Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

    
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg  
          

Tübingen (Universitäts- und Kreisstadt, Baden-Württemberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
-  
eingestellt in einer weiteren Seite    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Einzelne Presseartikel zur jüdischen Geschichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Tübingen bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und im 19./20. Jahrhundert bis 1939.       
     
Im Mittelalter werden Juden erstmals 1335 genannt. Von einer Judenverfolgung während der Pestzeit 1348/49 ist nichts bekannt. Das mittelalterliche Wohngebiet konzentrierte sich auf die heute noch sogenannte "Judengasse" (1943 vorübergehend in Schotteigasse umbenannt), die das sog. "Süße Löchle" (abgeleitet vom Duft der Gewürzhändler oder von einem Juden namens Süßlin) mit umfasst. In der Judengasse befanden sich die Einrichtungen der jüdischen Gemeinde, vor allem eine Synagoge (s.u.). Rituelle Bäder scheinen in mehreren Häusern vorhanden gewesen zu sein; noch heute befinden sich in den Kellern der Gebäude Judengasse 1,3A und 7 wannenartige Brunnen (Funktion jedoch nicht eindeutig geklärt). Ein Friedhof lässt sich in unmittelbarer Nähe der Stadt nicht nachweisen. Möglicherweise wurde der jüdische Friedhof in Rottenburg mitbenutzt.    
1477
wies anlässlich der Universitätsgründung Graf Eberhard V. im Bart alle Juden aus der Stadt aus.    
       
Seit 1848 war wieder eine Ansiedlung jüdischer Personen möglich. Als erster ließ sich Leopold Hirsch aus Wankheim in der Stadt nieder, dem bald weitere Familien folgten. Im Jahr der Synagogeneinweihung 1882 wurde die jüdische Gemeinde nach 400 Jahren neu gegründet.   
 
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1869 34 jüdische Einwohner (0,4 % von insgesamt etwa 9.300 Einwohnern), 1886 106, 1900 100 (0,7 % von 15.338), 1910 139 (0,7 % von 19.076), 1925 82 (0,4 % von 20.276). Zur jüdischen Gemeinde in Tübingen gehörten 1924 die in Reutlingen und Rottenburg am Neckar lebenden jüdischen Einwohner (1924 36 bzw. 6 Personen), 1932 waren die in Balingen, Bronnweiler, Gomaringen, Metzingen, Reutlingen, Rottenburg und Tailfingen lebenden jüdischen Personen der Tübinger Gemeinde angeschlossen.  
   
Die Integration der jüdischen Neubürger ging schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch vonstatten: der Kaufmann Leopold Hirsch war Mitglied der Stadtgarde zu Pferd, der Bankier Friedrich Weil und der Optiker Jakob Dessauer gehörten dem Bürgerverein an, Rechtsanwalt Simon Hayum war Gemeinderat. 
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) und eine jüdische Religionsschule. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Wankheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Kantor und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Mühringen beziehungsweise nach Verlegung des Rabbinatssitzes 1913 zum Rabbinatsbezirk Horb.
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ernst Degginger (geb. 23.6.1898 in Tübingen, gef. 31.3.1918) und Julius Stern. Ihre Namen stehen im Gedenkbuch der Stadt für die Gefallenen.   
   
Um 1924, als zur Gemeinde 82 Personen gehörten, waren die Gemeindevorsteher Dr. Julius Katz, Jakob Oppenheim, Kuno Lehrmann, Adolf Dessauer, Ludwig Marx und B. Dreifuß. Als Lehrer und Kantor war Kuno Lehrmann tätig. Er erteilte 16 Kindern an der Religionsschule der Gemeinde den Religionsunterricht; gleichfalls gab er Religionsunterricht an den höheren Schulen der Stadt. 1932 war Gemeindevorstand Dr. Katz. Als Religionsoberlehrer war (seit 1925) Dr. Josef Wochenmark tätig (wohnt Wöhrdstraße 23); er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 14 Kinder. An jüdischen Vereinen werden vor allem der Frauenverein und der Synagogenchorverein genannt.   
 
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben in jüdischem Besitz sind bekannt: Fabrikant Adolph Bernheim (wohnt Stauffenbergstraße 27); Damenkonfektions- und Aussteuergeschäft Eduard Degginger, (Neue Straße 16), seit 1905 von Jakob Oppenheim weitergeführt, danach Damenkonfektionsgeschäft Eduard Degginger Nachfolge (Inh. Jakob Oppenheim und Albert Schäfer) (Neue Straße  1, 1912-1938), Viehhandlung Simon Degginger (Lange Gasse 36), Optiker und Graveur Adolf Dessauer (Neckargasse 2, Uhlandstraße 16, 1914), Pferdehandlung Martin Erlanger (Fürststraße 7), Rechtsanwaltskanzlei Dr. Simon Hayum, Dr. Julius Katz und seit 1929 auch Dr. Heinz Hayum (Uhlandstraße 15, 1905-1935), Herrenkonfektionsgeschäft Leopold Hirsch (Kronenstraße 6, 1859-1938 von Fam. Hirsch betrieben), Weißwarengeschäft Heinrich & Max Katz (Am Holzmarkt 2, 1876-1901), Viehhandlung Max und Emil Löwenstein (Herrenberger Straße  2, seit 1925 Hechinger Straße 9, 1913-1937), Tapeten-, Linoleum- und Farbengeschäft Hugo Löwenstein (Wilhelmstraße 3), Herrenkonfektionsgeschäft Julius Stern, seit 1930 Gustav Lion (Neckargasse 4a, 1910-1933), Viehhandlung Liebmann und Max Marx (Herrenberger Straße 2, seit 1904 Herrenberger Straße  46, bis 1901-1923), Zeitungsverleger Albert Weil (Uhlandstraße 2, 1903-1930), Bankkommandite Siegmund Weil (Wilhelmstraße 22, 1910-1934).
 
Um 1930 machte sich die nationalsozialistische antijüdische Hetze bemerkbar. Die Studenten-SA verprügelte bereits 1931 jüdische Bürger und beschmierte jüdische Geschäfte. 
  
1933 wurden 88 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt (0,4 % von insgesamt 23.257). Die Tübinger Studentenschaft war stark antijüdisch eingestellt. Am 7. Februar 1933 forderte der Allgemeine Studentenausschuss einen Professor auf, seinen jüdischen Assistenten durch einen "deutschen" zu ersetzen. Durch die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, die zunehmende Entrechtung und die ständigen Repressalien verließ ein Teil der jüdischen Einwohner bereits bis 1938 die Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. 1941 und 1942 wurden 14 der letzten jüdischen Einwohner nach Riga, Izbica, Theresienstadt und Auschwitz deportiert.  
 
Von den in Tübingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Julie Babette Berger geb. Dessauer (1883), Lina Bloch geb. Liebmann (1876), Werner Dahl (1921), Erich Dessauer (1887), Ernst Nathan Dessauer (1882), Walter Alexander Edel (1886), Anne Erlanger geb. Dessauer (1883), Fritz Erlanger (1913), Terese Erlanger (1883), Heinz Feigenheimer (1916), Margarete Frank geb. Dahl (1917), Arthur Hirsch (1886), Elisabeth Klara Lammfromm (1869), Elsa Laupheimer geb. Katz (1880), Kläre (Käte) Levi geb. Abel (1920), Cäcilie Lewinsohn (1880), Rudolf (Raphael) Lewkowitz (1897), Ilse Löwenstein geb. Bloch (1914), Max Löwenstein (18744), Sofia Löwenstein geb. Liebmann (1879), Blanda Marx geb. Schwarz (1878), Marga Marx geb. Rosenfeld (1909), Ruth Marx (1933), Mina Mayer geb. Weil (1877), Dr. Albert Pagel (1885), Charlotte Pagel (1894), Ilse Plotke geb. Levy (1915), Philippine Reinauer (1860), Sofie Reinauer (1869), Charlotte Schemel geb. Pagel (1894), Selma Schäfer geb. Seemann (1887), Julius Berthold Spier (1925), Elfriede Spiro (1894), Hans Spiro (1898), Hermann Stettiner (1911), Klara Wallensteiner geb. Reichenbach (1869), Carl Weil (1879), Sofia Weil geb. Mayer (1852), Josef Wochenmark (1880), Bella Wochenmark geb. Freudenthal (1887), Karl Wolff (1905), Alexius Ziegler (1911).         
  
An die Opfer der Verfolgungszeit 1933 bis 1945 erinnert eine 1983 am Holzmarkt (Mauer zur Stiftskirchenseite) angebrachte Gedenktafel. – Im Foyer der Neuen Aula der Universität in der Wilhelmstraße  erinnert seit 1984 eine Gedenktafel an 11 ermordete ehemalige Tübinger Studenten, die in Verbindung mit dem Widerstandskreis des 20. Juli standen (darunter Dr. Fritz Elsas, vgl. Bad Cannstatt). - Auf dem Wankheimer jüdischen Friedhof findet sich seit 1947 ein Gedenkstein mit den Namen von 14 ermordeten Tübinger Juden.
   
   
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Die Berichte wurden eingestellt in einer weiteren Seite 
 
   
    
    
Zur Geschichte der Synagoge       
      
Im mittelalterliche Wohngebiet, der heute noch sogenannten "Judengasse", befand sich eine Synagoge, möglicherweise am Platz einer inzwischen abgebrochenen Scheune zwischen Judengasse 2 und 4 (früheres Gebäude Nr. 276). 
     
Nachdem 1848 die ersten Juden aus Wankheim nach Tübingen gezogen waren, benutzten diese und auch die in den folgenden Jahren zuziehenden Familien die kultischen Einrichtungen der Wankheimer Gemeinde. Im Mai 1882 wurde auf Antrag des Israelitischen Kirchenvorsteheramtes Wankheim von der Israelitischen Oberkirchenbehörde beschlossen, den Sitz der die Wohnorte Wankheim, Reutlingen und Tübingen umfassenden jüdischen Gemeinde nach Tübingen zu verlegen. Kurz zuvor war schon der Abbruch der Wankheimer Synagoge und der Bau einer neuen Synagoge in Tübingen von der Oberkirchenbehörde genehmigt worden. Nachdem am Schabbat, dem 8. April 1882 ein feierlicher Abschiedsgottesdienst in der Synagoge in Wankheim stattgefunden hatte, wurde diese abgebrochen und - unter Verwendung von Baumaterialien der Wankheimer Synagoge (Steine, Holzbalken usw.) - mit dem Bau der neuen Synagoge in Tübingen begonnen. Die Baueingabe wurde am 5. Mai 1882 mit dem schriftlichen Einverständnis der Grundstücksnachbarn in der Gartenstrasse vorgenommen. Am 13. Mai passierte sie ohne Einwände den Gemeinderat unter dem damaligen Schultheiß Julius Goes. Bei einem Gottesdienst in dem von den Stadtbehörden bis zur Fertigstellung der Synagoge zur Verfügung gestellten Interimslokal deutete der Mühringer Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein den freundlichen Empfang als Beweis, dass in Tübingen "ein heller, lichter Geist, der Geist des gegenseitigen Wohlwollens, der Achtung, der Duldung herrscht und waltet". In achtmonatiger Bauzeit konnte unter der Leitung von Oberamtsbaumeister Riekert die neue Synagoge auf dem Grundstück Gartenstrasse 33 erstellt werden. Es war ein von Osten nach Westen gestreckter Längsbau im Grundriss von 8,85 m auf 14,07 m, für den ein Mischstil von klassizistischen Formen (mit Anlehnungen an die Renaissance und Romanik) und maurischen Formen charakteristisch war. Im Betsaal war traditionell die Decke mit Sternen bemalt, blau auf weißem Hintergrund.  
  
Die feierliche Einweihung der Synagoge fand am Freitag und Samstag (Schabbat), dem 8./9. Dezember 1882 statt. Sie fiel mit dem Chanukkafest dieses Jahres zusammen. Am Freitagnachmittag versammelte sich eine große Festgemeinde vor dem Haus Gartenstraße 2, um von hier aus pünktlich um drei Uhr in folgender Reihenfolge zur Synagoge zu ziehen: die jüdische Schuljugend, die Träger mit den Torarollen, der Rabbiner und die jüdischen Gemeindevorsteher, die Ehrengäste und die Mitglieder der Gemeinde. Vor dem Eingang der Synagoge wurde durch eine Musikkapelle ein Choral gespielt, worauf Bezirksrabbiner Dr. Silberstein eine erste Ansprache hielt. Nach dem Eintritt in die Synagoge folgte Chorgesang, das Einheben der Torarollen und die Festpredigt von Dr. Silberstein, der dabei die Synagoge weihte "zu einer Stätte, die friedlicher Sammlung und Einigung dient". Er ahnte nicht, dass nach ihm nur noch zwei Rabbiner und sechs Kantoren am Vorbeterpult predigen würden. Nach seiner Festpredigt folgten nach Gesang, Weihegebet und Chorgesang der Freitagabendgottesdienst. Am Schabbat war um 9 Uhr Vormittagsgottesdienst und abends ein Festessen mit anschließendem Programm im unteren Museumssaal. Abends um halb neun konnte an König Karl nach Bebenhausen ein Telegramm mit dem Inhalt geschickt werden: "Die Israelitische Gemeinde Tübingen, zur Feier der Einweihung ihrer neuen Synagoge versammelt, hat soeben den Gefühlen der Ehrfurcht, der Liebe und Treue gegen Seine Majestät den König Ausdruck gegeben und wagt es, diesen Ausdruck vor die Stufen des Königlichen Thrones ehrerbietigst niederzulegen. Bezirksrabbiner und Kirchenvorsteher".   
  
Einweihung der Synagoge (1882)  

Tuebingen AZJ 26121882.jpg (63488 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Dezember 1882: "Heute fand die Einweihung der von Wankheim nach Tübingen verlegten Synagoge in festlicher Weise statt. Der Festzug bewegte sich nachmittags durch die Gartenstraße zur neuen, kleinen und einfach gehaltenen, aber würdig ausgestatteten Synagoge. Die israelitische Oberkirchenbehörde war bei der Feier durch Kirchenrat Rabbiner Dr. Wassermann von hier vertreten. Unter den Ehrengästen bemerkte man den evangelischen Dekan Frank, mehrere andere evangelische Geistliche, den Oberamtmann Sandberger, den Bürgermeister und Vertreter von Lehranstalten. Die Festrede hielt der Bezirksrabbiner Dr. Silberstein von Mühringen."  

   
Hinweis auf die Predigten von Rabbiner Dr. Silberstein: Letzter Gottesdienst in der Synagoge Wankheim - Predigt zur Einweihung der Synagoge Tübingen (1882)  

Tuebingen AZJ 25121883.jpg (114721 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Dezember 1882 (längerer Abschnitt über Neuerscheinungen, darunter Predigten): "…Eine wahrhaft erbauende Predigt über den Anfang des Gebetes Salomo’s und schwungreiche Reden bei den einzelnen Akten der Einweihung. Bilden so diese Reden ein würdiges Denkmal für die abgehaltene Feier, so tut dies ebenfalls folgende Schrift für einen anderen Platz: Blätter zur Erinnerung an den Abschied on der Synagoge in Wankheim sowie an die Einweihung der neuen Synagoge in Tübingen. Vier Predigten nebst einer Geschichte der Gemeinde von Dr. A. Silberstein (Esslingen, Harburger, 1883).  

   
Lehrer Thalmann hält einen Jugendgottesdienst in der Synagoge (1885)  
   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1885: "Man schreibt uns aus Tübingen vom 11. März: Vergangenen Sonnabend wurde in der hiesigen Synagoge von Herrn Lehrer Thalmann der erste Jugendgottesdienst abgehalten. Die Kinder, welche durch die Teilnahme am Schulunterricht vom Besuche des gewöhnlichen Gottesdienstes abgehalten werden, erhalten dadurch, abgesehen von der Familienerziehung, Gelegenheit zu beten und das belehrende Wort der Predigt zu hören. Ein Knabe rezitierte die Gebete und die andern Kinder, Knaben und Mädchen, übten die Responsorien. Herr Thalmann schilderte den Kindern den großen Wert des Gebets und das beseligende Gefühl, das im Herzen durch ein wahrhaftes Gebet entsteht. Väter und Müller beteiligten sich am Gottesdienste. (Diese Einrichtung entspricht ganz den Ansichten, die wir jüngst über den Jugendgottesdienst in diesen Blättern geäußert haben, nur dass die Predigt, wenigstens abwechselnd, zu einer Katechese werden möge. Mögen recht viele Lehrer dem Beispiele des Herrn Thalmann folgen! Redaktion)."              

   
Werbung der für die Synagogenbeleuchtung verantwortlichen Firma (1886)  

Tuebingen Israelit 29031886.jpg (50893 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1886: "Zulauf & Co.  Inhaber: Wilhelm und Josef Reinach. Mainz und Höchst am Main. 
Fabrik in allen Gas- und Wasserartikeln, Luster, Lampen, Ampeln, Suspensions, Hähnen, Closets, Badewannen etc. etc.   
Spezialität. Synagogenbeleuchtung.
Eingerichtet wurden von uns in allerletzter Zeit die Synagogen Zweibrücken, Saargemünd, Alzey, Oberstein, Tübingen, Meiningen etc. etc."    

Ein erster Anschlag auf die Synagoge wurde bereits im Januar 1928 verübt. Mit zwei schweren Steinen wurde eines der großen Fenster völlig zertrümmert. Die Steine waren so schwer, dass von einem auch der Rohrgeflechtsitz eines Stuhles im Innern der Synagoge durchschlagen wurde.  
  
Anschlag auf die Synagoge (1928)      

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1928:       

  
Im Herbst 1932 wurde die Synagoge aus Anlass der bevorstehenden Feier ihres 50-jährigen Bestehens gründlich renoviert. Zu diesem Jubiläum fand am 25. Dezember 1932 eine "weihevolle religiöse Morgenfeier" in der Synagoge statt, zu der sich die Mitglieder der israelitischen Gemeinde zahlreich versammelt hatten. Oberlehrer Josef Wochenmark hielt die Festpredigt; Bezirksrabbiner Dr. Abraham Schweizer sprach als Vertreter des Israelitischen Oberrates. Der Israelitische Frauenverein, der sich die Ausstattung der Synagoge zu einem besonderen Anliegen gemacht hatte, stiftete zum Jubiläumsfest einen neuen Vorhang für den Toraschrein.  
   

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1933:      
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 18. Januar 1933:        

       
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört. Um Mitternacht vom 9. auf den 10. November plünderten zunächst zehn Männer und eine Frau die Synagoge und warfen die Torarollen in den Neckar. Unter den Plünderern befanden sich der damalige Kreisleiter der NSDAP und der damalige Bürgermeister. Zwischen drei und vier Uhr in der Frühe wurde die Synagoge in Brand gesteckt. Ein Nachbar eilte zu Hilfe und wollte die Feuerwehr alarmieren, wurde jedoch von SA-Männern daran gehindert. Die Feuerwehr traf erst verspätet ein und verhinderte nicht das völlige Ausbrennen der Synagoge. Erst am Morgen kamen Tübinger Bürger, um sich die Ruinen anzusehen. Der völlige Abbruch der Synagoge musste von der jüdischen Gemeinde bezahlt werden. 

Das Synagogengrundstück wurde 1940 weit unter Preis an die Stadt Tübingen veräußert. Nach der Beschlagnahmung durch die Alliierten 1945 kam es an die Jüdische Vermögensverwaltung JRSO, die es 1949 an die Israelitische Kultusvereinigung Stuttgart verkaufte. Von ihr wurde das Grundstück 1951 an einen Privatmann weiterverkauft, der darauf ein Wohnhaus errichtete. Die Brandstifter der Synagoge, derer man noch habhaft werden konnte, wurden 1946 und 1949 vor Gericht gestellt und zu Zuchthausstrafen von einem Jahr und acht Monaten beziehungsweise zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.
    
An die Synagoge erinnerte nach der Neubebauung nur noch der aus der Gründerzeit erhaltene Umfassungszaun. Erst 1978 wurde zur Erinnerung an die Synagoge eine Gedenkinschrift am seitdem sogenannten "Synagogenbrunnen" angebracht. Die erste Inschrift löste vielfachen Protest aus ("Hier stand die Synagoge der Tübinger Jüdischen Gemeinde. Sie wurde in der Nacht vom 9./10. November 1938 wie viele andere in Deutschland niedergebrannt"). Sie wurde 1979 durch eine weitere Inschrift ergänzt: "Zum Gedenken an die Verfolgung und Ermordung jüdischer Mitbürger in den Jahren 1933-1945". 2000/01 wurde der Synagogenplatz neu überbaut und ein Denkmal Synagogenplatz gestaltet mit Texttafeln und Inschriften (Einweihung November 2000). Das Denkmal ist Ausgangsstation eines Tübinger Geschichtspfades. 
     
     
     
     
Fotos 
Plan / Historische Fotos: 

Die Synagoge in der Gartenstraße Tübingen 1882-1938

Tuebingen Synagoge Plan03.jpg (58505 Byte) Tuebingen Synagoge.jpg (37926 Byte)  Tuebingen Synagoge 001.jpg (106305 Byte)
Ausschnitte eines Stadtplanes von Tübingen
 (um 1900) - Gartenstraße mit Eintragung 
der Synagoge
Die Synagoge Tübingen - Anstrich mit
 maurisch-islamischem Stilelementen 
(um 1885)
Die Synagoge - weiß gestrichen (um 1930)
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe.
 1932. S. 129)
     
Tuebingen Synagoge 003.jpg (69425 Byte) Tuebingen Synagoge 002.jpg (66434 Byte) Tuebingen Synagoge 004.jpg (48663 Byte)
Weitere Außenansicht (nach 1900). Quelle:
 Stadtarchiv Tübingen (Walter Kleinfeldt)
Innenansicht - Blick zur Empore
(Quelle: Stadtarchiv Tübingen)
Innenansicht - Blick zum Toraschrein
(Quelle: Stadtarchiv Tübingen)
     
Die Zerstörung der Synagoge 1938
(Quelle: L. Zapf s. Lit. Tafel I)
Tuebingen Synagoge 070.jpg (55897 Byte) Tuebingen Synagoge 071.jpg (60054 Byte)
  Die brennende Synagoge


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985 
des 1978 aufgestellten Gedenk-Brunnens:
(SW-Fotos: Hahn)
Tuebingen Brunnen 02.jpg (95424 Byte) Tuebingen Synagoge 121.jpg (67866 Byte)
   Blick auf das Synagogengrundstück 
mit Gedenkbrunnen rechts hinter 
dem Auto
Foto 1998 mit derselben Ansicht 
(Quelle: cityinfonetz -
 hier anklicken)
     
Tuebingen Brunnen 05.jpg (71703 Byte)  Tuebingen Brunnen 04.jpg (70959 Byte) Tuebingen Brunnen 03.jpg (76155 Byte)
Der Brunnen  Gedenkinschrift 
für die Synagoge
Gedenkinschrift für die 
umgekommenen jüdischen Tübinger
  
     
Fotos um 1998/2000
Die umstrittene Neubebauung 
des Synagogenplatzes und die
 Neugestaltung der Gedenkstätte
Tuebingen Synagoge 106.jpg (44836 Byte) Tuebingen Synagoge 111.jpg (52896 Byte)
   Zur Neubebauung wurde das 
Grundstück abgeholzt  
Reste der Synagogengrundmauer 
wurden entdeckt  
     

  

Tuebingen Synagoge 105.jpg (46882 Byte) Tuebingen Synagoge 110.jpg (52185 Byte)
   Demonstration für den 
Erhalt der Grundmauern  
Der Neubau auf dem Grundstück wird erstellt;
 links ist der Umfassungszaun aus
 Synagogenzeiten zu sehen  
  
     
Die neue Gedenkstätte Tuebingen Synagoge 109.jpg (45129 Byte) Tuebingen Synagoge 108.jpg (51750 Byte)
  Teilansicht der neuen Gedenkstätte
   
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum: 13.8.2003)  
Tuebingen Synagoge 168.jpg (62230 Byte) Tuebingen Synagoge 169.jpg (45558 Byte)
  Die auf dem Synagogenplatz
 erstellten Gebäude
Gedenkstele 
"Synagogenplatz"
     
Tuebingen Synagoge 160.jpg (49510 Byte) Tuebingen Synagoge 163.jpg (43824 Byte) Tuebingen Synagoge 161.jpg (50103 Byte)
Hinweistafel zur Geschichte der 
Gestaltung des Platzes
Informationsseite zur Geschichte der
 jüdischen Gemeinde in Tübingen
Informationsseite zur 
Geschichte der Synagoge
     
Tuebingen Synagoge 165.jpg (54317 Byte) Tuebingen Synagoge 162.jpg (57044 Byte) Tuebingen Synagoge 167.jpg (63429 Byte)
Die Gedenkstätte. Der rechte Würfel ist
 um den Gedenkbrunnen gesetzt 
Wasserlauf vom 
Gedenkbrunnen 
Reste des Umfassungszaunes und Markierung
 des Synagogeneingangs (rechts) 
      
Tuebingen Synagoge 170.jpg (69889 Byte) Tuebingen Synagoge 166.jpg (74086 Byte) Tuebingen Synagoge 164.jpg (75749 Byte)
Über dem Wasserlauf: die Namen der vertriebenen und ermordeten Tübinger Juden
                                      
                                 
Virtuelle Rekonstruktion der
 ehemaligen Synagoge 2006 
Zum Gedenken an die Reichspogromnacht im November 2006 präsentierten Tübinger
 Jugendliche virtuelle Rekonstruktionen der ehemaligen Synagoge in Tübingen.
Hierzu: Presseartikel aus dem Reutlinger Generalanzeiger vom 19. November 2006 (pdf-Datei)
Tuebingen Synagoge 895.jpg (115088 Byte) Tuebingen Synagoge 892.jpg (53093 Byte) Tuebingen Synagoge 890.jpg (55813 Byte)
Programm der Veranstaltungen 2006 zum Gedenken an die Pogromnacht   Oben und unten: Details aus der virtuellen Rekonstruktionen der ehemaligen Synagoge 
   
   
   Tuebingen Synagoge 893.jpg (34295 Byte) Tuebingen Synagoge 891.jpg (19972 Byte)
        

   
   
Einzelne Presseberichte zur jüdischen Geschichte 

November 2009: Fotograf des Synagogenbrandes von 1938 ist namentlich bekannt  
Tuebingen Synagoge 1938a.jpg (56742 Byte)Foto links von Richard von Frankenberg: Vor 71 Jahren ging die Tübinger Synagoge in Flammen auf. 
Artikel von Michael Petersen in der "Stuttgarter Zeitung" vom 9. November 2009 (Artikel):  
"Geheimnis gelöst - Foto der Synagoge in Flammen. 
Tübingen
- Von einem "eindrucksvollen Zeugnis eines Verbrechens", spricht die Tübinger Kulturamtsleiterin Daniela Rathe. Gemeint ist das Foto der brennenden Tübinger Synagoge, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Flammen aufging. Wie so viele andere war dieses Gotteshaus von NSDAP-Mitgliedern in Brand gesteckt worden. Das Foto ist seit langem bekannt, die Abzüge lagern im Staatsarchiv Sigmaringen. "Das Foto stammt von einem 16-Jährigen mit jüdischem Hintergrund, der das Bewusstsein gehabt hat, dass Unrecht geschieht." Tübingens Stadtarchivar Udo RauchIn Funk und Fernsehen widmete sich von Frankenberg verkehrspolitischen Themen. Gerade jungen Leuten versuchte der als Draufgänger bekannte Autofahrer die Bedeutung der Sicherheit im Straßenverkehr nahezubringen.
Mit Vollgas durchs Leben. Eine ganz andere Seite dieses Mannes beschäftigte sich mit der Aufarbeitung der Nazijahre. So schrieb von Frankenberg unter dem Pseudonym Herbert A. Quint gemeinsam mit dem rechtskonservativen Schriftsteller Walter Görlitz die erste deutsche Hitler-Biografie. Auch philosophische Themen griff er als Autor auf. Richard von Frankenberg starb am 13. November 1973 bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn bei Stuttgart. Ein Ford Transit hatte seinen Porsche abgedrängt. Aus Richard von Frankenbergs erster Ehe stammt Donald von Frankenberg, geboren 1951 in Stuttgart. Der Künstler ist in den letzten Jahren mehrfach auf eine Biografie seines Vaters angesprochen worden. Die lag bis dahin nicht vor. In der Folge hat Donald von Frankenberg, der inzwischen in Kiel wohnt, das Projekt selbst in die Hand genommen. Das Buch "Richard von Frankenberg - mit Vollgas durchs Leben" ist soeben erschienen. Die Familie seines Vaters hatte nach 1933 in Tübingen gelebt. Donald von Frankenberg war davon wenig bekannt. "Als mein Vater starb, war ich 22", berichtete er jetzt in Tübingen bei einer Veranstaltungsreihe "71 Jahre Progromnacht". Damals habe er nur wenige Fragen gestellt. "Und die Eltern erzählen ihren Kindern sowieso nichts aus ihrem Leben", lautet Donald von Frankenbergs Erfahrung. 
Jüdische Wurzeln. Er wandte sich 2007 an Tübingens Stadtarchivar Udo Rauch mit der Frage, wo denn seine Eltern in Tübingen gelebt hätten. Das ließ sich schnell herausfinden, in der Gartenstraße 34, schräg gegenüber der Synagoge. Der Vater war der Schriftsteller Alex-Victor von Frankenberg und Ludwigsdorf, die Mutter Irene-Konstanze von Brauchitsch. Aus ihrer Familie stammt der Generalfeldmarschall der NS-Zeit, Walther von Brauchitsch und auch der Rennfahrer Manfred von Brauchitsch. Dessen furchtloser Einsatz im Mercedes-Silberpfeil beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring bewunderte der junge Richard von Frankenberg vor Ort. Der Großvater von Alex-Victor von Frankenberg mütterlicherseits war Jude. Das war der Polizei bekannt, wie der Tübinger Historiker Hans-Joachim Lang herausgefunden hat. Und Richard von Frankenberg hat die jüdische Abstammung wohl schon 1933 zu spüren bekommen, als er offenbar das Freibad nicht besuchen durfte. Die aktuelle Anfrage machte in Tübingen die Runde. So führte die Spur zum Nachlass von Lilli Zapf. Die hatte sich in den sechziger Jahren intensiv mit dem Schicksal der Tübinger Juden beschäftigt. Nach ihr werden jedes Jahr Jugendgruppen für Bürgermut und Solidarität ausgezeichnet. 
Fotografieren war verboten. In Lilli Zapfs Unterlagen fand sich ein Brief von Richard von Frankenbergs Mutter, die in der Nacht des 9. November 1938 ihren Sohn beobachtet hatte: "Mein Sohn mischte sich unter die Menge und fing an Aufnahmen zu machen, da kam ein Mann, halb in Uniform und sagte, was machst du denn da, worauf er einfach sagte, ich fotografiere". Fotografieren war streng verboten. Der Mann spulte den Film zurück, belichtete ihn aber nicht. So blieben Richard von Frankenbergs Aufnahmen von der um vier Uhr früh brennenden Synagoge erhalten. Stadtarchivar Rauch stellt heute fest: "Das Foto also stammt von einem 16-Jährigen mit jüdischem Hintergrund, der offensichtlich das Bewusstsein gehabt hat, dass hier Unrecht geschieht". Donald von Frankenberg, der seinem Vater durchaus ähnlich sieht, hat erst Philosophie und Geschichte studiert und später Medizin. Er arbeitete als Arzt und seit 1996 als freischaffender bildender Künstler.
Richard von Frankenberg: Mit Vollgas durchs Leben. Autor: Donald von Frankenberg, Verlag Delius Klasing. 215 Seiten, 32 Euro."  
  
August 2010: Bericht über die "Tübinger Toraschreibe" von Hans-Joachim Lang im "Schwäbischen Tagblatt" vom 31. Juli 2010
(eingestellt als pdf-Datei).      
  
November 2011: Die "Tübinger Torascheibe" wird an die Erben zurückgegeben    
Artikel von Raimund Weible im "Schwäbischen Tagblatt" vom 24. November 2011: "Ende eines Beutekunst-Kapitels. Tübingen gibt Thorascheibe an Erben zurück. Nach langer, aber erfolgreicher Suche: Die Stadt Tübingen übergibt heute eine Thorascheibe aus ihrem Museumsbestand an den Enkel ihres Stifters..." 
Link zum Artikel    
Weiterer Artikel hierzu ebd.: "Verneinung der Vergangenheit. Avner Falk entwickelte seine Geschichte einer Thorarolle..." Link zum Artikel   
 
Weiterer Artikel von Gisela Dachs in der Zeitschrift "Die Zeit" vom 19. Januar 2012: "Freund der Juden? Der evangelische Theologe Otto Michel, der nach 1945 für eine neue deutsche Judaistik stand, verschwieg seine braune Herkunft". Link zum Artikel      
Abbildung: die restaurierte Torascheibe nach der Restaurierung (pdf-Datei)     
   
Februar 2012: Dr. Avner Falk sucht die "drei verlorenen Schwestern" der Torascheibe  
Anfrage von Dr. Avner Falk: "Die oben in den Artikeln genannte Scheibe vom Ez Chajim der Thorarolle stiftete mein polnisch-jüdischer Großvater 1927 der Synagoge von Zgierz. Diese wurde 1939 von deutschen Soldaten niedergebrannt, die Thorarolle zerrissen, und der Ez Chajim zerbrochen. Mein Großvater starb 1941 im Ghetto von Lodz. 
Nun habe ich diese Thorascheibe erhalten und restauriert, und möchte ihre drei verlorene "Schwestern" finden. Zu diesem Zweck suche ich jüdische Museen, bzw. Judaica-Händler, die diese Scheiben gesehen, gekauft oder verkauft haben könnten. Falls Sie solche Museen oder Händler kennen, oder Falls Sie eine andere Idee haben, wie man die drei verlorene Thorascheiben finden könnte, so wäre ich Ihnen tief dankbar, wenn Sie mir diese Auskünfte zukommen lassen" - E-Mail-Adresse von Dr. Falk bzw. avner.falk[et]usa.net  
  
Dezember 2012: Eine neue Gedenktafel für die 1938 zerstörte Synagoge wird angebracht 
Artikel im "Schwäbischen 'Tageblatt" vom 7. Dezember 2012: "Ein Zeichen setzen. Förderverein für jüdische Kultur enthüllt Tafel
Der vor wenigen Monaten gegründete 'Förderverein für jüdische Kultur' enthüllt am kommenden Sonntag, 9. Dezember, eine Hinweistafel. Sie erinnert an die Synagoge, die in der Reichspogromnacht von den Nazis zerstört wurde.
Tübingen. Der zahlenmäßig kleine Verein hatte seine Gründungsversammlung im September. Zwölf Mitglieder sind darin engagiert, unter ihnen der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel, der einstige Pfarrer Helmut Zwanger und AL-Stadtrat Bruno Gebhardt-Pietzsch. Vorsitzender des Vereins ist Harald Schwaderer, der früher für die DKP im Stadtrat saß. 
Insbesondere 'denkmalschützerische Aktivitäten' will der Verein angehen, so Schwaderer. Er denkt an die Sicherung, Bewahrung und Präsentation der Reste der von den Nazis in der Pogromnacht zerstörten Synagoge in der Gartenstraße. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 legten sie die Synagoge in Schutt und Asche. Übrig blieben zwei Treppenstufen, einige Fundamentsteine und ein Teil des kunstvoll geschmiedeten Gartenzauns.
Was der Verein noch alles bewerkstelligen kann, soll die Diskussion in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, sagt Schwaderer. Angedacht sind Literatur- und Filmabende oder Hebräisch-Kurse. Zunächst jedoch wollen die Mitglieder 'ein Zeichen setzen', sagt der Vorsitzende. Er will an jüdisches Leben in Tübingen erinnern, denn Anfang der 1930er Jahre lebten über 90 Tübinger jüdischen Glaubens in der Uni-Stadt.
Und er will die Eröffnung der Tübinger Synagoge vor 130 Jahren ins Gedächtnis rufen. Am 8. Dezember 1882 öffnete das jüdische Versammlungs- und Gebetshaus erstmals seine Türen. So enthüllt der Verein zusammen mit der Tübinger Geschichtswerkstatt am Sonntag um 15 Uhr vor dem früheren Eingangsbereich in der Gartenstraße 33 (Synagogenplatz) eine 55 mal 40 Zentimeter große Hinweistafel aus Aluminium – mit einem erläuternden Text und einem Bild der Synagoge."  
Link zum Artikel    
 

  
   

Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Tübingen  mit Informationen zur jüdischen Geschichte  (Link aktuell am 9.4.2013)    
Informationsseite über die Geschichtewerkstatt Tübingen: interner Link oder direkt www.geschichtswerkstatt-tuebingen.de 
Bustan01.jpg (11561 Byte)Jüdischer Verein Tübingen - Bustan Shalom  

Literatur:  

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S.  176ff.  
Germania Judaica III,2 S. 1489-1490. 
Lilli Zapf: Die Tübinger Juden. 1978².
Geschichtswerkstatt Tübingen (Hg.): Zerstörte Hoffnungen – Wege der Tübinger Juden. (Reihe: Beiträge zur Tübinger Geschichte. Hg. von der Stadt Tübingen. Kulturamt Band 8) Stuttgart 1995.  
Benigna Schönhagen: Tübingen unterm Hakenkreuz. 1991. 
dies./Wilfried Setzler: Jüdisches Tübingen. Schauplätze und Spuren. 1999.  
dies.: Jüdisches Tübingen um 1900, in: Tübinger Blätter 2001 S. 45-52. 
Martin Ulmer: Pogromnacht 1938, in: Tübinger Blätter 1998/99 S. 27-31. 
Geschichtswerkstatt Tübingen (Hg.): Wege der Tübinger Juden. Eine Spurensuche. (Dokumentarfilm). Tübingen 2004. 
Tuebingen Lit 0902.jpg (81544 Byte)Adelheid Schlott: Die Geschichte der Geschichten des Tübinger Synagogenplatzes. Mit Beiträgen von Ulrike Baumgärtner, Daniel Felder, Martin Ulmer und Michael Volkmann. Reihe: Tübinger Besonderheiten 3. Verlag der faire Kaufladen Tübingen 2009. 
Tuebingen Lit 201305.jpg (70090 Byte) Matthias Märkle: Jüdische Studenten an der Universität Tübingen 1807 bis 1871. Reihe: Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte Bd. 23. Jan Thorbecke Verlag  2013. ISBN 978-3-7995-5523-4.   € 24,90.  
Dieses Buch widmet sich mit den Studenten jüdischen Glaubens einem bislang kaum erforschten Aspekt der Tübinger Universitätsgeschichte im 19. Jahrhundert. Nicht nur bekannte Männer wie der Schriftsteller Berthold Auerbach (1812-1882) und der Bankier Kilian von Steiner (1833-1903) hatten die württembergische Landesuniversität besucht, auch viele weitere Juden zog es zum Studium an den Neckar. 
Wie stand es um ihre Integration in die Studentenschaft zu einer Zeit wachsender rechtlicher Gleichstellung, nachdem ihre Glaubensgenossen jahrhundertelang in Württemberg und anderen Territorien nicht geduldet waren? Inwieweit praktizierten die jüdischen Studierenden in Tübingen ihre Religion? Und welche Berufe ergriffen sie später? Das sind einige der behandelten Fragenkomplexe. Der Band wird durch eine Datensammlung zu den Studenten komplettiert, die sich bis 1871 immatrikulierten. 

          
     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Tuebingen Wuerttemberg. Jews were present in the 13th century, 30 of their houses being preserved to this day and indicating a population of 100-150 families. They were expelled in the Black Death persecutions of 1348-49, again in 1456, and again with the opening of the university in 1477. 
Jewish students were first enrolled in the university in the early 19th century and numbered 54 in 1842. The settlement was renewed in 1848 by Jews from neighboring Wankheim. The Jewish population rose from 34 in 1869 to 139 in 1910 (total population 19.076). While Jews participated actively in the town's public and economic life they were not accepted socially, which accounts for the unusually high rate of conversion. While 82 Jews remained in Tuebingen prior to the Nazi rise to power, another 43 were converts of offspring of mixed marriages. Antisemitism was already felt at the university in the 1920s and Jewish lecturers were dismissed in 1933. In the city, synagogue windows were smashed in 1928 and the SA often attacked Jews in the streets. The economic boycott introduced in 1933 destroyed Jewish business. By 1938 all Jewish establishments had either been closed of "Aryanized". On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned. By 1940, 68 Jews had emigrated, of whom 34 went to the U.S. and 15 to Palestine; 21 were deported to their deaths in the Riga and Theresienstadt ghettoes and in Auschwitz in late 1941 and in 1942-43. Six of 11 Jews in neighboring Rottenburg, whose medieval community was now attached to Tuebingen, were also deported (three emigrated).  
    
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge 

              

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Februar 2015