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im Elsass"
Ingwiller (Ingweiler,
Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert
zurück.
Erstmals werden 1604 Juden in der Stadt genannt. Am Ende des 17. Jahrhunderts
waren es sechs jüdische Familien, 1784 38 Familien mit zusammen 195 Personen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 250 jüdische Einwohner, 1846 486, 1861 399, 1866 409, 1900 343,
1910 310.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
jüdische Schule (seit 1836 jüdische Konfessionsschule; im Gebäude neben der
Synagoge), ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum
Rabbinat Bouxwiller, nach 1945 zum Rabbinat Saverne.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sind zahlreiche Familien in größere
Städte gezogen.
1936 wurden noch 168 jüdische Einwohner in Ingwiller gezählt.
Diejenigen, die in den folgen vier Jahren nicht den Ort verließen, wurden 1940
unter der deutschen Besatzung nach Südfrankreich deportiert.
Von den in Ingwiller geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moise Baer (1866), Robert
Bloch (1890), Emile Braun (1876), Eugenie Debre (1861), Esther (Estelle) Dublon
geb. Uhry (1875), Blanche Franck (1888), Robert Gerst (1930), Margot Halbronn
geb. Wolff (1913), Robert Isaac (1918), Laure (Laura) Job geb. Weiss (1881),
Cecile Kahn geb. Uhry (1885), Adolphe Klein (1891), Emma Levy (1879), Mina Lévy
geb. Meis (1884), Salomon Levy (1874), Isaac Loeb (1867), Marguerite Loeb
(1899), Julie May geb. Meis (1903), Michel Metzger (1872), Julius Meyer (1890),
Myriam (Mina) Meyer geb. Netter (1888), Fernand Reblaub (1903), Pierre Reblaub
(1929), Sylvain Reblaub (1899), Emma Samuel (um 1890), Zélie (Celie) Samuel
(1884), Alice Simon geb. Braun (1909), Sarah Stock geb. Metzger (1889), Gédéon
Weil (1893), Henri Weil (um 1915), Fanny Wolf (1889), Clemence Wolff (um 1888),
Fanny Wolff (1910), Maurice Wolff (1878), Berthe Wormser geb. Samuel
(1882).
Nach 1945 kehrte ein Teil der
Überlebenden zurück. 1969 hatte die jüdische Gemeinde etwa 100 Mitglieder.
In der Folgezeit ging die Zahl der jüdischen EInwohner stark
zurück.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Zum Tod des Lehrers A. Mayer, 1900/1901 Lehrer in Ingweiler
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1901: "Ingweiler
(Elsass), im Februar (1901). Ein imposanter Leichenzug bewegte sich am
Mittwoch, den 31. Januar durch die Straßen unseres Städtchens dem jüdischen
Friedhofe zu. Galt es doch unserem so jung verstorbenen Lehrer A. Meyer
das letzte Geleite zu geben. Trotzdem er kaum ein Jahr in unserer Gemeinde
gewirkt hatte, erfreute er sich doch der allgemeinen Liebe und Achtung.
Seiner Bahre folgte die ganze jüdische Gemeinde und die Lehrer des
Kantons Buchsweiler. Am Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr.
Weill-Buchsweiler und Kreisschulinspektor Gasser - Zabern, welche beide
das frühe Hinscheiden des braven Mannes und tüchtigen Lehrers beklagen.
Herr Meyer wurde nur 39 Jahre alt. Er hinterlässt eine trauernde Witwe
mit vier unmündigen Kindern. Gott tröste sie!" |
Aus
dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung eines Literaturvereines "Progressia" (1903)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Ingweiler
(Elsass). Ein neuer Literaturverein wurde vor einigen Wochen von unserer
Jugend unter dem Namen 'Progressia' ins Leben gerufen. Unser verehrter
Herr Rabbiner Dr. Weill - Buchsweiler hat uns regelmäßige Vorträge
zugesagt. Am ersten Vortragsabend sprach derselbe über 'Jüdisches Wissen
überhaupt'." |
Zur Gründung eines jüdischen Handarbeitsvereins (1904)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember 1904:
"Ingweiler
(Elsass). Nachahmenswert! In unserer Gemeinde hat sich eine Anzahl junger
Damen zu einem Handarbeitsverein zu Gunsten der jüdischen Auswanderer aus
dem Osten Europas zusammengefunden. Der Reinertrag wird dem Hilfskomitee für
jüdische Auswanderer in Basel zur Verfügung gestellt werden. Zur Präsidentin
wurde Fräulein Zelie Netter, zur Kassiererin Fräulein Irma Uhry gewählt." |
Gründung einer Ortsgruppe der Misrachi-Bewegung
(1920)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Januar
1920: "Aus der Misrachi-Bewegung.
Ingweiler. Hier hat sich mit Paul Loeb, Lucien Bloch und Benjamin
Lemmel als Vorstand einer Ortsgruppe gebildet." |
Zur Geschichte der Synagoge
1776 wird erstmals eine Synagoge genannt.
1809 konnte die jüdische Gemeinde Ingwillers die Überreste
des ehemaligen Schlosses der Grafen von Lichtenberg erwerben. Über den
ehemaligen Kellerräumen errichtete sie 1822 ein Gebäude im Stil
des 18. Jahrhunderts, von dem ein Teil als Betsaal diente. Erst im Jahre 1870
wurde das Gebäude zu einer Synagoge umgebaut (mit Einbau einer Frauenempore). 1891-92 wurde
die Synagoge in westlicher Richtung vergrößert und 1903 mit einer Kupferkuppel ausgestattet.
Im 2.
Weltkrieg wurde die Synagoge unter der deutschen Besatzung von
Nationalsozialisten geplündert.
Nach 1945 konnte sie wieder restauriert und
eröffnet werden.
Adresse/Standort der Synagoge: Cour de Château,
67340 Ingwiller
Fotos
(Neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 13.5.2004)
| Historische Ansichten |
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| Historische
Ansichtskarte; rechts Ausschnittsvergrößerung: die Synagoge |
Karte mit Ansicht der Synagoge |
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| Gesamtansichten
von Ingwiller mit Eintragung des Standortes der Synagoge |
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| Neuere Fotos |
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Erinnerung an die
frühere jüdische Geschichte der Stadt:
die "Judegass" (Rue des
Juifs) |
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| Die Synagoge in
Ingwiller |
Drei Innenaufnahmen der
Synagoge:
hier
anklicken |
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Besichtigung
der
Synagoge in Ingwiller bei der Jahrestagung der "Alemannia
Judaica" am 30. Oktober 2011
(Fotos: Hahn) |
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Auf dem Weg
zur Synagoge |
Die
Synagoge von der Ostseite: links die beiden Eingänge (links zur
Frauenempore, rechts Männereingang); auf dem rechten Foto
ist die Nische des Toraschreines erkennbar |
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Begrüßung
durch einen der derzeit nur wenigen jüdischen Einwohner
Ingwillers mit Einführung in die Geschichte der Synagoge |
Historische
Foto
der Synagoge |
Die Gruppe vor
dem
Aufgang zur Synagoge |
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Im Garten
erhalten: die früheren
Toiletten zur Synagoge |
Blick auf die
Synagoge
von Westen |
Eingemauert: obere
Teile des
Toraschreins der alten Synagoge |
Blick zur Kuppel
mit
einer alten Uhr |
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Das
Foto oben in hoher Auflösung |
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| Aufgang
zur Synagoge mit eingemauerten Gebotstafeln |
Eingang
zum Betsaal mit Inschrift:
"Dies ist das Tor zum Ewigen,
Gerechte gehen durch es hinein"
(Psalm 118,20) |
Torarolle
der jüdischen
Gemeinde Ingwiller
von 1956
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Waschbecken
vor dem Betsaal |
Im
Betsaal - oben ist die Frauenempore erkennbar |
Einige
der Torarollen im Toraschrein |
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Torarolle der
Gemeinde zur
Erinnerung an die Opfer der Schoa |
Die
Torarolle ist mit einer Mappa (Torawimpel) eingewickelt
(Wikipedia-Artikel) |
Beim
Aufrollen
einer Mappa |
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| Blick zum
Toraschrein - im Vordergrund ein Chanukka-Leuchter |
Die Gruppe
vor
dem Toraschrein |
Blasen eines
Schofar |
Tafel mit Namen
der in der Shoa aus Ingwiller Umgekommen |
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Rückweg von der
Synagoge |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 31.87.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Ingwiller
(German Ingweiler) Bas-Rhin dist. The Jewish presence dates from 1604. At the
end of the 17th century, there were six Jewish families. In 1784 there were 38
Jewish families (195 persons). From 1776 they maintained a synagogue. Half of
the Jews in Ingwiller traded in livestock. In 1805, the Jewish population
numbered 400, and peaked at 550 in the middle of the 19th century. A new
synagogue was founded in 1822 and an elementary school in 1836. By the end of
the 19th century there was a drop in population due to emigration. The Germans
expelled the 166 Jews in Ingwiller to the south of France, together with the
rest of Alsace-Lorraine Jews. Twelve Jews were deported to concentration camps.
The synagogue was looted and the cemetery was destroyed. In 1969, the community
consisted of fewer than 100 persons.

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