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Rodalben (Kreis
Südwestpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Rodalben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937
(staatliche Auflösung). Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18.
Jahrhunderts zurück. Erstmals werden Juden 1581 genannt. Nach 1745 nahmen die
Juden Rodalbens (Sitz der Grafschaft Gräfenstein, die zur Markgrafschaft
Baden-Baden gehörte) den badischen Landesrabbiner Natanael Weil als ihren
religiösen und geistigen Führer an (B. Rosenthal, Heimatgeschichte S.
222).
Nachdem 1776 Rodalben
zur Markgrafschaft Baden-Durlach kam, wohnten einige Zeit keine Juden mehr am Ort.
Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu. 1802 wurden
in Rodalben und dem benachbarten Petersberg zusammen 100 jüdische Einwohner
gezählt, die Mehrzahl wohl in Petersberg, da 1823 in Rodalben selbst nur 49
jüdische Personen lebten. 1809/10 werden folgende jüdischen Familien in
Rodalben (vermutlich mit Petersberg) genannt: Herz Bauer (Kurzwarenhändler),
Samuel Bauer (Kurzwarenhändler), Benedikt Baer, Jacques Joseph, Lion Joseph
(Kurzwarenhändler), Levi Keim, Meyer Hirsch (Kaufmann), Isaac Neuberger. Die
Zahl jüdische Einwohner stieg im Laufe der folgenden Jahrzehnte auf 66
(1836/37) und 93 (1848, in 19 Familien), um danach durch Aus- und Abwanderung
langsam zurückzugehen: 1875 90, 1900 80 1900 jüdische Einwohner.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
jüdische Elementar-/Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die israelitische
Schule bestand von 1869 bis 1937.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Hugo
Baer (geb. 14.2.1892 in Rodalben, gef. 3.4.1918), Julius Kern (geb. 17.11.1876
in Rodalben, gef. 12.9.1918) und Emil Schol (geb. 24.5.1894 in Rodalben, gef.
27.10.1916).
Um 1925, als 74 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,74 % von
insgesamt ca. 5.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Siegmund
Neuberger, Jakob Haymann, Ludwig Samuel und Heinrich Frank (die drei Personen
waren auch 1932 Gemeindevorsteher). Als Volksschullehrer, Kantor und Schochet
war Jakob Haymann tätig. Er unterrichtete an der Jüdischen Volksschule noch 4
Kinder. Die jüdische Gemeinde Rodalben war dem Rabbinatsbezirk in Zweibrücken
zugeteilt. 1932 wurden 75 jüdische Gemeindeglieder gezählt. An jüdischen
Vereinen gab es vor allem den Israelitischen Frauenverein unter Leitung von
Augusta Haymann (Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker). An der
Israelitischen Volksschule unterrichtete im Schuljahr 1931/32 Lehrer Jakob
Hayman 13 Kinder.
In der NS-Zeit ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch die Folgen
des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien
schnell zurück. 1936 wurden noch 64 jüdische Einwohner gezählt, 1937 51 und
1938 noch 39. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die noch vorhandenen
jüdischen Geschäfte demoliert; die jüdischen Männer wurden in das KZ Dachau
verschleppt. 1939 verließen die letzten jüdischen Einwohner den
Ort.
Von den in Rodalben geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Alfred Baer (1875), Hans
Ernst Baer (1917), Hermine Baer geb. Lang (1894), Isidor Baer (1881), Siegfried
Baer (1930), Werner Baer (1923), Berthold Bloch (1873), Emma Bloch (1871),
Hermine Bloch (1876), Julie (Juliane) Elikann geb. Baer (1876), Marianne Frank
geb. Rosenthal (1921), Melitta Frank geb. Kern (1880), Rosa Frank (1920), Dora
(Sara) Frenkel geb. Neuberger (1887), Friedrich Katz (1906), Gerhard Katz
(1933), Herbert Katz (1909), Isidore Kern (1884), Susanne Kern (1874), Frieda
Koch geb. Frank (1882), Heinrich Koch (1886), Regina Levy geb. Neuberger (1884), Pauline Loeb geb. Kahn (1858), Auguste Löwenberg geb. Bär (1883),
Alfred Metzger (1880), Eugenie Metzger (1881), Rudolf Metzger (1922), Friedrich
(Fritz)
Neuberger (1924), Moritz Neuberger (879), Toni (Antonie Therese) Neuberger geb. Mayer (1891),
Eleonore Plaut geb. Samuel (1894), Babette Samuel geb. Kahn (1860), Wilhelm Schohl (1892), Rosa Sternheimer geb. Kahn (1874),
Sara Sternheimer geb. Kahn (1867), Seline Walzer geb. Bloch (1870).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und der Schule
Lehrer Moses (um 1890 in Rodalben) referiert auf einer Lehrerkonferenz in
Zweibrücken: Bericht
bei Zweibrücken.
In Rodalben besteht eine der letzten jüdischen Schulen
der Pfalz (1936)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Oktober 1936: "Speyer am Rhein. Am
1. September wurden im Bereich des Regierungsbezirkes Pfalz in vier
Städten jüdische Sonderklassen der allgemeinen Volksschulen errichtet,
in Ludwigshafen zwei Klassen
(vorläufig nur mit einem Lehrer besetzt), in Kaiserslautern,
Landau und Neustadt
an der Weinstraße je eine Klasse. Nach Ludwigshafen
wurde Lehrer und Kantor Schottland (Frankenthal)
angewiesen, nach Kaiserslautern
Lehrer i.R. Langstädter, nach Landau
Lehrer und Kantor Zeilberger (Landau)
und nach Neustadt Schulamtsbewerber
Samson aus Landau. Sämtliche
Lehrkräfte sind auf Dienstvertrag mit monatlicher Kündigung angestellt.
Jüdische Schulen entsprechend dem bayerischen Schulbedarfsgesetz, deren
Lehrer Beamte sind, bestehen noch in Speyer,
Pirmasens und Rodalben." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Gemeinsame Konfirmationsfeier der jüdischen Kinder aus
Rodalben, Thaleischweiler und Pirmasens in der Synagoge Pirmasens (1839)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juli 1839. Pirmasens
(Pfalz). 14. Juli (1839). Die Synagoge zu Pirmasens stets gewohnt, andern
Synagogen mit der Fackel der Aufklärung voran zu leuchten, hat in neuerer Zeit
abermals einen bedeutenden Vorsprung gewonnen. Durch die Bemühung des
ausgezeichneten Bezirksrabbinen Herrn Oppenheim hat sich ein vierstimmiges
Gesang-Chor gebildet, bestehend aus einigen vierzig Personen israelitischer
Jugend beiderlei Geschlechts, welcher durch unermüdliche Übungen Gesangstücke
aufführt, die der größten Kirchengemeinde Ehre machen würden. Jeden Sonntag
sowie jeden Feiertag, wenn ein deutscher Vortrag gehalten wird, - und dies
geschieht sehr häufig – werden von dem Chor die erbaulichsten Lieder in
deutscher Sprache vorgetragen, die meistens aus dem württembergischen für
Israeliten bestimmten Gesangbuch entnommen sind; bei jeder Trauung, die immer in
der Synagoge stattfindet, wird das Brautpaar von dem Chor mit Gesang empfangen,
und auch vor und nach der Traurede, sowie vor und nach dem Trauungsakt werden
angemessene Lieder mit Musikbegleitung abgesungen. So hat die deutsche Sprache
dahier Eingang in die Synagoge gefunden, ohne dadurch die Hebräische zu verdrängen.
Das Konfirmationsfest aber, welches den 25. Mai letzthin gefeiert wurde, setzte
diesem Allen die Krone auf. Die Konfirmanden waren, mit denen von der Gemeinde
Rodalben und Thaleischweiler
hinzugezogenen, zehn an der Zahl, drei Mädchen und sieben Knaben. Die begleitende Musik wurde von den angesehensten und ausgezeichnetsten
christlichen Musikfreunden hiesiger Stadt ausgeführt, und die christlichen
Lehrer beider Konfessionen wirkten im Chor bei Absingung der dabei abgehaltenen
fünf Lieder zu Erhöhung desselben mit. Der Bezirksrabbine bestieg die
geschmackvolle, mit passenden Inschriften versehene Kanzel – die wir auch ihm
verdanken, und welche eine Zierde der Synagoge ist – und hielt eine geist- und
gemütvolle, der Feier vollkommen entsprechende Rede an seine Gemeinde, für
welche sie gleich rührend, wie voll Erbauung für die anwesenden Christen war.
Sodann wurde die Prüfung der Konfirmanden vorgenommen. Die Jugend beantwortete
die an sie gerichteten Fragen so richtig, mit Präzision und Ausdruck, mit Gefühl
und Wärme, dass es für jeden unverkennbar war, dass sie auch verstehen, fühlen
und erfassen alle die Lehren, zu denen sie sich öffentlich bekannten. Nach
einer feierlichen Anrede an die Konfirmanden legten diese ihr Gelübde ab, der
Rabbine betete für sie auf eine erhebende Weise und sprach den priesterlichen
Segen über sie aus. Das Fest endete mit Absingung des 150. Psalms in hebräischer
Sprache nach der Melodie in der Zeitung des Judentums von 1838. Die höheren –
weltlichen und geistlichen – Beamten, sowie sonstigen Honoratioren hiesiger
Stadt, die alle Lieder mitsangen, erhöhten und verherrlichten durch ihre
Anwesenheit noch mehr, das uns unvergessliche neue Fest, um welches wir, wie
sich ein Altgläubiger aussprach, reicher geworden.
Je seltener jetzt in der Gemeinde Israelis die volle Anerkennung der Verdienste
eines Geistlichen sich findet, desto tiefer fühlen wir den Dank, den wir dem
unsrigen schulden, nachdem er die Veredlung des innern und äußern
Gottesdienstes, die Bildung des Chors, die Verschönerung im Innern des
Synagoge, die Ordnung bei Leichenbegängnissen, sowie den Leseverein ins Leben
gerufen. – |
Überlegungen zur Ansiedlung russisch-jüdischer
Familien in Rodalben (1891)
Anmerkung: der Plan wurde nicht verwirklicht. Warum in dem Artikel gerade
Rodalben als Beispiel genannt wird, wo doch in vielen anderen Orten der Platz
die Zahl der jüdischen Einwohner noch stärker zurück gegangen war, ist
unklar.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1891:
"München, im Mai. Als Beitrag zur Beantwortung der in Nr. 39 und 40
dieses Blattes gestellten Frage: 'Was können wir für unsere
unglücklichen Brüder und Schwestern (in Russland) tun?' wollen Sie
Folgendes veröffentlichen: In Bayern und wohl auch in den übrigen
Ländern des deutschen Reiches existieren bekanntlich viele kleine
jüdische Gemeinden, welche nicht mehr oder kaum noch die notwendige
Minjan-Zahl an Mitgliedern umfassen; z.B. in der Pfalz: Rodalben, Gersheim
u.a,. Ferner gibt es an manchen Orten Synagoge, zu denen leider keine
Gemeinde mehr vorhanden ist; z.B. Pfersee bei Augsburg. Es sollte sich ein
Komitee bilden, das nach erlangter behördlicher Erlaubnis eine
entsprechende Anzahl russischer Familien daselbst unterbringt; damit
würde nach zwei Seiten hin Gutes gestiftet werden." |
Zur Geschichte der Synagoge
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand ein Betsaal
(später "alte Juddeschul" genannt). Am 8. Februar 1838 wurde
eine Synagogenordnung verabschiedet. Der Betsaal war in einem Gebäude an der
Hauptstraße untergebracht, das 1994 abgebrochen wurde.
Seit 1873 bemühte sich die jüdische Gemeinde um den Bau einer Synagoge,
doch dauerte es einige Jahre bis der Plan verwirklicht werden konnte. 1874
wurde zunächst ein provisorischer Raum in einem Gebäude an der Hauptstraße
(Hintergebäude Anwesen Friedrich Demmeré) gemietet, in dem Schule und Synagoge
eingerichtet wurde. Anfang August 1882 erhielt die Gemeinde die Genehmigung zum
Bau einer Synagoge. Die Grundsteinlegung war am 10. April 1883, das
genaue Einweihungsdatum ist nicht bekannt. Die Synagoge war mit einem Schul- und
Lehrerhaus verbunden, in dessen Keller vermutlich das rituelle Bad war. Im 97 qm
großen Betsaal hatte es 65 Männeplätze. Auf der Empore hatte es Platz für 40
Frauen.
55 Jahre war die Synagoge in Rodalben Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens.
Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder nach 1933 stark
zurückgegangen war, verkaufte die jüdische Gemeinde das Anwesen am 26.
August 1938 für 10.500 RM an die Ortsgemeinde. Diese wollte das
Synagogengebäude zum Heim der örtlichen Hitlerjugend umbauen. Der Plan wurde
jedoch nicht ausgeführt. 1941 war im Gebäude ein Lagerraum der Deutschen Arbeitsfront
und der NSV. Beim Einmarsch amerikanischer Truppen am 21. März 1945 geriet das
Synagogengebäude durch die Sprengung eines in der Auffahrt zum
Elisabethenkrankenhaus liegengebliebenen Panzergeschützes der Wehrmacht in
Brand und wurde weitgehend zerstört. Die Ruine blieb stehen und wurde erst nach
Klärung des Restitutionsverfahrens (1951 Verkauf an Privatpersonen) im Jahr
1954 abgebrochen. Auf dem Grundstück befinden sich heute ein Wohnhaus (am Platz
der früheren Schule) und eine kleine Gartenanlage an Stelle der früheren
Synagoge.
Adresse/Standort der Synagoge: "alte
Juddeschul" (Betraum): auf Grundstück Hauptstraße 139 im Bereich zwischen
Raiffeisenbank und Metzgerei Hirtle; Hauptstraße 161
Fotos / Darstellungen
(Quelle: historische Darstellungen aus der Dokumentation des
Landesamtes s. Lit. S. 325; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 20.4.2006)
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| Die Synagoge
in Rodalben |
Pläne
vom (nicht verwirklichten) Umbau der Synagoge in ein HJ-Heim |
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Das Gebäude
der "VR-Bank" steht auf
dem Grundstück der "alten
Juddeschul" |
Blick auf
das an Stelle des jüdischen
Schul- und Lehrerhauses erstellte
Gebäude; das Synagogengebäude
war auf dem dahinter liegenden
heutigen
Gartengrundstück. |
Text der
Hinweistafel: "Zentrum
der ehemaligen jüdischen Kultusgemeinde.
Synagoge - kultische Bäder -
Schulhaus und Lehrerwohnung -
1886-1945" |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 239-242. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 324-325 (mit weiteren Literaturangaben).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Rodalben Palatinate. The Jewish
population was 100 in 1802 and reached a peak of 148 (total 1.436) in 1836. Jews
were active in local life and served on the municipal council. A synagogue was
opened in a rented apartment in 1838 and in 1882 authorization was received to
erect a synagogue. A Jewish school was opened in 1869 (26 students in 1886). In
1933, the Jewish population was 75. Most local residents ignored the Nazi
economic boycott at first but anti-Jewish agitation intensified through the
years. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish stores were
vandalized and Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. The last
Jews left the town in 1939. Four Jews perished in the Holocaust.

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