Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ottweiler (Kreis Neunkirchen) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

Übersicht:

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Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
    
In Ottweiler bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1723 Juden am Ort genannt. Nachdem 1776 in Saarbrücken keine jüdischen Familien mehr zuziehen durften, zogen einige weitere in Ottweiler zu, sodass sich bis 1786 inzwischen neun jüdische Familien niedergelassen hatten. Mehrere von ihnen waren in Illingen zugezogen. 
   
Weitere Zahlen liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: von 86 jüdischen Einwohnern 1808 stieg die Zahl auf 155 im Jahre 1833 (relativ höchste Zahl = 6,5 % der Stadtbevölkerung) und auf eine Höchstzahl von 170 im Jahre 1843 (von insgesamt 2.963 Personen). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung relativ schnell zurück (Prozess der Industrialisierung im Saarland, Konzentration auf bestimmte Städte), sodass 1895 nur noch 55 jüdische Einwohner gezählt wurden. 
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische Schule und seit 1842 einen eigenen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Prägende Gestalt des jüdischen Gemeindelebens im 19. Jahrhundert war Lehrer Samuel Levy, der 1875 sein 50-jähriges Amtsjubiläum in Ottweiler feiern konnte (siehe Bericht unten). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Trier.
   
Um 1925
, als noch 55 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,8 % von insgesamt etwa 7.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Leo Salomon, Julius Michels, Hugo Salm. Vorsteher der Repräsentanz was Salomon Salm. Als Religionslehrer für die jüdischen Kinder kam Lehrer Willi Jonas aus Illingen nach Ottweiler. An jüdischen Vereinen bestand u.a. der Jüdische Frauenverein. 
    
1933
lebten 70 jüdische Personen in Ottweiler. Von ihnen ist nach 1935 etwa die Hälfte in die USA, nach Palästina oder Frankreich ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden nach der Zerstörung der Synagoge (s.u.) die jüdischen Männer von der örtlichen SA verhaftet und nach Saarbrücken ins Gefängnis verbracht. Die jüngeren kamen von hier aus in das KZ Dachau. Im Oktober 1940 sind die in Ottweiler noch lebenden 13 jüdischen Einwohner nach Gurs/Südfrankreich deportiert worden. 
   
Von den in Ottweiler geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Barth geb. Schwarz (1874), Heinrich Barth (1878), Anna Becker geb. Levy (1862), Hugo Bonem (1884), Alfred Buxbaum (1869), Alfred Cahn (1881), Edith Cahn (1922), Gertrud Cahn geb. Grünebaum (1888), Marianne Cahn (1924), Oskar Zacharias Coblentz (1868), Alma Groenheijm geb. Hermann (1896), Karoline Herrmann geb. Wolf (1861), Myrtel Herrmann (1896), August Lang (1869), Julius Lang (1871), Karl Mai (1898), Horst Marx (1898), Rosa Marx geb. Salomon (1897), Babette Mayer geb. Kahn (1857), Delfine Meyer (1875), Arthur Salm (1895), Emilie Salm geb. Michel (1889), Friedrich (Fritz) Salm (1915), Ilse Salm (1917), Kurt Salm (1923), Else (Elsa) Salomon (1896), Lion Salomon (1869), Max Salm (1883), Margarete (Grete) Schönfeld geb. Katz (1909), Mathilde Straß geb. Lang (1875), Karl Westheimer (1880), Elisabeth (Elisa) Willner geb. Albert (1873), Eugenie Willner geb. Albert (1871). 
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 / 1886 / 1889 / 1892  

Ottweiler Israelit 22101879.jpg (42394 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1879: "Die hiesige israelitische Elementarlehrerstelle, verbunden mit dem Vorsängerdienst, ist vakant und soll sofort wieder besetzt werden. Das Gehalt beträgt Mark 1.000 bis 1.100 nebst freier Wohnung. Tüchtige Bewerber wollen sich gefälligst sofort unter Beifügung von Kopien ihrer Zeugnisse an Unterzeichneten werden. 
Ottweiler (Regierungsbezirk Trier), 15. Oktober 1879. A. Buxbaum, Vorstand."
 
Ottweiler Israelit 13121886.jpg (38113 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1886: "Die hiesige Stelle eines Elementarlehrers, Chasan und Schochet ist per 1. Januar 1887 zu besetzen. Fester Gehalt 300 Mark, Schechita circa 300 Mark, freie Wohnung und Heizung. 
Ottweiler, im Dezember 1886. Der Vorstand A. Albert."
 
Ottweiler Israelit 21101889.jpg (47685 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1889: "Inserat. Die Gemeinde Ottweiler (Regierungsbezirk Tier) sucht per 1. Januar 1890 einen geprüften Elementarlehrer, Chasan und Schochet. Gehalt Mark 640, Schechita Mark 160 Garantie bei freier Wohnung. 
Reflektanten wollen unter Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit sich wenden an den Vorstand Isaac Haas."
 
Ottweiler Israelit 11011892.jpg (42638 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1892: "Die hiesige Elementarlehrer-, Chasan- und Schochet-Stelle ist vom 15. Januar respektive 1. Februar 1892 zu besetzen. Gehalt Mark 600 und Schechita ca. Mark 200 bei freier Wohnung und Heizung. Unverheiratete Bewerber wollen sich melden bei dem Vorstand 
Isaac Haas
, Ottweiler (Rhein-Nahe-Bahn)." 
 
Ottweiler Israelit 12051892.jpg (51460 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1892: "Die hiesige Elementarlehrerstelle, verbunden mit Chasan und Schochet ist per sofort zu besetzen an einen verheirateten Lehrer. Gehalt Fixum Mark 750. Schechita und Nebeneinkommen Garantie Mark 200 bei freier Wohnung und Heizung. Kostgeld beträgt pro Tag Mark 1. Offerten sind zu richten an 
Isaac Haas, Ottweiler (Regierungsbezirk Trier)."

   
Schwierigkeiten auf dem Weg zur rechtlichen Gleichstellung: der jüdische Lehrer Samuel  Levy wird auf Grund behördlicher Einsprüche nicht als gleichwertiger Lehrer in der Schule anerkannt (1862)  

Ottweiler AZJ 11021862.jpg (135031 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1862: "Ottweiler, 30. Januar. Ich übersende Ihnen die No. 15 der 'St. Johannes Zeitung' vom 17. Januar, wo folgender Artikel wörtlich zu lesen: 'Einen weiteren Beitrag zu dem oft ausgesprochenen Satze, dass unsere Verfassung nur 'ein Blatt Papier' und die darin gewährte Religionsfreiheit eben nur eine auf diesem Blatte stehende Phrase ist, dürfte Nachstehendes liefern. An der im vorigen Jahre hier gegründeten höheren Bürgerschule erteilt der Herr Pastor Hansen unentgeltlich den katholischen Religionsunterricht und hat dafür Sitz und Stimme im Lehrerkollegium, eine Tatsache, die gewiss jeder billig Denkende für angemessen halten wird. Die Schule wird indessen von vielen Israeliten besucht, zu deren unentgeltlichem Religionsunterricht der jüdische Lehrer Herr Levy sich erboten hatte, wenn ihm, wie dem Religionslehrer der Katholiken, dafür die Mitgliedschaft des Lehrerkollegiums werde. Das Kuratorium der Schule fand dies ganz angemessen und akzeptierte 'mit Dank' das Anerbieten des Herrn Levy. Inzwischen trifft nun eine Verfügung der Königlichen Regierung zur Trier ein, welche, sich auf ein Reskript der Ministers von Bethmann-Hollweg vom Jahre 1859 beziehend, es untersagt, dass der jüdische Religionsunterricht in den Lektionsplan aufgenommen werde, indem die öffentlichen höheren Unterrichtsanstalten nur für den Religionsunterricht der beiden christlichen Konfessionen, nicht aber für den anderer Religionsgesellschaft zu sorgen hätten. Das vordem 'mit Dank' akzeptierte Anerbieten wird sonach nun 'mit Dank' wieder abgelehnt und die Juden können zusehen, woher sie Religionsunterricht bekommen. Nun existiert aber eine Verfügung desselben Mitgliedes des so genannten liberalen Ministeriums von demselben Jahre 1859, in welcher angeordnet ist, dass diejenigen Dissidenten, und als solche werden ja die Juden angesehen, welche einen ordnungsmäßigen Religionsunterricht nicht nachweisen können, zum Besuche des Religionsunterrichtes einer der bei-   
Ottweiler AZJ 11021862a.jpg (167264 Byte)den christlichen Konfessionen angehalten werden müssen. Wenn nun, wie zu erwarten steht, der Herr Levy den fraglichen, in Zukunft also privatim zu erteilenden Religionsunterricht ablehnt, so werden wir vermutlich nächstens erleben, dass die jüdischen Schüler, wenn sie nicht in Schulstrafen fallen wollen, dem christlichen Religionsunterricht beiwohnen müssen. Wie geeignet ein solches Verfahren ist, für Preußen, für den Staat der Intelligenz, Sympathien zu erwecken und moralische Eroberungen zu machen, leuchtet sicherlich Jedem ein und mancher Nichtpreuße mag dabei denken: ex ungue leonem (gemeint: aus einem Teil auf das Ganze schließen).'
Es wird interessieren, den Wortlaut des Reskriptes der Königlichen Regierung zu Trier zu lesen. Hier folgt er: Sie haben unterm 26. Oktober c. No. 5472 uns den Beschluss des Kuratoriums der dortigen höheren Bürgerschule von selbigem Tage vorgelegt, nach welchem das Anerbieten des jüdischen Lehrers Levy, den Knaben mosaischer Religion den Religionsunterricht unentgeltlich erteilen zu wollen, bestens akzeptiert wird, und die Genehmigung desselben beantragen. Wir eröffnen Ihnen darauf, dass dem Nichts entgegensteht, dass Herr Levy den israelitischen Schülern den fraglichen Unterricht erteilt, auch nicht, dass dieser Unterricht im Schullokale erteilt wird. Müssen aber doch darauf aufmerksam machen, dass der in den Lektionsplan der öffentlichen höheren Unterrichtsanstalten aufzunehmende, und rücksichtlich der Verpflichtung zur Teilnahme an demselben den übrigen Lehrgegenständen gleichstehende Religionsunterricht für die Schüler der beiden christlichen Konfessionen beschränkt bleiben muss, und nicht auf den Religionsunterricht solcher Schüler ausgedehnt werden darf, welche anderen Religionsgesellschaft angehören. Dennoch darf auch im vorliegenden Falle der von dem Herrn Levy zu erteilende Religionsunterricht nicht in den Lektionsplan aufgenommen werden, und muss die Teilnahme an demselben der Bestimmung der Eltern der betreffenden Schüler anheim gestellt werden. Zu Ihrer näheren Instruktion verweisen wir auf das Reskript des Herrn Unterrichtsministers vom 5. mai 1851 im Centralblatt für die gesamt Unterrichtsverwaltung in Preußen, Jahrgang 1859 pag. 334. Trier, den 10. Dezember 1861. Königliche Regierung, Abteilung des Inneren, gez. Von Gärtner. An den Königlichen Landrat Herrn von Schlechtendal, Hochwohlgeboren zu Ottweiler I. S. V. 5623.
Ottweiler AZJ 11021862b.jpg (149497 Byte)Abschrift vorstehender Regierungsverfügung erhalten Euer Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnisnahme und Bachtung. Ottweiler, den 10. Januar 1862. Der Königliche Landrat. Gez. Von Schlechtendal. An den Rektor der höheren Bürgerschule Herr Dr. von Cölln. Hochwohlgeboren hier. No. 165 pr. Couvert des Herrn Bürgermeisters Weiand. Euer Wohlgeboren teile ich hierdurch eine Verfügung der Königlichen Regierung zu Trier vom 10. Dezember vorigen Jahres mit. Nach diesem Reskript hören Sie sonach auf, Lehrer der höheren Bürgerschule zu sein, sowie auch meine Befügnis, die Schüler israelitischer Konfession zum Besuche Ihrer Religionsstunden anzuhalten, erlischt. Ingleich kann in Zukunft auf dem Zeugnisse der betreffenden Schüler die Zensur für Religion nur mit dem Worte 'vacat' ausgefüllt werden. Ottweiler, den 13. Januar 1862. Der Rektor der höheren Bürgerschule gez. Dr. E. von Cölln. An Herrn Lehrer Levy Wohlgeb. Hier.
(Dieser Vorgang überrascht uns nicht. Er ist eine Konsequenz des in Preußen von jeher dem Judentume gegenüber herrschenden Systems, das durch die 'neue Ära' ebenso wenig wie durch die Verfassung alteriert worden ist. Es ist ferner ein Zeugnis, wie ungerechterweise man in Preußen gegen die Zentralisation in Frankreich deklamiert, da sie in Preußen nicht minder vorhanden, und man von Berlin aus bald dem Magistrat einer Stadt im östlichen Teile des Staates verbietet, einen Juden als Fachlehrer anzustellen, bald einem Schulkollegium an der südwestlichen Spitze, den Religionsunterricht der jüdischen Schüler in die Zensur mit aufzunehmen!! Übrigens muss es immer als eine beachtenswerte Erscheinung hervorgehoben werden, dass man für notwendig hält, die christlichen Kinder zum Religionsunterrichte zu zwingen, die jüdischen Kinder nicht – können wir dies nicht als Zeugnis für uns und unsere Religion ansehen? – Aus Allem geht aber hervor, wie notwendig es ist, bei der Beartung des Unterrichtsgesetzes auch unsere Stimme vernehmen zu lassen. Dass vom Entwurfe selbst die jüdische Schule und Jugend nicht viel zu erwarten habe, lässt sich voraussetzen. Die Redaktion).

  
Weiterer Artikel zur genannten Problematik

Ottweiler AZJ 18021862.jpg (105489 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1862: "Ottweiler, im Februar. Der in voriger Nummer mitgeteilte, den Vorgang an hiesiger Schule betreffende Artikel aus der 'St. Johannes Zeitung' hat eine Erwiderung des Landrats von Schlechtendahl in No. 23 hervorgerufen, die allerdings nur enthält, was bereits bekannt ist, jenen Artikel einen gehässigen nennt und die Voraussetzung ausspricht, dass der jüdische Religionslehrer (trotz der erlittenen Zurücksetzung) den Religionsunterricht unentgeltlich zu geben fortfahren werde. Der Verfasser des erstgenannten Artikels, beiläufig bemerkt, kein Jude, ließ diese Erwiderung nicht ohne Antwort, die wir in No. 25 der 'St. Johannes Zeitung' lesen. Er widerlegt hier die Auslassungen des Herrn Landrats und kommt dann auf den bekannten Vorgang in Posen, worüber er sich folgendermaßen auslässt: 'Der Herr Minister hat 'hat dem allmächtigen Gott' geschworen, die Verfassung treu und unverbrüchlich zu halten. Ein wesentlicher Punkt derselben ist aber Art. 12. Dieser lautet: Die Ausübung der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. 'Vertrauend auf jenen Eid ging nur der Jude hin und studierte, um einst Lehrer zu werden. Sein kleines väterliches Erbteil wurde dazu verwandt – aber er tat es gern, wusste er doch, dass es Früchte tragen wurde, wenn er fleißig sei. Er war fleißig, er bestand sein Oberlehrer-Examen und hatte durch dies Bestehen ein Recht auf Anstellung erhalten. Da wählte ihn der Posener Magistrat zum Lehrer an die Realschule. Nun bringt sein
Ottweiler AZJ 18021862a.jpg (103276 Byte)Fleiß die ersehnte Frucht, nun kann er die alte Mutter unterstützen, die ihrem Erstgeborenen bis hierher so treu geholfen hatte. Er ist gewählt – bestätigt muss er ja werden, er hat ja sein Examen so gut bestanden, und dass er Jude ist, das schadet nichts, denn die Verfassung, die der Minister mit heiligem Eide beschworen, die steht ihm ja schützend zur Seite! Armer Betrogener! Was hast Du Dir unter Eid gedacht? Was unter Verfassung? Du bist ein Jude, und der Herr Minister bestätigt Dich nicht, weil Du ein Jude bist. Gehe hin und traure, traure mit uns um das verlorene Vaterland.
Dieses nämlichen Ministers Verordnungen sucht der Herr Landrat so warm zu verteidigen; er sagt, unsere Notiz sei in 'möglichst gehässiger' Weise abgefasst.
Haec alii sex Et plures uno conclamantore Juvénal Satura VII 166.
In No. 26 folgt noch eine andere Erwiderung, welche insonders das Prinzip betont, für die Kinder der christlichen Konfessionen den Religionsunterricht obligatorisch zu machen, die jüdischen Kinder davon zu befreien, was der Verfasser unter den obwaltenden Umständen nicht für eine 'Freiheit', sondern für eine 'Vogelfreiheit' ansieht. – Schwerlich wird dieser Kampf eine unmittelbare Einwirkung üben, aber gut ist es doch, dass an allen Enden des preußischen Staates die Widersprüche aufgedeckt werden, in welche man in Preußen geraten ist, und deshalb verdienen alle die ehrlichen und freimütigen Kämpfer Anerkennung und Dank."

 
50jähriges Amtsjubiläum und 70. Geburtstag von Lehrer Samuel Levy (1875)

Ottweiler AZJ 18051875.jpg (59826 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Mai 1875: "Köln, den 7. Mai 1875. Am 5. dieses Monats feierte Herr Lehrer Samuel Levy in Ottweiler sein 50jähriges Amtsjubiläum und zugleich seinen 70. Geburtstag. Am Vorabend fand ein Fackelzug und Serenade seitens der dortigen 'Liedertafel' statt; der Jubilar hielt eine halbstündige Ansprache, worin er die Toleranz der Bewohner Ottweiler's betonte, und auch über die Lehren des Judentums sprach, das die Grundsätze zuerst der Welt verkündete: 'Haben wir nicht Alle einen Vater usw.'
Am Festtage selbst wurden ihm bedeutende, sinnige und wertvolle Geschenke von seinen Kindern, Verwandten, von seiner Gemeinde, von seinen früheren und jetzigen Schülern und seinen zahlreichen Freunden überreicht, unter anderem ein neuer Talar, ein großer und kleinere Pokale, ein ausgezeichneter Stock (Symbol des Lehrerstandes), Uhr, Sofa, silberne Dosen, gestickte Kissen, kostbare Teppiche, Vasen usw. usw."
Ottweiler AZJ 18051875a.jpg (229377 Byte)Der Kreissekretär Herr Wolf überreichte ihm im Auftrage des Landrats den von Seiner Majestät ihm verliehenen Hohenzoller'schen Hausorden mit dem Wunsche, dass er ihn noch lange in Gesundheit und Rüstigkeit tragen möge. Der Kreis-Schulinspektor, Herr Pfarrer Tiehn aus Neunkirchen, wünschte dem greisen Lehrer Glück und pries seine Verdienste um Schule und Synagoge, sich zugleich entschuldigend, dass er amtlich verhinderte wäre, m Feste weiter teilzunehmen. Hierauf Gratulationen von den städtischen Behörden, der Direktion des dortigen evangelischen Lehrerseminars, der evangelischen Geistlichkeit und von den Bürgern. Der Festgottesdienst begann um ½ 10 Uhr vormittags. Der Synagogenchor trug einen Choral vor. Die Festrede hielt Herr Landrabbiner Goldmann aus Birkenfeld, da Herr Oberrabbiner Kahn aus Trier durch Krankheit verhindert war zu erscheinen. Zuerst gab er seinem Danke gegen Gott Ausdruck, dass er den Jubilar diesen Tag hat erreichen lassen. Dann schilderte er die Verdienste des Letzteren, indem er seinem Rede den Psalmvers: (hebräisch und deutsch) 'Wer ist der Mann, der Gott fürchtet, dem zeigt Er den Weg, den man wählen soll.' Diesem Manne zeigte Gott den Weg, den man wählen soll, in der Schule, in der Synagoge und im Leben. Er trug auch das Unangenehme, 'die Nacht des Unglücks', das ihm das Leben bot, mit Geduld. Die Rede war einfach, fand aber wohlverdienten Beifall. Der gewaltige Chorgesang 'Gebet Gott die Ehre' und ein Gebet für den Kaiser, schloss die erhebende Feier. Das Festessen fand in einem geräumigen Saale statt. Ungefähr 140 Personen nahmen daran teil. Die Kreis-, Stadt- und Schulbehörden, jüdische und christliche Kollegen aus der ganzen Umgegend, viele seiner früheren Schüler, die zum Teil aus weiter Ferne hierher gereist waren, seine Verwandten, seine Freunde und die Bewohner Ottweilers ohne Unterschied der Konfession. Den ersten Toast brachte der Herr Kreissekretär auf Seine Majestät den Kaiser. Den zweiten Herr Schulinspektor Zimmermann, evangelischer Pfarrer in Wiebelskirchen, im Auftrage des oben erwähnten Kreis-Schulinspektors dem Jubilar. In schönen Worten hob er die Tüchtigkeit des Gefeierten hervor. Darauf wurde durch seinen früheren Schüler, Lehrer Löb in Köln, im Auftrage des sich überhaupt sehr verdient gemachten Festkomitees die Morenu vom Oberrabbiner Kahn, dem tüchtigen Talmudisten, Schmuel Halevi, mit herzlichen Worten überreicht. Der neu kreierte Rabbiner sprach interessante und herrliche Worte über das Sonst und Jetzt und gipfelte in einem Toast auf den Kultusminister Falk. Darf noch Toaste auf Behörden, die Stadt, das dortige Seminar, das Festkomitee usw. Auch in gebundener Rede wurde der ehrwürdige Jubilar gefeiert wobei sich besonders Herr Lehrer Sender aus Tholey durch seine trefflichen und launigen Verse auszeichnete. Im Laufe des Tages sind zahlreiche Briefe und an 50 Telegramme aus allen Gegenden eingelaufen. Ich glaube nicht zu viel zu behaupten, wenn ich bemerke, dass wohl noch nie einem jüdischen Lehrer zu Ehren ein solches Fest gefeiert wurde. Dies mag auch meine Ausführlichkeit entschuldigen. Unvergesslich wird es stets allen Anwesenden blieben. Löb."

  
Hinweis auf Lehrer Levi Katz (1876-1953):
Lehrer Levi Katz war vor seinem Wechsel nach Borken Lehrer in Ottweiler
(weitere Informationen zu seiner Person siehe auf der Seite zu Borken)     
  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Ernennung von Dr. B. Levy zum Sanitätsrat (1882)  

Ottweiler Israelit 10051882.jpg (21676 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1882: "Ottweiler, 26. April (1882). Der weithin berühmte Augenoperateur Herr Dr. med. B. Levy von hier ist von Seiner Majestät dem Könige von Preußen zum Sanitätsrat ernannt worden."

  
Auszeichnung für den Studierenden Felix Coblenz aus Ottweiler (1895), später bedeutender Rabbiner und Pädagoge (1863-1923)  

Ottweiler AZJ 04101895.jpg (162502 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1895: "Berlin, 29. September (1895). Unsere Mitteilung, dass der stud.phil. Felix Coblenz aus Ottweiler den Preis der hiesigen theologischen Fakultät gewonnen, geht jetzt erst durch die politischen Zeitungen und zwar mit einigen Bemerkungen, die nicht ganz richtig sind. Es heißt dort, dass Herr Coblenz Lehrer in der Rheinprovinz sei. Tatsächlich ist derselbe jetzt Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und nach Beendigung seiner Studien ist er designiert, Rabbiner der Gemeinde zu Bielefeld zu werden. Die Aufgabe lautete: 'Recht und Schranken der Behauptung, dass als das betende Ich in den Psalmen nicht erst im gottesdienstlichen Gebrauch derselben, sondern schon nach der Absicht der Dichter die israelitische Gemeinde anzusehen sei, sind am exegetischen Tatbestande darzutun.' Hierauf war nur die Arbeit von Coblenz eingegangen, über welche die Fakultät folgendes Urteil fällte: Der Verfasser der mit dem Motto 'Immer strebe zum Ganzen' versehenen Arbeit hat zwar nicht gerade neue Gesichtspunkte für die Lösung der im Thema enthaltenen Frage aufgestellt, aber er hat das vorhandene Material, und zwar sowohl die Quellen als die Literatur über diese, mit großem Fleiß und recht gutem Verständnis durchgearbeitet. Er hat ferner den Stoff im Allgemeinen gut disponiert; die Darstellung ist einfach und klar, und die gewonnenen Ergebnisse sind der Hauptsache nach wohl begründet. Die Fakultät steht daher nicht an, die Arbeit des Preises für würdig zu erklären."
  
Ottweiler Coblenz 010.jpg (59833 Byte)Felix Coblenz ist am 30. Dezember 1863 in Ottweiler geboren (der Vater Emanuel Coblenz war später Rektor der jüdischen Volksschule Köln und Vorstandsmitglied der Vereinigung für das liberale Judentum). Nach dem Schulbesuch in Ottweiler und St. Wendel (Progymnasium) ließ er sich in Münster zum Lehrer ausbilden. Ab 1892 Studium in Berlin (Friedrich-Wilhelm-Universität und Hochschule für die Wissenschaft des Judentums); 1895 Promotion in Zürich. Von 1889 bis 1916 war er als Lehrer und Rabbiner in Bielefeld tätig, danach als Rabbiner der jüdischen Reformgemeinde in Berlin. Er starb am 3. September 1923 in Berlin. 
Hinweis: es besteht ein Wikipedia-Artikel über Felix Coblenz (von hier das Foto) mit einer Zusammenstellung der wichtigsten Werke von Felix Coblenz einschließlich einer Literaturzusammenstellung.     

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Gesellensuche des Schneidermeisters M. Feiner (1900) 

Ottweiler Israelit 28061900.jpg (35797 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1900: "Tüchtiger Schneider-Geselle zu sofortigem Eintritt gesucht. Samstags und Feiertage frei. 
M. Feiner, Schneidermeister, Ottweiler, Bezirk Trier."    
  
Ottweiler Israelit 09081900.jpg (32168 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900: "Schneidergeselle für sofort gesucht. Nur guter Arbeiter wolle sich melden bei M. Feiner, Schneidermeister, Ottweiler, Bezirk Trier."   

      
      
      

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagogen             
    
Bereits Ende des 18. Jahrhundert war vermutlich ein Betsaal vorhanden. Erstmals wird ein solcher jedoch erst 1815 genannt. Zeitweise (bereits nach 1781?) befand sich der Betsaal im Haus Sammetgasse 3. Dieses Haus war seit 1730 das zweite evangelische Pfarrhaus und kam im Dezember 1781 in den Besitz des jüdischen Gemeindegliedes Abraham Israel, seit 1814 für einige Jahre in den Besitz des Abraham Jacob. Dieses Gebäude ist bis heute erhalten.   
   
Im Juli 1803 konnten die jüdischen Gemeindeglieder Aaron Weiler und Aaron Albert einen Altbau an der südöstlichen Ecke des Schlosshofes zum Bau einer Synagoge erwerben. Da die Gemeinde in den folgenden Jahrzehnten stark gewachsen ist, war diese erste Synagoge offenbar nicht mehr groß genug und musste durch einen Neubau ersetzt werden. Die neue Synagoge wurde 1839/40 erstellt und im Spätsommer 1840 eingeweiht. Kurz vor der Fertigstellung des Synagoge erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. August 1840 folgender Bericht:  

Ottweiler AZJ 08081840a.jpg (157899 Byte)"Ottweiler (bei Trier), 14. Juli (1840). Bald werde ich Ihnen mehreres Angenehme von hier mitzuteilen die Ehre haben, denn unsere neue Synagoge ist im Ganzen fertig zu nennen, sie ist zugleich eine Zierde der Stadt. Sobald nun die Subsellien etc. völlig eingerichtet sein werden, bereiten wir uns zum Einweihungsfeste vor.  In Verbindung mit diesem schönen Gebäude stehen auch das Schullokal für die israelitische Jugend und die Wohnung für den Lehrer und Vorsänger. 
Sehr verdient um diesen neuen Bau machte sich unser Lehrer Herr Levy, denn nur durch seine Anstrengung und Beharrlichkeit ließ die Gemeinde sich zu einem solchen Werke bewegen. Hier konnte man auch die Humanität unserer Behörde und christlichen Einwohner wahrnehmen, sie wetteiferten mit den Israeliten in unentgeltlicher Herbeiführung von Holz und Stein und sonstigem Baumaterial zur Synagoge. Es war aber auch nicht anders zu erwarten; denn als hier vor sechs Jahren eine katholische Kirche erbaut wurde, da bestrebten sich ebenso  die Israeliten, es den Christen in unentgeltlicher Herbeischaffung der verschiedenen Baumaterialien zuvorzutun außer den freiwilligen Geldbeiträgen. 
Überhaupt findet man hier ein sehr schönes patriarchalisches Leben bei den Israeliten, Jeder bebaut seinen Acker und selbst die Vermögenderen, welche fünfzig und hundert Morgen Landes bestellen, arbeiten mit eigenen Händen auf dem Felde und in der Scheune gemeinschaftlich mit ihren Dienstboten und Taglöhnern. Von Gehässigkeit zwischen Christen und Juden ist hier keine Spur zu finden, im Gegenteil, man nimmt den lebhaftesten Anteil gegenseitig bei Freuden und Leiden, die christlichen Leichen werden ebenso von den Israeliten, wie die Israelitischen von den Christen begleitet. Dennoch herrscht allenthalben daselbst echte Religiosität, sodass dieses Betragen keineswegs die Folge eine Indifferentismus sein kann. 
Die geistige Bildung ist ebenfalls sehr befriedigend und von der Jugend ist durch die redliche Bemühung und den unermüdlichen Eifer des genannten israelitischen Lehrers noch mehr zu erwarten. Sehr wenige von ihnen werden dem Handel gewidmet, sondern einem Handwerke oder der Ökonomie.
Ottweiler AZJ 08081840b.jpg (79265 Byte)Choralgesang wird gegenwärtig vorbereitet und mit der Einweihung der Synagoge ins Leben treten. Es wird nun Alles darauf ankommen, welchen Rabbinen wir in Trier erhalten werden; denn der letztverstorbene wollte den Choralgesang hier nicht zulassen. Vorigen Sonnabend hielt hier der Rabbinatskandidat Moses Heß von Trier eine Rede über die eherne Schlange nach Anleitung der Mischna. Er gewann alle Herzen, man ist hier begeistert für ihn. Möge uns Gott vor einem Missgriffe bei der Rabbinenwahl bewahren. Als ein Desiderium ist der Mangel eines Begräbnisplatzes für die hiesigen Israeliten zu bezeichnen. Sie müssen ihre Leichen nach dem zwei Stunden von hier entfernten Orte Illingen zur Bestattung bringen, woher ihre Vorfahren im Jahre 1775 einwanderten, obgleich der Gemeindevorsteher Herr J. Coblenz, sowie auch der Schuldirektor Herr S. Albert sich schon erboten haben, einen ihrer Äcker zu diesem Zwecke herzugeben und die Gemeinde bereits zwei und dreißig Familien stark ist. Allein der Aberglaube Einiger verhinderte bis jetzt die Ausführung dieses Projektes." 

Die neue Synagoge war auf demselben Grundstück wie der 1803 erbaute Vorgängerbau erstellt worden. Vermutlich wurden Teile der Außenmauern wiederverwendet. Von der Architektur her war es ein spätklassizistisch geprägter Bau. Den Plan hatte möglicherweise der Ottweiler Baumeister Josef Lerch erstellt. Fast 100 Jahre war die Synagoge in Ottweiler Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt.      
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört. Am frühen Morgen des 10. November erschien der Neunkircher Kreisleiter mit seinem Stab und zwei Gestapobeamten in Ottweiler. Die örtlichen SA-Leute wurden auf den Schlossplatz bestellt. Auf Befehl des Kreisleiters wurde das Innere der Synagoge völlig zerstört. Mit Rücksicht auf eine Polsterei in der Nachbarschaft wurde keine Brandstiftung vorgenommen. Nach den Verhaftungen der jüdischen Männer kam die SA am frühen Nachmittag ein zweites Mal zum Schlossplatz, um der Zerstörungswerk der Synagoge zu vollenden. Dabei wurden die Fenster eingeworfen, die Ziegel des Synagogendaches auf die Straße geworfen, Bänke und das sonstige Holzinventar auf die Straße geworfen. Abends wurde unter dem Beifall einer johlenden Menge und musikalisch begleitet durch das SA-Musikkorps das Inventar der Synagoge verbrannt. 
Die Stadt erwarb die Synagogenruine samt dem Grundstück. Auch nach 1945 blieb die Ruine zunächst stehen, bis sie 1962 abgebrochen wurde, um den Schlosshof vergrößern zu können. Anfang der 1990er-Jahre wurde das Grundstück jedoch wieder bebaut. An dem hier erstellten Wohn- und Geschäftshaus wurde eine Hinweistafel angebracht. Dahinter befindet sich zusätzlich eine Metallplastik in Form eines Davidsterns als Denkmal für die zerstörte Synagoge
.  
     
     
Standort der Synagoge: Schlosshof (Pauluseck 11)        
       
       
       
Fotos:
(Quelle: E. Tiggmann s. Lit.  und Landesamt s. Lit.)  

Historische Fotos Ottweiler Synagoge 010.jpg (63017 Byte)  
  Die Synagoge Ottweiler um 1925   
     
Ottweiler Synagoge 12.jpg (110853 Byte) Ottweiler Synagoge 11.jpg (69767 Byte) Ottweiler Synagoge 009.jpg (74797 Byte)
Beim Pogrom am 10. November 1938: rechts das brennende Synagogeninventar Die Synagogenruine 1940

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Gedenkstunde zum 65. Jahrestag der Zerstörung der Synagoge im November 2003
(Quelle: Stadt Ottweiler)  

Ottweiler Synagoge 050.jpg (19639 Byte)"Ottweiler. Unweit der ehemaligen Ottweiler Synagoge, an einem Gedenkstein auf dem Fornarohof, kamen rund 50 Teilnehmer zu einer Gedenkfeier zusammen. Zu ihr hatten die Stadtverwaltung und die beiden Kirchengemeinden eingeladen. Anlass war der Rückblick auf die Pogromnacht am 9. November 1938. Damals, vor 65 Jahren, wurden im nationalsozialistischen Deutschland die Synagogen angezündet und geplündert. Jüdische Geschäfte wurden ausgeraubt. Viele machten mit. Viele schauten zu. Alle, die Opfer, die Täter und die Mitläufer, hatten Angst vor dem Terror des Staates. Das Datum ist als "Reichkristallnacht" in die Geschichte eingegangen. Aber es wurde mehr als Kristall zerschlagen. Die Werte des Abendlandes wurden verraten: Menschen jüdischen Glaubens, aber auch Sintis, Romas, Christen, Sozialisten und Kommunisten wurden damals verfolgt, misshandelt und in den Konzentrationslagern erschossen, vergast oder erhängt. Bald darauf, im Zweiten Weltkrieg, sollte ganz Europa brennen. Die Bilanz – Millionen an Toten, Schutt, Schmach und Asche. Aktuell sprachen sich Bürgermeister Hans-Heinrich Rödle, Diakon Reber und Pfarrerin Schmitt-Pridik während der Feierstund  e gegen Rassismus und Antisemitismus aus. Gemeinsam appellierten sie für mehr Frieden, Toleranz und Vernunft."
 
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Links und Literatur

Links:   

Website Stadt Ottweiler  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Ottweiler (interner Link) 
Website der Synagogengemeinde Saar   

Literatur:   

Eva Tigmann: "Was geschah am 9. November 1938?" - Eine Dokumentation über die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Saarland im November 1938. Eine Veröffentlichung des Adolf-Bender-Zentrums St. Wendel. 1998. S. 69-71.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 450-451 (mit weiteren Literaturangaben). 
Hart, Schaffner & Marx: Reprint des Style Book Herbst/Winter 1909-1910. Mit einem Nachwort von Martina Graf und einer englischen Übersetzung von Lisa Hannah. Hamm am Rhein 2012. (Im Nachwort auch eine Beschreibung der deutschen Herkunft). 
vgl. Presse-Artikel Hammer Verlag gestaltet Reprint des „Style Book“ von „Hart, Schaffner & Marx“ (Allgemeine Zeitung, 04.07.2012)   

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ottweiler  Saar. Jews are first mentioned in the late 18th century. Many dealt in livestock. In 1840, a synagogue was consecrated, with the community under the jurisdiction of the Liberal R. Yosef Cahan (Joseph Kahn) from 1840. A private Jewish elementary school was started in 1825. The Jewish population rose to a peak of 170 (total 2.963) in 1843, including 70 children up to the age of 14. With the inaguration of a railway station in St. Johann in 1852, promoting the industrial development of the Saar, Jews began to leave Ottweiler for the industrial towns, their population dropping to 55 in 1895. In the late 19th century antisemitism flared up under the influence of a local doctor. With the defeat of the Center Party in the 1907 Reichstag elections, Catholic elements began agitating against Liberals and Jews. In mid-1933, the Jewish population was 81. With the Nazi rise to power and the annexation of the Saar to the Reich by plebiscite in 1935, most Jews left, including 19 to Palestine, 12 to the United States, 13 to France, and 19 to other German cities. On the morning after Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was wrecked, the Jewish cemetery was desecrated, Jewisch homes were vandalized, and Jews beaten and arrested. After the disturbances, the community ceased to function. On 22 October 1940, 13 Jews were deported to the Gurs concentration camp. In all, 20 Jews perished in the Holocaust, including 11 to Auschwitz. 
    
      

                   
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Stand: 04. Dezember 2014