Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sankt Wendel (Kreisstadt, Saarland) 
Jüdische Geschichte / Synagoge  

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Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In den 1332 zur Stadt erhobenen St. Wendel lebten Juden bereits im Mittelalter, möglicherweise bereits im 13. Jahrhundert. Unklar ist, ob sie von der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 betroffen waren. Urkundlich nachweisbar sind Juden in der Stadt erst seit 1358. Damals nahm der Trierer Erzbischof für drei Jahre einen "erbeigenen" Juden in der Stadt auf. 1381 lebten offenbar mehrere Juden in der Stadt. Sie wurden in diesem Jahr von dem erzbischöflichen Lehnsmann Johann von Kirkel gefangengesetzt und beraubt. 1386 sind gleichfalls drei Juden in der Stadt genannt. Unbekannt ist, ob im Jahr der Judenvertreibung aus dem Trierer Erzstift (1418) noch Juden in St. Wendel wohnten.
 
Erst im 19. Jahrhundert konnten sich Juden wieder in der Stadt niederlassen. Anfang Februar 1862 zogen die Brüder Samuel und Max Daniel aus Merl nach St. Wendel. Wenige Jahre später gab es vier jüdische Familien in der Stadt (Familien Weil, Jakob, Kahn und Daniel). Die Berufe der Familienväter waren: Weinhändler, Viehhändler, Handelsmann und Kaufmann. 1871 werden acht steuerpflichtige Juden (mit ihren Familien genannt) genannt. 1876 gelang es, einen emeritierten Lehrer (Mayer Eppstein) als Kultusbeamten, Religionslehrer und Schächter einzustellen. Bemühungen, eine Gemeinde mit Korporationsrechten zu bilden, hatten lange keinen Erfolg. 1902 waren der Regierung in Trier 19 Familien noch zu wenig, um einen entsprechenden Antrag positiv zu beantworten. 
  
Die jüdischen Familien im Jahr 1902 waren (nach Übersicht im Buch von M. Landau S. 101-102): Abraham Alexander (mit Frau und vier Kindern), Eugen Berl (mit Frau und einem Kind), Hermann Bone, (mit Frau und einem Kind), Leopold Borg (mit Frau und vier Kindern), Salomon Borg (mit Frau), Albert Friedberger (mit Frau und einem Kind), Abraham Heymann (mit Frau und zwei Kindern), Mor. Heydt (mit Frau und acht Kindern), Balt. Jacob (mit Frau und einem Kind), Mos. Jacob (mit Frau und einem Kind), Lehmann I (mit Frau und zwei Kindern), Friedrich Nathan (mit Frau und einem Kind) Mos. Rothschild (mit Frau und zwei Kindern), Michael Rothschild (mit Frau und sechs Kindern), Abraham Reinheimer (mit Frau und zehn Kindern), Julius Sender (mit Frau und fünf Kindern), Seligmann Sender (mit Frau und drei Kindern), Hermann Wildmann (mit Frau und drei Kindern), Alsch. Wolf (mit Frau und zwei Kindern).     
 
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (wie oben genannt bereits seit 1876, vgl. die Ausschreibung der Stelle unten) ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bis 1908 gehörte die Gemeinde keinem Rabbinat an, danach hatte der Oldenburgische Landrabbiner für das Fürstentum Birkenfeld (Sitz in Hoppstädten) die rabbinische Aufsicht über die jüdische Gemeinde St. Wendel und ihre Einrichtungen (siehe Artikel von 1908 unten).
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Alexander August (geb. 9.12.1889 in St. Wendel, gef. 15.3.1915), Julius Borg (geb. 22.8.1898 in St. Wendel. gest. 14.11.1918 in Gefangenschaft), Max Levy (geb. 26.5.1886 in Magdeburg, gef. 18.2.1915), Isaak Reinheimer (geb. 21.10.1880 in Wallhalben, gef. 28.9.1915), Sanitätsgefreiter Jakob Sender (geb. 13.4.1895 in St. Wendel, gef. 14.11.1916) und Leo Sender (geb. 9.8.1894, gef. 4.4.1915)
  
Bis 1910 stieg die Zahl der Gemeindeglieder auf 134. Erst 1920 wurden der jüdischen Gemeinde in St. Wendel die Korporationsrechte zugestanden.  In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war Eugen Berl Vertreter der Gemeinde. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1923 mit 143 Personen erreicht.
 
Um 1925
(130 jüdische Gemeindeglieder, d.h. 1,4 % von insgesamt ca. 9.000 Einwohner) waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Eugen Berl, Robert Alexander, Salomon Borg. Der Repräsentanz gehörten Josef Jacob, Jacob Eppstein, Jacob Kahn, L. Sender und Edmund Rothschild an. Die Lehrerstelle war in diesem Jahr gerade vakant. Schulpflichtige jüdische Kinder gab es 14. 1932 (weiterhin 130 Gemeindemitglieder) waren die Vorsteher Eugen Berl, Edmund Rothschild und Berthold Sender. Die Vorsitzenden der Repräsentanz waren Josya Jakat, Siegfried Stern und Alexander Reinheimer. Als Kantor und Lehrer war Siegmund Zodick (zuvor in Montabaur) angestellt. An jüdischen Vereinen gab es in der Gemeinde den 1881 gegründeten Israelitischen Frauenverein mit 1932 31 Mitgliedern (Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger) und die 1920 gegründete Männer-Chewra mit 1932 30 Mitgliedern (Ziel: Unterstützung ortsansässiger hilfsbedürftiger Juden, Hilfeleistung bei Sterbefällen, Wanderfürsorge in besonderen Fällen).  
  
1933 wurden noch 136 jüdische Einwohner in St. Wendel gezählt. In den folgenden Jahren - insbesondere nach der Saarabstimmung 1935 - verließen die meisten von ihnen die Stadt. Im März 1937 lebten nur noch 19, am 1. Oktober 1939 noch sechs jüdische Personen in der Stadt. In diesem Jahr wurde die Synagogengemeinde St. Wendel aufgelöst. Am 22. Oktober 1940 wurden aus St. Wendel vier jüdische Einwohner nach Gurs deportiert: Erna Berl (Schlossstraße 6), Eduard, Hermine und Ilse Reinheimer (Balduinstraße 41).       
   
Von den in St. Wendel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namen aus M. Landau s.Lit. S. 212-213): Jakob Alexander (1884), Paula Baer geb. Wolf (1881), Otto Baum (1871), Erna Berl geb. Herz (1888), Emilie Drexler (1896), Julius Drexler (..), Lydia Drexler (1896), Karoline Frank geb. Hirsch (1872), Leopold Frank (1881), Walter Friedberger (1901), Erna Heinemann geb. Sander (1888), Martha Herz geb. Sender (1900), Marianne Heymann (1933), Max Sigmund Heymann (1905), Norma Heymann geb. Teutsch (1909), Ilse Isay (1912), Walter Kahn (1905), Israel Lanz (1893), Flora Lehmann (1907), Thekla Lehmann (1897), Gertrude Johanna Leven geb. Alexander (1907), Emilie Levi (1890),  Alice Löwenstein geb. Friedberger (1903), Else Peiser geb. Weil (1894), Selma Poppert geb. Herrmann (1885), Else Peiser geb. Weil (1895), Alice H. Reinheimer geb. Bonnem (1898), Auguste Reinheimer (1896), Babetta Reinheimer (1882), Eduard Reinheimer (1892), Frieda Reinheimer geb. Grünberg (1884), Frieda Reinheimer (1884), Ilse Reinheimer (1923), Lina Reinheimer (1901), Paul Reinheimer (1913), Irma Rosenberg geb. Berl (1900), Paul Rosenberg (1879), Berta Salomon geb. Herrmann (1878), Erna Sender (1881), Gustav Sender (1884, siehe Kennkarte unten), Gustav Sender (1880), Siegfried Simons (1886), Jean (Werner) Stern (..), Jette Teutsch geb. Schneidinger (1869), Paul Wildmann (1895), Irma Wolf geb. Borg (1892). 
  
Am 9. April 2011 wurden in St. Wendel die ersten 11 "Stolpersteine" für in der NS-Zeit ermordete jüdische Einwohner verlegt (siehe unten). Weitere "Stolpersteine" wurden im November 2012 verlegt.      
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876  

St Wendel Israelit 30081876.jpg (46126 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1876: "Die jüdische Gemeinde St. Wendel sucht zum baldigen Antritt einen Lehrer, welcher zugleich die Stelle als Vorbeter und Schächter zu übernehmen hat. Einkommen 5-600 Mark festes Gehalt und 3-400 Mark für Schächtgebühren. Reflektanten wollen sich melden an 
W. Kahn,
Vorstand der israelitischen Gemeinde St. Wendel, Regierungsbezirk Trier."   
 
Hinweis: auf die Ausschreibung der Stelle bewarb sich erfolgreich Lehrer Jacob Mayer Eppstein (geb. 13. Juni 1810 als Sohn des gleichnamigen Lehrers Jacob Mayer Eppstein). Jacob Mayer Eppstein jun. war Lehrer in Sien, Bollenbach, Haupersweiler, Thalfang, seit 1844 in Saarwellingen, von 1876 bis zu seinem Tod 1880 auf seiner letzten Stelle in St. Wendel. Er war verheiratet mit Jacobine geb. Fränkel, die 1888 starb. Beide wurden im jüdischen Friedhof in St. Wendel beigesetzt. Der Grabstein über ihrem Grab ist lesbar (Link zur Dokumentation des Grabsteines in "epidat" des Steinheim-Institutes).    
Eng verwandt mit Lehrer Jacob Mayer Eppstein war der 1867 in Emmerich geborene Jacob Eppstein, der in St. Wendel eine Drogerie eröffnet hatte (verheiratet in 2. Ehe mit Laura geb. Lehmann). Die Drogerie bestand bis zum Juli 1935, als Jacob und Laura Eppstein das Geschäft verkaufen mussten, anschließend nach Luxemburg emigrierten, 1939 nach Tel Aviv.  
Quelle zur Familiengeschichte der Eppsteins: Beitrag von Rolf Michael Mayer: HaLevi - Eppstein - Eppler - Mayer. Vier Namen - eine Familie. 2009. Eingestellt als pdf-Datei.   

 
Zu Lehrer Hugo Adler (1918-1921 Lehrer und Kantor in St. Wendel)  

St Wendel HAdler 010.jpg (46806 Byte)Der vermutlich bedeutendste der jüdischen Lehrer und Vorbeter in St. Wendel war Hugo Adler (geb. 1894 in Antwerpen, gest. 1955 in Boston): Kantor, Komponist, Chorleiter. Nach seinem Studium am Konservatorium sowie am Jüdischen Lehrerseminar in Köln 1912-1915 war er drei Jahre als Soldat bei der Infanterie im Ersten Weltkrieg (verwundet). 1918 trat er seine erste Stelle als Kantor und Lehrer in St. Wendel an. Am 1. April 1921 wechselte er als zweiter Kantor und Lehrer nach Mannheim, seit 1933 Oberkantor ebd. Seine Kompositionen (u.a. Lehrkantaten für Sing- und Sprechchöre sowie Instrumente) wurden seit 1930 an verschiedenen Orten aufgeführt. Die letzte Komposition "Akedah" sollte am 9. November 1938 in Stuttgart uraufgeführt werden, doch wurden bei einem Überfall durch Nationalsozialisten während einer Probe Aufführungsmaterialien und Partituren der Komposition zerstört. Im Dezember 1938/Januar 1939 gelang die Auswanderung über die Niederlande und England in die USA. Weiteres siehe den Artikel von Sophie Fetthauer im "Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen in der NS-Zeit" (Artikel wird 2008 bearbeitet; Foto aus Volker Keller: Bilder vom jüdischen Leben in Mannheim S. 68).

  
Hinweis auf den Lehrer Siegmund Zodick (1893-1944)   
Anmerkung: Lehrer Siegmund Zodick ist am 5. Juni 1893 in Laubach geboren als Sohn des Religionslehrers Emanuel Zodick und der Josephine geb. Westerfeld. Im Ersten Weltkrieg war er von 1914 bis 1916 eingesetzt. Er war verheiratet mit Hedwig geb. Oppenheimer (geb. 12. Oktober 1897 in Essen). Die beiden hatten zwei Kinder: Ruth (geb. 15. Juni 1923 in Montabaur) und Kurt (geb. 11. Juni 1925 in Montabaur). Siegmund Zodick war seit 1922 Lehrer und Kantor in Montabaur, danach Lehrer in St. Wendel. 1935 verzog Siegmund Zodick nach Bad Buchau, wo er noch bis 1938/39 die jüdischen Kinder unterrichtete. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde er für mehrere Wochen in das KZ Dachau verbracht. Ende August 1939 mussten er und seine Familie Bad Buchau verlassen und nach Bad Mergentheim ziehen. Die ganze Familie wurde am 1. Dezember 1941 von Stuttgart aus nach Riga - Jungfernhof, Außenlager des Ghetto Riga deportiert und im September 1944 in Auschwitz ermordet.       
      
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Freundliche Behandlung eines sterbenden Juden im katholischen Spital (1877)   

St Wendel AZJ 15051877.JPG (117627 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1877: "St. Wendel, 30. April (1877). Wahrhaft wohltuend ist es, wenn wir trotz des ultramontanen Sturmes gegen die Juden auch aus katholischen Kreisen Beispiele der Menschenliebe und der Achtung vor dem Judentume erfahren, welche bezeugen, dass im Grunde der Katholizismus nicht identisch ist mit Judenhass und Judenverfolgung. Die folgende Mitteilung wird daher an dieser Stelle gerechtfertigt sein: vor etwa zwei Monaten kam ein kranker Mann, jüdischer Konfession, hier ins Spital, das von 'Schwestern' geleitet wird. Alles, was er rituell verlangte, wurde ihm bereitwilligst gewährt und er mit besonderer Sorgfalt gepflegt, obschon er von Allem entblößt hierher kam. Es war ein gewisser S. Straden aus Rotterdam, 63 Jahre alt. Am Samstag, den 21. Mai dieses Monates, sagte er uns bei seinem Besuche: 'Gebt mir ein Grab bei euch, denn ich bin ein Fremdling und werde sterben". Er lag drei Tage im Todeskampfe, die Schwestern wichen nicht von seinem Bette, obwohl immer Glaubensgenossen bei ihm waren. Bei dem Verscheiden stand Eine der Schwestern, die ihn gewöhnlich verpflegte, neben mir und sagte Wort für Wort mit der größten Andacht die üblichen Gebete deutsch mit. Alle Anordnungen in Beziehung auf das rituelle Verfahren bei der Reinigung der Leiche wurden befolgt und, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurde der städtische Leichenwagen bestellt, aber vorerst das große Kreuz, welches an demselben angebracht ist, unaufgefordert heruntergenommen, um das jüdische Gefühl nicht zu verletzen."

    
Antisemitische Regungen (1892)   

St Wendel Israelit 22081892.jpg (31377 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1892: "St. Wendel, 8. August (1892). Der Umstand, dass die antisemitische Bewegung hier immer mehr Anhänger findet, zeigt sich, der 'Kölner Zeitung' zufolge, auch darin, dass den jüdischen Viehhändlern an Markttagen keine Ställe mehr vermietet werden. Die jüdischen Handelsleute besuchen daher die großen Viehmärkte unserer Kreisstadt nicht mehr."

  
Richtigstellung von Gerüchten im Blick auf den Viehmarkt (1892)   

St Wendel Israelit 17101892.jpg (137224 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1892: "Der Wendels-Viehmarkt, welcher von Alters her weithin Berühmtheit erlangt hat, ist hierselbst in diesem Jahre am Donnerstag, den 20. Oktober. Hierzu wird bemerkt, dass die auswärts von interessierter Seite verbreiteten Gerüchte, die israelitischen Handelsleute würden hier nicht gut behandelt, unwahr sind. Dieselben werden vielmehr hierdurch eingeladen, sich wie bisher durch Besuch obigen Marktes selbst zu überzeugen, dass die israelitischen Händler ebenso gut wie die christlichen behandelt werden und dass feindseliger Antisemitismus hier keinen Boden gefunden hat. St. Wendel, den 20. September 1892. Der Bürgermeister Müller. 
Die vorstehende in verschiedenen Zeitungen erschienene Bekanntmachung des hiesigen Bürgermeisteramtes teilen wir ergebenst mit, um allen auswärts verbreiteten Gerüchten über antisemitisches Treiben am hiesigen Orte entgegen zu treten. Wahr an dem Gerüchte ist nur, dass ein antisemitischer Verein aus Neunkirchen hier in St. Wendel mit dem bekannten Herrn Liebermann von Sonnenberg eine Versammlung abheilt, hetzte und gegen die Israeliten aufreizte, dass auch die hiesige 'Nahe-Blies-Zeitung' durch Wiedergabe der Hetzrede, Stellung dafür zu nehmen schien. Namens der hiesigen israelitischen Gemeinde fühlen wir uns aber verpflichtet, hierdurch zu erklären, dass die von Neunkirchen aus angestellten planmäßigen Versuche die hiesige Bevölkerung in das antisemitische Lager hinüberzuziehen, vollständig gescheitert sind. 
Wir können im Gegenteil nur unserer Freude darüber Ausdruck verleihen, dass die hiesigen jüdischen Einwohner mit der Gesamtheit der hiesigen Bevölkerung friedlich weiter leben. Alle gegenteiligen von auswärts ausgestreuten Gerüchte entspringen nur Sonderinteressen. Die auswärtigen israelitischen Handelsleute finden hier die beste Aufnahme. 
Mit Bezug auf vorstehende amtliche Erklärung bitten wir daher sämtliche jüdische Handelsleute wie früher die hiesigen großen Märkte besuchen und sich selbst von der Richtigkeit des oben Gesagten überzeugen zu wollen. Im Auftrage der israelitischen Gemeinde: Der Vorstand: Balthasar Jacob. S. Daniel, Schriftführer. M. Schömann, Kassierer."

 
Zuordnung von St. Wendel zum Rabbinat Birkenfeld (1908)   

St Wendel AZJ 20111908.jpg (59661 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1908: "St. Wendel (Regierungsbezirk Trier), 10. November 1908. Die hiesige israelitische Gemeinde, die bisher keinem Rabbinate angehörte, hat seit 1. Oktober dieses Jahres den Großherzoglich Oldenburgischen Landrabbiner für das Fürstentum Birkenfeld, Dr. Baron, mit der Ausführung der rabbinischen Funktionen betraut, nachdem die Regierung zu Birkenfeld und der israelitische Landesgemeinderat des Fürstentums die erforderliche Genehmigung erteilt hatten. Am Samstag, den 7. dieses Monats hielt Herr Dr. Baron hier seine erste Predigt und am folgenden Tage eine Visitation der Religionsschule, die ebenfalls unter seine Aufsicht gestellt ist. Möge das Wirken unseres Rabbiners der Gemeinde zum Segen und ihm selbst zur Befriedigung gereichen."

 
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeige von Lehrer J. Fuchs (1890)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890: "Billige Gelegenheit! 
zum Kaufe hebräischer und deutscher Werke, die meisten in den letzten drei Jahren erst neu angeschafft, für Prediger, Lehrer und Kultusbeamte zum Gebrauche sehr nötig und gut erhalten, sehr preiswürdig beim Unterzeichneten zu haben. 
St. Wendel (Rheinland). J. Fuchs, Lehrer". 

   
Anzeige des Manufaktur- und Modewarengeschäftes F. Nathan (1902)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1902: "Ein Lehrmädchen
aus achtbarer Familie, gesucht
F. Nathan,
Manufaktur- und Modewaren (St. Wendel) Regierungsbezirk Trier."   

      

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in St. Wendel 
geborenen Gustav Sender
 
 St Wendel KK MZ Sender Gustav.jpg (94686 Byte)  
  Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Gustav Sender (geb. 6. April 1884 in St. Wendel), Kaufmann,
 wohnhaft in Mainz, am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen     
 

    
    
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
        
    
Ein erster Betsaal wurde vermutlich noch vor 1870 im Haus des Metzgers Kahn im Kelsweiler (Kelsweilerstraße) eingerichtet. Wenige Jahre später schon plante man den Bau einer Synagoge und kaufte 1877 ein dafür geeignetes Grundstück im Kelsweiler (Kelsweilerstraße). Doch konnte damals der Bau nicht verwirklicht werden. Nachdem die Gemeinde um 1890 fast 90 Personen umfasste, war allerdings der seitherige gemietete Betsaal viel zu klein geworden. Man plante erneut den Bau einer Synagoge und hoffte unter anderem über Aufrufe in jüdischen Zeitungen die nötigen Finanzmittel sammeln zu könnten.  
  
Spendenaufruf zum Bau einer Synagoge in St. Wendel (1891)      

St Wendel Israelit 11051891.jpg (130142 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Aufruf!   
Wohl wissen wir, dass es gewagt ist, in jetziger Zeit, wo von allen Seiten an Ihre Mildtätigkeit appelliert wird, mit einem Aufruf an Sie heranzutreten und ist es die äußerste Notwendigkeit, die uns dazu drängt. Die hiesige Gemeinde, welche sich unter schwierigen Verhältnissen seit circa 30 Jahren gebildet hat und sich bisher eines gemieteten Betsaales begnügen musste, fühlte sich veranlasst, eingetretener Umstände halber, eine Synagoge zu erbauten. Mit größter Aufopferung und Erschöpfung aller Mittel ist es uns endlich gelungen, einen Bauplatz zu erwerben. Ein solches Unternehmen erfordert, trotz bescheidener Ausführung unseres Vorhabens, dennoch große Geldopfer, wozu selbstredend die kleine Gemeinde nicht in der Lage ist, ohne kräftige Mithilfe anderer dies ausführen zu können. Wir richten daher an alle mildtätigen Spender die tiefgehende Bitte, zur Realisierung unseres Unternehmens das Möglichste beizutragen. 
Sei Ihre Gabe groß oder klein, mit innigstem Danke wollen wir sie entgegennehmen. 
St. Wendel, 15. April 1891. 
Das Comité: H. Weil  S. Daniel.  A. Wolff."       

Der Erfolg scheint nicht allzu groß gewesen sein. 1897 stellte die jüdische Gemeinde bei den Behörden einen erneuten Antrag zur Durchführung einer Kollekte für den Bau einer Synagoge. Doch erst 1902 konnte der Synagogenbau verwirklicht werden. Das durch den Architekten Hans Zeeh geplante Gotteshaus wurde am 6. Dezember 1902 mit einem großen Fest der ganzen Stadt eingeweiht:  
      
Die Einweihung der Synagoge am 6. Dezember 1902

St Wendel AZJ 23011903.JPG (179372 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1903: "St. Wendel, 4. Januar 1903. Am 6. vorigen Monats fand in unserer Gemeinde die Einweihung eines neuen Gotteshauses statt. Am Festtage hatte die ganze Stadt ohne Unterschied der Konfession Flaggenschmuck angelegt. Die Weihe des Hauses vollzog der großherzogliche Landesrabbiner des Fürstentums Birkenfeld, Herr Dr. Lewit, in sehr würdiger und ergreifender Rede über den Satz des Psalmisten: "Wer darf den Berg des Herrn besteigen, wer darf stehen an heiliger Stätte?". Im alten Bethause fand vorerst ein Abschiedsgottesdienst statt, in dem der treubewährtem beliebte Lehrer und Kantor der Gemeinde, Herr Josef Fuchs den Gottesdienst verrichtete und Landesrabbiner Dr. Lewit herzliche Worte der Abschiedes sprach. Den Greisen der Gemeinde überreichte Dr. Lewit die Torarollen, die dieselben in feierlichem Festzuge, dem sich die gesamte Gemeinde nebst der Schuljugend sowie der Spitzen der Behörden, viele auswärtige Gäste und Bewohner der Stadt teilnahmen. Dem Festzuge zur neuen Synagoge schritt die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 30 "Grab Wenden" unter Leitung des königlichen Musikdirektors Herr Recketz voran, die in ergreifender Weise einen Choral spielte, der von Herrn Oberkantor Fuchs aus Luxemburg, einem Sohn des hiesigen Lehrers, zu diesem Zwecke komponiert war. Nach Ansprachen der Schülerin Emmy Rothschild, eröffnete Bürgermeister Friedrich mit dem Ausdrucke herzliches Glückwünsche das Gotteshaus, während dessen die Kapelle intonierte. Unter den Ehrengästen bemerkten wir Herrn Landrat Dr. Momm als Vertreter der Regierung, die evangelische Geistlichkeit, den Gymnasialdirektor, den Architekten sowie andere Notabilitäten. Oberkantor Fuchs aus Luxemburg, der die gesangliche und musikalische Leitung des Festgottesdienstes übernommen hatte. verstand es, durch seinen meisterhaften Gesang die Zuhörer so zu fesseln, dass eine feierliche Stimmung sich derselben bemächtigte. Der Synagogenchor, unter der trefflichen Leitung des Herrn Lenol, erwarb für seine guten Leistungen allgemeine Anerkennung. Der Festgottesdienst hinterließ bei allen Zuhörern einen mächtigen Eindruck. Beim ersten Sabbatgottesdienst hatte ebenfalls Landesrabbiner Dr. Lewit den homiletischen Teil übernommen, während Herr Oberkantor Fuchs - Luxemburg den gesanglichen ausführte. An die religiöse Feier schloss sich noch ein Konzert und ein Festball an. Wie sich Herr Oberkantor Fuchs als Sänger bewährte, so zeigte sich auch am Konzertabend seine Tätigkeit als Komponist und Dirigent, indem unter seiner Leitung die Militärkapelle einen von ihm komponierten spanischen Walzer "Rositta" zur Ausführung brachte, der das Publikum zu stürmischen Beifallskundgebungen veranlasste."

Bei der Synagoge handelte es sich um einen repräsentativen, von der Formensprache des Spätklassizismus geprägten Bau. Dabei überwogen neuromanische Elemente. Die östliche Giebelfront als Hauptfassade war geprägt von einem überhöhten und übergiebelten Mittelrisalit, der von den charakteristischen Gebotstafeln und einem "Davidstern" bekrönt war. Aus der Geschichte der Synagoge ist nur wenig bekannt. Ein besonderes Ereignis wurde jedoch aus dem Jahr 1922 berichtet:       
      
Am Sonntag, 30. Juli 1922 fand eine feierliche Einweihung einer Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges statt. Aus St. Wendel waren Alexander August, Max Levy, Isaak Reinheimer, Jakob und Leo Sender gefallen (siehe oben). Zu dieser Veranstaltung wurde öffentlich eingeladen; über die Einweihungsfeier berichtete das St. Wendeler Volksblatt am 1. August 1922.   

St Wendel Synagoge 016.jpg (71219 Byte)Anzeige im St. Wendeler Volksblatt vom 27. Juli 1922: 
"Am Sonntag, den 30. Juli vormittags 11 Uhr findet in der Synagoge die feierliche Einweihung einer 
Gedenktafel 
für die im Kampfe ums Vaterland auf dem Felde der Ehre gebliebenen Söhne unserer Gemeinde statt. 
Unsere verehrten Mitbürger laden wir hierzu höflich ein. 
Der Einlass zur Synagoge beginnt um 10.30 Uhr. 
Der Vorstand der Kreissynagogen-Gemeinde 
i.A.: Eugen Berl."
  
St Wendel PA 1922ge.jpg (140632 Byte)Artikel im St. Wendeler Volksblatt vom 1. August 1922: "St. Wendel, 31. Juli. Zu einer ernsten Gedenkfeier hatte sich gestern die Kreissynagogengemeinde St. Wendel in der hiesigen Synagoge versammelt. Sie galt dem Gedächtnis der im Weltkriege für das Vaterland gestorbenen Söhne der Gemeinde. Herr Stadtbürgermeister, zahlreiche Vertreter der Stadt, der Behörden und der Bürgerschaft nahmen daran teil. Gut gewählte, eindrucksvolle musikalische Darbietungen leiteten die Feier weihevoll ein. Der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Berl, begrüßte alle Teilnehmer und sprach dem Stifter der schlichten, doch kunstvollen Gedenktafel, die die Namen der fünf Gefallenen der Mit- und Nachwelt vor Augen und ihr Andenken in aller Herzen wach und lebendig halten soll; im Namen der Gemeinde herzlichen Dank aus. Mit ernsten, würdigen Worten gedachte Herr Rabbiner Dr. Lewin der Toten, die treu dem Glauben und dem Vaterland ihr Leben für die Allgemeinheit opferten Nachdem er ihrer im Gebete gedacht, klang die Feier mit ernsten Gesängen würdig aus..   

Gewaltsame Aktionen gegen die Synagoge in St. Wendel gab es bereits früh. Anfang 1916 und im Frühjahr 1918 wurden mehrfach Fenster des Gotteshauses eingeworfen. Am 30. Mai 1922 drang ein Unbekannter in das Anwesen der Synagoge ein und besudelte die Tür mit Kot. In der Nacht vom 13. auf den 14. November 1932 wurde das Eingangstor der Synagoge gewaltsam geöffnet und an der hinteren Seite des Gebäudes ein Fenster eingeschlagen. In der Nacht zum 3. März 1935 demolierten vier Jugendliche das Innere der Synagoge. 
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA- und SS-Leuten sowie Nazi-Anhängern geschändet und teilweise zerstört. Die Aktion fand in St. Wendel erst am Nachmittag des 10. November 1938 statt. Das Gotteshaus wurde geplündert, das Innere und Teile des Dachs demoliert. Am Abend wurde das Gebäude angezündet, gegen 20 Uhr gab es Brandalarm, die Feuerwehr schützte jedoch nur die umliegenden Häuser gegen ein Übergreifen des Brandes. Am 24. November 1938 wurde die Brandruine von städtischen Arbeitern abgebrochen. Die Stadt kaufte am 1. Oktober 1942 von der Reichsvereinigung der Juden das Grundstück. Dabei wurden die Abbruchkosten vom Kaufpreis abgezogen. 
  
Im April 1949 kam das Grundstück wieder in den Besitz der Synagogengemeinde Saar, die es 1951 an einen Transportunternehmer verkaufte. Das Grundstück wurde neu überbaut. 
   
Am 26. August 1981 wurde am Nachbarhaus eine Gedenktafel angebracht. Am 9. November 2016 wurde zusätzlich am Grundstück der Synagoge eine 1,6 Meter hohe Gedenkstele durch den Verein "Wider das Vergessen und gegen Rassismus" zusammen mit dem Landkreis und der Stadt St. Wendel eingeweiht (siehe unten bei "Erinnerungsarbeit vor Ort"). 
    
    
Standort der Synagoge:   Kelsweilerstraße 13 
   
  
Pläne / Darstellungen / Fotos

Lageplan von 1902
(Quelle: M. Landau s.Lit. S. 109)
St Wendel Synagoge 015.jpg (57103 Byte)  
Oben: "Lage-Plan zum Gesuche des Herrn Samuel Daniel Kaufmann und Gemeinde zu St. Wendel betreff Neubau einer 
Synagoge auf Flur 5 Parzelle Nr. 245/200 der Stadtgemeinde St. Wendel... aufgenommen im Februar 1902". 
        
  
Pläne des Architekten Hans Zeeh von 1902:
(Quelle: Synagogengedenkbuch 2005 s.Lit. S. 53.460-461) 
 
St Wendel Synagoge 009.jpg (46643 Byte) St Wendel Synagoge 010.jpg (64308 Byte) St Wendel Synagoge 011.jpg (55668 Byte)
Straßenansicht   Seitenansicht   Querschnitt  
     
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Grundriss   Zeichnung der Synagoge St. Wendel nach den Originalbauplänen von 
Gerhard Birkenbach (Quelle: M. Landau s. Lit. Titelbild)  
   
     
     
Gedenken an die 
zerstörte Synagoge
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  Am Gebäude Kelsweilerstraße 13 findet sich seit 1981 eine wenig auffallende Gedenktafel mit der Inschrift: "Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde St. Wendel. Erbaut 1902, wurde sie in der Zeit der Gewaltherrschaft am 09.11.1938 zerstört. Zur ehrenden Erinnerung. Kreisstadt St. Wendel. Synagogengemeinde Saar. 1981."  2016 wurde eine neue Erinnerungsstele aufgestellt (siehe unten)   
     
Die Gedenkstele von 2016 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.8.2017) 
St Wendel Synagoge 1609.jpg (228596 Byte) St Wendel Synagoge 1604.jpg (375104 Byte)
    vgl. weiteres Foto unten   
     
     
Seit April 2011: "Stolpersteine" an 
 ehemaligen  jüdischen Wohn- und
 Geschäftshäusern zur Erinnerung 
an umgekommene jüdische 
Einwohner der Stadt
St Wendel Stolp 0180.jpg (109349 Byte) St Wendel Stolp 0181.jpg (179145 Byte)
  "Stolpersteine" vor dem Haus Gymnasialstraße 7 für Max Sigmund Heymann (1905), Norma Heymann geb. Teutsch (1909) und Marianne Heymann (1933). Max Heymann betrieb in der Bahnhofstraße 10 ein Friseurgeschäft. 1935 emigrierte die Familie nach Holland. 1942 wurde sie über das Lager Westerbork nach Auschwitz deportiert.
     
   St Wendel Stolp 0185.jpg (112596 Byte) St Wendel Stolp 0184.jpg (117002 Byte)
    "Stolperstein" vor dem Haus Schlossstraße 6/8 für Erna Berl, die mit ihrem Ehemann Eugen im Haus Schlossstraße 6 ein Textilgeschäft betrieb. Eugen Berl starb am 1. August 1936 kurz vor einer Gerichtsverhandlung gegen ihn, weil er nichtjüdische Personen unter 45 Jahren in ihrem Geschäft beschäftigt hatte. Erna Berl wurde am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, von hier im August 1942 nach Auschwitz. 
      
    St Wendel Stolp 0186.jpg (109801 Byte) St Wendel Stolp 0187.jpg (158318 Byte)
   "Stolpersteine" vor dem Haus Hospitalstraße 13 für Auguste Reinheimer (1896), Babette Reinheimer (1882), Lina Reinheimer (1901) und Frieda Reinheimer (1884). Die vier Frauen waren Schwester von Eduard Reinheimer (s.u.). Sie waren 1935 nach Holland emigriert, wo von sie 1942 über Westerbork nach Auschwitz deportiert wurden.
     
  St Wendel Stolp 0188.jpg (124392 Byte) St Wendel Stolp 0189.jpg (167734 Byte)
  "Stolpersteine" vor dem Haus Balduinstraße 41 für Eduard Reinheimer (1892), Alice Reinheimer geb. Bonem (1898) und Ilse Reinheimer (1923). Eduard Reinheimer betrieb mit dem Kaufmann Ludwig Mendel die Fa. Reinheimer und Mendel, Manufakturwaren und Herrenkonfektion in der Schlossstraße 2; die Familie wohnte in der Balduinstraße.
     
     
Hinweis auf das 
"Adolf-Bender-Zentrum" 
in St. Wendel 
St Wendel Stolp 0182.jpg (132279 Byte) St Wendel Stolp 0183.jpg (130172 Byte)
  Ein Mittelpunkt der "Erinnerungsarbeit" in St. Wendel für die Verbrechen der NS-Zeit ist seit 1985 das "Adolf-Bender-Zentrum" in St. Wendel. Adolf Bender (1903-1997) war ein (nichtjüdischer) Maler, der als entschiedener Gegner der Politik Hitlers in mehreren Konzentrationslagern inhaftiert war; siehe Wikipedia-Artikel über Adolf Bender und Wikipedia-Artikel zum Adolf-Bender-Zentrum   
     
     

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2010: Eine Initiative "Stolpersteine im Kreis St. Wendel" wird gegründet      
Artikel in der "Saarbrücker Zeitung" vom 4. November 2010 (Artikel): "Steine sollen an Nazi-Opfer erinnern
Morgen gründet sich im Landratsamt die Initiative 'Stolpersteine im Kreis St. Wendel'. Mitmachen kann jeder, der im Rahmen des bundesweiten Projektes öffentlich an die Verbrechen an den Juden im Kreis in der Nazi-Zeit erinnern möchte. Die Idee kommt vom Verein 'Wider das Vergessen und gegen Rassismus' aus Marpingen. 
St. Wendel.
Zur Organisation des Projektes im Landkreis St. Wendel wird am Donnerstag, 4. November, um 18.30 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes die Initiative 'Stolpersteine im Kreis St. Wendel' gegründet. Bei dem Projekt 'Stolpersteine' sollen vor den letzten frei gewählten Wohnorten von Juden, die Opfer des Hitler-Regimes wurden, Gedenktafeln aus Messing in den Boden eingelassen werden. Aus St. Wendel wurden mindestens 37 Menschen jüdischen Glaubens während der Shoa in Konzentrationslagern ermordet. Von 21 Personen sind die letzten Wohnorte in St. Wendel bekannt.
Ins Leben gerufen wurde das Projekt von dem Kölner Künstler Gunter Demnig. In über 530 Orten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden hat der gebürtige Berliner inzwischen mehr als 22.000 Gedenksteine verlegt. Demnig hat sich bereit erklärt, auch in St. Wendel 'Stolpersteine' zu verlegen. Für März 2011 wurde ein Termin vereinbart. Dabei zählt zu der Projektidee nicht, dass etwa Kommunen Gelder für die Gedenksteine zur Verfügung stellen, sondern Bürger und Institutionen in den jeweiligen Städten und Gemeinden sollen für die Steine spenden. Die Kosten betragen etwa 100 Euro pro Stein. In St. Wendel sollen in einer ersten Aktion zunächst einmal zehn Steine verlegt werden. Die etwa 1000 Euro sollen von der zu gründenden Initiative aufgebracht werden. Der gemeinnützige Verein 'Wider das Vergessen und gegen Rassismus', Marpingen, wird für das Projekt in St. Wendel die Spendengelder entgegennehmen und verwalten. 
Mit den Stolpersteinen sollen historische Spuren gelegt werden, die zum einen das Gedenken an ehemalige St. Wendeler Mitbürger jüdischen Glaubens wach halten, die als Minderheiten und Verfolgte der Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind, zum anderen sollen die Spuren aber auch zum Nachdenken anregen.
Die Stolpersteine sind zehn mal zehn Zentimeter groß, aus Beton gegossen und mit einer Messingtafel versehen. Sie werden in öffentliche Gehwege bündig eingelassen, damit niemand durch sie zu Schaden kommen kann. Sie heißen dennoch 'Stolpersteine', denn wer sie im Vorübergehen sieht, soll im Geiste darüber stolpern, kurz innehalten und die Eingravierung lesen. Unter der Überschrift 'Hier wohnte...' und Daten der Deportation und Ermordung wird mit den Steinen der Opfer des Nazi-Regimes gedacht. Die Synagogengemeinde Saar unterstützt die St. Wendeler Initiative. red 
Spendenkonto: Der Verein 'Wider das Vergessen und gegen Rassismus' hat ein Konto eingerichtet: Konto-Nr.: 92478 bei KSK WND, BLZ: 59251020."  
 
April 2011: Die ersten elf "Stolpersteine" werden in St. Wendel verlegt    
Artikel von "vsc" im "Wochenspiegel Saarland" vom 28. April 2011 (Artikel): "'Stolpersteine' zur Erinnerung. 
Jüdische Opfer nicht vergessen – bundesweite Aktion auch in St. Wendel umgesetzt.  
ST. WENDEL
'Es gab einmal blühendes jüdisches Leben in St. Wendel', sagt Eberhard Wagner, Vorsitzender des Vereins wider das Vergessen und gegen Rassismus. 'Doch heute ist davon nicht mehr viel zu sehen.' 
Das soll sich jetzt ändern. Elf 'Stolpersteine' des Kölner Aktions-Künstlers Gunter Demnig erinnern von nun an verschleppte und ermordete St. Wendeler Juden. 'Das sind natürlich keine wirklichen Stolperfallen', erklärt Landrat Udo Recktenwald den Zweck der Mahnmale 'Die Passanten sollen im Geist über die Steine im Gehweg stolpern, innehalten und so an die jüdischen Opfer erinnert werden.'
Verlegt wurden die zehn mal zehn Zentimeter großen Messing-Steine, mit Namen und persönlichen Daten der Getöteten, an vier bekannten Wohnorten jüdischer Bürger. Denn, so Demnig: 'Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.'
In der Schlossstraße 6/8 lebte Erna Berl. Sie wurde 1940 nach Gurs deportiert und schließlich zwei Jahre später in Auschwitz ermordet.
Drei Stolpersteine liegen vor der Gymnasialstraße 7. Sie erinnern an Max Sigmund, Norma und Marianne Heymann. Eine Familie, die 1943 in Auschwitz getötet wurde.
In der Balduinstraße 41 wohnte die Familie Reinheimer. Eduard, Alice und Ilse wurde über Gurs nach Auschwitz deportiert. Dort kamen sie 1942 zu Tode.
Vier Stolpersteine legte Demnig vor dem Haus in der Hospitalstraße 13. Dort waren Auguste, Babetta, Lina und Frieda Reinheimer zu Hause – alle 1942 in Auschwitz ermordet.
Die über Spenden finanzierten Steine sind Teil eines europaweiten Erinnerungs-Projekts, des Kölner Künstlers. 'In Deutschland liegen bereits mehr als 23000 Steine', berichtete Recktenwald 'Und nun tragen elf davon auch in St. Wendel zur Erinnerungskultur bei.'"  
   
November 2012: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in St. Wendel  
Artikel in der "Saarbrücker Zeitung" vom November 2012: "Steine wider das Vergessen. Schüler unterstützen das Kunstprojekt
St. Wendel.
Zusammen mit dem Landkreis St. Wendel verlegt der Verein "Wider das Vergessen und gegen Rassismus", Marpingen, zum zweiten Mal Stolpersteine in St. Wendel. Nachdem am 9. April des vergangenen Jahres in einer ersten Aktion elf Stolpersteine verlegt wurden, folgen nun am Montag, 19. November, ab 10.30 Uhr neun weitere. Durch die zweite Verlegung von Stolpersteinen vor weiteren sechs Anwesen in der Kreisstadt wird nun an insgesamt 20 ermordete jüdischen St. Wendeler Bürger erinnert. Das teilt Eberhard Wagner, Vorsitzender des Marpinger Vereins, mit. Die Kreisstadt St. Wendel unterstützt die Aktion dadurch, dass sie die Verlegestellen vorbereitet.... Die Verlegung beginnt um 10.30 Uhr vor dem Haus Mommstraße 11, danach folgen Brühlstraße 9, Hospitalstraße 32, Beethovenstraße 10, Bungertstraße 5 und Alsfassener Straße 74. Die Bevölkerung ist dazu eingeladen....  
Es wird eine Broschüre mit den Daten der Ermordeten herausgegeben, die am Tag der Verlegung verteilt wird und die man beim Landkreis und dem Verein "Wider das Vergessen und gegen Rassismus" erhalten kann. In dieser Broschüre findet man neben den Verlegestellen auch die Namen der 33 jüdischen St. Wendeler, die im Holocaust ermordet wurden. Diese Liste ist wahrscheinlich noch nicht vollständig und es bedarf noch einiger Nachforschungen, um alle während der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Bürger der Kreisstadt namentlich zu benennen..."   
Link zum Artikel      
 
November 2016: Neue Gedenkstele für die Synagoge eingeweiht  
(Fotos und Dateien der Presseartikel erhalten von Eberhard Wagner)   
 St. Wendel Synagoge Gedenktafel 1981.jpg (216143 Byte)  St. Wendel Synagoge IMG_0697.jpg (121624 Byte)  St. Wendel Synagoge IMG_0697a.jpg (133777 Byte)  St Wendel Synagogendenkmal 2016.jpg (1733349 Byte)
 Die 1981 angebrachte 
Erinnerungstafel 
Die am 9. November 2016 eingeweihte Gedenkstele (auf dem Foto noch vor 
der Aufstellung in der Werkstatt des Bildhauers Egon Dewes aus Marpingen)   
 Die Gedenkstele nach der Aufstellung im November 2016
(Foto ist in hoher Auflösung eingestellt) 
       
Am 9. November 2016, 16.00 Uhr, wurde durch den Verein "Wider das Vergessen und gegen Rassismus" zusammen mit der Stadt und dem Landkreis St. Wendel am Standort der ehemaligen Synagoge in St. Wendel, Kelsweilerstraße 13, eine Erinnerungsstele an das jüdische Gotteshaus eingeweiht. Sie ergänzt seitdem die seit 1981 am Nachbarhaus angebrachte Erinnerungstafel. Diese erste Tafel mit ihrem verharmlosenden Text ist nahezu unsichtbar am Giebel des dort heute stehenden Hauses in mehr als 3 m Höhe angebracht und wurde und wird so gut wie nicht wahrgenommen. Die neue 1,6 m hohe Stele aus schwarzem Basalt wurde nun unübersehbar am Rande des Bürgersteiges platziert. Sie zeigt neben dem Davidsstern auch ein Abbild der Synagoge. Der darunter angefügte Text bezeugt, dass das Verbrechen unter den Augen einer großen Menschenmenge von einheimischen Tätern begangen wurde. Die Erinnerungsstele wurde durch den Bildhauer und Künstler Egon Dewes aus Marpingen erstellt. Die Stadt und der Landkreis St. Wendel unterstützten die Aufstellung. Die heutigen Grundstückseigentümer haben den benötigten Platz zur Verfügung gestellt.      
Presseartikel von Kira Wilhelm im "St. Wendeler Land" vom 10. November 2016: "Einweihung eines historischen Mahnmals in St. Wendel..."   
Weitere Presseartikel - als Bilddateien eingestellt 
St Wendel PA Die Woch 05112016.JPG (139347 Byte) St Wendel PA SZ 09112016-4-1.JPG (166439 Byte) St Wendel PA SZ 09112016-4.JPG (120477 Byte) St Wendel PA SZ 10112016-164-3.JPG (145401 Byte) St Wendel PA Vips 17122016.JPG (218611 Byte)
Artikel in "Die Woch" vom 5.11.2016: 
"Eine Stele wider das Vergessen"  
 
 Artikel in der "Saarbrücker Zeitung"
 vom 9.11.2016: "Verein erinnert 
an zerstörtes Gotteshaus
Artikel in der "Saarbrücker Zeitung"
 ("St. Wendeler Zeitung") vom 9.11.2016:
 "Stele, wo einst die Synagoge stand"   
Bericht/Foto in der "Saarbrücker Zeitung"
 vom 9.11.2016: "Erinnerungsstele für
 einstige St. Wendeler Synagoge enthüllt"
.   
 Artikel in der Zeitschrift "VIP's" 
vom 17.12.2016: "Stele erinnert 
an die Synagoge in St. Wendel" 
   
Hinweis: das TV-Programm des Saarländischen Rundfunks hat in seinem "Aktuellen Bericht" am 09.11. einen Beitrag gesendet. Auch das Radio hat auf SR 3 ein Interview gebracht: 
http://www.ardmediathek.de/radio/SR-3-Region-am-Mittag/Region-10-11-16/SR-3-Saarlandwelle/Audio-Podcast?bcastId=4704&documentId=38852294  
http://sr-mediathek.sr-online.de/index.php?seite=7&id=45395   
  

Hinweis: Jeder Spender, der sich an den Kosten zur Errichtung der Erinnerungsstele beteiligen will, ist herzlich eingeladen, das Spendenkonto des Vereins "Wider das Vergessen..." Marpingen zu nutzen: 
KSK WND IBAN   DE09 5925 1020 0000 0924 78, BIC: SALADE51WND     

    
      

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Sankt Wendel   
Website des Vereins "Wider das Vergessen und gegen Rassismus" e.V. Marpingen    
Website "Historische Forschungen (zu St. Wendel) von Roland Geiger" (mit Seiten zur jüdischen Geschichte)   
Informationsseite zur Geschichte von Juden im Kreis St. Wendel (Seite des Kaufmännischen Berufsbildungszentrums St. Wendel)     
Website der Synagogengemeinde Saar 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in St. Wendel (interner Link)   

Literatur:    

St Wendel Synagoge 101.jpg (37750 Byte)Michael Landau (Hg.): Damit es nicht vergessen wird. Beiträge zur Geschichte der Synagogengemeinden des Kreises St. Wendel. Veröffentlichungen des Adolf-Bender-Zentrums e.V., St. Wendel 1988.
Germania Judaica II,2 S. 739; III,2 S. 1304.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 460-461 (mit weiteren Literaturangaben). 
Axel Redmer: Staatenlos und vogelfrei. Widerstand, Verweigerung und Verfolgung von Menschen aus dem Bereich der oberen Nahe 1933 bis 1945. 1. Teil. Die Ausgebürgerten. 132 S. Birkenfeld 1993.    
Marpingen Lit 010.jpg (66561 Byte)Eberhard Wagner: Marpingen und der Kreis St. Wendel unter dem Hakenkreuz - ein alternatives Heimatbuch. St. Ingbert 2008. 
St Wendel Lit Sto 010.jpg (61713 Byte)Heft "Stolpersteine in St. Wendel", hrsg. zur Verlegung am Samstag, 9. April 2011 vom Landkreis St. Wendel und dem Verein "Wider das Vergessen und gegen Rassismus" Marpingen. März 2011.  
Text. Eberhard Wagner. 
Die Nazis aus der Nähe. Im Mikrokosmos der Hitler-Diktatur - Eine Spurensuche im St. Wendeler Land. Hrsg. von Klaus Brill, Bernhard W. Planz, Inge Plettenberg und Klaus Zimmer. 480 S., 230 Bilder, 9 Karten, 24 Grafiken. ISBN 978-3-941095-15-1.  € 39,90. Informationen zu diesem Buch (pdf-Datei). Bestellungen an info[et]edition-schaumberg.de.  www.edition-schaumberg.de  
St Wendel Lit IMG_20150619_0002.jpg (141879 Byte)  Gegen das Vergessen. Orte des NS-Terrors und Widerstandes im Landkreis St. Wendel. Eine Veröffentlichung der Aktion 3. Welt Saar und des Vereins Wider das Vergessen und gegen Rassismus e.V. Marpingen. Erschien 2015,  www.widerdasvergessen.de  
Margarete Stitz / Roland Geiger: Eine St. Wendeler Buchhändlerin - Zur Erinnerung an Meta Schmitt. In: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel. Ausgabe 2012-2015. Erschienen 2015.  
Anmerkung: Meta Schmitt war Jüdin, als Meta Laufer geboren in Düsseldorf. Ihr katholischer Mann starb 1918, worauf sie in St. Wendel eine gutgehende und angesehene Buchhandlung eröffnete. 1938 verkaufte sie sie an ihren Sohn und zog in die Anonymität Berlins. 1944 kam sie nach Theresienstadt und überlebte. 1946 kam sie nach St. Wendel zurück, wo sie zurückgezogen bis zu ihrem Tod 1969 lebte. 
Hinweis auf die Historischen Forschungen von Roland Geiger, zugänglich über www.hfrg.de, u.a. über die Restitutionsakten 1947-1949, aufbewahrt im Landesarchiv Saarbrücken (Bestandsaufnahme).
Roland Geiger: Wer zerstörte die St. Wendeler Synagoge? Vgl.  http://www.hfrg.de/index.php?id=510  Übersicht über die damals vom Gericht interviewten Personen:  http://www.hfrg.de/index.php?id=512  
Edgar Schwer: Den jüdischen Gefallenen des Saarlandes 1914-1918 zum Gedenken. In: Saarländische Familienkunde Band 12/4. Jahrgang XLVIII 2015 S. 559-600. Online zugänglich: eingestellt als pdf-Datei.    

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Sankt Wendel, Saar. Jews were present in the 14th century and apparently fell victim to the Black Death persecutions of 1348-49. After returning in 1358, they were again expelled in 1418 as part of the general expulsion from the bishopric. In this period the Jews were active as moneylenders. 
In 1862 Jews once again settled in Sankt Wendel with four families present in 1869. With the onset of industrial development in the region, the Jewish population rose to 90 in 1895 and 134 (total 6,657) in 1910. The Jews worked as retailers, livestock dealers, and butchers. A synagogue was consecrated in 1902 with the local population participating in the festivities to an extent rate in Germany. Nonetheless there were also antisemitic incidents throughout the period and the synagogue windows were smashed with rocks in 1916 and 1918. When Sankt Wendel came under League of Nations auspices in 1919 in accordance with the Treaty of Versailles, the ensuring riots and general strike had antisemitic undertones. After worldwar I, Jews from Eastern Europe and Alsace-Lorraine arrived as the Jewish population reached a peak in 143 in 1923. A Jewish merchant, Eugen Berl, served on the municipal council between 1920 and 1932. The community was Liberal in religious outlook, with an organ in the synagogue. Anti-Jewish agitation intensified in the 1933-35 period, following the lead of the Reich. Nazi activists promoted the boycott movement and Jewish children encountered physical violence in the schools. With the annexation of the Saar to the Reich in 1935, most Jews left, either emigrating or moving to other German cities. Those who remained were subjected to greater abuse. The synagogue was burned on the night following Kristallnacht (9-10 November 1938). The last four Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 and subsequently to Auschwitz in August 1942, where they perished. Of those who had left to city previously, at least 22 also died in the Holocaust. 
        
           

                   
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Stand: 18. August 2017