Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Pirmasens (Kreisstadt, Rheinland-Pfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In Pirmasens bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1767 wurde eine erste jüdische Familie genannt, 1772 waren es fünf Familien. Mit Jakob Israel Beiersdorf (1759-1831) hatte die Gemeinde in Pirmasens einen ersten Rabbiner. Nachkommen von ihm lebten über mehrere Generationen in der Stadt (weitere Angaben auf der Textseite).  
       
Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner durch Zuwanderung aus umliegenden Landgemeinden stark zu: 1801 130 jüdische Einwohner (3,2 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 133 (2,9 %), 1825 144 (2,9 %), 1848 243 203, 1861 ca. 190, 1875 205, 1890 380, 1900 528 Personen von insgesamt 30.195 Einwohnern, um 1924 eine Höchstzahl von etwa 800 jüdischen Gemeindegliedern (2 % der Gesamteinwohnerschaft von etwa 40.000 Personen) zu erreichen. 
  
1808/09 werden die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit Erwerbszweig): Guillaume Altschul (Viehhändler), Samuel Altschul (Viehhändler), Witwe Sara Baum (Landwirtin), Leopold Bär (Gebrauchtwarenhändler), Samuel Bär (Metzger), Simon Bodenheimer (Landwirt), Witwe Jeanette Drexler, Samuel Salomon Dreyfuß (Metzger), Joseph Frank, Isaac Hirsch (Gebrauchtwarenhändler), Leopold Hirsch (Gebrauchtwarenhändler), Louis Hirsch (Metzger), Daniel Kahn, Emanuel Kahn (Gebrauchtwarenhändler), Jacques Kahn (Kurzwarenhändler), Isaac Keim (Viehhändler), Moritz Kern (Gebrauchtwarenhändler), Alexander Mayer (Lagerverwalter), Aron Stern (Kaufmann), Lazarus Strauß (Gebrauchtwarenhändler), Isaac Weil (Gebrauchtwarenhändler), Salomon Weil (Viehhändler).
  
Über die zahlreichen jüdischen Geschäfte und Gewerbebetriebe wie auch Arzt- und Rechtsanwaltspraxen usw. seit Mitte des 19. Jahrhunderts liegt noch keine Zusammenstellung vor.   
  
1863 wurde erstmals ein jüdischer Einwohner in den Stadtrat gewählt. 
   
An Einrichtungen der jüdischen Gemeinde gab es neben der Synagoge (s.u.) und dem Friedhof seit 1828 eine jüdische Konfessionsschule (Israelitische Volksschule), die 1834 von 50 jüdischen Kindern besucht wurde. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren seit Ende des 19.Jahrhunderts sowohl ein Lehrer (Israelitischer Elementarlehrer) wie auch ein Kantor angestellt. Von 1891 (als Nachfolger von Lehrer Nathan) bis 1930 war - fast 40 Jahre lang - Oberlehrer Abraham Michel Leiter der Israelitischen Volksschule, zugleich Erster Lehrer der Gemeinde. Sein Nachfolger wurde 1930 Hauptlehrer Julius Lamm (siehe unten). Als Kantor war seit 1896 Markus Slodki in Pirmasens. Er blieb hier 43 Jahre bis zu seinem Tod 1939.    
   
Von 1827 bis 1879 war Pirmasens Sitz eines Bezirksrabbinates (Rabbinatsstelle für den Gerichtsbezirk Zweibrücken): auf den ersten bereits genannten Rabbiner Jakob Israel Beiersdorf folgte 1827 Aaron Kohn Merz, der jedoch bereits Ende 1828/Anfang 1829 zum Bezirks-Rabbiner in Frankenthal ernannt wurde; von 1829 an war Rabbiner Juda Oppenheim (bis etwa 1877; er starb am 1. Oktober 1878 in Fürth); 1879 wurde Pirmasens dem Rabbinatsbezirk Zweibrücken zugeteilt, doch hatte der Bezirksrabbiner seit 1911 wieder seinen Sitz in Pirmasens: zunächst unter Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer, danach unter Rabbiner Dr. Dagobert Nellhaus (Rabbiner von 1931 bis 1939). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Herbert Drexler (geb. 15.6.1896 in Pirmasens, gef. 13.9.1916), Vizefeldwebel Max Drexler (geb. 16.11.1891 in Pirmasens, gef. 8.11.1916), Ignaz Friedländer (geb. 2.1.1892 in Pirmasens, gef. 31.10.1914), Ludwig Hene (geb. 13.10.1893 in Pirmasens, gef. 1.4.1915), Leutnant Max Kahn (geb. 18.9.1893 in Pirmasens, gef. 14.4.1918), Unteroffizier Bruno Kurzmann (geb. 12.12.1883 in Bayreuth, gef. 20.12.1914), Gefreiter Benno Mayer (geb. 15.3.1895 in Edenkoben, gef. 18.11.1914), Unteroffizier Otto Neu (geb. 1.11.1898 in Köln, gef. 26.7.1918), Oberarzt Dr. Arthur Schohl (geb. 11.5.1887 in Pirmasens, gef. 19.3.1918), Paul Schopf (geb. 1.8.1890 in Pirmasens, gef. 24.2.1915), Alfred Weil (geb. 18.10.1895 in Thaleischweiler, gef. 28.10.1918), Unteroffizier Emil Weil (geb. 30.9.1886 in Pirmasens, gef. 20.8.1914). Außerdem fiel der in Pirmasens geborenen Jakob Eckhaus (geb. 17.8.1897 in Pirmasens, vor 1914 in Biedesheim wohnhaft, gef. 7.6.1917).   
      
Um 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde die Herren Moritz Neu, Isidor Simon, Max Dannheiser, Carl Dreyfuß, Emil Hofmann. Als Lehrer war der bereits genannte Oberlehrer Abraham Michel tätig, als Kantor Markus Slodki. Als Rechner ist P. Lenhard eingetragen. Die "Israelitische Volkshauptschule" besuchten damals 39 Kinder. Sie wurden von Oberlehrer Abraham Michel unterrichtet, der auch am Gymnasium und an der Realschule Unterricht erteilte. An der höheren Mädchenschule gab Rabbiner Dr. Meyer den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden eine Chewra Kadischa (Ziel: Krankenpflege, Bestattungswesen), der Israelitische Frauenverein (Ziele: Krankenpflege, Bestattungswesen), ein Armenverein, ein Unterhaltungsverein, eine Ortsgruppe des Centralvereins, eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, ein Brüderverein der U.O.B.B.-Loge und ein Jüdischer Jugendbund. 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde: Karl Dreifuss, Moritz Mayer und Max Dannheiser. Als Kantor war weiterhin Markus Slodki angestellt (er starb 1939 in Pirmasens und wurde im jüdischen Friedhof [Waldfriedhof] beigesetzt), als Lehrer Julius Lamm (1930 von Rockenhausen nach Pirmasens berufen). Dieser unterrichtete damals an der Israelitischen Volkshauptschule in sieben Klassen 42 Kinder; Religionsunterricht erhielten außerhalb der Schule 34 Kinder. Zur jüdischen Gemeinde in Pirmasens gehörten inzwischen auch noch die in Herschberg lebenden jüdischen Personen. 
    
Auf Grund der 1933 (574 jüdische Einwohner) einsetzenden Repressalien und Boykottmaßnahmen sowie der zunehmenden Entrechtung der jüdischen Bevölkerung verließen zwischen 1933 und Januar 1936 67 jüdische Personen die Stadt und wanderten aus (19 in die USA, 14 nach Frankfurt, 12 nach Palästina/Israel), Die jüdischen Geschäfte und Gewerbebetriebe wurden unter dem Druck der NS-Behörden zum Verkauf an "Arier" gezwungen. Im November 1938 wurden die letzten jüdischen Geschäfte zwangsverkauft und "arisiert". Zuvor waren im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 viele jüdische Läden und Wohnungen verwüstet und geplündert worden. 82 jüdische Männer wurden in das Konzentrationslager verschleppt und wochenlang festgehalten. Am 1. September 1939 - bei der Räumung und Evakuierung der sog. "Roten Zone" - lebten noch etwa 200 jüdische Personen in Pirmasens. Bei der "Wiederbesiedlung" im Sommer 1940 kehrten etwa 65 jüdische Personen in die Stadt zurück, von denen noch einzelne emigrieren konnten, bis die letzten jüdischen Einwohner im Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden. 
  
Von den in Pirmasens geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Alfred Alexander (1895), Hugo Alexander (1895), Martha Alsberg geb. Eichengrün (1895), Paula Arensberg geb. Fuldauer (1890), Heinrich Bär (1909), Johanna Bär geb. Lewy (1876), Selma Lisi Baer (1907), Stelly Baer (1904), Stelly Bär (1904), Margarethe (Grete) Basnizki geb. Simon (1898), Dr. Siegfried Basnizki (1889), Anna Baumöhl geb. Bernhard (1893), Berich (Berisch) Baumöhl (1881), Emanuel Baumöhl (1928), Obed Baumöhl (1923), Sophie Beer geb. Roos (1863), Frieda Beermann geb. Levy (1880), Arthur Beiersdorf (1874), Gustav Beiersdorf (1872), Ludwig Beiersdorf (1876), Flora Benedick geb. Scheuer (1907), Heinrich Benedick (1885), Lothar Benedick (1923), Emilie Blum (1866), Klara (Hilda Auguste) Blum geb. Rauner (1899), Johanna Blumenthal geb. Rotter (1893), Herta Chaim (Chaun, 1916), Ignatz Chaim (1873), Emilie (Milly) Dannheisser (1891), Robert Drechsler (1860), Arthur Dreifus (1914), Blanka Dreifus geb. Kunder (1888), Hilde Dreifuss geb. Jean (1905), Johanna Dreifuss geb. Simon (1859), Juliane Dreifuss geb. Francke (1861), Kurt Dreifuss (1898), Lore Dreifuss (1933), Max Dreifus (1884), Dr. Ludwig Dreifuss (1886), Robert Dreifus (1900), Bruno Drexler (1892), Hedwig Drexler geb. Freudental (1870), Jonathan Drexler (1892), Robert Drexler (1860), Elsa Ehrlich (1883), Konrad Ehrlich (1892), Max Faber (ca. 1890), Rosa (Ruya) Faber geb. Landau (1890), Viktor Faber (1884), Ernst Fetterer (1906), Meta Fey (1900), Lina Fleischmann geb. Schohl (1881), Ernst Frank (1877), Flora Frank geb. Kahn (1894), Melitta Frank geb. Kern (1880), Sigmund Frank (1872), Alfons Maximilian Freudmann (1905), Gert Freudmann (1936), Artur Freund (1906), Auguste (Gitel) Freund geb. Loewy (1872), Paul Freund (1871), Ella Fried geb. Hirschfeld (1889), Leib Gellsinger (1887),  Arnulf Glewitzki (1932), Johanna Goldschmidt (1877), Olga Grünblatt geb. Pakula (1870), Leo (Leib) Hammer-Hellsinger (1887), Olga Heilbronner geb. Scheuer (1884), Hermann Heimann (1899), Auguste Hertz geb. Frank (1882), Emilie Herz geb. Friedländer (1889), Gustav Herz (1883), Julius Herz (1922),  Hermine Pauline Hirsch (1873), Irene Hofmann geb. Faber (um 1908), Joachim Hofmann (1933), Jakob Jacobs (1869), Hedwig Jakob (1895), Karoline Jakob (1885), Leopold Jakob (1884), Lina Jakob geb. Hamburger (1885), Helene Joachim geb. Strauss (1872), Recha Joseph (1875), Hans Kaplan (1928), Helga Kaplan (1932), Emilie Katzenstein (1868), Salomon Kaufmann (1923), Isidor Kern (1884), Irma Koblenzer geb. Wolfsheimer (1893), Herbert Kohlmann (1927), Werner Kohlmann (1925), Riwka Kollender geb. Wildman (geb. ?), Salomon Kollender (geb. ?), Bertel Kollender (1906), Gert Konopka (1928), Julius Korn (1934), Edith Kratzer geb. Laufer (1901), Joseph Kratzer (1925), Paul Kratzer (1927), Wolf Israel Kratzer (1894), August Benjamin Küchler (1883), Betty Kusel (1909), Paula Kusel (1906), Rosa Kusel geb. Hirsch (1872), Rose Kusel (1937), Julius Lamm (1886), Erna Rosa Levison geb. Kahn (1905), Bertha Levy geb. Rauner (1888), Blondine Levy (1879),  Friedrich (Fritz) Levy (1900), Helena Levy geb. Levy (1887) Johanna Levy geb. Fetterer (1902), Max Levy (1863), Therese Levy geb. Levy (1878), Rosa Lewin geb. Urbach (1864), Edith Maier (1922), Dina Mainzer geb. Pauli (1889), Benoit Malz (1925), Paula Mandel geb. Brück (1884), Eugen Mandel (1872), Selma Mansbach geb. Wolff (1875), Fischel Markdorf (1878), Lina Markdorf geb. Buchsbaum (1880), Emma Markus geb. Kahn (1878), Elsa Mayer geb. Beiersdorf (1886), Josef Mayer (1901), Karl Mayer (1893), Robert Mayer (1885), Dr. Bela Meyer (1901), Emma Anna Meyer geb. Drexler (1878), Walter Meyer (1903), Berta Michel geb. Dreyfuss (1867), Erna Michels geb. Wolfsheimer (1896), Kurt Mohr (1891), Selma Mohr geb. Walther (1899), Flora Moritz geb. Berg (geb. ?), Hedwig Moses (1906), Gustav Moritz (geb. ?), Hedwig Moses (1906), Margarete Moses geb. Simon (1900), Willi Nathan (1921), Fanni Neu geb. Kiefe (1879), Hedwig Neu geb. Rauner (1884), Clementine Neuberger (1902), Irene Neuhaus geb. Marcus (1886), Eugen Oppenheimer (1875), Rosalie Oppenheimer geb. Forst (1873), Lina Potolowsky geb. Frank (1866), Berta Reininger geb. Strauss (1908), Emanuel Rheinheimer (1869), Erna Rheinheimer (1899), Walter Rheinheimer (1906), Richard Rotschild (1911), David Rubin (1880), Olga Rubin geb. Dreifus (1892), Marga Samaskewitz (1935), Olga Samaskewitz geb. Ehrlich (1897), Amalie Samuel (1906), Johanna Scheyer geb. Rosenberg (1867), Barbara Schohl (1868), Max Schohl (1884), Otto Schohl (1874), Babette Schragenheim geb. Mann (1889),  Alfred Schwarz (1889), Bertha Schwarz geb. Lewy (1893), Emil Schwarz (1882), Ernst Schwarz (1919), Hans Schwarz (1925), Heinz Schwarz (1931), Jakob Schwarz (1872), Lina Schwarz (1885), Paul Selinger (1925), Gertrud (Trude) Singer (1921), Berta Slodki geb. Levi (1884, Gedenktafel Zweibrücker Str. 40 siehe unten), Gustav Stern (1887), Thekla Stern geb. Dreifuss (1897), Jettchen Strauss geb. Mayer (1877), Lucie Strauss geb. Wolff (1886), Rosa Strauss geb. Jacob (1881), Estera Teller (1883), Samuel Teller (1908), Martha Sophie Thalmann geb. Wolfsheimer (1896), Rosa Vollmer geb. Weil (1875), Salli Wachtel (1882), Markus Wagner (1878), Karoline Waldmann geb. Rotter (1887), Hedwig Wassermann geb. Alexander (1890), Emma Weil geb. Bodenheimer (1868), Ruth Weil geb. Stern (1915), Max Weilheimer (1887), Debora Wolf (geb. ?), Luise Wolf geb. Blum (1888), Jecheskel Wolff (geb. ?), Max Wolff (geb. ?), Rosa Wolf geb. Kollender (geb. ?), Selma Wolff geb. Bär (1886), Fanny Wolfsheimer geb. Kahn (1862), Gustav Wolfsheimer (1895), Alexander (Sender) Ziser (1907), Berish Ziser (1885), Elisabeth Ziser (1915), Kresel Ziser (1888), Malka Ziser (1910), Sara Ziser (1918), Wilhelmine Zoller geb. Rotter (1889), Elisabeth Zürndorfer geb. Rheinheimer (1901).  
      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge           
      
Ein erster Betsaal wurde für die in Pirmasens zugezogenen jüdischen Familien von Joseph Isaac 1767 in der Buchsweiler "Alée Straß" (d.h. im Bereich der heutigen Alleestraße) eingerichtet. Allerdings traf man sich in diesem Raum nur wenige Jahre zu Gebet und Gottesdienst. Die Betstube war so klein, dass die Frauen während des Gottesdienstes auf der Treppe sitzen mussten. Auch kam es zwischen Joseph Isaac und den Gottesdienstbesuchern regelmäßig zu Streitereien. Bereits 1770 wurde aus diesen Gründen der Betsaal in das Haus des Salomon Alexander (Schwiegervater des ersten Rabbiners, vgl. Anmerkungen auf der Textseite), gleichfalls in der Alleestraße verlegt. Leider kam es auch hier zu Auseinandersetzungen, die allerdings in persönlichen Problemen des Zahn- und Augenarztes Dr. David Fränckel ihren Grund hatten. Ihm wurde schließlich von Landgraf Ludwig IX. verboten, weitere Ruhestörungen in der Synagoge zu verursachen.  
 
Wenige Jahre später (um 1778) war die jüdische Gemeinde groß genug geworden (inzwischen etwa 100 Gemeindeglieder), um an den Bau einer Synagoge denken zu können. Dafür erwarb man ein Grundstück am Buchsweiler Tor, um dort eine Synagoge zu erstellen. Allerdings konnte man den Bau aus finanziellen Gründen nicht vollenden und verkaufte das halbfertige Gebäude an den Landgrafen Ludwig IX. für 900 Gulden. Nun erstellte die Gemeinde im "Judengässel" (1881 bis 1933 Synagogenstraße, dann Grenadiergässel, nach 1945 Schustergässel, seit 1995 Synagogengasse) 1780/81 ein kleineres Synagogengebäude, das allerdings für über 100 Jahre als gottesdienstlicher Mittelpunkt des Gemeindelebens dienen sollte. Unter dem von 1828 bis zu seinem Tod 1879 in Pirmasens wirkenden Rabbiner Oppenheim wurden umfassende Reformen durchgeführt. Die Synagoge von Pirmasens war in dieser Zeit "stets gewohnt, andern Synagogen mit der Fackel der Aufklärung voran zu leuchten" (siehe Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juli 1839). Rabbiner Oppenheim ließ in den 1830er-Jahren eine Kanzel einbauen, führte Lieder und Gebete in deutscher Sprache ein. Auch ein gemischter Synagogenchor wurde gebildet, der den Gottesdienst regelmäßig musikalisch bereicherte.  

Pirmasens AZJ 27071839.JPG (264870 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juli 1839: "Pirmasens (Pfalz). 14. Juli (1839). Die Synagoge zu Pirmasens stets gewohnt, andern Synagogen mit der Fackel der Aufklärung voran zu leuchten, hat in neuerer Zeit abermals einen bedeutenden Vorsprung gewonnen. Durch die Bemühung des ausgezeichneten Bezirksrabbinen Herrn Oppenheim hat sich ein vierstimmiges Gesang-Chor gebildet, bestehend aus einigen vierzig Personen israelitischer Jugend beiderlei Geschlechts, welcher durch unermüdliche Übungen Gesangstücke aufführt, die der größten Kirchengemeinde Ehre machen würden. Jeden Sonntag sowie jeden Feiertag, wenn ein deutscher Vortrag gehalten wird, - und dies geschieht sehr häufig – werden von dem Chor die erbaulichsten Lieder in deutscher Sprache vorgetragen, die meistens aus dem württembergischen für Israeliten bestimmten Gesangbuch entnommen sind; bei jeder Trauung, die immer in der Synagoge stattfindet, wird das Brautpaar von dem Chor mit Gesang empfangen, und auch vor und nach der Traurede, sowie vor und nach dem Trauungsakt werden angemessene Lieder mit Musikbegleitung abgesungen. So hat die deutsche Sprache dahier Eingang in die Synagoge gefunden, ohne dadurch die Hebräische zu verdrängen. 
Das Konfirmationsfest aber, welches den 25. Mai letzthin gefeiert wurde, setzte diesem Allen die Krone auf. Die Konfirmanden waren, mit denen von der Gemeinde Rodalben und Thaleischweiler hinzugezogenen, zehn an der Zahl, drei Mädchen und sieben Knaben. Die begleitende Musik wurde von den angesehensten und ausgezeichnetsten christlichen Musikfreunden hiesiger Stadt ausgeführt, und die christlichen Lehrer beider Konfessionen wirkten im Chor bei Absingung der dabei abgehaltenen fünf Lieder zu Erhöhung desselben mit. Der Bezirksrabbine bestieg die geschmackvolle, mit passenden Inschriften versehene Kanzel – die wir auch ihm verdanken, und welche eine Zierde der Synagoge ist – und hielt eine geist- und gemütvolle, der Feier vollkommen entsprechende Rede an seine Gemeinde, für welche sie gleich rührend, wie voll Erbauung für die anwesenden Christen war. Sodann wurde die Prüfung der Konfirmanden vorgenommen. Die Jugend beantwortete die an sie gerichteten Fragen so richtig, mit Präzision und Ausdruck, mit Gefühl und Wärme, dass es für jeden unverkennbar war, dass sie auch verstehen, fühlen und erfassen alle die Lehren, zu denen sie sich öffentlich bekannten. Nach einer feierlichen Anrede an die Konfirmanden legten diese ihr Gelübde ab, der Rabbine betete für sie auf eine erhebende Weise und sprach den priesterlichen Segen über sie aus. Das Fest endete mit Absingung des 150. Psalms in hebräischer Sprache nach der Melodie in der Zeitung des Judentums von 1838. Die höheren – weltlichen und geistlichen – Beamten, sowie sonstigen Honoratioren hiesiger Stadt, die alle Lieder mitsangen, erhöhten und verherrlichten durch ihre Anwesenheit noch mehr, das uns unvergessliche neue Fest, um welches wir, wie sich ein Altgläubiger aussprach, reicher geworden. 
Je seltener jetzt in der Gemeinde Israelis die volle Anerkennung der Verdienste eines Geistlichen sich findet, desto tiefer fühlen wir den Dank, den wir dem unsrigen schulden, nachdem er die Veredlung des innern und äußern Gottesdienstes, die Bildung des Chors, die Verschönerung im Innern des Synagoge, die Ordnung bei Leichenbegängnissen, sowie den Leseverein ins Leben gerufen. –"  
 

Mehrfach wurde die Synagoge in den folgenden Jahrzehnten umfassend renoviert (erstmals 1835) oder im Inneren verändert (neue Bestuhlung 1837). Da im Laufe der Jahrzehnte die Synagoge für die stark gestiegene Zahl von Gemeindegliedern nicht mehr ausreichte, wurde um 1880 der Bau einer neuen Synagoge beschlossen. Die Gemeinde erwarb ein an das bisherige Synagogengrundstück angrenzendes Grundstück und ließ die alte Synagoge abbrechen. An ihrem Standort wurde die neue Synagoge erbaut und am 30. August 1884 festlich eingeweiht. In einer großen Prozession wurden die Torarollen vom neuen Schulhaus am Exerzierplatz, wo in der Übergangszeit die Gottesdienste stattgefunden hatten, zur Synagoge gebracht. Bezirksrabbiner Dr. Meyer (Zweibrücken) nahm die Weihe der Synagoge vor. Mit der Einweihung der neuen Synagoge wurde das "Judengässel" in "Synagogenstraße" umbenannt.    
   
In den folgenden Jahrzehnten wurde auch die neue Synagoge baulich mehrfach verändert. 1901 wurde sie durch einen erster Anbau vergrößert. 1910 wurde ein Holzschuppen angebaut. 1912 ist die Frauenempore an den West- und Nordseiten erweitert worden. Die bis dahin eher klassizistisch geprägte Innenausstattung wurde in Formen des späten Jugendstils umgestaltet. Die stärkste äußerliche Veränderung brachte das Jahr 1926 mit sich, als die Synagoge einen Turm erhielt. Diskutiert wurde, ob den Turm ein Kuppel- oder Zeltdach krönen sollte. 1934 wurde eine neue Heizung eingebaut.   
  
1900 und 1903 liest man von der Einweihung neuer Torarollen in der Synagoge:   
  
Zwei neue Torarollen werden eingeweiht (1900)  

Pirmasens Israelit 21051900.jpg (22451 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1900: "Pirmasens. In unserer Gemeinde rüstet man sich zu einer großen Freude. Am kommenden Schobuothfeste (Wochenfest) werden der Synagoge zwei neue Torarollen, eins von Herrn Ferdinand Schahl und das Ander von Herrn David Weil, beide hierselbst, übergeben. S I."

Der Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa stiftet eine neuen Torarolle (1903)  

Pirmasens Israelit 30121903.jpg (68422 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1903: "Pirmasens. Am letzten Sabbat Chanukka fand hier eine erhebende Synagogenfeier statt. Die Chewra Kadischa hatte eine, hauptsächlich für Privatminjan bestimmte, Sefer Thora der hiesigen Kultusgemeinde geschenkt, und zu deren Einweihung sie unseren Bezirksrabbiner, Herrn Dr. Mayer aus Zweibrücken einlud. In zündender Beredsamkeit in seiner Derascha (Predigt) wie Herr Dr. Mayer auf die heutige Bedeutung des Chanukka- und Torafestes, sowie auf die hohen Ziele der Chewra Kadischa hin. Die Leitung des Gottesdienstes hatte Kantor Slodki, der wie immer, seine geschulte Stimme in der herrlichsten Weise ertönen ließ, sodass die Feier allen Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben wird." 

1911 wurde die Synagoge renoviert - die Gottesdienste konnten in dieser Zeit im Stadtrats-Sitzungssaal stattfinden. 
   
Die Gottesdienste können vorübergehend im Stadtrats-Sitzungssaal stattfinden (1911)  

Pirmasens FrfIsrFambl 15091911.jpg (29893 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Pirmasens. Da an unserer Synagoge verschiedene Änderungen vorgenommen werden, stellte Oberbürgermeister Strobel den Stadtratssitzungssaal zum Abhalten des Gottesdienstes zur Verfügung."  

Über 50 Jahre lang wurden in der neuen Synagoge unzählige Gottesdienste zu gewöhnlich, aber auch besonderen Anlässen gefeiert. Ein Festgottesdienst wurde beispielsweise gefeiert, als Oberlehrer A. Michel nach 39jähriger Wirksamkeit in Pirmasens im August 1929 in den Ruhestand trat. Darüber berichtete die Bayrische Israelitische Gemeindezeitung am 1. September 1929:   

Pirmasens BayrGZ 01091929.jpg (163058 Byte)Pirmasens. Oberlehrer A. Michel, hier, ist nach 39jähriger Wirksamkeit in hiesiger Stadt und 46jähriger Gesamttätigkeit im Dienste der Jugendbildung infolge Erreichung der Altersgrenze in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Oberlehrer Michel führte während seiner ganzen Dienstzeit eine allklassige, in den meisten Jahren stark bevölkerte Schule. Außerdem amtierte er über drei Jahrzehnte als Religionslehrer an sämtlichen hiesigen Mittelschulen und bis zu seiner Ruhestandsversetzung auch als Kantor an der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde. Es war demnach ein voll gerüttelt Maß von Arbeit auf seine Schultern gelegt. – Am letzten Schultage des abgelaufenen Semesters versammelten sich seine Berufsgenossen des Luitpoldschulhauses im Lehrerzimmer zur Verabschiedung von ihrem seit 17 Jahren in diesem Schulhause tätig gewesenen Kollegen. Hierbei hielt der Schulleiter Oberlehrer Wilhelm Klein unter Überreichung eines herrlichen Straußes Rosen an den Scheidenden eine Abschiedsansprache, in der er dessen Tätigkeit als Volksschullehrer, als Religionslehrer an den Mittelschulen, als Mitglied des Bezirks- und Lokallehrervereins und als langjährigen Lehrervertreter in der ehemaligen Ortsschulkommission lobend gedachte und auf das jederzeit bestandene kollegiale und freundschaftliche Verkehrsverhältnis zwischen Oberlehrer Michel und seinen Amtsgenossen hinwies. Am gleichen Tage gaben auch die Schüler ihrem scheidenden Lehrer in ihrem Lehrsaale eine Abschiedsfeier von großer Herzlichkeit. Man sah es den Kleinen an, wie sehr ihnen die dauernde Trennung von ihrem langjährigen Lehrer, der schon der Lehrer ihrer Eltern gewesen, zu Herzen ging. In stattlicher Anzahl fanden sich die Mitglieder der Kultusgemeinde zu einem am letzten Samstag zu Ehren des in den Ruhestand Getretenen veranstalteten Fest- und Abschiedsgottesdienste in der Synagoge ein. Hierselbst hielt der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Karl Dreifuß, nach vorausgegangener Überreichung eines sinnigen Erinnerungsgeschenkes eine tief empfundene Dankesansprache der langjährigen vielseitigen Tätigkeit desselben auf dem Gebiete der Schule und des Gottesdienstes zum Inhalte hatte. Der Gefeierte erwiderte in bewegten Dankesworten für das ihm seitens der Kultusgemeinde jederzeit bewiesene Wohlwollen, für die seiner unterrichtlichen Tätigkeit entgegengebrachte Unterstützung und für die vielfachen Ehrungen, die ihm in den letzten Tagen aus Anlass seiner Versetzung in den Ruhestand bereitet wurden. Aus seinem hierbei gehaltenen Rückblick muss die interessante Feststellung hervorgehoben werden, dass an der israelitischen Schule hierselbst vom Jahre 1843 an bis heute nur zwei Lehrkräfte mit einer Gesamtdienstzeit von 86 Jahren gewirkt haben."    ("Pirmasenser Zeitung").
Auch die Regierung und Stadtschulbehörde sprachen dem in Ruhestand Getretenen Anerkennung und Dank für seine langjährige treue Dienstleistung aus.   
Pirmasens BayrGZ 15081929.jpg (43798 Byte)Links: Nach der Zurruhesetzung von Oberlehrer A. Michel wurde seine Stelle neu ausgeschrieben (Quelle: Bayrische Israelitische Gemeindezeitung vom 15. August 1929). 

Letztmals wurde vermutlich am 5. November 1938 ein Gottesdienst in der Synagoge gefeiert. Beim Novemberpogrom 1938 rückten am frühen Morgen des 10. November Nationalsozialisten aus Pirmasens unter Anwesenheit der gesamten Kreisleitung an. Die Fenster der Synagoge wurden aufgebrochen, die Räume mit Benzin übergossen und angezündet. Einige Zeit nach der Brandstiftung rückte die Feuerwehr zum Schutz der umliegenden Gebäude an. Das Gebäude brannte völlig aus. Am Vormittag wurden Schulklassen zur Besichtigung der Brandstelle herangeführt. Im Frühjahr 1939 wurde die Ruine durch den Technischen Notdienst gesprengt, die Trümmer abtransportiert und der Platz eingeebnet. Die jüdische Gemeinde musste für den Abbruch der Synagoge 650 RM bezahlen. 
  
Am Tag nach dem Synagogenbrand bot der Prediger der Methodistengemeinde Hermann Mann der jüdischen Gemeinde die Zionskirche gegenüber der Synagoge für den Sabbatgottesdienst an. Kantor Markus Slodki musste auf Verlangen der Nazis das Angebot ablehnen. Bis zu der Deportation im Oktober 1940 konnten die in Pirmasens noch lebenden jüdischen Gemeindeglieder in der Wohnung eines Gemeindeglieds Gottesdienste abhalten. Allerdings war jeder Gottesdienst bei der Polizei anzumelden.

Am 22. Februar 1939 übernahm die Stadt das Synagogengrundstück und verkaufte es am 30. Januar 1941 für 670 RM weiter, entweder an eine benachbarte Privatperson oder die gleichfalls benachbarte Kartonagenfabrik. Zunächst wurde nur eine Garage und ein Ziergarten angelegt. 
 
Nach 1945
kam das Grundstück im Zusammenhang mit dem Restitutionsverfahren im Dezember 1951 an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, die jedoch keinen Bedarf hatte und es an einen Pirmasenser Kaufmann für 2.200 DM veräußerte. In den folgenden Jahren wurden Wohnhäuser auf dem Grundstück erstellt. Am 12. Januar 1979 ist an der verlängerten Mauer der gegenüberliegenden Methodistenkirche eine Gedenktafel angebracht worden. Der Text lautet: "In dieser Gasse stand die Synagoge. Sie wurde am 9. Nov. 1938 niedergebrannt. Möge aus Trauer und Scham über das den Juden zugefügte Leid neue Menschenachtung und Gerechtigkeit entstehen".   
   
   

Adresse/Standort der Synagoge
Synagogenstraße  
  

  
Fotos
(Quellen: Publikationen von O. Weber und dem Landesamt, s.Lit.)

Historische Fotos / Pläne Pirmasens Synagoge 010.jpg (85733 Byte) Pirmasens Synagoge 011.jpg (59881 Byte)
    Blick auf die Synagoge (Pfeil) Innenansicht mit Blick zum Toraschrein
     
Pirmasens Synagoge 018.jpg (47258 Byte) Pirmasens Synagoge 017.jpg (80170 Byte) Pirmasens Synagoge 015.jpg (35540 Byte)
Pläne für den Anbau des Turmes mit den Alternativen 
Kuppel- oder Zeltdach
Längsschnitt mit Eintragung 
der Frauenempore
   
Pirmasens Synagoge 013.jpg (98606 Byte) Pirmasens Synagoge 012.jpg (97125 Byte) Pirmasens Synagoge 014.jpg (82602 Byte)
Die Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938   Der Abbruch der Synagoge  
           
     
Die Gedenkstätte für die Synagoge in der Synagogengasse
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 20.4.2006)
  
Pirmasens Synagoge 105.jpg (74151 Byte) Pirmasens Synagoge 101.jpg (72475 Byte) Pirmasens Synagoge 104.jpg (85682 Byte)
Straßenschild, 
darunter Hinweisschild (s.u.)
Die Synagogengasse - Blickrichtung 
wie die obige historische Ansicht
Synagogengasse - links stand die Synagoge,
 rechts die heutige Gedenkstätte
     
Pirmasens Synagoge 106.jpg (63529 Byte) Pirmasens Synagoge 100.jpg (97281 Byte) Pirmasens Synagoge 103.jpg (89975 Byte)
Ergänzendes Hinweisschild: Synagogengasse, 
bis 1881 Judengässel, 
bis 1933 Synagogenstraße, bis 1945
 Grenadiergässel, bis 1995 Schustergässel.
Gedenkstätte gegenüber dem Synagogenstandort mit Inschrift: In dieser Gasse 
stand die Synagoge. Sie wurde am 9. November 1938 niedergebrannt. Mögen aus Trauer 
und Scham über das den Juden zugefügte Leid neue Menschenachtung und 
Gerechtigkeit entstehen. 

      
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

In Pirmasens gab es im Blick auf das Gedenken an die Opfer der NS-Zeit jahrelange Diskussionen, die sich vor allem um die Frage nach der Verlegung von "Stolpersteinen" um die Stadt drehten. Die Verlegung scheiterte vor allem am Widerstand der Fraktionen von CDU und Freien Wählern im Gemeinderat, die sich für ein "zentrales Denkmal" und gegen "Stolpersteine" aussprachen und sich die umstrittene Position von Charlotte Knobloch zu eigen machten, Stolpersteine würden dazu einladen, auf dem Andenken der Opfer "herum zu trampeln". Im Januar 2013 wurde im Gemeinderat die Verlegung von "Stolpersteinen" nach einem Patt mit der Stimme des Oberbürgermeisters erneut abgelehnt.  
Zur Diskussion vgl. den Beitrag von Frank Eschrich: "Pirmasenser Sonderweg oder die Kunst, unbequeme Themen zu umgehen".     
 
Als ein "eigener Weg beim Erinnern und Gedenken" wurde schließlich im Februar 2013 ein Projekt vorgestellt, mit dem u.a. an jüdische Einzelschicksale in der Stadt erinnert werden kann: an ehemaligen jüdischen Häusern werden Plaketten mit QR-Codes angebracht. Über sie können mit Hilfe eines Mobiltelefons vertiefende Informationen abgerufen werden. 
Artikel in der Pirmasenser Zeitung vom 23. Februar 2013: "Stadt Pirmasens. Eigener Weg beim Erinnern und Gedenken. Oberbürgermeister Matheis legt Konzept vor und hofft auf breiten politischen Konsens..."
Link zum Artikel     
Informationen über dieses lokale Gedenkprojekt finden sich in der Website der Stadt (Quelle: www.pirmasens.de/dante-cms/29375/Projektarbeit_.html): "Pädagogische Projekte. Je länger die Zeit des Nationalsozialismus zurückliegt, desto 'entfernter' erscheint gerade jungen Menschen die allgemeine Geschichte mit ihren als abstrakt empfundenen Daten und Zahlen. Das offene und multimediale Konzept der Pirmasenser Gedenkstätte schafft andere Zugänge für eine Auseinandersetzung mit so komplexen Themen wie dem Holocaust. Anhand von konkreten Einzelschicksalen und Ereignissen wird dieses wichtige Kapitel der Stadtgeschichte anschaulich dargestellt.
Im ganzen Stadtgebiet geben die an Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden angebrachten und noch anzubringenden Gedenktafeln mit den Namen und den Lebensdaten bzw. einer Kurzbeschreibung des Ortes erste Hinweise auf das historische Geschehen und persönliche (Leidens-)Erfahrungen. Mit einem internettauglichen mobilen Endgerät (z. B. einem Smartphone oder einem Tablet) gelangt man über einen QR-Code direkt zur entsprechenden städtischen 'Gedenken'-Website, auf der ausführliche Informationen stehen. Hier bietet sich auch die Möglichkeit, das Gedenken aktiv mit zu gestalten. Denn dieses Internetportal ist als 'work in progress', als Mitmach-Angebot zur Ergänzung und Erweiterung zu verstehen. 
Die skizzierten Projekt-Vorschläge sind in erster Linie für Schulklassen und außerschulische Geschichtswerkstätten gedacht. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Verfolgung von Pirmasenser Bürgern durch das nationalsozialistische Regime. Durch praxisbezogene Methoden, etwa des entdeckend-forschenden Lernens, sollen die Teilnehmer angeregt und angeleitet werden, zu einem Thema zu recherchieren, es zu bearbeiten und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Die Präsentationsformen sind vielfältig und z. T. miteinander kombinierbar: Texte und Bilder gedruckt und/oder online gestellt auf der 'Gedenken'-Website, Film- und Audiobeiträge, Ausstellungen, Theaterstücke etc.
Den Gruppen stehen verschiedene Informations- und Arbeitsmaterialien, darunter Checklisten und Unterrichtsmodule zur Verfügung (zur Ausleihe, zum Kopieren und/oder zum Download). Bei der Planung und Umsetzung eines Projekts, zur Herstellung von Kontakten und auch bei inhaltlichen Fragen ist Ihnen/euch das Stadtarchiv Pirmasens gerne behilflich. Natürlich sind auch Anregungen und Kommentare erwünscht!
Kontakt:  Peter Felber   Tel. 06331-842299  E-Mail: peterfelber@pirmasens.de
Pirmasens Gedenkstelen Bahnhof 010.jpg (205857 Byte)Das Erinnerungsprojekt begann im Sommer 2014 mit der Installation von zwei Stelen vor dem Hauptbahnhof Pirmasens.  
Artikel in der "Pirmasenser Zeitung" vom 15. Juli 2014: "Den Opfern des NS-Regimes. Gedenken rückt näher - Bronzetafeln mit Internetcode sollen an Gräuel erinnern...
(Foto links: Stadtverwaltung Pirmasens)    
   
November 2015: Erste Gedenktafeln werden in der Schäferstraße angebracht 
Anmerkung: Am 9. November 2015 wurden am Gebäude Schäferstraße 20 die ersten Gedenktafeln für die Opfer der NS-Zeit angebracht. 18 jüdische Personen lebten im Haus Schäferstraße 55, das selbst nicht mehr steht. Elf von ihnen wurden ermordet (Herta und Ignatz Chaim, Elsa und Konrad Ehrlich, Ernst Fetterer, Emma Klein, Fritz und Johanna Levy, Leo, Olga und Marga Samaskewitz), nur fünf haben überlebt. Das Schicksal von zwei Bewohnern ist bis heute ungeklärt.
zum Schicksal von Fritz und Johanna Levy siehe auch 
Martin Ruch: Johanna Levy geb. Fetterer aus Gengenbach (1902-1942) - eine Spurensuche. In: Gengenbacher Blätter 2015 S. 28-29.  Online eingestellt: Seite 28 und Seite 29.  
Der Beitrag handelt von der Geschichte und dem Schicksal von Johanna Levy geb. Fetterer. Sie war verheiratet mit Fritz Levy (geb. 1900 in Dahn), der mit seiner Frau zunächst in Dahn, später in Pirmasens in der Schäfergasse 55 lebte. Die beiden hatten einen Sohn Jules (1930). Fritz und Johanna Levy wurden 1942 von Stuttgart aus nach Izbica deportiert und wurden ermordet. Auch der Bruder von Johanna - Ernst Vetterer (1906-1941) - sowie andere Angehörige wurden ermordet. .   
Rechts: Artikel in der "Pirmasenser Zeitung" 
vom 10. November 2015:
 "Gegen das Vergessen"    
Pirmasens Gedenktafel Schaeferstrasse PA 10112015.jpg (98477 Byte) Rechts: Artikel in der "Pirmasenser Zeitung" 
vom 10. November 2015:
 "Ins Gedächtnis der Stadt zurückgeholt"
Pirmasens Gedenktafel Schaeferstrasse PA 10112015a.jpg (133197 Byte)
   
Januar 2016: Eine Gedenktafel für Familie Slodki wird angebracht  
Anmerkung: entsprechend dem oben beschriebenen Gedenken-Konzept der Stadt Pirmasens wurde eine Gedenktafel mit QR-Code am Gebäude Zweibrücker Straße 40 angebracht. Berta Slodki geb. Levi ist 1884 in Walldorf geboren und lebte ab 1914 mit ihrem Mann Marcus Slodki - Lehrer und Kantor der Synagoge in Pirmasens - in Pirmasens. Marcus Slodki starb 1939 in Pirmasens und wurde im jüdischen Friedhof (im Waldfriedhof) beigesetzt. Berta Slodki wurde am 29. November 1941 in das Ghetto Riga - Lager Jungfernhof - deportiert. Sie ist umgekommen (für tot erklärt).      
Pirmasens Gedenktafel Slodki PZ22012016.jpg (77486 Byte)Artikel in der "Pirmasenser Zeitung" vom 22. Januar 2016: "Trotz der Gräuel nie von Hass erfüllt. Tafel in Zweibrücker Straße erinnert an die jüdische Familie Slodki..." .    

 

Links und Literatur   

Links:

Website der Stadt Pirmasens  
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Pirmasens (interner Link)  

Literatur:  

Karl Füchs / Michael Jäger: Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden. 1988 (Selbstverlag).
Bernhard Kukatzki: Juden in Pirmasens - Spuren ihrer Geschichte. Hrsg. Stadt Pirmasens. Pirmasens 2004. 
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 231-238. (ausführliche, auch auf Angaben und Quellen von Zeitzeugen und deren Familien beruhende Darstellung).
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 311-314 (mit weiteren Literaturangaben).
Otmar Weber: Der Novemberpogrom von 1938 in Pirmasens. Katalog zur Ausstellung in der Lutherkirche und Sparkasse Südwestpfalz im November 2008.  
      Anmerkung: Auf 40 Seiten werden an Hand von Texten, Dokumenten und Fotos die Ereignisse vom 10./11. November 1938 in Pirmasens dargestellt. Schwerpunkte bilden der Synagogenbrand, der Ablauf der „Reichskristallnacht“, die Ausplünderung der Juden im Volksgarten und die Arisierung jüdischer Immobilien, die Beraubung von jüdischem Hab und Gut. Die Broschüre kostet 7,50 Euro und ist in Pirmasens in den Buchhandlungen Jung & Buchheit und Thalia zu erhalten. In Dahn kann die Broschüre in den Buchhandlungen Ehrhart und Guttenbacher und beim Verfasser (E-Mail) erstanden werden. 
Martin Ruch: Johanna Levy geb. Fetterer aus Gengenbach (1902-1942) - eine Spurensuche. In: Gengenbacher Blätter 2015 S. 28-29.  Online eingestellt: Seite 28 und Seite 29.  
Der Beitrag handelt von der Geschichte und dem Schicksal von Johanna Levy geb. Fetterer. Sie war verheiratet mit Fritz Levy (geb. 1900 in Dahn), der mit seiner Frau zunächst in Dahn, später in Pirmasens in der Schäfergasse 55 lebte. Die beiden hatten einen Sohn Jules (1930). Fritz und Johanna Levy wurden 1942 von Stuttgart aus nach Izbica deportiert und wurden ermordet. Auch der Bruder von Johanna - Ernst Vetterer (1906-1941) - sowie andere Angehörige wurden ermordet.   Am 9. November 2015 wurde am Wohnhaus von Johanna und Fritz Levy in Pirmasens (Schäferstraße 55) eine Gedenktafel angebracht.   

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Pirmasens  Palatinate. A Jew was granted a letter of protection in 1767 and five Jewish families were present in 1772. Their population rose to 140 in 1800 and 209 in 1848. A cemetery was opened in 1813, a Jewish elementary school in 1828 (attended by 50 children in 1834) and a new synagogue in 1884. In 1863, a Jew was elected to the municipal council. Jewish breadwinners in 1879 included an vinegar manufacturer, butcher, lumber merchant, livestock dealer, dyer, and ragpicker. The Jewish population continued to expand, reaching 528 (total 30.195) in 1900 and a peak of 800 in 1924. In 1933, the Jewish population was 574. With the start of the Nazi rule, the bank accounts of Jews of East European origin were closed and the large Jewish-owned Ehape department store was seriously vandalized. Nazi pressure gradually curtailed social and business relations with the local population. The Jewish hide-processing industry and cattle trade were ended altogether. Between January 1933 and January 1936, 67 Jews left the city, including 19 for the United States, 14 for France, and 12 for Palestine. In October 1938, Jews with Polish citizenship were expelled from the country and in November 1938 numerous Jewish businesses were "sold" to "Aryans". On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned, Jewish stores were vandalized, and 82 Jews were sent to the Dachau concentration camp. In all, 19 Jews died in concentration camps. Fifteen Jews returned after the war.                 
    
     

                   
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Stand: 07. August 2017