Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
Zurück zur Übersicht: "Jüdische Friedhöfe in der Region" 
Zur Übersicht: Jüdische Friedhöfe in Baden-Württemberg
   

Karlsruhe (Stadtkreis)
Orthodoxer jüdischer Friedhof Haid- und Neustraße

Jewish Cemetery - Cimetière juif

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Siehe Seite zur Synagoge in Karlsruhe (interner Link)    
     

Zur Geschichte des Friedhofes  

Bereits einige Jahre vor Anlage eines neuen allgemeinen jüdischen Friedhofes an der Haid- und Neustraße 41-45 wurde von der orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaft in Karlsruhe 1872 ein eigener Friedhof angelegt, der einige Besonderheiten aufweist, insbesondere die nur hebräisch beschrifteten Grabsteine (Fläche 20,10 ar). 
  
  
Über den neuen Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft 
und seine Einweihung anlässlich der Beisetzung von Baruch Wormser, dem Gründer und erstem Vorsteher der Israelitischen Religionsgesellschaft  (1872)
          

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1872: "Der neue Friedhof der israelitischen Religionsgesellschaft zu Karlsruhe. Mainz, 11. Juli (1872). Unsere Leser wissen, dass von allen orthodoxen Separat-Gemeinden in Deutschland diejenige zu Karlsruhe in Baden die politisch am meisten selbstständige ist; während die übrigen ähnlichen Religionsgesellschaften zu den Kultuskosten der Reformgemeinden Beiträge leisten müssen, sind die Orthodoxen Karlsruhes von dieser Pflicht befreit. Dafür hat sie der Gemeindevorstand von dem Mitgenuss der Gemeindeinstitutionen, wie Friedhof, Mikwe usw. ausgeschlossen. In Folge dessen hat die Religionsgesellschaft mit rühmenswertem Eifer für Herstellung eigener Institutionen Sorge getragen; ein nicht allein nicht rabbinischer Vorschrift, sondern auch schön, bequem und elegant eingerichtete Mikwe wurde mit nicht unbedeutenden Kosten hergestellt; der Erwerbung eines Friedhofes aber stellten sich Schwierigkeiten entgegen. Die Behörde verlangte, dass die aus der israelitischen Gemeinde Ausgeschiedenen die Leichen auf dem allgemeinen städtischen Friedhofe bestatten sollten, und gestattete erst, nachdem von vielen Rabbinen, auch vom Herausgeber dieser Blätter, Gutachten waren abgegeben worden, die Akquirierung eines eigenen Begräbnisplatzes. Kaum war das geschehen, noch war die Mauer um den neuen Friedhof nicht vollendet, als Herr Baruch Wormser - er ruhe in Frieden - aus diesem Leben abberufen wurde. Der Genannte war nicht allein der erste Vorsteher der Religionsgesellschaft, er war eine in vielen Beziehungen hervorragende Persönlichkeit. Der einzige Sohn des seligen Rabbi Kaufmann Wormser, der außer ihm vier Töchter hatte, der Schwager des hochberühmten Rabbi Jacob Ettlinger - seligen Andenkens -, des Oberrabbinen von Altona, lebte und wirkte er im Sinne und Geiste seines Vaters und seines Schwagers, erzog er im Vereine mit seiner edlen Gattin seine elf Kinder in demselben Sinne und Geiste; seine innige, aufopferungsfähige Frömmigkeit kannte keine Grenzen. - Viele Jahre lang stand er als Vorsteher der Gesamt-Gemeinde Karlsruhe vor, war er Mitvorsteher zahlreicher, wohltätiger Vereine, sammelte er die Unterstützungsgelder für die Armen des heiligen Landes aus ganz Baden. 
 Die allgemeine Teilnahme zeigte sich beim Leichenbegängnisse. Nicht allein fast alle Israeliten und viele Nichtjuden Karlsruhes folgten der Bahre - die Freunde, Verwandten und Verehrer des Heimgegangenen waren       
Karlsruhe Israelit 17071872ffb.jpg (321278 Byte) aus der Nähe und der Ferne zahlreich herbeigeströmt. Im Trauerhause sprach zuerst Herr Kreisrabbiner Ettlinger aus Mannheim (ein Bruder des Altonaer Rabbinen - er ruhe in Frieden) und dann ein Schwiegersohn des Betrauerten, Herr Dünner aus Köln (ein Bruder des Seminar-Direktors zu Amsterdam); auf dem Friedhofe wurden zunächst einige Psalmen zur Einweihung desselben rezitiert; dann sprach Herr Stiftsrabbiner Weil, der stets die rabbinischen Funktionen bei der Religionsgesellschaft vollzieht. Hierauf sprach der Herausgeber dieser Blätter. Zur Kennzeichnung der Situation lassen wir hier die Rede folgen, wie wir solche später aus dem Gedächtnisse niedergeschrieben haben; wir glauben, dass sie auch für weitere Kreise Interesse hat, zumal da wir schon häufig dem Vorurteile begegnet sind, dass die Friedhofsfrage berechtigt sei, eine vollständige Trennung zu hintertreiben. Wir sagten:   
Wir haben soeben, meine Freunde, aus beredtem Munde die Frage des Propheten Jesajas wiederholen hören: 'Was hast Du hier und wen hast Du hier, dass Du dir hier ein Grab aushauest?' (Jesaja 22,16) und so frage auch ich Dich, Du teurer Dahingeschiedener: 'Was hast Du hier und wen hast Du hier, dass Du hier, dass Du Dir hier hast bereitet ein Grab?' Nicht ruht hier Dein unvergesslicher, von Dir so heißgeliebter, von aller Welt einst so hochverehrter Vater, neben dessen Grabstätte Du Dir schon vor Jahren einen Raum gekauft, um dort Deine sterbliche Hülle zu bergen, nicht ruhet hier die geliebte Mutter, nicht die Freunde und Verwandten, die Dir vorausgegangen zur ewigen Heimat! Eine einsame Grabstätte hast Du Dir erkoren, die noch vor kurzer Zeit ein Ackerfeld gewesen, deren Umzäunung noch nicht einmal vollendet ist? Höhnend hörte ich die Leute reden: Das ist nicht die Grabstätte der Väter, zu der Deine Leiche gebracht wird! Und wahrlich, gerade in der jüdischen Gemeinschaft wird und wurde es so vielfach ersehnt, bestattet zu werden an der Seite der Eltern und Verwandten. Du aber hast verzichtet auf die Stätte neben Deinem Vater, die schon lange Dein Eigentum geworden war, um Dir zu bereiten ein einsames Grab! 
Was hast Du hier und wen hast Du hier, dass Du dir hier ein Grab aushauest?  
Meine Freunde! Andere haben in beredten Worten, in warmen Gefühlsergüssen all die hohen Vorzüge, all die edlen Tugenden geschildert, die dem teuren Dahingeschiedenen in so reichem Maße eigen waren; mir aber gestattet Ihr wohl, mich auf die Beantwortung der Frage zu beschränken, die ich soeben mit den Worten des Propheten an unsern edlen, teuren, tiefbeklagten, für uns leider verlorenen Freund gerichtet; denn ein hoher, erhabener, allgemeiner Grundsatz, der wohl der Erörterung wert ist, muss dabei zur Darlegung gelangen. Der teure Dahingeschiedene hat während seines Lebens durch sein Tun und Wirken, sein Streben, Ringen und Kämpfen bewiesen, dass er seinen Gott geliebt hat mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allem seinem Vermögen; sein großes, edles Herz war ungeteilt dem Dienste Gottes gewidmet, sein Leben hätte er gern und freudig hingegeben, wenn dieses Opfer wäre von ihm verlangt worden, sein Vermögen betrachtete er erst dann als sein Eigentum, wenn er den zehnten Teil seines Erwerbs und mehr allwöchentlich vor dem Beginne des Sabbats abgesondert hatte, um diesen Teil im Dienste Gottes und der leidenden Menschheit zu verwenden - dass er aber auch im Tode auf die längst erkorene und erworbene Stätte neben des heißgeliebten Vaters Ruheort verzichtet, um sich hier ein einsames Grab zu erwerben, das ist der Ausfluss eines von dem Heimgegangenen betätigten, erhabenen Grundsatzes, der dieser Stunde eine besondere Weihe, eine große Bedeutung verleihet.  
Es gibt zwei, in jüdischen Kreisen oft genannte Worte, von denen das eine einen sehr guten, das andere einen sehr schlimmen Klang hat. Das wohlklingende Wort heißt Schalom, Friede, das schlimm klingende Machaloket Zank, Streit, Hader, und doch ist manchmal das letztere dem ersteren vorzuziehen. Den Frieden bezeichnen die Weisen als dasjenige Gefäß, das alles Gute zu fassen geeignet ist; aber der Inhalt ist of kostbarer als das Gefäß, und so kann es manchmal kommen, dass man das Gefäß zerbrechen muss, um den Inhalt zu retten. Und auch das böse Wort Machaloket hat oft sein Gutes. So lesen wir in der 17. Mischnah des 5. Abschnittes des Traktats Aboth '
Jeder im Namen des Himmels, d.h. in reiner Absicht geführte Streit, wird endlich bestehen
.' Wir sehen also, dass es einen Streit im Namen des Himmels gibt. Warum selbst einem solchen das Bestehen als etwas Gutes in Aussicht gestellt wird, warum es nicht besser wäre, wenn selbst ein solcher Streit seine endliche Lösung finden möchte, ist nicht recht abzusehen; daher erklärt Rabbi Jizchak Arama in seinem Werke 'Akedath Jizchak' die Mischnah anders; er lehrt uns, dass der Tannai nicht eine Folge hier in Aussicht stellen, sondern uns ein Kriterium geben will, durch welches wir erkennen, ob ein Streit im Namen des Himmels geführt wird oder nicht. Daher legt er den Worten in reiner Absicht den Sinn unter: 'dessen Endzweck aufs Erhalten gerichtet'. Es behauptet jeder Streitende, dass auf seiner Seite das Recht sei, dass er im Namen des Himmels streite; selbst Korach behauptete dieses, wie wir es am nächsten Sabbat in der Thora lesen werden. So wisset denn: ist der Endzweck des Streites aufs Erhalten gerichtet, dann wird der Streit, wie jener Hillel und Schammais, im Namen des Himmels geführt, - ist er aber, wie der Korachs und seiner Rotte, aufs Zerstören gerichtet, dann ist er     
Karlsruhe Israelit 17071872ffc.jpg (300679 Byte) ein Streit, der nicht im Namen des Himmels geführt wird, ein Streit, aus niederen, eigennützigen Beweggründen entsprungen. 
Wahrlich, der Streit den der Dahingeschiedene und seine Gesinnungsgenossen geführt haben und führen, er ist ein Streit im Namen des Himmels, denn es handelt sich darum, die Religion der Väter unverkürzt und unverfälscht uns und unseren Kindern zu erhalten, und ich kann dem geliebten Toten keinen besseren Nachruf weihen, wie wenn ich die erhabenen Grundsätze darlege, die er mit solcher Entschiedenheit vertreten und die ihn im Tode noch in diese einsame Grabstätte geführt haben. 
I. Es sind drei große Grundsätze, auf denen die Religion Israels beruht, und diese Grundsätze wollte Korach, der ja unsern modernen Religionszerstörern als Vorbild dient, vernichten. Schon ehe Gott sich auf Sinai seinem Volke offenbarte, schickte er die Verkündigung dieser Grundsätze voraus. Dort heißt es: 
'Siehe, ich komme zu dir in dichtem Gewölk [Gott kömmt zu Jisrael, er hat besondere Fürsorge für Israel], damit das Volk höre, dass ich mit dir rede [Gott redet mit den Propheten, es gibt also eine den Propheten gewordene Offenbarung des Gottes-Geistes], und auch an dich (Moscheh) werden sie ewiglich glauben [d.h., dass die Prophetie Mosche's eine besondere und vor allen anderen hervorragende, von allen vorhergehenden und nachfolgenden Offenbarungen unerreichte und unerreichbare ist]. 2. Buch Mose Kap. 19, Vers 9. Diese Grundsätze wollte Korach nicht allein leugnen, sondern aufgeben. Deshalb kleidete er, wie die Weisen im Midrasch erzählen, seine Anhänger in Gewänder von blauem Purpur und führte sie vor Moscheh, fragende: 'Müssen diese Gewänder mit Schaufäden versehen werden?' Und als Moscheh bejahend antwortete, da verspotteten in Korach und die Seinen und sprachen: 'Ein purpurblauer Faden genügt und diese ganz purpurblauen Gewänder sollten noch eines solchen Fadens bedürfen?   
Wenn wir auf die eigentliche Bedeutung des Zizit-Gebotes eingehen, so werden wir auch den Sinn dieser Erzählung verstehen. Gott hat befohlen, den blauen Zizit-Faden anzuschauen, damit wir aller seiner Gebote gedenken; denn, lehren die Weisen, das Purpurblau ist ähnlich der Farbe des Meeres, das Meerblau aber ist ähnlich der Bläue des Himmels und diese erinnert an den Thron von Gottes Herrlichkeit; so führt uns das Betrachten des Techeleth in unserem Denken bis an den Thron des himmlischen Vaters. Von dorther stammen die Offenbarungen der Propheten; sie sind der Faden, der von Gottes Thron bis zu uns hernieder geht.  
Aber auch unsere Vernunft stammt von Gottes Thron. - 'Da wir im Besitz der Himmelstochter Vernunft, wozu bedürfen wir da des prophetischen Leitfadens?* fragt Korach.   
Sind das nicht dieselben Einwendungen gegen Gottes Gebote, die wir noch heute vernehmen? Und als man in dieser Stadt Versammlungen hielt und Beschlüsse fasste, eine neue Synagoge zu bauen, Orgel und Reform-Gottesdienst einzuführen, da stellte man sich auf den Standpunkt Korachs, da war es nicht um den Orgelklang und um die deutschen Gebete zu tun, sondern es sollten damit die alten Wege des Judentums verlassen, die menschliche Vernunft sollte höher gestellt werden als die Offenbarungen, die den Propheten geworden.    
'Die Himmel sind mein Thron,' ruft Jesajas in der Haftarah des kommenden Sabbat Rosch chodesfch, 'die Erde meiner Füße Schemel, welches ist das Haus, das ihr mir bauen wollt?' Nicht prachtvolle Synagogen verlangt Gott, in denen der Orgel Töne brausen, sondern auf Denjenigen schaut Er, der sich scheut, Gottes heiliges Wort zu verletzen.   
Trügerisch, getrübt durch irdisches Befangensein ist die menschliche Vernunft, selbst große Propheten haben geirrt, da sie der eigenen Einsicht folgten; Samuel irrte, da er den Ältesten der Söhne Jischai's zum Könige salben wollte, bis Gott ihm den David zeigte; der Prophet Nathan irrte, da er David gestattete, das Heiligtum zu bauen und musste auf Gottes Geheiß die eigenen Worte widerrufen! der Prophet Michajah musste den Rat zurücknehmen, den er nach eigenem Ermessen dem König Achab erteilt hatte; denn selbst die Propheten sind fehlende, irrende Menschen, wenn sie die eigene Vernunft walten lassen, und nur die Offenbarungen Gottes sind untrüglich.  Für die Wahrheit der Prophetie ist der Dahingeschiedene eingetreten mit all der Tatkraft, die er in so reichem Ma0pe besaß0. Wie Moscheh einst die Lewiten, so hat er die Treugebliebenen um sich gesammelt, und deshalb hat er sich diese einsame Grabstätte bereitet; um den Glauben an die Offenbarung Gottes zu erhalten, hat er es vorgezogen, fern von den geliebten Eltern zu ruhen.     
II. Korach, erzählen die Weisen, füllte ein Haus mit Torarollen und fragte: 'Muss die Pforte dieses Hauses eine Mesusa tragen?' Und als Moscheh bejahte, da verhöhnte er ihn und sprach: 'Zwei Paraschot genügen, und die 275 der ganzen Tora sollten nicht genügen!'      
Karlsruhe Israelit 17071872ffd.jpg (301629 Byte) Es ist der Glaube an die besondere Fürsorge, die Gott für Sein Volk Israel hat, welche Korach bekämpfen wollte; warum zwei Paraschot aus 275? warum Israel aus der Mitte der Nationen? Und auch darin haben ihn seine modernen Nachfolger zum Muster genommen. Der Glaube an die besondere Erwählung Israels ist den modernen Religionsverächtern ein Dorn im Auge. Sie wollen allmählich die Eigentümlichkeiten Israels hinwegräumen oder doch verwischen, damit allgemach Israel verschwinde aus der Reihe der Völker und in ihnen aufgehe. Und doch hat Gott Israel nur deshalb erwählt, um durch dieses Sein Volk dereinst die ganze Welt zu beglücken, um durch Israel die Tage des Glückes herbeizuführen, in denen Krieg und Streit, Laster und Verbrechen von der Erde verschwunden sein werden, in welcher von Gotteserkenntnis voll sein wird die Erde, in denen umschmieden die Völker ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Winzermessern. So singt auch der königliche Sänger:
 'Lobet den Ewigen, alle Völker, preiset Ihn, alle Nationen, denn stark waltet über uns Seine Liebe und (weil das auch zu Eurem Besten, so offenbart sich dadurch) die Wahrheit (Treue, Gerechtigkeit) des Ewigen für immer, lobet Gott!' (Psalm 117).   
Es ist bekannt, dass die zehn Gebot, die ganze Tora in nuce enthalten; weniger bekannt ist es, dass nach dem Talmud Jeruschalmi (Berachot, Ende des 1. Perek) die Paraschot von Kriath Schema die zehn Gebote enthalten:  
Das erste Gebot: Ich bin der Ewige Dein Gott = höre Israel, der Ewige unser Gott...'  
Das zweite Gebot: nicht sollen Dir sein andere Götter = 'der Ewige ist einzig'  
Das dritte: Du sollst den Namen des Ewigen nicht vergeblich aussprechen = 'und Du sollst lieben den Ewigen, Deinen Gott', denn, wenn Du Gott liebst, so wirst Du Seinen Namen nicht missbrauchen.  
Das vierte Gebot: sei eingedenk des Sabbat = damit Ihr gedenket und tut alle Gebote des Ewigen;' denn der Sabbat wiegt so schwer wie alle Gebote zusammen.  
Das fünfte: ehre Deinen Vater und Deine Mutter, damit Du lange lebest = 'damit sich mehren Eure Tage und die Tage Eurer Kinder. '  
Das sechste: Du sollst nicht morden = 'und Ihr werdet zu Grunde gehen schnell' denn wer tötet. wird getötet.  
Das siebente: 'Du sollst nicht ehebrechen = und Ihr sollt nicht nachwandeln Euren Herzen und Euren Augen;' denn das Auge ist der Vermittler der Wollust.  
Das achte: Du sollst nicht stehlen = 'und Du wirst einsammeln Dein Getreide', nicht aber das Anderer.  
Das neunte: Du sollst nicht aussagen wider Deinen Nächsten als ein lügenhafter Zeuge = 'der Ewige, Euer Gott, ist die Wahrheit'.  
Das zehnte: Du sollst nicht gelüsten nach Deines Nebenmenschen Haus = 'und Du sollst sie schreiben an die Pfosten Deines Hauses' und nicht an die Pfosten des Hauses Deines Nächsten.   
Wie also diese Paraschot die zehn Gebote und somit die ganze Tora in sich fassen, so fasst Israel gleichsam die ganze Welt in sich, und wenn wir Gottes Gebote beobachten und in Seinem Geiste leben und weben, so werden wir zum Glücke der ganzen Welt beitragen.  Unsere modernen Brüder aber wollen Israel verschwinden lassen vom Erdboden, wollen es aufgehen lassen inmitten der Nationen. Ach sind es doch gerade die Vorsteher der Gemeinde, die an Intelligenz und Mitteln Hervorragenden, die berühmten Männer in Israel, die sich auflehnen wider unsern Gott! Und diesen trat der Dahingeschiedene gegenüber, mutig und ausdauernd im Kampfe, um uns und unsern Nachkommen den Geist der Väter zu erhalten, der uns der besondern Fürsorge Gottes würdig macht.  
 III. Es war die hervorragende Prophetie Moscheh's, die Korach ferner bestritt, da er dem Gottesmanne bei Besetzung der Hohen-Priester-Würde eigensüchtige Motive unterschob.  
Die hervorragende Prophetie Moscheh's gipfelt sich in den Geboten und Verboten, die Gott durch ihn uns gegeben: alle 613 Gebote sind in Torat Moscheh enthalten. Das ist's, dem Korach und sein Anhang widerstrebten; das schwerdrückende Joch der Mizwot wollten sie nicht tragen 'wenn man nur sich so ganz im Allgemeinen Gott weihet und Gott im Herzen trägt!' das ist ja noch heute die Parole.   
Was sind am Ende die Reformen im Gottesdienste im Vergleiche mit den vielen anderen Dingen, die uns von unsern modernen Brüdern trennen! Sabbat, Ehegesetze, Speisegesetze, die sie in Synoden aufheben wollen, im praktischen leben längst aufgegeben haben - das sind Scheidewände, die sie aufrichten zwischen sich und uns. Und dem gegenüber gibt es nur eine Losung: trennt euch! Und diese Losung hat der Dahingeschiedene gegeben, für sie hat er gestrebt, gekämpft, gelitten, - ja gelitten! Für sie hat er sich ausschließen lassen von den Gräbern seiner Väter.  
Wahrlich, man hört höhnen und sprechen: Baruch Wormser hat die Trennung hervorgerufen, er hat's     
Karlsruhe Israelit 17071872ffe.jpg (200314 Byte)dahin gebracht, dass man ihn ausgeschlossen von den Gräbern der Seinen - jetzt wird ihm ein einsames Grab bereitet auf einem noch nicht völlig umzäunten Ackerfelde! Und selbst Solche, die sonst achten auf Gottes Wort, lassen durch derlei Reden betören. 'O, höret Gottes Wort', ruft der Prophet in der Haftara des kommenden Sabbat, 'ihr, die ihr achtet auf sein Wort; sie haben gesprochen, eure Brüder, die euch hassen, die euch verstoßen; um meines Namens willen wird ehren der Ewige, und Er wird erscheinen bei eurer Freude, und sie werden beschämt werden.'  
Warum hasset ihr, warum höhnet ihr, warum verstoßet ihr? Hat der Edle hier jemals Jemandem wehe getan, hat sein edles Herz nicht in Liebe umfasst alle Menschen, hat er nicht Gutes getan allen Armen ohne Unterschied, war an seinem Charakter ein Makel, war sein Name nicht hochgeehrt bei Juden und Nichtjuden? Müsset nicht auch ihr sagen, er war ein überzeugungstreuer Mann? Und dieses einsame Grab - er ist nicht darum zu beklagen, er ist darob glücklich zu preisen; es ist ihm ein Denkmal der unbegrenzten Hingebung und Überzeugungstreue, wie ihm keins in Erz oder Marmor gesetzt werden könnte. 
So wollen wir denn scheiden von Dir, Du Edler, um den unsere Tränen so reichlich fließen; Deine irdischen Überreste wird bald die Erde decken, während Dein unsterblicher Geist sich aufschwingt zum Throne des Allherrn. Du bleibst immer der Edelstein, der Du gewesen. Wir aber, die Deinen, Deine Gemeinde, Dein Vaterland, Israel, die Welt, wir haben Dich verloren! Und doch lebst auch Du fort in unserer Mitte durch Deine edlen Taten, durch die Religionsgesellschaft, die Du gegründet, durch die Söhne und Töchter, die in Deinem Sinne und Geiste leben und wirken, durch die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, die Du lediglich in Rücksicht auf Gott und seine Tora gewählt hast. Wehe, welch ein Frommer, welch ein Demütiger ist von uns gegangen! Welch ein edler Sohn, welch ein zärtlicher Bruder, welch ein treuliebender Ehegatte, welch ein fürsorglicher Vater, welch ein edler Jude, welch ein guter Bürger, welch ein Mensch im höchsten, erhabensten Sinne des Wortes? 
Ja, sein Fortgehen lässt eine Lücke, eine schmerzliche Lücke zurück! Darum, meine Freunde, wollen wir, ein Jeder von uns, uns bemühen, diese Lücke auszufüllen! Sein edles Wirken und Streben soll uns zum Vorbilde gereichen, zur Nacheiferung anspornen!  
Und was soll ich noch zur Weihe dieser Ruhestätte sagen? 'Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt sein Wort und seine Tat dem Enkel wieder.' Kann es eine größere Weihe geben für diesen Ort, als die, dass Baruch Wormser hier wird bestattet werden? 
Du aber, ob Gott, Du mögest verschwinden lassen den Tod für immer und trocknen die Träne von jeder Wange, mögest schwinden lassen die Sünden von der Erde - dann werden Frevler nicht mehr da sein, und auf Streit und Hader mögest Du Deinen Frieden folgen lassen, Amen!"   

 
  
Die Lage der jüdischen Friedhöfe an der Haid- und Neustraße      

Karlsruhe FriedhofPlan.jpg (233527 Byte)
Lage der jüdischen Friedhöfe in Karlsruhe
 (durch Pfeile markiert: Pfeil rechts oben markiert die beiden Friedhöfe an der Haid- und Neustraße 
(Karte kann durch Anklicken vergrößert werden)
Lage der jüdischen Friedhöfe Haid- und Neustraße in Karlsruhe auf dem dortigen Stadtplan: oben anklicken und unter "Straßen & Plätze" weiterklicken zu "Haid- und Neustraße" (der jüdische Friedhof ist innerhalb des Kreises) oder unter "Behörden und öffentliche Einrichtungen" zu "Hauptfriedhof"

    
    
Fotos
Neuere Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.9.2003)

Karlsruhe Friedhof or161.jpg (89978 Byte) Karlsruhe Friedhof or155.jpg (109712 Byte) Karlsruhe Friedhof or150.jpg (112579 Byte)
Eingangstor zum orthodoxen Friedhof Blick über den Friedhof Teilansicht
     
Karlsruhe Friedhof or152.jpg (92397 Byte) Karlsruhe Friedhof or151.jpg (93724 Byte) Karlsruhe Friedhof or154.jpg (94901 Byte)
An der Mauer Grabsteine vom aufgelösten Friedhof am Mendelssohnplatz  Teilansicht  
   
Karlsruhe Friedhof or159.jpg (65283 Byte) Karlsruhe Friedhof or156.jpg (68853 Byte) Karlsruhe Friedhof or153.jpg (84831 Byte)
Einzelne Grabsteine  
 
Karlsruhe Friedhof or160.jpg (80711 Byte) Karlsruhe Friedhof or157.jpg (88766 Byte)  
  Neuere Grabsteine  

   

Ältere Fotos
(Fotos: Hahn, entstanden Mitte der 1980er-Jahre)

Karlsruhe Friedhofo01.jpg (99162 Byte) Karlsruhe Friedhofo06.jpg (143729 Byte) Karlsruhe Friedhofo03.jpg (146097 Byte)
Eingangstor für den orthodox-jüdischen Friedhof Teilansichten des Friedhofes
   
Karlsruhe Friedhofo04.jpg (141979 Byte)  Karlsruhe Friedhofo05.jpg (126687 Byte) Karlsruhe Friedhofo07.jpg (143777 Byte)
               
      
  Karlsruhe Friedhofo02.jpg (140831 Byte)  
  Auffallend sind auch im neueren Teil die nur hebräisch beschrifteten Steine  

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Karlsruhe 
Website des Zentralarchivs Heidelberg mit Informationen zu den jüdischen Friedhöfen in Karlsruhe
 Website der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe

Literatur:

Karlsruhe Friedhof101.jpg (15159 Byte)Karl Zahn
Gräber, Grüfte, Trauerstätten. Der Karlsruher Hauptfriedhof.
herausgegeben vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche
224 Seiten mit 30 Farb- und 107 s/w-Abbildungen, gebunden, ISBN 3-88190-282-1, € 26,-

  

                   
vorheriger Friedhof     zum ersten Friedhof    nächster Friedhof

            

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. September 2011