|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Hoffenheim
(Stadt Sinsheim, Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
(oben: Siegel der Israelitischen Gemeinde Hoffenheim. Aus: L. Streib s. Lit. S.
6)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton
Kraichgau gehörenden und im Besitz der Familie von Gemmingen-Hornberg
befindlichen Hoffenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 15./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden
1471 (Jud Benedit von Hoffenheim), dann wieder seit 1717 Juden am Ort genannt. 1720 sind sechs, 1735 elf jüdische
Familien am Ort.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1806 106 jüdische Einwohner, 1809 25 Familien, 1825
200 jüdische Einwohner (14,5 % von insgesamt 1.384 Einwohnern), Höchstzahl
1839/42 mit 227 Personen (15 Prozent der Ortsbevölkerung), 1875 157
jüdische Einwohner (10,5 % von 1.490), 1895 152 (10,4 % von 1.461), 1900 117
(7,7 % von 1.519), 1910 82 (5,4 % von 1.528). Als 1809 die jüdischen Familien feste
Familiennamen annehmen mussten, wählten
sie hierfür die Namen: Dreifus, Gumbel, Heumann, Keller, Kulb, Oppenheimer,
Reis, Rosenfeld, Rosenheim, Rothschild, Scheurer, Schloss, Ullmann und
Westheimer. Ihren Lebensunterhalt
verdienten die jüdischen Einwohner zunächst fast ausschließlich mit Vieh- und
Getreidehandel und mit Geldverleih. Im 19. Jahrhundert spielten sie im
wirtschaftlichen Leben des Ortes eine große Rolle und eröffneten zahlreiche
Gewerbebetriebe und Handlungen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Elementarschule (von 1840 bis zur Aufhebung der Konfessionsschulen in Baden
1876 gab es in Hoffen eine
jüdische und eine evangelische Schule), dann Religionsschule sowie ein
rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof
in Waibstadt beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
ein Elementarlehrer beziehungsweise Religionslehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war. Zeitweise gab es auch zwei Personen in dieser
Gemeinde für die genannten Aufgabenbereiche (vgl. unten die Ausschreibungen von
1889 und 1892: nur Vorsänger- und Schächterstelle; damals war von 1885 bis
1901 als jüdischer Hauptlehrer in Hoffenheim Salomon Seligmann tätig, mehr zu
ihm auf der Seite zu Müllheim). 1905 wird "Lehrer und
Kantor" Schiff genannt; inzwischen waren die Aufgabenbereiche in einer
Person verbunden.
1827 wurde die
Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Sinsheim zugeteilt.
Auf
dem Kriegerdenkmal im Friedhof finden
sich die Namen der drei jüdischen Kriegsteilnehmer des Krieges 1870/71 und die
Namen der beiden jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Hoffenheim:
Gefreiter Julius Reis (geb. 30.9.1896 in Hoffenheim, vor 1914 in Heilbronn
wohnhaft, gef. 8.6.1918) und Aron Rosenfeld (geb. 10.8.1895 in Hoffenheim, vor
1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 13.8.1916).
Um 1925, als noch 60 jüdische
Gemeindeglieder gezählt wurden (3,8 % von insgesamt etwa 1.600 Einwohnern),
gehörten dem Gemeindevorstand an: Max Ledermann, B. Heumann, H.
Friedmann. Als Lehrer, Kantor und Schochet war E. Bär tätig. Er erteilte den
damals drei (1932: sechs) schulpflichtigen jüdischen Kindern
Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es: den Israelitischen
Männerverein (Ziel: Unterstützung in Krankheitsfällen), den Israelitischen
Frauen-Krankenverein (Ziel: Unterstützung in Krankheitsfällen), den
Israelitischen Unterstützungsverein sowie im Blick auf die Synagoge den Binjan
Bes-Hakneses (Verschönerungsverein). 1932 gehörten dem Gemeindevorstand an:
weiterhin Max Ledermann (1. Vorsitzender) und H. Friedmann (3. Vorsitzender),
sowie neu Gustav Reis als 2. Vorsitzender. Inzwischen war Lehrer und Kantor
Siegbert Silbermann.
Bis nach 1933 gab es im
Besitz jüdischer Familien zwei Viehhandlungen, eine Metzgerei, eine
Getreide-, Mehl-, Futter- und Samengroßhandlung sowie zwei Manufakturwarengeschäfte.
1933 lebten noch 40 jüdische
Personen in Hoffenheim. Einem Teil von ihnen gelang noch die Auswanderung.
Mehrere sind in andere Orte verzogen und teilweise von dort deportiert worden.
Von den in Hoffenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): David Daube (1871),
Johanna Eberhard geb. Heumann (1878), Sophie Ellenbogen geb. Würzweiler (1862), Karoline Falk (1876), Karoline
Günther geb. Rosenfeld (1885), Max Günther (1888), Karolina (Koroline) Heller
geb. Rosenfeld (1888), Babette Heumann (1882),
Hermann Heumann (1882), Ida Heumann geb. Dreyfuss (1882), Siegmund Heumann
(1881), Paula Hirsch geb. Heumann (1885), Celestine Kahn (1881), Eugen Keller (1895),
Regine Keller geb. Leyser
(1892), Rosa Kirchheimer geb. Würzweiler (1866), Eugen Ledermann (1897), Gertrud(e) Ledermann geb.
Eberhardt (1913), Max
Ledermann (1874), Pauline Ledermann geb. Walter (1872), Mina Loeb geb. Ledermann
(1901), Emilie Löwenstein geb. Heumann (1882), Alma Mayer geb. Lazar (1911), Helmut
Hermann Mayer (1920), Karl Mayer (1894),
Moritz Mayer (1896), Mathilde Maier geb. Wertheimer (1898), Jette (Henriette)
Moritz geb. Rosenfeld (1859), Babette Neumann (1882), Julie Neumann
(1878), Natalie Ottenheimer geb. Würzweiler (1860), Auguste Reichenberg geb.
Heumann (1880), Hermann Reis (1869), Johanna Rennert geb. Ledermann (1879), (1899),
Johanna Rosenfeld (1867), Karl Rosenfeld (1890), Klara Rosenfeld (1892), Josef Scherer
(1906), Pauline (Paula) Schwarz geb. Würzweiler (1864), Israel Julius
Winzweiler (1859).
Auf dem
Gemeindefriedhof befindet
sich eine Gedenktafel für die Opfer
des Nationalsozialismus (mit Menora und Kreuzen).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1889 und
1892
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1889:
"Auskündigung einer Vorsänger- und Schächterstelle.
Heidelberg, 3. April 1889. Heidelberg, 3. April 1889. Die Vorsänger-
und Schächterstelle in Hoffenheim bei Sinsheim, mit welcher ein
fester Gehalt von 600 Mark, freie Wohnung und Nebeneinkommen verbunden
ist, soll auf 1. Mai laufenden Jahres neu besetzt werden. Tüchtige, gut
empfohlene Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten Meldungen
baldigst gelangen lassen an die
Bezirks-Synagoge, Heidelberg." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1892:
"Ankündigung einer Vorsänger- & Schächterstelle. Die
Vorsänger- und Schächterstelle bei der israelitischen Gemeinde Hoffenheim,
Amts Sinsheim, mit welcher ein fester Gehalt von 500 Mark freue Wohnung
und ein Nebeneinkommen von etwa 900 Mark verbunden ist, ist alsbald nue zu
besetzen. Bewerbungen, welche mit beglaubigten Zeugnisabschriften versehen
sein sollen, sind an den Synagogenrat in Hoffenheim zu richten.
Heidelberg, 8. August 1892. Die Bezirks-Synagoge Sinsheim." |
Anzeige von Kantor B. Hummel (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1890: "Die
Juden Englands und die antisemitische Bewegung Deutschlands mit
Schlußwort (neu) 2.- Gesänge von S. Sulzer,
Dudaim. 3.- dto., Katz und Waldbott (2. Teil.
Neujahr) 1.-- B. Hummel, Kantor, Hoffenheim (Baden)."
|
Einzelne
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ortspolizeiliche Vorschrift, das Schächten betreffend
(1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1890: "Hoffenheim,
26. November (1890). Soeben wird nachstehende ortspolizeiliche Vorschrift,
das Schächten betreffend, bekannt gegeben und beeile ich mich, Ihnen
hiervon Mitteilung zu machen.
'Die rituelle Schlachtmethode, das Schächten im Bezirk Sinsheim
betreffend:
§ 1. Das Niederlegen größerer, nicht vorher betäubter Schlachttiere
(Ochsen, Kühe, Kalbinnen, Rinder, Farren) behufs Vornehmen der rituellen
Schlachtung (Schächten) muss rasch und sicher ohne Beschädigung und Qual
des Schlachttieres erfolgen.
Es ist verboten, das Tier an dem Kopf und Hals allein in die Höhe zu
ziehen.
§ 2. Falls das Niederlegen der größeren Tiere durch Winden oder
ähnliche Vorrichtungen bewerkstelligt wird, müssen die Winden, sowie die
gebrauchten Seele haltbar sein und letztere stets geschmeidig gehalten
werden.
§ 3. Während des Niederlegens muss der Kopf des Tieres gehörig
unterstützt und geführt werden, damit ein Aufschlagen desselben an den
Fußboden und ein Bruch der Hörner vermieden wird.
§ 4. Das Schächter darf nur durch erprobte Schächter ausgeführt
werden. Bei dem Niederlegen der Tiere hat der Schächter zugegen zu sein,
damit die Schächtung unmittelbar darauf vorgenommen werden kann.
Die Schächtung selbst muss rasch und sicher ausgeführt
werden.
§ 5. Nicht nur während des Schächtaktes selbst, sondern auch während
der ganzen Dauer der nach dem Halsschnitt eintretenden Muskelkrämpfe muss
der Kopf der Schlachttiere festgelegt werden.
§ 6. Kleinere Schlachttiere dürfen behufs Vornehmen der Schächtung
nicht an den Hinterfüßen aufgehängt werden.
§ 7. Das Blut der nach israelitischem Ritus geschlachteten Tiere darf
nicht von dem Boden aufgenommen und zur Wurstbereitung verwendet
werden.
§ 8. Zuwiderhandelnde werden, sofern nicht der Tatbestand des § 360,
Ziffer 13 gegeben ist, auf Grund des 95 P.-Str.-Ges.-B. an Geld bis zu 20
Mark und im Falle der Uneinbringlichkeit mit Haft bestraft." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Beisetzung der bei einem Eisenbahnunglück umgekommenen
Jacob und Karl Rosenfeld (1882)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1882: "Heidelberg,
8. Juni (1882). Donnerstag, den 1. Juni fand dahier von dem akademischen
Krankenhause aus die Bestattung der bei der großen Eisenbahn-Katastrophe
in der Nähe der hiesigen Stadt verunglückten Israeliten statt. Es waren
dies zwei hoffnungsreiche junge Leute aus Hoffenheim in Baden, Jacob und
Carl Rosenfeld, die Söhne zweier Brüder, die in dem genannten Dorfe
einen lebhaften Handel betreiben. Die beiden Jünglinge waren in Mannheim
in Kondition und hatten an dem für sie so verhängnisvollen Tage eine
freundschaftliche Zusammenkunft mit einem Anverwandten aus Karlsruhe, zu
welchem Zwecke sie sich nach Heidelberg begaben. Nach mehreren recht vergnügten
Stunden trennten sie sich erst in später Abendzeit; der Zug brauste von
dannen und nach wenig Augenblicken waren sie ein Opfer des Todes.
Herr Rabbiner Dr. Sondheim von hier gab am Grabe der Dahingeschiedenen dem
Schmerze den gerechten Ausdruck, indem er seiner Rede die Worte des
Königs David zu Grunde legte, die er sprach, als er vor Schaul (Saul)
entfloh, und die da lauten. (hebräisch und deutsch:) 'Kaum
ein Schritt ist zwischen mir und dem Tode.' (1. Samuel 20,3). Nachdem er
anlehnend an diesen Ausspruch des königlichen Sängers die Nichtigkeit
und Hinfälligkeit des menschlichen Lebens geschildert, entrollte er auch
ein Lebensbild der so früh Verblichenen, die sich durch treue
Pflichterfüllung und echt kindlicher Liebe so wacker ausgezeichnet haben.
Die Rede machte einen gewaltigen Eindruck, der an und für sich schon
durch die Traurigkeit des Ereignisses hervorgerufen wurde. Kein Auge blieb
tränenleer. Möge der Himmel auch die Eltern und Geschwister der so
schnell Dahingerafften trösten und ihnen beistehen in der für sie so
schweren Prüfung des Lebens. Sch." |
Zum Tod des aus Hoffenheim stammenden Hermann Daube
(gest. in Frankfurt 1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1900
(abgekürzt zitiert): "15. Adar (= 14. Februar 1900). Eingeleitet
durch ein Zitat aus dem Talmudtraktat Schekalim über die Bedeutung
der menschlichen Taten als die Denksteine der Frommen.
Wenn auch nach dem Heimgang eines wahren Frommen es nicht der
Denksteine bedarf, um seine Worte, seine Taten uns zu vergegenwärtigen,
damit wir sein Gedächtnis in uns wach erhalten, so kommen doch Fälle
vor, bei welchen wir Worte reden müssen, um dem Schmerze Ausdruck zu
verleihen, dass ein solcher Frommer durch den unerforschlichen
Beschluss von Gott in der Blüte seiner Jahre entrissen wurde
seinen Verwandten, seinen Freunden, allen denjenigen, welche es mit der
heiligen Sache unseres Judentums ernst meinen. Und ein solcher Fall liegt
heute vor, welcher einen großen Teil der Gemeinde der Israelitischen
Religionsgesellschaft in Trauer versetzt hat.
Hermann Daube aus Hoffenheim, wurde im 36. Jahre seines Lebens uns
entrissen, betrauert von den vielen Freunden, welche ihm nahe standen,
welche schmerzerfüllt hingeeilt, um dem reinen Körper dieses
edlen Menschen das letzte Geleit zu geben.
Daube - er ruhe in Frieden - war stets ... ein Mann, welcher im
Haus wie auf der Reise seinen geschäftlichen Pflichten in reichem Maße
erfüllt und stets dem Worte unserer Weisen - gut es es, das Lernen der
Tora mit einem respektvollen Umgang zu verbinden -
entsprach.
Von ihm können und müssen wir sagen: 'Süß ist der Schlaf des
Ackerbauers, er esse wenig oder viel' (Prediger 5,11). Ob er von dieser
Welt viel oder wenig genossen, wenn er auch nur allzu früh uns
verlassen musste - er hat seine Lebensaufgabe erfüllt, seine Hälfte
des Schekels (2. Mose 30,11) geleistet. Deshalb wird er auf den
Flügeln der Schechina den Lohn seines frommen Erden-Wandels
genießen. Uns aber möge Gott beistehen, dass in Zukunft nur
Freude bei uns einkehre und der Tod für immer vernichtet werde in
unseren Tagen. Amen." |
Goldene Hochzeit von Michael Rosenfeld und seiner Frau
(1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Februar
1905: "Hoffenheim in Baden, 31. Januar. Von einer erhebenden und
ergreifenden Feier habe ich Ihnen zu berichten. Am letzten Schabbos
feierten dahier die Michael Rosenfeld'schen Eheleute die goldene Hochzeit,
aus welchem Anlass denselben große Ehrungen zuteil wurden. Mittags
erschienen im Hause des Jubelpaares der Großherzogliche Oberamtmann von
Sinsheim und überreichte im Auftrage des Großherzogs und der
Großherzogin Höchstderselben Bildnis; zwei prachtvolle in Goldrahmen
gehaltene, naturgetreue Bilder. Dem ersteren schlossen sich an der
Bürgermeister und der Gemeinderat in Corpore, der Vorstand der
Synagogengemeinde nebst den Synagogenräten, der israelitische Lehrer und
der evangelische Geistliche. Nach einem Hoch auf den Kaiser und einem
solchen auf den Großherzog wurde auch ein Toast von Herrn Pfarrer
Gräbener auf die Jubilare ausgebracht. Sichtlich ergriffen war das von
einer Kinder- und Enkelschar umgebene goldene Hochzeitspaar.
Ihren Abschluss fand die schöne Feier im Gotteshause, wo Herr
Lehrer und Kantor Schiff in einer mit vielem Beifall aufgenommenen Rede noch
die Jubilare feierte. Für die der Gemeinde aus Anlass dieses seltenen
Fester von dem Sohne, Herrn Albert Rosenfeld, Vorstand der israelitischen
Gemeinde in Bühl, überreichten
Geschenke, ein prächtiges Toramäntelchen und eine schöne Schulchandecke
(= Decke für das Vorlesepult in der Synagoge), dankte unser Vorstand,
Herr Moses Reis, sowie Herr Lehrer Schiff.
Mit dem neuen Mäntelchen wurde die von Herrn A. Heumann I am Schabbos
Rausch-chaudesch Schwat (der 1. Schwat = 7. Januar 1905 war zugleich
ein Schabbat) gespendete Torarolle geschmückt.
Möge es unserer Gemeinde vergönnt sein, noch viele solcher Freudentage
in ihrer Mitte begehen zu können." |
Zum Tod von Rosa Reis (1907)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1907:
"Hoffenheim (Baden), 19. November (1907). Ganz jäh wurde uns
dieser Tage die seit wenigen Monaten verwitwete Frau Rosa Reis durch
den Tod entrissen. Sie hat in ihrer lauteren Frömmigkeit und
Gottergebenheit die ihr zugewiesenen Pflichten stets treulich erfüllt und
mit ausgezeichneter Selbstlosigkeit den Anforderungen, die das Leben an
sie stellte, entsprochen. Die Pflichttreue, die sie in allen Lebenslagen bewährte,
gewann auch auf den Werdegang ihrer Kinder nachhaltigen Einfluss. Durch
diese Tugenden erwarb sie sich die Hochachtung ihres Bekanntenkreises, die
beim Leichenbegängnis durch eine ungewöhnlich starke Beteiligung zum
Ausdruck kam." |
Zum Tod des Gemeindevorstehers Moses Reis (1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22.. Juni 1911: "Hoffenheim,
7. Juni (1911). Einen schweren Verlust erlitt die hiesige jüdische
Gemeinde durch den plötzlichen Heimgang ihres Vorstandes, Herrn Moses
Reis, der dem Synagogenrat seit 24 Jahren angehörte und seit 14
Jahren als Synagogenratsvorsteher an der Spitze stand. Welch Ansehen der
Verstorbene genoss und welcher Beliebtheit er sich erfreute, bewies der
große Leichenzug, der am Monat, den 6. dieses Monats seiner Bahre
folgte.
An der Bahre schilderte Herr Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß aus Heidelberg,
den Verstorbenen als einen echten Jehudi, einen treu sorgenden
Familienvater, einen wahren Parneß (Gemeindevorsteher), der in Ruhe und Sanftmut
seine Gemeinde leitete und den Schalom in derselben förderte. Es sprachen
außerdem die Herren Lehrer Gold im Namen der Gemeinde und des
Männerkrankenvereins, dessen Aufsichtsrat der Verstorbene seit
Jahrzehnten angehörte, und Herr Hauptlehrer Reis aus Mannheim, ein
Verwandter des Verewigten, namens der Familie. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Nathan Heumann (1913)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Februar 1913:
"In Hoffenheim bei Heidelberg wurde der im Alter von 94 Jahren
verstorbene Herr Nathan Heumann unter großen Ehrungen seitens der
Militärvereine zu Grabe getragen. Er war der älteste Veteran im
Großherzogtum Baden und war stets rüstig bis in die letzte Zeit seines
Lebens, das durch einen Unfall beendigt wurde." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Nachdem 1720 bereits sechs jüdische
Familien am Ort waren, dürfte ein Betsaal eingerichtet worden sein. Um
1750 wurde eine Synagoge erbaut, in der sich auch die Lehrerwohnung
befand. Im 19. Jahrhundert wurden mehrfach Renovierungen des Gebäudes
vorgenommen. Im Sommer 1833 klagte die Gemeinde nach einem Bericht des damaligen
Vorstehers Isaac Judas Gumbel über den Mangel an Raum und "größte Unordnung"
bei den Gottesdiensten in der Synagoge. Man sah den Grund vor allem in den bis
dahin noch vorhandenen, einzeln stehenden, beweglichen Betpulten. Sie würden
unverhältnismäßig viel Platz wegnehmen, sodass es für die zahlreich nachrückenden
jungen Männer der Gemeinde "äußerst schwer oder gar unmöglich wird", einen
solchen Platz zu erhalten. Die Mehrheit der Gemeinde sprach sich für die
Anschaffung fester Bänke aus. Nur vier der ältesten Männer waren dagegen.
Vorsteher Gumbel sah den Grund freilich nur in einer "blinden Anhänglichkeit
ans Alte" und in einer "Abneigung gegen den wahren Fortschritt". 1834
wurden die Bänke für die Synagoge angeschafft.
1865 ist das Synagogengebäude umfassend renoviert
worden. Am 13. Juli 1865 wurden die Arbeiten auf dem Rathaus der Gemeinde öffentlich
versteigert. Sie waren veranschlagt auf 993 Gulden, wovon es sich vor allem um
Schreinerarbeiten (432 Gulden), Tüncherarbeiten (171 Gulden) und Maurerarbeiten
(135 Gulden) handelte. Genauere Berichte zu den durchgeführten Reparaturen
liegen nicht vor. Von der Synagoge wurde bislang weder ein Foto noch ein Plan
gefunden. Immerhin liegt inzwischen eine Zeichnung vor, die ein Hoffenheimer
Bürger 1990 aus seiner Erinnerung erstellt hat. Im Grundbuch 1927 liegt als Baubeschreibung das Hauses auf dem
insgesamt 5,98 ar großen Grundstück Nr. 92 vor: "zweistöckige Synagoge mit
Wohnung und Balkenkeller" dazu ein Badhaus.
Aus der Geschichte der Synagoge könnte man u.a. auf den Bericht der Goldenen
Hochzeit des Michael Rosenfeld'schen Ehepaares von 1905 hinweisen (siehe oben),
in dem neben der Feier in der Synagoge u.a. von der Stiftung einer neuen
Torarolle von A. Heumann sowie einem Toramantel und einer Schulchandecke (Decke
für das Vorlesepult) die Rede ist.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge auf
Befehl des SA-Obersturmführers von Waibstadt von Hoffenheimer SA-Leuten
demoliert, teilweise zerstört. Schon drei Jahre zuvor
hatte in Hoffenheim der Ortsgruppenleiter zusammen mit dem Lehrer und dem
Ratsschreiber einen nächtlichen Überfall auf die Synagoge durchgeführt.
Damals hatte der evangelische Pfarrer den Vorfall noch am Sonntag darauf von der
Kanzel herab gegeißelt, im November 1938 war dies nicht mehr möglich. Zunächst
nahmen sich die SA-Leute den großen Kronleuchter der Synagoge vor, der
heruntergeschlagen wurde. Dann wurden die Scheiben des Gebäudes eingeschlagen
und schließlich das Gotteshaus abgetragen. Anzünden konnte man es nicht, da
rundherum Wohnhäuser standen. Die Balken und das Inventar trug man zum
Ortsausgang in Richtung Sinsheim und zündete sie an. Erst nach mehreren
vergeblichen Versuchen fingen auch die Tora-Rollen Feuer. Wenig später wurde
die Synagogenruine abgebrochen.
Das Grundstück (Flurstück
92, Neue Straße 2a) wurde mit einem Wohn- und Geschäftshaus neu überbaut.
Fotos / Plan
Darstellungen / Plan:
|
Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica",
E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |

|
 |
| |
Plan von Hoffenheim, Bereich Neue Straße. Unter Nr. 92 ist
das Gebäude der Synagoge eingetragen |
Die Synagoge in Hoffenheim,
1990 aus dem Gedächtnis gezeichnet von Klaus Koch-Benamar (Quelle: Raymes/Mayer
s.Lit. S. 37) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1985:
(Foto: Hahn) |
 |
|
| |
Gedenktafeln "Den Opfern des Nationalsozialismus"
im (allgemeinen) Friedhof Hoffenheim |
|
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
Über
den Film "Menchem und Fred" (Deutschland/Israel
2009)
Informationen
zum Film |
| Artikel von Holger Kreitling
in "Die Welt" vom 11. Februar 2009 (Artikel) |
 |
 |
 |
 |
| Die Brüder Fred
Raymes (links) und Menachem Mayer waren 1938 aus ihrem Haus in Hoffenheim
vertrieben worden. Der Film "Menachem und Fred" dokumentiert ihr
Schicksal (Foto: Mayer/ Filmlichter) |
1941 kamen sie in ein
Kinderheim in Frankreich. Die Eltern wurden in ein Internierungslager
verschleppt. |
Die Mutter schickte Briefe wie
diesen an die Söhne |
Die Brüder
wanderten aus und verloren sich viele Jahre aus den Augen. Erst spät
fanden sie den Mut, mit ihren Frauen nach Hoffenheim zurückzukehren. |
| |
|
| |
Hoffenheim und die dunkle Seite der Familie Hopp
1938 wurden Menachem Mayer und Fred Raymes aus ihrem Haus vertrieben – von Emil Hopp, Vater des Milliardärs und TSG-Hoffenheim-Sponsors Dietmar Hopp. Ein Film dokumentiert das Schicksal der Brüder. Mit der Familie Hopp verstehen sie sich inzwischen sehr gut.
Wie sie da so auf dem Sofa sitzen und verschmitzt lächeln, wie sie sich in ihren Erzählungen abwechseln und ergänzen und auch ein wenig widersprechen, da könnten sie zwei deutsche Brüder aus der Nähe von Heidelberg sein. Stolz auf ihre Heimat wären sie dann, die zwei alten Herren, stolz auf den Fußballverein aus ihrem Dorf, der jetzt so viele neue Bewunderer in ganz Deutschland hat.
Menachem Mayer und Fred Raymes können damit aber nicht dienen, obwohl sie aus Hoffenheim stammen. Sie lebten lange voneinander getrennt in Israel und den USA, sie hatten keinen Kontakt. Niemand mehr als sie wünschten, es wäre alles anders gekommen.
Dies ist ihre Geschichte.
Am Montagabend standen Menachem Mayer und Fred Raymes in Berlin auf der Bühne der Gala Cinema For Peace, praktisch neben Leonardo DiCaprio und Michail Gorbatschow. Die beiden bekamen einen Preis überreicht, den Award for the Most Inspirational Movie of the Year; die Schauspielerin Heike Makatsch gratulierte zu dem Film "Menachem und Fred".
Am Nachmittag auf dem Sofa war den Brüdern selbst nicht recht klar, wofür sie genau ausgezeichnet wurden. Da erschien wieder das Grinsen in ihren Gesichtern, gemildert durch Weisheit. Jetzt also ist ihr Werk der inspirierendste Film des Jahres geworden. Fred Raymes feierte vor ein paar Tagen seinen 80. Geburtstag, Menachem ist drei Jahre jünger.
Der Film erzählt die wundersame und schmerzhafte Wiederbegegnung der beiden mit Hoffenheim, mit ihrer Kindheit und ihrem Schicksal. Auch Hoffenheims berühmtester Bürger, der SAP-Unternehmer, Mäzen und Fußballförderer Dietmar Hopp, tritt darin auf, er kennt die beiden Brüder gut, und vielleicht ist dies die erstaunlichste Wendung des Films.
Denn eine mehr als 70 Jahre alte Leidensgeschichte findet zu ihrem Ursprung zurück. Menachem Mayer erzählt in stockendem Deutsch: "Es war schwer, uns für diesen Film zu entscheiden. Wir wollten ein Zeugnis für die Zukunft geben. Wir sind die letzten Mohikaner." Er hebt den Kopf und schaut zu Fred hinüber. Der nickt.
"Es ist wichtig. Es war emotional schwer, und manchmal haben wir gezweifelt."
Das erste Leben der Brüder dauert bis 1938. Fred heißt als Kind Manfred, Menachems Name ist Heinz. Die Mayers leben in Hoffenheim, der Vater ist Viehhändler und Synagogendiener. Sie gehen in die Schule, auf einem Foto stellen sich die Schüler auf die Stufen: viele Reihen kleiner Jungen und Mädchen.
In der Pogromnacht im November 1938 tauchen SA-Männer aus dem Dorf auf, sie zerstören die Synagoge und vertreiben die Mayers aus ihrem Haus. Der Name des SA-Anführers ist Hopp, Emil Hopp, der Lehrer des Dorfes. Seine Tochter Carola ging in die gleiche Klasse wie Heinz. Auf dem Foto sitzen sie wenige Meter voneinander entfernt.
Die Familie kam bei Verwandten unter. Die Familie kommt bis 1940 bei Verwandten unter, dann werden sie deportiert, in den Süden Frankreichs. Mit 6500 anderen Juden leben sie im Konzentrationslager Gurs, die Zustände sind schrecklich. Im bitterkalten Winter 1940/41 entschließen sich die Eltern, sich von ihren Kindern zu trennen. Heinz und Manfred kommen in ein Waisenhaus in Aspet, das der französischen Regierung untersteht.
Der Vater hebt sie morgens um acht Uhr auf einen Viehwagen, Heinz erinnert sich nicht an das Gesicht, nur an ein Paar große blaue Augen. Der Mann nimmt dem zwölf Jahre alten Manfred das Versprechen ab, sich um Heinz zu kümmern, immer. Manfred sagt Ja.
Ihre Mutter schreibt Briefe, kurze und lange, das Rote Kreuz befördert ihre Post. Sie stellt sich vor, wie es ihren Kindern geht. Sie fragt: "Blühen bei euch die Bäume?" Im August 1941 kommt der letzte Brief in Aspet an, die Eltern sind nach Auschwitz deportiert worden, sie werden dort umgebracht.
"Ich dachte, dass ich nie mehr nach Hoffenheim zurückkommen würde", sagt Menachem Mayer in Berlin. Fred ging es genauso. "Ich war elf Jahre alt damals, man hat mit elf ein ziemlich gutes Gedächtnis. Der Wunsch, die alten Plätze zu sehen, wurde immer stärker."
Im Film besuchen sie das Dorf, sie sprechen mit Einwohnern. Ihr Haus steht nicht mehr. In Frankreich erinnert nichts an das Lager in Gurs, ein Wald ist gewachsen. Immer wieder wenden sich die Männer von der Kamera ab, weil sie von Gefühlen überwältigt werden. Am Ende besuchen sie Auschwitz und gehen über die Gleise.
Fred sagt den Satz: "Meiner Meinung nach ist Gott hier gestorben."
Menachem sagt den Satz: "Der Gott, an den ich glaube, war nicht in Auschwitz."
Hilfsorganisationen und Quäker verstecken Heinz und Manfred, die Jungen überleben den Krieg, dann werden sie getrennt. Manfred beschließt, in die USA auszuwandern, Heinz bleibt in der Schweiz zurück. Bei der Einwanderung wird Manfred Mayer gefragt, ob er seinen Namen behalten will, er kürzt den Vornamen ab und stellt die Buchstaben des Nachnamens um, so wird Fred Raymes geboren.
Die jüdische Herkunft verschweigt er. Seine jüdische Herkunft bedeutet ihm fortan nicht viel, er verschweigt seine Wurzeln. Die deutsche Sprache "löscht" er aus seinem Kopf. Arbeit findet Fred als Raumfahrttechniker bei der Nasa, er gründet eine Familie, lässt sich in Florida nieder.
Heinz geht von der Schweiz aus nach Palästina, er heißt nun Menachem, engagiert sich als promovierter Biowissenschaftler in Israel und erzieht später seine Kinder im orthodoxen Glauben. Heute leben sie als Siedler in der Westbank.
Von Fred hört er nichts, die beiden stehen jahrelang nicht in Kontakt. Getrennt besuchen sie die Plätze ihrer Kindheit, Menachem ist 1974 in Hoffenheim, er hatte sich sehr gequält, doch die Neugier siegte. Fred wird 1972 von seiner Firma nach Europa gesandt, er nutzt die Chance und besucht das Dorf ebenfalls.
Im Grunde bringen erst die Briefe der Mutter aus dem Lager die Brüder wieder zusammen. Fred findet sie beim Umzug in den USA, er schickt sie nach Israel, Menachem nimmt den dicken Lederumschlag und steckt ihn in eine Schublade. Erst vor ein paar Jahren, als er sich darüber Gedanken macht, wie er seine Geschichte weitertragen kann, holt er die Briefe mit der altdeutschen Schrift wieder heraus - und schreibt an seinen Bruder. Aus der Korrespondenz und den Briefen entsteht 2003 ein Buch über die zwei Brüder, der englische Titel lautet übersetzt: "Blühen bei euch die Bäume?"
Auf diesem Umweg kommt auch die Familie Hopp aus Hoffenheim zu den Brüdern. Dietmar, Rüdiger und Carola Hopp sind die Kinder von Emil Hopp, dem SA-Mann. Sie schlagen vor, eine deutsche Ausgabe des Buches zu finanzieren. Zunächst haben sie den Wunsch, den Namen von Emil Hopp zu verschweigen, um Dietmar Hopp nicht zu schaden. Die Brüder sind zunächst einverstanden, ihre Kinder aber strikt dagegen. Als der Wunsch abgelehnt wird, sagen die Hopps, dass sie dennoch das Buch unterstützen. 2005 erscheint das "Aus Hoffenheim deportiert".
Waren die Brüder überrascht? Fred: "Ja, und die Überraschung nimmt kein Ende. Die Tatsache, dass sie die Übersetzung unseres Buches gefördert haben, war ein bescheidener Anfang. Wir haben nun eine wirklich nahe Beziehung." Menachem: "Wir schreiben uns regelmäßig, beinahe wöchentlich." Fred: "Da hat ein starker Heilungsprozess begonnen."
Hopp stellt sich der Vergangenheit des Vaters.
Die Hopps finanzieren schließlich auch die Reise beider Familien, die sich nie gesehen haben, nach Deutschland. Ein Kamerateam ist dabei, als in Hoffenheim eine Gedenktafel für die vertriebenen und deportierten Juden enthüllt wird. Die Kinder des SA-Mannes stellen sich der Vergangenheit. Im Film "Menachem und Fred" treffen sie sich zu einem Fest in Heidelberg über dem Schloss. Die Brüder sind stolz auf ihre Familien.
Haben sie Post von Privatleuten aus Hoffenheim bekommen? Fred: "Nein."
Menachem: "Weder von Privatleuten noch von offiziellen Stellen. Die ganze Initiative für die Gedenktafel ging von der Familie Hopp aus. Die Stadt hat sich nie um uns gekümmert oder irgendein Interesse gezeigt."
Der Mann schaut aus dem Fenster, sein Ton ist bitter. Beide Brüder wissen, dass sie das Richtige tun, wenn sie ihr Schicksal erzählen und dokumentieren. Kein Ereignis wird ungeschehen gemacht, doch Hoffnung bleibt. Im Oktober werden sie zum Start des Filmes wiederkommen. |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 135ff. |
 | Germania Judaica III,1 S. 570-571. |
 | Ludwig Streib: Die Israelitische Gemeinde in
Hoffenheim. 1918 bis 1945. Seminararbeit im Rahmen eines
Diakoniewissenschaftlichen-Kirchengeschichtlichen Seminars an der
Universität Heidelberg. 1989. 106 Seiten. Zahlr. Abbildungen. |
 | Heinrich Neu: Aus der Vergangenheit von Hoffenheim. 1953. S. 134ff.
|
 | Frederick
Raymes (Manfred Mayer)/Menachem (Heinz) Mayer: Aus Hoffenheim deportiert.
Der Weg zweier jüdischer Brüder. Hg. vom Heimatverein Hoffenheim. Verlag
Regionalkultur Heidelberg - Ubstadt-Weiher - Basel 2005.
Zu diesem Buch: Zwei Brüder (Manfred und Heinz Mayer), in Hoffenheim
geboren, wurden mit ihrer Familie 1940 nach Frankreich ins Lager Gurs
deportiert. Die Eltern kamen anschließend nach Rivesaltes, von wo sie zwei
Jahre später nach Auschwitz transportiert und ermordet wurden. Die zwei
Brüder wurden durch eine jüdische Organisation und Quäker in
französische und Schweizer Waisenhäuser gebracht. Schließlich wurden sie
getrennt.
Nach dem Krieg ging Fred, der ältere Bruder, in die Vereinigten Staaten.
Der jüngere Bruder, Menachem (Heinz), kam nach Israel. Beide studierten und
waren beruflich erfolgreich. Viele Jahre gab es fast keinen Kontakt zwischen
den Brüdern, bis sie das Bedürfnis verspürten, über ihre Erfahrungen zu
reden, besonders mit ihren Enkeln. Sie erneuerten ihre Beziehung zueinander
und schrieben zusammen diese ergreifende Geschichte ihrer Kindheit.
Dies ist eine der bewegendsten Biografien, die in den letzten Jahren
erschienen sind. Die ungewöhnliche Erzählweise, die Gespräche zwischen
den Brüdern als Versuch die Jahre der Trennung zu überbrücken, ihr Appell
an die Enkel und darin an unser aller Enkel, wird die Leserinnen und Leser
nicht ungerührt lassen.

Links: Artikel zur Buchvorstellung (Rhein-Neckar-Zeitung vom 8.
September 2005) |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hoffenheim Baden.
Jews were only permitted to settle after 1715 and numbered 11 families by 1755.
A Jewish elementary school was opened in 1840, with the Jewish population
reaching a peak of 227 in 1842 (about 15 % of the total). Thereafter it declined
steadily to 40 in 1933. Persecution commenced at the outset of Nazi rule.
Sixteen Jews left in 1933-39, 11 emigrating from Germany. On Kristallnacht
(9-10 November 1938) the synagogue was heavily damaged- The last 15 Jews were
deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940; another seven were
deported to the camps after seeking refuge in other German cities. Of thouse who
perished, 14 met their end in Auschwitz.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|