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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Schwetzingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in
die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1698 Juden am Ort
genannt. 1722 gab es drei, 1743 vier jüdische Familien am Ort.
Während der Zeit Schwetzingens als kurpfälzische Residenzstadt im
18. Jahrhundert gab es auch jüdische Hoffaktoren am Ort. Der bedeutendste unter ihnen war Ende
des 18. Jahrhunderts Lazarus Raphael. Als
Hauptverpflegungslieferant des Handelshauses Kaulla verpflegte er 1795 in
umfangreicher Weise die
Mannheimer Garnison auf Vorschuss, sodass er 1797 von der Heeresverwaltung
140.000 Gulden fordern konnte. In den folgenden Jahren erwarb er sich weitere
große Verdienste in der Besorgung von Getreidevorräten für das Militär und
die Bevölkerung, sodass er aus diesem Grund am 9. November 1808 das Bürgerrecht
erhielt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner
wie folgt: 1801 fünf jüdische Familien, 1825 50 jüdische Einwohner (2,0 % von
insgesamt 2.467 Einwohnern), 1875 103 (2,4 % von insgesamt 4277), höchste Zahl
1880 mit 119 Personen (2,6 % von 4.640), danach langsamer Rückgang auf 1900 107
jüdische Einwohner (1,7 % von 6.432), 1910 80 (1,0 % von 7,844). Die
wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Einwohner waren seit Mitte des 19.
Jahrhunderts gut.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und - seit 1893 - einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An jüdischen Lehrern sind
bekannt: Josef Bamberger (Lehrer von 1811 bis 1818), Leopold Adler (1818-1824),
Gabriel Mayer (1824-1826), Gabriel Lieben (1826-1828), Moritz Heß (1828-1833),
Hermann Flehinger (1833-1841), Wolf Jakobi (1844-1847), Lazarus Bodenheimer
(1847-1849), Isack Marx (1850-1886). Die längste Zeit von 1886 bis 1927 war Simon
Eichstetter Lehrer, Vorbeter und Schochet in Schwetzingen, 1928-1939
Heinrich Bloch. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg
zugeteilt.
Um 1924, als zur Gemeinde 73 Personen gehörten (0,8 % von insgesamt
9.341), waren die Vorsteher der Gemeinde Isaak Metzger, Leopold Springer und
Zadik Mayer. Weiterhin war Hauptlehrer Simon Eichstetter als Lehrer, Vorbeter
und Schochet tätig, als Rechner wird Johann Moos genannt. Eichstetter erteilte
damals sieben jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen
bestanden: ein Männer- und Frauenverein (1924 18 beziehungsweise 10
Mitglieder unter Leitung von Ludwig Springer), ein Israelitischer
Wohltätigkeitsverein (1924 24 Mitglieder unter Leitung von Ludwig
Springer), ein Israelitischer Jugendbund (1924 unter Leitung von
Hauptlehrer Eichstetter), eine Ortsgruppe des Central-Vereins (1924 40
Mitglieder unter Leitung von Dr. Katzenstein). 1932 waren die Gemeindevorsteher
Leopold Springer (1. Vors.), Siegfried Kaufmann (2. Vors.) und Moritz Rosenfeld
(3. vors.). Als Lehrer und Kantor war als Nachfolger von Simon Eichstetter inzwischen Heinrich Bloch tätig. Er
erteilte im Schuljahr 1931/32 14 Kindern den Religionsunterricht.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Dienstleistungs-, Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Eigentümer sind bekannt: Maklergeschäft Max Bierig (Bruchhäuser
Straße 11), Metzgerei Nathan Frank, Inh. Peter und Berta Stein (Herzogstraße
22), Möbel- und Textilgeschäft Pinkas Gottlieb (Dreikönigsstraße 25/Ecke Kleine Planken), Möbelgeschäft Louis Hanf, Inh. Moritz Rosenfeld (Mannheimer
Straße 14), Zigarrenfabrik Hess und Monatt, Inh. Ernst Hess und Moses Monatt (Bismarckplatz), Rechtsanwalt Dr. Katzenstein
(Schlossplatz 3), Metzgerei-Bedarfsartikel Siegfried Kaufmann (Heidelberg Straße
33), Lumpensortieranstalt Heinrich Ohlhausen und Söhne (Heidelberger Straße
29), Porzellan-, Steingutwaren- und Lumpenhandlung Gebr. Springer (Heidelberger
Straße 12), Eisenwarengeschäft Edmund Vogel (Carl-Theodor-Straße 21), Textilgeschäft S. Wronker & Cie., Inh. I. Hirschfeld, später Geschw. Metzger
(Carl-Theodor-Straße 16).
1933 lebten noch 79 jüdische Personen in der Stadt. Auf Grund der Folgen
des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung
verließen alsbald viele von ihnen die Stadt (1.1.1935 67 jüdische Einwohner,
1.1.1938 42, 1.1.1939 12). Seit Januar 1933 gab es in Schwetzingen
den "schönsten Stürmerkasten im ganzen Reich", in dem Juden wie
"Judenknechte" angeprangert wurden. Der Herausgeber des
"Stürmers", Julius Streicher, erhielt in den Folgejahren aus Schwetzingen
in jedem Frühjahr frischen Schwetzinger Spargel und Flieder geliefert.
Streicher hielt 1936 in Schwetzingen eine Rede, zu der Tausende von Mitgliedern
der Arbeitsfront in Sonderzügen herbeigebracht wurden. Zwischen 1936 und 1938
verließen 37 bisherige jüdische Einwohner die Stadt. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Häuser der noch in der Stadt lebenden jüdischen Familien
vollständig demoliert. Die letzten fünf jüdischen Einwohner Schwetzingens
(Frieda Bermann mit ihren Töchtern Therese, Else und Ruth sowie Flora Vogel)
wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.
Von den in Schwetzingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Thekla Bär geb. Marx
(1868), Else Bermann (1919), Frieda Bermann geb. Frank (1883), Max Bermann
(1915), Paula Bermann (1921), Therese Bermann (1911), Clara Bierig geb. Springer
(1901), Theodor Frank (1882), Betty Hanf geb. Heimann (1865), Leni Jessel geb.
Nathan (1892), Marianne Sofie Katzenstein (1912), Bella Kaufmann geb.
Frank (1859), Anna Levi (1897), Klara Lichtenauer geb. Levi (1892), Gustav Mayer
(1891), Clementine Metzger (1879), Hedwig Metzger (1877), Jenny Metzger (1874),
Max Ohlhausen (1891), Joseph Seidenberger (1866), Albert Springer (1907),
Babette (Bertha) Stein geb. Frank (1895), Flora Vogel geb. Rothschild
(1878).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Auszeichnung für Lehrer Simon Eichstetter
(1902)
Anmerkung: Simon Eichstetter
(Foto links aus Lohrbächer s. Lit. S. 44) war Lehrer, Vorbeter und Schochet in
Schwetzingen von 1886 bis 1927. Er ist am 14. Mai 1865 in Gissigheim
geboren und besuchte das Lehrerseminar in Ettlingen.
1868 trat er seine erste Stelle an und wurde Religionslehrer der Gemeinde in Schwetzingen.
Gleichzeitig unterrichtete er an den beiden Schwetzinger Privatschulen, der
Höheren Töchterschule und dem Institut Marx (letzteres wurde 1895 der Höheren
Töchterschule angeschlossen). Als 1910 die Höhere Töchterschule zu einer
staatlichen Schule wurde, unterrichtete Eichstetter in ihr als Hauptlehrer, in
und nach der Zeit des Ersten Weltkrieges auch als kommissarischer Schulleiter
(bis 1921). 1923 bis 1927 unterrichtete er an der Volksschule Schwetzingen als
Hauptlehrer. Eichstetter war hoch engagiert im jüdischen Gemeindeleben wie auch
im kommunalen und allgemeinen Vereinsleben der Stadt (tätig im Vorstand
mehrerer Vereine)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1902: "Aus
Baden. Nach dem neuesten Verordnungsblatt des Großherzoglichen
Oberrates der Israeliten wurde dem Religionslehrer Simon Eichstetter in
Schwetzinger, welcher ein Familienbuch der dortigen israelitischen
Gemeinde angelegt und als Einleitung dazu die geschichtliche Entwicklung
des israelitischen Bevölkerungsteils der Stadt Schwetzingen, sowie der
Einrichtungen der israelitischen Gemeinde dargestellt hat, für diese
verdienstvolle Arbeit aus Mitteln des Weil'schen Vermächtnisses ein
Preis, bestehend in Grätz' volkstümlicher Geschichte der Juden, in drei
Prachtbänden, von der obersten jüdischen Religionsbehörde Badens,
verliehen." |
Zum Tod von Lehrer Simon Eichstetter (1927)
Anmerkung: ein Artikel zu seinem Tod konnte
in jüdischen Periodika (u.a. im "Israelit") noch nicht gefunden
werden.
Aus einem Nachruf in der "Schwetzinger Zeitung" vom 17. Juni
1927: "Der Tod dieses sympathischen Lehrers und Erziehers, der so
vielseitig ohne großen Aufhebens in der Öffentlichkeit wirkte, reißt
eine Lücke in die Reihe der Persönlichkeiten unserer Stadt. Herr
Eichstetter war eine von der stillen Seite des Lebens. Immer
liebenswürdig, immer hilfsbereit, immer pflichtbewusst und voll redlichen
Arbeitseifers, so steht das Bild des Verstorbenen vor uns. Er hatte viele
Freunde in allen Schichten der Bevölkerung. Alle, die ihn kannten,
betrauern seinen frühen Heimgang." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Feier des Geburtstages des Großherzogs in der
Synagoge in Schwetzingen (1839)
Anmerkung: als damaliger Lehrer wird Hermann (Hirsch) Flehinger
genannt, Lehrer in Schwetzingen von 1833 bis 1841.
Artikel
in den "Israelitischen Annalen" vom 27. September 1839: "Schwetzingen,
30. August (1839). Die Feier des hohen Geburtstages unseres viel geliebten
Großherzogs beschränkte sich bei den Israeliten Badens bis jetzt nur auf
die Synagogen eines jeden Rabbinatssitzes, während die Israeliten der
Dorfgemeinden ihre Gefühle für unseren väterlichen Landesherrn an
diesem Tage nicht wie ihre christlichen Mitbürger durch würdige Feier
dartun konnten.
Diesem Mangel abzuhelfen, hat unser allgemein verehrter Geistlicher, Herr
Bezirksrabbiner Fürst von Heidelberg, angeordnet, dass alljährlich
außer zu Heidelberg, die Feier des allerhöchsten Geburtstages auch in
einer anderen Synagoge des Rabbinats stattfinden solle, wobei die
israelitische Schuljugend des ganzen Amtsbezirks die Feierlichkeit durch
passende Choralgesänge zu heben habe, und für die diesjährige Feier
ward die Synagoge dahier bestimmt.
Diese Feier fand nun gestern in der hierzu mit Blumengewinden festlich
ausgeschmückten Synagoge morgens um 10 Uhr statt.
Zuerst sang die Schuljugend der Gemeinden Schwetzingen, Reilingen und
Hockenheim, unterrichtet von den, wie im Übrigen, so auch im
Gesangsunterricht tüchtigen Lehrers Bessels, Flehinger und Marx die von
den Rabbinen angegebenen Psalmen 21. 45. 61. 63. 72 und einige von eben
demselben bezeichnete Lieder in deutscher Sprache. Hierauf folgte ein
angemessenes Gebet, und eine sehr gehaltvolle Rede des Herrn
Bezirksrabbiners Fürst, worin derselbe mit eindringlichen Worten die
Gemeinde (es wird an diesem Tage auch der Eid der Treue geschworen) zur
Ergebenheit, Liebe und Anhänglichkeit aufforderte, die wir der hohen
Milde, Weisheit und Gerechtigkeit unseres teuern Landesvaters schuldig
seien, die Anhänglichkeit an unser viel geliebtes Vaterland an das Herz
legte und den Segen des Himmels für Fürst und Vaterland erflehte. Der
hieraus den Beschluss machende Choralgesang der Schuljugend gereichte,
teils wegen der guten Auswahl der Gesänge, dem Herrn Rabbiner, welcher
die Feierlichkeit leitete, teils wegen der sehr fleißigen Einübung, den
erwähnten Lehrern zur großen Ehre bei der ganzen Versammlung, welche
nicht nur aus Synagogenräten und israelitischen Bürgern des Bezirks
bestand, sondern welcher auch die Geistlichkeit, löblicher Gemeinderat,
sämtliche Amtspersonen und viele christliche Bürger
beiwohnten." |
Feierlicher Empfang des badischen Großherzogs in
Schwetzingen (1860)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1860:
"Schwetzingen, im Juni. Als jüngst Seine Königliche Hoheit, der
Großherzog von Baden, Schwetzingen und seinen weltberühmten Garten von
Mannheim aus besuchte, wurde Höchstderselbe bei einer dort errichteten
Ehrenpforte von der Gemeinde- und Staatsbehörde aufs freudigste
empfangen. Drei festlich gekleidete Jungfrauen überreichten ein Gedicht
und einen Blumenstrauß. Jene drei Mädchen wurden absichtlich von der
Gemeindebehörde aus den drei Bekenntnissen: Israeliten, Katholiken und
Protestanten, gewählt, um damit faktisch zu beweisen, wie in dieser Stadt
jedes Vorurteil längst verschwunden sei." |
Austritt zweier Familien aus der jüdischen Gemeinde
(1936)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1936: "Mannheim.
Das 'Israelitische Gemeindeblatt' in Mannheim vermerkt die Namen von zwei
Familien mit insgesamt acht Personen, die aus der israelitischen Gemeinde
in Schwetzingen ausgetreten sind." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Danksagung der Angehörigen nach dem Tod des Kaufmanns
Joseph Friedlieb aus Mitau in Schwetzingen (1837)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. März 1838:
"Danksagung. Der am 23. Oktober vorigen Jahres im 32. Jahre
seines Lebens zu Schwetzingen bei Heidelberg erfolgte Tod unseres innigst geliebten
Mannes, Vaters und Bruders, des Kaufmanns Joseph Friedlieb legt uns die
traurige, aber heilige Pflicht auf, allen denen, die dem in der Blüte
seiner Jahre Verstorbenen seine körperlichen Schmerzen, von denen er in
einem milderen Klima geheilt zu werden hoffte, durch Pflege und liebevolle
Teilnahme lindern halten, sowie denen, die ihm am Beerdigungstage die
letzte Ehre erwiesen, besonders Seiner Hochwürden dem großherzoglich
badischen Bezirksrabbinen Salomon Fürst zu Heidelberg, der an der
Grabesstätte eine tief ergreifende, den Hingeschiedenen ehrende und die
Hinterbliebenen tröstende Leichenrede hielt, und dem Herrn Abraham
Seidenberger zu Schwetzingen, in dessen Hause der Verewigte lebte und
starb, unsern herzlichsten gerührtesten Dank hierdurch öffentlich
abzustatten. Möge ihnen der allbarmherzige himmlische Vater ihre edlen
Bemühungen reichlich belohnen und sie in das Buch des Lebens und der
wahren Glückseligkeit einschreiben, uns aber den unersetzlichen harten
Verlust mit Geduld und Ergebung in seinen heiligen Willen ertragen helfen.
Mitau, im Januar 1838. Die hinterbliebene Witwe Adelhaide Friedlieb geb.
Stillbach, nebst ihren beiden unmündigen Kindern und der Bruder des
Verblichenen, Samuel Friedlieb, zugleich im Namen der übrigen
Verwandten." |
Sophie Springer feiert ihren 70. Geburtstag
(1937)
Anmerkung: Sophie Springer geb. Strauss ist am 30. Mai 1867 in Binau
geboren. Sie war mit dem Kaufmann Leopold Springer verheiratet; dieser war über
30 Jahre im Synagogenrat der jüdischen Gemeinde Schwetzingen. Am 10. November
1938 wurde die Wohnung der Familie in der Bruchhäuser Straße 11 verwüstet,
Leopold Springer inhaftiert und in das KZ Dachau verschleppt. Am 28. März 1939 konnte Ehepaar Springer in die
USA emigrieren, wo Leopold Springer 1947 verstarb. .
Mitteilung in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 27. Mai 1937: "Frau Sophie Springer
(Schwetzingen) vollendet am 30. Mai ihr 70. Lebensjahr." |
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Links:
Leopold Springer und seine Frau Sophie geb. Strauss 1939 in Rotterdam kurz
vor der erzwungenen Ausreise in das Exil (USA); Foto aus Lohrbächer s.
Lit. S. 84. |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Im 18. Jahrhundert wurden
gemeinsam mit den Juden aus Ketsch
Gottesdienste in jüdischen Häusern Schwetzingens gefeiert. Zeitweise besuchten
die Schwetzinger Juden auch die Gottesdienste in Ketsch.
In Schwetzingen hatten der wohlhabende David Raphael Traumann und nach ihm sein
Sohn Anselm Raphael Traumann der Gemeinde ein Zimmer in ihrem Haus als Betsaal
überlassen. Nachdem Anselm sein Haus verkauft hatte, das zudem für die
wachsende Zahl der Gemeindeglieder zu klein war, richteten am 14. Dezember 1807
fünf Schwetzinger Juden eine Eingabe an das Großherzogliche Amt Schwetzingen
und baten um Unterstützung für den Bau einer Synagoge. Das Schreiben begann
mit einem Rückblick: "Bekanntlich besaßen wir in unserer Judenschaft teils
wegen Unvermögenheit der früheren Zeiten, teils wegen Schwäche der
Familienzahl nie einen eigentümlich gemeinen Ort, allwo wir den [...]
Gottesdienst verrichteten...". Deshalb baten die Schwetzinger Juden für den Bau
einer Synagoge um Unterstützung aus den waldreichen Gemeinden der Umgebung,
weil "wir aus erörterten Gründen von allen Materialien als Holz, Steine etc.
noch alles bedürfen". Die Bitte, die das Amt Schwetzingen empfehlend an die
Ortsvorstände der umliegenden Gemeinden weiterleitete, blieb nicht ungehört.
Hockenheim war bereit, zwei Stamm Eichenholz abzugeben, Reilingen "aus Mangel an
anderem Gehölz" vier Stamm Forlenholz, Altlußheim einen Stamm Eichenholz,
Schwetzingen zwei Stamm Eichenholz und zwei Stamm Forlenholz, Neckarau einen
Stamm Eichenholz, Planstadt "ein Stämmlein" Eichenholz, Seckenheim einen Stamm
Eichenholz.
Am 15. Januar 1808 berichtete das Amt Schwetzingen den Stand der Dinge
nach Karlsruhe und setzte sich dafür ein, dass der Bau der Synagoge genehmigt
wird. Dabei konnte das Amt darauf hinweisen, dass ein Grundstück für 500
Gulden von der jüdischen Gemeinde bereits erworben sei. Auch habe die
"gering bemittelte" Ketscher Judenschaft die Schwetzinger Synagoge nötig.
Auch in Karlsruhe beurteilte man dem Synagogenbau grundsätzlich positiv und
konnte im Großherzoglich-Badischen Gemeinderats-Protokoll die Notiz festhalten,
dass seine Königliche Hoheit am Bau der Synagoge "keinen Anstand
nehmen" würde. Jedoch bat man um die Einsendung von Plänen und einen
Baukostenvoranschlag, zumal "Schwetzingen ein Residenzort sei, wo auf ein
anständiges Äußeres des Gebäudes vorzüglich Rücksicht zu nehmen sein
werde". Dabei scheint es dann freilich geblieben zu sein. Das Bauvorhaben
scheiterte damals, vermutlich aus finanziellen Gründen. So wurden die
Gottesdienste weiter in Privathäusern abgehalten.
Erst 1864 konnte eine erste "Synagoge" (Betsaal) in dem
der jüdischen Gemeinde gehörenden Haus Invalidengasse 6 eingerichtet werden.
Seitdem wurde die Invalidengasse (bis August 1934) "Synagogenstraße"
genannt.
Da dieser Betsaal in der Invalidengasse sich bei der weiter gestiegenen Zahl von
Gemeindegliedern mit der Zeit als zu klein erwies, richtete die Gemeinde 1893
ein Spendenkonto für einen Synagogenneubau ein. Doch bis 1897 kam nur eine
geringe Summe zusammen. Als an Rosch Ha-Schana (jüdisches Neujahrsfest) 1897
jedoch ein Gemeindemitglied beim Gottesdienst ohnmächtig wurde, machte man die
beengten Verhältnisse dafür verantwortlich und forderte allgemein einen größeren
Raum. Im November 1897 wurde beschlossen, die alte Synagoge abzubrechen
und eine neue Synagoge zu erbauten. Auf der Suche nach einem Raum, den man übergangsweise
als Synagoge nutzen konnte, hatte die Gemeinde alsbald Erfolg. Nachdem sich der
Synagogenrat an das Großherzogliche Oberhofmarschallamt in Karlsruhe gewandt
und darum gebeten hatte, einen Raum im Schloss zur Verfügung gestellt zu
bekommen war die Antwort der Behörde positiv; der jüdischen Gemeinde konnte
mitgeteilt werden, "dass wir
die Einräumung des ersten (Vorsaales) im rechten Zirkelhause an die
Israelitische Gemeinde zu fraglichem Zweck zunächst auf die Dauer eines Jahres
genehmigen. [...] Ein Mietzins wird nicht beansprucht".
Beschluss zum Neubau einer Synagoge (1897)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1897: "Aus
Baden. Die früher ganz kleine israelitische Gemeinde in Schwetzingen
hat durch Zuzug auswärtiger Israeliten so zugenommen, dass die seitherige
alte Synagoge, bisher zu groß, jetzt eine Vergrößerung erfahren
dürfte, zumal am jüngsten Rosch Haschana (Neujahrsfest) in Folge
der schwülen Luft, eine Frau ohnmächtig geworden ist, sodass man am
darauf folgenden Jom Kippur aus sanitären Rücksichten in einem
gemieteten Saal den Gottesdienst abzuhalten verpflichtet war. Es wurde nun
beschlossen, die alte Synagoge abzureißen und ein neues der jetzigen
Gemeinde entsprechendes Gotteshaus zu erbauen. Für diese Zwischenzeit,
Einreißen der alten und Wiederaufbau der neuen Synagoge, wurde die
Erlaubnis von hoher Stelle erteilte, dass die Abhaltung des Gottesdienstes
in einem Vorsaale des rechten Zirkelhauses im Großherzoglichen Schlosse
in Schwetzingen stattfinden dürfe. Das Schloss befindet sich am Eingang
des weltberühmte, viel besuchten Schwetzinger Schlossgartens. Solche
hochherzigen Handlungen dürften der Mit- und Nachwelt nicht vorenthalten
werden, weshalb ich deren Mitteilung den Lesern dieses geschätzten
Blattes widme. W." |
Der israelitische
Frauen- und der Männerverein übernahmen die Kosten der Einrichtung, insgesamt
1.470 RM, eine hohe Summe für die Verhältnisse der Schwetzinger Juden. Am 22.
Januar 1898 wurde die - zunächst nur als Provisorium gedachte - Synagoge feierlich eingeweiht. Lehrer Simon
Eichstetter hielt die Festansprache. Mehrmals bekam die Synagoge hohen Besuch,
wie Lehrer Eichstetter in einem Rückblick 1901 berichtete: "Schon einige Male
wurde unsere Synagoge durch den Besuch der Allerhöchsten Herrschaften, Großherzog
Friedrich und Großherzogin Luise, beehrt. Am 16. Mai 1901 durchschritt Großherzog
Friedrich anlässlich eines hier abgehaltenen Wohltätigkeitsfestes die
Synagoge, welche festlich dekoriert war".
Doch war dieser Betsaal im ersten Vorsaal des rechten
Zirkelhauses nicht von Dauer. Bereits am 11. Juli 1901 erhielt der
Synagogenrat ein Schreiben der Schlossverwaltung, in dem darum gebeten wurde, in
den seitherigen Militär-Vereins-Saal im Schloss (dritter Saal im nördlichen
Zirkel, Eingang von der Zeyherstraße her) umzuziehen. Das dahinter stehende
Problem war, dass der bisherige Betsaal nur durch den Haupteingang des
Schlossgartens erreicht werden konnte, was zu den Gottesdienstzeiten von fremden
Personen dazu benutzt wurde, um unerlaubt in den Schlossgarten einzudringen.
Daher wollte man einen Saal zur Verfügung stellen, der über einen
Seiteneingang erreichbar war. Für den neuen Betsaal wurde ein Mietvertrag
abgeschlossen. Jährlich waren dafür 200 RM zuzüglich 10 RM für ein daneben
liegendes Gartenstück zu bezahlen.
Bis 1914 konnte dieser
Raum genutzt werden. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde in den Zirkelräumen
des Schlosses ein Lazarett eingerichtet. Die jüdische Gemeinde fand eine neue
Bleibe in einem Wirtschaftssaal, der allerdings erst hergerichtet werden musste.
In der Zwischenzeit stellt das Gemeindeglied Zigarrenfabrikant Moses Monatt
einen Raum in seiner neuerrichteten Zigarrenfabrik am Bismarckplatz zur Verfügung.
1917 konnte die Gemeinde in den Zirkelsaal zurückkehren. Übrigens
sammelte die Gemeinde weiterhin Beiträge für den 1893 eingerichteten
Synagogenbaufonds. Man hatte sich von den Plänen für eine Synagoge in
Schwetzingen noch nicht verabschiedet.
1933 begann die jüdische Gemeinde den Machtwechsel
sofort zu spüren. Die NS-Partei sorgte dafür, dass der Betsaal im Schloss
bereits im Frühjahr 1933 geräumt werden musste. Die SA wollte den Raum für
sich haben und den Platz davor als Antreteplatz benutzen. Der jüdische Lehrer
Heinrich Bloch konnte gemeinsam mit einem christlichen Jungen gerade noch die
Kultgegenstände aus dem Raum retten. Die gesamte Einrichtung musste zurückgelassen
werden. Der jüdischen Gemeinde wurde für einige Zeit die Kirche der
Alt-Katholiken (im Ehrenhof des Schlosses) als Betsaal zugewiesen. Auf Ende Juli
1933 musste auch dieser Raum geräumt werden.
Über die Hohen Feiertage im Herbst 1933 konnte man die Gottesdienste im
Haus des Siegfried Kaufmann (Heidelberger Straße 33) abhalten. Zum Laubhüttenfest
1933 wurden zwei Zimmer im Haus des Kaufmanns Pinkas Gottlieb gemietet
(Mannheimer Straße 41/Kleine Planken) und darin bis 1936 Gottesdienste
gefeiert. Seitdem Pinkas Gottlieb 1936 sein Haus verkauft hatte, wurde der
Betsaal in das Haus der Gebr. Springer (Heidelberger Straße 12, 1. Stock)
verlegt.
Beim Novemberpogrom 1938 drangen SA-Männer
gewaltsam in den Betsaal in der Heidelberger Straße 12 ein. Das Klavier wurde
zertrümmert, die Torarollen, Gebetbücher und andere Kultgegenstände wurden
teilweise beschädigt und zerstört, teilweise durch das Fenster auf die Straße
geworfen. Nach Abschluss des Zerstörungswerkes wurden die Trümmer auf der Straße
zur Straßenkreuzung Heidelberger Straße/Mühlenstraße getragen, dort
aufgeschichtet und angezündet. Die Torarollen gingen dabei in Flammen auf. Der
Rest einer angebrannten Torarolle und einige Gebetbücher blieben erhalten und
werden von der Stadtverwaltung verwahrt.
Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde befindet sich seit
1978 ein Gedenkstein vor
dem ehemaligen Synagogenraum am Schloss (Zeyherstraße). An dem Gebäude der
alten Synagoge ist seit einigen Jahren eine ausführliche Tafel zur Geschichte
der jüdischen Betsäle in Schwetzingen angebracht.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica",
E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
1. Die Synagoge von 1864 bis 1897:
Fotos um 1985
(Foto: Hahn; Farbfoto vom Oktober 1988) |
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Von 1864 bis 1897 war der Betsaal in diesem Gebäude
in Invalidenstraße 6 |
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Neue
Fotos
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.10.2003; Foto
links von J. Krüger, Karlsruhe, Aufnahmedatum 2004) |
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| Das Gebäude der
ehemaligen (ersten) Synagoge der jüdischen Gemeinde Schwetzingen |
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| Hinweis- und
Informationstafel am Gebäude zur Geschichte der Synagoge/Betsäle in
Schwetzingen |
2. Der Betsaal im Schwetzinger Schloss und die Gebäude, in denen noch in der
NS-Zeit Gottesdienste gefeiert wurden:
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2005:
Rundgang auf den Spuren der NS-Zeit und der
jüdischen Geschichte mit dem "Arbeitskreis Freundliches
Schwetzingen" |
Artikel von Sibylle M. Derr in der "Schwetzinger Zeitung"
vom 8. November 2005: "Entlang der Achse der Verfolgung auf Spurensuche
Eine Stadtführung an die Orte der Opfer und Täter der NS-Zeit / Abschluss am Gedenkstein in der Zeyherstraße
Wie jedes Jahr, wenn sich der Tag der Reichsprogromnacht nähert, bietet der "Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen"
(AFS) einen Stadtpaziergang zu den Orten der Opfer und Täter des Nationalsozialismus an. Wider Erwarten fanden sich bei der von Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Verdi Mannheim mitveranstalteten Führung knapp zwei Dutzend Menschen ein, die sich unter Anleitung von Frank-Uwe Betz vom AFS über das andere Gesicht der Stadt zur Nazi-Zeit informieren wollten.
Man startete am Schloss, wo der spätere Nazi-Botschafter in Paris, der 1903 in Schwetzingen geborene Otto
Abetz, die Dienstgemächer des linken Flügels bewohnte. Abetz war auch dafür verantwortlich, dass Juden ihres Kunstbesitzes beraubt wurden. 1949 wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt, aber vorzeitig wieder entlassen.
Das ehemalige Lorch'sche Haus auf dem Schlossplatz 3 überfiel ein Trupp von 15 bis 20 Mann in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die laut Schilderung der Witwe von Isaac
Lorch, die Wohnungseinrichtung innerhalb von 30 Minuten kurz und klein schlugen. Das Mobiliar und alles, was sie ergreifen konnten, warfen sie aus dem Fenster. Deren Scheiben hatten sie eingeschlagen. "Dann riefen wir die Polizei, die auch kam", erinnerte sich Fanny
Lorch, "und uns ins Rathaus brachte. Dort wurden wir vom 1. Beirat der Stadt genötigt, unser Anwesen zu verkaufen. Andernfalls", so wurde mir und meiner Tochter angedroht, "würden wir in ein KZ kommen". Die Mutter musste nach Mannheim umziehen, wo sie später starb, die Tochter wurde in Auschwitz umgebracht.
In der Forsthausstraße war eine Geschäftsstelle der NSDAP untergebracht, der in Schwetzingen 1030 Menschen angehörten und damit zehn Prozent der Bevölkerung, sowie SA und SA-Reserve. Die Sturmabteilung (SA) führte die Überfälle in der Reichskristallnacht auf jüdische Geschäfte, Wohnhäuser und Einrichtungen auf immer gleiche Weise aus: Ein Trupp von 15 bis 20 Mann drang in die Häuser ein und richtete ein Bild der Verwüstung an.
An der Ecke Clementine-Bassermann- und Friedrichstraße erinnerte der Vorstand des AFS mit Blick auf das Haus Nr. 23 in der Friedrichstraße an den Sozialdemokraten Fritz Schweiger, der mit 21 Genossen dem Widerstand angehörte und 1935 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, fragte das Ludwigsburger Gefängnis bei der Stadt an, ob er wieder nach Schwetzingen heimkehren dürfe. Doch es kam ein abschlägiger Bescheid, die Schwetzinger Bürger seien dagegen. Das Leben des sozialdemokratischen Widerstandskämpfers endete in einem österreichischen Konzentrationslager, wo er 1940 von einem SS-Mann mit einem Maschinengewehr erschossen wurde.
In der Friedrichstraße 3 wohnten Clementine und Hedwig Metzger, die in der Carl-Theodor-Straße 16 eine Filiale des Mannheimer Kaufhauses Wronker unterhielten. Die Schwestern wurden 1942 nach Gurs verschleppt und später in Auschwitz umgebracht.
Der Achse der Verfolgung rechts und links der Kurfürsten- und Carl-Theodor-Straße folgend schwenkte die Gruppe in die Bahnhofsanlage ein, die ehedem "Adolf-Hitler-Anlage" hieß, eine Namensgebung, die bei den Gästen Entsetzen hervorrief. "Viel wurde verdrängt", meint Diplom-Politologe Frank-Uwe
Betz, "etwa auch, dass die Mozartstraße Joseph-Goebbels-Straße" hieß. Hier waren verschiedene Organisationen der Nazis untergebracht wie die SS-Reiterstandarde in der Nr. 6 oder die Kavalleristen in der Nr. 34.
Betz, der im Rahmen einer Studie über Zwangsarbeiter in Schwetzingen viele Informationen gesammelt hat, wies noch darauf hin, dass in Verlängerung des Bahnhofs, in der Bassermann-Fabrik russische Zwangsarbeiterinnen beschäftigt wurden.
In der Bruchhäuser Straße 4 lebte der letzte Kantor der jüdischen Gemeinde in Schwetzingen, Heinrich Bloch. Bloch, der im Elsass geboren war, konnte nach dem Überfall, seines französischen Passes habhaft werden und so "ließ man von ihm ab". Denn ausländische Juden sollten verschont bleiben. Einige Häuser weiter, in der Nummer 11, wohnte der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Leopold Springer. Er war Kaufmann, handelte mit Schrott und Altmetallen und unterhielt ein Lager in der Scheffelstraße. Ihm gelang es, nach Mannheim zu fliehen und später in die USA zu emigrieren. Auch der Zigarrenfabrikant Max Wallerstein, Eigentümer von Hess & Monatt am Bismarckplatz, konnte dem Holocaust entkommen. Er wanderte über Italien nach Amerika aus.
Nach dem Abstecher in der Oststadt ging es entlang der Achse der Verfolgung wieder zurück. In der Herzogstraße gab es eine Metzgerei mit koscherem Fleisch. Vor dem schönen sanierten Haus Heidelberger Straße 12 mit dem imposanten Mansardgiebeldach blieb die Gruppe stehen. Hier war der letzte Versammlungsraum der jüdischen Gemeinde untergebracht, nachdem ihr verboten worden war, den Betsaal im nördlichen Zirkel des Schlosses weiter zu nutzen.
Im Obergeschoss der Dreikönigstraße 6 tagte die NS-Frauenschaft, Ortsgruppe Schwetzingen. Außerdem war in dem Haus die Hauptgeschäftsstelle der DAF untergebracht. Am Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus in der Zeyherstraße, der im November 1978 eingelassen worden war, endete die knapp zwei Stunden dauernde Führung." |
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Links und Literatur
Links:
 | Website der Stadt
Schwetzingen (beim "virtuellen Stadtrundgang" wird auch
auf die alte Synagoge in der Invalidengasse und den Betsaal mit Gedenktafel am
Schloss hingewiesen) |
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 257-259. |
 | Albrecht Lohrbächer/Michael Rittmann: Sie gehörten zu uns
– Geschichte und Schicksal der Schwetzinger Juden. Schriften des
Stadtarchivs Schwetzingen 7 (1978). |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 499-502. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schwetzingen Baden. The first Jews
settled under the letter of protection given by Count Johann Wilhelm in 1698 to
125 Jewish families in the Palatinate. In 1795, the Court Jew and army supplier
Raphael Lazarus Traumann, representing the wellknown Kaulla family, settled in
Schwetzingen and became active in the local economy, with his descendants
remaining a dominant force in community and commercial life up through the 20th
century. The Jewish population grew to 119 in 1880 (total 4,640). In 1867, Karl
Traumann served as commissioner of police. Antisemitism intensified in the
Weimar period, with the Jewish cemetery (opened in 1893) desecrated many times,
but a liberal reaction was also felt. In 1933, 79 Jews remained, with others
subsequently arriving. Under the Nazis, the Jewish prayer hall was immediately
impounded and Jewish communal prayer was thereafter confined to private homes.
Most children were sent to Mannheim and Heidelberg for their schooling in the
face if severe persecution in local schools. Thoughout the period, 34 Jews
emigrated and 53 left for other German cities. On Kristallnacht (9-10
November 1938), Jewish homes were heavily damaged and Jewish men were sent to
the Dachau concentration camp and forced to sell their homes at token prices.
Twenty-one Jews were left at the end of 1938. The last five Jews were deported
to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Another 15 were deported
after leaving Schwetzingen, 18 perished in the camps.

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