Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rockenhausen (VG Rockenhausen, Donnersbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Erinnerung an die mittelalterliche Geschichte 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Rockenhausen (seit 1332 Stadt) lebten Juden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Zu einem Pogrom kam es am 23. April 1283 (vier Tage nach Pogromen in Mainz und Bacharach), als 13 Juden in Rockenhausen erschlagen wurden. Andere wurden zwangsweise getauft oder konnten fliehen. Einige Jahre später (ab 1309) lebten erneut Juden in der Stadt. Bei der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden auch in Rockenhausen Juden ermordet. Danach schweigen für längere Zeit die Quellen über Juden in der Stadt.
  
Seit dem 17. Jahrhundert (nach 1662) werden wieder Juden in der Stadt genannt. Doch erst im 19. Jahrhundert nahm ihre Zahl stärker zu: 1802 39 jüdische Einwohner (3,6 % der Einwohnerschaft), 1808 62, 1825 106 (7,0 %), 1835 140 Personen, etwa 7,9 %). Die acht jüdischen Haushaltsvorstände 1808/09 waren: Lazare Bozemer jun., Kurzwarenhändler Manasse Gottlieb, Jacques Joseph, Händler Manasse Kahnweiler, Händler Salomon Levi, Kurzwarenhändler Nathan Liebhold, Kurzwarenhändler David Rosenzweig und Kurzwarenhändler Nathan Silbermann. 
  
Im 19. Jahrhundert gehörten zur jüdischen Gemeinde Rockenhausen zeitweise auch die in mehreren umliegenden Orten lebenden Juden. Teilweise verfügten diese Orte über eigene Beträume (Filialsynagogen): Marienthal (1848 115 jüdische Einwohner), Bisterschied (10), Dörnbach (24), Dörrmoschel (58), Kriegsfeld (9), Teschenmoschel (56), Waldgrehweiler (47) und Würzweiler (10). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung zurück (1875 59, 1900 47 jüdische Einwohner), um Anfang des 20. Jahrhunderts wieder zuzunehmen. 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Israelitische Volksschule/Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Kaiserslautern
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Sanitätsunteroffizier Alfred Berg (geb. 18.3.1892 in Rockenhausen, gef. 21.2.1915), Eugen Frank (geb. 17.6.1886 in Dörrmoschel, gef. 11.5.1916) und Robert Gutmann (geb. 28.11.1887 in Dielkirchen, gef. 5.10.1918).  
   
Um 1925
, als wieder 120 jüdische Einwohner gezählt wurden (6,6 % der insgesamt etwa 1.800 Einwohner), bildeten den Gemeindevorstand die Herren Siegmund Becker, Johann Meyer, Benjamin Berg und Ludwig (Louis) Breitmann. Als Kantor war Julius Lamm angestellt (bis zu seiner Versetzung nach Pirmasens 1930, siehe Text unten). Er gab auch den damals 10 schulpflichtigen jüdischen Kinder Religionsunterricht (1932 noch 6 Kinder). Um 1925 waren auch die in Dielkirchen lebenden jüdischen Personen (35, 1932 36) der Gemeinde in Rockenhausen zugeteilt. 1932 wurden 74 jüdische Gemeindeglieder gezählt. Außer Johann Meyer waren noch dieselben Personen im Gemeindevorstand. Jüdischer Lehrer und Kantor war Nathan Eschwege (geb. 1888 in Thüngen). An Vereinen bestand vor allem der Israelitische Frauenverein, der sich die allgemeine Wohlfahrtspflege zum Ziel gesetzt hatte.
  
Seit 1933
trafen die nationalsozialistischen antijüdischen Maßnahmen auch die noch in Rockenhausen lebenden jüdischen Einwohner. 1936 wohnten 70, am 1.11.1938 noch sechs jüdische Familien mit 17 Angehörigen in der Stadt. Die letzten Kantoren und Lehrer der jüdischen Gemeinde waren seit September 1933 Fritz Levy bzw. seit Sommer 1935 Jakob Färber. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört.    
    
Von den in Rockenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Behr (1869), Friedrich Berg (1889), Helene Bockmann geb. Liepold (1863), Arthur Dellheim (1890), Heinrich Dreyfuß (1878), Lotte Dreyfuß (1921), Melanie Dreyfuß geb. Jacob (1886), Mathilde Eichhold (1884), Heinrich Fränkel (1898), Albert Frank (1881), Henriette Frank geb. Seligmann (1887), Sally Heinz Frank (1920), Sara Fröhlich geb. Weiß (1860), Emma Gottschalk geb. Haas (1876), Lina Grünewald geb. Wolf (1862), Julius Heyum (1900), Otto Heyum (1902), Fanny Kahn geb. Kahn (1871), Jenny Kahn geb. Liepold (1878), Albert Liepold (1879), Nathan Liepold (1883), Gerda Marx geb. Frank (1908), Sidonia Mayer geb. Frank (1906), Hermann Mendel (1873), Siegbert Mendel (1908), Fritz Roelen (1915), Helene Roelen geb. Röthler (1907) Jakob Roelen (1907), Salomon Roelen (1878), Wilhelm Roelen (1912), Jonas Rosenfelder (1908), Emilie Roth geb. Necker (1912), Else Barbara Rückersberg geb. Marx (1913), Lajla Schmeier (1922). 
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Erinnerung an die mittelalterliche Geschichte
Die jüdische Gemeinde erinnerte sich am 25. Nissan eines jeden Jahres an die mittelalterliche Verfolgung:   

Rockenhausen Israelit 21041902.jpg (29452 Byte)Aufzählung der Gedenktage des Jahres 1902 in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1902: "Zehnter Omertag. Freitag, 25. Nissan (= 2. Mai 1902). An diesem Tage 5043 (23. April 1283 war eine Judenverfolgung in Rockenhausen (13 Märtyrer)."

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 

Zum Tod von Adolf Mayer (vor 1896 Lehrer in Rockenhausen) (1930)  

Rockenhausen BayrGZ 15071930.jpg (97926 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1930: "Adolf Mayer, Niederhochstadt. Am 4. Juni machte ein Herzschlag seinem arbeitsfreudigen leben ein Ende. Die Munterkeit und Frische, die wir 8 Tage zuvor auf der Jahresversammlung in Landau an dem seit längerer Zeit leidenden Kollegen feststellen durften, war nur das Aufblühen gewesen vor dem Verwelken. Adolf Mayer hat zuerst in Kochendorf (Württemberg) und Rockenhausen einige Jahre gewirkt, aber fast die ganze Kraft - 34 Jahre - seine Lebens gehörte der Gemeinde Niederhochstadt. Die Trauerrede des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Einstein, die Abschiedsworte des Gemeindevorstandes Herrn M. Dreifuß, des Pfälzer Verbandsvorsitzenden Herrn Kommerzienrat Joseph, eines christlichen Ortskollegen und des Schreibers dieser Zeilen zeichneten noch einmal voll Dankbarkeit und Verehrung das Bild dieses Lehrerlebens, in seiner Lauterkeit, Berufshingebung, in seiner Treue und Gewissenhaftigkeit im Kleinen wie im Großen, - das Bild einer Persönlichkeit, die alle Kraft des Herzens und Geistes in den Dienst ihres heiligen Amtes gestellt. Die Gemeinde Niederhochstadt verliert - o Schicksal der Landgemeinden! - ihren geistigen Mittelpunkt, wir aber verlieren einen braven Freund und Kollegen. Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Schottland."


Schuljahrsschlussfeier der Israelitischen Volksschule im April 1927 

Rockenhausen BayrGZ 23051927.jpg (107559 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 23. Mai 1927: "Rockenhausen (Pfalz). Die israelitische Volksschule dahier veranstaltete gelegentlich des diesjährigen Schuljahrschlusses am 7. April eine wohl gelungene Schlussfeier. Die Leistungen der kleinen Schülerzahl fanden bei den vollzählig erschienenen Eltern und Gästen höchste Anerkennung. Erfreulich war die Anwesenheit der Spitzen der Bezirksschulbehörde, der Herren Oberregierungsrat Fuchs und Bezirksschulrat Haaß und der Vertreter der politischen und jüdischen Gemeinde, des Herrn Bürgermeisters und Synagogenratsvorstandes. Den Mittelpunkt der Feier bildete eine Märchenszene aus 'Schneewittchen', bei welcher sich die empfängliche Jugend ganz in ihrem Element fand. Gegen Schluss der Feier hielt der Schulleiter, Herr Hauptlehrer Julius Lamm, eine kernige Ansprache, in welcher er unter anderem des Wohltäters der Menschheit, des wahren Jugendfreundes Heinrich Pestalozzi, gedachte. Seine Ansprache klang aus mit den Worten: Werdet tüchtige und brauchbare Glieder der menschlichen Gesellschaft; bleibet vor allen Dingen, auch trotz häufiger Anfeindungen echte, aufrichtige deutsche Juden, erfüllt mit Liebe zu euren Nebenmenschen, ausgezeichnet durch treue Anhänglichkeit an das große deutsche Vaterland und trotzdem treu eurem alten angestammten Glauben!"

  
Zum Tod des zuletzt in Rockenhausen lebenden und hier beigesetzten Lehrer Jakob Frank (1928)  

Marienthal BayrGZ 15011929.jpg (185758 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Ein Gedenkblatt einem teuren Freunde.  Am Tag nach dem Sukkot-Fest (8. Oktober 1928) geleitete ein stattliches Trauergefolge in dem pfälzischen Dörfchen Rockenhausen die sterblichen Überreste von Lehrer Jakob Frank zur letzten Ruhe. Als Sohn eines plälzischen Volksschullehrers in Marienthal 1844 geboren, besuchte er das Lehrerseminar Kaiserslautern und wirkte 35 Jahre als Volksschullehrer in den Orten Altdorf, Steinbach am Glan und Albersweiler (Orte, deren Lehrerstellen heute längst aufgelöst sind), am letzteren Orte über 2 Dezennien stets in vorbildlicher, diensteifriger, gewissenhafter Weise. Im Jahre 1898 wurde er infolge Krankheit pensioniert, konnte sich aber in der Ruhe wieder so erholen, dass ihm noch die Gnade ward, 30 Jahre im Kreise seiner Familie, zuletzt im Hause einer verheirateten Tochter, genießen zu dürfen. In dieser Zeit konnte er der Beschaulichkeit seiner Lieblingsbeschäftigung sich ungestört widmen, dem jüdischen Studium. Sein innig religiöser Sinn, seine Herzensfrömmigkeit führten ihn dazu, täglich für sich und gar oft mit gleichgesinnten Kollegen und Freunden zu 'lernen'. Dazu war er umso mehr befähigt, da er von Jugend auf im frommen Elternhaus 'gelernt' hatte, und auch deshalb, weil er über ein umfassendes Allgemeinwissen, große Belesenheit und meisterhafte Beherrschung der Sprache verfügte. Neben dem umfassenden Wissen waren es sein gerader, schlichter Sinn, sein menschenfreundliches Wesen, sein gutes, stets heiteres Gemüt, die ihn besonders auszeichneten. So wirkte er anregend und fördernd als Lehrer, Liebe ausstreuend und Zuneigung erntend. Er war ein ganzer Mann, der in Beruf und Leben sich überall herzliche Zuneigung und Freundschaft erworben hatte, die über das Grab hinaus reicht. In herzlichen Worten gedachten seiner bei seinem Hingange die beiden Rabbiner: Dr. Baron (Kaiserslautern) und Dr. Meyer (Pirmasens). Als Kollege und seinerzeitiger Amtsnachfolger sprach Oberlehrer Haymann (Rodalben) dem lieben Dahingegangenen den Abschiedsgruß, ihn als waren Freund, hilfsbereiten Amtsgenossen und idealen Lehrer feiernd. Von weit her waren Schüler und Freunde erschienen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Er hat Segen verbreitet, darum wird sein Andenken auch in Segen erhalten bleiben.   H.R."  

   
Hauptlehrer Julius Lamm wechselt von Rockenhausen nach Pirmasens (1930)  

Rockenhausen BayrGZ 01051930.jpg (53972 Byte) Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1930: "Rockenhausen (Rheinpfalz). Nach nahezu sechsjähriger Tätigkeit verlässt in den nächsten Tagen der Lehrer und Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Hauptlehrer Lamm, Rockenhausen, um seiner von der Regierung der Pfalz ergangenen Berufung als Lehrer der israelitischen Volksschule Pirmasens, zu folgen. Herr Hauptlehrer Lamm hat es verstanden, sich während seiner hiesigen Tätigkeit die Achtung und Anerkennung der Gemeinde, sowohl als Lehrer der hiesigen Volksschule wie auch als Kantor zu erwerben. Wir bedauern seinen Wegzug und wünschen ihm und den Seinen für sein künftiges Wirken Glück und Segen."
    
Rockenhausen BayrGZ 15031930.jpg (17574 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1930: "Kollege Berlinger (München) wurde am 1. Februar zum Hauptlehrer befördert. Die Volksschullehrerstelle Pirmasens wurde dem Hauptlehrer Lamm (Rockenhausen) übertragen."

   
Fritz Levy wird Lehrer und Kantor in Rockenhausen (1933)
  

Rockenhausen Israelit 26101933.jpg (60618 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1933: "Rockenhausen (Pfalz), 1. Oktober (1933). Herr Fritz Levy aus Homburg, ein Zögling der Hirschberger- und Würzburger Lehrerbildungsanstalt, ist vom pfälzischen Landesverband als Kantor der hiesigen Gemeinde und als Lehrer für 15 Orte der Umgegend bestellt worden. Herr Levy, der sein Amt seit Anfang September zur besonderen Zufriedenheit der von ihm betreuten Kreise ausübt, bemüht sich hier, wo in früheren Zeiten die Reform starke Verheerungen angerichtet hat, die Gemüter der heranwachsenden Jugend dem religiösen Judentum zu gewinnen."   

   
Lehrer Fritz Levy wird an die Gartenbauschule Ahlem bei Hannover berufen (1935)
    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1935: "Personalia. Lehrer Gallinger von Uffenheim übernahm die private Volksschulstelle in Hörstein, Kollege Possenheimer in Hörstein trat eine Stelle in Lübeck an. Lehrer Fritz Levy - Rockenhausen wurde an die Gartenbauschule Ahlem bei Hannover berufen."       

   
Schulamtsbewerber Färber übernimmt die Religionslehrerstelle in Rockenhausen (1935)
    
Anmerkung: es handelt sich um den Absolventen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg Jakob Färber (geb. 1914), der sich 1933 bis 1935 in Würzburg zum Lehrer ausbilden ließ (genannt bei Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden Bd. 1 S. 138) 

Mitteilungen in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1935: "Stellenbesetzungen: Der Lehrer Hermann Rosental, bisher in Frankfurt am Main, wurde nach Neumarkt, der Schulamtsbewerber Färber nach Rockenhausen berufen. - Der pensionierte Volksschullehrer Popper in Leer übernahm die Religionslehrerstelle in Maßbach."      

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. April 1938:  "Aus Rockenhausen. Am 13. April begehen Herr Oskar Frank und seine Ehefrau Berta geb. Haarburger das Fest der silbernen Hochzeit. Aus Anlass dieses Familienfestes wünschen wir dem Jubelpaar bis zur goldenen Hochzeit viele glückliche Jahre in Freude und Gesundheit."       

   
 Anzeige der Trauung von Alfred Vendig und Trudel geb. Schwarz (1938)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Juni 1938: "Aus Rockenhausen. Am 31. Mai findet in Mannheim die Trauung von Herrn Alfred Vendig aus Kaiserslautern mit Fräulein Trudel Schwarz aus Rockenhausen statt."        

    Zur Geschichte des Betsaal/der Synagoge        
    
Ende des 17. Jahrhunderts besuchten die noch wenigen Rockenhausener Juden die Synagoge in Alsenz. Im Laufe des 18. Jahrhunderts dürfte ein Betsaal in Rockenhausen eingerichtet worden sein. 1811 richtete Manasse Kahnweiler im Obergeschoss eines Nebengebäudes seines Hauses in der Luitpoldstr. 20 (früher Gebäude Nr. 250 in der "Grad Gaß") eine Betstube ein, die feierlich eingeweiht wurde.  In den 1860er-Jahren kam der Wunsch nach den Bau einer Synagoge in Rockenhausen auf. Erste Pläne entwarf Bezirksbauschaffner Rosenthal 1867/68. Es sollte ein zweigeschossiges Gebäude mit Synagoge, Schulzimmer und Lehrerwohnung werden. Doch konnte der Bau aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht werden. 
 
Erst 1885 konnte das um 1874 gebaute Haus Gutenbrunnenstraße 1 erworben und zur Synagoge mit Schulzimmer und Lehrerwohnung umgebaut werden. Der Betsaal befand sich neben dem Unterrichtsraum, die Lehrerwohnung im Dachgeschoss. Am 13. August 1885 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht: ein Festzug bewegte sich vom alten Betsaal zum neuen. Der Betsaal der neuen Synagoge hatte 60 Plätze für Männer, 35 für Frauen.

Rockenhausen AZJ 31081886.jpg (29481 Byte)Notiz in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. August 1886: "Bonn, 22. August (Notizen). Die Pfalz ist abermals um eine neue Synagoge bereichert worden, und zwar in Rockenhausen; die feierliche Einweihung derselben fand am 13. dieses Monats Nachmittags statt."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Gebäude wurde danach als Luftschutzschule zweckentfremdet. Im Mai 1940 kam es in den Besitz der Stadt, im August 1941 in den Besitz des Landkreises. Das Landratsamt nützte es (nach einer Rückübertragung 1949 an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz) bis Anfang der 1970er-Jahre. Im September 1975 kam die ehemalige Synagoge in den Besitz der Stadt, die sie 1976 abbrechen ließ. Eine Hinweistafel ist angebracht. Der Chanukkaleuchter aus der Synagoge befindet sich im Heimatmuseum der Stadt.     
    
    
Adresse/Standort der Synagogeerste Betstube in der Luitpoldstraße 20, die Synagoge stand schräg hinter dem Rathaus (Bezirksamtsstraße 7 / Richtung 6 auf dem heutigen Parkplatz) .  
    
    
Fotos / Darstellungen: 
(Quelle: Pläne veröffentlicht im Buch Synagogen Rheinland-Pfalz s.Lit.; Foto Zeile 3 im Buch von O. Weber s.Lit.)

Pläne zum Bau einer Synagoge 1867/68
 (nicht verwirklicht!)
Rockenhausen Synagoge 005.jpg (80951 Byte) Rockenhausen Synagoge 004.jpg (103475 Byte)
  Grundstück an der Alfangstraße  
     
Rockenhausen Synagoge 001.jpg (66152 Byte) Rockenhausen Synagoge 002.jpg (116486 Byte) Rockenhausen Synagoge 003.jpg (59989 Byte)
          
     
Die ehemalige Synagoge
 in Rockenhausen
Rockenhausen Synagoge 010.jpg (54853 Byte)    
   Die ehemalige Synagoge 
vor dem Abbruch 1976
   
      
Gedenken an die ehemalige Synagoge 
(Fotos: Michael Ohmsen) 
(Fotos in höherer Auflösung siehe Fotoseite von M. Ohmsen zu Rockenhausen)   
 
Rockenhausen Synagoge 1202.jpg (250933 Byte) Rockenhausen Synagoge 1204.jpg (215148 Byte) Rockenhausen Synagoge 1201.jpg (170708 Byte)
Standort der 
ehemaligen Synagoge
Gedenktafel für die ehemalige Synagoge mit der Inschrift: "Hier stand die Synagoge 
 1938 Luftschutzschule - 1940 Gemeindebesitz - 1941 Eigentum des Landkreises - 1949
 Rückgabe an die Kultusgemeinde Rheinpfalz - 1975 Ankauf durch die Stadt  1976 Abriss"
 
     
  Rockenhausen Synagoge 1203.jpg (132551 Byte) 
   Blick auf den Synagogenstandort beim Rathaus, fotografiert vom Parkplatz 
Gutenbrunnenstraße 1(Pfeil)  
Erinnerungen an die jüdische Geschichte
 im Jüdischen Museum 
der Nordplatz in Winnweiler
Winnweiler Museum 208.jpg (67906 Byte) Rockenhausen Winnweiler Museum 184.jpg (73230 Byte)
   Chanukkia (Chanukkaleuchter) aus der 
ehemaligen Synagoge von Rockenhausen  
Original-Emailleschild aus der NS-Zeit, 
vermutlich aus Rockenhausen 
     

   

Kahnweiler 01.jpg (10710 Byte)Hinweis: In Rockenhausen besteht zur Erinnerung an Daniel-Henry Kahnweiler (Ehrenbürger der Stadt Rockenhausen) das Kahnweilerhaus. Eine Dauerausstellung zum Leben und Wirken des Picasso-Förderers, eine Bibliothek und zwei Picasso-Lithographien Kahnweilers u.a.m. können besichtigt werden.  
Rockenhausen KahnweilerTafel 010.jpg (141467 Byte)Kahnweilerhaus - Marktplatz 7 - 67806 Rockenhausen
Auskünfte über Kulturamt der Verbandsgemeindeverwaltung Rockenhausen: Tel. 06361/451-214 oder 451-231
Öffnungszeiten in den Sommermonaten: Do und 1. Samstag im Monat von 15:00 bis 17:00 Uhr und nach Vereinbarung (von Weihnachten bis Ostern geschlossen)
(Foto links: Michael Ohmsen)  
Informationen siehe http://www.rockenhausen.de/vg_rockenhausen/Kultur,%20Tourismus%20&%20Freizeit/Museen/Kahnweilerhaus/      

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Rockenhausen  
Seite zum Kahnweilerhaus 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Rockenhausen (interner Link)

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 701-702. 
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992 S. 74-75. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 135-137.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 322-324 (mit weiteren Literaturangaben).

   
     


 
 
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Rockenhausen Palatinate. Jews were present in the latter half of the 13th century. Some were beaten and forcibly converted in the aftermath of the Oberwesel blood libel of 1287. All were expelled during the Black Death persecutions of 1348-49. In 1802, the Jewish population was 39, reaching a peak of 140 in 1836 but dropping to 86 in 1857. A Jewish school was functioning in 1864. The communities of Marienthal and Dielkirchen were attached to the local congregation. In January 1933, the Jewish population was 82 (total 2,209). During the Nazi era, 37 moved to other German cities and 17 emigrated to the U.S. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jews were sent to the Dachau concentration camp and in October 1940, nine Jews were deported to Gurs. In all, 14 perished in the Holocaust. 
  
    

                   
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Stand: 02. Juni 2017