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Frankenthal (Pfalz)
(Kreisfreie Stadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Zur jüdischen Geschichte in Frankenthal siehe
vpr allem die Seiten bei
www.juden-in-frankenthal.de
des "Fördervereins für jüdisches Gedenken in Frankenthal e.V."
(Vorsitzender: Herbert Baum)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Frankenthal (Stadtrechte seit 1577) bestand eine
jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17.
Jahrhunderts zurück. Vorübergehend waren in der Zeit des Dreißigjährigen
Krieges zwei jüdische Familien in der Stadt, die jedoch wieder ausgewiesen
wurden (1637). Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zu einer
längeren Ansiedlung: 1674 waren es bereits 14 jüdische Familien in der Stadt. 1679 wird
eine Judengasse (heute: Holzhofstraße) genannt. Nach der Zerstörung
Frankenthals durch französische Truppen im September 1689 ließ der
Stadtrat zunächst keine neue Ansiedlung jüdischer Familien zu.
1708 wird wiederum eine jüdische Familie genannt, 1726 waren es sechs bis
zehn relativ vermögende jüdische Familien in der Stadt. 1771 wurde durch
Kurfürst Karl Theodor die Höchstzahl der Frankenthaler "Schutzjuden"
auf 15 festgelegt. Die jüdischen Familien lebten insbesondere in der Sterngasse
und der Schlossergasse. 1785 wird ein erster Gemeindevorsteher genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1800 93 jüdische Einwohner, 1804 86, 1823 148, 1848 139 (in 38
Familien), 1871 246 (3,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1875 292, 1900
Höchststand mit 371 jüdischen Einwohnern, 1905 336. Zur jüdischen
Gemeinde Frankenthal gehörten auch die in den umliegenden Orten Heßheim
(1804 17 jüdische Einwohner, 1848 72 in 11 Familien, 1875 50, 1900 25 jüdische
Einwohner), Oppau, Schauernheim
(1848 8 jüdische Einwohner in zwei Familien) und Oggersheim
lebenden jüdischen Familien.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) und
ein jüdisches Gemeindezentrum im Nachbargebäude (mit einem Versammlungs- und
Betsaal), ein rituelles Bad und einen jüdischer Friedhof
(bis Anfang des 19. Jahrhunderts Beisetzungen in Heuchelheim bei Frankenthal,
dann einen eigenen Friedhof in Frankenthal).
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter (beziehungsweise Kantor) tätig war. Im
19. Jahrhundert war prägende Gestalt des Gemeindelebens der insgesamt 56 Jahre
- von 1840 bis zu seinem Tod 1896 - in Frankenthal wirkende Isaac Singer. Er
wurde zu seinem 50jährigen Amtsjubiläum in der Stadt durch den bayrischen
Prinzregenten ausgezeichnet (siehe Text unten). Sein Nachfolger war seit 1896 L.
Levi. In den 1920er-Jahren gab es neben dem Kantor und Religionslehrer auch
einen Hilfsvorbeter, Schochet und Synagogendiener (siehe nächster Abschnitt).
Seit der Aufteilung der Pfalz in vier Rabbinatsbezirke 1827 war Frankenthal Sitz
eines Bezirksrabbinates, wobei der
Bezirksrabbiner seinen Sitz in Dürkheim hatte (daher auch
Bezirksrabbinat Dürkheim-Frankenthal genannt). An Bezirksrabbinern werden
genannt: von Ende 1828/Anfang 1829 bis 1856 Rabbiner Aaron Kohn Merz (war
zuvor kurze Zeit Rabbiner in Neustadt und Pirmasens
gewesen); 1865 bis 1910 Rabbiner Dr. Adolf Salvendi; 1910 bis 1935 Dr. Ernst
Steckelmacher (1935 Sitz des Rabbinates in Ludwigshafen, Dr.
Steckelmacher ist nach der Deportation nach Gurs (1940) 1943 in Lublin-Majdanek
umgekommen).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Leopold Gutmann
(geb. 17.11.1897 in Frankenthal, gef. 24.3.1918), Unterarzt Richard Lurch (geb.
7.10.1893 in Frankenthal, gef. 9.4.1917) und Maximilian (Max) Schweizer (geb.
5.1.1894 in Frankenthal, gef. 5.11.1914). Ihre Namen stehen (jedoch erst seit
2001) auf einer zusätzlich angebrachten Tafel am Kriegerdenkmal auf dem
Jahnplatz (siehe Fotos unten). Aus Heßheim ist gefallen: Wilhelm Lamm (geb.
5.7.1884 in Heßheim, gef. 19.6.1918). Außerdem sind gefallen: Unteroffizier
Eugen Bauer (geb. 25.3.1888 in Frankenthal, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef.
20.8.1914), Leutnant Julius Bauer (geb. 7.1.1883 in Frankenthal, vor 1914 in
Mannheim wohnhaft, gef. 21.3.1918).
Jüdischen Familien in der Stadt gehörten seit der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts zahlreiche für das wirtschaftliche Leben der Stadt bedeutende
Geschäfte und Gewerbebetriebe.
Um 1924, als etwa 200
jüdische Einwohner in der Stadt gezählt wurden (0,87 % von insgesamt ca.
23.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Emil Kaufmann, Moritz
Blumenstiel, Josef Schulz, Philipp Adler und Staatsanwalt Dr. Rosenberg. Als Kantor
und Religionslehrer war Heinrich Schottland tätig (Wohnung Gartenstraße 11
auch 1932), als Hilfsvorbeter, Schochet und Synagogendiener Hermann
Levkowitz. Lehrer Schottland erteilte 24 Kinder an öffentlichen Schulen
Religionsunterricht (1932 waren es noch 18 Kinder). An jüdischen Vereinen
gab es u.a. einen Israelitischen Armenverein der Israelitischen
Kultusgemeinde (1924 unter Leitung von Synagogenrat Kaufmann, 1932 Leitung
Philipp Adler; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Ortsansässiger und
Wanderfürsorge), den Israelitischen Kranken-Unterstützungs-Verein der
Männer Frankenthals (Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung kranker
Mitglieder; 1924 ca. 50 Mitglieder, 1932 unter Leitung von Moritz Nachmann
gleichfalls etwa 50 Mitglieder), den Israelitischen
Kranken-Unterstützungsverein der Frauen Frankenthals als Chewra kadischa
(1868 gegründet mit dem Ziel einer Unterstützung der Mitglieder und sonstiger
Hilfsbedürftiger bei Krankheits- und Sterbefällen; 1924 unter Leitung von
Clara Brunner mit damals 54 Mitglieder, 1932 unter Leitung von Meta Nachmann).
Außerdem bestand die Klopfer'sche Stiftung mit dem Ziel der
Unterstützung israelitischer Armer. Zur jüdischen Gemeinde gehörten 1924 auch
die in Heßheim lebenden 10 jüdischen Personen. 1932 waren die Gemeindevorsteher
Philipp Adler (1. Vors.), Moses Mayer (2. Vors.) und Moses Blumenstiel (3.
Vors.), dazu zwei weitere Mitglieder. Als Hilfskantor neben Lehrer Heinrich
Schottland wird 1932 David Helfmann genannt. 1932 lebten in den
umliegenden Orten Heßheim
vier jüdische Personen, die zur Gemeinde Frankenthal gehörten, dazu in Oppau
zwei Personen, wenige auch in Schauernheim sowie in Oggersheim.
Nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder (Januar 1933: 266 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 158, 1937
131, 1938 noch 111 jüdische Einwohner gezählt. Die jüdischen Geschäfte
wurden systematisch boykottiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. 23 jüdische Männer, darunter der
Kaufmann Karl Schweitzer (Kaufhaus Schweizer und Wertheimer) oder der
Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Blum wurden in das KZ Dachau verschleppt und dort
wochenlang festgehalten. Die im Oktober 1940 noch in Frankenthal lebenden 39
jüdischen Kinder, Frauen und Männer wurden nach Gurs deportiert.
Von den in Frankenthal geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Walter Abraham
(1906), Alice Adler geb. Adler (1900), Bertha Adler geb. Marum (1867),
Clementine Adler (1876), Liesl Adler (1899), Lotte Eva Adler (1926), Ludwig Adler
(1892), Philipp Adler (1865), Ludwig Bauer (1882), Johanna Bauernfreund geb.
Schwarz (1902), Eugenie Malvine (Grete, Jenny)
Becker geb. David (1874), Fanny Bender geb.
Michel (1854), Berta Benjamin geb. Sommer (1899), Robert Wolfgang Blum (1883), Alice Bodenheimer
(1900), Klara Brunner geb. Heilbronner (1874), Anneliese Amalie Deutsch geb. Weil
(1910), Emma Eismann geb. Mann (1868), Eduard Epstein (1867), Oswald Hugo Feis (1872), Eugen Fischer (1880), Paul
Theodor Fischer (1911), Paula Fischer geb. Thalmann (1876), Veronika
Fränkel (1856), Julius Grünebaum (1892), Wilhelm Grünewald (1905), Ria
Gümbel (1923), Babette Hirschler geb. Eisenmann (1858), Rosa (Rosl) Hirschler geb.
Baer (1895), Siegfried Hirschler (1887), Barbara (Betty) Honig geb. Neuheuser
(1873), Heinrich Honig (1872), Alice Horwitz geb. Blumenstil (1901), Edmund Kahn (1877), Emil
(Elias) Kahn (1905), Hermine
Kahn (1869), Johanna (Johanna) Kahn geb. Loeb (1878), Jacobine Katz geb. Grünebaum
(1890),
Arthur Katzenstein (1901), Emil Kaufmann (1858), Heinrich Kaufmann (1881), Otto
Kaufmann (1899), Sophie Kaufmann geb. Levies (1867), Sara Lang geb. Hahn (1867),
Bianka Lehmann geb. Hirschler (1884), Jeanne (Johanna) Leva geb. Wallach (1879), Klara Leva (1882),
Anna Levy geb. Thalmann (1872), Alfred Lion (1890), Elisabeth (Elsa) Loeb (1879),
Emma Loeb (1879), Friedrich (Fritz) Loeb (1875), Hermann Loeb (1883), Theresia Loeb geb.
Löwe (1869), Heinrich Lurch
(1855), Jacob Lurch (1871), Friedrich (Fritz) Maas (1892), Viktor Mann (1870),
Ludwig Marum (1882), Anna Mayer (1889), Hermine Meyer geb. David (1869), Martha
Mayer geb. Kaufmann (1863), Sophie Mayer (1900), Anna Hermine Meissel (1903), Nathan
Nathan (1863), Käthe (Karoline) Orenstein (1918), Juda Perez (1932), Anna Pfeffer geb. Marum (1885),
Friedericke Reichenberg geb. Loeb (1872), Fanny Reigrozski (1912), Bernhard
Reinhard (1866), Margot Naomi Reiter (1931), Erna Rittler geb. Brasch (1898), Fanny
Rajgrodzki (Reigrozski, 1912), Fredericia (Friederike, Rika) Reichenberg (1872), Anna
Karoline Rosenberg geb. Brunner (1899), Dr. Emil Rosenberg (1889, siehe
Straßenbezeichnung unten), Alfred Salmon
(1890), Edwin Salmon (1925), Herbert Salmon (1922), Selma Salmon geb. Lang
(1893), Siegfried Samuel (1885), Max Schönberger (1887), Emil Schulz (1879), Sigmund Singer (1870), Ida Strass (1865), Amanda
Strauss (1902), Elisabeth (Ester) Weil geb. Schwarz (1886), Emma Weil (1889),
Max Weil (1884), Victor Weil (1871), Heinz Wolf (1924), Richard Wolf (1890), Rose
(Rosalie) Wolf (1890), Pauline Zuckerberg geb. Weil
(1876).
Von den in Heßheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Auguste Dornberger
(1860), Susanna Dornberger (1864), Edmund Kahn (1877), Emil Kahn (1905), Hermine
Kahn (1869), Flora Koch geb. Hirschler (1883), Elisabeth Spies geb. Hirschler
(1851).
Von den in Schauernheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Else Löb geb. Öhlbert
(1886), Lisa Löb geb. Öhlbert (1891).
Von den in Oppau geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Klara Ermann geb. Lorsch
(1867), Ludwig Marx (1878).
Nach 1945 kehrten nur wenige der überlebenden jüdischen Frankenthaler
in ihre Heimatstadt zurück. Einen weiteren Zuzug gab es seit den 1990er-Jahren
durch jüdische Personen, die aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auch
nach Frankenthal gekommen sind. Bislang kam es jedoch nicht zur Gründung einer
neuen jüdischen Gemeinde in der Stadt.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer / Kantoren und der
Schule
Ausschreibungen der Stelle der Religionslehrers /
Vorbeters / Schochet (1922 / 1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1922:
"Infolge Pensionierung des seitherigen Inhabers ist ab 1. Juli 1922
die Stelle eines Synagogendieners, Schochets und Hilfsvorbeters zu
besetzen. Für diese Funktionen wird bei freier Wohnung und Beheizung ein
mit dem Anzustellenden zu vereinbarender Gehaltsbezug gewährt. Weil nicht
vollbeschäftigt, werden solche Bewerber, die noch ein Handwerk oder ein
sonstiges Geschäft betreiben wollen, bevorzugt. Bewerbungsgesuche nebst
Zeugnissen wollen mit Angabe der Gehaltsansprüche bis längstens 1. März
nächsthin eingereicht werden.
Frankenthal, den 7. Februar 1922. Vorstand des Synagogenrates der
israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal (Pfalz). Emil
Kaufmann." |
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Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli
1928: "Israelitische Kultusgemeinde Frankenthal (Pfalz). In unserer
Gemeinde ist die Stelle eines Schächters, Hilfsvorbeters und
Synagogendieners zu besetzen. Bewerber wollen sich unter Einsendung
von Zeugnissen und Lebenslauf melden. Die Anstellung erfolgt nach dem
Beamtenrecht bayerischer israelitischer Gemeinden. Wohnung vorhanden. Der
Synagogenrat der Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal." |
Lehrer und Kantor Isaac Singer wird durch den bayerischen
Prinzregenten geehrt (1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Januar 1890: "Frankenthal.
Unser Lehrer und Kantor Singer, der vor einiger Zeit sein 50jähriges
Amtsjubiläum feierte, erhielt dieser Tage vom Prinzregenten von Bayern
die silberne Medaille des Verdienstordens der bayerischen Krone." |
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Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Dezember
1890: "Der Prinzregent von Bayern hat dem Lehrer Singer in
Frankenthal gelegentlich dessen 70. Geburtstages die silberne Medaille des
Verdienstordens der bayrischen Krone
verliehen." |
Zum Tod des Lehrers und Kantors Isaac Singer (1896)
Artikel der der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1896:
"Frankenthal (Pfalz). Es ist eine Trauerbotschaft, die ich
Ihnen heute melden muss, und die gewiss bei vielen Lesern Ihres
geschätzten Blattes die innigste Teilnahme wecken wird. Lehrer und Kantor
Isaac Singer ist leider, wenn auch in hohem Alter, seinem Berufe und
seinen vielen Freunden gar zu schnell durch den Tod entrissen worden. Wer
den körperlich gesunden und geistig frischen Mann noch vor 1/4 Jahre
gesehen hatte, konnte kaum glauben, dass er heute schon zu den Toten
zählen werde. Wie kaum einer hatte Singer es verstanden, durch sein tief
religiöses Wesen, sein leutseliges Benehmen, seine Gewissenhaftigkeit im
Berufe, seine reiche Kenntnis und durch seinen ungekünstelten Humor,
alle, die mit ihm in Beziehung traten, für sich einzunehmen. Es war
wahrhaft eine Wonne, sich mit diesem guten und gelehrten Manne unterhalten
zu können. Wir fanden es daher auch begreiflich, dass Bezirksrabbiner Dr.
Salvendi den Entschlafenen bei seiner dienstlichen Verhinderung zu seinem
Stellvertreter ernannte. Nachdem Singer, der ein Alter von nahezu 76
Jahren erreichte, nach seinem Austritte aus dem Seminar zu Schwegenheim
und Lambsheim als Lehrer und Kantor gewirkt hatte, wurde er an die
Volksschule zu Frankenthal berufen. In dieser Gemeinde wirkte er als
Lehrer und Kantor über 50 Jahre, sodass im Jahre 1890 die Gemeinde seinen
Jubeltag festlich beging und der Prinzregent ihn durch einen Orden
auszeichnete. Es ist natürlich, dass der Tod eines solchen Mannes
überall die größte Teilnahme hervorgerufen, welche sich besonders bei
seiner Beerdigung bekundete. Aus allen Teilen der Pfalz, von vielen
benachbarten Orten Badens und Hessens waren seine zahlreichen Bekannte und
Freunde herbeigeeilt, um dem braven Manne die letzte Ehre zu erweisen. Die
ganze jüdische Gemeinde Frankenthal, alle Bekannten, die evangelische und
katholische Geistlichkeit und viele christliche Bürger folgten dem Sarge.
Die Lehrer Frankenthals und des Kreises sangen auf dem Friedhofe den 23.
Psalm, welchem die Reden des Herrn Rabbiner Dr. Salvendi, der Herren
Lehrer Freudenthal aus Gründstadt, Fuchs, Hall aus Frankenthal und Krebs
aus Oppan folgten. Alle aber schieden mit Wegmut von einem Grabe, das der
Edelsten Einen in sich aufgenommen hatte. Der Schreiber dieser Zeilen
aber, der leider, weil er in der Ferne weilte, dem treuen, unvergesslichen
Freunde, mit dem er während eines Zeitraumes von 24 Jahren in inniger
Freundschaft verbunden war, die letzte Ehre nicht erweisen konnte, ruft
mit Wegmut dem verstorbenen Freunde die Worte Davids auf den Tod Jonathans
nach: (hebräisch und deutsch:) 'Es ist mir leid um Dich, mein Bruder,
denn Du warst mir gar lieb'. S. Rothschild, Worms." |
Einführung des Kantors und Lehrer L. Levi (November 1896)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1896: "Frankenthal
(Pfalz). Die feierliche Einführung des neu gewählten Kantors, L. Levi,
fand am vergangenen Freitagabend statt. Die israelitische Kultusgemeinde
war fast vollzählig in der Synagoge erschienen. Als Gäste waren zugegen:
Vertreter der Stadt, der königliche Rektor des Progymnasiums, der
Direktor der Handelsschule, Lehrer beider christlichen Konfessionen, sowie
eine Anzahl Personen christlichen Bekenntnisses. Die gesanglichen
Leistungen, sowie die herzliche Ansprache des Herrn Levi, machten aus alle
Anwesenden einen äußerst günstigen Eindruck. Möge Herr Levi in seinem
Wirken sich bald die Sympathie erwerben, die man seinem Vorgänger, dem
seligen Herrn Isak Singer, in so reichem Maße von allen Seiten
entgegengebracht hatte." |
Die Stadt gewährt einen Zuschuss zu den Kosten des
israelitischen Religionsunterrichtes (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juli
1910: "Die israelitische Gemeinde ein Frankenthal hat an den Stadtrat
das Ersuchen gerichtet, den städtischen Zuschuss zu den Kosten des
israelitischen Religionsunterrichts von 600 auf 900 Mark zu erhöhen. Nach
längerer Debatte wurde beschlossen, den Zuschuss auf 700 Mark zu
erhöhen." |
Lehrer und Kantor Schottland unterrichtet die
"jüdische Sonderklasse" in Ludwigshafen (1936)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Oktober 1936: "Speyer am Rhein. Am
1. September wurden im Bereich des Regierungsbezirkes Pfalz in vier
Städten jüdische Sonderklassen der allgemeinen Volksschulen errichtet,
in Ludwigshafen zwei Klassen
(vorläufig nur mit einem Lehrer besetzt), in Kaiserslautern,
Landau und Neustadt
an der Weinstraße je eine Klasse. Nach Ludwigshafen wurde Lehrer
und Kantor Schottland (Frankenthal) angewiesen, nach Kaiserslautern
Lehrer i.R. Langstädter, nach Landau
Lehrer und Kantor Zeilberger (Landau)
und nach Neustadt Schulamtsbewerber
Samson aus Landau. Sämtliche
Lehrkräfte sind auf Dienstvertrag mit monatlicher Kündigung angestellt.
Jüdische Schulen entsprechend dem bayerischen Schulbedarfsgesetz, deren
Lehrer Beamte sind, bestehen noch in Speyer,
Pirmasens und Rodalben." |
Aus der Geschichte
des Rabbinates Frankenthal
vgl. dazu die Textseite zu Bad Dürkheim
Zum Tod von Rabbiner Aron Merz (1864)
Anmerkung: Rabbiner Aron Merz (geb. 1795 in Untermerzbach,
Unterfranken, gest. 31. März 1864 in Bad Dürkheim): studierte an der Jeschiwa
in Fürth, danach an der Universität in Erlangen; war seit 1826 Rabbiner des
Synagogenbezirks Frankenthal mit Sitz in Neustadt an der Weinstraße und seit
1928 in Bad Dürkheim.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1864:
"Lambsheim (Pfalz), 5. April. In der Nacht vom 30. zum 31. März
verschied der hochwürdige Rabbiner des Synagogenbezirks Frankenthal, Aron
Merz, in einem Alter von 69 Jahren. Fast dreißig Jahre hindurch fungierte
derselbe in rastloser Tätigkeit und in ungeheuchelter Frömmigkeit als
Seelsorger in genanntem Bezirke. Glaubensgenossen aus allen Gemeinen des
Sprengels, eine große Menge der achtbarsten Bürger, sämtliche Lehrer
aller Konfessionen der Stadt Dürkheim
sowie alle israelitischen Lehrer seines Rabbinatsbezirks, welche dem Sarge
des Verblichenen folgten, bezeugten die ungeteilte Achtung, welche der
Verblichene sich erworben. Einen besonders ergreifenden Eindruck machten
einige sehr gut vorgetragene Trauergesänge am Hause und vor der Stadt,
sowie auch das Geläute der Glocken während des Zuges. Die Herren
Rabbiner Dr. Grünebaum aus Landau und
Seligmann aus Kirchheimbolanden
hoben in anerkennender und höchst würdiger Weise die Verdienste des
Heimgegangenen hervor." |
Ausschreibung der Rabbinatsstelle für den
"Rabbinatsbezirk Frankenthal mit dem Amtssitze in Dürkheim" (1866)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1866: "Erledigtes
Rabbinat. Die Stelle eines Rabbiners für den Rabbinatsbezirk
Frankenthal mit dem Amtssitze in Dürkheim, ausgeschrieben von dem
königlichen Bezirksamte Neustadt a.d. Haardt (Pfalz) am 8. Februar
laufenden Jahres Meldungstermin binnen 6 Wochen. Die mit legalen
Zeugnissen über Befähigung, bisherige Verwendung und sonstige
persönliche Verhältnisses des Konkurrenten belegten Gesuche sind bei dem
genannten königlichen Bezirksamte einzureichen; bemerkt wird 1. zur
Konkurrenz werden nicht nur Inländer, sondern auch Ausländer zugelassen,
letztere jedoch nur unter der Bedingung, dass sie vor der höheren
Bestätigung ihrer Wahl das bayerischen Indigenat zu erwerben haben; 2.
Bewerber müssen auf einer Universität gebildet sein, dort Philosophie
und Philologie absolviert haben und die Morenu besitzen. Die Bezüge des
anzustellenden Rabbiners bestehen a. in einem fixen Gehalt von 1.200
Gulden; b. in einer Wohnungsentschädigung von 200 Gulden; c. in den
Kasualien und Reise-Entschädigungen, wie sie bisher von der königlichen Regierung
der Pfalz festgesetzt sind, und wofür der Rabbiner in jeder
konstituierten Gemeinde jährlich Schulprüfungen, dann zweimal jährlich
Predigt halten und die Konfirmation vornehmen muss." |
Aus dem jüdischen
Gemeindeleben
Der Antisemitismus macht sich bemerkbar (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1891:
"Frankenthal, 12. Mai (1891). Wenn bei uns in der Pfalz
antisemitischen Bestrebungen Gott sei Dank auch nicht den geringsten Boden
finden, so ist es selbstverständlich nicht zu vermeiden, wenn einmal von
Seiten eines rohen und pöbelhaften Menschen eine Szene herbeigeführt
wird, die den fraglichen Charakter an sich trägt. Mit einem solchen Falle
hatte sich heute die Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu
beschäftigen.
Der Tagner Jacob Schön aus Speyer, ein schon öfters mit der Strafrichter
in Konflikt geratener Mensch, kam vor einigen Wochen in einer dortige
Wirtschaft, in welcher bereits unser Glaubensgenosse J. Mayer aus Speyer
anwesend war. Schön fing nun Lieder zu singen an, die schon an und für
sich geeignet waren, Herrn Mayer als Jehudi auf das tiefste zu kränken.
Trotzdem ignorierte er, um keinen Streit heraufzubeschwören, dieses
flegelhafte Benehmen; als jedoch Schön seine Rohheit so weit trieb und
ausrief 'alle Juden sind Spitzbuben', verbat sich dies Herr Mayer mit der
Bemerkung: 'Ich bin ehrlicher wie Sie'. Als Antwort hierauf versetzte ihm
jener einen Faustschlag ins Gesicht. Mayer wurde nun wegen dieser Affäre
klagbar und erhielt Schön vom Schöffengericht in Speyer eine
Ge4fängnisstrafe von 2 Monaten und 14 Tagen zudiktiert.
Heute nun erschien Schön als Appellant vor der hiesigen Strafkammer, da
ihm jene Strafe zu stark war; hatte aber mit seiner Appellation einen
schlechten Erfolg. Der königliche Staatsanwalt beantragte Abweisung der
Berufung mit der edlen und höchst toleranten Bemerkung: 'Dass man heutzutage,
besonders die Juden gegen solch rohes und flegelhaftes Benehmen in Schutz
nehmen müsse, um ein für allemal diesem fluchwürdigen Treiben die
Spitze abzubrechen.' Das Gericht erkannte dem Anfrage dieses edlen Mannes
und verwarf die Berufung des Schön. Plaut." |
Eine der vielen Repressalien in der NS-Zeit (1935)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1935: "In Frankenthal
bei Dürkheim sind, nach dem 'Völkischen Kurier', an allen Schaufenstern
der Läden Bekanntmachungen angebracht, dass Juden nicht bedient
werden." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod aus aus Frankenthal oder Bad Dürkheim gebürtigen
Komponisten, Violinisten usw. Eduard Eliason (1808 oder 1811-1886)
Anmerkung: Es konnte nicht geklärt werden, welches
das korrekte Geburtsort bzw. Geburtsjahr war. In den sonst auffindbaren, wenigen
Internetquellen wird vom Geburtsjahr 1811 ausgegangen; zum Geburtsort finden
sich keine Angaben.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1886:
"Man schreibt uns aus Frankfurt am Main: Musikdirektor Eduard Eliason
ist am 17. Februar hier aus dem Leben geschieden. Heute Abend sollte sein
Konzert stattfinden, und heute Morgen trifft uns die Trauerkunde von
seinem Tode! Eduard Eliason war 1811 in Frankenthal in der bayerischen
Pfalz geboren; er studierte Komposition bei Rink und Violine bei dem
berühmten Violinvirtuosen und Komponisten Baillot in Paris, dessen 'Méthode
de violon' das offizielle Schulwerk des Pariser Konservatoriums wurde.
Eliason ging später nach England, wo er eine Zeitlang Musikdirektor am
Drurylane-Theater in London war. Nach Deutschland zurückgekehrt, trat er
1842 in das Orchester des Frankfurter Theaters ein, wo er lange Jahre als
eine von dessen Stützen wirkte. Im Jahre 1877 wurde er unter Devrient
pensioniert. Eliason genoss immer den Ruf eines bedeutenden Violinviruosen
und Musikers und seine alljährlichen Konzerte zeichneten sich stets durch
feine Wahl der Nummern und wirklich künstlerisches Arrangement aus. Im
Leben war Eliason ein sehr zugänglicher Charakter und seinen Genossen und
Bekannten ein treuer ergebener Freund. (Nach den uns gewordenen
zuverlässigen Informationen war Eliason 1808 zu Dürkheim a.d. Haardt
geboren und wurde am 19. dieses Monats auf dem israelitischen Friedhofe zu
Frankfurt beerdigt." |
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Foto
von Eduard Eliason; Quelle: Bildsammlung
der Universitätsbibliothek in Frankfurt / Sammlung Manskopf S 36_F00407
Ebd. sind noch weitere Fotos von Eduard Eliason vorhanden.
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Auszeichnung für den Fabrikanten Wilhelm Bender (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905:
"München. Ordensverleihungen. Kommerzienrat Lehmann Bernheimer -
München hat den württembergischen Friedrichs-Orden, der Fabrikant
Wilhelm Bender - Frankenthal, der serbische Konsul Julius
Goldschmitt - Ludwigshafen das
Ritterkreuz des Ordens der Krone von Italien, der schwedische und norwegische
Konsul und dänische Vizekonsul Bernhard Land - Nürnberg das Ritterkreuz
des Danebrogordens erhalten." |
Adolf Bensinger (Mannheim) stiftet das Tuberkulose-Museum
in Frankenthal (1909)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember
1909: "Mannheim. Welch' lebhaftes Interesse gerade unter uns Juden
für die Allgemeinheit herrscht, zeigen die fortgesetzten Stiftungen für allgemeine
Zwecke. So wurde dieser Tage im benachbarten Frankenthal ein
Tuberkulose-Museum eröffnet, das Herr Adolf Bensinger, Mitinhaber der
Rheinischen Gummi- und Celluloidfabrik, gestiftet hat, und so verdankte
die gleichfalls dieser Tage eröffnete hiesige städtische Kunsthalle ihre
Errichtung einem Legate der 1901 verstorbenen Frau Julius Oberle geb.
Michaelis von 200.000 Mark." |
Zum Tod von Max Maas (1931)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1931:
"Frankenthal (Pfalz), 20. März (1931). In der Frühe des 15.
Adar (4. März) hat nach kurzer, aber schwerer Krankheit im Alter von nur
56 Jahren Max Maas seine reine Seele ausgehaucht. Einem schlichten
gottesfürchtigen Hause (Leiwen bei Trier)
entstammend, hat er seine Emuno (Wahrheit), sein
unerschütterliches Gottesvertrauen, seine Liebe zu Gott und seinem
Gesetz als ein heiliges Ideal im Busen getragen und im Leben betätigt.
Und es war der einzige Wunsch dieses edlen Mannes, den gleichen Geist der
Gottesfurcht auch auf seine Kinder übertragen zu können. Ein
bescheidener, wahrhaft religiöser Jude ist mit ihm dahingegangen, eine
Zierde unserer Gemeinde, deren Tora-, Awoda- (Gottesdienst-) und Gemillus-Chesed-
(Wohltätigkeits-)Leben er mit allen Fasern seiner Seele unterstützte. Am
Grabe verliehen Lehrer Schottland, Frankenthal und Professor Darmstädter,
Mannheim (für den Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen
Judentums Baden) dem Schmerze über den großen allzu früh gekommenen
Verlust ergreifenden Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
"Koscher Seife" auf Frankenthal
(1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1887: "S.
Mohr, Seifenfabrik in Frankenthal.
Um vielseitigen Wünschen nachzukommen,
habe mich entschlossen, neben meinen sehr beliebten Kern-Seifen auch eine Koscher
Seife anzufertigen, und um solche in weiteren Kreisen einzuführen, in
Postcollies zu versenden. Meine Koscher Seife ist von mir selbst
aus nur reinen vegetabilischen Fetten und unser Aufsicht des Herrn J.
Singer, Lehrer und Kantor dahier, angefertigt und jedes Stück mit dessen
Stempel versehen. Wegen ihrer guten Qualität, Waschkraft und besonders
wegen ihrer Billigkeit eignet sich meine Koscher Seife außer zum Reinigen
der Küchengeräte auch als Toilette und Haushaltungs-Seite. Ich versende
dieselbe in ganz Deutschland in Paketen à 10 Pfund zu Mark 4.50, à 5
Pfund zu Mark 2.50 franco gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des
Betrags franco. Jedem Paket ist ein Attest des Herrn J. Singer beigelegt
und mit dessen Plombe versehen. Hochachtungsvollst Samuel
Mohr." |
Anzeige der Ludwigshafener Walzenmühle von L. Gimbel & Comp. in Frankenthal
(1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 27. November 1902: "Mazzenmehl. Die Fabrikation von
Mazzenmehl, wurde uns von der Ludwigshafener Walzenmühle dieses
Jahr übertragen, und empfehlen prima Mazzenmehl, aus den feinsten
Weizensorten hergestellt, von Anfang Dezember dieses Jahres an lieferbar.
Wie auch früher, werden Ihre Ehrwürden, die Herren Rabbiner Dr. Marx aus
Darmstadt und Dr. Horwitz aus Frankfurt am Main die Mühle besichtigen und
die Schomrim (Aufseher) bestimmen. Reflektanten wollen um Offerten
anfragen bei
L. Gimbel & Comp., Frankenthal (Pfalz)."
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Anzeigen des Schuhwaren- und Herrenkleidergeschäftes
M. Abraham (1903) bzw. Gebrüder Abraham (1904)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24.
August 1903:
"Für mein Schuh- und Herren-Konfektionsgeschäft suche
einen
Lehrling zum baldigen Eintritt.
M. Abraham, Frankenthal (Pfalz)." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April
1904:
"Für unser Schuhwaren- und Herrenkleider-Geschäft suchen wir zum
baldigen Eintritt einen
Lehrling. Gebrüder Abraham, Frankenthal (Pfalz)." |
Stelle einer Haushälterin wird gesucht (1915)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1915: "Für
eine schuldlos geschiedene Frau, Mitte dreißig, in allen Zweigen des
Haushaltes erfahren, wird eine Stelle als Haushälterin zu
einzelnem Herrn oder Dame, eventuell mutterlosen Kindern gesucht. Offerten
erbeten an Postfach 19 Frankenthal (Pfalz)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Vermutlich haben bereits die in der 2. Hälfte des 17.
Jahrhunderts ansässigen jüdischen Familien einen Betraum eingerichtet,
worüber jedoch nichts Näheres bekannt ist. In der 2. Hälfte des 17.
Jahrhunderts wurde ein Betsaal vermutlich in der Sterngasse eingerichtet,
in der die meisten jüdischen Familien lebten.
1791 konnte eine erste Synagoge errichtet und eingeweiht werden. Die
jüdische Gemeinde hatte dazu 1787 ein Grundstück an der Hessengasse (heutige
Glockengasse) erwerben können. Über diese Synagoge ist nur wenig bekannt.
Nachdem im Laufe des 19. Jahrhunderts die jüdische Gemeinde größer wurde, hat
diese erste Synagoge für die Bedürfnisse der Gemeinde nicht mehr ausgereicht. Um
1880 wurde der Neubau einer Synagoge beschlossen. im Frühjahr 1883
wurden die Baupläne für eine neue Synagoge genehmigt, die auf dem Grundstück
der bisherigen Synagoge erbaut werden sollte. Am 13. Februar 1884 konnte
die Grundsteinlegung feierlich begangen werden. Die Einweihung der
neuen Synagoge war durch Bezirksrabbiner Dr. Salvendi am 28. August 1885.
1895 konnte auf Grund einer Spende des Ehepaare Moritz und Clementine
Neuberger neben der Synagoge ein Haus für den Synagogendiener sowie für die
Gemeindeverwaltung und einen Gemeindesaal für unterschiedliche Zwecke
(Gottesdienste im Winter, Treffen der Vereine der Gemeinde usw.) erbaut und
eingerichtet werden.
Texte aus der Geschichte der Synagoge
Die Pläne zum Bau der Synagoge sind genehmigt (Juni 1883)
Artikel
in der Zeitschrift "Jeschurun" vom Juni 1883: "Frankenthal,
14. Juni (1883). Die höchsten Orts vorgelegten Pläne zum Neubau einer
Synagoge in hiesiger Stadt haben Genehmigung gefunden. Es soll jetzt mit
Eifer der Bau betrieben werden, damit derselbe vor Beginn der rauen
Jahreszeit wenigstens im Rohen fertiggestellt wird." |
Einweihung der neuen Synagoge (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1885: "Frankenthal,
29. August (1885). Gestern 6 Uhr wurde hier die neue Synagoge - ein Bau,
der fortan eine Zierde unserer Stadt bilden wird - unter äußerst
zahlreicher Beteiligung der gesamten Bevölkerung eingeweiht. Die Stadt
wies einen wahrhaft großartigen Flaggenschmuck auf, ein erfreuliches
Zeichen der Toleranz, auf welches der Bezirksrabbiner Dr. Salvendi in
seiner Festrede mit Genugtuung hinwies. Das Innere der Synagoge ist
wahrhaft prächtig ausgestattet und harmoniert vollkommen mit dem
Eindruck, den das Gotteshaus von Außen macht." |
Die Eheleute Neuberger finanzieren für die
Gemeinde ein Gemeindezentrum mit Betsaal neben der Synagoge (1895)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1895:
"Worms. In der benachbarten Religionsgemeinde Frankenthal, welche
durch die Eintracht ihrer Mitglieder, wie durch ihre Opferwilligkeit auch
in weiteren Kreisen bekannt sein dürfte, haben im vergangenen Jahre Herr
Moritz Neuberger und seine Frau Clementine Neuberger geb. Neter zum Besten
der Gemeinde neben der Synagoge ein Haus gestiftet, das den verschiedenen
kulturellen Zwecken dienen soll. In einem daselbst herrlich eingerichteten
Saale sollen insbesondere die Sitzungen für die Verwaltung, für den
Armen-Kranken und Frauenverein stattfinden, auch soll derselbe bei kalter
Witterung als Betsaal benutzt werden. Bei der Einweihung, die vor kurzem
bei zahlreicher Beteiligung in feierlicher Weise vollzogen wurde, hob der
Religionslehrer und Kantor Herr Singer, der vor mehreren Jahren
gelegentlich seines 70. Geburtstages ausgezeichnet wurde und heute noch - mit
Gottes Hilfe - in körperlicher und geistiger Frische seines Amtes waltet,
rühmlich hervor, dass die fromme Spende den edlen Stiftern zum ehrenden
Andenken für ewige Zeiten gereichen und für die Religionsgemeinde in der
Kultusübung als stete Zierde walten möge, zu welchem Zwecke auch in
dankbarer Anerkennung eine Ehrentafel im Saale angebracht wurde. Zu beklagen
ist, dass die edle Stifterin schon so bald darauf in das Reich der Seligen
einzog. Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch bemerken, dass es ebenfalls
die Moritz Neuberger'schen Eheleute waren, die bei der Einweihung der
dortigen Synagoge zwei wertvolle Kronleuchter und sämtliche
Beleuchtungsgegenstände im Betrage von Mark 2.500 gespendet haben." |
Die Synagoge in Frankenthal - eine "Zierde der
Stadt" (Bericht von 1885 s.o.) - blieb nur gut 50 Jahre Mittelpunkt des
jüdischen Lebens in der Stadt. Am frühen Morgen des 10. November 1938 wurde
die Synagoge durch Nationalsozialisten aufgebrochen. Es wurde Feuer in dem
Gebäude belegt, wodurch die Inneneinrichtung und die Fenster zerstört wurden.
Die Feuerwehr löschte nach 8 Uhr den Brand. Die Gestapo beschlagnahmte die
erhaltene Innenausstattung, die Ritualien sowie die Gemeindeakten.
Im Januar 1940 ging das Synagogengebäude und das benachbarte Wohnhaus in
den Besitz der Stadt Frankenthal über. Bei einem Luftangriff auf Frankenthal
wurde die ehemalige Synagoge durch Bomben schwer getroffen. Nur die Außenmauern
blieben stehen. Nach 1945 kam das Grundstück und die Ruine in den Besitz
der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, die es im Oktober 1952 wieder an
die Stadt verkaufte. Die Ruine wurde abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein
Kino erbaut (Einweihung am 25. Dezember 1953).
Zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge wurde 1960 die Schustergasse in
"Synagogengasse" umbenannt. 1977 wurde ein Gedenkstein
aufgestellt. 1988 wurde eine Erinnerungsstätte mit
Informationstafel usw. geschaffen.
Adresse/Standort der Synagoge: Glockengasse
12
Erinnerungsarbeit vor Ort:
geschieht insbesondere
durch den am 14. Dezember 1992 gegründeten "Förderverein
für Jüdisches Gedenken in Frankenthal" (seit 16. März 1993
e.V.). Zu den Aktivitäten des Vereins gehört neben der Durchführung
Veranstaltungen (u.a. beim "Europäischen Tag der Jüdischen Kultur" u.a. die Gestaltung der Website www.juden-in-frankenthal.de.
Fotos
(Fotos - wenn nicht anders angegeben: Hahn, Aufnahmedatum
22.6.2008)
| Die Holzhofstraße |
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Die Holzhofgasse
war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die
"Judengasse",
wo vermutlich die damaligen jüdischen Familien
der Stadt wohnten. |
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| Die Sterngasse |
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Im 18. Jahrhundert
wohnten die jüdischen Familien vor allem in der Sterngasse,
wo sich
vermutlich auch der Betsaal befand. |
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Die 1884 erbaute Synagoge
(Quelle der Abbildung: Website "Juden in Frankenthal" und
Publikation des Landesamtes s.u.) |
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Historische Karte um 1900 mit
der
Synagoge links der Mitte |
Die ehemalige Synagoge
(Foto: Informationstafel der Gedenkstätte) |
Die Synagogenruine nach dem
Luftangriff
am 2. September 1943 |
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Karte wie Ausschnitt oben
(versandt 1894) |
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| Die Gedenkstätte im Juni
2008 |
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Blick auf die
Gedenkstätte, dahinter ein Kinderspielplatz |
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Hinweistafel mit Erläuterungen
zur Geschichte der Juden
in Frankenthal und zur
Geschichte der Synagoge |
Der Gedenkstein
mit dem Text: "Im Bereich dieses Straßenzuges stand die Synagoge der
Israelitischen Kultusgemeinde. Die Synagoge, 1884 erbaut, wurde in der
Nacht vom
9./10.11.1938 aus Hass in Brand gesetzt und im 2. Weltkrieg 1943
durch Bomben
zerstört. Der Stadtrat der Stadt Frankenthal stiftete diese
Gedenktafel zum 400-jährigen
Stadtjubiläum in Würdigung des Wirkens und
der Verdienste der ehemaligen
jüdischen Mitbürger. 9. November
1977." |
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| Erinnerungen an ehemalige
jüdische Personen der Stadt, z.B. die "Emil-Rosenberg-Straße" |
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Text des
Straßenschildes: "Dr. Emil Rosenberg, geb. 1889, Landgerichtsrat in
Frankenthal. Wie viele seiner jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger
wurde er 1940 in das Lager Gurs in Frankreich deportiert und von dort 1942
nach Auschwitz verschleppt. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt." |
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| "Stolpersteine" |
An andere Personen erinnern u.a. "Stolpersteine"
in der Stadt; Weiteres auf der
Website des "Fördervereins
für jüdisches Gedenken in Frankenthal e.V." |
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Fotos von
"Stolpersteinen"
in Frankenthal -
Fotos wurden zur Verfügung gestellt
von Michael Ohmsen
(Fotos: April 2010) |
Rechts:
"Stolpersteine" in der
Färbergasse 5 für Philipp Adler (1865), Ludwig Adler (1892), Alice Adler
geb. Adler (1900), Lotte Eva Adler (1926) und Ludwig Marum (1882) |
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"Stolpersteine"
in der
Pilgerstraße 2 für Emil Dosenheimer
(1870), Paula Dosenheimer geb.
Friedmann (1884), Ernst Karl Dosenheimer
(1907) und Gertrud Helena
Dosenheimer (1910) |
"Stolpersteine"
in der
Heinrich-Heine-Straße 3 für
Heinrich Lurch (1858), Flora Lurch
geb.
Dosenheimer (1864) und
Marie Luise Lurch (1894) |
"Stolpersteine"
in der
Wormser Straße 27 für
Julius Abraham (1878),
Elsa Abraham geb. Strauss
(1882) und
Walter Wilhelm Abraham (1906) |
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"Stolpersteine"
in der
Bahnhofstraße 16 für Bernhard Reinhard
(1866), Rosa Reinhard geb.
Auerbach
(1876), Friedrich Josef Reinhard (1898)
und Hans Siegfried
Reinhard (1900) |
"Stolperstein"
in der
Speyerer Straße 34
für Moses Blumenstiel (1866) |
"Stolpersteine"
im
Westlichen Ring 6 für
Jacob Wolf (1885),
Claire Wolf geb. Bieler (1893)
und Heinz Wolf (1924) |
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"Stolpersteine"
in der Eisenbahnstraße 20
für Viktor Weil (1871-1942), Emma Weil
geb.
Weil (1880-1940) und Elisabeth Weil
geb. Schwarz (1886-1942) |
"Stolpersteine"
in der Kanalstraße 2 für
Edmund Kahn (1877-1943),
Johanna Kahn geb. Löb
(1878-1941)und
Emil Elias Kahn (1905-1943) |
"Stolpersteine"
in der Vierlingstraße 15
für Siegfried Hirschler (1887-1940?),
Rosa
Hirschler geb. Baer (1895-1940?)
und Babette Hirschler geb. Eisenmann
(1857-1940) |
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Hochauflösende Fotos zu
"Stolpersteinen" in Frankenthal von Michael Ohmsen siehe unter
den
Links http://www.panoramio.com/photo/35064517;
http://www.panoramio.com/photo/35064530; |
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Gefallenendenkmal
am Jahnplatz
(Mahlastraße) für die Gefallenen
des Ersten Weltkrieges von
1936
mit ergänzender Hinweistafel
(Fotos: Michael Ohmsen) |
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Ergänzende
Tafel am städtischen Gefallenendenkmal: "Dieses Denkmal wurde im
Jahre 1936 eingeweiht. Die Zahl der im Ersten Weltkrieg gefallenen
Frankenthaler betrug allerdings nicht 653, wie auf dem Stein vermerkt,
sondern 656. Nationalsozialistischer Rassenwahn hatte dazu geführt, dass
drei gefallene Frankenthaler jüdischen Glaubens Leopold Gutmann, Richard
Lurch und Max Schweitzer - nicht in die Zahl der Kriegstoten aufgenommen
wurden. Aufgedeckt haben dies im Jahre 1999 Schülerinnen und Schüler des
Karolinengymnasiums." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Zahlreiche kleinere Beiträge u.a. von Wolfgang Bressler,
Ernst-Wilhelm Lamann, Ernst Merkel, Werner Schäfer in:
Frankenthal einst und jetzt. Verschiedene Hefte und Jahrgänge seit
1981. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 69-72 (mit zahlreichen weiteren Literaturangaben).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Frankenthal, Palatinate. Jews in
small numbers were present as temporary residents from at least 1586. Eight
families were there in 1785 and in 1798, under French rule, a Jew had become a
member of the municipal council. Until the mid-19th century, religious orthodoxy
prevailed in the community and from 1828 Frankenthal was the seat of the
regional rabbinate. In the late 19th century, the Liberal rabbi Dr. Salvendi
introduced an organ and choir into the synagogue (consecrated in 1885). A Jewish
school was functioning in 1841. The Jewish population rose from 144 in 1827 to
371 (total 16.899) in 1900. The Zionists became active in 1907. In the Weimar
period, Jews participated in public life, continuing to serve on the municipal
council and other public bodies. Jews were active in the textile and clothing
trade and owned numerous stores. In 1933, 266 Jews remained. The Tietz
department store and the large Schweitzer and Wertheimer establishmend were
almost immediately 'sold' and by 1937, almost all other Jewish businesses hat
been liquidated or 'Aryanized'. Jews were severely persecuted and sporadically
arrested throughout the period. On Kristallnacht (9-10 November 1938),
the synagogue was set on fire, 16 Jewish homes and stores were destroyed, and
Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. In all, 72 Jews managed to
emigrate from Germany, including 15 to the United States, 14 to France, and ten
to Palestine; 137 moved to other German cities. The last 39 Jews were deported
to the Gurs concentration camp in October 1940.

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