|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen im Saarland"
Sankt Wendel (Kreisstadt,
Saarland)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In den 1332 zur Stadt erhobenen St. Wendel lebten Juden
bereits im Mittelalter, möglicherweise bereits im 13. Jahrhundert.
Unklar ist, ob sie von
der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 betroffen waren. Urkundlich nachweisbar sind
Juden in der Stadt erst seit 1358. Damals nahm der Trierer Erzbischof für drei Jahre
einen "erbeigenen" Juden in der Stadt auf. 1381 lebten offenbar
mehrere Juden in der Stadt. Sie wurden in diesem Jahr von dem erzbischöflichen
Lehnsmann Johann von Kirkel gefangengesetzt und beraubt. 1386 sind gleichfalls
drei Juden in der Stadt genannt. Unbekannt ist, ob im Jahr der Judenvertreibung
aus dem Trierer Erzstift (1418) noch Juden in St. Wendel wohnten.
Erst im 19. Jahrhundert konnten sich Juden wieder in der Stadt
niederlassen. Anfang Februar 1862 zogen die Brüder Samuel und Max Daniel
aus Merl nach St. Wendel. Wenige Jahre später
gab es vier jüdische Familien
in der Stadt (Familien Weil, Jakob, Kahn und Daniel). Die Berufe der
Familienväter waren:
Weinhändler, Viehhändler, Handelsmann und Kaufmann. 1871 werden acht
steuerpflichtige Juden (mit ihren Familien genannt) genannt. 1876 gelang es, einen emeritierten Lehrer (Mayer
Eppstein) als Kultusbeamten, Religionslehrer und Schächter einzustellen.
Bemühungen, eine Gemeinde mit Korporationsrechten zu bilden, hatten lange
keinen Erfolg. 1902 waren der Regierung in Trier 19 Familien noch zu wenig, um
einen entsprechenden Antrag positiv zu beantworten.
Die jüdischen Familien im Jahr 1902 waren (nach Übersicht im Buch von
M. Landau S. 101-102): Abraham Alexander (mit Frau und vier Kindern), Eugen Berl
(mit Frau und einem Kind), Hermann Bone, (mit Frau und einem Kind), Leopold Borg
(mit Frau und vier Kindern), Salomon Borg (mit Frau), Albert Friedberger (mit
Frau und einem Kind), Abraham Heymann (mit Frau und zwei Kindern), Mor. Heydt
(mit Frau und acht Kindern), Balt. Jacob (mit Frau und einem Kind), Mos. Jacob
(mit Frau und einem Kind), Lehmann I (mit Frau und zwei Kindern), Friedrich
Nathan (mit Frau und einem Kind) Mos. Rothschild (mit Frau und zwei Kindern),
Michael Rothschild (mit Frau und sechs Kindern), Abraham Reinheimer (mit Frau
und zehn Kindern), Julius Sender (mit Frau und fünf Kindern), Seligmann Sender
(mit Frau und drei Kindern), Hermann Wildmann (mit Frau und drei Kindern), Alsch.
Wolf (mit Frau und zwei Kindern).
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (wie oben genannt bereits
seit 1876, vgl. die Ausschreibung der Stelle unten) ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bis 1908 gehörte
die Gemeinde keinem Rabbinat an, danach hatte der Oldenburgische Landrabbiner
für das Fürstentum Birkenfeld (Sitz in Hoppstädten)
die rabbinische Aufsicht über die jüdische
Gemeinde St. Wendel und ihre Einrichtungen (siehe Artikel von 1908 unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Alexander August
(geb. 9.12.1889 in St. Wendel, gef. 15.3.1915), Julius Borg (geb. 22.8.1898 in
St. Wendel. gest. 14.11.1918 in Gefangenschaft), Max Levy (geb. 26.5.1886 in
Magdeburg, gef. 18.2.1915), Isaak Reinheimer (geb. 21.10.1880 in Wallhalben,
gef. 28.9.1915), Sanitätsgefreiter Jakob Sender (geb. 13.4.1895 in St. Wendel,
gef. 14.11.1916) und Leo Sender (geb. 9.8.1894, gef. 4.4.1915)
Bis 1910 stieg die Zahl der Gemeindeglieder auf 134. Erst 1920 wurden der
jüdischen Gemeinde in St. Wendel die Korporationsrechte zugestanden. In der Zeit nach dem
Ersten Weltkrieg war Eugen Berl Vertreter der Gemeinde. Die höchste Zahl
jüdischer Einwohner wurde 1923 mit 143 Personen erreicht.
Um 1925 (130 jüdische Gemeindeglieder, d.h. 1,4 % von
insgesamt ca. 9.000 Einwohner) waren die Vorsteher der jüdischen
Gemeinde Eugen Berl, Robert Alexander, Salomon Borg. Der Repräsentanz
gehörten Josef Jacob, Jacob Eppstein, Jacob Kahn, L. Sender und Edmund
Rothschild an. Die Lehrerstelle war in diesem Jahr gerade vakant.
Schulpflichtige jüdische Kinder gab es 14. 1932 (weiterhin 130
Gemeindemitglieder) waren die Vorsteher Eugen Berl, Edmund Rothschild und
Berthold Sender. Die Vorsitzenden der Repräsentanz waren Josya Jakat, Siegfried
Stern und Alexander Reinheimer. Als Kantor und Lehrer war Siegmund Zodiek
angestellt. An jüdischen Vereinen gab es in der Gemeinde den 1881
gegründeten Israelitischen Frauenverein mit 1932 31 Mitgliedern (Ziel:
Unterstützung Hilfsbedürftiger) und die 1920 gegründete Männer-Chewra mit
1932 30 Mitgliedern (Ziel: Unterstützung ortsansässiger hilfsbedürftiger
Juden, Hilfeleistung bei Sterbefällen, Wanderfürsorge in besonderen Fällen).
1933 wurden noch 136 jüdische Einwohner in St. Wendel gezählt. In den
folgenden Jahren - insbesondere nach der Saarabstimmung 1935 - verließen die meisten von ihnen die Stadt.
Im März 1937 lebten
nur noch 19, am 1. Oktober 1939 noch sechs jüdische Personen in der Stadt. In diesem Jahr
wurde die Synagogengemeinde St. Wendel aufgelöst. Am 22. Oktober 1940
wurden aus St. Wendel vier jüdische Einwohner nach Gurs deportiert: Erna Berl
(Schlossstraße 6), Eduard, Hermine und Ilse Reinheimer (Balduinstraße 41).
Von den in St. Wendel geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namen aus M. Landau s.Lit. S.
212-213): Jakob
Alexander (1884), Paula Baer geb. Wolf (1881), Otto Baum (1871), Erna Berl geb. Herz
(1888), Emilie Drexler (1896), Julius Drexler (..), Lydia Drexler (1896),
Karoline Frank geb. Hirsch (1872), Leopold
Frank (1881), Walter Friedberger (1901), Erna Heinemann geb. Sander (1888),
Martha Herz geb. Sender (1900), Marianne Heymann (1933), Max Sigmund Heymann (1905), Norma Heymann geb.
Teutsch (1909), Ilse Isay (1912), Walter Kahn (1905), Israel Lanz (1893), Flora Lehmann (1907),
Thekla Lehmann (1897), Gertrude Johanna Leven geb. Alexander (1907), Emilie Levi
(1890), Alice
Löwenstein geb. Friedberger (1903), Else Peiser geb. Weil (1894), Selma Poppert geb. Herrmann (1885), Else
Peiser geb. Weil (1895), Alice H. Reinheimer geb. Bonnem (1898), Auguste
Reinheimer (1896), Babetta Reinheimer (1882), Eduard Reinheimer (1892), Frieda
Reinheimer geb. Grünberg (1884), Frieda Reinheimer (1884), Ilse Reinheimer (1923), Lina Reinheimer (1901), Paul Reinheimer (1913), Irma Rosenberg geb.
Berel (1900), Berta Salomon geb. Herrmann (1878), Erna Sender (1881), Gustav
Sender (1884), Gustav Sender (1880), Siegfried Simons (1886),
Jean (Werner) Stern (..), Jette Teutsch geb. Schneidinger (1869), Paul Wildmann
(1895), Irma Wolf geb. Borg (1892).
Am 9. April 2011 wurden in St. Wendel die ersten 11 "Stolpersteine"
für in der NS-Zeit ermordete jüdische Einwohner verlegt (siehe
unten).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1876: "Die
jüdische Gemeinde St. Wendel sucht zum baldigen Antritt einen Lehrer,
welcher zugleich die Stelle als Vorbeter und Schächter zu übernehmen
hat. Einkommen 5-600 Mark festes Gehalt und 3-400 Mark für
Schächtgebühren. Reflektanten wollen sich melden an W. Kahn, Vorstand
der israelitischen Gemeinde St. Wendel, Regierungsbezirk Trier." |
Zu Lehrer Hugo Adler (1918-1921 Lehrer und Kantor in St.
Wendel)
Der
vermutlich bedeutendste der jüdischen Lehrer und Vorbeter in St. Wendel
war Hugo Adler (geb. 1894 in Antwerpen, gest. 1955 in Boston): Kantor,
Komponist, Chorleiter. Nach seinem Studium am Konservatorium sowie am
Jüdischen Lehrerseminar in Köln 1912-1915 war er drei Jahre als Soldat
bei der Infanterie im Ersten Weltkrieg (verwundet). 1918 trat er seine
erste Stelle als Kantor und Lehrer in St. Wendel an. Am 1. April 1921
wechselte er als zweiter Kantor und Lehrer nach Mannheim, seit 1933
Oberkantor ebd. Seine Kompositionen (u.a. Lehrkantaten für Sing- und
Sprechchöre sowie Instrumente) wurden seit 1930 an verschiedenen Orten
aufgeführt. Die letzte Komposition "Akedah" sollte am 9.
November 1938 in Stuttgart uraufgeführt werden, doch wurden bei einem
Überfall durch Nationalsozialisten während einer Probe
Aufführungsmaterialien und Partituren der Komposition zerstört. Im
Dezember 1938/Januar 1939 gelang die Auswanderung über die Niederlande
und England in die USA. Weiteres siehe den Artikel von Sophie Fetthauer im
"Lexikon
verfolgter Musiker und Musikerinnen in der NS-Zeit" (Artikel wird
2008 bearbeitet; Foto aus Volker Keller: Bilder vom jüdischen Leben in
Mannheim S. 68). |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Freundliche Behandlung eines sterbenden Juden im katholischen Spital (1877)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1877:
"St. Wendel, 30. April (1877). Wahrhaft wohltuend ist es, wenn wir trotz des
ultramontanen Sturmes gegen die Juden auch aus katholischen Kreisen
Beispiele der Menschenliebe und der Achtung vor dem Judentume erfahren,
welche bezeugen, dass im Grunde der Katholizismus nicht identisch ist mit
Judenhass und Judenverfolgung. Die folgende Mitteilung wird daher an
dieser Stelle gerechtfertigt sein: vor etwa zwei Monaten kam ein kranker
Mann, jüdischer Konfession, hier ins Spital, das von 'Schwestern'
geleitet wird. Alles, was er rituell verlangte, wurde ihm bereitwilligst
gewährt und er mit besonderer Sorgfalt gepflegt, obschon er von Allem entblößt
hierher kam. Es war ein gewisser S. Straden aus Rotterdam, 63 Jahre alt.
Am Samstag, den 21. Mai dieses Monates, sagte er uns bei seinem Besuche: 'Gebt
mir ein Grab bei euch, denn ich bin ein Fremdling und werde sterben".
Er lag drei Tage im Todeskampfe, die Schwestern wichen nicht von
seinem Bette, obwohl immer Glaubensgenossen bei ihm waren. Bei dem
Verscheiden stand Eine der Schwestern, die ihn gewöhnlich verpflegte,
neben mir und sagte Wort für Wort mit der größten Andacht die üblichen
Gebete deutsch mit. Alle Anordnungen in Beziehung auf das rituelle
Verfahren bei der Reinigung der Leiche wurden befolgt und, um dem Ganzen
die Krone aufzusetzen, wurde der städtische Leichenwagen bestellt, aber
vorerst das große Kreuz, welches an demselben angebracht ist,
unaufgefordert heruntergenommen, um das jüdische Gefühl nicht zu
verletzen." |
Antisemitische Regungen (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1892: "St.
Wendel, 8. August (1892). Der Umstand, dass die antisemitische Bewegung
hier immer mehr Anhänger findet, zeigt sich, der 'Kölner Zeitung'
zufolge, auch darin, dass den jüdischen Viehhändlern an Markttagen keine
Ställe mehr vermietet werden. Die jüdischen Handelsleute besuchen daher
die großen Viehmärkte unserer Kreisstadt nicht mehr." |
Richtigstellung von Gerüchten im Blick auf den Viehmarkt (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1892:
"Der Wendels-Viehmarkt, welcher von Alters her weithin Berühmtheit
erlangt hat, ist hierselbst in diesem Jahre am Donnerstag, den 20.
Oktober. Hierzu wird bemerkt, dass die auswärts von interessierter Seite
verbreiteten Gerüchte, die israelitischen Handelsleute würden hier nicht
gut behandelt, unwahr sind. Dieselben werden vielmehr hierdurch
eingeladen, sich wie bisher durch Besuch obigen Marktes selbst zu
überzeugen, dass die israelitischen Händler ebenso gut wie die
christlichen behandelt werden und dass feindseliger Antisemitismus hier
keinen Boden gefunden hat. St. Wendel, den 20. September 1892. Der
Bürgermeister Müller.
Die vorstehende in verschiedenen Zeitungen erschienene Bekanntmachung des
hiesigen Bürgermeisteramtes teilen wir ergebenst mit, um allen auswärts
verbreiteten Gerüchten über antisemitisches Treiben am hiesigen Orte
entgegen zu treten. Wahr an dem Gerüchte ist nur, dass ein
antisemitischer Verein aus Neunkirchen hier in St. Wendel mit dem
bekannten Herrn Liebermann von Sonnenberg eine Versammlung abheilt, hetzte
und gegen die Israeliten aufreizte, dass auch die hiesige 'Nahe-Blies-Zeitung'
durch Wiedergabe der Hetzrede, Stellung dafür zu nehmen schien. Namens
der hiesigen israelitischen Gemeinde fühlen wir uns aber verpflichtet, hierdurch
zu erklären, dass die von Neunkirchen aus angestellten planmäßigen
Versuche die hiesige Bevölkerung in das antisemitische Lager
hinüberzuziehen, vollständig gescheitert sind.
Wir können im Gegenteil
nur unserer Freude darüber Ausdruck verleihen, dass die hiesigen
jüdischen Einwohner mit der Gesamtheit der hiesigen Bevölkerung
friedlich weiter leben. Alle gegenteiligen von auswärts ausgestreuten
Gerüchte entspringen nur Sonderinteressen. Die auswärtigen
israelitischen Handelsleute finden hier die beste Aufnahme.
Mit Bezug auf
vorstehende amtliche Erklärung bitten wir daher sämtliche jüdische
Handelsleute wie früher die hiesigen großen Märkte besuchen und sich
selbst von der Richtigkeit des oben Gesagten überzeugen zu wollen. Im
Auftrage der israelitischen Gemeinde: Der Vorstand: Balthasar Jacob. S.
Daniel, Schriftführer. M. Schömann, Kassierer." |
Zuordnung von St. Wendel zum Rabbinat Birkenfeld (1908)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November
1908: "St. Wendel (Regierungsbezirk Trier), 10. November 1908. Die
hiesige israelitische Gemeinde, die bisher keinem Rabbinate angehörte,
hat seit 1. Oktober dieses Jahres den Großherzoglich Oldenburgischen
Landrabbiner für das Fürstentum Birkenfeld, Dr. Baron, mit der
Ausführung der rabbinischen Funktionen betraut, nachdem die Regierung zu Birkenfeld
und der israelitische Landesgemeinderat des Fürstentums die erforderliche
Genehmigung erteilt hatten. Am Samstag, den 7. dieses Monats hielt Herr
Dr. Baron hier seine erste Predigt und am folgenden Tage eine Visitation
der Religionsschule, die ebenfalls unter seine Aufsicht gestellt ist.
Möge das Wirken unseres Rabbiners der Gemeinde zum Segen und ihm selbst
zur Befriedigung gereichen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Lehrer J. Fuchs
(1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890: "Billige
Gelegenheit!
zum Kaufe hebräischer und deutscher Werke, die meisten in den letzten
drei Jahren erst neu angeschafft, für Prediger, Lehrer und Kultusbeamte
zum Gebrauche sehr nötig und gut erhalten, sehr preiswürdig beim
Unterzeichneten zu haben.
St. Wendel (Rheinland). J. Fuchs, Lehrer". |
Anzeige des Manufaktur- und Modewarengeschäftes F.
Nathan (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 30. Dezember 1902: "Ein Lehrmädchen,
aus achtbarer Familie, gesucht.
F. Nathan, Manufaktur- und Modewaren (St. Wendel) Regierungsbezirk
Trier." |
Zur Geschichte des Betsaales / der
Synagoge
Ein erster Betsaal wurde vermutlich noch vor 1870 im Haus des Metzgers Kahn
im Kelsweiler (Kelsweilerstraße) eingerichtet. Wenige Jahre später schon plante man den Bau
einer Synagoge und kaufte 1877 ein dafür geeignetes Grundstück im
Kelsweiler (Kelsweilerstraße). Doch konnte damals der Bau nicht verwirklicht werden. Nachdem die
Gemeinde um 1890 fast 90 Personen umfasste, war allerdings der seitherige
gemietete Betsaal
viel zu klein geworden. Man plante erneut den Bau einer Synagoge und hoffte
unter anderem über Aufrufe in jüdischen Zeitungen die nötigen Finanzmittel
sammeln zu könnten.
Spendenaufruf zum Bau einer Synagoge in St. Wendel
(1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Aufruf!
Wohl wissen wir, dass es gewagt ist, in jetziger Zeit, wo von allen Seiten
an Ihre Mildtätigkeit appelliert wird, mit einem Aufruf an Sie
heranzutreten und ist es die äußerste Notwendigkeit, die uns dazu
drängt. Die hiesige Gemeinde, welche sich unter schwierigen
Verhältnissen seit circa 30 Jahren gebildet hat und sich bisher eines
gemieteten Betsaales begnügen musste, fühlte sich veranlasst,
eingetretener Umstände halber, eine Synagoge zu erbauten. Mit größter
Aufopferung und Erschöpfung aller Mittel ist es uns endlich gelungen,
einen Bauplatz zu erwerben. Ein solches Unternehmen erfordert, trotz
bescheidener Ausführung unseres Vorhabens, dennoch große Geldopfer, wozu
selbstredend die kleine Gemeinde nicht in der Lage ist, ohne kräftige
Mithilfe anderer dies ausführen zu können. Wir richten daher an alle
mildtätigen Spender die tiefgehende Bitte, zur Realisierung unseres
Unternehmens das Möglichste beizutragen.
Sei Ihre Gabe groß oder klein, mit innigstem Danke wollen wir sie
entgegennehmen.
St. Wendel, 15. April 1891.
Das Comité: H. Weil S. Daniel. A. Wolff." |
Der Erfolg scheint nicht allzu groß gewesen sein. 1897
stellte die jüdische Gemeinde bei den Behörden einen erneuten Antrag zur Durchführung
einer Kollekte für den Bau einer Synagoge. Doch erst 1902 konnte der Synagogenbau
verwirklicht werden. Das durch den Architekten Hans Zeeh geplante Gotteshaus wurde am 6. Dezember 1902 mit einem großen Fest
der ganzen Stadt eingeweiht:
Die Einweihung der Synagoge am 6. Dezember 1902
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1903: "St. Wendel, 4. Januar 1903. Am 6. vorigen Monats fand
in unserer Gemeinde die Einweihung eines neuen Gotteshauses statt. Am Festtage
hatte die ganze Stadt ohne Unterschied der Konfession Flaggenschmuck angelegt.
Die Weihe des Hauses vollzog der großherzogliche Landesrabbiner des
Fürstentums Birkenfeld, Herr Dr. Lewit, in sehr würdiger und ergreifender Rede
über den Satz des Psalmisten: "Wer darf den Berg des Herrn besteigen, wer
darf stehen an heiliger Stätte?". Im alten Bethause fand vorerst ein
Abschiedsgottesdienst statt, in dem der treubewährtem beliebte Lehrer und
Kantor der Gemeinde, Herr Josef Fuchs den Gottesdienst verrichtete und
Landesrabbiner Dr. Lewit herzliche Worte der Abschiedes sprach. Den Greisen der
Gemeinde überreichte Dr. Lewit die Torarollen, die dieselben in feierlichem
Festzuge, dem sich die gesamte Gemeinde nebst der Schuljugend sowie der Spitzen
der Behörden, viele auswärtige Gäste und Bewohner der Stadt teilnahmen. Dem
Festzuge zur neuen Synagoge schritt die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 30
"Grab Wenden" unter Leitung des königlichen Musikdirektors Herr
Recketz voran, die in ergreifender Weise einen Choral spielte, der von Herrn
Oberkantor Fuchs aus Luxemburg, einem Sohn des hiesigen Lehrers, zu diesem
Zwecke komponiert war. Nach Ansprachen der Schülerin Emmy Rothschild,
eröffnete Bürgermeister Friedrich mit dem Ausdrucke herzliches Glückwünsche
das Gotteshaus, während dessen die Kapelle intonierte. Unter den Ehrengästen
bemerkten wir Herrn Landrat Dr. Momm als Vertreter der Regierung, die
evangelische Geistlichkeit, den Gymnasialdirektor, den Architekten sowie andere
Notabilitäten. Oberkantor Fuchs aus Luxemburg, der die gesangliche und
musikalische Leitung des Festgottesdienstes übernommen hatte. verstand es,
durch seinen meisterhaften Gesang die Zuhörer so zu fesseln, dass eine
feierliche Stimmung sich derselben bemächtigte. Der Synagogenchor, unter der
trefflichen Leitung des Herrn Lenol, erwarb für seine guten Leistungen
allgemeine Anerkennung. Der Festgottesdienst hinterließ bei allen Zuhörern
einen mächtigen Eindruck. Beim ersten Sabbatgottesdienst hatte ebenfalls
Landesrabbiner Dr. Lewit den homiletischen Teil übernommen, während Herr
Oberkantor Fuchs - Luxemburg den gesanglichen ausführte. An die religiöse
Feier schloss sich noch ein Konzert und ein Festball an. Wie sich Herr
Oberkantor Fuchs als Sänger bewährte, so zeigte sich auch am Konzertabend
seine Tätigkeit als Komponist und Dirigent, indem unter seiner Leitung die
Militärkapelle einen von ihm komponierten spanischen Walzer "Rositta"
zur Ausführung brachte, der das Publikum zu stürmischen Beifallskundgebungen
veranlasste." |
Bei der Synagoge handelte es sich um einen repräsentativen,
von der Formensprache des Spätklassizismus geprägten Bau. Dabei überwogen
neuromanische Elemente. Die östliche Giebelfront als Hauptfassade war geprägt
von einem überhöhten und übergiebelten Mittelrisalit, der von den
charakteristischen Gebotstafeln und einem "Davidstern" bekrönt war.
Aus der Geschichte der Synagoge ist nur wenig bekannt. Ein besonderes Ereignis
wurde jedoch aus dem Jahr 1922 berichtet:
Am
Sonntag, 30. Juli 1922 fand eine feierliche Einweihung einer Gedenktafel für die
Gefallenen des Ersten Weltkrieges statt. Aus St. Wendel waren Alexander
August, Max Levy, Isaak Reinheimer, Jakob und Leo Sender gefallen (siehe oben).
Zu dieser Veranstaltung wurde öffentlich eingeladen; über die
Einweihungsfeier berichtete das St. Wendeler Volksblatt am 1. August 1922.
Anzeige
im St. Wendeler Volksblatt vom 27. Juli 1922:
"Am Sonntag, den 30. Juli vormittags 11 Uhr findet in der Synagoge
die feierliche Einweihung einer
Gedenktafel
für die im Kampfe ums Vaterland auf dem Felde der Ehre gebliebenen Söhne
unserer Gemeinde statt.
Unsere verehrten Mitbürger laden wir hierzu höflich ein.
Der Einlass zur Synagoge beginnt um 10.30 Uhr.
Der Vorstand der Kreissynagogen-Gemeinde
i.A.: Eugen Berl." |
| |
Artikel im St. Wendeler Volksblatt vom 1. August 1922: "St. Wendel, 31. Juli. Zu einer ernsten Gedenkfeier hatte sich gestern die
Kreissynagogengemeinde St. Wendel in der hiesigen Synagoge versammelt. Sie galt
dem Gedächtnis der im Weltkriege für das Vaterland gestorbenen Söhne der
Gemeinde. Herr Stadtbürgermeister, zahlreiche Vertreter der Stadt, der
Behörden und der Bürgerschaft nahmen daran teil. Gut gewählte, eindrucksvolle
musikalische Darbietungen leiteten die Feier weihevoll ein. Der Vorsitzende der
Gemeinde, Herr Berl, begrüßte alle Teilnehmer und sprach dem Stifter der
schlichten, doch kunstvollen Gedenktafel, die die Namen der fünf Gefallenen der
Mit- und Nachwelt vor Augen und ihr Andenken in aller Herzen wach und lebendig
halten soll; im Namen der Gemeinde herzlichen Dank aus. Mit ernsten, würdigen
Worten gedachte Herr Rabbiner Dr. Lewin der Toten, die treu dem Glauben und dem
Vaterland ihr Leben für die Allgemeinheit opferten Nachdem er ihrer im Gebete
gedacht, klang die Feier mit ernsten Gesängen würdig aus.. |
Gewaltsame Aktionen gegen die Synagoge in St. Wendel
gab es bereits früh. Anfang 1916 und im Frühjahr 1918 wurden mehrfach Fenster
des Gotteshauses eingeworfen. Am 30. Mai 1922 drang ein Unbekannter in das
Anwesen der Synagoge ein und besudelte die Tür mit Kot. In der Nacht vom 13.
auf den 14. November 1932 wurde das Eingangstor der Synagoge gewaltsam geöffnet
und an der hinteren Seite des Gebäudes ein Fenster eingeschlagen. In der
Nacht zum 3. März 1935 demolierten vier Jugendliche das Innere der Synagoge.
Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge von SA- und SS-Leuten sowie Nazi-Anhängern geschändet und teilweise zerstört.
Die Aktion fand in St. Wendel erst am Nachmittag des 10. November 1938 statt. Das Gotteshaus wurde
geplündert, das Innere und Teile des Dachs demoliert. Am Abend wurde das
Gebäude angezündet, gegen 20 Uhr gab es Brandalarm, die Feuerwehr schützte
jedoch nur die
umliegenden Häuser gegen ein Übergreifen des Brandes.
Am 24. November 1938 wurde die Brandruine von städtischen Arbeitern
abgebrochen. Die Stadt kaufte am 1. Oktober 1942 von der Reichsvereinigung der
Juden das Grundstück. Dabei wurden die Abbruchkosten vom Kaufpreis abgezogen.
Im April 1949 kam das Grundstück wieder in den Besitz der Synagogengemeinde
Saar, die es 1951 an einen Transportunternehmer verkaufte. Das
Grundstück wurde neu überbaut.
Am
26. August 1981 wurde am Nachbarhaus eine Gedenktafel angebracht.
Standort der Synagoge: Kelsweilerstraße
13
Pläne / Darstellungen / Fotos
Lageplan von 1902
(Quelle: M. Landau s.Lit. S. 109) |
 |
|
Oben:
"Lage-Plan zum Gesuche des Herrn Samuel Daniel Kaufmann und Gemeinde
zu St. Wendel betreff Neubau einer
Synagoge auf Flur 5 Parzelle Nr.
245/200 der Stadtgemeinde St. Wendel... aufgenommen im Februar
1902".
|
| |
Pläne des Architekten Hans
Zeeh von 1902:
(Quelle: Synagogengedenkbuch 2005 s.Lit. S. 53.460-461) |
|
 |
 |
 |
| Straßenansicht |
Seitenansicht |
Querschnitt |
| |
|
|
 |
 |
| Grundriss |
Zeichnung der
Synagoge St. Wendel nach den Originalbauplänen von
Gerhard Birkenbach
(Quelle: M. Landau s. Lit. Titelbild) |
| |
| |
|
|
| |
|
|
Gedenken an
die
zerstörte Synagoge |
 |
 |
| |
Am
Gebäude Kelsweilerstraße 13 findet sich seit 1981 eine wenig auffallende
Gedenktafel mit der Inschrift: "Hier stand die Synagoge der
jüdischen Gemeinde St. Wendel. Erbaut 1902, wurde sie in der Zeit der
Gewaltherrschaft am 09.11.1938 zerstört. Zur ehrenden Erinnerung.
Kreisstadt St. Wendel. Synagogengemeinde Saar.
1981." |
| |
|
|
| |
|
|
Seit April
2011: "Stolpersteine" an
ehemaligen jüdischen Wohn- und
Geschäftshäusern zur Erinnerung
an umgekommene jüdische
Einwohner der Stadt |
 |
 |
| |
"Stolpersteine"
vor dem Haus Gymnasialstraße 7 für Max Sigmund Heymann (1905),
Norma Heymann geb. Teutsch (1909) und Marianne Heymann (1933). Max Heymann
betrieb in der Bahnhofstraße 10 ein Friseurgeschäft. 1935 emigrierte die
Familie nach Holland. 1942 wurde sie über das Lager Westerbork nach
Auschwitz deportiert. |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
"Stolperstein"
vor dem Haus Schlossstraße 6/8 für Erna Berl, die mit ihrem
Ehemann Eugen im Haus Schlossstraße 6 ein Textilgeschäft betrieb. Eugen
Berl starb am 1. August 1936 kurz vor einer Gerichtsverhandlung gegen ihn,
weil er nichtjüdische Personen unter 45 Jahren in ihrem Geschäft
beschäftigt hatte. Erna Berl wurde am 22. Oktober 1940 nach Gurs
deportiert, von hier im August 1942 nach Auschwitz. |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
"Stolpersteine"
vor dem Haus Hospitalstraße 13 für Auguste Reinheimer (1896),
Babette Reinheimer (1882), Lina Reinheimer (1901) und Frieda Reinheimer
(1884). Die vier Frauen waren Schwester von Eduard Reinheimer (s.u.). Sie
waren 1935 nach Holland emigriert, wo von sie 1942 über Westerbork nach
Auschwitz deportiert wurden. |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
"Stolpersteine
vor dem Haus Balduinstraße 41 für Eduard Reinheimer (1892), Alice
Reinheimer geb. Bonem (1898) und Ilse Reinheimer (1923). Eduard Reinheimer
betrieb mit dem Kaufmann Ludwig Mendel die Fa. Reinheimer und Mendel,
Manufakturwaren und Herrenkonfektion in der Schlossstraße 2; die Familie
wohnte in der Balduinstraße. |
| |
|
|
| |
|
|
Hinweis auf
das
"Adolf-Bender-Zentrum"
in St. Wendel |
 |
 |
|
Ein
Mittelpunkt der "Erinnerungsarbeit" in St. Wendel für die
Verbrechen der NS-Zeit ist seit 1985 das "Adolf-Bender-Zentrum"
in St. Wendel. Adolf Bender (1903-1997) war ein (nichtjüdischer) Maler,
der als entschiedener Gegner der Politik Hitlers in mehreren
Konzentrationslagern inhaftiert war; siehe Wikipedia-Artikel
über Adolf Bender und Wikipedia-Artikel
zum Adolf-Bender-Zentrum |
|
|
|
|
|
|
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2010:
Eine Initiative "Stolpersteine im Kreis St.
Wendel" wird gegründet |
Artikel in der "Saarbrücker
Zeitung" vom 4. November 2010 (Artikel):
"Steine sollen an Nazi-Opfer erinnern
Morgen gründet sich im Landratsamt die Initiative 'Stolpersteine im Kreis St.
Wendel'. Mitmachen kann jeder, der im Rahmen des bundesweiten Projektes öffentlich an die Verbrechen an den Juden im Kreis in der Nazi-Zeit erinnern möchte. Die Idee kommt vom Verein
'Wider das Vergessen und gegen Rassismus' aus Marpingen.
St. Wendel. Zur Organisation des Projektes im Landkreis St. Wendel wird am Donnerstag, 4. November, um 18.30 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes die Initiative
'Stolpersteine im Kreis St. Wendel' gegründet. Bei dem Projekt 'Stolpersteine' sollen vor den letzten frei gewählten Wohnorten von Juden, die Opfer des Hitler-Regimes wurden, Gedenktafeln aus Messing in den Boden eingelassen werden. Aus St. Wendel wurden mindestens 37 Menschen jüdischen Glaubens während der Shoa in Konzentrationslagern ermordet. Von 21 Personen sind die letzten Wohnorte in St. Wendel bekannt.
Ins Leben gerufen wurde das Projekt von dem Kölner Künstler Gunter Demnig. In über 530 Orten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden hat der gebürtige Berliner inzwischen mehr als 22.000 Gedenksteine verlegt. Demnig hat sich bereit erklärt, auch in St. Wendel
'Stolpersteine' zu verlegen. Für März 2011 wurde ein Termin vereinbart. Dabei zählt zu der Projektidee nicht, dass etwa Kommunen Gelder für die Gedenksteine zur Verfügung stellen, sondern Bürger und Institutionen in den jeweiligen Städten und Gemeinden sollen für die Steine spenden. Die Kosten betragen etwa 100 Euro pro Stein. In St. Wendel sollen in einer ersten Aktion zunächst einmal zehn Steine verlegt werden. Die etwa 1000 Euro sollen von der zu gründenden Initiative aufgebracht werden. Der gemeinnützige Verein
'Wider das Vergessen und gegen Rassismus', Marpingen, wird für das Projekt in St. Wendel die Spendengelder entgegennehmen und verwalten.
Mit den Stolpersteinen sollen historische Spuren gelegt werden, die zum einen das Gedenken an ehemalige St. Wendeler Mitbürger jüdischen Glaubens wach halten, die als Minderheiten und Verfolgte der Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind, zum anderen sollen die Spuren aber auch zum Nachdenken anregen.
Die Stolpersteine sind zehn mal zehn Zentimeter groß, aus Beton gegossen und mit einer Messingtafel versehen. Sie werden in öffentliche Gehwege bündig eingelassen, damit niemand durch sie zu Schaden kommen kann. Sie heißen dennoch
'Stolpersteine', denn wer sie im Vorübergehen sieht, soll im Geiste darüber stolpern, kurz innehalten und die Eingravierung lesen. Unter der Überschrift
'Hier wohnte...' und Daten der Deportation und Ermordung wird mit den Steinen der Opfer des Nazi-Regimes gedacht. Die Synagogengemeinde Saar unterstützt die St. Wendeler Initiative. red
Spendenkonto: Der Verein 'Wider das Vergessen und gegen Rassismus' hat ein Konto eingerichtet: Konto-Nr.: 92478 bei KSK WND, BLZ: 59251020." |
| |
| April 2011:
Die ersten elf "Stolpersteine" werden
in St. Wendel verlegt |
Artikel von "vsc" im
"Wochenspiegel Saarland" vom 28. April 2011 (Artikel):
"'Stolpersteine' zur Erinnerung.
Jüdische Opfer nicht vergessen – bundesweite Aktion auch in St. Wendel umgesetzt.
ST. WENDEL 'Es gab einmal blühendes jüdisches Leben in St. Wendel', sagt Eberhard Wagner, Vorsitzender des Vereins wider das Vergessen und gegen Rassismus.
'Doch heute ist davon nicht mehr viel zu sehen.'
Das soll sich jetzt ändern. Elf 'Stolpersteine' des Kölner Aktions-Künstlers Gunter Demnig erinnern von nun an verschleppte und ermordete St. Wendeler Juden.
'Das sind natürlich keine wirklichen Stolperfallen', erklärt Landrat Udo Recktenwald den Zweck der Mahnmale
'Die Passanten sollen im Geist über die Steine im Gehweg stolpern, innehalten und so an die jüdischen Opfer erinnert
werden.'
Verlegt wurden die zehn mal zehn Zentimeter großen Messing-Steine, mit Namen und persönlichen Daten der Getöteten, an vier bekannten Wohnorten jüdischer Bürger. Denn, so
Demnig: 'Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.'
In der Schlossstraße 6/8 lebte Erna Berl. Sie wurde 1940 nach Gurs deportiert und schließlich zwei Jahre später in Auschwitz ermordet.
Drei Stolpersteine liegen vor der Gymnasialstraße 7. Sie erinnern an Max Sigmund, Norma und Marianne Heymann. Eine Familie, die 1943 in Auschwitz getötet wurde.
In der Balduinstraße 41 wohnte die Familie Reinheimer. Eduard, Alice und Ilse wurde über Gurs nach Auschwitz deportiert. Dort kamen sie 1942 zu Tode.
Vier Stolpersteine legte Demnig vor dem Haus in der Hospitalstraße 13. Dort waren Auguste, Babetta, Lina und Frieda Reinheimer zu Hause – alle 1942 in Auschwitz ermordet.
Die über Spenden finanzierten Steine sind Teil eines europaweiten Erinnerungs-Projekts, des Kölner Künstlers.
'In Deutschland liegen bereits mehr als 23000 Steine', berichtete Recktenwald
'Und nun tragen elf davon auch in St. Wendel zur Erinnerungskultur bei.'" |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Michael
Landau (Hg.): Damit es nicht vergessen wird. Beiträge zur Geschichte
der Synagogengemeinden des Kreises St. Wendel. Veröffentlichungen des
Adolf-Bender-Zentrums e.V., St. Wendel 1988. |
 | Germania Judaica II,2 S. 739; III,2 S. 1304. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 460-461 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Eberhard Wagner: Marpingen und der Kreis St. Wendel
unter dem Hakenkreuz - ein alternatives Heimatbuch. St. Ingbert 2008. |
 | Heft
"Stolpersteine in St. Wendel", hrsg. zur Verlegung am Samstag,
9. April 2011 vom Landkreis St. Wendel und dem Verein "Wider das
Vergessen und gegen Rassismus" Marpingen. März 2011.
Text. Eberhard Wagner. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Sankt Wendel, Saar. Jews
were present in the 14th century and apparently fell victim to the Black Death
persecutions of 1348-49. After returning in 1358, they were again expelled in
1418 as part of the general expulsion from the bishopric. In this period the
Jews were active as moneylenders.
In 1862 Jews once again settled in Sankt Wendel with four families present in
1869. With the onset of industrial development in the region, the Jewish
population rose to 90 in 1895 and 134 (total 6,657) in 1910. The Jews worked as
retailers, livestock dealers, and butchers. A synagogue was consecrated in 1902
with the local population participating in the festivities to an extent rate in
Germany. Nonetheless there were also antisemitic incidents throughout the period
and the synagogue windows were smashed with rocks in 1916 and 1918. When Sankt
Wendel came under League of Nations auspices in 1919 in accordance with the
Treaty of Versailles, the ensuring riots and general strike had antisemitic
undertones. After worldwar I, Jews from Eastern Europe and Alsace-Lorraine
arrived as the Jewish population reached a peak in 143 in 1923. A Jewish
merchant, Eugen Berl, served on the municipal council between 1920 and 1932. The
community was Liberal in religious outlook, with an organ in the synagogue.
Anti-Jewish agitation intensified in the 1933-35 period, following the lead of
the Reich. Nazi activists promoted the boycott movement and Jewish children
encountered physical violence in the schools. With the annexation of the Saar to
the Reich in 1935, most Jews left, either emigrating or moving to other German
cities. Those who remained were subjected to greater abuse. The synagogue was
burned on the night following Kristallnacht (9-10 November 1938). The
last four Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940
and subsequently to Auschwitz in August 1942, where they perished. Of those who
had left to city previously, at least 22 also died in the Holocaust.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|