirtschaft Sigmund Weil (Poststraße 46, Scheuer Kirchgasse 4); Viehhandlung Josef Westheimer (Bahnhofstraße 10). 
 
1933 wurden 163 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. In den folgenden Jahren (bis 1941) sind auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung etwa zwei Drittel von ihnen ausgewandert. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden anlässlich einer vom Württembergischen Innenministerium angeordneten Waffendurchsuchung bei Regimegegnern mehrere jüdische Einwohner misshandelt. Fabrikant Heinrich Einstein erlitt so schwere Kopfverletzungen, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Bereits 1933/34 schlossen die ersten jüdischen Geschäfte beziehungsweise wurden unter dem Zwang der Verhältnisse an nichtjüdische Personen verkauft. 1936 mussten die jüdischen Schüler das Progymnasium verlassen. Von 1936 bis 1938 wurde für die Kinder der Gemeinde eine Privatschule organisiert. Im Herbst 1936 wurden jüdische Händler vom Öhringer Viehmarkt ausgeschlossen. Der bekannte Arzt Dr. Merzbacher wurde 1937 zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er sich gegen ihn massiv provozierende Hitlerjungen handgreiflich gewehrt hat. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (siehe unten). Im Juli 1939 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Seit 1941 wurden die noch verbliebenen jüdischen Einwohner deportiert.    
     
V
on den in Öhringen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Sofie Adler (1874), Carry (Zarry) Cohn geb. Herz (1883), Adolf Ehrlich (1865), Rosa Ehrlich (1899), Gerhard Einstein (1937), Leopold Einstein (1892), Margarete Einstein geb. Levi (1903), Nannchen Engelbert geb. Blum (1871), Julie Grünewald (1880), Hedwig Heidenheimer (1897), Rosa Israel (1877), Selma Israel (1898), Klara Kaufmann geb. Rosenfeld (1888), Max Kochertaler (1863), Ada Ledermann geb. Freudenthal (1890), Artur Ledermann (1882), Hugo Heinrich Levi (1887), Irma Levi geb. Kocherthaler (1897), Julie Löb geb. Weil (1901), Eugen Maier (1884), Hilde Merzbacher geb. Haymann (1898), Julius Merzbacher (1890), Emma Metzger geb. Ottenheimer (1887), Julius Metzger (1881), Bertha Steinhardt geb. Schlossmann (1882), Bertha Stern geb. Herz (geb. 1887 in Öhringen, von Köln nach Lódz deportiert), Amalie Thalheimer geb. Rindsberg (1862), August Thalheimer (1884), Hedwig Thalheimer geb. Kaufmann (1889), Lore Thalheimer (1923), Siegfried Thalheimer (1926), Trude Thalheimer (1922), Mathilde (Aline?) Weil geb. Dreyfus (1878), Ida Weinschenk (1884), Berta Westheimer geb. Ledermann (1889), Ilse Ruth Westheimer (1920), Josef Westheimer (1878), Hermine Wolff geb. Schlossmann (1879).               
    
Der in einigen Listen genannte Siegfried Herz (1890) ist 1933 nach Frankreich geflohen und hat überlebt. Gleichfalls hat Berta Kaufmann geb. Sahm (1887) überlegt; sie ist im März 1939 in die USA emigriert. Der in einigen Listen genannte Bernhard Sahm (1861) war Lehrer in Öhringen und starb bereits 1916.   
   
Im Kreuzgang der Öhringer Stiftskirche wurden im Jahr 2000 zwei Tafeln mit den Namen der in der NS-Zeit umgekommenen Öhringer Juden angebracht. 
  
Im November 2011 wurden 21 "Stolpersteine" in Öhringen verlegt für Julius und Emma Metzger (Marktstraße 21), Dr. Julius und Hilde Merzbacher (Marktstraße 3), Adolf Ehrlich und seine Tochter Rosa (Rathausstraße 28), Rosa Ledermann und ihre Tochter Emma, Arthur und Ada Ledermann (Untere Torstraße 22), Amalie Thalheimer, August und Hedwig Thalheimer mit ihren Kindern Lore und Siegfried (Poststraße 24), Nanette Israel und ihre Tochter Selma (Poststraße 31), Josef und Berta Westheimer und ihre Töchter Ilse und Beatrice (Bahnhofstraße 10). Weitere sieben "Stolpersteine" wurden in Öhringen am 5. November 2013 verlegt für Nannchen Engelbert (Wintergasse 20), Max Kocherthaler (Poststraße 30), Mathilde Weil (Poststraße 46), Eva Gutmann (Poststraße 88=, Karoline und Isak Kaufmann (Karlsvorstadt 15). Zu den "Stolpersteinen" in Öhringen siehe Seite in der Website der Stadt.   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Ausschreibung  des Lehrers, Vorbeters und Schochet in Eschenau mit Filiale Öhringen (1874) 
Anmerkung: 1874 war Öhringen noch eine Filiale von Eschenau; der neue Religionslehrer in Eschenau sollte auch für die Öhringer Juden zuständig sein. Ob die Stelle besetzt werden konnte, ist unklar.   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. August 1874: "Die Gemeinde Eschenau beabsichtigt einen Lehrer, Vorbeter und Schächter sofort anzustellen, welcher auch zweimal wöchentlich den Religionsunterricht in der Filiale Öhringen zu erteilen hat. Gehalt, ohne die nicht unbedeutenden Nebeneinkünfte, 500 Thaler pro anno. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Meldungen und Zeugnisse dem Unterzeichneten einsenden.  
Heilbronn am Necker, im Juli 1874. Das Königliche Bezirksrabbinat. Dr. M. Engelbert."       

 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet (1875)  
Anmerkung: die Ausschreibung erschien über mehrere Wochen in der Zeitschrift "Der Israelit". Da sich offenbar niemand Geeignetes beworben hat, wurde der in Aussicht gestellte Gehalt erhöht. Anfang September unterschrieb von der jüdischen Gemeinde Öhringen zunächst Julius Gutmann, dann Salomo Israel.  

Oehringen Israelit 01091875.jpg (68056 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1875: "Oehringen, Oberamtsstadt Württembergs. 
Gesuch eines Religionslehrers, Vorsängers und Schochet. Die hiesige, aus 20 Familien bestehende Privat-Gemeinde sucht die obige Stelle baldmöglichst zu besetzen. Gehalt fix 400 Gulden = 785 Mark 71 Pfennig nebst freier Wohnung. Anbei steht in Aussicht, dass die Gemeinde sich rasch verstärkt und zuzüglich der Nebenverdienste auf ein reichliches einkommen Rechnung getragen werden kann. Ein noch unverheirateter Mann erhält den Vorzug. Lusttragende wollen ihre Zeugnisse baldigst einsenden. Julius Gutmann."      
  
Oehringen Israelit 27101875.jpg (67546 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1875: "Oehringen. Oberamtsstadt Württembergs. Gesuch eines Religionslehrers, Vorsängers und Schochet. Die hiesige, aus 20 Familien bestehende Privatgemeinde sucht die obige Stelle baldmöglichst zu besetzen. Gehalt fixo 500 Gulden nebst freier Wohnung, anbei steht in Aussicht, dass die Gemeinde sich rasch verstärkt, und zuzüglich der Nebenverdienste auf ein reichliches Einkommen Rechnung getragen werden kann. Ein noch Unverheirateter erhält den Vorzug. Lusttragende wollen ihre Zeugnisse in Bälde einsehen. 
Salomo Israel." 
    

   
Hilfsvorbeter gesucht (1887)  

Oehringen Israelit 11081887.jpg (35762 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1887: "Hilfsvorbeter gesucht
Die hiesige Gemeinde sucht für kommenden Rosch Haschana und Jom Kippur einen Hilfsvorbeter. Gefällige Anträge beliebe man sofort zu richten an 
N. Zirndörfer, Anwalt, Oehringen (Württemberg)."

  
Versammlung der israelitischen Lehrer der Region in Öhringen (1888) 

Oehringen AZJ 19041888.jpg (46779 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. April 1888: "Oehringen, 1. April (1888). Auf Anregung des Lehrers Spatz in Affaltrach versammelte sich hier eine Anzahl israelitischer Lehrer und Vorsänger des Hohenloher Gaues und der Umgegend, um sich über allerlei Standesfragen zu besprechen. Das Ergebnis dieser Besprechung war die Gründung eines israelitischen Lehrervereins für Hohenlohe-Franken zur Wahrung und Förderung von Standesinteressen. Zum Vorstand des Vereins wurde Lehrer Forchheimer – Ernsbach, zum Schriftführer Spatz – Affaltrach gewählt."    

    
Über den jüdischen Lehrer Bernhard Sahm (1861 bis 1916, Lehrer in Öhringen 1900 bis 1916) 

Bernhard Sahm ist am 2. Dezember 1861 in Braunsbach als Sohn des Viehhändlers Salomon Löw Sahm und seiner Frau Nanette geb. Bernheimer geboren. Er studierte von 1877 bis 1880 am Lehrerseminar in Esslingen. 1880 bis 1882 war er Lehrer in Hohebach. 1882 bis 1884 war er in New York, wo er am 5. September 1882 Sara geb. Straßburger aus Hohebach heiratete. In New York sind die ersten beiden Kinder geboren: Lafayette (1882) und Milton (1884). Von 1885 bis 1900 war Bernhard Sahm wiederum Lehrer in Hohebach, wo die Kinder Karoline (1885, früh verstorben), Bella (1886, später verheiratete Thalheimer, dep.) und Bertha (1887) geboren sind. Von 1900 bis zu seinem Tod 1916 war Bernhard Sahm Lehrer in Öhringen.  
Der Sohn Milton Sahm studierte 1900 bis 1903 am Lehrerseminar in Esslingen. Vor 1914 war er eine Zeitlang Vorsänger in Öhringen (evtl. Aushilfe für seinen Vater), von 1914 bis 1923 Verwalter und Obersekretär im Israelitischen Oberrat Stuttgart; er starb 1923 in Stuttgart.   

 
Über den jüdischen Lehrer Berthold Levi (1877-1941, Lehrer in Öhringen bis 1926) 

Berthold Levi ist am 20. Dezember 1877 in Rexingen als Sohn eines Metzgers geboren. Er studierte 1894 bis 1897 am Lehrerseminar in Esslingen. 1897 bis 1898 war er Lehrer, Kantor und Schochet in Talheim, später in Ulm, Heilbronn, Horb und Öhringen, von 1926 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1936 in Göppingen. Er starb 1941 in Stuttgart. Berthold Levi war verheiratet mit Paula geb. Gummersheimer, einer 1884 als Tochter des Lehrers Ruben Gummersheimer (1858 bis 1910 Lehrer in Lehrensteinsfeld).
Ein Sohn von Berthold Levi war Erich (Eric) Levi, der 1916 in Öhringen geboren ist und sich an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg zum Lehrer ausbilden ließ (bis 1937). Er war 1937/38 an der Jüdischen Bezirksschule in Bad Nauheim tätig. 1938 emigrierte er in die USA, wo er auch als Lehrer, später als Schuldirektor in Baltimore tätig war (weiteres in "Lebenszeichen" S. 167-168).  

    
Über den jüdischen Lehrer Moritz Kulb (1875-1937, Lehrer in Öhringen 1926 bis 1936)  

Moritz Kulb ist am 28. Juli 1875 in Hösbach bei Aschaffenburg als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er studierte 1892 bis 1895 am Lehrerseminar in Esslingen. 1901 bis 1926 war er Lehrer in Sontheim bei Heilbronn, von 1926 bis 1936 in Öhringen. Er starb am 20. März 1937 in Stuttgart und wurde im Israelitischen Teil des Pragfriedhofes ebd. beigesetzt. Lehrer Kulb war verheiratet mit Elsa geb. Eisinger, die am 7. September 1879 in Stebbach geboren ist. Sie und ihre am 13. Mai 1908 in Sontheim geborene Tochter Rosa wurden 1941 nach Riga deportiert und sind umgekommen.   

      
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Kritik an einem den Schabbat nicht einhaltenden und am Schabbat in der Synagoge Toralesenden Kaufmann (1886)  

Oehringen Israelit 22111886.jpg (54706 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1886: "Aus dem Hohenlohischen. In Öhringen war am jüngsten Jom Kippur ein dortiger Kaufmann ehrenamtlicher Vorbeter, welcher den Schabbat und Feiertag entweiht, da derselbe sein Geschäft offen hat. Trotzdem, dass der dortige Lehrer und Vorsänger dagegen war, und sogar eine Anfrage an das betreffende Bezirks-Rabbinat Heilbronn machte, welches erklärte, dass man ihn nicht als Vorbeter nehmen sollte, ließ derselbe doch seine holde Stimme hören, weil es der Vorstand für angemessen hielt." 

 
Gründung der Israelitischen Gemeinde (1890)  

Oehringen AZJ 26091890.jpg (59551 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1890: "Aus Württemberg, 22. September (1890). Während unsere jüdischen Landgemeinden durch Wegzug kleiner werden, sich manche auch schon ganz aufgelöst haben, bilden sich in Städten, wo vor 3 bis 4 Jahrzehnten noch kein Israelit wohnte, neue Gemeinden. So bildete sich voriges Jahr eine Gemeinde in Öhringen und in dieser Woche hat das Königliche Ministerium des Kultus in Anwendung des Artikels 49 des Israelitengesetzes von 1828 die Bildung einer israelitischen Gemeinde in Gmünd unter Zuteilung an das Rabbinat Oberdorf verfügt."

       
       
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  

Zum Tod von Kaufmann Julius Gutmann (1896)  

Oehringen Israelit 01061896.jpg (57920 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1896: "Öhringen, 25. Mai (1896). Am vergangenen Heiligen Schabbat starb dahier der Kaufmann Julius Gutmann. Es war dies der erste Jude, der sein Domizil hier errichtete; derselbe war ein streng religiöser Jehudi. Sein ganzes Leben betätigte er das Wort unserer Weisen im ersten Abschnitt der Sprüche der Väter, Vers 2 und 3, die von den drei Grundsäulen des Judentums und der Gottesfurcht handeln. Auch bei der christlichen Bevölkerung war er wegen seines bescheidenen Betragens sehr beliebt. Zeugnis davon legte die außerordentlich große Beteiligung an seiner Beisetzung, welche am Sonntag stattfand, ab. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Hannchen Rosenfeld geb. Baum (1907)  

Oehringen Israelit 05121907.jpg (31413 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1907: "Öhringen, 2. Dezember (1907). Am Ausgang des vorigen Heiligen Schabbat starb dahier Frau Hannchen Rosenfeld geb. Baum im Alter von nur 42 Jahren. Die Heimgegangene war eine biedere, fromme Frau und begleitete das Kassenamt des hiesigen israelitischen Frauenvereins 12 Jahre lang. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
Julius Bloch wird erneut in den Stadtrat gewählt (1913)  

Oehringen FrfIsrFambl 24121913.jpg (10049 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. Dezember 1913: "Öhringen (Württemberg). Julius Bloch ist wieder in den Stadtrat gewählt."    

  
Jakob Kaufmann wird als Kriegsteilnehmer ausgezeichnet (1915)  

Oehringen Israelit 04021915.jpg (16240 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1915: "Öhringen, 14. Januar (1915). Jakob Kaufmann erhielt vom König von Württemberg die Silberne Verdienstmedaille für Tapferkeit und Treue". 

  
70. Geburtstag von Jakob Einstein (1931)  

Oehringen Israelit 09071931.jpg (79158 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1931: "Öhringen, 2. Juli (1931). Am 10. Juli feiert unser Gemeindemitglied, Herr Jakob Einstein, seinen 70. Geburtstag. Aus der altjüdischen Gemeinde Buttenwiesen stammend, verpflanzte er die fromme Tradition des Elternhauses auch in seinen neuen Wohnsitz, wo er die Belange des gesetzestreuen Judentums zu fördern bestrebt ist. Seit Jahrzehnten lässt er an den ehrfurchtgebietenden Tagen mit lieblicher Stimme die schönen Melodien seiner Altvordern erschallen mit echter Freude am Gottesgebot errichtet und schmückt er alljährlich seine Sukkoh (Laubhütte) – die einzige im Städtchen. Als Förderer des württembergischen Landesverbandes für die Interessen des gesetzestreuen Judentums und als treues Mitglied der Agudas Jisroel sucht er auch für die weiteren Ziele der Orthodoxie zu wirken. Möge Herr Einstein ein gesunder und heiterer Lebensabend beschieden sein. (Alles Gute) bis 120 Jahre."

     
Über den Arzt Dr. Julius Merzbacher und seine Familie

Dr. Julius Merzbacher (1890 Öhringen - 1943 vermutlich KZ Auschwitz): seit 1919 hoch angesehener praktischer Arzt in Öhringen, verheiratet mit Hilde geb. Haymann aus Konstanz; 1924 Geburt des Sohnes Rudolf /Rolf, 1928 Geburt des Sohnes Werner; seit 1933 war Dr. Merzbacher zunehmend dem NS-Terror ausgesetzt, 1938 nach Konstanz verzogen; 1940 nach Gurs deportiert, von hier 1942 nach Auschwitz oder Lublin-Majdanek. Seit 1991 ist nach ihm die "Merzbacherstraße" benannt. Die Söhne konnten in die Schweiz flüchten; Rolf erkrankt psychisch schwer.  
 
Presseartikel von Urs Hafner in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 5. August 2011 über die Geschichte des Sohnes Rolf (Rudolf) Merzbacher mit Literaturhinweis: 
"'Gerettet und doch zerbrochen' Das Schicksal des jüdischen Flüchtlings Rolf Merzbacher. In der Schweiz fand der junge Rolf Merzbacher Zuflucht vor den Nazis, erkrankte aber psychisch schwer. Gregor Spuhler verknüpft seine behutsame Biografie des jüdischen Flüchtlings mit Fragen der Ausländerpolitik und Wiedergutmachung..."  
Link zum Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung - auch eingestellt als pdf-Datei
Literatur: Gregor Spuhler: Gerettet - zerbrochen. Das Leben des jüdischen Flüchtlings Rolf Merzbacher zwischen Verfolgung, Psychiatrie und Wiedergutmachung. Chronos-Verlag. Zürich 2011. 229 S. SFr. 34.-     

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Anzeige der Lederhandlung S. Israel (1884)  

Oehringen Israelit 06031884.jpg (39785 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1884: "Lehrling gesucht mit guter Schulbildung für meine Lederhandlung. Samstage und Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause. 
S. Israel, Öhringen (Württemberg)."

  
Anzeige von Julius Gutmann (1890)  

Oehringen Israelit 27101890.jpg (30283 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1890: "Ein religiöses Mädchen gesetzten Alters für bürgerliche Küche und Hausarbeit zu einem allein stehenden Witwer gesucht. Eintritt sofort. Julius Gutmann, Öhringen (Württemberg)."  

  
Anzeige von Nathan Ehrlich (1891)  

Oehringen Israelit 25061891.jpg (42714 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1891: "Für ein Mädchen aus guter Familie, 17 Jahre alt, wird eine Stelle gesucht, wo dasselbe zur Stütze der Hausfrau tätig sein kann oder auch sich in einem Ladengeschäfte auszubilden Gelegenheit hat. Anträge beliebe man zu richten an Nathan Ehrlich, Öhringen (Württemberg)."

   
Anzeigen des Schuhfabrikanten Jacob Einstein (1903 / 1925)  

Oehringen Israelit 19021903.jpg (33585 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1903: "Suche per Ostern oder früher einen Lehrling aus achtbarer Familie mit guter Schulbildung und schöner Handschrift. Schabbos und Jomtof  (Feiertag) geschlossen. 
J. Einstein, Öhringen bei Heilbronn, Schuhfabrikation und Engros-Lager."
  
Oehringen Israelit 16071925.jpg (58724 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Für Verwandte, welche Handelsschule mit 1a Zeugnissen absolviert, Vorkenntnisse im Manufakturwarengeschäft besitzt, sucht in gleicher oder verwandten Branche, in welchem Geschäft dieselbe Sabbat und Feiertage frei hat Stellung zur weiteren Ausbildung ohne gegenseitige Vergütung, bei freier Station und Familienanschluss. Offerten an 
Jacob Einstein, Öhringen, Württemberg."

   
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Jacob Kaufmann (1922)  

Oehringen Israelit 30031922.jpg (39309 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1922: "Zum sofortigen Eintritt suche ich eine jüngere branchekundige Verkäuferin
Kost und Logis im Hause. Offerten mit Gehaltsansprüchen an 
Jacob Kaufmann, Manufakturwaren Öhringen Württemberg."   

  
  
Weitere Dokumente   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  

Postkarte an Julius Bloch 
in Öhringen (1907) 
Oehringen Dok 1802.jpg (248679 Byte) Oehringen Dok 1802a.jpg (237173 Byte)

Die Karte stammt vom Dörrhof bei Rosenberg in der Nähe von Osterburken. Der Absender bittet Julius Bloch, ihm eine Offerte mit billigem Mais zu machen. 
Julius Bloch,
gebürtig aus Eichtersheim und seine Frau Sophie aus Affaltrach kamen bereits in jungen Jahren nach Öhringen und hatten zwei Söhne: Ferdinand, geb. 1882 und Siegfried, geb. 1884. Julius Bloch betrieb eine Getreidehandlung, die bereits 1885 im Handelsregister eingetragen war. Er war auch Mitglied des Gemeinderats. Er starb 1918 und wurde auf dem Öhringer jüdischen Friedhof beigesetzt wie auch seine 1939 im Altersheim Sontheim verstorbene Frau. 
Sohn Siegfried
trat nach einer Ausbildung zum Getreidekaufmann ins väterliche Geschäft ein. Während des Ersten Weltkriegs kämpfte er vier Jahre als Gefreiter für sein Vaterland; er wurde mit dem EK II und der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Er starb, 52 Jahre alt, 1936 in Öhringen. Seine Frau verließ 1937 Öhringen, kam über die Schweiz in die USA und starb dort 1966. Deren beider Sohn Julius legte am Progymnasium die Mittlere Reife ab und schloss sich kurz nach dem Tode seines Vaters einem Jugendtransport nach Amerika an. 
Sohn Ferdinand
kehrte ebenfalls als Gefreiter aus dem Erster Weltkrieg zurück. 1920 heiratete er Else Baer aus Hohebach. Sie hatten zwei Kinder: Heinz, geb. 1921 und Marianne, geb. 1923. 1922 wurde auch er Mitglied des Öhringer Gemeinderats, war ehrenamtlich im Vorstand der Karlsruher Börse und der Landesproduktenbörse in Stuttgart. 
Weitere Details zur Familie Bloch finden sich in der Dokumentation "Jüdische Bürger in Öhringen", hrsg. von der Stadt Öhringen (s.LIt.).
 

     

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge        
   
Das mittelalterliche Wohngebiet lag im Bereich der Altstadt/Gerbergasse. Hier befand sich auch die im Zusammenhang mit der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 zerstörte Synagoge, die in den Urkunden über die Gründung des Öhringer Spitals erwähnt wird. 1353 wurde an ihrer Stelle (hier sei nach der Urkunde des Bischofs von Würzburg "der gottesschänderische Ritus" der Juden gefeiert worden) das Spital erbaut. Möglicherweise wurde die ehemalige Synagoge zu einem Teil des damals errichteten Spitals umgebaut. Ein rituelles Bad dürfte unweit der Synagoge in der Nähe der Ohrn bestanden haben.  
Hinweis: das damalige Spital (und damit auch die mittelalterliche Synagoge) lag innerhalb der Stadtmauer, der genaue Standort konnte nicht lokalisiert werden; das heutige Spital liegt dagegen jenseits der Ohrn am Stadtgraben.   
      
Im 19. Jahrhundert besaß die Gemeinde zunächst einen Betsaal in der Karlsvorstadt. Wo er sich genau befand, konnte noch nicht sicher in Erfahrung gebracht werden. Vermutet wird das ehemalige Haus des Benedikt Kaufmann (früheres Haus Karlsvorstadt 27, das seit 1904 der Familie Böhringer gehörte), da sich in dessen Garten eine große Sukka (Laubhütte) befand, die bis heute erhalten ist. 
 
Einige nähere Angaben finden sich im "Öhringer Bürgerhausbuch II" (erschienen 2000, S. 164-166; S. 165 findet sich eine Abbildung des Hauses Böhringer, Karlsvorstadt 27, das 1971 abgebrochen wurde und S. 167 eine Abbildung der noch erhaltenen früheren Laubhütte, gestaltet in maurischem Stil). Das seit 1904 im Besitz des Landwirtes Michael Böhringer befindliche Haus gehörte zeitweise dem jüdischen Kaufmann Benedikt Kaufmann (geb. 5. April 1819 in Affaltrach, gest. 19. Juli 1874 in Öhringen). Dieser war verheiratet mit Babette geb. Hessenthaler (geb. 2. Juni 1821 in Steinbach, gest. 26. August 1910 in Öhringen), mit der er elf Kinder hatte, von denen einige früh verstorben sind. Im Haus des Benedikt Kaufmann könnte der ersten Betsaal eingerichtet worden sein.  
       
Mitte Dezember 1888 kaufte die jüdische Gemeinde den in Öhringen damals sehr angesehenen Gasthof "Zur Sonne". Die seit einigen Jahren verwitwete Besitzerin hatte ihn eigentlich ihrem Sohn übergeben wollen. Da dieser jedoch überraschend starb, entschloss sie sich zum Verkauf des Hauses. Der große Saal des Gasthofes war erst wenige Jahre zuvor restauriert worden. Der Kaufpreis betrug 30.000 Mark, von denen zwei Drittel kurzfristig zu bezahlen waren, der Rest über eine längere Zeit in Raten. Eine Beschreibung des Betsaales liegt aus der "Schwäbischen Chronik" vom 2. April 1889 vor: "Die neue Synagoge bildet ein längliches Viereck, das, weil die nach hinten stehende Südseite frei von Nachbargebäuden ist und freie Sicht in das Ohrntal gestattet, von dieser Seite her sich einer ganz besonders günstigen Beleuchtung erfreut." Zur Inneneinrichtung ist zu lesen: "Der Raum ist in zwei ungleiche Hälften geteilt, die vordere größere enthält gegen 60 Sitzplätze für Männer, die hintere kleinere 52 für Frauen, alle gegen Osten gewendet, denn in der Mitte der östlichen Langseite ist das Heiligtum angebracht, hier sind die sechs Torarollen verwahrt. Vor dieser ‚Bundeslade’ hat der Techniker einen von Säulen getragenen Eingang dargestellt, er umgibt einen rotdamastenen, prachtvoll gestickten Vorhang mit goldener hebräischer Inschrift; derselbe trägt das mit höchster künstlerischer Vollendung in mehr als halber Meterhöhe goldgestickte württembergische Königswappen. [...] Dieser Vorhang sowohl, als die ebenso geschmackvolle, gleichfalls mit Goldstickerei versehene Bedeckung des Altars und des darauf angebrachten Predigerpults sind von den Moriz Strauß’schen Eheleuten gestiftet. Julius Bloch hat zwei große Kandelaber gestiftet und von der Familie Ledermann sind sehr schöne Hüllen für Torarollen angeschafft worden. Die Wände sind mit künstlerischem Geschmack durch einen hiesigen Maler hergestellt worden. Für Abendbeleuchtung ist durch mehrere große hängende Kronleuchter gesorgt".  
    
Die feierliche Einweihung der Synagoge war am 29. und 30. März 1889 in Anwesenheit des israelitischen Kirchenrats Dr. Moses von Wassermann und unter zahlreicher Beteiligung der christlichen Bevölkerung. Die Feier begann mit einem Abschiedsgottesdienst im seitherigen Betlokal. Um 4 Uhr nachmittags begab sich ein stattlicher Festzug, angeführt von der israelitischen Schuljugend zu der neuen Synagoge, an deren Eingang er von den Klängen der Öhringer Stadtmusik empfangen wurde. Nach der Einhebung der sechs Torarollen hielt der Heilbronner Bezirksrabbiner Dr. Moses Engelbert die Festpredigt. Nach dem Bericht im "Hohenloher Boten" wurde sie "in würdigstem Tone gehalten und war wohl geeignet, auch Nichtisraeliten zu erbauen". Die Schwäbische Chronik meinte, dass Rabbiner Dr. Engelbert es verstand, "in sehr würdiger, von Glaubenstreue und brüderlicher Nächstenliebe getragener Sprache die Herzen aller Hörer zu gewinnen und zu gemeinsamem Dank zu erheben". 
       
Mit einem Bankett im "Württemberger Hof" und einem Festball im Gasthof zur "Eisenbahn" fand die "in allen Teilen wohl gelungene Feier ihren heiteren Abschluss". In der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" wurde freilich von einem Zwischenfall während des Festes berichtet, der für eine "allgemeine Missstimmung" gesorgt hatte. Nachdem von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde ein Toast auf den württembergischen König ausgebracht wurde, habe sich ein Professor erhoben und die Versammlung getadelt, weil nicht zuerst ein Toast auf den deutschen Kaiser ausgebracht wurde. Der namentlich nicht genannte Professor erinnerte bei seiner unerwünschten Rede die jüdischen Gemeindeglieder daran, "dass sie nicht mehr in Palästina, sondern in Deutschland wohnen und dem Kaiser ihre Huldigung nicht versagen dürfen". Der allgemein als "taktlos" bezeichnete Zwischenfall sorgte in verschiedenen Presseorganen offensichtlich für ein längeres Nachspiel. 
  
Einladung zur Einweihung der Synagoge (1889)  

Oehringen Israelit 14031889.jpg (47863 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1889: "Öhringen. Einladung. Zu der am Freitag, den 29. dieses Monats stattfindenden Einweihung unserer Synagoge, verbunden mit Bankett am gleichen Tage und Fest-Ball am darauf folgenden Tage, wird hiermit höflichst eingeladen. Das Fest-Komitee. Auf Obiges bezugnehmend bemerke ich, dass bei rechtzeitiger Anmeldung für Koscher Tafel gesorgt ist. N. Zirndörfer."   

   
Einweihung der Synagoge (1889)  

Oehringen Israelit 08041889.jpg (163030 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1889: "Öhringen, 31. März (1889). Die hiesige israelitische Gemeinde feierte vergangenen Freitag ein lang ersehntes Freudenfest, die Einweihung ihrer neuen Synagoge. Hierzu hatten sich eingefunden: Herr Kirchenrat Dr. von Wassermann aus Stuttgart, Herr Rabbiner Dr. Engelbert aus Heilbronn, Herr Regierungsrat Böltz, sämtliche hiesige Geistliche, Herr Stadtschultheiß Schäuffele und der ganze Stadtrat, Herr Rektor Dr. Barth, sowie sämtliche Lehrer des Lyzeums und der Volksschule und eine große Anzahl sonstiger Ehrengäste von hier und auswärts. Nach dem Abschiedsgottesdienst im Betsaal bewegte sich der Zug durch die Stadt zur neuen Synagoge, welche aufs geschmackvollste dekoriert war und wurde dort durch Musik empfangen, worauf die Übergabe des Schlüssels unter Ansprache von einem Schulkinde an den Gemeindevorstand Herr Zirndörfer erfolgte. Als sämtliche Teilnehmer ihre Plätze eingenommen hatten, wurde von dem durch Herrn Lehrer Schlossmann neu gegründeten und vorzüglich eingeschulten Synagogenchor der Gottesdienst eingeleitet. Die Festpredigt hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Engelbert, welche ebenso gediegen als vom Geiste der Duldung und Liebe getragen war.  Die Schlussworte und das Schlussgebet sprach Herr Kirchenrat Dr. von Wassermann, welches dem ganzen Gottesdienste einen würdigen Abschluss verlieh.    
Abends fand ein aus allen Ständen und Konfessionen so zahlreich besuchtes Bankett im Saale des Württembergischen Hofes statt, dass der große Raum beinahe nicht hinreichte. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Gemeindevorstand brachte Herr Kirchenrat Dr. von Wassermann den ersten Toast auf Seine Majestät den König aus. Vorsänger und Lehrer Herr Schlossmann dankte der israelitischen Oberkirchenbehörde für ihre Bereitwilligkeit und Unterstützung; sein Hoch galt dem anwesenden Herrn Kirchenrat Dr. von Wassermann. In ungetrübter Festfreude blieben die Teilnehmer bis lange nach Mitternacht versammelt. Der Samstagvormittag 9 Uhr abgehaltene Festgottesdienst verlief ebenfalls in würdigster Weise."    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. April 1889: "Man schreibt aus Öhringen, 30. März (1889). Die hiesige israelitische Gemeinde hat, wie bereits gemeldet, im Dezember vorigen Jahres den Gasthof zur Sonne für 30.000 Mark angekauft, um daraus eine Synagoge zu machen. In der verhältnismäßig sehr kurzen Zeit wurde die Umwandlung unter der Leitung des Stadtbaumeisters Bartenbach in einer Weise vollendet, welche die größte Anerkennung verdient, da die gegebenen Räumlichkeiten mit großem Geschick ausgenützt wurden und reiche Pracht mit gediegenem Geschmack sich darin vereinigt finden. Gestern Nachmittag wurde die Einweihung der neuen Synagoge vollzogen. Nachdem in dem alten Betlokal in der Vorstadt ein Abschiedsgottesdienst gehalten war, bewegte sich der stattliche Festzug unter Vorantritt der israelitischen Schuljugend und des Synagogenchors zu dem Gotteshaus am unteren Tor. Der Gottesdienst dauerte zwei Stunden, wobei der Bezirksrabbiner Dr. Engelbert die Festpredigt hielt und Kirchenrat Dr. von Wassermann aus Stuttgart durch eine längere Ansprache die Gemeinde beglückwünschte."      

   
Ein (nichtjüdischer) Professor benimmt sich beim Fest zur Einweihung der Synagoge daneben (1889)  

Oehringen AZJ 23051889.jpg (191153 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Mai 1889: "Aus Württemberg, im Mai (1889). In einigen württembergischen Blättern, z.B. dem Beobachter, hat ein an sich unbedeutender Vorgang viel Staub aufgewirbelt. In Oehringen wurde eine Synagoge eingeweiht. Gelegentlich dieses Festes wurde ein bescheidenes Mahl gehalten, an welchem auch christliche Honoratioren teilnahmen. Es wurde zuerst ein Toast auf den Landesherrn, den König von Württemberg ausgebracht. Da erhob sich ein so genannter Professor und goss bitteren Tadel über die ganze Versammlung, weil sie nicht zuerst einen Toast auf den deutschen Kaiser ausgebracht. Dies brachte eine allgemeine Missstimmung hervor, denn man war sich des harmlosen und unpolitischen Charakters des Festes zu wohl bewusst, um in dieser Unterlassung einen wirklichen Verstoß zu finden; man betrachtete es aber als eine Anmaßung eines Gastes, die Festversammlung in brüsker Weise deshalb zu haranguieren. Wenn in einem solchen Landstädtchen die Bewohner nur ihre nähere Beziehung zu ihrem Landesherrn empfinden, aus dessen Händen sie so oft Gnadenbezeugungen empfangen, so liegt darin gewiss keine Feindseligkeit gegen das große deutsche Reich. Dies wird auch von den meisten Blättern anerkannt und dem so genannten Herrn Professor sind die Vorwürfe über sein unpassendes Benehmen nicht erspart geblieben. Der ‚Beobachter’ schreibt: ‚Da Deutschland jetzt seit 18 Jahren ein Kaisertum ist, gegen das sich von keiner Seite weder bei seiner Gründung, noch seither ein Widerspruch erhoben hat, so ist in der Tat nicht abzusehen, weshalb diese Verfassungsbestimmung immer aufs Neue feierlich zu preisen sein soll, auch wo bei den betreffenden Festlichkeiten kein äußerer Anlass zu irgend welchem Zweifel an ihrer Geltung gegeben wird. Von dem Professor in Öhringen war es jedenfalls eine Anmaßung, den bei der Einweihung ihrer Synagoge versammelten Juden und ihrem Redner eine Vorlesung zu halten und in Erinnerung zu bringen, dass sie nicht mehr in Palästina, sondern in Deutschland wohnen und dem Kaiser ihre Huldigung nicht versagen dürfen. Sie sind gerade so gut deutsche Vollbürger als dieser Herr, der sich ihnen als Sittenrichter aufdrängte und ihnen aus der Unterlassung eines Aktes, der ihnen weder durch die allgemeine Schicklichkeit, noch durch eine besondere Verpflichtung des Tages auferlegt war, einen verletzenden Vorwurf machte. Sie an dem Tag, da sie sich in festlichem Verein mit ihren christlichen Mitbürgern des vollendeten Werkes ihrer Synagoge freuten, an ihre hebräische Abstammung zu erinnern, war weit taktloser, als dass sie mit ihrem Lebehoch und Dank bei ihrem Landesvater innegehalten und sich nicht über die Grenzen und Formen ihrer württembergischen Verfassung hinaus verstiegen hatten."

   
Der finanzielle Aufwand für den Umbau des Gasthofes "Sonne" einschließlich der Einrichtungen von jüdischer Religionsschule, Lehrerwohnung und rituellem Bad betrug etwa 24.000 Mark, von denen die Gemeindeglieder seit 1886 durch eine jährliche Umlage schon einen großen Teil zusammen gespart hatten. Bis einschließlich 1891/92 kamen durch diese Umlagen über 17.000 Mark zusammen. Ein Staatsbeitrag in Höhe von 2.000 Mark half dabei, die restliche Summe zu tilgen, wenngleich die Gemeindeglieder in den folgenden Jahren damit sehr schwer taten, da mehrere wohlhabende Familien wieder von Öhringen weggezogen waren.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde am 10. November die Inneneinrichtung der Synagoge von SA-Leuten aus Heilbronn sowie Öhringen und Umgebung demoliert. Das gesamte Inventar von den Ritualgegenständen bis zu den Teppichen und Möbeln wurde auf dem Schillerplatz verbrannt. Eine Inbrandsetzung des Gebäudes konnte von Nachbarn verhindert werden, da sie ein Übergreifen der Flammen auf ihre Häuser befürchteten. Tags darauf konnte Vorbeter Hans Bodenheimer das Gebäude nochmals besuchen. Er fand es "innen total zerstört. Der Trümmerhaufen mit heiligen Büchern und Objekten war ein Anblick des Entsetzens. Ich entnahm dem Trümmerhaufen ein Gebetbuch, das ich heute noch als Zeugnis dieses unsinnigen Handelns in Ehren halte..."
   
Das Synagogengebäude samt dem Grundstück wurde 1939 von der Stadt Öhringen für 8.000 Mark erworben, aber die jüdische Gemeinde konnte über diesen Betrag nicht mehr verfügen. In einem Schreiben des Öhringer Bürgermeisters an den Landrat teilte er mit, dass die Synagoge für eine Mütterschule verwendet werden sollte. Die auf 12.000 Mark veranschlagten Umbaukosten könne die Stadt aber nicht allein übernehmen. Bis zum Bau einer "Kreishalle" sollten sich Mütterschule und NSDAP den Versammlungsraum zu Schulungszwecken teilen. Statt einer Mütterschule zogen im Zweiten Weltkrieg dann jedoch die Schülerinnen einer Lehrerinnenbildungsanstalt und nach deren Auflösung die in Stuttgart ausgebombte Frauenarbeitsschule ein. Als die Frauenarbeitsschule nach Stuttgart zurückkehrte, wurde aus der ehemaligen Synagoge das "Haus der Jugend", in dem zeitweise die Jugendherberge, ein Kindergarten und die Stadtbücherei untergebracht wurden. Derzeit dient das Gebäude als Wohnhaus, Jugendhaus und Treffpunkt ausländischer Mitbürger. Eine Gedenktafel für die Synagoge ist angebracht (Standort: Untere Torstraße 23; neue Gedenktafel: 1998).
     
     
     
Fotos 
Historische Fotos: 

 Jüdische Schulklasse 
im April 1937 
(Quelle: Stadt Öhringen) 
 Oehringen Schulklasse 010.jpg (63788 Byte) 
   (Hintere Reihe von links:) Beatrice Westheimer (dep.), Fredi Herz, Ruth Stern, Suse Kaufmann, Rolf Merzbacher, Ruth Schlessinger, Lehrer Bodenheimer, Anita Israel, Walter Thalheimer, Anneliese Stern, Werner Merzbacher, (vordere Reihe von links:) Kurt Hirsch, Bernd Hirsch, Kurt Berliner, Lore Thalheimer (dep.), Helmut Israel, Trude Ledermann, Ilse Stern, Gütner Stern, Doris Einstein.    
     


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
Oehringen Synagoge 100.jpg (89540 Byte)  Oehringen Synagoge 101.jpg (74812 Byte) 
 
 
 Die ehemalige Synagoge 
in Öhringen 
Ansicht des Gebäudes von der 
Unteren Torstraße 
     
Oehringen Synagoge 103.jpg (63326 Byte) Oehringen Synagoge 102.jpg (61670 Byte) Oehringen Synagoge 104.jpg (59048 Byte)
Eingang in das Gebäude mit Hinweistafel  Hinweistafel von 1988  Hinter den hohen Fenstern lag der Betsaal 
     
Fotos 2003/05:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003
 und 19.3.2005*) 
Oehringen Synagoge 220.jpg (47200 Byte) Oehringen Synagoge 221.jpg (38827 Byte)
  Blick auf die ehemalige Synagoge von der Unteren Torstraße*  
   
  Oehringen Synagoge 222.jpg (41444 Byte) Oehringen Synagoge 153.jpg (47029 Byte)
  Rückansicht des Gebäudes 
(früherer Betsaal)* 
Gedenktafel 
von 1998 

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2011: In Öhringen werden "Stolpersteine" verlegt  
Artikel in der "Heilbronner Stimme" vom 14. November 2011 (Artikel): "Ausstellung und Stolpersteine. 
Öhringen - Die Stadt erinnert zusammen mit den Öhringer Kirchengemeinden mit einer Ausstellung und der Verlegung von Stolpersteinen an die ehemaligen jüdischen Mitbürger, die von den Nationalsozialisten ausgegrenzt, entwürdigt, deportiert und ermordet wurden. Der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Öhringen ist die Ausstellung gewidmet, die am Donnerstagabend, 17. November, im Treppenhaus des Öhringer Schlosses eröffnet wird. Zuvor wird Walter Meister vom Arbeitskreis Zeitgeschichte der Volkshochschule um 19 Uhr in einem Vortrag im Blauen Saal des Schlosses ein Bild vom Leben der Öhringer Juden zwischen den Weltkriegen geben. Die Ausstellung kann ab Freitag, 18. November, bis 9. Dezember, zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, Erfinder des Projekts Stolpersteine, wird am Montag, 21. November, 21 Stolpersteine vor Häusern in der Innenstadt verlegen, in denen einst jüdische Mitbürger gelebt haben, die der Mordmaschinerie der Nazis zum Opfer fielen. Beginn ist um 13.30 vor dem Haus Marktstraße 21. Gegen 16 Uhr ist ein gemeinsamer Abschluss im Treppenaufgang des Schlosses. Um 19.30 Uhr wird Demnig im Ratssaal des Alten Rathauses seinen künstlerischen Werdegang und die bisherige Entwicklung des Projekts Stolpersteine vorstellen. Die Bevölkerung ist zu Ausstellungseröffnung, Verlegung der Stolpersteine und der Präsentation von Gunter Demnig eingeladen."  
    

  
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Öhringen   mit Seite über die "Stolpersteine in Öhringen"  
mit Seite: "Vortrag von Walter Meister": "Wie Juden in Öhringen lebten. Versuch einer Rekonstruktion"     
Juden in Öhringen,  Schülerreferat im Hohenlohe-Gymnasium Öhringen von Anne Mickler/Carolin Himmelhan 1996.
Artikel von Urs Hafner in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 5. August 2011: "Gerettet und doch zerbrochen. Das Schicksal des jüdischen Flüchtlings Rolf Merzbacher".      

Literatur:  

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 146f.
Germania Judaica III,2 S. 1057. 
Art. "Die Öhringer Synagoge wurde verwüstet" , in: Kleine Hohenloher Zeitung 9. November 1983.
Jürgen Hermann Rauser: Ohrntaler Heimatbuch. XI. Band: Öhringer Buch. Weinsberg 1982. S. 40f.78f.144. 
Norbert Strauß: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Öhringens, in: Heimatbuch "Öhringen, Stadt und Stift". 1988.
Oehringen Lit 025.jpg (46683 Byte)Stadt Öhringen (Hg.) : Jüdische Bürger in Öhringen. Öhringen 1993. 
ders. (Hg.): Ein Öhringer Schicksal – Das Lebensbild des Öhringer Arztes Dr. Julius Merzbacher o.J.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S.   .  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  
Gregor Spuhler: Gerettet - zerbrochen. Das Leben des jüdischen Flüchtlings Rolf Merzbacher zwischen Verfolgung, Psychiatrie und Wiedergutmachung. Chronos-Verlag. Zürich 2011. 220 S. SFr. 34.--    
Oehringen Broschuere 010.jpg (81834 Byte)Unvergessene Mitbürger. Zur Erinnerung an die ermordeten jüdischen Bürger Öhringens - ausgegrenzt - entwürdigt - verschleppt - ermordet. Hrsg. von der Stadt Öhringen 2011. 

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Oehringen  Wuerttemberg. Jews were already present in the mid-13th century. All were murdered in the Black Death persecutions of 1348-49 and the Jewish settlement was only renewed in the mid-19th century, with the Jews maintaining a population of 150-180 (4 % of the total) until the Nazi era. Jews played a leading role in the town's economic life as retailers and wholesalers. Seventeen of the 24 Jews serving in Worldwar I received the Iron Cross. The Jewish population in 1933 was 163. Under the Nazis, around three-quarters emigrated. Of the 36 expelled to the east, three survived the war.  
    
      

                   
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Stand: 02. Dezember 2014