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Otterberg (Kreis
Kaiserslautern)
Jüdische Geschichte / Familie Straus / Synagoge
Jewish History / Family Straus / Synagogue
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Otterberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1897.
Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts zurück,
als einige jüdische Familien aus benachbarten Orten und anderen pfälzischen
Gebieten zugezogen sind. Jedoch lebten bereits zuvor Juden am Ort: 1650 wird eine jüdische Familie am Ort genannt.
Genaue Zahlen jüdischer Einwohner liegen erst
wieder aus dem 19. Jahrhundert vor. 1803 werden vier jüdische Familien
gezählt, 1808 31 jüdische Einwohner (8 % der Gesamteinwohnerschaft), 1815 acht
jüdische Familien, 1825 56 jüdische Einwohner (2,4 %), 1848 100 jüdische
Einwohner in 21 Familien mit 100 Personen.
1809/10 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände genannt:
Salomon Maas (Händler), Joseph Rothschild (Viehhändler), Isaac Strauß
(Viehhändler), Jacob Strauß (Viehhändler), Lazare Strauß (Viehhändler),
Isaac Weil (Händler), David Wolff (Händler).
Nach der Mitte des 19.
Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung
schnell zurück. 1875 wurden nur noch 23 jüdische Einwohner gezählt. 1897
konnte kein Gottesdienst mehr abgehalten werden, da nur noch drei erwachsene
jüdische Männer hier lebten. Daher wurde in diesem Jahr die jüdische Gemeinde
Otterberg aufgelöst. Die hier noch lebenden Juden wurden der Gemeinde in
Kaiserslautern zugeteilt.
Von den in Otterberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Eugen Heimann (geb. 1869
in Otterberg, später Köln, 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er
1944 umgekommen ist), Mathilde Salmon geb. Heimann (geb. 1867 in Otterberg,
später in Berlin, 1941 in das Ghetto Lodz deportiert, 1942 in das
Vernichtungslager Chelmno).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Beiträge
Streit vor Gericht zwischen Gemeindegliedern in
Otterberg und dem Rabbiner von Kaiserslautern
(1846)
Das Dokumente stammt aus der Zeit aufkommender Auseinandersetzungen
zwischen reformerisch und konservativ gesinnten Personen in den jüdischen
Gemeinden. Beschrieben wird, wie Personen der Otterberger Gemeinde den
"reformatorischen Bestrebungen" des Rabbiners "stets hindernd im
Wege" standen. Die Bestrebungen des Rabbiners gingen allerdings
ausgesprochen weit, was u.a. daran deutlich wird, dass sich der Rabbiner in der
Gerichtsverhandlung u.a. für eine Abschaffung des feierlichen Eingangsgebetes
an Jom Kippur, dem Kol Nidre aussprach.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Dezember
1846: "Otterberg (für Osterberg) bei Kaiserslautern
(bayerische Pfalz), 30. November (1846). Die Presse ist dazu da, die
Übergriffe nach jeder Seite hin zu bekämpfen, um nur dem Geltung zu
verschaffen, was in reiner Intention und mit reinen Mitteln unternommen
worden. Wir haben hier am 3. dieses Monats vor dem Zuchtpolizeigerichte in
öffentlicher Sitzung ein Schauspiel erlebt, das sicherlich einer strengen
Mahnung bedarf. Die Israeliten K. und O. waren von Herrn Rabbiner S.
angeklagt, ihn am letztverflossenen Erew Jom Kippur in der Synagoge
durch Worte in Verrichtung seiner Funktionen gestört zu haben. (Wenn ich
nicht irre, war nämlich dies die Veranlassung, dass jene behaupteten, man
sage an diesem Tage kein Awenu Malkenu ['Unser Vater, unser
König', Teil der Jom-Kippur-Liturgie]). Herr Rabbiner, der bei dieser
Sache selbst als Zeuge geladen war, deponierte mit der größtesten
Leidenschaftlichkeit, und suchte namentlich die als Entlastungszeugen
geladenen Israeliten, zwanzig an der Zahl, worunter die angesehensten der
Stadt, als Teilnehmer eines Komplotts darzustellen; dieses Komplott
stünde seinen reformatorischen Bestrebungen stets hindernd im Wege, und
suche alle Verbesserungen, die er im Gottesdienste einzuführen gedenke,
zu hintertreiben, nicht sowohl aus innerer Frömmigkeit, als vielmehr aus
persönlichem Hasse gegen ihn selbst. Als Beleg seiner Behauptung verließ
Herr S. plötzlich den eigentlichen Boden der Verhandlung, und führte an:
es existiere ein Gebet, das sogenannte Kol Nidre, das am
Versöhnungsfeste gesprochen werde. |
Dieses Gebet enthalte den Ausdruck, dass alle Schwüre und Eide, die ein
Israelit während des ganzen Jahres ablege, förmlich erlassen seien.
Dieses Gebet nun habe er abschaffen wollen, weil es den Betenden leicht
irre führen und zur Ansicht verleiten könne, es würde in demselben der
Meineid verziehen, er sei aber auf den heftigsten Widerstand gestoßen,
und so werde das Kol Nidre heute noch am Verstöhnungstage
gebetet.
Herr Rabbiner führte noch mehrere Beispiele von solchen widersinnigen
Gebeten an, die er habe abschaffen wollen, unter Anderen, dass eines
dieser Gebete mit den Worten anfange: 'Ich danke dir, Herr, dass ich kein
Christ bin'; ein anderes: 'Ich danke dir, Herr, dass du mich zu keiner
Frau gemacht.' Als Herr S. seine Zeugenaussage beendigt hatte und zu
seinem Sitze zurückgekehrt war, soll ihm ein anderer Israelit zugerufen
haben: 'Herr Rabbiner, sagen Sie Kiddusch darauf.' Herr S. erhob
sich sofort leidenschaftlich gegen das Gericht und deponierte, dieses Wort
sei eines der gemeinsten Schmähwörter, welche die hebräische Sprache
aufzuweisen habe. Der Mann der jenes Wort ausgerufen, wurde sofort vor
Gericht gestellt. Er erklärte zu seiner Verteidigung, das Wort Kiddusch
habe durchaus die Bedeutung nciht, welche Herr Rabbiner S. ihm beizulegen
sich bemühe. Der Präsident des Gerichts ließ zwei anwesende Israeliten
vortreten, um sich über die Bedeutung des Wortes zu erklären. Auf ihre
Behauptung, das Wort Kiddusch enthalte nichts Beleidigendes, wurde
der Mann freigesprochen.
Die Verhandlung dieser Sache, die einen großen Teil der Sitzung einnahm,
namentlich die krasse Schroffheit, mit welcher der Herr Rabbiner gegen
seine Glaubensgenossen auftrat, machte auf alle Unbeteiligten einen
sichtbar widerlichen und verletzenden Eindruck. Der Verteidiger des
Angeklagten erhob sich darauf und erklärt mit feierlicher Stimme: 'Wenn
alles das wahr ist, was Herr Rabbiner S. zur Schilderung seiner
Glaubensgenossen und von ihren Gebeten und Gebräuchen gesagt hat, so
fühle ich mich versucht, auszurufen: Ich danke dir, Herr, dass du mich
nicht zum Juden gemacht.'
Ich könnte Ihnen noch Manches bei dieser Verhandlung Vorgekommene
aufzählen, will aber, der Kürze wegen, nur noch das anführen, dass Herr
S., um seine Handlungen zu beschönigen, das Wirken seines Vorgängers,
des seligen Herrn Rabbiners Cohen auf alle mögliche Weise zu
verunglimpfen suchte, eines Mannes, dessen Name noch heute wohltuend
klingt, und dessen zu frühes Hinscheiden noch jetzt von Jedermann tief
bedauert wird.
Von welchen moralischen Folgen ein Tatbestand begleitet ist, der, wie der vorliegende,
öffentlich vor einer großen Menge von Zuhörern verhandelt worden,
welche Eindrücke und Meinungen ferner dieser Vorfall hervorgerufen, und
noch hervorruft, davon mag sich jeder Leser Ihres verbreiteten Blattes
überzeugen. St." |
Über das Ende der jüdischen Gemeinde (1913)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Oktober
1913: "Otterberg bei Kaiserslautern. Unser fast 3.000 Seelen
zählendes Städtchen hatte noch vor wenigen Jahrzehnten eine blühende
jüdische Gemeinde. Heute gibt es nicht eine jüdische Seele mehr
hier." |
Berichte
zu Personen aus der jüdischen Gemeinde - Beiträge zur Familie Straus (Strauss,
Strauß)
Lazarus
und Sara Strauss aus Otterberg und seine Söhne - ein Überblick:
 | Lazarus Straus (geb. 1809 in Otterberg, gest. 1898
in New York), Vater von Isidor, Nathan und Oskar Straus; gründete in Folge
der durch seine Aktivitäten bei der Revolution 1848/49 (enge Freundschaft
mit Carl Schurz und Gottfried Kinkel) veranlassten Auswanderung in die USA
das Warenhaus L. Straus and Sons (weitere Informationen zur
Familiengeschichte in den unten stehenden Artikeln von 1898 und
1906).
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 | Isidor Strauss (geb. 1845 in Otterberg, gest. 15. April
1912 beim Untergang der Titanic): 1854 mit seiner Familie in die USA
ausgewandert, zunächst aufgewachsen in Talbotton, Georgia, 1866 nach New
York, 1888 zusammen mit seinem Bruder Nathan Teilhaber des Kaufhauses R.H. Macy
& Co. in New York; 1894-1895 Mitglied des Repräsentantenhauses. Im April
1912 zusammen mit seiner Frau Ida und zwei Angestellten an Bord des Luxusdampfers
Titanic. Beide kamen bei der Katastrophe ums Leben.
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 | Nathan Strauss (geb. 31.Januar 1848 in Otterberg, gest. 1931): 1854
mit seiner Familie in die USA ausgewandert, zunächst aufgewachsen in
Talbotton, Georgia, 1866 nach New York, 1888 zusammen mit seinem Bruder
Isidor Teilhaber des Kaufhauses R.H. Macy & Co. in New York; verheiratet
seit 1875 mit Lina geb. Gutherz; Nathan Strauss galt bereits in den
1890er-Jahren als Wohltäter. Setzte sich für Arme und Obdachlose ein;
unterstützte wesentlich eine Kampagne für pasteurisierte Milch und rettete
dadurch unzähligen Kindern das Leben. In den folgenden Jahrzehnten
unterstützte er mit großen Summen Projekte in den USA, Palästina (Israel)
und Deutschland. Die Stadt Netanja in Israel ist nach ihm
benannt.
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 | Oskar Salomon Strauss (Oscar S. Straus, geb. 23.
Dezember 1850 in Otterberg, gest. 3. Mai 1926 in New York), 1854 mit seiner
Familie in die USA ausgewandert; machte eine politische Karriere zunächst als
US-Gesandter der Türkei 1887-1889 und 1898-1899. 1906-1909 war er unter Präsident
Theodore Roosevelt US Secretary of Commerce
and Labor (Wirtschafts- und Arbeitsminister; war erstes jüdisches
Kabinettsmitglied in den USA); 1909-10 wiederum als Botschafter der USA in der Türkei.
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Lazarus Straus - bereits vor der
Auswanderung in besonderer Funktion (1843)
Anmerkung: bereits lange vor der 1854 erfolgten
Auswanderung nach Amerika hatte Lazarus Straus eine besondere Rolle in der
Judenschaft von Otterberg und der Region inne. Er war es, der im Alter von 30
Jahren 1843 für die "Allgemeine Zeitung des Judentums" den Nekrolog
zum Tod von Bezirksrabbiner Moses Cohen (Kaiserslautern) verfasste:
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juni 1843: "Nekrolog.
Am 14. dieses (Monats) entschlummerte nach kurzem Krankenlager unser
geliebter Bezirksrabbiner Moses Cohen zu Kaiserslautern. Geboren im Jahre
1785 zu Merzbach in Unterfranken, bezog er in seinem fünfzehnten Jahre
die damals noch blühende jüdische Hochschule in Fürth, und nachdem er
zwei Jahre da zugebracht, setzte er seine Studien neun Jahre in Prag
weiter fort. Als im Jahre 1828 das Bezirksrabbinat zu Kaiserlautern gegründet
wurde, berief man ihn zu diesem Amte, bei welchem er als Geistlicher und
als ein wahrer Priester (Cohen) des Ewigen fünfzehn volle Jahre hindurch
wirkte. Der Verblichene gehörte zu den selteneren, ausgezeichneten Persönlichkeiten.
Außer seinen theologischen und linguistischen Kenntnissen hatte er sich
noch besonders in Mathematik und Geschichte hervorgetan. Alle seine
heilsamen Verbesserungen, die er namentlich beim Schul- und Synagogenwesen
ins Leben rief, suchte er nicht durch Gewalt, sondern langsam auf dem Wege
der Liebe und Besserung durchzuführen.
Noch nie habe ich einen größeren Leichenzug erblickt. Den
Glaubensgenossen des Verewigten, die aus allen Orten in und außer des
ausgebreiteten Bezirkes herbeigeströmt waren, hatten sich die
christlichen Bewohner der Stadt Kaiserslautern in Masse angeschlossen; die
Beamten, die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen, die Lehrer der
Volksschulen, die Zöglinge des Seminars und der Gewerbeschule, sie alle
waren herbeigekommen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor
der Stadt machte der Zug Halt, und nachdem die Seminaristen einige
Trauerkantaten abgesungen hatten, bewegte sich der Leichenwagen nach dem
zwei Stunden von da entfernten Begräbnisplatze. Der Dahingeschiedene
hatte, wie der hiezu berufene Leichenredner, Bezirksrabbiner Dr. Grünebaum
aus Landau treffend bemerkte, keinen Feind, ja nicht einmal einen Gegner.
Ihn beweinen eine trostlose Witwe mit fünf Kindern, sein tief getrübter
Bruder, der Bezirksrabbiner März aus Dürkheim a. H., sowie sämtliche
Gemeinden des Bezirks Kaiserslautern. Möge sein Andenken noch recht lange
unter uns weilen! Möge aber auch der Geist des Friedens, der Liebe und
der erleuchteten Frömmigkeit, die ihn beseelt, über uns walten, ihm zum
Ruhme und uns zum Segen!
Otterberg, im Mai 1843. L. Straus, der junge." |
Zum Tod von Lazarus Straus
(1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Februar 1898:
"New York, 15. Januar (1898). Gestern verschied hier in dem
hohen Alter von 89 Jahren Herr Lazarus Straus, der Gründer des weithin
bekannten Warenhauses L. Straus and Sons. Im Jahre 1809 in Otterberg,
Bayern, geboren, ein Enkel des gleichnamigen Mitgliedes des französischen
Sanhedrins, widmete er sich neben den von ihm betriebenen Studien des
hebräischen Schrifttums und der Geschichte der Juden dem merkantilen
Fache. An der revolutionären Bewegung in den Jahren 1848 und 1849 nahm
er, ein Freund Kinkels und Karl Schurz's, tätigen Anteil. Im Jahre 1853
verließ er die Heimat und wanderte nach Amerika aus. Er eröffnete ein
Geschäft in Talbotton, Georgia und siedelte sich mehrere Jahre später in
New York an, wo er mit seinem Sohne Isidor das Haus begründete, das heute
zu den bedeutendsten und angesehensten des Landes gehört. In den letzten
Jahren seines Lebens zog er sich vom Geschäft zurück und widmete sich
den liebgewonnenen Studien. Als sein Sohn Oskar, der frühere
amerikanische Gesandte in Konstantinopel, der gegenwärtige Präsident der
'Amerikanisch-jüdisch-historischen Gesellschaft', vor einigen Jahren
Herrn Dr. Kayserling in Budapest veranlasste, zur Ermittelung des Anteils,
welchen die Juden an der Entdeckung Amerikas genommen, eine
Forschungsreise nach Spanien zu unternehmen, war er es, der die Kosten der
Reise bestritt. Lazarus Straus, eines der ältesten Mitglieder der
Beth-el-Gemeinde und vertrauter Freund des Rabbiners David Einhorn,
gehörte zu den wohltätigsten Männern New Yorks; viele Familien
betrauern in ihm ihren Ernährer. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes
sein!" |
Über die Tätigkeiten von Nathan Strauß in New York
(1898)
Artikel
in "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. September 1898:
"Eine große Wohltat ist der Dachgarten auf dem Gebäude der
Educational Alliance wieder täglich Tausende Erholung suchen. Jeden
Freitag und Sonntag finden daselbst Konzerte statt, und Erfrischungen
werden unentgeltlich verabreicht. Herr Nathan Struaß, der bekannte Philanthrop,
hat daselbst eine seiner zahlreichen Milchhallen, in denen sterilisierte
Milch für einen nominellen Preis verkauft wird. Eine andere
Verkaufshalle, welche Herr Strauß auf dem Quai im New Yorker Hafen
errichten wollten, welche Erfolgungszwecken gewidmet ist, wollte die
Häfenbehörde nicht gestattet, weil dadurch dem Pächter des dortigen Hafenrestaurants
Konkurrenz gemacht wurde. " |
Nathan Strauß wird Präsident des Sanitätsrates von
New York - Oskar Strauß ist zum Präsidenten der Park-Kommission nominiert
(1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1898:
"New York, im Januar (1898). Nathan Strauß, der
bekannte Philanthrop, ist zum Präsidenten des Sanitätsrates der jetzigen
Viermillionenstadt ernannt worden. Sein Bruder, der frühere amerikanische
Gesandte bei der Pforte, Oskar Strauß, ist zum Präsidenten der
Park-Kommission ausersehen, hat sich aber seine Entscheidung über die
Annahme des ihm zugedachten Amtes noch vorbehalten." |
Oskar Straus wird zum Minister für Handel und
Industrie berufen (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. November
1906: "New York. Ein jüdischer Minister. In das Kabinett ist
zum ersten male ein Jude eingetreten. Präsident Roosevelt hat den
früheren Botschafter am türkischen Hofe Oskar Straus zum Sekretär
(Minister) für Handel und Industrie ernannt. Oskar Straus ist 1850 in Otterberg
(Bayern) geboren, kam als Knabe von 4 Jahren mit seinen Angehörigen nach
Amerika. Er widmete sich nach besuch der Columbia-Lateinschule und der
Columbia-Universität in New York zuerst der juristischen Laufbahn, trat
aber später in das Porzellan- und Glasgeschäft seines Vaters ein. Seine
politische Tätigkeit begann er gelegentlich der Wahl Clevelands zum
Präsidenten im Jahre 1884, und drei Jahre später wurde er Botschafter in
Konstantinopel. Nach dem Tode des Expräsidenten Harrison wurde er 1902
als dessen Nachfolger zum Mitgliede der Friedenskonferenz im Haag (= Den
Haag) ernannt." |
Über Oskar Strauß und die Geschichte der Familie
Strauß (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. November
1906: "Oskar Strauß. Über die Familie und die Person des
neuen Ministers der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, lesen wir in den
'Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus': Die Familie
Strauß stammt aus Bayern, wo seine Vorfahren Landwirte waren und noch
sein Vater ein Gut besaß. Dieser Lazarus Strauß nahm an der Revolution
im Jahre 1848 teil, wurde mit Karl Schurz bekannt und stand zu diesem in
freundschaftlichen Beziehungen bis zu dessen Tode. Lazarus Strauß musste
aus Deutschland flüchten und ging nach Philadelphia. Es wurde ihm aber
geraten, nach dem Süden zu gehen, und im Jahre 1854 eröffnete er in
Talboton im Staates Georgia einen Laden. Er hatte damals drei Söhne:
Isidor, der 9, Nathan, der 6, und Oskar, der noch nicht 4 Jahre alt war.
Die Familie war arm, sodass die Mutter beispielsweise die Kleider für die
Kinder anfertigen und ihre Strümpfe stricken musste. Vater Strauß nahm
entschieden Stellung gegen die Sklaverei und zum Teil aus diesem Grunde
zog er nach dem viel größeren Columbus in demselben Staate.
Infolge der kriegerischen Ereignisse kam Lazarus Strauß in
Geldverlegenheit. Obwohl ihm ein Chef der Firma, der er 3.000 Dollar
schuldete, riet, sich nicht aller Mittel zu entblößen und mit 10 % zu
akkordieren, wie es die anderen Kaufleute im Süden täten, erklärte
Lazarus Strauß: Ich will meine ganze schuld bezahlen. Ich erwarte nicht,
meinen Kindern viel Vermögen zu hinterlassen, aber ich will ihnen einen
ehrlichen Namen vererben. Mit dem geringen Reste seines Barvermögens
begründete Strauß ein Porzellangeschäft.
Alle drei Söhne dieses Mannes haben es zu Einfluss und Ansehen gebracht. Nathan
Strauß, der die armen Kinder New Yorks mit sterilisierter Milch, ihre
Eltern mit Kohlen im Winter und die Obdachlosen mit Asylen versorgt hat,
war beispielsweise als Kandidat für den New Yorker Bürgermeisterposten
aufgestellt. Isidor Strauß wurde Kongressmitglied und war
beteiligt an der Herstellung des Wilsontarifs. Der bedeutendste aber ist Oskar
Strauß, der Kaufmann, Verfasser mehrerer staatwissenschaftlicher
Werke, Mitglied der permanenten Haager Schiedsgerichtshofes ist und
zweimal amerikanischer Gesandter in Konstantinopel war.
Was waren nun die hauptsächlichsten Taten des jüdischen Gesandten in
Konstantinopel? Damals war christlichen Kolporteuren verboten worden,
Bibeln und Traktätchen in der Türkei zu verteilen. Es schien unmöglich,
da Abhilfe zu schaffen. Aber Strauß, der jüdische Gesandte, fand doch
ein Mittel, dem christlichen Missionswesen zu helfen. Er stellte nämlich
auf der Pforte vor, dass die Kolporteure auch Bibeln verkauften, und dass
eine Verhinderung dieses Geschäfts eine Verletzung des Handelsvertrages
bedeute. So setzte er durch, dass die christlichen Schriften wieder
verteilt werden durften und dass auch 50 gewaltsam geschlossene
christliche Schulen wieder geöffnet wurden. Präsident Cleveland dankte
dem Gesandten für diesen Erfolg und auch der Evangelische Bund in England
ließ ihm durch Vermittlung Lord Salisbury's eine Anerkennung zukommen.
Das zweite Mal gelang es Strauß, mit dem Sultan in einem ernsteren
Konflikt fertig zu werden. Armenische Christen waren massakriert und für
90.000 Dollar Missionsbesitz vernichtet worden. Strauß erklärte dem
Sultan, der Konflikt könne durch einen Krieg oder durch friedliche Mittel
schnell erledigt werden. Er schlug ein Schiedsgericht vor, bemerkte
jedoch, dass dieses dann auch eine Untersuchung wegen der Metzeleien
veranstalten würde. Strauß wusste wohl, dass der Sultan eine solche
Untersuchung nie zulassen würde. In der Tat entschloss sich der Sultan
schnell, die amerikanischen Ansprüche zu befriedigen." |
Oscar Strauß engagierte sich für die verfolgten
russischen Juden (1911)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November
1911: "New York. Die Protestbewegung gegen die Zurücksetzung
amerikanischer jüdischer Reisenden in Russland nimmt ständig an
Ausdehnung zu. Großes Aufsehen macht eine Versammlung von vierhundert
Geistlichen, Vertreter der verschiedenen christlichen Sekten, die als
Protestversammlung gegen diese Zurücksetzung hier stattfand. Den Vorsitz
führte der 80jährige Bischof James Courtny. Er brach in seiner Rede in
Tränen aus über das bittere Unrecht, das den Juden zugefügt wird.
Nachdem die Versammlung einstimmig eine Protestresolution angenommen
hatte, ergriff der zu diesem Zwecke eingeladene frühere Botschafter Oscar
Strauß das Wort zu einer Rede über die Lage der Juden in Russland. Die
Rede machte tiefen Eindruck und veranlasste eine Resolution, die dem
russischen Botschafter zu Übermittlung an seine Regierung überreicht
werden soll." |
Stiftung eines
Milchpasteurisierungsinstitutes in Heidelberg durch Nathan Strauß (1907)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. November 1907:
"Heidelberg. Durch die Großherzigkeit des New Yorker Millionärs
Nathan Strauß ist hier ein Milchpasteurisierungsinstitut errichtet
worden". |
Stiftung eines
Milchpasteurisierungsinstitutes in Karlsruhe (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1907:
"Karlsruhe, 19. Dezember (1907). Die Großherzogin-Mutter empfing am
Dienstag Abend im Schlosse zu Karlsruhe den bekannten New Yorker
Millionär Nathan Strauß, der auf ihren Wunsch von Heidelberg, wo er
gegenwärtig vorübergehend seinen Wohnsitz hat, dorthin gekommen war, um
ihr über seine amerikanischen Schöpfungen zu berichten. Die
Großherzogin-Mutter zeigte großes Interesse für die segensreichen
Bestrebungen des Amerikaners, und Straus, der zu den Freunden Morgans und
Rockefellers zählt, erklärte sich bereit, in der Stadt Karlsruhe auf
eigene Kosten ein Pasteurisierungs-Institut zu errichten, wie er es in New
York und anderen amerikanischen Städten, zuletzt in kleinerem Stil in
Heidelberg, geschaffen hat." |
Nathan Straus ist nach 13monatiger Tätigkeit im Ausland wieder in New York
zurück (1908)
Artikel
im Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September 1908:
"New York. Nach 13monatlicher Abwesenheit ist der Philanthrop Nathan
Straus hier wieder eingetroffen. Er hat während dieser 13 Monate in
Deutschland, Österreich und England Stationen für pasteurisierte Milch
errichtet und seitens der Behörden und Fachmänner für sein
segensreiches Wirken uneingeschränkte Anerkennung
gefunden." |
Brief von Nathan Strauss an die Jahresversammlung der
amerikanischen Zionisten (1912 nach der 'Titanic'-Kastrophe und dem Tod seines
Bruders Isidor)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. August
1912: "New York. Der bekannte Philanthrop Nathan Straus,
Bruder des früheren Botschafters und Staatssekretärs Oskar Straus
und des bei der 'Titanic'-Katastrophe verunglückten Isidor Straus,
richtete an die Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten einen
Brief. In diesem Briefe heißt es:
'Bei meinem jüngsten Besuch in Palästina machte der gewaltige
Fortschritt im Vergleich zu den Zuständen bei meiner früheren
Palästinareise vor sieben Jahren einen überaus tiefen Eindruck auf mich.
Überall treten die Wirkungen von Dr. Herzls Geist und den großen
Idealen, die er in Jung-Israel wachgerufen hat, deutlich zutage.
Gleichwohl bleibt noch manches zu tun übrig. Dr. Magnes, der Ihrer
Versammlung beiwohnt, wird Ihnen über unsere Bemühungen zur Besserung
der Lage berichten... In den letzten drei Monaten war mein ganzes Sein
vom Gedanken des Zionismus beherrscht, und ich habe eine Fülle von
Plänen für das Wohl des Heiligen Landes erwogen. Infolge unseres
jüngsten Missgeschicks (der Titanic-Katastrophe) waren jedoch meine
Nerven derart angegriffen, dass ich unfähig war, sogleich, wie es mein
sehnlichster Wunsch gewesen wäre, ans Werk zu gehen. Aus diesem Grunde
fühle ich mich auch außerstande, in öffentlicher Versammlung zu
sprechen.'" |
Nathan Straus veranlasst eine
Perlmutter-Arbeiten-Fabrik in Jerusalem (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. August
1912: "Jerusalem. Es sind wieder mehrere neue gewerbliche
Unternehmungen von hier zu melden.
Der bekannte New Yorker Philanthrop Nathan Straus, der unser Land
vor einiger Zeit besuchte, hat die Errichtung einer Fabrik von
Perlmutter-Arbeiten veranlasst. Bisher wurden diese Arbeiten nur von
Christen in Bethlehem gemacht.
Ein Antwerpener Zionist errichtet hier eine Diamantenschleiferei und wird
damit einigen Dutzend Juden Arbeit
geben." |
Spende von Oskar Salomon Straus (1916)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28.
Juli 1916: "New York. Oskar S. Straus spendete dem Clara de
Hirsch-Heim für weibliche Einwanderer zur Errichtung eines zweiten
Gebäudes 150.000 Dollar." |
Weitere Spenden
für das Institut in Karlsruhe (1922)
Artikel in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 12.1.1922: "Karlsruhe, 4. Dezember
(1922): Der wegen seiner hochherzigen Spenden mehrfach genannte
Philanthrop Nathan Straus in New York hat von Prof. Lust, dem Leiter des
Kinderkrankenhauses in Karlsruhe, die Nachricht erhalten, dass die von
Herrn Straus im Jahre 1907 in Karlsruhe errichtete Milchküche wegen
Mangels an Mitteln geschlossen werden müsse. Herr Straus hat nun an W.T.B.
200.000 Mark überwiesen, die zur Hälfte für Karlsruhe, zur anderen
Hälfte für die ebenfalls von ihm eingerichtete Milchküche der Frau
Gothein-Roemers in Eberswalde bestimmt sind." |
74. Geburtstag von Nathan Straus (1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1922: "Aus
New York meldet die 'J.P.Z': Am 30. Januar feierte der bekannte jüdische
Philanthrop Nathan Straus seinen 74. Geburtstag. In einer von ihm
herausgegebenen Erklärung bedauert Straus, lange nicht so reich zu sein,
wie man von ihm behauptet; er würde sich sonst schämen, nicht noch mehr
Wohltätigkeit zu üben, als er es tue. Er gebe weit über seine Kräfte
und würde sich schämen, für sich denselben Maßstab zu beanspruchen wie
zu zahlreiche andere reiche Juden." |
| |
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar
1922: "Nathan Straus feierte seinen 74. Geburtstag. In einem Brief
bedauert Straus, lange nicht so reich zu sein, wie man von ihm behauptet;
er würde sich sonst schämen, nicht noch mehr Wohltätigkeit zu üben,
als er es tue." |
80. Geburtstag von Nathan Strauß (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928:
"Anlässlich seiner achtzigsten Geburtstages, über den wir bereits
berichteten, machte Nathan Straus weitgehende Stiftungen für alle
jüdischen Wohltätigkeitszwecke, auch für den Aufbau in
Palästina." |
Fotos
zur Geschichte der Familie Straus
(Quelle: die mit *) bezeichneten Fotos: Straus
Historical Society)
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Die Brüder Nathan, Oscar und
Isidor Straus 1909 * |
Oscar Salomon Straus
(vor
1900) * |
Oscar Salomon Straus
um 1920 * |
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Das Haus der Familie Straus in
Otterberg
(historische Aufnahme) * |
Nathan Strauss
(Foto vor 1912) |
Nathan Strauss,
Zeichnung, Quelle |
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Jerusalem: Straßenschild:
Nathan Straus Street (Foto erhalten von Michael Hornung, Aufnahme vom Juni
2008) |
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Seit September 2006 an der Stadthalle in Otterberg: Denkmal für Oskar
Salomon Straus
Artikel
aus dem Stadt- und Landkurier vom 21. September 2006: "Denkmal
für Oskar Salomon Straus: Otterberg. In einer Feierstunde zu Ehren
des in Otterberg geborenen Oskar Salomon Straus, der u.a. als Minister in
der Regierung Theodore Roosevelt war, wurde am Freitag, den 16. September
in Anwesenheit der über 20 angereisten Nachkommen aus Amerika ein Denkmal
an der Stadthalle enthüllt. Grußworte richtete Landrat Rolf Künne und
Bürgermeister Ulrich Wasser sowie Roland Paul an die Straus Nachkommen
und an die Mitglieder des Stadtrates sowie an die Bürger von Otterberg.
Oskar Salomon Straus war einer der bekanntesten Söhne Otterbergs. 1850 in
der Wallonenstadt geboren, wanderte bereits im Alter von vier Jahren mit
seiner Familie nach Amerika aus und macht später eine glänzende
Karriere. Dr. Hans Steinebrei erklärte in seiner Ansprache, wie es zu
dieser Verbindung kam. 'Als Heimatforscher setzte ich mich mit der
deutschen Botschaft in Washington in Verbindung, welche mir entsprechende
Informationen lieferte. Bei einer USA-Reise konnte ich sehr viel über
Oskar Salomon Straus finden. 1977 besuchte Robert K. Straus, der
Historiker der Straus Familie Otterberg. Seit dieser Zeit besteht eine
stetige Korrespondenz mit ihm und der gebildeten Straus
Historical Society und der Sekretärin Mrs. Joan Adler. Roland Paul
vom Bezirksverband der Pfalz und ich besuchten Bürgermeister Ulrich
Wasser und unterbreiteten ihm den Vorschlag für ein Denkmal. Wasser war
sehr aufgeschlossen und auch der Stadtrat. Der Bürgermeister wählte
diesen Platz für den Steinfindling neben der Stadthalle. Ich bedanke mich
bei Bürgermeister Wasser und dem Stadtrat, dass dieser Platz mit dem
Denkmal geschaffen werden konnte.' Der Gedenkstein neben der Stadthalle
hat folgenden Text: Oskar Salomon Straus, geb. 1850 in Otterberg,
gestorben 1926 in New York, ausgewandert mit seiner Familie nach USA.
Jura-Studium von 1887-1889 und 1898-1899. Gesandter in der Türkei.
1906-1909 Minister für Handel und Arbeit, erstes jüdisches Mitglied in
einem US-Kabinett. Minister internationaler Organisatoren von
Präsidenten, Autor und Großkaufmann. Seine Brüder Isidor und Nathan erwarben
sich als Kaufleute ('Macy') und Wohltäter ebenfalls bleibende Verdienste.
Oskar Salomon Straus III., Urenkel der Auswanderers und Vorstandsmitglied
der 'Straus Historical
Society' dankte der Stadt Otterberg für die Ehrung der Familie. Er
habe die Verbindung zur Heimat seines Urgroßvaters nie verloren. 'Wir
sind zwar Tausende Meilen entfernt, doch mit unseren Gedanken immer hier.
Wir sind heute zu den Wurzeln unserer Familie zurückgekehrt."
Untertexte zu den Fotos auf dem Presseartikel: oberes Foto:
"Denkmal Straus nach Enthüllung v.l.n.r. Dr. Hans Steinebrei,
Bürgermeister Ulrich Wasser, Oskar Salomon Straus III. und Landrat Rolf
Künne."
unteres Foto: "Familienmitglieder der Fam. Straus vor dem
Gedenkstein". |
Zur Geschichte der Synagoge
1817 wird erstmals ein Betsaal genannt, über den jedoch nichts Weiteres
bekannt ist. Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder in den
1820er-Jahren stark zunahm, plante man den Bau einer neuen Synagoge. 1831
wurde von jüdischen Gemeindemitgliedern ein Haus in der Hintergasse (heute
Kirchstraße) gekauft, um dieses zu einer Synagoge mit Lehrerwohnung umzubauen. 1838
konnte die Synagoge eingeweiht werden. Einer der besonderen Höhepunkt in
der Geschichte der jüdischen Gemeinde war der Besuch des bayrischen Königs
(Ludwig I.) 1843 in der Otterberger Synagoge. Dazu berichtete die
"Allgemeine Zeitung des Judentums" am 3. Juli 1843:
Otterberg (Pfalz),
18. Juni (1843). Bei der Anwesenheit Seiner Majestät des Königs von Bayern am
13. Juni (1843) allhier, begab sich dieser Monarch nach beendigtem Gottesdienste
in der katholischen Kirche in unsere vor fünf Jahren von der hiesigen, aus
fünfzehn Mitgliedern bestehenden Gemeinde erbaute Synagoge, erkundigte sich
nach der Zahl und dem Wohlstande der Gemeindemitglieder bei dem israelitischen
Lehrer E. Mandel, gab seinen Wohlgefallen zu erkennen, und fügte hinzu:
"Das Alte Testament haben auch wir, und noch das neue." Die
israelitische Gemeinde fühlte sich durch die Aufmerksamkeit Seiner
Majestät höchst beglückt. |
1847 wurde die Synagoge umgebaut. Von der Architektur her war es eine
einfache Dorfsynagoge. Äußerlich fielen die Rundbogenfenster und über dem
Eingang eine hebräische Portalinschrift auf (Zitat aus Psalm 118,20). Für die
Frauen gab es eine Empore mit separatem Zugang.
Nach dem Wegzug beziehungsweise der Auswanderung der meisten jüdischen
Familien wurde das Synagogengebäude nach 1880 verkauft. Damals muss es
sich in einem desolaten Zustand befunden haben. 1902
wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. Als solches ist es erhalten.
Beim Umbau zum Wohnhaus wurden die Rundbogenfenster geschlossen und verputzt.
Erst im Zusammenhang mit einer Renovierung
des Gebäudes im Jahr 2002 wurden an der Nordseite die Rundbogenfenster wieder sichtbar
gemacht.
Adresse/Standort der Synagoge: Kirchstraße 19a.
Fotos zur Geschichte der Synagoge
(links: O. Weber s. Lit. S. 141, Foto von B. Gerlach; rechts:
Landesamt s. Lit. S. 309)
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Die ehemalige Synagoge in
Otterberg
mit den seit 2002 wieder
freigelegten Rundbogenfenstern |
Portalinschrift (Psalm 118,20): "Dies
ist
das Tor zum Herrn, Gerechte ziehen
durch es hinein" |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 133-134. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 309 (mit weiteren Literaturangaben).
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