Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rodalben (Kreis Südwestpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
  
In Rodalben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937 (staatliche Auflösung). Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden Juden 1581 genannt. Nach 1745 nahmen die Juden Rodalbens (Sitz der Grafschaft Gräfenstein, die zur Markgrafschaft Baden-Baden gehörte) den badischen Landesrabbiner Natanael Weil als ihren religiösen und geistigen Führer an (B. Rosenthal, Heimatgeschichte S. 222). 
   
Nachdem 1776 Rodalben zur Markgrafschaft Baden-Durlach kam, wohnten einige Zeit keine Juden mehr am Ort.
   
Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu. 1802 wurden in Rodalben und dem benachbarten Petersberg zusammen 100 jüdische Einwohner gezählt, die Mehrzahl wohl in Petersberg, da 1823 in Rodalben selbst nur 49 jüdische Personen lebten. 1809/10 werden folgende jüdischen Familien in Rodalben (vermutlich mit Petersberg) genannt: Herz Bauer (Kurzwarenhändler), Samuel Bauer (Kurzwarenhändler), Benedikt Baer, Jacques Joseph, Lion Joseph (Kurzwarenhändler), Levi Keim, Meyer Hirsch (Kaufmann), Isaac Neuberger. Die Zahl jüdische Einwohner stieg im Laufe der folgenden Jahrzehnte auf 66 (1836/37) und 93 (1848, in 19 Familien), um danach durch Aus- und Abwanderung langsam zurückzugehen: 1875 90, 1900 80 1900 jüdische Einwohner.   
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Elementar-/Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die israelitische Schule bestand von 1869 bis 1937.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Hugo Baer (geb. 14.2.1892 in Rodalben, gef. 3.4.1918), Julius Kern (geb. 17.11.1876 in Rodalben, gef. 12.9.1918) und Emil Schol (geb. 24.5.1894 in Rodalben, gef. 27.10.1916).   
    
Um 1925, als 74 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,74 % von insgesamt ca. 5.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Siegmund Neuberger, Jakob Haymann, Ludwig Samuel und Heinrich Frank (die drei Personen waren auch 1932 Gemeindevorsteher). Als Volksschullehrer, Kantor und Schochet war Jakob Haymann tätig. Er unterrichtete an der Jüdischen Volksschule noch 4 Kinder. Die jüdische Gemeinde Rodalben war dem Rabbinatsbezirk in Zweibrücken zugeteilt. 1932 wurden 75 jüdische Gemeindeglieder gezählt. An jüdischen Vereinen gab es vor allem den Israelitischen Frauenverein unter Leitung von Augusta Haymann (Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker). An der Israelitischen Volksschule unterrichtete im Schuljahr 1931/32 Lehrer Jakob Hayman 13 Kinder. 
  
In der NS-Zeit ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien schnell zurück. 1936 wurden noch 64 jüdische Einwohner gezählt, 1937 51 und 1938 noch 39. 1937 wurde die israelitische Schule aufgelöst. Danach besuchten die jüdischen Kinder aus Rodalben die Schulen in Pirmasens (siehe Bericht unten). Beim Novemberpogrom 1938 wurden die noch vorhandenen jüdischen Geschäfte demoliert; die jüdischen Männer wurden in das KZ Dachau verschleppt. 1939 verließen die letzten jüdischen Einwohner den Ort.     
  
Von den in Rodalben geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Alfred Baer (1875), Hans Ernst Baer (1917), Hermine Baer geb. Lang (1894), Isidor Baer (1881), Siegfried Baer (1930), Werner Baer (1923), Berthold Bloch (1873), Emma Bloch (1871), Hermine Bloch (1876), Julie (Juliane) Elikann geb. Baer (1876), Marianne Frank geb. Rosenthal (1921), Melitta Frank geb. Kern (1880), Rosa Frank (1920), Dora (Sara) Frenkel geb. Neuberger (1887), Friedrich Katz (1906), Gerhard Katz (1933), Herbert Katz (1909), Isidore Kern (1884), Susanne Kern (1874), Frieda Koch geb. Frank (1882), Heinrich Koch (1886), Regina Levy geb. Neuberger (1884), Pauline Loeb geb. Kahn (1858), Auguste Löwenberg geb. Bär (1883), Alfred Metzger (1880), Eugenie Metzger (1881), Rudolf Metzger (1922), Friedrich (Fritz) Neuberger (1924), Moritz Neuberger (1879), Toni (Antonie Therese) Neuberger geb. Mayer (1891), Eleonore Plaut geb. Samuel (1894), Babette Samuel geb. Kahn (1860), Wilhelm Schohl (1892), Rosa Sternheimer geb. Kahn (1874), Sara Sternheimer geb. Kahn (1867), Amalie Tobias geb. Kern (1879), Seline Walzer geb. Bloch (1870)
.  
  
  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
  
Hinweis: Ein Lehrer Moses (um 1890 in Rodalben) referierte auf einer Lehrerkonferenz in Zweibrücken: Bericht bei Zweibrücken.    
  
  
In Rodalben besteht eine der letzten jüdischen Schulen der Pfalz (1936)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1936: "Speyer am Rhein. Am 1. September wurden im Bereich des Regierungsbezirkes Pfalz in vier Städten jüdische Sonderklassen der allgemeinen Volksschulen errichtet, in Ludwigshafen zwei Klassen (vorläufig nur mit einem Lehrer besetzt), in Kaiserslautern, Landau und Neustadt an der Weinstraße je eine Klasse. Nach Ludwigshafen wurde Lehrer und Kantor Schottland (Frankenthal) angewiesen, nach Kaiserslautern Lehrer i.R. Langstädter, nach Landau Lehrer und Kantor Zeilberger (Landau) und nach Neustadt Schulamtsbewerber Samson aus Landau. Sämtliche Lehrkräfte sind auf Dienstvertrag mit monatlicher Kündigung angestellt. Jüdische Schulen entsprechend dem bayerischen Schulbedarfsgesetz, deren Lehrer Beamte sind, bestehen noch in Speyer, Pirmasens und Rodalben."   
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1936: "Jüdische Schulen und Schulklassen. 
Frankfurt am Main,
6. Oktober (1936). Im bayerischen Regierungsbezirk Pfalz wurde zum 1. September in vier Städten jüdische Sonderklassen an allgemeinen Volksschulen errichtet, und zwar zwei Klassen in Ludwigshafen und je eine in Kaiserslautern, in Landau und Neustadt. Außerdem bestehen noch seit früher jüdische Schulen in Speyer, Pirmasens und Rodalben..."    

  
Die jüdischen Kinder von Rodalben besuchen die Schulen in Pirmasens (1938)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Mai 1938:  "Rodalben. Sämtliche Knaben und Mädchen unserer Kultusgemeinde gehen in Pirmasens zur Schule, und zwar besuchten bis Ostern 6 Knaben und 4 Mädchen die israelitische Volksschule, 2 Knaben die Oberrealschule daselbst. Ein Mädchen hat jetzt ihre Schulzeit beendet, ein anderes Mädchen wurde in das städtische Mädchenlyzeum zu Pirmasens aufgenommen. Auch unsere Gemeindekinder nahmen an den Religionsprüfungen und an der Schulschlussfeier in der israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens teil."      

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Gemeinsame Konfirmationsfeier der jüdischen Kinder aus Rodalben, Thaleischweiler und Pirmasens in der Synagoge Pirmasens (1839)   

Pirmasens AZJ 27071839.JPG (264870 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juli 1839. Pirmasens (Pfalz). 14. Juli (1839). Die Synagoge zu Pirmasens stets gewohnt, andern Synagogen mit der Fackel der Aufklärung voran zu leuchten, hat in neuerer Zeit abermals einen bedeutenden Vorsprung gewonnen. Durch die Bemühung des ausgezeichneten Bezirksrabbinen Herrn Oppenheim hat sich ein vierstimmiges Gesang-Chor gebildet, bestehend aus einigen vierzig Personen israelitischer Jugend beiderlei Geschlechts, welcher durch unermüdliche Übungen Gesangstücke aufführt, die der größten Kirchengemeinde Ehre machen würden. Jeden Sonntag sowie jeden Feiertag, wenn ein deutscher Vortrag gehalten wird, - und dies geschieht sehr häufig – werden von dem Chor die erbaulichsten Lieder in deutscher Sprache vorgetragen, die meistens aus dem württembergischen für Israeliten bestimmten Gesangbuch entnommen sind; bei jeder Trauung, die immer in der Synagoge stattfindet, wird das Brautpaar von dem Chor mit Gesang empfangen, und auch vor und nach der Traurede, sowie vor und nach dem Trauungsakt werden angemessene Lieder mit Musikbegleitung abgesungen. So hat die deutsche Sprache dahier Eingang in die Synagoge gefunden, ohne dadurch die Hebräische zu verdrängen. 
Das Konfirmationsfest aber, welches den 25. Mai letzthin gefeiert wurde, setzte diesem Allen die Krone auf. Die Konfirmanden waren, mit denen von der Gemeinde Rodalben und Thaleischweiler hinzugezogenen, zehn an der Zahl, drei Mädchen und sieben Knaben. Die begleitende Musik wurde von den angesehensten und ausgezeichnetsten christlichen Musikfreunden hiesiger Stadt ausgeführt, und die christlichen Lehrer beider Konfessionen wirkten im Chor bei Absingung der dabei abgehaltenen fünf Lieder zu Erhöhung desselben mit. Der Bezirksrabbine bestieg die geschmackvolle, mit passenden Inschriften versehene Kanzel – die wir auch ihm verdanken, und welche eine Zierde der Synagoge ist – und hielt eine geist- und gemütvolle, der Feier vollkommen entsprechende Rede an seine Gemeinde, für welche sie gleich rührend, wie voll Erbauung für die anwesenden Christen war. Sodann wurde die Prüfung der Konfirmanden vorgenommen. Die Jugend beantwortete die an sie gerichteten Fragen so richtig, mit Präzision und Ausdruck, mit Gefühl und Wärme, dass es für jeden unverkennbar war, dass sie auch verstehen, fühlen und erfassen alle die Lehren, zu denen sie sich öffentlich bekannten. Nach einer feierlichen Anrede an die Konfirmanden legten diese ihr Gelübde ab, der Rabbine betete für sie auf eine erhebende Weise und sprach den priesterlichen Segen über sie aus. Das Fest endete mit Absingung des 150. Psalms in hebräischer Sprache nach der Melodie in der Zeitung des Judentums von 1838. Die höheren – weltlichen und geistlichen – Beamten, sowie sonstigen Honoratioren hiesiger Stadt, die alle Lieder mitsangen, erhöhten und verherrlichten durch ihre Anwesenheit noch mehr, das uns unvergessliche neue Fest, um welches wir, wie sich ein Altgläubiger aussprach, reicher geworden.  
Je seltener jetzt in der Gemeinde Israelis die volle Anerkennung der Verdienste eines Geistlichen sich findet, desto tiefer fühlen wir den Dank, den wir dem unsrigen schulden, nachdem er die Veredlung des innern und äußern Gottesdienstes, die Bildung des Chors, die Verschönerung im Innern des Synagoge, die Ordnung bei Leichenbegängnissen, sowie den Leseverein ins Leben gerufen."  
 

   
Überlegungen zur Ansiedlung russisch-jüdischer Familien in Rodalben (1891) 

Anmerkung: der Plan wurde nicht verwirklicht. Warum in dem Artikel gerade Rodalben als Beispiel genannt wird, wo doch in vielen anderen Orten der Pfalz die Zahl der jüdischen Einwohner noch stärker zurück gegangen war, ist unklar. 

Rodalben Israelit 01061891.jpg (61362 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1891: "München, im Mai. Als Beitrag zur Beantwortung der in Nr. 39 und 40 dieses Blattes gestellten Frage: 'Was können wir für unsere unglücklichen Brüder und Schwestern (in Russland) tun?' wollen Sie Folgendes veröffentlichen: In Bayern und wohl auch in den übrigen Ländern des deutschen Reiches existieren bekanntlich viele kleine jüdische Gemeinden, welche nicht mehr oder kaum noch die notwendige Minjan-Zahl an Mitgliedern umfassen; z.B. in der Pfalz: Rodalben, Gersheim u.a,. Ferner gibt es an manchen Orten Synagoge, zu denen leider keine Gemeinde mehr vorhanden ist; z.B. Pfersee bei Augsburg. Es sollte sich ein Komitee bilden, das nach erlangter behördlicher Erlaubnis eine entsprechende Anzahl russischer Familien daselbst unterbringt; damit würde nach zwei Seiten hin Gutes gestiftet werden."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Der langjährige Gemeindevorsteher Siegmund Neuberger und seine Frau wandern in die USA aus (1938)     

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Juni 1938: "Rodalben. Am 1. Mai traten Herr Siegmund Neuberger und seine Frau die Ausreise nach USA an, um sich wieder mit ihren dort lebenden drei Kindern zu vereinigen. Unsere Gemeinde erleidet durch das Scheiden dieser beiden Mitglieder einen schweren Verlust. Herr Neuberger hat viele Jahre hindurch das Amt des Gemeindevorsitzenden bekleidet und sich stets voll Hingabe für die Interessen unserer Gemeinde eingesetzt. Seine Gattin hat ihn in der Erfüllung der Liebespflichten gegenüber allen Mitbrüdern und Mitschwestern wacker unterstützt. Die ganze Gemeinde begleitet ihren bisherigen Vorsitzenden und seine Frau mit den herzlichsten Wünschen auf ihrem Wege in die neue Heimat."       

 
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Danksagung nach der Barmizwah von Fritz Neuberger (1937)   

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. November 1937:  "Rodalben - Danksagung. 
Für die uns anlässlich der Barmizwah unseres Sohnes Fritz erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst. Moritz Neuberger und Frau."   
 
Anmerkung: Der oben genannte Fritz (Friedrich Josef) Neuberger (geb. 2. November 1924 in Rodalben) wurde im März 1942 ab Mainz - Darmstadt in das Konzentrationslager Majdanek deportiert und ermordet. Seine Eltern Moritz Neuberger (geb. 21. September 1879 in Rodalben) und Toni (Antonie Therese) Neuberger geb. Mayer (geb. 4. Januar 1891 in Niederkirchen) wurden im März 1942 ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert und ist umgekommen/wurde ermordet. Moritz Neuberger war nach dem Novemberpogrom 1938 vom 12. November bis 16. Dezember 1938 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt worden.    
  
 Rechts: Die von Werner Neuberger 
(Bruder von Fritz Neuberger) für die 
Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem 
ausgestellten Gedenkblätter für seinen
 Bruder und seine Eltern  
 http://db.yadvashem.org/names/search.html?language=de  
Rodalben Moritz Neuberger Gbl 011.jpg (78407 Byte) Rodalben Toni Neuberger Gbl 011.jpg (76015 Byte) Rodalben Fritz Neuberger Gbl 010.jpg (96281 Byte)

 
Anzeige von Schneidermeisterin Luise Mann (1938)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. März 1938: "Persönliche Nachricht. 
Eine tüchtige Gehilfin wird per sofort gesucht
  
zum 15. April wird ein jüdisches Lehrmädchen angenommen. Luise Mann, Schneidermeisterin, Rodalben."       

   
  
  
Zur Geschichte der Synagoge                 
   
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand ein Betsaal (später "alte Juddeschul" genannt). Am 8. Februar 1838 wurde eine Synagogenordnung verabschiedet. Der Betsaal war in einem Gebäude an der Hauptstraße untergebracht, das 1994 abgebrochen wurde. 
  
Seit 1873 bemühte sich die jüdische Gemeinde um den Bau einer Synagoge, doch dauerte es einige Jahre bis der Plan verwirklicht werden konnte. 1874 wurde zunächst ein provisorischer Raum in einem Gebäude an der Hauptstraße (Hintergebäude Anwesen Friedrich Demmeré) gemietet, in dem Schule und Synagoge eingerichtet wurde. Anfang August 1882 erhielt die Gemeinde die Genehmigung zum Bau einer Synagoge. Die Grundsteinlegung war am 10. April 1883, das genaue Einweihungsdatum ist nicht bekannt. Die Synagoge war mit einem Schul- und Lehrerhaus verbunden, in dessen Keller vermutlich das rituelle Bad war. Im 97 qm großen Betsaal hatte es 65 Männeplätze. Auf der Empore hatte es Platz für 40 Frauen. 
  
55 Jahre war die Synagoge in Rodalben Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens. Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder nach 1933 stark zurückgegangen war, verkaufte die jüdische Gemeinde das Anwesen am 26. August 1938 für 10.500 RM an die Ortsgemeinde. Diese wollte das Synagogengebäude zum Heim der örtlichen Hitlerjugend umbauen. Der Plan wurde jedoch nicht ausgeführt. 1941 war im Gebäude ein Lagerraum der Deutschen Arbeitsfront und der NSV. Beim Einmarsch amerikanischer Truppen am 21. März 1945 geriet das Synagogengebäude durch die Sprengung eines in der Auffahrt zum Elisabethenkrankenhaus liegengebliebenen Panzergeschützes der Wehrmacht in Brand und wurde weitgehend zerstört. Die Ruine blieb stehen und wurde erst nach Klärung des Restitutionsverfahrens (1951 Verkauf an Privatpersonen) im Jahr 1954 abgebrochen. Auf dem Grundstück befinden sich heute ein Wohnhaus (am Platz der früheren Schule) und eine kleine Gartenanlage an Stelle der früheren Synagoge. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge: "alte Juddeschul" (Betraum): auf Grundstück Hauptstraße 139 im Bereich zwischen Raiffeisenbank und Metzgerei Hirtle;      Hauptstraße 161
  
  
Fotos / Darstellungen  
(Quelle: historische Darstellungen aus der Dokumentation des Landesamtes s. Lit. S. 325; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 20.4.2006) 

Rodalben Synagoge 030.jpg (63355 Byte) Rodalben Synagoge 020.jpg (38837 Byte) Rodalben Synagoge 021.jpg (52263 Byte)
 Die Synagoge in Rodalben Pläne vom (nicht verwirklichten) Umbau der Synagoge in ein HJ-Heim
     
Rodalben Synagoge 100.jpg (83446 Byte) Rodalben Synagoge 101.jpg (67655 Byte) Rodalben Synagoge 102.jpg (85452 Byte)
 Das Gebäude der "VR-Bank" steht auf
 dem Grundstück der "alten Juddeschul"   
 Blick auf das an Stelle des jüdischen 
Schul- und Lehrerhauses erstellte 
Gebäude; das Synagogengebäude 
war auf dem dahinter liegenden 
heutigen Gartengrundstück. 
Text der Hinweistafel: "Zentrum 
der ehemaligen jüdischen Kultusgemeinde.
 Synagoge - kultische Bäder - 
Schulhaus und Lehrerwohnung - 
1886-1945" 
 
 

     
      

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Rodalben 
Website der VG Rodalben  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Rodalben (interner Link)      

Literatur:  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 239-242.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 324-325 (mit weiteren Literaturangaben). 

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Rodalben Palatinate. The Jewish population was 100 in 1802 and reached a peak of 148 (total 1.436) in 1836. Jews were active in local life and served on the municipal council. A synagogue was opened in a rented apartment in 1838 and in 1882 authorization was received to erect a synagogue. A Jewish school was opened in 1869 (26 students in 1886). In 1933, the Jewish population was 75. Most local residents ignored the Nazi economic boycott at first but anti-Jewish agitation intensified through the years. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish stores were vandalized and Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. The last Jews left the town in 1939. Four Jews perished in the Holocaust.    
    
      

                   
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Stand: 07. Juli 2017