Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Spiesen (Gemeinde Spiesen-Elversberg, Kreis Neunkirchen, Saarland) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
    
In Spiesen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1936. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1778 lebten Juden am Ort, die einen Schutzbrief des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken hatten. 
  
1808 werden hatten die folgenden Personen (mit Familien) einen Schutzbrief in Spiesen: Isaak Victor, Gottfried August, Theobald Lion, Jakob Meyer und Moses Freis. 
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1833 59 jüdische Einwohner (von insgesamt 750 Einwohner), um 1900 66 jüdische Einwohner.  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (im Untergeschoss der Synagoge) und - gemeinsam mit Neunkirchen und auf der dortigen Gemarkung - einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer am Ort, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibung der Stelle unten von 1908). 
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Albert Jakob (geb. 30.8.1892 in Spiesen, gef. 9.2.1915). Außerdem ist gefallen: Gefreiter Leo Roos (geb. 13.2.1883 in Spiesen, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef. 9.9.1914).        
    
Um 1924, als noch zehn Familien zur Gemeinde gehörten, war ihr Vorsteher Meyer Meyer. 1927 wurden noch 22 jüdische Einwohner gezählt.   
    
Nach 1935,
als das Saargebiet wieder an das Deutsche Reich kam, sind alle jüdischen Einwohner ausgewandert. Zuletzt waren es noch 14 gewesen.  
   
Von den in Spiesen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945": Emma Baumgarten geb. August (1857), Leopold Feis (1872), Edmond Feis (1897), Karl Friedmann (1882), Oskar Isidor Jakob (1894), Sophie Kallmann geb. Jakob (1890), Adalbert Mayer (1913), Elias Mayer (1866), Flora Mayer (1872), Hans Mayer (1919), Rebekka Mayer (1864), Delfine Meyer (1875), Hedwig Wolf geb. Jakob (1896), Gertrud T. Zondervan geb. Gerson (1906).  
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1908   

Spiesen Israelit 02041908.jpg (57033 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1908:
"Die israelitische Kultusgemeinde Spiesen (Bezirk Trier) sucht zum sofortigen Eintritt einen 
Religionslehrer, Kantor und Schochet.
 
Gehalt einschließlich Nebenverdienst 12-1300 Mark, welcher Betrag sich durch ein in Aussicht stehender Zuschuss auf 1500 Mark erhöhen dürfte. Offerten möglichst seminaristisch gebildeter Bewerber an den Vorstand der israelitischen Gemeinde  
Karl Lion.
"    

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
  
Zum 100. Geburtstag der Witwe Lion (1895) 

Spiesen Israelit 14021895.jpg (44463 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1895: "Dürkheim a.H., 10. Februar (1895). Bei vollständiger geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit vollendet in Spiesen bei Neunkirchen Frau Witwe Lion ihr 100. Lebensjahr. Dieselbe erfüllt noch heute gewissenhaft alle Pflichten einer streng frommen Jüdin und wirkt noch im häuslichen Kreise in gewohnter Tätigkeit. Möge der Jubilarin, die auf einen großen Kreis von Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln schaut, ein langer und von Beschwerden freier Lebensabend beschieden sein!" 
  
Spiesen Israelit 28021895.jpg (31439 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1895: "Dürkheim a.H., 16. Februar (1895). Bei vollständiger geistiger und körperlicher Rüstigkeit vollendete in Spiesen bei Neunkirchen Frau Witwe Lion ihr 100. Lebensjahr. Die Greisin erfüllt noch heute gewissenhaft alle Pflichten einer streng frommen Jüdin und wirkt noch im häuslichen Kreise in gewohnter Tätigkeit."     

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge     
    
1819 wurde von den damals neun in Spiesen lebenden jüdischen Familien eine Synagoge mit einer Schule eingerichtet. 
   
1860/61 konnte eine neue Synagoge gegenüber der katholischen Pfarrkirche gebaut werden. Die Einweihung war am 5. Mai 1861. Im Kellergeschoss befand sich eine Mikwe. Bei der Synagoge handelte es sich um einen einfachen Rechtecksaal mit Walmdach. Charakteristisch waren mehrere Rundbogenfenster und über dem Eingangstor ein Rundfenster. 
  
Bis 1935 war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens. 1935 wurde in der Synagoge eingebrochen. Wenig später wurde das Gebäude mit dem Grundstück an Kaufmann Lerner verkauft. Den Erlös verteilten sich die auswandernden Spieser Juden. Otto Lion, der bereits in Schweden war, erhielt die Ritualgegenstände. Er war der letzte jüdische Besitzer des Synagogengebäudes. 
  
Die ehemalige Synagoge wurde zu einem Geschäfts- und Wohnhaus umgebaut. Wie viel an ehemaliger Bausubstanz in dem heute hier stehenden Gebäude aufgegangen ist, ist unklar. Eine Hinweistafel ist vorhanden.    
    
    
Standort der Synagoge  Butterberg 6a   
    
   
Fotos:
(Fotos: Zeichnung in der Publikation des Landesamtes s.Lit. S. 462;  neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.6.2009)  

Historische Abbildung   Spiesen Synagoge 120.jpg (127992 Byte)  
     Zeichnung der Synagoge in Spiesen    
         
Blick auf das ehemalige Synagogengrundstück im Juni 2009    
Spiesen Synagoge 204.jpg (77221 Byte) Spiesen Synagoge 202.jpg (89491 Byte) Spiesen Synagoge 200.jpg (63079 Byte)
Die Synagoge stand gegenüber der Kirche:
 links das an Stelle der Synagoge 
stehende Wohnhaus
Das an Stelle der Synagoge 
stehende Wohnhaus 
Hinweistafel: "Hier stand von 
1861-1935 die Synagoge" 
      
       


  

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Spiesen-Elversberg      

Literatur:    

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 462-463 (mit weiteren Literaturangaben). 
Edgar Schwer: Den jüdischen Gefallenen des Saarlandes 1914-1918 zum Gedenken. In: Saarländische Familienkunde Band 12/4. Jahrgang XLVIII 2015 S. 559-600. Online zugänglich: eingestellt als pdf-Datei.    

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. August 2017