Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Dürkheim (Kreisstadt) mit Orten der Umgebung
Jüdische Geschichte / Synagoge  
   

Es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte der Stadt  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In (Bad) Dürkheim (Zusatz "Bad" erst seit 1904) lassen sich jüdische Einwohner zunächst im Mittelalter (1309, Judenverfolgung 1348/49) und wiederum seit dem 17. Jahrhundert feststellen. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges werden (zwischen 1633 und 1649) zwei Juden in der Stadt genannt, 1687 sind es bereits vier (vermutlich wie 1708 vier jüdische Familien). Dürkheim hatte bereits im Mittelalter Stadtrechte, die dem Ort jedoch 1471 wieder entzogen wurden. 1700 wurden die Stadtrechte durch Graf Johann Friedrich von Leiningen wieder verliehen, worauf die an der Hauptstraße lebenden jüdischen Familien zum Verkauf ihrer Häuser und zum Umzug in Nebenstraßen gezwungen waren.
    
Im Laufe des 18. Jahrhunderts
nahm die Zahl der jüdischen Familien dennoch stark zu: 1787 waren es 15 Familien. Zur jüdischen Gemeinde Bad Dürkheim gehörten auch die in Grethen, Hardenburg und Ungstein lebenden jüdischen Personen. Später (nach 1900) wurden - nach Auflösung der dortigen jüdischen Gemeinden - auch die jüdischen Bewohner aus Leistadt (zuvor in Weisenheim am Berg zugeteilt), Weisenheim am Berg, Kallstadt, Friedelsheim, Gönnheim und Freinsheim der Dürkheimer Gemeinde zugewiesen.   
    
Mitte des 19. Jahrhunderts gab es etwa 60 jüdische Familien in der Stadt (1856). Bis Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl jüdischer Einwohner in der Stadt auf fast 300 zu (1875 285, 1900 291). Danach ging die Zahl langsam zurück: 1905 261, 1933 184 jüdische Einwohner. Eine prägende Persönlichkeit des Gemeindelebens in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war neben dem Rabbiner (s.u.) und den Lehrern (s.u.) Jacob Tillmann, der fast 50 Jahre lang bis zu seinem Tod 1892 Gemeindevorsteher war.
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Elementarschule (1856 genannt) und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Bezirksrabbiner (nächster Abschnitt) ein jüdischer Elementarlehrer, nach der Auflösung der Elementarschule ein Religionslehrer am Ort. Mitte des 19. Jahrhunderts (1856) wird ein Lehrer Schwarz genannt, der damals bereits von der bürgerlichen Gemeinde angestellt, bezahlt und damit den christlichen Lehrern gleichgestellt war. Von 1884 an war Religionslehrer in der Stadt M. Meyer. Er konnte 1909 sein 25-jähriges Ortsjubiläum feiern. Prägende Persönlichkeit im Gemeindeleben war von 1875 bis 1940 (!) der Realschullehrer (an der Bärmannschen Realschule*) Ludwig Strauss. Er war von 1907 an bis nach 1935 Kultusvorsteher der Gemeinde, von 1920 bis nach 1935 Vorsitzender des Rabbinatsbezirks Bad Dürkheim-Frankenthal und von 1917 bis nach 1935 Schatzmeister des Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz. Jahrelang war er auch (noch um 1930) Stadtrat der bürgerlichen Gemeinde. Nach dem Wegzug des Kantors Schatz 1933 übernahm er das Vorbeteramt in der Gemeinde. Im Alter von 85 Jahren ist er nach Gurs deportiert wurden und ist umgekommen. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem Friedhof in Wachenheim beigesetzt.
    
*Zur Bärmannschen Realschule: gegründet und geleitet von 1875 bis 1902 von dem aus Kindenheim stammenden Simon Bärmann, danach - bis 1922 und der Umwandlung in die Realschule Bad Dürkheim - von seinen Söhnen Heinrich und Leopold Bärmann; an Heinrich Bärmann erinnern in Bad Dürkheim die Heinrich-Bärmann-Straße und der von der Carl-Orff-Realschule in Bad Dürkheim regelmäßig verliehene Heinrich-Bärmann-Preis.    
 
Bad Duerkheim Rab Steckelmacher.jpg (37967 Byte)Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Frankenthal, wobei der Bezirksrabbiner seinen Sitz in Dürkheim hatte (daher auch Bezirksrabbinat Dürkheim-Frankenthal genannt). An Bezirksrabbinern werden genannt: um 1838/56 Rabbiner Aaron Merz; 1865-1910 Rabbiner Dr. Adolf Salvendi; 1910-1935 Dr. Ernst Steckelmacher (1935 Sitz des Rabbinates in Ludwigshafen, Dr. Steckelmacher ist nach der Deportation nach Gurs (1940) 1943 in Lublin-Majdanek umgekommen; Foto links aus Minor/Ruf s.Lit.). 
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Salomon Dornberger (geb. 26.6.1892 Dürkheim, gef. 16.9.1914), Arthur Reiss (geb. 24.6.1899 Rödersheim, gef. 27.9.1918) und Gefreiter Fritz Simon (geb. 8.5.1896 Ungstein, gef. 5.10.1917).   
  
Um 1925
gehörten etwa 220 Personen zur jüdischen Gemeinde (3,1 % von ca. 7.000 Einwohnern). Um 1925 waren Mitglieder des Gemeindevorstandes die Herren Stadtrat Ludwig Strauß, David Mandel, Isaak Simon II. In Dürkheim wohnhafter Bezirksrabbiner war Dr. E. Steckelmacher. Als Kantor und Schächter war ein Herr Schatz angestellt, Richard Loeb war Schriftführer und Rechner, Samuel Schloss Friedhofsaufseher sowie Schächter und Vorbeter im benachbarten Wachenheim. Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher erteilte den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen. An Stiftungen bestand die Abraham Kuhn'sche Studiendienstiftung, die bedürftige Studierende unterstützte. An Vereinen war der "Jünglingsverein" (Chewra) tätig (gegründet 1820), dessen Betätigungsfelder die Krankenunterstützung und die Totenbestattung waren. Auch ein Israelitischer Frauenverein (gegründet 1898) mit 1925 54 Mitgliedern war aktiv innerhalb der Gemeinde und widmete sich der Unterstützung der Mitglieder und sonstiger Hilfsbedürftiger bei Krankheits- und Sterbefällen. Um 1932 waren Vorsteher der Gemeinde die Herren Stadtrat Ludwig Strauß, Adolf Mandel und Emil Loeb, Schriftführer Richard Loeb. Damals erhielten von Dr. Steckelmacher noch 18 jüdische Kinder Religionsunterricht.  
  
Nach 1933 ging die Zahl der jüdischen Einwohner infolge der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der ständig zunehmenden Repressionen und der Entrechtung weiter zurück (1933: 184, 1937 98, 1938 40). Ein Teil der wegziehenden jüdischen Personen konnte emigrieren, andere verzogen von Bad Dürkheim, vor allem in die Anonymität größerer Städte. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geplündert (s.u.). Die 1940 hier noch lebenden 19 jüdischen Personen wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. 
  
Von den in Bad Dürkheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Carry Adler geb. Wolff (1866), Alfred Beer (1920), Malinka (Melinka) Behr geb. Heller (1865), Elisabeth Cahn geb. Reiss (1894), Berta Anna Domberger geb. Weis (1885), David Domberger (1874), Alfred Frank (1882), Cläre Fränkel (1887), Benno Heller (1894), Elisabeth (Liesel) Horwitz geb. Reiss (1888), Frieda (Friedel) Horwitz (1923), Miegelus Wilhelm Horwitz (1888), Hugo Kahn (1879), Paula Kahn (1882), Paula Kann geb. Strauss (1879), Adolf Kiefer (1886), Luise Koch geb. Jonas (1886), Luise Kuhn geb. Wolff (1877), Alexander Loeb (1884), Berthold Loeb (1882), Fridoline Loeb geb. Löw (1878), Frieda Loeb geb. Hamburger (1869), Leopold Loeb (1879), Selma Maas (1893), Adolf Mandel (1875), Franziska Mandel geb. Loew (1882), Günther Mané (1923), Hedwig Mané geb. Reiss (1892), Sally Mané (1888), Emilie Mayer (1864), Hermine Mayer geb. Levi (1888), Ruth Moratz geb. Jungmann (1908), Hedwig Muschkatblatt geb. Tuteur (1876), Alice Reiss (1894), Elias Reiss (1861), Rosa Reiss (1866), Peter Rudolf (1904), Dr. Hugo Salvendi (1879), Isaak Simon (1874), Dr. Ernst Steckelmacher (1881), Betty Strauss geb. Weil (1880), Karl Strauss (1883), Klara Strauss geb. Neumann (1856), Kurt Strauss (1896), Ludwig Strauss (1855), Hedwig Strübe geb. Wittenberg (1887), Meta Wallhausen geb. Wolf (1889), Mathilde Wisbrunn geb. Tuteur (1867), Else Wolf (1885), Ernst Wolf (1888), Eugen Wolff (1873, siehe Foto des Grabsteines in Gurs unten auf dieser Seite), Richard Wolf (1890).  
      
      
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge       
       
Auf dem Eckgrundstück Wachenheimer Straße / Entengasse wurde 1748/49 mit obrigkeitlicher Erlaubnis eine Synagoge erbaut. 
       
Über das Alter der Dürkheimer jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge (Mitteilung von Rabbiner Dr. Salvendi, 1878)  

Bad Duerkheim Israelit 14081878.jpg (112210 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August: "Dürkheim, den 28. Juli (1878). In dem ersten Kapitel Ihrer neuesten Erzählung findet sich ein lapsus calami, den Sie gütigst beim zweiten Kapitel in einer Anmerkung verbessern wollen. 
Die Dürkheimer jüdische Gemeinde ist im Ganzen sehr jungen Ursprungs. Die allererste Synagoge wurde hier 5509 = 1749 der gewöhnlichen Zeitrechnung erbaut. Die älteste jüdische Urkunde der hiesigen Kultusgemeinde, das 'Memor-Buch' datiert von einem Jahre später, und ist, nach der Angabe des Schreibers desselben auf dem Titelblatt Sinai Lunz, ein Vertrauensmann in der Heiligen Gemeinde Worms, ein Geschenk des Kazin, des Herrn, Herr Rafael ... aus der Heiligen Gemeinde Worms". Also hat die hiesige Gemeinde jedenfalls kein weit höheres Alter als 129 Jahre..."

1848 wurde die Synagoge vergrößert. Das Gebäude hatte seitdem im Männerbereich 160 Sitze mit je einem Pult; auf der Empore 90 Frauensitze. Im Gebäude waren auch das Rabbinerzimmer, ein Gemeindezimmer sowie ein Schulzimmer. 
 
Zur Ausstattung gehörten zwei wertvolle Kronleuchter; im Toraschrein wurden 14 Torarollen aufbewahrt. Zahlreiche weitere wertvolle Kultgegenstände waren vorhanden, darunter vier Chanukkaleuchter, elf Toraschreinvorgänge, 50 Toramäntel). Der Gottesdienst erhielt in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Reformen des Bezirksrabbiners Merz und des Vorsängers Herrn Rosenberger eine liberale Prägung. Damals wurde der Chorgesang eingeführt: 
     
Bemühungen um den Chorgesang im Gemeindegottesdienst (1851)  

Bad Duerkheim AZJ 30061851.jpg (54199 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Juni 1851: "Dürkheim an der Hardt, im Juni (1851). Den Bemühungen unseres Vorstehers, Herrn Immanuel Meier, der Bezirksrabbinen, Herrn Merz, und des Vorsängers, Herrn Rosenberger, verdanken wir jetzt einen ausgezeichneten Chorgesang, der unseren Gottesdienst außerordentlich erhebt. Ebenso haben die beiden ersteren durch ein neues, gutes Statut die Gemeinde angemessen reorganisiert."

1885 erfährt man von der Notwendigkeit einer gründlichen Durchsicht beziehungsweise Reparatur aller Torarollen der Synagoge: 
    
Die Torarollen sind zu reparieren (1885)  

Bad Duerkheim Israelit 01061885.jpg (59045 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1885: "In der hiesigen Gemeinde sind sämtliche Tora-Rollen einer genauen Durchsicht, respektive Reparatur, zu unterwerfen, und soll die Arbeit auf dem Submissionswege übergeben werden. Soferim (Toraschreiber) mit Zeugnissen von gesetzestreuen Rabbinern werden hiermit eingeladen, ihre Offerten bei dem Unterzeichneten einzureichen und zwar baldmöglichst. Dürkheim, den 27. Mai 1885. Für den Synagogen-Ausschuss: Der Vorstand Jacob Tillmann." 

1925 erfolgte eine weitere gründliche Renovierung der Synagoge. Am 30. Oktober 1927 wurden bei einer Gedenkfeier zwei Gedenktafeln zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht: 

Gedenkfeier für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges mit Einweihung der Gedenktafeln (1927)

Bad Duerkheim BayrGZ 11111927.jpg (53271 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 11. November 1927: "Bad Dürkheim (Pfalz). Sonntag, den 30. Oktober 1927, wurde in der Synagoge zu Bad Dürkheim (Pfalz) eine Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen veranstaltet. Zwei schlichte Gedenktafeln aus Marmor in dem Gotteshaus der israelitischen Kultusgemeinde sollen nun das Andenken der Gefallenen im Weltkriege aus der Gemeinde festhalten und der Nachwelt Zeugnis von dem Opfermut dieser Männer, die ihr Bester, das Leben, dem Vaterland gaben. Bezirksrabbiner Dr. E. Steckelmacher hielt die Weiherede. Ihr folgte eine religiöse Ansprache des Synagogenrates Ludwig Strauß, welche der eindrucksvollen Feier einen würdigen Abschluss gab."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung, die Fenster und Türen von NS-Parteigenossen völlig zerstört. Auf dem Obermarkt wurden die Torarollen und der Leichenwagen verbrannt. Das Gebäude blieb stehen (bis 1945 von der NSZ Rheinfront zweckentfremdet), wurde jedoch bei einem Luftangriff auf Bad Dürkheim am 18. März 1945 zerstört. Die Ruine wurde 1946 abgebrochen. Die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz erhielt zwar das Grundstück zurück, verkaufte es jedoch 1953 für 8.000 DM an einen Privatmann, der einen Neubau erstellte (bis Mai 2002 Löwenapotheke). Erhalten ist die Portalinschrift der Synagoge mit einem Zitat aus Psalm 118,20. 
 
Seit 1989 ist eine von Manfred Kieselbach gestaltete Gedenktafel an dem Gebäude angebracht:

Bad Duerkheim Synagoge 201.jpg (82730 Byte)Artikel in der "Rheinpfalz" vom 2. September 1989: "Mahnung und Erinnerung. In einer kleinen Feierstunde wurde gestern abend, am 50. Jahrestag des Ausbruchs des zweiten Weltkrieges, an der Löwenapotheke, dort stand einst die jüdische Synagoge, eine Tafel enthüllt, die an die schlimme Verfolgung jüdischer Mitbürger erinnert. Gleichzeitig als Mahnung gegen Rassismus, Fanatismus und Terror verstanden werden soll, formulierte Bürgermeister Georg Kalbfuß in seiner Ansprache, der sich ein gemeinsames Gebet von Dekan Ulrich, Rabbiner Dr. Ydit, Pfarrer Knörr anschloss (von links). Daneben Bürgermeister Georg Kalbfuß und der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Jack Bulka. Über die Gedenkfeier werden wir noch berichten."  
  
Bad Duerkheim Synagoge 200.jpg (128272 Byte)Artikel in der "Rheinpfalz" vom 4. September 1989 (Artikel wird abgekürzt zitiert): "Erinnerung als Beitrag zur Versöhnung. Mahntafel an der Dürkheimer Löwenapotheke ruft Ereignisse der Reichspogromnacht ins Gedächtnis.  Bad Dürkheim. Eine schlichte Mahntafel hatte man sich vorgestellt, ein kleines Kunstwerk sei daraus geworden. Dies bescheinigte am Freitagabend Bürgermeister Georg Kalbfuß mit Anerkennung Professor Manfred Kieselbach, dessen Bronze-Arbeit an die Schändung des ehemaligen jüdischen Gotteshauses, an die Ausschreitungen gegen jüdische Dürkheimer Mitbürger erinnern soll. Die Gedenktafel wurde an der Löwenapotheke angebracht, an jener Stelle, an der einst das jüdische Gotteshaus stand. 
Kalbfuß erinnerte an den 9. November 1938, an die Reichspogromnacht, als auch in Dürkheim die Synagoge in Brand gesteckt, der gesamte Gebetsraum zerstört wurde. Doch diese Nacht sei nur der Höhepunkt einer schon 1933 begonnenen Kampagne gegen jüdische Mitbürger gewesen: Ihre Geschäfte wurden boykottiert, jüdische Beamte aus dem öffentlichen Dienst entfernt, 'öffentliche Diskriminierung war gang und gäbe'. ....  In der sogenannten 'Reichskristallnacht' sei in Bad Dürkheim Schlimmes geschehen. Schlimmes vor allem auch deshalb, weil sich niemand den Terrorbanden entgegengestellt habe.... Kalbfuß warb für Toleranz und mitmenschliche Wärme. Die Erinnerungstafel möge immer allen vor Augen führen, wohin Hass und Fanatismus führen. 
Als ein beginnendes Gespräch zwischen Juden- und Christentum wollten auch die drei Geistlichen, Rabbiner Dr. Ydit, Dekan Ulrich und Pfarrer Knörr ihr gemeinsames Gebet, eine Fürbitte für Frieden und Verständigung, verstanden wissen. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde am 50. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges, an der rund 100 Dürkheimer Bürger teilnahmen, vom Trompetenensemble der städtischen Musikschule."   

   
Adresse/Standort der Synagoge
heutige Weinstraße Süd 1 (früher Wachenheimer Straße 25 bzw. Entengasse 19)    
   
   
Fotos / Darstellungen
(das Foto der Synagogenruine: Stadtarchiv Bad Dürkheim; veröffentlicht bei Weber s.Lit. S. 50; historische Aufnahmen vor 1938 sind nicht bekannt, Hinweise gegebenenfalls an den Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite; Farbfotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.11.2005)  

Historische Aufnahmen 
liegen noch nicht vor 
Bad Duerkheim Synagoge 001.jpg (93548 Byte)
  Hinweis: die obige Innenaufnahme einer Synagoge wird in der "Encyclopedia of Jewish life" 
Bd. I S. 70 (siehe unten Lit.) unterschrieben mit "Interior of Bad Duerkheim synagogue". 
Dabei handelt es sich allerdings um eine fehlerhaft eingestellte und falsch unterschriebene
 Innenansicht der Synagoge in Ansbach.    
     
Die zerstörte Synagoge  Bad Duerkheim Synagoge 010.jpg (66143 Byte)   
  Die Synagogenruine 
vor dem Abbruch 1946 
  
         
       
Denkmal zur Erinnerung an die jüdischen Mitbürger im Kurpark Bad Dürkheim 
(Fotos: Michael Ohmsen) 
  
Bad Duerkheim Denkmal 097.jpg (192003 Byte) Bad Duerkheim Denkmal 096.jpg (214722 Byte) Bad Duerkheim Denkmal 095.jpg (196588 Byte)
Inschrift des Denkmales: "Zur Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger - Opfer des Nationalsozialismus. Die Stadt Bad Dürkheim". 
   
Das Synagogengrundstück im Herbst 2005    
Bad Duerkheim Synagoge 105.jpg (78161 Byte) Bad Duerkheim Synagoge 104.jpg (61715 Byte) Bad Duerkheim Synagoge 103.jpg (24714 Byte)
Blick auf das an Stelle der Synagoge erbaute Gebäude Frühere Portalinschrift mit Zitat aus
Psalm 118,20 und Erbauungsjahr 1748/49
 
   
Bad Duerkheim Synagoge 100.jpg (56185 Byte) Bad Duerkheim Synagoge 101.jpg (54581 Byte) Bad Duerkheim Synagoge 102.jpg (60788 Byte)
Gedenktafel Oberer Teil der Gedenktafel Unterer Teil / Gedenkinschrift
     
     

Weitere Aufnahmen von 2009/10/13 (Fotos: Michael Ohmsen; hochauflösende Fotos siehe unter den Links u.a.  www.panoramio.com/photo/36468169, www.panoramio.com/photo/36468174, www.panoramio.com/photo/31420092 beziehungsweise Fotoseiten von M. Ohmsen  zu Bad Dürkheim)  

Bad Duerkheim Synagoge 0150.jpg (84805 Byte) Bad Duerkheim Gedenken 016.jpg (86047 Byte) Bad Duerkheim Gedenken 017.jpg (38106 Byte)
Das Gebäude auf dem
 Synagogengrundstück 
Gedenktafel für 
die Synagoge 
Frühere Portalinschrift mit Zitat aus 
Psalm 118,20 und Erbauungsjahr 1748/49 
     
     
Gedenken an die aus Bad Dürkheim
 vertriebenen und ermordeten 
jüdischen Einwohner
Bad Duerkheim Gedenken 018.jpg (73671 Byte) Bad Duerkheim Denkmal 090.jpg (95404 Byte) Bad Duerkheim Gedenken 015.jpg (63239 Byte) Bad Duerkheim Denkmal 091.jpg (150146 Byte)
   Rechts der Menora hebräische Jahreszahl (5)770 für 2009/10, danach Text: "Zum Gedenken. 
Wir gedenken unserer jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die in den Jahren des Nationalsozialismus
 1933-1945 gedemütigt, vertrieben und ermordet wurden".  Auf der Rückseite Namen der früheren
 jüdischen Einwohner Bad Dürkheims.  
         
          
Gedenken an 
Dr. Benno Heller (1894-1945)
Bad Duerkheim Gedenken 019.jpg (59980 Byte) Bad Duerkheim Heller D010.jpg (74889 Byte)
   Text der Gedenktafel am Gebäude Ecke Römerplatz/Stadtplatz: "Zum Gedenken an Dr. Benno Heller, geb. 29. September 1894 Bad Dürkheim, gest. vermutl. 1945 KZ Sachsenhausen. Hier am Stadtplatz stand das Geburtshaus von Dr. Benno Heller. Während des nationalsozialistischen Regimes gewährten er und seine Frau Irmgard Menschen jüdischen Glaubens Schutz und verhalfen ihnen zur Flucht. Dieser Widerstand kostete Benno Heller das Leben."   
       
 

Duerkheim Heller 020.jpg (2380 Byte)Ergänzender Hinweis: Dr. Benno Heller war Gynäkologe und betrieb eine Praxis in Berlin in der Sonnenallee 13, wo sich gleichfalls eine Gedenktafel befindet. Heller stammte aus einem jüdischen Elternhaus in Bad Dürkheim. Er war mit einer nichtjüdischen Frau verheiratet. Die beiden halfen zahlreichen Menschen in Berlin zur Flucht. Anfang 1943 wurde das Ehepaar denunziert. Dr. Benno wurde von der Gestapo verhaftet. Seine Schwester floh zu ihrer Schwester nach Leipzig, wo sie am 15.9.1943 im Alter von 47 Jahren starb. Dr. Heller wurde Mitte Juni 1943 nach Auschwitz deportiert. Ende Oktober 1944 kam er in das KZ Sachsenhausen, von dort in das Lebenlager Liebrose-Jamlitz. Mitte Januar soll er mit einem Einzeltransport in das KZ Ravensbrück gekommen sein. Von da an verliert sich seine Spur. 
Quelle: reuter-quartier.de
; Foto der Gedenktafel in Berlin-Neukölln siehe Seite von kultur-neukoelln.de 

  

  
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Eugen Wolff  

Bad Duerkheim Gurs BK 021.jpg (192337 Byte) Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für  
Eugen Wolff  
geb. am 11. Mai 1873 in Bad Dürkheim, später wohnhaft in Ludwigshafen am Rhein und Neustadt a.d. Weinstraße
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo er am 29. Dezember 1940 umgekommen ist.    

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Ausstellung vom 8. Juni 2008 bis 1. Februar 2009
"Dürkheims Operndiva begründet Festspiele!" - Ausstellung im Haus Catoir - Heimatmuseum Bad Dürkheim 
Duerkheim Ausstellung 2009.jpg (128299 Byte) Begleittext zur Ausstellung (Quelle): "Kennen Sie Rosa Maas? Die Opern- und Konzertsängerin, 1858 als Spross einer jüdischen Familie in Dürkheim geboren, war viele Jahre auf den Bühnen der Welt unterwegs. München, London und Paris waren nur einige Stationen ihres Lebensweges. Mit 47 Jahren kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück, um sich hier ihren lang gehegten Traum zu verwirklichen und Bad Dürkheim ein Stück Kultur zu geben, das über die Region hinaus für viele Jahre zum guten Renommee der jungen Kurstadt beitragen sollte: 1909 rief sie die Festspiele Limburg-Hardenburg ins Leben, die sich als ein voller Erfolg erwiesen und die sie bis 1927 mit ihrer ganzen Kraft leitete. 
Nicht nur die Geschichte der Rosa Maas ist ein Beleg dafür, wie weit die Integration der jüdischen Bürger an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert fortgeschritten war. Anhand vieler weiterer Beispiele versucht die Ausstellung zu zeigen, in welch besonderem Maß sich Mitglieder der Bad Dürkheimer jüdischen Gemeinde um ihre Heimatstadt verdient gemacht haben: Jonathan Gernsheim, passionierter Sammler und Heimatforscher, gehörte 1871 zu den Gründern des Altertumsvereins und war der erste Museumsleiter und Kustos der Sammlung; Ludwig Strauß, Stadtratsmitglied und Synagogenvorstand, war Lehrer an der Bärmannschule, Vorsitzender des Gewerbevereins sowie langjähriger Dirigent der Liedertafel; Dr. Veit Kaufmann, hochangesehener Arzt und Schüler von Rudolph Virchow, war 1894 Mitbegründer der Pfälzischen Kinderheilstätten und ermöglichte so Tausenden von kranken Kindern bedürftiger Eltern den notwendigen Kuraufenthalt in Bad Dürkheim.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dürkheim, eine der ältesten der Pfalz, reicht jedoch viel weiter zurück. Als Sitz des Bezirksrabbiners Dürkheim-Frankenthal kam ihr eine herausragende Stellung in der Region zu. Zentrum der aufblühenden und selbstbewussten Gemeinschaft war die 1749 errichtete Synagoge. Das Gebäude an der Ecke Wachenheimer Straße und Entengasse war mit aufwendiger Malerei reich verziert und mit Ornamentfenstern ausgestattet. Besonders im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ein aktives Gemeindeleben. Nicht ohne Stolz stellte 1920 der damalige Synagogenvorstand Ludwig Strauß in einem kleinen Buch diese erfreuliche Entwicklung seiner Gemeinde vor. 
Die Ausstellung macht aber auch deutlich, wie schnell die Ausgrenzungs- und Diskriminierungspolitik der Nationalsozialisten ihre fatale Wirkung zeigte. Auch in Bad Dürkheim wurde die jüdische Bevölkerung durch die Reichsgesetze allmählich ausgegrenzt. Wenige gingen rechtzeitig in die Emigration, der große Teil wurde einige Jahre später deportiert und ermordet. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde auch die Dürkheimer Synagoge geplündert. Bis zur Zerstörung durch die alliierten Bombenangriffe am 18. März 1945 diente der Bau als Redaktionsbüro der Zeitung 'NS-Rheinfront'. 
Exponate aus dem Bestand des Heimatmuseums, dem Stadtarchiv Bad Dürkheim, dem historischen Museum der Pfalz sowie von privaten Leihgebern vermitteln einen Einblick in das jüdische Alltagsleben in der Region Bad Dürkheims von den Anfängen bis zu ihrem Ende in der Zeit der NS-Herrschaft. In Kurzbiografien werden die Mitglieder der jüdischen Gemeinde vorgestellt, die sich besondere Verdienste um ihre Heimatstadt erworben haben. Eine Abteilung widmet sich dem Schicksal der jüdischen Bürger während der NS-Diktatur." 
 

  
   

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Bad Dürkheim     

Literatur:  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 44-45.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 85 (mit weiteren Literaturangaben).  
Ulrike Minor/Peter Ruf: Juden in Ludwigshafen. Ludwigshafen am Rhein 1992 (zu Rabbiner Dr. Steckelmacher S. 53-54 und Foto im Bildteil). 
Horst O. Hermanni: Rosa Maas, die Prinzipalin: ein jüdisches Schicksal vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zur Diktatur des Deutschen Reiches. Mannheim 1996.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bad Duerkheim  Palatinate. Jews are mentioned in 1309, making the community one of the oldest in the Palatinate. It was destroyed in the Black death persecutions of 1348-49. Jews were again living there in the second half of the 17th century, employed as butchers and merchants. In 1700, they were forced to move to an out-of-the-way alley and prohibited from trading in food products other than meat. In the mid-18th century, the community numbered 15 families. A synagogue was erected in 1748 and in the 19th century the community began to grow significantly, reaching a population of 305 (total 6,089) in 1880. Jews were active in trade, especially in textiles, and as artixans. In the 20th century, Jews became winegrowers and wine merchants. Jews served in the municipal council and were active in public affairs. In 1865, the Hungarian-born Dr. Adolf Salvendi became community rabbi, serving for 44 years. As the only Orthodox rabbi in the Palatinate he came into frequent conflict with Liberal circles throughout the province. A new synagogue was consecrated in 1892. The Jewish elementary school founded in the 1840s closed in 1870. A private business school set up by Jews at around the same time developed into one of the most important educational institutes in the town, becoming a municipal high school with its Jewish principals occupying leading public positions. The Liberal proclivities of the congregation found expression in the introduction of an organ and choir in the synagogue. In 1920, a woman served as a beadle (shamash). Ludwig Strauss, who as director of the high school dormitory was chosen to head the community in 1907, served continously on the municipal council from 1918 until the Nazi era. The Jewish population fell to 185 in 1925 and 152 in 1933. With the advent of the Nazis, Jews were removed from public positions. In 1935, they were banned from municipal baths and resort areas. By 1937, about half the Jews had left the town, at least 20 reaching the U.S. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA troops wrecked the synagogue and about 25 Jewish homes and stores. Four men were sent to the Dacahu concentration camp. By the end of 1939, the last five Jewish business establishments were transferred to German ownership. The remaining 28 Jews were confined to four buildings. In 22 October 1940, 19 Jews were deported to the Gurs concentration camp in southern France. At least 25 Jews perished in the Holocaust. Among Bad Duerkheim's satellite communites were Kallstadt (63 Jews in 1848 with a synagogue and Jewish school), Ungstein (42 Jews in 1875), Freinsheim (65 in 1835), Friedelsheim (61 in 1848) and Weisenheim am Berg (42 in 1848).  
   
    

                   
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Stand: 20. Mai 2014