Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Bad Kreuznach"   

Staudernheim (VG Bad Sobernheim, Kreis Bad Kreuznach)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
  
Bitte besuchen Sie auch die Website des Museumsvereins Synagoge Staudernheim: www.synagogue-stauernheim.de  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort 
Informationen zum Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V. 
Weitere Berichte  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
    
In Staudernheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Der 1835 in Offenbach/Glan wohnende Lehrer Abraham Maier ist vor 1775 in Staudernheim geboren. 1801 wird in Gerichtsakten der Staudernheimer Jude Jacob Löb genannt, der am 16. September 1801 in seiner Wohnung nachts durch Johannes Bückler ("Schinderhannes") überfallen und ausgeraubt wurde. 

Erste Zahlen jüdischer Einwohner liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: 1808 wurden 45 jüdische Einwohner gezählt, darunter 22 Kinder. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zunächst zu (1855 85, 1858 71 von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern, Höchstzahl 1864 86 Personen), um danach durch Aus- und Abwanderung zurückzugehen. Um 1895, als man an den Bau einer Synagoge ging, waren es noch etwa zehn Familien mit zusammen 45 Personen. Die verbreitetsten Familiennamen waren Eichel und Mayer. Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh oder von einigen Warenhandlungen am Ort (Kolonialwarengeschäft). Auch gab es ein jüdische Metzgerei. 
 
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben in der Gemeinde war im 19. Jahrhundert möglicherweise eine Zeitlang ein Lehrer/Vorbeter angestellt, allerdings wird auch im Zusammenhang der Synagogeneinweihung 1896 nur Lehrer Berend aus Sobernheim genannt. Es ist möglich, dass Staudernheim meist durch den Lehrer aus Sobernheim mitbetreut wurde.   
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde August Mayer (geb. 9.8.1895 in Staudernheim, gef. 20.8.1914), Unteroffizier Eugen Mayer (geb. 6.11.1887 in Staudernheim, gef. 15.4.1916) und Heinrich Eichel (geb. 1.9.1877 in Staudernheim, gef. 18.10.1916). Gedenkinschriften für die Brüder Mayer finden sich auf dem Grabstein ihrer Eltern im jüdischen Friedhof in Staudernheim; die Namen aller drei stehen auf dem Gefallenendenkmal im jüdischen Friedhof Bad Sobernheim
  
Um 1924, als noch 30 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden, war Vorsteher der Gemeinde Leopold Mayer. 1932 war 1. Vorsteher Rudolf Eichel, 2. Vorsteher Jacob Mayer. Als Religionslehrer für die damals noch zwei schulpflichtigen jüdischen Kinder in Staudernheim kam Felix Moses aus Sobernheim nach Staudernheim.
  
1933 lebten noch 21 jüdische Personen in Staudernheim. In den folgenden Jahren wanderte ein Teil von ihnen aus, ein Familie verzog nach dem Novemberpogrom 1938 nach Köln. Im Mai 1939 waren noch 12 jüdische Personen in Staudernheim. Drei der letzten vier jüdischen Einwohner wurden im Juli 1942 deportiert. Eine Frau - Amalie (Malchen) Ginz geb. Mayer - überlebte in sogenannter "privilegierter Mischehe" am Ort (gestorben 1968 und mit ihrem Ehemann im jüdischen Friedhof beigesetzt). 
   
Von den in Staudernheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jenny Brück geb. Mayer (1885), Frieda Eichel (1891), Emma Fröhlich geb. Mayer (1884), Adolf Jonas (1885), Berta Jonas geb. Mayer (1889), Anna Kahn (1873), Josefine Marx geb. Mayer (1879), Johanna Mayer (1880), Johanetta Oppenheimer geb. Eichel (1881), Katharina (Karola) Oppenheimer (1915), Johanna Ostermann geb. Mayer (1872), Thekla Stern geb. Mayer (1879).   
    
    
 
   
Zur Geschichte der Synagoge         
    
Im 19. Jahrhundert richtete die Gemeinde ein Betzimmer ein, für das Miete zu bezahlen war. Es befand sich abseits der Hauptstraße auf dem Anwesen No. 267 (heute Grundstück Hauptstraße 41) über dem Stall der ehemaligen Viehhandlung Mayer. Der Betsaal im Obergeschoss war über einen separaten Eingang zu erreichen. 
   
Erst in den 1890er-Jahren konnte man den Bau einer Synagoge verwirklichen. Im Februar 1896 wurde mit Maurermeister Peter Dietz aus Staudernheim ein Vertrag zum Bau der Synagoge abgeschlossen. Am 24. Juli 1896 konnte die Synagoge mit einem großen Fest für den ganzen Ort durch den Kreuznacher Bezirksrabbiner Dr. Abraham Tawrogi eingeweiht werden. Ein Bericht zur Einweihung findet sich in der Zeitschrift "Der Israelit":  

Staudernheim Israelit 10081896.jpg (214632 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1896: "Koblenz. Am Freitag den 24. Juli Erew Schabbat Koddesch Paraschat waetchanan (d.h. Vorabend zum heiligen Schabbat mit der Toralesung waetchanan 5. Mose 3,23-7,11) fand die Einweihung der neuen Synagoge der kleinen Gemeinde Staudernheim im hiesigen Regierungsbezirk statt. Ist die Einweihung einer Synagoge auch kein Ereignis mehr, das weitere Kreise interessieren dürfte, so dürfte die kurze Schilderung dieser Einweihung, schon der damit verbundenen Umstände wegen, einen bescheidenen Raum in Ihrem geschätzten Blatt beanspruchen. Staudernheim ist eine aus vielleicht 10 Familien bestehende israelitische Gemeinde, der ihr bisher gemietetes Betzimmer nicht mehr genügte und legten sich daher diese wenigen Mitglieder die pekuniären Opfer auf, für den Neubau eines würdigen Gotteshauses die Geldmittel aufzubringen und an obergesamtem Tage hatten sie die sechiah (sc. Gewinn, Lohn), ihr rastloses Streben von dem erhofften Erfolg gekrönt zu sehen und ihren Einzug in das Beit Haknesset (Synagoge) halten zu können. Nach einem um 5 Uhr in der alten Synagoge abgehaltenen Abschiedsgottesdienste, ordnete sich ein imposanter Festzug nach dem neuen Gotteshause, der sich durch die von den am Fest teilnehmenden christlichen Mitbürger geschmückten Straßen bewegte. Mit Vergnügen nahmen wir Kenntnis von der allgemeinen Teilnahme an diesem Feste, das sich dadurch zu einem allgemeinen für den ganzen Ort gestaltete, was gerade in unserer Zeit ein wirklicher Kiddusch Haschem (Heiligung des Namen Gottes) genannt zu werden verdient. Den Weiheakt, der außer den üblichen Zeremonien in einer gediegenen Festpredigt bestand, vollzog Herr Rabbiner Dr. Tawrogi aus Kreuznach und war der kantorale Teil in die Hände des Herrn Lehrers Berend aus Sobernheim gelegt. Nachdem der genannte Herr Rabbiner am Schabbat Morgen nochmals gepredigt hatte und nach einem Konzerte am Nachmittag und einem Festbankett am Abend, fand die Feier ihren Abschluss und verlief das ganze Fest in einer Einmütigkeit, die allen Teilnehmern noch lange in großer Erinnerung bleiben wird. - Schreiber dieser Zeilen, ein geborener Staudernheimer verbindet mit dieser Schilderung den Wunsch, dass die Einigkeit in seiner Heimatgemeinde zwischen Christen und Juden immer so bleiben, und dass die Glaubensbrüder dortselbst alles aufbieten mögen, dieses angenehme Verhältnis zu erhalten und zu stärken uchen jehi razon (und so geschehe der Wille Gottes).    Leopold Eichel." 

Bei der Synagoge handelte es sich um einen Sandsteinquaderbau; die Ostseite grenzte unmittelbar an ein Wohnhaus an. Über dem Portal in der Westwand wurde die hebräische Inschrift angebracht (hebräisch aus Psalm 118,20: "Dies ist die Pforte zum Ewigen, Gerechte ziehen durch sie hinein"). Über dem Giebel des Westfassade befindet sich zusätzlich in einer geschweiften Steintafel die Inschrift (hebräisch aus 1. Mose 28,17): "Wie ehrfurchtgebietend ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und dies ist die Pforte zum Himmel").  
    
Nachdem 1898 im benachbarten Odernheim am Glan die Synagoge abgebrannt war, wollten die in Odernheim lebenden jüdischen Personen der jüdischen Gemeinde in Staudernheim angeschlossen werden und die dortige Synagoge besuchen. Dies wurde freilich nicht genehmigt, zumal Odernheim der bayrischen Pfalz und Staudernheim der preußischen Rheinprovinz angehört. Odernheim wurde daher an die Gemeinde Obermoschel angeschlossen. Dennoch besuchten die Odernheimer Juden in der Folgezeit sehr wahrscheinlich die Synagoge in Staudernheim. 
       
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet. Die Eingangstür wurde eingeschlagen, die Fenster eingeworfen, der Davidstern vom Giebel geholt. Auf Grund der engen Bebauung wurde das Gebäude nicht angezündet. Die Ritualien waren schon einige Zeit zuvor nach Sobernheim gebracht worden, wo sie allerdings beim Novemberpogrom zerstört wurden.    
        
Im Februar 1943 kam das Synagogengebäude an die politische Gemeinde. Es wurde nun als Wehrmachtskasino benutzt, später als Vereinsheim und Werkstatt der Flieger-Hitlerjugend. Aus dieser Zeit haben sich noch Durchhalteparolen erhalten, die an die Wände links und rechts der Tora-Nische geschrieben wurden. Links: "Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein", rechts: "Und trifft es uns morgen, so lasset uns heute noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit" (Zitate aus Schillers Wallenstein). 
   
Nach 1945 kam - nach Abschluss des Restitutionsverfahrens - 1954 das Synagogengebäude in den Besitz der politischen Gemeinde, die hier Wohnraum für Flüchtlingsfamilien schuf. In dem ca. 75 m² großen Synagogenraum wurden Zwischenwände eingezogen und Raum für eine Küche, zwei Stuben und einen Windfang geschaffen. Erst im Zusammenhang mit einem Besitzerwechsel 1969 wurde ein Garageneinbau vorgenommen, doch konnte die Garage nie recht genutzt werden, da das rechtwinklige Hineinfahren in der engen Gasse zu kompliziert war. Das Synagogengebäude wurde zur Abstellkammer. 
        
1986 wurde das Gebäude als Kulturdenkmal eingetragen. 1989 gründete sich ein "Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V." (s.u.), von dem die ehemalige Synagoge 1993 beziehungsweise (nach Zwischenfinanzierung durch ein Vereinsmitglied) 1995 erworben wurde. Seitdem wurden verschiedene Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt. Das Gebäude wird seitdem für kulturelle und Ausstellungszwecke verwendet.      
   
   
Adressen / Standorte des Betsaals / der Synagoge

Alter Betsaal Hauptstraße 41 (Alte Anschrift: Oberdorf No. 267)  
Synagoge Am Wolfsgang 3 (Alte Anschrift: Oberdorf Nr. 79). 

   
   
Fotos 
(Quelle: Fotos der alten Synagoge (Betsaal): Bernhard Kukatzki, Aufnahmen von 2013; Fotos vor Beginn der Restaurierung: Michael Bürger, Potsdam, planender Architekt des Umbaus der ehemaligen Synagoge; Zeilen darunter - Außenaufnahmen: Hahn, Aufnahmedatum 27.6.2008; Innenaufnahmen: Bernhardt Kukatzki, Aufnahmen von 2013)  

Das Gebäude mit dem Betsaal 
(alte Synagoge) in der Hauptstraße 
Staudernheim Synagoge vor 1896 BK01.jpg (68778 Byte) Staudernheim Synagoge vor 1896 BK02.jpg (70059 Byte)
  Beim Gebäude mit dem Betsaal bis 1896 handelt es sich um das Gebäude rechts 
des Eckgebäudes oben (auf rechten Foto hervorgehoben) 
      
     
Die ehemalige Synagoge vor 
Beginn der Restaurierung
Staudernheim Synagoge 105.jpg (49709 Byte) Staudernheim Synagoge 106.jpg (34576 Byte)
  links Blick auf das Gebäude mit dem von der Straße aus eingebrochenen Tor, 
rechts Blick zum Toraschrein (Fotos: 
     
Die ehemalige Synagoge im Sommer 2008:
Staudernheim Synagoge 150.jpg (74133 Byte) Staudernheim Synagoge 154.jpg (69975 Byte) Staudernheim Synagoge 151.jpg (80508 Byte)
 Ansichten des Synagogengebäudes von der Straße "Am Wolfgang"    Eingangstüre  
     
Staudernheim Synagoge 153.jpg (66919 Byte) Staudernheim Synagoge 153a.jpg (54486 Byte) Staudernheim Synagoge 152.jpg (72502 Byte)
 Inschrift über dem Giebel zur Straßenseite aus 1. Mose 28,17 (siehe oben)  Inschrift über dem Eingang aus 
Psalm 118,20 (siehe oben) 
   
     
Innenaufnahmen, erstellt in 2013     
Staudernheim Synagoge BK 020.jpg (71337 Byte) Staudernheim Synagoge BK 021.jpg (82958 Byte) Staudernheim Synagoge BK 022.jpg (88229 Byte)
Im Inneren der ehemaligen Synagoge   Wandinschrift  Blick zum Bereich des alten Toraschreines 
     
Staudernheim Synagoge BK 023.jpg (86601 Byte) Staudernheim Synagoge BK 024.jpg (65734 Byte) Staudernheim Synagoge BK 025.jpg (62473 Byte)
Informationstafeln  Erinnerungstafeln  Alte Schablonenmalerei 
     
Staudernheim Synagoge BK 026.jpg (111361 Byte) Staudernheim Synagoge BK 027.jpg (88406 Byte) Staudernheim Synagoge BK 028.jpg (60144 Byte)
Erinnerungsfotos an frühere jüdische Häuser und Gewerbebetriebe Vor der ehemaligen Synagoge 

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort     
   

Informationen zum Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V.
(Quelle: gekürzter Text aus der Informationsseite der "Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz")        
    
Der Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V. wurde am 24. September 1989 ins Leben gerufen. Damals waren es nur sieben Mitglieder, die Mindestzahl, die man benötigt, um einen Verein zu gründen. Inzwischen ist der Verein, nach dem Stand vom 1. Januar 2006, auf 55 Mitglieder angewachsen. Der Verein hat, wie es in der Satzung heißt, den Zweck, "das Grundstück und Gebäude der ehemaligen Synagoge Staudernheim, Am Wolfsgang 3, zu erwerben, in Stand zu setzen und für kulturelle Zwecke zu nutzen." Es gab einige Hürden zu überwinden, bis am 29. Juni 1995 der Museumsverein als Besitzer der ehemaligen Synagoge ins Grundbuch eingetragen wurde. Damit konnte der Verein den ersten der drei Vereinszwecke erfolgreich abschließen.
Seit der Museumsverein Mitte 1995 Besitzer der ehemaligen Synagoge wurde, ging es darum, Geld aufzubringen und die Renovierung des sehr heruntergekommenen Gebäudes möglichst schnell voranzutreiben. Einfach war es nicht; trotzdem, mit großzügiger Hilfe des Landesamts für Denkmalpflege und verschiedener Einzelspender ist es bis dato (Anfang 2006) gelungen, ca. 70% sowohl der Planung als auch der Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten zu erledigen. Der Dachstuhl wurde abgebaut und nach denkmalpflegerischen Prinzipien wieder aufgebaut, das Dach mit Schiefer gedeckt. Das gesamte Sandsteinmauerwerk, das durch das undichte Dach stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, ist inzwischen trockengelegt und gereinigt. Im Frühling 2002 wurde eine neue Tür eingesetzt.
Was soll werden, wenn das Gebäude fertiggestellt ist? Das Gebäude "für kulturelle Zwecke zu nutzen" kann alles Mögliche beinhalten. Der Vorsitzende des Vereins ist Historiker und beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Juden in Staudernheim, da er selbst Jude ist und seine Mutter aus dem Ort stammt. Die Geschichte der Juden Staudernheims soll als Ausstellung präsentiert werden, darüber hinaus wird der Raum den Bürgern und ihren Vereinen zur Verfügung stehen. Es wird an den Staudernheimern liegen, den Raum mit Leben zu füllen.
In dem noch unfertigen Raum haben schon einige Veranstaltungen stattgefunden. Besonders hervorzuheben war am 28. Juli 1996 die Feier zur hundertjährigen Wiederkehr der Einweihung der Synagoge. Im Gebäude drängten sich die Besucher aus dem In- und Ausland, Reden wurden gehalten und Kantor Avigdor Zuker von der Jüdischen Gemeinde in Wiesbaden sang liturgische Gesänge und zum Schluss das Kaddisch, das Totengebet. Er nannte die aus Staudernheim stammenden Ermordeten bei ihren Namen, ein sehr bewegender Moment.
Ein weiteres Ereignis war die Eröffnung einer ersten Ausstellung am 2. Oktober 1999. Unter dem Titel "Bappe stammt aus Staudernheim" wurden Fotos gezeigt, die von Emil Mayer, dem Sohn des um 1848 ausgewanderten Staudernheimer Juden David Mayer, aufgenommen worden waren. Emil Mayer hatte um das Jahr 1900 den Heimatort seines Vaters und seine dort lebenden Verwandten besucht. Die Bilder sind alle Außenaufnahmen und damit auch historisch sehr wertvoll. Aus der gleichen Perspektive aufgenommene aktuelle Fotos wurden ebenfalls in der Ausstellung gezeigt, so konnte man Vergleiche ziehen und erkennen, wie viel von der alten Bausubstanz noch heute vorhanden ist. Professor Dr. David Mayer Gradwohl - Urenkel von David Mayer - und seine Frau Hanna aus Ames, Iowa, die Besitzer der ausgestellten Fotos, waren aus diesem Anlass angereist: David Mayer Gradwohl eröffnete die Ausstellung mit einer kurzen Ansprache. 
    
Der Verein ist in den letzten Jahren seinem Ziel ein großes Stück näher gekommen, hat aber noch harte Arbeit vor sich. Es ist zu hoffen, dass mit Hilfe von staatlichen Stellen und engagierten Unterstützern der Weg vor uns nicht mehr allzu lang sein wird, die Bautätigkeit abgeschlossen und das Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden kann.
Kontakt/Information: Museumsverein Synagoge Staudernheim e. V., c/o Raymond Wolff (1. Vorsitzender)
Wildenbruchplatz 5  12045 Berlin   Tel.: 030-6878149
    
SWR-Rundfunksendung:
Raymond Wolff über schwieriges Gedenken 
Die Bemühungen um die Erhaltung der Synagoge Staudernheim waren Thema einer Rundfunksendung in SWR 2 am 14. Januar. Im Begleittext zu dieser Sendung hieß es: "Am Samstag, 14. Januar, läuft von 21 bis 22 Uhr eine bemerkenswerte Radiosendung in SWR 2. 'Schwieriges Gedenken - Raymond Wolff, ein Jude, der auszog, die Erinnerung wachzuhalten' ist der Beitrag von Peter Hillebrand überschrieben. Als 1986 seine Großmutter starb, war Raymond Wolff fest entschlossen: Er wollte für sie in ihrem Heimatort Staudernheim die ehemalige Synagoge restaurieren, die ein Bauer als Garage nutzte. Von den Nazis vertrieben, hatten die Großeltern mit ihrer Tochter, Wolffs Mutter, in den USA Zuflucht gefunden. Dort wurde Wolff 1946 geboren und wuchs mit Omas Geschichten aus der Heimat im Nahetal auf. Die Eltern seines Vaters hatten in Nackenheim (Kreis Mainz-Bingen) gelebt, flohen nicht vor den Nazis und wurden ermordet. Bis zur Deportierung 1941 schrieb jener Großvater viele Briefe an seine nach Amerika geflohenen Söhne. Diese Briefe zu veröffentlichen, mit Erläuterungen zu Personen und Vorgängen, war Wolffs zweites Vorhaben. Seit 1970 lebt der Historiker Wolff in Berlin. Er ging davon aus, in Rheinland-Pfalz stünden ihm die Archive für Recherchen zur Verfügung. Aber Dokumente über Täter bekam er nicht zu sehen: Datenschutz, hieß es. Als erster Historiker zog Wolff damals gegen ein Archiv vor Gericht - mit Erfolg. Dies war nur eines von vielen Hindernissen bei der Verwirklichung seiner Ziele. Auch in Staudernheim stieß Raymond Wolff zuerst auf Unverständnis, nur langsam fand er Helfer. Doch Wolff fühlt sich bis heute als Störfaktor - sogar bei denen, die sich für den Erhalt der Synagogen in der Pfalz engagieren. 
    
    
Weitere Berichte  

Juni 2009: Tag der offenen Tür in der ehemaligen Synagoge Staudernheim  
Artikel von Wilhelm Meyer im "Main-Rheiner" (Allgemeine Zeitung, Artikel) vom 24. Juni 2009:    
Geschichte der Juden.  OFFENE TÜR 
Viele Nachbarn schauen in ehemaliger Synagoge vorbei/Verwirklichung eines Museums
STAUDERNHEIM.
Zum Kennenlernen und Verweilen lud der Museumsverein Synagoge Staudernheim an seinem Tag der Offenen Tür ein. Kennenlernen konnte man dabei koschere Speisen und Weine. Zudem konnte man Kostproben jüdischer Musik lauschen..."   
 
Februar 2013: Ausstellung - die Verlegung von "Stolpersteinen" in Staudenheim ist geplant   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 22. Februar 2013: "Stolpersteine in Staudernheim 
STAUDERNHEIM (red). Der Museumsverein Synagoge Staudernheim eröffnet am Sonntag, 10. März, um 15 Uhr die Ausstellung 'Stolpersteine für Staudernheim' in der ehemaligen Synagoge. 
Im Mittelpunkt des Projektes stehen Lebenswege und Schicksale der ermordeten Staudernheimer Juden, für die der Verein die Verlegung von Stolpersteinen anregen möchte. So gibt es bereits unzählige Stolpersteine zur Erinnerung an die ermordeten Juden nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Im Landkreis Bad Kreuznach kann man Stolpersteine in Langenlonsheim und Meisenheim finden. Die Idee zu diesen Stolpersteinen hatte der Künstler Gunter Demnig, er gestaltet sie als einfache, in den Boden eingelassene Messingplatten in der Größe eines Pflastersteins mit eingravierten Namen und Daten. Der Künstler sieht darin ein gemeinsames Gedenken. 
Nach der Ausstellungseröffnung wird um 16 Uhr der Dokumentarfilm 'Stolperstein' von Dörte Franke aus dem Jahr 2008 gezeigt. Die Ausstellung wird auch an den folgenden Wochenenden im März von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen sein."   
 
Juli 2016: Der Synagogenverein kümmert sich weiter um den Erhalt des Synagogengebäudes   
Synagogenverein kümmert sich um Erhalt des Gebäudes in Staudernheim (Allgemeine Zeitung, 25.07.2016)   
Artikel von Wilhelm Meyer in der "Allgemeinen Zeitung" vom 26.7.2016: "Synagogenverein kümmert sich um Erhalt des Gebäudes in Staudernheim
STAUDERNHEIM - 'Das müssen die Menschen doch wissen, dass hier etwas geschieht', der Gedanke treibt Elke Kiltz um. Die ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen ist Mitglied des Staudernheimer Synagogenvereins, der versucht, das Gebäude der ehemaligen Synagoge zu erhalten. Zu Gast in Nußbaum bei Kiltz sind drei Menschen aus Potsdam und Berlin, denen die Synagoge in Staudernheim ebenso am Herzen liegt wie Kiltz selbst. 'Subotnik' nennen die drei, Michael Bürger, Christian Hartmann und Andrea Lefèvre, berlinernd ihren Einsatz in Staudernheim. Da geht es ganz handfest zu Werke. Der Fußboden, eigentlich der Unterboden für einen noch anzuschaffenden Boden, soll endlich bis an die Wände herangeführt werden.
Auch das Dach wird momentan abgedichtet. Der zweite Schauplatz ihres Arbeitseinsatzes ist im kleinen Höfchen hinter der Synagoge. Dort entsteht eine Toilette. Das Dach wird derzeit für alle Wettereventualitäten zu den Seiten hin abgedichtet – obendrauf Christian Hartmann, Architekt wie Bürger. Der Rohbau war schon beim letzten Einsatz mit Lehm-gepressten Wänden aufgestellt worden. Nach ihrem Zwangsverkauf 1942/1943 wurde die Synagoge als Wehrmachtskasino genutzt. Davon zeugt noch heute die Wandbemalung um die Thora-Nische, Sprüche aus Schillers 'Wallenstein' missbraucht als Durchhalteparolen. Nach der Nazizeit, als die Synagoge in den Besitz der Gemeinde übergegangen war, diente sie als Lagerhaus. Das Tor wurde, nachdem der Raum nach der Nazizeit zunächst von der Gemeinde als 'Arme-Leute-Wohnung' genutzt worden war, nach dem Wechsel zu einem privaten Besitzer eingebaut. Der hatte die Synagoge dann als Lagerhaus genutzt. Mittlerweile ist es vom Synagogenverein durch eine große Glasscheibe ersetzt worden. Nicht eine Restaurierung auf den früheren Zustand hat man sich zum Ziel gesetzt. Vielmehr sollten die Wunden, die diese Synagoge erlitten hat – seien es jetzt die Wehrmachtsinschriften oder das Garagentor – sichtbar bleiben.
Schon früher haben die Synagogenvereinsmitglieder das kulturelle Leben Staudernheims durch Veranstaltungen und Ausstellungen bereichert. Die Geschichte der Staudernheimer Juden hat der Vorsitzende des Synagogenvereins, Raymond Wolff, dokumentiert. Wolff selbst ist Nachfahre Staudernheimer Juden, denen noch die Emigration in die USA gelungen war. Seine Dokumentation ist Grundlage der von Andrea Lefèvre und Gabriele Fritsch-Viviè konzipierten Ausstellung, die dem Andenken der im Nationalsozialismus ermordeten Staudernheimer Juden gewidmet ist. Sie ist dauerhaft im Gebäude zu sehen. Kurz und informativ werden Lebenswege und Schicksale der mit einer Ausnahme letzten jüdischen Bewohner Staudernheims nachgezeichnet. Während der Eröffnung wurde zugleich die Initiative angestoßen, auch in Stauderheim Stolpersteine zur Erinnerung an ermordete Staudernheimer Juden vom Künstler Gunter Demnig legen zu lassen. Einfache, in den Boden eingelassene Messingplatten, in der Größe eines Pflastersteins mit eingravierten Namen und Daten erinnern an die Ermordeten in Deutschland und im übrigen Europa. Nicht nur die weite Streuung der Mitglieder, auch deren zunehmendes Alter macht Lefèvre Sorgen. Staudernheimer, vor allem der Geschichtsverein und dessen Mitglieder, engagierten sich für die Verlegung, doch altersmäßig hat auch der Geschichtsverein zu kämpfen."    

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website des Museumsvereines Staudernheim  
Website der Gemeinde Staudernheim  
Informationsseite zur Synagoge Staudernheim von swr.3.de "Das Gotteshaus mit dem Garagentor" von Martina Conrad 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Staudernheim (interner Link)  

Literatur:  

Stefan Fischbach: Zur Inventarisation der Synagogenbauten in Rheinland-Pfalz. Ein Projekt des Landesamtes für Denkmalpflege zum Synagogen-Gedenkbuch. In: In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 8. Jahrgang Ausgabe 2-1998 Heft Nr. 16. S. 5-14.  Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). Zu Staudernheim S. 5.9-10.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 357-359 (mit weiteren Literaturangaben).  

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Staudernheim Rhineland. The Jewish population was 45 in 1808; 71 (total 1.000) in 1858; and 24 in 1932. Twelve Jews remained in May 1939 and the last three were deported to the camps in July 1942. The synagogue (consecrated in 1896) was vandalized in Kristallnacht (9-10 November 1938).   
   
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

      

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 26. Juli 2016