Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Steinbach am Donnersberg (VG Winnweiler, Donnersbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Steinbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht mindestens in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1780 waren bereits elf jüdische Familien am Ort.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 60 jüdische Einwohner (13,2 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 79, 1825 111 (18,5 %), 1837 107 (von 720 Einwohnern), 1875 75, 1900 24. 
 
Seit 1854 gehörten auch die im benachbarten Börrstadt lebenden jüdischen Personen  / Familien zur Gemeinde in Steinbach. Allerdings lebten dort nur bis in die 1880er-Jahre jüdische Personen.   
    
1809/10 werden die folgenden jüdischen Familienvorstände in Steinbach genannt: David Allmon (Allemann, Metzger), A. Breitstuhl (Breudenstuhl, Viehhändler), Samuel Brünhild (Pottaschehändler), Isaac Levi Eichelstein, Abraham Freiberg (Händler), Benjamin Freiberg (Pottaschehändler), Henri Freiberg (Viehhändler), Aron Joseph Maitag (Metzger), Aron Rheinstrom, David Strauß, Samuel Strauß (Pottaschehändler).   
Über die jüdischen Familien 1828, die Berufe der Familienvorsteher und in welchen Häusern sie lebten: siehe einen Abschnitt aus der Ortschronik (pdf-Datei). 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (in einem Schulhaus, das nach 1954 abgebrochen wurde), ein rituelles Bad (in einem Badhäuschen neben der Synagoge, 1957 abgebrochen) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe unten Ausschreibung der Stelle von 1894). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.    
   
Um 1924, als zur Gemeinde noch 17 Personen gehörten (2,5 % von insgesamt etwa 680 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Benjamin Strauß und Jacob Rubel. 1932 wird als Religionslehrer der damals noch drei jüdischen Schulkinder in Steinbach Lehrer Nathan Eschwege aus Rockenhausen genannt. Bekannte jüdische Familiennamen am Ort waren - teilweise noch bis nach 1933 - Rubel, Strauß, Eichhold, Weil, Moses, Mann u.a.m. Mehrere Familien hatten Handlungen / Läden am Ort (Viehhandlungen, u.a. von Benjamin Strauß, der auch eine kleine Landwirtschaft hatte; Getreidehandlung-, Futter- und Düngemittelhandlung der Familie Rubel, Textilienhandlung u.a.).     
  
1933 lebten noch 22 jüdische Personen am Ort.
In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Am 20. August 1935 verabschiedete der Gemeinderat eine "Stellung zur Judenfrage", in der formuliert wurde: "1.) Der Zuzug nach Steinbach a.Dbg. wird Juden in allen Fällen verweigert. 2. Juden dürfen in Steinbach a.Dbg. keinerlei Liegenschaften und Grundstück erwerben noch pachten. 3.) Jeder persönliche und geschäftliche Verkehr eines Volksgenossen mit Juden ist volksschädigend und untersagt. Wer dem zuwiderhandelt, erhält von der Gemeinde weder Arbeit, noch Lieferungsaufträge, noch Unterstützung. 4.) Juden betreten auf eigene Gefahr das Dorf und haben keinerlei Hilfe zu erwarten."    
  
1936 wurden noch 21 jüdische Einwohner am Ort gezählt, 1938 19, 1938 18. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet (s.u.); die jüdischen Wohnungen wurden von Männern aus Rockenhausen und Winnweiler (darunter Angestellte des Landratsamtes und der Sparkassen) sowie einem SA-Mann von Steinbach überfallen und demoliert. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und bis zum Januar 1939 im KZ Dachau festgehalten (Simon Strauß vom 12. November 1938 bis zum 17. Januar 1939). 1939 konnten noch die beiden Familien Berthold und Ferdinand Rubel in die USA emigrieren. Von der Familie Luitpold Mann und Frau Regina geb. Hein konnten die drei jüngeren Kinder (Erich, Herbert und Edith) mit einem Kindertransport Deutschland verlassen und schließlich in die USA emigrieren. Die letzten sieben jüdischen Einwohner (Simon Strauß, Ludwig Mann, Luitpold Mann, Regina Mann, Benjamin Strauß, Hanny Strauß und Erich Mann) wurden im Oktober 1940 nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Von ihnen hat nur Erich Mann überlebt, der 1948 in die USA emigriert ist.  
     
Von den in Steinbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ludwig Mann (1921), Luitpold Mann (1888), Regina Mann geb. Hein (1887), Benjamin Strauß (1873), Henny Strauß geb. Wertheim (1905), Julius Strauss (1871), Simon Strauß (1901).  
   

Die obige Zusammenstellung der Namen ist möglicherweise unvollständig, eine Unsicherheit besteht im Blick auf Julius Strauss; sicher bestätigt sind für Steinbach am Donnersberg die Angehörigen der Familie Mann (Ortschronik S. 370 sowie Mitteilung von Ruth Miller vom 12.12.2014) sowie Benjamin Strauß, Henny Strauß geb. Wertheim und Simon Strauß (Ortschronik S. 370). Eine Recherche in den angegebenen Listen ist nur teilweise möglich, da zwischen den verschiedenen Orten "Steinbach", in denen es jüdische Gemeinden gab (Steinbach am Glan, Steinbach bei Schwäbisch Hall, Steinbach bei Gießen, Steinbach bei Lohr) nicht ausreichend differenziert wird.  
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1894, dazu Ausschreibung der Stelle eines Hilfsvorbeters für die Hohen Feiertage (1887)

Steinbach Donnersberg Israelit 05091887.jpg (25897 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1887: "Für Rosch-haschonoh und Jom-Kippur suche einen Vorbeter. J. Eichhold, Steinbach am Donnersberg."
   
Steinbach Donnersberg Israelit 30071894.jpg (58998 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1894: "Die Vorbeter- und Religionslehrerstelle in der israelitischen Kultusgemeinde Steinbach am Donnersberg soll alsbald mit nachverzeichneten Gehaltsbezügen besetzt werden.  
1) als der Kultuskasse 500 M.  2) Nebendienste für Schächten etc. 150 Mark. Summa 650 Mark.  
Bewerber wollen ihre Gesuche, mit den nötigen Zeugnissen belegt, bei dem Vorstande der Gemeinde bis 7. August nächsthin einreichen.  
Steinbach, den 22. Juli 1894. Der Vorstand: Ferdinand Rubel."  

        
        
        
Zur Geschichte des Betsaal/der Synagoge    
    
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser oder eine ältere Synagoge vorhanden. Am 27. April 1807 kaufte die jüdische Gemeinde von der Bauernfamilie Gehrmann (der letzte männliche Gehrmann hatte sich nach Breunigweiler verheiratet) für 600 Gulden ein vor 1700 gebautes zweigeschossiges Wohnhaus (Fachwerkgebäude) in der Kirchgasse, um darin im Obergeschoss eine Synagoge einzurichten. Daneben wurde ein Badehäuschen für das rituelle Bad erstellt. 1841 wurde die Synagoge gründlich renoviert. Um die Kosten aufzubringen, wurde eine Kollekte in jüdischen Gemeinden durchgeführt. Auch konnte man eine Spende des Frankfurter Bankiers Baron Anselm Meyer von Rothschild verbuchen; dieser ließ per Postkutsche zweihundert Gulden aus Frankfurt nach Steinbach bringen.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 kamen der Leiter des Kreiskrankenhauses Rockenhausen (Dr. Maxon) und ein Arzt aus Winnweiler (Dr. Asthausen) nach Steinbach, um die Synagoge niederzubrennen. Das wurde jedoch nicht umgesetzt, da das Erdgeschoss von nichtjüdischen Familie Wolf bewohnt war. Darauf wurden die Inneneinrichtung und die Ritualien aus der Synagoge auf die Straße geworfen, mit Benzin überschüttet und verbrannt. 
  
1939/40 war das Synagogengebäude von der Ortsgemeinde beschlagnahmt und bis 1945 als Unterkunft für Kriegsgefangene aus Polen und der Ukraine verwendet, die tagsüber bei den Bauern des Ortes arbeiten mussten. 1949/50 wurde das Gebäude an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz rückübertragen. Diese vermietete das Gebäude und verkaufte es am 27. März 1953 für 4.600 DM an den Landwirt August Kissinger, der bereits zuvor im Obergeschoss des Betsaales Getreide gelagert hatte. 1957 wurde die ehemalige Synagoge vom neuen Besitzer abgebrochen, damit sein Hof erweitert werden konnte. 
  
Eine Anfrage der Jüdischen Kultus-Vereinigung der Rheinpfalz nach der Beschädigung der Synagoge beim Novemberpogrom 1938 wurde mit Schreiben vom 10. September 1958 durch die Gemeindeverwaltung Steinbach dahingehend beantwortet, dass nur die Kerzenlampen in der Synagoge beschädigt worden seien. 
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:   Kirchstraße   
   
   
Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 360) 

Plan des Pfarrdorfes Steinbach 
mit Eintragung der Synagoge
Steinbach KIB Plan 010.jpg (112968 Byte)  
   Der Plan ist von 1829. Die Synagoge 
hat die Gebäude-Nummer 90 (Pfeil)
 
     
Fotos der Synagoge bzw. des Synagogengebäudes sind noch nicht vorhanden; 
über Zusendungen oder Hinweise freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; 
Adresse siehe Eingangsseite.  
  
   
     
Tafel am Bürgerhaus zur Erinnerung an
 die Familie Rubel: die 
Jakob Rubel-Gedenkstätte   
(Foto: Michael Ohmsen, vgl. Fotoseite von 
M. Ohmsen mit Fotos aus Steinbach
Steinbach KIB Synagoge 180.jpg (85320 Byte) Steinbach Donnersberg.RubelTafel 010.jpg (290549 Byte)
Text der Tafel: "Jakob Rubel, geboren 1859 in Steinbach, errichtete 1913 an dieser Stelle ein Getreidemagazin. Seine Söhne Ferdinand und Berthold betrieben einen florierenden Landhandel. Nach der sogenannten 'Reichskristallnacht' flohen Ferdinand und Berthold, beide Veteranen des 1. Weltkrieges, vor der Verfolgung der Nationalsozialisten mit ihren Familien nach New York. Ferdinand Rubel fühlte sich seiner Heimat Steinbach und deren Bürger im Laufe seines erfüllten Lebens stets verbunden. Er hat deren Mut in der schrecklichen Zeit der Verfolgung nie vergessen. Die Gemeinde Steinbach erwarb das Anwesen 1978. 1980 Fertigstellung des Festplatzes. Einweihung des Bürgerhauses am 29./30. August 1981. Gestiftet von Joel und Evelyn Umlas geb. Rubel, Tochter von Ferdinand Rubel (1900) und Else Rubel geb. Jakob (1911-1979), aus Rockenhausen.  
     

    
       
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Steinbach am Donnersberg mit 
Abschnitten aus der Ortschronik, hrsg. von Michael März: Steinbach am Donnersberg - Geschichtliches über Land und Leute. Erschienen zur 800-Jahrfeier 1990:  
Abschnitt zur allgemeinen jüdischen Geschichte Ortschronik S. 367-368 (pdf-Datei)    
Abschnitte zur Synagoge und jüdischen Geschichte in Steinbach S. 369-371 (pdf-Datei)    
Abschnitt "Der Beschluss (des Gemeinderates) vom 20. August 1935" S. 372-373 (pdf-Datei)   
Abschnitt "Bericht aus jener Zeit von Pfarrer Friedrich Mann" S. 374-376 (pdf-Datei; sehr eindrückliche Beschreibung)  
Abschnitt "Was wurde aus dem jüdischen Grundbesitz" S. 377-379 (pdf-Datei)  

Literatur:  

Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 151.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 359 (mit weiteren Literaturangaben).  

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Steinbach am Donnersberg  Palatinate. The Jewish population was 60 in 1804, 91 in 1848; and 75 (total 693) in 1875. The community maintained a synagogue and cemetery (the latter established in 1850). In 1932, 22 Jews remained, dwindling to six in 1939. They were deported to the Gurs concentration camp in October 1940. At least five Jews perished in the Holocaust. 
     
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. Dezember 2014