Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge  

Hinweis: aktuelle Mitteilungen der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz K.d.ö.R. siehe unter www.jkgrp.de   

  
Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagogen   
Mittelalter und 19. Jahrhundert bis 1849  
Die (alte) Synagoge (von 1849 bis 1886) 
Die neue Synagoge (von 1886 bis 1938) 
Nach 1945  siehe weitere Seite    
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur 

   
Es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Kaiserslautern (interner Link)  
sowie eine Seite zum jüdischen Friedhof in Kaiserslautern (interner Link)     
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
  
In Kaiserslautern bestand bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Familien lebten überwiegend in der "Judengasse" (führte von dem Knie der Glaser- zur Marktstraße) neben dem Altenhof. Die Gemeinde wurde während der Verfolgung in der Pestzeit vernichtet. 1383 wird wieder ein Jude aus Kaiserslautern genannt, der in diesem Jahr nach Neustadt an der Weinstraße übersiedelte. 1398 kam es zur Vertreibung der Juden aus der Stadt. Von da an bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten nur ausnahmsweise einige Juden in der Stadt (1688/98 zwei aus Worms vertriebene Juden).
 
Die heute wichtigste erhaltene Erinnerung an die mittelalterliche jüdische Geschichte ist ein rituelles Bad (Mikwe) aus dem 14. Jahrhundert, das 1995 bei Ausbauarbeiten der Kreissparkasse am Altenhof freigelegt wurde. Es handelt sich um ein Tauchbad, das 2,40 x 2,50 m groß und in den Fels eingeschrotet ist. Es hat heute noch Grundwasserzulauf, war jedoch, nachdem die jüdische Gemeinde 1398 aus Kaiserlautern vertrieben worden war - zugeschüttet worden. Die ehemalige Mikwe ist erhalten und kann im Rahmen geführter Touren besichtigt werden.   
   
Um 1800 war unter der französischen Herrschaft ein erneuter Zuzug von Juden nach Kaiserslautern möglich. Mehrere Familien aus umliegenden Dörfern zogen in die Stadt. 1801 wurden noch keine jüdischen Einwohner gezählt, 1808 waren es 23 (0,5 % der Gesamteinwohnerschaft). 1809/10 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände in der Stadt genannt: Loeb Bär, Isaac Dreyfuß (Metzger), Isaac Falk (Metzger), Benjamin Grünbaum, Jacob Haymann, Isaac Homann, Jacob Leid(t)ersdorf, Gebrüder Levi, Samuel Mayer (Metzger), Joseph Simon (Metzger), Jacob Stern, Gebrüder Weill.  
 
Nach 1815 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu, sodass 1823 52, 1834 108, 1848 214 jüdische Einwohner (in 44 Haushaltungen) gezählt werden konnten. Im Jahr der Grundsteinlegung der neuen Synagoge 1883 wurden 716 jüdische Einwohner gezählt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1905 mit 779 Personen erreicht. Zur jüdischen Gemeinde Kaiserslautern gehörten auch die in Mehlingen und Gunbach lebenden jüdischen Personen (1924 5 beziehungsweise 10 Personen). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde u.a. eine Synagoge (s.u.), eine Schule (Israelitische Elementarschule seit 1838, erster Lehrer: Walz), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Seit 1827/28 war Kaiserslautern Sitz eines Bezirksrabbinates für die damals etwa 30 jüdischen Gemeinden in den Bezirksämtern Kaiserslautern, Kirchheimbolanden und Kusel (zunächst noch Sitz des Rabbinates in Münchweiler am Alsenz, seit 1834 in Kaiserslautern). Erster Rabbiner war bis zu seinem Tod im März 1843 Moses Cohen aus Untermerzbach/Unterfranken. Sein Nachfolger war Rabbiner Ludwig Seligmann, der sich allerdings mit der Gemeinde immer weniger verstand, sodass 1863 der Sitz des Bezirksrabbinates nach Kirchheimbolanden verlegt werden musste. In Kaiserslautern war daraufhin als Rabbinatskandidat Moses Seligmann tätig (bis 1879; Rabbiner Ludwig Seligmann ist am 27. Juni 1879 gestorben)). Seit 1880 war als Bezirksrabbiner Dr. Wilhelm Landsberg angestellt, seit 1913 Rabbiner Dr. Max Weyl. Letzter Bezirksrabbiner war Dr. Sally Baron (seit 1920, definitive Anstellung 1926). 
   
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren neben dem vom Bezirk und der Stadt angestellten Rabbiner auch weitere Personen angestellt, insbesondere ein Lehrer, ein Kantor und ein Synagogendiener, der zugleich Schochet war.   
 
In Kaiserslautern wurden die jüdischen Lehrer der Pfalz ausgebildet. Sie erhielten die Ausbildung am protestantischen Lehrerseminar der Stadt. Der Religionsunterricht wurde den Seminaristen durch den jeweiligen Bezirksrabbiner erteilt. 
  
Viele der in Kaiserslautern lebenden jüdischen Einwohner hatten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren Gewerbebetrieben eine große Bedeutung für die wirtschaftliche Belebung der Stadt und die Industrialisierung. Zudem gab es alsbald mehrere jüdische Ärzte und Rechtsanwälte. 
 
Um 1924, als etwa 700 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (etwa 1,2 % von insgesamt etwa 60.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Justizrat Dr. Julius Rheinheimer, Rechtsanwalt Dr. Leopold Blüthe, Josef Falk, Hermann Felsenthal, Ludwig Stern, Otto Tutein und Siegmund Levy. Als Bezirksrabbiner war der bereits genannte Dr. Sally Baron tätig, als Kantor M. Nackler, als Synagogendiener und Schochet Julius Fischer, als Schriftführer und Rechner Karl Wünschel, als Organist Franz May. Der jüdische Religionsunterricht an den Volksschulen der Stadt wurde durch Kantor Nackler erteilt, der Unterricht an den höheren Schulen durch Rabbiner Dr. Baron. An jüdischen Vereinen waren in der Gemeinde aktiv: der Israelitische Armenverein (gegründet 1890; 1924 130 Mitglieder unter Adolf Berg, 1932 unter Leitung von Julius Rheinheimer mit 160 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterbringung und Verpflegung Durchreisender), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1861; 1924 unter Leitung der Frau von Moritz Maas mit 170 Mitgliedern, 1932 unter Leitung der Frau von Dr. Rheinheimer), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegründet 1920; 1924 unter Leitung von Abraham Gärtler; 1932 unter Leitung von Louis Stern), die Julius Plotke Loge (1924 unter Leitung von Adolf Blum mit 150 Mitgliedern) sowie der Jüdische Jugendbund (1932 unter Leitung von Ernst Strauß, Marktstraße 50).  1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Justizrat Dr. Julius Rheinheimer (1. Vorsitzender, Theaterstraße 16) und Justizrat Dr. Blüthe (2. Vorsitzender, Fischerstraße 16). Als Schriftführer wird ein Herr Kämmerer genannt, als Kantor war inzwischen Siegfried Kornfeld angestellt (Rummelstraße 1). Im Schuljahr 1931/32 erhielten 98 jüdische Kinder der Stadt Religionsunterricht. 
  
1933 lebten noch 648 jüdische Personen in der Stadt. Durch die zunehmenden Auswirkungen des wirtschaftlichen Boykotts und der Entrechtung verließ ein Großteil die Stadt, sodass 1939 nur noch 90 jüdische Einwohner gezählt wurden. Da die Synagoge bereits vor der Pogromnacht 1938 zerstört wurden war (s.u.), richteten sich die Aktionen der Nationalsozialisten in der Pogromnacht in äußerst brutaler Weise gegen jüdische Geschäfte und Wohnungen. 
 
Mindestens 76 von den 1933 in Kaiserslautern lebenden jüdischen Personen wurden nach den Deportationen 1941 bis 1945 ermordet (siehe die Namen auf der Rückseite des Denkmals auf den Synagogenplatz - Fotos unten).  
   
Von den in Kaiserslautern geborenen oder längere Zeit in der Stadt lebenden jüdischen Personen wurden insgesamt über 200 ermordet.   
An viele der ermordeten Personen erinnern seit 2013 "Stolpersteine" in der Stadt. 2013/14 wurden die ersten 38 "Stolpersteine" in Kaiserslautern verlegt.  
    
    
Neue Gemeinde nach 1945:   Siehe weitere Seite (interner Link)      
     
     
     
Zur Geschichte der Synagogen       
   
Mittelalter und 19. Jahrhundert bis 1849  
   
Bereits im Mittelalter gab es eine Synagoge in der Stadt. Sie wird indirekt erstmals 1344 genannt (1388 als "Judenschule" erwähnt. Sie stand im Bereich des ältesten Marktes, heute "Am Altenhof". In den 1990er-Jahren wurden hier die bereits genannte mittelalterliche Mikwe entdeckt (siehe Artikel unter den "Links").

Im 19. Jahrhundert wird ein Betsaal im Haus des Isaac Rubel I. 1824 genannt. 1834 wird von einem Betsaal berichtet, den die Gemeinde in einem ehemaligen Gasthaus auf dem "Abendsberg" gemietet hatte (Abendsberg ist das Gelände oberhalb der Kreisverwaltung). 
    
  
Die (alte) Synagoge (1849 bis 1886)   
  

Seit 1845 sammelte die Gemeinde für den Neubau einer Synagoge. Eine Sammlung war mit königlicher Erlaubnis bei den jüdischen Gemeinden in ganz Bayern ermöglicht worden:      

Kaiserslautern Synagoge 1845.jpg (51313 Byte)Anzeige im "Königlich Bayerischen Amts- und Intelligenzblatt für die Pfalz" vom 7. März 1845: "...den 5. März 1845. (Collecte für den Synagogenbau zu Kaiserslautern betr.) 
Im Namen Seiner Majestät des Königs.
 
Nachdem Seine Majestät der König den Israeliten in Kaiserslautern zu Erbauung einer Synagoge daselbst die Veranstaltung einer Collecte unter ihren Glaubensgenossen im Königreiche zu bewilligen geruht haben, so wird solches zur Kenntnisnahme hiermit bekannt gemacht. 
Speyer, den 28. Februar 1845. Königlich Bayerische Regierung der Pfalz, Kammer des Innern. 
In Abwesenheit des Königl. Regierungs-Präsidenten: von Schnellenbühel. Luttringshausen, coll."    

  
1848/49 konnte man auf einem Grundstück in der Salzstraße (Salzstraße 8) eine Synagoge erbauen. Die Einweihung war im Frühsommer 1849. Maurermeister Michel Schinkel hatte den Bau ausgeführt. Diese Synagoge wurde bis zum Bau der neuen Synagoge verwendet, 1886 verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut und 1972 abgebrochen (heute neu bebaut mit Wohn- und Geschäftshaus).

Die alte Synagoge Kaiserslautern Synagoge 109.jpg (49907 Byte) Kaiserslautern Synagoge 110.jpg (57400 Byte)
   Bei der alten Synagoge in Kaiserslautern handelte es sich um einen einfacher, zweistockigen Bau mit maurisch-orientalischen Stilelementen (Hufeisenbogen) an Fenstern und Portal.

  
Die neue Synagoge (1886 bis 1938)     

Nachdem die Synagoge in der Salzstraße in den 1870er-Jahren zu klein geworden war, erwarb die jüdische Gemeinde 1881 ein Grundstück in der Frühlingsstraße (heute Luisenstraße). Die Pläne zum Neubau wurden durch den bekannten Synagogenbauer Prof. Ludwig Levy in Karlsruhe angefertigt. Im Juni 1883 begannen die Bauarbeiten, Am 29. Oktober 1883 war die Grundsteinlegung
       
Grundsteinlegung zum Bau der neuen Synagoge (1883)  

Kaiserslautern AZJ 13111883.jpg (187528 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1883: "Kaiserslautern, 29. Oktober (1883). Wir waren heute Zeugen einer Feier, die das freundschaftlichste und einträchtigste Verhältnis der verschiedenen Konfessionen zueinander bekundet. Es galt nämlich der Grundsteinlegung zu der in Angriff genommenen neuen Synagoge. Zu diesem Behufe hatten sich in zahlreicher Menge die königlichen und städtischen Behörden – der Stadtrat, Vertreter sämtlicher hier bestehenden Konfessionen, Vertreter der verschiedenen Lehranstalten und eine nach Hunderten zählende Menge eingefunden, um ihre Sympathien der israelitischen Gemeinde und ihrem Vorhaben entgegenzubringen. Nachdem der stattliche Zug auf dem Bauplatze angelangt, brachte der den Bau leitende Architekt Herr Levi einen Willkommengruß in schönen Worten dar. Hierauf bestieg der Bezirksrabbiner Herr Dr. Landsberg die Rednertribüne. Eine kurze Beschreibung über die Geschichte der israelitischen Gemeinde vorausschickend, legte derselbe seiner wohl durchdachten, alle Anwesenden tief ergreifenden Weiherede den Texte aus Sacharja Kap. 4 V.7 zugrunde. Er sprach besonders den Dank der Vertretung der Stadt, sowie deren Behörden aus, die zu jeder Zeit die wohlwollendsten Gesinnungen der israelitischen Gemeinde und ihrem Interesse entgegengebracht und nun auch den Synagogenbaufonds eine jährliche Dotation von 500 Mark gewährt und auch noch andere Berücksichtigungen in Aussicht gestellt. Nun verlas Herr Kultusvorstand Kehr den Inhalt der, verschiedene für die Nachwelt interessante Mitteilungen enthaltenden Urkunde, welche dem Grundstein eingefügt werden sollte und bat den königlichen Bezirksamtmann Herrn Gustav Schmitt, den Reigen der üblichen 3 Hammerschläge zu eröffnen. Dieser drückte zunächst seine Freude aus, zeuge der heutigen Feier sein zu können und schloss seine herrlichen Worte mit: ‚Meine 3 Hammerschläge gelten der von der israelitischen Gemeinde bisher gepflegten Einigkeit und Opferwilligkeit, verbunden mit dem Frieden, der auch fortan sowohl in der Gemeinde, als anderen Konfessionen gegenüber auf das ängstlichste gehütet werden möge.’ Jetzt ergriff der erst seit wenigen Tagen in das Amt getretene Bürgermeister Herr Neumeyer das Wort. An die Mahnung des Herrn Vorredners zum Frieden anknüpfend, versicherte auch er die israelitische Kultusgemeinde der fortwährenden Sympathie der Stadt und ihrer Vertreter und schloss mit dem gewiss beherzigenswerten Satze: ‚An diesem Steine mögen die Feinde zerschellen, und den Freunden sei er eine Stütze!’ Nach einem von Herrn Rechtsanwalt David Fränkel auf Seine Majestät den Pfalzgrafen und König Ludwig II. aufgebrachten Hoch, in das sämtliche Anwesenden mit Begeisterung einstimmten, schloss diese herrliche Feier."
   
Kaiserslautern Jeschurun AF 1883 S798.jpg (98392 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" Alte Folge 1883 S. 798: "Kaiserslautern, 29. Oktober (1883). Heute Nachmittag hat die Feier der Grundsteinlegung der neuen Synagoge stattgefunden. Es ist dies in der Tat als eine schöne Errungenschaft hiesiger Gemeinde zu betrachten. Dieselbe hat in verhältnismäßig kurzer Zeit einen gewaltigen Aufschwung genommen. Während im Jahre 1800 hier überhaupt noch keine Israeliten wohnten, und man einige Jahre später nur 5 israelitische Familien zählte, konnte schon 1846, wo die Gemeinde bereits als 50 Familien bestand, die erste Synagoge erbaut werden. Jetzt wohnen hier nach der letzten Volkszählung 716 Juden. Dass von antisemitischer Bewegung hier keine Rede ist, zeigt die Tatsache, dass der Akt der Grundlegung der neuen Synagoge vom Herrn Bezirksamtmann Schmitt vollzogen wurde, wobei er den Wunsch aussprach, dass aus dem begonnenen Bau der Gemeinde Einigkeit, Opferwilligkeit und Friede erstehe. Gleich herzlich sprach unser neuer Bürgermeister Herr Anwalt Neumeyer. Die Festrede hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Landsberg. - Überhaupt fand die Feier unter großer Teilnahme nicht nur der israelitischen Gemeindemitglieder, sondern auch der Nehörden und der Einwohnerschaft statt. Möge uns der Friede und das Ansehen hiesiger Gemeinde stets erhalten bleiben. 'Der Ewige gibt Macht seinem Volke, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden' (Psalm 29,11)."    

Am 26. Februar 1886 war die feierliche Einweihung der neuen Synagoge. Die Baukosten betrugen 193.328 Mark. Es handelte sich bei der Synagoge in Kaiserslautern um einen repräsentativen Ritualbau, die prächtigste Synagoge der Pfalz. Charakteristisch waren die maurischen Formen. Der zweigeschossige Quaderbau war als Zentralbau angelegt und von einer zentralen Kuppel mit Ecktürmen bekrönt. Die Spitze der Kuppel lag 37 m über dem Erdboden. Über den Tag der Einweihung liegt ein Bericht aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1886 vor, der vermutlich aus der Lokalpresse übernommen wurde:  

Kaiserslautern Israelit 26021886a.jpg (116097 Byte)Kaiserslautern, 26. Februar (1886). "Allgemeine festliche Stimmung!" Diese Physiognomie trägt seit heute Morgen allenthalben die alte Barbarossastadt: unsere israelitischen Mitbürger feiern nämlich heute Nachmittag das ernste und erhebende Fest der Einweihung ihrer prachtvollen neuen Synagoge; wirklich prachtvoll ist der "Neue Tempel", ein Monumentalbau, auf den Kaiserslautern stolz sein kann. Sowohl der Entwurf der Pläne des Prachtbaues, als auch die gesamte Bauleitung wurden seinerzeit dem Architekten Herrn Ludwig Levy dahier übertragen, und wahrlich, er hat sein Werk so zu Ende geführt, dass es seinen Meister lobte.
Im Juni des Jahres 1883 wurde der Bau begonnen und obwohl die Fundamente unter ganz schwierigen Verhältnissen im sogenannten "alten Stadtwoog" (einer tiefliegenden nassen Wiese, die durch Aufführung um ca. 3 Meter erhöht wurde) aufgeführt werden mussten, so waren sie doch schon im Herbst beendigt und fand Ende Oktober des gleichen Jahres die feierliche Grundsteinlegung statt.
Bezüglich des angewendeten Stiles der neuen Synagoge ist zu bemerken, dass dieselbe den byzantinischen Gewölbebau zum Ausdruck bringt, in der Dekoration jedoch an die arabisch-maurischen Bauten anklingend erscheint, alles aber unserem Klima und unseren Verhältnissen
Kaiserslautern Israelit 26021886b1.jpg (235698 Byte)angepasst wurde. Der Ritus verbietet die Darstellung von figürlicher Dekoration und wurden vom Meister deshalb geometrische und pflanzliche Flächenornamente durchgängig angewendet. Die Längsrichtung des Tempels ist gegen Sonnenaufgang, daher befindet sich der Chor mit dem Allerheiligsten (der Raum zur Aufbewahrung der Torarollen) im Osten, die Haupteingänge im Westen. Das Gesicht des Andächtigen ist gegen das Allerheiligste gewendet, über dem die Morgensonne durch die reich bemalten Fenster hereinbricht.
Um es kurz zu fassen, wollen wir sagen: Der ganze Monumentalbau zeichnet sich durch eine künstlerisch sehr günstig bemessene Einfachheit aus, welche demselben den Eindruck des Erhabenen verleiht und infolge dessen der plastische, sowie malerische Schmuck - dem Charakter des ganzen Baues entsprechend - eine ruhige, würdige Pracht auf den Beschauer ausübt, ohne prunkhaft oder überladen zu wirken. Noch besonders erwähnenswert sind die prachtvollen Parochot-(Toravorhang) Stickereien aus dem rühmlichst bekannten Atelier von Heimerdinger in Karlsruhe. Der Außenbau mit den schönen Kuppeln, die besonders gelungen erscheinen, den großen architektonischen Massenverhältnissen und der angenehmen Abwechslung des grauen und roten Sandsteines ergeben eine sehr günstige und malerische Wirkung. Der schöne Bau mit den sich sehr vorteilhaft abwechselnden Silhouetten wirkt allseitig sehr günstig und bleibt gewiss - wie schon erwähnt - eine sehenswerte Zierde unserer Stadt.
Um auf das Fest selbst zu kommen, können wir mit Vergnügen konstatieren, dass eine große Anzahl von auswärtigen Gästen - empfangen von Verwandten und Freunden - bereits mit den Frühzügen eingetroffen ist. Die Stadt ist festlich beflaggt. Um 2 Uhr beginnt der Umzug von der alten in die neue Synagoge.
Am 26. Februar, Punkt 2 Uhr, Freitag nachmittags waren die Festteilnehmer in und vor der alten Synagoge versammelt, während die Gäste, welche daselbst keinen Platz zu erhalten befürchteten, in der nächsten Nähe des neuen Tempels Aufstellung nahmen, um sich sodann dem Zuge beim Eintritt desselben in das Gotteshaus anzuschließen. Der Umzug verlief programmmäßig. Mit einer ergreifenden Ansprache des Rabbiners und Aushebung der Torarollen wurde Abschied von der alten Synagoge genommen und - die Jugend mit ihrem Lehrer voraus - unter dem Donner der Böller der Weg zum neuen Gotteshause angetreten. Es folgten nun die Musik des königlich-bayerischen 18. Infanterie-Regiments, der Synagogenchor,
Kaiserslautern Israelit 26021886b2.jpg (120572 Byte)die Gemeindeältesten /welche einen rührenden Anblick gewährten) mit den Torarollen, begleitet von reizenden Festjungfrauen, - der Rabbiner mit dem Kantor, zwei Vertreter der königlichen Regierung, der königliche Bezirksamtmann, der Vorstand und der Vorsitzende der Baukommission, sodann Bürgermeister, Adjunkten und Synagogenausschuss, ferner verschiedene Mitglieder königlicher Behörden und einige protestantische Geistliche, der Stadtrat, Ehrengäste, die Mitglieder der Kultusgemeinde und zum Schluss eine kolossale Menge von Festteilnehmern.
Die Straßen, welche der Festzug passierte, waren mit einer dichtgedrängten neugierigen Menge eingefasst.
Beim Eintreffen am Portale des Tempels überhab Architekt Levy mit einer Ansprache an den königlichen Bezirksamtmann Schmitt demselben den Schlüssel zum Gotteshause und dieselben denselben mit einigen Worten dem Bezirksrabbiner Dr. Landsberg, welcher das Tor der Synagoge erschloss.
Die Räume derselben waren bald überfüllt und begannen die herrlichen Vorträge des Synagogenchores. Nach Einführung der Torarollen in ihre neue Lade folgte die geistreiche Predigt des Bezirksrabbiners  und zum Schlusse die rituelle Einweihung des Tempels. Damit war die kirchliche Feier, der noch ein Abendgottesdienst für die Kultusangehörigen folgte, zu Ende. 
   
Die "Allgemeine Zeitung des Judentums berichtete über die Einweihung der Synagoge:  
Kaiserslautern AZJ 16031886.jpg (29334 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1886: "In Kaiserslautern wurde die neu erbaute Synagoge unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht. Das sehr gelungene Gebäude gereicht der Stadt zur Zierde."   
  
Kaiserslautern AZJ 23031886.jpg (92534 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. März 1886: "Wir haben bereits die feierliche Einweihung der neuen prächtigen Synagoge zu Kaiserslautern am 26. Februar erwähnt. Dieselbe ging unter großer Teilnahme der ganzen städtischen Bevölkerung, welche viele Häuser beflaggt hatte, vor sich. Außer dem Regierungsvertreter, vielen Beamten und Honoratioren wohnte auch die evangelische Geistlichkeit der Einweihung bei. Diese machte aber auch durch die ausgezeichnete Festrede des Bezirksrabbiners Dr. Landsberg, durch das Spiel auf der vortrefflichen Orgel, den gut eingeübten Synagogenchor und den schönen Vortrag des Kantors Herrn Feibelmann einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. So bietet nicht nur das Gebäude einen weihevollen Anblick, sondern auch der wohl geordnete Gottesdienst die Hoffnung, dass sich in diesem Gotteshause viele Geschlechter erbauten und religiös läutern werden."   

  
Über die neue Synagoge in Kaiserslautern (1886)  

Kaiserslautern AZJ 14091886sn.jpg (106972 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. September 1886: "Die neue Synagoge in Kaiserslautern. Wir haben zurzeit über die Einweihung der neuen Synagoge zu Kaiserslautern berichtet. Jüngst brachte nun die ‚Frankfurter Zeitung’ einen Bericht über die Synagoge, welchem wir einige interessante Bemerkungen entnehmen. Der Architekt, der dieses schöne Bauwerk geschaffen, ist der renommierte Herr Ludwig Levy. Indem man sich nicht begnügte, dem ersten besten Bauunternehmer ein Werk zu veraccordieren, das für höhere Zwecke bestimmt ist, sondern sich einen tüchtigen Künstler auswählte, hat die kleine Gemeinde ihrem Bildungsgrade ebenso wohl wie dem edlen Ernste, der sie leitete, ein schönes Zeugnis ausgestellt und es ist nur zu wünschen, dass ihr Beispiel auch anderwärts bei viel Größeren und Mehrvermögenderen zünden möge, die durch sie in Schatten gestellt sind. Sicher dankte sie auch diesem Umstande den hohen Grad von Wohlwollen, mit dem die bayerische Regierung ihre Zwecke unterstützt und gefördert hat. In der Wahl des Architekten hat der Bauausschuss entschieden Glück gehabt, wenn irgendwo, hat sich hier der Architekt gelohnt. Während gerade die Herren Praktiker so häufig das Geld an unrechter Stelle wirkungslos vergeuden, kann man hier sehen, mit wie geringen Mitteln tüchtige Schulung und künstlerische Reife einen durchaus würdigen, befriedigenden Monumentalbau hinzustellen versteht, der außerdem noch dem Bilde der Stadt eine dauernde Zierde verleiht. Die Gemeinde selbst zählt circa 700 Köpfe und die Bausumme beträgt
Kaiserslautern AZJ 14091886sna.jpg (153428 Byte)in Allem circa 200.000 Mark. Bekanntlich wird für Gebäude des israelitischen Kultus von den Architekten vorzugsweise der arabische Stil gewählt, weil man mit ihm in Erinnerung des orientalischen Ursprungs, am Besten die beabsichtigte Stimmung erzeugen zu können glaubt. Erst in neuerer Zeit hat man hie und da den Versuch mit einer jüngeren Epoche gemacht, indem man sich an die vorhandenen jüdischen Baudenkmale des Mittelalters auf unserem Boden anschloss. Der gewiss nicht minder natürliche Weg, sich der architektonischen Formensprache unserer Zeit, der Renaissance, zu bedienen, ist dagegen meines Wissens bei einem irgend beachtenswerten Werke noch nicht eingeschlagen worden. Auch Ludwig Levy hat den maurischen Stilcharakter zugrunde gelegt. Diesen durch vielfache Anwendung mittelalterliche Konstruktionsmotive zu modifizieren und durch ein in modern renaissancistischer Weise durchgebildetes Detail zu einem harmonischen ganzen zu verschmelzen, ist eine Aufgabe von nicht zu unterschätzender Bedeutung, an der schon gar viele Vorgänger gescheitert sind und nur ernstestes Studium, tüchtige, natürliche Anlagen und ein gesunder Geschmack können ein so befriedigendes Resultat erreichen, wie es hier zu unserer Freude vorliegt.  Die hoch befriedigende Wirkung des Innern beruht zum nicht geringen Teil auf der wohlverstandenen sehr gut gelungenen Anwendung der Farbe. Die Farbengebund ist ebenso dezent und energisch und hält sich trotz der mäßigen, zur Verfügung gestellten Mittel ebenso weit entfernt von Ärmlichkeit wie von Überladung, sodass die Grundformen der Architektur auf das Schönste zur Geltung kommen und gehoben werden. Der brave Meister verdient gewiss redlich das Lob, das ihm von Seiten des Bauleitenden so reich zuteil geworden ist. Es war ein schönes erhebendes Fest, das Ende Februar des Jahres zu Kaiserslautern gefeiert wurde zur Einweihung der neuen Synagoge – ein Fest des Friedens und der Eintracht! Mögen noch recht viele ebenso tüchtige Leistungen Veranlassung zur Feier so erfreulicher Feste in unserem lieben Vaterlande geben! A. Linnemann."

 
Prominente Besuche in der Synagoge: Die Synagoge galt in den folgenden Jahrzehnten als besondere Sehenswürdigkeit der Stadt. Auch viele prominente Personen statteten ihr einen Besuch ab. Zu besonderen Anlässen wurden in der Synagoge wie in den Kirchen der Stadt Gottesdienste abgehalten.  
      
Trauerfeierlichkeiten in der Synagoge aus Anlasse des Todes von König Ludwig II. (1886)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1886: "Aus Bayern, 29. Juni (1886). Es ist auch in dieser Zeitung bereits ausgesprochen worden, wie tief die Trauer über die Katastrophe, die den König Ludwig II. betroffen, bei den bayerischen Israeliten ebenso wie bei ihren andersgläubigen Mitbürgern ist. Selbstverständlich betätigte sich diese in den Trauerfeierlichkeiten, welche in den Synagogen des Landes begangen worden. Es liegen darüber Berichte vor, zum Beispiel aus Bayreuth.... - Aus Kaiserslautern erhalten wir bereits gedruckt die am 22. dieses Monats bei dem Trauergottesdienste in der Synagoge vom Bezirksrabbiner Dr. Landsberg gehaltene Predigt, welche in würdigster Weise alle die Gefühle zum Ausdruck bringt, die in solchem Momente das menschliche Herz und die patriotische Gesinnung erregen."    

   
Gottesdienst zum Gedenken an König Ludwig I. in der Synagoge (1888)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. August 1888: "Aus Kaiserslautern wird uns geschrieben, dass, obschon diesmal nur die katholischen und protestantischen Kirchen angewiesen wurden, am Centenarium des Königs Ludwig I. eine gottesdienstliche Feier zu veranstalten, der Bezirksrabbiner Dr. Landsberg eine solche in der Synagoge veranstaltete und eine ergreifende Rede hielt, da auch die Juden ihren patriotischen Gefühlen bei dieser Veranlassung Ausdruck geben wollten."              

 
Seine Königliche Hoheit, der bayerische Prinzregent besucht die Synagoge (1888) 

Kaiserslautern AZJ 04101888.jpg (209820 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1888: "Kaiserslautern, 24. September (1888). Auch noch in der Gegenwart ist es für die jüdische Religionsgenossenschaft von erheblicher Wichtigkeit, wenn ihr der Souverän des Landes in Person eine willkommene Aufmerksamkeit zuwendet und auf diese Weise unumwunden erklärt, wie er ihre Gleichberechtigung im Staate anerkenne. Es war deshalb eine erhebende Ehrenbezeugung für die hiesige Gemeinde, dass seine königliche Hoheit der Prinzregent während seines verhältnismäßig kurzen Aufenthaltes in hiesiger Stadt die Synagoge mit seinem Besuche beehrte.    
‚Als der Wagen, in dem Seine Königliche Hoheit saß, sich dem Portale der Synagoge näherte, ging der Rabbiner, Herr Dr. Landsberg, begleitet von den Gemeindevertretern, dem hohen Gast entgegen und begrüßte ihn mit folgenden Worten: ‚Allerdurchlauchtigster Prinz und Prinzregent! Allergnädigster Regent und Herr! Wie der königliche Sänger einst, so rufen auch wir in diesem für die israelitische Gemeinde hiesiger Stadt so bedeutsamen Momente aus der Tiefe unseres Herzens: ‚Gesegnet im Namen Gottes, der jetzt hier einzieht!’ Drei Jahre sind verflossen, seitdem Eure Königliche Hoheit unserer Gemeinde die hohe Ehre vergönnt, dieses zurzeit im Bau begriffene Gebäude zu betreten. Inzwischen waren wir in der glücklichen Lage, dieses herrliche Gotteshaus durch Gottes Hilfe, durch die Hilfe der hohen königlichen und städtischen Behörden und vor Allem auch durch die außerordentlich große Opferfreudigkeit der Gemeindemitglieder dem zu weihen, dem wir hier in Gemeinschaft und Andacht anrufen und zu dem wir allsabbatlich beten für dass Leben und die Gesundheit unseres erhabenen Regenten, der im Namen Seiner Majestät unseres Königs und Herrn mit so sicheren Händen das Staatsruder lenket. Gestatten nun Königliche Hoheit, dass ich jetzt, da wir diesen seltenen Moment feiern, im Geiste unserer Religion das Wort der heiligen Schrift ausspreche, das Gott einst seinem Knechte entboten und das an Eurer Königlichen Hoheit sich erfülle, das Wort: ‚Es segne Dich der Herr usw. Amen!’.     
Der Prinzregent dankte dem Sprecher in herzlicher Weise und ließ sich von ihm und der Gemeindevertretung in die Synagoge und vor die geöffnete Loge unter Orgelklang führen, richtete mehrere Fragen an den Rabbiner und verabschiedete sich mit nochmaligem Danke. Der Rabbiner wurde zum Diner befohlen, zu welchem er sich auch dankbarlichst einstellte. Es ist natürlich, dass die Gemeinde sich durch diesen Vorgang sehr gehoben fühlt." 

  
Im Juni 1894 besuchten Prinz Ludwig von Bayern und wenig später der Prinzregent Luitpold von Bayern die Synagoge. Darüber liegen verschiedene Berichte vor.

Kaiserslautern Israelit 18061894.JPG (161770 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1894: "Aus der Pfalz, 28. Mai (1894). Am letzten Sabbat, den 26. dieses Monats, beehrte der Prinz Ludwig von Bayern, Sohn des Prinzregenten von Bayern, auf seiner Reise durch die Pfalz auch die Stadt Kaiserslautern mit seinem Besuche. Obgleich ein offizieller Empfang nicht stattfand, so ließ er sich doch nach seinem Eintreffen auf dem Bahnhofe die zu seiner Begrüßung gewünschten und erschienenen Herren - die Mitglieder der Behörden und der Geistlichkeit - unter Anderen auch den Bezirksrabbiner Herrn Dr. Landsberg, vorstellen, an welchen er freundliche Worte richtete und dem er auch versprach, die neue Synagoge zu besichtigen. Nach einer Stunde etwa erschien der hohe Herr mit Gefolge an der Pforte der Synagoge und wurde von dem Herrn Rabbiner und der Gemeindevertretung feierlichst empfangen. Herr Dr. Landsberg hielt eine herzliche tief empfundene Ansprache, die der Prinz unbedeckten Hauptes, sichtlich erfreut, anhörte und schloss mit dem Priestersegen. Unter Führung des Rabbiners betrat der Prinz die Synagoge, ließ sich genau Alles erklären, was sich auf den Gottesdienst etc. bezieht, und sprach seine hohe Befriedigung aus über die ganze Einrichtung und den Bau der Synagoge. Mit herzlichen Worten des Dankes und der Anerkennung verabschiedete sich der hohe Herr von dem Rabbiner, der in äußerst würdiger und taktvoller Weise die Gemeinde vertrat. Alle aber, die Zeuge waren dieser kurzen, aber wirkungsvollen Feier, erhielten den Eindruck, dass es zu wünschen wäre, wenn gekrönte Häupter, oder solche, die diesen nahe stehen, öfter das zu hören bekämen, was Herr Dr. Landsberg in seiner Ansprache dem Prinzen Ludwig von Bayern gesagt: "Hier in diesem Gotteshause wird die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen gelehrt, aber auch die Liebe zum Vaterlande und dem angestammten Fürstenhause, auf dass diese Lehren von Allen, die sie vernehmen, auch im leben bewahrt und beherzigt werden." - Über den bevorstehenden Besuch des Prinzregenten, der gleichfalls zu wiederholten Malen die Kaiserslauterer Synagoge besuchen will, hoffen wir demnächst berichten zu können.   
 
Ähnliche Berichte zum Besuch von Prinz Ludwig von Bayern erschienen in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"    
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1894:  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1894:   
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.       
 
Über den Besuch des Prinzregenten Luitpold von Bayern erfahren wir aus der "Allgemeinen Zeitung des Judentums":   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juni 1894: "Aus der Pfalz, 12. Juni (1894). Nachdem kurz vorher Prinz Ludwig von Bayern auf seiner Reise durch die Pfalz in Kaiserslautern-Neustadt, wie auch in Landau die Synagogen besichtigte, hat nun auch dessen erlauchter Vater, der Prinzregent Luitpold, dieselben mit seinem hohen Besuche beehrt. Nachdem gestaltete sich die Besichtigung der Synagoge in Kaiserslautern und der Aufenthalt darin zu einem feierlichen und eindrucksvollen Akte. Nachdem der Bezirks-Rabbiner, Herr Dr. Landsberg, auf dem Perron des Bahnhofes unter den anderen, zu diesem Zwecke befohlenen Herren dem Prinzregenten vorgestellt war, erschien Letzterer mit seinem großen und glänzenden Gefolge am Portale der neuen Synagoge, empfangen von der Gemeindevertretung und dem Rabbiner, der eine feierliche Ansprache an den Prinzregenten hielt. Sichtlich bewegt und erfreut dankte der hohe Herr für die weithin vernehmliche und herzliche Ansprache des Rabbiners mit den Worten: 'Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre patriotische Ansprache', und ließ sich die Herren des Gemeindevorstandes vorstellen, mit denen er gleichfalls einige freundliche Worte wechselte, und betrat, begleitet von dem Rabbiner und dem ganzen Gefolge die Synagoge, in der ein Orgel-Präludium ihn empfing. In beständiger, recht leutseliger Unterhaltung mit dem Rabbiner durchschritt der Regent die festlich erleuchtete Synagoge bis zum Vorbeterpult. Nachdem der Herr Rabbiner sich die Erlaubnis erheben, die 'heilige Lade' öffnen und als Zeichen des Dankes für den hohen Besuch der Gottesstätte ein Gebet sprechen zu dürfen'., bestieg er bei geöffneter Lade mit der herausgehobenen Thora in der Hand die Kanzel und sprach unter der gespanntesten Aufmerksamkeit der ganzen Korona ein Gebet für das Wohl des Herrscherhauses, das auf den Regenten einen tiefen Eindruck hervorbrachte. Der Prinzregent kam nun dem Redner, als derselbe von der Kanzel stieg, ernst lächelnd entgegen, reichte ihm die Hand und bedankte sich für 'das schöne Gebet'. Die Orgel ertönte und der Regent stand noch da in tiefer Unterhaltung mit dem Rabbiner, ließ sich manches erklären und schritt die Stufen vor dem Vorbeterpult herab, reichte beim Herausgehen aus der Synagoge nochmals dem Rabbiner die Hand, erkundigte sich nach den Verhältnissen der Gemeinde und nach der Dauer der Wirksamkeit des Rabbiners sowie nach dessen Geburtsort etc. etc. und verabschiedete sich, nochmals allerseits dankend, von der Gemeindevertretung. - Ich erwähne auch den Umstand, dass sämtliche Rabbiner der Pfalz an verschiedenen Tagen zur Königlichen Hoftafel Einladungen erhielten."     

  
Regierungspräsident Freiherr von Welver besucht die Synagoge (1897)    

Kaiserslautern AZJ 09071897.jpg (93520 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juli 1897: "Aus der Pfalz, 30. Juni (1897). Der neue Regierungspräsident, Freiherr von Welver, der sein neues Amt angetreten, hat gelegentlich seines Besuches der ihm nun unterstellten Provinz es sich nicht nehmen lassen, überall, wo in den jüdischen Gemeinden eine sehenswerte Synagoge sich befindet, dieselbe zu besichtigen. So berichtet die ‚Pfälzisches Presse’: ‚In der Synagoge zu Kaiserslautern wurde der Herr Regierungspräsident am Portal vom Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und dem Synagogenausschusse feierlichst empfangen. Der Herr Rabbiner begrüßte den hohen Gast mit den Worten: ‚Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn’ – als der Vertreter Seiner königlichen Hoheit in der Pfalz, und schloss mit Worten des Segens für den Letzteren.  Der Herr Rabbiner geleitete den hohen Gast in die Synagoge, die derselbe mit lebhaftem Interesse in Augenschein nahm. Besonders machte die erleuchtete ‚heilige Lade’ einen tiefen Eindruck auf ihn. Mit wiederholten Dankesworten empfahl sich der Herr Regierungspräsident von dem Herrn Rabbiner und den Herren des Ausschusses.’ Es versteht sich, dass bei der offiziellen Beamtenvorstellung auch die Rabbiner der Pfalz alle beordert waren. Wir registrieren diesen Umstand, um die Stellung der Rabbiner in der Pfalz und in Bayern zu charakterisieren."

  
Neben besonderen Höhepunkten in der Geschichte der Synagogen gab es auch immer wieder anderes zu berichten:  

Einbruch in die Synagoge (1908)  

Kaiserslautern Israelit 17121908.jpg (37604 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1908: "Kaiserslautern, 9. Dezember (1908). In der letzten Nacht wurde in der hiesigen Synagoge eingebrochen. Die Diebe gelangten durch einen Luftschacht in das Innere. Sie waren gerade daran, den Opferstock mit der Axt zu zertrümmern, als eine Polizeipatrouille vorüber ging und das Geräusch wahrnahm. Es gelang, die beiden Einbrecher, zwei 19jährige Burschen, dingfest zu machen."
   
Kaiserslautern AZJ 25121908.jpg (28179 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Dezember 1908: ähnlicher Artikel wie oben im "Israelit".

  
      
NS- Zeit    

In der NS-Zeit konnten noch bis zum Sommer 1938 Gottesdienste abgehalten werden. Über eine "religiöse Weihestunde" in der Synagoge mit einem Vortrag liegt noch vom Mai 1936 ein Bericht vor:   

Kaiserslautern BayrGZ 01061936.jpg (133584 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1936: "Kaiserslautern. Am Sonntag, 17. Mai, nachmittags 6 Uhr, fand in der Synagoge eine religiöse Weihestunde statt. Nach einleitendem Orgelspiel (Herr Dr. Walter Rheinheimer) und Chorgesang (Laadonoj hoores) mit Solo des Herrn Kantor Kornfeld ergriff Herr Synagogenvorstand Strauß aus Bad Dürkheim das Wort zu seinem Vortrag: 'Die Stellung des Judentums im Laufe der Zeiten zur körperlichen Arbeit, insbesondere zu Handwerk und Ackerbau.' Unter Angabe zahlreicher Belegstellen wies er nach, dass bei den Propheten, in der nachbiblischen Zeit, nach den Bestimmungen des Talmuds und auch im neueren hebräischen Schrifttum die Wertschätzung der körperlichen Arbeit immer wieder zutage tritt und dass Handwerk und Ackerbau den Juden, die ursprünglich ein reines Bauernvolk waren, als die Grundlage der menschlichen Betätigung erschien. Er ging darauf ein, dass das Mittelalter durch Ghetto und Gesetzgebung den Juden den Zugang zu Berufen mit körperlicher Arbeit verschloss, dass aber trotzdem der Sinn für solche Betätigung nicht völlig schwand. Denn sofort nach dem Fallen der Ghettomauern wandten sich zahlreiche Juden dem Ackerbau und dem Handwerk zu. Er erwähnte hier besonders den Zentralverband der jüdischen Handwerker in Deutschland. Zum Schluss richtete der Redner einen warmen Appell an die zahlreich Erschienenen, der ausklang in der Mahnung zur Pflichterfüllung und zum Gottvertrauen. Mit Chorgesang (Halleluja) und Orgelspiel schloss die erhebende Feier, die bei allen Beteiligten nachhaltige Wirkung hinterließ. Dr. Blüthe."    

1938 wurde die Synagoge auf Druck der NS-Behörden bereits vor der Pogromnacht im November dieses Jahres beseitigt. Die Kultusgemeinde wurde von der Stadtverwaltung gezwungen, die Synagoge aufzugeben. Am 27. August 1938 fand eine Abschiedszeremonie der Gemeinde statt. Die Abbrucharbeiten begannen am 31. August 1938. Am Sabbat, dem 17. September erfolgte eine erste Sprengung; eine zweite Sprengung wurde am 9. Oktober durchgeführt. 
    
 Die Synagoge soll abgebrochen werden (September 1938)     

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. September 1938: "Abbruch der Synagoge. Die Stadtverwaltung hat im Wege der Erweiterung und Verschönerung der Stadt von der israelitischen Gemeinde gewünscht, dass ihr die Synagoge, welche wegen ihres maurischen Stils nicht in das Stadtbild passe, gegen Ersatz eines anderen Gebäudes überlassen werden möge. Der Abbruch der Synagoge soll bereits im Laufe dieser Woche erfolgen."      

Link zu einem historischen Video - eingestellt bei Youtube: Abriss und Sprengung der Synagoge Kaiserslautern 1938.    
   
Ab 1939 wurde das Synagogengrundstück als Aufmarschplatz verwendet, 1943 wurde auf dem Gelände ein Luftschutzbunker erstellt. 
   
Nach dem Krieg erhielt die Jüdische Kultusgemeinde von der Stadt eine Entschädigung in Höhe von 265.000 Mark. Anfang Oktober 1980 wurde das Grundstück in "Synagogenplatz" umbenannt und ein Gedenkstein errichtet (Inschrift: "Hier stand die Synagoge. 1886-1938"). 2003 wurde ein Teil eines Seitenportals rekonstruiert. Der Grundriss der Synagoge ist am Verlauf einer Buchsbaumhecke erkennbar.    
    
Die jüdische Gemeinde erhielt im Gegenzug für die zerstörte Synagoge 1938 einen Betsaal in dem aus hygienischen Gründen nicht mehr benutzbaren ehemaligen Zuchthaus zugewiesen. In der Pogromnacht im November 1938 wurde dieser Betsaal durch Brandstiftung völlig zerstört.  

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. November 1938. 
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.   

    
    
    
Fotos  
Die meisten der Fotos wurden bereits mehrfach publiziert; die Originale finden sich großenteils im Stadtarchiv Kaiserslautern. Vgl. Gedenkbuch der Synagogen s.Lit. 

Bau der neuen Synagoge 
um 1884
Kaiserslautern Synagoge 107.jpg (76467 Byte)  
            
     
Die neue Synagoge, 
1886 eingeweiht, 
1938 zerstört
Kaiserslautern Synagoge 108.jpg (57810 Byte) Kaiserslautern Synagoge 105.jpg (36213 Byte)
            
   
Kaiserslautern Synagoge 104.jpg (42952 Byte) Kaiserslautern Synagoge 201601sc.jpg (257778 Byte)  Kaiserslautern Synagoge 100.jpg (29110 Byte)
   Die Synagoge als beliebtes Ansichtskartenmotiv (Karte Mitte: Sammlung Hahn, in höherer Auflösung eingestellt)   
  
Kaiserslautern Synagoge 101.jpg (57551 Byte) Kaiserslautern Synagoge 103.jpg (39055 Byte) Kaiserslautern Synagoge 112.jpg (39693 Byte)
       
 
Innenaufnahmen
(Quelle: Gedenkbuch s.Lit.)   
Kaiserslautern Synagoge 115.jpg (59280 Byte) Kaiserslautern Synagoge 113.jpg (63239 Byte)
   Blick zum Toraschrein Blick zur Empore mit Orgel
     
August bis Oktober 1938
Die Zerstörung der Synagoge
 
Kaiserslautern Synagoge 43.jpg (41541 Byte) Kaiserslautern Synagoge 116.jpg (51331 Byte) Kaiserslautern Synagoge 111.jpg (64671 Byte)
Straßenbauarbeiten im Spätsommer 
1938 - kurz vor Beginn der Zerstörung 
Sprengung und Abbruch der Synagoge 
  
   
Virtuelle Rekonstruktion der 
Synagoge Kaiserslautern
Kaiserslautern Synagoge 50.jpg (42180 Byte) weitere Informationen siehe 
Seite der Technischen Universität Darmstadt
         
    
Synagogendenkmal von 2003 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.6.2009)
Kaiserslautern Synagoge n668.jpg (84614 Byte) Kaiserslautern Synagoge n667.jpg (83312 Byte)
  Das Denkmal besteht neben den Gedenksteinen aus nachgebauten Fragmenten zweier Pfeiler 
der Nordfassade. Dieser Teil war 1938 als letzter zum Einsturz gebracht worden.
      
 Kaiserslautern Synagoge n663.jpg (88880 Byte) Kaiserslautern Synagoge n661.jpg (111107 Byte)
 Über "Fernrohre" an sieben Standpunkten des Synagogenplatzes ist der Blick 
auf die Synagoge vom Standort des Betrachters zu sehen. Zu sehen ist jeweils 
eine Darstellung aus der 3D-Computer Rekonstruktion der TU Darmstadt.
Blick auf die beiden nachgebauten Pfeiler
 der Nordfassade. Auf der Rückseite 
finden sich die Namen der aus
 Kaiserslautern deportierten und
 ermordeten jüdischen Personen 
  
     
Kaiserslautern Synagoge n653.jpg (93916 Byte) Kaiserslautern Synagoge n650.jpg (75705 Byte) Kaiserslautern Synagoge n652.jpg (67030 Byte)
Hinweistafeln zur Geschichte der Synagoge und zur 3D-Computer Rekonstruktion  
     
JISKOR (Gedenke) - Zur Erinnerung 
an die zerstörte Synagoge der jüdischen
 Gemeinde Kaiserslautern 1886-1938 - 
LO TIRZACH ("Du sollst nicht morden") - 
Zum Gedenken an die während der
 Nazizeit ermordeten jüdischen Bürger 
aus Kaiserslautern
Kaiserslautern Synagoge n656.jpg (58983 Byte) Kaiserslautern Synagoge n658a.jpg (78121 Byte)
  Gedenkinschrift - Namen: Hans Gerd Angress - Elfriede Chaim
     
Kaiserslautern Synagoge n659a.jpg (79912 Byte) Kaiserslautern Synagoge n660.jpg (73397 Byte) Kaiserslautern Synagoge n658b.jpg (81489 Byte)
Renate Chaim - Julius Fraenkel Karl Fraenkel - Elsa Hene Emil Hene - Salomon Kayem
     
Kaiserslautern Synagoge n659b.jpg (74509 Byte) Kaiserslautern Synagoge n660c.jpg (66326 Byte)  Kaiserslautern Synagoge n654a.jpg (76900 Byte)
Jenny Kehr - Julius Lazarus Meta Lazarus - Berthold Meyer Alfred Moritz - Bernhard Resch
     
Kaiserslautern Synagoge n654c.jpg (70148 Byte) Kaiserslautern Synagoge n655a.jpg (60781 Byte) Kaiserslautern Synagoge n654b.jpg (60229 Byte)
Jakob Roelen - Hermann Sklarek Ludwig Sklarek - Moses Tuteur Robert Tuteur - Frieda Wolfheimer
     
     

Das Synagogendenkmal im September 2012 
(Fotos: Michael Ohmsen; die Fotos sind in noch etwas größerer Auflösung eingestellt in der Website von Michael Ohmsen: Fotoseiten zu Kaiserslautern

 
Kaiserslautern Synagoge 12020.jpg (117758 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12021.jpg (135606 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12022.jpg (69242 Byte)
     
     
Kaiserslautern Synagoge 12023.jpg (156884 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12025.jpg (91327 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12026.jpg (158477 Byte)
     
     
Kaiserslautern Synagoge 12027.jpg (157412 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12028.jpg (194984 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12029.jpg (94020 Byte)
     
     
Kaiserslautern Synagoge 12030.jpg (140556 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12032.jpg (159089 Byte) Kaiserslautern Synagoge 12033.jpg (197504 Byte)
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Oktober 2010: Gedenken an die Deportation nach Gurs im Oktober 1940   
Kaiserslautern Gurs-Gedenken 2010a.jpg (81600 Byte)Foto links:  von links: Jürgen Hoffmann-Biundo, Referat Soziales, und Beigeordneter Joachim Färber legen einen Kranz zum Gedenken an die 1940 deportierten Juden aus Kaiserslautern am Synagogenplatz nieder. © Stadt Kaiserslautern.    
Pressemitteilung der Stadt Kaiserslautern (Quelle; Autorin: Claudia Mühlberger - Pressestelle) vom 22. Oktober 2010:  
"Gedenken an deportierte Juden aus Kaiserslautern
Kranzniederlegung durch den Beigeordneten Färber am Synagogenplatz
"Heute vor 70 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden 49 Juden aus Kaiserslautern nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Ihrer und aller, die der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind, wollen wir heute Gedenken", so Joachim Färber, Beigeordneter der Stadt Kaiserslautern. Gemeinsam mit Jürgen Hoffmann-Biundo, Referat Soziales, legte Färber einen Kranz im Namen der Stadt Kaiserslautern am Synagogenplatz nieder. "Es ist wichtig, sich zu erinnern, sich aktiv mit der Geschichte auseinander zu setzen und eine Erinnerungskultur aufrecht zu erhalten", sagte Färber. Darüber hinaus müsse man auch heute dem Rechtsextremismus aufmerksam begegnen und solchen Bewegungen entgegenwirken, unterstrich der Beigeordnete. 
Über 6.500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland wurden am 22. Oktober 1940 auf Anweisung des badischen Gauleiters Robert Wagner und des pfälzischen Gauleiters Josef Bürckel in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich gebracht. Einige Menschen starben bereits nach wenigen Tagen und Wochen. Andere wurden in Gurs, Auschwitz oder anderen Vernichtungslagern grausam ermordet. In Kaiserslautern waren 49 Menschen für die Abschiebung vorgesehen. Nachweislich wurden 45 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger verschleppt: 22 Frauen im Alter zwischen 28 und 79 Jahren, 15 Männer im Alter zwischen 37 und 85 Jahren und acht Kinder zwischen einem Jahr und elf Jahren. Nur 18 von ihnen erlebten das Jahr 1945, in dem das Konzentrationslager Auschwitz durch die sowjetischen Truppen befreit wurde. Seit 1996 erinnert der Nationale Gedenktag am 27. Januar an dieses Ereignis." 
 
November 2012: Auch in Kaiserslautern sollten "Stolpersteine" verlegt werden 
Am 5. November 2012 trifft  sich hierzu ein "Runder Tisch" in Kaiserslautern; Informationen auf der Website des BDKJ Kaiserslautern   
 
August 2013: Die ersten "Stolpersteine" wurden in Kaiserslautern verlegt 
Anmerkung: An acht Verlegeorten wurden in Kaiserslautern "Stolpersteine" verlegt: Friedenstraße 30, Gaustraße 1, Steinstraße 30, Am Altenhof 17, Alleestraße 10, Königstraße 57, Werderstraße 6 und Turnerstraße 40. .  
Mitteilung der Pressestelle der Stadt Kaiserslautern zur Verlegung am 29. August 2013 (Quelle: Website der Stadt Kaiserslautern): 
"Stolpersteine nun auch in Kaiserslautern
Bürgermeisterin Dr. Wimmer-Leonhardt: 'Dem Vergessen ein weiteres Stück Erinnerung entgegen gesetzt.'

Zwischen 1933 und 1945 wurden in Kaiserslautern über 200 Bürgerinnen und Bürger Opfer der Nationalsozialisten. Zu ihrem Gedenken fand heute die erste Verlegung von so genannten Stolpersteinen statt. Dieser ging gestern ein Schweigemarsch durch die Innenstadt der sehr viele Menschen gefolgt sind und eine ergreifende Gedenkveranstaltung in der Alten Eintracht voraus. Auch verschiedene Opfer und Angehörige von Opfern des Nationalsozialismus sind 'teilweise von weit her' hierfür angereist. 'Im Namen der Stadt möchte ich mich bei allen Beteiligten und Unterstützern bedanken, die die Stolperstein-Initiative auch in Kaiserslautern möglich gemacht haben', so Bürgermeisterin Dr. Susanne Wimmer-Leonhardt. 'Damit wurde dem Vergessen in unserer Stadt ein weiteres Stück Erinnerung entgegen gesetzt.'
Auch in Kaiserslautern wurde Mitbürgerinnen und Mitbürgern unendliches Leid zugefügt, meinte die Bürgermeisterin. 'Die jetzt verlegten Stolpersteine setzen Zeichen und rufen dazu auf, aus der Vergangenheit zu lernen!' Sie wiesen auf die Verpflichtung der heute lebenden Menschen hin, dafür zu sorgen, das so etwas nie wieder geschehen kann. 'Es ist unsere Aufgabe, die Erinnerung zu bewahren und dafür Sorge zu tragen, dass mit aller Entschlossenheit denjenigen gegenübergetreten wird, die meinen, den Glauben und die Meinung und Freiheit anderer nicht akzeptieren und respektieren zu müssen und die nichts aus der Vergangenheit gelernt haben!'
In ihrer Ansprache dankte Dr. Susanne Wimmer-Leonhardt vor allem Schwester Martina, die die Stolperstein-Initiative in Kaiserslautern sehr einfühlsam umgesetzt hätte. Ein besonderer Dank richtete die Bürgermeisterin auch an Roland Paul, stellvertretender Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, sowie an Dr. Jens Stöcker vom Stadtarchiv, die die vielen Einzelschicksale intensiv recherchiert hatten. 'Bedanken möchte ich mich außerdem bei der 'Friedensinitiative Westpfalz e.V.', der Evangelischen Jugend Kaiserslautern mit Stadtjugendpfarrer Detlev Besier sowie bei der Neuen Arbeit Westpfalz.'
Mit seinem 1995 initiierten Projekt 'Stolpersteine' erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig durch kleine Gedenksteine europaweit an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Neben der Stadtverwaltung unterstützen in Kaiserslautern Privatpersonen, Parteien, Banken sowie Unternehmer und Organisationen die Arbeit der Initiative oder finanzieren einzelne Stolpersteine, für die sie eine Patenschaft übernehmen. In den kommenden Jahren sollen in Kaiserslautern weitere Stolpersteine verlegt werden. "    
 
Juni 2014: Weitere Verlegung  von "Stolpersteinen"     
Artikel bei swr.de vom 21. Juni 2014: "Neue Stolpersteine in Kaiserslautern Gegen das Vergessen von Nazi-Opfern
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sind gerade mal zehn auf zehn Zentimeter - und doch leisten sie Großes: Denn sie erinnern an Opfer des Nazi-Regimes. In Kaiserslautern sind weitere 19 Stolpersteine verlegt worden.
"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist" - dieser Satz stammt aus dem Talmud, einem der der wichtigsten Schriftwerke des Judentums. Der Künstler Gunter Demnig zitiert diesen Satz oft, wenn er erklärt, was er mit seinen Stolpersteinen bewirken will: Sie sollen an Nazi-Opfern erinnern. Denn auf den kleinen Pflastersteinen stehen ihren Lebensdaten. Demnig verlegt sie vor den Häusern, in denen die Menschen zuletzt gelebt haben. Seit Freitag, 20. Juni, sind 19 Stolpersteine in Kaiserslautern hinzu gekommen. 
Rundgang am 10. Juli. Die Stolperstein-Verlegung in der Innenstadt hat in aller Stille stattgefunden. Dafür wird es am 10. Juli einen öffentlichen Rundgang durch Kaiserslautern geben. Er soll auch zu den frisch verlegten Stolpersteinen führen. Im Anschluss an den Rundgang gibt es eine Feier im SWR Studio Kaiserslautern. Daran nimmt unter anderem Margot Wicki-Schwarzschild teil, die als Kind von den Nazis ins Internierungslager Gurs verschleppt worden war.
Jetzt 38 Stolpersteine in Kaiserslautern. Schon im vergangenen Jahr hatte der Künstler Gunter Demnig 19 Stolpersteine in Kaiserslautern verlegt. Für die Kunstaktion setzt sich eine Stolperstein-Initiative ein, in der u.a. die Stadt Kaiserslautern, die Kirchen und viele Freiwillige engagiert sind." 
Link zum Artikel    

      
Link zu einem Video über den Abriss der Synagoge 1938 - eingestellt bei YouTube 
   
    
    
       

Links und Literatur 

Literatur (kleine Auswahl): 

Germania Judaica II,1 S. 384-385.  
Art. "Kaiserslautern" in:  "und dies ist die Pforte des Himmel". Synagogen Rheinland-Pfalz - Saarland. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland Bd. 2. 2005 S. 197-203 (mit weiteren Literaturangaben).  
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Dahn 2005 S. 91-93 (mit weiteren Literaturangaben). 

Links:  

Ausführliche Informationsseiten und Computerrekonstruktion der Synagoge Kaiserslautern mit zahlreichen Abbildungen: Seite der Technischen Universität Darmstadt
Informationsseite von www.info-westpfalz.de zur Synagoge Kaiserslautern
Artikel des VVN-BdA Kaiserslautern zum 62. Gedenktag der Pogromnacht: hier anklicken  
Dazu Stadtrundgang des VVN-BdA Kaiserslautern auf den Spuren der jüdischen Geschichte in der Stadt: hier anklicken  
Namen der jüdischen Opfer der NS-Zeit aus Kaiserslautern: hier anklicken  
http://www.christen-und-juden.de/html/KL.htm 
Art.: Mittelalterliches jüdisches Bad (Mikwe) in Kaiserslautern: hier anklicken, Informationsseite der Stadt zur Mikwe: hier anklicken  
Art.: Roland Paul: Der Abriss der Kaiserslauterer Synagoge 1938: hier anklicken  
Art.: Bernhard Gerlach: Neues Synagogendenkmal in Kaiserslautern: hier anklicken    

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Kaiserslautern  Palatinate. Jews are first mentioned in 1293. They were attacked and expelled from the dity in the disturbances of 1349 and 1383 and in 1395 were permanently banned by the Palatinate elector, the future Rupert II. 
Only in 1798, under French aegis, were the Jews again allowed to settle with full civil rights. In the mid-19th century, most Jews belonged to the middle class and were active in local life, joining the civil guard and serving on the municipal council. A synagogue was consecrated in 1848 and a Jewish school existed from 1837 to 1875, when all the city's parochial schools were consolidated into a single public school system. With the onset of industrial development in the 1860s, the Jewish population began to grow, rising from 108 in 1835 to 716 (total 26,323) in 1880. Jews opened a number of factories (cigars, soap, sewing machines, gaiters, leather, etc.). A bank and two department stores were also owned by Jews. By 1913, Jewish breadwinners included 88 merchants, 11 industrialists, three doctors, and seven lawyers and notary publics. Organized antisemitic incitement became prevalent in the 1880s. Antisemitic incidents, such as the desecration of the Jewish cemetery, also occured during the late Weimar period (1925-33). In 1933, when the Nazis came to power, the Jewish population was 648. Jews were dismissed from jobs in the civil service. By 1937, as a result of Nazi boycott and other discriminatory measures, 21 % of the Jews in Kaiserslautern became dependent on Jewish Winter Aid. In 1938, the community was forced to sell the synagogue to the municipality and the building was pulled down in September 1938. In its place, the community received a room in a disused prison. By October 1938, more than half the Jews had left, the majority to the United States and Palestine. On Kristallnacht (9-10 November 1938), 110 of 160 Jewish homes were vandalized as well as many stores; Torah scrolls were burned. About 50 Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. Subsequently about 250 Jews left the city. In 1939, 90 remained. On 22 October 1940, 48 were deported to the Gurs concentration camp. Others were deported through March 1945. In all, 76 perished in the Holocaust, including 36 in France and 20 in Auschwitz. 
A postwar community grew to 150 in the 1950s. 
   
      

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                 

 

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Stand: 26. November 2016