Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Sobernheim (Kreis Bad Kreuznach)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Hinweis: Spendenaufruf der Evangelischen Kirchengemeinde zur weiteren Renovierung der ehemaligen Synagoge 
siehe auf der Website der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Sobernheim
  
Es besteht eine weitere Seite mit Berichten zur Restaurierung der ehemaligen Synagoge 2005 bis 2010  

   
Überblick:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge  
Fotos  
Links und Literatur  

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem seit 1330 zur Stadt erhobenen und zum Erzbistum Mainz gehörenden Sobernheim lebten jüdische Personen/Familien bereits im Mittelalter. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts sind erstmals Juden nachweisbar (1301). Während der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden auch hier Juden ermordet. 1357 nahm der Mainzer Erzbischof Gerlach zwei Juden in seinen Schutz und überließ es ihnen, sich in Bingen oder Sobernheim niederzulassen. Sicher werden 1384 wiederum Juden in der Stadt genannt. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren es vier oder fünf jüdische Familien. Die Familien lebten vom Geldverleih. 1418 zahlten vier jüdische Familien je 10 Gulden, eine Frau zusätzlich 4 Gulden sowie drei arme Juden 4 Gulden an Jahressteuern (an die Mainzer Kellerei in Sobernheim beziehungsweise ans Reich). 1429 wurden die Juden zu Sobernheim (genannt werden Hirtz, Gomprecht, Smohel, Mayer, Smohels Mutter und andere Juden und Jüdinnen) zusammen mit denen des ganzen Erzstifts Mainz gefangengenommen. Zu einer Vertreibung kam es vermutlich nicht, doch lebten Mitte des 16. Jahrhunderts offensichtlich keine Juden in Sobernheim.
 
Zur Gründung der neuzeitlichen Gemeinde kam es seit dem 17./18. Jahrhundert. In dieser Zeit lebten bis zu fünf Familien mit insgesamt 20 bis 30 Personen in der Stadt. Nach der Französischen Revolution wuchs die Gemeinde von 64 Personen (1808) auf 135 Personen (1895, Höchstzahl) an. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung zurück.

Im 19./20. Jahrhundert gab es unter den jüdischen Sobernheimern Viehhändler, Metzger, Kaufleute für Textilien und Agrarprodukte, Schuhmacher und Lederhändler sowie Kaufhausbesitzer und Strumpffabrikanten (von besonderer Bedeutung die Strumpffabrik Marum).     
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Elementar- und Religionsschule (im Haus Marumstraße 20; das Gebäude hatte Isaac Werner nach Einweihung der Synagoge 1859 der jüdischen Gemeinde als Schulgebäude geschenkt), ein rituelles Bad sowie einen eigenen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein jüdischer Elementarlehrer (Volksschullehrer) angestellt, der in der Gemeinde zugleich als Vorbeter (Kantor), vermutlich auch als Schochet (Schächter) fungierte. Bei Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben. Der Ausschreibungstext von 1853 lautete:

Sobernheim AZJ 01081853.jpg (28858 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1853: "Die hiesige israelitische Gemeinde sucht zum 1. September dieses Jahres einen tüchtigen Elementarlehrer und Kantor. Derselbe muss Inländer sein, erhält 160 Thaler Gehalt, nebst freier Wohnung und Heizung. Reflektanten wollen sich baldigst melden, und eine Abschrift ihrer Prüfungs- und Dienstzeugnisse beifügen."
Sobernheim in Rheinpreußen. Der Schulvorstand. J. Werner, J. Klein". 

Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Alexander Cahn, der über mehrere Jahrzehnte in Sobernheim wirkte, die prägende Gestalt des jüdischen Gemeindelebens in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war und hier auch erfolgreich ein Israelitisches Knaben-Pensionat betrieb (s.u.). Seit 1890 war Lehrer S. Berendt in der Gemeinde tätig. Mit ihm feierte die Gemeinde die Wiedereinweihung der Synagoge 1904 (siehe Bericht unten). 1915 konnte er sein 25jähriges Ortsjubiläum in Sobernheim feiern (siehe Bericht unten).   
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Rudolf Hesse (geb. 26.7.1876 in Sobernheim, gef. 24.4.1917), Gefreiter Richard Feibelmann (geb. 26.11.1889 in Meddersheim, gef. 21.11.1917), Dr. Joseph Rosenberg (geb. 4.4.1886 in Sobernheim, gest. an der Kriegsverletzung 4.5.1922) und Kurt Metzler. Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofes.  
  
Mitte der 1920er-Jahren
waren es noch 80 jüdische Gemeindeglieder bei einer Gesamteinwohnerschaft von ca. 3.850 Personen (2,1 %). Zur Sobernheimer Gemeinde gehörten auch die in Meddersheim lebenden Juden (Mitte der 1920er-Jahre 16 Personen). Die Synagogenvorsteher waren damals Leopold Loeb, Heinrich Kallmann und Gustav Hesse. Als Kantor und Religionslehrer war inzwischen Julius Katzenstein angestellt. Er erteilte den Religionsunterricht an öffentlichen Schule der Stadt für 14 jüdische Kinder. An jüdischen Vereinen gab es einen Israelitischen Frauenverein (Aufgabe war die Wohlfahrtspflege), den Verein Chewroth (Aufgabe war die Kranken- und Beerdigungsfürsorge) und einen Liberalen Jugendbund. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Koblenz. Anfang der 1930er-Jahre waren die Vorsitzenden der Gemeinde Alfred Marum, Heinrich Kallmann und Herr Haas. Zur Repräsentanz gehörten neun Mitglieder (unter dem Vorsitz von Richard Wolf und Moses Fried). Kantor war inzwischen Felix Moses.
   
1933 wurden noch 83 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, zunehmender Repressalien und der Entrechtung ging ihre Zahl durch Aus- und Abwanderung bis zum Novemberpogrom 1938 auf 45 zurück. 1942 wurden die letzten 12 jüdischen Einwohner Sobernheims deportiert. 
    
Von den in Sobernheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Bergheim geb. Schrimmer (1868), Frieda Cohen geb. Gerson (1887), Anna (Anni) Feibelmann geb. Bergheim (1895), Emmy Frankfurter geb. Metzler (1878), Bertha Fried geb. Kahn (1876), Moses Fried (1866), Elisabeth Gerothwohl geb. Herz (1889), Ignatz Gerothwohl (1881), Klementine Haas geb. Abraham (1877), Anna Hartheimer geb. Siegel (1880), Selma Heimbach geb. Glaser (1885), Benno Heymann (1910), Therese Kahn (1869), Elise Kallmann geb. Herz (1873), Friedel Katzenstein (1920), Markus Klein (1868), Johanna Mayer (1880), Emilie Landau geb. Gerson (1882), Nathan Landau (1878), Clara Lehmann geb. Wolf (1885), Johanna Lichtenstein geb. Herz (1877), Heinrich Marum (1848), Johanna Mayer (1880), Clementine Mendel (1883), Ernst Metzler (1895), Gertrud(e) Metzler geb. Kann (1888), Judith Metzger (1933), Jakob Ostermann (1872), Johanna Ostermann geb. Mayer (1872), Dorothea Pappenheim geb. Klein (1875), Rita J. Rothschild geb. Wolf (1879), Paula Salm geb. Wolf (1886), Melanie Schönwald geb. Haas (geb. 1905), Martha Sondermann geb. Wolf (1892), Arthur Wolf (1890), Bertha Wolff geb. Oppenheimer (1856), Emilie Wolff (1885), Friederike Wolff geb. Fröhlich (1873), Hugo Wolf (1881), Otto Wolf (1890).    
   
      
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  

Der jüdische Lehrer Alexander Cahn und sein Israelitisches Knaben-Pensionat
Alexander Kahn war seit 1853 Lehrer in Sobernheim, wo er nach einigen Jahren ein Israelitisches Knaben-Pensionat eröffnete. Bei diesem Knaben-Pensionat handelte es sich um ein Internat für auswärtige jüdische Schüler, die entweder das Gymnasium in Sobernheim besuchen wollten und in Kahns Institut zusätzliche Begleitung erfuhren oder die die von Cahn betreute jüdische Elementarschule in Sobernheim besuchten und dabei zusätzlich im Institut Förderung erfuhren. Das Knaben-Pensionat wurde - wie die Anzeigen in der orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" zeigen - orthodox-jüdisch geführt.   

Sobernheim AZJ 07091869.JPG (134684 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. September 1869: "Sobernheim, 19. August (1869). Gestern feierte der Lehrer der jüdischen Gemeinde, Herr Alexander Cahn, unter allgemeiner Beteiligung der hiesigen Bürgerschaft, sowie seiner aus Nah und Fern herbeigeeilten Freunde und Gönner das 25jährige Jubiläum seiner lehramtlichen Tätigkeit. Mit einer am Vorabend des Fester vor der Rufini'schen Kapelle dem Jubilar dargebrachten Serenade und der Illumination des von Letzterem bewohnten, der Feier des Tages entsprechend geschmückten Hauses, eingeleitet, erfolgte, nach einem noch vorangegangenen Frühständchen, um 10 Uhr Vormittags der von dem Prediger der israelitischen Gemeinde zu Neuß Herr Dr. J. Hulisch vollzogene Hauptakt der Tagesfeier. In beredter und überzeugungsvoller Weise sprach der Redner nach dem einleitenden Gesange der Schüler des Jubilars über die Bedeutung des Lehrerberufes in religiöser, politischer und sozialer Beziehung, und beleuchtete die segensreiche Wirksamkeit des Gefeierten nach diesen verschiedenen Richtungen hin. Der Festrede unmittelbar reihten sich die Beglückwünschungen der verschiedenen Deputationen und die dankbare Erwiderung des Jubilars an, worauf ein Schlussgesang diese ernste, die ganze Zuhörerschaft erhebende Feier beendigte, um der bevorstehenden heitern Platz zu machen. Das darauf folge Festmahl, an welchem sich die Notabeln des Ortes ohne konfessionellen Unterschied in erfreulicher Weise beteiligten, vereinigte die Festgesellschaft bis lange nach Mitternacht in der heitersten Stimmung, welche durch zahl- und sinnreiche Toaste und Festlieder wesentlich gehoben wurde. Sicherlich wird der erhebende Eindruck, den diese Feier in ihrer Gesamtheit wie in ihren Einzelheiten bei allen Beteiligten hervorgerufen, noch lange in der Erinnerung derselben fortdauern."

 Anzeigen zum Israelitischen Knabenpensionat von Alexander Cahn in Bad Sobernheim 1874 bis 1881

Sobernheim Israelit 22111871.jpg (35908 Byte)Unklar ist, warum A. Cahn 1871 plante, sein Pensionat nach Mainz zu verlegen. In den folgenden Jahren blieb es jedenfalls in Sobernheim bestehen. Am 22. November 1871 erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" jedenfalls die folgende Anzeige: 
"Mit dem 1. Januar 1872 gedenke ich mein Pensionat nach Mainz zu verlegen, und finden Knaben, die die unter der Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Lehmann stehende Anstalt, oder andere Anstalten besuchen wollen, in meinem Hause, unter sorgfältiger Pflege, Aufnahme und die notwendige Nachhilfe. Herr Rabbiner Dr. Lehmann und Herr Bertram Bondi in Mainz, Herr Rabbiner Dr. Schwarz in Köln, sowie Herr S. Bürger in Siegburg geben gern Auskunft. Sobernheim, im November 1871. A. Cahn".  
Neben A. Cahn unterrichteten auch andere Lehrer in seinem Institut:
Sobernheim AZJ 26051874.jpg (21478 Byte) Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Mai 1874: "Ein Lehrer, der Mathematik und Naturwissenschaft findet sogleich bei mir eine gute, dauernde Stelle. Solche, die Musik und Englisch verstehen, erhalten den Vorzug. Sobernheim. A. Cahn, Instituts-Vorsteher".  
 
Sobernheim Israelit 08031876.jpg (35586 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1876: "Israelitisches Knaben-Pensionat A. Cahn zu Sobernheim. Knaben, welche das hiesige vollberechtigte Gymnasium oder meine Schule besuchen wollen, finden Aufnahme und die nötige Nachhilfe. Referenzen: Herr Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz, Herr Dr. M.C. Wahl in Erfurt, Herr Advokat - Anwalt Dr. Eich und Herr Rabbiner Dr. Philippson in Bonn. Das Nähere im Prospekt".  
 
Sobernheim Israelit 30081876.jpg (30979 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1876: "Pensionat A. Cahn in Sobernheim fördert schnell solche Knaben, die in den Klassen zurückgeblieben sind, gesunde, kräftige Pflege, sehr reizende Lage. Herr Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz, Herr Dr. Philippson in Bonn, Herr Direktor Dr. Wahl in Erfurt, dessen Sohn auch hier ist, geben gern Auskunft".   
 
Sobernheim Israelit 08061881.jpg (37598 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1881: "Knabenpensionat A. Cahn zu Sobernheim bildet zum Kaufmanne und zum Studium durch Besuch des vollberechtigten Progymnasiums vor. Ein Hauslehrer und verschiedene andere Lehrer assistieren. Mäßige Preise. Die besten Referenzen des In- und Auslandes."  

   
25jähriges Ortsjubiläum von Lehrer und Kantor S. Berendt (1915) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1915: "Sobernheim, 7. März (1915). Am 1. April blickt Herr Lehrer und Kantor S. Berendt auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit in der hiesigen Kultusgemeinde zurück. Im Hinblick auf die schweren Zeiten hat er sich jegliche Feier verbeten. Doch willen es sich seine Freunde nicht nehmen lassen, ihm nach dem Kriege eine seinem ersprießlichen Wirken entsprechende Feier zu veranstalten."

    
  

Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Hinweis für arme, durchreisende Juden (1886)

Sobernheim Israelit 06101886.jpg (31585 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1886: "Die Armen im Volk Israel möge man gefälligst benachrichtigen, dass sie an hiesigem Orte, wenn anders ihre Papiere geordnet sind, nicht mehr zu befürchten haben, eingesperrt zu werden. Dieselben holen sich bei dem Vorsteher S. Löb hier eine Anweisung, die ich, der Kassierer, ausbezahlen werde. 
Sobernheim, 29. September 1886. Alexander Cahn". 

   
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
  
Zum Tod von Ferdinand Wolff, Teilhaber der Firma Gebr. Jacob Wolff in Sobernheim (1857) 
Nachruf des Lehrers Alexander Cahn: "Einen solchen Leichenzug von Juden und Christen aus der Nähe und Ferne hat unsere Stadt noch nie gesehen"

Sobernheim AZJ 30111857.jpg (238594 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November 1857: "Nekrolog
Sobernheim
, 19. November (1857). Wie Köln in diesem Jahre den Hintritt eines Mannes beweinte, dessen edles Streben für alles Gute und Schöne allgemein ge- und erkannt war, ich meines des Herr Isaac Kaufmann, der es wohl verdiente, in diesem Blattes, welches man mit Recht unsere Chronik nennen kann, rühmlichst erwähnt zu werden, ... und dem nur Herr Klein, wofür er sich gewiss den Dank Vieler erworben, ein Denkmal in seinem diesjährigen Kalender gesetzt - so haben auch wir die irdische Hülle eines Biedermannes zur Erde bestattet, der allgemein geachtet und geliebt, nun der Gegenstand der Trauer, ich darf sagen, der ganzen Stadt und Umgebung ist. Es starb nämlich dieser Tage nach einem langen und schmerzlichen Leiden der Herr Ferdinand Wolff, Teilhaber des Geschäftes unter der Firma Gebrüder Jacob Wolff, Förderer alles Guten; ohne erst von anderer Seite dazu ermuntert und angespornt zu werden, spendete er reichlich die Gaben der Milde, und glaubte dennoch, nie genug getan zu haben; seine angenehmsten Besuche waren, trotz seiner angesehenen Stellung, die, welche er den armen, leidenden Familien machte,  und wohltuend war es für mich und gewiss für jeden Menschenfreund, wenn ich ihn Sabbats mit diesen Leuten an ihrer Türe sitzen und sich eifrig und angenehm mit ihnen unterhalten sah, und gewiss ist es, dass er ihnen nicht nur eine materielle, sondern auch eine geistige Stütze war, denn diese seine Handlungsart war Ausfluss eines nicht nur weltlich, sondern auch religiös gebildeten, und besonders in den jüdischen Schriften sehr bewanderten Geistes, so zwar, dass er einen hebräischen Brief und sogar ein Gedicht in hebräischer Sprache abzufassen verstand. Einen solchen Leichenzug von Juden und Christen aus der Nähe und Ferne hat unsere Stadt noch nie gesehen; selten aber auch sind die Menschen, die, so wie er, ihr Wohl und ihr Interesse beiseite setzend, sich ausschließlich der leidenden Menschheit weihen. Um nur ein kleines Beispiel zu geben: als diese Zeitung in diesem Jahre das Unglück der Familie des Lehrers Levisohn aus Fulda meldete, da wurde, ohne dass ich etwas vorzutragen nötig hatte, mir von obiger Firma eine reichliche Gabe ins Haus geschickt; allein das schien noch nicht genug zu sein, ich musste bei dem Herrn Redakteur dieses Blattes anfragen, (was auch geschehen, wie der Herr Dr. Philippson gern bezeugen wird) was man vielleicht für diese Familie noch mehr ihrerseits tun könnte, und gewiss bin ich, hätte man ein größeres als ein Geldopfer verlangt, es wäre gebracht worden. Trotz seiner Gewandtheit in Musik und fremden Sprachen und Wissenschaften war doch die jüdische Lektüre seine liebste Beschäftigung, und waren es besonders die Werke des Herrn Dr. Philippson und dessen Zeitung, die er mit besonderem Eifer, mit besonderer Lust durchsah, sodass er kaum die Zeit erwarten konnte, bis das Blatt wöchentlich ankam; selbst ein interessanter Humorist, vermochte ein Witz im Volksblatte ihn Tage hindurch zu erheitern und so Herr Redakteur, haben Sie, ohne es zu wissen, einen Freund und Gönner in dem Verstorbenen besessen, und so haben Sie, ohne es zu wissen, diese Freundschaft durch die verschaffte Erheiterung erwidert. Dass ich den Satz: De mortuis nil nisi bene nicht unterschreibe, das wissen Alle, die mich genauer kennen; ich könnte nicht aufhören, wollte ich die Tugenden des Verstorbenen aufzählen. Der Herr des Himmels und der Erde hat sie eingeschrieben in das Buch des Lebens die Wohltaten, die er geübt, und die Gesinnungen, die er durch seine letzte Verfügung noch an den Tag gelegt, Er wird dafür seine Seele einschließen in den Bund des Lebens. Amen. Sit terra ei levis. Alexander Cahn". 

   
Zum Tod von Philipp Jacob Wolff (1859)     

Sobernheim AZJ 17101859.jpg (54524 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1859: "Todesanzeige. Allgemein betrauert, starb in diesen Tagen zu unserem großen Leidwesen der auch in fernen Kreisen bekannte biedere, gottesfürchtige, allseitig gebildete Philipp Jacob Wolff. Wer den Verewigten gekannt, wird den Schmerz zu rechtfertigen wissen, den sein Dahinscheiden über die Seinigen sowohl, als über die Menge seiner Freunde und Bekannten gebracht, und vielleicht Mancher, dem durch diese Zeilen die traurige Kunde zugeführt wird, kann eine Träne des Mitleids ihm nicht versagen. Sobernheim, 3. Oktober 1859. A. Cahn."  

    
Zum Tod der Witwe Ludwig Michel von Sobernheim (1885) 
"allen tat sie wohl, allen war sie eine Retterin, eine Stütze"

Sobernheim Israelit 11061885.jpg (88316 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1885: "Sobernheim, 3. Juni (1885). Wir haben verloren, was wir nicht wiederfinden, eine Eschet chajal (tüchtige Frau) im wahren Sinne des Wortes; die Frau Witwe Ludwig Michel von hier ist nicht mehr unter den Lebenden, sie ist hinüber gewandert zu ihrem himmlischen Vater, den sie hier kindlich geliebt und verehrt hat, sie war eine Rechtschaffene in jeder Beziehung, nicht nur im Gebete, sie war zu jeder Zeit die Erste und die Letzte in der Synagoge, mehr noch bewahrte sie sich als Hausmutter, ihr ebenso braver Mann, der ihr vorausgeeilt ist zum Himmel, und der seine Bestimmung als rechtschaffener Ehemann auch in seinem ganzen Leben erfüllte, heiratete seine brave Frau als Witwer und brachte sechs Kinder mit in die Ehe, die sie, nicht wie eine Stiefmutter, sondern wie die leibliche Mutter mit ihren eigenen fünf Kindern erzog, und es ist ein Genuss, zu sehen, und sich zu überzeugen, wie alle ihre Kinder mit Liebe an ihr hingen und ihr das Leben, wie sie es verdiente, versüßten. Arme, Witwen und Waisen waren ihre Hausgenossen, allen tat sie wohl, allen war sie eine Retterin, eine Stütze. Gestern, bei ihrer Beerdigung, zeigte es sich; die Tränen, die bei dem überaus großen Leichenzuge, der von Nahe und Fern Leidtragende aller Konfessionen vereinte, fielen, bewiesen, dass man brav und fromm leben müsse, um betrauert, geachtet und hochgeehrt sterben zu können. Ihre Seele sie eingebunden in den Bund des Lebens". 

    
Auszeichnung für Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges Richard Feibelmann (1915)

Sobernheim Israelit 07011915.jpg (21412 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1915: "Sobernheim, 1. Januar. Mit dem 'Eisernen Kreuz' ausgezeichnet und zum Gefreiten befördert wurde der im Westen kämpfende Richard Feibelmann, Sobernheim, 10. Komp. Infanterie-Regiment Nr. 68". 

      
Auszeichnung für Unteroffizier Lippmann Ullmann (1915)

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1915: "Sobernheim, 30. Januar (1915). Der Unteroffizier im 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment, Lippmann Ullmann, Teilhaber der Firma Reinemann-Lichtinger in München, wurde auf dem westlichen Kriegsschauplatz mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet; außerdem wurde ihm der bayerische Militär-Verdienstorden mit Schwertern verliehen."  


     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der "Koscher-Wurstfabrik" von Israel Metzler in Sobernheim (1879)

Sobernheim Israelit 12111879.jpg (24084 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1879): "Koscher - Wurst-Fabrik - Koscher von Is. Metzler in Sobernheim a.d. Nahe  empfiehlt Cervelat-, Lyoner-, Fleisch-, und Knoblauch-Würste, beste Qualität, sowie Rauch- und Pökelfleisch, Roulade und Zungen zu den billigsten Preisen."

   
Werbeanzeige für die Strumpf-Fabrik A. Marum Witwe (1937!)

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 1. April 1937: "Strumpf-Fabriken A. Marum Witwe. Aktien-Gesellschaft. Sobernheim (Rheinland)." 

   
  
  

Zur Geschichte der Synagoge

Über mittelalterliche Einrichtungen ist nichts bekannt. Doch dürfte - bei vier bis fünf jüdischen Familien in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts - ein Betraum vorhanden gewesen sein. 
  
Auch die neuzeitliche Gemeinde seit dem 17./18. Jahrhundert hatte zunächst einen Betsaal. Seit 1816 befand er sich in einem Privathaus (Haus Werner, Marumstraße 20). Bereits Ende der 1830er-Jahre drohte die Baupolizei mit der Schließung des etwa 25 am großen Raumes, da er die größer gewordene Gemeinde nicht mehr fasste. Zunächst bemühte man sich um ein Grundstück in der Marumstraße (Fläche des späteren Hauses Bottlinger), doch erwies sich dieses zu klein für einen Neubau. Erst 1858 wurde unter großen finanziellen Opfern eine Synagoge in der heutigen Gymnasialstraße auf dem Gelände einer früheren Scheune erbaut. Es handelte sich um einen spätklassizistischen Sandsteinquaderbau mit Rundbogenfenstern und Pyramidaldach. Das ursprüngliche Gebäude war - verglichen mit dem erhaltenen - um eine Fensterachse kleiner, auf dem verbleibenden Platz sollte ein Schulhaus entstehen.  
Über die Einweihung der Synagoge am 18. Juni 1858, die Oberrabbiner Dr. Auerbach gemeinsam mit dem Sobernheimer Kantor und Lehrer Alexander Cahn durchführte, liegt ein Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Juli 1858 vor, der von "Maurermeister S. Hadra" verfasst wurde:    

Sobernheim AZJ 19071858.jpg (126040 Byte) "Sobernheim, 18. Juni (1858). Am heutigen Tage feierte die hiesige israelitische Gemeinde die Einweihung ihres neu erbauten Gotteshauses. Dasselbe ist im Verhältnis der nicht sehr zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft sehr geräumig erbaut, sodass bei einer noch so großen Vermehrung derselben es nicht an Raum mangeln dürfte. Das Gebäude selbst ist in einem passenden modernen Stil erbaut. - Die Gemeinde scheute keine Kosten, ihr Gotteshaus auf die würdigste Weise auszustatten. Auch hatte sie sich wertvoller Geschenke und Beiträge auswärtiger Mitglieder zu erfreuen. Die Einweihungs-Feierlichkeiten wurden mit großen Pomp begangenen. Zahlreiche Freunde von Nah und Fern hatten sich eingefunden, um diesem Festtage beizuwohnen. 
Der festliche Zug bewegte sich von dem alten Bethause nach der neuen Synagoge. Voran unter dem prachtvollen Baldachin der Oberrabbiner, Herr Dr. Auerbach aus Bonn und der hiesige Kantor und Lehrer, Herr Cahn, gefolgt von den Trägern des Gesetzrollen. Hierauf folgte das hier neu errichtete Sängerchor von den Jungfrauen und Männern Sobernheims, die zu dieser Festlichkeit geladenen Beamten und die übrigen Mitglieder der Gemeinde. Die Synagoge war bei dieser denkwürdigen Feierlichkeit mit Laub und Blumengewinden vom Referenten geschmückt worden. Herr Oberrabbiner Dr. Auerbach hielt eine tief ergreifende Predigt, die Wichtigkeit des heutigen Tages schildernd. Am Samstage darauf predigte der Lehrer und Kantor der israelitischen Gemeinde Herr Kahn über das Thema: 'Bauet mir ein Gotteshaus und ich werde wohnen unter Euch.'   S. Hadra, Maurermeister."

1904 wurde die Synagoge umfassend renoviert und nach Westen erweitert. Über den Abschluss der Arbeiten und die Wiedereinweihung des Gotteshauses am 11. und 12. November 1904 liegt ein Bericht aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1904 vor:

Sobernheim Israelit 24111904.JPG (243925 Byte) Sobernheim. 14. November (1904). Der 11. und 12. November waren hohe Festtage für die hiesige Gemeinde, galt es doch an diesen Tagen, die erweiterte und verschönerte Synagoge einzuweihen. Zu den Feierlichkeiten waren viele Gäste von hier und von auswärts eingeladen und erschienen. Der am Freitag Nachmittag abgehaltene Weihegottesdienst, an dem unter anderen auch der Bürgermeister, das Stadtverordneten-Kollegium, der Königliche Kreisschulinspektor, der Direktor der hiesigen Realschule sowie die Vertreter der Schulverbände teilnahmen, wurde eröffnet durch die vom Synagogenchor vorgetragene Motette: "Gesegnet sei, wer da kommt im Namen des Herrn." Hierauf verlas der Lehrer der Gemeinde, Herr Berendt, mit erhebend ausdrucksvoller Stimme Psalm 110. Nachdem der Chor alsdann Mah towu gesungen, trug die älteste Tochter des Vorstandsmitgliedes Herrn Michel in mustergültiger Weise einen Prolog vor und überreichte dem Gemeindevorsitzenden, Herrn M. Marum, den Schlüssel zur heiligen Lade. Dieser hielt eine Ansprache und dankte in kurzen, aber herzlichen Worten allen denen, die zur Ausführung des Baues beigetragen haben. Darauf öffnete Herr Marum die heilige Lage und übergab sie dem zeremoniellen Gebrachte. Während der Chor Wajehi benisa sang, entnahm das Vorstandsmitglied, Herr Löb, eine der Torarollen und übergab sie Herrn Berendt, welcher mit feierlicher Stimme folgendes sprach: "Und dies ist die Lehre, welche Moses den Kindern Israels vorgelegt, und in dieser Lehre steht das Wort, welches Israel auf seiner langen Wanderung durch die Geschichte als Banner gedient, um welches es sich geschart, das Wort, welches Sein Leitstern war in freundlichen und in trüber Tagen: Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige, ist einzig." – Nachdem Chor und Gemeinde die letzten Worte in hebräischer Sprache wiederholt hatten, wurde die Torarolle unter geeignetem Chorgesang in die heilige Lade gestellt. Tief ergreifend und ernst durchdacht war die hierauf folgende Festpredigt des Herrn Berendt über das Wort des Propheten Jesajas: beiti beit tefila jekare lekol haAmim "Mein Haus soll sein ein Bethaus und ein Haus für alle Völker". Nach der hierauf von ihm vorgenommenen Weihe und der Verlesung des allgemeinen Bittegebets wurde sodann der aronitische Segen in hebräischer und deutscher Sprache erteilt und vom Chore der Weihgesang vorgetragen. Der Festgottesdienst hinterließ bei allen Teilnehmern ersichtlich einen der Würde der Feier voll entsprechenden Eindruck. Nach einer kurzen Pause fand kabbalat schabbat (Empfang des Schabbat) statt, wobei ebenso wie am Nachmittag unser prächtiges Gotteshaus in herrlichem elektrischem Lichterglanze erstrahlte. Am Samstag Vormittag fand ein Hauptgottesdienst statt, mit welchem die religiöse Feier abschloss. Nachmittags 4 Uhr begann im Saale der "hohen Burg" ein Bankett. In schönster Weise verlief auch diese Veranstaltung, sodass das Fest sich zu einem harmonischen Ganzen gestaltete, welches seinen Arrangeuren Ehre machte und bei allen Teilnehmern eine dauernde Erinnerung bilden wird. An der Ausschmückung des Gotteshauses haben sich ein besonderes Verdienst erworben: Frau Jakob Kaufmann geb. van Geldern, die durch Sammlung bei der Frauen die Anschaffung eines großartigen Parochet (Toravorhang) ermöglichte; Herr Ferdinand Herz, der eine kostbare Schulchandecke (Decke für das Vorlesepult) stiftete; Frau Else Jakobi geb. Marum von Grünstadt und Herr B. Steinherb aus Aachen, welche je ein reichgeziertes Toramäntelchen schenkten. Die Familie Jakob Marum aus Karlsruhe gab einen seltenen Teppich, der das Innere des Gotteshauses ziert.  

1929 wurde das Dach der Synagoge erneuert. Im August 1930 wurde eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Sobernheim in der Synagoge angebracht.   

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert und geschändet. Die Gebetbücher wurden verbrannt. Die Torarollen und der Vorhang des Toraschreines konnten gerettet werden. Die zerschlagene Gefallenengedenktafel wurde von Alfred Marum in Sicherheit gebracht. (Sie wurde von ihm wieder zusammengesetzt und am 15. Oktober 1950 an dem Denkmal auf dem Friedhof im zerbrochenen Zustand befestigt. Die Jüdische Kultusgemeinde für die Kreise Bad Kreuznach und Birkenfeld hat die beschädigte Tafel durch eine originalgetreue Neuanfertigung im Januar 2005 ersetzt).  
  
1939 wurde die Synagoge an die Stadt verkauft, die das Gebäude zur Aula für das Gymnasium machen will. Im Zweiten Weltkrieg wird die ehemalige Synagoge allerdings als Lagerraum für die Wehrmacht zweckentfremdet.    
              
Nach 1945: 1953 wurde das Gebäude an den Inhaber des Kaufhauses Schmidt verkauft und seitdem als Möbellager verwendet. Dazu werden zwei Zwischendecken eingezogen. 1971 ist das Gebäude vom Abbruch bedroht. Eine breite Umgehungsstraße soll nach den damaligen Plänen über das Gelände der Synagoge führen. Nur mit großer Mühe konnte der Unterschutzstellungsantrag beim Landesamt für Denkmalpflege durchgesetzt werden. Die Stadt und der Eigentümer legten (vergeblich) Widerspruch ein. 1986 wurde das Gebäude wiederum verkauft und als Getränkelager und zur Vorratshaltung verwendet. Weiteres siehe bei den anschließenden
Informationen zum Förderverein Synagoge Sobernheim e.V.: Der Verein wurde gegründet am 9. November 1989. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das Vermächtnis der jüdischen Kultur in Bad Sobernheim zu bewahren. Dabei steht die Erhaltung und Renovierung der Synagoge im Mittelpunkt. Das Gotteshaus soll einer sinnvollen, der Würde des Gebäudes entsprechenden Nutzung zugeführt werden. Die derzeitigen Pläne sehen vor, in dem Gebäude die städtische Bibliothek und die Bibliothek der Kirchengemeinde zusammenzufassen, den früheren Betsaal dabei aber noch in seinen Dimensionen zu erhalten (keine durchgezogene Zwischendecke). 2001 wurde von der Stadt Bad Sobernheim die Synagoge erworben. Durch einen Nutzungs- und Unterhaltungsvertrag kam das Gebäude in die Obhut der Fördervereins. 2002 wurden das Dach und die Fenster repariert. Von Nachkommen der Familie Marum wurde ein neuer Davidsstern für das Dach gespendet. In dem noch wenig ansehnlichen Innenraum fanden inzwischen bereits mehrere Gedenkveranstaltungen, Konzerte und auch jüdische Gottesdienste statt. Ein enger Kontakt besteht zwischen dem Verein und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und der Jüdischen Kultusgemeinde in Bad Kreuznach. 2003 fand der erste jüdische Gottesdienst in der Synagoge nach 65 Jahren statt.

Adressen: Förderverein Synagoge Sobernheim e.V., Auf dem Kolben 4, 55566 Bad Sobernheim. Tel. 06751/3795. Spendenkonto: Sparkasse Rhein-Nahe (BLZ 560 501 80) Nr. 1 009 760  E-Mail
    

Adresse/Standort der SynagogeGymnasialstraße 9

Fotos
(Fotos um 1980 aus "und dies ist die Pforte..." s.Lit. S. 95.97)
Fotos 2005: Hahn, Aufnahmedatum am "Tag des offenen Denkmals", 11.9.2005) 

Der alte Betsaal / das Schulgebäude in der Marumstraße 
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Im Gebäude Marumstraße 20 (ehemaliges Haus der Familie Werner) befand sich vor Einweihung der Synagoge 1858 der Betsaal Erinnerung an die Strumpffabrik Marum in der Marumstraße
     
Historisches zur 1858 eingeweihten Synagoge  Sobernheim Synagoge 100.jpg (86196 Byte) Meisenheim Synagoge 117.jpg (62520 Byte)
  Innenansicht der Synagoge Toravorhang aus Bad Sobernheim, ausgestellt in der ehemaligen Synagoge in Meisenheim
     
Die ehemalige Synagoge um 1980 Sobernheim Synagoge 051.jpg (57172 Byte) Sobernheim Synagoge 050.jpg (41013 Byte)
Links der ehemaligen Synagoge befindet sich noch der Anbau mit einer Einfahrt  Möbellager im Inneren der ehemaligen Synagoge
     
Die ehemalige Synagoge 2005
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Die Synagoge von Südwesten gesehen, links der Eingangsbereich. Synagoge und Kirche im Gegenüber Die Synagoge von Osten gesehen.
     
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Ansicht von Nordosten. Der 2002 aufgesetzte Davidstern, gestiftet von Nachkommen der Familie Marum Der Stab für den alten Davidsstern; der Stern wurde von der Dachspitze in der NS-Zeit "abgeschossen".
     
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Der Eingangsbereich Die Portalinschrift, in der Mitte auf hebräisch "Haus Gottes"; links die hebräische Jahreszahl für 1858. Hinweistafel
     
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Im Bereich des Erdgeschosses Erster Stock auf Höhe der Frauenempore Unter dem Dach
     
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Zeichnung der alten Gefallenengedenktafel, die in der Pogromnacht 1938 zerschlagen wurde (siehe die Kopie der Tafel auf dem Friedhof) Fotos und Namen der deportierten Sobernheimer Juden im Bereich des Toraschreines   
     
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Aufgefundene Grabsteine.   
    
Die ehemalige Synagoge 
im Juni 2008 

(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.6.2008)
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      Die ehemalige Synagoge, von Osten (links) und Südwesten (rechts) gesehen
   
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 Eingang mit der Portalinschrift  Westliche Seite mit Eingangsbereich
   
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    Hinweistafel  Der 2002 aufgesetzte Davidstern

        

        

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Bad Sobernheim  
Website des Fördervereins Synagoge Sobernheim 
Kurze Informationsseite zur Gedenkstätte Synagoge Sobernheim  

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 768; III,2 S. 1374-1376.
Informationsblätter des Fördervereins Synagoge Sobernheim e.V.
Frances Henry: Nachbarn und Opfer - Erinnerungen an eine Kleinstadt im Nationalsozialismus. Mit einem Vorwort von Willy Brandt. Hrsg. vom Förderverein Synagoge Sobernheim. Bonn 1992. 256 S.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 95-97 (mit weiteren Literaturangaben).  
Einzelne Presseartikel aus der "Allgemeinen Zeitung" zwischen 2002 und 2004:
"Marum-Zwillinge (Hildegard und Margot Marum) werden 85" vom 27.8.2002 
Verleihung der German Jewish History Award an Hans Eberhard Berkemann
Hoffnung auf jüdisches Leben in Bad Sobernheim vom 27.09.2004
    

  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Sobernheim  Rhineland. Jews are first mentioned in 1336 and were victims of the Black Death persecutions of 1348-49. Settlement was soon renewed, with Jews earning their livelihoods as moneylenders, wine and textile merchants, and livestock traders. In 1808 a local Jew was chosen as a deputy to the Assembly of Jewish Notables in Paris. A synagogue was consecrated in 1859 but the community remained under the jurisdiction of the Bad Kreuznach regional congregation, only becoming independent in 1926. A Jewish elementary school was in operation by 1840. During the 19th century, Jews began opening stores and business establishments, mainly dealing in textiles. One store became the largest department store in the town and a small, domestic sock-knitting business, started by Sarah Maron, a widow with nine children, became a huge family enterprise employing 800 workers. The Jewish population was 131 in 1843 and 109 (total 3,479) in 1905. In 1888, a Jew was first elected to the municipal council. Afterwards, Jews also served as deputy mayors (mostly members of the wealthy Marom family). The Zionists were active between the World Wars but the majority of the community did not identify with the movement. In religion, most were Liberal (15 % being considered Orthodox). Harmonious relations generally prevailed with the non-Jewish population. These, however, eroded somewhat during the Weimar period. 
In the March 1933 Reichstag elections, 42 % of the local vote went to the Nazi Party. In 1933, the 34 families in Sobernheim owned 19 businesses. All were subjected to boycott pressures and most closed in 1935-36, the last of them in 1938 (including the Marom factory, sold at the end of the year) along with homes and land still in Jewish hands. Social ostracization accompanied the boycott as Jews were insulted, spat upon, and beaten in the streets. Only a small minority continued to help the Jews. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and Jewish homes were seriously damaged and the Jewish cemetery was desecrated. The last 13 Jews were moved to five houses and in spring and summer 1942 deported to the east where they died. Of the 150 Jews present in Sobernheim in the Nazi period, 76 emigrated (46 to the United States) while 23 left for other German cities. At least 31 perished in the Holocaust.   
      
      

                   
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Stand: 29. Januar 2010