Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Monzingen (Kreis Bad Kreuznach) 
Jüdischer Friedhof 

(Die Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Gudrun Serke, Monzingen 

Eingestellt in 2013:           
Monzingen Lit 2013Tit.jpg (89648 Byte) Beitrag von Gudrun Serke "Über die jüdische Gemeinde in Monzingen", 42 S., Monzingen 2013, pdf-Datei 
(letzte Aktualisierung: November 2013)   

  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
   
Siehe Seite zur jüdischen Geschichte in Monzingen (interner Link) 
 
  

Zur Geschichte des Friedhofes     
   
In Monzingen bestand ein jüdischer Friedhof außerhalb der alten Stadtmauer. Es ist nicht bekannt, wann er angelegt worden ist. Im Flurbuch XIV (Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 441/553; Kat. 730/553), dem ältesten Plan der Gemeinde Monzingen von 1830, ist der Friedhof eingezeichnet. Die auf dem Friedhof in Sobernheim erhaltenen Grabsteine des Friedhofes sind aus den Jahren 1853 bis 1913.
  
Der Friedhof musste 1938 auf Befehl der Nationalsozialisten aufgelöst und eingeebnet werden. Die Grabsteine wurden im frühen Herbst 1938 auf den Friedhof Bad Sobernheim überführt und dort aufgestellt. 
   
Dokumentation s. Lit. S. 431: "Der letzten Jüdin von Monzingen, Frau Jettchen Ullmann (geb. 1856), hatte ein hoher Parteifunktionär damit gedroht, dafür zu sorgen, dass auf dem Gelände des jüdischen Friedhofes ein HJ-Heim gebaut würde. Die hochbetagte Frau gab nun nicht eher Ruhe, bis sie erreicht hatte, dass der Friedhof nicht in die Hand der Partei kam, sondern von einem Anlieger als Baugelände für ein Sägegatter gekauft werden konnte. Die Steine wurden von Arbeitern der Firma Marum, die damals noch im Eigentum von Alfred Marum, des letzten Vorstehers der Jüdischen Gemeinde in Sobernheim war, nach Sobernheim gefahren und hier zum überwiegenden Teil in einer Linie aufgestellt. Gleichzeitig fanden noch einige Umbettungen statt, darunter auch die des schon 1907 verstorbenen Ferdinand Ullmann, Ehemann von Jettchen Ullmann."
   
Ältere Einwohner in Monzingen erinnern sich (Information von Gudrun Serke - erhalten am 20.4.2012): Der Friedhof befand sich im Südwesten der Ortes, direkt außerhalb der Stadtmauer. Noch Ende der 1940er-Jahre lagen dort trotz der Nutzung durch das Sägewerk noch Teile des Eingangsmauerwerks umher. 
 
Der Lagerplatz des Sägewerks, der auf dem Friedhofsgrundstück angelegt wurde, besteht schon einige Jahre nicht mehr. Inzwischen stehen an der Stelle drei Garagen. 
 

Aus den Gemeinderatsprotokollen von Monzingen (mitgeteilt von Gudrun Serke)  
Mitteilungen, den jüdischen Friedhof und jüdische Angelegenheiten betreffend: 
- 21. November 1879: Der Gemeinderat bewilligt, dass die Kosten der Nummerierung der Gräber auf dem hiesigen jüdischen Begräbnisplatze auf die Gemeindekasse übernommen werden.
- 14. Dezember 1901: Wegen der Collision des Pfingstmarktes im Jahre 1903 mit dem am 1. und 2. Juni stattfindenden jüdischen Paßahfest beschließt der Gemeinderat, den Pfingstmarkt im Jahr 1903 auf den 4. Juni zu verlegen.
- 1901 (Chronik der Bürgermeisterei): Für die neue Verkehrsstraße war zunächst nur Land am israelitischen Kirchhof entlang bis zu dem Bache herführenden Weg angekauft worden. 
- 5. Juni 1906: unter 2) Herstellung einer Ausfahrt an der Gemeindeparzelle am Judenfriedhof
Dem Peter Loch wird gestattet, sich an seinem Besitztum eine Ausfahrt herzustellen und das angrenzende Gemeindeeigentum für die Ausfahrt zu benutzen. Loch hat hierfür eine jährliche Rekognitionsgebühr von 1 M (zu) zahlen und muss sich verpflichten, den vorbeifließenden Straßengraben stets in sauberem Zustande zu erhalten. Irgendwelche Gegenstände dürfen auf dem Gemeindeeigentum nicht gelagert werden. 
Mit dem genannten Peter Loch sollen weitere Verhandlungen gepflogen werden. 
(Randbemerkung: vgl. Beschluss vom 14.6.06 )
- 14. Juni 1906: unter 2) Verkauf von Gemeindeland am Judenkirchhof
Dem Ackerer Peter Loch wird der hinter seinem Hause – am Judenkirchhof gelegene 0,43 ar große Streifen Gemeindeland unter der Bedingung kostenlos überlassen, dass Loch als Entschädigung an die Gemeinde einen gleich großen Streifen von seinem neben dem Kirchhof gelegenen Garten kostenlos abgibt und sich verpflichtet, die an seinem Besitztum vorbeiführende Straßenrinne stets in sauberem Zustande zu erhalten.
Die Kosten der Vermessung und der Fortschreibung trägt Loch.
Der in das Eigentum der Gemeinde übergehende Teil des Loch’schen Gartens wird dem Genannten solange verpachtet, bis die Gemeinde das Land zu irgend einem Zwecke benötigt. Das Pachtverhältnis kann zu jeder Zeit gelöst werden.
- 26. März 1921: Beschäftigung arbeitsloser Arbeiter der Firma Herold mit Notstandsarbeiten
Die Gemeindevertretung ist mit der Beschäftigung der erwerbslosen Arbeiter bei folgenden Gemeindearbeiten einverstanden:
1) Pflege der Bäume an der Kreisstraße
2) Aufräumung des Bachbettes vom Juden-Kirchhof bis zur Herold’schen Fabrik
3) Festendsetzung des Weges nach Merxheim
4) Festendsetzung des Weges in Okes und am Kirchhof
- 1. April 1921: unter 7) Bezeichnung von Baugelände zu Wohnungsbauten
Zur Errichtung von Wohnungsbauten wird das Gelände jenseits des Gäulsbaches vom Judenkirchhof ab bis zur Herold’schen Fabrik bezeichnet.  
 
Aus Dokumenten im Archiv Koblenz (mitgeteilt von Gudrun Serke)  
(Berichte über den Zustand der Friedhöfe im Amt Monzingen, die von einer Sanitätskommission zu erstellen waren) 
27. Juni 1910 über den jüdischen Friedhof: Der Begräbnisplatz ist eingefriedet mit einem Lattenzaun und einer gepflegten Weißdorn-Hecke 
31. Oktober 1922 über den jüdischen Friedhof: Der Begräbnisplatz ist eingefriedet mit einer lebenden Hecke. Das eiserne Tor ist gut verschließbar.   

       
       
       
       
Lage des Friedhofes     
    
außerhalb der alten Stadtmauer des "Niederviertels" im Südwesten der Stadt     
     
     
Fotos / Pläne   
(Fotos der Grabsteine in Bad Sobernheim: Hahn, Aufnahmedatum 27.6.2008)  

Pläne des historischen Monzingen 
(Quelle: "1200 Jahre Monzingen".
 Heimatkundliche Schriftenreihe des
 Landkreises Bad Kreuznach;
Website der Stadt Monzingen: 
Historischer Ortsrundgang, pdf-Datei;
 Verwendung mit Genehmigung der
 Gemeindeverwaltung Monzingen) 
Monzingen Plan 120.jpg (180169 Byte)  Monzingen Plan M 1830.jpg (157585 Byte)
  Der Friedhof ist außerhalb der Stadtmauer
 des "Niederviertels" im Südwesten der
 Stadt eingetragen 
 Oben: Plan von 1830 mit 
Eintragung des jüdischen und 
allgemeinen Friedhofes 
        
 Historische Ansicht von Monzingen
 (Quelle: Foto eines
 Gemäldes im Rathaus Monzingen von 
Irene Gellweiler)
Monzingen 026.jpg (23557 Byte)
Gemälde von Monzingen aus dem 
Jahr 1875 (im Rathaus Monzingen)  
       
Ansicht von Menzingen mit dem 
jüdischen Friedhof (1917)  
Monzingen Friedhof AK h020.jpg (274496 Byte) Monzingen Friedhof AK h020a.jpg (140694 Byte)
  Auf dem Friedhof (Ausschnittvergrößerung rechts) sind noch Grabsteine erkennbar 
     
1942: der Friedhof ist abgeräumt; 
das Grundstück wird jedoch noch 
nicht als Lagerplatz des Sägewerkes
 verwendet 
Monzingen Friedhof 210.jpg (163342 Byte) Monzingen Friedhof 210a.jpg (64351 Byte)
   Blick auf das Grundstück des Friedhofes; 
der kleine Junge sitzt mitten im Friedhof 
Das frühere Eingangstor 
zum Friedhof 
           
Zwei historische Ansichtskarten 
von Monzingen (nach 1945) 
Monzingen PK 120.jpg (273490 Byte) Monzingen PK 120a.jpg (82145 Byte)
  Blick auf Monzingen: der jüdische Friedhof ist Lagerplatz für Holzstämme des Sägewerkes
(die Karte in höherer Auflösung)  
       
   Monzingen PK 121.jpg (326614 Byte) Monzingen PK 121a.jpg (102168 Byte)
   Beschreibung wie oben (die Karte in höherer Auflösung
       
Das Friedhofsgrundstück 
in der Gegenwart 

(Fotos: Gudrun Serke) 
Monzingen Friedhof 210.jpg (211257 Byte) Monzingen Friedhof 211.jpg (221183 Byte)
   Im Bereich des früheren Lagerplatzes des Sägewerkes stehen heute Garagen
               
              
Die Monzinger Grabsteine im 
jüdischen Friedhof Bad Sobernheim
Bad Sobernheim Friedhof 150.jpg (121656 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 152a.jpg (103269 Byte)
      Das obere Eingangstor des Friedhofes 
in Bad Sobernheim, das zum Bereich 
mit den Monzinger Grabsteinen führt 
Grabsteine für Barbara (Bertha) Ullmann
 (1857-1923) und Babette Kronenberger
 geb. Mayer (1830-1907) [Dok. 81-82]
           
Bad Sobernheim Friedhof 153.jpg (122805 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 152.jpg (132103 Byte) Bad Sobernheim Friedhof 151.jpg (127487 Byte)
Grabsteine [78-80 von links nach rechts]
 für Ferdinand Ullmann (1871-1907, [78],
 Johanna Mayer geb. Süß (gest. 1900,
 [79a]) und Jacob Mayer (1832-1896,
 [79b]), Angelius Fried (?, 
gest. 1913, [80])
Grabsteine [Dok. 81-84 von links nach 
rechts] für (81-82 siehe oben rechts): 
Michael Ullmann (1820-1905, [83]) 
und Henriette Ullmann geb. Herz 
(1822-1888, [84])
  
Grabsteine [Dok. 85-90 von links nach rechts]
 für: 85-86 unlesbar, Esther gen. Klara Fried
 geb. Meyer (1819-1863, [87]), Salomon Fried
 (1809-1889, [88]), Eva Ullmann geb. Roos
 (gest. 1853, [89] und Hedwig Ullmann 
(?, gest. 1896, [90])
         

    
     

Links und Literatur   

Links:   

Website der Stadt Monzingen      
Website der VG Bad Sobernheim  

Literatur:        

Maren Heyne: Stille Gärten - beredte Steine. Jüdische Friedhöfe im Rheinland. Bonn 1994 S. 132-133. 
Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995. S. 431-456 (innerhalb des Abschnittes zu Bad Sobernheim). 
Gudrun Serke: Der jüdische Friedhof in Monzingen. Als pdf-Datei 2013 eingestellt.  
dies.: Die jüdische Gemeinde Monzingen. Als pdf-Datei 2013 eingestellt.     
  

     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. November 2013