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Kirchheimbolanden mit
Marnheim und Morschheim (Donnersbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Kirchheimbolanden bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück.
Erstmals wird ein jüdischer Einwohner 1537 genannt.
1718 waren zehn jüdische Familien am
Ort. Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl schnell zu: von 40 jüdischen
Gemeindegliedern 1804 auf 201 im Jahr 1825.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ging
die Zahl allerdings wieder zurück: von 1848 167 Personen in 31 Familien auf 111
1875, 83 1900. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten auch die in
Marnheim und Morschheim lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in
Kirchheimbolanden (1925/32 nur noch eine Person aus Marnheim).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgabe der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde
gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern, hatte aber noch im 19. Jahrhundert
zeitweise einen eigenen Rabbiner (vgl. den bei der Synagogeneinweihung 1836
genannten Rabbiner H. Kohn, und wiederum nach 1863 Rabbiner Seligmann aus Kaiserslautern, siehe Bericht unten).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Oberarzt Dr. Josef
Schwarz (geb. 12.6.1887 in Kirchheimbolanden, gef. 22.3.1918).
Um 1925, als noch 70 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (knapp
2 % der insgesamt ca. 3.600 Einwohner) waren die Gemeindevorsteher H.
Decker, Dr. Stern, A. Metzger (1932: 1. Vors. D. Stern, 2. Vors. Sigmund
Metzger, 3. Vors. Fritz Schwarz). Den jüdischen Religionsunterricht erhielten
im Schuljahr 1932/33 acht schulpflichtige jüdische Kinder.
1933 gehörten der jüdischen Gemeinde noch 65 Personen
an. Mit Zunahme der Entrechtung in der NS-Zeit und den Auswirkungen des
wirtschaftlichen Boykotts verzogen immer mehr von ihnen in andere Städte oder
wanderten aus. Bis 1938 war die Zahl auf 30 zurückgegangen. Beim
Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt (s.u.), jüdische Wohnungen und
Geschäfte wurden verwüstet. Am 1. September 1939 wurden 16 jüdische Einwohner
gezählt. Im Oktober 1940 wurden zehn der letzten elf jüdischen Einwohner nach Gurs
deportiert.
Von den in Kirchheimbolanden geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna (Anna) Baer geb. Metzger (1878), Thekla Decker (1879), Pauline Ewers (1864),
Emilie Goldmann (1881), Eugenie Goldmann (1883), Lilli (Karoline) Goldmann (1878), Caroline
(Karoline) Haußmann geb. Rosenthal (1890), Günter Jacob Haußmann (1928), Johanna
Haußmann (1885), Karl Haußmann
(1933), Ludwig Haußmann (1877), Karl Hohmann (1886), Isidor Schwarz (1880),
Elise Kahn (1861), Elfriede Klein (1920), Herbert Klein (1917), Ludwig Lindt
(1870), Hannelore Marx (1928), Alfred Metzger (1880), Paula Metzger (1885), Anna
Neumond geb. Schwarz (1889), Luise Ottenheimer geb. Kaufmann (1889), Hermine
Scholem (1878), Ludwig Scholem (1875), Isidor Schwarz (180),
Rosa (Rosalie) Wassermann (1864), Benjamin Weiss
(1892), Elisabeth Weil geb. Schwarz (1886).
Von den in Marnheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Arthur Decker (1881),
Frieda Decker (1871), Gustav Decker (1890), Helene Decker (1860), Hedwig Weil
geb. Decker (1886).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stellen des israelitischen Lehrers an der Kommunalschule
1873
sowie des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 /
1878 / 1929 bzw. eines Hilfsvorbeters 1903 / 1904
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September
1873: "Schuldiensterledigung. Kirchheimbolanden, bayerische
Rheinpfalz.
Die Lehrerstelle der unteren Abteilung der I. Knabenklasse an der hiesigen
Kommunalschule ist durch Übernahme einer anderweitigen Stellung des
seitherigen Lehrers in Erledigung gekommen und soll, und zwar mit einem
israelitischen Lehrer sofort wieder besetzt werden.
Der Gehalt beträgt jährlich:
1. bar aus der Gemeindekasse fl. 500
2. außerdem bei Übernahme des Vorbeterdienstes aus dem israelitischen
Kultusfonds fl. 300
3. für Erteilung des Religionsunterrichtes der israelitischen Schüler an
der Lateinschule hier fl. 42
Zusammen: fl. 892.
Bewerber um diese Stelle wollen ihre desfallsigen Gesuche mit den
erforderlichen Zeugnissen versehen, binnen 14 Tagen bei dem unterfertigten
Amte einreichen.
Kirchheimbolanden, den 22. August 1873.
Das Bürgermeisteramt. Gez. W. Ritterspach.
Bezugnehmend auf vorstehendes Ausschreiben, erlaube ich mir, die Bewerber
darauf aufmerksam zu machen, dass ad. 2 diejenigen mit musikalischen
Kenntnissen bevorzugt werden, und dieselben alsdann auch einen nicht
unbedeutenden Nebenverdienst hierdurch erhalten.
Der Vorstand Gez. L. Goldmann." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1877: "Die hiesige Kantorstelle ist erledigt und soll alsbald wieder
besetzt werden. Gehalt 800 Mark nebst freier Wohnung mit 2 Gärten. Das
Schlachten, welches mit verbunden ist, trägt außerdem 500 Mark ein.
Derselbe hat Gelegenheit sein Einkommen zu vergrößern. Musikalische
Ausbildung ist erwünscht. Lusttragende belieben ihre Gesuche an den
hiesigen unterzeichneten Kultusvorstand einzureichen. Kirchheimbolanden.
M. Decker, Vorstand." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28.
August 1878: "Die hiesige Kantorstelle soll provisorisch auf die Dauer
eines Jahres besetzt werden mit einem Gehalte von 800 Mark. Mitverbunden
wird der Religionsunterricht mit einem Gehalte von circa 350 Mark. Auch
kann das Schächten mit übernommen werden, welches mehrere hundert Mark
einträgt. Musikalische gebildete Bewerber haben den Vorzug. Diesbezügliche
Gesuche werden sofort erbeten. Kirchheimbolanden, bayrische Pfalz, im
August 1878. Der Kultusvorstand M. Decker." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1903:
"Vorbeter zur teilweisen Übernahme des Vorbeterdienstes am
Versöhnungstage gesucht. Offerten an
Adolph Kaufmann, Kirchheimbolanden (Pfalz)." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1.
September 1904: "Vorbeter zur teilweisen Übernahme des Vorbeterdienstes
am Versöhnungstage gesucht. Offerten an
Adolph Kaufmann,
Kirchheimbolanden." |
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Anzeige in der Zeitschrift des "Central-Vereins" vom
20. September 1929: "Israelitische Kultusgemeinde Kirchheimbolanden
(Pfalz) sucht möglichst sofort einen seminaristisch gebildeten Lehrer als
Religionslehrer und Kantor. Gehalt nach Besoldungsverordnung. J. Decker". |
Simon Silbermann wird zum Hauptlehrer ernannt (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1908: "Aus
Bayern, 3. Januar (1903). Den Titel Hauptlehrer erhielten am 1. Januar die
Herren Max Behr in Regensburg, Jakob Heß in
Treuchtlingen, Simon
Silbermann in Kirchheimbolanden und Michael Wolf in Winnweiler." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Zur Problematik des Eides in der Synagoge (Artikel von 1840)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Februar 1840: "Frankenthal
(Pfalzbayern), 4. Februar (1840). Sie werden bereits von Ihren französischen
Korrespondenten die nötigen Berichte über den Rechtsfall in Saverne,
betreffs des Eides more judaico,
und die herrliche Rede des Herrn Crémieux erhalten haben.
In unserer Pfalz (Rheinbayern) hat sich ein ähnlicher Fall ereignet,
welcher zeigt, dass dieser Missstand auch hier tief gefühlt wird, und es
nur an tüchtigen Männern fehlt, um ihn, sowie bei unseren Nachbarn, zu
bekämpfen. In Kirchheimbolanden, einer Gemeinde, welche sich besonders
durch eine herrliche Synagogenordnung vortrefflich vor den anderen Städtchen
der Pfalz auszeichnet, sollte ein Jude in der (schönen) Synagoge einen
Judeneid nach alter Weise schwören. Allein der würdige Vorstand, Herr
Leo Levi jun., weigerte sich, die Synagoge zu diesem Akte herzugeben, und
verharrte bei diesem schönen Entschlusse. So blieb denn nicht anderes übrig,
als eine gefügigere Gemeinde zu finden, wo der Eid geschworen werden
konnte – und diese fand sich denn leider auch! Es hätte damals nur
einer edlen Nachahmung bedürft, um diesen, von jedem Gebildeten so tief
empfundenen kränkenden Missbrauch auch aus unserem Gerichtsgebrauche
verschwinden zu lassen. -
Doch noch Vieles bleibt bei uns zu tun übrig, da Gemeindevorstände,
welche Ernsteres, Besseres wollen, meistens jene kräftige Unterstützung
von Seiten der Rabbinen nicht finden, welche doch zum Gelingen dieser so
zeitgemäßen Bestrebungen – vorzüglich der Reorganisation des
Gottesdienstes – so notwendig wären. Diese Missstände sind bei uns fühlbarer,
als anderswo, da sie bei unserer öffentlichen Gerichtsbarkeit schroffer
hervortreten." |
Aus der
Geschichte des Rabbinates in Kirchheimbolanden
Kirchheimbolanden wird vorübergehend Sitz des Bezirksrabbinates (1863)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April
1863: "Landau, Pfalz, 29. März (1863). Auf Anordnung unserer hochlöblichen
Kreisregierung, die streng, gerecht und friedliebend ist, musste der
Bezirksrabbiner Seligmann seinen bisherigen Amtssitz zu Kaiserslautern mit
Kirchheimbolanden vertauschen, weil Rabbiner und Gemeinde sich zu sehr gehässig
gegenüberstanden und an eine Aussöhnung, die von Seiten der Behörde öfters
angestrebt worden sein soll, nicht mehr zu denken war. Nun befindet sich
bekanntlich in Kaiserslautern das protestantische Schullehrerseminar für
die Pfalz, in welchem auch die israelitischen Lehrer ihre Ausbildung
erhalten und so erteilte der jeweilige Rabbiner den jüdischen
Seminaristen den hebräischen Unterricht wofür er aus dem
Kreis-Schul-Fond honoriert wurde. Seit dem Wegzuge des Rabbiners wurde
dieser Unterricht nicht mehr fortgesetzt und die jüdischen Seminaristen
waren sonach in dem Studium des Hebräischen gestört. Unsere hochlöbliche
Kreisregierung, dies einsehend, bekundete auf eine gerechte und humane
Weise, ‚ohne dazu aufgefordert worden zu sein,’, wie sehr ihr das Wohl
aller ihrer untergebenen Staatsbürger gleichmäßig am Herzen liege
dadurch, dass sie eine Entschließung des hohen Königlichen Ministeriums
veranlasste, die dem Rabbinatskandidaten Herrn Moses Seligmann von hier,
als Lehrer für das Hebräische an das Königliche Seminar zu
Kaiserslautern beruft. Wir wünschen unserer erleuchteten Kreisregierung
Glück zu der Ausführung solch humanen Werkes und doppelt Glück zu der
getroffenen Wahl, da der Berufene ein in allen klassischen Wissenschaften
und besonders im Hebräischen und Talmudischen ausgezeichneter Gelehrter
ist, der nur wegen zu großer Bescheidenheit nicht zu bewegen war, schon
früher eine öffentliche Stelle einzunehmen. Wir bedauern dessen Abgang
von hier tief, da Männer wie Herr Seligmann, die ihre Gelehrsamkeit nicht
(die hebräischen Wendung sind in der Richtung zu interpretieren:) stolz
vor sich hertragen, in unserer Gegend leider rat oder gar nicht zu
finden sind, und der Verlust, den unsere Gemeinde durch sein Weggehen
trifft, ein nicht leicht zu ersetzender ist. Alle Israeliten der Pfalz und
besonders diejenigen unter ihnen, deren Herz noch warm für jüdisches
Wissen, Religiosität und Jugendbildung, muss die Besetzung dieser höchst
wichtigen Stelle, durch einen Mann wie Herr M. Seligmann gewiss freuen,
weil dadurch wieder gehofft werden darf, dass aus dem Seminar nicht nur
Lehrer, sondern jüdische Lehrer hervorgehen werden, und Herr Seligmann
gewiss mit aufrichtiger Hingebung diesen schönen Zweck zu erreichen
suchen wird. Bedenkt man dabei, dass der bisherige Unterricht durch den
Rabbiner nur ein sehr mangelhafter sein konnte, weil der Amtsberuf eines
Bezirksrabbiners durch öftere Rundreisen, Schulprüfungen, Trauungen etc.
ihn verhinderte, Unterricht zu erteilen, so sind wir unserer hohen
Regierung umso mehr zum Dank verpflichtet, als sie eigens für dieses Fach
einen so würdigen Lehrer berufen hat. Dem Vernehmen nach soll Herr
Seligmann auf höhere Weisung sofort in seine neue Stellung eintreten, und
so wünschen wir dem Wirkungskreise dieses edlen, charakterfesten und
uneingebildeten Gelehrten den besten Erfolg, damit die Saat unserer
heiligen Tora, die er nun auszustreuen den Beruf hat, gedeihlich keime,
hervorsprosse und reife." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des aus Kirchheimbolanden
gebürtigen Forschungsreisenden Eugen Wolff (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Mai 1912:
"München. Hier verschied - 62 Jahre alt - der Forschungsreisende
Eugen Wolff. Wolff, aus Kirchheimbolanden gebürtig, studierte Medizin,
machte den Krieg 1870/71 mit und unternahm dann Studienreisen in der
ganzen Welt. 1889 wurde er Beitrag von Wißmann, 1892 leitete er die
Verhandlungen mit den Buren, die er zur Übersiedlung nach
Deutsch-Südwestafrika gewinnen wollte. Wolff hatte neben ethnographischen
Interessen die Förderung der kolonialen Ausbreitung Deutschlands im Auge.
Zahlreiche gelehrte Gesellschaften ernannten ihn zum Ehrenmitglied. Seine
Reiseberichte erschienen in den angesehensten deutschen Tageszeitungen. In
Buchform veröffentliche er: 'Im Innern Chinas', 'Deutsch-Südwestafrika'
und 'Vom Fürsten Bismarck und seinem Haus.'" |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von R.S.T. (1863)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1863:
"Ein israelitisches Mädchen von angenehmem Äußeren, die im Kochen,
sowie in der Haushaltung sehr erfahren ist und sehr gute Zeugnisse hat,
wünscht in eine kleine Haushaltung zum Beispiel bei zwei alten Leuten
oder bei einem einzelnen alten Herrn platziert zu werden.
Adresse: R.S.T. poste restante in Kirchheimbolanden
(Rheinpfalz)." |
Anzeige von Nachmanns Konfektionshaus (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1901: "Lehrling
mit guter Schulbildung per sofort oder 1. September gesucht. Kost
und Logis im Hause.
Nachmann's Konfektionshaus, Kirchheimbolanden,
Rheinpfalz." |
Anzeige von Louis Decker aus Marnheim (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1901:
"Für meine Tochter, 15 Jahre, suche Stelle als Lehrmädchen.
Offerten an
Louis Decker, Marnheim, Pfalz". |
Anzeigen des Altmaterial-Geschäftes usw. E. Heimann (1901 / 1906)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1901: "Von
einer kleinen Familie, bestehend aus Mann und Frau, wird aus anständiger
Familie, ein fleißiges, braves jüdisches Mädchen gesucht,
das in allen häuslichen Arbeiten vollständig bewandert ist.
Familienanschluss und guter Lohn werden zugesichert. Eintritt kann sofort
erfolgen. Offerten direkte erbeten.
E. Heumann, Kirchheimbolanden,
Pfalz." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juli 1906:
"Günstige Gelegenheit zur Existenz-Gründung!
Ich beabsichtige, mich von meinem seit nahezu 40 Jahren ohne Konkurrenz am
Platze und mit bestem Erfolge betriebenen
Altmaterial-Geschäft en gros - vorzugsweise Alteisen, Altmetalle,
Hadern etc. verbunden mit Fellgeschäft
wegen vorgerückten Alters zurückzuziehen und einem tüchtigen Nachfolger
unter sehr günstigen Bedingungen zu verkaufen. Erforderliches Kapital
vorläufig etwa 10 Mille. Auf Wunsch bleibe ich noch einige Zeit bis zur
Einführung kostenfrei mittätig. Reflektanten belieben sich direkt an
mich zu wenden.
E. Heumann in Kirchheimbolanden (Rheinpfalz)." |
Anzeige von Frau D. Stern (1916)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juli 1916:
"Zum 1. August suche ein fleißiges, ehrliches Mädchen,
nicht unter 25 Jahren, als Stütze der Hausfrau. Dasselbe muss in der
bürgerlichen Küche bewandert sein und mit Kindern umgehen können.
Zweimädchen vorhanden.
Offerten mit Zeugnisabschriften unter Angabe des Lohnes erbeten an
Frau D. Stern, Kirchheimbolanden
(Rheinpfalz)." |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Im 18. Jahrhundert bestand eine private Betstube im Haus einer
jüdischen Familie, vermutlich im Haus Goldmann in der Schlossstraße 33. Nach
einem Bericht von 1820 war die Betstube angesichts des starken Zuwachses der
Gemeinde inzwischen viel zu klein geworden. Die drei Gemeindeglieder Raphael Durlacher,
Daniel Levi und Moises Süskind hatten aus diesem Grund bereits zwei Jahre zuvor
(1818) ein Haus im Ort
gekauft, das zu einer Synagoge mit Lehrerwohnung und Schule umgebaut werden
sollte. Allerdings gab es Schwierigkeiten, da das Haus neben der
protestantischen Kirche St. Paul stand. Dennoch konnte das Vorhaben ausgeführt werden. Wann
die Einweihung erfolgte, ist unbekannt. Nur wenige Jahre war diese erste
Synagoge religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde, da es beim großen
Stadtbrand am 13. Juni 1833 zerstört wurde.
Zunächst plante man einen Wiederaufbau und ließ sich dazu von Bezirksingenieur
Beyschlag von der Bauinspektion Kaiserslautern einen Plan erarbeiten. Dieser
wurde geprüft und zunächst für gut befunden. Nachdem im Januar 1834
allerdings von der Brandversicherung 4.447,30 Gulden überwiesen wurden,
entschloss die Gemeinde, einen völligen Neubau in Auftrag zu geben. Man
ließ durch den Zivilbauinspektor August Voit einen Plan für einen Neubau in
unmittelbarer Nähe der niedergebrannten Synagoge erstellen. Voit orientierte
sich in der Architektur am Bau der Synagoge in Ingenheim und
an einem geänderten Bauplan Beyschlags, in dem die Wünsche der Gemeinde zur
Gestaltung der Innenräume aufgenommen wurde. Die Pläne Voits wurden akzeptiert
und bereits Ende Oktober 1834 erhielt die Gemeinde
die Baugenehmigung. Die Bauarbeiten begannen im April 1835 und dauerten bis zum
Sommer des folgenden Jahres. Am 1. September 1836 konnte die Synagoge
durch Rabbiner M. Kohn feierlich eingeweiht werden. Darüber berichtete die
"Allgemeine Zeitung des Judentums" in einem kurzen Artikel am 16.
September 1837:
Einweihung der Synagoge (1826)
Zu Kirchheim-Bolland in Rheinbayern wurde am 1.
September 1836 eine neue, treffliche Synagoge eingeweiht. Am Abend predigte der
dortige Rabbiner M. Kohn, am andern Morgen der Kandidat Samuel Süßkind.
Letzterer hielt eine gediegene Predigt in klarer, eindringlicher Sprache über
"die Bestimmung des Gotteshauses nach dem Sinn und Geiste unserer
Religion;" und zwar 1) dass wir darin erbaut werden sollen durch Gebet und
Gesang (es ist dort auch Choralgesang eingeführt), 2) dass wir darin belehrt
werden sollen durch Predigt und Vorlesung aus der Tora (bei letzterer sprach er
über den alten .., der den vorgelesenen Abschnitt sogleich in die Landessprache
der Gemeinde vortragen musste!).
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Die Synagoge wurde in einem klassizistisch-maurischen Mischstil
errichtet. Die Westfassade war von Eckpilastern und einem Schildgiebel gerahmt.
Das Portal in der Mittelachse zeigte einen charakteristischen Hufeisenbogen.
Große Hufeisenbogenfenster prägten auch die Seitenwände (Traufseiten). Den
Abschluss bildeten Rundbogenfriese. Im Untergeschoss des Gebäudes befanden sich
ein "Schulsaal für die Kinder", das rituelle Bad (Frauenbad, Mikwe)
sowie die Lehrerwohnung mit Küche, Schlafraum, Wohnzimmer und einem weiteren
Zimmer.
Adresse/Standort der Synagoge: Am Husarenhof 8 (zwischen
Paulskirche und Schlossplatz; ehemalige
Schlossstraße 15)
Pläne / Fotos:
Entwürfe zum Neubau der
Synagoge (1834) von August Voit
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 208) |
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Eingangsfassade
(Westseite) |
Querschnitt |
Seitenansicht des zwei- bzw.
dreigeschossigen Baus |
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Bereich des
Betsaales |
Bereich der
Frauenempore |
Grundriss des Untergeschosses
mit Lehrerwohnung und Schulraum |
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Die Synagoge 1924
(Quelle: O. Weber s.Lit. S. 103) |
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Ansicht von
Nordwesten |
Sitzplatzordnung 1876
(Quelle:
Landesamt S. 208) |
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| Die Zerstörung 1938/41 |
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Sprengung der Synagoge 1941
(Quelle: links Weber S. 104, rechts Landesamt S. 208) |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 95-96.103-104. (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Bernhard Kukatzki: Jüdische Kultuseinrichtungen in
der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden. Synagogen, Friedhöfe, Ritualbäder
in Gauersheim, Ilbesheim, Kirchheimbolanden, Marnheim. Schifferstadt 1997 S.
5-11. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 208-210 (mit weiteren Literaturangaben). |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Kirchheimbolanden
Palatinate. An ancient settlement apparently existed here. In the early 18th
century, three Jewish families were permitted to reside in the town. The
communitiy maintained a synagogue which was damaged by fire in 1833, and a
cemetery. The congregation was liberal in its religious orientation. The Jewish
population reached a peak of 188 in 1830 and the declined steadily. In June
1933, about four months after the Nazi rise to power, there were 65 Jews in
Kirchheimbolanden. Local residents strictly adhered to the general boycott of
April 1933. On October 1938, 28 Jews remained in Kirchheimbolanden and in late
1939 just 11. Of those who emigrated in 1935-39, 37-39 reached to United States.
On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned, Jewish
homes and stores were vandalized, and Jewish men were sent to the Dachau
concentration camp. Ten Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22
October 1940.

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