Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rosheim (Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Synagogue / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In der früheren Reichsstadt Rosheim lebten Juden bereits im Mittelalter. Während der Pestzeit wurde die jüdische Gemeinde zerstört. Seit 1454 werden Juden wieder am Ort genannt. Doch blieb ihre Zahl zunächst gering. 1507 flohen einige angeblich aus Oberehnheim vertriebene Juden nach Rosheim. In den folgenden Jahren wollte der Rat der Stadt die Juden vertreiben, was jedoch nicht gelang. Seitdem lebten kontinuierlich Juden in der Stadt, bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts waren es meist ca. acht Familien. 
   
In der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner stark zu. 1696 waren es 18 jüdische Familien. Bei der Volkszählung am 2. März 1785 wurden 53 jüdische Familien mit zusammen 268 Personen gezählt. 

Mitte des 19. Jahrhunderts (1850) gehörten bis etwa 260 Personen der jüdischen Gemeinde an. Danach entwickelte sich die Zahl wie folgt: 1870 292 jüdische Einwohner in Rosheim, 1900 242, 1910 164.    

An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Rosenweiler beigesetzt.  Im 18./19. Jahrhundert war Rosheim Sitz einer Jeschiwa und eines Rabbinates. Anfang des 19. Jahrhunderts war zuständiger Rabbiner der Rabbiner von Mutzig.  
  
1936 lebten noch 69 jüdische Personen in Rosheim, von denen im Zweiten Weltkrieg die meisten nach Südfrankreich deportiert wurden. 35 von ihnen wurden in Vernichtungslagern ermordet. 
 
Nach 1945 wurde die jüdische Gemeinde nicht neu begründet, da die Zahl der zugezogenen jüdischen Personen / Familien zu gering geblieben ist.   
   
  
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Alljährliches Essen der Chewra Kadischa (Wohltätigkeits- und Bestattungsverein; 1904)  

Rosheim Alsace 04101904.jpg (98478 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1904: "Rosheim im Elsass, 3. Oktober (1904). Am Simchasthora-Feste, nach dem Minchah-Gottesdienste, fand, wie alljährlich, im hiesigen jüdischen Restaurant ein kleines Essen der Chewrah Kadischah statt.  
Nachdem sich alle an den vorzüglichen dargereichten Speisen und Getränken gütlich getan, ergriff der Präsident, Herr Fabrikant Meyer Blum, das Wort, um wiederholend den Zweck der Chewrah zu erklären.  
Unter Zugrundelegung von Worten unserer Weisen erläuterte derselbe in beredten Worten, dass auch der einzige Zweck der Chewra nur zur Ehre Gottes sei, daher sei auch sicher anzunehmen, dass dieselbe fortbestehen werde. Unserem großen Prediger Salomo die Worte entlehnend 'es ist alles ganz eitel' (Prediger 1,2) fuhr der Redner fort zu erläutern, wie auf dieser Welt alles nur eitel sei, nichts sei von Bestand, nur reine Gottesliebe wird ewig bestehen. 
Als dann noch einige Vorträge, gesangliche wie auch deklamatorische von Mitgliedern vorgetragen waren, ging man gemeinschaftlich zum Maariwgottesdienste, mit dem Bewusststein, einige frohe Stunden im Verein verlebt zu haben, dem sonst so tiefernste Arbeit obliegt."      

    
Gründung eines Vereins zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur (1903)     

Rosheim FrfIsrFambl 04121903.jpg (68085 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Dezember 1903: "Rosheim, 26. November (1903).  Letzten Samstag wurde in hiesiger Gemeinde ein Verein zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur unter dem Namen 'Israelitischer Literaturverein Rosheim' gegründet. Der Hauptzweck des Vereins soll sein: das Halten von Vorträgen mit anschließenden Diskussionen. Ferner soll eine Bibliothek angeschafft werden, die den Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden wird. Eine Reihe von jüdischen Zeitungen sollen wöchentlich im Vereinslokal aufliehen. In den Vorstand wurden gewählt: Fabrikant Meyer Blum (Präsident), Samuel Bloch, Lehrer Weil, Paul Weil, Marc Weil und Julien Bloch. Der Verein zählt etwa 30 Mitglieder. Wünschen wir dem jungen Vereine viel Glück."  
 
Rosheim Israelit 04021904.jpg (187750 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1904: "Rosheim (Unter-Elsass), 2. Februar (1904). Ein längst gehegter Wunsch unseres Rabbiners, Herrn Dr. Goldstein, einen auf der Basis des traditionellen Judentums beruhenden jüdischen Literaturverein in der hiesigen Gemeinde zu gründen, erfreut sich nun, Dank der Anregung seitens des Herrn Weil, Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, besonders aber durch die energische Initiative des Herrn Meyer Blum, Fabrikant hier..., seiner Verwirklichung. Verflossenen Erew Schabbat  (Freitag) beraumte Herr Mayer Fabrikant Blum, Präsident des neu gegründeten jüdischen Literaturvereins, unter vorhergegangener Einladung an unseren Rabbiner, sowie an den Rabbiner von Oberehnheim, die erste Generalversammlung an, die von einer befriedigenden Anzahl Mitgliedern, u.a. von Herrn Salomon Blum, Vorsteher der hiesigen Gemeinde, besucht war. Unter dem üblichem Willkommengruß eröffnete Herr Meyer Blum die Versammlung und erteilte das Wort unserem Rabbiner, Herrn Dr. Goldstein. Dieser übertrug es einem jüngeren Kollegen, Herrn Rabbiner Dr. Bloch - Oberehnheim. Nach einer kurzen Einleitung, welche auf den Entwurf des Programms des neu gegründeten jüdischen Literaturvereins Bezug hatte, hielt Herr Dr. Bloch einen Vortrag über die Sekten im Judentum. Nach Beendigung dieses des allseitigen Beifalls sich erfreuenden Vortrags, ergriff Herr Dr. Goldstein das Wort, einerseits behufs Erweiterung des Programms im oben erwähnten Sinne, andererseits behufs einer kurzen, sachlichen Kritik bezüglich der Ausführung des Vorredners, das Kuratorium betreffend. Zum Schluss dankte der Vereinspräsident den beiden Rednern für ihre aktive Beteiligung an dem ersten Vereinsabende mit dem Wunsche, dass dieser erste Vereinsabend den Grundstein zur Befestigung und zum Gedeihen des neu ins Leben gerufenen jüdischen Literaturvereins bilden möge."   

   
Vortrag von Rabbiner Dr. Goldstein im Literaturverein (1904)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1904: "Rosheim, 13. März (1904). Verflossenen Sonntag hielt unser Rabbiner, Herr Dr. Goldstein, in unserem neu gegründeten Literaturverein vor einer zahlreich erschienenen Zuhörerschaft, unter denen sich auch eine Anzahl vornehmer Damen befanden, einen interessanten Vortrag über das Thema: 'Entstehung und Entwicklung des Vereinslebens im Judentum.' Der Vortragende behandelte den ziemlich umfangreichen Stoff mit der Knappheim, die ihm durch die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit zu Gebote stand, berührte dabei aber alle, sowohl die zum Schutze zur Erhaltung und Förderung des auf Bibel, Talmud und Schulchan Aruch bestehenden Vereinigungen des Judentums, als auch die behufs Verbesserung der sozialen Lage unserer Glaubensgenossen seit den ältesten Zeiten bis heutigen Tages ins Leben gerufenen Vereine und Gesellschaften. Herr Rabbiner Dr. Goldstein sprach frei und fließend ca. 1 1/2 Stunden lang, ohne die Versammlung zu ermüden, die mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Ausführungen folgt und zum Schluss stürmischen Beifall spendete."   

   
Der Kaiserliche Statthalter von Elsass-Lothringen, Graf von Wedel, besucht die jüdische Gemeinde (1909)
  

Rosheim Israelit 18111909.jpg (31796 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1909: "Rosheim, 1. November (1909). Anlässlich des hohen Besuches, welchem Graf von Wedel, Kaiserlicher Statthalter von Elsass-Lothringen, unsere Synagoge sowie die hiesige israelitische Gemeinde beehrte, richtete unser Rabbiner, Herr Dr. Goldstein aus Mutzig, an seine Exzellenz eine Ansprache, die großen Eindruck machte."   

   
    
Persönlichkeiten  
Josef (Jossel) von Rosheim (um 1476 - 1554) 
vgl. Wikipedia-Artikel zu Josef von Rosheim   

Bekanntester Jude der Stadt ist Josef (Josel) von Rosheim (Josef ben Gerschon). Er ist vermutlich 1476 in Haguenau geboren, war später Rabbiner am Gericht der unterelsässischen Judenschaft und lebte ansonsten vom Geldhandel. Seit 1510 war er einer der Vorsteher ("Parnas und Manhig") der unterelsässischen Judenschaft. Seit 1514 lebte er in Rosheim. Mehrfach erreichte er in den folgenden Jahren, dass geplante Vertreibungen und Ausweisungen von Juden aus mehreren Orten unterblieben. 1520 war er als "Oberster über alle Juden deutscher Nation" beziehungsweise "Befehlshaber der Judenschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" bei der Krönung Karls V. in Aachen und verhandelte mit teilweisem Erfolg über Angelegenheiten der Juden im Reich. 1539 verteidigte er die Juden gegen die antijüdischen Äußerungen Martin Luthers und Martin Bucers. 1554 starb er in Rosheim.

Rosheim Israelit 30071879a.jpg (10589 Byte)Zahlreiche Darstellungen zu Rabbi "Rabbi Roselmann von Rosheim" liegen vor. Auch in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhundert kam Rabbi Joselmann immer wieder vor. Die ausführlichste Darstellung ist die in fast 50 Folgen erschienene "historische Erzählung" in zahlreichen Ausgaben der Zeitschrift "Der Israelit" von 1878/79. 

   
Artikel zu Josef von Rosheim von Kurt Pinthus in "Bayrische Israelitische Gemeindezeitung" vom 15. August 1935

Rosheim BayrGZ 15081935a.jpg (112603 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1935: Artikel ist noch nicht ausgeschrieben, bei Interesse bitte anklicken.  
Rosheim BayrGZ 15081935b.jpg (205039 Byte)
Rosheim BayrGZ 15081935c.jpg (286519 Byte)

 


     
Zur Geschichte der Synagoge

Im Laufe der Jahrhunderte bestanden sicher mehrere Betsäle/Synagogen in Rosheim. Im 19. Jahrhundert wurde 1835 eine Synagoge in der heutigen "Rue Netter" erbaut. Sie wurde 1884 durch ein neues, bis heute stehendes, zuletzt 1959 renoviertes Gebäude in der Rue du General de Brauer ersetzt. Die Synagoge ist von neuromanischem Stil geprägt. In der NS-Zeit wurde die Synagoge entweiht. Das Mobiliar wurde gestohlen. 1959 wurde die Synagoge wieder eingerichtet und eingeweiht. Da aber in den 1960er-Jahren nur noch 14 jüdische Einwohner in Rosheim lebten, konnte die Synagoge nicht als jüdisches Gotteshaus genützt werden.

La synagogue de style néo-roman a été inaugurée en 1884. Elle a remplacé celle qui était initialement située dans l'actuelle rue Netter. La communauté juive est mentionnée dès le 13ème siècle. En 1784 on dénombrait à Rosheim plus de 260 personnes de confession juive. Réinaugurée en 1959, la synagogue n'est plus aujourd'hui affectée au culte.
The neo-roman synagogue was inaugurated in 1884 and replaced the one that was located in what is now the rue Netter. The Jewish community, mentioned as far back as the 13th century, has always been present in Rosheim. In 1784 there were more than 260 jews in Rosheim. Re-inaugurated in 1959, the synagogue is no longer active as the Jewish community is not large enough.

 

Fotos   
Fotos zur jüdischen Geschichte Rosheims:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum: sw-Fotos im Mai 1987, Farbfotos 26.7.2004) 

Rosheim Kirche 010.jpg (57489 Byte) Rosheim Rue des Juifs 010.jpg (50000 Byte) Rosheim Synagogue 106.jpg (42912 Byte)
"Jude mit Geldbörse" - mittelalterliches Spottbild auf der St.-Peter- und Paulskirche Rue des Juifs - Judengasse in Rosheim Rabbi Josselmann, dargestellt im Durchgang des westlichen Stadttores
     
Rosheim Eglise 102.jpg (52190 Byte) Rosheim Eglise 101.jpg (61807 Byte) Rosheim Eglise 100.jpg (39775 Byte)
Die St.-Peter- und Paulskirche mit dem mittelalterlichen Spottbild "Jude mit Geldbörse"

     
Fotos der Synagoge 

Fotos vom Mai 1987
(Fotos: Hahn)
Rosheim Synagogue 121.jpg (43759 Byte) Rosheim Synagogue 124.jpg (48802 Byte)
  Die 1884 erbaute Synagoge in Rosheim
   
Rosheim Synagogue 123.jpg (32583 Byte) Rosheim Synagogue 120.jpg (52775 Byte) Rosheim Synagogue 122.jpg (42320 Byte)
Gebotstafeln

 

Rosette über dem Eingangsportal Inschrift über dem Eingang
     
Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.7.2004)
Rosheim Synagogue 104.jpg (50266 Byte) Rosheim Synagogue 105.jpg (60375 Byte) Rosheim Synagogue 103.jpg (46598 Byte)
Die Synagoge von Südwesten Die Synagoge von Norden Inschrift über dem Eingangsportal
     
Rosheim Synagogue 102.jpg (51696 Byte) Rosheim Synagogue 100.jpg (47370 Byte) Rosheim Synagogue 101.jpg (56477 Byte)
Ostseite mit der Apsis des Toraschreines  Rosette und Gebotstafeln über dem Eingangsportal Westliche Fassade

Farbfotos zur Synagoge Rosheim: Link 1, Link 2, Link 3 (schöne Aufnahme November 2001)  

    
     

    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Rosheim 
Seite zur Synagoge in Rosheim (französisch)  
Seite zu Josel von Rosheim (französisch): hier anklicken  
Verzeichnis des Ministère de la culture: hier anklicken und hier anklicken 

Literatur: 

Germania Judaica II,2 S. 704; III,2 S. 1249f.
Selma Stern: Josel von Rosheim - Befehlshaber der Judenschaft in Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. 1959.

  

                   
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Stand: 01. Februar 2010