Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hatten (Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Synagogue / Synagoge

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In dem zwischen Haguenau (Hagenau) und Lauterbourg (Lauterburg) gelegenen Hatten bestand eine jüdische Gemeinde bis zum 20. Jahrhundert. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Bei der Zählung am 29. Oktober 1784 waren 13 jüdische Familien mit zusammen 61 Personen am Ort.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gesamtgemeinde war ein Lehrer angestellt, der teilweise auch die Aufgaben des Vorbeters und Schächter übernahm. 1877 wurde allerdings (s.u. Ausschreibungstext) die Stelle des Vorbeters und Schächters unabhängig von der Lehrerstelle ausgeschrieben.  

1808 gehörte 111 Personen zur jüdischen Gemeinde. Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl jüdischer Gemeindeglieder auf über 200 Personen, um danach wieder zurückzugehen. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk von Surbourg-Soultz-sous-Forêts.
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   

Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schächters 1877

Hatten Israelit 06041877.jpg (33680 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1877: "In der israelitischen Gemeinde Hatten bei Oberbetschdorf im Elsass ist die Stelle eines Chasan (Vorbeters) und Schochet (Schächter) vakant und sofort zu besetzen. Gehalt 12-1500 Mark pro Jahr. Kandidaten, welche lernen können, werden bevorzugt. Bewerber wollen sich bei dem unterzeichneten Vorstande melden. A. Cahn."

 
Zum Tod des Lehrers M. Silberberg 1904

Hatten Israelit 04011904.jpg (50767 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1904: "Hatten, 28. Dezember (1904). Am 24. dieses Monats wurde der 65jährige israelitische Lehrer M. Silberberg hier unter Begleitung von ca. 30 Lehrern des Kantons Sulz u.W. zu Grabe getragen. Rabbiner Bloch-Sulz u.W. betonte besonders den großen Willen des Verstorbenen und seine Anhänglichkeit zur Schule. Einer seiner Schüler, Lehrer J. Joseph in Niederrödern, widmete dem Verblichenen zum Abschiede Worte des Dankes und der Liebe. Am Grabe sprach Lehrer G. Heldt von Oberbetschdorf im Namen des Lehrervereins."
  
Hatten Israelit 07011904.jpg (32463 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1904: "Hatten. Ende voriger Woche starb im 65. Lebensjahre unser Lehrer Silberberg. Vor circa zehn Jahren trat er die hiesige Stelle an und waltete seines Amtes nach Kräften. Außer der Gemeinde nahmen etwa 50 Kollegen an der Beerdigung teil, bei welcher Dr. Bloch - Sulz dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt."

  
Gründung einer Ortsgruppe der "Vereins der Sabbatfreunde" 1909

Hatten Israelit 11021909.jpg (80086 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1909: "Hatten (Elsass), 9. Februar (1909). Unter Leitung der Herren Rabbiner Bloch-Sulz und Weil-Buchsweiler hat sich vergangene Woche hier ein 'Verein der Sabbatfreunde' konstituiert. Der Vorstand unserer Gemeinde hatte die Mitglieder auf Sonntagabend 4 Uhr eingeladen, die auch fast vollzählig erschienen war. Nachdem die beiden anwesenden Rabbiner Zweck und Ziel des Sabbatverbandes und seine hohe Bedeutung für unsere heranwachsende Jugend klargelegt hatten, ist eine stattliche Anzahl Gemeindemitglieder zusammengetreten, um sich zu einer Ortsgruppe des 'Verbandes der Sabbatfreunde' zu konstituieren. Rühmend sei besonders hervorgehoben, dass auch einige anwesende Damen sich sofort in die Liste der Mitglieder einzeichneten. Hoffentlich entstehen noch viele solcher Vereine im Elsass." 

  

Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1814 wurde eine Synagoge erbaut. 1870/71 ist sie durch einen Neubau ersetzt worden. 

1896 konnte das 25jährige Bestehen der Synagoge feierlich begangen werden:

Hatten Israelit 30071896.jpg (117692 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1896: "Hatten (Elsass). Vergangenen Schabbat Nachamu wurde das 25jährige Bestehen unseres herrlichen Gotteshauses in schönster Weise gefeiert. Die Feier wurde besonders durch die Gegenwart unseres allverehrten Herrn Oberrabbiners des Herrn Dr. Weil aus Straßburg und des Herrn Rabbiners Dr. Bloch aus Sulz u.W. erhöht. Am Freitagnachmittag wurde der Herr Oberrabbiner von den Vertretern der Gemeinde am Bahnhofe empfangen. Abends fand ein Festgottesdienst in dem aufs schönste mit Blumen und Kränzen geschmückten Gotteshause statt. Der trefflich geleitete Synagogenchor erhob die Herzen in eine andachtsvolle Stimmung. Am Samstag wurde ein Frühgottesdienst von 7 bis 8 Uhr abgehalten. Um 10 Uhr wurde der Gottesdienst durch eine tief ergreifende, Allen zu Herzen gehende Rede des Herrn Oberrabbiners wieder eröffnet. Er gedachte einleitend der Begründer des Gotteshauses, von denen leider so viele nicht mehr unter uns weilen. Er sprach über den Text: 'Wie schön sind deine Zelt Jakob, deine Wohnung Israel' und in Verbindung hiermit über die Bedeutung des Gotteshauses in früheren Zeiten und in jetziger Zeit. Hiernach richtete Herr Rabbiner Dr. Bloch in längerer Rede erhebende Worte an die Gemeinde. nach einem Rundgang mi8t den Torarollen unter Begleitung des Chorgesanges wurde jedes Gemeindemitglied zur Tora gerufen. Um 2 Uhr begann das Festessen, wozu sämtliche Gemeindemitglieder geladen waren. Von den ausgebrachten Toasten sei besonders der des Herrn Oberrabbiners erwähnt, der den Herrn Anselm Cahn als langjährigen persönlichen Freund und als Vorsteher der Gemeinde feierte, deren Wohl er eine lange Reihe von Jahren mit Opferfreudigkeit gefördert hat. Eine gemütliche Nachfeier hielt die Festgenossen bis in die späte Nacht vereint."

Die Synagoge in Hatten war Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Hatten bis Ende des 1930er-Jahre. Im Januar 1945 wurde das Gebäude bei den kriegerischen Auseinandersetzungen um Hatten zerstört.  
  

Adresse der Synagoge:   Grand'rue


Fotos der Synagoge:

Historische Karten Hatten Synagoge 100.jpg (89015 Byte) Hatten Synagoge 101.jpg (26703 Byte)
Oben und unten: Karte um 1900 mit Ausschnittvergrößerung
Hatten Synagoge 104.jpg (75955 Byte) Hatten Synagoge 103.jpg (98912 Byte) Hatten Synagoge 102.jpg (48322 Byte)
Blick auf die Synagoge

 

Links und Literatur

Links:

Französische Seite zur Synagoge in Hatten
Zur Seite über den Friedhof in Hatten (interner Link)
Verzeichnis des Ministère de la culture: hier anklicken  

Literatur:

 

                   
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Stand: 14. Mai 2007