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Zur Übersicht über die "Synagogen im
Elsass"
Rosheim
(Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass)
Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In der früheren Reichsstadt Rosheim lebten Juden bereits
im Mittelalter. Während der Pestzeit wurde die jüdische Gemeinde zerstört.
Seit 1454 werden Juden wieder am Ort genannt. Doch blieb ihre Zahl zunächst
gering. 1507 flohen einige angeblich aus Oberehnheim vertriebene Juden nach
Rosheim. In den folgenden Jahren wollte der Rat der Stadt die Juden vertreiben,
was jedoch nicht gelang. Seitdem lebten kontinuierlich Juden in der Stadt, bis
zur Mitte des 17. Jahrhunderts waren es meist ca. acht Familien.
In der zweiten
Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner
stark zu. 1696 waren es 18 jüdische Familien. Bei der Volkszählung am 2. März
1785 wurden 53 jüdische Familien mit zusammen 268 Personen gezählt.
Mitte des
19. Jahrhunderts (1850) gehörten bis etwa 260 Personen der jüdischen Gemeinde an.
Danach entwickelte sich die Zahl wie folgt: 1870 292 jüdische Einwohner in
Rosheim, 1900 242, 1910 164.
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine
Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der
jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Rosenweiler
beigesetzt. Im 18./19. Jahrhundert war Rosheim Sitz einer Jeschiwa und eines Rabbinates. Anfang
des 19. Jahrhunderts war zuständiger Rabbiner der Rabbiner von Mutzig.
1936 lebten noch 69 jüdische Personen in Rosheim, von denen im
Zweiten Weltkrieg die meisten nach Südfrankreich deportiert wurden. 35 von ihnen
wurden in Vernichtungslagern ermordet.
Nach 1945 wurde die jüdische Gemeinde nicht neu begründet, da die Zahl
der zugezogenen jüdischen Personen / Familien zu gering geblieben
ist.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Alljährliches Essen der Chewra Kadischa (Wohltätigkeits-
und Bestattungsverein; 1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1904: "Rosheim
im Elsass, 3. Oktober (1904). Am Simchasthora-Feste, nach dem
Minchah-Gottesdienste, fand, wie alljährlich, im hiesigen jüdischen
Restaurant ein kleines Essen der Chewrah Kadischah statt.
Nachdem sich alle an den vorzüglichen dargereichten Speisen und
Getränken gütlich getan, ergriff der Präsident, Herr Fabrikant Meyer
Blum, das Wort, um wiederholend den Zweck der Chewrah zu
erklären.
Unter Zugrundelegung von Worten unserer Weisen erläuterte derselbe in
beredten Worten, dass auch der einzige Zweck der Chewra nur zur Ehre
Gottes sei, daher sei auch sicher anzunehmen, dass dieselbe
fortbestehen werde. Unserem großen Prediger Salomo die Worte entlehnend 'es
ist alles ganz eitel' (Prediger 1,2) fuhr der Redner fort zu
erläutern, wie auf dieser Welt alles nur eitel sei, nichts sei von
Bestand, nur reine Gottesliebe wird ewig bestehen.
Als dann noch einige Vorträge, gesangliche wie auch deklamatorische von
Mitgliedern vorgetragen waren, ging man gemeinschaftlich zum
Maariwgottesdienste, mit dem Bewusststein, einige frohe Stunden im Verein
verlebt zu haben, dem sonst so tiefernste Arbeit
obliegt." |
Gründung eines Vereins zur Pflege der jüdischen
Geschichte und Literatur (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Dezember
1903: "Rosheim, 26. November (1903). Letzten Samstag
wurde in hiesiger Gemeinde ein Verein zur Pflege der jüdischen Geschichte
und Literatur unter dem Namen 'Israelitischer Literaturverein Rosheim'
gegründet. Der Hauptzweck des Vereins soll sein: das Halten von Vorträgen
mit anschließenden Diskussionen. Ferner soll eine Bibliothek angeschafft
werden, die den Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden wird. Eine
Reihe von jüdischen Zeitungen sollen wöchentlich im Vereinslokal
aufliehen. In den Vorstand wurden gewählt: Fabrikant Meyer Blum
(Präsident), Samuel Bloch, Lehrer Weil, Paul Weil, Marc Weil und Julien
Bloch. Der Verein zählt etwa 30 Mitglieder. Wünschen wir dem jungen
Vereine viel Glück." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1904: "Rosheim
(Unter-Elsass), 2. Februar (1904). Ein längst gehegter Wunsch unseres
Rabbiners, Herrn Dr. Goldstein, einen auf der Basis des traditionellen
Judentums beruhenden jüdischen Literaturverein in der hiesigen Gemeinde
zu gründen, erfreut sich nun, Dank der Anregung seitens des Herrn Weil,
Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, besonders aber durch die
energische Initiative des Herrn Meyer Blum, Fabrikant hier..., seiner
Verwirklichung. Verflossenen Erew Schabbat (Freitag) beraumte
Herr Mayer Fabrikant Blum, Präsident des neu gegründeten jüdischen
Literaturvereins, unter vorhergegangener Einladung an unseren Rabbiner,
sowie an den Rabbiner von Oberehnheim,
die erste Generalversammlung an, die von einer befriedigenden Anzahl
Mitgliedern, u.a. von Herrn Salomon Blum, Vorsteher der hiesigen
Gemeinde, besucht war. Unter dem üblichem Willkommengruß eröffnete Herr
Meyer Blum die Versammlung und erteilte das Wort unserem Rabbiner, Herrn
Dr. Goldstein. Dieser übertrug es einem jüngeren Kollegen, Herrn
Rabbiner Dr. Bloch - Oberehnheim. Nach
einer kurzen Einleitung, welche auf den Entwurf des Programms des neu
gegründeten jüdischen Literaturvereins Bezug hatte, hielt Herr Dr. Bloch
einen Vortrag über die Sekten im Judentum. Nach Beendigung dieses des
allseitigen Beifalls sich erfreuenden Vortrags, ergriff Herr Dr. Goldstein
das Wort, einerseits behufs Erweiterung des Programms im oben erwähnten
Sinne, andererseits behufs einer kurzen, sachlichen Kritik bezüglich der
Ausführung des Vorredners, das Kuratorium betreffend. Zum Schluss dankte
der Vereinspräsident den beiden Rednern für ihre aktive Beteiligung an
dem ersten Vereinsabende mit dem Wunsche, dass dieser erste Vereinsabend
den Grundstein zur Befestigung und zum Gedeihen des neu ins Leben
gerufenen jüdischen Literaturvereins bilden
möge." |
Vortrag von Rabbiner Dr. Goldstein im Literaturverein
(1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1904: "Rosheim,
13. März (1904). Verflossenen Sonntag hielt unser Rabbiner, Herr Dr.
Goldstein, in unserem neu gegründeten Literaturverein vor einer zahlreich
erschienenen Zuhörerschaft, unter denen sich auch eine Anzahl vornehmer
Damen befanden, einen interessanten Vortrag über das Thema: 'Entstehung
und Entwicklung des Vereinslebens im Judentum.' Der Vortragende behandelte
den ziemlich umfangreichen Stoff mit der Knappheim, die ihm durch die
Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit zu Gebote stand, berührte dabei
aber alle, sowohl die zum Schutze zur Erhaltung und Förderung des auf
Bibel, Talmud und Schulchan Aruch bestehenden Vereinigungen des
Judentums, als auch die behufs Verbesserung der sozialen Lage unserer
Glaubensgenossen seit den ältesten Zeiten bis heutigen Tages ins Leben
gerufenen Vereine und Gesellschaften. Herr Rabbiner Dr. Goldstein sprach
frei und fließend ca. 1 1/2 Stunden lang, ohne die Versammlung zu
ermüden, die mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Ausführungen folgt und
zum Schluss stürmischen Beifall spendete." |
Der Kaiserliche Statthalter von Elsass-Lothringen, Graf von Wedel, besucht die
jüdische Gemeinde (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1909: "Rosheim,
1. November (1909). Anlässlich des hohen Besuches, welchem Graf von
Wedel, Kaiserlicher Statthalter von Elsass-Lothringen, unsere Synagoge
sowie die hiesige israelitische Gemeinde beehrte, richtete unser Rabbiner,
Herr Dr. Goldstein aus Mutzig, an seine
Exzellenz eine Ansprache, die großen Eindruck
machte." |
Persönlichkeiten
Josef (Jossel) von Rosheim (um 1476 - 1554)
vgl. Wikipedia-Artikel
zu Josef von Rosheim
Bekanntester Jude der Stadt ist Josef (Josel) von
Rosheim (Josef ben Gerschon). Er ist vermutlich 1476 in Haguenau geboren,
war später Rabbiner am Gericht der unterelsässischen Judenschaft und lebte
ansonsten vom Geldhandel. Seit 1510 war er einer der Vorsteher ("Parnas und
Manhig") der unterelsässischen Judenschaft. Seit 1514 lebte er in Rosheim.
Mehrfach erreichte er in den folgenden Jahren, dass geplante Vertreibungen und
Ausweisungen von Juden aus mehreren Orten unterblieben. 1520 war er als
"Oberster über alle Juden deutscher Nation" beziehungsweise
"Befehlshaber der Judenschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher
Nation" bei der Krönung Karls V. in Aachen und verhandelte mit teilweisem
Erfolg über Angelegenheiten der Juden im Reich. 1539 verteidigte er die Juden
gegen die antijüdischen Äußerungen Martin Luthers und Martin Bucers. 1554
starb er in Rosheim.
Zahlreiche
Darstellungen zu Rabbi "Rabbi Roselmann von Rosheim" liegen vor.
Auch in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhundert kam Rabbi Joselmann
immer wieder vor. Die ausführlichste Darstellung ist die in fast 50 Folgen
erschienene "historische Erzählung" in zahlreichen Ausgaben der
Zeitschrift "Der Israelit" von 1878/79. |
Artikel zu Josef von Rosheim von Kurt Pinthus in
"Bayrische Israelitische Gemeindezeitung" vom 15. August 1935
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
August 1935: Artikel ist noch nicht ausgeschrieben, bei Interesse bitte
anklicken. |
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Zur Geschichte der Synagoge
Im Laufe der Jahrhunderte bestanden sicher mehrere Betsäle/Synagogen
in Rosheim. Im 19. Jahrhundert wurde 1835 eine Synagoge in der heutigen
"Rue Netter" erbaut. Sie wurde 1884
durch ein neues, bis heute stehendes, zuletzt 1959 renoviertes Gebäude in der
Rue du General de Brauer ersetzt. Die Synagoge ist von neuromanischem Stil
geprägt. In der NS-Zeit wurde die Synagoge entweiht. Das Mobiliar wurde
gestohlen. 1959 wurde die Synagoge wieder eingerichtet und eingeweiht. Da aber
in den 1960er-Jahren nur noch 14 jüdische Einwohner in Rosheim lebten, konnte
die Synagoge nicht als jüdisches Gotteshaus genützt werden.
La synagogue de style néo-roman a été
inaugurée en 1884. Elle a remplacé celle qui était initialement située dans
l'actuelle rue Netter. La communauté juive est mentionnée dès le 13ème
siècle. En 1784 on dénombrait à Rosheim plus de 260 personnes de confession
juive. Réinaugurée en 1959, la synagogue n'est plus aujourd'hui affectée au
culte.
The neo-roman synagogue was inaugurated
in 1884 and replaced the one that was located in what is now the rue Netter. The
Jewish community, mentioned as far back as the 13th century, has always been
present in Rosheim. In 1784 there were more than 260 jews in Rosheim.
Re-inaugurated in 1959, the synagogue is no longer active as the Jewish
community is not large enough.
Fotos
Fotos zur jüdischen Geschichte Rosheims:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum: sw-Fotos im Mai 1987, Farbfotos
26.7.2004)
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| "Jude mit
Geldbörse" - mittelalterliches Spottbild auf der St.-Peter- und
Paulskirche |
Rue des Juifs - Judengasse in
Rosheim |
Rabbi Josselmann, dargestellt
im Durchgang des westlichen Stadttores |
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| Die St.-Peter-
und Paulskirche mit dem mittelalterlichen Spottbild "Jude mit
Geldbörse" |
Fotos der Synagoge
Farbfotos zur Synagoge Rosheim: Link
1, Link
2, Link 3
(schöne Aufnahme November 2001)
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 704; III,2 S. 1249f. |
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Selma Stern: Josel von Rosheim - Befehlshaber der Judenschaft in Heiligen
Römischen Reich Deutscher Nation. 1959. |

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