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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Öhringen (Hohenlohekreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
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derzeit gearbeitet. Bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von
Hohenlohe gehörenden Öhringen bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter.
Erstmals werden 1253 Juden genannt. Die Judenverfolgungen 1298 und 1349 zerstörten
die Gemeinde. Im 15. Jahrhundert waren wenige Juden zeitweise in der Stadt. 1475
wird Jud Moses genannt, dem bis dahin ein Haus in der Stadt gehört hatte. Auch
am Anfang des 18. Jahrhunderts waren vermutlich einige Juden in der Stadt.
Eine jüdische Gemeinde entstand erst wieder im
19.
Jahrhundert durch Zuzüge von Juden aus Dörfern der näheren und weiteren
Umgebung. Das Jahr der Neugründung war 1889.
Die höchste Zahl von
Gemeindemitgliedern wurde um 1885 mit 180 Personen erreicht.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal, dann eine
Synagoge, eine Religionsschule und (seit 1911) einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde wurde
zunächst dem Bezirksrabbinat Heilbronn zugeteilt, später gehörte sie zum
Bezirksrabbinat Schwäbisch Hall.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde.... Ihre Namen
stehen auf dem Gefallenendenkmal im Kreuzgang der Stiftskirche.
Die jüdischen Bürger spielten seit
den 1880er-Jahren vor allem im wirtschaftlichen Leben Öhringens eine wichtige
Rolle. Mehrere Industrieunternehmen wurden von ihnen gegründet. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden
Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind
bekannt: Viehhandlung Gustav Berliner (Wohnung Untere Torstraße 23), Getreide- und Mehlhandlung Julius Bloch, Inh. Ferdinand und Siegfried Bloch (Karlsvorstadt 5), Tabakwarengroß- und kleinhandel Max Blum (Wintergasse 20 und 22), Viehhandlung Adolf Ehrlich
(Rathausstraße 28), Schuhfabrikant Heinrich Einstein (Obere Gartenstraße 3), Viehhandlung Elias Heidenheimer (Altstadt 57), Oel- und Fetthandlung mit Bäckerei Louis Kaufmann
(Poststraße 51), Weinhandlung und Wirtschaft Israel und Friesner, Inh. Adolf Klug
(Rathausstraße 3), Textilwarengeschäft Max Kochentaler (Untere Torstraße 11), Viehhandlung Hugo Levi
(Bahnhofstraße 10), Praktischer Arzt Dr. Julius Merzbacher (Büttelbronner
Straße 6), Viehhandlung Julius Metzger (Poststraße 24), Mehlgroßhandlung Felix Rothschild, Inh. Louis und Samuel Rothschild (Untere
Torstraße 18), Kaufhaus Samuel Schlesinger Söhne, Inh. Hugo Schlesinger
(Poststraße 59), Viehhandlung Julius und Leopold Stern (Wohnung Untere
Torstraße 23), Textilgeschäft August Thalheimer (Poststraße 24), Metzgerei und Wirtschaft Siegmund Weil
(Poststraße 46), Auto-Reparaturwerkstätte Thomas Wranowsky (Poststraße 25).
1933
Von den in Öhringen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sofie Adler (1874),
Carry (Zarry) Cohn geb. Herz (1883), Adolf Ehrlich (1865), Rosa Ehrlich (1899),
Gerhard Einstein (1937), Leopold Einstein (1892), Margarete Einstein geb. Levi
(1903), Nannchen Engelbert geb. Blum (1871), Julie Grünewald (1880), Hedwig
Heidenheimer (1897), Siegfried Herz (1890), Rosa Israel (1877(, Selma Israel
(1898), Berta Kaufmann geb. Sahm (1887), Klara Kaufmann geb. Rosenfeld (1888),
Max Kochertaler (1863), Ada Ledermann geb. Freudenthal (1890), Artur Ledermann
(1882), Hugo Heinrich Levi (1887), Irma Levi geb. Kocherthaler (1897), Julie
Löb geb. Weil (1901), Eugen Maier (1884), Julius Merzbacher (1890), Emma
Metzger geb. Ottenheimer (1887), Julius Metzger (1881), Bernhard Sahm (1861),
Bertha Steinhardt geb. Schlossmann (1882), Bertha Stern geb. Herz (geb. 1887
in Öhringen, von Köln nach Lódz deportiert), Amalie Thalheimer geb. Rindsberg
(1862), August Thalheimer (1884), Hedwig Thalheimer geb. Kaufmann (1889), Lore
Thalheimer (1923), Siegfried Thalheimer (1926), Trude Thalheimer (1922), Aline
Weil geb. Dreyfus (1879), Ida Weinschenk (1884), Berta Westheimer geb. Ledermann
(1889), Ilse Ruth Westheimer (1920), Josef Westheimer (1878), Hermine Wolff geb.
Schlossmann
(1879).
Im Kreuzgang der Öhringer Stiftskirche wurden im Jahr 2000 zwei Tafeln mit den Namen der in der NS-Zeit umgekommenen Öhringer Juden angebracht.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1875
Anmerkung: die Ausschreibung erschien über mehrere Wochen in der
Zeitschrift "Der Israelit". Da sich offenbar niemand Geeignetes
beworben hat, wurde der in Aussicht gestellte Gehalt erhöht. Anfang September
unterschrieb von der jüdischen Gemeinde Öhringen zunächst Julius Gutmann,
dann Salomo Israel.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1875: "Oehringen,
Oberamtsstadt Württembergs.
Gesuch eines Religionslehrers, Vorsängers und Schochet. Die
hiesige, aus 20 Familien bestehende Privat-Gemeinde sucht die obige Stelle
baldmöglichst zu besetzen. Gehalt fix 400 Gulden = 785 Mark 71 Pfennig
nebst freier Wohnung. Anbei steht in Aussicht, dass die Gemeinde sich
rasch verstärkt und zuzüglich der Nebenverdienste auf ein reichliches
einkommen Rechnung getragen werden kann. Ein noch unverheirateter Mann erhält
den Vorzug. Lusttragende wollen ihre Zeugnisse baldigst einsenden. Julius
Gutmann." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1875: "Oehringen.
Oberamtsstadt Württembergs. Gesuch eines Religionslehrers, Vorsängers
und Schochet. Die hiesige, aus 20 Familien bestehende Privatgemeinde sucht
die obige Stelle baldmöglichst zu besetzen. Gehalt fixo 500 Gulden nebst
freier Wohnung, anbei steht in Aussicht, dass die Gemeinde sich rasch
verstärkt, und zuzüglich der Nebenverdienste auf ein reichliches
Einkommen Rechnung getragen werden kann. Ein noch Unverheirateter erhält
den Vorzug. Lusttragende wollen ihre Zeugnisse in Bälde einsehen.
Salomo Israel." |
Hilfsvorbeter gesucht (1887)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1887: "Hilfsvorbeter
gesucht.
Die hiesige Gemeinde sucht für kommenden Rosch Haschana und Jom
Kippur einen Hilfsvorbeter. Gefällige Anträge beliebe man sofort zu
richten an
N. Zirndörfer, Anwalt, Oehringen (Württemberg)." |
Versammlung der israelitischen Lehrer der Region in
Öhringen (1888)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. April 1888: "Oehringen,
1. April (1888). Auf Anregung des Lehrers Spatz in Affaltrach
versammelte sich hier eine Anzahl israelitischer Lehrer und Vorsänger des
Hohenloher Gaues und der Umgegend, um sich über allerlei Standesfragen zu
besprechen. Das Ergebnis dieser Besprechung war die Gründung eines
israelitischen Lehrervereins für Hohenlohe-Franken zur Wahrung und Förderung
von Standesinteressen. Zum Vorstand des Vereins wurde Lehrer Forchheimer
– Ernsbach, zum Schriftführer Spatz
– Affaltrach gewählt."
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Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Kritik an einem den Schabbat nicht einhaltenden und am
Schabbat in der Synagoge Toralesenden Kaufmann (1886)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1886: "Aus dem Hohenlohischen.
In Öhringen war am jüngsten Jom Kippur ein dortiger Kaufmann ehrenamtlicher Vorbeter, welcher den
Schabbat und Feiertag entweiht, da derselbe sein Geschäft offen hat.
Trotzdem, dass der dortige Lehrer und Vorsänger dagegen war, und sogar
eine Anfrage an das betreffende Bezirks-Rabbinat Heilbronn machte, welches
erklärte, dass man ihn nicht als Vorbeter
nehmen sollte, ließ derselbe doch seine holde Stimme hören, weil es der
Vorstand für angemessen hielt." |
Gründung der Israelitischen Gemeinde
(1890)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1890: "Aus Württemberg,
22. September (1890). Während unsere jüdischen Landgemeinden durch
Wegzug kleiner werden, sich manche auch schon ganz aufgelöst haben,
bilden sich in Städten, wo vor 3 bis 4 Jahrzehnten noch kein Israelit
wohnte, neue Gemeinden. So bildete sich voriges Jahr eine Gemeinde in Öhringen
und in dieser Woche hat das Königliche Ministerium des Kultus in
Anwendung des Artikels 49 des Israelitengesetzes von 1828 die Bildung
einer israelitischen Gemeinde in Gmünd
unter Zuteilung an das Rabbinat Oberdorf verfügt." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Kaufmann Julius Gutmann (1896)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1896: "Öhringen, 25.
Mai (1896). Am vergangenen Heiligen
Schabbat starb dahier der Kaufmann Julius Gutmann. Es war dies der
erste Jude, der sein Domizil hier errichtete; derselbe war ein streng
religiöser Jehudi. Sein ganzes Leben betätigte er das Wort unserer
Weisen im ersten Abschnitt der Sprüche der Väter, Vers 2 und 3, die von
den drei Grundsäulen des Judentums und der Gottesfurcht handeln. Auch bei
der christlichen Bevölkerung war er wegen seines bescheidenen Betragens
sehr beliebt. Zeugnis davon legte die außerordentlich große Beteiligung
an seiner Beisetzung, welche am
Sonntag stattfand, ab. Seine Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Hannchen Rosenfeld geb. Baum
(1907)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1907: "Öhringen, 2.
Dezember (1907). Am Ausgang des vorigen Heiligen Schabbat starb dahier
Frau Hannchen Rosenfeld geb. Baum im Alter von nur 42 Jahren. Die
Heimgegangene war eine biedere, fromme Frau und begleitete das Kassenamt
des hiesigen israelitischen Frauenvereins 12 Jahre lang. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
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Julius Bloch wird erneut in den Stadtrat gewählt
(1913)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. Dezember 1913: "Öhringen
(Württemberg). Julius Bloch ist wieder in den Stadtrat gewählt."
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Jakob Kaufmann wird als Kriegsteilnehmer ausgezeichnet
(1915)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1915: "Öhringen, 14.
Januar (1915). Jakob Kaufmann erhielt vom König von Württemberg die
Silberne Verdienstmedaille für Tapferkeit und Treue". |
70. Geburtstag von Jakob Einstein (1931)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1931: "Öhringen, 2.
Juli (1931). Am 10. Juli feiert unser Gemeindemitglied, Herr Jakob
Einstein, seinen 70. Geburtstag. Aus der altjüdischen Gemeinde Buttenwiesen
stammend, verpflanzte er die fromme Tradition des Elternhauses auch in
seinen neuen Wohnsitz, wo er die Belange des gesetzestreuen Judentums zu fördern
bestrebt ist. Seit Jahrzehnten lässt er an den ehrfurchtgebietenden
Tagen mit lieblicher Stimme die schönen Melodien seiner Altvordern
erschallen mit echter Freude am Gottesgebot errichtet und schmückt er
alljährlich seine Sukkoh (Laubhütte)
– die einzige im Städtchen. Als Förderer des württembergischen
Landesverbandes für die Interessen des gesetzestreuen Judentums und als
treues Mitglied der Agudas Jisroel sucht er auch für die weiteren Ziele
der Orthodoxie zu wirken. Möge Herr Einstein ein gesunder und heiterer
Lebensabend beschieden sein. (Alles Gute) bis 120 Jahre." |
Über den Arzt Dr. Julius Merzbacher
| Dr. Julius Merzbacher (1890
Öhringen - 1943 vermutlich KZ Auschwitz): seit 1919 hoch angesehener
praktischer Arzt in Öhringen, seit 1933 zunehmend dem NS-Terror ausgesetzt, 1938 nach Konstanz verzogen; 1940 nach Gurs deportiert, von hier 1942 nach Auschwitz oder
Lublin-Majdanek. Seit 1991 ist nach ihm die "Merzbacherstraße" benannt.
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Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Lederhandlung S. Israel (1884)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1884: "Lehrling gesucht mit
guter Schulbildung für meine Lederhandlung. Samstage und Feiertage
geschlossen. Kost und Logis im Hause.
S. Israel, Öhringen (Württemberg)." |
Anzeige von Julius Gutmann (1890)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1890: "Ein religiöses Mädchen
gesetzten Alters für bürgerliche Küche und Hausarbeit zu einem allein
stehenden Witwer gesucht. Eintritt sofort. Julius Gutmann, Öhringen (Württemberg)." |
Anzeige von Nathan Ehrlich (1891)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1891: "Für ein Mädchen
aus guter Familie, 17 Jahre alt, wird eine Stelle gesucht, wo dasselbe zur
Stütze der Hausfrau tätig sein kann oder auch sich in einem Ladengeschäfte
auszubilden Gelegenheit hat. Anträge beliebe man zu richten an Nathan
Ehrlich, Öhringen (Württemberg)." |
Anzeige des Schuhfabrikanten Jacob Einstein (1903 /
1925)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1903: "Suche per Ostern
oder früher einen Lehrling aus achtbarer Familie mit guter
Schulbildung und schöner Handschrift. Schabbos und Jomtof
(Feiertag) geschlossen.
J. Einstein, Öhringen bei Heilbronn, Schuhfabrikation und Engros-Lager." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Für Verwandte, welche
Handelsschule mit 1a Zeugnissen absolviert, Vorkenntnisse im
Manufakturwarengeschäft besitzt, sucht in gleicher oder verwandten
Branche, in welchem Geschäft dieselbe Sabbat und Feiertage frei hat Stellung
zur weiteren Ausbildung ohne gegenseitige Vergütung, bei freier Station
und Familienanschluss. Offerten an
Jacob Einstein, Öhringen, Württemberg." |
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Jacob Kaufmann
(1922)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1922: "Zum sofortigen
Eintritt suche ich eine jüngere branchekundige Verkäuferin.
Kost und Logis im Hause. Offerten mit Gehaltsansprüchen an
Jacob Kaufmann, Manufakturwaren Öhringen Württemberg."
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Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Das
mittelalterliche Wohngebiet lag im Bereich der Altstadt/Gerbergasse. Hier befand
sich auch die Synagoge, die in den Urkunden über die Gründung des Öhringer
Spitals erwähnt wird. 1353 wurde an ihrer Stelle (hier sei nach der Urkunde des
Bischofs von Würzburg "der gottesschänderische Ritus" der Juden gefeiert
worden) das Spital erbaut. Vermutlich wurde die ehemalige Synagoge zu einem Teil
des Spitals umgebaut. Doch ist die heutige Spitalkirche nicht identisch mit der
ehemaligen Synagoge. Ein rituelles Bad dürfte unweit der Synagoge in der Nähe
der Ohrn bestanden haben.
Im 19. Jahrhundert besaß die Gemeinde zunächst einen Betsaal
in der Karlsvorstadt. Wo er sich genau befand, konnte (auch nach Rücksprache
mit dem Stadtarchiv Öhringen!) nicht in Erfahrung
gebracht werden. Vermutet wurde schon das ehemalige Haus des Benedikt Kaufmann
(früheres Haus Karlsvorstadt 27), da sich in dessen Garten eine große Sukka
(Laubhütte) befand, die bis heute erhalten ist.
Mitte Dezember 1888 kaufte die jüdische Gemeinde den in Öhringen
damals sehr angesehenen Gasthof "Zur Sonne". Die seit einigen Jahren
verwitwete Besitzerin hatte ihn eigentlich ihrem Sohn übergeben wollen. Da
dieser jedoch überraschend starb, entschloss sie sich zum Verkauf des Hauses.
Der große Saal des Gasthofes war erst wenige Jahre zuvor restauriert worden.
Der Kaufpreis betrug 30.000 Mark, von denen zwei Drittel kurzfristig zu bezahlen
waren, der Rest über eine längere Zeit in Raten. Eine Beschreibung des
Betsaales liegt aus der "Schwäbischen Chronik" vom 2. April 1889 vor: "Die neue Synagoge bildet ein längliches Viereck, das, weil die nach hinten
stehende Südseite frei von Nachbargebäuden ist und freie Sicht in das Ohrntal
gestattet, von dieser Seite her sich einer ganz besonders günstigen Beleuchtung
erfreut." Zur Inneneinrichtung ist zu lesen: "Der Raum ist in zwei ungleiche
Hälften geteilt, die vordere größere enthält gegen 60 Sitzplätze für Männer,
die hintere kleinere 52 für Frauen, alle gegen Osten gewendet, denn in der
Mitte der östlichen Langseite ist das Heiligtum angebracht, hier sind die sechs
Torarollen verwahrt. Vor dieser ‚Bundeslade’ hat der Techniker einen von Säulen
getragenen Eingang dargestellt, er umgibt einen rotdamastenen, prachtvoll
gestickten Vorhang mit goldener hebräischer Inschrift; derselbe trägt das mit
höchster künstlerischer Vollendung in mehr als halber Meterhöhe goldgestickte
württembergische Königswappen. [...] Dieser Vorhang sowohl, als die ebenso
geschmackvolle, gleichfalls mit Goldstickerei versehene Bedeckung des Altars und
des darauf angebrachten Predigerpults sind von den Moriz Strauß’schen
Eheleuten gestiftet. Julius Bloch hat zwei große Kandelaber gestiftet und von
der Familie Ledermann sind sehr schöne Hüllen für Torarollen angeschafft
worden. Die Wände sind mit künstlerischem Geschmack durch einen hiesigen Maler
hergestellt worden. Für Abendbeleuchtung ist durch mehrere große hängende
Kronleuchter gesorgt".
Die feierliche Einweihung der Synagoge war am 29. und 30. März
1889 in Anwesenheit des israelitischen Kirchenrats Dr. Moses von Wassermann und
unter zahlreicher Beteiligung der christlichen Bevölkerung. Die Feier begann
mit einem Abschiedsgottesdienst im seitherigen Betlokal. Um 4 Uhr nachmittags
begab sich ein stattlicher Festzug, angeführt von der israelitischen
Schuljugend zu der neuen Synagoge, an deren Eingang er von den Klängen der Öhringer
Stadtmusik empfangen wurde. Nach der Einhebung der sechs Torarollen hielt der
Heilbronner Bezirksrabbiner Dr. Moses Engelbert die Festpredigt. Nach dem
Bericht im "Hohenloher Boten" wurde sie "in würdigstem Tone gehalten und
war wohl geeignet, auch Nichtisraeliten zu erbauen". Die Schwäbische Chronik
meinte, dass Rabbiner Dr. Engelbert es verstand, "in sehr würdiger, von
Glaubenstreue und brüderlicher Nächstenliebe getragener Sprache die Herzen
aller Hörer zu gewinnen und zu gemeinsamem Dank zu erheben".
Mit einem Bankett im "Württemberger Hof" und einem
Festball im Gasthof zur "Eisenbahn" fand die "in allen Teilen wohl
gelungene Feier ihren heiteren Abschluss". In der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" wurde freilich von einem Zwischenfall während des Festes
berichtet, der für eine "allgemeine Missstimmung" gesorgt hatte. Nachdem
von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde ein Toast auf den württembergischen
König ausgebracht wurde, habe sich ein Professor erhoben und die Versammlung
getadelt, weil nicht zuerst ein Toast auf den deutschen Kaiser ausgebracht
wurde. Der namentlich nicht genannte Professor erinnerte bei seiner unerwünschten
Rede die jüdischen Gemeindeglieder daran, "dass sie nicht mehr in Palästina,
sondern in Deutschland wohnen und dem Kaiser ihre Huldigung nicht versagen dürfen".
Der allgemein als "taktlos" bezeichnete Zwischenfall sorgte in verschiedenen
Presseorganen offensichtlich für ein längeres Nachspiel.
Einladung zur Einweihung der Synagoge
(1889)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1889: "Öhringen. Einladung.
Zu der am Freitag, den 29. dieses Monats stattfindenden Einweihung unserer
Synagoge, verbunden mit Bankett am gleichen Tage und Fest-Ball am darauf
folgenden Tage, wird hiermit höflichst eingeladen. Das Fest-Komitee. Auf
Obiges bezugnehmend bemerke ich, dass bei rechtzeitiger Anmeldung für
Koscher Tafel gesorgt ist. N. Zirndörfer." |
Einweihung der Synagoge (1889)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1889: "Öhringen, 31. März
(1889). Die hiesige israelitische Gemeinde feierte vergangenen Freitag ein
lang ersehntes Freudenfest, die Einweihung ihrer neuen Synagoge. Hierzu
hatten sich eingefunden: Herr Kirchenrat Dr. von Wassermann aus Stuttgart,
Herr Rabbiner Dr. Engelbert aus Heilbronn, Herr Regierungsrat Böltz, sämtliche
hiesige Geistliche, Herr Stadtschultheiß Schäuffele und der ganze
Stadtrat, Herr Rektor Dr. Barth, sowie sämtliche Lehrer des Lyzeums und
der Volksschule und eine große Anzahl sonstiger Ehrengäste von hier und
auswärts. Nach dem Abschiedsgottesdienst im Betsaal bewegte sich der Zug
durch die Stadt zur neuen Synagoge, welche aufs geschmackvollste dekoriert
war und wurde dort durch Musik empfangen, worauf die Übergabe des Schlüssels
unter Ansprache von einem Schulkinde an den Gemeindevorstand Herr Zirndörfer
erfolgte. Als sämtliche Teilnehmer ihre Plätze eingenommen hatten, wurde
von dem durch Herrn Lehrer Schlossmann neu gegründeten und vorzüglich
eingeschulten Synagogenchor der Gottesdienst eingeleitet. Die Festpredigt
hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Engelbert, welche ebenso gediegen als vom
Geiste der Duldung und Liebe getragen war.
Die Schlussworte und das Schlussgebet sprach Herr Kirchenrat Dr.
von Wassermann, welches dem ganzen Gottesdienste einen würdigen Abschluss
verlieh.
Abends fand ein aus allen Ständen und Konfessionen so zahlreich
besuchtes Bankett im Saale des Württembergischen Hofes statt, dass der
große Raum beinahe nicht hinreichte. Nach Begrüßung der Anwesenden
durch den Gemeindevorstand brachte Herr Kirchenrat Dr. von Wassermann den
ersten Toast auf Seine Majestät den König aus. Vorsänger und Lehrer
Herr Schlossmann dankte der israelitischen Oberkirchenbehörde für ihre
Bereitwilligkeit und Unterstützung; sein Hoch galt dem anwesenden Herrn
Kirchenrat Dr. von Wassermann. In ungetrübter Festfreude blieben die
Teilnehmer bis lange nach Mitternacht versammelt. Der Samstagvormittag 9
Uhr abgehaltene Festgottesdienst verlief ebenfalls in würdigster Weise."
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Ein (nichtjüdischer) Professor benimmt sich beim Fest zur Einweihung der
Synagoge daneben (1889)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Mai 1889: "Aus Württemberg,
im Mai (1889). In einigen württembergischen Blättern, z.B. dem
Beobachter, hat ein an sich unbedeutender Vorgang viel Staub aufgewirbelt.
In Oehringen wurde eine Synagoge eingeweiht. Gelegentlich dieses Festes
wurde ein bescheidenes Mahl gehalten, an welchem auch christliche
Honoratioren teilnahmen. Es wurde zuerst ein Toast auf den Landesherrn,
den König von Württemberg ausgebracht. Da erhob sich ein so genannter
Professor und goss bitteren Tadel über die ganze Versammlung, weil sie
nicht zuerst einen Toast auf den deutschen Kaiser ausgebracht. Dies
brachte eine allgemeine Missstimmung hervor, denn man war sich des
harmlosen und unpolitischen Charakters des Festes zu wohl bewusst, um in
dieser Unterlassung einen wirklichen Verstoß zu finden; man betrachtete
es aber als eine Anmaßung eines Gastes, die Festversammlung in brüsker
Weise deshalb zu haranguieren. Wenn in einem solchen Landstädtchen die
Bewohner nur ihre nähere Beziehung zu ihrem Landesherrn empfinden, aus
dessen Händen sie so oft Gnadenbezeugungen empfangen, so liegt darin
gewiss keine Feindseligkeit gegen das große deutsche Reich. Dies wird
auch von den meisten Blättern anerkannt und dem so genannten Herrn
Professor sind die Vorwürfe über sein unpassendes Benehmen nicht erspart
geblieben. Der ‚Beobachter’ schreibt: ‚Da Deutschland jetzt seit 18
Jahren ein Kaisertum ist, gegen das sich von keiner Seite weder bei seiner
Gründung, noch seither ein Widerspruch erhoben hat, so ist in der Tat
nicht abzusehen, weshalb diese Verfassungsbestimmung immer aufs Neue
feierlich zu preisen sein soll, auch wo bei den betreffenden
Festlichkeiten kein äußerer Anlass zu irgend welchem Zweifel an ihrer
Geltung gegeben wird. Von dem Professor in Öhringen war es jedenfalls
eine Anmaßung, den bei der Einweihung ihrer Synagoge versammelten Juden
und ihrem Redner eine Vorlesung zu halten und in Erinnerung zu bringen,
dass sie nicht mehr in Palästina, sondern in Deutschland wohnen und dem
Kaiser ihre Huldigung nicht versagen dürfen. Sie sind gerade so gut
deutsche Vollbürger als dieser Herr, der sich ihnen als Sittenrichter
aufdrängte und ihnen aus der Unterlassung eines Aktes, der ihnen weder
durch die allgemeine Schicklichkeit, noch durch eine besondere
Verpflichtung des Tages auferlegt war, einen verletzenden Vorwurf machte.
Sie an dem Tag, da sie sich in festlichem Verein mit ihren christlichen
Mitbürgern des vollendeten Werkes ihrer Synagoge freuten, an ihre hebräische
Abstammung zu erinnern, war weit taktloser, als dass sie mit ihrem
Lebehoch und Dank bei ihrem Landesvater innegehalten und sich nicht über
die Grenzen und Formen ihrer württembergischen Verfassung hinaus
verstiegen hatten." |
Der finanzielle Aufwand für den Umbau des Gasthofes "Sonne" einschließlich der Einrichtungen von jüdischer Religionsschule,
Lehrerwohnung und rituellem Bad betrug etwa 24.000 Mark, von denen die
Gemeindeglieder seit 1886 durch eine jährliche Umlage schon einen großen Teil
zusammen gespart hatten. Bis einschließlich 1891/92 kamen durch diese Umlagen
über 17.000 Mark zusammen. Ein Staatsbeitrag in Höhe von 2.000 Mark half
dabei, die restliche Summe zu tilgen, wenngleich die Gemeindeglieder in den
folgenden Jahren damit sehr schwer taten, da mehrere wohlhabende Familien wieder
von Öhringen weggezogen waren.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde am 10. November die Inneneinrichtung der Synagoge von SA-Leuten aus Heilbronn sowie Öhringen und Umgebung demoliert. Das gesamte Inventar von den Ritualgegenständen bis zu den Teppichen und Möbeln wurde auf dem Schillerplatz verbrannt. Eine Inbrandsetzung des Gebäudes konnte von Nachbarn verhindert werden, da sie ein Übergreifen der Flammen auf ihre Häuser befürchteten. Tags darauf konnte Vorbeter Hans Bodenheimer das Gebäude nochmals besuchen. Er fand es
"innen total zerstört. Der Trümmerhaufen mit heiligen Büchern und Objekten war ein Anblick des Entsetzens. Ich entnahm dem Trümmerhaufen ein Gebetbuch, das ich heute noch als Zeugnis dieses unsinnigen Handelns in Ehren
halte..."
Das Synagogengebäude samt dem Grundstück wurde 1939 von der Stadt Öhringen für 8.000 Mark erworben, aber die jüdische Gemeinde konnte über diesen Betrag nicht mehr verfügen. In einem Schreiben des Öhringer Bürgermeisters an den Landrat teilte er mit, dass die Synagoge für eine Mütterschule verwendet werden sollte. Die auf 12.000 Mark veranschlagten Umbaukosten könne die Stadt aber nicht allein übernehmen. Bis zum Bau einer
"Kreishalle" sollten sich Mütterschule und NSDAP den Versammlungsraum zu Schulungszwecken teilen. Statt einer Mütterschule zogen im Zweiten Weltkrieg dann jedoch die Schülerinnen einer Lehrerinnenbildungsanstalt und nach deren Auflösung die in Stuttgart ausgebombte Frauenarbeitsschule ein. Als die Frauenarbeitsschule nach Stuttgart zurückkehrte, wurde aus der ehemaligen Synagoge das
"Haus der Jugend", in dem zeitweise die Jugendherberge, ein Kindergarten und die Stadtbücherei untergebracht wurden. Derzeit dient das Gebäude als Wohnhaus, Jugendhaus und Treffpunkt ausländischer Mitbürger. Eine Gedenktafel für die Synagoge ist angebracht (Standort: Untere Torstraße 23; neue Gedenktafel: 1998).
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an den
Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Die ehemalige Synagoge in Öhringen |
Ansicht des Gebäudes von der Unteren Torstraße |
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Eingang in das Gebäude mit Hinweistafel |
Hinweistafel von 1988 |
Hinter den hohen
Fenstern lag der Betsaal |
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Fotos 2003/05:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003 und 19.3.2005*) |
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Blick
auf die ehemalige Synagoge von der Unteren Torstraße* |
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Rückansicht des
Gebäudes (früherer Betsaal)* |
Gedenktafel
von 1998 |
Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Oehringen Wuerttemberg.
Jews were already present in the mid-13th century. All were murdered in the
Black Death persecutions of 1348-49 and the Jewish settlement was only renewed
in the mid-19th century, with the Jews maintaining a population of 150-180 (4 %
of the total) until the Nazi era. Jews played a leading role in the town's
economic life as retailers and wholesalers. Seventeen of the 24 Jews serving in
Worldwar I received the Iron Cross. The Jewish population in 1933 was 163. Under
the Nazis, around three-quarters emigrated. Of the 36 expelled to the east,
three survived the war.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
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