|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
Zur Übersicht "Synagogen im
Kreis Bad Kreuznach"
Bad Sobernheim (Kreis
Bad Kreuznach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Überblick:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem seit 1330 zur Stadt erhobenen und zum Erzbistum Mainz gehörenden
Sobernheim lebten jüdische Personen/Familien bereits im Mittelalter. Zu Beginn
des 14. Jahrhunderts sind erstmals Juden nachweisbar (1301). Während der
Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden auch hier Juden ermordet. 1357
nahm der Mainzer Erzbischof Gerlach zwei Juden in seinen Schutz und überließ
es ihnen, sich in Bingen oder Sobernheim niederzulassen. Sicher werden 1384
wiederum Juden in der Stadt genannt. In der ersten Hälfte des 15.
Jahrhunderts waren es vier oder fünf jüdische Familien. Die Familien
lebten vom Geldverleih. 1418 zahlten vier jüdische Familien je 10
Gulden, eine Frau zusätzlich 4 Gulden sowie drei arme Juden 4 Gulden an
Jahressteuern (an die Mainzer Kellerei in Sobernheim beziehungsweise ans Reich).
1429 wurden die Juden zu Sobernheim (genannt werden Hirtz, Gomprecht,
Smohel, Mayer, Smohels Mutter und andere Juden und Jüdinnen) zusammen mit denen
des ganzen Erzstifts Mainz gefangengenommen. Zu einer Vertreibung kam es
vermutlich nicht, doch lebten Mitte des 16. Jahrhunderts offensichtlich keine
Juden in Sobernheim.
Zur Gründung der neuzeitlichen Gemeinde kam es seit dem 17./18. Jahrhundert.
In dieser Zeit lebten bis zu fünf Familien mit insgesamt 20 bis 30 Personen in
der Stadt. Nach der Französischen Revolution wuchs die Gemeinde von 64 Personen
(1808) auf 135 Personen (1895, Höchstzahl) an. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der
jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung zurück.
Im 19./20. Jahrhundert
gab es unter den jüdischen Sobernheimern Viehhändler, Metzger, Kaufleute für
Textilien und Agrarprodukte, Schuhmacher und Lederhändler sowie
Kaufhausbesitzer und Strumpffabrikanten (von besonderer Bedeutung die
Strumpffabrik Marum).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Elementar- und Religionsschule (im Haus Marumstraße 20; das Gebäude
hatte Isaac Werner nach Einweihung der Synagoge 1859 der jüdischen Gemeinde als
Schulgebäude geschenkt), ein rituelles Bad sowie einen eigenen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein jüdischer
Elementarlehrer (Volksschullehrer) angestellt, der in der Gemeinde zugleich als
Vorbeter (Kantor), vermutlich auch als Schochet (Schächter) fungierte. Bei
Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben. Der
Ausschreibungstext von 1853 lautete:
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1853:
"Die hiesige israelitische Gemeinde sucht zum 1. September dieses
Jahres einen tüchtigen Elementarlehrer und Kantor. Derselbe muss
Inländer sein, erhält 160 Thaler Gehalt, nebst freier Wohnung und
Heizung. Reflektanten wollen sich baldigst melden, und eine Abschrift
ihrer Prüfungs- und Dienstzeugnisse beifügen."
Sobernheim in Rheinpreußen. Der Schulvorstand. J. Werner, J.
Klein". |
Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich
Alexander Cahn, der über mehrere Jahrzehnte in Sobernheim wirkte, die
prägende Gestalt des jüdischen Gemeindelebens in der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts war und hier auch erfolgreich ein Israelitisches
Knaben-Pensionat betrieb (s.u.). Seit 1890 war Lehrer S. Berendt in
der Gemeinde tätig. Mit ihm feierte die Gemeinde die Wiedereinweihung der
Synagoge 1904 (siehe Bericht unten). 1915 konnte er sein 25jähriges
Ortsjubiläum in Sobernheim feiern (siehe Bericht unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Rudolf
Hesse (geb. 26.7.1876 in Sobernheim, gef. 24.4.1917), Gefreiter Richard Feibelmann
(geb. 26.11.1889 in Meddersheim, gef. 21.11.1917), Dr. Joseph Rosenberg (geb.
4.4.1886 in Sobernheim, gest. an der Kriegsverletzung 4.5.1922) und Kurt Metzler. Ihre Namen stehen auf dem
Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofes.
Mitte der
1920er-Jahren waren es noch 80 jüdische Gemeindeglieder bei einer
Gesamteinwohnerschaft von ca. 3.850 Personen (2,1 %). Zur Sobernheimer Gemeinde
gehörten auch die in Meddersheim lebenden Juden (Mitte der 1920er-Jahre
16 Personen). Die Synagogenvorsteher waren damals Leopold Loeb, Heinrich
Kallmann und Gustav Hesse. Als Kantor und Religionslehrer war inzwischen Julius Katzenstein
angestellt. Er erteilte den Religionsunterricht an öffentlichen Schule der
Stadt für 14 jüdische Kinder. An jüdischen Vereinen gab es einen Israelitischen
Frauenverein
(Aufgabe war die Wohlfahrtspflege), den Verein Chewroth (Aufgabe war die
Kranken- und Beerdigungsfürsorge) und einen Liberalen Jugendbund. Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Koblenz. Anfang der 1930er-Jahre waren die
Vorsitzenden der Gemeinde Alfred Marum, Heinrich Kallmann und Herr Haas. Zur
Repräsentanz gehörten neun Mitglieder (unter dem Vorsitz von Richard Wolf und
Moses Fried). Kantor war inzwischen Felix Moses.
1933 wurden noch 83 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. Auf Grund
der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, zunehmender Repressalien und der
Entrechtung ging ihre Zahl durch Aus- und Abwanderung bis zum Novemberpogrom
1938 auf 45 zurück. 1942 wurden die letzten 12 jüdischen
Einwohner Sobernheims deportiert.
Von den in Sobernheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Bergheim geb. Schrimmer (1868), Frieda Cohen
geb. Gerson (1887), Anna (Anni) Feibelmann geb. Bergheim (1895), Emmy
Frankfurter geb. Metzler (1878), Bertha Fried geb. Kahn (1876), Moses
Fried (1866), Elisabeth Gerothwohl geb. Herz (1889), Ignatz Gerothwohl (1881), Klementine Haas
geb. Abraham (1877), Anna Hartheimer geb. Siegel (1880), Selma Heimbach geb.
Glaser (1885), Benno Heymann (1910), Therese Kahn (1869), Elise Kallmann geb.
Herz (1873), Friedel Katzenstein (1920), Markus Klein (1868), Johanna Mayer
(1880), Emilie Landau geb. Gerson (1882), Nathan Landau (1878),
Clara Lehmann geb. Wolf (1885), Johanna Lichtenstein geb. Herz (1877), Heinrich Marum
(1848), Johanna Mayer (1880), Clementine Mendel (1883), Ernst Metzler (1895),
Gertrud(e)
Metzler geb. Kann (1888), Judith Metzger (1933), Jakob Ostermann (1872), Johanna Ostermann
geb. Mayer (1872), Dorothea Pappenheim geb. Klein (1875), Rita J. Rothschild
geb. Wolf (1879), Paula Salm
geb. Wolf (1886), Melanie Schönwald geb. Haas (geb. 1905), Martha
Sondermann geb. Wolf (1892), Arthur Wolf (1890), Bertha Wolff geb.
Oppenheimer (1856), Emilie Wolff (1885), Friederike Wolff geb. Fröhlich (1873), Hugo Wolf
(1881), Otto Wolf (1890).
Berichte aus der
Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Der
jüdische Lehrer Alexander Cahn und sein Israelitisches Knaben-Pensionat
Alexander Kahn war seit 1853 Lehrer in Sobernheim, wo er nach einigen
Jahren ein Israelitisches Knaben-Pensionat eröffnete. Bei diesem
Knaben-Pensionat handelte es sich um ein Internat für auswärtige jüdische
Schüler, die entweder das Gymnasium in Sobernheim besuchen wollten und in Kahns
Institut zusätzliche Begleitung erfuhren oder die die von Cahn betreute
jüdische Elementarschule in Sobernheim besuchten und dabei zusätzlich im
Institut Förderung erfuhren. Das Knaben-Pensionat wurde - wie die Anzeigen in
der orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" zeigen - orthodox-jüdisch
geführt.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. September
1869: "Sobernheim, 19. August (1869). Gestern feierte der Lehrer der
jüdischen Gemeinde, Herr Alexander Cahn, unter allgemeiner Beteiligung
der hiesigen Bürgerschaft, sowie seiner aus Nah und Fern herbeigeeilten
Freunde und Gönner das 25jährige Jubiläum seiner lehramtlichen
Tätigkeit. Mit einer am Vorabend des Fester vor der Rufini'schen Kapelle
dem Jubilar dargebrachten Serenade und der Illumination des von Letzterem
bewohnten, der Feier des Tages entsprechend geschmückten Hauses,
eingeleitet, erfolgte, nach einem noch vorangegangenen Frühständchen, um
10 Uhr Vormittags der von dem Prediger der israelitischen Gemeinde zu
Neuß Herr Dr. J. Hulisch vollzogene Hauptakt der Tagesfeier. In beredter
und überzeugungsvoller Weise sprach der Redner nach dem einleitenden
Gesange der Schüler des Jubilars über die Bedeutung des Lehrerberufes in
religiöser, politischer und sozialer Beziehung, und beleuchtete die
segensreiche Wirksamkeit des Gefeierten nach diesen verschiedenen
Richtungen hin. Der Festrede unmittelbar reihten sich die
Beglückwünschungen der verschiedenen Deputationen und die dankbare
Erwiderung des Jubilars an, worauf ein Schlussgesang diese ernste, die
ganze Zuhörerschaft erhebende Feier beendigte, um der bevorstehenden
heitern Platz zu machen. Das darauf folge Festmahl, an welchem sich die
Notabeln des Ortes ohne konfessionellen Unterschied in erfreulicher
Weise beteiligten, vereinigte die Festgesellschaft bis lange nach
Mitternacht in der heitersten Stimmung, welche durch zahl- und sinnreiche
Toaste und Festlieder wesentlich gehoben wurde. Sicherlich wird der
erhebende Eindruck, den diese Feier in ihrer Gesamtheit wie in ihren
Einzelheiten bei allen Beteiligten hervorgerufen, noch lange in der
Erinnerung derselben fortdauern." |
Anzeigen zum Israelitischen Knabenpensionat von
Alexander Cahn in Bad Sobernheim 1874 bis 1881
Unklar
ist, warum A. Cahn 1871 plante, sein Pensionat nach Mainz zu verlegen. In
den folgenden Jahren blieb es jedenfalls in Sobernheim bestehen. Am 22.
November 1871 erschien in der Zeitschrift "Der Israelit"
jedenfalls die folgende Anzeige:
"Mit dem 1. Januar 1872 gedenke ich mein Pensionat nach Mainz zu
verlegen, und finden Knaben, die die unter der Leitung des Herrn Rabbiner
Dr. Lehmann stehende Anstalt, oder andere Anstalten besuchen wollen, in
meinem Hause, unter sorgfältiger Pflege, Aufnahme und die notwendige
Nachhilfe. Herr Rabbiner Dr. Lehmann und Herr Bertram Bondi in Mainz, Herr
Rabbiner Dr. Schwarz in Köln, sowie Herr S. Bürger in Siegburg geben
gern Auskunft. Sobernheim, im November 1871. A. Cahn". |
| Neben A. Cahn unterrichteten auch andere
Lehrer in seinem Institut: |
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Mai 1874: "Ein Lehrer, der Mathematik und Naturwissenschaft findet
sogleich bei mir eine gute, dauernde Stelle. Solche, die Musik und
Englisch verstehen, erhalten den Vorzug. Sobernheim. A. Cahn,
Instituts-Vorsteher". |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1876:
"Israelitisches Knaben-Pensionat A. Cahn zu Sobernheim. Knaben,
welche das hiesige vollberechtigte Gymnasium oder meine Schule besuchen
wollen, finden Aufnahme und die nötige Nachhilfe. Referenzen: Herr
Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz, Herr Dr. M.C. Wahl in Erfurt, Herr Advokat
- Anwalt Dr. Eich und Herr Rabbiner Dr. Philippson in Bonn. Das Nähere im
Prospekt". |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1876:
"Pensionat A. Cahn in Sobernheim fördert schnell solche Knaben, die
in den Klassen zurückgeblieben sind, gesunde, kräftige Pflege, sehr
reizende Lage. Herr Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz, Herr Dr. Philippson in
Bonn, Herr Direktor Dr. Wahl in Erfurt, dessen Sohn auch hier ist, geben
gern Auskunft". |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1881:
"Knabenpensionat A. Cahn zu Sobernheim bildet zum Kaufmanne und zum
Studium durch Besuch des vollberechtigten Progymnasiums vor. Ein
Hauslehrer und verschiedene andere Lehrer assistieren. Mäßige Preise.
Die besten Referenzen des In- und Auslandes." |
25jähriges Ortsjubiläum von Lehrer und Kantor S.
Berendt (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1915:
"Sobernheim, 7. März (1915). Am 1. April blickt Herr Lehrer und
Kantor S. Berendt auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit in der
hiesigen Kultusgemeinde zurück. Im Hinblick auf die schweren Zeiten hat
er sich jegliche Feier verbeten. Doch willen es sich seine Freunde nicht
nehmen lassen, ihm nach dem Kriege eine seinem ersprießlichen Wirken
entsprechende Feier zu veranstalten." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Hinweis für arme, durchreisende Juden (1886)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1886: "Die
Armen im Volk Israel möge man gefälligst benachrichtigen, dass sie an
hiesigem Orte, wenn anders ihre Papiere geordnet sind, nicht mehr zu
befürchten haben, eingesperrt zu werden. Dieselben holen sich bei dem
Vorsteher S. Löb hier eine Anweisung, die ich, der Kassierer, ausbezahlen
werde.
Sobernheim, 29. September 1886. Alexander Cahn". |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Ferdinand Wolff, Teilhaber der Firma Gebr.
Jacob Wolff in Sobernheim (1857)
Nachruf des Lehrers Alexander Cahn: "Einen solchen Leichenzug von Juden und Christen aus der Nähe und
Ferne hat unsere Stadt noch nie gesehen"
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November
1857: "Nekrolog.
Sobernheim, 19. November (1857). Wie Köln in
diesem Jahre den Hintritt eines Mannes beweinte, dessen edles Streben für
alles Gute und Schöne allgemein ge- und erkannt war, ich meines des Herr
Isaac Kaufmann, der es wohl verdiente, in diesem Blattes, welches man mit
Recht unsere Chronik nennen kann, rühmlichst erwähnt zu werden, ... und
dem nur Herr Klein, wofür er sich gewiss den Dank Vieler erworben, ein
Denkmal in seinem diesjährigen Kalender gesetzt - so haben auch wir die
irdische Hülle eines Biedermannes zur Erde bestattet, der allgemein
geachtet und geliebt, nun der Gegenstand der Trauer, ich darf sagen, der
ganzen Stadt und Umgebung ist. Es starb nämlich dieser Tage nach einem
langen und schmerzlichen Leiden der Herr Ferdinand Wolff, Teilhaber
des Geschäftes unter der Firma Gebrüder Jacob Wolff, Förderer alles
Guten; ohne erst von anderer Seite dazu ermuntert und angespornt zu
werden, spendete er reichlich die Gaben der Milde, und glaubte dennoch, nie
genug getan zu haben; seine angenehmsten Besuche waren, trotz seiner
angesehenen Stellung, die, welche er den armen, leidenden Familien
machte, und wohltuend war es für mich und gewiss für jeden
Menschenfreund, wenn ich ihn Sabbats mit diesen Leuten an ihrer Türe
sitzen und sich eifrig und angenehm mit ihnen unterhalten sah, und gewiss
ist es, dass er ihnen nicht nur eine materielle, sondern auch eine
geistige Stütze war, denn diese seine Handlungsart war Ausfluss eines
nicht nur weltlich, sondern auch religiös gebildeten, und besonders in
den jüdischen Schriften sehr bewanderten Geistes, so zwar, dass er einen
hebräischen Brief und sogar ein Gedicht in hebräischer Sprache
abzufassen verstand. Einen solchen Leichenzug von Juden und Christen
aus der Nähe und Ferne hat unsere Stadt noch nie gesehen; selten aber
auch sind die Menschen, die, so wie er, ihr Wohl und ihr Interesse
beiseite setzend, sich ausschließlich der leidenden Menschheit weihen. Um
nur ein kleines Beispiel zu geben: als diese Zeitung in diesem Jahre das
Unglück der Familie des Lehrers Levisohn aus Fulda meldete, da wurde,
ohne dass ich etwas vorzutragen nötig hatte, mir von obiger Firma eine
reichliche Gabe ins Haus geschickt; allein das schien noch nicht genug zu
sein, ich musste bei dem Herrn Redakteur dieses Blattes anfragen, (was
auch geschehen, wie der Herr Dr. Philippson gern bezeugen wird) was man
vielleicht für diese Familie noch mehr ihrerseits tun könnte, und gewiss
bin ich, hätte man ein größeres als ein Geldopfer verlangt, es wäre
gebracht worden. Trotz seiner Gewandtheit in Musik und fremden Sprachen
und Wissenschaften war doch die jüdische Lektüre seine liebste
Beschäftigung, und waren es besonders die Werke des Herrn Dr. Philippson
und dessen Zeitung, die er mit besonderem Eifer, mit besonderer Lust
durchsah, sodass er kaum die Zeit erwarten konnte, bis das Blatt wöchentlich
ankam; selbst ein interessanter Humorist, vermochte ein Witz im
Volksblatte ihn Tage hindurch zu erheitern und so Herr Redakteur, haben
Sie, ohne es zu wissen, einen Freund und Gönner in dem Verstorbenen
besessen, und so haben Sie, ohne es zu wissen, diese Freundschaft durch
die verschaffte Erheiterung erwidert. Dass ich den Satz: De mortuis nil
nisi bene nicht unterschreibe, das wissen Alle, die mich genauer
kennen; ich könnte nicht aufhören, wollte ich die Tugenden des
Verstorbenen aufzählen. Der Herr des Himmels und der Erde hat sie
eingeschrieben in das Buch des Lebens die Wohltaten, die er geübt, und
die Gesinnungen, die er durch seine letzte Verfügung noch an den Tag
gelegt, Er wird dafür seine Seele einschließen in den Bund des Lebens.
Amen. Sit terra ei levis. Alexander Cahn". |
Zum Tod von Philipp Jacob Wolff
(1859)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1859:
"Todesanzeige. Allgemein betrauert, starb in diesen Tagen zu unserem
großen Leidwesen der auch in fernen Kreisen bekannte biedere,
gottesfürchtige, allseitig gebildete Philipp Jacob Wolff. Wer den
Verewigten gekannt, wird den Schmerz zu rechtfertigen wissen, den sein
Dahinscheiden über die Seinigen sowohl, als über die Menge seiner
Freunde und Bekannten gebracht, und vielleicht Mancher, dem durch diese
Zeilen die traurige Kunde zugeführt wird, kann eine Träne des Mitleids
ihm nicht versagen. Sobernheim, 3. Oktober 1859. A. Cahn." |
Zum Tod der Witwe Ludwig Michel von Sobernheim (1885)
"allen tat sie wohl, allen war sie eine Retterin, eine Stütze"
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1885:
"Sobernheim, 3. Juni (1885). Wir haben verloren, was wir nicht
wiederfinden, eine Eschet chajal (tüchtige Frau) im wahren Sinne
des Wortes; die Frau Witwe Ludwig Michel von hier ist nicht mehr
unter den Lebenden, sie ist hinüber gewandert zu ihrem himmlischen Vater,
den sie hier kindlich geliebt und verehrt hat, sie war eine Rechtschaffene
in jeder Beziehung, nicht nur im Gebete, sie war zu jeder Zeit die Erste
und die Letzte in der Synagoge, mehr noch bewahrte sie sich als Hausmutter,
ihr ebenso braver Mann, der ihr vorausgeeilt ist zum Himmel, und der seine
Bestimmung als rechtschaffener Ehemann auch in seinem ganzen Leben
erfüllte, heiratete seine brave Frau als Witwer und brachte sechs Kinder
mit in die Ehe, die sie, nicht wie eine Stiefmutter, sondern wie die
leibliche Mutter mit ihren eigenen fünf Kindern erzog, und es ist ein
Genuss, zu sehen, und sich zu überzeugen, wie alle ihre Kinder mit Liebe
an ihr hingen und ihr das Leben, wie sie es verdiente, versüßten. Arme,
Witwen und Waisen waren ihre Hausgenossen, allen tat sie wohl, allen
war sie eine Retterin, eine Stütze. Gestern, bei ihrer Beerdigung,
zeigte es sich; die Tränen, die bei dem überaus großen Leichenzuge, der
von Nahe und Fern Leidtragende aller Konfessionen vereinte, fielen,
bewiesen, dass man brav und fromm leben müsse, um betrauert, geachtet und
hochgeehrt sterben zu können. Ihre Seele sie eingebunden in den Bund
des Lebens". |
Auszeichnung für Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges Richard Feibelmann
(1915)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1915:
"Sobernheim, 1. Januar. Mit dem 'Eisernen Kreuz' ausgezeichnet und
zum Gefreiten befördert wurde der im Westen kämpfende Richard
Feibelmann, Sobernheim, 10. Komp. Infanterie-Regiment Nr. 68". |
Auszeichnung für Unteroffizier Lippmann Ullmann
(1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1915:
"Sobernheim, 30. Januar (1915). Der Unteroffizier im 1. bayerischen
Reserve-Infanterie-Regiment, Lippmann Ullmann, Teilhaber der Firma
Reinemann-Lichtinger in München, wurde auf dem westlichen
Kriegsschauplatz mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet; außerdem wurde ihm
der bayerische Militär-Verdienstorden mit Schwertern
verliehen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der "Koscher-Wurstfabrik" von Israel Metzler in
Sobernheim (1879)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November
1879): "Koscher - Wurst-Fabrik - Koscher von Is.
Metzler in Sobernheim a.d. Nahe empfiehlt Cervelat-,
Lyoner-, Fleisch-, und Knoblauch-Würste, beste Qualität, sowie Rauch-
und Pökelfleisch, Roulade und Zungen zu den billigsten Preisen." |
Werbeanzeige für die Strumpf-Fabrik A. Marum Witwe (1937!)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 1.
April 1937: "Strumpf-Fabriken A. Marum Witwe.
Aktien-Gesellschaft. Sobernheim (Rheinland)." |
|
Zur Geschichte der Synagoge
Über mittelalterliche Einrichtungen ist nichts bekannt. Doch
dürfte - bei vier bis fünf jüdischen Familien in der ersten Hälfte des 15.
Jahrhunderts - ein Betraum vorhanden gewesen sein.
Auch die neuzeitliche Gemeinde seit dem 17./18. Jahrhundert hatte zunächst
einen Betsaal. Seit 1816 befand er sich
in einem Privathaus (Haus Werner, Marumstraße 20). Bereits Ende der
1830er-Jahre drohte die Baupolizei mit der Schließung des etwa 25 am großen
Raumes, da er die größer gewordene Gemeinde nicht mehr fasste. Zunächst
bemühte man sich um ein Grundstück in der Marumstraße (Fläche des späteren Hauses
Bottlinger), doch erwies sich dieses zu klein für einen Neubau. Erst 1858
wurde unter großen finanziellen Opfern eine Synagoge in der heutigen
Gymnasialstraße auf dem Gelände einer früheren Scheune erbaut. Es handelte
sich um einen spätklassizistischen Sandsteinquaderbau mit Rundbogenfenstern und
Pyramidaldach. Das
ursprüngliche Gebäude war - verglichen mit dem erhaltenen - um eine
Fensterachse kleiner, auf dem verbleibenden Platz sollte ein Schulhaus
entstehen.
Über die Einweihung der Synagoge am 18. Juni 1858, die Oberrabbiner Dr.
Auerbach gemeinsam mit dem Sobernheimer Kantor und Lehrer Alexander Cahn
durchführte, liegt ein Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 19. Juli 1858 vor, der von "Maurermeister S. Hadra"
verfasst wurde:
"Sobernheim, 18. Juni (1858). Am heutigen Tage feierte die hiesige
israelitische Gemeinde die Einweihung ihres neu erbauten Gotteshauses.
Dasselbe ist im Verhältnis der nicht sehr zahlreichen jüdischen
Einwohnerschaft sehr geräumig erbaut, sodass bei einer noch so großen
Vermehrung derselben es nicht an Raum mangeln dürfte. Das Gebäude selbst
ist in einem passenden modernen Stil erbaut. - Die Gemeinde scheute keine
Kosten, ihr Gotteshaus auf die würdigste Weise auszustatten. Auch hatte
sie sich wertvoller Geschenke und Beiträge auswärtiger Mitglieder zu
erfreuen. Die Einweihungs-Feierlichkeiten wurden mit großen Pomp
begangenen. Zahlreiche Freunde von Nah und Fern hatten sich eingefunden,
um diesem Festtage beizuwohnen.
Der festliche Zug bewegte sich von dem alten Bethause nach der neuen
Synagoge. Voran unter dem prachtvollen Baldachin der Oberrabbiner, Herr
Dr. Auerbach aus Bonn und der hiesige Kantor und Lehrer, Herr Cahn,
gefolgt von den Trägern des Gesetzrollen. Hierauf folgte das hier neu
errichtete Sängerchor von den Jungfrauen und Männern Sobernheims, die zu
dieser Festlichkeit geladenen Beamten und die übrigen Mitglieder der
Gemeinde. Die Synagoge war bei dieser denkwürdigen Feierlichkeit mit Laub
und Blumengewinden vom Referenten geschmückt worden. Herr Oberrabbiner
Dr. Auerbach hielt eine tief ergreifende Predigt, die Wichtigkeit des
heutigen Tages schildernd. Am Samstage darauf predigte der Lehrer und
Kantor der israelitischen Gemeinde Herr Kahn über das Thema: 'Bauet mir
ein Gotteshaus und ich werde wohnen unter Euch.' S. Hadra,
Maurermeister." |
1904 wurde die Synagoge umfassend renoviert und nach Westen erweitert.
Über den Abschluss der Arbeiten und die Wiedereinweihung des Gotteshauses am
11. und 12. November 1904 liegt ein Bericht aus der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 24. November 1904 vor:
Sobernheim.
14. November (1904). Der 11. und 12. November waren hohe Festtage für die
hiesige Gemeinde, galt es doch an diesen Tagen, die erweiterte und verschönerte
Synagoge einzuweihen. Zu den Feierlichkeiten waren viele Gäste von hier und von
auswärts eingeladen und erschienen. Der am Freitag Nachmittag abgehaltene
Weihegottesdienst, an dem unter anderen auch der Bürgermeister, das
Stadtverordneten-Kollegium, der Königliche Kreisschulinspektor, der Direktor
der hiesigen Realschule sowie die Vertreter der Schulverbände teilnahmen, wurde
eröffnet durch die vom Synagogenchor vorgetragene Motette: "Gesegnet sei, wer
da kommt im Namen des Herrn." Hierauf verlas der Lehrer der Gemeinde, Herr
Berendt, mit erhebend ausdrucksvoller Stimme Psalm 110. Nachdem der Chor alsdann
Mah towu gesungen, trug die älteste Tochter des Vorstandsmitgliedes
Herrn Michel in mustergültiger Weise einen Prolog vor und überreichte dem
Gemeindevorsitzenden, Herrn M. Marum, den Schlüssel zur heiligen Lade. Dieser
hielt eine Ansprache und dankte in kurzen, aber herzlichen Worten allen denen,
die zur Ausführung des Baues beigetragen haben. Darauf öffnete Herr Marum die
heilige Lage und übergab sie dem zeremoniellen Gebrachte. Während der Chor Wajehi
benisa sang, entnahm das Vorstandsmitglied, Herr Löb, eine der Torarollen
und übergab sie Herrn Berendt, welcher mit feierlicher Stimme folgendes sprach:
"Und dies ist die Lehre, welche Moses den Kindern Israels vorgelegt, und in
dieser Lehre steht das Wort, welches Israel auf seiner langen Wanderung durch
die Geschichte als Banner gedient, um welches es sich geschart, das Wort,
welches Sein Leitstern war in freundlichen und in trüber Tagen: Höre Israel,
der Ewige, unser Gott, der Ewige, ist einzig." – Nachdem Chor und Gemeinde die
letzten Worte in hebräischer Sprache wiederholt hatten, wurde die Torarolle
unter geeignetem Chorgesang in die heilige Lade gestellt. Tief ergreifend und
ernst durchdacht war die hierauf folgende Festpredigt des Herrn Berendt über
das Wort des Propheten Jesajas: beiti beit tefila jekare lekol haAmim "Mein
Haus soll sein ein Bethaus und ein Haus für alle Völker". Nach der hierauf von
ihm vorgenommenen Weihe und der Verlesung des allgemeinen Bittegebets wurde
sodann der aronitische Segen in hebräischer und deutscher Sprache erteilt und
vom Chore der Weihgesang vorgetragen. Der Festgottesdienst hinterließ bei allen
Teilnehmern ersichtlich einen der Würde der Feier voll entsprechenden Eindruck.
Nach einer kurzen Pause fand kabbalat schabbat (Empfang des Schabbat)
statt, wobei ebenso wie am Nachmittag unser prächtiges Gotteshaus in herrlichem
elektrischem Lichterglanze erstrahlte. Am Samstag Vormittag fand ein
Hauptgottesdienst statt, mit welchem die religiöse Feier abschloss. Nachmittags
4 Uhr begann im Saale der "hohen Burg" ein Bankett. In schönster Weise verlief
auch diese Veranstaltung, sodass das Fest sich zu einem harmonischen Ganzen
gestaltete, welches seinen Arrangeuren Ehre machte und bei allen Teilnehmern
eine dauernde Erinnerung bilden wird. An der Ausschmückung des Gotteshauses
haben sich ein besonderes Verdienst erworben: Frau Jakob Kaufmann geb. van
Geldern, die durch Sammlung bei der Frauen die Anschaffung eines großartigen
Parochet (Toravorhang) ermöglichte; Herr Ferdinand Herz, der eine kostbare
Schulchandecke (Decke für das Vorlesepult) stiftete; Frau Else Jakobi geb.
Marum von Grünstadt und Herr B. Steinherb aus Aachen, welche je ein
reichgeziertes Toramäntelchen schenkten. Die Familie Jakob Marum aus Karlsruhe
gab einen seltenen Teppich, der das Innere des Gotteshauses ziert.
|
1929 wurde das Dach der Synagoge erneuert. Im August
1930 wurde eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
aus Sobernheim in der Synagoge angebracht.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert und geschändet.
Die Gebetbücher wurden verbrannt. Die Torarollen und der Vorhang des
Toraschreines konnten gerettet werden. Die zerschlagene Gefallenengedenktafel
wurde von Alfred Marum in
Sicherheit gebracht. (Sie wurde von ihm wieder zusammengesetzt und am 15. Oktober 1950 an
dem Denkmal auf dem Friedhof im
zerbrochenen Zustand befestigt. Die Jüdische Kultusgemeinde für die
Kreise Bad Kreuznach und Birkenfeld hat die beschädigte Tafel durch eine
originalgetreue Neuanfertigung im Januar 2005 ersetzt).
1939 wurde die Synagoge an die Stadt
verkauft, die das Gebäude zur Aula für das Gymnasium machen will. Im Zweiten
Weltkrieg wird die ehemalige Synagoge allerdings als Lagerraum für die
Wehrmacht zweckentfremdet.
Nach 1945: 1953 wurde das Gebäude an den Inhaber des Kaufhauses Schmidt
verkauft und seitdem als Möbellager verwendet. Dazu werden zwei Zwischendecken
eingezogen. 1971 ist das Gebäude vom Abbruch bedroht. Eine breite Umgehungsstraße
soll nach den damaligen Plänen über das Gelände der Synagoge führen. Nur mit
großer Mühe konnte der Unterschutzstellungsantrag beim Landesamt für
Denkmalpflege durchgesetzt werden. Die Stadt und der Eigentümer legten
(vergeblich) Widerspruch ein. 1986 wurde das Gebäude wiederum verkauft und als
Getränkelager und zur Vorratshaltung verwendet. Weiteres siehe bei den anschließenden
Informationen zum Förderverein Synagoge Sobernheim e.V.: Der Verein
wurde gegründet am 9. November 1989. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das
Vermächtnis der jüdischen Kultur in Bad Sobernheim zu bewahren. Dabei steht
die Erhaltung und Renovierung der Synagoge im Mittelpunkt. Das Gotteshaus soll
einer sinnvollen, der Würde des Gebäudes entsprechenden Nutzung zugeführt
werden. Die derzeitigen Pläne sehen vor, in dem Gebäude die städtische
Bibliothek und die Bibliothek der Kirchengemeinde zusammenzufassen, den früheren
Betsaal dabei aber noch in seinen Dimensionen zu erhalten (keine durchgezogene
Zwischendecke). 2001 wurde von der Stadt Bad Sobernheim die Synagoge erworben.
Durch einen Nutzungs- und Unterhaltungsvertrag kam das Gebäude in die Obhut der
Fördervereins. 2002 wurden das Dach und die Fenster repariert. Von Nachkommen
der Familie Marum wurde ein neuer Davidsstern für das Dach gespendet. In dem
noch wenig ansehnlichen Innenraum fanden inzwischen bereits mehrere
Gedenkveranstaltungen, Konzerte und auch jüdische Gottesdienste statt. Ein
enger Kontakt besteht zwischen dem Verein und der Zentralwohlfahrtsstelle der
Juden in Deutschland und der Jüdischen Kultusgemeinde in Bad Kreuznach. 2003
fand der erste jüdische Gottesdienst in der Synagoge nach 65 Jahren statt.
Adressen: Förderverein Synagoge Sobernheim e.V., Auf
dem Kolben 4, 55566 Bad Sobernheim. Tel. 06751/3795. Spendenkonto: Sparkasse
Rhein-Nahe (BLZ 560 501 80) Nr. 1 009 760 E-Mail.
Adresse/Standort der Synagoge: Gymnasialstraße 9
Fotos
(Fotos um 1980 aus "und dies ist die Pforte..."
s.Lit. S. 95.97)
Fotos 2005: Hahn, Aufnahmedatum am "Tag des offenen
Denkmals", 11.9.2005)
| Der alte Betsaal / das
Schulgebäude in der Marumstraße |
|
 |
 |
 |
| Im Gebäude
Marumstraße 20 (ehemaliges Haus der Familie Werner) befand sich vor
Einweihung der Synagoge 1858 der Betsaal |
Erinnerung an die
Strumpffabrik Marum in der Marumstraße |
| |
|
| Historisches zur 1858
eingeweihten Synagoge |
 |
 |
| |
Innenansicht der Synagoge |
Toravorhang aus Bad
Sobernheim, ausgestellt in der ehemaligen Synagoge
in Meisenheim |
| |
|
|
| Die ehemalige Synagoge um 1980 |
 |
 |
|
Links der ehemaligen Synagoge
befindet sich noch der Anbau mit einer Einfahrt |
Möbellager im Inneren der
ehemaligen Synagoge |
| |
|
|
| Die ehemalige Synagoge 2005 |
|
 |
 |
 |
| Die Synagoge von Südwesten
gesehen, links der Eingangsbereich. |
Synagoge und Kirche im
Gegenüber |
Die Synagoge von Osten
gesehen. |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Ansicht von Nordosten. |
Der 2002 aufgesetzte
Davidstern, gestiftet von Nachkommen der Familie Marum |
Der Stab für den alten
Davidsstern; der Stern wurde von der Dachspitze in der NS-Zeit
"abgeschossen". |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Der Eingangsbereich |
Die Portalinschrift, in der
Mitte auf hebräisch "Haus Gottes"; links die hebräische
Jahreszahl für 1858. |
Hinweistafel |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Im Bereich des Erdgeschosses |
Erster Stock auf Höhe der
Frauenempore |
Unter dem Dach |
| |
|
|
 |
 |
|
| Zeichnung der alten
Gefallenengedenktafel, die in der Pogromnacht 1938 zerschlagen wurde
(siehe die Kopie der Tafel auf dem Friedhof) |
Fotos und Namen der deportierten
Sobernheimer Juden im Bereich des Toraschreines |
|
| |
|
|
 |
 |
|
| Aufgefundene
Grabsteine. |
|
| |
|
Die ehemalige
Synagoge
im Juni 2008
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.6.2008) |
 |
 |
| |
Die
ehemalige Synagoge, von Osten (links) und Südwesten (rechts) gesehen |
| |
|
 |
 |
 |
| Eingang mit
der Portalinschrift |
Westliche Seite mit
Eingangsbereich |
| |
|
 |
 |
 |
| |
Hinweistafel |
Der 2002 aufgesetzte
Davidstern |
Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Sobernheim
Rhineland. Jews are first mentioned in
1336 and were victims of the Black Death persecutions of 1348-49. Settlement was
soon renewed, with Jews earning their livelihoods as moneylenders, wine and
textile merchants, and livestock traders. In 1808 a local Jew was chosen as a
deputy to the Assembly of Jewish Notables in Paris. A synagogue was consecrated
in 1859 but the community remained under the jurisdiction of the Bad Kreuznach
regional congregation, only becoming independent in 1926. A Jewish elementary
school was in operation by 1840. During the 19th century, Jews began opening
stores and business establishments, mainly dealing in textiles. One store became
the largest department store in the town and a small, domestic sock-knitting
business, started by Sarah Maron, a widow with nine children, became a huge
family enterprise employing 800 workers. The Jewish population was 131 in 1843
and 109 (total 3,479) in 1905. In 1888, a Jew was first elected to the municipal
council. Afterwards, Jews also served as deputy mayors (mostly members of the
wealthy Marom family). The Zionists were active between the World Wars but the
majority of the community did not identify with the movement. In religion, most
were Liberal (15 % being considered Orthodox). Harmonious relations generally
prevailed with the non-Jewish population. These, however, eroded somewhat during
the Weimar period.
In the March 1933 Reichstag elections, 42 % of the local vote went to the Nazi
Party. In 1933, the 34 families in Sobernheim owned 19 businesses. All were
subjected to boycott pressures and most closed in 1935-36, the last of them in
1938 (including the Marom factory, sold at the end of the year) along with homes
and land still in Jewish hands. Social ostracization accompanied the boycott as
Jews were insulted, spat upon, and beaten in the streets. Only a small minority
continued to help the Jews. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue and Jewish homes were seriously damaged and the Jewish cemetery was
desecrated. The last 13 Jews were moved to five houses and in spring and summer
1942 deported to the east where they died. Of the 150 Jews present in Sobernheim
in the Nazi period, 76 emigrated (46 to the United States) while 23 left for
other German cities. At least 31 perished in the Holocaust.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
diese Links sind noch nicht aktiviert
|