Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
Zu den Synagogen im Kreis "Südliche Weinstraße" und Stadtkreis Landau     

  
Albersweiler (Kreis Südliche Weinstraße) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
Links und Literatur    

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Albersweiler bestand eine große jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden in einer Scharfenecker Gültrechnung 1529 Juden am Ort genannt. Ab 1540 scheinen Juden kontinuierlich am Ort gelebt zu haben. 
   
Mitte des 18. Jahrhunderts
lebten bereits 37 jüdische Familien am Ort, davon 18 in dem kleineren Löwensteinischen Teil von Albersweiler. Die Gemeinde entwickelte sich zu einer der großen jüdischen Gemeinden im Bereich der Pfalz: 1801 wurden 144, 1808 145 und 1825 221 jüdische Einwohner gezählt (11,6 % der Ortsbevölkerung). Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1848 mit 271 Personen erreicht. Die jüdischen Haushaltsvorstände verdienten den Lebensunterhalt als Händler, Kaufleute und Metzger. An Familiennamen waren um 1810 mehrfach folgende Namen vertreten: Benedict, Cahn, Dreyfuß, Mayer, Schatz, Siegel, Weil. 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zunächst Religionsschule, seit 1855 eine jüdische Konfessionsschule, nach 1877 neue jüdisches Schulhaus) und ein rituelles Bad (im Schulhaus). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf einem der jüdischen Gemeinde Albersweiler gehörenden Friedhof auf Gemarkung Annweiler beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen unten). 
  
1875
lebten noch 229 jüdische Einwohner in Albersweiler. Seitdem ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder durch Aus- und Abwanderung zurück (1900 111 Personen).  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Alfred (Fredi) Benedikt (Benedick, geb. 14.4.1890 in Albersweiler, gef. 10.5.1916), Emil Kahn (geb. 24.3.1886 in Albersweiler, gef. 6.2.1916), Unteroffizier Friedrich (Fritz) Kahn (geb. 12.1.1889 in Alberweiler, gef. 7.11.1914), Hugo Kahn (geb. 12.2.1885 in Alberweiler, gef. 17.5.1916), Eugen Levy (geb. 30.9.1888 in Albersweiler, gef. 1.7.1916) und Adolf Michel (geb. 27.6.1887 in Schornsheim, gef. 17.3.1915)..   
  
1928
zählte die Gemeinde nur noch 37 Mitglieder. Damals bildeten den Vorstand der Gemeinde Heinrich Kahn, Eduard Benedikt und Rudolf Hermann. Den Religionsunterricht besuchten noch sechs jüdische Kinder. Er wurde durch Rabbiner Dr. Einstein (Landau) erteilt. Zur Gemeinde gehörten die damals 16 in Annweiler lebenden jüdischen Personen. 
 
1933 lebten noch 32 jüdische Personen am Ort. Ihre Zahl ging auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts durch Aus- und Abwanderung bis 1938 auf 15 zurück. Im Oktober 1940 wurden die letzten vier nach Gurs deportiert und sind umgekommen 
 
Von den in Albersweiler geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Abraham geb. Kahn (1865), Heinrich Benedikt (1885), Bernhard Dreyfuss (1880), Anna Feibelmann geb. Siegel (1884), Dr. Eugen Frank (1886), Johanna Frank (1878), Johanna Hanf geb. Marx (1881), Arthur Kahn (1887), Emil Kahn (1876), Karl Kahn (1875), Rosa Kahn geb. Grabenheimer (1855), Walter Kahn (1922), Marie Katzauer geb. Marx (1872), Regina Kern geb. Behr (1864), Antonie (Toni) Kirschbaum geb. Siegel (1881), Lina Kuhn geb. Siegel (1875), Regine Lehmann geb. Weil (1884), Lina Levy geb. Kahn (1880), Regina Lichtendorf geb. Kahn (1879), Norbert Loeb (1926), Rosa Loeb geb. Benedikt (1866), Maria Löwenstein geb. Kahn (1887), Emil Mai (1881), Heinrich Wilhelm Mai (1891), Mathilde Mandel geb. Siegel (1858), Bernard Marx (1878), Berthe Nordon (1879), Heinrich Reichenberg (1936), Renate Reichenberg geb. Weil (1900), Cölestine Sender geb. Siegel (1872), Josef Siegel (1862), Siegfried Siegel (1874), Hugo Weil (1882), Regina Weil geb. Kahn (1855), Selma Weil (1898), Thekla Weil geb. Kahn (1881), Lina Wetzler geb. Frank (1877), Hilde Zivy geb. Kahn (1893).  
        
        
        
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schächters 1872 und 1898  
Anmerkung: die Ausschreibung von 1898 erfolgte nach der Pensionierung von Lehrer Jakob Frank. Nachfolger war Lehrer Haymann.

Albersweiler Israelit 19061872.jpg (74267 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1872: "Die israelitische Schulstelle zu Albersweiler, womit der Vorsänger- und Schächterdienst verbunden ist, ist erledigt und soll wieder besetzt werden. 
Der jährliche Gehalt besteht: 1) Lehrergehalt bar aus der Kultuskasse fl. 400. 2) Vorsängergehalt bar aus der Kultuskasse fl. 200. 3) Anschlag der Kasualien  fl. 125.  4) Gebühren des Schächterdienstes  fl. 150.  5) Wohnungsentschädigung  fl. 50.  6) für Vorträge bei den Brüderschaften  fl. 30.  Summa: fl. 955.
Bewerber um diese Stelle wollen ihre Gesuche binnen 6 Wochen von heute an bei dem Vorstande der israelitischen Gemeinde persönlich dahier einreichen. Albersweiler, den 31. Mai 1872. Der israelitische Vorstand: Jakob Kohn."
     
Albersweiler Israelit 12051898.jpg (72804 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1898: "Schuldiensterledigung. Die hiesige israelitische Schulstelle ist infolge Pensionierung des seitherigen Lehrers in Erledigung gekommen. Dieselbe wird daher mit einem Meldetermin bis 10. Juni nächsthin und mit folgenden Bezügen ausgeschrieben: 1. Anschlag der Kasualien an dem Vorbeterdienste  Mk. 216.-   2. Aus der israelitischen Kultuskasse  Mk. 486.-   3. Gehalt als Vorsänger  Mk. 344.-  4. Kreisaufbesserungszuschuss  Mk. 78.50   4. Für Beheizung pro Jahr  Mk. 68,57  6. An Schächtergebühren fallen pro Jahr an ca.  Mk. 250.-  Summa Mk. 1443,07.
Der Anzustellende hat freie Wohnung im eigenen Schulhause. Albersweiler, Pfalz, 2. Mai 1898. Der israelitische Kultusvorstand."

   
Zum Tod von Rabbi Herz Aschaffenburg, um 1810 bis 1870 Lehrer in der jüdischen Gemeinde Albersweiler  

Albersweiler Israelit 09111870.jpg (197175 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1870: "Nekrolog. Albersweiler bei Landau. Ein edles Herz hat zu schlagen aufgehört. Rabbi Herz Aschaffenburg, der beinahe 60 Jahre als hiesiger Religionslehrer fungierte und 'Lehrer der Gerechtigkeit' ('Rabbiner') der hiesigen Gemeinde war, ist nicht mehr, denn Gott hat ihn zu sich genommen. Von frühester Jugend an, dem Studium unserer heiligen Lehre obliegend, hatte derselbe sich bei seinem Vater Raw Abraham - das Andenken des Gerechten ist zum Segen - zu Offenbach am Main schon bedeutende Kenntnisse erworben, die er dann schon mit seinem 16. Jahre bei den bedeutendsten und größten Rabbinen der damaligen Zeit zu Frankfurt und Offenbach zu erweitern suchte. Sein Wissen wusste derselbe auch auf die uneigennützigste Weise zu verwerten, und stand sein Haus einem Jeden offen, wie das Haus Abrahams unseres Vaters, und seine Hand war beständig geöffnet, Armen mitzuteilen, so oft und so viele auch täglich oder stündlich gekommen sind. Die von ihm hinterlassene Verfügung (Testament) zeugt davon, wie anspruchslos dieser Fromme lebte, und auch die Wünsche, die er nach seinem Tode erfüllt haben möchte, bekunden, welche ein Mann der Gottesfurcht derselbe war. An ihm bewährte sich der Spruch des Psalmisten (hebräisch und deutsch: 'Noch sprossen sie im Alter, fett und saftvoll sind sie, zu verkünden, dass Gott gerecht ist.' (Psalm 92,15-16). Im Alter von 87 Jahren und nicht mehr ganz fest am Körper, da der Verklärte 20 Jahre vorher eine starke Lungenentzündung hatte, fastete derselbe noch am heiligen Jom Kippur, konnte aber die Synagoge nicht besuchen, was ihm außerordentlich leid tat, zumal da er eine lange Reihe von Jahren Vorbeter der Gemeinde war und zwar ein solcher wie er nach dem Gesetz sein soll. Am Tag vor Sukkot, Nachmittags 4 Uhr, entschlief dieser Fromme. Sein großes Leichenbegängnis bezeugte, wie geehrt der Verblichene war, indem die christlichen Bürger sowie der protestantische Pfarrer, sowie die jüdischen Kollegen der Umgegend und die ganze jüdische Gemeinde ihm die letzte Ehre erzeigten und seinem Begräbnisse beiwohnten. Wir aber fühlen den herben Verlust, denn gefallen ist die Krone unseres Hauptes, wehe, wir haben gesündigt. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

      
Über Jakob Frank, Lehrer in Albersweiler von vor 1878 bis 1898 (1844-1929)  

Albersweiler BayrGZ 15011929.jpg (165852 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Ein Gedenkblatt einem teuren Freunde. Am Tag nach dem Laubhüttenfestes (Sukkkot) geleitete ein stattliches Trauergefolge in dem pfälzischen Dörfchen Rockenhausen die sterblichen Überreste von Lehrer Jakob Frank zur letzten Ruhe. Sohn Sohn eines pfälzischen Volksschullehrers in Marienthal 1844 geboren, besuchte er das Lehrerseminar Kaiserslautern und wirkte 35 Jahre als Volksschullehrer in den Orten Altdorf, Steinbach am Glan und Albersweiler (Orte, deren Lehrerstellen heute längst aufgelöst sind), am letzteren Orte über 2 Dezennien stets in vorbildlicher, diensteifriger, gewissenhafter Weise. Im Jahre 1898 wurde er infolge Krankheit pensioniert, konnte sich aber in der Ruhe wieder so erholen, dass ihm noch die Gnade ward, 30 Jahre im Kreise seiner Familie, zuletzt im Hause einer verheirateten Tochter, genießen zu dürfen. In dieser Zeit konnte er der Beschaulichkeit seiner Lieblingsbeschäftigung sich ungestört widmen, dem jüdischen Studium. Sein innig religiöser Sinn, seine Herzensfrömmigkeit führten ihn dazu, täglich für sich und gar oft mit gleichgesinnten Kollegen und Freunden zu 'lernen'. Dazu war er umso mehr befähigt, da er von Jugend auf im frommen Elternhause 'gelernt' hatte, und auch deshalb, weil er über ein umfassendes Allgemeinwissen, große Belesenheit und meisterhafte Beherrschung der Sprache verfügte. Neben dem umfassenden Wissen waren es sein gerade, schlichter Sinn, sein menschenfreundliches Wesen, sein gutes, stets heiteres Gemüt, die ihn besonders auszeichneten. So wirkte er anregend und fördernd als Lehrer, Liebe ausstreuend und Zuneigung erntend. Er war ein ganzer Mann, der in Beruf und Leben sich überall herzliche Zuneigung und Freundschaft erworben hatte, die über das Grab hinaus reicht. In herzlichen Worten gedachten seiner bei seinem Hingang die beiden Rabbiner: Dr. Baron (Kaiserslautern) und Dr. Meyer (Pirmasens). Als Kollege und seinerzeitiger Amtsnachfolger sprach Oberlehrer Haymann (Rodalben) dem lieben Dahingegangenen den Abschiedsgruß, ihn als wahren Freund, hilfsbereiten Amtsgenossen und idealen Lehrer feiernd. Von weit her waren Schüler und Freunde erschienen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Er hat Segen verbreitet, darum wird sein Andenken auch in Segen erhalten bleiben. H.R."

     
Zum Tod von Julius Samuel, langjähriger ehrenamtlicher Vorbeter der Gemeinde (1938 in den USA)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. März 1938: "Albersweiler. Todesfall. Der langjährige ehrenamtliche Vorbeter der Gemeinde Herr Julius Samuel (früher Annweiler), der vor 2 Jahren nach USA auswanderte, ist in ST. Charles im Alter von 58 Jahren gestorben."        

   
  
Zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Brief aus Gurs - geschrieben von dem in Albersweiler geborenen und später in Gernsbach wohnenden Arthur Kahn (1941)  
(erhalten von Irene Schneid-Horn, Gernsbach)     

Gernsbach Brief aus Gurs 01.jpg (142929 Byte) Gernsbach Brief aus Gurs 02.jpg (184373 Byte) Dazu eingestellt: 
Stammbaum der Familie Dreyfuss 
(erstellt von Irene Schneid-Horn)  
eingetragen: Artur Kahn mit seiner Frau 
Erna geb. Dreyfuss und den Kindern 
Lieselotte und Margit: alle vier wurden am 
22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert 

Den obigen Brief verfasste Arthur Kahn (geb. 26. Dezember 1887 in Albersweiler) am 5. Februar 1941 im Lager Gurs. Er bittet das Bürgermeisteramt in Gernsbach, mit Genehmigung der Geheimen Staatspolizei von den in der Gernsbacher Wohnung zurückgelassenen Sachen vor allem Decken, Handtücher, Kleidung usw. zuzusenden. Alle Unkosten sollten von dem Sperrkonto bei der Deutschen Bank oder bei den Konten bei der Dresdner Bank Karlsruhe abgebucht werden. "...wir befinden uns hier mit unseren kleinen Kindern wirklich in der größten Not, weshalb ich nochmals bitte, die Zusendung auf dem bestmöglichsten und schnellsten Wege erfolgen zu lassen, ohne Rücksicht nehmen zu wollen auf die Höhe der Unkosten...".  
Drei Monate nach Abfassung des Briefes ist Arthur Kahn am 9. Juni 1941 im Internierungslager Rivesaltes umgekommen; seine Frau Erna geb. Dreyfuß wurde im August 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.    

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeigen der Weinhandlung des pensionierten Lehrers Jakob Frank (1898 / 1904)
Anmerkung: nachdem Lehrer Jakob Frank, wie im Artikel zu seinem Tod 1929 (oben) beschrieben, 1898 aus gesundheitlichen Problemen pensioniert wurde, konnte er offenbar zum Gelderwerb noch eine Weinhandlung betreiben.

Albersweiler Israelit 22091898.jpg (40024 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1898: "Selbstgekelterte Weine. Weißweine zu 45, 50, 60 und 70 Pfennig per Liter. Rotweine zu 60, 70 und 80 Pfennig per Liter von 50 Liter an versendet 
J. Frank, pensionierter Lehrer, Albersweiler (Pfalz)."
 
Albersweiler Israelit 25021904.jpg (35815 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1904: "Selbstgekelterten Weißwein, per Liter 50, 60 und 70 Pfennig. Rotwein, per Liter 70 und 80 Pfennig empfiehlt 
J. Frank, pensionierter Lehrer, Albersweiler (Pfalz).

         
         
         
Zur Geschichte der Synagogen           
    
Eine erste Synagoge wurde bereits vor 1725 erstellt (stammte vermutlich bereits aus der Zeit vor 1700). Sie befand sich in der Frankweilerstraße, der heutigen Hohlstraße. Diese Synagoge ("ein altertümlicher, recht interessanter Tempelbau") wurde nach dem Bau der neuen Synagoge aufgegeben und 1877 abgebrochen. An ihrer Stelle wurde die israelitische Volksschule erbaut (Gebäude besteht bis heute, siehe Foto unten).
 
1864 erwarb die Gemeinde zwei Grundstücke, um darauf eine neue Synagoge zu erbauen. 1865 bis 1867 wurde dieser Neubau im maurischen Stil nach dem Vorbild der Ingenheimer Synagoge erbaut. Die Einweihung der Synagoge fand am 17. und 19. Januar 1868 trotz starkem Schneefall unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Ein größerer Geldbetrag war von dem in Albersweiler geborenen, in die USA ausgewanderten Süßkind Weil beigesteuert worden.
 
Am 21. Oktober 1938 wurde die Synagoge von der nur noch 15 Mitglieder umfassenden jüdischen Gemeinde an die Ortsgemeinde verkauft. Der Verkauf wurde auf höhere Weisung vom Landratsamt Bergzabern nicht genehmigt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört und später abgebrochen. Auf ihrem Platz wurde 1959 das Lagerhaus der Raiffeisenkasse erstellt. Eine Gedenktafel wurde am 13. November 1988 am Synagogenstandort angebracht. 
  
  
Standort der Synagoge: Kirchstraße (frühere Weinstraße) 
   
   
Fotos:
(obere Reihe: ; Farbfoto mittlere Reihe links: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2004; Fotos mit *) von 2011 von Bernhard Kukatzki)

    
 Albersweiler Ort 13018.jpg (181452 Byte) Albersweiler Synagoge 001.jpg (79122 Byte) Albersweiler Synagoge 002.jpg (61106 Byte)
Die Synagoge (im Kreis) zwischen den beiden 
Kirchen des Ortes (Foto vor 1900) 
(Quelle: Informationstafel s.u.)  
Die Synagoge in Albersweiler mit 
ihrem charakteristischen 
dreiteiligen Eingangsrisalit 
"Straßenpartie bei der Pfarrkirche 
in Albersweiler"
 (Karl Weysser, 1885) 
       
Die Gedenkstätte für 
die Synagoge 
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2004; 
Fotos rechts von 2011 von Bernhard Kukatzki)  
Albersweiler Synagoge 100.jpg (60290 Byte) Albersweiler Synagoge BeKu 120.jpg (76355 Byte)
   Standort der ehemaligen Synagoge  Gedenktafel 
      
Fotos von 2013  
(von Michael Ohmsen, vgl.
 Fotoseite von M. Ohmsen zu Albersweiler
Albersweiler Ort 13021.jpg (170538 Byte) Albersweiler Ort 13023.jpg (218941 Byte)
  Standort der ehemaligen Synagoge   Gedenktafel 
     
  Albersweiler Ort 13024.jpg (172958 Byte) Albersweiler Ort 13016.jpg (157932 Byte)
  Synagogengedenkstätte mit Informationstafel vor dem Gebäude Kirchstraße 2a   
     
Das Gebäude der früheren 
jüdischen Schule 
(Fotoa: Bernhard Kukatzki, 2011) 
Albersweiler Schule BeKu 120.jpg (56930 Byte)  Albersweiler Synagoge BeKu 121.jpg (125147 Byte)
  Das jüdische Schulhaus wurde auf dem
 Grundstück der alten Synagoge erbaut; in
 ihm war auch das rituelle Bad (Mikwe) 
 In dieses Privathaus wurden
 Schmuckelemente der 1938 
zerstörten Synagoge
eingebaut  
     
Fotos von 2013  
(von Michael Ohmsen, vgl.
 Fotoseite von M. Ohmsen zu Albersweiler)   
Albersweiler Ort 13020.jpg (73077 Byte) Albersweiler Ort 13019.jpg (85107 Byte) Albersweiler Ort 13015.jpg (78265 Byte)
  Das ehemalige jüdische Schulhaus  Hinweistafel am Gebäude (Hohlstraße)    
      
     
 Namen der jüdischen Gefallenen 
des Ersten Weltkrieges 
(von Michael Ohmsen, vgl.
 Fotoseite von M. Ohmsen zu Albersweiler)     
Albersweiler Ort 13022.jpg (181555 Byte) Albersweiler Ort 13011.jpg (295559 Byte)
  Das Denkmal für die Gefallenen des 
Ersten und Zweiten Weltkrieges  
Namen von Emil Kahn, Hugo Kahn, 
Alfred Benedick und Eugen Levy 
        
  Albersweiler Ort 13014.jpg (250634 Byte) Albersweiler Ort 13012.jpg (191943 Byte) 
   Name von
 Adolf Michel 
Name von Fritz Kahn 
(vermisst)   
      

   
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

August bis Dezember 2015: Ausstellung im Museum unterm Trifels in Annweiler: "Die Kinder Israels"  -  Geschichte und Kultur des Judentums  
Bericht in der Seite http://www.trifelsland.de/de/kultur-erleben/ausstellungen/: "Zur Vermittlung der jüdischen Kultur und Geschichte präsentiert das Museum unterm Trifels in Annweiler ab dem 09. August 2015, die Sonderausstellung "Die Kinder Israels" - Geschichte und Kultur des Judentums.
Das Judentum ist heute eine pluralistische Religion, die jedoch durch eine lange Geschichte und die damit verbundenen Glaubensvorstellungen und Erfahrungen verbunden ist. In der Ausstellung erhalten Besucher die Möglichkeit, die Geschichte der Juden sowie ihre Riten und Feste kennenzulernen.
In einer historischen Abhandlung wird der bewegte und wechselvolle Weg des israelischen Volkes von Abraham bis zur Gegenwart beschrieben. Schon im 4. Jh. n. Chr. erreichten die ersten Juden deutsches Gebiet. Ein wichtiges Zentrum bildeten damals die so genannten SchUM-Städte: Speyer, Worms und Mainz. Es folgten Unterdrückung und Verfolgung im Mittelalter während den Kreuzzügen und der Pestepidemie. Nach den schwierigen Anfängen der Wiederbesiedelung im 17. Jh. und den mühevollen Emanzipationsbewegungen, erfolgte die rechtliche Gleichstellung im 19. Jh. und in der Weimarer Republik. Doch der Hoffnung nach gesellschaftlicher Anerkennung setzte die Nationalsozialisten Terror und Vernichtung entgegen. Heute leben wieder ca. 250.000 Juden in Deutschland.
Neben der Geschichte werden jüdische Lebensphasen wie Geburt, Beschneidung, Bar und Bat, Mizwa, Heirat und Tod erläutert sowie die wichtigsten Glaubensinhalte und das Alltagsleben der Juden dargelegt. Auch Speisevorschriften und die wichtigsten jüdischen Feste kommen zu Sprache.
Die Sonderschau umfasst auch die Situation in der Verbandsgemeinde Annweiler, wo es vor allem in Albersweiler eine aktive jüdische Gemeinde gab. Reste der nach der Pogromnacht 1938 abgebrochenen Synagoge in Albersweiler sind in der Ausstellung ebenso zu sehn, wie zahlreiche Originaldokumente aus dem Stadtarchiv Annweiler. Dem Judenfriedhof in Annweiler, eine der ältesten in der Pfalz, ist eine eigene Tafel gewidmet.
Ausgewählte Exponate, wie eine profanierte Tora-Rolle, Channuka-Leuchter, Seder-Teller usw. geben einen Einblick in das religiös-kulturelle Leben der Juden. Es handelt sich um Leihgaben der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, des Historischen Museums und von Privatleuten. Eine umfangreiche Bilddokumentation setzt sich den Ereignissen von den Anfängen bis zur Gegenwart der jüdischen Geschichte auseinander.

Hinweise: Ausstellungsdauer: 9. August bis 20. Dezember 2015
Museum unterm Trifels, Am Schipkapass 4, 76855 Annweiler, Tel. 06346-1682 Email: koelsch.museum.annweiler@t-online.de 
Öffnungszeiten: Di.-So. 10.00 - 17.00 Uhr.   

  
      

Links und Literatur  

Links:  

Website der Gemeinde Albersweiler  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Annweiler  (interner Link)   

Literatur:   

Karl Fücks / Michael Jäger: Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden. 1988.
Franz Schmitt: Die Steine reden. Zeugnisse jüdischen Lebens im Landkreis Südliche Weinstraße. Rhodt 1989.
Alfred Hans Kuby (Hg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Neustadt a.d. Weinstraße 1992.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 68-69 (mit weiteren Literaturangaben). 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Albersweiler Palatinate. Jews are first mentioned in 1529, An organized community existed by the 18th century, reaching a peak population of 271 in 1848 with over two-thirds engaged in trade. A Jewish public school was opened in 1855 and a synagogue was consecrated in 1868. The Jewish population declined steadily to a figure of 32 in 1933 and 15 in 1938. Four were deported by the Nazis in 1940 and perished.  
       
        

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                  

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. September 2015