Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Busenberg (VG Dahner Felsenland, Kreis Südwestpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur    

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In Busenberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihr Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1784 wurden bereits 79 jüdische Einwohner gezählt. Die Busenberger Gemeinde war die älteste und zentrale Gemeinde der jüdischen Gemeinden im Wasgau (Dahn, Erlenbach, Vorderweidenthal). Die zentrale Rolle zeigt sich auch in dem in Busenberg für diese Gemeinden befindlichen Friedhof
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1848 gehörten 31 Familien mit zusammen 170 Personen zur jüdischen Gemeinde, danach ging die Zahl auf Grund von Aus- und Abwanderung zurück. 1867 wurden noch 24 Familien gezählt mit 129 Personen (16,6 % der Gesamtbevölkerung). Bis 1875 ging Zahl auf 74, bis 1900 auf 50 zurück.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eines Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Spätestens seit den 1870er-Jahren erfolgte eine gemeinsame Besetzung der Lehrerstelle mit der Nachbargemeinde Erlenbach (siehe Ausschreibungstexte der Stelle unten); zu den seit Ende des 19. Jahrhunderts angestellten Lehrern siehe Näheres im Artikel zu Erlenbach.     
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Oskar Kullmann (geb. 6.5 1894 in Busenberg, gefallen 7.6.1917).  
    
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde noch 30 Einwohner gehörten (3,75 % von insgesamt ca. 800 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Leopold Kullmann und  Isak Levy. Als Religionslehrer, Schochet und Kantor war Simon Strauß tätig (auch 1932, siehe Foto seiner Familie unten). Er unterrichtete im Schuljahr 1924/25 noch zwei jüdische Kinder (Schuljahr 1931/32 fünf Kinder). 1932 gehörten noch 28 Personen der jüdischen Gemeinde an. Inzwischen waren die Gemeindevorsteher Alfred Schwarz und Leo Levy, Schriftführer war Max Strauß. 
    
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 verzogen die meisten jüdischen Einwohner in andere Städte oder wanderten aus, sodass 1936 nur noch 17 jüdische Einwohner gezählt wurden, 1938 noch zwei. 
   
Von den in Busenberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helene Ackermann geb. May (1855), Ludwig Ackermann (1907), Salomon Aschenbrand (1890), Erna Eva Falk geb. Garbarski (1921), Theresia Faust geb. Weil (1868), Justina Frenkel geb. Schwarz (1860), Henriette Hirsch geb. Kullmann (1902), Leonie Kahn geb. Schwarz (1891), Benedikt Kullmann (1859), Florentine Ida Kullmann geb. Vollmer (1867), Josef Kullmann (1853), Ludwig (Louis) Kullmann (1855), Martha (Marthe) Kullmann (1894), Barbara Levy (1880), Hedwig Levy (1878), Julius Levy (1885), Leo Levy (1900), Meta Carola Levy geb. Löb (1909), Ludwig Levy (1878), Irma Reiss geb. Kullmann (1892), Fanny Rothschild geb. Schwarz (1858), Charlotte Salomon geb. Schwarz (1861), Alfred Lazarus Schwarz (1889), Berta Schwarz geb. Levy (1892), Ernst Schwarz (1919), Heinz Leopold Schwarz (1931), Ludwig Simon Schwarz (1933), Friederike Strauß geb. Heimann (1866), Regina Strauß (1866), Lehrer Simon Strauß (1863).
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 / 1891 / 1893 / 1899  

Busenberg Israelit 19111879.jpg (37020 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1879: "Die israelitischen Kultusgemeinden Erlenbach - Busenberg, Bezirksamt Pirmasens, suchen einen Religionslehrer, Kantor und Schächter. Gehalt 500 Mark und beträchtliche Nebeneinkünfte. Meldungen nebst Nachweis über Befähigung sind zu richten an Dr. J. Mayer. Bezirksrabbiner in Zweibrücken."
  
Busenberg Israelit 04051891.jpg (52651 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1891: "Lehrerstelle vakant. Die israelitische Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle für die Gemeinden Busenberg und Erlenbach wird andurch zur Bewerbung ausgeschrieben. Gehalt 600 Mark bar, circa 100 Mark Nebenverdienst. 
Bewerber wollen ihre Zeugnisse binnen 14 Tagen an den unterfertigten Vorstand einsenden. 
Busenberg bei Dahn (Rheinpfalz). Der Synagogen-Vorstand: B. Frank."  
  
Busenberg Israelit 04051893.jpg (44849 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1893: "Lehrer-Stelle vakant. Die israelitische Religionslehrer- Vorbeter- und Schächterstelle für die Gemeinde Busenberg und Erlenbach ist vakant und soll sofort besetzt werden. Gehalt an bar 700 Mark, Kasualien ca. 100 Mark. Bewerber wollen binnen 14 Tage Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand einsenden. Busenberg, 1. Mai 1893. Der Vorstand: Frank."
 
Busenberg Israelit 09101899.jpg (45418 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1899: "Die israelitischen Gemeinden Busenberg und Erlenbach, Bezirk Pirmasens, Pfalz, Bayern, suchen von sofort einen Lehrer, Chasan und Schochet. Gehalt 700 Mark, Wohnungsentschädigung 40 Mark. Nebenverdienst 100 Mark. Zuschuss aus Landesverband bisher 100 Mark. Offerten erbitten an den Vorstand Benedikt Frank, Busenberg, Pfalz."

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf für arme jüdische Familie (1889) 

Busenberg Israelit 04021889.jpg (77246 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1889: "Teure Glaubensbrüder! 
Durch unverschuldete harte Schicksalsschläge ist ein braver israelitischer hiesiger Bürger um sein kleines Vermögen gekommen und musste schon lange Zeit von der hiesigen israelitischen Gemeinde unterstützt werden. Seit vier Wochen liegt derselbe nun schwer krank danieder, ohne jede Mittel, von Allem entblößt. Dessen Frau kam vor einigen Tagen ins Wochenbett und wurde dadurch die Not noch vergrößert, sodass die hiesigen Israeliten allein nicht genug helfen können, die Not obiger Familie mit sechs Kindern, von welchen das älteste 12 Jahre alt ist, zu lindern. Wir bitten daher alle edlen Menschenfreunde, dieser hart geprüften Familie ihre milden Gaben zuzuwenden, mit der Versicherung diese einem Würdigen zuteil werden zu lassen. Busenberg bei Dahn (Rheinpfalz). Der Synagogen-Ausschuss: B. Frank. Louis Bullmann.
Dass Obiges auf voller Wahrheit beruht, bescheinigt das Bürgermeisteramt. Müller. 
Auch die Expedition des 'Israelit' ist gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern."

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Stellensuche für ein Mädchen aus der Gemeinde (1890)  

Busenberg Israelit 19061890.jpg (34573 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1890: "Ein Mädchen von armen Eltern, das sich gerne allen Arbeiten unterzieht, sucht Stelle. Auf Lohn wird nicht gesehen, sondern auf gute Behandlung.
Nähere Auskunft bei 
Emanuel Bloch, Busenberg,
Rheinpfalz."

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge                  
    
Eine Synagoge war vermutlich um 1750 vorhanden. Den ersten Hinweis auf eine Synagoge beziehungsweise ein Betsaal gibt ein Schreiben vom 4. August 1769 aus Colmar, in dem der Amtsschreiber H. Schantz in Dahn angewiesen wird, den Juden der Stadt die Gottesdienste in Dahn zu verbieten und wie bisher in die Synagoge nach Busenberg zu gehen. Die bis ins 20. Jahrhundert genutzte Synagoge ist vermutlich Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut worden. Sie verfügte über 30 Männer- und zwanzig Frauensitze. 
    
Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich bis 1837 die israelitische Schule, danach wurde sie in dem Nachbargebäude (Hauptstr. 78) untergebracht, bis 1895 eine neue israelitische Schule mit der Lehrerwohnung gegenüber der Mikwe in der Talstraße erbaut wurde. 
    
Die Synagoge war Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens bis nach 1933. Am 12. Juni 1939 wurde das inzwischen in schlechtem baulichem Zustand befindliche Gebäude an einen örtlichen Metzgermeister verkauft, der es als Lager und Abstellraum verwendete. Daher entging das Gebäude der Zerstörung beim Novemberpogrom 1938, wurde jedoch im Krieg durch Artilleriebeschuss beschädigt. 1951 wurde die ehemalige Synagoge weiterverkauft; der neue Eigentümer ließ das Gebäude noch im selben Jahr abbrechen. 
     
     
Adresse/Standort der SynagogeEingangsbereich zum Haus Hauptstraße 78 auf Grundstück Hauptstraße 80.
    
Darstellungen / Fotos
(Die Fotos entstanden beim Rundgang auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Dahn mit Otmar Weber am "Tag der Europäischen Jüdischen Kultur" am 3.9.2006, Fotos: Hahn)

Darstellungen der Synagoge 
(Aus den Publikationen von O. Weber s.Lit.)
Busenberg Synagoge 011.jpg (83828 Byte)  Busenberg Synagoge 010.jpg (67326 Byte)
   Die Synagoge um 1930 - Zeichnung 
von Helmut Repp
Synagoge Busenberg - Rekonstruktion 
von Helmut Repp
     
Die israelitischen Schulhäuser (1837/1895) Busenberg Schule a100.jpg (70863 Byte)
   Das alte israelitische Schulhaus; dahinter stand die Synagoge
   
Busenberg Schule 100.jpg (62365 Byte) Busenberg Schule 102.jpg (57688 Byte) Busenberg Schule 101.jpg (27864 Byte)
Die neue israelitische Schule (mit Lehrerwohnung) von 1895 gegenüber der Mikwe Inschrift über dem Eingang zur Schule,
 erkennbar die Jahreszahl und 
der Name Kohn 
 
   
Erinnerungen an die 
jüdische Geschichte
Busenberg JuedGesch 100.jpg (74876 Byte) Busenberg JuedGesch 101.jpg (81676 Byte)
   Ehemaliges jüdisches Wohnhaus
 (Stammhaus der Familien Levy)
Gefallenendenkmal an der Kirche mit dem
 Namen des jüdischen Gefallenen P. Kullmann
     
    Busenberg JuedGesch 102.jpg (98317 Byte) Busenberg JuedGesch 103.jpg (94526 Byte)
Gedenktafel unterhalb der Kirche "Zur Erinnerung an unsere Mitbürger jüdischen Glaubens im Gedenken an ihr erlittenes Schicksal durch Verfolgung, Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten (1933-1945). Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung. Gemeinde Busenberg im Dezember 1993."
     
Die ehemalige Mikwe    
Busenberg Mikwe 100.jpg (88464 Byte) Busenberg Mikwe 102.jpg (76913 Byte) Busenberg Mikwe 101.jpg (82212 Byte)
Die ehemalige Mikwe in Busenberg befindet sich in dem einzig erhaltenen Mikwehäuschen im Bereich der Südpfalz. Es handelt sich um ein einmaliges jüdisches Kulturdenkmal, das derzeit vom Verfall bedroht ist.
     
 Weitere Fotos (erhalten von Otmar Weber)      
 Busenberg Familie Simon Strauss 010.jpg (46480 Byte)    
 Familie des Lehrers Simon Strauß aus Busenberg (1926); 
die Familie wohnte Talstraße 8;
nur der Sohn (am Bildrand rechts) hat die NS-Zeit überlebt.
Alle anderen auf dem Foto abgebildeten Personen sind umgekommen.   
   

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Artikel über das Leben von Kurt /Claude Levy aus Busenberg     

Busenberg PA 27052016 Kurt Levy.jpg (229885 Byte) Artikel von Otmar Weber in der "Rheinpfalz" (Lokalausgabe Pirmasens) von 27. Mai 2016: "Erst als Erwachsener traf er seine Schwester wieder. 
Jüdische Schicksale (1): Das Leben von Kurt (Claude Levy aus Busenberg - Unter falschem Namen fand er in einem französischen Internat Zuschlupf
..."
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken    
 

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Busenberg 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Busenberg  
Ausführliche Seite zum "Arbeitskreis Juden im Wasgau" bei der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit Rheinland-Pfalz

Literatur:  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 216-220.
Weber Buch 02.jpg (56505 Byte)ders.: Judentum im Wasgau. Erhaltenswerte jüdische Kulturdenkmäler im Wasgau. Synagoge in Dahn. Mikwe und Friedhof in Busenberg. Dahn 2006. Broschüre DIN A 4, 16 S.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 130 (mit weiteren Literaturangaben). 

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Busenberg Palatinate. A Jewish community existed in the early 19th century, maintaining a synagogue and a cemetery (the latter opened in 1833). In 1848, the Jewish population comprised 31 families (170 Jews), including seven farmers, six artisans, and 18 merchants. In 1867, there were 24 families (129 Jews, or 16,6 % of the total), barely eking out a living as junk dealers and small-scale livestock traders. The Jewish population was 74 in 1875, 50 in 1900, and 28 in 1932. All left before Kristallnacht (9-10 November 1938), four emigrating and the rest moving to other localities in Germany.         
      
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Juni 2016