Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mutzig (Dep. Bas-Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Jüdische Geschichte   /   Synagogue / Synagoge  
   

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule       
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur    

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In dem bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zum Bistum Straßburg (Strasbourg) gehörenden Mutzig lebten bereits in den dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts Juden. Sie wurden damals des Ritualmordes beschuldigt. Drei Begüterte unter ihnen wurden gerädert, von den anderen, die teilweise nach Kolmar (Colmar) geflüchtet waren, erpresste Bischof Berthold 2.000 Mark. Weitere Nachrichten aus dem Mittelalter fehlen.
 
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde wird in das 16./17. Jahrhundert zurückgehen. 1784 wurden 54 jüdische Familien mit zusammen 307 Personen in der Stadt gezählt. 
  
Mutzig war Sitz der Vereinigung der Elsässischen Juden und des Rabbinates sowie des Rabbinatsgerichtes (Beth Din) des Bistums Straßburg. Der Rabbinatssitz erlosch 1915. Unter den Rabbinern sind bekannt:  
Rabbiner Jacques Schwab (geb. 1831 in Wintzenheim, gest. um 1883): studierte 1845-54 in Metz; 1854-73 Rabbiner in Rixheim, danach bis zu seinem Tod in Mutzig.
Rabbiner Samson Lévy (geb. 1806 in Bischheim, gest. 1873 in Mutzig): studierte in Frankfurt am Main und in Metz; zunächst auf verschiedenen Lehrer- und Schulleiterstellen tätig; 1864 bis 1873 Rabbiner in Mutzig.      
Rabbiner Dr. Aron Goldstein (biographische Angaben unten): von Januar 1884 bis zu seinem Tod 1913 (letzter) Rabbiner in Mutzig.   
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben in der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Rosenwiller beigesetzt. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner in Mutzig wie folgt: 1807 307 jüdische Einwohner, 1849 289, 1861 199, 1870 196, 1895 154, 1905 135, 1910 107. 
  
1936 lebten noch 54 Juden in der Stadt. Sechs Jahre später wurden unter der deutschen Besatzung diejenigen jüdischen Personen, die bis dahin geblieben waren, nach Südfrankreich deportiert.     
   
Von den in Mutzig geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Carmen Bauer (1922), Francoise Bauer geb. Levy (1894), Luise Bauer (1933), René Baruch Bauer (1891), René Baumann (1922), Maurice Bloch (1891), Samuel Block (), Andree Dryfus (1900), Adele Levy geb. Levy (1885), Arnaud Reiss (1898), Salomon Reiss (1886).  
 
Nach 1945 kehrten nur einige der Überlebenden der NS-Zeit nach Mutzig zurück. 1965 lebten 33 jüdische Personen in der Stadt. 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Die ehemals "treffliche Schule" verliert an Qualität durch die mangelhafte Lehrerbesoldung (1843)  

Mutzig Israelit 26061843.jpg (31561 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1843, worin über die Situation der jüdischen Schulen im Elsass berichtet wird: "Mutzig, vor einem halben Jahre treffliche Schule, sodass der Maire für den Lehrer die Medaille verlangen wollte, jetzt völlig gesunken, weil die Gemeinde den Lehrer um einer kleinen Gehaltserhöhung willen gehen ließ."  

    
Lehrer Bloch wird ausgezeichnet (1898)
    

Mutzig AZJ 02091898.jpg (47570 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1898: "Das Konsistorium des Unter-Elsaß hat den Preis der Fanny-Weill-Stiftung, welcher im Betrage von je 200 Francs denjenigen Lehrern, die sich um die Hebung des Religionsunterrichtes in ihrer Gemeinde besonders verdient gemacht haben, bewilligt wird, den Lehrern Bloch - Mutzig und Wolf - Fegersheim zuerkannt."     

  
  
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Rabbiner Samson Levy wird zum Offizier ernannt (1869)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1869: "Paris, 15. August (1869). Mit dem Orden der Ehrenlegion wurden folgende Israeliten dekoriert: 
Als Kommandeur: Herr Frank, Mitglied der Akademie, Professor am französischen College;  
Als Ritter: die Herren Berliner, Michael Breal, Joseph Derenburg, Dr. Ottenburg, Leopold Ruff, Seligmann u. Stern.  
Zu Offizieren wurden ernannt: Herr Isidor, Oberrabbiner von Frankreich und Herr Samson Levy, Rabbiner zu Mutzig (Elsaß)."        

   
Rabbiner Dr. Aron Goldstein wird mit dem Roten Adlerorden ausgezeichnet (1899) 
Anmerkung: Rabbiner Dr. Aron David Goldstein (geb. 1838 oder 1844 in Szerdahely, Ungarn, gest. 30. August 1913 in Mutzig): studierte als Sohn eines Rabbiners zunächst bei seinem Vater, 1865 bis 1867 Studium an der Universität und bei Rabbiner Seligmann Bär Bamberger in Würzburg, anschließend in Berlin, 1873 Promotion in Tübingen; 1874 Rabbiner in Bern, 1877 bis 1883 Rabbiner in Durmenach, von wo aus er zeitweise weiterhin Bern betreute, 1884 bis 1913 Rabbiner in Mutzig.     

Mutzig Israelit 09101899.jpg (195204 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1899: "Mutzig, 3. Oktober (1899). Der letztverflossene zweite Rosch Haschana (Neujahrsfest) Nachmittag gestaltete sich für unsern Rabbiner, Herrn Dr. Goldstein, wie für die hiesige israelitische Gemeinde, als auch für sämtliche zum hiesigen Rabbinat gehörende Gemeinden zu einem unverhofften Freuden- und Ehrentag, durch die, an diesem Nachmittag in den meisten reichsländischen, politischen Blättern veröffentliche Mitteilung, dass Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., anlässlich der am 5. und 6. September in Straßburg stattgehabten Kaiserparade, allergnädigst geruht haben, Herrn Rabbiner Dr. Goldstein in Mutzig den roten Adlerorden IV. Klasse zu verleihen, eine allerhöchste Auszeichnung, derer, meines Wissens, mit Ausnahme der zwei letztverstorbenen Oberrabbiner in Straßburg, bisher noch kein reichsländischer Rabbiner sich erfreuen dürfte. Die Herren Bloch, Lehrer und L. Reis waren die ersten, die sich beeilten, unserm Rabbiner … die gute Nachricht zu bringen: Masel tow Herr Rabbiner, Masel tow riefen genannte Herren schon vom Hausgang aus ihrem in seinem Studierzimmer den mijom jehi razon verrichteten Rabbiner zu: 'Seine Majestät, der deutsche Kaiser hat sie zum Ritter des roten Adlerordens IV. Klasse erhoben, tragen Sie dieses allerhöchste Ehrenzeichen im Kreise Ihrer lieben Familie in Gesundheit und in Rüstigkeit, in Freuden, im Glück bis in das späteste Greisenalter.' Anfangs meinte Herr Dr. Goldstein, die Herren haben den Namen eines andern mit seinem Namen verwechselt, nachdem er aus der ihm vorgelegten Zeitung sich davon überzeugt hat, dass er in Wirklichkeit der Dekorierte ist, sprach er mit Freudentränen in den Augen die Brechat hatow…, dankte den Boten für die Freude, die sie ihm bereiteten und entließ sie mit dem Wunsch, Gott möge ihnen noch öfters die Gelegenheit geben, gute Nachrichten bringen zu können. Genannte Herren haben aber kaum die Wohnung des Rabbiners verlassen, da füllte sich schon dieselbe mit Gratulanten, die herbei strömten, dem Dekorierten gegenüber ihrer Freude über die allerhöchste Auszeichnung Ausdruck zu verleihen. Nicht nur hier in Mutzig, auch auswärts erregte diese seltene allerhöchste Auszeichnung großes Aufsehen und freudige Teilnahme, wofür die zahlreichen Gratulationen und Glückwünsche, die unser Rabbiner heute noch mit jeder Post erhält, den glänzendsten Beweis liefern. Das Interessanteste bei dieser Ordensverleihung ist der Umstand, dass ein englisches Weltblatt: 'Newcastle Evening Chronicle' vom 16. September diese Ordensverleihung mit der Dreyfus-Angelegenheit in Verbindung zu bringen glaubte, und von dem in Paris erscheinenden 'Siecle' vom 19. September als bare Münze aufgenommen wurde. Man sieht, die Zeitungsenten haben gute Flügel!"

   
70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Aron Goldstein (1907)     

Artikel in "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Februar 1907: "Mutzig im Elsass. Rabbiner Dr. Goldstein beging in Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Dr. Goldstein, aus Ungarn gebürtig, besuchte die Pressburger Jeschiwa und studierte an den Universitäten Würzburg, Berlin und Tübingen. Er ließ im Jahre 1883 unter dem Titel 'Jüdische Volkszeitung' und dann 'Jüdischer Sprechsaal für Elsaß-Lothringen und die Schweiz' eine Zeitung erscheinen."      

 
Zum Tod von Rabbiner Dr. Aron Goldstein (1913)
   

Mutzig AZJ 05091913.jpg (11625 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1913: "Am 30. vorigen Monats ist in Mutzig im Elsass Herr Rabbiner Dr. A. Goldstein nach schwerem Leiden verschieden."     

   
Das Rabbinat Mutzig soll aufgehoben werden (1913)
   

Mutzig FrfIsrFambl 24121913.jpg (20015 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. Dezember 1913: "Straßburg. Das Rabbinat Mutzig soll aufgehoben werden. 
An den höheren Schulen Elsaß-Lohringens gibt es zur Zeit 8 Professoren, 5 Oberlehrer und 10 wissenschaftliche Hilfslehrer jüdischen Glaubens."  

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  

Antijüdische Briefaktion (1896)    

Mutzig Israelit 02071896.jpg (78023 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1896: "Aus dem Elsass. Seit einiger Zeit werden die Gemüter der israelitischen Gemeinde Mutzig in große Aufregung versetzt. Mehrere der angesehensten christlichen Bürger erhielten anonyme Briefe, welche unflätige Beleidigungen über die angesehensten israelitischen Bürger daselbst enthielten. Es muss doch in der Tat ein ganz verworfenes Individuum sein, das im Stande ist, solche unglaublichen Verdächtigungen gegen unsere Glaubensgenossen zu schleudern, in der Absicht, dieselben bei ihren christlichen Mitbürgern auf das Tiefste herabzuwürdigen. Wir würden es als eine Heiligung des Gottesnamens betrachten, wenn es gelänge, den Buben herauszufinden, der eine solche Gemeinheit besitzt, unsere teuren Glaubensgenossen in den Augen der christlichen Bürger so verdächtigen zu wollen. Hoffentlich wird eine gründliche Untersuchung noch klares Licht in die höchst traurige Angelegenheit bringen."

   
Wahl zur Verwaltungskommission der Gemeinde (1900)    

Mutzig Israelit 02011900.jpg (37550 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1900: "Mutzig. Im vollen Gegensatze zu den Unruhen und Uneinigkeiten der letzten Wochen steht die jetzt stattgehabte Wahl von fünf Mitgliedern der Verwaltungskommission. Denn von 35 eingeschriebenen Wählern gaben nicht weniger als 32 ihre Stimmen ab, und zwar erhielten Stimmen: Jonas Leon Reis 31, Moses Schwartz 31, Leon Levy 29, Isidor Cahn 29, Emanuel Baumann 28. Diese Herren sind somit gewählt."

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge       
     
Bei der in Mutzig erhaltenen Synagoge handelt es sich um die älteste oder zumindest eine der ältesten erhaltenen Synagogen im (Unter-)Elsass. Sie wurde 1787 erbaut (Synagogue construite en 1787, la plus ancienne d'Alsace). Das Gebäude ist bis zur Gegenwart fast im Originalzustand erhalten.  
  
Neben der Synagoge steht das Gebäude der ehemaligen Israelitischen Schule, das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und 1922 geschlossen wurde (Ancienne école Israélite construite au milieu du XIXe siècle. Fèrmée en 1922).

   
   
Adresse der Synagoge
Zwischen der Rue Haute und der Rue du 18 Novembre. Entlang der Rue Haute umgibt eine hohe alte Mauer den Synagogenhof.
    
    

Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 2004)   

Mutzig Synagogue 103.jpg (54847 Byte) Mutzig Synagogue 100.jpg (49452 Byte) Mutzig Synagogue 101.jpg (29998 Byte)
Die ehemalige Synagoge mit dem 
großen Eingangsbereich im Westen
Die ehemalige Synagoge 
von Osten
     
          
Mutzig Synagogue 102.jpg (48605 Byte) Mutzig Ecole 101.jpg (49733 Byte) Mutzig Synagogue 104.jpg (48176 Byte)
     Das Gebäude der ehemaligen 
Israelitischen Schule  
Hinweistafeln an der ehemaligen
 Israelitischen Schule  

   
    

Links und Literatur

Links: 

Französische Informationsseite zur Synagoge in Mutzig  
Seite zur Synagoge Mutzig im Verzeichnis des Ministère de la culture: hier anklicken  
Zur Website des Office de Tourisme in Molsheim - Mutzig: hier anklicken (deutsch) bzw. hier anklicken (französisch)  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 567  

Alsace Lit 010.jpg (67412 Byte)Michel Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire. Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 40.   

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Mutzig Bas-Rhin dist.  The medieval Jewish community dates back to before the 14th century. In 1328 Jews were accused of a ritual murder and forced to find refuge in Colmar. They later returned to Mutzig, where they were tolerated in a relatively more benevolent manner than elsewhere in the area. The Jews buried their dead in the nearby village of Rosenwiller. In 1784, the Jewish community consisted of 307 Jews. At that time, Mutzig was the seat of the Union of Alsatian Jews and of the rabbinate of the Strasbourg bishopric. In 1895, the community numbered 154 members. In 1936, there were only 54 Jews living in Mutzig. During the German occupation, nine were deported. In 1965, there were 33 Jews in Mutzig.  
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 31. Juli 2016