Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Saarbrücken besteht eine jüdische Gemeinde bis zur Gegenwart, unterbrochen von den Jahren einer gewaltsamen Auflösung der Gemeinde sowie der Vertreibung bzw. Deportation und teilweisen Ermordung ihrer letzten Mitglieder in der NS-Zeit.  
 
Vermutlich schon im Mittelalter lebten einzelne Juden in (Alt-)Saarbrücken und in St. Johann. In einem Freiheitsbrief, den Graf Johann I. 1321 den beiden Städten verlieh, behielt er sich die Herrschaft über die Juden auch weiterhin vor. Mit dieser allgemein gehaltenen Formulierung ist jedoch noch nicht eindeutig der Nachweis erbracht, dass Juden damals in den beiden Städten ansässig waren, zumal weitere Nachrichten fehlen. 
   
Erst im 18. Jahrhundert konnten jüdische Personen wieder in der Stadt zuziehen. Als Geldgeber der Fürsten von Nassau-Saarbrücken und als Pächter von Eisenbetrieben in der Grafschaft Saarbrücken werden einzelne Juden genannt. Seit 1760 waren jüdische Kauf- und Handelsleute in der Stadt willkommen, um für ein weiteres Wirtschaftswachstum zu sorgen. Gesetze wurden verabschiedet, wonach Juden Häuser und Felder erwerben konnten und für ihr Vieh Weide und Wasser erhielten. Die zunächst positive Entwicklung wurde jedoch 1776 unterbrochen, als sich die christlichen Kaufleute gegen die jüdische Konkurrenz wehrten. Im Juli 1776 erkauften sich die Bürger der Städte Saarbrücken und St. Johann von Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken für 75 Louis d'or die Ausweisung der Juden der Stadt. Die Kaufleute erbrachten 25 und die Gemeindekassen 50 Louis d'or. Innerhalb der Stadtmauern und im Umkreis von 2 Stunden durfte nach dem Dekret des Fürsten kein Jude mehr wohnen.           
      
Unter französischer Herrschaft konnten seit der Zeit um 1800 wieder jüdische Personen zuziehen. Der vermutlich erste war 1793 Wirt Isaak Kahn aus Tholey. Es folgte 1795 die Händlerfamilie Simon Moses aus Lixheim in Lothringen. 1808 wurden 61 jüdische Einwohner gezählt. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem nach dem Aufschwung Saarbrückens als Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie an der Saar zogen zahlreiche jüdische Personen und Familien aus der weiteren Umgebung zu: aus Orten im Gebiet des heutigen Saarlandes, aber auch aus Orten im Bereich des Elsasses, Lothringens und der Pfalz. 
   
Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1829 14 jüdische Familien, 1837 zehn jüdische Familien, 1843 45 jüdische Einwohner, 1871 in St. Arnual, Altsaarbrücken und St. Johann zusammen 232 jüdische Einwohner, 1885 376, 1905 872, 1910 1103.     
  
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden durch jüdische Gewerbetreibende zahlreiche offene Läden und Handelsgeschäfte eröffnet. 1916 gab es 13 jüdische Textilwarengeschäfte und 14 Leder- und Schuhgeschäfte im Besitz jüdischer Personen. 1910 waren vier der zusammen 44 Ärzte der Stadt jüdische Gemeindeglieder, 1919 sieben der damals 40 Juristen. Im Stadttheater gab es unter den Schauspielern wie im Orchester jeweils mehrere jüdische Personen. Mehrere Industriebetriebe waren von jüdischen Unternehmern aufgebaut worden, darunter chemische Fabriken und Tabakfabriken. Zwei Hotels und eine Apotheke gehörten gleichfalls jüdischen Personen. 
 
Seit Ende des 19. Jahrhunderts kamen etliche osteuropäische Juden auf der Flucht vor den dortigen Pogromen in die Stadt.      
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war u.a. ein Lehrer angestellt, der zugleich als Kantor der Gemeinde tätig war. Weiter war ein Schochet angestellt (vgl. die Ausschreibung der beiden Stellen 1892 unten). In den 1920er-Jahren gab es zwei Kantoren, von denen einer Oberkantor war. Die osteuropäischen Juden richteten einen eigenen Betraum ein.  
 
Saarbrücken war zeitweise Sitz eines Rabbiners. Als Rabbiner waren tätig: 1921 bis 1924 Rabbiner Dr. Siegfried Alexander, 1924 bis 1928 Rabbiner Dr. Ernst I. Jacob, 1929 bis 1934 Rabbiner Dr. Friedrich Salomon Rülf, 1935 bis 1938 Rabbiner Dr. Lothar Simon Rothschild. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Vizefeldwebel Karl Abraham (geb. 24.3.1889 in Saarbrücken, gef. 10.12.1917), Fritz Bickart (geb. 22.6.1893 in Saarbrücken, gef. 23.4.1917), Unteroffizier Heinrich Dottenheimer (geb. 13.4.1888 in Müllheim/Baden, gef. 22.8.1914), Vizefeldwebel Ernst Freund (geb. 20.11.1892 in Saarbrücken, gef. 18.12.1914), Jakob Heinrich Heil (geb. 23.1.1878 in Dieburg, gef. 24.6.1915), Max Lion (geb. 15.10.1883 in Saarbrücken, vor 1914 in Gelsenkirchen wohnhaft, gef. 25.9.1915), Unteroffizier Emil Hirsch (geb. 16.9.1882 in Homburg, Pfalz, gef. 18.10.1917), Hermann Hirsch (geb. 17.8.1886 in Talling, gef. 22.8.1914), Max Japhet (geb. 12.7.1887 in Saarbrücken, gef. 17.7.195), Richard Kahn (geb. 11.6.1888 in Worms, gef. 25.4.1918), Gefreiter Robert Kahn (geb. 24.2.1889 in Schirrhofen, gef. 5.4.1916), Moritz Kirchheimer (geb. 28.8.1886 in Berwangen, gef. 25.7.1917), Manfred Levy (geb. 2..9.1899 in Saarlouis, gef. 27.10.1918), Leopold Lion (geb. 9.4.1896 in Saarbrücken, gef. 12.7.1915), Lnt. Hugo Lyon (geb. 30.5.1889 in Saarbrücken, gef. 7.9.1917), Alexander Marx (geb. 20.11.1898 in Ratingen, gef. 16.12.1916), Arthur Marx (geb. 18.11.1895 in Saarbrücken, geb. 18.12.1914), Rüdiger (Roger) Michel (geb. 2.9.1894 in St. Avold, gef. 24.7.1917), Julius Mortge (geb. 6.5.1890 in Rhens, gef. 14.1.1918), Isidor Salomon (geb. 16.9.1881 in Zell, Mosel, gef. 1.10.1915), Unteroffizier Samuel Kurt Schlesinger (geb. 28.6.1886 in Nordhausen, gef. 26.8.1914), Gustav Weil (geb. 8.11.1870 in Konken, gef. 27.2.1917), Jacob Weil (geb. 18.3.1890 in Gailingen, gef. 5.3.1915), Leo Weiler (geb. 18.6.1889 in Ensdorf, gef. 22.12.1914), Unteroffizier Siegfried Wolfermann (geb. 6.12.1897 in Saarbrücken, gef. 9.10.1917), Arthur Wolfsbruck (geb. 7.2.1892 in Walduren, gef. 16.5.1917).                
   
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde etwa 2.200 Personen gehörten (fast 2 % von insgesamt etwa 120.000 Einwohnern), war Gemeindevorsteher Gottfried Marx (Sulzbachstraße 24), Vorsteher der Repräsentanz Dr. Bichart (Sulzbachstraße 3). Rabbiner Dr. Jacob wohnte in der Dudweilerstraße 69. Als Ober-Kantor war J. Lißner tätig, als weiterer Kantor J. Wolfermann. Synagogendiener war A. David. Die Religionsschule der Gemeinde besuchten 117 Kinder. Zur jüdischen Gemeinde Saarbrücken gehörten Mitte der 1920er-Jahre auch die jüdischen Einwohner u.a. in Friedrichsthal (Saar); den heutigen Stadtteilen von Saarbrücken: Altenkessel, Brebach, Schafbrücke und ScheidtHeusweilerVölklingen mit Stadtteilen Fürstenhausen, Ludweiler und Wehrden; Sulzbach/Saar; Dudweiler; Güchenbach (Ortsteil von Riegelsberg), QuierscheidPüttlingen
  
1932 waren die Gemeindevorsteher: Gottfried Marx (1. Vors., Heinestraße 7), Dr. Weiler I (2. Vors. Bismarckstraße 45), Ferdinand Seligmann (3. Vors. Graf-Johann-Straße 24). Die beiden Vorsitzenden der Repräsentanz waren Martin Mendelssohn (1. Vors., Quienstraße 21) und Dr. Leo Weiler (2. Vors., Karcher Straße 4). Es gab zur Bewältigung der Gemeindeaufgaben mehrere Ausschüsse: Schul- und Jugendpflege-Ausschuss (Vorsitzender Dr. Leo Weiler), Bau-Ausschuss (Vorsitzender Martin Mendelssohn), Synagogenausschuss (Vorsitzender Frenkel), Friedrichs-Ausschuss (Vorsitzender Friedberg), Armen- und Krankenpflege-Ausschuss (Vorsitzender Mendelsohn), Revisions-Ausschuss (Vorsitzender Cohn), Statuten-Ausschuss (Vorsitzender Dr. Weiler I.), Finanzausschuss (Vorsitzender Dr. Scheuer). Der seit 1929 tätige Rabbiner Dr. Rülf wohnte Mainzer Straße 171. Als Kantoren und Lehrer waren Rudolf Loewy (Neumarkt 1) und Sigmund Friedemann (Uhlandstraße 32, siehe Bericht über ihn unten) tätig. 
  
An jüdischen Vereinen und Wohlfahrtseinrichtungen bestanden: eine Örtliche Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege (Zentralstelle für jüdische Wohlfahrtspflege), die Brüderschaft Chaj-Anoschim (1932 unter Vorsitz vom Simon Salomon, Petersbergstraße 9), die Durchwandererfürsorge, der Israelitische Frauenverein (1932 unter Vorsitz von Ida Blum, Rathausplatz 4), der Wohltätigkeitsverein (1932 unter Vorsitz von Leo Oppenheimer in Scheidt), eine Ortsgruppe des Central-Vereins, der Ostjüdische Verein, die Saarloge (Vorsitzender Rechtsanwalt Gustav Levy) und die Schwestervereinigung der Saarloge (1932 unter Vorsitz von Frau Herrmann, Bleichstraße 6). Im Schuljahr 1931/32 wurde 310 Kindern der Gemeinde Religionsunterricht erteilt. Es gab seit 1927 einen Jüdischen Kinderhort (Nassauer Straße 6 mit 30 Plätzen). An Stiftungen gab es u.a. die Flora- und Sally-Weil-Stiftung (Zweck und Arbeitsgebiet: Stipendien für die Berufsausbildung; Adresse über Rabbiner Dr. Rülf).               
    
Obwohl Saarbrücken mit dem Saarland von 1920 bis 1935 als Folge des Versailler Vertrages aus dem Deutschen Reich ausgegliedert war und als Mandatsgebiet dem Völkerbund unterstand, setzten auch hier mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Reich 1933 als erstes starke Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte ein (siehe Bericht unten). Die internationale Regierungskommission unternahm keine Maßnahmen gegen die Boykottierung der jüdischen Geschäfte. Auf Grund dieser Boykottmaßnahmen, weiterer ständig zunehmender Repressionen und der antijüdischen Stimmung in der Stadt haben bereits 1933 jüdische Einwohner die Stadt verlassen. Mit der Angliederung der Saar an das Reich nahm die Auswanderung zu. Bis Juni 1936 hatten bereits 36 % der Saarbrücker Juden die Stadt verlassen. Bis dahin waren 69 jüdische Geschäfte verkauft worden. In der jüdischen Schule gab es 1936 noch 145 Schülerinnen und Schüler, 20 % aus anderen jüdischen Gemeinden des Saarlandes. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt; die jüdischen Männer (etwa 130 bis 150) wurden durch die Straßen der Stadt geführt und misshandelt. In den folgenden Tagen wurden die meisten von ihnen in das KZ Dachau verbracht. im Mai 1939 wurden noch 175 jüdische Personen gezählt. Bei Kriegsausbruch wurde die Stadt vorübergehend evakuiert. Nur wenige der jüdischen Einwohner durften zurückkehren, andere wurden in Zwangsarbeitslager geschickt. Am 22. Oktober 1940 wurden sechs jüdische Einwohner in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert.       
      
Von den in Saarbrücken geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   eine Zusammenstellung der etwa 250 Namen konnte noch nicht vorgenommen werden.     
    
      
Nach 1945: nach Kriegsende konnten Mitte 1946 40 überlebende Juden eine neue Kultusgemeinde gründen, bis um 1950 kamen 180 jüdische Personen in die Stadt zurück. Um 1960 gehörten ihr etwa 600 Personen an. Im Jahr 2005 zählte die Synagogengemeinde Saar etwa 1.100 aktive Mitglieder.
Weitere Informationen über die neue jüdische Gemeinde über die Website www.synagogengemeindesaar.de
Wikipedia-Artikel "Synagogengemeinde Saar" und  "Synagoge Saarbrücken"       
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Anfangszeit der jüdischen Gemeinde 
Neue Ansiedlung jüdischer Personen im 18. und wieder im 19. Jahrhundert (Artikel von 1843)   

Saarbruecken AZJ 17071843.JPG (235295 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juli 1843: "Saarbrücken, 28. Juni (1843). Es ist höchst wichtig, die Dokumente zu sammeln, welche den Geist und die Gesinnung der Rheinländer betreffs der Emanzipation der Israeliten darlegen. Es kann bald Gelegenheit kommen, sie zu benutzen. Ich übersende daher anbei die Beurteilung, welche die in ihrem Blatte mitgeteilte Petition der ehrenwerten Bürger von Saarbrücken und St. Johann, sechster Punkt: die Emanzipation der Juden (s. No. 22), im 'Saarbrücker Anzeiger' No. 74 gefunden. Ich glaube, jedermann wird sich über diesen klagen, schlagenden Artikel freuen, der in diesen seinen Eigenschaften, so viel auch über den Gegenstand geschrieben wird, ein seltener ist.   
'Wir gehen daher sofort über zu dem sechsten und letzten Punkt: die Emanzipation der Juden. Wenn alle bisherigen Bitten lediglich dem Gebiete der Politik und somit des Verstandes angehören, so hat diese Bitte zugleich etwas in sich, das die edelsten Gefühle des menschlichen Herzens berührt. 
Es war am 8. Juli 1776, als die Bürger der Städte Saarbrücken und St. Johann für 75 Louisdor, wovon die Kaufmannschaft 25 aus eigenen Mitteln, die Gemeindekassen 50 aufbrachten) von ihrem Fürsten das Recht erkauften: dass innerhalb ihrer Mauern und bis auf 2 Stunden im Umgang kein Jude wohnen dürfe.  Die Söhne und Enkel dieser Bürger, tragen im Jahre 1843 bei unserem Fürsten dahin an, dass die Juden, die bereits bei uns eingebürgert sind, zum vollen Genusse aller der Rechte zugelassen werden sollen, die uns selbst zustehen. Und was sind die Motive dieses Schrittes? Die Petition beruft sich auf die Gleichheit der Lasten, die die Juden mit uns teilen, auf den humanen Geist der Zeit und des Christentums, Sitte und Religion, die teuersten Güter des gebildeten Menschen.   
Nichts kann mehr den Fortschritt bezeichnen, den des öffentliche Geist in den 67 Jahren gemacht, welche zwischen den beiden Tatsachen liegen; es ist der große Gedanke des angeborenen Menschenrechts, den die Zeit zum Bewusstsein gebracht hat; es ist das dadurch erwachte Rechtsgefühl, das sich verletzt findet bei dem Anblicke von Nebenmenschen, die mit gleichen Fähigkeiten, gleichen Ansprüchen geboren, unter den letzten Trümmern mittelalterlicher Ideen, halb ehr-, bald rechtlos, ein verkümmertes Dasein führen."    

     
     
Aus der Geschichte des Rabbinates Saarbrücken  
  
Über Rabbiner Dr. Siegfried Alexander (Rabbiner von 1921 bis 1924)  
Anmerkung: Dr. Siegfried Alexander (geb. 1886 in Losens, Posen, umgekommen 1944 im KZ Auschwitz): studierte von 1907 bis 1912 in Berlin und Würzburg (Promotion ebd. 1915); im Ersten Weltkrieg Frontsoldaten, dann Feldhilfsrabbiner, seit 1919 Rabbiner in Köthen, Anhalt; seit Oktober 1921 Rabbiner in Saarbrucken, seit Mai 1924 bis zur Auflösung der Gemeinde 1938 Rabbiner in Berlin in der Gemeinde Ahawas Achim, dazu akademischer Religionslehrer an höheren Schulen im Bezirk Wedding und Seelsorger des jüdischen Krankenhauses und Altenheims; blieb auch nach 1938 in Berlin als Rabbiner, Seelsorger und Religionslehrer; am 12. März 1943 mit seiner Frau in das KZ Auschwitz deportiert. 
  
Zum neuen Rabbiner in Saarbrücken wurde Dr. Siegfried Alexander gewählt (1921)    

Saarbruecken AZJ 05081921.jpg (22972 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. August 1921: "Zum Nachfolger des nach Saarbrücken berufenen Rabbiners Dr. Alexander in Köthen ist Herr Rabbiner Leo Baneth aus Berlin gewählt worden".    

   
Rabbiner Dr. Siegfried Alexander wird als neuer Rabbiner in Saarbrücken eingeführt (1921)  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. August 1921: "Köthen. Für den nach Saarbrücken berufenen Rabbiner Dr. Siegfried Alexander, gebürtig aus Lobsenz in Posen, wurde Rabbiner Leon Baneth aus Berlin nach hier berufen."       
   
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. November 1921: "Saarbrücken. Dr. Alexander, bisher Rabbiner in Köthen, wurde hier als Rabbiner eingeführt."   
   
Saarbruecken AZJ 25111921.jpg (14307 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. November 1921: "Dr. Alexander, bisher Rabbiner in Köthen, wurde in Saarbrücken als Rabbiner eingeführt".   

      
      
Über Rabbiner Dr. Ernst I. Jacob (Rabbiner von 1924 bis 1928)    
Anmerkung: Rabbiner Dr. Ernst I. Jacob (geb. 1899 in Göttingen als Sohn des Rabbiners Dr. Benno Jacob, gest. 1974 in Pittsburgh, PA, US): studierte von 1920 bis 1924 in Breslau (hier auch Rabbinerexamen). Seit 1924 Rabbiner in Saarbrücken, seit 1928/29 bis 1938 Bezirksrabbiner in Augsburg; November 1938 im KZ Dachau; im Januar 1940 in die USA emigriert, wo er ab 1943 als Rabbiner in Springfield und ebd. als Prof. für Geschichte tätig war. Seit Ende 1968 im Ruhestand. Sein Sohn Prof. Dr. Walter Jacob (geb. 1930) wurde gleichfalls Rabbiner; bekannt u.a. als Gründer und erster Präsident des Abraham Geiger Kollegs Potsdam.    
       
Verlobungsanzeige für Annie Loewenberg und Rabbiner Dr. Ernst Jacob (1928)     

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 5. Oktober 1928: 
"Annie Loewenberg - Rabbiner Dr. Ernst Jacob. Verlobte. 
Hamburg Oderfelder Straße 40 - Saarbrücken  Gustav-Bruch-Strasse 92.  
Oktober 1928."       

  
  
Über Rabbiner Dr. Friedrich Salomon Rülf (Rabbiner von 1929 bis 1934 und 1951 bis 1952)    
Anmerkung: Rabbiner Dr. Friedrich Salomon Rülf (geb. 1896 in Braunschweig, gest. 1976 in Vevey, Schweiz): studierte von 1914 bis 1923 in Breslau; im Ersten Weltkrieg Feldhilfsgeistlicher, 1923 bis 1936 Rabbiner und Leiter der Religionsschule des Schulvereins am Hamburger Tempel; 1926 Rabbiner in Bamberg, 1929 bis 1934 Rabbiner in Saarbrücken, dazu Vorsitzender der jüdischen Wohlfahrtsorganisationen und der jüdischen Schulen in Saarbrücken, 1934 jüdischer Vertreter beim Völkerbund anlässlich der Volksabstimmung im Saargebiet; Januar 1935 nach Palästina/Israel emigriert, wo er bis 1951 als Lehrer, Schulleiter und Rabbiner tätig war, 1951 Rückkehr nach Deutschland, September 1951 bis 1952 Rabbiner im Saargebiet, 1953 Rabbiner in Amsterdam, seit 1956 wieder in Israel. Zum Gedenken an seine Verdienste vergibt die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes (CJAS)) die Friedrich-Schlomo-Rülf-Medaille an Personen, Institutionen oder Initiativen, die sich um die Verständigung zwischen Juden und Christen verdient gemacht haben. Seit 2008 ist der Platz vor dem Saarcenter nach ihm benannt (Rabbiner-Rülf-Platz; 2012/13 völlig neu gestaltet und im November 2013 neu eingeweiht; hier seitdem ein Mahnmal nach einem Entwurf des Künstlers Ariel Auslender zur Erinnerung an die während der NS-Zeit ermordeten jüdischen Saarländer).       
  

Rabbiner Dr. Friedrich Rülff emigriert nach Palästina - sein Nachfolger wird Dr. Lothar Rothschild (1934/1935)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1934: "Saarbrücken 29. November (1934). Der bisherige Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Saarbrücken, Dr. Friedrich Rülf, der erst vor kurzem in einer öffentlichen Erklärung dem der saarländischen Judenheit gemachten Vorwurf undeutscher Gesinnung entgegengetreten ist, und sich gegen judenfeindliche Tendenzen, insbesondere gegen die Boykottierung jüdischer Unternehmungen und Geschäfte, gewandt hat, verlässt am 1. Januar 1935 seinen Posten, um sich in Palästina niederzulassen. Zu seinem Nachfolger wurde Dr. Lothar Rothschild gewählt, der seine Studien am Breslauer Jüdisch-Theologischen Seminar absolviert hat."         
 
Erinnerung an Rabbiner Dr. Rülf: 
der "Rabbiner-Rülf-Platz"  
(Fotos: Stefan Haas, 2016) 
Saarbruecken Ruelf-Platz 010.jpg (71251 Byte) Saarbruecken Ruelf-Platz 011.jpg (144891 Byte)  
  Hinweistafel "Rabbiner-Rülf-Platz - Friedrich Schlomo Rülf 
1896-1976 - Rabbiner, Lehrer und Schriftsteller" 
Steinerne Birkenbaumstümpfe: Mahnmal zur Erinnerung
 an die in der NS-Zeit deportierten jüdischen Saarländer    
 

    
    
Über Rabbiner Dr. Lothar Simon Rothschild (Rabbiner von 1935 bis 1938) 
Anmerkung: Rabbiner Dr. Lothar Simon Rothschild (geb. 1909 in Karlsruhe, gest. 1974 in St. Gallen): studierte von 1928 bis 1933 in Breslau und in Basel; 1935 bis 1938 Oberrabbiner für Saarbrücken und das Saarland, 1938 in die Schweiz emigriert, wo er zunächst als Leiter der Flüchtlingshilfe Basel tätig war; seit 1940 Lehrbeauftragter und Dozent an der Universität Zürich sowie in St. Gallen, 1943 bis 1968 Rabbiner in St. Gallen, 1968 bis 1974 Rabbiner in Kreuzlingen.   
   
Rabbiner Dr. Lothar Rothschild verlässt Saarbrücken (1938)
   

Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 4. November 1938: "Rabbiner Dr. Lothar Rothschild, der das Rabbinat der Synagogengemeinde Saarbrücken und das Bezirksrabbinat für das Saarland seit dem 1. Januar 1935 versehen hat, hat dieser Tage seinen Wohnsitz nach der Schweiz verlegt. In einer verhältnismäßig kurzen, aber ereignisreichen Zeit, in der die Zahl der Gemeindemitglieder auf ein Zehntel ihres Bestandes zurückging, hat Herr Dr. Rothschild die Aufgaben seines Amtes mit tiefem Verständnis für die Sorgen und Nöte jedes Einzelnen und steter Hilfsbereitschaft ausgeübt. Insbesondere galt seine Sorge der Förderung der Jugendlichen. Als Redner hat sein Name weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus Anerkennung gefunden. Dr. Rothschild gehörte dem Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und auch dem Rat der Reichsvertretung der Juden in Deutschland an. (Der 'Jüdischen Rundschau' entnommen). 
Den Leser des 'Jüdischen Gemeindeblattes' ist Rabbiner Dr. Rothschild durch seine lehrreichen und interessanten Beiträge bekannt."   

         
         
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und weiterer Kultusbeamten  
Lehrerkonferenz in St. Johann - Saarbrücken (1889)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1889: "Wittlich, 8. Juli (1889). Lehrerkonferenz. Am 9. und 10. Juni dieses Jahres hatten sich zu St. Johann an der Saar die Mitglieder des Verbandes israelitischer Lehrer und Kultusbeamten Süddeutschlands zur Abhaltung der jährlichen Generalversammlung zahlreich eingefunden. Programmmäßig um 11 Uhr eröffnete der I. Vorsitzende Herr Eppstein - Hoppstädten die Verhandlungen, die Anwesenden, besonders auch die Herren Rabbinen Dr. Goldschmidt - Hoppstädten, Dr. Mayer - Zweibrücken und Dr. Zuckermandel - Trier herzlich willkommen heißend. In dem auf das Vereinsjahr geworfenen Rückblick gedachte er mit warmen Worten des geliebten, unvergesslichen, hochseligen Kaisers Friedrich, zu dessen Andenken sich die Anwesenden ehrfurchtsvoll von den Sitzen erhoben. Ebenso ehrten die Versammelten das Andenken des verstorbenen Kollegen Baum - Bosen. Der Unterzeichnete gab alsdann über die Vereinskasse Rechenschaft, worauf ihm Decharge (= Entlastung) erteilt wurde. Alsdann ward der bisherigen Vorstand wieder gewählt und besteht demnach aus den Herren Eppstein - Hoppstädten als I., Nußbaum - Trier als II. Vorsitzenden und Nußbaum - Wittlich als Kassierer und Schriftführer. Inzwischen erschienen Herr E. Lyon mit zwei Vorstandsmitgliedern der Gemeinde St. Johann - Saarbrücken. Erster begrüßte die Versammlung, wünschend, dass die Verhandlungen          
Saarbruecken AZJ 18071889a.jpg (398761 Byte) zum Wohle und Gedeihen der Schulen geführt werden mögen. Sodann begrüßte auch Herr Dr. Zuckermandel - Trier als Delegierter des Deutsch-Jüdischen Gemeindebundes namens desselben die Versammlung, das gedeihliche Wirken des Bundes für Gemeinde, Schule und Lehrer hervorhebend und die Versammelten auffordernd, den genannten Bund und seine Institutionen nach Kräften zu unterstützen. Somit erledigte sich Punkt I der Tagesordnung und es erhielt Herr Heß - Saarwellingen das Wort zu seinem Vortrage: 'Die zwei untersten Jahrgänge in der Religionsschule.' ...  Der Vorsitzende dankte dem Referenten für seine vortrefflichen Ausführungen und eröffnete die Debatte, die äußerst lebhaft und erregt geführt wurde. Es war den Meisten - weil ein ganz neues Verfahren - das eigentliche 'Wie?' unklar und daher ward der Wunsch ausgesprochen, bei Gelegenheit der nächstjährigen Konferenz eine Lehrprobe darüber abzuhalten. Die Versammlung einigte sich schließlich in der von Herrn Nußbaum - Trier im Anschluss an den Vortrag vorgeschlagenen These, dass der hebräische Leseunterricht erst mit dem zweiten Schuljahre beginnen will...    
Um 4 1/2 Uhr wurden die Verhandlungen fortgesetzt und es erhielt Herr Dr. Zuckermandel - Trier das Wort zu seinem Referate 'Spruchbuch'. In 1 1/4-stündiger Rede (dieselbe erscheint gegenwärtig im 'Israelitischen Volksblatte'), verbreitete sich der Referent über folgende Punkte: die Notwendigkeit der Religionslehre, die Quellen derselben, die Gebote enthalten alle Glaubens- und Sittenlehren, die Konzentrierung von biblischer Geschichte, Religionslehrer und Hebräisch, das Spruchbuch als Mittel hierzu, die Kritiken über dasselbe in den verschiedenen israelitischen Blättern und die Methode beim Gebrauche. Im Anschluss hieran nah die Versammlung folgende von Herrn Redakteur Nußbaum - Trier vorgeschlagene These an: 'Der Verein israelitischer Lehrer Südwest-Deutschlands erachtet das von Dr. Zuckermandel - Trier verfasste Spruchbuch wohl für geeignet, dasselbe beim Unterrichte in der systematischen Religionslehre und beim biblischen Geschichtsunterricht nutzbringend zu verwerten.' Sodann hielt Herr Leeser - Forbach (Lothringen) einen mit allseitigem Beifall aufgenommenen, geistvollen Vortrag über systematischen Religionsunterricht...    
Wie der rheinisch-westfälischen Konferenz, die an denselben Tagen in Dortmund tagte, war eine telegraphische Begrüßung ausgetauscht worden. Damit endeten die Verhandlungen des ersten Tages. Die Sitzung des nächsten Tages begann Morgens 8 Uhr mit dem Vortrage: 'Zur Methode des Gebetübersetzens' von Herrn Vorsitzenden Eppstein - Hoppstädten...  
Saarbruecken AZJ 18071889b.jpg (341271 Byte)  ... Das Korreferat hatte Herr Bachenheimer - Kirn übernommen. Der Referent betont, dass Kinder, die kurze Zeit aus der Schule entlassen sind, sehr viel vom Gebetübersetzen vergessen haben, was wohl eine Folge des mechanischen Übersetzens sei. Daher sei es dringende Forderung, den Inhalt der Gebete, die Worterklärung, Grammatik etc. gründlich zu behandeln.... 
Als weitere Punkte für die am 13. und 14. April nächsten Jahres in Saarlouis abzuhaltende Generalversammlung wurden noch folgende Vorträge festgesetzt: 'Zur Fortbildungsfrage der Religionslehrer in jüdisch-wissenschaftlicher Beziehung'. Referenten die Herren Dr. Goldschmidt - Hoppstädten und Dr. Zuckermandel - Trier. Ferner 'Über biblische Geographie und Chronologie'. Referent Herr Sender - Tholey.... 
Inzwischen war die Stunde so weit vorgerückt, dass die Konferenz geschlossen werden musste. Der Vorsitzende bekundet den regen Aufschwung, den der Verein und die Versammlungen genommen, dass fleißig und gewissenhaft gearbeitet wurde, dass man sich bekämpft und - vertragen habe. Die gehörten pädagogischen Anschauungen mögen nun aber auch nutzbringend in der Schule verwertet werden. Ferner startet Redner den Lehrern seinen Dank ab für die Unterstützung in der Geschäftsführung, den Herren Rabbinen, die an den Verhandlungen so regen Anteil genommen und belebend und belehrend in die Debatte eingegriffen und bittet den Vertreter des Deutsch-Jüdischen Gemeindebundes, den Dank der Versammlung für die geleistete Subvention dem Bunde zu übermitteln. -Besonderen Dank noch dem Herrn Kollegen Tiefenbronner - St. Johann für seine Bemühungen beim gelungenen Verlauf der Konferenz. Herr Dr. Goldschmidt - Hoppstädten erbat sich das Wort, um dem Vorsitzenden für seine geschickte, objektive und konsequente Leitung der Verhandlungen die gebührende Anerkennung auszusprechen. Nachdem noch den beiden Beisitzern für ihre Bemühungen der Dank der Versammlung ausgesprochen war, wurden mit einem 'Hoch' auf den Verein die Verhandlungen geschlossen.
R. Nußbaum (Wittlich), Schriftführer."    

      
 Lehrerkonferenz in St. Johann - Saarbrücken (1892)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juli 1892: "Wittlich, 8. Juli (1892). Die Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer und Kultusbeamten Südwestdeutschlands fand am 5. und 6. Juni in St. Johann an der Saar statt. Herr Eppstein - Hoppstädten, der Vorsitzende des Verbandes, eröffnete die Sitzungen mit der Begrüßung der Erschienenen und Erstattung des Jahresberichtes. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund zu Berlin spendete auch in diesem Jahr zu den Konferenzausgaben 100 Mark, wofür demselben der gebührende Dank ausgesprochen ward. Nachdem über die Kassenverhältnisse berichtet worden, wählte man den bisherigen Vorstand wieder. Die kurze Zeit bis zum gemeinschaftlichen Mittagsmahl ward mit freuen Besprechungen aus dem Gemeindeleben ausgefüllt. Gegen drei Uhr erhielt alsdann Herr Dr. Löwy - Birkenfeld das Wort zu seinem Vortrage: 'Auf welche Weise lässt sich das Zeremonialgesetz für das sittliche Empfinden des Kindes verwerten?' Derselbe gipfelte in folgenden Thesen, die Annahme fanden: 1. Das Zeremoniale ist dazu geeignet, das sittliche Empfinden des Kindes wie auch des Erwachsenen zu fördern und zu kräftigen. 2. Dieses Ziel wird erreicht durch Verinnerlichung und geistige Durchdringung der Zeremonien. Am Schlusse des ersten Konferenztages ward noch bestimmt, dass die nächstjährige Versammlung am 23. und 24. Mai in Koblenz stattfinden soll. In der Frühe des zweiten Tages besichtigten viele Konferenzbesucher das nahe bei Saarbrücken gelegene 'Ehrental' und die Spicherer Höhen mit den Schlachtdenkmälern. Gegen 8 1/2 Uhr wurden die Beratungen fortgesetzt und Herr Salomon - Trier sprach über das Thema: 'Wie kann sich der jüdische Religionslehrer in und außer der Schule an der Bekämpfung des Antisemitismus beteiligen?' An den schwungvollen Vortrag schloss sich eine lebhafte Debatte, deren Resultat die Annahme folgender Sätze war: Es ist die Aufgabe des jüdischen Religionslehrers, 1. im gesellschaftlichen und öffentlichen Leben überall, wo eine sachgemäße Erörterung angebracht erscheint, für die angegriffene Ehre den Judentums und seiner Bekenner einzutreten, 2. aber auch in der Schule und auf der Kanzel alle Auswüchse im gesellschaftlichen und geschäftlichen Gebaren seiner Glaubensgenossen zu bekämpfen, um auch hier dem Antisemitismus jeden Vorwand zu nehmen. Aus den sich hieran anschließenden 'freien Besprechungen' sind besonders hervorzuheben: 1. Gründung von Literatur-Vereinen zur Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte; eventuell könnten die bestehenden Chevrot (Vereine) nach dieser Seite hin erweitert und die Chevrot-Vorträge auch auf jüdische Geschichte etc. ausgedehnt werden. 2. Ausarbeitung der jüdischen Geschichte in volkstümlichen Geschichtsbildern zur Bereicherung der nach dieser Seite hin noch sehr mangelhaften billigeren Jugend- und Volksliteratur. - Gegen 12 Uhr schloss der Vorsitzende die Verhandlungen."               


Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors sowie der Stelle des Schochet 1892   

Saarbruecken Israelit 29021892.jpg (49669 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1892: "Die Kultusgemeinde des Kreises Saarbrücken sucht sofort einen musikalisch gebildeten Kantor und Religionslehrer, welcher befähigt sein muss, einen Synagogenchor zu leiten, wie auch Predigten zu halten. Gehalt 2.000 Mark pro Jahr. Nebeneinkommen ca. 600 Mark.
Ferner einen Schochet, welcher als Hilfskantor zu fungieren hat. Garantiertes Einkommen 1.500 Mark pro Jahr. Offerten sind zu richten an Den Vorstand."      

          
Hinweis auf den 1930 bis 1936 in Saarbrücken tätigen Lehrer und Kantor Siegmund Friedemann (1902-1984)  

Hachenburg SFriedemann 010.jpg (19890 Byte)Über den Lebenslauf von Kantor Siegmund Friedemann informiert ein französischer Artikel von Joë Friedemann in judaisme.sdv.fr: Link zu diesem Artikel (auch als pdf-Datei eingestellt)     
Siegmund Hachenburg ist am 3. April 1902 in Altstadt-Hachenburg geboren. Er ließ sich am "Bildungsseminar für Jüdische Lehrer" in Hannover ausbilden. Nach abgeschlossenem Studium war er in Camberg tätig, anschließend in Wallau. 1926 trat er Stelle des Lehrers und Kantors in Merzig an. Hier heiratete er Herta geb. Kahn. Seit 1930 war er in Saarbrücken tätig. Nachdem durch den Saarbrücker Rabbiner Dr. Rulf zu Beginn der NS-Zeit eine jüdische Grundschule begründet worden war, unterrichtete Friedemann an dieser Schule. Im Oktober 1936 trat er in den Dienst der Gemeinde von Saverne (Zabern). Nach dem deutschen Einmarsch folgten Jahre, die durch Internierung, Flucht und ständige Bedrohung geprägt waren. Seit 1946 wieder im Dienst von Gemeinden im Bereich Elsass-Lothringen: Sarrebourg, Belfort und Sarreguemines.        

   
      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben    
Unerlaubte Maßnahmen des Direktors des städtischen Schlachthofes (1910)    

Saarbruecken AZJ 25031910.jpg (55623 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. März 1910: "Saarbrücken, 16. März 1910. 'Geht's nicht mit dem Verbot, so geht's vielleicht mit der Gebührenschraube', so dachte wohl ein von dem Direktor des städtischen Schlachthofes 'inspirierter' Stadtvater, Herr Schlosser, der kürzlich in der Stadtverordnetensitzung den Antrag stellte, für das Schächten eine höhere Schlachthausgebühr zu erheben, wie es in der Begründung des Antrags hieß, beim Schächten das Niederwerfen des Viehs eine 'größere Abnützung der Winden' bedinge. Da unser Glaubensgenosse Stadtverordneter Israel aber diese Gründe gründlich wiederlegte, so zog es Herr Schlosser vor, nicht erst die Ablehnung seines Antrages abzuwarten, sondern zog ihn schleunigst zurück."     

   
Vortragstätigkeit des "Hilfsvereins" (1910) 

Saarbruecken AZJ 06051910.jpg (137524 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1910: "Saarbrücken, 29. April (1910). Auf Einladung des Vorstandes der Synagogengemeinde fand im großen 'Tannhäuser'-Saale eine Versammlung von Mitgliedern der hiesigen sowie auch einiger Nachbargemeinden statt, in welcher Herr Siegmund Bergel aus Berlin einen Vortrag über das Thema 'Die Juden im Osten und Westen' hielt. Herr Rechtsanwalt Albert August begrüßte die Versammlung in warmen Worten, wies auf die Notwendigkeit der Begründung des Hilfsvereins hin und erteilte dem Redner das Wort. In großen Zügen schilderte dann Herr Bergel die politischen und sozialen Verhältnisse der Juden des Westens, um desto länger bei den Juden des Ostens zu verweilen. Die Notlage der russischen und rumänischen Juden und die furchtbaren Katastrophen der letzten Jahre in Russland machten eine planmäßige Hilfsarbeit nötig. Die jüngsten Nachrichten aus diesem Lande der Unkultur lassen leider wieder Schlimmes befürchten. Der Hilfsverein habe auch wesentlichen Anteil an dem Hilfswerke zugunsten des namenlos elenden jüdischen Proletariats in Galizien, und zwar durch Einführung von Hausindustrie (Haarnetzarbeiten, Spitzenklöppelei). Der Vortrag klang in einen warmen Appell an de Bewährte Mildtätigkeit aus, dem von Seiten der Anwesenden durch Einzeichnung als Mitglieder in die aufgelegten Listen zahlreich entsprochen wurde. Der Hilfsverein hat bereits seit seiner Begründung hier eine große Zahl von Mitgliedern. Diese bilden mit den neugewonnenen Mitgliedern jetzt eine eigene Ortsgruppe Saarbrücken. Zu ihrem Vorstand  gehören die Herren Rechtsanwalt A. August, G. Scheuer, J. Köster, J. Jacobsohn und J. Lissner."  


Überfall einer Festversammlung des Ostjüdischen Vereins durch Nationalsozialisten (1930)   

Saarbruecken Israelit 16011930.jpg (33691 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1930: "Saarbrücken. In einer Festversammlung des Ostjüdischen Vereins drangen Nationalsozialisten ein und überfielen die Festteilnehmer, sodass das Überfallkommando alarmiert werden musste. Mehrere Personen wurden schwer verletzt."  

    
Antijüdischer Boykott im Saargebiet (1933)  

Saarbruecken Israelit 22061933.jpg (78530 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1933: "Antijüdischer Boykott im Saargebiet.
Saarbrücken,
16. Juni 1933. Im Saargebiet hat eine Bewegung zur Boykottierung jüdischer Geschäftsleute eingesetzt. Es werden Flugzettel verteilt, in denen es als Pflicht jedes 'guten Saarländers' bezeichnet wird, in jüdischen Geschäften nicht einzukaufen. Die Saarbrückener Zeitung hat den jüdischen Buchhändlern und Zeitungsverkäufern mitgeteilt, dass ihnen das Blatt nicht mehr zwecks Weiterverkaufs zugestellt werden wird. Als Gegenmaßnahme gegen diese Boykottbestrebungen haben die Eigentümer der betroffenen Geschäfte beschlossen, sich nur noch unabhängiger Zeitungen als Insertionsorgane zu bedienen. Es herrscht allgemeines Erstaunen darüber, dass die internationale Regierungskommission bisher noch keinerlei Maßnahmen zur Bekämpfung der Boykottbewegung getroffen hat."      

   
Die Zahl der jüdischen Einwohner im Saarland ist stark zurückgegangen (1937) 

Saarbruecken Israelit 11021937.jpg (82215 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1937: "Saarbrücken, 6. Februar (1937). Einer Bemerkung im 'Nachrichtenblatt der Synagogengemeinden des Saarlandes' ist zu entnehmen, dass der Plan besteht, alle nicht mehr lebensfähigen jüdischen Gemeinden im Saarland zu einer neuen Gemeinde zusammenzuschließen. Dabei soll der Besitzstand der einzelnen Gemeinden so verwertet werden, wie es im Interesse der Gemeinden und der gesamten saarländischen Judenheit liegt. Es besteht die Absicht, neben der engeren Zusammenarbeit der Gemeinden als solchen auch die einzelnen Menschen dadurch zu stärken, dass sie das Empfinden haben, wieder einer geschlossenen Gemeinde anzugehören. Bekanntlich ist die Zahl der Juden im Saarland im Verlaufe des letzten Jahres sehr zurückgegangen."          

    
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   

Zum Tod des Gemeindevorstehers und Stadtrates Myrtil Lazard (1898)    

Saarbruecken AZJ 21011898.jpg (46813 Byte)Mitteilung in der Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Januar 1898: "In St. Johann an der Saar starb der Mitbegründer und Mitinhaber des Bankhauses Lazard, Brach und Co., M. Lazard, 57 Jahre alt. Er war erster Vorsitzender des Vorstandes der israelitischen Gemeinde, Kreistagsmitglied und Stadtverordneter und in den 70er- und 80er-Jahren auch Mitglied der Handelskammer."   
  
Saarbruecken AZJ 28011898.jpg (100285 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Januar 1898: "St. Johann - Saarbrücken, 17. Januar (1898). Unter überaus großer Anteilnahme seitens der Behörden, Bürgerschaft sowie der ganzen Gemeinde wurde vergangenen Freitag unser erster Vorsteher, Herr Myrtil Lazard zu Grabe getragen. Der Heimgegangene, der fast ein Vierteljahrhundert dem Vorstand angehörte und sein 1888 den Vorsitz in demselben führte, stand bei der hiesigen Bevölkerung in hohem Ansehen. Seit 1893 Mitglied des Stadtrat, hat er sich durch seine Fähigkeiten, besonders in Finanzangelegenheiten, große Verdienste erworben. Unser Bürgermeister, Herr Dr. Neff, gab daher auch dem Verlust, der die Stadt betroffen, in der für Donnerstag anberaumten Stadtverordnetensitzung in beredten Worten Ausdruck und vertagte dieselbe zu Ehren des Hingeschiedenen bis nach der Bestattung. Besonders schwer aber wird der Verlust dieses ausgezeichneten Mannes von unserer Gemeinde empfunden. Es würde über den Rahmen dieses kurzen Berichtes hinausgehen, wollte ich alle Verdiente aufzählen, die der Verstorbene um dieselbe sich erworben. Möge der Allgütige die trauernde Familie, die so jäh ihrer Krone beraubt worden, und die Gemeinde ob des Verlustes ihres Oberhauptes trösten. Das Andenken des Dahingeschiedenen wird unauslöschlich bei uns fortleben. Er ruhe in Frieden!"   

   
Auszeichnung für Gabriel Scheuer, Vorstandsmitglied des Kriegervereins und Vorsteher der jüdischen Gemeinde (1905)
      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1905: "Anlässlich der Ordensfeier hat Herr Gabriel Scheuer in Saarbrücken den Kronenorden IV. Klasse erhalten. Derselbe ist seit 25 Jahren Vorstandsmitglied des dortigen Kriegervereins und seit langer Zeit auch Vorsteher der jüdischen Gemeinde."     

   
Zum Tod von Henriette Weil geb. Lyon (1904) 
  

Saarbruecken AZJ 06011905.jpg (53916 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1905: "St. Johann a. Saar, 31. Dezember 1904. Eine wackere Frau unserer Gemeinde wurde am 26. dieses Monats (26. Dezember 1904) zu Grabe getragen. Frau Henriette Weil geb. Lyon ist im Alter von 62 Jahren ihrem Familienkreise und unserer Gemeinde entrissen worden. Die Verstorbene hat sich im glorreichen Feldzuge von 1870/71 durch die freiwillige Pflege Verwundeter und Kranker große Verdienste erworben, wofür sie mit der Kriegsdenkmünze für Nichtkombattanten dekoriert worden ist. Eine weitere Anerkennung dieser ihrer Liebestätigkeit wurde ihr später durch die Verleihung der Jubiläumsmedaille, anlässlich des 100. Geburtstages weiland Kaiser Wilhelms des Großen, zuteil. Ehre ihrem Andenken!"     

  
Hervorragende Leistungen im Schwimmen zwei jüdischer Jugendlicher (1911)  

Saarbruecken AZJ 09091911.jpg (50859 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September 1911: "Bei dem vergangene Woche in Saarbrücken stattgefundenen Preisschwimmen des dortigen Schwimmklubs haben der Sohn und die Tochter des Großviehhändlers Moses Marx je einen zweiten Preis bekommen, und zwar hat Arthur Marx den zweiten Herrenpreis und Fräulein Alice Marx den zweiten Damenpreis, bestehend in schönen Objekten, errungen. Beide haben die Strecke von Bahnhof Brebach bis neue Brücke Saarbrücken, 4.000 Meter, ohne Pause durchschwommen."    

   
Hugo Lyon erhält das Eiserne Kreuz (1916) 

Saarbruecken FrfIsrFambl 17111916.jpg (18884 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. November 1916: "Saarbrücken. Leutnant und Kompanieführer der Maschinen-Gewehr-Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 25, Hugo Lyon, Sohn des Kaufmanns Alfons Lyon, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse."    

   
Über die Sängerin Cora Eppstein
(geb. 1900 in Metz, ab 1910 in Saarbrücken, ab 1930 in Berlin, gest. 1939 in Paris) und ihre Familie 
Dazu ist eingestellt ein Beitrag von Rolf Michael Mayer "HaLevi - Eppstein - Eppler - Mayer. Vier Namen - eine Familie".   
   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Manufaktur- und Konfeitonsgeschäftes M. Kronenberger (Dudweiler, 1878)     

Saarbruecken Dudweiler Israelit 27021878.jpg (37838 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1878: "Für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft suche ich für sofort einen angehenden Commis, sowie einen mit den nötigen Schulkenntnissen versehenen Lehrling. Samstags geschlossen. Kost und Logis im Hause. 
M. Kronenberger
, Dudweiler bei Saarbrücken."   

    
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Jacob Kahn in Brebach (1890)  

Brebach Saar Israelit 22051890.jpg (22698 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890: "Ich suche für mein Manufakturwarengeschäft einen tüchtigen Commis und einen Lehrling. Jacob Kahn, Brebach an der Saar."   

   
Anzeige des Hamburger Engros-Lagers S.A. Israel & Co. (1895)
   

Saarbruecken AZJ 17051895.jpg (28894 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Mai 1895: "Lehrling
Wir suchen zum baldigen Eintritt einen Lehrling aus achtbarer Familie, Offerten an 
S.A. Israel & Co.  Hamburger Engros-Lager, St. Johann (Saar)."    

    
Anzeige von Frau Wolff in Dudweiler (1900)   

Saarbr Dudweiler Israelit 31121900.jpg (34581 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1900: "Tüchtige Haushälterin suche ich für sofort, da ich durch Geschäft verhindert, mich mit Haushalt zu befassen. 
Frau Wolff, Firma: Hanau & Co., Dudweiler."  

               
Schneidermeister Moses David in Völklingen sucht einen Gesellen (1900)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: "Suche sofort einen jungen, jüdischen Schneidergesellen.  Moses David, Schneidermeister in Völklingen bei Saarbrücken".  

   
Anzeige von Max Hanau in St. Johann (1903)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1903: "Suche für September ein jüdisches Mädchen, welches kochen kann und schon gedient hat, sowie im Besitze von guten Zeugnissen ist. 
Max Hanau, St. Johann an der Saar, Futterstraße 8."    

  
Todesanzeige für Hermann Köster (1924)     

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 1. Mai 1924: "Am 22. April entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel 
Herr Hermann Köster im 65. Lebensjahre. 
Saarbrücken, Augsburg, den 25. April 1924. 
Im Namen der Hinterbliebenen: 
Betty Köster geb. Schönberg  Paul Köster  Elfriede Jüngster geb. Köster   Hugo Jüngster".    

 
Geburtsanzeige von Carry Nissenbaum (1925)
    

Saarbruecken Israelit 20081925.jpg (31713 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1925: "Gott sei gepriesen
Die glückliche Geburt einer gesunden Tochter Carry zeigen hocherfreut an  
Moses Nissenbaum und Frau Manja geb. Marschallik. 
 
Saarbrücken III, 14. August 1925. Gustav Bruchstraße 59."  

        
Nach der Emigration: Verlobungsanzeige für Senta Herz und Arnold Ermann (1944)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 10. März 1944: 
"Senta Herz. Cpl. Arnold Ermann. 
Engaged Purim 1944.   
515 W. 170th Street New York City (formerly Saarbrücken)  
685 Sterling Pl. Brooklyn, N.Y. (formerly Kyllburg)."        

        
Nach der Emigration: Anzeige der Barmizwah von Manfred Kirchheimer (1944)          

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 10. März 1944: 
"Die Barmizwah unseres Sohnes 
Manfred
findet am 11. März 1944 
in der Synagoge Ahavath Torah  2024 Amsterdam Ave., statt.  
Bert Kirchheimer und Frau Hanna geb. Stein
(früher Saarbrücken, Dortmund, Bremerhaven)  
56 Ft. Washingt. Ave., Apt. 65, N.Y.C."  

    
    
Weitere Dokumente zur jüdischen Geschichte 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)    

Postkarte aus der Familie von 
Victor Cohen aus 
Saarbrücken an Jacob Apt 
in Pattensen (1924)  
 Saarbruecken Dok 190.jpg (202494 Byte) Saarbruecken Dok 190a.jpg (191136 Byte) 
Die Karte mit Grüßen zum (jüdischen) Neujahr wurde am 28. September 1924 aus der Familie von Victor Cohen (Saarbrücken) verschickt, der sich nach dem rückseitigen Text damals zur Kur (?) in Bad Nauheim befand (gestorben am 21. Juli 1925 und beigesetzt im jüdischen Friedhof Saarbrücken, Dokumentation Steinheim-Institut). Die Bemerkung auf der Rückseite, "Victor bleibt noch 8 Tage, er fühlt sich ganz wohl, wenn es nur standhält", lässt vermuten, dass er gesundheitliche Probleme hatte. Der Empfänger der Karte war Jacob Apt. Dieser war nach seinem Umzug aus seinem Geburtsort Niederaula von 1893 bis 1930 Lehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde in Pattensen. Jacob Apt war der Schwager von Victor Cohen. Riekchen Apt war eine Schwester von Victor Cohen. Der letzte Gruß auf der Vorderseite in Sütterlin-Schrift zeichnet eine Trude. Victor Cohen hatte eine Tochter mit Namen Trude. 
Link: auf der Website www.juden-in-pattensen.de eine Seite zum "Lebensweg von Jacob Apt".   

       
       
       

Zur Geschichte der Beträume / der Synagogen
      
   
Ein erster Betsaal lässt sich 1831 im Haus des Bankiers Moritz Simon, der bis 1857 Vorsteher der jüdischen Gemeinde war, in der damaligen Hintergasse 30 (heute Nr. 2) nachweisen.   
    
Um 1860 war ein Betsaal in der Talstraße eingerichtet, 1870 einer im Haus des Lehrers Peter Lemmes in der damaligen Allestraße 12 (heute Nr. 3). Ab 1882 stand der Riehm'sche Saal in der Bahnhofstraße 22 (heute Nr. 4) für die Gottesdienste der Gemeinde zur Verfügung.
  
In den 1880er-Jahren wurde der Bau einer Synagoge geplant. Architekt Friedrich Mertz aus Saarbrücken - St. Johann zeichnete 1888 die Pläne. 1889 fand die Grundsteinlegung statt. Am 22. November 1890 konnte die Synagoge feierlich eingeweiht werden. In der Synagoge war zunächst ein Harmonium, später eine Orgel eingebaut. Architekt Mertz  hat einen zweigeschossigen zentralisierenden Kuppelbau als Synagoge entworfen. Im Hauptraum gab es für die Männer eine Bestuhlung mit 166 Plätzen, auf der Empore für die Frauen 114 Plätze.    
    
Einweihung der Synagoge in Saarbrücken - St. Johann (1890)    

Saarbruecken AZJ 04121890.jpg (233963 Byte)  Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Dezember 1890: "St. Johann, 22. November (1890). Die Feierlichkeit anlässlich der Einweihung der neuen Synagoge dahier vollzog sich gestern Nachmittag programmgemäß. Gegen 2 1/2 Uhr versammelten sich die israelitischen Gemeindemitglieder und ihre Gäste vor dem Portale des im Festschmuck prangenden Baues, mit ihnen die eingeladenen Festgäste, darunter Herr Landrat zur Nedden, die Bürgermeister und Beigeordneten unserer Städte, Mitglieder der Stadtverordneten-Kollegien von St. Johann und Saarbrücken, desgleichen von Malstatt-Burbach, die Geistlichkeit der anderen Konfessionen, Vertreter der Militärbehörde, Schulvorstände und andere mehr. Vor Eintritt in das Gotteshaus hielt der Vorsitzende des Synagogen-Vorstandes, Herr Bankier M. Lazard, eine kurze Ansprache, worin er zunächst die Behörden und Festteilnehmer begrüßte und ihnen für ihr zahlreiches, Interesse an der Feier bekundendes Erscheinen dankte, weiterhin des Beginnes des Baues gedachte und den Architekten, die denselben geleitet, sowie Allen, die ihn gefördert und an ihm mitgeholfen, seinen Dank aussprach. Zum Schluss bat er Architekten Mertz, die Schlüssel zur Eingangstüre dem Herrn Rabbiner zu übergeben, welchem Wunsche jener mit einigen Worten der Anerkennung für alle Diejenigen entsprach, welche ihn bei dem Bau unterstützt. Herr Rabbiner Dr. Frank aus Köln öffnete sodann die Tür in das Innere des im Kerzenglanz erstrahlenden Gotteshauses, das in kurzer Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt war. Den nun folgenden Festgottesdienst leitete ein Präludium auf dem einstweilen die Stelle der Orgel vertretenden Harmonium ein. Unterdessen holten der Rabbiner und die beiden Vorbeter die vier Toraträger in dem Vorzimmer ab und stellten sich mit denselben im Halbkreis vor der heiligen Lade auf. Nach dem Begrüßungsgesang des Synagogenchors und des Vorbeters, Herrn Oberkantor Feibelmann aus Kaiserslautern, eines geschulten, künstlerisch ausgebildeten Sängers - wie wir erfahren, hat derselbe vor einigen Jahren in Ems vor dem hochseligen Kaiser Wilhelm I. gesungen - der mit seiner wohlklingenden kräftigen Stimme und mit schön nuanciertem Vortrag die betreffenden Gebete in hebräischer Sprache sang, folgte der Umzug der Toraträger unter Gesängen der beiden Ebengenannten und schließlich das Einsetzen der Torarollen in das Allerheiligste. Ein Dankpsalm des Rabbiners beendete diesen Teil der gottesdienstlichen Handlung. Den nächsten leitete deutscher Gesang ein: ein Terzett und ein Chor mit Soli, beide Kompositionen aus der 'Schöpfung' von Haydn, einstudiert und geleitet von Herrn Musikdirektor Pluge, dem Dirigenten des Synagogenchores. Die Festpredigt des Rabbiners war gleich gehaltvoll, wie schön geformt, sie ermahnte nach einer an beherzigenswerten reichen Einleitung die Gemeinde, stets eingedenk zu sein der vier schönen Gebote: Liebe Deinen Gott, liebe Deinen Nächsten, liebe den Fremden und liebe Wahrheit und Frieden! Daran knüpfte Redner eine Reihe von Betrachtungen, welche nicht nur die Glaubensgenossen, sondern alle Konfessionen berührten, jedoch immer wieder in Beziehung gebracht wurden zu der eigentlichen Feier, der Weihe des Gotteshauses, von dem alle Liebe, alle Wahrheit, alles Licht, aller Frieden ausstrahlen solle. Deutscher Gesang des Synagogenchores folgte, worauf der Rabbiner das Gebet für König und Vaterland und alsdann das eigentliche Weihegebet sprach. Unter den Klängen des Harmoniums und des Chores verließen die Festteilnehmer das Gotteshaus, das stets für unsere israelitischen Mitbürger eine Stätte der Erbauung sein möge. Eine Fortsetzung der Festlichkeiten bildete eine zahlreich besuchte Reunion in den schön dekorierten oberen Räumen des 'Tivoli'. Ein Konzert der Siebzigerkapelle wechselte mit Reden und Toasten ab."    

Die Synagoge war nur 48 Jahre Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Saarbrücken. Aus dem Jahr 1925 liegt ein Bericht über einen patriotischen Gottesdienst in der Synagoge vor:    
   
Patriotischer Festgottesdienst in der Synagoge (1925)  

Saarbruecken JuedlibZtg 28081925.jpg (145921 Byte)Artikel in der "Jüdisch-Liberalen Zeitung" vom 28. August 1925: "Saarbrücken (Jüdische Vaterlandsliebe). Dass die Juden an der Grenzmark, im Saargebiet, in keiner Weise ihren Brüdern im unbesetzten Deutschland nachstehen und sich an Vaterlandsliebe und Anhänglichkeit an Deutschland von niemandem übertreffen lassen, bewies der erhebende Verlauf der Jahrtausendfeier im ganzen Saargebiet und insbesondere in Saarbrücken.  
Es fand ein feierlicher Festgottesdienst in der Synagoge statt. Rabbiner Dr. Jacob hielt die Festpredigt. Im Anschluss an das Wort des Propheten Jeremia: 'Suchet das Wohl des Landes, in das ich Euch geführt habe und betet dafür zu Gott, denn in seinem Wohl liegt Euer Wohl', zeigte er, was der Rhein dem deutschen Volke bedeutet als ein herrliches Gut der Natur, der Kultur und der Geschichte. Am Rhein haben sich Deutschtum und Judentum, die sich in vielem verwandt sind, gefunden und verbunden. Ein Symbol dafür ist, dass viele der schönsten und beliebtesten Rheinlieder von Juden gedichtet sind. Der Redner schloss mit dem Wunsche, dass der Rhein nicht der Schauplatz eines neuen Krieges werden möge, sondern eine Brücke darstellen soll zwischen den großen Nationen Europas. 'Rhein und Saar ewig deutsch'. In dieses Gelöbnis der Jahrtausendfeier stimmen auch die Saarbrücker Juden freudig ein. 
Die jüdischen Einwohner beteiligten sich durch Ausschmückung ihrer Häuser, sowie ganz besonders durch sehr schöne Schaufensterdekorationen und festliche Beleuchtung während der Nacht in hervorragender Weise am Verlauf des Festes."      

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung zerstört. Der Abbruch der Brandruine erfolgte 1939. 
   
1945 kam die Synagogengemeinde wieder in den Besitz des Gebäudes, die es jedoch an die Stadt verkaufte. 1948/49 wurde auf dem ehemaligen Synagogengrundstück ein Bankgebäude der Vereinsbank Saarbrücken errichtet.  
  
Die neue jüdische Gemeinde nach 1945 hielt ihre Gottesdienste zunächst in verschiedenen Räumen der Stadt ab. 1947 begannen Überlegungen zum Bau einer neuen Synagoge. Für sie legte der Saarbrücker Architekt Heinrich Sievers (1903-1967) im August 1947 einen ersten Entwurf vor. Nach umfassenden Korrekturen an diesem ersten Entwurf begannen im September 1948 die Bauarbeiten. Am 14. Januar 1951 konnte die Synagoge am Beethovenplatz eingeweiht werden. Die Synagoge umfasst 248 Plätze. Sie steht inzwischen unter Denkmalschutz.      
     
     
Standorte der Synagogen:     Synagoge 1890 - 1938: Futterstraße 25/Kaiserstraße           
                                                neue Synagoge seit 1951: Lortzingstraße / Beethovenplatz
    
    
    
Fotos:
(Abbildungen aus der Publikation des Landesamtes s. Lit.)   

Die Pläne des Architekten 
Friedrich Mertz (1888)
Saarbruecken Synagoge 123.jpg (73005 Byte) Saarbruecken Synagoge 122.jpg (61515 Byte)
   Längsschnitt der Synagoge
(links Toraschrein)
Fassade der Synagoge 
zur Kaiserstraße
     
Die Synagoge (1938)  Saarbruecken Synagoge 120.jpg (102550 Byte) Saarbruecken Synagoge 121.jpg (76854 Byte)
  Blick zur Synagoge von der Kaiserstraße - die Aufnahme rechts 
ist eine Ausschnittvergrößerung des Fotos links  
   
     
Die im Januar 1951 
eingeweihte Synagoge 
(Farbfotos aus dem Wikipedia-Artikel 
"Synagoge Saarbrücken"
)  
Saarbruecken Synagoge 124.jpg (87025 Byte) Saarbruecken Synagoge n100.jpg (119827 Byte) 
  Die Synagoge Saarbrücken wurde 1948 bis 1950 erbaut und im Januar 1951 eingeweiht
        
  Saarbruecken Synagoge n101.jpg (78920 Byte)  
  Davidstern an der Fassade der Synagoge mit Inschrift: "Der Name des HERRN sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit" (Psalm 113,2)      

    
    
Einzelne Presseberichte 

November 2008: Gedenken zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938  
Saarbruecken PA 09112008.jpg (197465 Byte)Artikel in der "Saarbrücker Zeitung" vom 10. November 2008: "350 Besucher gedenken der Pogromnacht. Vorsitzender der Synagogengemeinde schlägt Runden Tisch gegen Antisemitismus vor".
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.  
 
März 2010: In Saarbrücken werden "Stolpersteine" verlegt   
Artikel in der "Saarbrücker Zeitung" vom 3. März 2010 (Artikel): 
"Ab 10. März liegen 'Stolpersteine' in Saarbrücker Boden - Erinnerung an Opfer der Nazis 
Saarbrücken.
Er wurde aus seiner Wohnung in der Karcherstraße 17 gezerrt und brutal verprügelt. Die Folgen dieses Überfalls überlebte Max Hanau nicht. Der Jude, geboren im Jahr 1875, starb am 13. November 1938 an den Folgen dessen, was er in der Pogromnacht am 9. November 1938 in Saarbrücken erleiden musste. 
An ihn und an 27 weitere jüdische Bürger, die im Saarbrücker Stadtteil St. Johann lebten und Opfer des Nazi-Regimes waren, soll nun öffentlich erinnert werden: mit so genannten 'Stolpersteinen' des Bildhauers Gunter Demnig. Dabei handelt es sich um zehn mal zehn Zentimeter große Betonsteine, die in den Bürgersteig vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Opfer eingelassen werden. Der obere Teil besteht aus einer Messingplatte. Die Inschrift darauf erinnert an die Person, die hier lebte – zu lesen sind der Name, das Geburts- und das Todesdatum. Und es ist anhand der Inschrift nachzuvollziehen, wie die Nazis diesem Menschen Leid antaten – ob dieser zum Beispiel in ein KZ deportiert oder eben, wie im Falle Max Hanaus, ein Opfer des Pogroms wurde. 
Am Mittwoch, 10. März, werden die 'Stolpersteine' nach Saarbrücken kommen. Das erklärte jetzt Richard Bermann, der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, auf SZ-Anfrage. 'An diesem Tag wird Gunter Demnig 28 Steine in ganz St. Johann verlegen.' Der erste werde morgens um 9 Uhr am Rathausplatz 7 in den Boden eingelassen. Bermann: 'Finanziert wurden die Steine durch Spenden von Privatleuten und von zwei Parteien. 3000 Euro kamen zusammen, der Betrag reichte genau für 30 ,Stolpersteine''. Verlegt werden allerdings nur 28 (siehe Artikel unten). Die Initiative, sie nach Saarbrücken zu bringen, kam von ihm selbst, erzählt Bermann. Große Hilfe habe er von der Stadt, besonders von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (die auch Schirmherrin ist), dem Kulturdezernenten Erik Schrader und der Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer bekommen. 
Am Anfang der Recherche stand ein Ordner mit über 200 Namen, berichtet Bermann. 'Mosaiksteinartig' habe er zwei Jahre lang die Informationen zusammengesucht. Was nicht einfach gewesen sei. Bermann: 'Ich habe schließlich nur Namen genommen, bei denen alles zweifelsfrei nachweisbar war.' Eigentlich sollten die nicht unumstrittenen Steine (die SZ berichtete) bereits im September verlegt werden. Doch da kam dem Künstler eine Ehrung dazwischen, erklärt Bermann: 'Ich bin froh, dass es nun soweit ist.'"  
   
Juni 2010: Bischof Ackermann besucht die Synagoge   
Artikel aus dem Pressedienst des Bistums Trier vom 7. Juni 2010 (Artikel): 
"Bischof Ackermann besucht Saarbrücker Synagoge. 
Saarbrücken
- Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann hat im Rahmen seiner Visitation im Dekanat Saarbrücken am letzten Freitag auch die Synagogengemeinde Saar besucht und dort ein längeres Gespräch mit der Gemeindeleitung geführt. Der Vorsitzende, Richard Bermann, unterstrich in einem Grußwort, es handele sich um den ersten Besuch eines katholischen Bischofs seit der Gründung der Synagogengemeinde im Jahr 1946. Man sei dankbar für dieses besondere Zeichen der Verbundenheit."    
    
Februar 2012: Auch in Völklingen sollen "Stolpersteine" verlegt werden   
Artikel in der "Saarländischen Online-Zeitung" vom 3. Februar 2012 (Link zum Artikel): "Projekt Stolpersteine in der Stadt Völklingen auf den Weg gebrach - Aktion gegen das Vergessen 
Völklingen
– Ein Völklinger Aktionsbündnis hat das gleichnamige Projekt 'Stolpersteine' gemeinsam mit der Stadt Völklingen auf den Weg gebracht. Bei der Vorstellung im Neuen Rathaus nannte Oberbürgermeister Klaus Lorig das Projekt eine 'Aktion gegen das Vergessen'. Die Vertreter des Aktionsbündnisses Caroline Conrad und Andreas Hämer erläuterten während der öffentlichen Vorstellung, wie die Völklinger Initiative entstanden ist: Angeregt durch die bereits in vielen saarländischen Städten und Gemeinden verlegten Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunther Demnig entstand die Idee, dies auch in Völklingen auf den Weg zu bringen, um so den Blick auf die Opfer des Hitlerfaschismus zu lenken und sie zu ehren. 
... Mittlerweile wurden über 31.000 Stolpersteine in ca. 670 Orten in Deutschland, Österreich, Ungarn, Niederlanden, Belgien, Tschechien, Polen, Ukraine, Italien und Norwegen verlegt. Die geplante Aktion in Völklingen ist damit Teil eines international angelegten Gedenk-Kunstwerks des Künstlers Gunther Demnig. Sie erhält angesichts der im Dezember 2011 vom Völklinger Stadtrat verabschiedeten Resolution gegen rechte Gewalt noch eine zusätzliche, besondere Bedeutung.
Seit seiner Gründung hat das Aktionsbündnis Stolpersteine Völklingen die Schicksale von 20 Opfern recherchiert, zu denen Juden, Antifaschisten, Kommunisten, ein Schüler der damaligen 'Städtischen Oberschule für Jungen' (heute Albert-Einstein-Gymnasium), ein Kinderarzt aus Luisenthal sowie ein geistig behinderter, elfjähriger Junge gehören. Allein fünf Angehörige des derzeitigen Vorsitzenden der Synagogengemeinde Saar Richard Bermann, der während der Pressekonferenz seine Familiengeschichte umriss, wurden in Konzentrationslagern ermordet. Sie wohnten zuletzt in Völklingen..."  
Hinweis: 2012 wurden 17 "Stolpersteine" in Völklingen verlegt.  
  
November 2013: Gedenken an den "Stolpersteinen" in Völklingen  
Artikel von Bernhard Geber in der "Saarbrücker Zeitung" vom 31. Oktober 2013 (Link zum Artikel): "Völklingen
Stolpersteine erinnern an Hatz auf Juden. Völklinger Bündnis plant weitere Verlegeaktion – Am 9. November 75. Jahrestag der Reichspogromnacht

'Reichskristallnacht' nannten die Nazis verharmlosend die Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger am 9. November 1938. Dieser Reichspogromnacht und ihres 75. Jahrestags gedenkt nun das Aktionsbündnis Stolpersteine in Völklingen. 
Völklingen. 17 Stolpersteine sind inzwischen in Gehsteigen vor den früheren Wohnhäusern von Opfern des Nationalsozialismus in Völklingen verlegt. Diese Gedenksteine, Messingtafeln in der Größe von zehn mal zehn Zentimetern, gehen auf das überparteiliche Aktionsbündnis Stolpersteine zurück. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses hatten sich zuletzt am 1. September, dem Antikriegstag, getroffen, um diese Tafeln systematisch zu putzen und aufzupolieren. In der Hoffnung, dass weiterhin kräftig Spenden fließen, plant das Bündnis laut Sprecherin Caroline Conrad fürs kommende Jahr eine weitere Verlegungsaktion.
Auftakt zur Hatz auf die jüdischen Mitbürger auch in Völklingen war die Reichspogromnacht am 9. November 1938. Am kommenden 9. November steht der 75. Jahrestag dieser dramatischen Ereignisse ins Haus, und Caroline Conrad und das Aktionsbündnis erinnern aus diesem Anlass an die Opfer.
Damals kam es in Völklingen ebenso wie im gesamten Reichsgebiet zu Überfällen, Ausschreitungen und Verhaftungen gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Betroffen waren all jene, die bis dahin noch nicht geflüchtet waren. Tausende, auch die meisten Völklinger Juden, hatten aus Angst vor den Nazis bereits ihre Heimat verlassen. Conrad: 'Die Reichspogromnacht war dann das Fanal für den Beginn des Massenmordes an der jüdischen Bevölkerung.'
Das wohl bekannteste Völklinger Opfer des Pogroms vom 9. November 1938 war der Kinderarzt Dr. Rudolf Fromm aus Luisenthal. Der inzwischen verstorbene Heimathistoriker Dr. Luitwin Bies hat Dr. Fromms Schicksal eingehend erforscht: In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurde von der örtlichen NSDAP eine Demonstration vor seinem Haus organisiert. Beschimpfungen wurden gerufen, Steine geworfen, das Haus verwüstet, er selbst und seine Haushälterin in so genannte Schutzhaft genommen. Dr. Fromm wurde ins Konzentrationslager Dachau verschleppt, aus dem er im Januar 1939 wieder entlassen wurde unter der Voraussetzung, dass er 100 Reichsmark für die Rückreise nach Luisenthal bezahlt. Nach der Entrichtung von 'Reichsfluchtsteuer', 'Judenvermögensabgabe' und Kosten für 'Umzugsgut' in einer Gesamthöhe von mehreren tausend Reichsmark wanderte er in die USA aus, wo er 1946 im Alter von 52 Jahren starb.
Während Dr. Fromm letztlich noch entkommen konnte, begann für weitere Völklinger Juden am 9. November 1938 eine Hetzjagd bis hinein in den Tod. Der jüdische Schumacher Hermann Kahn und seine Ehefrau Klara wurden in der Reichspogromnacht verhaftet und nach Dachau gebracht. Als beide Ende Dezember nach Völklingen zurückkehrten, existierte ihr Laden in der Moltkestraße nicht mehr. Die Stadtverwaltung hatte ihn abgerissen. Das Ehepaar wurde genötigt, Völklingen 1939 zu verlassen. Im Dezember 1941 wurden Hermann und Klara Kahn ins Konzentrationslager Riga deportiert, wo sie ermordet wurden.
Auch Wilhelm Bermann, der in der Ludweiler Hauptstraße 60 (heute Völklinger Straße 60) eine Schneiderei führte, und seine Frau Berta wurden am 9. November 1938 überfallen und ausgeraubt, anschließend ebenfalls in so genannte Schutzhaft genommen und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Nach der Flucht im Januar 1939 lebte das Ehepaar bis 1941 in Amsterdam, bis die Nazi-Schergen dort seiner habhaft wurden. Die beiden wurden in ein Lager verschleppt. 1943 wurden dann die Bermanns vom Lager Westerbork in das Konzentrationslager Sobibor deportiert. Dort wurden sie am 2. Juli 1943 ermordet.
Für 2014 ist eine weitere Verlegeaktion geplant, 'damit das Schicksal unserer jüdischen Mitbürger nicht vergessen wird und zugleich als Mahnung vor den Gefahren rassistischen und antidemokratischen Gedankenguts'. Wer die Patenschaft für einen Stein übernehmen oder im Aktionsbündnis mitarbeiten möchte, wende sich bitte an Caroline Conrad, Tel. (0 68 98) 29 64 33. Spendenkonto bei der Stadtsparkasse Völklingen, BLZ: 59 051 090, Kontonummer 89 510 463 (Patric Bies)."  
 
August 2014: In Völklingen werden weitere "Stolpersteine" verlegt   
Artikel von Bernhard Geber in der "Saarbrücker Zeitung" vom 18. August 2014: "Völklingen. Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors. Am Dienstag kommen in Völklingen zu den bereits 19 verlegten Stolpersteinen acht neue hinzu
19 Stolpersteine in Gehsteigen erinnern bereits in Völklingen an Opfer des Nazi-Terrors. Am 19. August sollen acht weitere Stolpersteine und eine Stolperschwelle vor dem Weltkulturerbe hinzukommen. (Veröffentlicht am 18.08.2014) 
Völklingen. Stolpersteine sind kleine Messingtafeln, die in die Gehsteige vor den früheren Wohnhäusern von Opfern des Nationalsozialismus eingelassen werden. Am Dienstag, 19. August, will das Völklinger Aktionsbündnis Stolpersteine acht weitere dieser Gedenktafeln setzen. Die Aktion beginnt um 14 Uhr in der Burgstraße 17 auf dem Heidstock mit der Verlegung eines Gedenksteins für den jüdischen Studenten Benjamin Wang, der hier von Februar 1933 bis September 1935 wohnte. Wie in allen anderen Fällen hat das Aktionsbündnis auch Wangs Schicksal so weit wie möglich recherchiert und schriftlich festgehalten: Nach mehrfacher Flucht wurde Wang in Paris verhaftet und am 17. Juli 1942 vom Sammellager Drancy aus nach Auschwitz deportiert. Er starb am 8. August 1942. In Fürstenhausen in der Saarbrücker Straße 19 werden gegen 14.30 Uhr zwei Stolpersteine für das Ehepaar Abraham und Minna Kaiser, geborene Bermann, verlegt. Das kinderlose Ehepaar führte ein Wäschegeschäft und eine Schneiderei und war beliebt in der Dorfgemeinschaft. Nach Vertreibung und Flucht verlor sich ihre Spur im KZ Riga-Jungfernhof. Um 15 Uhr wird in Geislautern in der Warndtstraße 87 ein Stolperstein für Albert Grimm verlegt, der hier bis 1941 lebte. Grimm, Jahrgang 1915, war als Lkw-Fahrer für die Bau-Organisation Todt in Polen tätig. Dort verhalf er verfolgten Mitmenschen, insbesondere Juden, zur Flucht und leistete Widerstand gegen das NS-System. Im Dezember 1941 wurde er deshalb verhaftet und in das KZ Auschwitz gebracht. Im September 1942 erhielt Barbara Grimm die Nachricht, dass ihr Ehemann Albert im Krankenbau des KZ Auschwitz verstorben sei.
Eine weitere Gedenktafel ist ist Jutta Speicher gewidmet (die Saarbrücker Zeitung berichtete bereits über ihr Schicksal). Der Stolperstein für sie wird gegen 16 Uhr in der Beethovenstraße 21 verlegt. Die Patenschaft für diesen Stein hat die Gemeinschaftsschule Sonnenhügel übernommen. Der Aktionstag gipfelt dann um 17 Uhr in der Verlegung einer Stolperschwelle vor dem Haupteingang des Weltkulturerbes Völklinger Hütte zum Gedenken an Tausende von Zwangsarbeitern." 
Link zum Artikel      
Artikel von Silvia Buss in der "Saarbrücker Zeitung" vom 20. August 2014: "Völklingen. Künstler platziert Stolpersteine in Völklingen – Messingtafel erinnert an die Zwangsarbeiter in der Hütte
Im Beisein von rund 100 Bürgern ist gestern eine so genannte Stolperschwelle vor dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte verlegt worden. Sie soll an die Zwangsarbeiter in der Hütte während der NS-Zeit erinnern..." 
Link zum Artikel    
 
Mai 2016: Ein Platz wird nach Cora Eppstein benannt   
Artikel in der "Saarbrücker Zeitung" vom 23. Mai 2016: "St. Johann. Stadt Saarbrücken würdigt Nazi-Gegnerin. Ein Schild für den neuen Cora-Eppstein-Platz steht vor der Alten Kirche in St. Johann
Cora Eppstein war Gewerkschafterin, Widerstandskämpferin, Kommunistin, Künstlerin und Jüdin. Die Nazi-Gegnerin flüchtete nach der verlorenen Saarabstimmung nach Paris, wo sie 1939 an Typhus starb. Seit Januar trägt ein Platz in Saarbrücken ihren Namen. Am Freitag wurde das entsprechende Schild enthüllt. Mit einer Feierstunde wurde am Freitagabend den Cora-Eppstein-Platz eingeweiht. Bereits zu Beginn letzten Jahres hatte der Bezirksrat Mitte den Platz vor der Alten Kirche zwischen Kronenstraße und Evangelisch-Kirch-Straße nach der jüdischen Sängerin benannt. Am Freitag enthüllten Rolf Michael Mayer, ein Verwandter von Eppstein (sein Urgroßvater und Coras Urgroßvater waren Brüder), Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Bezirksbürgermeisterin Christa Piper das Namensschild mit der Aufschrift 'Cora-Eppstein-Platz'. 
1900 in Metz geboren, wuchs Cora Eppstein als Tochter einer jüdischen Familie im damaligen Saargebiet auf. In Saarbrücken wurde sie als Sängerin ausgebildet und war in der antifaschistischen und kommunistischen Bewegung aktiv. Cora Eppstein lebte ein sehr bewegtes Leben, das sich zwischen Berlin, Saarbrücken und Paris abspielte. Sie hatte zahlreiche Auftritte und Konzerte und trat auch auf politischen Kundgebungen auf. Zusammen mit ihrem Mann, dem Pianisten Eberhard Schmidt, beteiligte sie sich am Abstimmungskampf, für den die 'Deutsche Front', von der NSDAP geführt, die Parole 'heim ins Reich' ausgegeben hatte. Eppstein trat bei Konzerten von Arbeiterchören und Kundgebungen der 'Einheitsfront' aus Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschaftlern und katholischen Gruppen gegen Hitler auf. Auch in Synagogen sang sie. Von den Nationalsozialisten wurde sie, wie andere Komponisten und Musiker auch, als Jüdin verfolgt. 
Der Abstimmungskampf ging mit der Wahl im Januar 1935 verloren. Cora Eppstein und ihr Mann flüchteten nach Frankreich. Ihr Weg führte sie über eine Zwischenstation in Metz weiter nach Paris, wo sie 1939 an Typhus starb. " 
Link zum Artikel      
 

  
  
Hinweis zum "Platz des Unsichtbaren Mahnmals"  

Saarbruecken Mahnmal 01.jpg (36795 Byte) Saarbruecken Mahnmal 02.jpg (10367 Byte)

Auf dem Schlossplatz (vor dem Saarbrücker Schloss) ließ der Künstler Jochen Gerz von 1990-1993 ein Mahnmal aus 2146 Pflastersteinen entstehen, auf deren Unterseite der Name je eines jüdischen Friedhofes in Deutschland (vor 1933) eingraviert ist. 
Vgl. Wikipedia-Artikel "Platz des Unsichtbaren Mahnmals" und Wikipedia-Artikel "Jochen Gerz"  

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Saarbrücken    
Website der Synagogengemeinde Saar   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Saarbrücken (interner Link)  

Literatur:    

Germania Judaica II,2 S. 726.
Hans-Walter Herrmann. Das Schicksal der Juden im Saarland 1920 bis 1945. Reihe: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800-1945. Hg. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz in Verbindung mit dem Landesarchiv. Saarbrücken Bd. 6. Koblenz 1974.  
Albert Marx: Die Jüdische Gemeinde Saarbrücken (1933-1945). In: "Zehn statt tausend Jahre" - Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar 1935-1945. Katalog zur Ausstellung des regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss. Saabrücken 1988 S. 201ff.   
ders.: Die Geschichte der Juden an der Saar. Vom Ancien Régime bis zum Zweiten Weltkrieg. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1985. 1992. 
Cilli Kasper-Holtkotte: Juden im Aufbruch. Zur Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800. Hannover 1996. 
Eva Tigmann: "Was geschah am 9. November 1938?" - Eine Dokumentation über die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Saarland im November 1938. Eine Veröffentlichung des Adolf-Bender-Zentrums St. Wendel. 1998. S. 74-83.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 451-455 (mit weiteren Literaturangaben).  
Egelsbach usw Lit 020.jpg (149631 Byte)Andrea von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel. Geflohene Frauen erzählen ihr Leben. Gütersloher Verlagshaus 2011.  
In diesem Buch findet sich S. 167-179 die Lebensgeschichte von Oda Kissinger, geboren als Oda Scheuer am 30. März 1922 in Saarbrücken, lebt 2011 in Tel Aviv.  

       
        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Saarbruecken.  Jews are mentioned in neighboring St. Johann in 1321. Significant Jewish movement to Saarbruecken commenced in 1760 and in the 1770s the municipality passed laws to encourage Jews to settle in order to stimulate economic growth. Jews were permitted to purchase homes and fields and received pasture and water rights for their cattle. In about 1776, the Jews were expelled following vehement opposition of local merchants to the competition they posed. Almost none were present in 1789. In 1808, under the French, the Jewish population reached 61. A wealthy merchand, Yirmeyahu Hirsch, was among the founders of the Assembly of Jewish Notables and the consistory of the Saar and served as the secretary of the former. With the inauguration of a railway station in St. Johann in 1852, Saarbruecken became a center of the coal and steel industries in the Saar, but the Jews preferred to continue in trade. Most were peddlers. Jewish cemeteries were opened in 1840 and 1845 and a new synagogue was erected in 1890. In the second half of the 19th century, most Jews belonged to the middle and lower classes. They also ran a few large businesses, like the Lyon department store in St. Johann (founded in 1857) with branches in Luxembourg and other countriers, the Bamberger & Herz textile house, and the E. Weil Soehne form with over 400 employees. In 1916, there were 74 Jewish business establishments in the city, including 13 selling textiles and 14 dealing in leather and shoes. In 1910, four of the city's 44 doctors were Jews and in 1919, seven of its 40 lawyers. The Jewish population was 1.000 in 1905, making the community the largest in the Saar. In 1909, St. Johann became part of the city. In accordance with the Treaty of Versailles, the Saar came under League of Nations administration in the aftermath of Worldwar I. The decision produced a general strike and rioting that targeted Jewish and French businesses. Jews were eclected to the municipal council from the late 19th century and were prominent in politics during the Weimar period. Dr. Walter Sender headed the Social-Democratic faction in the Saar state council in 1922-25 and served together with the Social-Democratic Eduard Lehmann on the city council. Twenty Jewish artists and administrative personnel were emploved in the municipal theater in addition to its Jewish orchestra members. The Jewish population increased to 2.214 (about 2 % of the total) in 1925 in an atmosphere of economic prosperity. By 1931, 136 Jewish firms and business establisments were operating in the city (about 8 % of the total). Jews operated chemical and tobacco factories, two hotels and a pharmacy, and a wide variety of stores. The growth of the Jewish population derived from an influx of Jews from Eastern Europe as well as from Alsace-Lorraine after the Germans were forced to leave. The East European Jews maintained their Orthodox traditions, opening their own synagogue and keeping their distance from the established Reform community. The East European presence also engendered Zionist activity after Worldwar I. The Central Union (C.V.) had a major branch in the city. To accomodate the overflow crowds an the High Holidays, an additional synagogue was opened in a hall placed at the community's disposal by the municipality. Religious classes were attended after school by 200-300 children. A kindergarten was started in 1927, later becoming a day care center. ORT founded a branch in 1930, teaching crafts and agriculture to prepare Jews for emigration, especially to Palestine. 
Though relations with the German population were generally good, there were also a number of antisemitic incidents in the post-Worldwar period. In 1933, when the Nazis came to power, Saarbruecken was one of 18 Jewish communities in the Saar, with a population of about 2.400. The Nazi Party initiated anti-Jewish boycotts and persecution just as in the Reich. Jews were dismissed from jobs and banned from local swimming pools. Doctors were reduced to receiving non-Jewish patients clandestinely at night. Jewish schoolchildren were abused and physically attacked. Consequently a Jewish school for 200 children was opened in 1934. The economic position of the Jews quickly deteriorated and many liquidated their businesses. The day care center became a focus of Jewish organizational activity and from 1934 the Jewish Cultural Association of Saarbruecken organized cultural affairs for all the Jewish communities of the Saar. With the annexation of the Saar to the Reich under the January 1935 plebiscite, Jewish emigration increased. By June 1936, 36 % of the city's Jews had left and by 1939 only 175 remained (total polulation 130.772). In 1935-36, 69 Jewish businesses were sold. Under Nazi rule, anti-Jewish agitation intensified. The community was the only one in the Saar still active in 1936. The Jewish school had 145 students in 1936, 20 % from other communities. However, only 33 attended the following year. The Maccabi sports club was active; the Zionist opened an information office; and welfare services for all the communities in the Saar were coordinated in Saarbruecken. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned and 130-150 Jewish men were led through the streets and abused before being sent to the Dachau concentration camp. With the outbreak of war in September 1939, the city was temporarily evacuated. The Jews were sent to forced labor camps and not permitted to return. Six are known to have been deported to the Gurs concentration camp in southern France in 22 October 1940. At least 100 Jews perished in the Holocaust, including 73 in Auschwitz. After the war, 180 Jews returned to the city, some afterwars emigration. In 1960 the Jewish population was about 700.   
       
        

                   
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Stand: 25. August 2016