|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Philippsburg (Kreis
Karlsruhe)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der früheren fürstbischöflich-speyerischen Residenz-
und Festungsstadt Philippsburg (bis 1623: Udenheim) lebten Juden bereits im Mittelalter.
In einem Verzeichnis von 1337 wird Udenheim als jüdischer Wohnort genannt.
Mit dem Ausbau der Burg Udenheim zur Reichs- und Grenzfestung im 17. Jahrhundert
hielten sich im Gefolge der Marketender zahlreiche Juden in Philippsburg auf. So
gab es nach dem (1668 erschienenen "Simplicissimus" des Hans Jakob
Christoffel von Grimmelshausen) einen Juden in Philippsburg, der für den Romanhelden Pferd und Kleidung beschaffen
musste. Über die Verdienste des Juden Vaiß von Philippsburg (vielleicht
identisch im Simplicissimus genannten Juden) berichtet Berthold Rosenthal (siehe
Artikel unten). Während
der französischen Besatzung 1644 bis 1676 gab es keine Juden in der Stadt. 1683
waren es fünf jüdische Familien, mit denen die Entstehung der neuzeitlichen
Gemeinde begann.
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Philippsburg
Sitz eines Rabbiners. 1721 gab es 8 jüdische Haushaltungen: Vorsteher
Leeßer sowie die Familien des Elies, Abraham, Manhell, Pohr, Coschell, Gabriell
und der Witwe Sorle. Auf Grund der Verlegung der Residenz nach Bruchsal
ging die
Zahl der Juden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nochmals zurück: 1784 war nur eine jüdische Familie
in der Stadt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1810 10 jüdische Einwohner, 1825 24 (1,8 % von insgesamt 1.301),
1832 15, 1836 30, 1839 40, 1864 63, 1871 80, 1875 79 (3,3 % von insgesamt 2.407),
1885 70, 1895 67, 1900 57
(2,2 % von 2.546), 1910 51.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden in Obergrombach, seit 1889 auf einem eigenen Friedhof
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war
(vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Unter den Lehrern ist insbesondere Moritz
Neuburger zu nennen, der von 1889 an fast 50 Jahre lang (bis 1938) als
Lehrer, Vorbeter und Schochet der jüdischen Gemeinde tätig war. 1827 wurde die
Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bruchsal zugeteilt.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Moritz Faber (geb.
16.5.1876 in Mertloch, gef. 1.7.1916), Hugo
Löb (geb. 27.4.1891 in Philippsburg, gef. 26.7.1916) und Unteroffizier Hugo
Neuburger (geb. 23.5.1897 in Philippsburg, gef. 27.3.1918). Ihre Namen wurden nachträglich 1985 auf dem
Gefallenendenkmal der Gemeinde eingetragen.
Um 1924,
als 60 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (2,2 % von insgesamt
etwa 2.800 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Samuel Gutmann, Karl
Löb II und Heinrich Löb. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war Moritz
Neuburger angestellt (bis 1938). Er unterrichtete damals fünf schulpflichtige
jüdische Kinder in Religion. Er war auch für die Filialgemeinde in Graben
zuständig. An jüdischen Vereinen bestand der Wohltätigkeitsverein Chewra
Kadischa (1924 unter Leitung von Nathan Löb mit 14 Mitgliedern). Zur
Gemeinde gehörten auch die damals sieben in Oberhausen lebenden
jüdischen Einwohner (1932 noch vier). 1932 waren die Gemeindevorsteher
weiterhin Samuel Gutmann und Karl Löb II, als 3. Vorsteher wird David Maier
genannt, als Schatzmeister Nathan Löb. Im Schuljahr 1931/32 waren drei
jüdische Kinder zu unterrichten.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
in jüdischem Besitz sind bekannt: Eisen- und Manufakturwarenhandlung Gebr. Gutmann, Inh. Mathilde Faber (Weiße-Tor-Straße
3), Mehl- und Landsproduktenhandlung Jenny Gutmann (Kronenwerkstraße 9), Landesproduktenhandlung Samuel Gutmann (Söternstraße
19), Händler Karl Herrmann (Rote-Tor-Straße 11), Viehhandlung Heinrich Löb
(Zeughausstraße 39), Zigarrenfabrik David Meier (hohe Scheune hinter
Kronenwerkstraße 3), Viehhandlung Samuel Samuel (Söternstraße 27, abgebrochen).
1933 lebten noch 50 jüdische Personen in Philippsburg. Auf Grund der
zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen
viele von ihnen in den folgenden Jahren den Ort, ein Teil konnte
emigrieren.
Von den in Philippsburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Walter Berberich (1909), Max Bierig (1893), Berta
Gutmann geb. Dreifuss (1873), Martha Gutmann (1909), Nathan
Gutmann (1865), Betty Hess geb. Loeb (1865), Henrietta Holz geb. Gutmann (1875), Paula
Kaufmann geb. Maier (1902), Sophie Levy geb. Gutmann (1872), Arthur Loeb (1889),
Barbara (Babette) Löb (1860), Flora Löb (1892),
Hilda Loeb geb. Loeb (1893), Johanna Löb (1886),
Karoline Löb geb. Löb (1886), Moritz Löb (1885), Pauline Löb
(1875), Rosa Löb (1895), Sofie (Sara) Löb geb. Levy (1882), Nanette Neuburger
geb. Holz (1867), Rebekka Neuburger (1902), Sally Neuburger (1902), Lotte Samuel (1912), Samuel Samuel (1888), Thekla Samuel geb.
Hene
(1882), Heinrich Wildmann (1888), Hugo Max Wildmann (1924), Rebekka
Wildmann geb. Neuburger (1895).
Der ehemalige jüdische Lehrer Moritz Neuburger (geb. 1869; seit 1889
Lehrer in Philippsburg) überlebte im Exil in Frankreich.
Er kehrte nach 1945 nach Heidelberg zurück und besuchte als Mitglied des
Israelitischen Oberrats öfters seinen Heimatort. Er wurde 1954 auf dem
jüdischen Friedhof als letzter
beigesetzt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1885 /
1889
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1885:
"Die mit freier Wohnung, einem festen Gehalt von 600 Mark und den
üblichen Akzidenzien im Betrage von ca. 400 Mark verbundene Stelle eines
Religionslehrers, Kantors und Schächters in Philippsburg soll baldigst
wieder besetzt werden. Verheiratete Lehrer werden bevorzugt. Mit
beglaubigten Zeugnissen versehene Meldungen sind unverzüglich an die
unterzeichnete Stelle einzusenden.
Bruchsal, 10. Februar 1887. Die Bezirkssynagoge." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1889:
"Die mit freier Wohnung, festem Gehalt von 500 Mark und
Nebeneinnahmen im Betrage von 400 Mark verbundene Stelle eines
Religionslehrers, Kantors und Schächters in Philippsburg soll baldigst,
womöglich mit einem unverheirateten, seminaristisch gebildeten Lehrer
besetzt werden. Mit derselben ist der einen Beitrag von 250 Mark
gewährende Filialdienst in Graben
verbunden. Bewerbungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift belegt,
sind an den Unterzeichneten zu richten.
Bruchsal, 27. März 1889. Die Bezirkssynagoge:
Dr. J. Eschelbacher". |
40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Moritz Neuburger
(1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1929: "Philippsburg,
8. Juli (1929). Am 15. Juli dieses Jahres kann Herr Lehrer Neuburger auf
eine 50-jährige Tätigkeit in der hiesigen Israelitischen Gemeinde
zurückblicken." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
"Während des Dreißigjährigen Krieges" - Ein Beitrag zur
Heimatgeschichte der badischen Juden. Von Berthold Rosenthal
Artikel
in der Monatsschrift des "Central-Vereins" - Februar 1926: - Auszüge,
Philippsburg betreffend zitiert -
"Im 17. Jahrhundert gab es Zeiten, wo jeder Unterschied zwischen
Juden und Christen, insbesondere die Ungleichheit ihrer Rechtslage,
aufgehört hatte. Das war während des Dreißigjährigen Krieges. In den
Ländern, in denen die Kriegsfurie wütete, war damals die Not eine
allgemeine; Jude und Christ nahmen gleichmäßig an ihr teil. Kein Wunder,
wenn alle, ohne Ausnahme, in erster Linie darauf bedacht waren, in diesem
wirren durcheinander, in einer Zeit, in der jede gesellschaftliche Ordnung
zu bestehen aufgehört hatte, ihr Leben zu erhalten und möglichst ihren
persönlichen Vorteil zu wahren. Der Wahlspruch des Bauern in
'Wallensteins Lager': 'Nehmen sie uns das Unsere in Scheffeln, Müssen
wir's wiederbekommen in Löffeln' war die allgemeine Losung und richtete
sich nicht nur gegen die herumschweifenden Soldaten und Marodeure. Es ist
eine Verkennung und Entstellung geschichtlicher Tatsachen, wenn man
einseitig die Juden während dieser Zeit selbstsüchtiger Handlungen und
unlauterer Ausnützung der allgemeinen Notlage beschuldigt.
Besonders unsere Heimat wurde zu Beginn des unseligen Krieges, am meisten
jedoch in seinen letzten Jahren schwer heimgesucht. Die beste Schilderung
kultureller Zustände jener Zeit, Grimmelshausens trefflicher
'Simplicissimus', gibt ein getreues Spiegelbild der leiblichen und
seelischen Nöte des zu Ende gehenden Krieges in unserer Heimat. Denn der
Verfasser, der in den letzten Jahren des Krieges als Soldat das badische
Land durchstreifte und nach Friedensschluss in Renchen lebte, hatte die
Verheerung mit eigenen Augen mitangesehen. An mehreren Stellen seines
Romans, der größtenteils des Dichters Erlebnisse schildert, lässt er
auch Juden auftreten. So in der Reichsfestung Philippsburg, wo ein
Jude beauftragt wird, für den ganz heruntergewirtschafteten
Simplicissimus Pferde und Kleider zu beschaffen. Die Juden mussten den
Soldaten ihre Beutestücke abkaufen und waren, um üblichen Folgen zu
entgehen, darauf bedacht, diese Gegenstände im gegnerischen Lager wieder
loszuwerden. Grimmelshausen bring hierfür folgendes Beispiel: 'Nach
Mitternacht ritten wir (mit erbeuteten Pferden) weiter und kamen gegen
Mittag an die äußersten Grenzen der Schweizer. Und dieweil wir uns
lustig machten, schickte der Wirt nach zwei Juden, die uns die Pferde
gleichsam nur um halb Geld abhandelten. Der Juden größte Frage war, ob
die Pferde kaiserisch oder schwedisch gewesen, und als sie vernahmen, dass
sie von den Weimarischen herkämen, sagten sie: 'So müssen wir solche
nicht nach Basel, sondern in das Schwabenland zu den Bayerischen reiten',
über welche große Kundschaft und Vertraulichkeit ich mich nicht wenig
verwundern musste.'
...
Damit diesem Kulturbild das Gegenstück nicht fehle, sei noch von dem Juden
Vehns (Vaiß) in Philippsburg - es mag dies der Jude von Philippsburg
sein, den Grimmelshausen im 'Simplicissimus' erwähnt - berichtet: Vehns
bat als bischöflich speyerischer Schutzjude bald nach Kriegsende den
badischen Markgrafen um Bewilligung eines Jahresgeleits im badischen
Ländchen und gab als besondere Begründung an: er sei, wie bekannt,
während des Krieges für die badischen Untertanen, die viel in
Philippsburg amtlich zu tun hatten, bei dem französischen Gubernatore und
anderen hohen Offizieren eingetreten, er habe ihnen auch mit Geld
vorgeholfen, einiges Interesse (Zins) aber daraus niemals empfangen, auch
kein begehrt. Da sein Gesuch unbeantwortet blieb, legte er das Zeugnis
einer Reihe von Gemeindeschultheißen vor, die folgendes bekundeten: Ihre
Gemeinden hätten in der Zeit, da Philippsburg von den Franzosen besetzt
war, viel unterschiedliche Lohndienste leisten müssen. Es sei
vorgekommen, dass die Kontributionen nicht pünktlich entrichtet werden
konnten, 'wodurch entweder wir oder gemeldete Bürgermeister mit Reiter
oder Musketieren abgeholt, nach besagtem Philippsburg gefänglich geführt
und daselbsten entweder arrestiert oder ins Gefängnis geführt worden
sind'. In solchen Fällen sei nun Vaiß, der der französischen Sprache
mächtig war, ihr Fürsprecher gewesen und habe ihnen alle Hilfe
geleistet. Nach Beendigung des Krieges besorgte er den Gemeinden zur
Abtragung ihrer Kriegsauflagen, in einer Zeit, wo sie 'in anderen Orten in
schneller Eil kein Geld zu entlehnen gewusst hätten', die nötige Summe.
Deshalb baten die Schultheißen von Linkenheim, Neureut, Schreck,
Hochstetten, Graben, Liedolsheim und Russheim 'für gemeldeten Fleiß des
Juden und für seine erzeugte Freundschaft' seinem Ersuchen zu
entsprechen. Trotz alledem wurde das Gesuch abgelehnt." |
Antisemitenversammlung in Philippsburg (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1891:
"Aus Baden. Es ist wirklich zu verwundern, wie die Antisemiten
überall ihr kühnes Haupt emporheben, selbst da, wo Fürst und Regierung
es offen dargetan haben, wie sehr ihnen an dem konfessionellen Frieden
gelegen ist. So hat in neuester Zeit ein Bahnassistent versucht, die Saat
der Zwietracht nach der Gemeinde Philippsburg zu säen. In einer
Hetzversammlung wurden die Juden für alles Unheil, das in der Welt
vorkommt, verantwortlich gemacht und so roh in den abschreckendsten Farben
geschildert, zum größten Erstaunen der Philippsburger, die bisher an
ihren israelitischen Mitbürgern so schlimme Eigenschaften nicht
wahrgenommen hatten. Dies ist auch der Grund, dass die Urheber der
Versammlung nur ein trauriges Fiasko machten." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Norbert Gutmann (1932)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1932:
"Philippsburg (Baden), 15. Juli. Tiefste Trauer löste innerhalb
unserer Gemeinde die Nachricht aus, dass ein Herzschlag dem Leben eines
unterer treuesten Mitglieder, Herrn Norbert Gutmann, ein jähes Ende
bereitete. Der Verstorbene, der nur ein Alter von 46 Jahren erreichte, war
Inhaber des gleichnamigen Mehl- und Landesproduktengeschäftes. Sein Tod
riss eine große Lücke in unsere Reihe. Er versah das Amt eines
Hilfsvorbeters und war einer der besten und pünktlichsten
Synagogenbesucher. An seiner Bahre entwarf Herr Lehrer Neuberger von hier
ein getreues Lebensbild des Verstorbenen. Mit beredten und tief
empfundenen Worten schilderte er dessen wahre Religiosität und sein
festes Gottvertrauen. Die Wertschätzung, die er genoss, zeigte sich dann
auch an der stattlichen Beteiligung bei der Beisetzung, die auch von
Seiten der nichtjüdischen Bevölkerung kam. - Möge Gott den
Hinterbliebenen Trost spenden und unsere kleine Gemeinde vor weiterem
Verlust bewahren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Weitere Dokumente
Brief
an Seligmann Gutmann
in Philippsburg (1867)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
 |
 |
| |
Der Brief wurde am
13. September 1867 von J. (Joel?) Wolf aus Rohrbach
bei Heidelberg
an Seligmann Gutmann in Philippsburg geschickt. |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Über Einrichtungen der jüdischen
Familien bis zum 18. Jahrhundert gibt es keine Informationen, wenngleich man in
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Anwesenheit eines Rabbiners) von einem
in der Stadt vorhandenen Betsaal ausgehen kann.
Am Anfang des 18. Jahrhunderts werden die damals
noch wenigen jüdischen Einwohner (1825 24, 1836 30, 1839 40 Personen) wiederum
einen Betsaal in einem der jüdischen Häuser eingerichtet haben. Ende
der 1830er-Jahre beschloss die langsam größer werdende jüdische Gemeinde,
eine Synagoge zu bauen. 1840 konnte man ein geeignetes Anwesen an der
Alten Kirchenstraße mit darauf stehenden Gebäuden erwerben. Es handelte sich
um ein einstockiges Wohnhaus mit einer steinernen Stallung und einer Scheune,
die bislang dem Ackermann Paul Walter und seiner Frau Anna gehörten. Den
Kaufvertrag unterzeichnete am 10. September 1840 von Seiten der jüdischen
Gemeinde deren damaliger Vorsteher Ullmann Löb. Vereinbart wurde, dass das
Ehepaar Walter auf Ostern 1841 die Scheune und auf Pfingsten 1841 das Wohnhaus räumen
sollte. Bis Ostern 1841 war auch die Bezahlung der ausgemachten Summe in Höhe
von 1.000 Gulden fällig.
Die Synagoge wurde, vermutlich bis zur Klärung der
Finanzierungsfragen und der Bauausführung sowie der jeweiligen Genehmigung
durch die Behörden erst im Jahre 1850 gebaut. Da offenbar keine Bauakten
mehr vorhanden sind, können weitere Angaben nur auf Grund von Eintragungen im
Lagerbuch der Stadt gemacht werden. 1901 standen auf dem 3,58 ar großen Grundstück
(davon 2,61 ar Hofraite und 0,97 ar Hausgarten) ein einstöckiges Wohnhaus mit
gewölbtem Keller und einer Dachwohnung, ein Anbau mit gewölbtem Keller, eine
einstöckige Synagoge und ein Badhaus. Das Wohnhaus (im Lagerbuch auch als "Schulhaus"
bezeichnet) war vermutlich das 1840 gekaufte Haus der Eheleute Walter. Es wurde
von der jüdischen Gemeinde als Schule für den Religionsunterricht der Kinder
und für die Lehrer-/Vorsängerwohnung genutzt. Bei der einstöckigen Synagoge
handelte es wahrscheinlich um einen völligen Neubau oder um den Umbau eines der
1840 erworbenen Nebengebäude. Im "Badhaus" war das rituelle Bad untergebracht.
Die Adresse des Grundstückes an der Ecke Weißetorstraße/Alte Kirchenstraße
war 1932: Alte Kirchenstraße 17.
Trotz des langsamen Rückgang der Zahl der jüdischen
Gemeindeglieder in Philippsburg (1925/33 noch 50 Personen) wurden in der
Synagoge bis 1938 Gottesdienste gefeiert, da auch die in einigen Orten der
Umgebung lebenden jüdischen Familien die Synagoge in Philippsburg besuchten
(unter anderem die die in Oberhausen, heute Oberhausen-Rheinhausen lebenden jüdischen
Familien.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde
die Synagoge von SA-Leuten aus Philippsburg und Bruchsal geplündert und angezündet.
Die Feuerwehr war anwesend, schützte aber nur die Nachbargebäude. Vermutlich
der einzige, der sich bei der Feuerwehr beschwerte, weil sie keine Anstalten zum
Löschen machte, war der frühere, 1933 von den Nationalsozialisten abgesetzte Bürgermeister
Oskar Zimmermann. Die Synagoge brannte völlig aus und blieb danach noch einige
Wochen als Ruine stehen. Mit Kaufvertrag vom 8. Februar 1939 gingen das Grundstück
und die Reste der Gebäude in den Besitz eines örtlichen Maurermeisters über.
Von Seiten der Israelitischen Gemeinde unterzeichnete dabei Vorsteher Samuel
Gutmann. Der Kaufpreis betrug 2.400 Gulden. Wenig später kam das Grundstück an die Firma
Rodi & Wienenberger (Pforzheim), die auf einem Nachbargrundstück bereits längere
Zeit eine Fabrikbetrieb hatte. Diese Firma war in der NS-Zeit für die Rüstungsindustrie
tätig. Noch im Frühjahr 1939 wurde das Grundstück der ehemaligen Synagoge mit
einem Erweiterungsbau von Rodi & Wienenberger überbaut.
Die Fabrikanlagen der Firma Rodi & Wienenberger blieben
bis in die 1970er-Jahre bestehen und wurden schließlich abgebrochen (die
letzten Gebäude 1981). Am 26. November 1968 wurde eine Gedenktafel zur
Erinnerung an die Synagoge an dem an ihrer Stelle stehenden Gebäude angebracht.
Rektor Willi Hartmann hielt die Gedenkrede. Für den Oberrat der Israeliten
sprach Leopold Ransenberg. Gesangverein Liederkranz und die Kapelle des
Musikvereins aus Philippsburg umrahmten musikalisch die Gedenkveranstaltung. Das
Anwesen wurde einschließlich des ehemaligen Synagogengrundstückes in den
1980er-Jahren mit einer Wohnanlage völlig neu überbaut. Die Gedenktafel von
1968 wurde nach Fertigstellung der Wohnanlage an dem neuen Gebäude wieder
angebracht.
Fotos
Historische Fotos/Darstellungen :
|
Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an den Webmaster von Alemannia Judaica,
Adresse siehe Eingangsseite |
|
|
 |
Skizze der ehemaligen Synagoge
in Philippsburg
(Quelle: K. Odenwald) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/Taddey s. Lit. Abb. 173 bzw.
Hauptstaatsarchiv Stuttgart) |
|
 |
| |
Bei dem
abgebildeten Gebäude handelt es sich um einen Teil der ehemaligen
Fabrikgebäude der Firma Rodi & Wienenberger, die an sich nichts mit
der ehemaligen Synagoge zu tun haben. Von der genannten Firma wurde 1939
das Grundstück der ehemaligen Synagoge neu überbaut, das sich hinter
diesem Gebäude an Stelle eines Verlängerungsbaus des etwas höheren
Gebäudes (Foto rechts) befand. |
| |
|
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
|
|
| |
Neubebauung des obigen Grundstückes an der Ecke Weißetorstraße / Alte
Kirchenstraße Ende 1983: das kleine Haus links ist noch
erhalten (siehe Foto oben) |
| |
|
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.12.2003) |
 |
 |
| |
Die Neubebauung am
früheren Synagogenstandort |
| |
|
| |
 |
 |
| |
Die Gedenktafel
rechts oberhalb des Einganges (Haus Nr. 14) mit einer Skizze der
Philippsburger Synagoge |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 655-656. |
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 237ff (die hier zur Synagogengeschichte, vor allem im Blick auf das
Novemberpogrom 1938 und die Zeit nach 1938/45 gemachten Angaben konnten
nicht bestätigt werden und entsprechen nach eindeutigen Zeugenaussagen
nicht den Tatsachen). |
 | Konrad Odenwald: Das Schicksal der jüdischen Synagogengemeinde
Philippsburg, in: Heimatbuch Philippsburg. S. 194-204. |
 | Pinkas Hakehillot. Encyclopaedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany.
Württemberg - Hohenzollern - Baden. Ed. Joseph Walk. Hg. von Yad Vashem.
Jerusalem 1986 (hebräisch) S. 421-423. |
 | Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe.
Karlsruhe 1990. |
 | Mündliche Angaben von Ekkehard Zimmermann, Philippsburg.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Philippsburg. The 14th
century Jewish community was destroyed in the Black Death persecutions of
1348-49. Jews were again present in the first half of the 17th century, but most
left when the seat of the bishopric was transferred to Bruchsal in 1723. Many
again left in the second half of the 18th century. The community revived in the
19th century, reaching a population of 94 in 1842. In 1933, 45 Jews remained.
Among their businesses were a big wholesale firm for farm produce, a cigarette
factory and a printing press. Most Jewish businesses were closed and by November
1938 11 Jews had left Germany. Another eight left after Kristallnacht (9-10
November 1938), when the synagogue was set on fire. On 22 October 1940, the last
21 Jews werde deported to the Gurs concentration camp, where 15 perished.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|