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Kaiserslautern
(Rheinland-Pfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Es besteht eine weitere Seite mit Texten
zur jüdischen Geschichte in Kaiserslautern (bitte anklicken)
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Kaiserslautern bestand bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Die
jüdischen Familien lebten überwiegend in der "Judengasse" (führte
von dem Knie der Glaser- zur Marktstraße) neben dem Altenhof. Die Gemeinde
wurde während der Verfolgung in der Pestzeit vernichtet. 1383 wird wieder ein
Jude aus Kaiserslautern genannt, der in diesem Jahr nach Neustadt
an der Weinstraße übersiedelte. Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zum Ende
des 18. Jahrhunderts lebten nur ausnahmsweise einige Juden in der Stadt (1688/98
zwei aus Worms vertriebene Juden).
Um 1800 war unter der französischen Herrschaft ein erneuter Zuzug von
Juden nach Kaiserslautern möglich. Mehrere Familien aus umliegenden Dörfern
zogen in die Stadt. 1801 wurden noch keine jüdischen Einwohner gezählt, 1808
waren es 23 (0,5 % der Gesamteinwohnerschaft). 1809/10 werden die
folgenden jüdischen Haushaltsvorstände in der Stadt genannt: Loeb Bär, Isaac
Dreyfuß (Metzger), Isaac Falk (Metzger), Benjamin Grünbaum, Jacob Haymann,
Isaac Homann, Jacob Leid(t)ersdorf, Gebrüder Levi, Samuel Mayer (Metzger),
Joseph Simon (Metzger), Jacob Stern, Gebrüder Weill.
Nach 1815 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu, sodass 1823 52, 1834 108, 1848
214 jüdische Einwohner (in 44 Haushaltungen) gezählt werden konnten. Im Jahr
der Grundsteinlegung der neuen Synagoge 1883 wurden 716 jüdische Einwohner
gezählt. Die
höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1905 mit 779 Personen erreicht. Zur
jüdischen Gemeinde Kaiserslautern gehörten auch die in Mehlingen und Gunbach
lebenden jüdischen Personen (1924 5 beziehungsweise 10 Personen).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde u.a. eine Synagoge (s.u.), eine
Schule (Israelitische Elementarschule seit 1838, erster Lehrer: Walz), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Seit
1827/28 war Kaiserslautern Sitz eines Bezirksrabbinates für die damals etwa
30 jüdischen Gemeinden in den Bezirksämtern Kaiserslautern, Kirchheimbolanden
und Kusel (zunächst noch Sitz des Rabbinates in Münchweiler am Alsenz, seit
1834 in Kaiserslautern). Erster Rabbiner war bis zu seinem Tod im März 1843 Moses Cohen aus Untermerzbach/Unterfranken. Sein Nachfolger war Rabbiner
Ludwig Seligmann, der sich
allerdings mit der Gemeinde immer weniger verstand, sodass 1863 der Sitz des
Bezirksrabbinates nach Kirchheimbolanden verlegt werden musste.
In
Kaiserslautern war daraufhin als Rabbinatskandidat Moses Seligmann tätig (bis
1879; Rabbiner Ludwig Seligmann ist am 27. Juni 1879 gestorben)). Seit 1880 war als Bezirksrabbiner Dr.
Wilhelm Landsberg angestellt, seit 1913 Rabbiner Dr. Max Weyl. Letzter
Bezirksrabbiner war Dr. Sally Baron (seit 1920, definitive Anstellung 1926).
Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren neben dem vom Bezirk und der
Stadt angestellten Rabbiner auch weitere Personen angestellt, insbesondere ein
Lehrer, ein Kantor und ein Synagogendiener, der zugleich Schochet
war.
In Kaiserslautern wurden die jüdischen Lehrer der Pfalz ausgebildet. Sie
erhielten die Ausbildung am protestantischen Lehrerseminar der Stadt. Der
Religionsunterricht wurde den Seminaristen durch den jeweiligen Bezirksrabbiner
erteilt.
Viele der in Kaiserslautern lebenden jüdischen Einwohner hatten seit der Mitte
des 19. Jahrhunderts mit ihren Gewerbebetrieben eine große Bedeutung für die
wirtschaftliche Belebung der Stadt und die Industrialisierung. Zudem gab es alsbald
mehrere jüdische Ärzte und Rechtsanwälte.
Um 1924, als etwa 700 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (etwa
1,2 % von insgesamt etwa 60.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher
Justizrat Dr. Julius Rheinheimer, Rechtsanwalt Dr. Leopold Blüthe, Josef Falk,
Hermann Felsenthal, Ludwig Stern, Otto Tutein und Siegmund Levy. Als
Bezirksrabbiner war der bereits genannte Dr. Sally Baron tätig, als Kantor M.
Nackler, als Synagogendiener und Schochet Julius Fischer, als Schriftführer und
Rechner Karl Wünschel, als Organist Franz May. Der jüdische Religionsunterricht
an den Volksschulen der Stadt wurde durch Kantor Nackler erteilt, der Unterricht
an den höheren Schulen durch Rabbiner Dr. Baron. An jüdischen Vereinen
waren in der Gemeinde aktiv: der Israelitische Armenverein (gegründet
1890; 1924 130 Mitglieder unter Adolf Berg, 1932 unter Leitung von Julius
Rheinheimer mit 160 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterbringung und
Verpflegung Durchreisender), der Israelitische Frauenverein (gegründet
1861; 1924 unter Leitung der Frau von Moritz Maas mit 170 Mitgliedern, 1932
unter Leitung der Frau von Dr. Rheinheimer), der Israelitische
Wohltätigkeitsverein (gegründet 1920; 1924 unter Leitung von Abraham
Gärtler; 1932 unter Leitung von Louis Stern), die Julius Plotke Loge
(1924 unter Leitung von Adolf Blum mit 150 Mitgliedern) sowie der Jüdische
Jugendbund (1932 unter Leitung von Ernst Strauß, Marktstraße 50).
1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Justizrat Dr. Julius Rheinheimer (1.
Vorsitzender, Theaterstraße 16) und Justizrat Dr. Blüthe (2. Vorsitzender,
Fischerstraße 16). Als Schriftführer wird ein Herr Kämmerer genannt, als
Kantor war inzwischen Siegfried Kornfeld angestellt (Rummelstraße 1). Im
Schuljahr 1931/32 erhielten 98 jüdische Kinder der Stadt
Religionsunterricht.
1933 lebten noch 648 jüdische Personen in der Stadt. Durch die
zunehmenden Auswirkungen des wirtschaftlichen Boykotts und der Entrechtung
verließ ein Großteil die Stadt, sodass 1939 nur noch 90 jüdische Einwohner
gezählt wurden. Da die Synagoge bereits vor der Pogromnacht 1938 zerstört
wurden war (s.u.), richteten sich die Aktionen der Nationalsozialisten in der
Pogromnacht in äußerst brutaler Weise gegen jüdische Geschäfte und
Wohnungen.
Mindestens 76 von den 1933 in Kaiserslautern lebenden jüdischen Personen wurden nach den Deportationen
1941 bis 1945 ermordet (siehe die Namen auf der Rückseite des Denkmals auf den
Synagogenplatz - Fotos unten).
Von den in Kaiserslautern geborenen oder längere Zeit in der Stadt lebenden
jüdischen Personen wurden insgesamt über 200 ermordet.
Nach 1945 zogen wieder - zunächst wenige - jüdische Personen nach
Kaiserslautern zu. Ihre Zahl erreichte in den 1950er-Jahren etwa 150 Personen.
Durch Zuwanderung aus den GUS-Ländern in den 1990er-Jahren waren es 2000 etwa
300 Personen.
Zur Geschichte der Synagogen
Mittelalter
und 19. Jahrhundert bis 1849
Bereits im Mittelalter gab es eine Synagoge in der Stadt. Sie wird
indirekt erstmals 1344 genannt (1388 als "Judenschule" erwähnt. Sie stand im Bereich des ältesten Marktes, heute "Am Altenhof".
In den 1990er-Jahren wurden hier eine mittelalterliche Mikwe entdeckt (siehe
Artikel unter den "Links").
Im 19. Jahrhundert wird ein Betsaal im Haus des Isaac Rubel I. 1824
genannt. 1834 wird von einem Betsaal berichtet, den die Gemeinde in einem
ehemaligen Gasthaus auf dem "Abendsberg" gemietet hatte (Abendsberg
ist das Gelände oberhalb der Kreisverwaltung).
Die (alte) Synagoge (1849 bis
1886)
Seit 1845
sammelte die Gemeinde für den Neubau einer Synagoge. 1848/49
konnte man auf einem Grundstück in der Salzstraße (Salzstraße 8) eine Synagoge erbauen. Die
Einweihung war im Frühsommer 1849. Maurermeister Michel Schinkel hatte
den Bau ausgeführt. Diese Synagoge wurde bis zum Bau der neuen Synagoge
verwendet, 1886 verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut und 1972 abgebrochen
(heute neu bebaut mit Wohn- und Geschäftshaus).
| Die alte Synagoge |
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Bei der alten
Synagoge in Kaiserslautern handelte es sich um einen einfacher,
zweistockigen Bau mit maurisch-orientalischen Stilelementen
(Hufeisenbogen) an Fenstern und Portal. |
Die neue Synagoge (1886 bis 1938)
Nachdem die Synagoge in der Salzstraße in den 1870er-Jahren zu klein
geworden war, erwarb die jüdische Gemeinde 1881 ein Grundstück in der
Frühlingsstraße (heute Luisenstraße). Die Pläne zum Neubau wurden durch den bekannten
Synagogenbauer Prof. Ludwig Levy in Karlsruhe angefertigt. Im Juni 1883
begannen die Bauarbeiten, Am 29. Oktober 1883 war die
Grundsteinlegung:
Grundsteinlegung zum Bau der neuen Synagoge (1883)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1883: "Kaiserslautern,
29. Oktober (1883). Wir waren heute Zeugen einer Feier, die das
freundschaftlichste und einträchtigste Verhältnis der verschiedenen
Konfessionen zueinander bekundet. Es galt nämlich der Grundsteinlegung zu
der in Angriff genommenen neuen Synagoge. Zu diesem Behufe hatten sich in
zahlreicher Menge die königlichen und städtischen Behörden – der
Stadtrat, Vertreter sämtlicher hier bestehenden Konfessionen, Vertreter
der verschiedenen Lehranstalten und eine nach Hunderten zählende Menge
eingefunden, um ihre Sympathien der israelitischen Gemeinde und ihrem
Vorhaben entgegenzubringen. Nachdem der stattliche Zug auf dem Bauplatze
angelangt, brachte der den Bau leitende Architekt Herr Levi einen
Willkommengruß in schönen Worten dar. Hierauf bestieg der
Bezirksrabbiner Herr Dr. Landsberg die Rednertribüne. Eine kurze
Beschreibung über die Geschichte der israelitischen Gemeinde
vorausschickend, legte derselbe seiner wohl durchdachten, alle Anwesenden
tief ergreifenden Weiherede den Texte aus Sacharja Kap. 4 V.7 zugrunde. Er
sprach besonders den Dank der Vertretung der Stadt, sowie deren Behörden
aus, die zu jeder Zeit die wohlwollendsten Gesinnungen der israelitischen
Gemeinde und ihrem Interesse entgegengebracht und nun auch den
Synagogenbaufonds eine jährliche Dotation von 500 Mark gewährt und auch
noch andere Berücksichtigungen in Aussicht gestellt. Nun verlas Herr
Kultusvorstand Kehr den Inhalt der, verschiedene für die Nachwelt
interessante Mitteilungen enthaltenden Urkunde, welche dem Grundstein
eingefügt werden sollte und bat den königlichen Bezirksamtmann Herrn
Gustav Schmitt, den Reigen der üblichen 3 Hammerschläge zu eröffnen.
Dieser drückte zunächst seine Freude aus, zeuge der heutigen Feier sein
zu können und schloss seine herrlichen Worte mit: ‚Meine 3 Hammerschläge
gelten der von der israelitischen Gemeinde bisher gepflegten Einigkeit und
Opferwilligkeit, verbunden mit dem Frieden, der auch fortan sowohl in der
Gemeinde, als anderen Konfessionen gegenüber auf das ängstlichste gehütet
werden möge.’ Jetzt ergriff der erst seit wenigen Tagen in das Amt
getretene Bürgermeister Herr Neumeyer das Wort. An die Mahnung des Herrn
Vorredners zum Frieden anknüpfend, versicherte auch er die israelitische
Kultusgemeinde der fortwährenden Sympathie der Stadt und ihrer Vertreter
und schloss mit dem gewiss beherzigenswerten Satze: ‚An diesem Steine mögen
die Feinde zerschellen, und den Freunden sei er eine Stütze!’ Nach
einem von Herrn Rechtsanwalt David Fränkel auf Seine Majestät den
Pfalzgrafen und König Ludwig II. aufgebrachten Hoch, in das sämtliche
Anwesenden mit Begeisterung einstimmten, schloss diese herrliche Feier." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Jeschurun" Alte Folge 1883 S. 798:
"Kaiserslautern, 29. Oktober (1883). Heute Nachmittag hat die Feier
der Grundsteinlegung der neuen Synagoge stattgefunden. Es ist dies in der
Tat als eine schöne Errungenschaft hiesiger Gemeinde zu betrachten.
Dieselbe hat in verhältnismäßig kurzer Zeit einen gewaltigen Aufschwung
genommen. Während im Jahre 1800 hier überhaupt noch keine Israeliten
wohnten, und man einige Jahre später nur 5 israelitische Familien
zählte, konnte schon 1846, wo die Gemeinde bereits als 50 Familien
bestand, die erste Synagoge erbaut werden. Jetzt wohnen hier nach der
letzten Volkszählung 716 Juden. Dass von antisemitischer Bewegung hier
keine Rede ist, zeigt die Tatsache, dass der Akt der Grundlegung der neuen
Synagoge vom Herrn Bezirksamtmann Schmitt vollzogen wurde, wobei er den
Wunsch aussprach, dass aus dem begonnenen Bau der Gemeinde Einigkeit,
Opferwilligkeit und Friede erstehe. Gleich herzlich sprach unser neuer
Bürgermeister Herr Anwalt Neumeyer. Die Festrede hielt Herr
Bezirksrabbiner Dr. Landsberg. - Überhaupt fand die Feier unter großer
Teilnahme nicht nur der israelitischen Gemeindemitglieder, sondern auch
der Nehörden und der Einwohnerschaft statt. Möge uns der Friede und das
Ansehen hiesiger Gemeinde stets erhalten bleiben. 'Der Ewige gibt Macht
seinem Volke, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden' (Psalm
29,11)." |
Am 26. Februar 1886 war die feierliche
Einweihung der neuen Synagoge. Die Baukosten betrugen 193.328 Mark. Es handelte sich bei der
Synagoge in Kaiserslautern um einen repräsentativen Ritualbau, die prächtigste
Synagoge der Pfalz. Charakteristisch waren die maurischen Formen. Der
zweigeschossige Quaderbau war als Zentralbau angelegt und von einer zentralen
Kuppel mit Ecktürmen bekrönt. Die Spitze der Kuppel lag 37 m über dem
Erdboden. Über den Tag der Einweihung liegt ein Bericht aus der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1886 vor, der vermutlich aus
der Lokalpresse übernommen wurde:
Kaiserslautern,
26. Februar (1886). "Allgemeine festliche Stimmung!" Diese
Physiognomie trägt seit heute Morgen allenthalben die alte
Barbarossastadt: unsere israelitischen Mitbürger feiern nämlich heute
Nachmittag das ernste und erhebende Fest der Einweihung ihrer prachtvollen
neuen Synagoge; wirklich prachtvoll ist der "Neue Tempel", ein
Monumentalbau, auf den Kaiserslautern stolz sein kann. Sowohl der Entwurf
der Pläne des Prachtbaues, als auch die gesamte Bauleitung wurden
seinerzeit dem Architekten Herrn Ludwig Levy dahier übertragen, und
wahrlich, er hat sein Werk so zu Ende geführt, dass es seinen Meister
lobte.
Im Juni des Jahres 1883 wurde der Bau begonnen und obwohl die Fundamente
unter ganz schwierigen Verhältnissen im sogenannten "alten Stadtwoog"
(einer tiefliegenden nassen Wiese, die durch Aufführung um ca. 3 Meter
erhöht wurde) aufgeführt werden mussten, so waren sie doch schon im
Herbst beendigt und fand Ende Oktober des gleichen Jahres die feierliche
Grundsteinlegung statt.
Bezüglich des angewendeten Stiles der neuen Synagoge ist zu bemerken,
dass dieselbe den byzantinischen Gewölbebau zum Ausdruck bringt, in der
Dekoration jedoch an die arabisch-maurischen Bauten anklingend erscheint,
alles aber unserem Klima und unseren Verhältnissen |
angepasst wurde. Der Ritus verbietet
die Darstellung von figürlicher Dekoration und wurden vom Meister deshalb
geometrische und pflanzliche Flächenornamente durchgängig angewendet. Die
Längsrichtung des Tempels ist gegen Sonnenaufgang, daher befindet sich der Chor
mit dem Allerheiligsten (der Raum zur Aufbewahrung der Torarollen) im Osten, die
Haupteingänge im Westen. Das Gesicht des Andächtigen ist gegen das
Allerheiligste gewendet, über dem die Morgensonne durch die reich bemalten
Fenster hereinbricht.
Um es kurz zu fassen, wollen wir sagen: Der ganze Monumentalbau zeichnet sich
durch eine künstlerisch sehr günstig bemessene Einfachheit aus, welche
demselben den Eindruck des Erhabenen verleiht und infolge dessen der plastische,
sowie malerische Schmuck - dem Charakter des ganzen Baues entsprechend - eine
ruhige, würdige Pracht auf den Beschauer ausübt, ohne prunkhaft oder
überladen zu wirken. Noch besonders erwähnenswert sind die prachtvollen Parochot-(Toravorhang)
Stickereien aus dem rühmlichst bekannten Atelier von Heimerdinger in Karlsruhe.
Der Außenbau mit den schönen Kuppeln, die besonders gelungen erscheinen, den
großen architektonischen Massenverhältnissen und der angenehmen Abwechslung
des grauen und roten Sandsteines ergeben eine sehr günstige und malerische
Wirkung. Der schöne Bau mit den sich sehr vorteilhaft abwechselnden Silhouetten
wirkt allseitig sehr günstig und bleibt gewiss - wie schon erwähnt - eine
sehenswerte Zierde unserer Stadt.
Um auf das Fest selbst zu kommen, können wir mit Vergnügen konstatieren, dass
eine große Anzahl von auswärtigen Gästen - empfangen von Verwandten und
Freunden - bereits mit den Frühzügen eingetroffen ist. Die Stadt ist festlich
beflaggt. Um 2 Uhr beginnt der Umzug von der alten in die neue Synagoge.
Am 26. Februar, Punkt 2 Uhr, Freitag nachmittags waren die Festteilnehmer in und
vor der alten Synagoge versammelt, während die Gäste, welche daselbst keinen
Platz zu erhalten befürchteten, in der nächsten Nähe des neuen Tempels
Aufstellung nahmen, um sich sodann dem Zuge beim Eintritt desselben in das
Gotteshaus anzuschließen. Der Umzug verlief programmmäßig. Mit einer
ergreifenden Ansprache des Rabbiners und Aushebung der Torarollen wurde Abschied
von der alten Synagoge genommen und - die Jugend mit ihrem Lehrer voraus - unter
dem Donner der Böller der Weg zum neuen Gotteshause angetreten. Es folgten nun
die Musik des königlich-bayerischen 18. Infanterie-Regiments, der
Synagogenchor, |
die Gemeindeältesten /welche einen rührenden Anblick
gewährten) mit den Torarollen, begleitet von reizenden Festjungfrauen, - der
Rabbiner mit dem Kantor, zwei Vertreter der königlichen Regierung, der
königliche Bezirksamtmann, der Vorstand und der Vorsitzende der Baukommission,
sodann Bürgermeister, Adjunkten und Synagogenausschuss, ferner verschiedene
Mitglieder königlicher Behörden und einige protestantische Geistliche, der
Stadtrat, Ehrengäste, die Mitglieder der Kultusgemeinde und zum Schluss eine
kolossale Menge von Festteilnehmern.
Die Straßen, welche der Festzug passierte, waren mit einer dichtgedrängten
neugierigen Menge eingefasst.
Beim Eintreffen am Portale des Tempels überhab Architekt Levy mit einer
Ansprache an den königlichen Bezirksamtmann Schmitt demselben den Schlüssel
zum Gotteshause und dieselben denselben mit einigen Worten dem Bezirksrabbiner
Dr. Landsberg, welcher das Tor der Synagoge erschloss.
Die Räume derselben waren bald überfüllt und begannen die herrlichen
Vorträge des Synagogenchores. Nach Einführung der Torarollen in ihre neue Lade
folgte die geistreiche Predigt des Bezirksrabbiners und zum Schlusse die
rituelle Einweihung des Tempels. Damit war die kirchliche Feier, der noch ein
Abendgottesdienst für die Kultusangehörigen folgte, zu Ende. |
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| Die "Allgemeine Zeitung des Judentums
berichtete über die Einweihung der Synagoge: |
Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1886:
"In Kaiserslautern wurde die neu erbaute Synagoge unter allgemeiner
Teilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht. Das sehr gelungene
Gebäude gereicht der Stadt zur Zierde." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. März 1886:
"Wir haben bereits die feierliche Einweihung der neuen prächtigen
Synagoge zu Kaiserslautern am 26. Februar erwähnt. Dieselbe ging unter
großer Teilnahme der ganzen städtischen Bevölkerung, welche viele
Häuser beflaggt hatte, vor sich. Außer dem Regierungsvertreter, vielen
Beamten und Honoratioren wohnte auch die evangelische Geistlichkeit der
Einweihung bei. Diese machte aber auch durch die ausgezeichnete Festrede
des Bezirksrabbiners Dr. Landsberg, durch das Spiel auf der vortrefflichen
Orgel, den gut eingeübten Synagogenchor und den schönen Vortrag des
Kantors Herrn Feibelmann einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. So
bietet nicht nur das Gebäude einen weihevollen Anblick, sondern auch der
wohl geordnete Gottesdienst die Hoffnung, dass sich in diesem Gotteshause
viele Geschlechter erbauten und religiös läutern
werden." |
Über die neue Synagoge in Kaiserslautern (1886)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. September 1886: "Die neue
Synagoge in Kaiserslautern. Wir haben zurzeit über die Einweihung der
neuen Synagoge zu Kaiserslautern berichtet. Jüngst brachte nun die
‚Frankfurter Zeitung’ einen Bericht über die Synagoge, welchem wir
einige interessante Bemerkungen entnehmen. Der Architekt, der dieses schöne
Bauwerk geschaffen, ist der renommierte Herr Ludwig Levy. Indem man sich
nicht begnügte, dem ersten besten Bauunternehmer ein Werk zu
veraccordieren, das für höhere Zwecke bestimmt ist, sondern sich einen tüchtigen
Künstler auswählte, hat die kleine Gemeinde ihrem Bildungsgrade ebenso wohl
wie dem edlen Ernste, der sie leitete, ein schönes Zeugnis ausgestellt
und es ist nur zu wünschen, dass ihr Beispiel auch anderwärts bei viel
Größeren und Mehrvermögenderen zünden möge, die durch sie in Schatten
gestellt sind. Sicher dankte sie auch diesem Umstande den hohen Grad von
Wohlwollen, mit dem die bayerische Regierung ihre Zwecke unterstützt und
gefördert hat. In der Wahl des Architekten hat der Bauausschuss
entschieden Glück gehabt, wenn irgendwo, hat sich hier der Architekt
gelohnt. Während gerade die Herren Praktiker so häufig das Geld an
unrechter Stelle wirkungslos vergeuden, kann man hier sehen, mit wie
geringen Mitteln tüchtige Schulung und künstlerische Reife einen
durchaus würdigen, befriedigenden Monumentalbau hinzustellen versteht,
der außerdem noch dem Bilde der Stadt eine dauernde Zierde verleiht. Die
Gemeinde selbst zählt circa 700 Köpfe und die Bausumme beträgt |
in Allem
circa 200.000 Mark. Bekanntlich wird für Gebäude des israelitischen
Kultus von den Architekten vorzugsweise der arabische Stil gewählt, weil
man mit ihm in Erinnerung des orientalischen Ursprungs, am Besten die
beabsichtigte Stimmung erzeugen zu können glaubt. Erst in neuerer Zeit
hat man hie und da den Versuch mit einer jüngeren Epoche gemacht, indem
man sich an die vorhandenen jüdischen Baudenkmale des Mittelalters auf
unserem Boden anschloss. Der gewiss nicht minder natürliche Weg, sich der
architektonischen Formensprache unserer Zeit, der Renaissance, zu
bedienen, ist dagegen meines Wissens bei einem irgend beachtenswerten
Werke noch nicht eingeschlagen worden. Auch Ludwig Levy hat den maurischen
Stilcharakter zugrunde gelegt. Diesen durch vielfache Anwendung
mittelalterliche Konstruktionsmotive zu modifizieren und durch ein in
modern renaissancistischer Weise durchgebildetes Detail zu einem
harmonischen ganzen zu verschmelzen, ist eine Aufgabe von nicht zu
unterschätzender Bedeutung, an der schon gar viele Vorgänger gescheitert
sind und nur ernstestes Studium, tüchtige, natürliche Anlagen und ein
gesunder Geschmack können ein so befriedigendes Resultat erreichen, wie
es hier zu unserer Freude vorliegt. Die
hoch befriedigende Wirkung des Innern beruht zum nicht geringen Teil auf
der wohlverstandenen sehr gut gelungenen Anwendung der Farbe. Die
Farbengebund ist ebenso dezent und energisch und hält sich trotz der mäßigen,
zur Verfügung gestellten Mittel ebenso weit entfernt von Ärmlichkeit wie
von Überladung, sodass die Grundformen der Architektur auf das Schönste
zur Geltung kommen und gehoben werden. Der brave Meister verdient gewiss
redlich das Lob, das ihm von Seiten des Bauleitenden so reich zuteil
geworden ist. Es war ein schönes erhebendes Fest, das Ende Februar des
Jahres zu Kaiserslautern gefeiert wurde zur Einweihung der neuen Synagoge
– ein Fest des Friedens und der Eintracht! Mögen noch recht viele
ebenso tüchtige Leistungen Veranlassung zur Feier so erfreulicher Feste
in unserem lieben Vaterlande geben! A. Linnemann." |
Prominente Besuche in der Synagoge: Die Synagoge galt in den folgenden Jahrzehnten als besondere
Sehenswürdigkeit der Stadt. Auch viele prominente Personen statteten ihr einen
Besuch ab. Zu besonderen Anlässen wurden in der Synagoge wie in den Kirchen der
Stadt Gottesdienste abgehalten.
Trauerfeierlichkeiten in der Synagoge
aus Anlasse des Todes von König Ludwig II. (1887)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1887: "Aus
Bayern, 29. Juni (1887). Es ist auch in dieser Zeitung bereits
ausgesprochen worden, wie tief die Trauer über die Katastrophe, die den
König Ludwig II. betroffen, bei den bayerischen Israeliten ebenso wie bei
ihren andersgläubigen Mitbürgern ist. Selbstverständlich betätigte
sich diese in den Trauerfeierlichkeiten, welche in den Synagogen des
Landes begangen worden. Es liegen darüber Berichte vor, zum Beispiel aus Bayreuth....
- Aus Kaiserslautern erhalten wir bereits gedruckt die am 22.
dieses Monats bei dem Trauergottesdienste in der Synagoge vom Bezirksrabbiner
Dr. Landsberg gehaltene Predigt, welche in würdigster Weise alle die
Gefühle zum Ausdruck bringt, die in solchem Momente das menschliche Herz
und die patriotische Gesinnung erregen." |
Seine Königliche Hoheit, der bayerische Prinzregent
besucht die Synagoge (1888)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1888: "Kaiserslautern,
24. September (1888). Auch noch in der Gegenwart ist es für die jüdische
Religionsgenossenschaft von erheblicher Wichtigkeit, wenn ihr der Souverän
des Landes in Person eine willkommene Aufmerksamkeit zuwendet und auf
diese Weise unumwunden erklärt, wie er ihre Gleichberechtigung im Staate
anerkenne. Es war deshalb eine erhebende Ehrenbezeugung für die hiesige
Gemeinde, dass seine königliche Hoheit der Prinzregent während seines
verhältnismäßig kurzen Aufenthaltes in hiesiger Stadt die Synagoge mit
seinem Besuche beehrte.
‚Als der Wagen, in dem Seine Königliche Hoheit saß, sich dem Portale
der Synagoge näherte, ging der Rabbiner, Herr Dr. Landsberg, begleitet
von den Gemeindevertretern, dem hohen Gast entgegen und begrüßte ihn mit
folgenden Worten: ‚Allerdurchlauchtigster Prinz und Prinzregent! Allergnädigster
Regent und Herr! Wie der königliche Sänger einst, so rufen auch wir in
diesem für die israelitische Gemeinde hiesiger Stadt so bedeutsamen
Momente aus der Tiefe unseres Herzens: ‚Gesegnet im Namen Gottes, der
jetzt hier einzieht!’ Drei Jahre sind verflossen, seitdem Eure Königliche
Hoheit unserer Gemeinde die hohe Ehre vergönnt, dieses zurzeit im Bau
begriffene Gebäude zu betreten. Inzwischen waren wir in der glücklichen
Lage, dieses herrliche Gotteshaus durch Gottes Hilfe, durch die Hilfe der
hohen königlichen und städtischen Behörden und vor Allem auch durch die
außerordentlich große Opferfreudigkeit der Gemeindemitglieder dem zu
weihen, dem wir hier in Gemeinschaft und Andacht anrufen und zu dem wir
allsabbatlich beten für dass Leben und die Gesundheit unseres erhabenen
Regenten, der im Namen Seiner Majestät unseres Königs und Herrn mit so
sicheren Händen das Staatsruder lenket. Gestatten nun Königliche Hoheit,
dass ich jetzt, da wir diesen seltenen Moment feiern, im Geiste unserer
Religion das Wort der heiligen Schrift ausspreche, das Gott einst seinem
Knechte entboten und das an Eurer Königlichen Hoheit sich erfülle, das
Wort: ‚Es segne Dich der Herr usw. Amen!’.
Der Prinzregent dankte dem Sprecher in herzlicher Weise und ließ
sich von ihm und der Gemeindevertretung in die Synagoge und vor die geöffnete
Loge unter Orgelklang führen, richtete mehrere Fragen an den Rabbiner und
verabschiedete sich mit nochmaligem Danke. Der Rabbiner wurde zum Diner
befohlen, zu welchem er sich auch dankbarlichst einstellte. Es ist natürlich,
dass die Gemeinde sich durch diesen Vorgang sehr gehoben fühlt." |
Am 18. Juni 1894 berichtet die Zeitschrift "Der Israelit"
vom Aufenthalt Prinz Ludwigs von Bayern am 28. Mai 1894 in Kaiserslautern und
insbesondere in der Synagoge.
Aus der Pfalz, 28. Mai (1894). Am letzten Sabbat, den
26. dieses Monats, beehrte der Prinz Ludwig von Bayern, Sohn des Prinzregenten
von Bayern, auf seiner Reise durch die Pfalz auch die Stadt Kaiserslautern
mit seinem Besuche. Obgleich ein offizieller Empfang nicht stattfand, so ließ
er sich doch nach seinem Eintreffen auf dem Bahnhofe die zu seiner Begrüßung
gewünschten und erschienenen Herren - die Mitglieder der Behörden und der
Geistlichkeit - unter Anderen auch den Bezirksrabbiner Herrn Dr. Landsberg,
vorstellen, an welchen er freundliche Worte richtete und dem er auch versprach,
die neue Synagoge zu besichtigen. Nach einer Stunde etwa erschien der hohe Herr
mit Gefolge an der Pforte der Synagoge und wurde von dem Herrn Rabbiner und der
Gemeindevertretung feierlichst empfangen. Herr Dr. Landsberg hielt eine
herzliche tief empfundene Ansprache, die der Prinz unbedeckten Hauptes,
sichtlich erfreut, anhörte und schloss mit dem Priestersegen. Unter Führung
des Rabbiners betrat der Prinz die Synagoge, ließ sich genau Alles erklären,
was sich auf den Gottesdienst etc. bezieht, und sprach seine hohe Befriedigung
aus über die ganze Einrichtung und den Bau der Synagoge. Mit herzlichen Worten
des Dankes und der Anerkennung verabschiedete sich der hohe Herr von dem Rabbiner,
der in äußerst würdiger und taktvoller Weise die Gemeinde vertrat. Alle aber,
die Zeuge waren dieser kurzen, aber wirkungsvollen Feier, erhielten den
Eindruck, dass es zu wünschen wäre, wenn gekrönte Häupter, oder solche, die
diesen nahe stehen, öfter das zu hören bekämen, was Herr Dr. Landsberg in
seiner Ansprache dem Prinzen Ludwig von Bayern gesagt: "Hier in diesem
Gotteshause wird die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen gelehrt, aber auch die
Liebe zum Vaterlande und dem angestammten Fürstenhause, auf dass diese Lehren
von Allen, die sie vernehmen, auch im leben bewahrt und beherzigt werden."
- Über den bevorstehenden Besuch des Prinzregenten, der gleichfalls zu
wiederholten Malen die Kaiserslauterer Synagoge besuchen will, hoffen wir
demnächst berichten zu können. |
Regierungspräsident Freiherr von Welver besucht die
Synagoge (1897)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juli 1897: "Aus der
Pfalz, 30. Juni (1897). Der neue Regierungspräsident, Freiherr von
Welver, der sein neues Amt angetreten, hat gelegentlich seines Besuches
der ihm nun unterstellten Provinz es sich nicht nehmen lassen, überall,
wo in den jüdischen Gemeinden eine sehenswerte Synagoge sich befindet,
dieselbe zu besichtigen. So berichtet die ‚Pfälzisches Presse’: ‚In
der Synagoge zu Kaiserslautern wurde der Herr Regierungspräsident am
Portal vom Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und dem Synagogenausschusse
feierlichst empfangen. Der Herr Rabbiner begrüßte den hohen Gast mit den
Worten: ‚Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn’ – als der
Vertreter Seiner königlichen Hoheit in der Pfalz, und schloss mit Worten
des Segens für den Letzteren. Der
Herr Rabbiner geleitete den hohen Gast in die Synagoge, die derselbe mit
lebhaftem Interesse in Augenschein nahm. Besonders machte die erleuchtete
‚heilige Lade’ einen tiefen Eindruck auf ihn. Mit wiederholten
Dankesworten empfahl sich der Herr Regierungspräsident von dem Herrn
Rabbiner und den Herren des Ausschusses.’ Es versteht sich, dass bei der
offiziellen Beamtenvorstellung auch die Rabbiner der Pfalz alle beordert
waren. Wir registrieren diesen Umstand, um die Stellung der Rabbiner in
der Pfalz und in Bayern zu charakterisieren." |
Neben besonderen Höhepunkten in der Geschichte der Synagogen gab es auch
immer wieder anderes zu berichten:
Einbruch in die Synagoge (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1908: "Kaiserslautern,
9. Dezember (1908). In der letzten Nacht wurde in der hiesigen Synagoge
eingebrochen. Die Diebe gelangten durch einen Luftschacht in das Innere.
Sie waren gerade daran, den Opferstock mit der Axt zu zertrümmern, als
eine Polizeipatrouille vorüber ging und das Geräusch wahrnahm. Es
gelang, die beiden Einbrecher, zwei 19jährige Burschen, dingfest zu
machen." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Dezember 1908: ähnlicher
Artikel wie oben im "Israelit". |
NS- Zeit
In der NS-Zeit konnten noch bis zum Sommer 1938 Gottesdienste
abgehalten werden. Über eine "religiöse Weihestunde" in der
Synagoge mit einem Vortrag liegt noch vom Mai 1936 ein Bericht
vor:
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni
1936: "Kaiserslautern. Am Sonntag, 17. Mai, nachmittags 6 Uhr,
fand in der Synagoge eine religiöse Weihestunde statt. Nach einleitendem
Orgelspiel (Herr Dr. Walter Rheinheimer) und Chorgesang (Laadonoj hoores)
mit Solo des Herrn Kantor Kornfeld ergriff Herr Synagogenvorstand Strauß
aus Bad Dürkheim das Wort zu
seinem Vortrag: 'Die Stellung des Judentums im Laufe der Zeiten zur
körperlichen Arbeit, insbesondere zu Handwerk und Ackerbau.' Unter Angabe
zahlreicher Belegstellen wies er nach, dass bei den Propheten, in der
nachbiblischen Zeit, nach den Bestimmungen des Talmuds und auch im neueren
hebräischen Schrifttum die Wertschätzung der körperlichen Arbeit immer
wieder zutage tritt und dass Handwerk und Ackerbau den Juden, die
ursprünglich ein reines Bauernvolk waren, als die Grundlage der
menschlichen Betätigung erschien. Er ging darauf ein, dass das
Mittelalter durch Ghetto und Gesetzgebung den Juden den Zugang zu Berufen
mit körperlicher Arbeit verschloss, dass aber trotzdem der Sinn für
solche Betätigung nicht völlig schwand. Denn sofort nach dem Fallen der
Ghettomauern wandten sich zahlreiche Juden dem Ackerbau und dem Handwerk
zu. Er erwähnte hier besonders den Zentralverband der jüdischen
Handwerker in Deutschland. Zum Schluss richtete der Redner einen warmen
Appell an die zahlreich Erschienenen, der ausklang in der Mahnung zur
Pflichterfüllung und zum Gottvertrauen. Mit Chorgesang (Halleluja) und
Orgelspiel schloss die erhebende Feier, die bei allen Beteiligten
nachhaltige Wirkung hinterließ. Dr. Blüthe." |
1938 wurde die Synagoge auf Druck der NS-Behörden bereits vor der
Pogromnacht im November dieses Jahres beseitigt. Die Kultusgemeinde wurde von der Stadtverwaltung gezwungen,
die Synagoge aufzugeben. Am 27. August 1938 fand eine Abschiedszeremonie
der Gemeinde statt. Die Abbrucharbeiten begannen am 31. August 1938. Am Sabbat,
dem 17. September erfolgte eine erste Sprengung; eine zweite Sprengung wurde am
9. Oktober durchgeführt. Ab 1939 wurde das Synagogengrundstück als
Aufmarschplatz verwendet, 1943 wurde auf dem Gelände ein
Luftschutzbunker erstellt.
Nach dem Krieg erhielt die Jüdische Kultusgemeinde von der Stadt eine
Entschädigung in Höhe von 265.000 Mark. Anfang Oktober 1980 wurde das
Grundstück in "Synagogenplatz" umbenannt und ein Gedenkstein
errichtet (Inschrift: "Hier stand die Synagoge. 1886-1938"). 2003 wurde ein Teil eines Seitenportals rekonstruiert. Der
Grundriss der Synagoge ist am Verlauf einer Buchsbaumhecke erkennbar.
Die jüdische Gemeinde erhielt im Gegenzug für die zerstörte Synagoge 1938
einen Betsaal in dem aus hygienischen Gründen nicht mehr benutzbaren
ehemaligen Zuchthaus zugewiesen. In der Pogromnacht im November 1938 wurde dieser
Betsaal durch Brandstiftung völlig zerstört.
Nach 1945
Nach 1945 zogen in Kaiserslautern wieder - zunächst nur wenige -
Juden zu. Ein erster Betsaal wurde 1961 in dem Wohnhaus Schlossstraße
2/II eingerichtet. Dieses Gebäude besteht nicht mehr. Es wurde im Oktober 1967
abgebrochen. 1965 wurde ein ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus von
der jüdischen Kultusgemeinde zu einer Synagoge umgebaut. Die Einweihung war am
24. September 1965 durch Rabbiner Shlomo Levon. Bis heute finden hier die
Gottesdienste der Gemeinde statt (Standort: Basteigasse 4). Zuletzt wurde das
Gebäude im Jahr 2000 umgebaut und beinhaltet neben dem Betsaal u.a. die Räume
der Gemeindeverwaltung und der Religionsschule.
Fotos
Die meisten der Fotos wurden bereits mehrfach publiziert; die
Originale finden sich großenteils im Stadtarchiv Kaiserslautern. Vgl.
Gedenkbuch der Synagogen s.Lit.
| Bau der neuen Synagoge um 1884 |
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Die neue Synagoge,
1886 eingeweiht,
1938 zerstört |
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| Die
Synagoge als beliebtes Ansichtskartenmotiv |
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Innenaufnahmen
(Quelle: |
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Blick zum Toraschrein |
Blick zur Empore mit Orgel |
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August bis Oktober 1938
Die Zerstörung der Synagoge |
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| Straßenbauarbeiten im
Spätsommer 1938 - kurz vor Beginn der Zerstörung |
Sprengung und Abbruch der Synagoge |
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| Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge
Kaiserslautern |
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weitere Informationen siehe Seite
der Technischen Universität Darmstadt |
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Synagogendenkmal von 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.6.2009) |
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Das Denkmal
besteht neben den Gedenksteinen aus nachgebauten Fragmenten zweier Pfeiler
der Nordfassade. Dieser Teil war 1938 als letzter zum Einsturz gebracht
worden. |
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| Über
"Fernrohre" an sieben Standpunkten des Synagogenplatzes ist der
Blick auf die Synagoge vom Standort des Betrachters zu sehen. Zu sehen ist
jeweils eine Darstellung aus der 3D-Computer Rekonstruktion der TU
Darmstadt. |
Blick auf die beiden
nachgebauten Pfeiler der Nordfassade. Auf der Rückseite finden sich die
Namen der aus Kaiserslautern deportierten und ermordeten jüdischen
Personen |
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| Hinweistafeln zur
Geschichte der Synagoge und zur 3D-Computer Rekonstruktion |
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JISKOR (Gedenke)
- Zur Erinnerung an die zerstörte Synagoge der jüdischen Gemeinde
Kaiserslautern 1886-1938 -
LO TIRZACH ("Du sollst nicht morden") - Zum
Gedenken an die während der Nazizeit ermordeten jüdischen Bürger aus
Kaiserslautern |
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Gedenkinschrift - Namen: |
Hans Gerd Angress - Elfriede
Chaim |
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| Renate Chaim - Julius Fraenkel |
Karl Fraenkel - Elsa Hene |
Emil Hene - Salomon Kayem |
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| Jenny Kehr - Julius Lazarus |
Meta Lazarus - Berthold Meyer |
Alfred Moritz - Bernhard Resch |
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| Jakob Roelen - Hermann Sklarek |
Ludwig Sklarek - Moses Tuteur |
Robert Tuteur - Frieda
Wolfheimer |
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Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| Oktober 2010:
Gedenken an die Deportation nach Gurs im Oktober
1940 |
Foto
links: von links: Jürgen Hoffmann-Biundo, Referat Soziales, und Beigeordneter Joachim Färber legen einen Kranz zum Gedenken an die 1940 deportierten Juden aus Kaiserslautern am Synagogenplatz nieder. © Stadt Kaiserslautern.
Pressemitteilung der Stadt Kaiserslautern (Quelle;
Autoin: Claudia Mühlberger - Pressestelle) vom 22. Oktober
2010:
"Gedenken an deportierte Juden aus Kaiserslautern
Kranzniederlegung durch den Beigeordneten Färber am Synagogenplatz "Heute vor 70 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden 49 Juden aus Kaiserslautern nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Ihrer und aller, die der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind, wollen wir heute Gedenken", so Joachim Färber, Beigeordneter der Stadt Kaiserslautern. Gemeinsam mit Jürgen Hoffmann-Biundo, Referat Soziales, legte Färber einen Kranz im Namen der Stadt Kaiserslautern am Synagogenplatz nieder. "Es ist wichtig, sich zu erinnern, sich aktiv mit der Geschichte auseinander zu setzen und eine Erinnerungskultur aufrecht zu erhalten", sagte Färber. Darüber hinaus müsse man auch heute dem Rechtsextremismus aufmerksam begegnen und solchen Bewegungen entgegenwirken, unterstrich der Beigeordnete.
Über 6.500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland wurden am 22. Oktober 1940 auf Anweisung des badischen Gauleiters Robert Wagner und des pfälzischen Gauleiters Josef Bürckel in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich gebracht. Einige Menschen starben bereits nach wenigen Tagen und Wochen. Andere wurden in Gurs, Auschwitz oder anderen Vernichtungslagern grausam ermordet. In Kaiserslautern waren 49 Menschen für die Abschiebung vorgesehen. Nachweislich wurden 45 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger verschleppt: 22 Frauen im Alter zwischen 28 und 79 Jahren, 15 Männer im Alter zwischen 37 und 85 Jahren und acht Kinder zwischen einem Jahr und elf Jahren. Nur 18 von ihnen erlebten das Jahr 1945, in dem das Konzentrationslager Auschwitz durch die sowjetischen Truppen befreit wurde. Seit 1996 erinnert der Nationale Gedenktag am 27. Januar an dieses Ereignis." |
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Links und Literatur
Literatur (kleine Auswahl):
 | Germania Judaica II,1 S.
384-385. |
 | Art. "Kaiserslautern" in: "und dies ist
die Pforte des Himmel". Synagogen Rheinland-Pfalz - Saarland. Reihe: Gedenkbuch
der Synagogen in Deutschland Bd. 2. 2005 S. 197-203 (mit weiteren
Literaturangaben). |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Dahn 2005 S.
91-93 (mit weiteren Literaturangaben). |
Links:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Kaiserslautern Palatinate. Jews are
first mentioned in 1293. They were attacked and expelled from the dity in the
disturbances of 1349 and 1383 and in 1395 were permanently banned by the
Palatinate elector, the future Rupert II.
Only in 1798, under French aegis, were the Jews again allowed to settle with
full civil rights. In the mid-19th century, most Jews belonged to the middle
class and were active in local life, joining the civil guard and serving on the
municipal council. A synagogue was consecrated in 1848 and a Jewish school
existed from 1837 to 1875, when all the city's parochial schools were
consolidated into a single public school system. With the onset of industrial
development in the 1860s, the Jewish population began to grow, rising from 108
in 1835 to 716 (total 26,323) in 1880. Jews opened a number of factories (cigars,
soap, sewing machines, gaiters, leather, etc.). A bank and two department stores
were also owned by Jews. By 1913, Jewish breadwinners included 88 merchants, 11
industrialists, three doctors, and seven lawyers and notary publics. Organized
antisemitic incitement became prevalent in the 1880s. Antisemitic incidents,
such as the desecration of the Jewish cemetery, also occured during the late
Weimar period (1925-33). In 1933, when the Nazis came to power, the Jewish
population was 648. Jews were dismissed from jobs in the civil service. By 1937,
as a result of Nazi boycott and other discriminatory measures, 21 % of the Jews
in Kaiserslautern became dependent on Jewish Winter Aid. In 1938, the community
was forced to sell the synagogue to the municipality and the building was pulled
down in September 1938. In its place, the community received a room in a disused
prison. By October 1938, more than half the Jews had left, the majority to the
United States and Palestine. On Kristallnacht (9-10 November 1938), 110
of 160 Jewish homes were vandalized as well as many stores; Torah scrolls were
burned. About 50 Jewish men were sent to the Dachau concentration camp.
Subsequently about 250 Jews left the city. In 1939, 90 remained. On 22 October
1940, 48 were deported to the Gurs concentration camp. Others were deported
through March 1945. In all, 76 perished in the Holocaust, including 36 in France
and 20 in Auschwitz.
A postwar community grew to 150 in the 1950s.

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