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Landkreis Bad Kreuznach"
Bad Sobernheim (Kreis
Bad Kreuznach
)
Jüdischer Friedhof
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Siehe Seite zur Synagoge in Bad
Sobernheim (interner Link)
Zur Geschichte des Friedhofes
Der jüdische Friedhof in Bad
Sobernheim besteht vermutlich seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Er ist erstmals im
Urkataster von 1825 verzeichnet. Flurnamen wie "Auf'm
Judenkirchhof" oder "In der Judendell" könnten jedoch auf ein
längeres Bestehen hinweisen. Falls der Sobernheimer Friedhof erst um 1820
angelegt wurde, ist unklar, wo bis dahin die jüdischen Familien der Stadt ihre
Toten beigesetzt haben (in Fragen kommen zentrale Friedhöfe wie Bad Kreuznach,
Gemünden oder Meisenheim).
1826 war als Eigentümer des Friedhofes der Pferdehändler Philipp Werner
eingetragen (die jüdische Gemeinde konnte damals noch nicht als Eigentümerin
erscheinen). Noch 1860 befand sich der Friedhof im Besitz der Familie Werner. 1856
wird neben dem Friedhof ein Acker genannt, der im Besitz der jüdischen Gemeinde
war, wobei es sich um die inzwischen erworbene Erweiterungsfläche des
Friedhofes handelte (neuer Sobernheimer und Monzinger Teil).
Der älteste noch vorhandene Grabstein ist von 1829 (Pferdehändler Philipp
Werner). Die letzten drei Beisetzungen waren in der NS-Zeit - kurz vor Beginn
der Deportationen - von Ida und Hermann
Wolf sowie Jonas Haas (es wurden keine Grabsteine mehr gesetzt).
Die
Friedhofsfläche umfasst 69,79 ar. Damit ist der Friedhof der zweitgrößte im
Landkreis Bad Kreuznach.
Der Friedhof ist in vier Teile
gegliedert, den alten und den neuen Sobernheimer, den Waldböckelheimer und den
Monzinger Teil. Im Monzinger Teil stehen Grabsteine des Friedhofes Monzingen,
der 1938 eingeebnet werden musste. Die Grabsteine wurden nach Bad Sobernheim
überführt. Im Waldböckelheimer Teil wurden die im 19. Jahrhundert in
Waldböckelheim verstorbenen jüdischen Personen beigesetzt. Eine Beziehung
zwischen Waldböckelheim und Sobernheim gab es insbesondere durch die Familie
Marum: Anselm Marum der Jüngere war noch gebürtiger Waldböckelheimer; er
wurde später Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Sobernheim. Der alte
Sobernheimer Teil ist der Bereich der im 19. Jahrhundert in Sobernheim
verstorbenen jüdischen Personen. Ab 1902 wurde der neue Sobernheimer Teil
belegt (erste Beisetzung von Sara Marum, der Begründerin der Strumpffabrik
Marum). In der Mitte der Friedhofsteile steht das Ehrenmal von 1950, in
das die Gefallenengedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
einbezogen wurde, die sich bis 1938 in der Synagoge befand (durch eine neue
Tafel 2005 ersetzt).
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Ehemaliger Jüdischer
Friedhof im Stadtfriedhof "Auf Löhborn": An der
nordwestlichen Grenze des städtischen Friedhofes "Auf Löhborn"
hinter der Kapelle wurde 1925 ein weiterer jüdischer Friedhof angelegt. Die
Anlage dieses Friedhofes erreichte der damalige Gemeindevorsteher Leopold Loeb.
Beigesetzt wurden die Geschwister seiner Frau und 1930 Leopold Loeb selbst. 1937
mussten die in diesem Friedhof Beigesetzten auf den bisherigen Friedhof auf dem
"Domberg" umgebettet werden. Im Bereich des städtischen Friedhofes
waren Juden nun "unerwünscht". |
In der NS-Zeit wurde der Friedhof auf dem Domberg schwer geschändet und
verwüstet. Die schwerste Zerstörung geschah unmittelbar beim Novemberpogrom
1938 durch 10 bis 15 Männer, inbesondere SA-Leute. Sie warfen die
Grabsteine um und zertrümmerten Steine und Schriftplatten. Etliche Steinbrocken
wurden den Hang hinuntergerollt oder in die Nachbargrundstücke geworfen. Teile
des Friedhofes (u.a. die linke Seite des Waldböckelheimer Friedhofsteiles)
wurden damals oder in der Folgezeit fast völlig abgeräumt. Nach 1945
sind die Steine - soweit möglich - wieder aufgestellt worden, wobei die Steine
in den älteren Teilen teilweise nicht mehr am richtigen Standort stehen. Viele
Trümmer von Steinen konnten nicht mehr zugeordnet werden. Am 15. Oktober
1950 wurde das Denkmal eingeweiht, auf dem seitdem an die jüdischen
Gefallenen des Ersten Weltkrieges wie auch an die aus Bad Sobernheim
umgekommenen jüdischen Personen erinnert wird.
Auch nach 1945 wurde der Friedhof mehrfach geschändet (mindestens vier
Schändungen sind bekannt), die letzte im Januar 1983, wobei etwa 40 Grabsteine
umgeworfen und schwer beschädigt wurden.
Tafel
zur Geschichte der Friedhofes auf dem Friedhof mit dem Text: "Jüdische
Friedhöfe 'Auf dem Domberg' in Sobernheim. Im Jahre 1343 wurden die
ersten jüdischen Mitbürger in Sobernheim urkundlich erwähnt.
Ihre Begräbnisstätten sind nicht bekannt. Wahrscheinlich fanden die
Beerdigungen außerhalb der Stadtmauer statt.
In der napoleonischen Zeit um 1800, gab es eine neue
Begräbnisordnung.
Danach durften keine Toten mehr in Wohngebieten begraben werden. Etwa
gleichzeitig mit dem Friedhof 'Auf Löhborn' wurde der jüdische Friedhof
'Auf dem Domberg' angelegt. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr
1829.
Der Friedhof besteht aus drei Teilen. Im ältesten Teil sind die Toten mit
dem Kopf in Richtung Jerusalem beerdigt, also in Richtung Osten. Im
mittleren Teil des Friedhofes hat man die Toten in Richtung der Synagoge
bestattet, die man vom Friedhof aus gut sehen kann. Da der ehemalige
jüdische Friedhof in Monzingen auf Veranlassung der NSDAP geschlossen
wurde, hat man die vorhandenen Grabsteine aus Monzingen 'symbolisch' auf
dem Sobernheimer Friedhof aufgestellt. Zu erwähnen wäre noch die
Ehrentafel auf dem Friedhof für die gefallenen jüdischen Soldaten aus
dem ersten Weltkrieg 1914-18.
Ab dem Jahre 1930 beerdigten die jüdischen Familien ihre Toten auf dem
Stadtfriedhof 'Auf Löhborn'. Auf Anordnung der NSDAP im Jahre 1933-34
erfolgten die Ausgrabungen der beerdigten jüdischen Menschen, und sie
wurden endgültig auf dem jüdischen Friedhof 'Auf dem Domberg'
beigesetzt.
Bei der Grabpflege haben die jüdischen Menschen andere Gebräuche als die
Christen. Nach dem Setzen des Grabsteines soll die Ruhe des Toten für
ewig nicht mehr gestört werden. Gebräuchlich ist die Gräber mit Efeu
oder Immergrün zu bepflanzen. Beim Besuch des Grabes eines Verwandten
legt man einen Stein auf seinem Grabstein nieder, oder am Todestag des
Verstorbenen wird ein Seelenlicht angezündet. Der Friedhof ist an allen
Samstagen sowie an allen jüdischen Feiertagen für die Öffentlichkeit
geschlossen." |
Lage des Friedhofes:
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Der jüdische Friedhof liegt auf dem Domberg im Osten des
Stadtzentrums unweit der Straße "Auf dem Kolben".
Das Foto zeigt den Blick vom Friedhof auf Bad Sobernheim. Es bestand
Sichtverbindung zur Synagoge (ganz am rechten Bildrand, vgl.
Ausschnittsvergrößerung) |
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.6.2008; die Grabstein-Nummern in
[] beziehen sich auf die Dokumentation der jüdischen Grabstätten im Kreis Bad
Kreuznach)
| Der Waldböckelheimer und
der alte Sobernheimer Teil |
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Grabsteine [Dok.
69-71] für (von links) Jette Michel geb. Rosenberger (1819-1885) und
Ludwig Michel (1808-1873, beide [69]), Jacob Michel (1852-1880, [70] sowie
Ferdinand Moses Michel (1856-1911 [71], Gemeindevorsteher); rechts
Grabstein von F.M. Michel [71] |
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| Grabsteine [zwei
Steine 76, dahinter 74] für links (ohne Schriftenplatte) Olga Marum geb.
Wolfsohn (1833-1891) und Joseph Marum (1813-1890) sowie dahinter und Foto
rechts für Raphael Hesse (1842-1897), alle aus Waldböckelheim |
Im Vordergrund Rückseiten von
Grabsteinen [Nr. 63-53 von links nach rechts] im Waldböckelheimer Teil;
dahinter der alte Sobernheimer Teil |
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| Grabsteine im
Waldböckelheimer Teil [Nr. 53-56 von links nach rechts] für Siegmund
Klein (1837-1894, [53]), Helene Kahn geb. Köhler (1839-1900, [54]),
August Moritz Klein (1857-1880, [55]) und Esther Bat Michael (?) Eschet
Joel ([56]) |
Grabstein für Anselm
Marum [42], Stadtrat und Gemeindevorsteher (1805-1865) |
Grabstein [Nr. 44]
für Isaak Loeb (1827-1899), Vorsteher der israelitischen Gemeinde
Sobernheim im alten Sobernheimer Teil |
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| Grabstein [17] für Emanuel
Ullmann (gest. 1862), rechts dahinter Grabstein [14] für Daniel Fried
(1828-1895) |
Grabsteine [25-22, von links
nach rechts] für Isaak Metzger (1825-1899, [25]), Henriette Mayer
(1834-1884, [24]), Henriette Mayer (1834-1884, [23]) und Carl Metzler
(gest. 1877, [22]) |
Grabstein [27]
für Jacob Wolff (1785/86 in Bubenheim - 1833), war verheiratet mit
Henriette Wolff geb. Stern [31]; auffallend ist der nur von dieser Familie
verwendete helle Marmorstein. |
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| Der neue Sobernheimer Teil |
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Das heutige kleine Eingangstor
von der Stadt her führt zunächst zum neuen Sobernheimer Teil |
Blick über den neuen
Sobernheimer Friedhofsteil |
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| Grabsteine (Vordergrund [Nr.
101]) für links Joseph Gersohn (1851-1916) und Babette Gersion geb. Braum
(1851-1910), und (Hintergrund [Nr. 94]) für Johanna Kaufmann geb. van
Geldern (1831-1909) und Jacob Kaufmann (1827-1906) |
Grabsteine [122a
und b] für Leopold Loeb (1854-1930) mit Gedenkinschrift für Emma Loeb
geb. Löwenstein (1861-1944, beigesetzt in USA, [122a]) sowie für Max
Löwenstein (1860-1925) und Johanna Grünewald geb. Löwenstein
(1853-1925, [122b]): zunächst im jüdischen
Friedhofsteil "Auf Löhborn" beigesetzt, 1935 zwangsweise
umgebettet.
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| Grabstein [Nr. 119] für
Julius Wolf (Jehuda bar Chaim (1908-1933) |
Grabstein [Nr. 115] für Isaac
Wolf (1850-1926) mit Gedenkinschrift für Berta Wolf geb. Oppenheimer
sowie Tochter Paula Salm und Ehemann Gustav Salm, alle ermordet in
Auschwitz |
Grabstein [Nr. 112] für Max
Bergheim (1869-1922); Ehefrau Rosa geb. Schwimmer wurde 1942 deportiert |
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| Grabstein [Nr. 100] für Klara
Marum geb. Siegel (1863-1909) und Gedenkinschrift für Heinrich Marum
(1848, deportiert 1942 nach Theresienstadt). |
Grabplatten [Nr. 111] für
Thekla Neuschüler geb. Herz (1875-1930) und Ehemann Otto Neuschüler
(1871-1921) sowie für Ferdinand Herz (1844-1921) |
Grabplatte [Nr. 114] für Kurt
Metzer (1898-1924, gestorben an Kriegsleiden, Platte vor wenigen Jahren
erneuert) |
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| Das Mahnmal von 1950 |
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Das Mahnmal wurde am 15.
Oktober 1950 eingeweiht |
Die im 1. Weltkrieg aus Bad
Sobernheim gefallenen jüdischen Männer |
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| Hinweistafel
mit dem Text: "Zur Erinnerung. Diese Gedenktafel für die Gefallenen
des 1. Weltkrieges wurde während der Synagogenzerstörung in Bad
Sobernheim im Verlauf der Reichspogromnacht am 09. November 1938 von den
Nationalsozialisten zerschlagen. Die Tafel wurde von Herrn Alfred Marum in
Sicherheit gebracht, wieder zusammengesetzt und am 15. Oktober 1950 an
diesem Denkmal auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Sobernheim, im
zerbrochenen Zustand befestigt. Die Jüdische Kultusgemeinde für die
Kreise Bad Kreuznach und Birkenfeld hat die beschädigte Tafel durch eine
originalgetreue Neuanfertigung im Januar 2005 ersetzt." |
Gedenken an die in der NS-Zeit
umgekommenen Personen aus Bad Sobernheim |
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Der Friedhofsteil mit den
Monzinger Grabsteinen -
Die Grabsteine kamen im frühen Herbst 1938 von dem damals zwangsweise
geräumten Monzinger Friedhof |
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Das obere Eingangstor, das zum
Bereich mit den Monzinger Grabsteinen führt |
Grabsteine für
Barbara (Bertha) Ullmann (1857-1923) und Babette Kronenberger geb. Mayer
(1830-1907) [Dok. 81-82] |
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| Grabsteine [78-80 von links
nach rechts] für Ferdinand Ullmann (1871-1907, [78], Johanna Mayer geb.
Süß (gest. 1900, [79a]) und Jacob Mayer (1832-1896, [79b]), Angelius
Fried (?, gest. 1913, [80]) |
Grabsteine [Dok. 81-84 von
links nach rechts] für (81-82 siehe oben rechts): Michael Ullmann
(1820-1905, [83]) und Henriette Ullmann geb. Herz (1822-1888, [84]) |
Grabsteine [Dok. 85-90 von
links nach rechts] für: 85-86 unlesbar, Esther gen. Klara Fried geb.
Meyer (1819-1863, [87]), Salomon Fried (1809-1889, [88]), Eva Ullmann geb.
Roos (gest. 1853, [89] und Hedwig Ullmann (?, gest. 1896, [90]) |
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| Grabsteinfragmente,
ausgestellt in der ehemaligen Synagoge |
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Immer
wieder fanden sich in den vergangenen Jahren Fragmente von Grabsteinen
oder ganze Grabsteine, die auf Grund der Zerstörungen in der NS-Zeit auch
nach 1945 zunächst nicht entdeckt worden waren. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Maren Heyne: Stille Gärten - beredte Steine.
Jüdische Friedhöfe im Rheinland. Bonn 1994 S. 132-133. |
 | Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad
Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe
des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995. 427-456.
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