Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Freinsheim (VG Freinsheim, Kreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Hinweis auf das Freinsheimer Spielzeugmuseum und der Zusammenhang zur jüdischen Geschichte  
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
    
In Freinsheim bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit um 1700 zurück, als erstmals (Stadtrechnung von 1701/02) ein jüdischer Einwohner genannt wird. Über mehrere Jahrzehnte durften jedoch zunächst nur zwei jüdische Familien am Ort leben. 
  
Erst seit Ende des 18. Jahrhunderts konnten weitere Familien zuziehen. 1801 werden 19 jüdische Einwohner gezählt, 1808 34, 1825 48 (2,5 % der Gesamteinwohnerschaft). 1809/10 werden folgende Familien/Haushaltungen genannt: Samuel Cahn (Händler), Ester Feist Witwe, Joseph Herz (Händler), Joseph Herz Senior (Metzger), Gottlieb Kauffmann (Händler), Joseph Kauffmann (Händler), Ester Stern Witwe. 1835 wurde die Höchstzahl von 65 jüdischen Einwohnern in der Stadt erreicht. Wenig später ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück. 1876 waren nur noch 39 jüdische Personen in der Stadt. 1910 waren es noch drei. 
  
Zum 1. Januar 1894 wurde die jüdische Gemeinde Freinsheim aufgelöst; die hier noch lebenden jüdischen Personen wurden der Gemeinde in Kallstadt zugeteilt. 
   
Von den in Freinsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Denny Maximilan Neu (1877, später wohnhaft in Heidelberg), Eugenie Reuter geb. Sinsheimer (1878, später wohnhaft in Haigerloch).     
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Die Auflösung der Gemeinde zum 1. Januar 1894   

Freinsheim AZJ 29121893.jpg (31004 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 29. Dezember 1893: "Wegen allzu geringer Zahl von Angehörigen wurde die israelitische Kultusgemeinde Freinsheim vom 1. Januar 1894 ab mit der zu Kallstadt vereinigt. Die Synagoge in Freinsheim kommt in Folge dessen zum 'Ausgebot".(?)." 
   
Freinsheim Israelit 21121893.jpg (26434 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1893: "Kallstadt, 11. Dezember 1893. Wegen allzu geringer Zahl von Angehörigen wurde die israelitische Kultusgemeinde Freinsheim vom 1. Januar 1894 ab mit der hiesigen vereinigt. Die Synagoge in Freinsheim kommt infolge dessen zum 'Ausgebot.' (?Red.)" 

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Über Hermann Sinsheimer (1883-1950)    

Hermann Sinsheimer, geb. 1883 in Freinsheim, gest. 1950 in London: Journalist, Theaterkritiker, Schriftsteller und Jurist. Zeitweise tätig als Direktor der Münchner Kammerspiele, danach von 1923-29 Chefredakteur und Herausgeber der satirischen Zeitschrift Simplicissimus. Nach 1929 Feuilletonist der Münchner Neuesten Nachrichten und ab 1930 in Berlin Feuilletonist des Berliner Tageblattes. 1938 nach Großbritannien emigriert. In seinem autobiographischen Werk "Gelebt im Paradies" beschreibt er seine Jugendjahre in der Pfalz. Die Stadt Freinsheim verleiht in Erinnerung an Sinsheimer seit 1983 in ungeraden Jahren den Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik sowie seit 2000 in geraden Jahren die Hermann-Sinsheimer-Plakette für Verdienste um die Pfälzische Literatur.  
Vgl. Wikipedia-Artikel "Hermann Sinsheimer"         
  

Ludwigshafen Stadt 151.jpg (64574 Byte)Links: Gedenktafel für Hermann SInsheimer am Haus Ludwigstraße 51 in Ludwigshafen am Rhein mit der Inschrift:
"Hier befand sich von 1910 bis 1914 die Kanzlei des Juristen und Schriftstellers 
Hermann Sinsheimer  
geboren 1883 in Freinsheim, gestorben 1950 im Londoner Exil".       

  

Sinsheimer Hermann Lit 010.jpg (73818 Byte)Hinweis auf eine 2012 erschienene :  
Hans-Helmut Görtz, Gabriele Giersberg, Erik Giersberg (Bearbeiter): Briefe aus England in die Pfalz: Hermann und Christobel Sinsheimer. 768 S. Verlag Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung Heinestr. 3  67433 Neustadt a.d. Weinstraße 2012. ISBN 978-3-942189-12-5.  49,00 €.     
Es ist ein Band entstanden, der neben 400 S. Briefetexten (die Briefe Hermann Sinsheimers aus dem englischen Exil 1946 bis 1950, die Briefe seiner Witwe Christobel Sinsheimer geb. Fowler (1950-1962) u.a. fast 200 S. unter dem Titel "Namen und Schicksale" enthält, auf denen die Bearbeiter ihre umfangreichen Forschungen zur Familie Sinsheimer zusammengestellt haben.    

 
Freinsheim Sinsheimer 020.jpg (176832 Byte)In Freinsheim erinnert ein Hermann Sinsheimer-Weg an den berühmten Sohn der Gemeinde. Freinsheim Grundschule 100.jpg (37434 Byte)
Auch die Grundschule Freinsheim instnach ihm benannt: Hermann-Sinsheimer Grundschule Freinsheim   
Dazu gibt es das "Hermann Sinsheimer Haus" (Geburtshaus von Hermann Sinsheim) in der Haintorstraße 6. 
Foto links von M. Ohmsen (Fotoseiten zu Freinsheim); Foto rechts aus der Website der Hermann-Sinsheimer-Grundschule   
 
Freinsheim Freinsheimer 016.jpg (76381 Byte)Am Geburtshaus von Hermann Sinsheimer in der Haintorstraße 6 ist eine Tafel angebracht mit der Inschrift: "Der Jurist, Schriftsteller und Journalist Hermann Sinsheimer ist am 6. März 1883 in diesem Haus geboren. Seine Leidenschaft für Theater und Literatur führte ihn vor 1933 zu Geltung und Ansehen im deutschen Kulturleben. Was er schrieb ist auch im Exil mitgeprägt von einer glücklichen Kindheit in Freinsheim. Fern der Heimat starb er 1950 in London"  

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge                
   
Ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser wird erstmals 1815 genannt. 1846 wurde eine Synagoge außerhalb der Stadtmauern erstellt, die jedoch nur wenige Jahrzehnte für die gottesdienstlichen Zusammenkünfte der jüdischen Familien dienen sollte. Mit dem starken Wegzug der jüdischen Einwohner war es bereits in den 1880er-Jahren schwer geworden, die nötige Zehnzahl religionsmündiger jüdischer Männer zum Gebet zusammen zu bekommen. 1887 entschlossen sich die Freinsheimer Juden zu einer "Werbeaktion" in der Zeitschrift "Der Israelit". Ärmere Juden wurden zum Zuzug nach Freinsheim oder wenigstens zum regelmäßigen Gottesdienstbesuch eingeladen. In der Ausgabe des "Israelit" vom 12. Mai 1887 war zu lesen: 

Freinsheim Israelit 12051887.jpg (45877 Byte)"Freinsheim (Bayerische Rheinpfalz). Durch Wegzug ist die hiesige israelitische Gemeinde derart klein geworden, dass es bereits an Minjan asara (Zehnerminjan) zur Abhaltung der Gottesdienste gebricht. Sollten ärmere Israeliten hierher zu ziehen sich entschließen, so dürften sie auf die Unterstützung ihrer hiesigen Glaubensgenossen rechnen. - Es wäre erwünscht, wenn zu den Feiertagen vier arme Israeliten hierherkämen, um den öffentlichen Gottesdienst zu ermöglichen.   

Der Aufruf bewirkt wohl wenig: nach Freinsheim wollten keine jüdischen Familien mehr ziehen. Wenig später wurden die Gottesdienste in der Synagoge eingestellt. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde zum 1. Januar 1894 verkaufte die jüdische Gemeinde für 1.500 Mark das Gebäude an die bürgerliche Gemeinde. Der Erlös wurde zur Renovierung der Synagoge in Kallstadt verwendet.
 
Bis 1966 befand sich in dem Gebäude der Kindergarten der Gemeinde, danach ging das Gebäude an den Männergesangverein über, der es zum Vereinsheim umbaute. 1985 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Von der Synagoge sind noch drei Außenwände und die alte Einteilung der Rundfenster erhalten. Insgesamt handelt es sich um einen charakteristisch klassizistischen Bau. Die Toranische befand sich an der Straßenseite unterhalb dem Halbrundfenster.   
    
    
Adresse/Standort der SynagogeJudengasse 8.        
    
Kontakt zu eventueller Besichtigung: Männergesangverein 1846, Judengasse 8, 67521 Freinsheim, Tel. 06353/3155.
   

   
Fotos 
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 155 [Foto 1997]; die Fotos der ehemaligen Synagoge von 2010 von Michael Ohmsen, auf dessen Fotoseite zu Freinsheim findet sich auch auch das erste Foto - Ansicht von der Straße - in hoher Auflösung).

Die ehemalige Synagoge 
1997  
Freinsheim Synagoge 120.jpg (63336 Byte)   
        
        
Die ehemalige Synagoge 
im Herbst 2010 / 2013 
(Fotos: Michael Ohmsen, 
siehe Anm. oben)  
Freinsheim Synagoge 190.jpg (58485 Byte)  Freinsheim Synagoge 192.jpg (43977 Byte) Freinsheim Synagoge 14001.jpg (77160 Byte)
    Ansicht von 
der Straße
  Das Gebäude ist heute Heim des 
"MGV 1846" (Männergesangverein 1846)
        
    Freinsheim Synagoge 14002.jpg (94731 Byte)  Freinsheim Synagoge 191.jpg (34340 Byte)  Freinsheim Synagoge 193.jpg (56480 Byte)
  Seitenansicht   Seitenansicht   Seitenansicht mit heutigem Eingang
     
     
Die "Judengasse"
(Fotos: Michael Ohmsen)
Freinsheim Judengasse 010.jpg (76463 Byte) Freinsheim Judengasse 011.jpg (133656 Byte)
  Eintragung der "Judengasse" 
auf dem Stadtplan
Straßenschild
 "Judengasse"
     

   
Hinweis auf das Freinsheimer Spielzeugmuseum und der Zusammenhang zur jüdischen Geschichte   

Bing Spielwaren 010.jpg (27795 Byte)2010 wurde in Freinsheim ein Spielzeugmuseum bzw. das 1. Spielzeug- und Blechwaren Museum der Bing Werke eröffnet. 
Zur Firmengeschichte: 1863 gründeten die aus Memmelsdorf stammenden jüdischen Brüder Ignaz und Adolf Bing in Nürnberg die Fa. Gebr. Bing als reines Handelsunternehmen zum Vertrieb von Spiel- und Haushaltswaren. 1879 begann die Errichtung eines eigenen Werks, das zwei Jahre später in Betrieb ging ("Nürnberger Spielwarenfabrik Gebr. Bing"). Anfang 1890 wurden weitere Produktionsstätten errichtet ("Nürnberger Metall- und Lackierwaarenfabrik vorm. Gebr. Bing"). Ab 1919 zeichnete das Unternehmen als "Bing-Werke AG". Um 1923 waren die Bing-Werke mit etwa 16.000 Beschäftigten die größte Spielwarenfabrik der Welt. Nach Turbulenzen in der Weltwirtschaftskrise 1932 wurde die "Bing Spielwaren GmbH Nürnberg" 1934 aufgelöst und liquidiert.
Link zum Spielzeugmuseum Freinsheim   
Link zur Firmengeschichte mit zahlreichen Abbildungen von Katalogen usw. 
Wikipedia-Artikel über "Bing (Unternehmen)".                   

  
   

Links und Literatur   

Links:  

Website der "Urlaubsregion Freinsheim"   
Website der Stadt Freinsheim  
Artikel zu Hermann Sinsheimer bei www.wikipedia.de  

Literatur:  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 72.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 154-155 (mit weiteren Literaturangaben).
Hermann Sinsheimer: Gelebt im Paradies. Beschreibung einer Kindheit und Jugend im Freinsheim des ausgehenden 19. Jahrhunderts. München 1953. 
Hans-Helmut Görtz, Gabriele Giersberg, Erik Giersberg (Bearbeiter): Briefe aus England in die Pfalz: Hermann und Christobel Sinsheimer. 768 S. Verlag Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung Heinestr. 3  67433 Neustadt a.d. Weinstraße 2012. ISBN 978-3-942189-12-5.  49,00 €.  

   
   

                   
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Stand: 10. April 2017