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Zur Übersicht über die "Synagogen im
Elsass"
Marmoutier (Maursmünster,
Dep. Bas-Rhin /Alsace / Unterelsass)
Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Marmoutier bestand seit dem Mittelalter eine der ältesten und wichtigsten
jüdischen Gemeinden des Elsass. Möglicherweise lebten bereits im 9./10.
Jahrhundert Juden in der Stadt im Zusammenhang mit den Handelsaktivitäten der
Abtei. 1338 wird Samuel von Maursmünster (Morsminster) in Straßburg genannt. 1497 versuchte Wilhelm von
Rappoltstein die Juden aus Marmoutier zu vertreiben, wohl erfolglos, denn 1525
hatten sie die Juden der Stadt durch Plünderungen ihrer Häuser unter dem Bauernkrieg zu leiden.
Auch im
17./18. Jahrhundert lebten Juden in der Stadt, 1650 waren es etwa 30 (bei einer
Gesamteinwohnerzahl von etwa 250). Sie konnten innerhalb der Stadtmauern wohnen,
jedoch nicht im Bereich des Klosters und der Abteikirche. Im Dezember 1784
wurden 299 jüdische Einwohner gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 357 jüdische Einwohner, 1846 469, 1865 405 (etwa 20 % der
Gesamteinwohnerschaft), 1870 379, 1900 483, 1910 130.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (neben dem Rabbiner) ein Lehrer
angestellt, der teilweise auch als Vorbeter und Schochet tätig war. Bereits im 18.
Jahrhundert war Marmoutier Sitz eines Rabbinates. 1910 wurde das Rabbinat
aufgelöst.
1848 wurden mehrere jüdische
Häuser geplündert. Bereits damals ging in Folge die Zahl der jüdischen Einwohner
zurück, in den folgenden Jahrzehnten verstärkt durch Abwanderung in die Städte, sodass 1910 nur noch
130
Juden in Marmoutier lebten. Aus Marmoutier stammt u.a. der Maler Alphonse
Levy (1843-1910).
1939 lebten noch 50 Juden in der Stadt, von denen die
meisten unter der deutschen Besatzung 1940 nach Südfrankreich deportiert wurden. 14 Personen wurden in den
Lagern ermordet.
Von den in Marmoutier geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Marguerite Bielski (1892),
Ida Bloch (1875), Irene Ewselmann (1897), Marthe Glashendler (1890), Lazare
Heimann (1865), Jeanne Kahn (1884), Julien Kahn (1887), Melanie Kaufmann geb.
Lehmann (1884), Janiel Korenstein (1889), Emma Lehmann (1872), Berthe Levy
(1893), Hortense Levy (1864), Rene Levy (1879), Jeanne Mendel (1876), Alphonse
Netter (1891), Isidore Netter (1897), Jacques Theodore (1868).
Nach 1945 kehrte nur ein Teil der Überlebenden zurück. 1953 wurden 54
jüdische Einwohner gezählt. In den
1960 erlosch das jüdische Gemeindeleben.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
Zum Tod von Rabbiner Jakob Hagenauer (1846)
Anmerkung: Über Rabbiner Jakob Hagenauer liegen nur wenige Informationen
vor. Sohn seiner Tochter Rosette, die mit dem Händler Félix Ulrich Lévy
verheiratet war, war der Rabbiner Isaac Lévy (geb. 1835 in Marmoutier, gest.
1912 in Paris) heiratete. Rabbiner Lévy war 1869 Groß-Rabbiner in Colmar,
1887-1912 Groß-Rabbiner in Bordeaux.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1846:
"Einen andern, sehr gelehrten Rabbiner verlor der Elsass am vorigen Erew
Jom Kippur (Tag vor Jom Kippur, das war am 29. September 1846) in dem Herrn
Jakob Hagenauer, Rabbiner zu Maursmünster, dem mit dem vorher
Genannten die Lehrhäuser anvertraut waren. Er war der Erste,
welcher den Eid more judaico abzunehmen verweigerte und in die
Prozesskosten verurteilt wurde, die aber durch Subskriptionen gedeckt
wurden. Der Hochbetagte war im Begriff, ein Werk Kol Jaakow zu
edieren. Auch sein Leichenbegängnis wurde sehr feierlich
begangen". |
Auflösung des Rabbinates Maursmünster (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1909: "Straßburg,
28. Januar (1909). Mit dem 1. April sollen die heute in Elsass-Lothringen
bestehenden 40 Rabbiante (abgesehen von den Oberrabbinaten) auf 28
verringert werden. Neun dieser Rabbinate, alle im Oberelsass, sind schon
seit langen Jahren nicht mehr besetzt, nicht so sehr aus Mangel an
Kandidaten, als weil die Seelenzahl der betreffenden Gemeinden viel zu
gering war. Vier Rabbinate waren unter 100 Seelen gesunken. Das geringste,
Blotzheim, zählte 1905 nur noch 39
Seelen. Alle diese, ebenso auch das seit zwei Jahren erledigte Rabbinat Maursmünster
werden bis jetzt von benachbarten Rabbinern interimistisch verwaltet,
sollen aber von 1910 ab, nebst noch einigen anderen, aufhören, als
Rabbinate zu existieren." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des Gemeindevorstehers und Stadtrates David A.
Levy (1890)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 29. August 1890:
"Am 6. Juli starb, 70 Jahre alt, der Vorsteher der Gemeinde Maursmünster
im Elsass, Herr David A. Levy. Der Verstorbene, welcher Mitglied
des Stadtrats war, erfreute sich bei allen Konfessionen der höchsten
Achtung." |
Goldene Hochzeit von Aron Heimann und Frau geb. Weill
(1912)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 20. Dezember 1912: "Straßburg. In Maursmünster
feierten die Eheleute Aron Heimann und Frau geb. Weill die goldene
Hochzeit". |
Zur Geschichte der Synagoge
Die heute noch in Marmoutier stehende Synagoge wurde 1822
erbaut. Sie wird als ein kulturelles Zentrum der bürgerlichen Gemeinde
verwendet.
Adresse/Standort der Synagoge: Rue de la Synagogue, Marmoutier
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 28.5.2004)
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| Ansichten
des ehemaligen Synagogengebäudes |
Eingangstor zum Synagogenhof |
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Heutiger Eingang |
Straßenschild am Eingang in
die
"Rue de la Synagogue" |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 33.95.
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