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Jahrestagungen von Alemannia Judaica Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (Frühere und bestehende) Synagogen Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region Bestehende jüdische Gemeinden in der Region
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version) In Karlsruhe besteht eine jüdische Gemeinde seit der Zeit
kurz nach Gründung der Stadt (1715), unterbrochen von 1940 bis 1945. Schon im
ältesten Bürgerverzeichnis der Stadt sind einige Juden aufgeführt. Um 1730
gab es in der Stadt etwa 100 Juden, im Jahr 1800 war die Gemeinde auf 530
Mitglieder angewachsen. An dem im 19. Jahrhundert aufblühenden wirtschaftlichen
Leben der Stadt und an der Industrialisierung waren zahlreiche jüdische Firmen
beteiligt wie die Papierfabriken Vogel und Bernheimer, die Kunstwollfabriken
Vogel und Schnurmann, die Lederfabrik Hermann und Ettlinger sowie der
Warenhauskonzern der Geschwister Knopf. Außerdem gab es vier jüdische Bankhäuser.
Aber auch in allen anderen Wirtschaftsbereichen waren Juden vertreten Sie
stellten 1928 26 % der Ärzte und 40 % der Rechtsanwälte der Stadt. Die höchste
Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1925 mit 3.386 Personen erreicht (2,3 % der
Einwohnerschaft). Nach 1945 entstand eine im Vergleich zur Vorkriegszeit
wesentlich kleinere Gemeinde, die um 1990 ungefähr 400, 2002 über 600
Mitglieder hatte (siehe folgende Seite). Schon vor 1725 hatte die in Karlsruhe entstandene jüdische
Gemeinde ein Haus nebst Hof und Garten in der Kronenstraße erworben, wo die Synagoge
und ein rituelles Bad (Badhaus) erbaut wurden. Als diese erste Synagoge der wachsenden Gemeinde nicht mehr
ausreichte, beauftragte sie einen gerade aus Italien zurückgekehrten, jungen
und vielversprechenden Architekten mit dem Bau einer neuen Synagoge, den Sohn
eines Karlsruher Zimmermeisters: Friedrich Weinbrenner. Markgraf Karl Friedrich
genehmigt am 2. Juni 1798 den Bau der Synagoge, der wenige Tage später
mit der Grundsteinlegung am 10. Juni 1798 begonnen werden konnte. Die Synagoge
war Weinbrenners erste größere Bauaufgabe in Karlsruhe. Zwei Pylonen nach ägyptischer
Art flanierten ein Portal, dessen Spitzbogenmuster in der Arkadenreihe darüber
wiederkehrte. Über einen langgestreckten, von dorischen Säulen umgebenen Hof
lenkte der Weg zum Haupteingang. 1800 konnten bereits die ersten Gottesdienste
in der neuen Synagoge stattfinden. Die feierliche Einweihung war jedoch erst 1806
im Beisein des Markgrafen Karl Friedrich. Die Gottesdienste wurden in der neuen Synagoge in
traditioneller Weise abgehalten, was jedoch vielen zunehmend liberal gesonnenen
jüdischen Familien der Stadt immer weniger zusagte. Nach dem Vorbild des
Berliner und Hamburger "Israelitischen Tempelvereins" schlossen sich daher im Frühjahr
1819 zehn jüdische Familien zu einem Karlsruher "Tempelverein" zusammen.
Ihr Ziel war - nach dem damaligen Bericht in einer jüdischen Zeitung -, "ihren,
durch den Druck vergangener Jahrhunderte in seiner Heiligkeit und ehrwürdigen
hohen Bedeutung gesunkenen Kultus zu reinigen, die Gebete... in deutscher
Muttersprache zu verrichten, und durch zweckmäßige Predigten das Gemüt der
Andächtigen erbauen zu lassen" (Sulamith 1819 S. 339f). Da diese Zielsetzung
den konservativ geprägten Familien zu weit ging, begann schon damals ein
Streit, der 1869 zur Abspaltung der jüdisch-orthodoxen Gemeinde führte. Am Abend des 29. Mai 1871 ging die Weinbrennersche
Synagoge in Flammen auf; das Feuer hatte von einem aus Holz gebauten Nachbarhaus
übergegriffen. Es war der größte Brand in der Geschichte Alt-Karlsruhes.
Die Flammen wüteten bis in die Mittagsstunden des folgenden Tages. Bis zur
Fertigstellung eines Neubaus mussten die Gottesdienste der jüdischen Gemeinde für
vier Jahre im oberen Saal des israelitischen Krankenhauses stattfinden, an den
hohen Feiertagen im größeren Saal der "Eintracht". Die Pläne zum Neubau einer Synagoge gehen bereits in die
Jahre zurück, als die Weinbrennersche Synagoge noch stand. 1862 wurde der
Abbruch des Weinbrennerbaus und ein von Baurat Prof. Josef Durm zu erbauender
Neubau für 60.000 Gulden erwogen. Der Brand der Weinbrennerschen Synagoge veränderte
die Planungen um den Synagogenneubau völlig. Nun stand der Ausführung der Pläne
von Durm nichts mehr im Wege. Allerdings sollte der von ihm geplante Bau
inzwischen etwa 100.000 Gulden kosten. Im März 1872 begannen die
Ausgrabungsarbeiten für die Synagoge und die sie flankierenden Nebengebäude in
der Kronen- und Kaiserstraße. Kurz vor Fertigstellung des Neubaus genehmigte
der Karlsruher Bürgerausschuss die Bewilligung einer Bauprämie als Zuschuss an
die Bauherrschaft, die Israelitische Stadtgemeinde. Zur Einweihung der
Synagoge am 12. Mai 1875 kamen neben Vertretern der israelitischen
Gemeinden, der Kirchen und der Stadt auch das Großherzogspaar, die Prinzessin
Wilhelmine, die Fürstin Hohenlohe-Langenburg und mit ihnen die Abordnungen der
Militär- und Zivilbehörden. Rabbiner Dr. Adolf Schwarz hielt die Festpredigt.
Nur wenige wussten, das seine Predigt eine Prüfungsarbeit für das Amt des
Stadtrabbiners war. Und da sie so eindrücklich vorgetragen worden war und die
Gemeinde begeisterte, wurde Dr. Schwarz ab dem 1. Juni 1875 für 18 Jahre
Stadtrabbiner in Karlsruhe. Die neue Synagoge hatte auch eine Orgel, was
letztlich zum Bruch mit den Orthodoxen in der jüdischen Gemeinde und zu deren
Entschluss zum Bau einer eigenen Synagoge führte. 59 Jahre, nachdem die Synagoge Weinbrenners durch einen großen
Brand zerstört worden war, ging auch die Synagoge Durms in Flammen auf. Beim Novemberpogrom
1938 wurde sie von NSDAP-Partei-Mitgliedern in Brand gesetzt. Die Feuerwehr
war zur Stelle, aber sie hatte den Befehl erhalten, nur dann einzugreifen, wenn
eines der benachbarten Häuser von den Flammen erfasst werden sollte. Bis Anfang 1939 wurde die ausgebrannte Ruine auf
Kosten der jüdischen Gemeinde abgetragen. Man plante, das Grundstück der
Synagoge zum Bau einer Großgarage zu verwenden. Die Steine wurden vor allem zum
Straßenbau in der Friedrichstaler Allee verwendet. Die jüdische Gemeinde konnte 1939 und bis zur Deportation
der Juden nach Gurs im Oktober 1940 ihre Gottesdienste noch in den früheren
Sitzungsräumen des jüdischen Gemeindehauses in der Herrenstraße 14 abhalten. Dieser Betsaal wurde auch nach 1945 ein erster Mittelpunkt des
erneuerten Gemeindelebens (siehe folgende
Seite). Auf dem mit einer Mauer aus Kalksteinquadern abgeschlossenen Synagogengrundstück in der Kronenstraße wurde 1963 zum 25. Gedenktag der Zerstörung der Synagoge eine bronzene Gedenktafel angebracht. Der leere Platz wird heute vor allem von den fünf hier angepflanzten Pappeln geprägt.
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| Die 1798-1806 erbaute Synagoge, 1871 abgebrannt (Architekt Friedrich Weinbrenner) |
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| Außenansicht | Modell der Synagoge Weinbrenners im Stadtmuseum Karlsruhe | Innenhof der Synagoge (um 1810) |
| Die 1872-1875 erbaute Synagoge (Architekt Josef Durm) (Quelle: Zives s. Lit. S. 52-55 bzw. GLA Karlsruhe) |
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| Außenansicht | Innenansicht | |
| Die Zerstörung in der Pogromnacht 1938 und der Abbruch der Synagoge | ![]() |
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| Abbrucharbeiten der zerstörten Synagoge | ||
| Der Synagogenplatz und um 1985 | ![]() |
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| Der Synagogenplatz | Die Gedenktafel | |
| 2002/03: Die Gedenkstätte für die zerstörte Synagoge (linkes Foto: A. Winkler) |
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| Gedenkstätte im Sommer 2003 |
Mahnwache zum Gedenktag der Synagogenzerstörung 9.11.2002 (Quelle und weitere Informationen zu diesem Projekt: hier anklicken) |
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Die orthodoxe Synagoge Karl-Friedrich-Straße
Links und Literatur
Links:
Literatur (Auswahl, weitere Literatur ist genannt in den Werken von Werner und Schmitt):
| Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 143-150. | |
| Jael Paulus: Die jüdische Gemeinde Karlsruhe, in: Juden in Baden 1809-1984, 175 Oberrat der Israeliten Badens. 1984. S. 227-234. | |
| Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. 1988. 1990² (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 9). | |
| Heinz Schmitt (Hg.) unter Mitwirkung von Ernst Otto Bräunche und Manfred Koch: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung. Karlsruhe 1988. 1990² (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 8). | |
| Franz-Josef Ziwes (Hg.): Badische Synagogen. 1997 S. 52-55. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Karlsruhe Baden. Jews arrived with a promise of equal rights when the city was founded in 1715 as the new capital of Baden-Durlach. Among the settlers was Josef Jaakov of Ettlingen, founder of the well-known Ettlingen family, and the Court Jew Emanuel Reutlinger. Under the count's general and personal letters of protection the community grew rapidly to 282 members in 1733. In 1724, Salomon Mayer (d. 1774), son-in-law of the prominent Court Jew Marx Model of Pforzheim, was appointed community head (parnas), subsequently founding a yeshiva. With the publication of the edicts of Baden in 1807-09, most Jews were granted full civil rights and a Central Council (Oberrat) for Baden Jews was established in Karlsruhe. In 1806 a new synagogue was consecrated and in 1827 the city became the seat of the district rabbinate. A Jewish elementary school was opened in 1816, enrolling 100 children within a few years as the Jewish population grew steadily through the century, rising from 893 in 1825 to 2,577 in 1900 (total 107,765). In addition to being the seat of Jewish institutions serving all of Baden, the community maintained a broad range of social and cultural activities, with the Central Union (C.V.) and B'nai B'rith imbuing the spirit of Liberalism. The Reform movement made its first inroads in 1819 when ten families formed a Temple society on the Hamburg model and instituted Reform prayer. In 1869, after an organ was introduced into the synagogue, 24 Orthodox families founded an Adass Jeshurun congregation, with its own elementary school and the only Jewish kindergarten in Baden. After the split in the congregation, Dr. Meier Appel (1851-1919) became chief rabbi, serving also as chairman of the Association of Liberal German Rabbis from 1899. Among Jewish public figures the most prominent was Moritz Ellstätter, Baden's minister of finance in 1878-93. In 1900, Dr. Nathan Stern was appointed to the Baden Supreme court and in 1914 became president of the Mannheim District Court (the first Jew in Germany to hold such a position). The Seligmann factories employed 800 workers and other Jewish factories produced paper, synthetic wool, and malt and processed leather and metals. Jews were also leading wholesalers (felt, books) and from the 18th century, operated Hebrew printing presses. They were also active in the professions and the arts. Hermann Levi was named Court Conductor in 1864. Prof. Richard Willstaetter won the Nobel Prize for chemistry in 1915. Though Jews participated fully in public life, it was often in the face of antisemitism, with particular outbursts in the Hep! Hep! riots of 1819 and the revolutionary disturbances of 1848. After Worldwar I the East European component of the community grew to 22 %, constituting a lower economic class aided by the rest of the community. Many national conferences of Jewish organizations took place in Karlsruhe, including Zionist youth in 1932. The focus of the community's cultural life was the Bialik Lehrhaus for adult education, where lectures, courses, concerts, and exhibitions were held. In the Weimar period the Jews maintained their leading economic position. The Knopf chain of department stores had its main branch in Karlsruhe; Jews owned four banks and 26 % of the city's doctors and 40 % of its lawyers were Jews. Dr. Ludwig Marum was Baden's minister of Justice and Karlsruhe's representative in the Reichstag in 1928-32. In 1925 the community reached a peak population of 3,386, but from that point the birthrate declined steeply and a trend of negative natural increase set in. Antisemitism intensified after Worldwar I, with anti-Jewish food riots in 1920 and a swastika-painting outburst in 1926.
In 1933, there were 3,199 Jews in the city. The
Liberals controlled the community council with 16 of 28 seats. The community
maintained two old age homes and a hospital and operated numerous welfare
services (societies for the distribution of food and fuel, for the support of
the widows, for assistance to the sick, etc.). With the onset of Nazi rule,
judges, teachers, doctors, and officals were fired from the public service and
Jewish bussinessmen were forced to liquidate. The last Jewish bank was sold in
1939. The community continued its social and educational services and rendered
assistance towards emigration. In 1936, 500 Jews were enrolled in courses at the
Bialik Lehrhaus, with such lecturers as Martin Buber making appearances. The
community also published a biweekly newspaper, the Israelitisches
Gemeindeblatt, and operated an elementary school enrolling 225 children in
1938-39. Both the Zionists and the Hilfsverein had offices promoting emigration,
with the ICA and Jewish Agency offering active assistance. In September 1936 a
group of 680 youngsters from Karlsruhe and other places in Germany left for
Palestine within the framwork of Youth Aliya. In all, at least 2,000 of
Karlsruhe's Jews emigrated in 1933-39. On 28 Ocotber 1938, all Jewish men of
Polish extraction were expelled to the Polish border, their families joining
them later and most ultimately perishing in the ghettoes and concentration camps.
On Kristallnacht (9-10 November 1938), the Adass Jeshurun synagogue was
burned to the ground, the main synagogue was damaged, and Jewish men were taken
to the Dachau concentration camp after being beaten and tormented. Deportations
commenced on 22 October 1940, when 893 Jews were loaded onto trains for the
three-day journey to the Gurs concentration camp in France. Another 387 were
deported in 1942-45 to Izbica in the Lublin district (Poland), Theresienstadt,
and Auschwitz. Of the 1,280 Jews deported directly from Karlsruhe, 1,175
perished. Another 138 perished after deportation from other German cities of
occupied Europe. In all 1,421 of Karlsruhe's Jews died during the Holocaust. A
new community was formed after the war by surviving former residents, wth a new
synagogue erected in 1971. It numbered 359 in 1980.
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