Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) 
Jüdische Friedhöfe

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

Siehe Seite zur Synagoge in Kaiserslautern (interner Link)     
  

Zur Geschichte der Friedhöfe  

In Kaiserslautern bestehen zwei jüdische Friedhöfe innerhalb des Hauptfriedhof    
   
Die Toten der jüdischen Gemeinde Kaiserlautern wurden zunächst in Mehlingen beigesetzt. Bei Beerdigungen fuhren die Kaiserslauterer Juden den Sarg bis zu einem Holzhof in der Mannheimerstraße und hielten hier die Zeremonien ab. Dann wurde der Tote zum Friedhof nach Mehlingen verbracht. 
   
1858
konnte die jüdische Gemeinde einen eigenen Friedhof in Kaiserslautern am "Kahlenberg" eröffnen (Flurstück 2451/2). 1870 wurde neben diesem jüdischen Friedhof ein Soldatenfriedhof eröffnet. Seit 1874 wurden die Grundstücke um den jüdischen Friedhof mit Flächen des neuen christlichen Friedhofes der Stadt belegt (heutiger Hauptfriedhof nördlich der Mannheimer Straße). Damit war der jüdische Friedhof die Keimzelle des heutigen Hauptfriedhofes. 
  
Die Friedhofsfläche umfasst 33,10 ar. Aus der NS-Zeit liegen keine Mitteilungen über Schändungen des Friedhofes vor, doch ereignete sich eine solche bereits im Sommer 1928:   
       
Friedhofschändung 1928  

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1928: "Auf dem jüdischen Friedhof in Kaiserslautern sind über 30 Grabsteine umgeworfen und Gräber demoliert worden. Es ist dies die 58te Gräberschändung (sc. seit 1923) in Deutschland."  

Der Friedhof wurde auch nach 1945 belegt. Nach den Beisetzungen in den Jahren 2008/2009 ist der Friedhof voll belegt.   
     
   
Seit 2009 besteht ein neuer jüdischer Friedhof:     

Pressemitteilung der Stadt Kaiserlautern von 24. April 2009Neuer Jüdischer Friedhof wird der Jüdischen Kultusgemeinde übergeben
Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen

Zum Festakt im Rahmen der offiziellen Übergabe des Neuen Jüdischen Friedhofs an die Jüdische Kultgemeinde der Rheinpfalz am kommenden Sonntag, 26. April 2009, um 11:30 Uhr sind auch die Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen. 
Der alte Jüdische Friedhof auf dem Hauptfriedhof in Kaiserslautern besteht seit 150 Jahren. Der erste jüdische Bürger wurde 1858 auf dem jüdischen Friedhof im Osten der Stadt beigesetzt. Die Christen wurden seinerzeit noch auf dem städtischen Friedhof an der Friedenstraße bestattet, der 1834 eingerichtet worden war. Somit gilt der Jüdische Friedhof als Keimzelle des Hauptfriedhofes, denn dieser hat sich erst 1874 aus diesem entwickelt. 
Seitens der Stadtverwaltung wurde nun eine neue Fläche angelegt, denn das ursprüngliche Areal von 3.300 Quadratmetern bot keine Beisetzungsmöglichkeiten mehr. Der Neue Jüdische Friedhof wird nun offiziell bei einem kleinen Festakt übergeben. In diesem Rahmen sind Grußworte seitens der Stadt, einem Rabbiner, von den Vertreterinnen und Vertretern der christlichen Kirchen sowie von der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz geplant.  

   
 
Aus der Geschichte des Friedhofes  
Probleme um die Gestaltung der gemeinsam von Christen und Juden zu nutzenden Friedhofshalle (1903)

Kaiserslautern Israelit 08011903.jpg (109677 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1903: "Kaiserslautern, 7. Januar (1903). Hierselbst hat bekanntlich das Rabbinat Einspruch erhoben gegen die Anbringung eines Kreuzes auf der Leichenhalle. Dieser Einspruch ist jetzt zurückgezogen worden. In der Stadtratssitzung wurde, wie die ‚Pf.Pr.’ berichtet, eine Zuschrift des Rabbinats verlesen, in der die Bitte ausgesprochen war, für den Fall der obligatorischen Verbringung der Leichen in die Leichenhalle den jüdischen Einwohnern noch so viel Zeit vom Todesfall bis zur Verbringung zu lassen, dass die rituellen Waschungen noch in der Wohnung vorgenommen werden können, sodass die Leichenhalle hierzu nicht in Anspruch genommen zu werden brauchte; im Übrigen möge man den Wünschen der überwiegenden Mehrheit entsprechen. Nach längerer Verhandlung wurde entsprechend den Wünschen der protestantischen und katholischen Gemeinden beschlossen, das Kreuz unmittelbar vor dem Eingang der Leichenhalle unterhalb der Frontspitze anzubringen. Ein hiernach gestellter Antrag des Stadtrates Dr. Rübel, für die Israeliten eine isolierte Zelle zu erbauten, wurde, um eine unnötige Erörterung zu vermeiden, dem Bauausschuss zur weiteren Behandlung überwiesen.“
   
Kaiserslautern FrfIsrFambl 16011903fn.jpg (165875 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Januar 1903: "Kaiserslautern, 31. Dezember (1902). Die Frage der Anbringung eines Kreuzes auf der Leichenhalle kam in heutiger Sitzung des Stadtrates wieder zur Sprache. Nach einem eingelaufenen Schreiben des hiesigen Rabbinats leistet die israelitische Kultusgemeinde auf eine eigene Zelle in der Leichenhalle zur Vornahme der rituellen Waschungen Verzicht. Der Bauausschuss hat sich mit dem Antrag Ruelius-Hohnsänger wegen Anbringung eines Kreuzes auf der Schutzhalle mit (Betsaal) beschäftigt. In der Sitzung stimmten 5 für Anbringung und 5 dagegen. Eine längere Debatte entsteht auch heute wieder. Klement (Sozialdemokrat) richtete scharfe Ausfülle gegen die Geistlichkeit, die einen unerhörten Druck ausgeübt habe und ersucht um Ablehnung des Kreuzes, da die israelitische Minderheit vergewaltigt werde. Bürgermeister Dr. Orth bemerkt hierauf, dass von einer Vergewaltigung keine Rede sein könne und empfiehlt den Antrag Ruelius-Hohnsänger zur Annahme. Es kommt nun zur Abstimmung. Für die Anbringung eines Kreuzes stimmten 15, dagegen 4 Mitglieder, 2 enthielten sich der Abstimmung. Die Anbringung eines Kreuzes an der Frontspitze über dem Eingang der Schutzhall (und Betsaal) ist somit genehmigt. Für die Israeliten soll ein Separat-Eingang geschaffen werden. Dr. Rübel beantragte nun die Erbauung einer eigenen abseits von der Leichenhalle stehenden Zelle für die Israeliten. Die Sache wird an den Bauausschuss verwiesen. (Übrigens hat auch ein jüdisches Blatt 'Die deutsche israelitische Zeitung' in Regensburg, Distriktsrabbiner Dr. J. Mayer, (in Nr. 52) unumwunden erklärt, dass die Juden im Unrecht seien und als 'kleine Minderheit der großen Mehrheit nicht ansinnen könnten, dass diese an ihrer Leichenhalle auf das Symbol ihrer Religion verzichten sollten. Es sei bedauerlich, wenn hierin den religiösen Gefühlen der Christen nicht Rechnung getragen würde. Die Juden sollten sich eine eigene Leichenhalle bauen mit städtischem Zuschuss.".  


  

Lage der Friedhöfe        
  
Beide Friedhöfe befinden sich im Hauptfriedhof an der Mannheimer Straße; in der Karte unten sind sie eingetragen mit "jüdischer Friedhof" und "jüdischer Friedhof neu". 

Kaiserslautern Friedhof 281.jpg (89675 Byte)Links: Karte des Hauptfriedhofes Kaiserslautern mit Eintragung der beiden jüdischen Friedhofsflächen   


Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.6.2009)

Kaiserslautern Friedhof 282.jpg (93628 Byte) Kaiserslautern Friedhof 251.jpg (113240 Byte) Kaiserslautern Friedhof 250.jpg (93599 Byte)
Blick auf den inmitten des allgemeinen Friedhofes liegenden jüdischen Teil Blick vom Eingangstor 
über den Friedhof
"BEIT OLAM - Jüdischer Friedhof Kaiserslautern - bestehend seit 1858"
     
Kaiserslautern Friedhof 280.jpg (126639 Byte) Kaiserslautern Friedhof 252.jpg (111661 Byte) Kaiserslautern Friedhof 253.jpg (117341 Byte)
Blick vom Eingangstor die neuesten Gräberreihen Vom Eingangstor aus erreicht man zunächst die neuesten Gräberreihen. Der Friedhof ist bis auf wenige Gräber voll belegt. Auf dem rechten Foto sieht man neue Beisetzungen (2008/2009)
Kaiserslautern Friedhof 258.jpg (118386 Byte) Kaiserslautern Friedhof 256.jpg (93301 Byte) Kaiserslautern Friedhof 259.jpg (106771 Byte)
Auffallend gewachsener Baum - auffallend großes Grabmonument für Helene Wilhelmine Tuteur geb. Loeb 
     
Kaiserslautern Friedhof 260.jpg (113344 Byte) Kaiserslautern Friedhof 261.jpg (133246 Byte) Kaiserslautern Friedhof 262.jpg (116373 Byte)
Blick entlang des Mittelweges zum älteren Teil (Gräber aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts)   Grabstein im Vordergrund für Nettchen Fröhlich (1860-1920) und Rosalie Fröhlich (1866-1957) Teilansicht mit teils hohen schwarzen Obelisken - charakteristisch für die Zeit um 1900
     
Kaiserslautern Friedhof 255.jpg (103361 Byte) Kaiserslautern Friedhof 264.jpg (113879 Byte)
Blick auf Grabsteine der 1930er-Jahre. Die Fläche ist bis über die Höhe der Grabeinfassungen zur leichten Pflege aufgefüllt. Grabsteine in der vorderen Reihe von links für Julius Kahn (/1831-1902) und Jakobine Kahn geb. Becker (1833-1903) mit "segnenden Händen" der Kohanim; in der Mitte für Leo Kahn (1884-1902), gestaltet als "abgebrochene Säule" für einen viel zu früh Verstorben; rechts für Isaak Hecker (1819 Mehlingen - 1902 Kaiserslautern) und Frau Fanny Hecker geb. Kahn (1830-1911) 
Kaiserslautern Friedhof 267.jpg (102376 Byte) Kaiserslautern Friedhof 266.jpg (108408 Byte) Kaiserslautern Friedhof 254.jpg (100242 Byte)
Auffallend im Friedhof mehrere hohe Grabsteine mit großen Engelsfiguren, Grabstein links Grabstein für Justizrat Salomon Frenckel (1819-1908) und Karoline Frenckel geb. Levi (1823-1895), Grabstein rechts für Adolf Rosenbaum (1851-1936?) und Johanna Rosenbaum geb. Felsenthal (1854-1907) sowie "unser heiß geliebtes, unvergessliches einziges Kind: Ida Rosenbaum" (1878-1896).     Grabstein für Dr. Dr. Paul Tuteur (1881-1952) und Lotte Tuteur-Metzger (1902-1968) mit Gedenkinschrift für die in Auschwitz ermordeten Kinder Carola (1925-1945) und Claus (1927-1945) 
     
Kaiserslautern Friedhof 263.jpg (110585 Byte) Kaiserslautern Friedhof 265.jpg (115657 Byte) Kaiserslautern Friedhof 275.jpg (69778 Byte)
Grabstein für Jeanette Kehr geb. Kahn (1823-1906)  Engel auf Grabstein von Franz Kehr (1817-1891)
Kaiserslautern Friedhof 272.jpg (97706 Byte) Kaiserslautern Friedhof 273.jpg (107638 Byte) Kaiserslautern Friedhof 268.jpg (128125 Byte)
   Grabstein für Joseph Kehr (1821-1885) und Lina Kehr geb. Götz (1845-1926) Grabstein für Simon Mayer (1842-1894) und Henriette Mayer geb. Bauer (1853-1932) 
      
Kaiserslautern Friedhof 274.jpg (124509 Byte) Kaiserslautern Friedhof 269.jpg (113756 Byte) Kaiserslautern Friedhof 271.jpg (111532 Byte)
Grabstein links (abgebrochene Säule) für Johanna Vendig (1871-1890), rechts für Raphael Vendig (1835-1917) und Sara Vendig geb. Weinschenk (1828-1908)  Teilansichten des älteren Friedhofsteiles mit den Grabsteinen der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts 
 
       
        
Neuester jüdischer Friedhofsteil im allgemeinen Friedhof- angelegt 2008 Kaiserslautern Friedhof n013.jpg (114007 Byte) Kaiserslautern Friedhof n012.jpg (112575 Byte)
  Blick über die noch unbelegte Fläche
     
  Kaiserslautern Friedhof n010.jpg (125262 Byte) Kaiserslautern Friedhof n011.jpg (113630 Byte)
    Erstes Grab - 2009

  
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Kaiserslautern  
Informationsseite des VVN-BdA zum jüdischen Friedhof Kaiserlautern      

Literatur:    

  
   

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. Juli 2009