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Zur Übersicht über die "Synagogen im
Elsass"
Mutzig
(Dep. Bas-Rhin /Alsace / Unterelsass)
Synagogue / Synagoge
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge
In dem bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zum Bistum Straßburg
(Strasbourg) gehörenden Mutzig lebten bereits in den dreißiger Jahren des 14.
Jahrhunderts Juden. Sie wurden damals des Ritualmordes beschuldigt. Drei
Begüterte unter ihnen wurden gerädert, von den anderen, die teilweise nach Kolmar
(Colmar) geflüchtet waren, erpresste Bischof Berthold 2.000 Mark. Weitere
Nachrichten aus dem Mittelalter fehlen.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde wird in das 16./17.
Jahrhundert zurückgehen. 1784 wurden 307 Juden in der Stadt gezählt. Mutzig
war Sitz der Vereinigung der Elsässischen Juden und des Rabbinates sowie des
Rabbinatsgerichtes (Beth Din) des Bistums Straßburg. Der Rabbinatssitz erlosch
1915.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Rosenwiller
beigesetzt. 1895 gehörten noch 154 Mitglieder zur jüdischen Gemeinde.
1936
lebten noch 54 Juden in der Stadt, von denen nach der deutschen Besatzung neun
deportiert und ermordet wurden.
Nach 1945 kehrten nur wenige der Überlebenden der NS-Zeit nach Mutzig
zurück. 1965 lebten 33 jüdische Personen in der
Stadt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1843, worin über die
Situation der jüdischen Schulen im Elsass berichtet wird: "Mutzig, vor
einem halben Jahre treffliche Schule, sodass der Maire für den Lehrer die
Medaille verlangen wollte, jetzt völlig gesunken, weil die Gemeinde den
Lehrer um einer kleinen Gehaltserhöhung willen gehen ließ." |
Antijüdische Briefaktion 1896
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1896: "Aus dem Elsass. Seit
einiger Zeit werden die Gemüter der israelitischen Gemeinde Mutzig in große
Aufregung versetzt. Mehrere der angesehensten christlichen Bürger
erhielten anonyme Briefe, welche unflätige Beleidigungen über die
angesehensten israelitischen Bürger daselbst enthielten. Es muss doch in
der Tat ein ganz verworfenes Individuum sein, das im Stande ist, solche
unglaublichen Verdächtigungen gegen unsere Glaubensgenossen zu
schleudern, in der Absicht, dieselben bei ihren christlichen Mitbürgern
auf das Tiefste herabzuwürdigen. Wir würden es als eine Heiligung
des Gottesnamens betrachten, wenn es gelänge, den Buben
herauszufinden, der eine solche Gemeinheit besitzt, unsere teuren
Glaubensgenossen in den Augen der christlichen Bürger so verdächtigen zu
wollen. Hoffentlich wird eine gründliche Untersuchung noch klares Licht
in die höchst traurige Angelegenheit bringen." |
Rabbiner Dr. Goldstein wird mit dem Roten Adlerorden ausgezeichnet (1899)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1899: "Mutzig, 3. Oktober
(1899). Der letztverflossene zweite Rosch
Haschana (Neujahrsfest) Nachmittag gestaltete sich für unsern
Rabbiner, Herrn Dr. Goldstein, wie für die hiesige israelitische
Gemeinde, als auch für sämtliche zum hiesigen Rabbinat gehörende
Gemeinden zu einem unverhofften Freuden- und Ehrentag, durch die, an
diesem Nachmittag in den meisten reichsländischen, politischen Blättern
veröffentliche Mitteilung, dass Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., anlässlich
der am 5. und 6. September in Straßburg stattgehabten Kaiserparade,
allergnädigst geruht haben, Herrn Rabbiner Dr. Goldstein in Mutzig den
roten Adlerorden IV. Klasse zu verleihen, eine allerhöchste Auszeichnung,
derer, meines Wissens, mit Ausnahme der zwei letztverstorbenen
Oberrabbiner in Straßburg, bisher noch kein reichsländischer Rabbiner
sich erfreuen dürfte. Die Herren Bloch, Lehrer und L. Reis waren die
ersten, die sich beeilten, unserm Rabbiner … die gute Nachricht zu bringen: Masel
tow Herr Rabbiner, Masel tow
riefen genannte Herren schon vom Hausgang aus ihrem in seinem
Studierzimmer den mijom jehi razon verrichteten
Rabbiner zu: ‚Seine Majestät, der deutsche Kaiser hat sie zum Ritter
des roten Adlerordens IV. Klasse erhoben, tragen Sie dieses allerhöchste
Ehrenzeichen im Kreise Ihrer lieben Familie in Gesundheit und in Rüstigkeit,
in Freuden, im Glück bis in das späteste Greisenalter.’ Anfangs meinte
Herr Dr. Goldstein, die Herren haben den Namen eines andern mit seinem
Namen verwechselt, nachdem er aus der ihm vorgelegten Zeitung sich davon
überzeugt hat, dass er in Wirklichkeit der Dekorierte ist, sprach er mit
Freudentränen in den Augen die Brechat
hatow…, dankte den Boten für
die Freude, die sie ihm bereiteten und entließ sie mit dem Wunsch, Gott
möge ihnen noch öfters die Gelegenheit
geben, gute Nachrichten bringen
zu können. Genannte Herren haben aber kaum die Wohnung des Rabbiners
verlassen, da füllte sich schon dieselbe mit Gratulanten, die herbei strömten,
dem Dekorierten gegenüber ihrer Freude über die allerhöchste
Auszeichnung Ausdruck zu verleihen. Nicht nur hier in Mutzig, auch auswärts
erregte diese seltene allerhöchste Auszeichnung großes Aufsehen und
freudige Teilnahme, wofür die zahlreichen Gratulationen und Glückwünsche,
die unser Rabbiner heute noch mit jeder Post erhält, den glänzendsten
Beweis liefern. Das Interessanteste bei dieser Ordensverleihung ist der
Umstand, dass ein englisches Weltblatt: ‚Newcastle Evening Chronicle’
vom 16. September diese Ordensverleihung mit der Dreyfus-Angelegenheit in
Verbindung zu bringen glaubte, und von dem in Paris erscheinenden
‚Siecle’ vom 19. September als bare Münze aufgenommen wurde. Man
sieht, die Zeitungsenten haben gute Flügel!" |
Wahl zur Verwaltungskommission der Gemeinde 1900
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1900: "Mutzig. Im vollen
Gegensatze zu den Unruhen und Uneinigkeiten der letzten Wochen steht die
jetzt stattgehabte Wahl von fünf Mitgliedern der Verwaltungskommission.
Denn von 35 eingeschriebenen Wählern gaben nicht weniger als 32 ihre
Stimmen ab, und zwar erhielten Stimmen: Jonas Leon Reis 31, Moses Schwartz
31, Leon Levy 29, Isidor Cahn 29, Emanuel Baumann 28. Diese Herren sind
somit gewählt." |
Zur Geschichte der Synagoge
Bei der in Mutzig erhaltenen Synagoge handelt es sich um die
älteste oder zumindest eine der ältesten erhaltenen Synagogen im (Unter-)Elsass.
Sie wurde 1787 erbaut (Synagogue construite en 1787, la plus ancienne
d'Alsace).
Neben der Synagoge steht das Gebäude der ehemaligen Israelitischen Schule,
das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und 1922 geschlossen wurde (Ancienne
école Israélite construite au milieu du XIXe siècle. Fèrmée en 1922).
Adresse/Standort der Synagoge: Zwischen der Rue Haute und der Rue
du 18 Novembre. Entlang der Rue Haute umgibt eine hohe alte Mauer den
Synagogenhof.
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 2004)
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| Die ehemalige Synagoge mit dem
großen Eingangsbereich im Westen |
Die ehemalige Synagoge von
Osten |
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Das Gebäude der ehemaligen
Israelitischen Schule |
Hinweistafeln an der
ehemaligen Israelitischen Schule |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 567 |

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