Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Waibstadt (Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Siehe Seite zur Synagoge in Waibstadt (interner Link)  
   

Zur Geschichte dieses Friedhofes

Zwischen 1648 und 1690 (ältester bekannter Grabstein) wurde auf Waibstadter Gemarkung ein Verbandsfriedhof für die Gemeinden in Waibstadt und einer weiten Umgebung (um 1860 für 30, nach dem Ersten Weltkrieg noch für zehn jüdische Gemeinden) angelegt (Lage "Am Mühlbergwald", Flurstück 14382, Fläche 233,32 a). Der Friedhof wurde im April 1940 letztmals belegt. Eine 1856 erbaute Friedhofshalle wurde 1958 abgebrochen. 1987 bis 1993 wurde ein Teil der Grabsteine instandgesetzt.
  

Ältere Texte zur Geschichte des Friedhofes
  
Über die Erstellung einer Friedhofsdokumentation (1911)

Waibstadt Israelit 27071911.jpg (196767 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1911: "Waibstadt, 15. Juli (1911). Hier befindet sich auch ein jüdischer Friedhof, der 1 Kilometer weit von der Stadt entfernt, auf Waldeshöhe liegt. Es ist eine uralte Begräbnisstätten, die wie es heißt, schon ca. 630 Jahre besteht. Sie umfasst gegen 3000 Gräber. Der Friedhof ist mit einem lebendigen Zaun aus Eichen- und Tannengehölz umgeben und als Eingangspforte dient das bei der letzten Erweiterung des Friedhofes neu erstellte Leichenhaus. Von diesem aus durchziehen den Friedhof schöne Gehwege und reizende Tannenalleen. Im Osten fehlt der Zaun und die Begräbnisstätte geht allmählich in Buchenwald über, unter dessen Schatten noch da und dort uralte Grabsteine dem Beschauer Kunde geben, dass hier ein Mensch einst seine letzte Ruhestätte gefunden. In diesem, in solcher Größe nur selten anzutreffenden Gräberfelde, befinden sich viele Grabdenkmäler, welche für die Altertumsforscher von großem Interesse sein dürften. Auf den alten Grabsteinen sind sämtliche Inschriften in hebräischer Schrift. Es ist zur Zeit eine Kommission damit beschäftigt, möglichst sämtliche Namen der Begrabenen und die Zeit ihrer Beerdigung durch genauer Studium der Steininschriften zu ermitteln. Sämtliche Steine werden neu nummeriert und auf Grund des gewonnenen Materials ein Verzeichnis aller Begrabenen aufgestellt, um besonders den Nachkommen derselben auf Verlangen genau die Stelle angeben zu können, an der einer ihrer Vorfahren begraben liegt. Früher bildete der Friedhof auf dem Mühlberge in Waibstadt die gemeinsame Stätte, in welcher die Verstorbenen von ca. 30 jüdischen Kultusgemeinden ihren 'guten Ort' fanden. Im Laufe der Jahre jedoch haben verschiedene größere jüdische Gemeinden sich eigene Friedhöfe errichtet. Immerhin ist es aber auch heute noch eine ansehnliche Zahl von Gemeinden, welche, vereinigt zu einem Israelitischen Begräbnisverband, ihre Toten auf Waibstädter Boden begraben."
Waibstadt Lit01.jpg (23178 Byte)Links: Titelblatt der 1914 erschienenen, im obigen Text beschriebenen Dokumentation: 
"Israelitischer Verbands-Friedhof Waibstadt - Gräberverzeichnis. Verlag des Israelitischen Verbandsfriedhofes Waibstadt 1914. Buchdruckerei Hermann Stein, Rappenau". 
  
Waibstadt Israelit 13061929.jpg (154999 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1929: "Jüdische Friedhöfe. Verbands-Friedhof Waibstadt. Von H. Bloch in Schwetzingen. 
Anmerkung: Beim Autor handelt es sich um Heinrich Bloch (geb. 1885 in Merzweiler/Elsass) Lehrer und Kantor, bis 1928 in Neckarbischofsheim, dann in Schwetzingen, 1939 über Frankreich in die Schweiz geflüchtet, 1949 in Basel gestorben.
Am Wege von Waibstadt nach Neckarbischofsheim liegt oben auf dem 'Mühlberg', von prächtigem Laubwald umgeben, der altehrwürdige israelitische Verbands-Friedhof Waibstadt. Über das Alter des Friedhofs können genaue Angaben nicht gemacht werden. Der älteste Grabstein ist vom Jahre 1690. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Entstehung der Begräbnisstätte um Jahrzehnte weiter zurückliegt. Viele große jüdische Landgemeinenden des Umkreises betteten hier ihre Toten zur letzten Ruhe. Heute sind es bloß noch einige, meist zu Zwerggemeinden zusammengeschrumpfte Gemeinden, welche dem Friedhofsverband angehören. Im Sommer, besonders im Spätsommer, wenn die Herbstfeiertage herannahen, sieht man jüdische Männer und Frauen den Mühlberg hinauf dem Friedhof zusteuern, um dort oben am Grabe des Vaters, der Mutter oder des Kindes zu beten. Ein Steinchen auf dem Grabstein besagt noch lange, dass hier ein Angehöriger ein Stündchen treuen Gedenkens und innigster Andacht verbracht hat. An sonnigen Frühlingstagen lenkt mancher erholungsbedürftige Spaziergänger seine Schritte dem Orte zu, wo feierliche Ruhe ausgebreitet und die Lust durchwürzt ist von frischem Waldesduft. Lustige Vögelein singen da ihre Weisen. Muntere Eichhörnchen hüpfen von Ast zu Ast. Tierchen aller Art tummeln sich, ihres Lebens froh, oben auf den Bäumen oder unten auf bemoostem Boden, nicht wissend, wie viel leblose Körper hier unten im weichen Schoße der Erde ruhen. - Vergebens sucht manch Fremder, der den Friedhof betritt, nach Gräberschmuck. Farbige Rosen, Nelken, Geranien oder Astern würden störend wirken und dem Ganzen das Gepräge eines alten, echt jüdischen Friedhofs nehmen. Männer der Verwaltung nehmen es, dem Beispiel der hier schlummernden Ahnen folgend, genau mit den religiösen Vorschriften. Sie dulden keinen Blumenschmuck auf Gräbern nach den Worten der heiligen Schrift: 'Wandelt nicht nach den Satzungen der Völker'.
Wahrlich! Nicht durch Nachahmung fremder Sitten und Gebräuche können wir die Toten ehren; eine Ehrung vergangener Geschlechter liegt vielmehr darin, festzuhalten an der Lehre des alten überlieferten Judentums. Sprüche 3,18: 'Ein Baum des Lebens ist sie (die Weisheit) den an ihr Festhaltenden, und die sie erfassen, sind selig gepriesen'."

 

Lage des Friedhofes und historischer Plan (1911/14)

Waibstadt FriedhofPlan.jpg (63344 Byte) Waibstadt Lit02.jpg (63321 Byte)
Lage des jüdischen Friedhofes Waibstadt
 (durch Pfeil markiert; Plan aus den 1980er-Jahren)
(Karte kann durch Anklicken vergrößert werden)
Plan des Friedhofes, erstellt im Zusammenhang mit der oben beschriebenen Dokumentation (1911/14). Eingetragen ist die 1856 erbaute Friedhofshalle, die 1958 abgebrochen wurde mit dem damals angelegten neuen Eingang. Bei dem mit "neuer Teil" bezeichneten Teil handelt es sich um die 1856 angelegte Friedhofserweiterung. Aus dem Plan geht auch die klare Ostung der Grabsteine des Friedhofes hervor.

    
Fotos
Historisches Foto um 1925
(Quelle: Berthold Rosenthal, Heimatgeschichte der badischen Juden. 1927 S. 136)

Waibstadt Friedhof101.jpg (243178 Byte) Deutlich erkennbar ist, dass es sich damals noch nicht um einen "Waldfriedhof" gehandelt hat

   
Neuere Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.9.2003)

Waibstadt Friedhof 151.jpg (26380 Byte) Waibstadt Friedhof 152.jpg (54047 Byte) Waibstadt Friedhof 150.jpg (60730 Byte)
Von Ortsmitte Waibstadt aus führen Schilder zum 
"Mausoleum" bzw. den Jüdischen Friedhof über den Dr. Weil-Weg 
 
Waibstadt Friedhof 154.jpg (44996 Byte) Waibstadt Friedhof 157.jpg (72506 Byte) Waibstadt Friedhof 153.jpg (56294 Byte)
20 Jahre nach der letzten Restaurierung zeigt das Mausoleum wieder ein tristes Äußeres Erklärungstafel
   
Waibstadt Friedhof 156.jpg (74207 Byte) Waibstadt Friedhof 160.jpg (75942 Byte) Waibstadt Friedhof 158.jpg (78891 Byte)
Eingangstor zum Friedhof hinter dem Mausoleum Ältere Steine
   
Waibstadt Friedhof 164.jpg (36033 Byte) Waibstadt Friedhof 170.jpg (73805 Byte) Waibstadt Friedhof 172.jpg (81518 Byte)
Grabstein mit Levitenkanne Teilansichten
   
Waibstadt Friedhof 171.jpg (90161 Byte) Waibstadt Friedhof 167.jpg (71320 Byte) Waibstadt Friedhof 166.jpg (79570 Byte)
Teilansicht Der Abräumung bei der "Reichsmetallspende" der NS-Zeit entgangen: bei mehreren Gräbern im Waibstadter Friedhof sind die Eisengittern erhalten
   
Waibstadt Friedhof 168.jpg (69827 Byte) Waibstadt Friedhof 165.jpg (89046 Byte) Waibstadt Friedhof 161.jpg (71888 Byte)
    Blick über den neueren Teil des Friedhofes, davor die unbelegte Fläche Grabstein für Ferdinand Hanauer (1848-1920), Lehrer in Steinsfurt
     
Waibstadt Friedhof 162.jpg (79363 Byte) Waibstadt Friedhof 163.jpg (74994 Byte) Waibstadt Friedhof 159.jpg (83801 Byte)
Grabstein für Samuel und Berta Weil aus Steinsfurt mit Schofar als Symbol Grabstein für Seligmann Zion aus Bonfeld (1852-1920) Grabstein für Julius Frank aus Neckarbischofsheim (gest. 26.1.1940)
     
Waibstadt Friedhof 351.jpg (66545 Byte) Waibstadt Friedhof 352.jpg (72361 Byte) Waibstadt Friedhof 350.jpg (70957 Byte)
Teilansicht vom 7.7.2004 Mausoleum Weil

 

Ältere Fotos
(Fotos: Hahn, entstanden im Oktober 1988)

 Waibstadt Friedhof 183.jpg (94603 Byte) Waibstadt Friedhof 181.jpg (84489 Byte) Waibstadt Friedhof 182.jpg (82835 Byte)
Eingangstor Teilansichten
   
Waibstadt Friedhof 180.jpg (89345 Byte) Waibstadt Friedhof 184.jpg (83521 Byte) Waibstadt Friedhof 185.jpg (73962 Byte)
Teilansichten im älteren Teil des Friedhofes
  
Waibstadt Friedhof 188.jpg (62065 Byte) Waibstadt Friedhof 186.jpg (45657 Byte) Waibstadt Friedhof 190.jpg (62483 Byte)
Einzelne Steine
 
   Waibstadt Friedhof 191.jpg (76108 Byte)    
Charakteristisch für den Waibstädter Friedhof:  
der Farn auf einem großen Teil des älteren Teiles 
 
Das Weil-Mausoleum    
Waibstadt Friedhof 192.jpg (68478 Byte) Waibstadt Friedhof 189.jpg (74431 Byte) Waibstadt Friedhof 187.jpg (63398 Byte)
Gesamtansicht Hinweistafel  

Weitere Farbfotos zum Friedhof in Waibstadt (externer Link): hier anklicken  
Gräberverzeichnis Friedhof Waibstadt: 1915-1936 (externer Link): hier anklicken  
Geschichte und Grab von von Max Glück (1870-1929, externer Link): hier anklicken  

 

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Waibstadt    
Website des Zentralarchivs Heidelberg mit Seite zum jüdischen Friedhof Waibstadt 
Zeittafel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Waibstadt: hier anklicken 
Seite zu Dr. Hermann Weil und das Mausoleum: hier anklicken  weitere Seite  
Neu in 2009: Website "Jüdisches Kulturerbe im Kraichgau e.V."    

      

Hinweis auf einen Kalender 2008 "Spuren jüdischer Kultur" im Kraichgau Kraichgau Kal01.jpg (64829 Byte) Kraichgau Kal02.jpg (82029 Byte)
  "Sichtbare Spuren der Vergangenheit: erkennen - erhalten"
Projekt "Denkmal aktiv" - Kulturerbe macht Schule
Es kooperieren vier Schulen: Realschule Waibstadt - Adolf Schmitthenner-Gymnasium Neckarbischofsheim - Wilhelmi-Gymnasium Sinsheim - Harmanni-Gymnasium Eppingen

       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 25. November 2009