Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dahn (Kreis Südwestpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)          
    
In Dahn bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18./19. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1590 ein Händler Daniel aus Dahn auf der Messe in Straßburg genannt, wobei es sich vermutlich um eine jüdische Person gehandelt hat. 1755 werden in den Dahner Steuerlisten die Juden Baruch, Susmann und Löw genannt, die je vier Gulden "Schutzgeld" zu zahlen hatten. 1769 werden die Juden Baruch Michel, Wolff Levy, Abraham Jacob, Leib Israel und Bel Levy genannt. 1784 werden 42 jüdische Einwohner gezählt. 
  
Aus dem 19./20. Jahrhundert liegen folgende Zahlen vor: 1802 72 jüdische Einwohner, 1836 103, 1875 85, 1900 83, 1910 75. Die bekanntesten jüdischen Familiennamen waren: Blum, Halfen, Josef, Katz, Kullmann, Levy, Oppenheimer, Rosenstiel, Samuel und Siegel. Die jüdischen Familien lebten vom Vieh-, Eisen-, Stoff- und Textilhandel. Dr. Willy Katz war als Arzt tätig. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule (seit 1872 Elementarschule bzw. Israelitische Volksschule im Schulhaus neben der Synagoge) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Busenberg beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibung der Stelle 1872).  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Arthur Feibelmann (geb. 17.10.1895 in Dahn, vor 1914 in Rülzheim wohnhaft, gef. 17.3.1915) und Unteroffizier Siegmund Kullmann (geb. 14.4.1887 in Dahn, vor 1914 in Landau wohnhaft, gef. 20.12.1914; siehe Bericht unten). Mehrere der jüdischen Kriegsteilnehmer kehrten mit teils hohen Auszeichnungen aus dem Krieg zurück. Jüdische Einwohner waren in den Vereinen der Stadt und im Gemeinderat vertreten. 
   
Um 1925, als 62 Einwohner der jüdischen Gemeinde angehörten (3,1 % von insgesamt ca. 2.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Julius Katz (siehe Bericht unten), Julius Levy I und Leopold Halfen. Als Kantor und Lehrer war Ludwig Nußbaum angestellt; vor ihm war bis zum 1. Weltkrieg Nathan Haas als Lehrer tätig. Nussbaum erteilte im Schuljahr 1924/25 acht jüdischen Kindern an der Israelitischen Volksschule Religionsunterricht. Er wurde 1933 zwangspensioniert. An jüdischen Vereinen bestand der Männerverein (Chevroh Kadischa), den Lehrer Ludwig Nußbaum leitete (1925 15 Mitglieder, 1932 12; Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen) sowie der Israelitische Frauenverein unter Leitung von Else Levy (1925 14 Mitglieder). Die jüdische Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk Zweibrücken zugeteilt.  1932 wurden 70 jüdische Gemeindeglieder gezählt. Inzwischen waren die Gemeindevorsteher Julius Katz (1. Vorst.), Leopold Halfen (2. Vorst.) und Theodor Rosenstiel. Zur jüdischen Gemeinde Dahn gehörten inzwischen auch die in Vorderweidenthal lebenden jüdischen Einwohner. 
  
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 verließen die meisten Dahner Juden den Ort, emigrierten oder verzogen in andere Städte. 1936 waren noch 29 jüdische Personen in der Stadt, 1938 13. Als die "Rote Zone", das Sperrgebiet parallel zur französischen Grenze am 1. September 1939 eingerichtet wurde, mussten die sieben letzten Juden Dahn verlassen.   
  
Von den in Dahn geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; ergänzt durch Angaben von O. Weber):  Klara Becker geb. Katz (1878), Berta Feibelmann geb. Dreifuss (1870), Sophie Gabriel geb. Rosenstiel (1866), Josef Katz (1870), Lore Katz (1924), Marianne Katz geb. Simon (1886), Thekla Katz geb. Teutsch (1881), Josef Kullmann (1853), Barbara (Blüta) Levy (1880), Elsa Levy geb. Rosenstiel (1894), Friedrich (Fritz) Levy (1900), Heiner Levy (1880), Helmut Levy (1925), Johanna Levy geb. Fretter (1902), Julius Levy (1885), Ludwig Levy (1878), Gaston Meyer (1907), Mathilde Mohr geb. Katz (1877), Ludwig Nussbaum (1886), Ilse Nussbaum (1922), Selma Nussbaum geb. Blumenthal (1891), Elisabeth Florentine Rosenstiel (1890), Helene Rosenstiel (1889), Hermann Rosenstiel (1889), Max Rosenstiel (1864), Michael Rosenstiel (1871), Charlotte Salomon geb. Schwarz (1862), Bertha Schwarz geb. Levy (1892), Martha Schwarz geb. Levy (1890), Siegmund Siegel (1878), Gerda Wolff geb. Levy (1889). 
  
Nach 1945 lebten nochmals wenige jüdische Einwohner in der Stadt. Ende der 1940er-Jahre kam Familie Simon Levy II aus dem Exil (Algerien) nach Dahn zurück. Anfang der 1950er-Jahre kam noch Familie Lemberger hinzu. 1981 verzogen die Lembergers wieder aus Dahn.
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872
anlässlich der "Errichtung einer Elementarlehrer-Stelle"  

Dahn Israelit 05061872.jpg (88554 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1872: "Israelitische Lehrerstelle zu Dahn. Bezirksamt Pirmasens, Rheinpfalz. 
In Gemäßheit des § 11 der allerhöchsten Verordnung vom 8. Oktober 1826 hat die israelitische Kultusgemeinde Dahn die Errichtung einer Elementarlehrer-Stelle beschlossen und wird dieselbe zur Bewerbung hiermit ausgeschrieben. 
Der Gehalt besteht in folgenden Bezügen: 
1. Bar aus der Kultuskasse inklusive des Beitrags der politischen Gemeinde ad 75 Gulden ... 400 Gulden.  
2. Ertrag der Kasualien ... 100 Gulden  
Summa  ... 500 nebst freier Wohnung.
Der anzustellende Lehrer hat den Vorbeter- und Schächterdienst mitzubesorgen und wird ihm der volle Betrag der hiefür angerechneten Kasualien ad 100 Gulden garantiert. 
Nur solche Bewerber können im Hinblicke auf die oben zitierte allerhöchste Verordnung berücksichtigt werden, welche die Anstellungsprüfung mit Erfolg bestanden, und haben dieselben ihre Gesuche, mit Zeugnissen belegt, binnen 4 Wochen hierorts persönlich einzureichen. Dahn, den 17. Mai 1872. Der Synagogenvorstand K. Siegel."

  
Lehrer Ludwig Nußbaum wird befördert (1927)    

Dahn Bayr GZ 19091927.jpg (8580 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19. September 1927: "Volksschullehrer L. Nußbaum in Dahn wurde ab 1. Mai dieses Jahres zum Hauptlehrer befördert."  

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Über den im Ersten Weltkrieg gefallenen Siegmund Kullmann 
(Bericht von Otmar Weber. 2014) 

Dahn Rheinpfalz 20140917.jpg (247440 Byte) Artikel von Otmar Weber in der "Rheinpfalz" vom 17. September 2014: "'Ich war deutscher Soldat, uns machen die nichts'. 
Vierzehn/Achtzehn.
Am 17. September 1914, auf den Tag genau vor 100 Jahren, ist der jüdische Soldat Siegmund Kullmann, Rechtspraktikant und Unteroffizier der Reserve, als erster Dahner den 'Heldentod fürs Vaterland' gestorben. 12.000 Juden kostete der Erste Weltkrieg das Leben, viele wurden ausgezeichnet. Doch weder Patriotismus noch Tapferkeit bewahrten sie später vor Verfolgung und Ermordung..." 
Der Artikel ist auch eingestellt als pdf-Datei.    

  
Hochzeitsanzeige von Karl Kahn und Paula geb. Katz (1938)      

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. April 1938: "Aus Lambsheim. Am 17. März 1938 vermählte sich Herr Karl Kahn aus Lambsheim mit Fräulein Paula Katz aus Dahn (Pfalz)."      

 
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Julius Katz (1938)       

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. August 1938: "Dahn. Nach langem, schweren Leiden verschied hier am 13. Juli, wenige Tage nach seiner vorzeitigen Rückkehr aus dem Bade, in welchem er Erholung zu finden hoffte, Herr Julius Katz im Alter von 69 Jahren. Mit seinen Angehörigen und Verwandten trauert die ganze Gemeinde aufrichtig um den Verlust dieses Isch emunoh (religiösen Mannes), dieses in seiner Treue zu Gott und Judentum, zur Familie und Gemeinschaft vorbildlichen Mannes. Viele Jahre hindurch hat der Verstorbene als Parnes (Vorsteher) die Gemeinde geleitet und es sich unter anderem, durch seine Bemühungen um ein ständiges Minjan (gemeint: Zustandekommen des regelmäßigen Gottesdienstes durch die Anwesenheit von 10 Männern), um die Pflege der überlieferten Formen und Bräuche, um die religiöse Unterweisung der Jugend, lange Zeit auch durch die persönliche Übernahme der kantoralen Funktionen angelegen sein lassen, die gemeindlichen Einrichtungen und Verpflichtungen aufrechtzuerhalten. Mit seinem Heimgange trifft die kleine, in den letzten zwei Jahren durch Wegzug, Auswanderung und Tod vieler wertvoller Mitglieder geschwächte Gemeinde ein überaus schwerer Schlag. Auf dem jüdischen Friedhof in Busenberg, auf dem sich zahlreiche Verwandte und Freunde um die Bahre des Entschlafenen geschart hatten, würdigte Herr Bezirksrabbiner Dr. Nellhaus dessen Vorzüge und Verdienste und gab den Gefühlen des Schmerzes, der Verehrung und Dankbarkeit, in denen sich alle dem Verewigten gegenüber vereinen, gebührenden Ausdruck. Secher zaddik liwrochoh (das Gedanken an den Gerechten ist zum Segen)."       

 
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Julius Katz (1933)        

Dahn Israelit 19011933.jpg (35437 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1933: 
"Suche für meinen Sohn, welcher Ostern die Realschule absolviert, eine 
Lehrstelle
 
in der Manufaktur-, Eisen- oder Möbelbranche oder Haushaltungsartikel en gros oder detail, welche Schabbat und Feiertag geschlossen haben. Offerten an 
Julius Katz, Dahn (Pfalz)." 

    
Nach der Emigration: Hochzeitsanzeige für Edward Roller und Ilse L. geb. Katz (1942)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom  2. Januar 1942: 
"Statt Karten. 
Edward Roller   Ilse L. Roller
geb. Katz   Vermählte 
(früher Wien) (früher Dahn - Pfalz). 1. Januar 1942.  
3406 N. 19th Street. Philadelphia, Pa."       

    
Nach der Emigration: Todesanzeige für Theodor Rosenstiel (1944)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 10. März 1944: 
"Nach kurzer, schwerer Krankheit verschied am 22. Februar unser lieber, guter Vater 
Theodor Rosenstiel 
(früher Dahn, Rheinplatz) im 79. Lebensjahr. 
Fritz Rosenstiel   Otto Rosenstiel.
Chicago 15, Ill., 5482 South Greenwich Avenue".       

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Ein Betsaal war - zumindest vorübergehend - bereits 1769 vorhanden. Damals wurde der Amtsschreiber H. Schantz in Dahn von den Behörden in Colmar darauf hingewiesen, dass die Juden der Stadt nicht mehr in Dahn ihre Gottesdienste abhalten sollten, sondern wie bisher dazu nach Busenberg gehen sollten. 1815 erfährt man wiederum von einem Betsaal in einem jüdischen Privathaus. Nach einer mündlichen Überlieferung war der Betsaal im Haus Kirchgasse 5 mit den Giebelfenstern zur katholischen Kirche hin.
 
Eine erste Synagoge wurde um 1820 erbaut. Neben der Synagoge wurde 1843 das israelitische Schulhaus mit Lehrerwohnung und einer Mikwe im Keller erbaut. Nachdem dieses Gebäude nach einem halben Jahrhundert baufällig geworden war, wurde 1872/73 am selben Standort eine neue Synagoge erbaut. Zur Finanzierung des Neubaus war 1871 eine Kollekte in jüdischen Gemeinden der Pfalz und anderen bayrischen Regionen durchgeführt worden. Sie erbrachte immerhin 732 Gulden. 1.800 Gulden trugen die jüdischen Familien Dahns selbst durch Spenden bei. Weitere 1.000 Gulden wurden auf die Familien umgelegt. Diese wurde am 4. Juli 1873 feierlich eingeweiht. 

Zur Einweihung erschien im "Anzeiger für die Kantone Landau, Annweiler und Bergzabern" im Juli 1873 folgender Bericht: "Eine neue Synagoge in Dahn. Dahn, 8. Juli (1873). Am 4. Juli hatte Dahn das Vergnügen, ein schönes herrliches Fest feiern zu können, dessen gelungene Ausführung und rege Teilnahme vom Geiste der Duldung und Nächstenliebe, welche hier herrscht, das trefflichste Zeugnis gab. Die Israeliten der hiesigen Gemeinde geierten nämlich die Einweihung ihrer neuerbauten prächtigen Synagoge. Glaubensgenossen aus Nah und Fern strömten herbei, diesen Tag in ihrer Weise festliche zu begehen. Alle Häuser waren beflaggt, Arm und Reich, Katholiken und Protestanten, Bürger und Beamte, alle feierten mit. Da schwanden die religiösen wie konfessionellen Unterschiede, das Band der Bruderliebe umschlang alle Festgenossen gleich einer großen Familie. Die Israeliten selbst hatten solche Feier nicht geahnt, und das stille Glück der Zufriedenheit und Dankbarkeit verlieh in Wort und Tat sich Ausdruck. 
Um 4 Uhr Nachmittags versammelten sich die Festgäste an der sinnig geschmückten Wohnung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Karl Siegel, um die hier aufbewahrten Torarollen in empfang zu nehmen und in die Synagoge zu verbringen.
Von den Bergen donnerten Böller, der gut geschulte hiesige Gesangverein sang den Chor: 'Der Herr ist mein Hirt' und dann bewegte sich der nicht endend wollende Zug unter den Klängen einer guten Blechmusik nach dem Tempel. Dort angekommen, erklang der Chor: 'Hoch tut euch auf!' Danach hielt Frl. Helene Siegel, die jugendliche Tochter des Vorstandes, eine wohl durchdachte, herzliche Ansprache, überreichte alsdann dem daselbst anwesenden Herrn Bezirksamtmann den Schüssel zur Synagoge, mit der freundlichen Aufforderung, den Tempel zum ersten feierlichen Gottesdienst zu öffnen. Dieser wandte sich hierauf in treffenden kernigen Worten an die Festgenossen, sprach zu ihnen von dem in dieser Hinsicht musterhaften Volke Israel, wie es in aller Welt zerstreut, doch im Glauben einig, sich immer wieder zusammenschare und kein Opfer scheue, Jehova einen Tempel zu bauen, und ersuchte dann den Herrn Bezirksrabbiner, mit ihm gemeinschaftlich den Tempel zu öffnen. Nun strömten die Festteilnehmer in die Halle ein, allein die Synagoge war in kurzer Zeit so angefüllt, dass über die Hälfte derselben vor der Türe zuhören musste. Nachdem der Herr Rabbiner das übliche Gebet gesprochen und die Torarolle in die heilige Lade gelegt hatte, sang der Gesangverein in gelungener Weise den Chor: 'Ich suche Dich, worauf der Herr Rabbiner die Festrede über Psalm 84,V.2.3 hielt.
Abends 9 Uhr brachte der Gesangverein dem Herrn Vorstande und seinen Gästen, worunter sich der Herr Bezirksamtmann und der Herr Rabbiner befanden, ein gut ausgeführtes Ständchen, wobei Musik und Feuerwerk die Pausen ausfüllen. Nun folgten zwei Tage lang Reunion, Schlosspartien und Bälle, welche Festlichkeiten sämtlich in schöner Harmonie verliefen und allen Festgenossen in gutem Andenken bleiben werden."  

Die Synagoge hatte Außenmaße von 9,10 m Länge und 8,00 m Breite. Es gab 60 Sitzplätze für Männer, 35 für Frauen auf der Empore. Das Gebäude wurde durch separate Eingänge (Männer / Frauen) von der Westseite her betreten.
 
Über 60 Jahre war die Dahner Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder schnell zurück. 1936/37 konnte bereits kein regelmäßiger Gottesdienst stattfinden, da die nötige Zehnzahl der jüdischen Männer nicht mehr erreicht wurde. Am 18. August 1937 verkaufte der letzte Gemeindevorsteher Josef Katz die Synagoge mit Schule an den Schreinermeister Ludwig Flory, der darin eine Schreinerwerkstatt einbaute. Die Mikwe im Untergeschoss der israelitischen Schule wurde 1938/39 zugeschüttet. Bis zur Gegenwart befindet sich die Schreinerwerkstatt in dem Gebäude, in dem zahlreiche Originalteile erhalten sind. 1991 wurde am Gebäude eine Gedenktafel angebracht.  
    
    
Adresse/Standort der SynagogeSchäfergasse 10 (bereits vor der NS-Zeit "Schäfergasse", im Volksmund: Judengasse).
  
  
Fotos
(Die Fotos entstanden beim Rundgang auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Dahn mit Otmar Weber am "Tag der Europäischen Jüdischen Kultur" am 3.9.2006, Fotos: Hahn)

Ehemalige "Judengasse" 
(Schäfergasse)
Dahn JuedGesch 105.jpg (43589 Byte) Dahn JuedGesch 106.jpg (67639 Byte)
   Straßenbezeichnung(en) Ehemalige jüdische Metzgerei gegenüber 
der ehemaligen Synagoge
  
     
Darstellungen der alten Synagoge     
Dahn Synagoge 1930.jpg (312668 Byte) Dahn Synagoge 011.jpg (67111 Byte) Dahn Synagoge 1930 innen.jpg (159734 Byte)
  Die Synagoge um 1930 - Zeichnungen / Reproduktionen von Helmut Repp  
       
Die ehemalige Synagoge 2006
(Fotos: Hahn, aufgenommen bei einer Führung durch Otmar Weber 
beim "Europäischen Tag der Jüdischen Kultur" am 3.9.2006)
 
Dahn Synagoge 202.jpg (46669 Byte) Dahn Synagoge 201.jpg (62675 Byte) Dahn Synagoge 200.jpg (85896 Byte)
Blick auf die Ostwand "Zum Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger. 
Sie hatten bei uns über 200 Jahre ihre Heimat, bis sie von den Nationalsozialisten vertrieben wurden, 
viele von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet. 
An dieser Stelle erbauten Juden 1815 ihre erste Synagoge. Sie wurde 1872 durch dieses Gebäude ersetzt, 
das bis 1938 der jüdischen Kultusgemeinde als Gotteshaus gedient hat". 
 
 
   
Dahn Synagoge 203.jpg (56085 Byte) Dahn Synagoge 204.jpg (73634 Byte) Dahn Synagoge 205.jpg (72579 Byte)  Dahn Synagoge Eingaenge.jpg (111155 Byte)
Blick auf das 
Synagogengebäude von Osten.
Otmar Weber zeigt auf einer 
Darstellung, wie der 
Innenraum aussah
Die Eingangstüren von innen. Die rechte 
Türe führte direkt zum Aufgang 
der Frauenempore.
     
Dahn Synagoge 207.jpg (78228 Byte) Dahn Synagoge 208.jpg (58793 Byte) Dahn Synagoge 209.jpg (58857 Byte)
Eine der beiden original erhaltenen
 Eingangstüren  
Gusseiserne Säule 
der Frauenempore
Reste der Ausmalung im Bereich rechts 
des ehemaligen Toraschreines
     
Dahn Synagoge 206.jpg (67124 Byte) Dahn Synagoge 212.jpg (61712 Byte) Dahn Synagoge 213.jpg (62897 Byte) Dahn Synagoge Ausmalung 1873.jpg (71314 Byte)
Aufgang zur 
Frauenempore  
Auf Höhe der ehemaligen 
Frauenempore  
Ausmalung im Bereich der Frauenempore 
über dem ehemaligen Toraschrein  
     
Dahn Synagoge 211.jpg (71958 Byte) Dahn Synagoge 214.jpg (75293 Byte) Dahn Synagoge 210.jpg (63513 Byte)
Das einzige noch erhaltene
Rundbogenfenster von innen  
Aufgang zur Frauenempore 
von oben gesehen  
Der Sternenhimmel
     
     
   Dahn Schule 200.jpg (63172 Byte)    
    Die ehemalige israelitische Schule 
neben der Synagoge, heute Wohnhaus
   
     
Erinnerungen an die jüdische Geschichte in der Stadt    
Dahn JuedGesch 101.jpg (64725 Byte) Dahn JuedGesch 100.jpg (90568 Byte) Dahn JuedGesch 102.jpg (74319 Byte)
Links: Das ehemalige Haus Katz und die Stolpersteine für Josef Katz 
(geb. 1870, ermordet 1943 in Auschwitz) und Thekla Katz geb. Teutsch 
(geb. 1881, gest. in Gurs 14.12.1940)
Stolperstein für Josef Kullmann 
(geb. 1853, umgekommen im 
Ghetto Theresienstadt 1942)
   
Dahn JuedGesch 103.jpg (85334 Byte) Dahn JuedGesch 104.jpg (66531 Byte)  
Am ehemaligen Standort des 
abgebrochenen Hauses der Familie Levy
Stolpersteine für Angehörige 
der Familie Levy
     
     
Stolpersteinverlegung im November 2007
(Fotos erhalten von Otmar Weber, Dahn)
 
Dahn Stolpersteine 20071121b.jpg (62743 Byte) Dahn Stolpersteine 20071121c.jpg (40536 Byte) Dahn Stolpersteine 20071121d.jpg (66996 Byte)
Verlegung von Stolpersteinen am 21. November 2007 für Familie Ludwig Nußbaum - Schäfergasse/Judengasse 8 (4 Steine) 
und Familie Simon Levy I - Grabenstraße 11 (5 Steine)
 
Dahn Stolpersteine 20071121e.jpg (74157 Byte) Dahn Stolpersteine 20071121a.jpg (68772 Byte)   
      
      
Rechts: Einladung zum Gedenken an 
"70 Jahre Reichspogromnacht" 
am 10. November 2008 in Dahn 
Dahn Ged 091112008.jpg (58671 Byte)   
      
       
Fotos vom 10. November 2009: 
Rundgang zu Brennpunkten der
 Reichspogromnacht in Dahn

(Fotos erhalten von Otmar Weber)
Dahn Rundgang 10112008b.jpg (59624 Byte) Dahn Rundgang 10112008c.jpg (56042 Byte)
         
       
   Dahn Rundgang 10112008a.jpg (50778 Byte) Dahn Rundgang 10112008d.jpg (69786 Byte)
      
        
Fotos von der Ausstellungseröffnung 
am 10. November 2008 

(vgl. Bericht unten; 
Fotos erhalten von Otmar Weber)
Dahn Ausstellung 10112008c.jpg (50017 Byte)   
     
        
Dahn Ausstellung 10112008a.jpg (24921 Byte) Dahn Ausstellung 10112008b.jpg (20617 Byte) Dahn Ausstellung 10112008g.jpg (57289 Byte)
 Interessierte Besucher der Ausstellung   oben und unten: exemplarische 
Dokumente zu einzelnen Schicksalen
 
   
Dahn Ausstellung 10112008e.jpg (33285 Byte) Dahn Ausstellung 10112008d.jpg (35089 Byte) Dahn Ausstellung 10112008f.jpg (54821 Byte)
Ausstellungstafel  
   
 Weitere Fotos 
(erhalten von Otmar Weber)   
 
 Dahn Familie Julius Levy 010.jpg (55492 Byte)    
Familie Julius Levy aus Dahn (1934, wohnte Weißenburgerstraße 2
Der ältere Sohn und zwei Töchter (hintere Reihe) haben überlebt.
Mutter, Vater und das jüngste Kind (vordere Reihe sitzend) 
sind umgekommen. Außerdem sind drei weitere Familienmitglieder, 
auf dem Foto nicht abgebildet, umgekommen.)  
   
     
Hinweis auf die Fotoseiten mit hochauflösenden Fotos von Michael Ohmsen, derzeit zu den folgenden Themen: 
-  ehemalige Synagoge in Dahn  
-  ehemalige israelitische Schule in Dahn   
-  ehemalige jüdische Metzgerei in Dahn 
-  "Stolpersteine" in Dahn 
zugänglich über eine Übersichtsseite der Fotoseite von Michael Ohmsen.
   

    
    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2008: Berichte zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938 
(Berichte erhalten von Otmar Weber, Dahn)   
Artikel in der "Rheinpfalz" - Pirmasenser Rundschau von Samstag, 8. November 2008 
Beitrag von Otmar Weber: Und plötzlich wartet die Hölle. Willy Katz wurde nach der Reichspogromnacht als Jude und Dahn verhaftet und ins KZ gesteckt. Er schafft es dennoch - völlig ausgeraubt - in die USA.  
Dahn PA 08112008a.jpg (174182 Byte) Dahn PA 08112008b.jpg (151228 Byte) Der ganzseitige Zeitungsartikel wurde in vier Teilen eingescannt - bitte zum Lesen einzeln anklicken.  
Dahn PA 08112008c.jpg (177242 Byte) Dahn PA 08112008d.jpg (168204 Byte)    
  
Dahn PA 12112008a.jpg (209584 Byte)Artikel aus der "Pirmasenser Zeitung" vom 12. November 2008: "Erinnerung an Brennpunkten der Reichspogromnacht in Dahn - Führung und Ausstellung zum Gedenken an die Ereignisse vor 70 Jahren".
  
Dahn PA 12112008b.jpg (197414 Byte)Artikel in der "Rheinpfalz" - "Pirmasenser Rundschau" vom 12. November 2008: "Ziel ist ein aktives 'So nie wieder'. Dahn: Ausstellung im Bürgersaal beschäftigt sich mit der Reichspogromnacht vor 70 Jahren und der Emigration Dahner Bürger.   Seit vielen Jahren hat es sich der pensionierte Lehrer Otmar Weber zur Aufgabe gemacht, die Schrecken der Nazi-Herrschaft und die Verfolgung der Juden in unserer Heimat nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit den Vorkommnissen der Reichspogromnacht in Dahn befasst sich eine vom ihm konzipierte Ausstellung".  
 
September 2009: Bericht über Arbeit von Otmar Weber anlässlich des 
"Europäischen Tages der jüdischen Kultur" am 6. September 2009  
Dahn PA 06092009.jpg (350819 Byte)Artikel von Dieter Jooss in der "Rheinpfalz" vom 1. September 2009:
Am Sonntag, 6. September, dem europaweiten Tag der jüdischen Kultur, wird Otmar Weber wieder Besucher zu den steinernen Zeugen des Landjudentums im Wasgau führen. Er versteht sich darauf, meisterlich und dramatisch zu erzählen. Man sagt: Der 'Juden-Weber“, was der ehemalige Oberstudienrat als Ehrentitel nimmt, bringe die Steine zum Sprechen. Otmar Weber kennt in Dahn und Umgegend die Geschichte jedes Steins, der irgendwie mit dem einst blühenden Landjudentum in der Pfalz zu tun hat. Stundenlang kann der 70-Jährige darüber leidenschaftlich referieren. Daten, Anekdoten, historische Zusammenhänge sprudeln aus ihm hervor und er redet sich dabei in Rage. Sobald er etwas Vertrauen gefasst hat, knufft und pufft der bärtige Mann mit dem schlohweißen Haar gerne seine Zuhörer, um sich zu vergewissern, ob ihm denn auch aufmerksam zugehört worden ist und niemandem die jeweilige Pointe entgangen ist. Wer nicht aufpasst, bekommt leicht blaue Flecken...   Der ehemalige Oberstudienrat am Pirmasenser Leibniz-Gymnasium ist so etwas wie das jüdische Gedächtnis des Wasgau. 'Juden-Weber" ist er genannt worden – natürlich war das verunglimpfend gemeint. Inzwischen aber trägt der Lehrer den 'Juden-Weber" als Ehrentitel, wie er bekundet. 
Der jüdische Friedhof bei Busenberg liegt auf einer kleinen Anhöhe hinter dem östlichen Ortsausgang unweit der B 427 Richtung Bad Bergzabern. Hainbuchenhecken umrahmen eine Wiese mit einigen Bäumen in einer malerischen Landschaft zwischen Buntsandsteinfelsen, bewaldeten Hügeln, Streuobstwiesen. Die Burgruine Drachenfels liegt in Sichtweite. 'Mögen die hier Bestatteten für alle Zeiten ungestört ruhen“, heißt es in hebräischer Schrift am Friedhofseingang, einem eisernen Tor, das Menoras, siebenarmige Leuchter, darstellt. Ruhig ist es hier in der Tat. Zu hören sind nur Vogelgezwitscher, der Wind und Verkehrslärm von der nahen Straße, auf der sich Motorradfahrer Wettrennen liefern. 285 Grabmale stehen auf dem abschüssigen Gelände in Reih‘ und Glied. Früher gab es auch Grabeinfassungen, wie man sie von christlichen Friedhöfen kennt. Aber der Friedhof wurde vielfach umgestaltet und sieht heute strukturierter und romantischer aus, als er jemals war. Der Friedhof wurde 1824 angelegt. Er war über 150 Jahre die zentrale jüdische Begräbnisstätte für Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal. Speziell in Busenberg war ein Viertel der Einwohner jüdischen Glaubens. Die letzte Beisetzung geschah 1979. Der Friedhof gilt Otmar Weber als einer der schönst gelegenen jüdischen Friedhöfe der Pfalz. Es ist in etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld. Akkurat geschnittenes Gras bedeckt die einstige Lehmgrube, hier und da recken sich Gänseblümchen in die Nachmittagssonne. Blumen sind keine zu sehen. Sie sind in den jüdischen Trauerriten nicht erwünscht. 
Otmar Weber beginnt mit seinem Bericht. Er reckt die Hände zum Himmel spreizt die Finger so, dass sich die Daumen berühren. Das mit seinen Händen geformte Symbol erscheint auch auf vielen Grabsteinen, ebenso Gefäße oder Matzen, Oliven, Rosen. Die Symbole, erläutert Weber, verdeutlichen den Namen die Sippe. Webers beispielhafte zehn Finger stehen für betende Hände. Bei diesem Symbol handelt es sich um die Hände von Männern aus dem Geschlecht Aaron, die das Volk Israel segnen sollen. 'Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“, heißt es in der Thora, die aus den fünf Büchern Mose besteht. Andere Symbole sind Kannen und Schüsseln. Je nach Zeit und Kunst des Bildhauers haben sie unterschiedliche Formen. Die Kanne und die Schüssel sind Symbole für die Nachkommen aus dem Stamm Levi. Die Leviten wuschen den Priestern vor dem Segen die Hände. Andere Symbole auf dem Friedhof sind dem geschichtsinteressierten deutschen Besucher hingegen eher vertraut. Es handelt sich um Kreuze, eingefasst in Eichenlaub. 'So deutsch waren manche Juden, deutscher geht es gar nicht", sagt Weber dazu. Insgesamt dienten während des Ersten Weltkriegs über 100.000 Juden in den deutschen Streitkräften, 12.000 von ihnen starben auf den Schlachtfeldern. 31.000 deutsche Soldaten jüdischen Glaubens wurden auf Grund ihrer Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, darunter sieben jüdische Soldaten aus dem Wasgau. Weber hat solche Zahlen sofort parat. Der prozentuale Anteil der Juden beim Kämpfen an der Front und beim Sterben lag höher als der Anteil an der Bevölkerung. Das hinderte die perfiden Nationalsozialisten aber nicht daran, die Frontkämpfer wie alle Juden in Elend und Tod zu schicken. 
Ansonsten spricht Weber auch zur Dahner Synagoge oder zur Busenberger Mikwe (Ritualbad). 'Die einzige Gemeinde in der Pfalz, in der noch das gesamte jüdische Ambiente vorhanden ist" – diesen Satz sagt Weber stolz über seine Wahlheimat Dahn, in die ihn 1979 einst seine Liebe zu seiner Frau und Mitstreiterin Elisabeth gebracht hat. Gleichwohl ist Weber auch fachkundig, was andere jüdische Friedhöfe in der Pfalz anbelangt (siehe Stichwort auf dieser Seite). 
Schon als jungem Messdiener im westpfälzischen Nanzdietschweiler ging es Weber 'instinktiv gegen den Strich", wenn – oft in der Karwoche – von Juden immer nur im Negativen die Rede gewesen sei. Antijudaistische Stellen im Neuen Testament und antijudaistische Äußerungen in der christlichen Religion hält er für eine Ursache des Antisemitismus. Im Studium in Mainz und Tübingen – unter anderem bei den Theologen Hans Küng und Josef Ratzinger, dem heutigen Papst, konnte Weber 'immer weniger damit anfangen", dass eine Kulturnation wie Deutschland 'die Judenvernichtung geplant und ausgeführt" hatte. Aber richtig konkret setzte sich der 2002 pensionierte Lehrer für Theologie ab der zweiten Hälfte der 80er Jahren mit der NS-Zeit auseinander. Irgendwann in dieser Zeit war Weber plötzlich der 'Juden-Weber". Bei Weber ist aber auch persönliche Betroffenheit im Spiel. Neben den christlichen Motiven und dem historischen Interesse will er aufklären. In der Hitlerjugend wäre er wohl auch mitmarschiert, wenn er nicht erst 1939 geboren worden wäre, glaubt er heute. Weber will nicht anklagen, sondern vermitteln. Einer seiner Brüder starb 1943 an der Ostfront als 18jähriger Waffen-SS-Mann. 'Verführt, verblendet, wie so viele", so Weber. Heute hängt ein Bild seines Bruders genauso in seinem Arbeitszimmer wie das seines Vaters. Er will aufklären, vermitteln, nicht anklagen.
In dem selben Zimmer reihen sich Ordner mit Dokumenten über das Pfälzer Judentum. In zwei Jahrzehnten Recherche hat er sie sich gegen manche Widerstände und auch persönliche Anfeindungen erarbeitet, hat Aufsätze, Artikel und Bücher geschrieben.
Otmar Weber sucht derweil händeringend einen Nachfolger, sagt er. Der rüstige Senior kränkelt etwas. Ein Nachfolger aber müsste wie er zwei Jahrzehnte Erfahrung, gepaart mit innerer Überzeugung und geballte Energie haben. Vielleicht fühlt sich ein ehemaliger Schüler berufen, hofft er. Aber noch ist Weber ausreichend fit – aufrecht sein Gang, sportlich die Figur, wach der Geist, lebendig die Erinnerung: Wenn Weber erzählt, dann wird begreifbar, wie Pfälzer Mitbürger einst vertrieben wurden – die Katz', Levys, Rosenstiels, Kullmanns und Schwarz‘. 50 Juden wurden in der NS-Zeit aus Dahn und Umgebung Opfer des Holocaust. Wie Josef Kullmann - den nicht einmal der 'Heldentod" seines Sohnes für Kaiser und Vaterland im Ersten Weltkrieg vor der Deportation nach Theresienstadt und der Vernichtung bewahrt hat. (prw).  
    
September 2014: Erinnerung an den vor 100 Jahren gefallenen jüdischen Soldaten aus Dahn Siegmund Kullmann     
Dahn PS 17092014.jpg (186090 Byte) Artikel in der "Pirmasenser Rundschau" (Die Rheinpfalz, Lokalausgabe) vom 17. September 2014: "'Ich war deutscher Soldat, uns machen die nichts'..." 
    
 
November 2014: Presseartikel über die Arbeit von Otmar Weber    
 Presseartikel vom 12. November 2014 
in der Pirmasenser Zeitung 
 Dahn PA 12112014 PZ.jpg (68410 Byte) Dahn PA 12112014.jpg (90666 Byte)  
   Pressebericht zu einem Film über 
die Arbeit von Otmar Weber 
Pressebericht über Otmar Weber als 
"Unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen"   
 
  

  
   

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Dahn  
Informationsseite von www.dahner-felsenland.net zur Geschichte der Dahner Juden  
Ausführliche Seite zum "Arbeitskreis Juden im Wasgau" bei der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit Rheinland-Pfalz

Literatur:  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 255-286.
ders.: Judentum im Wasgau. Erhaltenswerte jüdische Kulturdenkmäler im Wasgau. Synagoge in Dahn. Mikwe und Friedhof in Busenberg. Dahn 2006. Broschüre DIN A 4, 16 S.  
ders.: Zehn Tage mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern unterwegs. Gedanken zum Heimattreffen ehemaliger jüdischer Mitbürger vom 05.07. bis 14.07.1991 in Dahn. In: Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz. 2. Jahrgang. Ausgabe 2/1992 Heft Nr. 3. S. 45-52. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt).   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 132-133 (mit weiteren Literaturangaben).
Otmar Weber: "Es geschah vor 70 Jahren - Die Reichspogromnacht in Dahn". 80 Seiten. 2008.   
Informationen:    Zur Ausstellung, die im November 2008 im Bürgersaal der Verbandsgemeindeverwaltung Dahner Felsenland gezeigt wurde, erschien am 15. Dezember 2008 ein Katalog als Broschüre in DIN-A4-Format mit Farbumschlag, erstellt von Otmar Weber. Auf 80 Seiten werden an Hand von Texten, Dokumenten und Fotos die Ereignisse vom 10./11. November 1938 in Dahn dargestellt. Schwerpunkte bilden die Besonderheiten der Dahner Reichspogromnacht - ausführliche Zeitzeugenberichte - Mitmacher und Mutige - die Ausplünderung des Dr. Willy Katz – der Holocaust der Familie Julius Levy – STOLPERSTEINE für die Opfer – geblieben sind steinerne Zeugnisse. Die Broschüre kostet 12,50 Euro und kann in Dahn in den Buchhandlungen Ehrhart und Guttenbacher und bei dem Verfasser (E-Mail) erstanden werden. In Pirmasens ist sie in den Buchhandlungen Jung & Buchheit und Thalia zu erhalten. 

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Dahn Palatinate. A Jewish community existed in the 19th century, the Jewish population numbering 134 in 1848 and 85 in 1875. All were engaged in trade and light industry. The community maintained a synagogue (renovated 1871-72) and elementary school. In June 1933, about four months after the Nazi assumption of power, the Jewish population numbered 50. Emigration abroad and to other German cities in the Nazi period reduced the Jewish population to eight in 1939. These were evacuated on 1 September 1939 with the rest of the inhabitants owing to the town's proximity to the French border. Some were undoubtedly included in subsequent deportations.   
        
         

                   
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Stand: 10. Juni 2016