Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"  
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Kaiserslautern"  

Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

  
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagogen   
Mittelalter und 19. Jahrhundert bis 1849  
Die (alte) Synagoge (von 1849 bis 1886) 
Die neue Synagoge (von 1886 bis 1938) 
Nach 1945    
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur 

   
Es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Kaiserslautern (bitte anklicken)  
    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Kaiserslautern bestand bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Familien lebten überwiegend in der "Judengasse" (führte von dem Knie der Glaser- zur Marktstraße) neben dem Altenhof. Die Gemeinde wurde während der Verfolgung in der Pestzeit vernichtet. 1383 wird wieder ein Jude aus Kaiserslautern genannt, der in diesem Jahr nach Neustadt an der Weinstraße übersiedelte. Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten nur ausnahmsweise einige Juden in der Stadt (1688/98 zwei aus Worms vertriebene Juden). 
   
Um 1800 war unter der französischen Herrschaft ein erneuter Zuzug von Juden nach Kaiserslautern möglich. Mehrere Familien aus umliegenden Dörfern zogen in die Stadt. 1801 wurden noch keine jüdischen Einwohner gezählt, 1808 waren es 23 (0,5 % der Gesamteinwohnerschaft). 1809/10 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände in der Stadt genannt: Loeb Bär, Isaac Dreyfuß (Metzger), Isaac Falk (Metzger), Benjamin Grünbaum, Jacob Haymann, Isaac Homann, Jacob Leid(t)ersdorf, Gebrüder Levi, Samuel Mayer (Metzger), Joseph Simon (Metzger), Jacob Stern, Gebrüder Weill.  
 
Nach 1815 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu, sodass 1823 52, 1834 108, 1848 214 jüdische Einwohner (in 44 Haushaltungen) gezählt werden konnten. Im Jahr der Grundsteinlegung der neuen Synagoge 1883 wurden 716 jüdische Einwohner gezählt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1905 mit 779 Personen erreicht. Zur jüdischen Gemeinde Kaiserslautern gehörten auch die in Mehlingen und Gunbach lebenden jüdischen Personen (1924 5 beziehungsweise 10 Personen). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde u.a. eine Synagoge (s.u.), eine Schule (Israelitische Elementarschule seit 1838, erster Lehrer: Walz), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Seit 1827/28 war Kaiserslautern Sitz eines Bezirksrabbinates für die damals etwa 30 jüdischen Gemeinden in den Bezirksämtern Kaiserslautern, Kirchheimbolanden und Kusel (zunächst noch Sitz des Rabbinates in Münchweiler am Alsenz, seit 1834 in Kaiserslautern). Erster Rabbiner war bis zu seinem Tod im März 1843 Moses Cohen aus Untermerzbach/Unterfranken. Sein Nachfolger war Rabbiner Ludwig Seligmann, der sich allerdings mit der Gemeinde immer weniger verstand, sodass 1863 der Sitz des Bezirksrabbinates nach Kirchheimbolanden verlegt werden musste. In Kaiserslautern war daraufhin als Rabbinatskandidat Moses Seligmann tätig (bis 1879; Rabbiner Ludwig Seligmann ist am 27. Juni 1879 gestorben)). Seit 1880 war als Bezirksrabbiner Dr. Wilhelm Landsberg angestellt, seit 1913 Rabbiner Dr. Max Weyl. Letzter Bezirksrabbiner war Dr. Sally Baron (seit 1920, definitive Anstellung 1926). 
   
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren neben dem vom Bezirk und der Stadt angestellten Rabbiner auch weitere Personen angestellt, insbesondere ein Lehrer, ein Kantor und ein Synagogendiener, der zugleich Schochet war.   
 
In Kaiserslautern wurden die jüdischen Lehrer der Pfalz ausgebildet. Sie erhielten die Ausbildung am protestantischen Lehrerseminar der Stadt. Der Religionsunterricht wurde den Seminaristen durch den jeweiligen Bezirksrabbiner erteilt. 
  
Viele der in Kaiserslautern lebenden jüdischen Einwohner hatten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren Gewerbebetrieben eine große Bedeutung für die wirtschaftliche Belebung der Stadt und die Industrialisierung. Zudem gab es alsbald mehrere jüdische Ärzte und Rechtsanwälte. 
 
Um 1924, als etwa 700 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (etwa 1,2 % von insgesamt etwa 60.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Justizrat Dr. Julius Rheinheimer, Rechtsanwalt Dr. Leopold Blüthe, Josef Falk, Hermann Felsenthal, Ludwig Stern, Otto Tutein und Siegmund Levy. Als Bezirksrabbiner war der bereits genannte Dr. Sally Baron tätig, als Kantor M. Nackler, als Synagogendiener und Schochet Julius Fischer, als Schriftführer und Rechner Karl Wünschel, als Organist Franz May. Der jüdische Religionsunterricht an den Volksschulen der Stadt wurde durch Kantor Nackler erteilt, der Unterricht an den höheren Schulen durch Rabbiner Dr. Baron. An jüdischen Vereinen waren in der Gemeinde aktiv: der Israelitische Armenverein (gegründet 1890; 1924 130 Mitglieder unter Adolf Berg, 1932 unter Leitung von Julius Rheinheimer mit 160 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterbringung und Verpflegung Durchreisender), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1861; 1924 unter Leitung der Frau von Moritz Maas mit 170 Mitgliedern, 1932 unter Leitung der Frau von Dr. Rheinheimer), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegründet 1920; 1924 unter Leitung von Abraham Gärtler; 1932 unter Leitung von Louis Stern), die Julius Plotke Loge (1924 unter Leitung von Adolf Blum mit 150 Mitgliedern) sowie der Jüdische Jugendbund (1932 unter Leitung von Ernst Strauß, Marktstraße 50).  1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Justizrat Dr. Julius Rheinheimer (1. Vorsitzender, Theaterstraße 16) und Justizrat Dr. Blüthe (2. Vorsitzender, Fischerstraße 16). Als Schriftführer wird ein Herr Kämmerer genannt, als Kantor war inzwischen Siegfried Kornfeld angestellt (Rummelstraße 1). Im Schuljahr 1931/32 erhielten 98 jüdische Kinder der Stadt Religionsunterricht. 
  
1933 lebten noch 648 jüdische Personen in der Stadt. Durch die zunehmenden Auswirkungen des wirtschaftlichen Boykotts und der Entrechtung verließ ein Großteil die Stadt, sodass 1939 nur noch 90 jüdische Einwohner gezählt wurden. Da die Synagoge bereits vor der Pogromnacht 1938 zerstört wurden war (s.u.), richteten sich die Aktionen der Nationalsozialisten in der Pogromnacht in äußerst brutaler Weise gegen jüdische Geschäfte und Wohnungen. 
 
Mindestens 76 von den 1933 in Kaiserslautern lebenden jüdischen Personen wurden nach den Deportationen 1941 bis 1945 ermordet (siehe die Namen auf der Rückseite des Denkmals auf den Synagogenplatz - Fotos unten).  
   
Von den in Kaiserslautern geborenen oder längere Zeit in der Stadt lebenden jüdischen Personen wurden insgesamt über 200 ermordet.    
    
Nach 1945 zogen wieder - zunächst wenige - jüdische Personen nach Kaiserslautern zu. Ihre Zahl erreichte in den 1950er-Jahren etwa 150 Personen. Durch Zuwanderung aus den GUS-Ländern in den 1990er-Jahren waren es 2000 etwa 300 Personen. 
  
     
  

Zur Geschichte der Synagogen

Mittelalter und 19. Jahrhundert bis 1849  
   
Bereits im Mittelalter gab es eine Synagoge in der Stadt. Sie wird indirekt erstmals 1344 genannt (1388 als "Judenschule" erwähnt. Sie stand im Bereich des ältesten Marktes, heute "Am Altenhof". In den 1990er-Jahren wurden hier eine mittelalterliche Mikwe entdeckt (siehe Artikel unter den "Links").

Im 19. Jahrhundert wird ein Betsaal im Haus des Isaac Rubel I. 1824 genannt. 1834 wird von einem Betsaal berichtet, den die Gemeinde in einem ehemaligen Gasthaus auf dem "Abendsberg" gemietet hatte (Abendsberg ist das Gelände oberhalb der Kreisverwaltung). 
    
  
Die (alte) Synagoge (1849 bis 1886)   
  

Seit 1845 sammelte die Gemeinde für den Neubau einer Synagoge.  1848/49 konnte man auf einem Grundstück in der Salzstraße (Salzstraße 8) eine Synagoge erbauen. Die Einweihung war im Frühsommer 1849. Maurermeister Michel Schinkel hatte den Bau ausgeführt. Diese Synagoge wurde bis zum Bau der neuen Synagoge verwendet, 1886 verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut und 1972 abgebrochen (heute neu bebaut mit Wohn- und Geschäftshaus).

Die alte Synagoge Kaiserslautern Synagoge 109.jpg (49907 Byte) Kaiserslautern Synagoge 110.jpg (57400 Byte)
   Bei der alten Synagoge in Kaiserslautern handelte es sich um einen einfacher, zweistockigen Bau mit maurisch-orientalischen Stilelementen (Hufeisenbogen) an Fenstern und Portal.

  
Die neue Synagoge (1886 bis 1938)     

Nachdem die Synagoge in der Salzstraße in den 1870er-Jahren zu klein geworden war, erwarb die jüdische Gemeinde 1881 ein Grundstück in der Frühlingsstraße (heute Luisenstraße). Die Pläne zum Neubau wurden durch den bekannten Synagogenbauer Prof. Ludwig Levy in Karlsruhe angefertigt. Im Juni 1883 begannen die Bauarbeiten, Am 29. Oktober 1883 war die Grundsteinlegung
       
Grundsteinlegung zum Bau der neuen Synagoge (1883)

Kaiserslautern AZJ 13111883.jpg (187528 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1883: "Kaiserslautern, 29. Oktober (1883). Wir waren heute Zeugen einer Feier, die das freundschaftlichste und einträchtigste Verhältnis der verschiedenen Konfessionen zueinander bekundet. Es galt nämlich der Grundsteinlegung zu der in Angriff genommenen neuen Synagoge. Zu diesem Behufe hatten sich in zahlreicher Menge die königlichen und städtischen Behörden – der Stadtrat, Vertreter sämtlicher hier bestehenden Konfessionen, Vertreter der verschiedenen Lehranstalten und eine nach Hunderten zählende Menge eingefunden, um ihre Sympathien der israelitischen Gemeinde und ihrem Vorhaben entgegenzubringen. Nachdem der stattliche Zug auf dem Bauplatze angelangt, brachte der den Bau leitende Architekt Herr Levi einen Willkommengruß in schönen Worten dar. Hierauf bestieg der Bezirksrabbiner Herr Dr. Landsberg die Rednertribüne. Eine kurze Beschreibung über die Geschichte der israelitischen Gemeinde vorausschickend, legte derselbe seiner wohl durchdachten, alle Anwesenden tief ergreifenden Weiherede den Texte aus Sacharja Kap. 4 V.7 zugrunde. Er sprach besonders den Dank der Vertretung der Stadt, sowie deren Behörden aus, die zu jeder Zeit die wohlwollendsten Gesinnungen der israelitischen Gemeinde und ihrem Interesse entgegengebracht und nun auch den Synagogenbaufonds eine jährliche Dotation von 500 Mark gewährt und auch noch andere Berücksichtigungen in Aussicht gestellt. Nun verlas Herr Kultusvorstand Kehr den Inhalt der, verschiedene für die Nachwelt interessante Mitteilungen enthaltenden Urkunde, welche dem Grundstein eingefügt werden sollte und bat den königlichen Bezirksamtmann Herrn Gustav Schmitt, den Reigen der üblichen 3 Hammerschläge zu eröffnen. Dieser drückte zunächst seine Freude aus, zeuge der heutigen Feier sein zu können und schloss seine herrlichen Worte mit: ‚Meine 3 Hammerschläge gelten der von der israelitischen Gemeinde bisher gepflegten Einigkeit und Opferwilligkeit, verbunden mit dem Frieden, der auch fortan sowohl in der Gemeinde, als anderen Konfessionen gegenüber auf das ängstlichste gehütet werden möge.’ Jetzt ergriff der erst seit wenigen Tagen in das Amt getretene Bürgermeister Herr Neumeyer das Wort. An die Mahnung des Herrn Vorredners zum Frieden anknüpfend, versicherte auch er die israelitische Kultusgemeinde der fortwährenden Sympathie der Stadt und ihrer Vertreter und schloss mit dem gewiss beherzigenswerten Satze: ‚An diesem Steine mögen die Feinde zerschellen, und den Freunden sei er eine Stütze!’ Nach einem von Herrn Rechtsanwalt David Fränkel auf Seine Majestät den Pfalzgrafen und König Ludwig II. aufgebrachten Hoch, in das sämtliche Anwesenden mit Begeisterung einstimmten, schloss diese herrliche Feier."
   
Kaiserslautern Jeschurun AF 1883 S798.jpg (98392 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" Alte Folge 1883 S. 798: "Kaiserslautern, 29. Oktober (1883). Heute Nachmittag hat die Feier der Grundsteinlegung der neuen Synagoge stattgefunden. Es ist dies in der Tat als eine schöne Errungenschaft hiesiger Gemeinde zu betrachten. Dieselbe hat in verhältnismäßig kurzer Zeit einen gewaltigen Aufschwung genommen. Während im Jahre 1800 hier überhaupt noch keine Israeliten wohnten, und man einige Jahre später nur 5 israelitische Familien zählte, konnte schon 1846, wo die Gemeinde bereits als 50 Familien bestand, die erste Synagoge erbaut werden. Jetzt wohnen hier nach der letzten Volkszählung 716 Juden. Dass von antisemitischer Bewegung hier keine Rede ist, zeigt die Tatsache, dass der Akt der Grundlegung der neuen Synagoge vom Herrn Bezirksamtmann Schmitt vollzogen wurde, wobei er den Wunsch aussprach, dass aus dem begonnenen Bau der Gemeinde Einigkeit, Opferwilligkeit und Friede erstehe. Gleich herzlich sprach unser neuer Bürgermeister Herr Anwalt Neumeyer. Die Festrede hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Landsberg. - Überhaupt fand die Feier unter großer Teilnahme nicht nur der israelitischen Gemeindemitglieder, sondern auch der Nehörden und der Einwohnerschaft statt. Möge uns der Friede und das Ansehen hiesiger Gemeinde stets erhalten bleiben. 'Der Ewige gibt Macht seinem Volke, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden' (Psalm 29,11)."    

Am 26. Februar 1886 war die feierliche Einweihung der neuen Synagoge. Die Baukosten betrugen 193.328 Mark. Es handelte sich bei der Synagoge in Kaiserslautern um einen repräsentativen Ritualbau, die prächtigste Synagoge der Pfalz. Charakteristisch waren die maurischen Formen. Der zweigeschossige Quaderbau war als Zentralbau angelegt und von einer zentralen Kuppel mit Ecktürmen bekrönt. Die Spitze der Kuppel lag 37 m über dem Erdboden. Über den Tag der Einweihung liegt ein Bericht aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1886 vor, der vermutlich aus der Lokalpresse übernommen wurde:  

Kaiserslautern Israelit 26021886a.jpg (116097 Byte)Kaiserslautern, 26. Februar (1886). "Allgemeine festliche Stimmung!" Diese Physiognomie trägt seit heute Morgen allenthalben die alte Barbarossastadt: unsere israelitischen Mitbürger feiern nämlich heute Nachmittag das ernste und erhebende Fest der Einweihung ihrer prachtvollen neuen Synagoge; wirklich prachtvoll ist der "Neue Tempel", ein Monumentalbau, auf den Kaiserslautern stolz sein kann. Sowohl der Entwurf der Pläne des Prachtbaues, als auch die gesamte Bauleitung wurden seinerzeit dem Architekten Herrn Ludwig Levy dahier übertragen, und wahrlich, er hat sein Werk so zu Ende geführt, dass es seinen Meister lobte.
Im Juni des Jahres 1883 wurde der Bau begonnen und obwohl die Fundamente unter ganz schwierigen Verhältnissen im sogenannten "alten Stadtwoog" (einer tiefliegenden nassen Wiese, die durch Aufführung um ca. 3 Meter erhöht wurde) aufgeführt werden mussten, so waren sie doch schon im Herbst beendigt und fand Ende Oktober des gleichen Jahres die feierliche Grundsteinlegung statt.
Bezüglich des angewendeten Stiles der neuen Synagoge ist zu bemerken, dass dieselbe den byzantinischen Gewölbebau zum Ausdruck bringt, in der Dekoration jedoch an die arabisch-maurischen Bauten anklingend erscheint, alles aber unserem Klima und unseren Verhältnissen
Kaiserslautern Israelit 26021886b1.jpg (235698 Byte)angepasst wurde. Der Ritus verbietet die Darstellung von figürlicher Dekoration und wurden vom Meister deshalb geometrische und pflanzliche Flächenornamente durchgängig angewendet. Die Längsrichtung des Tempels ist gegen Sonnenaufgang, daher befindet sich der Chor mit dem Allerheiligsten (der Raum zur Aufbewahrung der Torarollen) im Osten, die Haupteingänge im Westen. Das Gesicht des Andächtigen ist gegen das Allerheiligste gewendet, über dem die Morgensonne durch die reich bemalten Fenster hereinbricht.
Um es kurz zu fassen, wollen wir sagen: Der ganze Monumentalbau zeichnet sich durch eine künstlerisch sehr günstig bemessene Einfachheit aus, welche demselben den Eindruck des Erhabenen verleiht und infolge dessen der plastische, sowie malerische Schmuck - dem Charakter des ganzen Baues entsprechend - eine ruhige, würdige Pracht auf den Beschauer ausübt, ohne prunkhaft oder überladen zu wirken. Noch besonders erwähnenswert sind die prachtvollen Parochot-(Toravorhang) Stickereien aus dem rühmlichst bekannten Atelier von Heimerdinger in Karlsruhe. Der Außenbau mit den schönen Kuppeln, die besonders gelungen erscheinen, den großen architektonischen Massenverhältnissen und der angenehmen Abwechslung des grauen und roten Sandsteines ergeben eine sehr günstige und malerische Wirkung. Der schöne Bau mit den sich sehr vorteilhaft abwechselnden Silhouetten wirkt allseitig sehr günstig und bleibt gewiss - wie schon erwähnt - eine sehenswerte Zierde unserer Stadt.
Um auf das Fest selbst zu kommen, können wir mit Vergnügen konstatieren, dass eine große Anzahl von auswärtigen Gästen - empfangen von Verwandten und Freunden - bereits mit den Frühzügen eingetroffen ist. Die Stadt ist festlich beflaggt. Um 2 Uhr beginnt der Umzug von der alten in die neue Synagoge.
Am 26. Februar, Punkt 2 Uhr, Freitag nachmittags waren die Festteilnehmer in und vor der alten Synagoge versammelt, während die Gäste, welche daselbst keinen Platz zu erhalten befürchteten, in der nächsten Nähe des neuen Tempels Aufstellung nahmen, um sich sodann dem Zuge beim Eintritt desselben in das Gotteshaus anzuschließen. Der Umzug verlief programmmäßig. Mit einer ergreifenden Ansprache des Rabbiners und Aushebung der Torarollen wurde Abschied von der alten Synagoge genommen und - die Jugend mit ihrem Lehrer voraus - unter dem Donner der Böller der Weg zum neuen Gotteshause angetreten. Es folgten nun die Musik des königlich-bayerischen 18. Infanterie-Regiments, der Synagogenchor,
Kaiserslautern Israelit 26021886b2.jpg (120572 Byte)die Gemeindeältesten /welche einen rührenden Anblick gewährten) mit den Torarollen, begleitet von reizenden Festjungfrauen, - der Rabbiner mit dem Kantor, zwei Vertreter der königlichen Regierung, der königliche Bezirksamtmann, der Vorstand und der Vorsitzende der Baukommission, sodann Bürgermeister, Adjunkten und Synagogenausschuss, ferner verschiedene Mitglieder königlicher Behörden und einige protestantische Geistliche, der Stadtrat, Ehrengäste, die Mitglieder der Kultusgemeinde und zum Schluss eine kolossale Menge von Festteilnehmern.
Die Straßen, welche der Festzug passierte, waren mit einer dichtgedrängten neugierigen Menge eingefasst.
Beim Eintreffen am Portale des Tempels überhab Architekt Levy mit einer Ansprache an den königlichen Bezirksamtmann Schmitt demselben den Schlüssel zum Gotteshause und dieselben denselben mit einigen Worten dem Bezirksrabbiner Dr. Landsberg, welcher das Tor der Synagoge erschloss.
Die Räume derselben waren bald überfüllt und begannen die herrlichen Vorträge des Synagogenchores. Nach Einführung der Torarollen in ihre neue Lade folgte die geistreiche Predigt des Bezirksrabbiners  und zum Schlusse die rituelle Einweihung des Tempels. Damit war die kirchliche Feier, der noch ein Abendgottesdienst für die Kultusangehörigen folgte, zu Ende. 
   
Die "Allgemeine Zeitung des Judentums berichtete über die Einweihung der Synagoge:  
Kaiserslautern AZJ 16031886.jpg (29334 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1886: "In Kaiserslautern wurde die neu erbaute Synagoge unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht. Das sehr gelungene Gebäude gereicht der Stadt zur Zierde."   
  
Kaiserslautern AZJ 23031886.jpg (92534 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. März 1886: "Wir haben bereits die feierliche Einweihung der neuen prächtigen Synagoge zu Kaiserslautern am 26. Februar erwähnt. Dieselbe ging unter großer Teilnahme der ganzen städtischen Bevölkerung, welche viele Häuser beflaggt hatte, vor sich. Außer dem Regierungsvertreter, vielen Beamten und Honoratioren wohnte auch die evangelische Geistlichkeit der Einweihung bei. Diese machte aber auch durch die ausgezeichnete Festrede des Bezirksrabbiners Dr. Landsberg, durch das Spiel auf der vortrefflichen Orgel, den gut eingeübten Synagogenchor und den schönen Vortrag des Kantors Herrn Feibelmann einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. So bietet nicht nur das Gebäude einen weihevollen Anblick, sondern auch der wohl geordnete Gottesdienst die Hoffnung, dass sich in diesem Gotteshause viele Geschlechter erbauten und religiös läutern werden."   

  
Über die neue Synagoge in Kaiserslautern (1886)

Kaiserslautern AZJ 14091886sn.jpg (106972 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. September 1886: "Die neue Synagoge in Kaiserslautern. Wir haben zurzeit über die Einweihung der neuen Synagoge zu Kaiserslautern berichtet. Jüngst brachte nun die ‚Frankfurter Zeitung’ einen Bericht über die Synagoge, welchem wir einige interessante Bemerkungen entnehmen. Der Architekt, der dieses schöne Bauwerk geschaffen, ist der renommierte Herr Ludwig Levy. Indem man sich nicht begnügte, dem ersten besten Bauunternehmer ein Werk zu veraccordieren, das für höhere Zwecke bestimmt ist, sondern sich einen tüchtigen Künstler auswählte, hat die kleine Gemeinde ihrem Bildungsgrade ebenso wohl wie dem edlen Ernste, der sie leitete, ein schönes Zeugnis ausgestellt und es ist nur zu wünschen, dass ihr Beispiel auch anderwärts bei viel Größeren und Mehrvermögenderen zünden möge, die durch sie in Schatten gestellt sind. Sicher dankte sie auch diesem Umstande den hohen Grad von Wohlwollen, mit dem die bayerische Regierung ihre Zwecke unterstützt und gefördert hat. In der Wahl des Architekten hat der Bauausschuss entschieden Glück gehabt, wenn irgendwo, hat sich hier der Architekt gelohnt. Während gerade die Herren Praktiker so häufig das Geld an unrechter Stelle wirkungslos vergeuden, kann man hier sehen, mit wie geringen Mitteln tüchtige Schulung und künstlerische Reife einen durchaus würdigen, befriedigenden Monumentalbau hinzustellen versteht, der außerdem noch dem Bilde der Stadt eine dauernde Zierde verleiht. Die Gemeinde selbst zählt circa 700 Köpfe und die Bausumme beträgt
Kaiserslautern AZJ 14091886sna.jpg (153428 Byte)in Allem circa 200.000 Mark. Bekanntlich wird für Gebäude des israelitischen Kultus von den Architekten vorzugsweise der arabische Stil gewählt, weil man mit ihm in Erinnerung des orientalischen Ursprungs, am Besten die beabsichtigte Stimmung erzeugen zu können glaubt. Erst in neuerer Zeit hat man hie und da den Versuch mit einer jüngeren Epoche gemacht, indem man sich an die vorhandenen jüdischen Baudenkmale des Mittelalters auf unserem Boden anschloss. Der gewiss nicht minder natürliche Weg, sich der architektonischen Formensprache unserer Zeit, der Renaissance, zu bedienen, ist dagegen meines Wissens bei einem irgend beachtenswerten Werke noch nicht eingeschlagen worden. Auch Ludwig Levy hat den maurischen Stilcharakter zugrunde gelegt. Diesen durch vielfache Anwendung mittelalterliche Konstruktionsmotive zu modifizieren und durch ein in modern renaissancistischer Weise durchgebildetes Detail zu einem harmonischen ganzen zu verschmelzen, ist eine Aufgabe von nicht zu unterschätzender Bedeutung, an der schon gar viele Vorgänger gescheitert sind und nur ernstestes Studium, tüchtige, natürliche Anlagen und ein gesunder Geschmack können ein so befriedigendes Resultat erreichen, wie es hier zu unserer Freude vorliegt.  Die hoch befriedigende Wirkung des Innern beruht zum nicht geringen Teil auf der wohlverstandenen sehr gut gelungenen Anwendung der Farbe. Die Farbengebund ist ebenso dezent und energisch und hält sich trotz der mäßigen, zur Verfügung gestellten Mittel ebenso weit entfernt von Ärmlichkeit wie von Überladung, sodass die Grundformen der Architektur auf das Schönste zur Geltung kommen und gehoben werden. Der brave Meister verdient gewiss redlich das Lob, das ihm von Seiten des Bauleitenden so reich zuteil geworden ist. Es war ein schönes erhebendes Fest, das Ende Februar des Jahres zu Kaiserslautern gefeiert wurde zur Einweihung der neuen Synagoge – ein Fest des Friedens und der Eintracht! Mögen noch recht viele ebenso tüchtige Leistungen Veranlassung zur Feier so erfreulicher Feste in unserem lieben Vaterlande geben! A. Linnemann."

 
Prominente Besuche in der Synagoge: Die Synagoge galt in den folgenden Jahrzehnten als besondere Sehenswürdigkeit der Stadt. Auch viele prominente Personen statteten ihr einen Besuch ab. Zu besonderen Anlässen wurden in der Synagoge wie in den Kirchen der Stadt Gottesdienste abgehalten.  
     

Trauerfeierlichkeiten in der Synagoge aus Anlasse des Todes von König Ludwig II. (1887)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1887: "Aus Bayern, 29. Juni (1887). Es ist auch in dieser Zeitung bereits ausgesprochen worden, wie tief die Trauer über die Katastrophe, die den König Ludwig II. betroffen, bei den bayerischen Israeliten ebenso wie bei ihren andersgläubigen Mitbürgern ist. Selbstverständlich betätigte sich diese in den Trauerfeierlichkeiten, welche in den Synagogen des Landes begangen worden. Es liegen darüber Berichte vor, zum Beispiel aus Bayreuth.... - Aus Kaiserslautern erhalten wir bereits gedruckt die am 22. dieses Monats bei dem Trauergottesdienste in der Synagoge vom Bezirksrabbiner Dr. Landsberg gehaltene Predigt, welche in würdigster Weise alle die Gefühle zum Ausdruck bringt, die in solchem Momente das menschliche Herz und die patriotische Gesinnung erregen."    

    
Seine Königliche Hoheit, der bayerische Prinzregent besucht die Synagoge (1888) 

Kaiserslautern AZJ 04101888.jpg (209820 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1888: "Kaiserslautern, 24. September (1888). Auch noch in der Gegenwart ist es für die jüdische Religionsgenossenschaft von erheblicher Wichtigkeit, wenn ihr der Souverän des Landes in Person eine willkommene Aufmerksamkeit zuwendet und auf diese Weise unumwunden erklärt, wie er ihre Gleichberechtigung im Staate anerkenne. Es war deshalb eine erhebende Ehrenbezeugung für die hiesige Gemeinde, dass seine königliche Hoheit der Prinzregent während seines verhältnismäßig kurzen Aufenthaltes in hiesiger Stadt die Synagoge mit seinem Besuche beehrte.    
‚Als der Wagen, in dem Seine Königliche Hoheit saß, sich dem Portale der Synagoge näherte, ging der Rabbiner, Herr Dr. Landsberg, begleitet von den Gemeindevertretern, dem hohen Gast entgegen und begrüßte ihn mit folgenden Worten: ‚Allerdurchlauchtigster Prinz und Prinzregent! Allergnädigster Regent und Herr! Wie der königliche Sänger einst, so rufen auch wir in diesem für die israelitische Gemeinde hiesiger Stadt so bedeutsamen Momente aus der Tiefe unseres Herzens: ‚Gesegnet im Namen Gottes, der jetzt hier einzieht!’ Drei Jahre sind verflossen, seitdem Eure Königliche Hoheit unserer Gemeinde die hohe Ehre vergönnt, dieses zurzeit im Bau begriffene Gebäude zu betreten. Inzwischen waren wir in der glücklichen Lage, dieses herrliche Gotteshaus durch Gottes Hilfe, durch die Hilfe der hohen königlichen und städtischen Behörden und vor Allem auch durch die außerordentlich große Opferfreudigkeit der Gemeindemitglieder dem zu weihen, dem wir hier in Gemeinschaft und Andacht anrufen und zu dem wir allsabbatlich beten für dass Leben und die Gesundheit unseres erhabenen Regenten, der im Namen Seiner Majestät unseres Königs und Herrn mit so sicheren Händen das Staatsruder lenket. Gestatten nun Königliche Hoheit, dass ich jetzt, da wir diesen seltenen Moment feiern, im Geiste unserer Religion das Wort der heiligen Schrift ausspreche, das Gott einst seinem Knechte entboten und das an Eurer Königlichen Hoheit sich erfülle, das Wort: ‚Es segne Dich der Herr usw. Amen!’.     
Der Prinzregent dankte dem Sprecher in herzlicher Weise und ließ sich von ihm und der Gemeindevertretung in die Synagoge und vor die geöffnete Loge unter Orgelklang führen, richtete mehrere Fragen an den Rabbiner und verabschiedete sich mit nochmaligem Danke. Der Rabbiner wurde zum Diner befohlen, zu welchem er sich auch dankbarlichst einstellte. Es ist natürlich, dass die Gemeinde sich durch diesen Vorgang sehr gehoben fühlt."  


Am 18. Juni 1894 berichtet die Zeitschrift "Der Israelit" vom Aufenthalt Prinz Ludwigs von Bayern am 28. Mai 1894 in Kaiserslautern und insbesondere in der Synagoge.

Kaiserslautern Israelit 18061894.JPG (161770 Byte)Aus der Pfalz, 28. Mai (1894). Am letzten Sabbat, den 26. dieses Monats, beehrte der Prinz Ludwig von Bayern, Sohn des Prinzregenten von Bayern, auf seiner Reise durch die Pfalz auch die Stadt Kaiserslautern mit seinem Besuche. Obgleich ein offizieller Empfang nicht stattfand, so ließ er sich doch nach seinem Eintreffen auf dem Bahnhofe die zu seiner Begrüßung gewünschten und erschienenen Herren - die Mitglieder der Behörden und der Geistlichkeit - unter Anderen auch den Bezirksrabbiner Herrn Dr. Landsberg, vorstellen, an welchen er freundliche Worte richtete und dem er auch versprach, die neue Synagoge zu besichtigen. Nach einer Stunde etwa erschien der hohe Herr mit Gefolge an der Pforte der Synagoge und wurde von dem Herrn Rabbiner und der Gemeindevertretung feierlichst empfangen. Herr Dr. Landsberg hielt eine herzliche tief empfundene Ansprache, die der Prinz unbedeckten Hauptes, sichtlich erfreut, anhörte und schloss mit dem Priestersegen. Unter Führung des Rabbiners betrat der Prinz die Synagoge, ließ sich genau Alles erklären, was sich auf den Gottesdienst etc. bezieht, und sprach seine hohe Befriedigung aus über die ganze Einrichtung und den Bau der Synagoge. Mit herzlichen Worten des Dankes und der Anerkennung verabschiedete sich der hohe Herr von dem Rabbiner, der in äußerst würdiger und taktvoller Weise die Gemeinde vertrat. Alle aber, die Zeuge waren dieser kurzen, aber wirkungsvollen Feier, erhielten den Eindruck, dass es zu wünschen wäre, wenn gekrönte Häupter, oder solche, die diesen nahe stehen, öfter das zu hören bekämen, was Herr Dr. Landsberg in seiner Ansprache dem Prinzen Ludwig von Bayern gesagt: "Hier in diesem Gotteshause wird die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen gelehrt, aber auch die Liebe zum Vaterlande und dem angestammten Fürstenhause, auf dass diese Lehren von Allen, die sie vernehmen, auch im leben bewahrt und beherzigt werden." - Über den bevorstehenden Besuch des Prinzregenten, der gleichfalls zu wiederholten Malen die Kaiserslauterer Synagoge besuchen will, hoffen wir demnächst berichten zu können. 

  
Regierungspräsident Freiherr von Welver besucht die Synagoge (1897)

Kaiserslautern AZJ 09071897.jpg (93520 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juli 1897: "Aus der Pfalz, 30. Juni (1897). Der neue Regierungspräsident, Freiherr von Welver, der sein neues Amt angetreten, hat gelegentlich seines Besuches der ihm nun unterstellten Provinz es sich nicht nehmen lassen, überall, wo in den jüdischen Gemeinden eine sehenswerte Synagoge sich befindet, dieselbe zu besichtigen. So berichtet die ‚Pfälzisches Presse’: ‚In der Synagoge zu Kaiserslautern wurde der Herr Regierungspräsident am Portal vom Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und dem Synagogenausschusse feierlichst empfangen. Der Herr Rabbiner begrüßte den hohen Gast mit den Worten: ‚Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn’ – als der Vertreter Seiner königlichen Hoheit in der Pfalz, und schloss mit Worten des Segens für den Letzteren.  Der Herr Rabbiner geleitete den hohen Gast in die Synagoge, die derselbe mit lebhaftem Interesse in Augenschein nahm. Besonders machte die erleuchtete ‚heilige Lade’ einen tiefen Eindruck auf ihn. Mit wiederholten Dankesworten empfahl sich der Herr Regierungspräsident von dem Herrn Rabbiner und den Herren des Ausschusses.’ Es versteht sich, dass bei der offiziellen Beamtenvorstellung auch die Rabbiner der Pfalz alle beordert waren. Wir registrieren diesen Umstand, um die Stellung der Rabbiner in der Pfalz und in Bayern zu charakterisieren."

  
Neben besonderen Höhepunkten in der Geschichte der Synagogen gab es auch immer wieder anderes zu berichten:  

Einbruch in die Synagoge (1908)  

Kaiserslautern Israelit 17121908.jpg (37604 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1908: "Kaiserslautern, 9. Dezember (1908). In der letzten Nacht wurde in der hiesigen Synagoge eingebrochen. Die Diebe gelangten durch einen Luftschacht in das Innere. Sie waren gerade daran, den Opferstock mit der Axt zu zertrümmern, als eine Polizeipatrouille vorüber ging und das Geräusch wahrnahm. Es gelang, die beiden Einbrecher, zwei 19jährige Burschen, dingfest zu machen."
   
Kaiserslautern AZJ 25121908.jpg (28179 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Dezember 1908: ähnlicher Artikel wie oben im "Israelit".

  
      
NS- Zeit    

In der NS-Zeit konnten noch bis zum Sommer 1938 Gottesdienste abgehalten werden. Über eine "religiöse Weihestunde" in der Synagoge mit einem Vortrag liegt noch vom Mai 1936 ein Bericht vor:   

Kaiserslautern BayrGZ 01061936.jpg (133584 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1936: "Kaiserslautern. Am Sonntag, 17. Mai, nachmittags 6 Uhr, fand in der Synagoge eine religiöse Weihestunde statt. Nach einleitendem Orgelspiel (Herr Dr. Walter Rheinheimer) und Chorgesang (Laadonoj hoores) mit Solo des Herrn Kantor Kornfeld ergriff Herr Synagogenvorstand Strauß aus Bad Dürkheim das Wort zu seinem Vortrag: 'Die Stellung des Judentums im Laufe der Zeiten zur körperlichen Arbeit, insbesondere zu Handwerk und Ackerbau.' Unter Angabe zahlreicher Belegstellen wies er nach, dass bei den Propheten, in der nachbiblischen Zeit, nach den Bestimmungen des Talmuds und auch im neueren hebräischen Schrifttum die Wertschätzung der körperlichen Arbeit immer wieder zutage tritt und dass Handwerk und Ackerbau den Juden, die ursprünglich ein reines Bauernvolk waren, als die Grundlage der menschlichen Betätigung erschien. Er ging darauf ein, dass das Mittelalter durch Ghetto und Gesetzgebung den Juden den Zugang zu Berufen mit körperlicher Arbeit verschloss, dass aber trotzdem der Sinn für solche Betätigung nicht völlig schwand. Denn sofort nach dem Fallen der Ghettomauern wandten sich zahlreiche Juden dem Ackerbau und dem Handwerk zu. Er erwähnte hier besonders den Zentralverband der jüdischen Handwerker in Deutschland. Zum Schluss richtete der Redner einen warmen Appell an die zahlreich Erschienenen, der ausklang in der Mahnung zur Pflichterfüllung und zum Gottvertrauen. Mit Chorgesang (Halleluja) und Orgelspiel schloss die erhebende Feier, die bei allen Beteiligten nachhaltige Wirkung hinterließ. Dr. Blüthe."    

1938 wurde die Synagoge auf Druck der NS-Behörden bereits vor der Pogromnacht im November dieses Jahres beseitigt. Die Kultusgemeinde wurde von der Stadtverwaltung gezwungen, die Synagoge aufzugeben. Am 27. August 1938 fand eine Abschiedszeremonie der Gemeinde statt. Die Abbrucharbeiten begannen am 31. August 1938. Am Sabbat, dem 17. September erfolgte eine erste Sprengung; eine zweite Sprengung wurde am 9. Oktober durchgeführt. Ab 1939 wurde das Synagogengrundstück als Aufmarschplatz verwendet, 1943 wurde auf dem Gelände ein Luftschutzbunker erstellt. 

Nach dem Krieg erhielt die Jüdische Kultusgemeinde von der Stadt eine Entschädigung in Höhe von 265.000 Mark. Anfang Oktober 1980 wurde das Grundstück in "Synagogenplatz" umbenannt und ein Gedenkstein errichtet (Inschrift: "Hier stand die Synagoge. 1886-1938"). 2003 wurde ein Teil eines Seitenportals rekonstruiert. Der Grundriss der Synagoge ist am Verlauf einer Buchsbaumhecke erkennbar.

Die jüdische Gemeinde erhielt im Gegenzug für die zerstörte Synagoge 1938 einen Betsaal in dem aus hygienischen Gründen nicht mehr benutzbaren ehemaligen Zuchthaus zugewiesen. In der Pogromnacht im November 1938 wurde dieser Betsaal durch Brandstiftung völlig zerstört.  
    
     
Nach 1945  
       
Nach 1945 zogen in Kaiserslautern wieder - zunächst nur wenige - Juden zu. Ein erster Betsaal wurde 1961 in dem Wohnhaus Schlossstraße 2/II eingerichtet. Dieses Gebäude besteht nicht mehr. Es wurde im Oktober 1967 abgebrochen. 1965 wurde ein ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus von der jüdischen Kultusgemeinde zu einer Synagoge umgebaut. Die Einweihung war am 24. September 1965 durch Rabbiner Shlomo Levon. Bis heute finden hier die Gottesdienste der Gemeinde statt (Standort: Basteigasse 4). Zuletzt wurde das Gebäude im Jahr 2000 umgebaut und beinhaltet neben dem Betsaal u.a. die Räume der Gemeindeverwaltung und der Religionsschule.
    

Fotos  
Die meisten der Fotos wurden bereits mehrfach publiziert; die Originale finden sich großenteils im Stadtarchiv Kaiserslautern. Vgl. Gedenkbuch der Synagogen s.Lit. 

Bau der neuen Synagoge um 1884 Kaiserslautern Synagoge 107.jpg (76467 Byte)  
            
     
Die neue Synagoge, 
1886 eingeweiht, 
1938 zerstört
Kaiserslautern Synagoge 108.jpg (57810 Byte) Kaiserslautern Synagoge 105.jpg (36213 Byte)
            
   
Kaiserslautern Synagoge 104.jpg (42952 Byte) Kaiserslautern Synagoge 102.jpg (37414 Byte) Kaiserslautern Synagoge 100.jpg (29110 Byte)
   Die Synagoge als beliebtes Ansichtskartenmotiv
  
Kaiserslautern Synagoge 101.jpg (57551 Byte) Kaiserslautern Synagoge 103.jpg (39055 Byte) Kaiserslautern Synagoge 112.jpg (39693 Byte)
       
 
Innenaufnahmen
(Quelle: 
Kaiserslautern Synagoge 115.jpg (59280 Byte) Kaiserslautern Synagoge 113.jpg (63239 Byte)
   Blick zum Toraschrein Blick zur Empore mit Orgel
     
August bis Oktober 1938
Die Zerstörung der Synagoge
 
Kaiserslautern Synagoge 43.jpg (41541 Byte) Kaiserslautern Synagoge 116.jpg (51331 Byte) Kaiserslautern Synagoge 111.jpg (64671 Byte)
Straßenbauarbeiten im Spätsommer 1938 - kurz vor Beginn der Zerstörung Sprengung und Abbruch der Synagoge
  
   
Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge Kaiserslautern Kaiserslautern Synagoge 50.jpg (42180 Byte) weitere Informationen siehe Seite der Technischen Universität Darmstadt
         
    
Synagogendenkmal von 2003 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.6.2009)
Kaiserslautern Synagoge n668.jpg (84614 Byte) Kaiserslautern Synagoge n667.jpg (83312 Byte)
  Das Denkmal besteht neben den Gedenksteinen aus nachgebauten Fragmenten zweier Pfeiler der Nordfassade. Dieser Teil war 1938 als letzter zum Einsturz gebracht worden.
      
 Kaiserslautern Synagoge n663.jpg (88880 Byte) Kaiserslautern Synagoge n661.jpg (111107 Byte)
 Über "Fernrohre" an sieben Standpunkten des Synagogenplatzes ist der Blick auf die Synagoge vom Standort des Betrachters zu sehen. Zu sehen ist jeweils eine Darstellung aus der 3D-Computer Rekonstruktion der TU Darmstadt. Blick auf die beiden nachgebauten Pfeiler der Nordfassade. Auf der Rückseite finden sich die Namen der aus Kaiserslautern deportierten und ermordeten jüdischen Personen 
Kaiserslautern Synagoge n653.jpg (93916 Byte) Kaiserslautern Synagoge n650.jpg (75705 Byte) Kaiserslautern Synagoge n652.jpg (67030 Byte)
Hinweistafeln zur Geschichte der Synagoge und zur 3D-Computer Rekonstruktion
     
JISKOR (Gedenke) - Zur Erinnerung an die zerstörte Synagoge der jüdischen Gemeinde Kaiserslautern 1886-1938 - 
LO TIRZACH ("Du sollst nicht morden") - Zum Gedenken an die während der Nazizeit ermordeten jüdischen Bürger aus Kaiserslautern
Kaiserslautern Synagoge n656.jpg (58983 Byte) Kaiserslautern Synagoge n658a.jpg (78121 Byte)
  Gedenkinschrift - Namen: Hans Gerd Angress - Elfriede Chaim
     
Kaiserslautern Synagoge n659a.jpg (79912 Byte) Kaiserslautern Synagoge n660.jpg (73397 Byte) Kaiserslautern Synagoge n658b.jpg (81489 Byte)
Renate Chaim - Julius Fraenkel Karl Fraenkel - Elsa Hene Emil Hene - Salomon Kayem
     
Kaiserslautern Synagoge n659b.jpg (74509 Byte) Kaiserslautern Synagoge n660c.jpg (66326 Byte)  Kaiserslautern Synagoge n654a.jpg (76900 Byte)
Jenny Kehr - Julius Lazarus Meta Lazarus - Berthold Meyer Alfred Moritz - Bernhard Resch
     
Kaiserslautern Synagoge n654c.jpg (70148 Byte) Kaiserslautern Synagoge n655a.jpg (60781 Byte) Kaiserslautern Synagoge n654b.jpg (60229 Byte)
Jakob Roelen - Hermann Sklarek Ludwig Sklarek - Moses Tuteur Robert Tuteur - Frieda Wolfheimer
     
     

    
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Oktober 2010: Gedenken an die Deportation nach Gurs im Oktober 1940   
Kaiserslautern Gurs-Gedenken 2010a.jpg (81600 Byte)Foto links:  von links: Jürgen Hoffmann-Biundo, Referat Soziales, und Beigeordneter Joachim Färber legen einen Kranz zum Gedenken an die 1940 deportierten Juden aus Kaiserslautern am Synagogenplatz nieder. © Stadt Kaiserslautern.    
Pressemitteilung der Stadt Kaiserslautern (Quelle; Autoin: Claudia Mühlberger - Pressestelle) vom 22. Oktober 2010:  
"Gedenken an deportierte Juden aus Kaiserslautern
Kranzniederlegung durch den Beigeordneten Färber am Synagogenplatz
"Heute vor 70 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden 49 Juden aus Kaiserslautern nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Ihrer und aller, die der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind, wollen wir heute Gedenken", so Joachim Färber, Beigeordneter der Stadt Kaiserslautern. Gemeinsam mit Jürgen Hoffmann-Biundo, Referat Soziales, legte Färber einen Kranz im Namen der Stadt Kaiserslautern am Synagogenplatz nieder. "Es ist wichtig, sich zu erinnern, sich aktiv mit der Geschichte auseinander zu setzen und eine Erinnerungskultur aufrecht zu erhalten", sagte Färber. Darüber hinaus müsse man auch heute dem Rechtsextremismus aufmerksam begegnen und solchen Bewegungen entgegenwirken, unterstrich der Beigeordnete. 
Über 6.500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland wurden am 22. Oktober 1940 auf Anweisung des badischen Gauleiters Robert Wagner und des pfälzischen Gauleiters Josef Bürckel in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich gebracht. Einige Menschen starben bereits nach wenigen Tagen und Wochen. Andere wurden in Gurs, Auschwitz oder anderen Vernichtungslagern grausam ermordet. In Kaiserslautern waren 49 Menschen für die Abschiebung vorgesehen. Nachweislich wurden 45 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger verschleppt: 22 Frauen im Alter zwischen 28 und 79 Jahren, 15 Männer im Alter zwischen 37 und 85 Jahren und acht Kinder zwischen einem Jahr und elf Jahren. Nur 18 von ihnen erlebten das Jahr 1945, in dem das Konzentrationslager Auschwitz durch die sowjetischen Truppen befreit wurde. Seit 1996 erinnert der Nationale Gedenktag am 27. Januar an dieses Ereignis." 
 
 

 

 


  

Links und Literatur 

Literatur (kleine Auswahl): 

Germania Judaica II,1 S. 384-385.  

Art. "Kaiserslautern" in:  "und dies ist die Pforte des Himmel". Synagogen Rheinland-Pfalz - Saarland. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland Bd. 2. 2005 S. 197-203 (mit weiteren Literaturangaben).  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Dahn 2005 S. 91-93 (mit weiteren Literaturangaben). 

Links:

Ausführliche Informationsseiten und Computerrekonstruktion der Synagoge Kaiserslautern mit zahlreichen Abbildungen: Seite der Technischen Universität Darmstadt
Informationsseite von www.info-westpfalz.de zur Synagoge Kaiserslautern
Artikel des VVN-BdA Kaiserslautern zum 62. Gedenktag der Pogromnacht: hier anklicken  
Dazu Stadtrundgang des VVN-BdA Kaiserslautern auf den Spuren der jüdischen Geschichte in der Stadt: hier anklicken  
Namen der jüdischen Opfer der NS-Zeit aus Kaiserslautern: hier anklicken  
http://www.christen-und-juden.de/html/KL.htm 
Art.: Mittelalterliches jüdisches Bad (Mikwe) in Kaiserslautern: hier anklicken, Informationsseite der Stadt zur Mikwe: hier anklicken  
Art.: Roland Paul: Der Abriss der Kaiserslauterer Synagoge 1938: hier anklicken  
Art.: Bernhard Gerlach: Neues Synagogendenkmal in Kaiserslautern: hier anklicken  

 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Kaiserslautern  Palatinate. Jews are first mentioned in 1293. They were attacked and expelled from the dity in the disturbances of 1349 and 1383 and in 1395 were permanently banned by the Palatinate elector, the future Rupert II. 
Only in 1798, under French aegis, were the Jews again allowed to settle with full civil rights. In the mid-19th century, most Jews belonged to the middle class and were active in local life, joining the civil guard and serving on the municipal council. A synagogue was consecrated in 1848 and a Jewish school existed from 1837 to 1875, when all the city's parochial schools were consolidated into a single public school system. With the onset of industrial development in the 1860s, the Jewish population began to grow, rising from 108 in 1835 to 716 (total 26,323) in 1880. Jews opened a number of factories (cigars, soap, sewing machines, gaiters, leather, etc.). A bank and two department stores were also owned by Jews. By 1913, Jewish breadwinners included 88 merchants, 11 industrialists, three doctors, and seven lawyers and notary publics. Organized antisemitic incitement became prevalent in the 1880s. Antisemitic incidents, such as the desecration of the Jewish cemetery, also occured during the late Weimar period (1925-33). In 1933, when the Nazis came to power, the Jewish population was 648. Jews were dismissed from jobs in the civil service. By 1937, as a result of Nazi boycott and other discriminatory measures, 21 % of the Jews in Kaiserslautern became dependent on Jewish Winter Aid. In 1938, the community was forced to sell the synagogue to the municipality and the building was pulled down in September 1938. In its place, the community received a room in a disused prison. By October 1938, more than half the Jews had left, the majority to the United States and Palestine. On Kristallnacht (9-10 November 1938), 110 of 160 Jewish homes were vandalized as well as many stores; Torah scrolls were burned. About 50 Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. Subsequently about 250 Jews left the city. In 1939, 90 remained. On 22 October 1940, 48 were deported to the Gurs concentration camp. Others were deported through March 1945. In all, 76 perished in the Holocaust, including 36 in France and 20 in Auschwitz. 
A postwar community grew to 150 in the 1950s.  
    

  

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Dezember 2011