Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge  
(erstellt unter Mitarbeit von Frank-Uwe Betz
/ Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen - Verein für regionale Zeitgeschichte e.V.)  
     

Übersicht:  

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeiner Bericht über die jüdische Geschichte in Schwetzingen (von 1931)
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges    
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Schwetzingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1698 Juden am Ort genannt. 1722 gab es drei, 1743 vier jüdische Familien am Ort. Die Familien umfassten 1731 insgesamt 17 Personen, darunter auch einen "Rebbe", vermutlich einen Privatlehrer. 1742 wird erstmals ein "Judengässchen" in Schwetzingen genannt (O. Mechling: Schwetzingen im Jahre 1742. Mannheimer Geschichtsblätter XII Sp.10).
   
Während der Zeit Schwetzingens als kurpfälzische Residenzstadt im 18. Jahrhundert gab es jüdische Hoffaktoren am Ort. Der bedeutendste unter ihnen war Ende des 18. Jahrhunderts Lazarus Raphael Traumann. Als Hauptverpflegungslieferant des Handelshauses Kaulla verpflegte er 1795 in umfangreicher Weise die Mannheimer Garnison auf Vorschuss, sodass er 1797 von der Heeresverwaltung 140.000 Gulden fordern konnte. In den folgenden Jahren erwarb er sich weitere große Verdienste in der Besorgung von Getreidevorräten für das Militär und die Bevölkerung, sodass er aus diesem Grund 1802 das Bürgerrecht in Schwetzingen erhielt.       
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner wie folgt: 1801 fünf jüdische Familien, 1825 50 jüdische Einwohner (2,0 % von insgesamt 2.467 Einwohnern), 1875 103 (2,4 % von insgesamt 4277), höchste Zahl 1880 mit 119 Personen (2,6 % von 4.640), 1898 108 jüdische Einwohner (in 27 Familien), danach langsamer Rückgang auf 1900 107 jüdische Einwohner (in 23 Haushaltungen; 1,7 % von 6.432), 1910 80 (1,0 % von 7,844). Die wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Einwohner waren seit Mitte des 19. Jahrhunderts gut.
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und - seit 1893 - einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An jüdischen Lehrern sind bekannt: Josef Bamberger (Lehrer von 1811 bis 1818), Leopold Adler (1818 bis 1824), Gabriel Mayer (1824 bis 1826), Gabriel Lieben (1826 bis 1828), Moritz Heß (1828 bis 1833), Hermann Flehinger (1833 bis 1841), Wolf Jakobi (1844 bis 1847), Lazarus Bodenheimer (1847 bis 1849, danach Lehrer in Gemmingen), Isaak genannt Isidor Marx (aus Michelfeld, 1850 bis 1886, zuvor Lehrer in Bauerbach, blieb nach 1886 noch einige Jahre in Schwetzingen und wird noch um 1892 neben Lehrer Eichstetter in der Liste der Gemeinde als Lehrer aufgeführt). Die längste Zeit - 41 Jahre von 1886 bis 1927 - war Simon Eichstetter Lehrer in Schwetzingen (unterrichtete 1897 20, 1903 19 Kinder; er war auch Lehrer in Ketsch), gefolgt 1928 bis 1939 von Heinrich Bloch.
Als Synagogendiener wird um 1892 ein Herr Boos (?), um 1898/1903 H. Olshausen genannt.
 
1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt. 
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1892/94 L. Hanf, I. Metzger, S. Levi; um 1897 Sam. Levi, Samson Levi und L. Hanf, um 1903 H. Metzger, Sam. Levi und L. Hanf, dazu um 1897/1903 als Rendant Herr Moos.
 
An jüdischen Vereinen gab es in der Gemeinde: einen Israelitischen Männer-Wohltätigkeitsverein (Chewra Kadischa, gegründet 1875, um 1892 unter Leitung von I. Metzger, nannte sich auch "Verein für heilige, edle Zwecke", 1898 unter Leitung von I. Metzger sen. und Leopold Springer, 1903 unter Leitung von S. Levi und L. Springer, 1905 L. Springer) und einen Israelitischen Frauenverein bzw. Frauen-Wohltätigkeitsverein (gegründet 1868, um 1892 unter Leitung von Frau A. Hanf, um 1898 unter Leitung der Frau von S. Levi und Frau Rosengart, um 1903 unter Leitung der Frau von S. Levi und H. Metzger), einen Friedhofsverein (1894 genannt) sowie zeitweise einen Synagogenbaufondsverein (1903 unter Leitung von S. Levi).
 
Von den jüdischen Kriegsteilnehmern im Ersten Weltkrieg wurden ausgezeichnet: Max Ohlhausen (Kaufmann) mit der Badischen Silbernen Verdienstmedaille (in "Jüdische Volkszeitung" vom 6. August 1915 S. 6 und "Israelitisches Familienblatt" vom 29. Juli 1915 S. 3), Unteroffizier Carl Singer mit dem Eisernen Kreuz (EK II) (in: Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift vom 26. Mai 1916 S. 355) sowie der Einjährige Füsilier Alfred Metzger (Sohn des Isaak Metzger) gleichfalls mit dem Eisernen Kreuz (EK II), "zur Zeit im Lazarett", in: "Israelitisches Familienblatt" vom 5. April 1917 S. 3). Hauptlehrer Simon Eichstetter wurde das badische Kriegsverdienstkreuz verliehen (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 28. September 1917). Eichstetter wurde 1917 vom Großherzoglichen Ministerium des Kultus und Unterrichts für die Dauer der Erledigung (= Nichtbesetzung) der Rektorstelle mit der Leitung des Schulabteilung "Mädchenbürgerschule - höhere Töchterschule" in Schwetzingen betraut (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 18. Oktober 1917 S. 9).
 
Um 1924, als zur Gemeinde 73 Personen gehörten (0,8 % von insgesamt 9.341), waren die Vorsteher der Gemeinde Isaak Metzger (gest. 1927 siehe unten), Leopold Springer und Zadik Mayer. Weiterhin war Hauptlehrer Simon Eichstetter als Lehrer, Vorbeter und Schochet tätig, als Rechner wird Johann Moos genannt. Eichstetter erteilte damals sieben jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden nun (vgl. Angaben oben): ein Männer- und Frauenverein (1924 18 beziehungsweise 10 Mitglieder unter Leitung von Ludwig Springer), ein Israelitischer Wohltätigkeitsverein (1924 24 Mitglieder unter Leitung von Ludwig Springer), ein Israelitischer Jugendbund (1924 unter Leitung von Hauptlehrer Eichstetter), eine Ortsgruppe des Central-Vereins (1924 40 Mitglieder unter Leitung von Dr. Katzenstein).
1932 waren die Gemeindevorsteher Leopold Springer (1. Vors.), Siegfried Kaufmann (2. Vors.) und Moritz Rosenfeld (3. vors.). Als Lehrer und Kantor war als Nachfolger von Simon Eichstetter inzwischen Heinrich Bloch tätig (Wohnung 1931: Bruchhäuser Straße 4). Er erteilte im Schuljahr 1931/32 14 Kindern den Religionsunterricht.       
  
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Dienstleistungs-, Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Eigentümer sind bekannt: Maklergeschäft Max Bierig (Bruchhäuser Straße 11), Metzgerei Nathan Frank, Inh. Peter und Bertha Stein (Herzogstraße 22), Möbel- und Textilgeschäft Pinkas Gottlieb (Dreikönigstraße 25/Ecke Kleine Planken), Möbelgeschäft Louis Hanf, Inh. Moritz Rosenfeld (Mannheimer Straße 14), Zigarrenfabrik Heß und Monatt, Inh. Ernst Heß und Moses Monatt (Bismarckplatz), Rechtsanwalt Dr. Katzenstein (Schlossplatz 3), Metzgerei-Bedarfsartikel Siegfried Kaufmann (Heidelberger Straße 33), Lumpensortieranstalt Heinrich Ohlhausen und Söhne (Heidelberger Straße 29), Porzellan-, Steingutwaren- und Lumpenhandlung Gebr. Springer (Heidelberger Straße 12), Eisenwarengeschäft Edmund Vogel (Carl-Theodor-Straße 21), Textilgeschäft S. Wronker & Cie., Inh. I. Hirschfeld, später Geschw. Metzger (Carl-Theodor-Straße 16).
   
1933 lebten noch 79 (laut Lohrbächer s.Lit.: 89) jüdische Personen in der Stadt. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung verließen alsbald viele von ihnen die Stadt (1.1.1935 67 jüdische Einwohner, 1.1.1938 42, 1.1.1939 12). Seit Januar 1933 gab es in Schwetzingen - gemäß der Selbsteinschätzung im "Stürmer" - den vielleicht "schönsten Stürmerkasten im ganzen Reich", in dem Juden als auch "Judenknechte" angeprangert wurden. Der Herausgeber des "Stürmers", Julius Streicher, erhielt  - nach einem Besuch in Schwetzingen 1935 - ab 1936 aus der Stadt in jedem Frühjahr frischen Schwetzinger Spargel und Flieder geliefert. Streicher hielt 1936 in Schwetzingen eine Rede, zu der Tausende von Mitgliedern der Arbeitsfront in Sonderzügen herbeigebracht wurden. Zwischen 1936 und 1938 verließen 37 bisherige jüdische Einwohner die Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Häuser der noch in der Stadt lebenden jüdischen Familien vollständig demoliert. Weitere jüdische Bewohner Schwetzingens verließen fluchtartig die Stadt wie Lehrer Heinrich Bloch, der mit seiner Frau über das Elsass in die Schweiz floh. Die letzten fünf jüdischen Einwohner Schwetzingens (Frieda Bermann mit ihren Töchtern Therese, Else und Ruth sowie Flora Vogel geb. Rothschild) wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.  
      
Von den in Schwetzingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Thekla Bär geb. Marx (1868), Else Bermann (1919), Frieda Bermann geb. Frank (1883), Max Bermann (1915), Paula Bermann (1921), Therese Bermann (1911), Clara Bierig geb. Springer (1901), Theodor Frank (1882), Betty Hanf geb. Heimann (1865), Leni Jessel geb. Nathan (1892), Marianne Sofie Katzenstein (1912),  Bella Kaufmann geb. Frank (1859), Anna Levi (1897), Klara Lichtenauer geb. Levi (1892), Gustav Mayer (1891), Clementine Metzger (1879), Hedwig Metzger (1877), Jenny Metzger (1874), Max Ohlhausen (1891), Joseph Seidenberger (1866), Albert Springer (1907), Babette (Bertha) Stein geb. Frank (1895), Flora Vogel geb. Rothschild (1878).          
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  

Allgemeiner Bericht über die jüdische Geschichte in Schwetzingen (von 1931)  

Anmerkung: Aus einem Beitrag "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande. Heidelberg - Bergstraße - Darmstadt". D
er Artikel wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere Informationen: https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).    

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juni 1931: "Schwetzingen - Michelstadt - Aschaffenburg 
Schwetzingen, 10 km von Heidelberg, 10.000 Einwohner, 80 jüdische Seelen. Die Judengemeinde scheint erst nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden zu sein. 1722 wohnen z.B. Joseph, Isak (Itzig) und Raphael in Schwetzingen, wo es damals auch eine Judengasse gibt. Itzig und Joseph üben das Metzgerhandwerk aus, müssen dafür aber eine besondere Steuer zahlen. 1743 sind David Joseph, Raphael, Jacob Joseph und Isaacs Wittib (Witwe) Steuerzahler. 1759 besitzen der Schutzjude Leo Samuel und seine Ehefrau Belle bereits Grundstücke auf Schwetzinger Boden. Aber dem Kriegslieferanten Lazarus Raphael Traumann wird die Erlaubnis zum Erwerb von Grund und Boden in Schwetzingen versagt. Dabei hat er in demselben Jahre vor dem gegen Mannheim heranrückenden Feind große Mengen Getreide geborgen, hat schon vorher 1795 die in den Krieg ziehende Garnison von Mannheim — auf Kredit — verpflegt, so dass ihm die Heeresverwaltung 1797 140.000 fl. schuldet. Trotz der wahrscheinlich von Konkurrenzneid diktierten Unfreundlichkeit seiner Wohnstadt schafft er 1808, als Mannheim eine Belagerung befürchtet, in zehn Tagen 8000 Malter (9200 hl) Brotkorn herbei. Um diese Zeit hat auch die inzwischen für Baden gegebene neue Verfassung ihn wie alle Juden Badens grundsätzlich von Erwerbsbeschränkungen befreit. Die Gemeinde Schwetzingen wuchs bis auf ca. 120 Seelen, hat sich aber in diesem Jahrhundert (= 20. Jahrhundert) stark verkleinert. Die Gemeinde gehört zum Bezirksrabbinat Heidelberg, Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß. Lehrer und Kantor Bloch, Bruchhäuserstraße 4, und Vorsteher Leopold Springer, Bruchhäuserstraße 11, werden Fremden gern Auskunft geben. Hauptlehrer Simon Eichstetter hat ein Familienbuch der Gemeinde angelegt, in dem er neben geschichtlichen Notizen über die Gemeinde und ihre Einrichtungen die Familien der Gemeinde mit Abstammung und Verzweigung aufführt. Das Buch bildet eine schätzenswerte Quelle für die Familienforschung der deutschen, besonders der badischen, Juden und ist zur Nachahmung dringend empfohlen. Der C.V. und der Jüdische Jugendbund haben in Schwetzingen je eine Ortsgruppe. — Dass Gelegenheit zur rituellen Verpflegung fehlt, ist bedauerlich, weil an sich Schwetzingen einen idealen Ferien- und Kuraufenthalt darstellt.
Schwetzingen ist nämlich eine entzückende Stadt, schon im 8. Jahrhundert genannt, bevorzugter Aufenthalt des Kurfürsten Karl Theodor, der hier den schönsten Schlosspark Deutschlands (1753) in französischem Barock schuf. Das berühmte Schloss, schon im 14. Jahrhundert genannt, wird 1729 Residenz der Kurfürsten Karl Philipp, um die Mitte des 18. Jahrhunderts Sommerresidenz des Kurfürsten Karl Theodor. An den vorderen Hauptbau baut Karl Theodor zu beiden Seiten die Zirkelhäuser mit großartigen Sälen; in einem der kleineren Säle befindet sich die Synagoge, die einzige in einem deutschen Fürstenschloss. Dagegen ist das große Gebäude im Schlossgarten, das gewöhnlich für eine Synagoge gehalten wird, weil es orientalische Bauweise nachahmt, eine Moschee! — Man besichtige wenigstens noch das Theater, das einzige unversehrt erhaltene Barocktheater Deutschlands (es entzückte Gluck, Mozart, Voltaire) und das Denkmal Johann Peter Hebels, des 'Rheinländischen Hausfreundes', der in Schwetzingen 1826 starb, nachdem er ein Menschenleben hindurch für Achtung der Würde aller Menschen, insbesondere auch der Juden, in Wort und Schrift gewirkt hatte.
Von Schwetzingen kommt man in reichlich 14 Stunde mit der Bahn nach Speyer und findet dort Anschluss an die Wanderung Speyer - Haardt - Worms - Mainz. Von Schwetzingen 14 Stunde östlich nach Heidelberg (siehe Wanderung Heidelberg - Bergstraße). Von Heidelberg das Neckartal aufwärts entweder mit dem Dampfschiff bzw. Motorboot in 2 1/2 Stunden, oder zu Fuß in drei Stunden nach Neckargemünd..."      

 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
      
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers 1849     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 7. November 1849 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen
Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind ( und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen) verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Schwetzingen, diesseitigem Synagogenbezirks, ist zu besetzen.  
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats sich anher zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinats-Kandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden"   

  
Auszeichnung für Lehrer Simon Eichstetter (1902) und Fortführung seiner familiengeschichtlichen Forschungen (1925)  
Schwetzingen Eichstetter 010.jpg (58732 Byte)
Anmerkung: Simon Eichstetter (Foto links aus Lohrbächer s. Lit. S. 44) war Lehrer, Vorbeter und Schochet in Schwetzingen von 1886 bis 1927. Er ist am 14. Mai 1865 in Gissigheim geboren, wo damals sein Vater Elias Eichstetter als Lehrer tätig war (ab 1873 in Eppingen). Simon besuchte das Lehrerseminar in Ettlingen. 1886 trat er seine erste Stelle an und wurde Religionslehrer der Gemeinde in Schwetzingen. Gleichzeitig unterrichtete er an den beiden Schwetzinger Privatschulen, der Höheren Töchterschule und dem Institut Marx (letzteres wurde 1895 der Höheren Töchterschule angeschlossen). Als 1910 die Höhere Töchterschule zu einer staatlichen Schule wurde, unterrichtete Eichstetter in ihr als Hauptlehrer, in und nach der Zeit des Ersten Weltkrieges auch als kommissarischer Schulleiter (bis 1921). 1923 bis 1927 unterrichtete er an der Volksschule Schwetzingen als Hauptlehrer. Eichstetter war hoch engagiert im jüdischen Gemeindeleben wie auch im kommunalen und allgemeinen Vereinsleben der Stadt (tätig im Vorstand mehrerer Vereine, siehe unten Bericht zum 40-jährigen Dienstjubiläum).
Auch im Kreis der Kollegen des Rabbinatsbezirkes Heidelberg nahm Simon Eichstetter eine besondere Rolle ein. Beim 25-jährigen Ortsjubiläum von Bezirksrabbiner Dr. Hermann Pinkuß in Heidelberg am 5. April 1925 überreichte Lehrer Eichstetter von den Lehrern des Bezirks als "Sprecher der Abordnung" ein wissenschaftliches Werk an Dr. Pinkuß (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 23. April 1925 S. 3) 
   

Schwetzingen Israelit 17031902.jpg (84101 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1902: "Aus Baden. Nach dem neuesten Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten wurde dem Religionslehrer Simon Eichstetter in Schwetzingen, welcher ein Familienbuch der dortigen israelitischen Gemeinde angelegt und als Einleitung dazu die geschichtliche Entwicklung des israelitischen Bevölkerungsteils der Stadt Schwetzingen, sowie der Einrichtungen der israelitischen Gemeinde dargestellt hat, für diese verdienstvolle Arbeit aus Mitteln des Weil'schen Vermächtnisses ein Preis, bestehend in Grätz' volkstümlicher Geschichte der Juden, in drei Prachtbänden, von der obersten jüdischen Religionsbehörde Badens, verliehen."    
   
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 29. Januar 1925: "Familienforschung. Der Oberrat der badischen Israeliten hat für seine Bücherei ein Familienbuch erworben, das der verstorbene Religionslehrer Eichstetter in Eppingen angelegt und bis zu seinem Lebensabend fortgeführt hat. Nunmehr hat dessen Sohn, Hauptlehrer Eichstetter in Schwetzingen, ein ähnliches Familienbuch für die Gemeinde Schwetzingen angelegt und seine Weilerführung zugesagt. Die bürgerlichen Standesregister beschränken sich auf die Feststellung der eigentlichen Standestatsachen. während eine von berufener Seite gegebene Darstellung der Geschichte des israelitischen Bevölkerungsteiles einer Gemeinde, die Beschreibung der vorhandenen öffentlichen Einrichtungen, die Angabe über die Teilnahme der Einwohner an öffentlichen Ehrenämtern und die Aufzählung der aus der Gemeinde hervorgegangenen, in hervorragender Stellung im öffentlichen Leben stehenden Personen eine außerordentlich wertvolle Grundlage für die spätere Geschichts- und Familienforschung bilden können. Es steht zu hoffen, dass das Beispiel Nachahmung in anderen Gemeinden finden wird."    
  
Simon Eichstetter: Geschichte und Familienbuch der jüdischen Gemeinde in Schwetzingen (18. Jh. - 1927)
v.a. das Familienbuch aktualisiert von Heinrich Bloch (1928-1938. 
Digitalisate des Hauptstaatsarchivs Stuttgart. Transkription (2013) Frank-Uwe BetzLink zur eingestellten pdf-Datei   
Einführung zu dem Beitrag von Simon Eichstetter von Frank-Uwe Betz (2013; pdf-Datei)        

  
40-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Simon Eichstetter (1926)  
Anmerkung: ein ähnlicher Artikel erschien in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 29. Oktober 1926)

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" am 7. Oktober 1926: "Schwetzingen (Baden). Ein 40jähriges Amtsjubiläum im Dienste der Synagoge und der Schule, dazu noch am gleichen Platze, gehört gewiss zu den Seltenheiten. Dieses seltene Fest konnte am 15. September Hauptlehrer Eichstetter in Schwetzingen feiern. In sinnigem Arrangement hatte das Rektorat und das Lehrerkollegium der städtischen Volksschule dem Jubilar eine kleine Feier veranstaltet. Die verschiedenen Körperschaften überbrachten persönlich ihre Glückwünsche: Bürgermeisteramt, Rektorat der Volksschule, Bezirkssynagoge und Oberrat, Synagogenrat, Direktion der Realschule und kath. Pfarramt. Das ev. Pfarramt hatte ebenso wie auch das Kreisschulamt schriftlich gratuliert. Aus allen Ansprachen klangen die hohe Wertschätzung und liebevolle Verehrung, deren sich der Jubilar in den weitesten Kreisen des Städtchens erfreut. Es ist das auch nicht überraschend, wenn man das weitgespannte Feld der Tätigkeit E. überblickt. Da ist zunächst sein Doppelamt als Hauptlehrer an der allgemeinen Volksschule und als Kantor im Dienste der israelitischen Gemeinde. Ferner entstammt seiner Feder ein Heimatbüchlein des Amtsbezirkes seines Wohnortes. Schließlich widmet er heute noch den Rest seiner freien Zeit mit besonderer Liebe den Arbeiten im städtischen Verkehrsverein und im Gartenbauverein, zu deren Vorstand er zählt. Während des Krieges hatte er sich außerdem mit besonderer Hingabe der Charitative angenommen, was die äußere Anerkennung in der Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes fand. Wenn darum von allen Seiten mit herzlichsten Worten des Dankes von der vielseitigen Tätigkeit E.'s gesprochen wurde, so war das weit über eine Formalität hinausgegangen, und findet auch dadurch seine Bestätigung, dass ein weiter Kreis von früheren Schülern und Schülerinnen seine Glückwünsche übersandt hatte."   

    
Zum Tod von Lehrer Simon Eichstetter (1927) 

Schwetzingen Friedhof 195.jpg (130958 Byte)Aus einem Nachruf in der "Schwetzinger Zeitung" vom 17. Juni 1927: "Der Tod dieses sympathischen Lehrers und Erziehers, der so vielseitig ohne großen Aufhebens in der Öffentlichkeit wirkte, reißt eine Lücke in die Reihe der Persönlichkeiten unserer Stadt. Herr Eichstetter war eine von der stillen Seite des Lebens. Immer liebenswürdig, immer hilfsbereit, immer pflichtbewusst und voll redlichen Arbeitseifers, so steht das Bild des Verstorbenen vor uns. Er hatte viele Freunde in allen Schichten der Bevölkerung. Alle, die ihn kannten, betrauern seinen frühen Heimgang."  
Simon Eichstetter wurde im jüdischen Friedhof in Schwetzingen beigesetzt (Foto des Grabsteines links). 
 
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 7. Juli 1927: "Schwetzingen. (Todesfall). Nach schwerer Krankheit starb vor einigen Tagen im Alter von 62 Jahren Hauptlehrer Simon Eichstetter. Der Verstorbene wirkte am Orte seit über 40 Jahren, zunächst als Religionslehrer und Kantor der israelitischen Gemeinde. Später in der Leitung der hiesigen Töchterschule und zuletzt noch an der Volksschule. Daneben widmete er sich den verschiedensten jüdischen und allgemeinen Vereinen: er war an leitender Stelle im Frauenverein, im israelitischen Männerverein und im israelitischen Jugendbund, ferner im Verkehrsverein, im Gartenbauverein und in noch anderen Organisationen tätig. Seine 'Heimatkunde des Amtsbezirks Schwetzingen', die ganz besonders die Geschichte der Stadt Schwetzingen berücksichtigt, war in den Schulen als Lehrbuch eingeführt. Außerdem verfasste er eine 'Geschichte der Juden in Schwetzingen'. — Die Beisetzung dieses angesehenen Mannes zeigte, welcher Achtung und Liebe er sich in allen Teilen der Bevölkerung Schwetzingens erfreute."    
 
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 21. Juli 1927: "Aus Baden. Einen schweren Verlust erlitt der 'Landesverein Israelitischer Lehrer und Kantoren' durch den Heimgang des Hauptlehrers Simon Eichstetter in Schwetzingen. Im 62. Lebensjahr wurde er uns entrissen und ein an Arbeit und Erfolg reiches Leben hat geendet. Die hohe Wertschätzung. welche er sich während seiner 40-jährigen Berufstätigkeit in Schwetzingen errungen, kam bei der Beerdigung zum Ausdruck. Die Schulkinder der oberen Klassen, die Amtskollegen des Bezirkes, ein zahlreiches Gefolge aus allen Bevölkerungskreisen gaben das letzte Geleit. Am Grabe sprachen Herr Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß, Heidelberg, die Rektoren der Volks- und Realschule im Namen der Schulen, Lehrer Neuburger - Philippsburg im Namen des Landesvereins israelitischer Lehrer und Kantoren Badens und zum Schluss Synagogenrat Herr Leopold Springer für die jüdische Gemeinde. Vor der Feier im Friedhof sang ein Schülerchor, nach derselben der Lehrerverein des Bezirks Schwetzingen. Seine irdische Hülle ist von uns geschieden, sein Name wird in Ehren weiter leben! M.N." 
Ein weiterer Artikel zum Tod von Lehrer Simon Eichstetter erschien in "Jüdisch-liberale Zeitung" vom 22. Juli 1927 S. 4: Link zum Artikel.    

   
Über Heinrich Bloch (letzter Lehrer der jüdischen Gemeinde (1928 bis 1938)  
vgl. Seite zu Henri Bloch  https://www.judaisme-alsalor.fr/histoire/rabbins/hazanim/hbloch/hbloch.htm    

Heinrich Bloch (auch Henri Bloch) war der letzte jüdische Religionslehrer und Kantor, der von 1928 bis 1938 in der Schwetzinger Gemeinde wirkte. Er rettete dabei das historische Geschichte und Familienbuch der jüdischen Gemeinde von Schwetzingen vor der Vernichtung in der NS-Zeit. vgl. Literaturliste zur Publikation von Simon Eichstetter.
Zur Biographie: Heinrich Bloch (geb. 1885 in Mertzwiller/Elsass, gest. 1949 in Basel und beigesetzt in Hegenheim) besuchte die Präparandenschule (Talmud-Tora-Schule) in Burgpreppach, danach die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Seine erste Stelle war in Grünsfeld (bis 1910), danach in Neckarbischofsheim (hier lebte er zusammen mit seiner verwitweten Mutter), anschließend  nach kriegsbedingten Unterbrechungen - bis 1938 in Schwetzingen. Er war seit 1914 verheiratet mit Amalie (Amélie) geb. Katz aus Mergentheim (geb. 1895). Wenig später wurde er zum Kriegseinsatz einberufen. Nach dem Krieg erhielt er eine Stelle in Prenzlau (bei Berlin), wohin dann auch seine Frau ziehen konnte. 1919 wurde die Tochter Ruth geboren (verheiratet seit 1943 in Bern, eine Tochter Ruth). In der NS-Zeit blieb er bis 1938 in Schwetzingen. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 zog er nach Westhoffen, wo er als Lehrer als der dortigen Talmud-Tora-Schule angestellt wurde. Nach Kriegsbeginn floh er mit seiner Frau nach Thonon-les-Bains, um sich dort als Lehrer und Seelsorger für jüdische Flüchtlinge einzusetzen. 1945 kehrte er nach Westhoffen zurück, wenig später nach Saint-Louis. Er starb am 25. Juli 1949 an den Folgen eines Schlaganfalles.      

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Feier des Geburtstages des Großherzogs in der Synagoge in Schwetzingen (1839)  
Anmerkung: als damaliger Lehrer wird Hermann (Hirsch) Flehinger genannt, Lehrer in Schwetzingen von 1833 bis 1841. Siehe Text unten bei der Synagogengeschichte. 
  
Die Schwetzinger Gemeinde und der umliegende Bezirk unterstützen die liberalen Beschlüsse der Braunschweiger Rabbiner-Versammlung (1844-1845)      

Anmerkung: Die erste Rabbiner-Versammlung fand vom 12. bis 19. Juni 1844 in Braunschweig statt. Dabei trafen sich 25 liberale Rabbiner, die das Judentum modernisieren wollten. Die Versammlung wurde von Ludwig Philippson und Levi Herzfeld geleitet. Die Rabbiner besprachen, wie man jüdische Gesetze an die moderne Zeit anpassen kann. Wichtige Themen waren: Gebete: Die Sprache der Gebete sollte teilweise Deutsch sein. Gleichberechtigung: Jüdische Frauen sollten mehr Rechte in der Gemeinde bekommen. Religionsunterricht: Der Unterricht wurde reformiert.
Vgl. englischer Wikipedia-Artikel  https://en.wikipedia.org/wiki/Rabbinical_Conference_of_Brunswick 
Gegen die Beschlüsse der Rabbinerkonferenz 1844 protestierten im Jahr darauf 77 Rabbiner mit einer Erklärung "an die Treugläubigen in Israel". Angeführt und initiiert wurde diese Gruppe von Jacob Ettlinger, dem Altonaer Oberrabbiner, der als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Orthodoxie gilt. Weitere bekannte Unterzeichner in der Reihe der 77 Rabbiner waren: Seligmann Bär Bamberger (Würzburg) als eine der prägendsten Figuren der süddeutschen Orthodoxie, Abraham Tiktin, Oberrabbiner in Breslau. Samson Raphael Hirsch (damals Emden), Rabbiner Marx (Darmstadt), Rabbiner Lehmann (Mainz), Rabbiner Plato (Köln)Rabbiner Horovitz (Frankfurt am Main).  
Aus Schwetzingen bekamen die Reformer Unterstützung.
Innerhalb des Rabbinatsbezirkes sprachen sich damals auch die Gemeinden Heidelberg und Nussloch öffentlich gegen die Erklärung der 77 konservativen Rabbiner aus.

Artikel in "Protokolle und Aktenstücke der zweiten Rabbiner-Versammlung" 1845 S. 255-256: "Adresse aus Schwetzingen.   -  
Hochwürdige Versammlung!

Auch hier haben wir die von 77 Rabbinern unterzeichnete Erklärung 'an die Treugläubigen in Israel' gelesen, welche das Verdammungsurteil über alle freisinnigen Bewegungen innerhalb des Judentums und über alle diejenigen, welche dieselben befördern oder Teil an ihnen nehmen, ausspricht, insbesondere aber die von der Braunschweiger Rabbiner- Versammlung gefassten Beschlüsse als mit dem Wesen unsers Judentums unvereinbar, auf die eifrigste Weise zu verdächtigen sucht.
Längst schon von der Überzeugung durchdrungen, dass das Judentum — soll es nicht immer mehr zerfallen und seinem gänzlichen Untergange entgegengehen, — von seinen mit der jetzigen Zeit unvereinbaren starren Fesseln, welche der Geist einer finstern Zeit geschmiedet, sich losreißen muss: haben wir die Braunschweiger Rabbiner-Versammlung mit dem lebhaftesten Interesse ins Leben treten sehen und deren Verhandlungen mit inniger Teilnahme verfolgt. Sehen wir gleichwohl in den Resultaten nur einen kleinen Teil unserer Wünsche und Hoffnungen erfüllt, so begrüßen wir doch freudig in ihnen das Herannahen einer schönen lichtvollen Zeit.
Es konnte deshalb die Erklärung der Sieben und siebzig um so weniger Anklang bei uns finden, als die größte Zahl derselben aus Leuten bestehet, welchen wir weder Befähigung noch Berechtigung zumessen und die am allerwenigsten die Bedürfnisse unserer Zeit kennen. Selbst die Art ihres Auftretens wird sich weder vom Standpunkte der Wissenschaft noch der Loyalität rechtfertigen lassen.
Wir halten uns um so eher verpflichtet, diese Erklärung, an Sie, verehrteste Männer! abzugeben, damit man nicht aus unserm Schweigen auf eine Zustimmung zu den von den 77 ausgesprochenen Gesinnungen schließen möchte, und vereinigen hiermit den Wunsch:
'Sie mögen nunmehr auf der gebrochenen schönen Bahn weiter schreiten, wo möglich bei der diesjährigen Versammlung׳ über die Prinzipien sich vereinigen, welche einer durchgreifenden Reform des Judentums zu Grunde gelegt werden könnten.'
Mit unserm innigsten Danke für Ihre bisherigen Bestrebungen, nehmen Sie herzlich die Versicherung hin, dass wir Ihr ferneres Wirken mit den freudigsten Hoffnungen erwarten, so wie wir es nach Kräften stützen und fördern werden.
Schwetzingen im April 1845.   Adolph Traumann, Bezirks-Ältester etc. etc."  

     
Feierlicher Empfang des badischen Großherzogs in Schwetzingen (1860) 

Schwetzingen Israelit 04071860.jpg (109179 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1860: "Schwetzingen, im Juni. Als jüngst Seine Königliche Hoheit, der Großherzog von Baden, Schwetzingen und seinen weltberühmten Garten von Mannheim aus besuchte, wurde Höchstderselbe bei einer dort errichteten Ehrenpforte von der Gemeinde- und Staatsbehörde aufs freudigste empfangen. Drei festlich gekleidete Jungfrauen überreichten ein Gedicht und einen Blumenstrauß. Jene drei Mädchen wurden absichtlich von der Gemeindebehörde aus den drei Bekenntnissen: Israeliten, Katholiken und Protestanten, gewählt, um damit faktisch zu beweisen, wie in dieser Stadt jedes Vorurteil längst verschwunden sei."   

    
 "Makkabäerfeier" zum Chanukkafest der zionistischen Ortsgruppe Schwetzingen (mit Hockenheim, Ketsch und Reilingen) (1902)         

Artikel in "Jüdische Rundschau" vom 9. Januar 1903: "Mannheim, 29. Dezember 1902. Die hiesige Ortsgruppe hielt am Sonntagnachmittag in Schwetzingen eine Makkabäer-Feier ab. Erschienen waren alle jüdischen Familien dieser Stadt sowie viele von Hockenheim, Ketsch und Reilingen. Namens der Veranstaltung begrüßte Julius Wertheim die Anwesenden, worauf der Vorstand der Schwetzinger Gemeinde, Herr Samuel Levi dankte. Nach dem Prolog, den Frl. Kaufmann - Ketsch gesprochen und nach Entzünden des Chanukkalichtes hielt unser Gg. Eichstetter - Schwetzingen, den wir seit dem Mannheimer Delegiertentag, dem er als Gast beiwohnte, zu den unsrigen zählen, eine zündende Ansprache an die vollzählig vertretene Jugend, der sich mit einigen Worten der Leiter der Versammlung, Gg. Wertheim anschloss. Wunderbar vorgetragenen Lieder aus jüdischen Motiven, von Frl. Betti Hanf und Klaviervorträge der Frl. Eugenie Hanf - Schwetzingen und Alexander - Hockenheim leiteten zu der Festrede ein, die unser Gg. Julius Simon - Mannheim in formvollendeter Weise hielt. Tosender Beifall lohnte die klaren Ausführungen des Redners. Vorträge humoristischer Art unseres Gg. Traub, wiederholte musikalische Darbietungen oben erwähnter Damen wechselten mit weiteren Ansprachen ab. Alles in allem: wir haben einen Nachmittag verbracht, auf den wir mit Stolz blicken dürfen. Wir werden uns freuen, Ihnen in Kürze den Gesamtvorstand unserer neuen Ortsgruppe Schwetzingen - Hockenheim - Ketsch - Reilingen mitzuteilen.  "      

        
Prozess vor dem Amtsgericht Schwetzingen um eine "deutsch-völkische" Veranstaltung mit Beteiligten aus Schwetzingen und Ketsch (1921)     
Anmerkung: drei jüdische Gemeindeglieder aus Schwetzingen (Altwarenhändler Leopold Springer und Zigarrenfabrikant Ernst Heß) und Ketsch (vermutlich Max Kaufmann) waren von Vertretern des Deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbundes wegen angeblicher Störungen usw. einer Veranstaltung angeklagt worden; der Prozess endete in geradezu peinlicher Weise für die Vertreter des "Schutz- und Trutzbundes". Zu dieser antisemitischen Gruppierung vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschvölkischer_Schutz-_und_Trutzbund; zu dem Redner Jürgen von Ramin (1884-1962): https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_von_Ramin. Zu Gustav Meyrink siehe  https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Meyrink  und sein Werk "Der Golem" https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Golem. Gustav Meyrink war allerdings nicht, wie der Staatsanwalt sagte, ein Sohn des Königs von Bayern, sondern ist 1868 in Wien als unehelicher Sohn des württembergischen Staatsministers Karl von Varnbüler und der Hofschauspielerin Marie Meyer geboren.        

Mitteilungen in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. November 1920: "Schwetzingen. Eine hier einberufene öffentliche Versammlung des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes nahm einen unvorhergesehenen Verlauf. Der Referent Rittmeister von Arnim, genannt Jürg von Ramin, wurde vom Podium herabgedrängt und konnte nur mit Mühe vor der Wut der erregten Menge bewahrt werden. Mit ihm entfernten sich die wenigen Anhänger des Schutz- und Trutzbundes. Die Versammlung stellte hierauf aus ihrem Kreise einen Leiter. Dieser erteilte das Wort Herrn Uhrig, der die gegnerische Stellung der hiesigen Bevölkerung zur Schutz- und Trutz-Bewegung unter lebhaftem Beifall kennzeichnete, worauf die Versammlung diesen Standpunkt in einer Entschließung billigte."    
  
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Juni 1921: "Schwetzingen. (Ein deutsch-völkischer Prozess). Vor dem hiesigen Amtsgericht wurde gegen vier Angeklagte aus Schwetzingen und Ketsch verhandelt wegen Nötigung, öffentlicher Beleidigung unter Ruhestörung. Der Anklage gegen den Schlosser Franz Platscheck, den Althändler Leopold Springer und den Fabrikanten Ernst Heß lag eine von dem Geschäftsführer des Deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbundes, Apotheker Ernst, erstattete Anzeige zu Grunde. Es handelt es sich um Vorgänge in einer Versammlung, die der deutsch-völkische Schutz- und Trutzbund auf den 9. November vorigen Jahres nach Schwetzingen einberufen hatte und in der Freiherr Jürgen von Ramin reden sollte. Die Versammlung war gegen 1 Mark Eintrittsgeld jedem zugänglich. Mit Rücksicht auf die Wühlarbeit, die von deutsch-völkischer Seite einige Zeit vorher durch Plakate jeden Formats geleistet wurde - es handelte sich um die bekannten antisemitischen Hetzblätter - und des Rufes, der Freiherrn von Ramin vorausging, hatten sich zu dieser Versammlung auch Gegner eingefunden, darunter die vier Angeklagten. Nach Schilderung der Zeugen war der Auftakt der Versammlung auf der einen Seite das Verlangen einer Bürowahl zur Sicherung einer Diskussion, auf der deutsch-völkischen Seite der Ausspruch 'Juden sind keine Deutsche'. Das provozierte, es gab lärmende Gruppen, der Versammlungsleiter bemühte sich, eine einleitende Ansprache zu halten, drang gegenüber den Zurufen aber nicht durch, und schließlich kam der Redner des Abends an das Rednerpult, um mit seinen Ausführungen zu beginnen. Da sich aber die Plänkeleien noch nicht gelegt hatten, gelang es ihm nicht, zu Wort zu kommen. Auf der einen Saalseite wurde die Marseillaise angestimmt und darauf zündete sich Freiherr Jürgen von Ramin eine Zigarre an und drehte doch Versammlung, die aus 3-400 Teilnehmern bestand, ostentativ seine Kehrseite zu. Das war Öl ins Feuer, die Erregung wuchs, es kamen Rufe wie der 'Das will ein Offizier sein' und 'Das will ein Deutscher sein'. 'Holt ihn herunter'. Eine Anzahl Leute sprang aufs Podium, und Herr von Ramin wurde herunter- und hinausgedrängt. Mit der Versammlung war es dann vorbei. Die Trutzbündler riefen den Staatsanwalt um Schutz an, und auf ihre Aussagen gründete sich dann eine Anklage, die gegen Platzeck auf Nötigung (Herunterzerren des Freiherrn von Ramin) lautete, gegen Springer und Hess auf Anstiftung der Ruhestörung (durch Einreden auf Arbeiter, wie die Anklage sagt), gegen Kaufmann auf öffentliche Beleidigung unter der Beschuldigung, dass er 'Deutsche Schweine und deutsche Hunde' gerufen habe, und auf Ruhestörung. Die Anlage fiel völlig zusammen, die Staatsanwaltschaft wurde von den Vertretern des deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbundes völlig im Stich gelassen, die eidlichen Aussagen der Belastungszeugen brachten einen Rückzieher nach dem andern. Die Angeklagten wurden sämtlich freigesprochen unter Aufbürdung der Kosten auf die Staatskasse. In seinem Plädoyer führte der Vertreter der Staatsanwaltschaft aus, Ramin habe sich in nicht qualifizierbarer Weise benommen. Der Staatsanwalt sehe sich heute von den großspurigen Herren, die die Anzeige gemacht und unterstützt hätten, verlassen und müsse die Beurteilung in das Ermessen des Gerichts stellen. Zum Schluss gab es noch ein ergötzliches Intermezzo. Apotheker Ernst erbat sich das Wort. In wenigen Sätzen wollte er das Judentum kennzeichnen. Er wolle einige Sätze aus dem Roman 'Golem' des Juden Meyrink vorlesen. Und er las. Und dann sagte ihm der Staatsanwalt - in aller Öffentlichkeit natürlich - dass besagter Gustav Meyrink, den Ernst als bestes Beispiel für die Schlechtigkeit der Juden hinstelle, ein Sohn des Königs von Bayern sei. Tableau!"    
Vgl. Bericht in der "Jüdischen Volkszeitung" von vom 17. Juni 1921: Link zum Artikel  
 

   
Verhaftung des Führers der nationalsozialistischen Arbeiterpartei Adolf Reinhard wegen Hehlerei (1926)    
Anmerkung: die Mitteilung ist mit bitterer Ironie geschrieben: "Gestörte Parasitenbekämpfung" bezieht sich auf die durch die Verhaftung gestörten antijüdischen Maßnahmen der Nationalsozialisten, da Juden in der NS-Sprache als "Parasiten" beschimpft wurden. Am Schluss wird deutlich, dass wohl auch eine solche Verhaftung von Nationalsozialisten letzten Juden angelastet wird ("auf das Schuldkonto der Judenrepublik zu setzen").  

 Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. November 1926: "Schwetzingen. (Gestörte 'Parasitenbekämpfung'.) Im Zusammenhang mit Eisenbahndiebstählen auf der Strecke Hockenheim—Graben wurden hier mehrere Personen verhaftet, darunter der Führer der nationalsozialistischen Arbeiterpartei Adolf Reinhard als Hehler. Dadurch wird die 'völkische Aufbautätigkeit' in Schwetzingen eine unliebsame Verzögerung erleiden, was natürlich auf das Schuldkonto der Judenrepublik zu setzen ist."  

     
Ein jüdischer Zeitungsverleger sorgt für eine Irritation (1933)
   

Artikel in "Jüdische Rundschau" vom 10. Mai 1935: "Gelächter um eine Schlagzeile. Das 'Hakenkreuzbanner', Mannheim, berichtet, dass in Schwetzingen sich ein Jude als Zeitungsverleger betätigt, der nach der neuesten Verordnung des Präsidenten der Reichspressekammer, die die arische Abstammung für Zeitungsverleger vorschreibt, wohl erkannt haben müsse, was die Uhr geschlagen hat. Er sei dadurch, so berichtet die Zeitung weiter, so in Verwirrung geraten, dass er in der Ausgabe vom 30. April in seiner Zeitung eine Fußleiste 'Die Juden sind unser Unglück' brachte. Die Zeitung fährt fort: 'Die Bevölkerung von Schwetzingen ist an diesem Tage in schallendes Gelächter ausgebrochen'. — Ob der Jude sich mit dieser Selbsterkenntnis anbiedern wollte, oder ob ihm ein 'böswilliger' Setzer diesen Streich gespielt hat, hat sich nicht aufklären lassen. Jedenfalls muss dem jüdischen Verleger, als er den Satz, gedruckt las, doch die Gewissheit einer ungeheuren Blamage aufgedämmert sein, denn er ließ schleunigst in dem Rest der Auflage die Schlagzeile entfernen, so dass sich dort eine weiße Stelle befindet, die der Leser so ausfüllen mag, wie es ihm am besten passt.'"      

   
Austritt zweier Familien aus der jüdischen Gemeinde (1936)  

Schwetzingen Israelit 23121936.jpg (30150 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1936: "Mannheim. Das 'Israelitische Gemeindeblatt' in Mannheim vermerkt die Namen von zwei Familien mit insgesamt acht Personen, die aus der israelitischen Gemeinde in Schwetzingen ausgetreten sind."  

 
Kleine Mitteilungen aus dem Gemeindeleben

- 1935: Das Bürgermeisteramt Schwetzingen hat Juden das Betreten des Städtischen Schwimmbades und des Städtischen Volksbades verboten und das Verbot durch Anschlag kenntlich gemacht (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 8. August 1935 S. 2) Link   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Danksagung der Angehörigen nach dem Tod des Kaufmanns Joseph Friedlieb aus Mitau in Schwetzingen (1837)   

Schwetzingen AZJ 24031838.jpg (120237 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. März 1838: "Danksagung. Der am 23. Oktober vorigen Jahres im 32. Jahre seines Lebens zu Schwetzingen bei Heidelberg erfolgte Tod unseres innigst geliebten Mannes, Vaters und Bruders, des Kaufmanns Joseph Friedlieb legt uns die traurige, aber heilige Pflicht auf, allen denen, die dem in der Blüte seiner Jahre Verstorbenen seine körperlichen Schmerzen, von denen er in einem milderen Klima geheilt zu werden hoffte, durch Pflege und liebevolle Teilnahme lindern halfen, sowie denen, die ihm am Beerdigungstage die letzte Ehre erwiesen, besonders Seiner Hochwürden dem großherzoglich badischen Bezirksrabbiner Salomon Fürst zu Heidelberg, der an der Grabesstätte eine tief ergreifende, den Hingeschiedenen ehrende und die Hinterbliebenen tröstende Leichenrede hielt, und dem Herrn Abraham Seidenberger zu Schwetzingen, in dessen Hause der Verewigte lebte und starb, unsern herzlichsten gerührtesten Dank hierdurch öffentlich abzustatten. Möge ihnen der allbarmherzige himmlische Vater ihre edlen Bemühungen reichlich belohnen und sie in das Buch des Lebens und der wahren Glückseligkeit einschreiben, uns aber den unersetzlichen harten Verlust mit Geduld und Ergebung in seinen heiligen Willen ertragen helfen.
Mitau, im Januar 1838. Die hinterbliebene Witwe Adelhaide Friedlieb geb. Stillbach, nebst ihren beiden unmündigen Kindern und der Bruder des Verblichenen, Samuel Friedlieb, zugleich im Namen der übrigen Verwandten."   

   
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Isaac Metzger (1927)  

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. Mai 1927: "Schwetzingen. (Todesfall.) Im 60. Lebensjahre starb unerwartet inmitten seiner Berufstätigkeit der jahrelange Vorstand der Israelitischen Gemeinde Schwetzingen, Isaac Metzger. Der Verstorbene hat seine Gemeinde während der schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre in stets hilfsbereiter und selbstloser Weise geführt und seine reichen Erfahrungen sowie seine vielseitigen Fähigkeiten für die Interessen des Judentums eingesetzt. Die Beerdigung fand unter allseitiger Beteiligung der Bevölkerung statt. Die Trauerrede hielt Bezirksrabbiner Dr. Pinkus - Heidelberg. Herr Leopold Springer nahm Abschied von seinem Freund, mit dem er 16 Jahre zusammen im Synagogenrat war, und sprach am Grabe den Dank für die Israelitische  Gemeinde aus. Der Odenwaldklub gab seinem langjährigen Mitglied und Mitbegründer das letzte Geleit."     

    
Sophie Springer feiert ihren 70. Geburtstag (1937)  
Anmerkung: Sophie Springer geb. Strauss ist am 30. Mai 1867 in Binau geboren. Sie war mit dem Kaufmann Leopold Springer verheiratet; dieser war über 30 Jahre im Synagogenrat der jüdischen Gemeinde Schwetzingen. Am 10. November 1938 wurde die Wohnung der Familie in der Bruchhäuser Straße 11 verwüstet, Leopold Springer inhaftiert und in das KZ Dachau verschleppt. Am 28. März 1939 konnte Ehepaar Springer in die USA emigrieren, wo Leopold Springer 1947 verstarb.  
Eine Mitteilung zum 70. Geburtstag am 25. Februar 1937 von Leopold Springer, "seit 35 Jahren Vorstand der Gemeinde in Schwetzingen", erschien am 18. Februar 1937 in "Israelitisches Familienblatt".
 

Schwetzingen CV-Zeitung 27051937.jpg (10566 Byte)Mitteilung in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 27. Mai 1937: "Frau Sophie Springer (Schwetzingen) vollendet am 30. Mai ihr 70. Lebensjahr."  
  
Schwetzingen LSpringer 010.jpg (63676 Byte)Links: Leopold Springer und seine Frau Sophie geb. Strauss 1939 in Rotterdam kurz vor der erzwungenen Ausreise in das Exil (USA); Foto aus Lohrbächer s. Lit. S. 84. 

   
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

- 1905: Lili Gutmann (geb. 18. September 1873 in Dresden), eine Tochter des Direktors der Dresdener Bank wird genannt als die Gattin des Rittmeisters im ersten badischen Dragoner-Regiment Nr. 21 in Schwetzingen, Freiherr von Holzing-Berstett (nicht: Benstett), des ältesten Sohnes des badischen Oberstallmeisters (Mitteilung u.a. in "Jüdisches Volksblatt" vom 21. April 1905 S. 3 in einem Artikel über "Der verjudete preußische Adel"); vgl. zum Vater von Lili geb. Gutmann: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Gutmann und https://saebi.isgv.de/biografie/Eugen_Gutmann_(1840-1925);  Genealogie Lili geb. Gutmann (genannt auch Ludmilla): https://www.geni.com/people/Lili-Orsini-Baroni/6000000014177618547; der Ehemann Adolf Freiherr von Holzing-Berstett (geb. 1865) ist bereits 1909 gestorben; nach seinem Tod war Lili geb. Gutmann in zweiter Ehe verheiratet mit dem italienischen Diplomaten und Botschafter Luca Orsini Baroni. Lili geb. Gutmann ist 1967 gestorben.      
-  1864/1905: der 1905 in Karlsruhe verstorbene Finanzminister a.D. Dr. Moritz Ellstätter war seit dem 21. Januar 1864 verheiratet mit Marie geb. Traumann aus Schwetzingen (in "Israelitisches Familienblatt" vom 22. Juni 1905 S. 4f). 
-  1906: Tod von Samuel Heß in Schwetzingen, gestorben im Alter von 51 Jahren (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 30. März 1906 S. 6)  
-  1907: Verlobung von Clara Lorch in Schwetzingen mit Simon Mayer in Bingen (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 22. Februar 1907 S. 6). 
-  1913: Verlobung von Erna Hanf in Schwetzingen mit Joseph Samuel in Metz (in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 4. April 1913 S. 6). 
-  1924: Geburt einer Tochter von Moritz Rosenfeld und seiner Frau Johanna geb. Hanf in Schwetzingen (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 10. April 1924 S. 5)  
-  1932: Trauung von Hans Glaser in Schwetzingen mit Lina Gans in Frankfurt, Hermesweg 14 (in: "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" 12.1932 S. 102).  
-  1933: Bar Mizwa-Feier von Hans Ohlhausen in Schwetzingen, Sohn von Jakob Ohlhausen und der Johanna geb. Ohlhausen am 15. Juli 1933, Schwetzingen, Bruchhäuserstraße 5 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 13. Juli 1933 S. 6).   
- 1934: Tod des langjährigen Vorsitzenden der Ortsgruppe Schwetzingen des "Central-Vereins" (sc. der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens") am 3. Januar 1934, Rechtsanwalt Dr. Adolf Katzenstein, im 57. Lebensjahr (in: "CV-Zeitung", Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 11. Januar 1934 S. 7).  
- 1937: 70. Geburtstag von Sophie Springer in Schwetzingen am 30. Mai 1937 (in: "CV-Zeitung", Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 27. Mai 1937 S. 4).   

      
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige des Getreide- und Mehlgeschäftes Joseph Metzger (1908)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1908: "Für mein Getreide- und Mehlgeschäft suche einen jungen unv(erheirateten)
Arbeiter,
welcher mit Fuhrwerk umzugehen weiß
.
Offerte mit Angabe des Lohnes etc. erwünscht.
Joseph Metzger,
Inhaber Emil Metzger Schwetzingen
Karlsruherstraße 29."  

   
Anzeige der Eisenhandlung Edmund Vogel (1912)    

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. August 1912: 
"Lehrling gesucht. 
Ich suche für meine Eisenhandlung einen braven Jungen mit guter Schulbildung, Sohn achtbarer Eltern, möglichst vom Lande (Süddeutscher bevorzugt) bis 1. Oktober 1912 in die Lehre. Offerten zu richten an 
Edmund Vogel, Eisenhandlung, 
Schwetzingen, Baden."         

  
Anzeige der Metzgerei N. Frank (1913)   

Anzeige im "Israelitisches Familienblatt" vom 28. August 1913: "Metzgerlehrling gesucht 
Ordentlicher Junge kann bei uns sofort oder später in die Lehre treten. 
Metzgerei N. Frank 
Schwetzingen
  Hegestraße 22" 

   
Verlobungs- und Trauungsanzeigen von Cläre geb. Levi (Schwetzingen) und Justin Lichtenauer (1920)   
Anmerkung:  Justin Lichtenauer war als Kaufmann, Textilvertreter und Handelsrichter tätig (geb. 11. Oktober 1877 in Gerolzhofen; gest. 17. September 1938 in München). Er war verheiratet mit Klara (Cläre) geb. Levi (geb. 12. November 1892 in Schwetzingen, deportiert am 20. November 1941 ab München nach Kowno/Kaunas und wenig später ermordet). Das Ehepaar hatte eine eine Tochter Hanna (geb. 6. April 1922 in München). Justin Lichtenauer betrieb mit Heinrich Ullmann eine Textilagentur (Fa. Julius Lichtenauer) in der Schwanthalerstraße 32 mit Geschäftslokal in der Goethestraße 15/I. Er war 1932/33 Mitglied der Industrie- und Handelskammer, München und gerichtlich vereidigter Sachverständiger für Agenturen und Handelsvertreter, und für Schnittwaren, Zionist und Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde Münchens und des Landesverbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden. Tätig u.a. im Wohlfahrtsausschuss der IKG, Werber für den Keren Hayessod in München. Tochter Hannah (verheiratet mit Murray Karg) gelang im April 1939 die Emigration nach England, sie lebte Mitte der 90er Jahre in Oakland, New Jersey und starb am am 9. Februar 1997 in Valley Cottage, New York. Informationen nach https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=10170.  Grab von Hannah Karg geb. Lichtenauer https://de.findagrave.com/memorial/235354689/hannah-karg 

Anzeige in der Zeitschrift "Der jüdische Echo" vom 9. Januar 1920:
"Cläre Levi  -  Justin Lichtenauer   Verlobte  
Schwetzingen   -   München Paul Heysestr. 16       Januar 1920."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Das jüdische Echo" vom 18. Juni 1920:
"Justin Lichtenauer    Cläre Lichtenauer geb. Levi
  Vermählte   
München    Schwetzingen   16. Juni 1920."    

   
Verlobungsanzeige von Else Levy und Max Wallerstein (1920)   

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 15. Juli 1920:
"Else Levy   -   Max Wallerstein 
 Verlobte   
Thaleischweiler (Pfalz) / Schwetzingen   -   Hockenheim (Baden)     Juli 1920".  

     
Todesanzeige für Rechtsanwalt Dr. Adolf Katzenstein (1934)
      

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 11. Januar 1934:
"Heute entschlief nach langer, schwerer Krankheit mein lieber Mann, unser guter Vater, mein treuer Sohn 
Dr. Adolf Katzenstein  Rechtsanwalt
 
im 57. Lebensjahr. 
Schwetzingen (Baden)
, den 8. Januar 1934. Im Namen der Hinterbliebenen
Emmy Katzenstein geb. Weinberg
."     

    
 (Maklergeschäft Max) Bierig vermittelt die Übergabe von jüdischen Geschäften an "arische" Personen (1936)  

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 25. Juni 1936: "Für ernstliche arische Interessenten sofort zu kaufen gesucht
Detailgeschäfte aller Art
Herrenkonfektion - Damenkonfektion — Kaufhäuser Herrenartikel - Wäsche - Manufakturwaren - Lederwaren - Schuhwaren - Haushaltwaren - Einheitspreisgeschäfte 

Plätze nicht unter 8000 Einw. in Baden. - Württemberg - Bayern -  Hessen - Rheinprovinz -  Pfalz - Mitteldeutschland. Kapital steht von bar Mk. 15 000.- bis Mk. 300.000.- verfügbar. Vertraulich durch Geschäftsmakler Bierig, Schwetzingen."   

      
Weitere Anzeigen 
(zur Verfügung gestellt von Frank-Uwe Betz, Schwetzingen)   

Schwetzingen Dok 186.jpg (73992 Byte) Schwetzingen Dok 188.jpg (128656 Byte) Schwetzingen Dok 187.jpg (132449 Byte)
Werbung der Viehhandlung Gebr. Levi Schwetzingen 
im "Heidelberger Tageblatt" vom 23. August 1906  
Anzeigen der Wronker-Filiale Schwetzingen in der "Schwetzinger Zeitung" vom 
30. Juni 1925 (li) und dem "Schwetzinger Tageblatt" vom 5. Dezember 1905 (re).  
     
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Anzeigen des Textilgeschäftes Pinkas Gottlieb 
in der "Schwetzinger Zeitung" vom 6./12.12.1924 
 
Anzeige der Buchdruckerei Albert Moch 
in der "Schwetzinger Zeitung" 
vom 16. Dezember 1924 
Anzeige der Wronker-Filiale Schwetzinger 
in der "Schwetzinger Zeitung" 
vom 13. Dezember 1924

   
Sonstiges   
Aus der NS-Zeit: Der "Stürmerkasten" in Schwetzingen (1936)       

Foto in der NS-Propagandazeitschrift "Der Stürmer" vom April 1936: "Stürmerkasten in Schwetzingen (Baden)". Auf dem Stürmerkasten ist in der Umrandung zu lesen: "Ohne Brechung der Judenherrschaft keine Erlösung der Menschheit! Wer gegen den Juden kämpft, ringt mit dem Teufel! Deutsche Frauen und Mädchen, die Juden sind Euer Verderben!"         

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge      
   
Im 18. Jahrhundert wurden gemeinsam mit den Juden aus Ketsch Gottesdienste in jüdischen Häusern Schwetzingens gefeiert. Zeitweise besuchten die Schwetzinger Juden auch die Gottesdienste in Ketsch. In Schwetzingen hatten der wohlhabende David Raphael Traumann und nach ihm sein Sohn Anselm Raphael Traumann der Gemeinde ein Zimmer in ihrem Haus als Betsaal überlassen. Nachdem Anselm sein Haus verkauft hatte, das zudem für die wachsende Zahl der Gemeindeglieder zu klein war, richteten am 14. Dezember 1807 fünf Schwetzinger Juden eine Eingabe an das Großherzogliche Amt Schwetzingen und baten um Unterstützung für den Bau einer Synagoge. Das Schreiben begann mit einem Rückblick: "Bekanntlich besaßen wir in unserer Judenschaft teils wegen Unvermögenheit der früheren Zeiten, teils wegen Schwäche der Familienzahl nie einen eigentümlich gemeinen Ort, allwo wir den [...] Gottesdienst verrichteten...". Deshalb baten die Schwetzinger Juden für den Bau einer Synagoge um Unterstützung aus den waldreichen Gemeinden der Umgebung, weil "wir aus erörterten Gründen von allen Materialien als Holz, Steine etc. noch alles bedürfen". Die Bitte, die das Amt Schwetzingen empfehlend an die Ortsvorstände der umliegenden Gemeinden weiterleitete, blieb nicht ungehört. Hockenheim war bereit, zwei Stamm Eichenholz abzugeben, Reilingen "aus Mangel an anderem Gehölz" vier Stamm Forlenholz, Altlußheim einen Stamm Eichenholz, Schwetzingen zwei Stamm Eichenholz und zwei Stamm Forlenholz, Neckarau einen Stamm Eichenholz, Plankstadt "ein Stämmlein" Eichenholz, Seckenheim einen Stamm Eichenholz.  
             
Am 15. Januar 1808 berichtete das Amt Schwetzingen den Stand der Dinge nach Karlsruhe und setzte sich dafür ein, dass der Bau der Synagoge genehmigt wird. Dabei konnte das Amt darauf hinweisen, dass ein Grundstück für 500 Gulden von der jüdischen Gemeinde bereits erworben sei. Auch habe die "gering bemittelte" Ketscher Judenschaft die Schwetzinger Synagoge nötig. Auch in Karlsruhe beurteilte man den Synagogenbau grundsätzlich positiv und konnte im Großherzoglich-Badischen Gemeinderats-Protokoll die Notiz festhalten, dass seine Königliche Hoheit am Bau der Synagoge "keinen Anstand nehmen" würde. Jedoch bat man um die Einsendung von Plänen und einen Baukostenvoranschlag, zumal "Schwetzingen ein Residenzort sei, wo auf ein anständiges Äußeres des Gebäudes vorzüglich Rücksicht zu nehmen sein werde". Dabei scheint es dann freilich geblieben zu sein. Das Bauvorhaben scheiterte damals, vermutlich aus finanziellen Gründen. So wurden die Gottesdienste weiter in Privathäusern abgehalten.  
        
Feier des Geburtstages des Großherzoges in der Schwetzinger Synagoge (1839)          

Artikel in "Israelitische Annalen" vom 27. September 1839: "Schwetzingen, 30. August. Die Feier des hohen Geburtstages unseres vielgeliebten Großherzogs beschränkte sich bei den Israeliten Badens bis jetzt nur auf die Synagogen eines jeden Rabbinatssitzes, während die Israeliten der Dorfgemeinden ihre Gefühle für unseren väterlichen Landes haben an diesem Tage nicht wie ihre christlichen Mitbürger durch würdige Feier dartun konnten. Diesem Mangel abzuhelfen hat unser allgemein verehrter Geistlicher, Herr Bezirksrabbiner Fürst von Heidelberg, angeordnet, dass alljährlich außer zu Heidelberg, die Feier des allerhöchsten Geburtstages auch in einer anderen Synagoge des Rabbinats stattfinden solle, wobei die israelitische Schuljugend des ganzen Amtsbezirks die Feierlichkeit durch passende Choralgessänge zu heben habe, und für die diesjährige Feier ward die Synagoge dahier bestimmt.
Diese Feier fand nun gestern in der hierzu mit Blumengewinden festlich ausgeschmückten Synagoge morgens um 10 Uhr statt.
Zuerst sang die Schuljugend der Gemeinden Schwetzingen, Reilingen und Hockenheim, unterrichtet von den, wie im übrigen, so auch im Gesangunterricht tüchtigen Lehrern Bessels, Flehinger (sc. Schwetzingen) und Marx die von den Rabbinen angegebenen Psalmen 21. 45. 61. 63. 72 und einige von eben denselben bezeichnete Lieder In deutscher Sprache.
Hierauf folgte ein angemessenes Gebet, und eine sehr gehaltvolle Rede des Herrn Bezirksrabbiners Fürst, worin derselbe mit eindringlichen Worten die Gemeinde (es wird an diesem Tage auch der Eid der Treue geschworen) zur Ergebenheit, Liebe und Anhänglichkeit aufforderte, die wir der hohen Milde, Weisheit und Gerechtigkeit unseres teuren Landesvaters schuldig seien, die Anhänglichkeit an unser vielgeliebtes Vaterland an das Herz legte und den Segen des Himmels für Fürst und Vaterland erflehte. Der hierauf den Beschluss machende Choralgesang der Schuljugend gereichte, teils wegen der guten Auswahl der Gesänge, dem Herrn Rabbiner, welcher die Feierlichkeit leitete, teils wegen der sehr fleißigen Einübung, den erwähnten Lehrern zur großen Ehre bei der ganzen Versammlung, welche nicht nur aus Synagogenräten und israelitischen Bürgern des Bezirks bestand, sondern welcher auch die Geistlichkeit, löblicher Gemeinderat, sämtliche Amtspersonen und viele christliche Bürger beiwohnten. "       

    
Erst 1864 konnte eine erste "Synagoge" (Betsaal) in dem der jüdischen Gemeinde gehörenden Haus Invalidengasse 6 eingerichtet werden. Seitdem wurde die Invalidengasse (bis August 1934) "Synagogenstraße" genannt.  
        
Da dieser Betsaal in der Invalidengasse sich bei der weiter gestiegenen Zahl von Gemeindegliedern mit der Zeit als zu klein erwies, richtete die Gemeinde 1893 ein Spendenkonto für einen Synagogenneubau ein. Doch bis 1897 kam nur eine geringe Summe zusammen. Als an Rosch Ha-Schana (jüdisches Neujahrsfest) 1897 jedoch ein Gemeindemitglied beim Gottesdienst ohnmächtig wurde, machte man die beengten Verhältnisse dafür verantwortlich und forderte allgemein einen größeren Raum. Im November 1897 wurde beschlossen, die alte Synagoge abzubrechen und eine neue Synagoge zu erbauten. Auf der Suche nach einem Raum, den man übergangsweise als Synagoge nutzen konnte, hatte die Gemeinde alsbald Erfolg. Nachdem sich der Synagogenrat an das Großherzogliche Oberhofmarschallamt in Karlsruhe gewandt und darum gebeten hatte, einen Raum im Schloss zur Verfügung gestellt zu bekommen, war die Antwort der Behörde positiv; der jüdischen Gemeinde konnte mitgeteilt werden,  "dass wir die Einräumung des ersten (Vorsaales) im rechten Zirkelhause an die Israelitische Gemeinde zu fraglichem Zweck zunächst auf die Dauer eines Jahres genehmigen. [...] Ein Mietzins wird nicht beansprucht".        
           
Beschluss zum Neubau einer Synagoge (1897)  

Schwetzingen Israelit 25111897.jpg (132570 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1897: "Aus Baden. Die früher ganz kleine israelitische Gemeinde in Schwetzingen hat durch Zuzug auswärtiger Israeliten so zugenommen, dass die seitherige alte Synagoge, bisher zu groß, jetzt eine Vergrößerung erfahren dürfte, zumal am jüngsten Rosch Haschana (Neujahrsfest) in Folge der schwülen Luft, eine Frau ohnmächtig geworden ist, sodass man am darauf folgenden Jom Kippur aus sanitären Rücksichten in einem gemieteten Saal den Gottesdienst abzuhalten verpflichtet war. Es wurde nun beschlossen, die alte Synagoge abzureißen und ein neues der jetzigen Gemeinde entsprechendes Gotteshaus zu erbauen. Für diese Zwischenzeit, Einreißen der alten und Wiederaufbau der neuen Synagoge, wurde die Erlaubnis von hoher Stelle erteilt, dass die Abhaltung des Gottesdienstes in einem Vorsaale des rechten Zirkelhauses im Großherzoglichen Schlosse in Schwetzingen stattfinden dürfe. Das Schloss befindet sich am Eingang des weltberühmten, viel besuchten Schwetzinger Schlossgartens. Solche hochherzigen Handlungen dürften der Mit- und Nachwelt nicht vorenthalten werden, weshalb ich deren Mitteilung den Lesern dieses geschätzten Blattes widme. W."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Dezember 1897: "Für die Zwischenzeit des Einreißens der alten und des Wiederaufbaues der neuen Synagoge in Schwetzingen wurde die Erlaubnis von hoher Stelle erteilt, dass die Abhaltung des Gottesdienstes in einem Vorsaale des rechten Zirkelhauses im großherzoglichen Schlosse in Schwetzingen stattfinden dürfe. Das Schloss befindet sich am Eingang des weltberühmten, vielbesuchten Schwetzinger Schlossgartens".     

  
Der israelitische Frauen- und der Männerverein übernahmen die Kosten der Einrichtung, insgesamt 1.470 RM, eine hohe Summe für die Verhältnisse der Schwetzinger Juden. Am 22. Januar 1898 wurde die - zunächst nur als Provisorium gedachte - Synagoge feierlich eingeweiht. Lehrer Simon Eichstetter hielt die Festansprache. Mehrmals bekam die Synagoge hohen Besuch, wie Lehrer Eichstetter in einem Rückblick 1901 berichtete: "Schon einige Male wurde unsere Synagoge durch den Besuch der Allerhöchsten Herrschaften, Großherzog Friedrich und Großherzogin Luise, beehrt. Am 16. Mai 1901 durchschritt Großherzog Friedrich anlässlich eines hier abgehaltenen Wohltätigkeitsfestes die Synagoge, welche festlich dekoriert war".   
  
Doch war dieser Betsaal im ersten Vorsaal des rechten Zirkelhauses nicht von Dauer. Bereits am 11. Juli 1901 erhielt der Synagogenrat ein Schreiben der Schlossverwaltung, in dem darum gebeten wurde, in den seitherigen Militär-Vereins-Saal im Schloss (dritter Saal im nördlichen Zirkel, Eingang von der Zeyherstraße her) umzuziehen. Das dahinter stehende Problem war, dass der bisherige Betsaal nur durch den Haupteingang des Schlossgartens erreicht werden konnte, was zu den Gottesdienstzeiten von fremden Personen dazu benutzt wurde, um unerlaubt in den Schlossgarten einzudringen. Daher wollte man einen Saal zur Verfügung stellen, der über einen Seiteneingang erreichbar war. Für den neuen Betsaal wurde ein Mietvertrag abgeschlossen. Jährlich waren dafür 200 RM zuzüglich 10 RM für ein daneben liegendes Gartenstück zu bezahlen. 
    
Bis 1914 konnte dieser Raum genutzt werden. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde in den Zirkelräumen des Schlosses ein Lazarett eingerichtet. Die jüdische Gemeinde fand eine neue Bleibe in einem Wirtschaftssaal, der allerdings erst hergerichtet werden musste. In der Zwischenzeit stellt das Gemeindeglied Zigarrenfabrikant Moses Monatt einen Raum in seiner neuerrichteten Zigarrenfabrik am Bismarckplatz zur Verfügung. 1917 konnte die Gemeinde in den Zirkelsaal zurückkehren. Übrigens sammelte die Gemeinde weiterhin Beiträge für den 1893 eingerichteten Synagogenbaufonds. Man hatte sich von den Plänen für eine Synagoge in Schwetzingen noch nicht verabschiedet.  
  
1933 begann die jüdische Gemeinde den Machtwechsel sofort zu spüren. Die NS-Partei sorgte dafür, dass der Betsaal im Schloss bereits im Frühjahr 1933 geräumt werden musste. Die SA wollte den Raum für sich haben und den Platz davor als Antreteplatz benutzen. Der jüdische Lehrer Heinrich Bloch konnte gemeinsam mit einem christlichen Jungen gerade noch die Kultgegenstände aus dem Raum retten. Die gesamte Einrichtung musste zurückgelassen werden. Der jüdischen Gemeinde wurde für einige Zeit die Kirche der Alt-Katholiken (im Ehrenhof des Schlosses) als Betsaal zugewiesen. Ende Juli 1933 musste auch dieser Raum geräumt werden.  Über die Hohen Feiertage im Herbst 1933 konnte man die Gottesdienste im Haus des Siegfried Kaufmann (Heidelberger Straße 33) abhalten. Zum Laubhüttenfest 1933 wurden zwei Zimmer im Haus des Kaufmanns Pinkas Gottlieb gemietet (Dreikönigstraße 25/Kleine Planken) und darin bis 1936 Gottesdienste gefeiert. Seitdem Pinkas Gottlieb 1936 sein Haus verkauft hatte, wurde der Betsaal in das Haus der Gebr. Springer (Heidelberger Straße 12, 1. Stock; Haus der Witwe Mathilde Springer) verlegt.  
     
Beim Novemberpogrom 1938 drangen SA-Männer gewaltsam in den Betsaal in der Heidelberger Straße 12 ein. Das Klavier wurde zertrümmert, die Torarollen, Gebetbücher und andere Kultgegenstände wurden teilweise beschädigt und zerstört, teilweise durch das Fenster auf die Straße geworfen. Nach Abschluss des Zerstörungswerkes wurden die Trümmer auf der Straße zur Straßenkreuzung Heidelberger Straße/Mühlenstraße getragen, dort aufgeschichtet und angezündet. Die Torarollen gingen dabei in Flammen auf. Der Rest einer angebrannten Torarolle und einige Gebetbücher blieben erhalten und werden von der Stadtverwaltung verwahrt.  
      
Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde befindet sich seit 1978 ein Gedenkstein vor dem ehemaligen Synagogenraum am Schloss (Zeyherstraße). Die Idee hierzu entstand während eines Projektes einer 7. Klasse des Hebel-Gymnasiums im Schuljahr 1977/78. Die Schüler*innen recherchierten damals nach den ehemaligen Schwetzinger Juden und nahmen zu ihnen bzw. deren Nachkommen Kontakt auf. Aus den Befragungen und Forschungen entstand die Schrift "Sie gehörten zu uns. Geschichte und Schicksale der Schwetzinger Juden" (s.Lit.). Der Antrag der Schüler*innen, einen Gedenkstein zu errichten, führte 1978 zu dem Erinnerungsstein mit Gedenkaufschrift am Eingang zum ehemaligen Betsaal in der Zeyherstraße.

Ein ökumenisches Jugendprojekt zum Gedenken an die aus Baden, der Pfalz und dem Saarland am 22. Oktober 1940 nach Gurs verschleppten Juden führte 2006 zu einem zweiten Gedenkstein am Eingang zum ehemaligen Betsaal.  
   
   
Fotos  
Historische Fotos:  

Historische Fotos zur Synagogengeschichte sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite 

   
Weitere historische Fotos 
(zur Verfügung gestellt von Frank-Uwe Betz, Schwetzingen; die Foto in der oberen Fotozeile vermutlich aus den 1930er-Jahren. Der Zeitungsverlag / die Buchdruckerei Albert Moch wurden in der NS-Zeit "arisiert". Die beiden Fotos in der zweiten Fotozeile wurden publiziert in: Frank-Uwe Betz: Schwetzingen - Stadt und Leute. Erfurt 3. Auflage 2011 S. 85 und 108).  
Schwetzingen Dok 180.jpg (67391 Byte) Schwetzingen Dok 181.jpg (63740 Byte)
Gebäude der "Schwetzinger Zeitung", Zeitungsverlag und
 Buchdruckerei Albert Moch, Carl-Theodor-Straße 1 
Blick auf dem Gebäude der "Schwetzinger Zeitung" 
auf den Schlossplatz  
   
Schwetzingen Dok 183.jpg (219909 Byte) Schwetzingen Dok 182.jpg (138627 Byte)
Mitglieder der Fußball-Jugendmannschaft des Jüdischen
 Sportvereins JSV Heidelberg im Jahr 1937. Vier von ihnen 
waren Schwetzinger: der erste und fünfte von links: 
Sali und Max Springer, rechts Max Bermann und 
unten rechts Friedrich Gottlieb. 
Militär vor dem Lorchschen Haus am Schlossplatz im Jahr 1938.
 Im selben Jahr wurde das Haus beim Novemberpogrom 1938
 überfallen. Die jüdischen Eigentümer wurden gezwungen, 
ihr Haus zu veräußern. Nach dem Krieg sollte es zum Haus 
der NSDAP umgebaut werden.  


Fotos nach 1945/Gegenwart: 
1. Die Synagoge von 1864 bis 1897: 

Fotos um 1985
(Foto: Hahn; Farbfoto vom 
Oktober 1988)

Schwetzingen Synagoge a01.jpg (57934 Byte) Schwetzingen Synagoge 183.jpg (47945 Byte)
  Von 1864 bis 1897 war der Betsaal in diesem Gebäude in der Invalidengasse 6 
   

Fotos 2003/04 
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.10.2003; Foto links von J. Krüger, Karlsruhe, Aufnahmedatum 2004)

 
Schwetzingen Synagoge 211.jpg (34390 Byte) Schwetzingen Synagoge 156.jpg (34926 Byte) Schwetzingen Synagoge 155.jpg (50416 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen (ersten) Synagoge der jüdischen Gemeinde Schwetzingen 
 
   Schwetzingen Synagoge 154.jpg (64576 Byte)   
Hinweis- und Informationstafel am Gebäude zur Geschichte der Synagoge/Betsäle in Schwetzingen 
     

Fotos 2011/16 
(Fotos links/Mitte: Michael Ohmsen, Aufnahmen vom Mai 2011; vgl. Website von M. Ohmsen mit Fotoseiten zu Schwetzingen
Foto rechts von 2016 von Stefan Haas) 

  
Schwetzingen Synagoge 831.jpg (77103 Byte) Schwetzingen Synagoge 830.jpg (155379 Byte)   Schwetzinger Synagogenstrasse 020.jpg (83436 Byte)
Das Gebäude der ersten Synagoge 
  
Hinweis- und Informationstafel 
  
  Hinweistafel am Straßenschild der Invalidenstraße:
 "Synagogenstraße bis 1934" 
     

Fotos Februar 2020
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.2.2020) 

   
     
     

  
  
2. Der Betsaal im Schwetzinger Schloss und die Gebäude, in denen noch in der NS-Zeit Gottesdienste gefeiert wurden: 

Foto um 1965
(Quelle: Hundsnurscher/ Taddey 
s. Lit. Abb.191)

Schwetzingen Synagoge 012.jpg (89028 Byte)   
   Dieser Teil des Schwetzinger Schlosses
 diente bis 1933 als Betsaal
  
     

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn; Farbfotos 
vom Oktober 1988)

Schwetzingen Synagoge 010.jpg (80891 Byte) Schwetzingen Synagoge 180.jpg (55401 Byte)
  Der Betsaal war im Teil links der Mitte des Fotos (Seitenansicht im Vergleich 
mit der Aufnahme um 1965) bzw. beim Farbfoto etwas höheres Gebäude 
links des hereinragenden Baumes
   
  

 

Schwetzingen Synagoge 011.jpg (66883 Byte) Schwetzingen Synagoge 182.jpg (56781 Byte)
  In der Mitte befindet sich der 
Gedenkstein für die jüdische Gemeinde 
Gedenkstein für die ehemalige jüdische
 Gemeinde am Schloss (Zeyherstrasse) 
     
Schwetzingen Synagoge 181.jpg (57980 Byte)

Schwetzingen Synagoge 184.jpg (47085 Byte)

Schwetzingen Synagoge 071.jpg (40980 Byte)
1933-36 befand sich der Betsaal in 
Geschäfts- und Wohnhaus  der Familie
Pinkas Gottlieb (Dreikönigstraße 25)
1936 bis 1938 war in diesem Haus der Betsaal (Heidelberger Straße  12, 1. Stock). 
Er wurde in der Pogromnacht demoliert 
  
 Foto links: Stadtarchiv Schwetzingen, 1930er-Jahre.  
   

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.10.2003)

 
Schwetzingen Synagoge 150.jpg (76269 Byte) Schwetzingen Synagoge 151.jpg (97551 Byte) Schwetzingen Synagoge 152.jpg (79476 Byte)
Hinweistafel zum 
Gedenkstein am Schloss 
Blick auf den Schlossflügel, in dem sich 
der Betsaal befand; rechts des linken
 Baumes steht der Gedenkstein  
Gedenkstein für die ehemalige 
jüdische Gemeinde am Schloss
 (Zeyherstrasse)  
  
        

Gedenkstein mit der 
"steinernen Torarolle" und 
Hinweistafel im März 2010 
(Foto: Michael Ohmsen
Quelle: Fotoseite von M. Ohmsen
mit Seiten zu Schwetzingen)  

Schwetzingen Denkmal 410.jpg (381455 Byte) Schwetzingen Synagoge  571.jpg (402170 Byte)
    Bei den eingestellten Fotos handelt es sich um Fotos mit höherer Auflösung 
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb)  
      

Fotos Mai 2011
(Fotos: Michael Ohmsen, Quelle wie oben)  

   
Schwetzingen Hinweistafel 010.jpg (61466 Byte) Schwetzingen Betsaal 135.jpg (111557 Byte) Schwetzingen Betsaal 136.jpg (87328 Byte)
Hinweistafel  Blick auf das Schloss, in dem sich der Betraum befand, mit Gedenkstätte 
      

Fotos Februar 2020
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.2.2020) 

   
   
 Ansicht der Gedenkstätte mit dem Gedenkstein  Informationstafel  "Steinerne Torarolle" 
     

Häuser der Beträume 1933 bis 1938 
(Foto Mitte von Frank-Uwe Betz) 

     
Schwetzingen Betsaal 132.jpg (111805 Byte)   Schwetzingen Betsaal 131.jpg (63987 Byte)
 Ehemaliges Haus von Siegfried Kaufmann - 
mit Betraum im Herbst 1933
(Heidelberger Straße 33) 
 Ehemaliges Haus von Pinkas Gottlieb
- mit Betraum Ende 1933 bis 1936 -
(Dreikönigstraße 25, vgl. Fotos oben
 Ehemaliges Haus der Gebr. Springer
- mit Betraum, der beim Novemberpogrom
 1938 demoliert wurde 

       
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

1. Hinweis auf einige vor allem von Frank-Uwe Betz (Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen - Verein für regionale Zeitgeschichte e.V.) erstellte Beiträge, die insbesondere Aspekte der NS-Geschichte und der Geschichte und Verfolgung der Schwetzinger Juden aufgreifen: 
Frank-Uwe Betz: Zwangsarbeit in Schwetzingen. Lager für ausländische Arbeiter zur Zeit des NS-Regimes (Reihe Geschichtswissenschaft, Bd. 45), Pfaffenweiler 1998. (Monographie - Buch)  
Frank-Uwe Betz: Schwetzingen - Stadt und Leute, Erfurt 2001, 2005 und 2011 (Bildband).  
Freiheit - Unterdrückung - Widerstand / Geschichte und Geschichten im Raum Schwetzingen 1848 - 1948, Berichte und Dokumente, Hg. Gewerkschaft ver.di Mannheim. Mannheim 2001 und 2005.  98 S.  
Frank-Uwe Betz/Anton Kobel: Gegenwart und Vergangenheit: Antisemitismus - Verfolgung - Zwangsarbeit. Nazizeit im Raum Schwetzingen. Texte und Dokumente, Mannheim 2004 und 2005. 132 S.  
Frank-Uwe Betz: Wie die Nazis gegen Verleger Moch hetzten/Die faktische Enteignung der Familie Moch im Dritten Reich, in: 125 Jahre Schwetzinger Zeitung, Sonderveröffentlichung der 'Schwetzinger Zeitung'/'Hockenheimer Tageszeitung' v. 9. 9. 2005, S. 28.
Frank-Uwe Betz: Ungewöhnlicher Neubeginn/Im Krieg erscheint 'Hakenkreuzbanner' - 1949 gründen Moch und Stemmle Zweckgemeinschaft, in: 125 Jahre Schwetzinger Zeitung, Sonderveröffentlichung der 'Schwetzinger Zeitung'/'Hockenheimer Tageszeitung' v. 9. 9. 2005, S. 29.
Frank-Uwe Betz: Wie die Jüdin Ruth Schwob aus ihrer Klasse ausgestoßen wurde. Zeitzeugengespräche (Teil 1): Am Rande der Gedenkstein-Einweihung sprachen wir mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern über ihr Schicksal, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 5. 4. 2006.
Frank-Uwe Betz: Schreckliche Erinnerungen an Feuerschein der Nacht. Zeitzeugengespräche (Teil 2): Bei der Gedenkstein-Einweihung berichten ehemalige jüdische Mitbürger über ihr Schicksal, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 7. 4. 2006.
Frank-Uwe Betz: Lorch-Haus zur Parteizentrale gemacht. Ehemalige jüdische Mitbürger sprechen über ihre Familiengeschichte/Teil 3 und Ende, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 11. 4. 2006.
Frank-Uwe Betz: Wie der Ketscher Arzt Dr. Alfred Stern denunziert wurde. Serie zur Unterdrückung in der NS-Zeit (Teil 6): Als Sozialdemokrat und Jude verfolgt, nach Russland geflüchtet und dort als 'deutscher Spion' eingesperrt, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 21. 10. 2006.
Frank-Uwe Betz: Widerstand und Verfolgung zur NS-Zeit im Raum Schwetzingen, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Stuttgart 2007, S. 467-504.
Frank-Uwe Betz: Alfred Steins letzte Ruhe in der Heimatstadt. Israelitischer Friedhof: Nach 50 Jahren wurde erstmals wieder ein ehemaliger jüdischer Mitbürger in Schwetzingen beigesetzt, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 4. 3. 2008.
Frank-Uwe Betz: Denkmalpfleger und Buchautor. Vor 70 Jahren verstorben: Ein Rückblick auf das Leben und Wirken des Schwetzinger Ehrenbürgers Dr. Fritz Hirsch, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 17. 7. 2008.
Frank-Uwe Betz: Schwetzinger Stadtwanderungen. Führungen zu Leben und Leiden in der kurfürstlichen Residenz, Hg. ver.di Rhein-Neckar, Mannheim 2008.  64 S.  
Frank-Uwe Betz: ´Wir waren unschuldig, wir waren Kinder´, Eindrucksvolle Demonstration des Gedenkens an die Deportation nach Gurs/Vor 70 Jahren wurden die letzten noch hier lebenden Jüdinnen verschleppt, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 25. 10. 2010.
Frank-Uwe Betz: Der Familie und den Freunden ganz entrissen. Zeitzeugengespräch: Ruth Gogol erinnert sich anlässlich ihres Besuches in Schwetzingen an die furchtbaren Tage des Nationalsozialismus und die Leiden ihrer Familie, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 28. 10. 2010.
Frank-Uwe Betz: Spargel und junge Schwäne für Streicher. Aufarbeitung der Nazi-Zeit: Wie Anzeigen und Artikel der Schwetzinger Zeitung den Nazis missfielen / Nach der Arisierung wurde dem 'Stürmer'-Chef Spargel überreicht, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 25. 6. 2011.
Frank-Uwe Betz: Die Ohlhausen-Story (Teile 1-4): Der Aufstieg der Firma 'Ohlhausen & Söhne' - Wie eine jüdische Familie in Schwetzingen in der Nazizeit um ihren Besitz gebracht wurde und ausgebürgert wurde / Eine Dokumentation in vier Folgen, in: 'Schwetzinger Zeitung' v. 13.-16. 9. 2011.    
Frank-Uwe Betz: Transkription von: Simon Eichstetter: Geschichte und Familienbuch der jüdischen Gemeinde in Schwetzingen (18. Jh. - 1927)
v.a. das Familienbuch aktualisiert von Heinrich Bloch (1928-1938. 
Digitalisate des Hauptstaatsarchivs Stuttgart. Link zur eingestellten pdf-Datei    .  
    
Vom Arbeitskreis "Freundliches Schwetzingen - Verein für regionale Zeitgeschichte e.V." werden regelmäßige "Geschichtliche Spaziergänge" angeboten, u.a. "Auf den Spuren nationalsozialistischer Verfolgung der Juden, politischer Gegner und der Zwangsarbeiter".  

   

2. Hinweise auf einzelne weitere Presseartikel 
November 2005: Rundgang auf den Spuren der NS-Zeit und der jüdischen Geschichte mit dem "Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen"  
Artikel von Sibylle M. Derr in der "Schwetzinger Zeitung" vom 8. November 2005 (Artikel): "Entlang der Achse der Verfolgung auf Spurensuche   Eine Stadtführung an die Orte der Opfer und Täter der NS-Zeit / Abschluss am Gedenkstein in der Zeyherstraße
Wie jedes Jahr, wenn sich der Tag der Reichsprogromnacht nähert, bietet der "Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen" (AFS) einen Stadtpaziergang zu den Orten der Opfer und Täter des Nationalsozialismus an. Wider Erwarten fanden sich bei der von Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Verdi Mannheim mitveranstalteten Führung knapp zwei Dutzend Menschen ein, die sich unter Anleitung von Frank-Uwe Betz vom AFS über das andere Gesicht der Stadt zur Nazi-Zeit informieren wollten..."     
   
Oktober 2010: Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Deportation nach Gurs   
Artikel im morgenweb.de (bzw. lokale Ausgabe: "Schwetzinger Zeitung") vom 19. Oktober 2010 (Artikel): 
"Gedenkveranstaltung: Stadt, Schulen und das "Theater am Puls" laden am Freitag zu einem Gedenkgang ein. 
Erinnerung an Deportation nach Gurs

Am 22. Oktober 2010 jährt sich die Deportation der badischen Jüdinnen und Juden nach Gurs zum 70. Mal. Aus diesem Anlass hat die Stadt in Zusammenarbeit mit Schuldekan i.R. Kurt Glöckler, Dekan i.R. Werner Schellenberg, den Schwetzinger Schulen und dem "Theater am Puls" eine öffentliche Gedenkveranstaltung unter dem Motto "Mit Gedächtnis in die Zukunft" gestaltet..."  
    
Dezember 2010: 2011 soll ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet werden      
Artikel von Volker Widdrat in der "Schwetzinger Zeitung" vom 2. Dezember 2010 (Artikel): 
"Gedenken: Stadt stellt bei Informationsveranstaltung im Palais Hirsch vier Vorschläge vor, wie an NS-Opfer erinnert werden könnte. OB soll Mahnmal im Blick haben..."     
 
seit Januar 2011: Diskussion um die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Schwetzingen  
vgl. die Informationen auf der Website des Künstlers Michael Deiml: insbesondere: 
Einführende Seite und Konzeption der Gedenkstätte 
 
27. Januar 2013: Einweihung der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus   
Am Holocaust-Gedenktag, 27. Januar 2013 wurde eine neue Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus - "Spiegel der Geschichte" -  auf dem Platz zwischen Rathaus und "Hotel Adler Post" eingeweiht. An dieser Stelle stand ehemals das Wohnhaus der beiden jüdischen Familien Levi. An dem im Blick auf die neue Gedenkstätte ausgeschriebenen Wettbewerb hatten sch 72 Künstler beteiligt. Den 1. Preis erhielt Architekt Matthias Braun. Die Gedenkstätte besteht aus einer Gruppe von vier lebensgroßen Menschensilhouetten, die eine Familie darstellen. Die Figuren stehen symbolisch für die Opfer des Nationalsozialismus in Schwetzingen. Die Silhouetten sind aus spiegelpoliertem Edelstahl gearbeitet. Vor den Figuren befindet sich ein Hinweisschild aus Edelstahl, auf dem sich die Gedenkinschrift befindet: "Im Gedenken an die Schwetzinger Opfer des Nationalsozialismus und zur Mahnung an die Wahrung der Demokratie, der Menschenrechte und der Grundrechte. Für die Schwetzinger Bürgerschaft -. Der Gemeinderat und der Oberbürgermeisters am 27. Januar 2013". Auf den Spuren spiegeln sich die Details der Umgebung wider, also Schwetzingen, wo das Unrecht geschehen ist. Zugleich erkennt der Betrachter auch sein Spiegelbild auf der Figuren. Der Betrachter fragt sich, ob nicht auch er hätte damals ein Opfer des Unrechts sein können. Somit wird ein Bezug zwischen Betrachter, Denkmal und Umgebung hergestellt.    
   

Fotos vom Tag der Einweihung 
(Fotos: Michael Ohmsen, 
vgl. Website von M. Ohmsen mit Seiten zu Schwetzingen)   

   
Schwetzingen Gedenkstaette 201307.jpg (185044 Byte) Schwetzingen Gedenkstaette 201308.jpg (193857 Byte) Schwetzingen Gedenkstaette 201309.jpg (215856 Byte) Schwetzingen Gedenkstaette 201303.jpg (252583 Byte)
       
Schwetzingen Gedenkstaette 201304.jpg (124774 Byte) Schwetzingen Gedenkstaette 201305.jpg (350593 Byte) Schwetzingen Gedenkstaette 201306.jpg (300336 Byte)  
 
November 2016: Geschichtlicher Spaziergang "Verfolgte - Widerständige - Ausgebeutete zur Nazizeit in Schwetzingen"  
Zum Geschichtlichen Spaziergang am 5. November 2016 ist eine pdf-Datei eingestellt: Nähere Informationen zum Geschichtlichen Spaziergang.    
 
Juni 2018: Jüdische Familie erhält Buch zurück   
Artikel von Stefan Kern in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 29. Juni 2018: "Schwetzingen. Jüdische Familie erhält Buch zurück. Es gehörte einer Schwetzinger Jüdin, die in Auschwitz ermordet wurde - Das Werk wurde im städtischen Museum entdeckt
Schwetzingen.
Auf den ersten Blick ist es nur ein Buch. 'Die fünf Bücher Moses', 524 Seiten stark und 1936 in sechster Auflage erschienen. Doch mit diesen dürren Daten kann man die Bedeutung dieses Buches nicht erfassen. Ist dieses Werk doch auf das engste mit 80 Jahren jüdisch-deutscher Geschichte verbunden. Seit 1936 im Besitz von Theresa Bermann ist das Werk während der Deportationen aller Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland ins südfranzösische Gurs 1940 in Schwetzingen zurückgeblieben. Dass dieses Buch - gefunden im Bestand des Schwetzinger Museums - vor wenigen Tagen den Nachfahren der Familie in Israel übergeben werden kann, ist für Oberbürgermeister René Pöltl und Museumsleiter Lars Maurer genau wie für Kurt Glöckler, 'ein Gänsehautereignis'. Glöckler, der sich seit vielen Jahren für die deutsch-israelische Freundschaft einsetzt, stieß vor zwei Jahren im Rahmen seiner Arbeit für die Ausstellung 'Simon Eichstetter (1865 bis 1927) - Jüdisches Leben in Schwetzingen" auf dieses Buch. Ihm fiel eine persönliche Widmung auf, die sowohl auf die Empfängerin als auch die Geberin hinweist und sogar Ort, Jahr und Monat nennt. Im Oktober 1936 bekam Theresa Bermann das Buch von einer gewissen Johanna Wallach in Gailingen geschenkt. Von Letzterer wisse man derzeit leider noch nichts, so Glöckler. Aber Theresa Bermann ist die Tochter von Frieda und Jakob Bermann aus Schwetzingen. 'Theresa, 1911 geboren, wuchs hier auf und besuchte die Volksschule." Anschließend hatte sie in Baden verschiedene Anstellungen. Unter anderem von 1933 bis 1939 bei einer Familie in Gailingen als Köchin und Haushaltshilfe.
Hier muss sie als 25-Jährige Johanna Wallach begegnet sein, die sich wohl gemüßigt fühlte, Theresa das Buch "Fünf Bücher Moses" zu schenken. 1939 nahm Theresa das Buch mit nach Schwetzingen, wo es nach der Deportation Theresas, zweier Schwestern und ihrer Mutter zurückblieb. Theresa und ihrer Mutter wurden im August 1942 in Auschwitz ermordet. Die Schwester Paula wurde mit ihrem Mann und ihrer einjährigen Tochter Eva in einem Vernichtungslager bei Lublin ermordet, und der Bruder Max starb als Zwangsarbeiter in Posen.
Nur der Schwester Ruth gelang die Flucht aus dem Lager Gurs. Sie überlebte das Terrorregime der Nationalsozialisten versteckt in Südfrankreich. Dort traf sie Shmuel Gogol aus Warschau, wanderte mit ihm nach Israel aus und gründete eine Familie. Sie starb vor zwei Jahren. Aber ihr Sohn Danny Gogol lebt, und zu ihm und seiner Familie kehrt dieses Buch nun nach 78 Jahren zurück. Das Buch, eine Art Zeugnis dunkelster und unmenschlichster Stunden in Deutschland, verwandelt sich mit dieser Rückkehr zu einem Symbol der Menschlichkeit. Für den Oberbürgermeister gerade jetzt ein wichtiges Ereignis. Nicht nur wegen der Lage in Nahost, sondern auch, weil die Stadt gerade versucht, einen Jugendaustausch mit Israel auf die Beine zu stellen. Am 1. Juli reist Stadtchef René Pöltl mit einer zwölfköpfigen städtischen Delegation nach Israel. Es sei wichtig, miteinander und nicht nur übereinander zu reden. Dabei ist dieses Buch keine große Sache. Aber symbolisch, so der Oberbürgermeister, sei es von fundamentalem Wert. Den Transport übernimmt übrigens das Ehepaar Ulrike und Albrecht Lohrbächer, die im Rahmen einer Israelreise Danny Gogol und seine Familie besuchen. Der frühere Religionslehrer am Hebel-Gymnasium gehört genau wie Glöckler zu der Gruppe von Menschen, die die Aussöhnung mit den Juden nach 1945 früh vorantrieben. Eine anständige Zukunft, so die Überzeugung der beiden, gelinge nur miteinander und niemals gegeneinander. Mit der Familie Gogol verbindet die Lohrbächer seit langem ein Band der Freundschaft. Ein Band, so hofft Pöltl, das in Zukunft noch weit umfassender geknüpft wird." 
Link zum Artikel 
 

   
    

Links und Literatur 

Links: 

bulletWebsite der Stadt Schwetzingen (beim 'virtuellen Stadtrundgang' wird auch auf die alte Synagoge in der Invalidengasse und den Betsaal mit Gedenktafel am Schloss hingewiesen) 
bulletStudienarbeit: Plan für ein jüdisches Gemeindezentrum in Schwetzingen  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Dokumente der jüdischen Gemeinde Schwetzingen 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart bzw. Staatsarchiv) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Schwetzingen sind keine Personenstandsregister vorhanden; eingestellt ist:    
J 386 Bü. 517 Schwetzingen: 'Geschichte der Juden von Schwetzingen' von Simon Eichstetter (Original-Manuskript)  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446737   
  
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (hier: Generallandesarchiv Karlsruhe) sind weitere Familienregister aus badischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Amtsgerichtsbezirken) https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=12390  (Schwetzingen gehörte zu Amtsgerichtsbezirk Schwetzingen):
Zu Schwetzingen ist vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
390 Nr. 4625: Schwetzingen, evangelische (lutherisch, reformiert), katholische und israelitische Gemeinde: Geburtenbuch 1803-1821 (Enthält auch: Einträge von Brühl, Hockenheim, Oftersheim, Plankstadt und Reilingen sowie Eppelheim [Jahre 1803-1809]): http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223541  
390 Nr. 4626: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Geburtenbuch 1822-1837: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223542
390 Nr. 4627: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Geburtenbuch 1838-1847: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223543 
390 Nr. 4628: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Geburtenbuch 1848-1858: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223544
390 Nr. 4629: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Geburtenbuch 1859-1869: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223545
390 Nr. 4630: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Heiratsbuch 1803-1844 (Enthält auch: Einträge von Brühl, Hockenheim, Oftersheim, Plankstadt und Reilingen sowie Eppelheim [Jahre 1803-1809]): http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223546 
390 Nr. 4631: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Heiratsbuch 1845-1869: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223547 
390 Nr. 4632: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Sterbebuch 1803-1824 (Enthält auch: Einträge von Brühl, Hockenheim, Oftersheim, Plankstadt und Reilingen sowie Eppelheim [Jahre 1803-1809]: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223548 
390 Nr. 4633: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Sterbebuch 1825-1841: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223549 
390 Nr. 4634: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Sterbebuch 1842-1854: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223550 
390 Nr. 4635: Schwetzingen, evangelische (luth., ref.), katholische und israelitische Gemeinde: Sterbebuch 1855-1869: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1223551.

Literatur: 

bulletSimon Eichstetter: Geschichte und Familienbuch der jüdischen Gemeinde in Schwetzingen (18. Jh. - 1927)
v.a. das Familienbuch aktualisiert von Heinrich Bloch (1928-1938. 
Digitalisate des Hauptstaatsarchivs Stuttgart. Transkription (2013) Frank-Uwe Betz      Link zur eingestellten pdf-Datei               
bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 257-259. 
bulletAlbrecht Lohrbächer/Michael Rittmann: Sie gehörten zu uns – Geschichte und Schicksal der Schwetzinger Juden. Schriftenreihe des Stadtarchivs Schwetzingen Bd. 7. Schwetzingen 1978.  
bulletJoseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 499-502.  
bulletsynagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: 'Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...'. Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
bulletSchwetzingen Lit 2016.jpg (57367 Byte) Frank-Uwe Betz: Verfolgte - Widerständige - Ausgebeutete. Über die Nazizeit in der Region Schwetzingen - Hockenheim. Hrsg. vom Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen - Verein für regionale Zeitgeschichte. Taschenbuch 176 S. Verlag Regionalkultur 2015. ISBN 978-3897359246. € 13.90.  Zum Inhalt: Marie Schäfer aus Schwetzingen äußerte sich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs couragiert gegen 'Führer' und Krieg, wurde denunziert und von den Nazis in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Es sind Fälle wie dieser, die das konkrete Funktionieren des NS-Regimes und Formen der Verfolgung exemplarisch verdeutlichen. Auch aus Schwetzingen, Hockenheim und den Gemeinden im Umland ist so von Mutigen zu berichten, die politischen Widerstand leisteten, sich widerständig und solidarisch verhielten.
Doch mehr noch ist auf das Leiden vieler Opfer der Nazis einzugehen. So geht es um die jüdischen Familien Adelsberger, Stern, Ohlhausen, die Eigentümer der Schwetzinger Zeitung, Moch, um 'Gemeinschaftsfremde', 'Euthanasie'-Opfer und die Ausbeutung von Zwangsarbeiter/innen auch in den Orten der Region.
Über fünfzig fundierte Beiträge über Gegebenheiten und Folgen des NS-Regimes 'vor Ort' werden nun in diesem Buch dargelegt. Die meisten davon basieren auf Artikeln von Frank-Uwe Betz, die er in den vergangenen über zehn Jahren in der 'Schwetzinger Zeitung' veröffentlichte, einige auf Zeitzeugen-Interviews mit jüdischen Verfolgten. Sie erhellen viele, oft lange verschwiegene Aspekte der NS-Stadt- und Ortsgeschichten.  
bulletKurt Glöckler: Sie hat ihr Leben, aber niemals ihre Würde verloren. Artikel über Flora Vogel und die Postkarten, die sie aus dem Lager Gurs geschrieben hat. Erschien in der 'Schwetzinger Zeitung' vom 27. Oktober 2016: eingestellt als pdf-Datei
Dazu eingestellt: Textübertragung der Postkarten von Flora Vogel von Frank-Uwe Betz (pdf-Datei).   
bulletSchwetzingen Lit 030.jpg (57076 Byte)Simon Eichstetter: Geschichte und Familienbuch der jüdischen Gemeinde von Schwetzingen. Transkription und Einführung von Frank-Uwe Betz. Hrsg. vom Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen und Frank-Uwe Betz.
112 S. mit 37 Abb. und zahlreichen Tabellen, Broschur. Verlag Regional-Kultur Heidelberg - Ubstadt-Weiher - Neustadt a.d.W. usw.  2017.  ISBN 978-3-95505-020-7. 14,90 €. 
Informationen auf Verlagsseite: http://verlag-regionalkultur.de/detail/index/sArticle/995/sCategory/21    
Zum Inhalt: Es ist wohl eine Ironie der Geschichte, dass das einzige schriftliche Zeugnis der jüdischen Gemeinde Schwetzingens nur deshalb überliefert ist, weil die Nationalsozialisten es noch 1945 reproduzieren ließen. Während das von ihnen geraubte Original nach wie vor verschollen ist, liegt der gesamte Text dank der akribischen Arbeit von Frank-Uwe Betz mit dieser Ausgabe erstmals in gedruckter Form vor.
Es handelt sich dabei um handschriftliche Aufzeichnungen über die Geschichte dieser Gemeinde, die ihr Religionslehrer und spätere Hauptlehrer, Simon Eichstetter (1865–1927), hauptsächlich im Jahr 1901 verfasste. Zusätzlich hat er das dazu gehörende Familienbuch angelegt. Die Texte, zu denen auch eine kurze Geschichte Schwetzingens gehört, wurden ab 1928 von Eichstetters Nachfolger im Amt, Henri Bloch, fortgeschrieben.
Die vorliegende Transkription vermittelt somit einen authentischen Einblick in das Leben der aktiven Schwetzinger jüdischen Gemeinde und zeichnet ein bleibendes Bild ihrer Mitglieder und Einrichtungen. Sie wird ergänzt durch eine Einführung, die auf die nazistische Zerstörung dieser jüdischen Gemeinde, auf das Buch und seinen Verfasser, auf Gurs sowie auf den Umgang mit der NS-Vergangenheit und den jüdischen Opfern vor Ort eingeht.   
bulletZusammenstellung: Bibliographie (Beiträge und Artikel) von Frank-Uwe Betz: Übersicht eingestellt als pdf-Datei (Stand: Januar 2021).    
bullet Simon Eichstetter: Heimatskunde für den Amtsbezirk Schwetzingen. Hrsg. von Frank-Uwe Betz/AFS e.V. (Hrsg.): Neubearbeitung des Texts von Carl Haußer: Der Amtsbezirk Schwetzingen. Mit einem Kärtchen des Amtsbezirks und einem Plan der Stadt Schwetzingen. Schwetzingen 2021. 
bulletSchwetzingen. Geschichte(n) einer Stadt. Band 2. Hrsg. von der Stadt Schwetzingen. Schwetzinger Historische Schriften, Bd. 2.  464 S. mit 370, meist farbigen Abb., fester Leinen-Einband im Schutzumschlag. ISBN 978-3-89735-985-7. EUR 29,80. Verlag Regionalkultur Ubstadt-Weiher 2018. Darin: Kurt Glöckler. Geschichte der Juden in Schwetzingen. S. 70-85.   

      
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Schwetzingen Baden.  The first Jews settled under the letter of protection given by Count Johann Wilhelm in 1698 to 125 Jewish families in the Palatinate. In 1795, the Court Jew and army supplier Raphael Lazarus Traumann, representing the wellknown Kaulla family, settled in Schwetzingen and became active in the local economy, with his descendants remaining a dominant force in community and commercial life up through the 20th century. The Jewish population grew to 119 in 1880 (total 4,640). In 1867, Karl Traumann served as commissioner of police. Antisemitism intensified in the Weimar period, with the Jewish cemetery (opened in 1893) desecrated many times, but a liberal reaction was also felt. In 1933, 79 Jews remained, with others subsequently arriving. Under the Nazis, the Jewish prayer hall was immediately impounded and Jewish communal prayer was thereafter confined to private homes. Most children were sent to Mannheim and Heidelberg for their schooling in the face if severe persecution in local schools. Throughout the period, 34 Jews emigrated and 53 left for other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish homes were heavily damaged and Jewish men were sent to the Dachau concentration camp and forced to sell their homes at token prices. Twenty-one Jews were left at the end of 1938. The last five Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Another 15 were deported after leaving Schwetzingen, 18 perished in the camps.  
   
    

                   
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Stand: 31. Januar 2026