Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Graben (Gemeinde Graben-Neudorf, Kreis Karlsruhe) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen        
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu Baden-Durlach gehörenden Graben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1732 Juden am Ort genannt. 1740 lebten in Graben und Liedolsheim zusammen drei jüdische Familien. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 16 jüdische Einwohner, 1825 28 (2,0 % von insgesamt 1.362), 1875 36 (1,8 % von 2.047), 1887 49, 1895 54, 1900 44 (2,1 % von 2.053), 1910 26 (1,2 % von 2.258). 
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde einen Betsaal, in dem auch den Kindern der Gemeinde der Religionsunterricht erteilt wurde. Ein eigener Lehrer/Vorbeter/Schochet war noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angestellt (vgl. Ausschreibungen der Stelle von 1836 bis 1855 siehe unten), später konnte sich die Gemeinde einen eigenen Lehrer nicht mehr leisten. Seit spätestens 1889/90 war Graben Filiale zu Philippsburg - der dortige Lehrer kam regelmäßig auch nach Graben (siehe Ausschreibung der Stelle unten). Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Karlsruhe, seit 1885 zum Bezirk Bruchsal. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Obergrombach beigesetzt.
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Hermann Baer (geb. 6.11.1887 in Graben, gef. 19.10.1914). Außerdem ist gefallen: Sanitätsgefreiter Leo (Lazarus) Weil (geb. 30.10.1887 in Graben, vor 1914 in Billigheim wohnhaft, gef. 14.7.1918).   
   
Um 1924, als zur Gemeinde 23 Personen gehörten (0,9 % von insgesamt etwa 2.500 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Isak Weil und Robert Baer. Auch 1932 war Gemeindevorsteher Isak Weil; Robert Baer ist als Schriftführer eingetragen. Als Lehrer und Kantor kam Moritz Neuburger aus Philippsburg regelmäßig nach Graben. Hier unterrichtete er auch die 1924 noch drei jüdischen Kinder in Religion. 
   
Von wirtschaftlicher Bedeutung unter den in jüdischem Besitz befindlichen Gewerbebetrieben waren bis nach 1933: Likörfabrik und Branntweinbrennerei Baer & Co. (Karlsruher Straße 61), Zigarrenfabrik Isaak Weil (Karlsruhe Straße 26). Es bestand die jüdische Gastwirtschaft "Zur Sonne" (Rheinstraße 2-4, 1782-1936 in jüdischem Besitz; auf dem Einfahrtsbogen des Gebäudes Initialen "LG", hebräische Inschrift und die Jahreszahl 1786).
   
1933 wurden noch 22 jüdische Einwohner gezählt (0,9 % von insgesamt 2.499). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen die meisten der jüdischen Einwohner bis vor Beginn der Deportationen den Ort. Einige konnten nach Argentinien auswandern. Im Oktober 1940 wurden zwei der letzten drei jüdischen Einwohner in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Die am Ort lebende Julchen Süß lebte in "Mischehe" und konnte bis zu der auf den 14. Februar 1945 angesetzten Deportation in das Ghetto Theresienstadt in Graben bleiben. Sie starb danach auf Grund eines gemeinsamen Suizid-Versuches des Ehepaares, den der Ehemann überlebte.  
         
Von den in Graben geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elka Bravmann geb. Ettlinger (1892), Helene Gross geb. Neumann (1878), Johanna Held geb. Bär (1889), Max Held (1879), Sofie Herz geb. Baer (), Karl Hochstetter (1872), Julius Kahn (1880), Erna Krieger geb. Hochstetter (1900), Heinrich Levi (1870), Clara (Flora, Klara) Müller geb. Willstädter (1897), Amalie Nachmann geb. Kahn (1892), David Prager (1887), Johanna Prager geb. Friedmann (1899), Karoline Preis geb. Levi (1877), Julchen Süss geb. Hochstetter (1904), Julie Weil geb. Rothschild (1884), Jakob Willstädter (1865), Ludwig Willstädter (1895), Jennie Windecker geb. Kahn (1881).  
        
        
        

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers und Vorsängers (1836 / 1847 / 1852 / 1853 / 1855)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von Januar 1836 S. 255 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Erledigte Stelle. Bei der israelitischen Gemeinde Graben ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 44 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Karlsruhe zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden. 
Karlsruhe, den 7. Januar 1836. 
Großherzogliche Bezirks-Synagoge."     
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 20. November 1847 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen.
[Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde Graben ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 50 fl., nebst freier Kost und Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Karlsruhe zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 21. Januar 1852 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen. Die mit einem festen Gehalte von 50 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Graben, Synagogenbezirks Karlsruhe, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Karlsruhe sich zu melden. Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 28. Juli 1852 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  "Die mit einem festen Gehalte von 50 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Graben, Synagogenbezirks Karlsruhe, ist zu besetzen.  Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Karlsruhe sich zu melden. Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 26. Februar 1853  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Graben, Synagogenbezirks Karlsruhe, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Karlsruhe sich zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 24. Februar 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Graben, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Karlsruhe sich zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 21. November 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind, und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Graben, Synagogenbezirks Karlsruhe, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Karlsruhe sich zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    

     
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1889 in Philippsburg - mit Filialdienst in Graben   

Philippsburg Israelit 01041889.jpg (51831 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1889: "Die mit freier Wohnung, festem Gehalt von 500 Mark und Nebeneinnahmen im Betrage von 400 Mark verbundene Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in Philippsburg soll baldigst, womöglich mit einem unverheirateten, seminaristisch gebildeten Lehrer besetzt werden. Mit derselben ist der einen Beitrag von 250 Mark gewährende Filialdienst in Graben verbunden. Bewerbungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift belegt, sind an den Unterzeichneten zu richten. Bruchsal, 27. März 1889. Die Bezirkssynagoge: Dr. J. Eschelbacher".

  

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Über den Soldaten Heinrich Baer im Feldzug 1870/71 

Artikel (mit verschiedenen Kriegsberichten) in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1895: "Ich stand während des Feldzuges 1870/71 als Gemeiner beim 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment, 12. Kompanie (Garnison Karlsruhe). Bei meiner Kompanie dienten neun Juden, von denen drei Auszeichnungen erhielten, einer den Zähringer Löwen-Orden mit Schwertern, einer das Eiserne Kreuz 2. Klasse und ich die silberne Verdienstmedaille und die badische Friedrich-Militärverdienstmedaille (letztere die höchste badische Auszeichnung, die wir vor dem Feinde erhalten können) und zwar mit dem Diplom für allgemeine Tapferkeit während des Feldzuges. In obigem Regiment haben etwa vierzig Juden den Feldzug mitgemacht und sind etwa dreißig Prozent dekoriert worden.   
In der Regimentsgeschichte bin ich ehrend erwähnt und ich lege Ihnen als Beleg einen Auszug derselben bei, bestehend in einem kleinen Heft, das im Schulunterricht gebraucht wird. Dass ich aber auch mit den Herren Antisemiten nicht viel Federlesens mache und mir von denselben nicht viel gefallen lasse, werden Sie aus den beiliegenden Flugblättern ersehen, die ich seinerzeit herausgab, als ich von den Herren ohne allen Grund in gemeinster Weise angegriffen wird. Hochachtungsvoll  
Graben (Baden), 19. September (1895)                  Heinrich Baer.    
In den 'Anhaltspunkten zum Unterricht über vaterländische Geschichte' (Karlsruhe 1888) heißt es Seite 27: 'Einer der Kühnsten war Grenadier Baer (aus Graben). Da ihm ein Granatsplitter sein Gewehr aus der Hand geschlagen führte er ein Chasepotgewehr. Zwei Franzosen, welche er beim Sturm auf der Bahnlinie persönlich gefangen, mussten ihm die nötige Munition sammeln und zutragen. Gehen die Patronen auf die Neige, so ruft Baer zum allgemeinen Gaudium immer wieder mit drollig höflicher Geberde: Allons, Messieurs, des cartouches! Diensteifrig springen stets von Neuem die beiden herbei."   

   
Über nicht nichtjüdischen Professor Heinrich Zimmern (1862-1931)   
Anmerkung: seit der Angabe im "Jüdischen Lexikon" (hg. Georg Herlitz und Bruno Kirschner) 1927 (Nachdruck 1982) Bd. IV/2 Sp. 1572 ist an vielen Stellen zu lesen, dass Heinrich Zimmern aus einer jüdischen Familie Grabens entstammt, später zum Christentum konvertiert ist usw. Die Angabe stimmt jedoch (Hinweis von Guido Herzog an "Alemannia Judaica") nicht. Heinrich Zimmerns Vater - Heinrich Konrad Johann Zimmern (geb. 7. August 1825, getauft 17. September 1825, gest. 21. Dezember 1896) - war von 1850 bis zu seinem Tod 1896 evangelischer Pfarrer in Graben.    
Dennoch sei an den "nichtjüdischen" Professor Heinrich Zimmern gerne erinnert: 

Zimmern Heinrich 010.jpg (15799 Byte)Heinrich Zimmern (1862 Graben - 1931 Leipzig), Assyriologe; Sohn des evangelischen Pfarrers von Graben; 1881-1885 Studium der Theologie und semitischer Sprachen in Leipzig, Berlin, Karlsruhe und Erlangen; 1900 bis 1929 Prof. in Leipzig; zahlreiche Untersuchungen zur semitischen Sprachwissenschaft und Religion. 
    
Quelle des Fotos und weitere Informationen: Professorenkatalog der Universität Leipzig.  
     

      
90. Geburtstag von Gottschalk Bär (1906)   

Graben FrfIsrFambl 22061906.jpg (23138 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Juni 1906: "Graben (Baden). Neunzigster Geburtstag. Herr Gottschalk Bär, der älteste Einwohner unseres Ortes, feierte am 18. dieses Monats seinen 90. Geburtstag."   

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales/der Synagoge      
       
Die wenigen jüdischen Familien hatten im 19. Jahrhundert einen Betsaal in einem ihrer Wohnhäuser. Wie schwierig es allerdings für sie war, gottesdienstliches Leben aufrecht zu erhalten, zeigen einige erhaltene Dokumente aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals zählten zur Gemeinde nur fünf selbständige Mitglieder (zusammen etwa 25 Personen). Nach einem Bericht des Bezirksrabbinates vom 20. September 1850 war es schon längere Zeit nicht gelungen, für die Grabener Gemeinde einen Lehrer und Vorsänger zu finden, sodass den jüdischen Kinder kein Religionsunterricht erteilt und kein Gottesdienst am Schabbat gefeiert werden konnte. Dass sich dies nachteilig auswirkte, war auch die Meinung des Grabener Bürgermeisters, der klagte, dass auf Grund der fehlenden Gottesdienste "beständige Zerwürfnisse dieser wenigen Personen gegeneinander" festzustellen seien. Glücklicherweise war es im Sommer 1850 gelungen, den jungen Lehrer Maas zu verpflichten, diese Aufgaben für einige Zeit zu übernehmen. Zum 1. September 1850 trat er seine Stelle in Graben an und wurde vertraglich dazu verpflichtet, jeweils am Schabbat und an den Feiertagen den Gottesdienst zu leiten und dazu einen "religiös moralischen Vortrag" (Schiur) zu halten. Jährlich erhielt Maas für seine Dienste 40 Gulden. Die Gemeindeglieder wurden ihrerseits verpflichtet, die Gottesdienste rechtzeitig und regelmäßig zu besuchen, alles die Andacht Störende zu vermeiden und auch immer bis zum Schluss der Gottesdienstes an den Plätzen zu bleiben. Diese Verpflichtung war auch höchst notwendig, da in Graben nur neun religionsmündige Männer wohnten, zur Feier der Gottesdienste aber jeweils zehn anwesend sein mussten. Einen zehnten Mann holte man regelmäßig gegen Bezahlung aus einem Nachbarort. Er wurde der Reihe nach von den jüdischen Familien über den Schabbat beherbergt und verköstigt. Wenn von den neun Grabener Männern einer nicht teilnehmen konnte, musste dieser auf seine Kosten eine Vertretung besorgen. 1852/53 gab es Probleme mit J.G. Holz, da dieser an den hohen Feiertagen im Herbst 1852 und am Pessachfest im Frühjahr 1853 nicht erschien und für ihn ein Mann aus Bruchsal besorgt werden musste. Freilich weigerte sich J.G. Holz, der sich selbst mehr mit der Liedolsheimer Gemeinde verbunden fühlte, für die Kosten aufzukommen, die dem Bruchsaler Ersatzmann bezahlt werden mussten, was im April 1853 zu einer Anzeige des Synagogenvorstandes, Sonnenwirt Jacob Holz beim Karlsruher Landamt führte. Lange blieb Lehrer Maas nicht in Graben. Im Juli 1851 beklagte sich Synagogenvorstand Jacob Holz darüber, dass er schon einige Male zu spät zum Gottesdienst erschienen sei. Im Herbst 1851 berichtete das Bezirksrabbinat Karlsruhe, dass seit dem Weggang von Maas wieder kein Religionsunterricht erteilt werde. Auch könne der Gottesdienst nicht mehr regelmäßig stattfinden. Wenigstens habe man zu den hohen Feiertagen den Lehrer Durlacher aus Münzesheim verpflichten können.  
      
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts dürfte es etwas leichter gewesen sein, regelmäßige Gottesdienste zu feiern, da die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in Graben nach 1880 auf über 50 zunahm. 
   
1905 scheint der Betsaal neu eingerichtet und eingeweiht worden zu sein. Hierüber wurde jedenfalls in einer Pressemitteilung berichtet:  

Graben AZJ 13101905.jpg (14480 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Oktober 1905: "Neue Synagogen wurden vor den Feiertagen eingeweiht in Briesen (Westpreußen), in Graben (Baden) und in Büdingen (Ostpreußen)."  
Anmerkung zu dieser Meldung: hier hat sich ein Fehler eingeschlichen: gemeint ist das hessische Büdingen; in Ostpreußen gab/gibt es kein Büdingen (frdl. Hinweis von Guido Herzog vom 15.11.2011).   

Der Betsaal blieb bis 1938 erhalten und wurde eine Woche vor der Pogromnacht im November 1938 verkauft. Dadurch entging er der Zerstörung. Das Haus mit dem Betsaal wurde zu einem Wohnhaus umgebaut, das 1972 abgebrochen wurde (Karlsruher Strasse 67, das Grundstück wurde wieder neu bebaut). 
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Foto um 1965:
(Quelle: HStAS EA 99/001 
Fotosammlung)
Graben Synagoge 001.jpg (74756 Byte)
    Aufnahme des ehemaligen jüdischen Hauses, in dem sich der Betsaal 
der Gemeinde befand
   
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)  
Graben Synagoge 009.jpg (74226 Byte) Graben Synagoge 010.jpg (50445 Byte)
  Das Synagogengrundstück ist neu bebaut
   
Foto 2003:
(Foto: Hahn, 
Aufnahmedatum 9.12.2003)
Graben Synagoge 150.jpg (36840 Byte)   
        

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Graben-Neudorf   

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 11-12.  
Pinkas Hakehillot. Encyclopaedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany. Württemberg - Hohenzollern - Baden. Ed. Joseph Walk. Hg. von Yad Vashem. Jerusalem 1986 (hebräisch) S. 292-293  
Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. Karlsruhe 1990. 

   
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Graben  Baden. Jews settled in the early 18th century and reached a population of 49 in 1887 (2 % of the total), operating a distillery and cigarette factory. Ten of the 22 Jews present in 1933 left by 1938 and most of the others after Kristallnacht (9-10 November 1938). The last three were sent to the Gurs concentration camp on 22 October 1940.  
  
        

                   
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Stand: 05. Juli 2013