Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kallstadt (VG Freinsheim, Kreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
    
In Kallstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts, als Kallstadt Mittelpunkt der in der unmittelbaren Umgebung lebenden jüdischen Familien war (Ungstein, Herxheim und Erpolzheim).   
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 29 jüdische Einwohner (zusammen mit Leistadt; 2,6 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 39 (5,9 %), 1825 51 (5,4 %), 1836 26 jüdische Familien, 1875 38 jüdische Einwohner (etwas mehr als 3 % der Gesamteinwohnerschaft), 1900 12 jüdische Einwohner, 1918 noch eine jüdische Familie. 
  
1809/10 werden als jüdische Haushaltsvorstände genannt: Jacob Cohn (Cohn; Kurzwarenhändler), Abraham Löb (Kolonialwarenhändler), Marx Löb Senior (Hausierer), Salomon Löb (Viehhändler), Aron Lev, Isaak Mayer (Metzger), Jacob Wolff (Mehlhändler).  
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Wachenheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.  
       
Um 1924 gehörten zur jüdischen Gemeinde nur noch drei Personen. Die Gemeinde war schon ein paar Jahre zuvor aufgelöst, die Synagoge 1918 verkauft und die noch am Ort lebenden jüdischen Personen der Gemeinde Bad Dürkheim zugeteilt worden.   
        
Von den in Kallstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Thekla Brink (1878), Friederike Oberlänger (1878), Helene Weglein (1879). 
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 / 1877 / 1886 / 1887 / 1900 / 1901 / 1902 / 1907 (Aushilfsvorbeter für die Feiertage)   

Kallstadt Israelit 23081876.jpg (50672 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1876: "In der hiesigen Gemeinde ist die Stelle eines Vorbeters, Schächters und Religionslehrers vakant und möglichst bald zu besetzen. 
Fester Gehalt 450 Mark, nebst freier Wohnung, den Einkünften der Schechita und sonstigen Emolumenten. Meldungen mit Beifügung der nötigen Zeugnisse sind an den unterzeichneten Synagogenvorstand zu richten. 
Kallstadt (Rheinpfalz), den 16. August 1876. Jacob Mayer II."
  
Kallstadt Israelit 10101877.jpg (46229 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1877: "Die hiesige Lehrer, Kantor- und Schächterstelle ist vakant und soll sofort besetzt werden. Gehalt aus der Kultuskasse 345 Mark, aus der Chebra 100 Mark, nebst freier Wohnung und den Schlachtgebühren. Nur im deutschen Reiche Beheimatete können bei der Prüfung der Meldungen berücksichtigt werden. 
Kallstadt (Rheinpfalz), den 7. Oktober 1877. A. Löb, Kultusvorstand."
 
Kallstadt Israelit 13051886.jpg (23978 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1886: "In der israelitischen Gemeinde dahier ist die Stelle eines Lehrers 
vakant und wollen sich Bewerber melden an 
Karl Löb, Kallstadt
."
   
Kallstadt Israelit 17021887.jpg (30947 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1887: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochet ist sofort zu besetzen. Gehalt 500 Mark nebst freie Wohnung und circa 200 Mark Kasualien. 
Kallstadt, Pfalz. Karl Löb."
 
Kallstadt Israelit 09081900.jpg (34109 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900: "Wir suchen per 1. September 1900 einen Religionslehrer, der vorbeten und schächten kann, mit einem Gehalt von 1.000 Mark inklusive Nebeneinnahmen bei freier Wohnung. 
Carl Kuhn, Vorstand, Kallstadt, Rheinpfalz."
    
Kallstadt Israelit 03011901.jpg (37228 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1901: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters, mit einem Gehalt von 1.000 Mark inklusive Nebeneinnahme bei freier Wohnung zu besetzen. 
Carl Kuhn, Vorstand, Kallstadt, Rheinpfalz." 
  
Kallstadt Israelit 13031902.jpg (73342 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1902: "Die israelitische Gemeinde Kallstadt (für Mallstadt) sucht einen Vorbeter, der aber Inländer sein muss. Gehalt 400 Mark. Die Nebenverdienste belaufen sich auf 600 Mark, freie Wohnung. Bewerber wollen ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis längstens 25. März dieses Jahres bei dem Unterzeichneten einreichen. 
Kallstadt (für Mallstadt) (Pfalz), 10. März. 
Der Vorstand: Karl Kuhn
."
   
Kallstadt Israelit 18071907.jpg (34875 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1907: "Die israelitische Gemeinde Kallstadt  
Dürkheim (Pfalz) sucht für die bevorstehenden Feiertage zur Aushilfe einen Vorbeter
Lusttragende wollen sich an den Unterzeichneten wenden. 
Karl Kuhn,
Vorstand."

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Die israelitische Kultusgemeinde Freinsheim wird mit der Gemeinde in Kallstadt vereinigt (1894)     

Freinsheim AZJ 29121893.jpg (31004 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 29. Dezember 1893: "Wegen allzu geringer Zahl von Angehörigen wurde die israelitische Kultusgemeinde Freinsheim vom 1. Januar 1894 ab mit der zu Kallstadt vereinigt. Die Synagoge in Freinsheim kommt in Folge dessen zum 'Ausgebot".(?)." 
    
Freinsheim Israelit 21121893.jpg (26434 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1893: "Kallstadt, 11. Dezember 1893. Wegen allzu geringer Zahl von Angehörigen wurde die israelitische Kultusgemeinde Freinsheim vom 1. Januar 1894 ab mit der hiesigen vereinigt. Die Synagoge in Freinsheim kommt infolge dessen zum 'Ausgebot.' (?Red.)" 

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge                      
    
Eine alte Synagoge unbekannten Baujahres befand sich 1827 in einem baufälligen Zustand. Der Bau einer neuen Synagoge wurde damals in der jüdischen Gemeinde beschlossen. Über mehrere Jahre wurden immer wieder neue Baupläne eingeholt, die jedoch nicht die Zustimmung der Regierung bekamen. Erst ein (inzwischen vierter) Entwurf des Zivilbauinspektors August von Voit von Anfang 1836 fand die Zustimmung der Regierung, sodass im August 1836 mit dem Bau begonnen werden konnte. Die Baukosten wurden in der im Juli erfolgten Ausschreibung der Arbeiten mit 3.140 Gulden veranschlagt:   

Kallstadt Synagoge 09071836.jpg (74295 Byte)Anzeige im "Amts- und Intelligenzblatt des Rhein-Kreises" vom 9. Juli 1836: "...den 5. Juli 1836. 
Kallstadt
. (Erbauung einer Synagoge.) Montag, den 25. Juli laufenden Jahres, Vormittags 9 Uhr, wird auf dem Rathause dahier, die Erbauung einer Synagoge, an den Wenigstnehmenden durch unterzeichnetes Amt versteigert, veranschlagt: 
a) Erd- und Maurerarbeiten ...  
Kallstadt, den 4. Juli 1836. Das Bürgermeisteramt. Ruprecht."   

Der Rohbau der Synagoge wurde im April 1837 fertiggestellt. Im Sommer 1837 konnte die Synagoge mit ihren charakteristischen ägyptischen Stilelementen, die mehr als 3.000 Gulden gekostet hatte, eingeweiht werden. 
  
Aus der Geschichte der Synagoge sind nur wenige Berichte bekannt. 1862 erfährt man von der feierlichen Einweihung einer neuen Torarolle:        
  
Einweihung einer neuen Torarolle in der Synagoge (1862)  

Kallstadt Israelit 03061862.jpg (78194 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1862: "Kallstadt, 11. Mai (1862). Am verflossenen Freitag und Samstag feierte die hiesige israelitische Kultusgemeinde ein gewiss seltenes Fest. Es fand nämlich die Einweihung einer neuen, von Herrn Samuel Lohmann von hier gestifteten Tora statt. von Nah und Fern strömten Freunde herbei, um der Feier beizuwohnen. Die liturgischen Feierlichkeiten waren ganz der Bedeutung des Festes angemessen. Was uns besonders freue, war, dass wir unter dem Zuge sowie in der Synagoge viele protestantische Mitglieder der Gemeinde bemerkten, unter andern den Herrn Vikar, den Herrn Einnehmer, den Adjunkt, die meisten Gemeinderäte und die beiden Lehrer. Wohl eine Gemeinde, in der Toleranz im entschiedensten Sinne des Wortes herrscht." 

Fast 70 Jahre war die Synagoge in Kallstadt Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens. Dann mussten die regelmäßigen Gottesdienste eingestellt werden, da die ausreichende Zahl der Beter (Minjan) nicht mehr zustande gekommen ist.   
   
Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde das Synagogengebäude im Rahmen einer Versteigerung im März 1918 an einen Nachbarn - Karl Freund III. - verkauft. Er nutzte das Gebäude in der Folgezeit als Wohnhaus und Scheune. Bei dieser Nutzung blieb es trotz verschiedener Umbauten im Inneren und an den Fenstern. Zur Vergrößerung des zunächst im ehemaligen Eingangs- und Schulbereich befindlichen Wohnraums wurde ein Teil des Betsaals umgebaut. 1994 bis 1996 wurde bei einer erneuten Renovierung der gesamte Synagogenraum in die Wohnung einbezogen.  
    
Seit November 1985 steht das Gebäude als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz. 
   
   
Adresse/Standort der SynagogeNeugasse 10/12     
    
    
Fotos 
(Quellen: Landesamt S. 203-204; Foto dritte Fotozeile Mitte aus O. Weber s. Lit. S. 102; die Foto von 2010 sind von Michael Ohmsen; das Foto "Ansicht von Nordwesten" findet sich in hoher Auflösung auch auf seiner Fotoseite zu Kallstadt)

Die 1829 von Baupraktikant Schwarzenberger
 vorgelegten Pläne zum Synagogenbau 
in Kallstadt 
(nicht verwirklicht)
Kallstadt Synagoge 120.jpg (61478 Byte) Kallstadt Synagoge 121.jpg (62415 Byte)
    Der Plan Schwarzenbergers wurde von der Regierung verworfen, worauf Schwarzenberger drei Jahre später einen neuen
 Entwurf vorlegte, der gleichfalls durchgefallen ist.
         
Kallstadt Synagoge 122.jpg (61205 Byte) Kallstadt Synagoge 123.jpg (62190 Byte) Kallstadt Synagoge 124.jpg (73246 Byte)
     
        
Die ehemalige Synagoge 
um 1990  
Kallstadt Synagoge 130.jpg (72021 Byte) Kallstadt Synagoge 131.jpg (64197 Byte)
  Blick auf das Synagogengebäude von Nordosten  
     
  Kallstadt Synagoge 133.jpg (48807 Byte) Kallstadt Synagoge 132.jpg (81548 Byte)
  Westfassade mit Eingangsportal   Deckendetail der ehemaligen Synagoge  
      
       
Die ehemalige Synagoge
im Herbst 2010 
(Foto: Michael Ohmsen, 
vgl. Anmerkung oben)  
  Kallstadt Synagoge 190.jpg (81108 Byte) Kallstadt Synagoge 191.jpg (56391 Byte)
  Ansicht von Nordwesten   Seitenansicht von Nordosten 
      
  Kallstadt Synagoge 192.jpg (65022 Byte) Kallstadt Synagoge 193.jpg (44275 Byte)
  Eingangsportal 
an der Westfassade  
Rückansicht des ehemaligen
 Synagogengebäudes  
     

      
       

Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Kallstadt    
Website zur Geschichte der Familie Freund, die 1918 das Synagogengebäude erwarb (mit Nennung des Kaufs)  

Literatur:  

Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Stefan Fischbach: Zur Inventarisation der Synagogenbauten in Rheinland-Pfalz. Ein Projekt des Landesamtes für Denkmalpflege zum Synagogen-Gedenkbuch. In: In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 8. Jahrgang Ausgabe 2-1998 Heft Nr. 16. S. 5-14.  Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). Zu Kallstadt S.10.  
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 94.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 202-204  (mit weiteren Literaturangaben).  

    
      

                   
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Stand: 15. Februar 2016