Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bonfeld (Stadt Bad Rappenau, Landkreis Heilbronn) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren von Gemmingen gehörenden Bonfeld bestand eine jüdische Gemeinde von der Zeit des 16./18. Jahrhunderts bis 1939. Bereits 1598 wird in der Judenordnung der Reichsstadt Wimpfen Bonfeld als Wohnstätte von Juden genannt. 1717 lebten zwei Juden im Ort. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert nahm die Zahl jüdischer Familien zu, 1795 waren es bereits 14 Familien. 
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 92 jüdische Einwohner, 1824 98 (7,6 % von insgesamt 1.290 Einwohnern), Höchstzahl um 1852 mit 131 Personen, 1872/73 44, 1900 44, 1910 43 (4,3 % von 979 Einwohnern). 
   
Nach der Neueinteilung der israelitischen Gemeinden 1832 war Bonfeld Filialgemeinde zur israelitischen Gemeinde Massenbachhausen, bis diese Gemeinde 1865 aufgelöst wurde. Seitdem war die jüdische Gemeinde in Bonfeld wieder selbständig. An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (im 19. Jahrhundert zeitweise Konfessionsschule, danach noch Religionsschule bzw. jüdischer Religionsunterricht in der Volksschule des Ortes) und ein rituelles Bad (Lage unbekannt). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Heinsheim und Waibstadt beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Lehrensteinsfeld, nach dessen Auflösung 1864 zum Rabbinatsbezirk Heilbronn.    
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Josef Zion (geb. 19.12.1893 in Bonfeld, gef. 3.10.1916). Seine Name steht auf dem Bonfelder Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.     
   
Im wirtschaftlichen Leben des Ortes nahmen die Juden bereits im 19. Jahrhundert einen wichtigen Platz ein.  
  
Um 1924, als noch 42 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (4,2 % von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Max Flehinger, Leopold Schlesinger, Julius Zion und Sigmund Zion. Den Religionsunterricht der damals 5 jüdischen Kindern der Gemeinde erteilte Lehrer Meyer aus Massenbach. 1932 war Gemeindevorsteher Max Flehinger. Die im Schuljahr 1931/32 sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde wurden durch Religionsoberlehrer Straus aus Talheim unterrichtet.   

An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Manufakturwarenhandlung Max Flehinger (Kirchhausener Straße 19), Vieh- und Fruchthandlung Ferdinand Hirsch (Fürfelder Straße 9), Viehhandlung und Metzgerei Karl Ladenburger (Sonnenstraße 13), Fam. Elias Ottenheimer (Kirchhausener Straße 3), Viehhandlung Ferdinand und Hermann Ottenheimer (Fürfelder Straße 14), Landesproduktenhandlung und Schuhgeschäft Leopold Schlesinger (Rappenauer Straße 13), Lebensmittelgeschäft Mathilde und Albert Schlesinger (Martin-Luther-Straße 42), Kolonial- und Manufakturwarenladen Sophie und Moritz Schlesinger (Kirchhausener Straße 18), Manufakturwarengeschäft Julius und Sigmund Zion (Rappenauer Straße 27).   
   
1933 wurden noch 40 jüdische Einwohner in Bonfeld gezählt. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sowie der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts sind in den folgenden Jahren mehrere von ihnen ausgewandert oder in andere Orte gezogen. Unter dem Druck örtlicher Parteifunktionäre wurde der Boykott immer schärfer durchgeführt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.), mehrere jüdische Personen schwer misshandelt. An den Folgen der Misshandlungen starb Hugo Heinrich Hertz 1940 im jüdischen Krankenhaus in Frankfurt. 1941/42 wurden die noch in Bonfeld lebenden jüdischen Personen in die Vernichtungslager deportiert.  
      
Von den in Bonfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Erna Hertz geb. Ottenheimer (1908), Friedrich Karl Hertz (1933), Hugo Heinrich Hertz (1898), Inge Hertz (1932), Alfred Hirsch (1929), Elise Hirsch geb. Henle (1891), Ferdinand Hirsch (1883), Margot Hirsch (1925), Karl Ladenburger (1879), Karoline (Kathi) Ladenburger geb. Zion (1880), Johanna Marmorstein geb. Straßburger (1864), Emma Metzger geb. Ottenheimer (1887), Ferdinand Ottenheimer (1883), Frieda Ottenheimer geb. Wiesenbacher (1888), Richard Ottenheimer (1924), Joseph Schlesinger (1870), Karoline Schlesinger geb. Marx (1873), Leopold Schlesinger (1866), Mathilda Schlesinger (1877), Simon Schlesinger (1876), Heinz Zion (1925), Julius Zion (Frontoffizier des Ersten Weltkrieges, 1885), Sofie Zion geb. Ottenheimer (1898).                 
    
   
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde wurden in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht gefunden. 
    
   
  

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge

Vermutlich gab es bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts einen Betraum. 1753 lebte ein Rabbi Jecoff (Jakob) in Bonfeld. Nach der starken Zunahme jüdischer Familien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde um 1780 eine Synagoge erbaut. Sie bestand aus zwei Räumen im ersten Stock eines Wohnhauses auf den heutigen Grundstück Rappenauer Straße 4. 1790 starb ein Bonfelder "Judenschulmeister". Er wurde in Heinsheim begraben. In den 1803 von der Herrschaft Gemmingen erlassenen "Instruktionspapieren" für den damaligen "Judenschultheiß" Lazarus Ruben wurde geregelt, dass er unter anderem auf eine gute Ordnung in der Schule (Synagoge) achten solle. Er solle vor allem "keine Händel und Zänkereien in derselben dulden, sondern solche nach der vorhandenen Judenordnung bestrafen. Da die Schule lediglich dem Dienste Gottes geweiht ist, und es sich nicht geziemt, dass Vergehungen darinnen gerügt werden, so hat er die Untersuchung und Bestrafung derselben bloß in seinem Haus vorzunehmen..." In der zugleich verabschiedeten Judenordnung wurden die jüdischen Gemeindeglieder erinnert, ihre Fest- und Feiertage mit Würde und Anstand zu begehen und sich allen anstößigen Lärmens und Geräusches auf der Straße zu enthalten.   
  
In der Zeit, als die jüdische Gemeinde Bonfelds eine Filialgemeinde zu Massenbachhausen bildete (1832 bis 1865), wurde dennoch ein regelmäßiger Filialgottesdienst in der Bonfelder Synagoge genehmigt, da Massenbachhausen zwei Stunden entfernt lag. 
  
Über 150 Jahre diente die Synagoge Bonfeld als Zentrum des gottesdienstlichen Lebens der jüdischen Gemeinde in Bonfeld. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch auswärtige SA-Leute vollkommen zerstört.  Einige jüdische Männer wurden schwer misshandelt. Hugo Heinrich Hertz erlitt schwere innere Verletzungen, an deren Folgen er zwei Jahre später starb. Wenige Wochen nach den Ereignissen im November 1938 wurde das Synagogengebäude verkauft und abgebrochen.   
     
Die geplante Aufstellung eines Gedenksteines am Platz der ehemaligen Synagoge konnte 1988 nicht verwirklicht werden.  
   


Fotos / Pläne

Historische Fotos / Pläne:  Bonfeld Plan 002.jpg (116815 Byte) Bonfeld Plan 003.jpg (190209 Byte)
  Karten von Bonfeld aus dem 19. Jahrhundert mit jeweils eingetragener Synagoge an der Rappenauer Straße (Quelle für Karten ohne Eintragung: Heimatbuch Bonfeld 2000 s. Lit. S. 205 und vor Rückumschlag)
   
Bonfeld Synagoge 151.jpg (87157 Byte) Bonfeld Synagoge 001.jpg (140698 Byte) Bonfeld Synagoge 01.jpg (95591 Byte)
Bonfeld um 1900: links vom Rathaus die Kelter und das Feuerwehrmagazin (mit dem vorgebauten "Waghäusle"), danach die Synagoge Ausschnitt aus dem Foto links: die ehemalige Synagoge in Bonfeld mit dem Betsaal im ersten Stock; vermutlich gehörten die drei Fenster links zum Männerabteil, die beiden Fenster rechts zum Frauenabteil Innenaufnahme der ehemaligen Synagoge (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S. 59)
     

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Foto: Hahn)
Bonfeld Synagoge 001.jpg (74048 Byte)  Bonfeld Synagoge 152.jpg (49196 Byte)
"Keine Spur geblieben": hinter dem Zaun lag das Grundstück der ehemaligen Synagoge Bonfeld Textvorschlag für die seit 1988 nicht realisierte Gedenktafel
     
Foto 2004:
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 16.7.2004)
Bonfeld Synagoge 192.jpg (50337 Byte) Bonfeld Synagoge 191.jpg (49202 Byte) Bonfeld Synagoge 190.jpg (48563 Byte)
Die Rappenauer Straße in Bonfeld, vgl. historische Ansicht oben Blick auf das Synagogengrundstück (unbebaute Gartenanlage), das linke Haus ist identisch mit dem auf dem historischen Foto zu sehenden Haus links der Synagoge

    
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Rappenau 

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 136-137.
Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. S. 101-109.
Germania Judaica III,1 S. 136-137.
"Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung". Dokumentation der Evangelischen Kirchengemeinde Bonfeld. November 1988.
Bonfeld. Heimatgeschichtliche Beitröge aus Vergangenheit und Gegenwart eines ehemals reichsritterschaftlichen Dorfes. Hg. von der Stadt Bad Rappenau (Redaktion: Rudolf Petzold, Anne und Helmut Schüßler). 2000. Darin von R. Petzold und Werner Schneider: Die Bonfelder Judenschaft S. 446-460. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 63-64.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

     
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bonfeld  Wuerttemberg. The permanent Jewish settlement dates from the second half of the 18th century, reaching a peak population of 129 in 1854. Jews played a leading role in Bonfeld's economy, owning stores and engaging in the cattle trade. In the Nazi era businesses closed down and the synagogue was destroyed in the Kristallnacht disturbances (9-10 November 1938). Half the town's 40 Jews emigrated until 1941; the rest were deported to the east and perished.   
     

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. Januar 2010