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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Oedheim (Landkreis Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zwischen zwei
Grundherrschaften (Deutschorden und Freiherr von Bautz) geteilten Oedheim
bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
17. Jahrhunderts zurück. Um 1696 wurden erstmals Juden genannt. Beide hatten
die Niederlassung von Juden am Ort erlaubt. 1701 zog der erste Jude, Baruch von Wachbach,
in das Bautz'sche Schloss ein. 1729/30 gab es unter dem Schutz der
Freiherren von Bautz vier jüdische Familien in Oedheim (Familien des Hertzle,
Isaak, Jeckoff und Moyses Abraham). 1795 lebten folgende Deutschordens-Juden in
Oedheim: Seligmann Levi, Isaac Moyses, Salomon, Wolf Benedikt, David Benedikt,
Josef Simons Witwe, Mayers Witwe und Hayums Witwe.
1807 lebten in Oedheim 43
ritterschaftliche Juden (von Bautz) neben 41 bisherigen Deutschordens-,
inzwischen württembergischen Juden (zusammen 84). 1824 wurden gleichfalls 84
jüdische Einwohner gezählt (4,8 % von insgesamt 1.441 Einwohnern), 1831 88,
1843 103, 1854 108. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner
wurde um 1858 mit 117 Personen erreicht. In der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder durch Aus- und
Abwanderung zurück: 1869 63, 1872/73 72 jüdische Einwohner, 1886 61, 1900 noch
38 (2,3 % von insgesamt 1.677), 1910 40 (2,1 % von 1.900). Die jüdischen Familien lebten vor
allem vom Handel mit Vieh und Produkten.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule (außer dem Religionsunterricht besuchten die jüdischen Kinder
die Ortsschule), ein rituelles Bad (1843 im Hause der Witwe Stern zwischen der
Gasse und dem zum Bautz'schen Schloss gehörigen Garten), seit 1864 im
Untergeschoss der Synagoge) und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe unten
Ausschreibung der Stelle von 1891). Seit der zweiten
Hälfte des 19.Jahrhunderts gehörte Oedheim zum Rabbinatsbezirk Heilbronn.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Albert Mannheimer.
Seine Name steht auf dem Gefallenendenkmal des örtlichen Friedhofes.
Um
1925, als noch 23 jüdische Personen in Oedheim lebten (1,2 % von insgesamt
1.984), waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Louis Straus, Julius Rosenstein
und Julius Mergentheim. 1932 war Gemeindevorsteher Simon Mannheimer. Als
Religionslehrer der nur noch wenigen schulpflichtigen jüdischen Kinder
unterrichtete Religionsoberlehrer Straus aus Talheim.
1933 gab es noch eine jüdische
Viehhandlung in Oedheim: Familie Rosenstein (Steige 19); die Familie
Mergentheimer lebte in der Neuenstadter Straße 14. In diesem Jahr lebten noch
15 jüdische
Personen am Ort (0,8 % von insgesamt 1.891 Einwohnern). In der Folgezeit
verließen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden
Repressalien und der Entrechtung mehrere von Ihnen den Ort. Beim Novemberpogrom
1938 drangen auswärtige SA-Leute in das Haus der Familie Mergentheimer ein,
demolierten Einrichtungsgegenstände und verprügelten die jüdischen Bewohner.
Nachbarn, die für die Juden Partei ergriffen, wurden ebenfalls geschlagen. Die
letzten fünf jüdischen Einwohner wurden 1942 deportiert (Anna
Mannheimer, Isaak, Lina, Rosa und Wilhelm Mergentheimer).
Von den in Oedheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Franziska Baer geb.
Rosenstein (1892), Caroline David geb. Rosenstein (1866), Ida Eisenmann geb.
Kaufmann (1886), Elise Frank geb. Rosenstein (1878) Charles Leix (1901), Anna
Mannheimer (1875), Isack Mergentheimer (1875), Mina Mergentheimer geb. Kander
(1888), Rosa Mergentheimer (1879), Wilhelmine Mergentheimer (1871), Frieda
Rosenstein (1902), Max Rosenstein (1897), Frieda Schott geb. Strauß (1881),
Anna Stein geb. Mannheimer (1861).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1872 /
1876 gemeinsam mit den Gemeinden Neckarsulm und Kochendorf - sowie 1891 nur für
Oedheim
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1872:
"Religionslehrer- und Vorsänger-Gesuch. Die Gemeinde
Kochendorf sucht per 1. Januar 1873 einen Religionslehrer und Vorsänger,
welcher auch den Religionsunterricht in Oedheim und Neckarsulm
wöchentlich 2 Mal mit je 2 Stunden zu erteilen hat. Gehalt 475 Gulden pro
Jahr nebst freier Wohnung und Emolumenten. Qualifizierte, unverheiratete
Bewerber wollen ihre Zeugnisse franko dem Unterzeichneten einsenden.
Heilbronn am Neckar, 19. November 1872. Das Königlich Württembergisch
Bezirks-Rabbiner: Dr. M. Engelbert." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1876:
"Die Religionslehrer- und Vorsängerstelle in Kochendorf, welche
Mitte Juli dieses Jahres vakant wird, soll alsbald wieder besetzt werden.
Der Gehalt für diese Stelle, mit welcher der Religionsunterricht in
Oedheim und Neckarsulm verbunden ist, beträgt 8.0 (?) Mark pro Jahr
nebst freier Wohnung und Emolumenten. Qualifizierte Bewerber wollen ihre
Meldungen und Zeugnisse innerhalb 3 Wochen dem Unterzeichneten
einsehen.
Heilbronn am Neckar, 12. Juni 1876. Das Königliche Bezirksrabbiner. Dr.
M. Engelbert." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1891: "Die
israelitische Kirchengemeinde Oedheim sucht einen seminaristisch
gebildeten Lehrer und Vorbeter. Gehalt 600 Mark bei freier
Wohnung und Heizung. Befähigung zum Ausüben der Schechitah besonders
erwünscht. Bewerber wollen sich sofort melden beim Königlichen
Bezirks-Rabbiner Heilbronn: Dr. Einstein, A.-V." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Die Geschichte eines ersten
Betsaales beginnt mit der Aufnahme des "wohlbemittelten" Juden Moses
aus Kochendorf, der sich mit Genehmigung
des Deutschen Ordens in Oedheim ansiedelte. 1699 konnte er nicht weit von der
Oedheimer Kirche ein Haus erwerben. Möglicherweise wurde ihm schon bei seiner
Schutzaufnahme, spätestens jedoch 1705 gestattet, in diesem Haus "die Schule
und jüdische Ceremonien zu üben" und damit eine Synagoge einzurichten. Dies
sollte jedoch "in der Stille und ohne Getümmel, wodurch den Christen und
insonderheit den nächstwohnenden Kranken eine Überlästigkeit zugehen kann",
geschehen. 1707 erhielt Emanuel, der Sohn des genannten Moses, Aufnahme in
Oedheim. Er erbte 1711 nach dem Tode seines Vaters dessen Haus mit der Synagoge.
Die inzwischen von der Freiherrenfamilie von Bautz aufgenommenen jüdischen
Familien, die alle im Bereich des zum Schloss gehörenden Vorhofes wohnten,
besuchten die Synagoge des deutschordischen Juden Moses beziehungsweise seines
Sohnes Emanuel. Auch die Juden aus Kochendorf kamen in dieser Zeit zu den
Gottesdiensten nach Oedheim.
Nach dem Tod des Emanuel und seiner Frau 1737 gab es
intensive Bemühungen von christlicher Seite im Ort, das von der jüdischen
Familie hinterlassene Haus an einen Christen zu verkaufen, um den Juden die
darin befindliche Synagoge zu nehmen. Deren Lage nahe der Kirche hatte immer
wieder Anstoß erregt. Nach dem Dechant und Pfarrer Dr. Caspar Agricola führten
die jüdischen Gottesdienste zu einer nicht geringen Konfusion, da ringsum
Christen wohnten, die durch "continuirliches Judengeschrey" am Schabbat gestört
würden. Die Gemeinde Oedheim sah gleichfalls eine große Konfusion, wenn die
Juden aus dem Schloss an der Kirche vorbei zur Synagoge zogen. Beklagt wurde
auch der starke Zulauf auswärtiger Juden am Schabbat. Auch dass die Juden im
Winter mit brennenden Lichtern aus der Synagoge kamen und durch die Straßen
zogen, wurde wegen der Feuergefahr gerügt. Nach eingehender Untersuchung durch
deutschordische Beamte wurde den Juden jedoch die Synagoge belassen. 1807 wird
das Vorhandensein einer Synagoge in Oedheim in einem Bericht des Heilbronner
Kreishauptmannes bestätigt.
Seit 1827 befanden sich Betsaal und ein rituelles
Bad im Garten des Judenvorstehers Lazarus Stern (bis 1828 nannte er sich Hirsch
Lazarus), das vorne auf die Gasse und hinten auf den zum Bautz’schen Schloss
gehörenden Garten stieß. Die Besitzverhältnisse des Betsaales waren damals in
Oedheim so geregelt, dass der jeweilige Grundstückseigentümer den Betsaal als
Eigentum hatte. Doch bestand für ihn die "Verbindlichkeit, das Lokal gegen jährlich
20 Gulden zur Synagoge abzugeben". 1832 wurde Oedheim der jüdischen Gemeinde in
Kochendorf angeschlossen. Nach den neuen Rechtsvorschriften war damit ein öffentlicher
jüdischer Gottesdienst in Oedheim nicht mehr möglich, höchstens
Privatandachten. Dagegen wehrten sich die Oedheimer Familien jedoch mit Erfolg:
1838 wurde wieder ein eigener Gottesdienst in der Gemeinde genehmigt. Bedingung
war freilich, dass sich die Oedheimer weiterhin wie bisher an den Kosten der jüdischen
Gemeinde in Kochendorf beteiligen würden. Noch einige Jahre wurden vermutlich
im bisherigen Betsaal die Gottesdienste gefeiert.
1846 erwarb die jüdische Gemeinde das Grundstück
Fahrgasse 14 mit einem darauf stehenden älteren Gebäude, in dem der Betsaal
und ein Schulzimmer eingerichtet werden konnten. Um 1860 war dieses Gebäude
freilich so baufällig geworden, "dass ohne Gefahr nicht mehr Gottesdienst
abgehalten werden konnte". Die Gemeinde entschloss sich, das alte Gebäude
abzubrechen und an seiner Stelle eine neue Synagoge zu erbauen. Zur Finanzierung
hatte man schon 1845 einen Synagogenbaufonds angelegt, in den seitdem 2.247
Gulden eingeflossen waren. Der Neubau kostete insgesamt etwa 4.000 Gulden, was für
die damals in nur mittelmäßigen Vermögensumständen lebenden 17 jüdischen
Familien des Ortes ein sehr hoher Betrag war. Man bat um eine Unterstützung
durch einen Staatsbeitrag um bekam einen solchen in Höhe von 500 Gulden
genehmigt. Die restliche Summe konnte man über den Verkauf der Synagogenplätze
und ein Darlehen beschaffen. Im Sommer 1864 wurde das Synagogengebäude
erstellt. In ihm waren auch die Vorsängerwohnung, ein Schulzimmer sowie ein
rituelles Bad im Keller eingerichtet. Ende Oktober 1864 konnte die Synagoge
feierlich eingeweiht werden, die danach über 70 Jahre der jüdischen Gemeinde
als Zentrum des Gebetes und des Gottesdienstes dienen sollte. Freilich war es
vermutlich schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts immer schwerer, auf Grund der
zurückgegangenen Zahl der Gemeindeglieder regelmäßig Minjan (notwendige
Zehnzahl der jüdischen Männer zum Gottesdienst) zu bekommen.
Beitrag aus der Staatskasse zur Renovierung
der Synagoge (1865)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1865:
"Württemberg. Die jüngste Zeit brachte wieder schöne Beweise, wie
in unserem Lande die Israeliten nicht bloß gesetzlich emanzipiert sind,
sondern in allen Branchen des Lebens auch wirklich als gleichberechtigte
Bürger behandelt werden. So erhielten die Gemeinden Crailsheim und Oedheim
zur Renovation ihrer Synagogen aus der Staatskasse einen Beitrag von 450
Gulden respektive 500 Gulden - d.i. etwa 12 1/2 % des Bauaufwands, und der
israelitische Schullehrer in Crailsheim, Herr Rosenthal, wurde mit einer
Anzahl christlicher Kollegen einer der für das Jahr 1864/65 von der
Königlichen Oberschulbehörde ausgesetzten Belohnungen für würdig
erkannt." |
Nach Auflösung der Israelitischen Gemeinde 1938
wurde die Synagoge geschlossen. Über Ereignisse im Zusammenhang mit dem
Novemberpogrom 1938 ist nichts bekannt. Am 10. Dezember 1940 ging das
Grundstück mit dem Synagogengebäude (einschließlich des Friedhofsgrundstückes)
zum Kaufpreis von 1.000 RM an die politische Gemeinde Oedheim. Dieser Betrag
wurde jedoch vom Deutschen Reich eingezogen.
1945 wurde das ehemalige
Synagogengebäude beschlagnahmt. Die Israelitische Kultusvereinigung Württembergs
beantragte die Rückerstattung des Gebäudes, worauf dieses im August 1949 an
die Jüdische Vermögensverwaltung (Jewish Restitution Successor Organization,
JRSO) kam. Diese verkaufte es am 21. März 1952 weiter an das Land Württemberg-Baden.
1956 wurde es vom Land für 4.700 DM an eine private Person in Oedheim
weiterverkauft. Von dieser beziehungsweise den nachfolgenden Besitzern wurde das
Gebäude 1966 zu einem bis heute erhaltenen Zweifamilien-Wohnhaus
umgebaut (Fahrgasse 14).
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S.
114)
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Die Synagoge in Oedheim um 1930 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1965:
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 97) |
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Die ehemalige Synagoge vor dem Umbau |
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Foto um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Nach dem Umbau: alle Charakteristika wie die Rundbogenfenster sind
verschwunden; das Dach ist abgeschrägt - das Gebäude als ehemalige
Synagoge unkenntlich gemacht. |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.9.2003) |
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Das ehemalige
Synagogengebäude |
Im Untergeschoss der
Eingang zur ehemaligen Mikwe |
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Der Eingang ist noch derselbe
wie zu Synagogenzeiten |
Ansicht des Gebäudes aus
ähnlicher Perspektive wie das Foto um 1930 (s.o.) |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
Short english version by "Alemannia Judaica":
Oedheim Wuerttemberg.
Jews settled in Oedheim since the end of the 17th century. Their population
reached a peak of 117 in 1858 but declined steadily thereafter. Many were
engaged in the cattle trade. A synagogue is mentioned since the first half of
the 18th century. A new synagogue was built in 1864. In 1900 38 Jews still lived
in the village, in 1933 only fifteen, of whom nine emigrated. Those who remained
were deported in 1941/42, five of them perished in the camps.

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