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Geschichte der Synagoge in Bad Sobernheim
Bad Sobernheim (Kreis
Bad Kreuznach)
Berichte zur Restaurierung der ehemaligen Synagoge 2005 bis 2010
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Oktober 2005: Stählernes Gerüst stabilisiert Synagoge
(Artikel in der Allgemeinen Zeitung vom
11.10.2005)
Solche Fassadensicherung
bringt zugleich die Stützen für Regale im "Haus der Bücher"
(anklicken) |
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Februar 2007: "Neue Details zur Synagoge
entdeckt" (1. Februar 2007 im "Öffentlichen
Anzeiger")
Anmerkung: Über die Website von "Alemannia Judaica"
entdeckte Hans-Eberhard Berkemann neue Details zur
Synagogengeschichte |
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Januar 2008: Die Synagogenförderer legen bald los
Ausbau zum "Kulturhaus Synagoge" beantragt / Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung" vom 30.01.2008
BAD SOBERNHEIM Der Bauantrag ist vor drei Wochen gestellt worden und die Synagogenförderer hoffen nun optimistisch, dass es in Kürze auch grünes Licht gibt für die Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudes.
Von Paul Bregenzer
Der Vorstand des Fördervereins Synagoge Sobernheim ist guten Mutes, dass der Verein seinen Ausbaubeitrag von
30.000 Euro für die Renovierung des Gebäudes bis dahin zusammen hat. Viel fehlt nicht - auch dank der 4000-Euro-Spende der AZ-Aktion "Leser helfen" und stattlicher Spenden vor allem aus dem Kreis der Familie Marum, lobte Vorsitzender Hans-Eberhard Berkemann. Er zog Jahresbilanz in der Generalversammlung des Vereins. 2007 habe man geknausert, um jeden Euro für die Renovierung zu sparen.
Berkemann zeigte die neuesten Ausbaupläne und ist sehr froh, dass die Stadt nun auch das Nachbarhaus erwerben kann. Dies eröffne neben dem "Kulturhaus Synagoge" neue Möglichkeiten für Technikräume, Toilettenanlagen, Stuhllager und mehr. Jedenfalls biete sich so eine "elegante Lösung" an, es brauche nichts kompliziert in den Vorhof konstruiert werden.
Veränderungen soll es im Innern der Synagoge geben. Das den Bau stabilisierende und eine zweite Bücherei-Ebene möglich machende Stahlskelett bleibt in den Grundzügen bestehen. Es soll aber nicht weit in den Innenraum ragen, und die Wendeltreppe rückt näher zum Portal an die Westseite. Das lasse den Raum offener erscheinen, findet
Berkemann. Das markante Portal des Kultgebäudes erhält eine Tür mit einem breiten und einem schmalen Flügel. Den Bauherrn ist zudem aufgetragen, einen Notausgang zu schaffen. Dieser wird in die Nordfassade gebrochen. Der Vorhof samt Abschluss mit ehernem Zaun soll nach der Renovierung so aussehen, wie es die Juden vor 150 Jahren geplant hatten.
Am Eingang soll von Justizminister Heinz Georg Bamberger ein "Renovierungsstein" eingemauert werden, bestückt mit Zeitdokumenten des Jahres 2008, erläuterte der Vorsitzende. Dieser symbolische Akt des Schutzherrn sage: "Jetzt geht´s los!"
Berkemanns Rückblick listete drei jüdische Gottesdienste in der Synagoge auf, von Gruppen aus dem Max-Willner-Heim gehalten. Grund- und Hauptschulklassen sowie Gymnasiasten besuchten die Gedenkstätte. Das Haus war auch geöffnet am Europäischen Tag der jüdischen Kultur und am Tag des offenen Denkmals. "Erfreulich guten Besuch" registrierte da Berkemann, der die Besucherzahl in 2007 mit 932 bezifferte, also sei "die 1000er-Marke noch nicht geknackt". Die 100 erreiche man aber bald bei der Mitgliederzahl.
Zumindest zwei Ehrenmitglieder mehr hat der Verein jetzt. Berkemann würdigte mit der Mitgliedschaft ehrenhalber das starke journalistische Engagement für die Synagoge von Marion Unger aus Staudernheim und Paul Bregenzer aus Sobernheim. Der verlesene Bericht des erkrankten Kassierers Gottfried Kneib ergab klar, dass der Förderverein finanziell auf gutem Weg ist. Die von Revisor Ernst Fechter beantragte Entlastung des Gesamtvorstands erfolgte einhellig.
Ebensolche Abstimmungen konnte Gunter Baudisch als Leiter der Vorstandswahl notieren - glatte Wiederwahl des kompletten Vorstands. Bei der Versammlung im evangelischen Gemeindezentrum hatte Gottfried Kneib ursprünglich über die Sobernheimer Juden im Spätmittelalter referieren wollen.
Krankheitshalber musste der illustrierte Vortrag aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. |
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Februar 2008:
Bald Start für Synagoge Artikel in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 25.02.2008
BAD SOBERNHEIM Auftakt für Renovierung und Umbau der früheren Synagoge in der Gymnasialstraße wird noch im ersten Halbjahr 2008 sein. Wie Hans Eberhard Berkemann von Förderverein berichtet, hat Architekt Uwe Auweiler die Antragsunterlagen für die Baugenehmigung bei der Kreisverwaltung eingereicht. Derzeit würden die Pläne vom Landesamt für Denkmalpflege geprüft.
Gebietsreferentin Brigitta Enders bestätigt dies. Allerdings habe sie die Unterlagen erst am 18. Februar erhalten und deshalb noch nicht eingehend sichten können. Im übrigen will sie einen Vor-Ort-Termin Mitte März abwarten, um letzte Details abzuklären. Frau Enders möchte vor allem auf die Fassade und die Fenster des förmlich geschützten Kulturdenkmals einen Blick werfen. Die Planung im Inneren des Gebäudes, das zu einer Bibliothek und Kulturzentrum ausgebaut werden soll, ist bereits 15 Jahre alt und laut Enders abgestimmt.
Wie Bürgermeister Hans-Georg Janneck auf AZ-Anfrage bestätigte, ist die Finanzierung des Ausbaus der Synagoge mit Kauf des Hauses Bregenzer im Rahmen des Haushalts 2008 von der Kommunalaufsicht kürzlich vollauf genehmigt worden. |
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| März 2008:
"Sanierte Synagoge heißt Kulturhaus" - Hans Eberhard
Berkemann hofft auf baldigen Renovierungsbeginn / Begegnungsort.
Artikel von Wolfgang Ziegler in der "Allgemeinen Zeitung"
vom 18.3.2008: pdf-Datei - bitte
anklicken. |
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Juli 2008: Kulturhaus und Gedenkstätte
- Minister legt Grundstein vor Sanierung der Bad Sobernheimer Synagoge.
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 12. Juli 2008 (dz):
BAD SOBERNHEIM 150 Jahre nach der Einweihung und 70 Jahre nach der Schändung durch Nazi-Horden wurde am Freitag am Eingang der ehemaligen Synagoge ein neuer Grundstein eingelassen. Unter der Schirmherrschaft des Mainzer Justizministers Heinz Georg Bamberger wird das frühere jüdische Gotteshaus der 7000-Einwohner-Stadt an der Nahe zu einem Kulturhaus ausgebaut. 80 Prozent des Sanierungsetats in Höhe von rund 700000 Euro steuert das Land bei.
Das Kulturhaus soll in erster Linie Gedenk- und Erinnerungsstätte sein, unterstrich Hans-Eberhard Berkemann vom Förderverein, der das Projekt seit 27 Jahren vorantreibt. Er strebt kein verstaubtes Museum, sondern ein Haus vollen kulturellen Lebens mitten in der Stadt an. Kernstück ist eine Bücherei, die auch den Rahmen abgibt für Vorträge, Ausstellungen oder Konzerte.
2003 wurde 65 Jahre nach dem Pogrom 1938 erstmals wieder ein jüdischer Gottesdienst in der ehemaligen Synagoge gehalten: Von Jugendlichen des Max-Willner-Heimes in Bad Sobernheim. Es ist das einzige Erholungs- und Seminarhaus deutschlandweit, das die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Frankfurt betreibt.
Minister Bamberger freute sich, dass sich in vielen Teilen des Landes wieder jüdisches Leben rege. Ausdruck dieser Entwicklung sei im November die Grundsteinlegung für eine neue Synagoge in Mainz, auch in Speyer werde ein jüdisches Gotteshaus entstehen, kündigte Bamberger an. |
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September 2008: Tipp aus England führt an die Nahe
- Niederländer forscht nach jüdischen Vorfahren / Ururgroßvater veranlasste Synagogenbau
- Artikel von Wolfgang Ziegler in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 8.9.2008
BAD SOBERNHEIM Die Spurensuche nach seinen Vorfahren führte den gebürtigen Niederländer Albert Pappenheim in die Felkestadt. Hans Eberhard Berkemann, Vorsitzender des Fördervereins "Synagoge Sobernheim", konnte dem Forscher in eigener Sache helfen.
Berkemann zeigte dem Gast das jüdische Gotteshaus, den jüdischen Friedhof und Wohnhäuser, in denen seine Vorfahren einst lebten. Pappenheim hatte sich schon lange mit der Absicht getragen, das Leben und Wirken seiner jüdischen Ahnen näher zu erkunden.
Vor zwei Jahren aber erhielt er einen Anruf einer weitläufigen Verwandten aus Großbritannien, der ihn weiter auf seinen deutschen Stammbaum aufmerksam machte und ihn bestärkte, unter anderem Bad Sobernheim einmal aufzusuchen. Hier nämlich war sein Ururgroßvater, Joseph Klein, 1858 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde und hatte in dieser Eigenschaft den Bau der Synagoge veranlasst, die dann auch im Jahr 1858 entstand. Pappenheim fand ebenso heraus, dass sein Ahn als Sobernheimer Lederhändler ein Geschäft am Markt, im heutigen Haus Sonja, betrieb. Nach dem Tod seiner Frau 1875 zog es Joseph Klein aber nach Bad Ems, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Das Ehepaar Klein ist auf dem jüdischen Friedhof auf dem Bad Sobernheimer Domberg beigesetzt. Und von seinem Vater erfuhr Pappenheim, dass dessen Mutter, also Pappenheims Großmutter, in Sobernheim geboren war. "Die habe ich jedoch nie kennen lernen können, denn sie wurde im Krieg umgebracht", so der Ahnenforscher.
"Ich erforsche seit etwa März dieses Jahres ganz aktiv die Spuren meines Stammbaumes und möchte unter anderem mehr über meine Großeltern erfahren. Ich suche dabei ganz speziell Namen und die dazu gehörigen alten Geschichten und freue mich, dass Herr Berkemann mich dabei hier in Bad Sobernheim so gut unterstützt", machte Pappenheim weiter deutlich.
Nach dem Besuch der Synagoge, des jüdischen Friedhofes und des Bad Sobernheimer Wohnhauses seiner Vorfahren machte Pappenheim auch noch eine Stippvisite nach Bad Ems.
Beim Ortstermin in der Synagoge zeigte Berkemann dem Gast auch die dort begonnenen Vorbereitungen für anstehende Bauarbeiten, bei denen unter anderem Teile der ursprünglichen Fundamente zu Forschungszwecken freigelegt wurden und Fragmente von Innenbemalungen der Wände auftauchten. Erst unlängst hatte der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD)
200.000 Euro für die Sanierung der ehemaligen Synagoge in Bad Sobernheim bewilligt (AZ berichtete). |
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September 2008: Galerie soll Licht einlassen
- Gruppe informiert sich über Synagogen-Pläne Artikel von
Sonja Bräuer in der "Allgemeinen Zeitung" vom 9.9.2008.
BAD SOBERNHEIM Bei Grabungen in der Sobernheimer Synagoge sind die alten Fundamente an zwei Stellen freigelegt worden. Es sei erstaunlich, wie präzise das Fundament gehauen wurde, sagt Hans-Eberhard Berkemann, Vorsitzender des Fördervereins.
Er hatte die Synagoge zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur geöffnet. Besucher ließen sich erläutern, wie die weiteren Planungen für die Synagoge aussehen.
Der Fußboden wird jetzt komplett entfernt und anschließend neu aufgebaut. Auch die Isolierung der Wände soll in Angriff genommen werden. Im oberen Bereich wird es eine umlaufende Galerie geben, damit das Haus dort luftig und locker wirkt und das Licht durch Glas in das Gebäude dringen kann. Diese Galerie soll Teil eines Stahlgerüstes sein, das die Synagoge von innen heraus stützen und gleichzeitig die Bücherregale der evangelischen Bücherei und der Stadtbücherei tragen wird.
Die Regale sollen so installiert werden, dass sie sich im Bedarfsfall wegschieben lassen und Platz machen für bis zu 80 Stühle. Denn auch für Vorträge, kleine Konzerte, Lesungen und für jüdische Gottesdienste soll die Synagoge nach dem Umbau genutzt werden können, wie Berkemann erläutert.
Architekt Uwe Auweiler orientiert sich bei den Planungen an die ersten Entwürfe von 1993. Einer Gruppe aus dem Münsterland erzählte Berkemann die Geschichte der Synagoge und der Juden in Bad Sobernheim und berichtete ihnen auch, dass der Bad Sobernheimer Judenfriedhof der zweitgrößte des Landkreises ist. Die Gruppe ist auch in ihrer Heimat mit ähnlicher Thematik sehr vertraut. Sie hat schon an mehreren Seminaren teilgenommen, die sich mit den Juden beschäftigten, berichtet Roger Droste, "deshalb haben wir da ein offenes Ohr für diese Geschichte". Am Nachmittag wurde auch eine Führung im Max-Willner-Heim angeboten. |
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Januar 2009:
Ein Ort bewegender Geschichte - Ein Rückblick auf die Restaurierung der Sobernheimer Synagoge
- Artikel von Paul Bregenzer in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 15.1.2009.
Teil I: Die ersten Schritte
BAD SOBERNHEIM. Seit bald zehn Jahren gibt es den Synagogenförderverein. Noch viel älter ist der Wunsch, die vor 60 Jahren von den Nazis geschändete Sobernheimer Synagoge wieder würdigerer Verwendung zuzuführen. Mittlerweile kommt die Sanierung des ehemaligen Gotteshauses gut voran. Die AZ blickt zurück auf die bisherige Entwicklung.
Seit Mitte der 50er Jahre diente die ehemalige Synagoge als Warenlager, erst dem Kaufhaus Oskar Schmidt für Möbel, später dem Top-Markt für Getränke und mehr. Alle Jahre wieder taucht die Frage auf: Wie geht es weiter mit dem Kultbau? Skizzen und Pläne gab es. Auch die Aussage, dass Top-Marktbetreiber Schmitz einer würdigeren Verwendung nicht im Wege stehen wolle. Das wurde bereits 1988 in der AZ gedruckt.
Hans-Eberhard Berkemann und Christian Wenzel vom Synagogenförderverein luden 1998 gemeinsam mit Stadtchef Hans-Georg Janneck zum Pressegespräch. Konkretes wüssten sie zwar noch nicht, aber man müsse jetzt zumindest schon mal das Umfeld der Synagoge beplanen. Dies hing zusammen mit der Sanierung der ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Malteserkapelle. Dort sollte 1999 die Stadtsanierung vom Saarplatz her ankommen und etwa in Höhe der Amtsgerichtszufahrt enden. Geplant werde aber weiter in die Gymnasialstraße hinein, sagte damals Janneck. Daher sei an die Synagoge zu denken. Zum nächsten Frühjahr sollte es zu einer Vereinbarung mit Top-Markt-Betreiber Schmitz kommen, sagte seinerzeit Wenzel. Schmitz würde die Synagoge veräußern und dann auf dem kleinen Parkplatz an der Wilhelmstraße (früheres Schützenhaus) eingeschossig neuen Lagerraum bauen, längs der Straße eine Wohnetage draufsetzen, um so das Straßenbild zu vervollkommnen. Auch wäre eine Vereinbarung zwischen Stadt und Schmitz wegen der verzwickten Grundstücksverhältnisse nötig, dachte
Janneck. Und als was könnte der Synagogenbau künftig dienen? Die Büchereien der Stadt und evangelischen Gemeinde wären froh, dort unterzukommen. Noch besser wäre, wenn es wieder "Synagoge" hieße . Darüber wollten Berkemann und Wenzel damals mit dem Leiter der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach/Birkenfeld, Gilardy, reden. Dort wünsche man wieder eine Synagoge im Nahetal, in Bad Sobernheim wäre es möglich. Finanziell stehe das Land hier im Wort, denn 1996 habe Ministerpräsident Beck 90-prozentigen Zuschuss zugesagt, erinnerte damals
Janneck.
Fortsetzung folgt |
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Januar 2009 :
Innenraum der Synagoge frei - Artikel von Manfred Petzholdt
in der "Allgemeinen Zeitung" vom
20.1.2009.
Foto
links von Manfred Petzholdt: Ohne die Zwischendecke zeigt die
ehemalige Synagoge ihren ursprünglichen Charakter als
Gotteshaus.
Wirkt wie ein sakraler Bau - Innenraum der Synagoge frei
BAD SOBERNHEIM. "Jetzt hat man endlich das Gefühl, in einem sakralen Gebäude zu stehen", sagt voller Begeisterung Hans-Eberhard Berkemann. Mit der AZ macht der engagierte Kämpfer für die Restaurierung der Synagoge einen Besuch in dem ehemaligen Gotteshaus.
Die Begeisterung Berkemanns ist verständlich, denn es wird deutlich: Die Sanierung ist auf einem guten Weg. Der hohe jetzt frei liegende Innenraum ist beeindruckend.
Die meisten Baugerüste sind jetzt aus dem Innenraum der Synagoge entfernt, dadurch wird optisch die gewölbte Höhe des Sakralbaus deutlich. Mehr als drei hohe Stockwerke und dazu das gewölbte Dach bringen nun einmal eine enorme Höhe. "Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht", freut sich
Berkemann. Das Ganze wird für die Stadt Bad Sobernheim einen Fortschritt bedeuten, denn mit der Synagoge, der Malteserkapelle und der Matthäus-Kirche wird das sehr schöne Ensemble der drei Gotteshäuser deutlich.
Berkemann erinnert an die Dachsanierung, mit der die Arbeiten begannen. Balken mussten erneuert werden und auch eine vernünftige Dämmung angebracht werden. Die Zwischendecken aus Holz wurden entfernt, der Putz wurde in mühsamer Kleinarbeit abgeklopft. "Das war eine harte Arbeit für die Männer, eine staubige Angelegenheit", erinnert sich
Berkemann. Jetzt ist es für Berkemann wichtig, die Spuren der Baugeschichte auch deutlich zu machen. "Nicht nur die heile Welt zeigen, sondern es soll ablesbar bleiben, was in den Jahren nach dem Krieg geschah", erläutert Berkemann. Etwa der Anbau der Garage, der Verlauf des schrägen Daches ist an der Außenwand über dem Eingang sichtbar und wird auch sichtbar bleiben.
Im Innenraum werden zwei Fundamente frei gelegt und durch Glasfenster auch sichtbar sein. Auch die Nische des Thoraschreins wird erhalten. Der Samtvorhang, der einst vor der Nische hing, ist jetzt in der Meisenheimer Synagoge. Darüber wird ein Stück Balken von der Zwischendecke mit einem Stützpfeiler bleiben, an dem sichtbar ist, wo einst die Zwischendecken
eingezogen wurden. Die Stelle, an der einst die Gedenkplatte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges hing, ist auch noch deutlich.
Die Begeisterung ist Berkemann beim Rundgang deutlich anzumerken: "Das Gebäude hat während der Sanierung mit uns gesprochen." Auch hat er fast zufällig auch zwei Nischen unter den Fenstern entdeckt. Dort waren Gebetschals und Bücher deponiert. Da bietet es sich doch geradezu an, diese Nischen wieder zu nutzen, denkt
Berkemann. Baulich geht es jetzt mit dem Fußboden weiter, eine Heizung wird eingebaut, die Wände müssen verputzt werden und das Stahlgerüst muss in den Innenraum.
Scholtens Idee. Das Stahlgerüst wird nach einer Idee des Architekten Paul Scholten zur Sicherung der Statik des Gebäudes und zur Aufnahme der Regale eingebaut. |
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Mai 2009: Stahlträger
werden eingebaut - Artikel von Manfred Petzholdt in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 29. Mai 2009:
Foto
links von Manfred Petzholdt: Die einzelnen mächtigen Träger passten gerade so durch die Tür der
Synagoge.
1,2 Kilometer Stahlträger. Synagoge. Montage des Skeletts mit großem Aufwand verbunden.
BAD SOBERNHEIM. "Das ist ein ganz wichtiger Moment, ein kleiner Traum geht mit der Sanierung der Synagoge langsam in Erfüllung", sagte Pfarrer Christian Wenzel. Mit dem wichtigen Moment meinte Wenzel den Beginn des Aufbaus des Stahlskeletts. Sechs Stahlunterteile werden jetzt in das Innere des Kulturhauses Synagoge gebracht und dort an festgelegten Punkten fest mit der Bodenplatte verbunden.
Das hört sich so einfach an, ist aber eine spektakuläre Baumaßnahme, erläuterte Bauingenieur Uwe Auweiler. Ein Stahlgerüst hat eine Höhe von 3,50 Metern und wiegt eine halbe Tonne. Durch die schmale Bogentür der Synagoge müssen sechs dieser Stahlgerüste ins Innere geschafft werden. Sie werden miteinander verbunden und bilden dann das tragende Unterteil für die Empore. Das gesamte Stahlgerüst wird dann an vier Punkten unterhalb der Decke fest verbunden. Die Gerüste sind so ausgelegt, dass sie als Bücherregale genutzt werden können.
Insgesamt werden zwölf Tonnen Stahl in das innere Skelett der Synagoge verbaut, erläuterte Auweiler. Die Stahlprofile aneinander gereiht ergeben eine Länge von 1,2 Kilometern. Die Stahlkonstruktion wurde von der Schlosserei Pauly aus Meckenbach bei Kirn gefertigt. Drei bis vier Wochen werden die Fachleute für den Aufbau benötigen.
Insgesamt ist die Synagoge nicht wieder zu erkennen. Die Wände sind verputzt, die alten Fensterrahmen außen sind erhalten und neu gestrichen. Im Inneren der Synagoge werden Fenster angebaut, die Stahlrahmen für diese Innenfenster hat die Bad Sobernheimer Firma Emil Lenhart hergestellt. Durch diese "Doppel-Fenster" ergibt sich eine erhebliche Wärmedämmung. Die Elektrokabel liegen und die Vorbereitungen für die Bodenheizung sind fast abgeschlossen. Wenn in vier Wochen dass Stahlkorsett fertig gestellt ist, geht es mit Riesenschritten voran, freut sich
Auweiler." |
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September 2009: Sanierungsarbeiten
verlaufen planmäßig - Einweihung für den 27. Januar 2010 geplant
Artikel von Wolfgang Ziegler in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 2. September 2009:
"Neues Domizil für 11000 Bücher.
BAD SOBERNHEIM. Sanierungsarbeiten am Kulturhaus Synagoge laufen planmäßig / Einweihung am 27. Januar.
Zum Stand der Sanierungs- und Umbauarbeiten in der ehemaligen Synagoge machte sich der Vorsitzende des Fördervereins Synagoge Sobernheim, Hans Eberhard Berkemann, ein Bild. Bauingenieur Uwe Auweiler informierte beim Ortstermin als Planer des Projekts über Details und betonte eingangs, dass die Arbeiten im vorgegebenen Zeitrahmen lägen. In das Gebäude sollen bald die städtische Bücherei und die der evangelischen Kirchengemeinde einziehen.
Letzteres habe seinerzeit noch der ehemalige Superintendent Hartmut Eigemann angeregt, so Berkemann. Insgesamt 11000 Bücher und zahlreiche Periodika sollen hier ihr neues, attraktives Domizil finden. Derzeit ist man bei der Vorbereitung der Fertigstellung der zahlreichen Bücherregale, die sich schon als massive Stahlgerüste im Rohbau vom Erdgeschoss in die erste Etage erstrecken. Diese Stahlkonstruktion dient gleichzeitig der Statik des gesamten Bauwerks, da sie auch die Außenwände und das Dach trägt, machte Auweiler deutlich. Nächste Woche ist der Einbau der Fußbodenheizung. Die Pflasterung des Vorplatzes der Synagoge wird durch Abtragen der alten Bodenplatte vorbereitet. Der Eingang in das Gebäude wird dabei barrierefrei, also behindertengerecht gestaltet. An das Areal des kleinen Vorplatzes schließt sich das Grundstück des Bregenzer´schen Hauses an. In dieses kommen die Sanitäranlagen, auch eine überdachte Freifläche zur späteren Nutzung ist hier schon existent. Angedacht sei, im Haus Bregenzer dem Jüdischen Archiv seinen Platz zu geben, sagte Berkemann im Ausblick.
Zum Ortstermin erschien auch Professor Machum Erlich aus Jerusalem, der zur Mattheiser Sommer-Akademie in der Felkestadt weilte. Ihm erläuterte Berkemann anhand eines von Hans Marum 1994 gemalten Bildes unter anderem die ehemalige Lage des Thora-Schreins in der jetzt zum "Kulturhaus Synagoge" umgebauten Immobilie.
Auch MdB Fritz Rudolf Körper (SPD) ergriff an diesem Tag die Gelegenheit, sich über die Arbeiten in der ehemaligen Synagoge Kenntnis zu verschaffen und zeigte sich hier von der tonnenschweren Stahl-Konstruktion im Inneren des Hauses beeindruckt. "Insgesamt wird die Sanierung rund 700 000 Euro kosten. Das Land Rheinland-Pfalz fördert das Projekt mit 80 Prozent, der Rest kommt von der Stadt und dem Förderverein der Synagoge", ließ der Politiker verlauten. Körper freute es, dass die Realisierung des Umbaus zum "Kulturhaus Synagoge" durch eine gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt, dem Synagogenverein und der Evangelischen Kirchengemeinde zustande kam. Allerdings, so der Abgeordnete, waren die Fördermittel des Landes in dieser Höhe auch sehr hilfreich. "Das 1858 errichtete Gebäude wird nun bald zum Bad Sobernheimer Kulturhaus mit gemeinsamer Bibliothek der evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt. Damit ist der erste Schritt zur Stadtsanierung im Umfeld der ehemaligen Synagoge und des Amtsgerichtes getan", so Körper abschließend.
Die beiden Bibliotheken sollen laut Zeitplan in der ersten Dezemberhälfte ins Kulturhaus Synagoge umziehen. Am 27. Januar, dem bundesweiten Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, soll seine Eröffnung im feierlichen Rahmen begangen werden.
Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist in der Bundesrepublik Deutschland ein nationaler Gedenktag und wird seit 1996 am 27. Januar begangen. |
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September 2009: Lesung
in der Synagoge - Hunsrücker Kriminalgeschichte um die Restaurierung
einer Synagoge
Artikel (wmy) in der "Allgemeinen Zeitung" vom 14. September
2009: "Der Mörder spielt nur eine Nebenrolle
BAD SOBERNHEIM. (wmy). Wie sich Geschichten ähneln. Einiges sei ihm bei Christian Hartungs Lesung aus seinem dritten Kriminalroman: "Wohl denen, die da wandeln ..." allzu bekannt vorgekommen, stellte Hans-Eberhard Berkemann fest. Geht es doch im Roman von Hartung darum, wie im Gemeinderat von Flemhausen, einer fiktiven Hunsrückgemeinde, und im Ort selbst, der Streit um Abriss oder Erhalt der alten, inzwischen als Lagerhalle fungierenden, Synagoge entflammt. Und so ähnlich hat Berkemann die Auseinandersetzung um die Synagoge in Bad Sobernheim auch erlebt. Im Roman geschieht im Verlauf der Auseinandersetzungen ein Mord.
Ratsmitglied Alexander zur Heiden, vehementer Verfechter des Erhaltes der Synagoge, wird erschossen aufgefunden.
Pfarrer Michael Held, Hartungs Held aller seiner mittlerweile vier Kriminalromane macht sich daran, die Hintergründe der Tat zu beleuchten.
In Hartungs Lesung im Saal des Evangelischen Gemeindehauses spielte die Geschichte der Aufklärung jedoch kaum eine Rolle. Hartung las vielmehr den Anfang, eine Passage des Mittelteils und den erfreulichen Schluss des Romans. Die Synagoge wird gerettet. Es entsteht genau das, was bei der kleinen Synagoge in
Saffig (Landkreis Koblenz-Mayen), tatsächlich geschah. Die nach der Renovierung als Mahnmal und Begegnungsstätte konzipierte Synagoge wird mit Gründung einer liberalen Gemeinde wieder zu einem Ort aktiven religiösen jüdischen Lebens. Den optimistischen Schluss seines Romans, bald darauf im Leben bestätigt gefunden zu haben, sei ihm eine besondere Freude gewesen, erzählte Hartung, der auch der Synodalbeauftragte des Kirchenkreises Simmern-Trarbach für den christlich-jüdischen Dialog ist.
Die Lesung konzentrierte sich auf eine Begegnung des Pfarrers mit dem Enkel eines ehemaligen vertriebenen jüdischen Bewohners der Gemeinde. Samuel Wolff, Klarinettist im Koblenzer Orchester, hat sich auf die Suche nach seinen Wurzeln begeben. Ergreifend beschreibt Hartung, wie Wolff beim Hören der Hunsrücker Sprache, und das gerade bei einem der heftigsten Vertreter des Abrisses der Synagoge im Ort, sich zutiefst gerührt an seine Großeltern erinnert. Held, der Pfarrer, wenn auch heimisch geworden in der Region, lässt in Wolff solche Nähe nicht anklingen. Das Komplexe dieser Verwurzelung in der Sprache zeigt Hartung auf beeindruckende Weise. Seinen literarischen Pfarrerkollegen Held lässt er die letzten Tage der Wolffschen Familie in Gedanken durchspielen. Und der merkt plötzlich, dass Wolff im Hunsrücker Platt gedacht und geredet haben muss. Er ihn also, will er etwas verstehen, auch so denken muss.
Hartung, der zugunsten der Bad Sobernheimer Synagoge auf Honorar verzichtete, fesselte die mehr als 30 Besucher seiner Lesung, auch wenn er den Mörder nicht verriet. |
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| Oktober 2009:
Kritik von der CDU am "Projekt
Synagoge"? |
Artikel in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 15. Oktober 2009: "Bad Sobernheim - Kritik am Projekt Synagoge?
(ttt). Die Kassenlage, weiß der Bürgermeister, ist "katastrophal". Und im nächsten Jahr wird das nicht besser, erwartet Dr. Felix Welker. Das lässt Ausschussmitglieder neu nachdenken. Etwa über die Synagoge.
Im Bauausschuss soll hinter verschlossenen Türen aus Reihen der CDU Kritik am Ausbau des Komplexes aufgekommen sein. Dabei ging es offenbar nicht um den Baukörper des ehemaligen Gotteshauses selbst, sondern um den Ausbau des benachbarten Hauses Bregenzer. Im Erdgeschoss werden dort Lager und Toiletten eingerichtet, im Obergeschoss sind Büro und jüdisches Archiv vorgesehen. Darüber soll es Diskussionen gegeben haben bis dahin, dass gefragt wurde, ob die Stadt für ein ehemaliges Gotteshaus, in dem keine Gottesdienste mehr stattfinden, so viel Geld ausgeben muss.
Dr. Felix Welker bestätigt da "verschiedene Stimmen". Im Bauausschuss sei gefragt worden, "ob wir uns das leisten können". Mit Blick auf die Kasse müsse die Stadt die Sanierung des Obergeschosses des Hauses Bregenzer "neu vorbereiten". Welker erinnert, dass die Kommunalaufsicht "nur die allergünstigste Lösung" zugestanden habe. Für den Bürgermeister ist das "eine traurige Geschichte, doch der Etat zwingt uns dazu: Wir haben ja noch andere Hausaufgaben!"
Die Sanierung der Synagoge ist mit 700 000 Euro veranschlagt, das Land gibt dazu 80 Prozent. |
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| November 2009:
Peinliche Kritik
aus CDU und FWG an der Synagogen-Restaurierung |
Foto
links von Gerhard Benz: Sie stehen weiter zum Kulturhaus Synagoge.
Mitglieder des Lions-Club, die 5.000 Euro für die neue, schwere
Eichentür spendeten, die Schreiner Köhler angefertigt hat. Darunter sind
auch die CDU-Politiker Alfred Peeters und Willi Scheer, die gestern die
Tür besichtigten.
Artikel von Gerhard Benz in der "Allgemeinen Zeitung" vom 20.
November 2009 (Artikel):
"Der neue, schneidige Kurs.
BAD SOBERNHEIM. SYNAGOGE Der breite Konsens für das Kulturhaus beginnt zu bröckeln / Kritik aus CDU und FWG.
Der Umbau der ehemaligen Synagoge in eine öffentliche Bücherei und ein Kulturhaus war jahrelang in der Stadtpolitik unumstritten. Ausgerechnet jetzt, da die Sanierung weitgehend abgeschlossen ist, scheint der Konsens zu bröckeln. In CDU und FWG wird - weitgehend noch hinter vorgehaltener Hand - immer lauter Kritik geübt.
Vordergründig macht sich der neue, schneidige Kurs am Geld fest. Mehrfach wurden im Rat und in den Ausschüssen Fragen gestellt, um angeblichen Überziehungen des Baukosten-Budgets auf die Spur zu kommen. Doch Bau-Ingenieur Uwe Auweiler musste sich in diesem Punkt noch keine Blöße geben: Obwohl der Teil-Ausbau des Hauses Bregenzer dazukam, blieb der Bauleiter bislang im
700.000-Euro-Rahmen. Dass durch den ungemein großzügigen 80-Prozent-Zuschuss des Landes, durch Mittel des Fördervereins und der Kirchen an der Stadt nur ein kleiner Restbetrag hängen bleibt, haben die Fragesteller jeweils verschwiegen.
Wenn schon beim Geld nichts zu machen ist, so scheint sich der abgewählte Beigeordnete Horst Barth (CDU) gedacht zu haben, kann man den Hebel vielleicht bei anderen Leistungen der Stadt ansetzen. Barths Anfrage, wieviel Stunden denn Mitarbeiter des städtischen Bauhofs für Synagoge und Haus Bregenzer bislang aufgewendet haben, ist noch unbeantwortet. Sie diene wohl auch nur dazu, das Projekt Synagoge weiter zu diskreditieren, mutmaßen Eingeweihte.
Aber nicht nur das Geld, sondern auch Personen haben die Synagogen-Kritiker ins Visier genommen. In der vorletzten
Bauausschuss-Sitzung war Hans-Eberhard Berkemann noch geladen. Doch wurde der Vorsitzende des Fördervereins Synagoge vom neuen Stadtbürgermeister Dr. Felix Welker (CDU) nach Hause geschickt, bevor es hinter verschlossenen Türen ans Eingemachte ging. Vor allem aus den Reihen der CDU sollen wenig Juden-freundliche Äußerungen gefallen sein.
FWG-Chef Rudi Hill hat für den "Mut der neuen, jungen Leute im Stadtrat" viel Sympathie. Da würden jetzt schon mal Vorbehalte offen ausgesprochen, die früher unter der Decke blieben, lobt der altgediente Kommunalpolitiker. Am Stammtisch machte Hill dann deutlich, wohin für ihn der Weg gehen soll. Er und seine Mitstreiter halten nämlich nichts davon, dass dem Förderverein zur Einrichtung eines Archivs über jüdische Geschichte in Bad Sobernheim Räume im städtischen Haus Bregenzer zur Verfügung gestellt würden. Hill verweist die Bittsteller des Fördervereins auf das Max-Willner-Heim. Im Erholungs- und Seminarzentrum der jüdischen Zentralwohlfahrtsstelle, weit
draußen vor den Toren der Stadt, sei der richtige Platz für die Akten
des Förderverein." |
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| November 2009:
Pressegespräch mit Hans Eberhard Berkemann |
Artikel von Gert Schatto in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 23. November 2009 (Artikel):
"Bad Sobernheim. Berkemann: "Sobernheimer Synagoge ist kein Hobby eines alten Mannes"
Es gibt Diskussionen um die weitere Restaurierung der alten Synagoge in Bad Sobernheim. Sie wird zu einer öffentlichen Bücherei und einem Kulturhaus umgebaut. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Synagogen-Fördervereins,
Hans-E. Berkemann.
Herr Berkemann, fühlen Sie bei der Sanierung der ehemaligen Synagoge einen Stimmungsumschwung in der Stadt?
Das kann ich nicht unbedingt sagen. Es kommt wohl eher daher, dass sich die Machtverhältnisse in der Stadt geändert haben: Vorher hatten wir einen SPD-Stadtbürgermeister, der die Sanierung der ehemaligen Synagoge nicht nur begleitet, sondern massiv betrieben hat. Jetzt hat die CDU das Sagen.
Spüren Sie Ressentiments? Ja, es gibt Ressentiments, die jetzt wieder aufbrechen. Es gibt Leute, die waren eben nicht immer der Meinung, dass die Synagoge so restauriert werden sollte – und das will man jetzt wohl korrigieren.
Trifft es zu, dass Sie beim Tagesordnungspunkt Synagoge aus einer nichtöffentlichen Bauausschusssitzung hinauskomplimentiert wurden und man Sie beim letzten Bauausschuss zum Ortstermin an der Synagoge sogar gar nicht erst dabei haben wollte?
Das ist richtig.
Wie finden Sie das? Instinktlos.
Haben Sie denn überhaupt noch Zugang zur Stadtspitze? Mit Herrn Bruckmeier hatte ich zuletzt ein sehr schönes Gespräch. Ulrich Schug ist frühes Mitglied im Synagogen-Förderverein. Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass Bürgermeister Dr. Felix Welker gegen das Projekt Synagoge ist.
Wieso hat er Sie dann nicht zum Ortstermin eingeladen? Ich nehme an, dass man Druck auf Herrn Welker macht. Einige Leute haben wieder die Lufthoheit an den Stammtischen.
Aber die Zusammenarbeit mit Welkers Vorgänger, Hans-Georg Janneck, lief doch unproblematisch…
Das kann ich nur bestätigen, das lief problemlos, wir haben stets an einem Strick gezogen.
Was sagt man denn im Synagogen-Förderverein zu der aktuellen Diskussion?
Wir – unter den 100 Mitgliedern ist übrigens auch Julia Klöckner – fühlen uns schon etwas schäbig behandelt. Demnächst werden es über 70.000 Euro sein, die wir seit 2002 für die Restaurierung aufgebracht haben. Damit hat die Stadt gerade mal zehn Prozent der 700.000 Euro zu tragen: Denn da ist der überaus großzügige 80-prozentige Zuschuss der Landesregierung, Justizminister Dr. Heinz Georg Bamberger ist ja unser Schirmherr. 60.000 Euro finanzieren Kirchengemeinden und der Förderverein. Und grundsätzlich: Gedenk- und Erinnerungsarbeit ist Sache der Stadt!
Sie müssen sich anhören, die Stadt würde Ihr Hobby finanzieren …
Das ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Die Synagoge ist kein Hobby eines alten Mannes, sondern Verpflichtung: 1938 trieben hundert Sobernheimer Bürger – keine Auswärtigen – Juden durch die Stadt, zerstörten jüdische Einrichtungen." |
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| November 2009:
Erste Planungen für die
Einweihungsfeier |
Artikel in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 30. November 2009 (Artikel):
"Synagoge wird Hort für Bücher
BAD SOBERNHEIM. KULTURHAUS Planung für Einweihung schwierig.
(dz). Die Planungen für die Einweihung des Kulturhauses Synagoge, unter dessen Dach die evangelische und die städtische Bücherei Platz finden, stehen noch ganz am Anfang. Das wurde in der Sitzung des Hauptausschusses deutlich. Die Stadt betreibt Renovierung und Umbau des ehemaligen Sakralbaus und ist deshalb auch für dessen Einweihung zuständig.
Bereits die Festsetzung eines Termins für die Feierlichkeiten im April oder Mai bereitet offenbar einiges Kopfzerbrechen. "Der letzte gefundene Termin überdauerte gerade mal eine halbe Stunde", berichtete Stadtbürgermeister Dr. Felix Welker. Christliche und jüdische Kalender müssen abgeglichen werden. Da die Einweihung ins Frühjahr fällt, finden parallel in Stadt und Umkreis zahlreiche Veranstaltungen statt. Dazu kommen Konfirmations- und Kommunionfeiern, auf die die Pfarrer bereits aufmerksam gemacht haben. Dadurch ist etwa die Malteserkapelle nicht immer verfügbar.
Dieser nur rund 50 Meter von der Synagoge entfernt liegende Bau wird nach Ansicht Welkers benötigt, um die Einweihungsfeier dorthin zu übertragen. Man rechnet nämlich mit bis zu 300 Gästen, die nicht alle im neuen Kulturhaus Platz finden würden. Auf der Liste des Fördervereins stehen jetzt schon rund 200 Personen, die persönliche Einladungen bekommen. Dazu kämen rund hundert Bürger, denen man auch den Zugang nicht verwehren will. Doch es ist völlig offen, wie viele Sobernheimer sich tatsächlich für die Einweihung interessieren könnten.
Deshalb wird es für die Verantwortlichen auch nicht leicht sein, den Aufwand für die Feierlichkeiten im voraus abzuschätzen. Die Bewirtung geladener Gäste am Vorabend der Einweihung lässt sich recht leicht kalkulieren. Für den Tag der Einweihung selbst fehlen noch fast alle wichtigen Punkte. Herbert Wenz, Büroleiter im Rathaus, mahnte die Runde allerdings, der Verwaltung bald Zahlen zu nennen, denn die Kosten müssten im Haushalt 2010 veranschlagt werden. Derzeit geht man von rund 5000 Euro aus.
Wie hoch der Aufwand tatsächlich wird, hängt von vielen Faktoren ab. Reichen Kulturhaus und Malteserkapelle und bei gutem Wetter die Fläche dazwischen aus? Wird ein Festzelt aufgestellt? Wie teuer kommen kulturelle Beiträge, etwa von Musikgruppen? Wie viele Gäste werden tatsächlich bewirtet mit Imbiss und Umtrunk? Der Stadtchef jedenfalls machte klar, dass die Teilnahme vieler Bürger ausdrücklich erwünscht sei. Welker sprach dabei von dem Gedanken der Völkerverständigung.
Vieles ist noch unklar. So hält Willi Scheer (CDU) die Aufteilung des Publikums auf zwei Orte - Synagoge und Malteserkapelle - für unglücklich. Wenn sich die Gäste aufteilen müssten, sei nur sehr schwer eine Gemeinsamkeit herzustellen. Für die Kostenkalkulation riet Scheer, bei den Vereinen nachzufragen, die über große Fest-Organisations-Erfahrung verfügten." |
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| Januar 2010:
Differenzen um den "Platz der
Geschichte" im renovierten Synagogengebäude |
Artikel von Gerhard Benz in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 23. Januar 2010 (Artikel):
"Bad Sobernheim. Kein Platz für Geschichte?
SYNAGOGE Das Kulturhaus könnte zur reinen Bücherei werden.
Die Differenzen, die seit Monaten zwischen einigen Vertretern der Stadt und dem Förderverein Synagoge bestehen, betreffen nicht nur Mehrausgaben zur Nutzung des Hauses Bregenzer. Es geht auch um den Umfang jüdischer Exponate im künftigen Kulturhaus selbst. Das wurde in der Sitzung des Stadtrates deutlich.
Für Michael Greiner gab es früher, zu Bürgermeister Jannecks Zeiten, einen breiten Konsens, auch die vom Förderverein gewünschten Maßnahmen umzusetzen. "Dieser Konsens wurde aufgekündigt", klagte der Chef der SPD-Fraktion. Greiner forderte den Widerspruch des Stadtoberhaupts heraus. Dieser Konsens sei keineswegs aufgekündigt, sagte Dr. Felix Welker, das Gegenteil sei der Fall. Zur Vorbereitung der Einweihung im Mai halte er einen regen Kontakt zum Förderverein. Welker bekannte sich ausdrücklich zur Doppelfunktion der früheren Synagoge: zum einen Bücherei, zum anderen historisches Gebäude. Das Wort Mahnmal fiel nicht.
Die Synagoge wurde 1938 von Sobernheimer Nazis verwüstet und geschändet. Auch darauf will der Förderverein hinweisen, zum Beispiel mit einer Video-Installation, die die Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Stadt aufarbeitet. Dies soll in einer kleinen Ecke geschehen, ganz am Rande des Bücherei-Betriebs. An das frühere jüdische Gotteshaus erinnern soll ein Thora-Schrank samt Vorhang, der in seiner ursprünglichen Nische wieder installiert werden soll. Und auf der Empore könnte wieder ein Harmonium stehen, ähnlich dem, das die Nazi-Schergen in der Pogromnacht zu Boden schmetterten.
Nun wird diese Ausstattung ganz oder in Teilen in Frage gestellt. Eine große Rolle spielt dabei das Argument von der Enge des Raumes. So ist Willi Scheer (CDU) aufgefallen, dass der Innenraum nach der Installation des Stahlgerüstes sehr beschränkt wirkt. Das hatten sich viele ganz anders vorgestellt. Nun aber fragt Scheer, ob überhaupt noch Platz sei für die Exponate. Er hat Angst um den Thora-Vorhang, den Kinder, die die Bücherei besuchen, herunterreißen könnten. Auch das Harmonium auf der Empore wird aus Platzgründen in Frage gestellt.
Selbst die Video-Installation, die ein amerikanischer Künstler vorbereitet, ist nicht unumstritten. Der Platz werde für ein Kopiergerät benötigt, heißt es. Doch für manche im Rat sind die Differenzen zwischen Stadt und Förderverein nur auf mangelnde Kommunikation zurückzuführen. So hat Welker festgestellt, dass bei Ratsmitgliedern Emotionen aufkämen, weil sie sich übergangen fühlten. So soll sein Vorgänger Janneck an den Gremien vorbei Zusagen gemacht haben, die jetzt in Frage gestellt werden.
Es könnte aber auch so sein, dass die gewählten Vertreter ohnehin nur wenig zu sagen haben. So wies Beigeordneter Alois Bruckmeier darauf hin, dass die Stadt einen Vertrag eingegangen sei, der dem Förderverein weitreichende Rechte einräume. Dessen Vorsitzender Berkemann habe sich im übrigen immer auf der Grundlage dieses Vertrages bewegt, sagte
Bruckmeier. Das Recht zur Mitgestaltung des Kulturhauses könnte der Förderverein aber leicht auch daraus ableiten, dass er bislang 70000 Euro Spenden in die Restaurierung der ehemaligen Synagoge gesteckt hat: soviel wie die Stadt selbst." |
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| Januar
2010: Ehemalige Synagoge soll in
erster Linie dem Gedenken dienen |
Foto
links von Paul Bregenzer: Mitglieder des Fördervereins Synagoge besuchten
nach der Versammlung das fast fertig restaurierte und mit einer
Stahlkonstruktion stabilisierte "Kulturhaus Synagoge".
Artikel von Paul Bregenzer in der "Allgemeinen Zeitung" vom 29.
Januar 2010 (Artikel):
"Synagoge dient vor allem dem Gedenken
BAD SOBERNHEIM - FÖRDERVEREIN Kulturhaus ist nur in zweiter Linie eine Bücherei / Eröffnungsfest für Mai geplant
Welche Eigenschaft soll das "Kulturhaus Synagoge" künftig prägen? Ist die ehemals jüdische Kultstätte zuförderst eine Stätte des Gedenkens oder bietet sie vor allem der Kultur einen Raum und ist Bücherei? Zur Diskussion kam dies unter "Verschiedenes" in der Jahreshauptversammlung des Fördervereins "Synagoge Sobernheim e.V.". Per Handabstimmung befand eine große Mehrheit, dass die Synagoge vor allem dem Gedenken dienen soll - natürlich mit der Nutzung als Bücherei. Das stelle auch die Intension der vielen Spender dar, namentlich der Nachfahren der jüdischen Familie Marum, betonte der zuvor wiedergewählte Vorsitzende Hans-Eberhard
Berkemann.
Im Nachbargebäude der Synagoge, in der Malteserkapelle, fand sich am "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" eine stattliche Anzahl an Förderern zur Jahresbilanz des Vereins ein. Gottfried Kneib und Berkemann erinnerten mit einer Fotoprojektion an den Fortgang der Restaurierungsarbeiten in und an der Synagoge über einen Zeitraum von acht Jahren. Diese Phase geht nun dem Ende zu, für Ende Mai ist die Eröffnungsfeier geplant.
Schatzmeister Kneib konnte mitteilen, dass vor wenigen Wochen 30.000 Euro vom Vereinsvermögen an die Stadt gegangen sind. Dieser Betrag ist ein Anteil an den Restaurierungskosten, die vom Land, der Stadt, der Denkmalpflege, den beiden Kirchengemeinden und vom Förderverein getragen werden. Der Verein hat bereits in den Jahren davor weitere
38.500 Euro für die Synagoge aufgebracht, vor allem für die laufenden Gebäudekosten, für Gutachten und Planung.
Der Kassenbestand ist nun auf knapp 16.000 Euro geschrumpft. Darin enthalten sind von den Marum-Nachfahren für den Thoraschrein gespendete
5.000 Euro. Kneib und Berkemann bedankten sich bei allen Beitragszahlern und Spendern. Großspenden, wie die
5.000 Euro vom Lions-Club, haben den Einbau der schmucken Tür im Westportal ermöglicht.
Aber nicht nur das Geldsammeln für die Wiederherrichtung dieses markanten Versammlungsraumes der früheren jüdischen Gemeinde in Sobernheim zählt zum Vereinszweck, erläuterte Berkemann. Das Jahr über gebe es einige Gedenkveranstaltungen und Führungen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft. So hätten Schüler aus allen Schultypen der Region die Gedenkstätte besucht. Selbst Kinder aus Kindertagesstätten hätten schon ein Gespür dafür, was die Unterschiede zwischen Kirchen, Synagogen und Moscheen sind.
Vom "Max-Willner-Heim" auf dem Nohfels, der Erholungs- und Bildungsstätte der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, kamen etliche Gruppen mit Ferienkindern aber auch Erwachsenen und besuchten die Synagoge.
Gunter Baudisch trug namens der verhinderten Revisoren Dr. Hans-Gert Dhonau und Ernst Fechter das Ergebnis der Kassenprüfung vor. Es gab keine Beanstandungen und so folgte die einhellige Entlastung des Vorstands. Die Wahl ergab die Bestätigung in ihren Ämtern für den Vorsitzenden Berkemann, seinen Stellvertreter Christian Wenzel, Schatzmeister Kneib, Schriftführerin Irma Fechter und die Beisitzer Werner Bohn, Heinz Schmitz und Dr. Hartmut Wilms; Dr. Rainer Lauf wollte aus beruflichen Gründen nicht weiter dem Vorstand angehören. Die Versammlung wählte Ulrich Schug zum Nachfolger - mit ihm, dem Stadtbeigeordneten, ist dann auch die Stadtspitze in der Vereinsführung präsent. Schug denkt, dass nach den im Vorfeld im Stadtrat aufgetretenen Irritationen und unterschiedlichen Interpretationen zum Sinn der Synagoge es gut ist, dass nun zur Stadt ein kurzer Draht besteht und der künftig schneller Klarheit bringt.
Stadtbeigeordneter Alois Bruckmeier vertrat den entschuldigten Bürgermeister Dr. Felix Welker und würdigte namens der Stadt die ideellen, praktischen und finanziellen Leistungen des Fördervereins. Bruckmeier regte an, den Vertrag zwischen Förderverein und Stadt zu aktualisieren.
Nach der Mitgliederversammlung bat Berkemann die Teilnehmer zum kurzen Gang in die Synagoge. Dort sind inzwischen die Holzböden für die Buchregale in das dunkelgrau gestrichene Stahlkorsett eingebaut, liegt Parkett und gibt es einen Windfang am Haupteingang. Der allgemeine Eindruck war, dass die eherne Konstruktion zur Aufnahme der Bücherei und zur statischen Gebäudestabilisierung sehr wuchtig und überdimensioniert wirkt." |
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| Februar
2010: Fundamente der Synagoge sind
unter Panzerglas zu sehen |
Foto
links (Ziegler): Hans Eberhard Berkemann am offenen Schacht mit den
Fundamentresten, kurz bevor das Panzerglas sie abdeckte.
Artikel (Ziegler) in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 12. Februar 2010 (Artikel):
"Gläsernes Schaufenster zum alten Untergrund.
BAD SOBERNHEIM. SYNAGOGE Relikte sichtbar gemacht/Offizielle Einweihung am 30. Mai.
(zie). Ein sehr interessantes Schaufenster in die bauliche Vergangenheit der ehemaligen Synagoge wird sich am 30. Mai, dem Tag der offiziellen Einweihung des Gebäudes als
'Kulturhaus Synagoge', auch für die Besucher öffnen.
Diese mit trittfestem Panzerglas überdeckte schachtartige Öffnung im Fußboden unweit der Eingangstüre ermöglicht dann einen Blick auf die eigens dafür erhaltenen Fundamentreste des früheren jüdischen Gotteshauses. Im Licht der im Schacht befindlichen Strahler sieht der Besucher dann etliche restaurierte Quadersteine in ihrem ursprünglichen Zusammenhang.
Hans Eberhard Berkemann, Vorsitzender des Fördervereins Synagoge Sobernheim, ist stolz auf das Kleinod und berichtet zur Vorgeschichte, dass schon 2008 zwei Ecken von Fundamenten der Süd- und der Nordwand gefunden wurden. Als dann im Januar 2009 der Fußboden des Gebäudes ausgebaggert wurde, kamen weitere Fundamentrelikte der Westwand mit Ecke zur alten Eingangstüre zum Vorschein. Damals habe er sofort beantragt, diese wertvollen architektonischen Überbleibsel nun unbedingt zu erhalten und im Gebäude sichtbar zu machen. Denn die Geschichte des Hauses muss für die Besucher auch auf diese Art ablesbar und so deutlich erfahrbar sein, ist Berkemann überzeugt.
Der städtische Bauausschuss lehnte in seiner Sitzung eine Kostenübernahme jedoch ab, da er "eine schleichende Kostenüberschreitung" befürchtete, wie Berkemann dazu sagte. So gab es dann einen schnellen Entschluss der Synagogenförderer, diese Kosten selbst zu übernehmen, um eben die Historie der Synagoge vor Ort auch deutlich sichtbar und ablesbar zu machen, betonte der Vorsitzende nochmals, ansonsten hätte sich der ganze finanzielle Aufwand nicht gelohnt. Solche Sichtfenster gehörten im Übrigen heute schon zum Standard bei Renovierungen historischer Bausubstanz.
'Während der ganzen Zeit der Sanierung der alten Synagoge hat das Haus auch zu uns gesprochen - man musste nur bereit sein, dies
wahrzunehmen', sagte Berkemann." |
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| Februar
2010: Einige Kommunalpolitiker wollen
das Gedenken an die jüdische Geschichte möglichst gering
halten |
Foto
links (Gerhard Benz): Blick in das renovierte Kulturhaus Synagoge von der Empore aus. In den Kisten warten die Medien aus der städtischen Bücherei darauf, in die Regale gestellt zu
werden.
Artikel von Gerhard Benz in der "Allgemeinen Zeitung" vom 24.
Februar 2010 (Artikel):
"Weist die Stadt ausgestreckte Hand zurück?
BAD SOBERNHEIM. SYNAGOGE - Stiftungen dienen der Erinnerung.
Am Mittwochabend soll der Bauausschuss über die endgültige Ausstattung des Kulturhauses Synagoge befinden. Der Umbau des ehemaligen jüdischen Gotteshauses in eine zentrale Bücherei von Stadt und evangelischer Kirchengemeinde ist so gut wie abgeschlossen, der Termin für die Einweihung Ende Mai beschlossene Sache. Noch nicht geklärt in den städtischen Gremien ist hingegen, welchen Stellenwert das Gebäude künftig als Gedenkstätte einnehmen wird. Die Synagoge war Zentrum jüdischen Lebens in der Stadt, bis sie von Sobernheimer Nazis 1938 geschändet worden war. Dass an diese historischen Fakten angemessen erinnert werden soll, war im alten Stadtrat unter Hans-Georg Janneck (SPD) Konsens. Dieser bröckelt nun unter dessen Nachfolger Dr. Felix Welker (CDU).
Seit dessen Amtsantritt wurde über dieses sensible Thema zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert. Selbst der Vorsitzende des Fördervereins sah sich plötzlich vor verschlossenen Türen wieder. Das erstaunt um so mehr, als gerade der Förderverein - im Auftrag der Stadt - sich jahrzehntelang nicht nur um das Gebäude gekümmert, sondern auch die Finanzierung seiner Erhaltung komplett geschultert hat. Für Mittwochabend ist nun Hans-Eberhard Berkemann wieder eingeladen worden. Man wird sehen, ob der Ausschuss ihn auch bis zum Ende der Sitzung in seiner Mitte dulden wird.
Der Förderverein möchte an drei Stellen an die frühere Nutzung des Hauses und an die Geschichte der Juden in Bad Sobernheim erinnern. Zum einen soll wieder ein Thora-Schrein in die noch vorhandene Nische eingebaut werden. Der Original-Vorhang wurde 1938 von der christlichen Haushälterin des Fabrikanten Heinrich Marum gerettet und wird in Meisenheim aufbewahrt. Er könnte nun an seinen ursprünglichen Platz zurückkehren. Die Kosten für den Schrein übernehmen Enkel des früheren Fabrikbesitzers Alfred Marum. Eine original Thora-Rolle befindet sich in den USA. Berkemann hofft auf deren Rückführung.
In einer Ecke des Kulturhauses ist eine Video-Installation eines amerikanischen Künstlers vorgesehen, auch dies eine Stiftung einer Marum-Nachfahrin: Dr. Krakauer. Auf ein Buch mit leeren Seiten werden Bilder aus der Geschichte der Juden in Bad Sobernheim projiziert. Zusätzlich soll ein Harmonium Zeugnis von der damaligen liberalen jüdischen Gemeinde ablegen. Nur dort wurden Gottesdienste mit Musikbegleitung abgehalten, was bei den Orthodoxen nicht üblich war.
Einigen Kommunalpolitikern aber geht die geplante Aufstellung dieser Erinnerungsstücke offenbar viel zu weit. Ihnen schwebt die ausschließliche Nutzung des Gebäudes als Bücherei vor: Sie wollen Hinweise auf die jüdische Geschichte tilgen und damit auch die Nazi-Verbrechen offenbar nicht mehr thematisieren. Im Vorfeld der Ausschusssitzung warnt Berkemann vor den fatalen Folgen unbedachter Beschlüsse. Wenn die Stadt die angebotenen Stiftungen der Marum-Nachfahren zurückweise, ist das für den Chef des Fördervereins so, "als wenn man die ausgestreckte Hand der Versöhnung zurückweist".
Der Stimmungswandel in den städtischen Gremien hat anscheinend auch schon andere Bevölkerungskreise erreicht. So schlug ein einflussreicher Bürger allen Ernstes vor, den Davidstern im Rundfenster doch besser wieder zu entfernen, da dieser dort störe. Kritik gab es auch bereits an der Einweihung und den dafür eingeplanten
5.000 Euro. Wieso für die Eröffnung der neuen Bücherei so viel Geld gebraucht werde und warum 300 Personen dazu geladen werden, wollte Rudi Hill wissen." |
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März
2010: Mehrheit im Gemeinderat ist
gegen die Installation eines Geschichts-Videos -
Diskussion im Gemeinderat wird in einer Außenwahrnehmung als
"peinlich, beschämend und erschreckend" beschrieben |
Artikel von Gerhard Benz in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 5. März 2010 (Artikel):
"Bad Sobernheim. Mehrheit schlägt Stiftung aus
BAD SOBERNHEIM. SYNAGOGE Geschichts-Video abgelehnt.
Eine Mehrheit im städtischen Bauausschuss hat sich gegen die Installation eines Videos des russisch-amerikanischen Künstlers Ted Efremoff im Kulturhaus Synagoge ausgesprochen. Der Kurzfilm zeigt die Geschichte der Juden in Bad Sobernheim und wurde finanziert von Dr. Kathrin Krakauer. Die Medizinerin lebt im US-Bundesstaat Massachusetts und ist Nachfahrin der Familie Marum, die in ihrer Strumpffabrik bis zu tausend Menschen Arbeit gegeben hatte.
Die Krakauer-Stiftung ausgeschlagen haben nach AZ-Informationen alle CDU-Mitglieder im Ausschuss: Dr. Jörg Maschtowski, Axel Hill und Peter
Öhler. Der Bürgermeister der Stadt, Dr. Felix Welker, der ebenfalls der CDU angehört, soll sich der Stimme enthalten haben. Mittlerweile stehen lediglich noch SPD und Grüne zu den Abmachungen, wie sie bereits vor Jahren zwischen Stadt und Förderverein abgesprochen wurden. Welker soll keinesfalls glücklich mit dem Stimmverhalten seiner Parteifreunde sein. Insgeheim setze das Stadtoberhaupt darauf, dass der Stadtrat letztlich der Empfehlung des Ausschusses nicht folge, sind sich Beobachter sicher. Dafür spreche nicht zuletzt die konstruktive Mitarbeit Welkers bei der Besichtigung der Synagoge. Der Stadtchef selbst habe für die Video-Installation einen Platz im Windfang vorgeschlagen, direkt hinter dem Eingang. Leider konnte die Redaktion Welker nicht befragen, trotz tagelanger Bitten um Rückruf.
Die Vorbereitung der Einweihungsfeier, zu der auch Gäste aus den USA, Israel und Kanada erwartet werden, hat Welker zur Chefsache gemacht. Es könnte aber auch sein, dass die Stadt die Eröffnung des Kulturhauses in sehr viel kleinerem Rahmen wird ausrichten müssen. Denn die Versuche, die frühere Synagoge nur noch als reine Bücherei zu führen und nicht mehr als Gedenkstätte, werden längst landesweit wahrgenommen.
So bekam der Stadtbürgermeister kürzlich einen Brief von Dr. Joachim Hahn, Historiker und Pfarrer im Oberkirchenrat in Stuttgart. Er findet die Haltung einiger Kommunalpolitiker in der Stadt "in hohem Maße peinlich, beschämend und erschreckend". Die Diskussion, so fürchtet Hahn, werde nachhaltig dem Ansehen Bad Sobernheims schaden." |
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Artikel in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 6. März 2010 (Artikel):
"'Es geht nur um Details'
BAD SOBERNHEIM. CDU-Politiker stellen anderes Abstimmungsverhalten in Aussicht.
(dz). Zu unserem Bericht "Mehrheit schlägt Stiftung aus" nehmen die CDU-Politiker Peter Öhler, Jörg Maschtowski und Axel Hill Stellung. Die AZ hatte berichtet, dass die von ihnen geführte Mehrheit im Bauausschuss die Installation eines Videos über die Geschichte der Juden in Bad Sobernheim und die Aufstellung eines Harmoniums abgelehnt hatte.
Nun "widersprechen die Unterzeichner energisch", dass die CDU-Fraktion versuche, "...die frühere Synagoge nur noch als reine Bücherei zu führen und nicht mehr als Gedenkstätte...", wie es im AZ-Bericht hieß. Vielmehr werde von ihnen nach wie vor die Einrichtung Kulturhaus Synagoge befürwortet. Die CDU-Politiker wollen das Andenken an die jüdische Geschichte in Bad Sobernheim keineswegs in Frage stellen. Lediglich zwei von der Planung abweichende Ausstattungsdetails würden von ihnen zur Zeit abgelehnt, da die technischen Vorraussetzungen nicht abschließend geklärt seien.
So werfe die Videoinstallation Fragen auf, die der amerikanische Künstler bereits vor einem Jahr habe klären wollen, die Information aber bis heute schuldig geblieben sei. Dem Wunsch, die Installation erst in der letzten Woche vor der Einweihung umzusetzen, können die drei Ratsmitglieder "im Moment nicht entsprechen, da Heizkörper umgesetzt und Elektroleitungen neu verlegt werden sollen".
Des Weiteren sehe die Planung auf der Empore die für den Büchereibetrieb dringend erforderlichen Leseplätze vor. Diese würden wegfallen, falls das von Hans-Eberhard Berkemann gewünschte Harmonium aufgestellt werden würde, meinen die CDU-Ratsherren. Bei diesem Harmonium handele es sich im übrigen keinesfalls um das ursprüngliche Instrument. Öhler, Maschtowski und Hill stellen in Aussicht, sollten diese beiden Ausstattungsdetails geklärt sein, im Stadtrat anders abzustimmen als im Ausschuss.
Abschließend bemerken sie, dass die Sanierung des Gebäudes von Anfang an untrennbar mit der geplanten Nutzung als Bücherei verbunden sei. Im Januar 2001 habe der Stadtrat mehrheitlich den Ankauf des ehemaligen Synagogengebäudes beschlossen, um es als "...Bücherei und Versammlungsraum..." zu nutzen. Im Nutzungsvertrag vom September 2001 zwischen Synagogenverein und Stadt sei festgehalten worden, dass man gemeinsam "...die Einrichtung der Stadtbücherei, der evangelischen Bücherei sowie ein Jüdisches Einwohnerarchiv..." anstrebe. "Ein einwandfreier Büchereibetrieb im Kulturhaus Synagoge erscheint uns somit gerechtfertigt", erklären die CDU-Politiker." |
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Weiterer Artikel in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 6. März 2010 (Artikel):
"Linke schalten Zentralrat ein
BAD SOBERNHEIM. (dz). Nach dem AZ-Bericht über eine CDU-geführte Mehrheit im Bauausschuss, die die Installation eines Geschichtsvideos im Kulturhaus Synagoge abgelehnt hatte, wendet sich die Partei Die Linke an den Zentralrat der Juden in Berlin. Sie bittet darum, für eine würdige Nutzung des Gebäudes Sorge zu tragen - auch als Mahn- und Gedenkstätte.
Rolf Tarnow, Timo Kaufmann und Berthold Stauch finden "die Einlassungen der Kommunalpolitiker in hohem Maße peinlich, beschämend und erschreckend" und schließen sich somit der Einschätzung von Dr. Joachim Hahn an. Der Pfarrer und Historiker hatte davor gewarnt, dass das Ansehen der Stadt und ihrer Bürger nachhaltig Schaden nehmen könnte.
Auch die Linke wehrt sich nun dagegen, "den Stellenwert der ehemaligen Synagoge als Mahn- und Gedenkstätte systematisch zu reduzieren", wie Tarnow schreibt." |
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