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im Elsass"
Lauterbourg (Lauterburg,
Dep. Bas-Rhin, Alsace, Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Lauterburg bestand eine jüdische
Gemeinde bereits im Mittelalter. Schon in der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts lebten Juden in der Stadt. Um 1309 zahlten sie eine Reichssteuer
von neun Pfund. 1315 war die Judensteuer dem Bischof von Speyer verpfändet. Bei
den Judenverfolgungen in der NS-Zeit wurde auch in Lauterbourg Juden
ermordet.
Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts lebten nur vereinzelt Juden in der
Stadt. 1689 werden vier jüdische Familien in der Stadt genannt; ihre
Zahl stieg innerhalb von hundert Jahren auf 16 Familien mit zusammen 84 Personen
(1784). Diese lebten vom Vieh- und Pferdehandel sowie vom Handel mit
Landesprodukten.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17./18.
Jahrhunderts zurück. 1784 wurden 16 jüdische Familien mit zusammen 84 Personen
gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1807 135 jüdische Einwohner (6 % der Gesamtbevölkerung), 1846 316, 1861
293, 1870 282, 1910 63.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war im 19./20. Jahrhundert ein Rabbiner angestellt, der zugleich den
Religionsunterricht erteilte. Dies wird 1843 von Rabbiner Ullmann berichtet
(siehe unten). Bereits vor ihm war 1840 bis 1842 Rabbiner Jacob Wolff
(1813-1883) Leiter der israelitischen Grundschule in Lauterbourg. Er hatte eine
abgeschlossene Rabbinerstelle und fand 1842 dann seine erste Anstellung als
Rabbiner in Bisheim. Neben dem Rabbiner war ein Vorbeter und Schochet angestellt
(vgl. Ausschreibung der Stelle von 1904 unten).
Um 1800 gab es in Lauterbourg eine Talmudschule (Jeschiwa), an der
auch künftige Rabbiner ihre Ausbildung bekamen. So studierte der 1786 in Mainbernheim
geborene Aron ben Elieser Schach (bürgerlich Aron Lazarus) in Lauterbourg; er
war seit 1826 Rabbiner in Schirrhofen, wo er dann auch eine Jeschiwa eröffnete,
an der man auch in die Kabbala eingeführt werden konnte.
Lauterbourg war Sitz eines Rabbinates. Rabbiner in der Stadt waren unter
anderem:
- 1826-1834 Rabbiner Ephraim Haas (geb. 1800 in Hottenbach bei
Bernkastel, gest. 1834 in Lauterbourg): studierte in Mannheim und Frankfurt;
1826 bis 1934 Rabbiner in Lauterbourg.
- 1868-1874/75 Rabbiner Isaac Weil (geb. 1840 in Brumath, gest. 1899 in Straßburg):
studierte in Metz und Paris; 1865 Rabbiner in Seppois-le-Bas, 1868 Rabbiner in
Lauterbourg, 1874/75 in Phalsbourg, Lothringen, 1886 Groß-Rabbiner von
Lothringen in Metz, 1890 Groß-Rabbiner des Unterelsass in
Straßburg.
- 1874/75 bis 1885 Rabbiner Simon-Adolphe Uhry (Ury) (geb. 1849 in
Niederbronn, gest. 1915 in Straßburg): studierte in Paris; 1874/75 bis 1885
Rabbiner in Lauterbourg, 1885 in Brumath, 1890/91 bis 1899 Oberrabbiner des
Konsistoriums von Lothringen in Metz, seit 1900 Oberrabbiner des Konsistoriums
des Unterelsass in Straßburg.
- 1888 interimistisch Rabbiner Simon Lévy (geb. 1838 in Balbronn,
gest. 1898 in Schirrhofen), studierte 1857 bis 1864 in Metz und Paris, ab 1867
Rabbiner in Ingwiller, 1875 bis 1898 Rabbiner in Schirrhofen.
- 1889-1893 Rabbiner Dr. Benjamin Meyer (geb. 1867 in Schwindratzheim,
gest. 1934 in Straßburg): studierte in Colmar, dann in Straßburg; 1889
Rabbiner in Lauterbourg, 1893 in Thann, 1900 in Metz, 1915 auf Grund der
Kriegsereignisse nach Mulhouse und Fellering geflüchtet, wo er nun als
Religionslehrer tätig war; 1924 Rückkehr nach Thann.
- 1895-1899 Rabbiner Dr. Isaak Albert Lévy (geb. 1864 in
Quatzenheim, gest. 1921 in Brumath): studierte in Colmar, 1891 in Breslau, dann
Straßburg (Promotion 1891): Interimsrabbiner in Soultz-sous-Forêts, 1895 bis
1899 Rabbiner in Lauterbourg, 1899 bis 1901 in Marmoutier, 1901 bis 1921 in
Brumath.
- 1903-1910 Rabbiner Dr. Bernard Émile Schwarz (geb. 1877 in
Ribeauvillé, gest. 1956 in Obernau): studierte in Colmar, 1898-1902 in Berlin;
1908 Promotion in Heidelberg; 1903 bis 1910 Rabbiner in Lauterbourg, 1910 in
Soultz-sous-Forêts, 1930 Verlegung des Rabbinatssitzes nach Wissembourg, im
Zweiten Weltkrieg Rabbiner der elsässischen Flüchtlinge in La Châtre, nach 1945 Rabbiner in
Obernai.
Die jüdische Gemeinde hatte durch starken Wegzug in die größeren Städte um
1900 nur noch 58 Mitglieder. In diesem Jahr verließ der letzte jüdische Lehrer
(Abraham Mayer) den Ort, da die Gemeinde ihn nicht mehr bezahlen konnte. 1910
wurde das Rabbinat von Lauterbourg mit dem von Weißenburg/Wissembourg verbunden.
1936 lebten noch 43 jüdische Personen in Lauterbourg. Im Juni
1940 wurde Lauterbourg von deutschen Truppen in Brand geschossen. Dabei brannte
neben vielen anderen Gebäuden auch die Synagoge völlig aus. Die letzten
jüdischen Einwohner wurden in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Am 10.
Februar 1942 wurden bisherige jüdische Besitztümer der politischen Gemeinde
übertragen. Der Krieg ging in Lauterbourg erst spät zu Ende. Als letzte
französische Stadt wurde sie von den Alliierten erst 1945 befreit. Sie war zu
90 Prozent zerstört.
Von den in Lauterbourg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): u.a. Rosa Haas
(1878), Leon Klotz (1882), Gaby (Gabrielle) Levy (1922).
Nach 1945 sind nur wenige der früheren jüdischen Einwohner zurückgekehrt.
1953 wurden 29 jüdische Einwohner in der Stadtgezählt. Wenige Jahre später
waren es nur noch ungefähr 10 Personen.
Hinweis: eine Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt war die "Rue de juif", die im 19.
Jahrhundert in "Rue de Lyon" umbenannt worden war.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte des Rabbinates
Rabbiner Grumbach berichtet über einen großzügigen
Bildhauer (1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1867:
"Lauterbourg. Herr Grumbach, der Rabbine dieser Gemeinde,
veröffentlicht in einem Lokalblatte einen seltenen Zug von Toleranz, der
in den weitesten Kreisen verbreitet zu werden verdient.
Herr Ferdinand Killinger, Landwirt zu Trimbach, verließ am 7. Februar
dieses Jahres Wissembourg, um sich nach Hause zu begeben. Auf diesem Wege
begegnete ihm Herr Horn, ein Bildhauer, den er in sein Atelier begleitete.
'Welchen Preis', fragte er, 'verlangen Sie für einen Grabstein für eine
arme israelitische Frau?' Zehn Francs. Killinger übergab hierauf Herrn
Horn ein Zehnfrankenstück. 'Weil Sie dieses für eine Frau zahlen, die
nicht ihrem Kultus angehört, so werde ich dafür ein Übriges tun und
einen Grabstein anfertigen, der sonst 30 bis 40 Francs kostet.' Gut,
erwiderte Killinger, haben Sie die Güte und eigen Sie mir gefälligst den
Tag an, an welchem Sie den Grabstein auf den jüdischen Friedhof bringen
werden, und ich werde alsdann den Rabbinen von Lauterbourg kommen lassen,
damit dieser die bei dieser Gelegenheit üblichen Gebete verrichtet. - Und
ich, erwiderte der hochherzige Künstler, ich werde dem Herrn Rabbinen das
Honorar zahlen, das er für diese Funktion für das Seelenheil der armen
israelitischen Frau zu empfangen hat." |
Rabbiner Simone-Adolph Ury wechselte von Lauterbourg nach Brumath besetzt
(1885)
Anmerkung: Rabbiner Simon-Adolphe Ury (Uhry) (geb. 1849 in
Niederbronn, gest. 1915 in Straßburg): war 1874/75 Rabbiner in Lauterbourg,
1885 als Nachfolger von Salomon Lévy Rabbiner in Brumath, gleichzeitig Dozent
am Rabbinerseminar Straßburg; 1890/91 bis 1899 Oberrabbiner des Konsistoriums
von Lothringen in Metz, seit 1900 Oberrabbiner des Konsistoriums des Unterelsass
in Straßbourg.
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 5. Mai 1885: "Aus dem Reichslande, im April (1885). Es
sind jetzt mehrere Rabbinate im Reichslande vakant. Vor Allem das
Oberrabbinat von Metz durch den Tod des seligen Herrn Bigard, die
Rabbinate von Bisheim, Cernay,
Durmenach, Hegenheim
und Seppois-le-Bas. Dagegen
sind zwei Rabbinate besetzt worden, Sultz
durch Herrn Roller und Brumath durch Herrn Ury, früher
Rabbiner von Lauterburg. Für Metz
denkt man an Herrn Weill, Rabbiner von Pfalzburg, wo auch der selige
Bigard Rabbiner gewesen |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schochet
(1904)
Ausschreibung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. März 1904:
"Lauterburg im Elsass. Vorbeter und Schächter per sofort. Gehalt
Mark 840, Nebeneinkommen Mark 300." |
Lob der jüdischen Schule unter Rabbiner Ullmann
(1843)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 26. Juni
1843: "Lauterburg, eine treffliche Schule, in der der
Rabbiner Ullmann selbst den Religionsunterricht erteilt. Dieser ist so
geliebt, dass, als er das Rabbinat in Bayonne erhalten sollte, die
Gemeinden sofort das freiwillig zusammenschossen, was er dort an Gehalt
mehr genossen hätte." |
Zur Geschichte der Synagoge
Um 1760 wurde eine erste Synagoge erbaut.
1852 konnte man
eine neue Synagoge einweihen, die von einem Germersheimer Architekten namens
Flörschinger erbaut worden war.
Als im Juni 1940 Lauterbourg von deutschen Truppen in Brand geschossen wurde,
brannte neben vielen anderen Gebäuden auch die Synagoge völlig aus.
Nach 1945 wurde die Synagogenruine abgebrochen; außer ein paar Steinen ist
nichts mehr von ihr vorhanden.
Adresse/Standort der Synagoge: 1 Rue
des Pêcheurs
Fotos
Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Germania Judaica II,1 S. 474-475.
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 42.91.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Lauterbourg (german Lauterburg)
Bas-Rhin dist., France. The Jews of Lauterbourg are first mentioned in the 13th
centruy. They suffered during the Black Death persecutions of 1348-49. In 1760,
a synagogue was constructed. The community numbered 89 members by 1784 and 293
in 1865. After the Franco-Prussian War of 1870-71, the Jewish population
declined. In 1900 there were only 64 Jews in Lauterbourg, dropping to 43 in
1936. During Worldwar II, the Germans expelled all to the south of France. In
1956, only ten Jews remained in Lauterbourg.

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