Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Sobernheim (Kreis Bad Kreuznach ) 
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

Siehe Seite zur Synagoge in Bad Sobernheim (interner Link)   
  

Zur Geschichte des Friedhofes  

Der jüdische Friedhof in Bad Sobernheim besteht vermutlich seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Er ist erstmals im Urkataster von 1825 verzeichnet. Flurnamen wie "Auf'm Judenkirchhof" oder "In der Judendell" könnten jedoch auf ein längeres Bestehen hinweisen. Falls der Sobernheimer Friedhof erst um 1820 angelegt wurde, ist unklar, wo bis dahin die jüdischen Familien der Stadt ihre Toten beigesetzt haben (in Fragen kommen zentrale Friedhöfe wie Bad Kreuznach, Gemünden oder Meisenheim).

1826 war als Eigentümer des Friedhofes der Pferdehändler Philipp Werner eingetragen (die jüdische Gemeinde konnte damals noch nicht als Eigentümerin erscheinen). Noch 1860 befand sich der Friedhof im Besitz der Familie Werner. 1856 wird neben dem Friedhof ein Acker genannt, der im Besitz der jüdischen Gemeinde war, wobei es sich um die inzwischen erworbene Erweiterungsfläche des Friedhofes handelte (neuer Sobernheimer und Monzinger Teil). 
 
Der älteste noch vorhandene Grabstein ist von 1829 (Pferdehändler Philipp Werner). Die letzten drei Beisetzungen waren in der NS-Zeit - kurz vor Beginn der Deportationen - von Ida und Hermann Wolf sowie Jonas Haas (es wurden keine Grabsteine mehr gesetzt). 
 
Die Friedhofsfläche umfasst 69,79 ar. Damit ist der Friedhof der zweitgrößte im Landkreis Bad Kreuznach. 
   
Der Friedhof ist in vier Teile gegliedert, den alten und den neuen Sobernheimer, den Waldböckelheimer und den Monzinger Teil. Im Monzinger Teil stehen Grabsteine des Friedhofes Monzingen, der 1938 eingeebnet werden musste. Die Grabsteine wurden nach Bad Sobernheim überführt. Im Waldböckelheimer Teil wurden die im 19. Jahrhundert in Waldböckelheim verstorbenen jüdischen Personen beigesetzt. Eine Beziehung zwischen Waldböckelheim und Sobernheim gab es insbesondere durch die Familie Marum: Anselm Marum der Jüngere war noch gebürtiger Waldböckelheimer; er wurde später Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Sobernheim. Der alte Sobernheimer Teil ist der Bereich der im 19. Jahrhundert in Sobernheim verstorbenen jüdischen Personen. Ab 1902 wurde der neue Sobernheimer Teil belegt (erste Beisetzung von Sara Marum, der Begründerin der Strumpffabrik Marum). In der Mitte der Friedhofsteile steht das Ehrenmal von 1950, in das die Gefallenengedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges einbezogen wurde, die sich bis 1938 in der Synagoge befand (durch eine neue Tafel 2005 ersetzt).     

Ehemaliger Jüdischer Friedhof im Stadtfriedhof "Auf Löhborn": An der nordwestlichen Grenze des städtischen Friedhofes "Auf Löhborn" hinter der Kapelle wurde 1925 ein weiterer jüdischer Friedhof angelegt. Die Anlage dieses Friedhofes erreichte der damalige Gemeindevorsteher Leopold Loeb. Beigesetzt wurden die Geschwister seiner Frau und 1930 Leopold Loeb selbst. 1937 mussten die in diesem Friedhof Beigesetzten auf den bisherigen Friedhof auf dem "Domberg" umgebettet werden. Im Bereich des städtischen Friedhofes waren Juden nun "unerwünscht".     

In der NS-Zeit wurde der Friedhof auf dem Domberg schwer geschändet und verwüstet. Die schwerste Zerstörung geschah  unmittelbar beim Novemberpogrom 1938 durch 10 bis 15 Männer, inbesondere SA-Leute. Sie warfen die Grabsteine um und zertrümmerten Steine und Schriftplatten. Etliche Steinbrocken wurden den Hang hinuntergerollt oder in die Nachbargrundstücke geworfen. Teile des Friedhofes (u.a. die linke Seite des Waldböckelheimer Friedhofsteiles) wurden damals oder in der Folgezeit fast völlig abgeräumt. Nach 1945 sind die Steine - soweit möglich - wieder aufgestellt worden, wobei die Steine in den älteren Teilen teilweise nicht mehr am richtigen Standort stehen. Viele Trümmer von Steinen konnten nicht mehr zugeordnet werden. Am 15. Oktober 1950 wurde das Denkmal eingeweiht, auf dem seitdem an die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges wie auch an die aus Bad Sobernheim umgekommenen jüdischen Personen erinnert wird.  

Auch nach 1945 wurde der Friedhof mehrfach geschändet (mindestens vier Schändungen sind bekannt), die letzte im Januar 1983, wobei etwa 40 Grabsteine umgeworfen und schwer beschädigt wurden.   

Bad Sobernheim Friedhof 157.jpg (88697 Byte)Tafel zur Geschichte der Friedhofes auf dem Friedhof mit dem Text: "Jüdische Friedhöfe 'Auf dem Domberg' in Sobernheim. Im Jahre 1343 wurden die ersten jüdischen Mitbürger in Sobernheim urkundlich erwähnt. 
Ihre Begräbnisstätten sind nicht bekannt. Wahrscheinlich fanden die Beerdigungen außerhalb der Stadtmauer statt. 
In der napoleonischen Zeit um 1800, gab es eine neue Begräbnisordnung. 
Danach durften keine Toten mehr in Wohngebieten begraben werden. Etwa gleichzeitig mit dem Friedhof 'Auf Löhborn' wurde der jüdische Friedhof 'Auf dem Domberg' angelegt. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1829. 
Der Friedhof besteht aus drei Teilen. Im ältesten Teil sind die Toten mit dem Kopf in Richtung Jerusalem beerdigt, also in Richtung Osten. Im mittleren Teil des Friedhofes hat man die Toten in Richtung der Synagoge bestattet, die man vom Friedhof aus gut sehen kann. Da der ehemalige jüdische Friedhof in Monzingen auf Veranlassung der NSDAP geschlossen wurde, hat man die vorhandenen Grabsteine aus Monzingen 'symbolisch' auf dem Sobernheimer Friedhof aufgestellt. Zu erwähnen wäre noch die Ehrentafel auf dem Friedhof für die gefallenen jüdischen Soldaten aus dem ersten Weltkrieg 1914-18. 
Ab dem Jahre 1930 beerdigten die jüdischen Familien ihre Toten auf dem Stadtfriedhof 'Auf Löhborn'. Auf Anordnung der NSDAP im Jahre 1933-34 erfolgten die Ausgrabungen der beerdigten jüdischen Menschen, und sie wurden endgültig auf dem jüdischen Friedhof 'Auf dem Domberg' beigesetzt. 
Bei der Grabpflege haben die jüdischen Menschen andere Gebräuche als die Christen. Nach dem Setzen des Grabsteines soll die Ruhe des Toten für ewig nicht mehr gestört werden. Gebräuchlich ist die Gräber mit Efeu oder Immergrün zu bepflanzen. Beim Besuch des Grabes eines Verwandten legt man einen Stein auf seinem Grabstein nieder, oder am Todestag des Verstorbenen wird ein Seelenlicht angezündet. Der Friedhof ist an allen Samstagen sowie an allen jüdischen Feiertagen für die Öffentlichkeit geschlossen." 


  

Lage des Friedhofes:       

Bad Sobernheim Friedhof 182.jpg (84506 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 182a.jpg (33390 Byte) Der jüdische Friedhof liegt auf dem Domberg im Osten des Stadtzentrums unweit der Straße "Auf dem Kolben". 
 
Das Foto zeigt den Blick vom Friedhof auf Bad Sobernheim. Es bestand Sichtverbindung zur Synagoge (ganz am rechten Bildrand, vgl. Ausschnittsvergrößerung)

  
 
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.6.2008; die Grabstein-Nummern in [] beziehen sich auf die Dokumentation der jüdischen Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach)

Der Waldböckelheimer und der alte Sobernheimer Teil Bad Sobernheim Friedhof 158.jpg (108345 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 159.jpg (122929 Byte)
  Grabsteine [Dok. 69-71] für (von links) Jette Michel geb. Rosenberger (1819-1885) und Ludwig Michel (1808-1873, beide [69]), Jacob Michel (1852-1880, [70] sowie Ferdinand Moses Michel (1856-1911 [71], Gemeindevorsteher); rechts Grabstein von F.M. Michel [71]
Bad Sobernheim Friedhof 160.jpg (118053 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 162.jpg (120979 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 163.jpg (119126 Byte)
Grabsteine [zwei Steine 76, dahinter 74] für links (ohne Schriftenplatte) Olga Marum geb. Wolfsohn (1833-1891) und Joseph Marum (1813-1890) sowie dahinter und Foto rechts für Raphael Hesse (1842-1897), alle aus Waldböckelheim  Im Vordergrund Rückseiten von Grabsteinen [Nr. 63-53 von links nach rechts] im Waldböckelheimer Teil; dahinter der alte Sobernheimer Teil
Bad Sobernheim Friedhof 164.jpg (114456 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 170.jpg (116213 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 166.jpg (118614 Byte)
Grabsteine im Waldböckelheimer Teil [Nr. 53-56 von links nach rechts] für Siegmund Klein (1837-1894, [53]), Helene Kahn geb. Köhler (1839-1900, [54]), August Moritz Klein (1857-1880, [55]) und Esther Bat Michael (?) Eschet Joel ([56])    Grabstein für Anselm Marum [42], Stadtrat und Gemeindevorsteher (1805-1865) Grabstein [Nr. 44] für Isaak Loeb (1827-1899), Vorsteher der israelitischen Gemeinde Sobernheim im alten Sobernheimer Teil
  
Bad Sobernheim Friedhof 167.jpg (121358 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 168.jpg (113893 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 169.jpg (107081 Byte)
Grabstein [17] für Emanuel Ullmann (gest. 1862), rechts dahinter Grabstein [14] für Daniel Fried (1828-1895) Grabsteine [25-22, von links nach rechts] für Isaak Metzger (1825-1899, [25]), Henriette Mayer (1834-1884, [24]), Henriette Mayer (1834-1884, [23]) und Carl Metzler (gest. 1877, [22]) Grabstein [27] für Jacob Wolff (1785/86 in Bubenheim - 1833), war verheiratet mit Henriette Wolff geb. Stern [31]; auffallend ist der nur von dieser Familie verwendete helle Marmorstein.
        
Der neue Sobernheimer Teil Bad Sobernheim Friedhof 181.jpg (129182 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 171.jpg (124457 Byte)
Das heutige kleine Eingangstor von der Stadt her führt zunächst zum neuen Sobernheimer Teil Blick über den neuen Sobernheimer Friedhofsteil
Bad Sobernheim Friedhof 180.jpg (123850 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 172.jpg (115416 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 173.jpg (116049 Byte)
Grabsteine (Vordergrund [Nr. 101]) für links Joseph Gersohn (1851-1916) und Babette Gersion geb. Braum (1851-1910), und (Hintergrund [Nr. 94]) für Johanna Kaufmann geb. van Geldern (1831-1909) und Jacob Kaufmann (1827-1906) Grabsteine [122a und b] für Leopold Loeb (1854-1930) mit Gedenkinschrift für Emma Loeb geb. Löwenstein (1861-1944, beigesetzt in USA, [122a]) sowie für Max Löwenstein (1860-1925) und Johanna Grünewald geb. Löwenstein (1853-1925, [122b]): zunächst im jüdischen Friedhofsteil "Auf Löhborn" beigesetzt, 1935 zwangsweise umgebettet.
   
Bad Sobernheim Friedhof 174.jpg (117140 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 176.jpg (106567 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 177.jpg (124068 Byte)
Grabstein [Nr. 119] für Julius Wolf (Jehuda bar Chaim (1908-1933)  Grabstein [Nr. 115] für Isaac Wolf (1850-1926) mit Gedenkinschrift für Berta Wolf geb. Oppenheimer sowie Tochter Paula Salm und Ehemann Gustav Salm, alle ermordet in Auschwitz Grabstein [Nr. 112] für Max Bergheim (1869-1922); Ehefrau Rosa geb. Schwimmer wurde 1942 deportiert
Bad Sobernheim Friedhof 179.jpg (111224 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 178.jpg (110060 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 175.jpg (94871 Byte)
Grabstein [Nr. 100] für Klara Marum geb. Siegel (1863-1909) und Gedenkinschrift für Heinrich Marum (1848, deportiert 1942 nach Theresienstadt). Grabplatten [Nr. 111] für Thekla Neuschüler geb. Herz (1875-1930) und Ehemann Otto Neuschüler (1871-1921) sowie für Ferdinand Herz (1844-1921) Grabplatte [Nr. 114] für Kurt Metzer (1898-1924, gestorben an Kriegsleiden, Platte vor wenigen Jahren erneuert)
     
Das Mahnmal von 1950 Bad Sobernheim Friedhof 156.jpg (102157 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 156a.jpg (92026 Byte)
Das Mahnmal wurde am 15. Oktober 1950 eingeweiht Die im 1. Weltkrieg aus Bad Sobernheim gefallenen jüdischen Männer
Bad Sobernheim Friedhof 154.jpg (103979 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 156b.jpg (73762 Byte)
Hinweistafel mit dem Text: "Zur Erinnerung. Diese Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges wurde während der Synagogenzerstörung in Bad Sobernheim im Verlauf der Reichspogromnacht am 09. November 1938 von den Nationalsozialisten zerschlagen. Die Tafel wurde von Herrn Alfred Marum in Sicherheit gebracht, wieder zusammengesetzt und am 15. Oktober 1950 an diesem Denkmal auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Sobernheim, im zerbrochenen Zustand befestigt. Die Jüdische Kultusgemeinde für die Kreise Bad Kreuznach und Birkenfeld hat die beschädigte Tafel durch eine originalgetreue Neuanfertigung im Januar 2005 ersetzt." Gedenken an die in der NS-Zeit umgekommenen Personen aus Bad Sobernheim
 
 
 
   
Der Friedhofsteil mit den Monzinger Grabsteinen -
Die Grabsteine kamen im frühen Herbst 1938 von dem damals zwangsweise geräumten Monzinger Friedhof
Bad Sobernheim Friedhof 150.jpg (121656 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 152a.jpg (103269 Byte)
Das obere Eingangstor, das zum Bereich mit den Monzinger Grabsteinen führt Grabsteine für Barbara (Bertha) Ullmann (1857-1923) und Babette Kronenberger geb. Mayer (1830-1907) [Dok. 81-82]
 
Bad Sobernheim Friedhof 153.jpg (122805 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 152.jpg (132103 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 151.jpg (127487 Byte)
Grabsteine [78-80 von links nach rechts] für Ferdinand Ullmann (1871-1907, [78], Johanna Mayer geb. Süß (gest. 1900, [79a]) und Jacob Mayer (1832-1896, [79b]), Angelius Fried (?, gest. 1913, [80]) Grabsteine [Dok. 81-84 von links nach rechts] für (81-82 siehe oben rechts): Michael Ullmann (1820-1905, [83]) und Henriette Ullmann geb. Herz (1822-1888, [84]) Grabsteine [Dok. 85-90 von links nach rechts] für: 85-86 unlesbar, Esther gen. Klara Fried geb. Meyer (1819-1863, [87]), Salomon Fried (1809-1889, [88]), Eva Ullmann geb. Roos (gest. 1853, [89] und Hedwig Ullmann (?, gest. 1896, [90])
     
     
Grabsteinfragmente, ausgestellt in der ehemaligen Synagoge Sobernheim Synagoge 112.jpg (50209 Byte) Sobernheim Synagoge 105.jpg (45484 Byte)
Immer wieder fanden sich in den vergangenen Jahren Fragmente von Grabsteinen oder ganze Grabsteine, die auf Grund der Zerstörungen in der NS-Zeit auch nach 1945 zunächst nicht entdeckt worden waren.

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Sobernheim    
Seite zur jüdischen Geschichte und zur Synagoge in Bad Sobernheim (interner Link)

Literatur:      

Maren Heyne: Stille Gärten - beredte Steine. Jüdische Friedhöfe im Rheinland. Bonn 1994 S. 132-133.
Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995. 427-456. 
 

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 06. Juli 2008