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im Elsass"
Soultz-sous-Forêt (Sulz unterm Wald,
Sultz-Fleckenstein)
(Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem zwischen Haguenau
(Hagenau) und Wissembourg gelegenen
Soultz-sous-Foret bestand eine jüdische Gemeinde bis ins 20. Jahrhundert.
Bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts konnten sich hier einige jüdische
Familien niederlassen.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1784 lebten 34
jüdische Familien mit zusammen 164 Personen am Ort. 1808 waren es 49 Familien
mit zusammen 237 Personen. Die höchste Zahl
jüdischer Einwohner wurde um 1846 und um 1865 mit jeweils 415 Personen erreicht, danach ging die
Zahl durch Abwanderung zurück: 1870 304 jüdische Einwohner, 1910 173.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Soultz war von 1865 bis 1930 in Nachfolge von Surbourg Sitz
eines Rabbinates (Rabbinat
Surbourg-Soultz-sous-Forêt).
1936 wurden noch 116 jüdische Einwohner in
der Stadt gezählt. 1940 wurden die noch verbliebenen Juden nach Südfrankreich
deportiert. Viele von ihnen wurden ermordet.
Nach 1945 kehrten nur wenige
Überlebende in die Stadt zurück. 1953 wurden 55, 1965 noch 18 jüdische Einwohner
gezählt.
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
Zum Abschied von Rabbiner Dr. Selig Pinchas Bamberger (1896 bis 1901 Rabbiner in
Soultz-sous-Forêts)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1901: "Aus
dem Rabbinatsbezirk Sulz, 26. Siwan (= 13. Juni 1901). Gestern hat der
allverehrte Rabbiner Dr. S. Bamberger den Kreis seiner
vierjährigen Wirksamkeit verlassen, um einem Rufe als Stiftsrabbiner nach
Hamburg Folge zu leisten.
Der alte Ausspruch unserer Weisen - wenn ein Frommer von einem Ort
weggeht, hinterlässt er einen Eindruck - bewahrheitet sich auch hier
wieder. Welche Bewegung der Weggang des treuen Führers hervorgerufen,
bekundete sich auch nach außen durch die ehrenden
Abschiedsfeierlichkeiten, welche in der Abschiedswoche veranstaltet
wurden.
Heute vor acht Tagen hielt der Herr Rabbiner seine Abschiedsrede in Hatten.
Dort hatte derselbe allwöchentlich die Gemeinde um sich versammelt, um
Tora zu lehren. Hierbei war die Synagoge festtäglich geschmückt und die
ganze Gemeinde war in Festgewändern erschienen. Bevor der Herr Rabbiner
das Podium betrat, überreichte ihm der Vorstand, Herr Anselm Cahn,
ein wertvolles Geschenk, um dadurch den innigen Dank der Gemeinde zum
Ausdruck zu bringen, wie es dieser auch in einer herzlichen Ansprache
hervorhob.
Auch die kleine Gemeinde Sarberg ließ es sich nicht nehmen, ein
schönes Geschenk mit entsprechender Widmung zu überreichen.
In Sulz selbst konnte man am vergangenen Samstag bemerken, wie
schmerzlich berührt man von dem Scheiden des Herrn Rabbiners sich fühlt.
Bei der Abschiedsrede konnte man selbst Männer beobachten, welche zu
Tränen gerührt waren. In treuer Dankbarkeit überreichte die Gemeinde am
Abschiedstage ein prächtiges Andenken und alle Frauen und viele Männer
gaben Herrn Dr. Bamberger und seiner verehrten Frau noch das Geleite zum
Bahnhofe, um dort in herzlichster Weise sich zu verabschieden.
Diese Ovationen gereichen Herrn Rabbiner Dr. Bamberger zur großen Ehre.
Die Gemeinden ehrten dadurch aber auch sich selbst. Die Ovationen für
Rabbiner sind im Elsass fast gar nicht gekannt und von
Abschiedsfeierlichkeiten hatten wir bisher nie etwas vernommen. Man kann
wohl sagen - wie einer kommt, so geht er - der Rabbiner wird vom
Konsistorium der Gemeinde zugeschickt, ohne dass die Gemeinde oft auch nur
darum befragt wird, und er wird nach längerer oder kürzerer Zeit wieder
auf eine andere Stelle versetzt, ohne dass die Gemeinde den geringsten
Einfluss darauf hätte. Ein Rabbiner im Elsass hat es gar nicht notwendig,
sich im Geringsten um seine Gemeinde zu kümmern. Viele Rabbiner leben
auch ganz ruhig für sich und lassen ihre Gemeinden ruhig für sich leben
- gut oder schlecht - ganz wie es ihnen beliebt.
Es gibt aber auch andere Rabbiner im Elsass, die ihre Aufgabe erkennen,
dass sie dazu berufen sind, ihre Gemeinden zu Tora und Gottesdienst zu
führen und zu leiten. Diese erkennen mit dem ersten Führer von Israel,
wie wir es erst am Sabbat wieder vernommen, als
das |
Ziel ihres Strebens, dass doch das ganze Volk des Ewigen Propheten
wären (4. Mose 11,29). Allein der Weg, welchen diese Rabbiner
einschlagen, ist sicher nicht der richtige. Es ist wohl nicht zu zweifeln,
dass so manche ganz treue, ehrliche Jehudim sind. Sie glauben aber, es
wäre nicht opportun, ihre treue. jüdische Gesinnung --, oder, wie wir es
jetzt allgemein nennen, ihre Orthodoxie - offen zu betonen. Sie sind in
der Meinung befangen, der Name orthodox wirke im Elsass wie ein
Schreckgespenst, und sobald man als 'orthodoxer Rabbiner' auftrete, würde
man gar keinen Einfluss auf die Gemeinden im Elsass gewinnen. Man müsse zur
Ehre Gottes nach Außen als gemäßigt erscheinen und seine
'Orthodoxie' im stillen Kämmerchen des Herzens verbergen, um die
Gemeinden nciht von sich abzustoßen.
Die Tatsachen bezeugen aber, dass auf diese Weise die Jehudim im Elsass zu
niedrig eingeschätzt werden. Herr Rabbiner Dr. Bamberger hatte vom ersten
Tage seiner Wirksamkeit in Wort und Tat nicht nur gesprochen, sondern
immer offen erklärt, dass er ein orthodoxer Rabbiner sei und wo wahre
orthodoxe Interessen vertreten wurden, ließ er gerne auch seien Namen
dabei nennen. Jetzt beim Abschiede zeigte es sich offenkundig, dass man
auch in elsässischen Gemeinden das offene Eintreten für die Orthodoxie
zu würdigen versteht und ihm die Anerkennung nicht versagt. Es ist aber
selbstverständlich, dass das Kämpfen für die Tora nicht mit Kampf und
Streit um die persönlichen Interessen vermengt werden darf. Herr Rabbiner
Dr. Bamberger hatte es auch in richtiger Weise verstanden, fest und
unerschütterlich dazustehen, wenn es galt, für Tora und Mizwoh
einzustehen und friedfertig und nachgiebig zu sein, wenn es sich um seine
eigene Person handelte. Weit über den Kreis seines Rabbinats hinaus
wurden ihm daher auch als eines Mannes der Wahrheit...
tatsächliche Beweise der Liebe und Verehrung entgegengebracht. Möge er
auch in seinem neuen Wirkungskreise diese Liebe und Verehrung in reichem
Maße finden. B." |
Rabbiner Dr. Selig Pinchas
Bamberger tritt seine neue Stelle in Hamburg an (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1901:
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. |
Besetzung des Rabbinates
Soultz mit Rabbiner Camille Bloch (1902)
Anmerkung: Rabbiner Camille Bloch (geb. in Oberbronn,
Unterelsass, gest. 1939 in Dornach, Oberelsass) studierte von 1898 bis 1901 am
Rabbinerseminar in Berlin. 1902 bis 1910 war er Rabbiner in Soultz-sous-Forêt,
1910 bis 1939 in Dornach bei Mulhause.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1902:
"Straßburg, 18. Februar (1902). Es wird vielleicht nicht
uninteressant sein, zu erfahren, dass unter den sechs Kandidaten, die
dieses Jahr vom Rabbinerseminar in Berlin das Rabbinerdiplom erhielten,
vier Elsässer sind. Diesen hat jetzt das unterelsässische Konsistorium
die seit längerer Zeit unbesetzten Stellen übertragen und zwar sind
ernannt die Herren Dr. Josef Bloch nach Barr,
Camille Bloch nach Sulz
unterm Wald, Max Guggenheim nach Quatzenheim und Dr. Sylvain Lehmann nach
Schirrhofen-Bischweiler." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Der israelitische Handarbeitsverein veranstaltet eine
Lotterie (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 7. April 1905:
"Sulz am Wald. Der hiesigen israelitische Handarbeitsverein
hatte während des Winters eine Lotterie veranstaltet, deren
Reingewinn hauptsächlich zu Gunsten der russischen Auswanderer verwendet
werden sollte. Am Purim fand die Ziehung derselben statt und konnten -
nach Abzug der Kosten - von der Lotterie und der damit zusammenhängenden
Abendunterhaltung folgende Gelder zu Verfügung gestellt werden: 400 Mark
für das Auswanderungskomitee zu Basel, 250 Mark dem Armenrat von Sulz,
125 Mark der israelitischen Armenkasse
daselbst." |
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer / Kantoren
Zum Tod des Kantors Jakob Weill (1908)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Dezember
1908: "Sulz a. Wald. Im Alter von 59 Jahren verschied der
pensionierte Kantor Jakob Weill, von 1868 bis zum Februar dieses Jahres
Kantor der hiesigen jüdischen Gemeinde." |
Zur Geschichte der Synagoge
1827 wurde von der jüdischen Gemeinde an
Stelle eines älteren Gebäudes eine Synagoge erbaut, die 1860 und vor allem
1868 restauriert wurde. 1897 wurde diese Synagoge abgebrochen und durch eine am
5. November desselben Jahres eingeweihte Synagoge ersetzt.
Das Synagogengebäude wurde im Zweiten Weltkrieg schwer
beschädigt und nach 1945 wieder teilweise renoviert. 1962 wurde sie als
Synagoge für Juden aus Nordafrika für einige Zeit wieder eröffnet. Seit
einigen Jahren ist sie nicht mehr in Betrieb. Sie dient derzeit als Büro und
Sitz des "Cercle
d’histoire et d’archéologie de l’Alsace du Nord". Zwischen 2005
und 2010 wurde das Gebäude umfassend renoviert.
Standort der Synagoge: 67250
Soultz-sous-Forêt, Rue
de la Bergerie
Fotos / Darstellungen
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Historische Fotos:
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Ansichtskarten aus
Soultz-sous-Forêt (Sulz unterm Wald)
Quelle der Karte rechts: hier
anklicken |
Detail |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 43.122.
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